*Pflicht und Ehre*

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    Ich begrüße euch zu meiner Fanstory: *Pflicht und Ehre*


    *Pflicht und Ehre* gehört zu meinen frühen Werken und zeichnet sich durch einen schneidigen, bissigen, teilweise sogar zynischen Humor - zu dem sich hauptsächlich der Protagonist verantwortlich zeigt - deutlich von meinen anderen Werken ab. Die anfangs noch fixe Idee, Sheinux, einen sehr schlagfertigen, rotzfrechen Parkbewohner widerwillig auf eine kleine Reise zu schicken, endete nach Jahren des Schreibens in mein bislang größtes Werk, das sich über insgesamt drei Bücher erstreckt. Wie lange ich mich mit dieser Geschichte bereits beschäftige, erkennt man insbesondere daran, dass mein Schreibstil im Laufe der Erzählung ganz andere Formen annimmt, authentischer schildert, mehr Liebe zum Detail entwickelt.


    Die Geschichte deckt verschiedene Genre-Elemente ab. Geht es zu Beginn, genau genommen im ersten Buch, insbesondere um eher ungezwungene Unterhaltung/ungezwungenen Humor, nimmt das Handlungsgeflecht spätestens im zweiten Buch Bahnen von Dramatik an und endet im dritten Buch mit Aspekten, die wohl am ehesten dem Thriller-Bereich zuzuordnen sind, wobei auch dann der (passende) Humor jedoch nicht verloren geht.
    Wie bei vielem, was ich schreibe, sind auch in *Pflicht und Ehre* etliche Anspielungen, Huldigungen und Referenzen versteckt. Sie alle zu finden ... ich glaube, das wäre selbst mir heute nicht mehr möglich.
    Allen Lesern wünsche ich an dieser Stelle dasselbe Vergnügen beim Lesen, das ich beim Schreiben hatte.



    [tab=Über die Geschichte]


    Buch 1: Reise wider Willen


    Prolog


    Als ob einmal nicht bereits der Schande und Schmach genug wäre, nein, gleich zweimal! Kaum hatte mich aus den Fesseln meines ... *räusper* Ex-Trainers befreit und mich nichtsahnend und ohne böse Absicht auf den Nachhauseweg gemacht, da fängt dieser ganze Pokémon–Trainer-Quatsch erneut an ... Der hat vielleicht Nerven! Oder vielleicht weiß er einfach nicht, wen er vor sich hat? Ich, Sohn des Sechsten Hauses, unangefochtener Champion und Revierherrscher des westlichen Nationalparks, großmeisterlicher Mülltonnendurchwühler, mit dem blechernen Bierdeckel ausgezeichneter Meisterlangfinger ... Ja, die Liste meines berühmt und berüchtigten Rufes ist scheinbar endlos lang. Und diese Errungenschaften soll ich wieder aufgeben, nur weil irgendein Bekloppter mir in einem kurzen Augenblick der Unachtsamkeit einen Ball gegen die Rübe gescheuert hat?


    Dummerweise muss ich gestehen, dass eben dieser meinen räudigen Pelz ... na ja ... gerettet hat, auch wenn ich mich vielleicht selbst aus meiner misslichen Lage hätte befreien können. Leider verbietet das ungeschriebene Gesetz der Straße es mir, meinen ... *hmpf* Trainer, nach einer solchen Heldentat einfach hängen zu lassen. Was jedoch nicht heißt, dass ich es ihm leicht machen werde. Oh nein!



    Die Protagonisten


    Name: Sheinux, Sohn des Sechsten Hauses, unangefochtener Champion und Revierherrscher des westlichen Nationalparks, großmeisterlicher Mülltonnendurchwühler und mit dem blechernen Bierdeckel ausgezeichneter Meisterlangfinger.
    Alter: Das geht euch gar nichts an! Okay, in Ordnung ... Ich bin sieben. Was dagegen?
    Herkunft: Nationalpark. So nennen ihn zumindest die Menschen.
    Merkmale: Ich muss wohl eingestehen, dass ich mich nicht sonderlich von dem nullachtfünfzehn Pokémon von nebenan unterscheide. Dennoch bin ich recht stolz auf mein prächtiges jadefarbenes und vielleicht etwas buschiges Fell. Trotz der inzwischen sicherlich bereits eintausend Mülltonnen, die ich erfolgreich durchwühlt habe, glänzt es noch immer so, wie bei meiner ersten Abfallsondierung. Ach, die guten alten Zeiten ...
    Charakter: Mein Charakter? Könnt ihr die Wahrheit überhaupt verkraften? Nun gut. Ich schätze mich selbst als etwas eingebildet ein, vielleicht sogar etwas aufgeblasen, was ich mir jedoch aufgrund meines Rufes aber auch leisten kann, klar? Weiterhin besitze ich ein hohes Ehr- und Pflichtgefühl. Doch genau diese Eigenschaft ist es, die mich zu meinem Leidwesen an meinen ... Trainer bindet und somit meinen ungebrochenen Freiheitstrieb unterdrückt.
    Weiter im Text: Ich werde von meinem näheren Bekanntenkreis als recht kampflustig und ehrgeizig beschrieben. Schließlich muss man ja seinen Ruf verteidigen und sich nicht alles gefallen lassen, oder? Ein richtiger Rebell eben.
    Vielleicht, aber auch nur vielleicht, bin ich etwas naiv, besonders was meinen geistigen Horizont im Bezug auf den Umfang unserer Welt angeht. Bislang war eben einzig und allein der Nationalpark das Zentrum meines Lebens. Etwas anderes kannte ich vorher nicht ...
    Ich bin von Natur aus sehr neugierig und lasse es mir nicht nehmen, alles was mir fremd ist, genau unter die Lupe zu nehmen. Besonders wenn es darum geht, eine mir unbekannte Delikatesse zu finden.
    Habe ich etwas vergessen? Ach ja: Ich verhalte mich recht tugendhaft. Ich tue also das, was richtig ist, oder zumindest das, was ich für richtig empfinde.




    Name: Stan
    Alter: Was fragt ihr mich? Weiß ich doch nicht ... Ich würde ihn allerdings zwischen dreizehn und vierzehn einschätzen.
    Herkunft: Ein Fleck namens Azalea City, das hat er zumindest irgendwann mal behauptet.
    Merkmale: Ein typischer Mensch eben. Trägt irgendwelche knallbunten Fetzen und versteckt seine Frisur ständig unter einem hellfarbenen Deckel. Ich würde ihn mal für sein Alter als mittelgroß einstufen, zumindest hat er ungefähr die selbe Größe, wie sie damals die anderen Eindringlinge seines Alters in meinem Revier hatten. Außerdem trägt er nahezu pausenlos einen großen Beutel auf seinem Rücken, aus dem er die sonderbarsten Gegenstände hervorzaubert.
    Charakter: In meiner Karriere als Revierherrscher des westlichen Nationalparks habe ich schon so manch einen Menschen beobachtet, aber so jemanden wie Stan habe ich noch nie gesehen ... Stan ist scheinbar extrem schüchtern, fast schon feige. Selbstvertrauen scheint er gänzlich gar nicht zu besitzen. Er stellt sich oft sehr tölpelhaft und unbeholfen an, besonders wenn es um das Kontaktknüpfen zu seinen Leuten angeht. Offenbar ist er das, was man wohl einen typischen Einzelgänger bezeichnet.
    Was noch ...? Ach ja: Stan ist eher von der langsamen und unsicheren Sorte, zumindest wenn es um das Fällen von Entscheidungen geht. Ich meine, was gibt es da noch groß zu überlegen, wenn man vor einer Mülltonne steht? Man wirft sie um und erfreut sich an der Ausbeute. Stan jedoch würde in solchen Fällen stundenlang einen ausgereiften Plan austüfteln und die Konsequenzen seines Vorhabens abwiegen. Aber mein lieber Stan: Bis dahin ist die Mülltonne doch längst geleert ...
    Es scheint fast so, als wäre er bei jedem seiner Schritte unsicher. Egal, was er auch tut, egal was es auch sein mag: er ist einfach total unsicher. Man könnte ihn fast schon als überängstlich bezeichnen. Einzig, wenn es um Dinge wie essen und irgendwelche technische Spielereien geht, scheint er genau zu wissen, was er will. Insbesondere hirnzellenzerstörende Videospiele haben es im sehr angetan.
    Alles in allem ist er aber recht nett. Man muss ihm wohl nur eine Chance geben und ihm gut zureden.
    Eines noch: Stan hat ein Faible für Luftfliegedinger aller Art. Zu meinem Leidwesen muss ich gestehen, dass ich solche Dingenskirchen überhaupt nicht mag. Na, das kann ja heiter werden ...


    [tab=Inhaltsverzeichnis]



    Inhaltsverzeichnis


    Kapitel 1: Der kurze Geschmack der Freiheit
    Part 1: Die Entlassung
    Part 2: Wunderbare Freiheit?
    Part 3: Ausweglos


    Kapitel 2: Und wieder beginnt das alte Lied...
    Part 1: Im Paradies?
    Part 2: Schmach
    Part 3: Unter Menschen


    Kapitel 3: Eine Frage der Ehre
    Part 1: In den Fängen des Feindes
    Part 2: Nachtmahr
    Part 3: Flucht als letzter Ausweg


    Kapitel 4: Ein Mensch namens Stan
    Part 1: Alberner Mensch
    Part 2: Auf Beutezug
    Part 3: Na denn Mahlzeit


    Kapitel 5: Der Höllentrip beginnt
    Part 1: Aufbruch ins Ungewisse
    Part 2: Was soll der Lärm?
    Part 3: Lange Rede, kurzer Sinn
    Part 4: Keine wirkliche Herausforderung?


    Kapitel 6: Geteiltes Bett ist halbes Bett
    Part 1: Nostalgische Gefühle
    Part 2: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben
    Part 3: Züchtigung
    Part 4: Zimmerkameradschaft


    Kapitel 7: Willkommen im Club, Leidensgenosse
    Part 1: Frühstück unter Freunden
    Part 2: Kälter als Eis: Stan
    Part 3: Widerstandslose Gefangennahme


    Kapitel 8: Oliviana City: Ende der Hatz?
    Part 1: Gestatten, Feurigel: Klein, faul und verfressen
    Part 2: Groß, Größer, Oliviana City
    Part 3: Apathie


    Kapitel 9: Eine Seefahrt, die ist lustig?
    Part 1: Soll mir das etwas gefallen?
    Part 2: Abschied vom Festland
    Part 3: Streichelzoo. In der Hauptrolle: Sheinux


    Kapitel 10: Aber doch bitte nicht auf meine Kosten...
    Part 1: Verrat
    Part 2: Voltenso
    Part 3: Vom Teufel besessen


    Kapitel 11: Das Turnier
    Part 1: Von Gewissensbissen und Schuldgefühlen
    Part 2: Die Ruhe vor dem Sturm
    Part 3: Feurigel ganz groß
    Part 4: Schwalboss' Höhenflug


    Kapitel 12: Ring frei für Runde zwei
    Part 1: Der Weg in die nächste Runde
    Part 2: Auf die Ersatzbank verdammt
    Part 3: Unverhofft kommt oft


    Kapitel 13: Das Finale
    Part 1: Geheimniskrämerei
    Part 2: Kein Weg zurück
    Part 3: Alle Klarheiten beseitigt?
    Part 4: Aufeinandertreffen der Gewalten


    Kapitel 14: Ein neuer Weggefährte
    Part 1: Urlaub vom Urlaub
    Part 2: Ein vertrautes Gesicht
    Part 3: Von Freundschaft und Rivalität
    Part 4: Die bittere Wahrheit


    Kapitel 15: Wieder allein
    Part 1: Das Ende einer Freundschaft?
    Part 2: In Schuld und Schande
    Part 3: Bilder aus alten Tagen
    Part 4: Loyalität


    [tab=Trivia]


    Trivia


    In Trivia werden interessante Hintergrundinformationen zu der Entstehung und dem Ablauf der Geschichte erzählt. Meist geht es dabei um besondere Textstellen in der Geschichte.



    Die Protagonisten:



    • Sheinux' Titel ist etwas an der Anrede von Lwaxana Troi aus dem Star Trek-Universum angelehnt.
    • Tugendhaftigkeit, eine Eigenschaft von Sheinux, ist eine Eigenschaft, mit der ich mich selbst gerne identifiziere.
    • Die Figur des Stan ist in vielerlei Hinsicht an meine Person angelehnt.


    Kapitel 1:


    • Das komplette Kapitel 1 entstand in weniger als einem Tag. Die Ideen zu diesem Kapitel hatte ich in wenigen Tagen beisammen.
    • Das "njam, njam, njam" in Part 2 ist eine unauffällige Anspielung an die Herr der Ringe-Parodie "Lord of the Weed"
    • Das Erscheinen von einem Reptain ist ein Tribut an meine Fanstory "Die Zeitkrise", bei der eben diese beide Charaktere eine Hauptrolle spielen.

    Kapitel 2:


    • Der Titel des zweiten Kapitels (Und wieder beginnt das alte Lied) ist ein Tribut an Jan Hegenbergs Lied: Des Gamers Schlaflied
    • Die positiven Gefühle von Sheinux im Bezug auf einen neuen Tag ist ein weiterer Tribut an meine Fanstory "Die Zeitkrise"
    • Sheinux' Antipathie gegen die Anrede "es", bezieht sich auf meine persönliche Ansicht, dass es in meinen Augen verachtenswert ist, ein Lebewesen mit "es" anzusprechen, sofern natürlich ein Geschlecht besteht.

    Kapitel 3:


    • Die Idee mit dem Albtraum in Part 2 kam völlig spontan. Mir gefiel die Idee jedoch gleich auf Anhieb sehr gut und baute sie aus diesem Grund auch ein.
    • In meiner Fanstory "Die Zeitkrise", leidet der Protagonist auch häufig unter ähnlichen Nachtmahren.

    Kapitel 4:


    • Der Satz "Ich kenne den Weg", ist eine kleine Anspielung auf die Winnie Pooh-Parodie "Pimmelofant"
    • "Hauptsache dein Bauch glänzt", bekam ich in meinem Leben ungerechterweiße recht oft zu hören. Ich fand es sofort sehr witzig, ihn hier in diese Geschichte einzubauen.

    Kapitel 5:


    • Zu der Zeit, als ich dieses Kapitel schrieb, lag ich im Krankenhaus uns hatte selbst mit nervtötenden Pieps-Geräuschen (EKG) zu kämpfen. Daher konnte ich mit Sheinux gut mitfühlen.
    • "shuwut" ist eine Anspielung auf Blackdracos Geschichte "Born to be wild"
    • Das Sheinux mit den Namen der Attacken nichts anfangen kann, ist ein weiterer Tribut an Blackdracos Geschichte.

    Kapitel 6:



    • Spätestens in diesem Kapitel wird klar zu erkennen, wie menschenscheu Stan tatsächlich ist.
    • "Der Erfolg liegt auf der Hand" und der Kalauer mit dem überfluteten Badezimmer gehören zu meinen gängigsten Stimmungsbringern im wirklichen Leben.
    • Tom und Mike sind die Namen einiger meiner engsten Gildengefährten in dem Online-Spiel "Guild Wars". Ihre Charakterzüge sind jedoch nicht wirklich unter diesen beiden Figuren zu finden. Einzig und allein ihre Namen habe ich mir "geliehen."


    Kapitel 7:


    • Felix' Bemerkung über das Chaos in der Bibliothek von Fleetburg ist eine Anspielung auf das fünfte Kapitel von Blackdracos Geschichte "Born to be wild"
    • Zufälligerweise hatte es am Vortag, an dem dieses Kapitel entstand, bei uns sehr heftig geregnet. Die Szenenbeschreibung in Part zwei ist daher meiner schönen Heimat nachempfunden.
    • Cattleya-Blumen sind besonders unter den Liebhabern der "Advance-Wars"-Reihe ein Begriff. Rein zufällig zähle ich mich auch darunter und war bei Entstehung dieses Kapitels fleißig am Spielen.

    Kapitel 8:


    • In diesem Kapitel hatte ich meine erste, große Schreibblockade
    • Oliviana City wird weder im Spiel, noch im Animé als wirkliche Großstadt beschrieben. Ich ließ mir jedoch in meiner Geschichte meiner künstlerischen Freiheit freien Lauf.
    • Sheinux' schlagfertige Antwort auf die Wolkenkratzer-Geschichte, hatte ich vor Jahrzenten in abgewandelter Form aus einer Hörspielkasette von Bibi Bloxberg aufgeschnappt. Ich fand den Spruch, gerade für Sheinux' Charakter, mehr als nur passend.
    • Mir ist bewusst, dass ein wirklicher Arzt Sheinux' Symptome wesentlich besser beschrieben, und die Diagnose auch umfangreicher verkündet hätte. Dummerweise war ich bislang ein recht gesunder Mensch und hatte mit Ärzten glücklicherweise nur recht wenig am Hut. Aus diesem Grund auch die nur dürftige Beschreibung.
    • Die Szene, bei der Stan Sheinux krault, wollte ich eigentlich bereits in Kapitel 6 einbauen, was ich jedoch aus, für dieses Kapitel unpassenden Gründen, nicht tat.

    Kapitel 9:


    • Sheinux' Unwissen auf die Redensart "In See stechen" ist auf einen recht bekannten Blondenenwitz angelehnt.
    • Im Grunde wollte ich Part 3 völlig anders schreiben. Die Idee, dass er sich vor Frust verletzt hatte ich zwar bereits vorher, doch der Ausgang dieses Kapitels kam mir völlig spontan. Stattdessen wird das nächste Kapitel das enthalten, was ich hier eigentlich unterbringen wollte.

    Kapitel 10:


    • Feurigel hatte ich in Part 1 völlig vergessen zu erwähnen. In Part 2 holte ich dies recht kurz nach.
    • Die Szene mit Stan im Spielkasino spielt sogar zwei Dinge gleichzeitig an. Zum Ersten ist sie natürlich ein Tribut an das Lied Lemon Tree von Fool's Garden. Außerdem spielt sie auf meine erste Überfahrt nach England an, bei der ich, bei heftigen Seegang, ebenfalls an einer Arcade Station stand, während meine Klassenkameraden über der Reling hingen und sich im Weitkotzen übten.
    • Der Satz, mit dem der Kaufmann Stan zurückpfeifte, ist der Selbe, den der Verkäufer aus "Zelda - Links Awakening" Link bei einem seiner versuchten Raubzügen gegen die Birne schleudert.

    Kapitel 11:


    • Außer Eric Anderson, hat jeder Teilnehmer des Turniers einen Namen, der mit einem meiner Lieblingsspiele in Verbindung steht: Teresa Lockheart (Tifa Lockheart - Final Fantasy 7), Phil O'Brien (Kommandant O'Brien - Advance Wars Days of Ruin), Stan Leonheart (Squall - Final Fantasy), Colin Knox (Colin - Advance Wars 2), Cecilia Murdock (Linsey Murdock, bzw. Cecilia Murtor - Guild Wars), Zhana Mic (Zhana Agonskaya - Command & Conquer Alarmstufe rot 3), Ray Valentine (Jill Valentine - Resident Evil)
    • Ironischerweise trägt Stan den Namen "Leonheart", was man umgangssprachlich mit "Mut eines Löwen" übersetzen könnte.
    • Colin Knox setzt, im übertragenen Sinne, nur Pokémon vom Typ "Maus" ein
    • Die Figur der Zhana Mic ist tatsächlich sehr stark an Zhana Agonskaya aus C&C angelehnt. Ihr äußeres, ihre Stimme, sowie ihre Liebe für den Typ Flug, sind deutliche Zeichen dafür.
    • Es war im Grunde geplant, den zweiten Teil von Rays Kampf in Kapitel 4 zu veröffentlichen. Da das Kapitel aber bereits alarmierende Ausmaße angenommen hatte, entschied ich mich kurzfristig dagegen.
    • Es war für mich das erste Mal, dass ich Trainerkämpfe so detailiert schildere.

    Kapitel 12:


    • Das Verhalten des Ringrichters ist sehr stark an das des Kommentators aus der Dragonball-Saga angelehnt
    • Die Kämpfe sind recht realitätsnah: Zubat ortet seinen Gegner durch Schall, und kann daher seinen Gegner trotz Rauchwolke orten. Superschall hat keinen Effekt auf ein schlafendes Pokémon. Über die Verwendung von Horrorblick lässt sich jedoch streiten.
    • Bis zum Schluss hatte ich die Absicht, Feurigel den Kampf, wenn auch nur knapp, gewinnen zu lassen. Durch meinen recht spontanen Schreibstil, entwickelte sich die Geschichte jedoch anders, was ich allerdings auch nicht bedaure.

    Kapitel 13:


    • Wer wirklich den ganzen Text gelesen hat, kann selbst herausfinden, wie Stan plötzlich zu Sandan gekommen ist.
    • Auf das Wortduell zwischen Sheinux und Voltenso hatte ich mich bereits seit Voltensos ersten Auftritts gefreut.
    • Bei dem Kräftemessen von Sheinux' und Voltensos Elektroattacken hatte ich mich etwas an die Strahlenduelle aus dem Dragonball-Universum orientiert.

    Kapitel 14:


    • "Rivalität", eine von Sheinux' Fähigkeiten, ist für die das Verhältnis zwischen Sheinux und Pikachu wie maßgeschneidert.
    • Bei der Anrede "Maus" orientierte ich mich an der Beziehung Brandor Grimmflamm und Gwen aus Guild Wars - Eye of the North
    • Pikachus Beliebtheit in der Story ist sehr realitätsnah gehalten.
    • Sheinux' Kommentar zum Stillschweigen seines Trainers, als er dem Zustand seiner Pokémon gefragt wurde, und Colin darauf antwortete ("Warum musste eigentlich Colin für meinen Trainer sprechen?") ist ein persönlicher Angriff auf das ewige Schweigen des Helden-Prinzips von Nintendo.
    • Der Ausgang dieses Kapitels war tatsächlich seit Sheinux' Unfall in Oliviviana City (6 Kapitel vorher) von mir geplant gewesen.

    Kapitel 15:



    • Der Anfangsgedanke zu diesem Kapitel sah bei meinen ersten Überlegungen (etwa als ich mich mit Kapitel 10 befasst hatte) noch ganz anders aus:

    1.) Sheinux war froh, dass er endlich von Stan weg war


    2.) Auf seinem Streifzügen fand ohne fremde Hilfe mitten im Wald eine Mülltonne
    3.) Als Redegefährten war ein Rattfratz vorgesehen
    4.) Fiffyen war niemals geplant gewesen
    5.) Das letzte Kapitel sollte eigentlich in zwei Kapiteln erzählt werden


    • Sheinux reagiert recht schüchtern auf seine weibliche Begleitung. Dies erkläre ich durch seine Fähigkeit "Rivalität" durch die er unteranderem oftmals mit seinen männlichen Begleitern und Bekanntschaften in Zwist gerät.
    • Der Traum, kurz bevor Sheinux auf Stan und Colin traf, war eine fixe Idee von mir, die ich im Nachhinein auch als sehr gelungen erachte.
    • Sheinux' vernichtende Attacke ist "Ladungsstoß", ein Angriff, welcher er laut Spiel erst auf einem extrem hohen Level erreicht.
    • Das letzte Kapitel ist auch zeitgleich das größte



    [tab=Danksagungen]
    Danken möchte ich hier besonders dem User Blackdraco, der mich mit seiner Fanstory Born to be wild zum Schreiben meiner Fanstory inspiriert hat und hier regelmäßig Feedback postet. Sollte euch meine Geschichte gefallen, so werft unbedingt auch auf seine einen Blick. Es lohnt sich!


    Des Weiteren möchte ich allen Fanstory-Helfern danken, besonders denjenigen, die mich bei all meinen Werken unterstützt haben.
    Ein besonderer Dank geht an Espeon, die mir hier als erstes eine Menge nützliche Tipps auf den Weg gegeben hat.


    Ein Riesendankeschön gebührt auch meiner Schwester, die den kleinen Comicstrip in diesem Post gezeichnet hat. Lass dir von niemandem, auch nicht von dir selbst, einreden, dass du kein Talent hättest. Gehe deinen Weg und glaube an dich selbst. Und selbst wenn du dich einmal auf dunkeln Pfaden verloren glaubst... Vergiss niemals: Du bist nicht allein
    Weitere Eindrücke über andere ihrer Werke könnt ihr auf dieser Page erhalten.


    Auch unserer GFX-Legende Feuer-Fan sei mein Dank gewiss, der sich die Zeit genommen hat, mir den Banner nach meinen Wünschen zu schneidern.


    [tab=PN-Benachrichtigungen]



    [tab=Band 2]


    Das erste Buch ist bereits abgeschlossen. Mit diesem Link geht es direkt zum zweiten Band: >Klick mich<


    [tab=Band 3]


    Auch im zweiten Buch wurde bereits der letzte Punkt gesetzt. Der dritte und letzte Band ist zur Zeit in Arbeit. >Klick micht<


    [tab=Urheberrecht]Das geistige Eigentum an Pokémon und an der fiktiven Welt, in der diese Geschichte spielt, gehört Gamefreak. Die hier vorgestellten Figuren ihre von mir eingehauchte Seele und die Geschichte ist mein Werk und darf als solches nicht von Dritten nach außen ohne meine Zustimmung präsentiert werden. Urheberrechtsverletzung ist ein Delikt und verstößt gegen das Urheberrechtsgesetz gemäß Paragraph 106 und kann zivilrechtliche Klagen zur Folge haben.
    [/tabmenu]

  • Kapitel 1: Der kurze Geschmack der Freiheit


    Part 1: Die Entlassung


    Das widerwärtige, mir inzwischen leider bereits völlig vertraute Gefühl des unbändigen Luftstroms, der mich schlagartig aus meiner Ruhe und meinen Gedanken hinauskatapultierte, umfasste mich zum dritten Mal an jenem Tag. Was konnte er schon wieder von mir wollen, der alte Sklaventreiber? Hatte ich heute nicht bereits genug durchgemacht? Zuerst den völlig unfairen Kampf, den ich gegen ein verschlagenes Nachtara verloren hatte, dann, ohne auch nur ein Wort des guten Willens, unausgeruht und hungrig an irgendeinen idiotischen Wettbewerb teilnehmen, den ich natürlich auch verlor. Sicher, ich hatte mich auch nicht sonderlich angestrengt und den ... Befehlen meines ... Trainers auch nicht wirklich Folge geleistet. Aber daran müsste er sich doch so langsam gewöhnt haben.
    Nein, er würde meinen Freiheitstrieb niemals brechen können. Da konnte auch er noch so toben und zetern. Aber ich wollte überhaupt mal sehen, was er von mir wollte. Vielleicht war ja auch nur endlich die “Fütterung der Raubtiere“ angesagt.


    Mit einem hässlichen Klicken öffnete sich mein Gefängnis und offenbarte der Welt endlich wieder die ganze Herrlichkeit meiner Selbst. Die frühe Abendsonne blendete mich heftig, als ich mich auf einer kleinen Waldlichtung wiederfand. Die Zeit verging in diesen Pokébällen viel zu schnell. Es kam mir vor, als läge der Sonnenaufgang von heute Morgen nur eine oder zwei Stunden zurück ...
    „Ich habe endgültig von deinen Eskapaden genug!“, hörte ich plötzlich meinen Trainer rufen, als dieser langsam auf mich zuging. „Das heute war echt der Gipfel! So ein störrisches und ungehorsames Pokémon wie dich habe ich in meiner gesamten Laufzeit als Trainer noch nicht gesehen!“
    „Viele kannst du auch noch nicht gesehen haben. Schließlich bist du erst seit gut und gern zwei Wochen mit mir als einzigem Pokémon unterwegs ...“, gähnte ich ihm gelangweilt entgegen, obwohl ich natürlich genau wusste, dass er mich nicht verstand. Ich wandte mich gelangweilt von ihn ab, zeigte ihm die kalte Schulter.
    „Weißt du was ...?“, bellte er mir zu.
    Was sollte ich wissen? Warum glaubte er überhaupt, dass es mich interessierte?
    „... Du kannst gehen. Verschwinde! Ich will dich nie wieder in meinem Leben sehen! Hörst du mich? Zieh Leine!“
    Hatte ich mich etwa verhört oder hatte er gerade tatsächlich gesagt, ich dürfte verschwinden? Meinte er das etwa ernst?
    Doch ein lautes Knallen bestätigte die Worte meines Trainers. Er hatte mit all seiner Kraft mein Pokéball gegen den nächst besten Felsen gepfeffert. Die knallrote Kugel zersplitterte in Dutzende kleine Teile.
    Ich stierte völlig perplex auf den knisternden Scherbenhaufen in meiner Nähe. Ich war frei, tatsächlich frei!


    Er kehrte mir, ohne mich auch noch eines Blickes zu würdigen, den Rücken zu und trabte mit weiten Schritten davon.
    „Hey! Hättest du mich nicht zumindest wieder nach Hause bringen können“, brüllte ich ihm nach. „und diese dämlichen Bändchen und Schleifchen abmachen können?“
    Ich war noch immer für den Wettbewerb, an dessen Teilnahme er mich gezwungen hatte, geschmückt. Ich sah wohl ziemlich albern aus. Fast so, wie einer dieser Weihnachtsbäume, wie man sie an besonders kalten Tagen überall rumstehen sieht.
    Doch mein Ex-Trainer scherte sich scheinbar nicht mehr um mich. Pff! Sollte er doch. Ich würde den Weg schon alleine zurückfinden. Auch ohne seine Hilfe.

  • Part 2: Wunderbare Freiheit?



    So kam es dazu, dass ich unerwartet den unerwarteten Duft der Freiheit schnuppern durfte. Nach wochenlangem Frondienst, der mir fast wie zwei meiner kostbaren Jahre meines Lebens vorkam, war ich endlich wieder auf freiem Fuß. Ein herrliches Gefühl! Kaum zu glauben! Zwar hatte ich mir seit dem unglücklichen Tag, als mein Ex-Trainer mich überwältigt hatte, nichts, absolut nichts sehnlicher gewünscht als die Bande, die mich hielten, zu sprengen, im tiefsten Inneren jedoch nicht wirklich daran geglaubt. Doch es war tatsächlich eingetroffen. Der knisternde Scherbenhaufen meines ehemaligen Gefängnisses war der beste Beweis dafür. Das Gefühl war einfach überwältigend. Unbeschreiblich. Worte waren zu schwach, um zu beschreiben, was in mir vorging. Ich war frei! Endlich wieder frei!
    Nun hieß es nur noch, den Weg zurück in die Heimat zu finden. Wer wusste, was alles während meiner Abwesenheit in meinem Revier passiert war? Wie viele knallvolle Mülltonen nur darauf warteten, endlich wieder von mir auf den Kopf gestellt zu werden? Und wie viele der armen Irren bereits meine territorialen Ansprüche infrage stellten? Das Problem an der ganzen Geschichte war allerdings, dass ich nicht die leiseste Ahnung hatte, wo ich eigentlich war. Mein Ex-Trainer hatte ja schließlich nicht die Freundlichkeit, mich Zuhause abzusetzen. Aber das war im Grunde ja überhaupt kein Problem. War ich doch schließlich nicht irgendwer! Überall kannte man meinen Namen und man würde bestimmt nur darauf brennen, mir einen Gefallen zu erweisen. Vielleicht würde ich mich sogar herablassen, ein paar Autogramme zu geben - nicht umsonst versteht sich.


    „<- R - o - u - t - e - 3 - 8“, las ich auf einem Schild.
    Dummerweise muss ich eingestehen, dass ich nie richtig lesen gelernt habe. Warum auch? Zum Mülltonnendurchwühlen hatte es bisher auch immer gereicht. Solange man nicht farbenblind ist, und gelb (om nom nom!) von blau und weiß (Pfui deibel!) unterscheiden kann, braucht man in der friedvollen Wildnis nicht lesen zu können. Auch nachzulesen in „Sheinux’ kleiner Überlebensratgeber: Mülltonnenknacken für Fortgeschrittene“.
    „Achtunddreißig ...“, schoss es mir durch den Kopf.
    Zumindest das konnte ich problemlos erkennen. Das Einzige, was mir in diesem Moment ansatzweise einleuchtete, war, dass man eben achtunddreißig Schritte in die Richtung des Pfeils machen musste, um zum Nationalpark - der ja schließlich das Zentrum der Welt war - zu kommen. Ich lief also zum Schild und zählte meine Schritte sicher in die Richtung des Pfeils ab.
    „Eins, zwei, drei ...“
    Auf halbem Weg stoppte ich jedoch plötzlich abrupt ab.
    Achtunddreißig Schritte? Aber welche Fußgröße? Vielleicht Menschenfußgröße? Oder vielleicht doch eher Taubsisprünge? Aber im Grunde war es ja egal. Einfach weiter und immer der Nase lang. Irgendwann würde ich sicherlich Zuhause ankommen.


    Meine Pfoten führten mich also immer weiter nach ... irgendwohin. Auf jeden Fall immer in Richtung des Pfeils. Der musste den Weg schließlich kennen. Solch ein wichtiger Ort wie der Nationalpark würde ja schließlich selbst über Abermilliarden von Schritten ausgeschildert sein.
    Während ich so nichtsahnend in meinen Gedanken schwelgte, blieb mir plötzlich und ohne Vorwarnung die Luft weg. Irgendetwas - ich wusste nicht, was - schnürte sich auf einmal um meine Kehle und hielt mich fest. Panik machte sich in mir breit. Verzweiflung nährte meine ruckartigen Bewegungen. Umso heftiger meiner Versuche jedoch waren, umso mehr fiel mir das Atmen schwerer.
    Erst jetzt, beinahe am Ende meiner Kräfte und mit knallrotem Gesicht, warf ich einen Blick über die Schultern. Doch zu meiner großen Verwunderung war da niemand. Stattdessen ... oh je! Peinlich! Eines dieser albernen Bändchen um meinen Hals hatte sich in dem struppigen Geäst verfangen
    Laut fluchend und dieses Mal gezielt versuchte ich mich, von dem Wirrwarr von Ästen und Zweigen zu befreien und endlich diese dämlichen Schleifchen und Bändchen von meinem Körper zu reißen. Doch vergebens. So sehr ich mich auch bemühte, ich konnte mich nicht befreien. Dieser Zweig hatte anscheinend nicht einmal ansatzweise eine Vorstellung, mit wem er sich anlegte.
    „Nun komm schon!“, tobte ich und setzte meine ruckartigen Bewegungen unbeirrt fort.
    „Haha! Nein, wie putzig!“
    Eine fremde Stimme. Jemand lachte. Hinter mir. Erschaudert und nicht mehr dazu in der Lage, meine Bemühungen fortzusetzen, warf einen raschen Blick über die Schultern. Ein Pokémon. Grünlicher Körper, von graziler Gestalt, sogar leicht muskulös. Irgendwie vermutete ich, dass die Blätter an den beiden Armen des über einen Meter großen Zweibeiners nicht nur zur Zier da waren. Seine gelben Augen hatten meine Unbeholfenheit scheinbar fest im Visier.
    „Was glotzt du so blöd?“, blaffte ich ihn unbeirrt und meiner misslichen Lage zum Trotz an, nachdem ich endlich nach einer gefühlten Ewigkeit meine Fassung wiedergefunden hatte. „Für Autogramme habe ich jetzt denkbar wenig Zeit. Also mach dich dünn!“
    „Was macht denn jemand so Aufgeblasenes wie du ausgerechnet in einer Gegend wie hier?“, höhnte der grünliche Fremde. Es war kaum erkennbar, aber er kam näher.
    „Selten blöde Frage. Keine Augen im Kopf oder wie sieht es denn aus? Ich häng hier einfach nur so rum“, antwortete ich ihm angriffslustig.
    Der Unbekannte näherte sich weiter. Was hatte er vor? Mir war es nicht wohl bei dem Gedanken.
    „Wie niedlich“, feixte er erneut. „Hast dich wohl verlaufen und suchst jetzt verzweifelt deinen Menschen? Komm schon, ruf doch etwas lauter. Groß genug ist dein Maul ja. Oder vielleicht hat ja auch jemand anderes Mitleid mit dir. Vielleicht ist ja ein Zirkus in der Nähe, die noch Leute für ihre Freakshow suchen.
    „Hast du Todessehnsucht oder was?! Sieh zu, dass du Land gewinnst, oder du bist gleich nicht mal mehr als Kompost zu verwenden!“
    Der Fremde wusste allem Anschein nicht, mit wem er es zu tun hatte, sonst hätte er mir längst geholfen oder aber sich längst aus dem Acker gemacht. Nun aber stand ich ihm bloßgestellt und mit entblößten Rücken gegenüber. Ich muss an dieser Stelle nicht erwähnen, dass mir ganz und gar nicht wohl bei dem Gedanken war. Dass er die Situation schamlos ausnutzte und mich grün und blau prügelte, war im Grunde sogar noch mein geringstes Problem. Hier stand mein Ruf auf dem Spiel.
    „Nein, bitte, lass mich dir doch helfen“, spottete er.
    Ich wollte ihm noch zurufen, dass ich auf seine armselige Hilfe auch gut und gern verzichten konnte, doch da war es bereits zu spät. Es geschah so schnell - selbst wenn: Ich hätte gar nicht reagieren können. Ein plötzliches Aufblitzen der Blätter an seinen beiden Armen war das Letzte, was ich noch bildlich von ihm wahrnahm, bevor er mich in einem grauenhaften Meer der Schmerzen ertränkte.

  • Ein ziemlich stolzes Sheinux, das muss ich schon sagen : D
    So du hast alle meine Fs gelesen und kommentiert, also schulde ich dir sowieso mal ein Komi^^
    Außerdem will ich einfach unbedingt wissen, was dir so alles eingefallen ist.


    Ich fang mit der Startpost an... ok eigentlich kann ich da gar nicht so viel sagen. Ich verwend ja auch so eine TAB-Startpost, also kann ich diese nicht(negativ) Kritisieren XD Ich finde sie jedenfalls gut aufgebaut. Deine Charakterbeschreibung ist schön ausführlich, man weiß ziemlich genau mit was man es hier zu tun hat. Einem sehr stolzen Sheinux und einem schüchternen Trainer. Einziges was ich komisch finde ist, das du deine „Inhaltsangabe“ als Prolog betitelt hast. Unter Prolog verstehe ich normalerweise eine Vorgeschichte… aber das ist ja eigentlich nicht von Bedeutung^^


    Fehler: Ich hasse Fehler suchen, deswegen kann ich dir nur einen auflisten:

    Zitat

    Seine gelben hatten mich scheinbar fest im Visier.


    Da hast du einfach das Wort „Augen“ vergessen. Aber sonst ist mir nichts aufgefallen. Ja auch nicht weiter schlimm, der Inhalt hat für mich viel mehr Wert.


    Inhalt und Gestaltung: Das Grundgerüst ist mir ja schon bekannt^^ Ein Freiheitliebendes Pokemon, sein Trainer und alles was dazugehört. Eine gute Idee find ich, Sheinux schon einmal gefangen wurde und damit schon etwas Ahnung vom „Sklaven sein“ hat, jedoch nur die nervige Seite dieses Lebens kennt. Außerdem gefällt mir sein (selbst gegebener) Titel großmeisterlicher Mülltonnendurchwühler. Ich meine das sag schon was aus, oder :D
    Auch die Entlassung von Sheinux ist ziemlich gut geschrieben (beschrieben). Sheinux musste wohl sich ziemlich arg benommen haben, dass dieser Trainer den Pokeball zerbrach. Und obwohl Sheinux so Freiheitliebend ist, war er doch für einen Moment überrascht… bzw verärgert, dass er ihm nicht Nachhause gebracht hatte. Auch die Auffassung des „Route 38 Schildes“ als Schritt Angabe, find recht ich lustig^^ Ich finde du bringst Sheinux Gedanken recht gut rüber, genauso wie die ganzen Beschreibungen der Umgebung und so. Sind meiner Meinung wirklich gelungen.


    Ich find gut das du keine richtigen Trennmittel verwendest hast (Also Gedanken, Reden, Trainerrede, blablab) da es so find ich persönlich übersichtlicher ist.
    Ich weiß gar nicht, was deine ganzen Sorgen bezüglich Ich-Erzählung hattest. Ich meine, du hast eine wirklich schöne Kombination aus Gedankengängen und Umweltbeschreibung (welche dir sehr liegt)
    Etwas was ich nicht ganz hab.


    Mehr kann ich Leider auch nicht mehr sagen“^^
    Man kann wahrscheinlich nicht so viel mit diesem Komi anfangen, aber… nun bin schlecht im Komi schreiben. Naja freue mich jedenfalls weiteres von dir zu lesen : )


    Übrigens: Hat das Sheinux auch so einen speziellen Pokeball, der ein Klickgeräusch macht :D

  • Part 3: Ausweglos





    Nur langsam konnte ich meine Augen öffnen und blinzelte in die verschwommene, mittlerweile bereits späte Abendsonne. Es dauerte etwas, doch als erst der markante Geruch des Grases, auf dem ich lag, meine Nase erreichte, erwachten die Lebensgeister in mir. Doch eben jenes Gefühl wurde mir zum Verhängnis. Hässliche Schmerzen suchten mich heim, konfrontierten mich mit einem niemals dagewesenen Gefühl der Machtlosigkeit. Selbst zum Weinen (das heißt natürlich, wenn ich gewollt hätte) fehlte mir die Kraft. Langsam und unter Höllenqualen versuchte ich mich aufzurichten, doch die Blutergüsse und die tiefen Wunden zwangen mich rasch wieder in die Knie. Mein ganzer Körper erbebte, als ich eine der besonders heftigen Wunden am rechten Vorderbein leicht mit meiner Zunge betupfte.
    Ein weiterer unbeholfener Aufstehversuch erstickte im Keim. Jegliche Kraft hatte mich verlassen. Meine Beine, obwohl ich sie doch so deutlich sah, wollten mein Gewicht einfach nicht mehr tragen. Der einzige Silberstreifen an dem grauen Horizont: Von dem feigen Attentäter fehlte glücklicherweise jedwede Spur.
    Meine Lage war alles andere als rosig. Noch nie zuvor, selbst nicht bei den härtesten Machtkämpfen um mein Revier, so stark in Mitleidenschaft gezogen. Stattdessen war es eigentlich immer ich, der jeden noch so vorlauten Konkurrenten auf den Boden der Tatsachen brachte.


    Ihr könnt von mir nun denken, was ihr wollt, aber das ist nun einmal das Gesetz der Straße. Solche Machtkämpfe gehören einfach zum täglichen Leben dazu. Das aber, was dieser Schuft mir angetan hatte, war der Gipfel der Ehrlosigkeit. Einen wehr- und hilflosen Gegner anzugreifen, ist wirklich das Allerletzte. Eher würde ich in Scham und Schande versinken, als eine derartige Feigheit offenzulegen. Das könnt ihr mir glauben.
    Im Moment aber musste ich meine Vorstellungen von Ehrgefühl zur Seite kehren. Die Zeiten waren heikel. Ich, der die letzten Tage soviel hatte durchmachen müssen ... hungrig, einsam, verlassen und nun auch noch schwer verletzt, in einer mir völlig unbekannten Region des Landes, in der offenbar niemand, wirklich niemand wusste, dass eine solche Berühmtheit wie ich schwach und hilflos auf dem Boden kauerte, dankbar um so etwas Banales wie einen Tropfen Flüssigkeit.
    Zorn überschwemmte meinen ganzen Körper, als ich erneut an einem simplen Aufstehversuch scheiterte und ungraziös mit der Nase auf dem lindgrünen Gras aufschlug. Was hätte ich dafür gegeben ... alle Mülltonnen auf dem Erdenrund, nur um mit dem Feigling abzurechnen. Eine solche Schande ... Wie nur, wie sollte ich damit weiterleben können? Ja, selbst die Grillen, wie sie so munter vor sich hinzirpten, schienen sich über mich lustig zu machen. Ein kurzer, erbärmlicher Funkenstoß in eine der Richtungen, aus der das Zirpen kam, ließ zumindest an jenem Ort das freche Musizieren schlagartig verstummen und stattdessen kleine Rauchschwaden langsam in die Lüfte steigen. Zwar fühlte ich mich nach dieser Tat im Geiste etwas wohler, doch dummerweise hatte dieser ungezügelte Wutausbruch mir nun noch das letzte Fünkchen - Ironie, nicht wahr? - Lebenskraft entzogen.


    Die Sonne versank immer weiter hinter der Lichtung mit seinen den hohen Bäumen, die mein Umfeld säumten. Nicht gerade merklich, doch kühlte es sich etwas ab - ein schwacher Balsam für meine Wunden. Immer mehr spielte ich mit dem Gedanken, tatsächlich um Hilfe rufen zu rufen, so wie es der mysteriöse Fremde es bereits vorher vorgeschlagen hatte. Doch ... nein! Nie und nimmer! Das durfte nicht geschehen. Niemals! Diese Schmach ... nicht auszudenken. Doch je mehr ich mich mit meiner verzwickten Lage konfrontierte, desto eher musste ich mir eingestehen: Konnte ich überhaupt noch tiefer sinken? Die Botschaft über den Sieg dieses Halunken machte sicherlich schon im ganzen Land seine Runde. Ganz zu schweigen davon, die Kunde über meine Gefangennahme. Es fehlte nur noch, dass ich hier mein klägliches Ende fand. Ein denkbar schlechter Ort für ein Denkmal - viel zu wenig besucht. Was blieb mir also anderes übrig?
    Ich mobilisierte also alle Kräfte, die ich fand, und schrie, so wie ich es noch nie zuvor getan hatte. Ich schrie aus Leibeskräften. Ich schrie ... um Hilfe. Irgendjemand, so hoffte ich, musste mich doch hören. Kaum hatte der letzte Ton meine ausgedörrte Kehle verlassen, flutete eine neue Welle der grässlichsten Schmerzen meinen Schädel, die man sich nur vorstellen konnte.
    Ereignislos zogen die Minuten dahin. Inzwischen begann sogar wieder an der Stelle, an der ich vor wenigen Augenblicken noch meiner ungezügelten Wut freien Lauf gelassen hatte, erneut das hämische Grillenorchester. Gequält warf ich einen raschen Blick über die Schulter. Niemand war da. Niemand, der mir hätte helfen können. Sollte ich es etwa riskieren, noch einmal um Hilfe zu rufen? Selbst, wenn das zweifellos nur in einen neuen Ausbruch hässlicher Schmerzen münden würde? Was aber hätte ich anderes tun sollen?
    Erneut stieß ich einen weiteren Hilferuf in den immer dunkler werdenden Tag hinein, in der kläglichen Hoffnung, dass er dieses Mal gehört werden würde. Jede Faser, jeder Muskel schrie in einem grellen Schmerzecho auf. Die einzige Antwort, die ich bekam.


    „Zumindest etwas Gutes, hat die Sache“, schoss es mir mit grimmiger Genugtuung durch den Kopf, als ich, erschöpft wie ich war, meine Nase in dem Gras vor mir vergrub und dabei einige kleine Stofffetzen fand. „Immerhin sind diese nervigen Bändchen und Schleifchen nun reif für die Müllabfuhr.“
    Abfällig lachte ich - kaum mehr als ein heißeres Röcheln. Die Qualen kehrten wieder, unbarmherziger als je zuvor. Langsam aber sicher verschwamm die Umgebung. Auch meine Augen schienen mich nun im Stich lassen zu wollen. War das etwa mein Ende? Sollte ich so mein Leben beenden? Ich, Sheinux, Sohn des Sechsten Hauses, unangefochtener Champion und Revierherrscher des westlichen Nationalparks, großmeisterlicher Mülltonnen...
    Ich konnte einfach nicht mehr. Die Schmerzen - sie waren inzwischen unerträglich geworden. Jeder weitere Atemzug war eine einzige Höllenqual für mich. Ich wollte nicht mehr. Nicht mehr denken, nicht mehr fühlen, nicht mehr atmen.
    Doch urplötzlich - meine Ohren zuckten. Mein Kopf schnellte reflexartig in die Luft. Ein gleichmäßiges Rascheln hinter mir, das sich meiner Position scheinbar näherte. Wer konnte das sein? Doch was kümmerte es mich? Hilfe, das war das Einzige, was ich jetzt brauchte.
    Mit letzter, wirklich allerletzter Kraft also rief ich meinen verzweifelten Hilferuf hinaus. Es war das Ende der lichten Welt. Die Nacht legte sich wie ein eisiger Mantel um mich herum. Ich weiß nicht mehr genau, was dann passierte. Das Letzte, was ich in diesem Moment spürte, war ein angenehmer Luftzug. All meine Sorgen, all meine Probleme, all meine Ängste schienen wie fortgeweht, meine Gedanken von dem reinsten Wasser sauber gespült. Ich war gerettet. Doch wie? Und vor allem: von wem?

  • Kapitel 2: Und wieder beginnt das alte Lied



    Part 1: Im Paradies?



    Mollige, wohltuende Wärme hieß mich willkommen, als ich endlich wieder aus meiner Ohnmacht erwachte. Alle meine Schmerzen, mein Leid und mein Kummer waren wie von Zauberhand fortgewischt. Doch wo ... wo war ich? Genesen? Derartige Verletzungen? In so kurzer Zeit? Es war so surreal, ergab Sinn. Oder war ich etwa ... meinen schweren Verletzungen erlegen?


    Tot?, schoss es mir durch den Kopf.
    War dies etwa das Jenseits? Das Paradies? Einmal hatte ich waghalsige Abenteurer (sie mussten wirklich waghalsig gewesen sein, wenn sie doch tatsächlich die Frechheit besaßen, einfach so in mein Revier einzudringen), die auf ihrer Reise im Nationalpark Rast eingelegt hatten, belauscht (natürlich nicht, ohne vorher eine kleine Plündertour unternommen zu haben. Klar, oder?.), wie sie über den Tod philosophiert hatten.
    Ich muss zugeben, dass die Menschen wirklich interessante Ansichten über das Sterben hatten. So glaubten viele Menschen an ein Leben nach dem Tod; ein Leben, in vollkommener Glückseeligkeit, in einer Welt, in der es einem an nichts fehlen würde. Ein anderer Mensch in der Runde war jedoch der festen Überzeugung, dass man, sobald man stirbt, in einen höllischen Brutkasten für all seine schlimmen Taten, die man zu Lebzeit getan hatte, büßen müsste. Die Brutzelkammer oder so.
    Um ehrlich zu sein, gefällt mir Möglichkeit eins aber besser. Versteht sich wohl von selbst, oder? Eine Welt, in der völlige Glückseeligkeit herrscht. Also eine Welt, an der an jedem Baum, an jedem Schild, eigentlich überall randvolle Mülltonnen nur darauf warteten, ihre Schätze und Reichtümer mit einem zu teilen. Und das Beste daran: Einmal geblinzelt und schon ist sie wieder reich gefüllt. Wahrlich ein Traum für jeden ...
    Doch aus mir unerklärlichen Gründen glaubte ich zu diesem Zeitpunkt einfach nicht, dass meine Umgebung tatsächlich dieses ominöse Jenseits sein sollte. Irgendwie, und warum auch immer, kam mir das alles so ... merkwürdig vertraut vor. Obwohl ich keine Beschwerden hatte, fühlte ich mich dennoch irgendwie unwohl.


    Neugierig spähte ich in die Finsternis. Es war beinahe stockdunkel. Kaum einmal die eigene Pfote konnte ich vor Augen erkennen, obwohl sie doch ganz klar vor mir schwebte.
    Doch einen Augenblick mal! Schweben? Warum schwebte ich?
    Es ist mir peinlich zuzugeben, aber erst jetzt, nach einer geschlagenen Minute der Schwerelosigkeit, bemerkte ich, dass ich keinen festen Untergrund mehr unter den Pfoten hatte.
    Schweben? Das war wahrlich kein gutes Omen. Wenn dies also nicht das Jenseits war, wo war ich dann?
    Den widrigen Umständen zum Trotz bemühte ich mich, Ruhe zu bewahren, und zählte noch einmal alle Fakten auf. Ein völlig lichtleerer Raum und dennoch eine angenehme Wärme, eine wohltuende und entspannende Atmosphäre, Körper und Seele befreit von sämtlichem Kummer und Leid, völlige Schwerelosigkeit und noch dazu dieses merkwürdige Gefühl der Vertrautheit ... In Panik weiteten meine Augen sich um das Dreifache ihrer normalen Größe. Das konnte nicht sein!
    „Nein!“ Kein Echo antwortete mir, als meine Stimme tief in die Unendlichkeit diese bizarre Surrealität vordrang und einfach im Nichts verpuffte.
    Es traf mich, als hätte mir gerade jemand eine eiserne, vernichtende Gerade verpasst. Alles deutete darauf hin, dass ich mich ... in einem dieser Pokébälle befand. Alles, ja wirklich jedes noch so kleinste Detail glich dem früheren Gefängnis meines Ex-Trainers.
    Aber das konnte doch nicht sein! Ich hatte doch genau gesehen, wie er den Pokéball zu Altmetall verarbeitet hatte. Das war doch kein Traum ... oder?
    Nein, sicherlich nicht. Das unbekannte Pokémon, die Schmach und das Gefühl der Schande, die Schmerzen, wie sie sich vom Kopf bis zu meiner Schwanzspitze ausgebreitet hatten, die gleißende Abendsonne ... All das war wirklich geschehen, kein Zweifel. Es war echt, tatsächlich passiert. Das wusste ich einfach. Das hieß also ...


    Keine weitere Gelegenheit wurde mir gelassen, um über meine Situation nachzudenken. Plötzlich und ohne Vorwarnung drang ein greller Lichtschein zu mir hindurch. Ein heftiger Luftstrom schien mich zu erfassen und wie sprödes Laub durch die Luft zu wirbeln. Nun war jeder Zweifel gebrochen: Zu meiner großen Schande war ich nun bereits zum zweiten Mal gefangen worden. Gleich also würde ich in das Gesicht meines neuen ... Trainers blicken.

  • Part 2: Schmach



    Der unerbittlich reißende Luftstrom trug mich mit enormer Geschwindigkeit in Richtung der riesigen Lichtquelle, die sich vor mir befand. Der letzte, wirklich allerletzte Zweifel war damit abgelegt: Ich war tatsächlich erneut in einem dieser bizarren Pokébälle gelandet und wurde nun, für welche Zwecke auch immer, von meinem ... Trainer gerufen.
    Gerade als ich dachte, dass der Lichtschwall mich ertränken und ich einen grausamen Erstickungstod erleiden würde, berührten meine Pfoten sicheren Boden. Der Temperaturunterschied war deutlich spürbar, und obwohl es sich kälter und feuchter anfühlte, empfand ich es durchaus als angenehm. Ich befand mich wieder an der frischen Luft, doch von der orangefarbenen Abendsonne fehlte jede Spur. Stattdessen blickte ich in das frühe Morgengrauen eines etwas nebeligen Tages.
    Es war leicht kühl und das Gras auf seine Art angenehm feucht. Tja, ich liebe einfach den Geruch eines neuen Tages. Wie er, wie eine zarte Brise, sanft meine Lebensgeister weckt, als wolle er mich, und nur mich allein, begrüßen.
    Doch an besagtem Morgen wurde ich leider ganz anders geweckt. Mit meiner wiedergewonnenen “Freiheit“, wurde ich schlagartig mit der bitteren Wahrheit konfrontiert, versinnbildlicht von den garstigen Schmerzen, die ich schon fast vergessen geglaubt hatte. Angeschlagen ging ich erst in die Knie, dann klappten meine Beine endgültig zusammen und ich lag bäuchlings, alle Beine von mir weggestreckt, auf dem nassen Grün. Es entspräche nicht den Tatsachen, würde ich an dieser Stelle nun behaupten, dass mir die Nacht in dem Pokéball körperlich nicht doch etwas gut getan hatte, doch reichten die Schmerzen in Kopf bis zur Schwanzspitze dennoch immer noch aus, um mich buchstäblich auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen. Ich war Welten davon entfernt, fit zu sein.



    Am Liebsten hätte ich laut aufgeschrien. Sicherlich ist es für euch kaum begreifbar, wie es sich anfühlen musste, von einer Sekunde zur Nächsten von einer scheinbar heilen und glückerfüllten Welt in die furchterregenden Abgründe der Hölle geworfen zu werden. Genau das aber war für mich gerade bittere Realität. Und doch zwang ich mich trotzig zum Schweigen. Keinen Mucks sollte mehr über meine Lippen kommen und schon gar keine Schwäche wollte ich offenbaren, denn der Feind, da war ich mir absolut sicher, beobachtete mich. Verstohlen blinzelte ich aus meiner kauernden Position auf dem nasskalten Boden auf. Es war, wie ich es mir bereits gedacht hatte: Zwei in Turnschuhen eingewickelte Füße standen mehr als deutlich zu sehen vor mir. Im Grunde war es mir schnuppe, wem sie gehörten ... Menschen waren doch alle gleich. Einer wie der andere. Was also kümmerte es mich das Äußere des nächsten Sklaventreibers. So gut es mir in meiner besch... bescheidenen Lage überhaupt möglich war, versuchte ich, ihn einfach zu ignorieren. Vielleicht würde er ja einfach verschwinden, wenn ich ihn nur gut genug gedanklich beiseiteschob. Ein irrwitziger, gar absurder Gedanke, ich weiß. Eine Hoffnung, von der ich felsenfest überzeugt war, dass sie am Ende eine Enttäuschung für mich bereithalten würde. Und ich sollte tatsächlich recht behalten: Mein ... Trainer ging plötzlich auf die Knie und zum ersten Mal, konnte ich ihn richtig vor mir sehen: Er schien etwas jünger als der andere Bastard zu sein. Auch war er etwas kleiner, wobei sich sein weiteres Aussehen nicht sonderlich von dem meines Ex-Trainers unterschied. Auch er war in irgendwelche Fetzen gehüllt, versteckte sein Fell unter einem komischen Deckel und hatte einen großen Beutel auf dem Rücken. Seine Haut wirkte merkwürdig blass, als hätte er noch nie in seinem Leben die Sonne richtig gesehen. Mit einem Satz: ein typischer Mensch eben. Ich mochte ihn schon jetzt nicht ... Hätte ich die Kraft besessen, ich hätte ihm auf der Stelle ins Gesicht gespuckt.


    Auch wenn seine Gesichtszüge nicht den Anschein machten, als wäre er über mein Leid amüsiert - stattdessen wirkte er sogar recht besorgt, etwa über mich? - so würde ich mich dennoch nicht mit ihm abgeben. Ich kannte die Menschen mittlerweile gut genug, um es besser zu wissen: Erst lullen sie dich ein und dann nutzen sie dich schamlos aus. Ja, ja, die Tour kenne ich noch ganz genau.

    „Du bist verletzt ...“, sagte er mit einer recht ruhigen Stimme zu mir.
    „Ach, ne? Du riechst echt den Furz im Dunkeln, weißt du das?“, knurrte ich ihm bissig entgegen. „Hab ich gar nicht bemerkt. Aber danke, dass du es mir sagst.“
    „Warte, ich habe da ... ich hab das war. Das wird dir helfen. Äh, hoffe ich zumindest ...“, murmelte er und zog zögerlich seinen Rucksack vom Rücken.
    „Kannst du dir sparen. Ich komme auch sehr gut ohne dich zurecht“, entgegnete ich ihm, was er aber gekonnt überhörte. Seht ihr? Es ist, wie ich es euch eben gesagt hatte. Jetzt würde er versuchen, sich bei mir einzuschleimen, nur damit ich ihm später einen Gefallen nach dem anderen tun dürfte. Na, da hatte er sich aber geschnitten, wenn er so beschränkt war, das wirklich selbst zu glauben.


    Plötzlich zuckte ich zusammen. Er hielt eine rote Flasche vor meinen Körper. Halbwegs treffsicher besprenkelte er die ziependen Wunden stellenweiße mit einer angenehm kühlen Flüssigkeit. Ein nicht zu unterschätzender Anteil meiner körperlichen Leiden löste sich in Luft auf.
    „So, jetzt müsste es dir theoretisch besser gehen. Das sagt zumindest die Gebrauchsanweisung“, murmelte er und begutachtete offensichtlich die Beschreibung seines Wundermittels.
    Tatsächlich fühlte ich mich viel besser. Zwar hatte ich noch nicht meine ganze Kraft zurückerlangt, jedoch genügte es, um wieder auf die Beine zu kommen. Oder zumindest beinahe ...
    Mit einem Ruck fand ich mich nach einem missglückten Aufstehversuch erneut auf dem Boden wieder. Meine Beine wollten noch immer nicht so wirklich. Die Schamesröte auf meinem Gestirn drohte mich zu verbrennen
    „Toller Arzt bist du“, kaschierte ich missmutig meine Scham. Unsere Augen trafen sich für einige wenige Sekunden. Er packte die Flasche zurück in seine Tasche und stand auf. „Ja, ist auch besser so. Schwirr einfach ab. Ich komme auch gut ohne dich zurecht“, sagte ich, als ich erneut nur noch seine Turnschuhe vor mir sah.
    „Es ist wohl besser, wenn ich dich zum nächsten Pokémon-Center bringe. Ich ... ähm, tauge wohl nichts für einen Arzt ...“
    „Was du nicht sagst“, höhnte ich. Aber was war das? Pokémon-Center? Was sollte das sein? Warum konnte er nicht einfach verschwinden und mich hier zurücklassen?
    „Zurück in den Pokéball.“


    „Oh nein! War doch nicht so gemeint“, öffnete ich noch erschrocken den Mund. „Außerdem habe ich auf diese ganze Geschichte so was von keinen Bock ...“
    Doch es war bereits zu spät. Plötzlich erfasste mich der Lichtstrahl des Balles und zog mich zurück in die endlose Leere meines Gefängnisses.

  • Part 3: Unter Menschen



    Mit der Rückkehr in die heile Welt meines Pokéballs flauten die restlichen Schmerzen in meinem Körper schlagartig wieder ab. Doch um welchen Preis? Ich war erneut gefangen. Hilflos schwebend den Gesetzen dieses Ortes ausgeliefert. Nichts weiter als ein Ball in einem teuflischen Spiel.
    „Was denkt der Typ sich nur dabei?“, quoll es mir wutentbrannt von der Seele. Hatte ich ihm nicht klipp und klar verständlich gemacht, dass ich auf seine schäbige Hilfe auch gut und gern verzichten konnte?
    Doch viel Zeit, um all meine hasserfüllten Gedanken zu sammeln, bekam ich nicht. Nur wenige Augenblicke, so kam es mir vor, wurde ich erneut aus meinem Gefängnis befreit.
    Schemen bauten sich vor meinen Augen auf; Schemen eines menschlichen Gebäudes, ein Tisch unter mir, eine Topfpflanze in der Ecke. Vorher noch registrierte meine feine Nase einen Hauch von bitteren, pharmazeutischen Stoffen in der künstlichen Luft. Ich wollte meinen Blick noch weiter schweifen lassen, als ich abermals mit meinem bescheidenen körperlichen Zustand konfrontiert wurde. Dem noch nicht genug erschauderte ich. Dieser Tisch! Er war so kalt. Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, stand vor mir der Mensch, der mich am gestrigen Abend so schamlos überrumpelt hatte. Merkwürdig nervös gaffte er in eine Ecke hinter mir. Ansonsten war glücklicherweise niemand zu sehen.
    Irgendwie kam mir dieser Ort eigentümlich bekannt vor. Ich hätte schwören können, dass ich hier schon einmal gewesen war. Auch dieser Geruch ... Doch nur die Einrichtung wirkte identisch, aber der Aufbau stimmte mit Nichts aus meinem Erinnerungsvermögen überein. Als ich zuletzt in einem ähnlichen Raum war, war ich während der Streifzüge mit meinem Ex-Trainer verletzt gewesen. Er brachte mich daraufhin an einen ähnlichen Platz wie diesen, wo meine kleinen Schürfungen und Prellungen versorgt wurden. Mit chemischer Keule!
    Ja, das musste es sein. Ein Pokémon-Center. Sagte nicht auch der Mensch das vorhin zu mir?
    Mein Blick ging langsam in die Höhe. Noch immer stand er regungslos nur so da und schien scheinbar dem Gras beim Wachsen zuzusehen, was zugegebenermaßen recht interessant sein kann, zumindest dann, wenn weit und breit keine Mülltonne auf einen wartete. Aber Menschen haben schließlich für derartige Augenweiden keinerlei Zeit. Also, auf was wartete er dann?

    Langsam aber sicher verwandelte ich mich auf dem kalten Tisch zu einem lebendigen Eisklotz. Ein leiser - natürlich ungewollter - Klagelaut entfloh meinen Lippen. Mir stieg die Schamesröte ins Gesicht, als ich spürte, wie der Blick des Menschen zu mir hinunterwanderte. Damit war das Unheil auch bereits angerichtet, denn ein von mir kurz in Gedanken gesponnener Fluchtplan schien nun endgültig aussichtslos.
    Seine recht sanften, doch eigenartig nervösen Augen trafen die meinen. Einige Sekunden lang starrten wir einander stumm an. Plötzlich ertönte ein helles, kurzes Aufläuten. Ich blinzelte neugierig zu meiner Seite. Mein ... Trainer hatte eine kleine Klingel neben mir betätigt, scheinbar in der Hoffnung, dass er endlich die Aufmerksamkeit bekommen würde, nach der er sich sehnte.
    „Intelligenzbestie ...“, murrte ich. „Warum nicht gleich so? Sind eigentlich alle von eurem Wurf so selten dämlich?“ Hätte ich weiterhin keinen Mucks von mir gegeben, so wäre ich wohl tatsächlich zum Eiszapfen erstarrt.
    Leise, unheilvoll näher kommende Schritte kündigten die Ankunft eines weiteren Menschen an. Richtig sehen, was passierte oder wer da kam, konnte ich aber nicht. Nicht, dass es mich in irgendeiner Form interessierte, doch fühlte es sich nicht sonderlich beruhigend an, wenn man an einer fremden Umgebung unter fremden Leuten und in einer fremden Lage keine Gewissheit über so etwas Banales wie seinen eigenen räudigen Pelz hatte.


    „Hallo“, hörte ich plötzlich jemand hinter mir sagen. Ich zuckte erschrocken, wenn auch nur leicht, zusammen.
    „Ähm, hallo“, antwortete mein ... Trainer nervös.
    Einige Sekunden lang geschah nichts. Was ging da nur vor sich? Tauschten die beiden etwa stumm irgendwelche Komplimente aus? Mein Blick wanderte zu den Augen des Entführers hoch. Er wirkte nervöser denn je. Seine Augen huschten, scheinbar in heller Aufregung, von einer Seite des Raumes in die andere.
    „Ist das dein Pokémon?“, ertönte die Stimme hinter mir endlich nach lang angehaltenem Schweigen erneut.
    „Äh, ja“, antwortete er. „Ich fand es ... also ... ich fand es gestern schwer angeschlagen ungefähr ... mhm zwei Kilometer östlich von hier. Ich dachte ...“ Es folgte ein undeutliches Murmel. „Also, ich dachte, es wäre, nun, besser, wenn ich es hierher bringen würde.“
    „Du meinst wohl eher entführen“, kommentierte ich empört und nicht zu überhören. „Und außerdem bin ich ein er und kein es! Klar?!“
    Mein Fluchen erstarb schlagartig, als mich deutlich spürte, wie plötzlich recht zierlich wirkende Hände mich langsam und äußerst präzise abtasteten.
    Angriffslustig knurrte ich. Niemand durfte mich jemals anfassen. Das würde ihm oder ihr noch leidtun.
    „Er ...“ (Na, also. Geht doch. Trotzdem mag ich dich nicht.) „... ist arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Ich sehe, du hast bereits Erste Hilfe geleistet?“
    Mein ... Trainer zuckte leicht zusammen.
    „J-ja, das habe ich“, antwortete er und begann in seinem Rucksack zu kramen. „Sehen Sie, ich habe das hier ... das hier verwendet.“ Ich konnte noch einen kurzen Blick auf die rote Flasche erhaschen, mit der er mich vor Kurzem besprüht hatte. „War das ... richtig?“
    Es war ein bitteres Lächeln, was ich aus der Stimme der Frau herausfiltern konnte. „Sagen wir es so: Hättest du es nicht getan, dann würde Sheinux wohl jetzt nicht mehr unter uns weilen.“


    Ich schluckte auf. Er hatte ... mein Leben gerettet? Das verkomplizierte die Lage, meine Lage, ungemein.
    „Oh, gut ...“, stammelte also mein, schnaub, Lebensretter.
    „Wir kümmern uns um Sheinux. Er wird heute zwar noch hier bei uns bleiben müssen, aber ich bin zuversichtlich, dass er nach der Behandlung - und nach einer Mütze Schlaf und etwas zum Essen - wieder auf dem Damm ist. Er ist in den besten Händen“, schloss sie ab.



    Normalerweise wäre ich bei dem Wort essen sofort aufgesprungen. Doch hatte ich zu dem Zeitpunkt ganz andere Sorgen. Was mich so besorgte, fragt ihr? Nun, das könnt ihr natürlich nicht wissen. Vielleicht werdet ihr es auch nicht ganz und gar begreifen, selbst wenn ich es euch erkläre:
    Während meines ganzen Lebens hatte ich fest nach den ungeschriebenen Gesetzen der Straße gelebt. Ein strenges, aber gutes Leben. Im Prinzip konnte man - wenn man das denn wollte - alles tun, was man wollte. Eine Sache jedoch stand für uns freiheitsliebende Pokémon immer an höchster Stelle: das Gebot der kompromisslosen, unveräußerlichen Pflichterfüllung. Das Gesetz der Straße besagte nämlich, dass, wenn man sein Leben einem anderen verdankt, und sei es nun Pokémon oder Mensch, solange in dessen Schuld steht, bis diese Verpflichtung mit Zins und Zinseszins abgegolten ist. Und was das heißt, fragt ihr? Nichts anderes, als dass ich so lange im Dienst meines Trainers stehen muss, bis zu dem Tage, an dem ich sein Leben rette, so wie er es für mich getan hatte ...

  • Erste :P (zumindest von den FS-Lehrern und bei diesem Kapitel ^^)
    Konnte ich mir nicht verkneifen, sorry ^^" Aber jetzt wieder ernsthaft:
    Ich gebe jetzt nur mal ein wenig allgemeine Kritik, ohne auf die einzelnen Kapitel genauer einzugehen, okay?


    Also, ich finde Sheinux absolut gelungen, du bringst diese unerschütterliche Selbstüberzeugung und Naivität wirklich gut rüber. Die Gedanken von Sheinux verknüpfen sich nahtlos mit den Umgebungsbeschreibungen und Geschehnissen, überall macht er seine teilweise sehr lustigen Kommentare dazu. Ich finde sein Faible für Mülltonnen sehr witzig, auch, wie er sich das Paradies vorstellt. ^^ Ein Mensch wäre sicherlich niemals darauf gekommen, sich Mülltonnen im Jenseits vorzustellen. xD
    Die Dialoge gefallen mir besonders gut. Egal, ob er mit Mensch oder Pokemon redet, die Antworten sind immer schlagfertig und ironisch bis sarkastisch. Ist sehr unterhaltsam zu lesen.^^


    Es ist etwas ungewöhnlich, dass sich Sheinux immer wieder an den Leser wendet. An sich ist das zwar kein Problem, aber Sheinux versucht dadurch zu sehr, immer gut dazustehen. Es fühlt sich für mich so an, als würde er immer etwas zurückhalten, um auch dem Leser gegenüber keine Schwäche zu zeigen. Ich denke aber, dass es wichtig ist, dem Leser möglichst viel über die Gefühlswelt eines Protagonisten zu vermitteln, da man sich sonst nicht richtig in ihn hinein versetzen kann.
    Du beschreibst zwar seinen Schmerz etc., aber es klingt manchmal so distanziert. Vielleicht liegt es daran, dass du immer nur in irgendeiner Form schreibst, dass Sheinux Höllenqualen leidet, aber nie genauer darauf eingehst. Vielleicht solltest du mal schreiben, dass seine Wunden brennen, dass das Gras unangenehm in seine Verletzungen sticht, dass er Kopfschmerzen hat, dass sein Magen sich vor Hunger krampfhaft zusammenzieht, dass seine Beine vor Schwäche zittern, ... Nur so als Anregung, denk dir was aus. ^^
    Auch sonst fehlen natürliche Reaktionen etwas. Du beschreibst zwar alles, was Sheinux macht und denkt, aber es fehlt oft so etwas, was Sheinux - naja, menschlicher passt nicht wirklich, aber ich denke du weißt was ich meine, machen würde. Mit natürlichen Reaktionen meine ich alles mögliche, das etwas über Sheinux' Gefühlszustand aussagt, ohne ihn auch nur mit einem Wort zu erwähnen. Z.B. knurren, seufzen, Augen verdrehen/zusammenkneifen/aufreißen, Krallen in den Untergrund graben, zittern, keuchen, tief ein-/ausatmen, ...
    Übrigens, so etwas wie *hmpf*, *seufz*, etc. findet man in keinem Buch. Lass die Sternchen grundsätzlich weg und erfinde irgendein Wort, dass für das entsprechede in Sternchen stehen könnte. "Hmpf" könnte man ohne * fast noch lassen, aber "seufz" sagt niemand, das gehört meiner Meinung nach nur in die Chatsprache oder in Comics/Mangas. Kannst ja (h)ach oder sowas als Entsprechung nehmen.


    Noch ein letzter Kritikpunkt: Versuche, die vielen Bemerkungen in Klammern etwas zu reduzieren. Sie sind okay, wenn Sheinux einen kurzen Kommentar zu etwas macht, oder sich an den Leser wendet, aber an machen Stellen sind sie total unnötig. Hier z.B.:
    Auch wenn seine Gesichtszüge nicht den Anschein machten, als wäre er über mein Leid amüsiert (stattdessen wirkte er sogar recht besorgt. Besorgt etwa über mich?), so würde ich mich dennoch nicht mit ihm abgeben. (Kapitel 2, Part 2)
    Besser: Auch wenn seine Gesichtszüge nicht den Anschein machten, als wäre er über mein Leid amüsiert - stattdessen wirkte er sogar recht besorgt, etwa über mich? - so würde ich mich dennoch nicht mit ihm abgeben.
    Irgendwie kam mir dieser Ort eigentümlich bekannt vor. Ich hätte schwören können, dass ich hier schon einmal gewesen war. Auch der Geruch... (ich sog die strenge und künstliche Luft in meine Nase hinein). (Kapitel 2, Part 3)
    Besser: Auch der Geruch war mir vertraut, stellte ich fest, als ich die strenge und künstliche Luft in meine Nase hinein sog.


    In Kapitel 1 habe ich noch ein paar Fehler entdeckt, die ich dir jetzt nicht vorenthalten möchte:
    Part 1
    Nein, er würde meinen ungebrochenen Freiheitstrieb niemals brechen können. Eigentlich kein Fehler, aber zwei Worte vom gleichen Wortstamm im gleichen Satz sind stilistisch nicht so schön.
    So ein störrisches und ungehorsames Pokémon wie dich, habe ich in meiner gesamten Laufzeit als Trainer noch nicht gesehen!“ ohne Komma
    Schließlich bist du erst seit gut und gern zwei Wochen mit mir als einziges Pokémon unterwegs... als einzigem
    Part 2
    Überall kannte man meinen Namen und würde nur darauf brennen, mir einen Gefallen zu erweißen. erweisen
    Vielleicht würde ich mich sogar dazu herablassen, und ein paar Autogramme zu geben.
    Mein Ruf wäre noch ruinierter, als er es jetzt schon ist. war
    Part 3
    Sofort drang der markante Geruch des Grases, aus dem ich lag, in meine Nase und weckte die Lebensgeister in mir. Tippfehler
    Irgendjemand, da war ich mir sicher, würde mich sicherlich hören. gleiches wie oben beschrieben
    Quälerisch warf ich einen raschen Blick über die Schulter. Gequält


    Ansonsten sichere Rechtschreibung und angenehm zu lesender Stil.
    Insgesamt eine nette Story, aus einer nicht so häufig gewählten Perspektive (damit meine ich jetzt nicht die Ich-Form, sondern diese Pokemon-Trainer-Sache ^^). Man konnte sich ganz gut vorstellen, wie sich ein Pokemon so fühlt, sei es in der Wildnis, gegenüber anderen Pokemon, als unfreiwilliges Teammitglied eines Trainers oder in der Schwerelosigkeit eines Pokeballs.
    Die Abschnittslängen der Kapitel sind okay so, die vielen, aber nicht zu häufigen Absätze erleichtern das Lesen.
    Ich bin mal gespannt auf den anderen Charakter, Stan. Über den weiß man bis jetzt ja noch nicht allzu viel, aber das kommt sicher alles noch. ^^

  • Kapitel 3: Eine Frage der Ehre


    Part 1: In den Fängen des Feindes

    Meine kleine heile Welt schien langsam aber sicher wie süßes Zitroneneis an einem heißen Sommertag dahinzuschmelzen. Ich konnte es noch immer nicht fassen, in welche Situation ich hineingeraten war. Mein Leben, meine Wünsche, meine Hoffnungen und Träume ... All das lag nun in den unfähigen, zittrigen Händen dieses Menschen. Ich denke, ihr könnt euch vorstellen, dass ich alles andere als erfreut war. Gegenteiliges war der Fall. Mein Schädel drohte, vor meiner unbändigen Wut beinahe zu explodieren. Doch so sehr ich mir auch den Kopf zerbrach: Ich fand einfach keinen Ausweg aus meiner verzwickten Lage.
    „Ich nehme dann Sheinux mit mir mit. Willst du ihn auf sein Zimmer begleiten?“, fragte die Frau, die mich vor wenigen Augenblicken abgetastet hatte. Sanft hob sie mich wie ein Federgewicht in die Luft und legte mich in ihre knochigen Arme, ohne aber wahrscheinlich zu ahnen, was sie mir mit dieser Geste eigentlich antat. Wäre ich meiner Gedanken zu jenem Zeitpunkt völlig Herr, hätte ich mich für diesen Akt der Schmach mit absoluter Sicherheit gerächt, da könnt ihr Gift drauf nehmen. Ich, Sheinux, Sohn des Sechsten Hauses, unangefochtener Champion und Revierherrscher des westlichen Nationalparks, großmeisterlicher Mülltonnendurchwühler und mit dem blechernen Bierdeckel ausgezeichneter Meisterlangfinger - getragen wie ein kleines, mickriges Menschenbaby ... Selbst in dieser schmachvollen Lage kreisten meine Gedanken nach wie vor um die Geschehnisse der letzten Stunden, und wie ich mich doch noch aus meiner hoffnungslosen Lage befreien könnte.
    „J-ja, ich komme mit“, antwortete mein ... Trainer nach einigen Augenblicken des Zögerns.
    Zusammen mit der Frau, die mich trug, und mit dem Menschen namens Stan liefen wir gemeinsam einen kleinen, hell beleuchteten Korridor entlang. Natürlich wehrte ich mich gegen diese unfreiwillige Art des Reisens - im wahrsten Sinne des Wortes verbissen, aber auch mit Krallen und was mir sonst noch alles zur Verfügung stand -, doch gab sie weder einen Mucks von sich, noch zuckte sie vor Schmerz auf. Sie musste wohl sehr hart gesotten sein, auch wenn sie wahrscheinlich noch nie mit jemandem wie mir zu tun hatte.
    Schon bald gab ich meine vergeblichen Versuche, ihr irgendwie meinen Standpunkt klar machen zu wollen, auf. Auch fühlte ich mich einfach viel zu saft- und kraftlos, als dass es noch irgendeinen Sinn gehabt hätte.
    Das rhythmische Schaukeln ihrer Schritte und der sich ständig wiederholende Lichtschwall von der Decke hinab ließen meine Augen von Sekunde zu Sekunde schwerer werden. Selbst ein schwächliches Gähnen konnte ich in dem Moment einfach nicht unterdrücken.
    „Da wären wir“, ertönte die Stimme meiner Trägerin. Alles um mich herum klang inzwischen ganz hohl und merkwürdig verschwommen, fast so, als würde ich meinen Kopf unter Wasser halten.
    Der helle Laut eines Schlüsselbundes weckte noch einmal kurz meine Lebensgeister. Die Tür klickte leise und gab wenige Sekunden später einen kleinen dunklen Raum preis. Ein erneutes Klicken durchflutete das Zimmer schlagartig mit künstlichem Licht. Es war ein kleiner fensterloser Raum. Nichts wirklich Interessantes war hier zu finden. Ein kreisförmiger Tisch, zwei graue Kunststoffstühle und ein blendend weißes Menschenbett waren hier zu finden. Ein oberflächlich süßer Duft gärte darin, der bei sich bei stärkerem Einatmen dann zu einem beißenden bis stechenden Desinfektionsgeruch wandelte. Unbeeindruckt davon ging die Frau zielstrebig auf das Bett zu und legte mich - zu meiner großen Verwunderung - hinein.
    Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. War ich mir doch schon absolut sicher gewesen, dass sie mich in die nächstbeste Ecke legen würden, während es sich mein ... Herrchen in dem Bett gut gehen ließ. Stattdessen lag ich eben nun sanft gebettet in dem flauschig weichen Paradies aus Laken, Daunen und Federn.
    „So, das hätten wir“, sagte die – inzwischen nahm ich an, dass sie eine Krankenschwester war – Frau, und deckte mich bis zum Hals zu. „Ich werde später noch mal nach Sheinux sehen und seine Verletzungen behandeln. Im Moment aber ist Schlaf das Beste für ihn.“
    „G-gut“, murmelte ihr Gegenüber, scheinbar recht unsicher, was er sagen sollte.
    „Soll ich dir jetzt dein Zimmer zeigen?“, fragte sie ihn. „Ach, du hast mir noch gar nicht deinen Namen gesagt. Du heißt ...?“
    „Stan“, antwortete er.
    „Stan. So heißt er also. Mein neuer ... Trainer“, schoss es mir durch den Kopf, während ich bereits langsam aber sicher ins Traumland hinüber glitt. Ich schnaubte noch einmal abfällig. „Ganz egal, wie er heißt - Menschen waren doch alle gleich ...“
    „Nur - nur keine Umstände wegen mir ...“, hörte ich Stans weit entfernte Stimme noch einmal sagen. „Ich bleibe hier, bei Sheinux.“
    „Gut, wenn das dein Wunsch ist ...“, sagte die Krankenschwester und klang dabei zum ersten Mal leicht mit der Situation überfordert. „Wenn du es dir anders überlegst: Du weißt, wo du mich findest.“
    Mit diesen Worten schloss sie die Tür. Nun war ich alleine. Alleine mit Stan.

  • Part 2: Nachtmahr


    Meine Pfoten trugen mich zielsicher über ein weites, nebelumzogenes Feld. Das mir kniehoch stehende Gras streifte sanft meine Beine, während meine Schritte mich zielsicher nach Osten führten - immer dem Licht des Sonnenaufgangs entgegen. Der frühe, herzliche Morgengruß der Taubsi schallte durch die weite Ebene vor mir und beschleunigte reflexartig meine Schritte.
    Mein Ziel klar vor Augen, kam mit jedem meiner weiteren Schritte immer näher, das spürte ich. Und tatsächlich! Meine Schritte stoppten abrupt. Der Puls wurde schneller und die Augen weiter. Mein ganzer Körper begann zu kribbeln. Nach gefühlten Jahre der Wanderschaft, hatte ich es geschafft: Die schier unendlichen Weiten des Nationalparks, meiner Heimat, erstreckten sich vor meinen Augen. Schöner, als ich ihn jemals in Erinnerung hatte. Mit seinen Blumenbeeten, dem ruhigen und entspannenden Plätschern des monströsen Springbrunnens, den scheinbar bis zum Himmel reichenden Grashainen, den steilen und schroffen Felsklippen und natürlich nicht zuletzt die vom Schein der Morgensonne in allen Regenbogenfarben strahlenden prall gefüllten Mülltonnen. Ich war zuhause. Mein ganzer Körper erbebte vor tiefster Zufriedenheit, während mein Blick über meine Heimat streifte. Eine Träne des puren Glücks rann mir stumm über die Wangen.
    Ich sog noch einige Sekunden lang die Bilder des puren Glückes in mich hinein, bevor mich meine Beine auch schon instinktiv in Richtung meines Heimes trugen.


    So lief ich unbeirrt und mein Ziel fest vor Augen meiner Heimat entgegen. Doch die Minuten verstrichen ereignislos und ohne, dass sich der noch viel zu weit entfernte Nationalpark auch nur einen Schritt zu nähern schien. Ich beschleunigte meine Schritte. Immer schneller...
    Ich rannte bereits schneller als der Wind und doch wollte meine Heimat einfach nicht näher rücken. Im Gegenteil: Stattdessen schien sie sich immer weiter vor mir zu entfernen.
    Mein Herz begann vor Verzweiflung zu rasen. Was war da los? Warum konnte ich ihn nicht erreichen, den Ort meiner Geburt? Den Ort des Glücklichseins?


    Meine Ohren begannen erregt zu kribbeln. Ein unheilbringendes Surren weit hinter mir schien sich von Sekunde zu Sekunde zu nähern. Konnte ich es wagen, auch nur einen Augenblick über die Schultern zu blicken? Ich hatte mir geschworen, ihn nie wieder aus den Augen zu verlieren. Meine Heimat. Doch meine unbändige Neugier war stärker als dieses mir selbst gemachte Versprechen.
    „Nur für einen kurzen Augenblick“, dachte ich. „Nur für eine Sekunde, nicht mehr...“
    Mit diesen Gedanken in meinem Kopf, riskierte ich einen kurzen Blick hinter mich.


    Augenblicklich stellte sich mir das Fell zu Berge. Angstschweiß breitete sich sekundenschnell über meiner Stirn aus und mein ganzer Körper schien vor Entsetzen wie festgefroren. Das Bild des puren Grauens kam mit jedem weiteren meiner Atemzüge immer näher: ein gigantischer, fürchterlicher, von Menschenhand geschaffener Pokéball, näherte sich unheilvoll meiner Position.
    Ich musste fliehen. Zurück in den Nationalpark. Zurück in meine Heimat. Doch meine Beine schienen wie mit Blei besohlt zu sein. So sehr ich es auch versuchte. So sehr ich auch kämpfte: ich konnte mich nicht mehr bewegen.


    Das schaurige Surren hinter mir wurde immer lauter. Mein Puls begann zu rasen. Wie ein Trommelfeuer pochte mein Herz gegen meine Brust und fügte mir bereits stechende Schmerzen zu.
    „Nein!“, brüllte ich verzweifelt, als der Pokéball nur noch einen Wimpernschlag von mir entfernt war. „Nein!“
    Mit aller Kraft versuchte ich mich erneut seinem Einfluss zu entziehen, doch vergebens. Ich spürte bereits wie der packende Wirbel mich erfasste und mich in die endlose Leere hineinsog.
    Die Bilder meiner Heimat verblassten langsam vor meinem inneren Auge, als ich mich abermals in pechschwarzer Dunkelheit schwebend, im Inneren meines Gefängnisses wiederfand.


    Ein völlig unerwartetes Knallen, ließ mich plötzlich jäh aufschrecken. Statt der ewigen Dunkelheit eines Pokéballs, blickte ich plötzlich von meinem Krankenbett aus auf die blanke weiße Zimmerdecke meines Raumes. Jemand hatte wohl vor wenigen Sekunden die Zimmertür etwas unachtsam geschlossen und mich so unbeabsichtig aus meinen Alpträumen befreit.

  • Part 3: Flucht als letzter Ausweg


    Es dauerte einige Sekunde bis ich überhaupt begriff, dass die eben gesehenen Geschehnisse nur Hirngespinste meiner Gedanken waren. Ich befand mich noch immer sicher und wohlbehütet in dem kleinen Zimmer des Pokémon-Centers. Ein starker aromatischer Geruch von Salbei drang in meine Nase.
    Allem Anschein nach, hatte man in dem Moment, als ich mich meinen niederen Gelüsten ergeben hatte, heimtückisch überfallen und mit irgendwelchen Salben beschmiert. Doch musste ich eingestehen, dass die an mir angewandte Therapie sehr wohltuend für Körper und Geist war. Meine vor wenigen Stunden noch völlig verkrampften Muskeln ziepten angenehm im Gleichtakt meiner Atmung.


    Noch immer lag kalter Angstschweiß auf meiner Stirn. Albträume sind etwas furchtbares, oh ja. Aber einen solch schrecklichen hatte ich während meiner ganzen Karriere als Rebell der Straße nicht miterleben müssen. Ich hasste es zuzugeben, aber die Ereignisse der letzten Zeit waren wohl doch etwas zuviel für mich gewesen: Skrupellos aus den sicheren Gefilden meiner Heimat entführt, meine schier grenzenlose Freiheit und freien Willen aufgeben zu müssen, gezwungen, Befehle von jemand anderem als mir selbst entgegenzunehmen, mülltonnenfreies Essen, von einem Kampf in den nächsten abkommandiert zu werden (nicht das ich daran etwas auszusetzen hätte...), alberne Wettkämpfe abzuhalten, nach einem kurzen Moment der Freiheit einen feigen und völlig unehrenhaften Angriffes ausgesetzt zu sein und erneut meine wiedergewonnene Freiheit gegen ein Leben in Knechtschaft eintauschen zu müssen.


    Mein Kopf sank leise auf das flauschige Kopfkissen meines Bettes. Verzweifelt versuchte ich die lebhaften Bilder aus meinem Kopf zu verbannen. Erneut wurde mein ganzer Körper von einem unbändigen Schwall der Wut durchflutet und drohte mich zu ertränken.
    Doch Moment mal! Was hielt mich eigentlich davon ab, einfach still und heimlich die Mücke zu machen? Niemand würde es bemerken und in wenigen Minuten könnte ich schon wieder ein freies und erfülltes Leben führen. Und vor allem: Mein einziger Herr und Meister sein.


    Ich befreite mich von den schneeweißen Laken meines Bettes und sprang leichtfüßig auf den Boden. Begeistert stellte ich fest, dass auch meine Beine wieder wollten. Überglücklich sprang ich einige Male in die Luft um meine wiedergewonnene Bewegungsfreiheit zu feiern. Und als ob das noch nicht des Glückes genüge gewesen wäre, stand sogar noch die Zimmertür einen Spalt weit auf. Ein Lichtstrahl der Hoffnung drang in mein Zimmer ein, als wollte er mir persönlich den Weg zurück in die Freiheit zeigen.
    Ich schwebte bereits auf Mülltonne Sieben, als ich die Tür langsam zur Seite schob und verstohlen den Gang hinauf und hinunter lugte. Niemand war zu sehen. Niemand der mich aufhalten könnte. Niemand der...


    Ein grunzendes Geräusch hinter mir ließ mich jäh zusammenschrecken. Alarmiert blickte ich in das Zimmer zurück, aus dem ich vor wenigen Momenten geflohen war. Stan, mein... Trainer, lag eingenickt auf einem der beiden Stühle im Raum. Fast sein halber Oberkörper bedeckte den kleinen runden Tisch, während er seelenruhig sabbernd vor sich hin ratzte.
    „Menschen sind widerlich...“, schoss es mir durch den Kopf und wandte meinen Blick angeekelt ab. „Kaum zu glauben, dass ausgerechnet der mein Leben...“
    Meine Gedanken stoppten abrupt ab. Erneut wanderten meine Augen zu der schlafenden Gestalt Stans hinüber.
    Leise fluchend ging ich ins Zimmer und sprang zurück in mein Bett. Wie hatte ich das nur vergessen können? Er, Stan, er rettete mein Leben. Um keinen Preis der Welt, selbst wenn es um meine persönliche Freiheit ginge, durfte ich meine Grundprinzipien vergessen. Sie waren diejenigen, die mich zu etwas ganz besonderem machten. Würde ich sie verraten, wäre ich auch nicht besser als der Schurke, der mich so zugerichtet hatte.


    Mein Blick fiel auf eine der vielen Stellen an meinem Körper, an denen sich noch die Zeichen des feigen Hinterhaltes abzeichneten. Erneut entflammte der blanke Hass in meinem Kopf. Nicht aber wegen Stan. Auch nicht wegen des Fremden, der mich schließlich in diese Lage gebracht hatte. Nein. Ich war wütend auf mich selbst. Wütend, auf meine eigene Schwäche.
    Das Gesetz der Straße bedeuteten mir seit jeher viel mehr als alles andere in dieser Welt. Es hatte mich seit ich zurückdenken kann auf meinem Lebensweg immer wohl geführt. Doch ausgerechnet dieses Gebot band mein Schicksal nun in die Hand eines anderen.


    „Nun gut...“, seufzte ich gedankenversunken und sah zu Stand hinüber „Ich werde dich begleiten. Zumindest bis meine Schuld bei dir abgegolten ist. Aber glaub ja nicht, dass ich dir dein Leben leicht machen werde. Hörst du?“

  • Kapitel 4: Ein Mensch namens Stan


    Part 1: Alberner Mensch


    Der Anfang vom Ende meines Lebens in Freiheit, brach mit einem leisen Pochen an meiner Zimmertür an. Erschrocken fuhr auch aus meinem Schlaf auf und blickte, noch etwas schlaftrunken, zuerst an die Tür, und wenige Augenblicke später, zu meinem... Trainer hinüber. Stan, der Mensch, welcher mir also mein Leben gerettet hatte, pennte doch tatsächlich noch in der selben Position, wie er es am gestrigen Tage getan hatte, während sich auf dem Tisch bereits eine kleine Sabberpfütze ihren Weg zum Boden suchte. Angewidert drehte ich mich weg und entschloss ich mich, doch lieber zur Tür zu schauen.


    Erneut klopfte es an der Tür. Diesmal genügte es sogar, meinen Zimmerkameraden aus seinem Schlaf zu reißen.
    „W-Was?“, murmelte er scheinbar halbwach und rieb sich seine Augen.
    „Was wohl? Es hat geklopft...“, rief ich ihm abfällig zu. „Soll ich etwa aufmachen? Ich bin hier schließlich Patient, schon vergessen? Ach egal! Komm schon rein, wer immer du auch bist! Die Tür ist eh auf...“
    Wie auf Kommando ging die Tür, wenn auch langsam, auf und die Krankenschwester von gestern trat ein.
    „Guten Morgen ihr beiden“, grüßte sie uns mit einem Lächeln auf den Lippen.
    „Was soll an dem Morgen gut sein?“, erwiderte ich zurück und warf einen finsteren Blick zu Stan hinüber, der verzweifelt versuchte, die Spuren seines Meisterwerks mit dem Ärmel aufzuwischen.
    Die Krankenschwester kicherte amüsiert, lachte sie etwa über meine Bemerkung?
    „Nun, wie fühlen wir uns denn heute?“, fragte sie mich.
    „Wir? Woher soll ich wissen, wie du dich fühlst...“, schnaubte ich, während sie mich erneut abtastete.
    Wieder im Vollbesitz sämtlicher meiner Kräfte, biss ich an eine Stelle, an der ich vor wenigen Augenblicke noch ihre Hand verspürt hatte. Doch sie war flinker, als es ausschaute: noch bevor meine Zähne ihr Ziel erreichten, hatte sie ihre Grabscher wieder eingezogen.
    „Das sieht gut aus“, sagte sie zu mir, als ob gerade überhaupt nichts passiert sei. „Du bist wieder völlig fit.“
    „Das wusste ich auch so. Aber trotzdem danke“, antwortete ich ihr und sprang aus meinem Bett.
    Ich begutachtete dennoch noch einmal meinen Körper. Tatsächlich verriet nahezu nichts mehr, dass ich gestern noch im Sterben lag. Von meinem Fell ging wieder der altgewohnte jadefarbene Glanz aus, ganz so wie ich es gewohnt war. Makellos und schön. Alle Blutergüsse und blaue Flecken waren verschwunden.


    „Sheinux geht es wieder gut“, sagte die Krankenschwester zu Stan.
    „Danke...“, murmelte er und schaute nervös in meine Richtung. „Ähm, was macht das dann?“
    Er kramte in seinem Rucksack und holte eine kleine silbrigfarbene Tasche hervor, aus der es munter klimperte.
    „Du bist wohl noch nicht lange unterwegs oder?“, lachte die Frau. „Der Service aller Pokémon-Center weltweit ist völlig kostenlos.“
    “Wusste ich nicht...“, nuschelte er verlegen und verstaute die kleine Tasche wieder in seinem Rucksack. „Ich bin noch nicht lange unterwegs. Sheinux ist mein erstes Pokémon.“
    Ich gab ein abfälliges Murren von mir.
    Woher kannte ich das bloß? Wobei mein Ex-Trainer wenigstens etwas Rückrat hatte, im Gegensatz zu dieser Witzfigur. Na das konnte ja dann heiter werden...
    „Na dann beglückwünsche ich dich recht herzlich zu deinem ersten Pokémon.“ Sie reichte ihm die Hand, die er, nervöser denn je zuvor, schüttelte. „Ich denke, ihr werdet gute Freunde werden.“
    „Denken ist Glückssache. So heißt es doch?“ schnaubte ich so laut, dass plötzlich alle beide entgeistert zu mir hinübersahen.
    „Gut...“, sagte sie, als ob nichts gewesen sei. „Ihr habt sicherlich Hunger. Möchtet ihr euch noch kurz stärken, bevor eure gemeinsame Reise losgeht?“
    „Da sag ich nicht nein“, antwortete ich wie aus der Pistole geschossen, während sich Stan merkwürdig viel Zeit ließ. Ich funkelte böse in seine Richtung.
    „Das kostet auch nichts, oder?“, fragte Stan.
    „Du hast doch gehört, was sie gesagt hat. Es ist kos~ten~los! Jetzt kommt schon! Ich kenne den Weg“, brummte ich, drückte die Tür laut quietschend zur Seite und verließ mit den beiden perplex wirkenden Menschen im Schlepptau das Zimmer.

  • Part 2: Auf Beutezug


    Woher ich den Weg kannte, fragt ihr? Nun, wenn man solange wie ich ein Leben in Freiheit führt, dann entwickelt man einen sechsten Sinn für so etwas. Wobei natürlich auch eine feine Nase und ein scharfes Augen sehr praktisch sein können.
    In der freien Wildbahn konnte man eigentlich gar nicht verhungern. Wohin man auch geht: irgendwo stößt man mit Sicherheit auf etwas essbares. Seien es die zuckersüßen Beeren und Früchte der Natur, oder die leicht metallisch schmeckenden Geschenke, die die nächste Mülltonne ausspuckte.
    Ich muss euch allerdings gestehen, dass es in diesem Haus doch etwas schwerer war, etwas essbares aufzutreiben. Das lag aber weniger an mir, denn sonst fand ich immer nach wenigen Augenblicke der Suche reiche Beute. Der Grund dafür waren die strengen künstlichen und pharma...zeutischen (oder so ähnlich) Gerüche in der Luft, die meinen feinen Riecher in die Irre führten.


    Meine Schritte führten mich schließlich an eine Weggabelung.
    Welchen Weg sollte ich gehen? Ich hob meinen Riecher in die Luft und begann wie ein Bluthunduster zu schnüffeln. Schlagartig erbebte mein Schwanz. Da war etwas rechts den Gang hinunter. Ganz klar. Doch es schien sich von mir zu entfernen. Ich musste mich also beeilen...
    „Sheinux, wo willst du hin? Zur Cafeteria geht es in die andere Richtung!“, hörte ich die Krankenschwester hinter mir rufen.
    Kafewasfürnding? Konnte man sicherlich essen... Ich hatte weit aus besseres in Aussicht. Da war ich mir absolut sicher.
    So schnell ich konnte eilte ich den Gang hinunter und nahm meisterhaft und ohne langsamer zu werden die nächste Kurve.
    Mein Herz machte einen Hüpfer, als ich den nächsten Korridor hinunter sah: Irgendein Mensch in einem blauen Overall versuchte auf einem kleinen Karren eine große sonnengelbe Mülltonne wegzurollen, um sie, allem Anschein nach, vor mir zu verstecken. Na da hatte er sich natürlich geschnitten.
    „Essen auf Rädern“, schoss es mir durch den Kopf, als ich die Verfolgung aufnahm. „Wie fortschrittlich. Da könnte man es sich doch glatt vorstellen, hier zu bleiben.“
    „Sheinux!“, hörte ich meine Verfolger hinter mir rufen.
    „Wer zuerst kommt...“, rief ich über die Schulter.
    Der Mann in blau blieb plötzlich abrupt stehen und schaute ebenfalls über die Schulter. Das war meine Chance! Mit einem Satz sprang ich in die sonnengelbe Schatzkammer hinein.


    Natürlich, das hatte ich bereits einkalkuliert, geriet die Mülltonne augenblicklich ins Schwanken und fiel mit lautem Scheppern auf den Fußboden. Tja, die Beute wehrte sich noch verzweifelt, das war ich bereits von meinen damaligen Streifzügen gewohnt, doch hatte ich mein Opfer bereits sicher zu Boden gebracht und erlegt. Und dem Sieger gehört bekanntermaßen die Beute, so sagt man doch?
    Der Mülltonnenträger fluchte laut, als ich mich durch das Wirrwarr an Abfall kämpfte. Doch was interessierte es mich? Sollte er doch toben. Das war nun meine Mülltonne!


    Laute Schritte hallten den Flur hinauf. Ein leiser Klageruf, wenn mich meine Ohren nicht täuschten - und das tun sie nie, von Stan, drang an mein Ohr.
    „Erster!“, rief ich zu ihnen hinaus, als ich bereits meine Zähne in zwei seltsame, doch recht schmackhafte Dinge geschlagen hatte. „Ihr könnt ja inzwischen zu der Kafedingensda gehen. Ich komme hier auch gut alleine zurecht.“
    Für Kantinenfutter war es eigentlich gar nicht mal so schlecht.
    „Tut mir leid...“, hörte ich Stan kleinlaut sagen.
    Leid? Was tat ihm leid? Vielleicht, weil er so langsam war und sie wegen ihm nun hungern mussten? Ja, das musste es sein. Tja, mein lieber Stan. Lektion eins: Das Leben ist hart.
    „Kein Problem“, sagte die Krankenschwester amüsiert. „Das kann passieren.“
    Plötzlich packten mich zwei kräftige, in schweres Leder eingebundene Hände am Genick und zerrten mich noch vor dem Hauptgang hinaus.
    „Das ist meins! Such die gefälligst dein eigenes Frühstück!“, knurrte ich empört und zappelte was das Zeug hält.
    „Hier!“, sagte der Störenfried und setzte mich unsanft, einige Meter von der Mülltonne entfernt auf den Boden und hob die begann die Mülltonne wieder zu füllen.
    „Soll nicht wieder vorkommen. Versprochen...“, nuschelte Stan verlegen.
    Ha! Da hatte der gute Stan sich aber geschnitten, denn keine drei Sekunden später lag die Mülltonne wieder auf dem Boden und ich natürlich Mitten drin.
    „Lektion zwei: Halte niemals versprechen, die du nicht halten kannst“, schmatzte ich und leckte mir genüsslich die Lippen.

  • Part 3: Na denn Mahlzeit


    Ich lieferte meinen Neidhammeln verbissen, und am Liebsten sogar, bis zum letzten Blutstropfen erheblichen Widerstand. Doch nachdem ich ungefähr fünf Mal hintereinander gewaltsam aus dem Mülleimer hinausgeworfen wurde, verlor ich die langsam aber sicher die Interesse.
    Ja, OK! Ich gebe es zu: Die feindliche Übermacht war einfach irgendwann zu groß, als dass ich einen weiteren Beutezug riskieren konnte. Außerdem, war das Essen dann doch nicht so gut...
    Also wo war ich? Ach ja: Mit hängendem Schwanz und nach wie vor knurrendem Magen verlies ich, in Begleitung der beiden Spielverderber, die Festtafel. Stan machte, warum auch immer, einen noch geknickteren Eindruck als ich selbst. Wahrscheinlich war er einfach nur enttäuscht, weil ihm nichts von der reich gedeckten Platte abgegeben hatte. Naja egal.


    Wir gingen also den Gang hinunter, zurück zu der Stelle, wo sie mich dazu bewegt hatten, den anderen Korridor zu nehmen, den wir dann auch nahmen.
    „Entschuldigung“, hörte ich Stan hinter mir zum gefühlten Tausendsten Mal zu der Krankenschwester sagen.
    „Es ist wirklich in Ordnung, Stan“, lachte sie, wenn auch inzwischen etwas genervt. „Kleinere Katastrophen gehören in Pokémon-Centern beinahe zur Tagesordnung.
    „Katastrophen? Ganz so schlecht war das Essen dann doch nicht!“, rief ich empört über die Schultern.
    Stan gab einen leisen Seufzer zum Besten.


    Nachdem wir einige weitere Gänge hinter uns gelassen hatten – wie fanden sich die Menschen eigentlich in diesem Wirrwarr von Gängen und Korridoren zurecht? – erreichten wir schließlich eine große, flaschengrünfarbene und zweiflügelige Tür. Auf einem kleinen Schild rechts von ihr, stand in großen Buchstaben “Cafeteria“, was auch immer das hieß, geschrieben.
    „In Ordnung“, sagte die Krankenschwester. „Ich werde euch beide jetzt alleine lassen. Falls ihr mich braucht: ich bin an der Rezeption am Eingang.“
    „Du willst mich doch nicht allen Ernstes mit dem da alleine lassen?“, rief ich ihr nach.
    Doch scheinbar unbekümmert schritt sie von dannen.


    Die Sekunden verrannen. Die Schritte der Krankenschwester waren kaum noch zu hören und dennoch waren wir keinen Schritt weitergegangen. Stan schien die breite Tür tot gaffen zu wollen. Vielleicht hoffte er aber auch nur, dass er sie möglicherweise einzig und allein mit der Kraft seiner Gedanken öffnen könnte. Mir persönlich war das aber echt zu blöd. Mein Magen knurrte lauter denn je.
    „Hey! Was ist nun?“, rief ich zu Stan hinauf. „Grüner wird’s nicht!“
    Stan seufzte leise auf – hatte ich etwas falsches gesagt? Egal... - und öffnete die Tür einen Spalt weit.
    „Geht doch...“ murrte ich, stolzierte mit erhobenem Schwanz an seinen Füßen vorbei und zwängte mich durch die Tür hindurch.


    Ich fand mich in einem sehr weiten, großzügig mit Tischen und Bänken ausgestatteten Raum wieder. Außer mir war niemand zu sehen und zu meinem großen Leidwesen, fehlte von irgendwelchen Mülltonnen auch jede Spur. Stan aber, schien sichtlich begeistert von diesem kargen und unfruchtbaren Ödland zu sein. Er wirkte plötzlich so merkwürdig erleichtert.
    „Komm gehen wir wieder“, sagte ich sichtlich enttäuscht. „Hier gibt es ja doch nichts zu holen...“
    Stan, der Pechvogel, hatte jedoch bereits die Tür hinter sich geschlossen und machte sich auf, den Raum auszukundschaften.
    „Hey! Wo willst du hin? Ich sagte doch, dass es hier nichts zu essen gibt!“, rief ich ihm nach, doch allem Anschein nach, traute er meinem Urteil nicht.
    Was blieb mir also anderes übrig, als ihm zu folgen?


    Mein Magen rebellierte heftig, als ich schließlich mit Stan an meiner Seite vor einem Tresen stand. Von irgendwoher hatte er ein Tablett mitgehen lassen und hielt er erwartungsvoll in die Höhe.
    Ich schüttelte abfällig den Kopf.
    Stan musste wahrlich noch viel lernen. Man durfte doch jetzt noch nicht sein Diebesgut so freizügig präsentieren. Das kommt erst am Ende des Beutezugs...
    Doch was erblickten plötzlich meine Augen? Ich ging einige Schritte zurück, um sicher zu gehen, dass ich nicht irgendwelche Halluzinationen hatte. Aber tatsächlich. Hinter dem Tresen, an dem Stan stand, waren stapelweise die unterschiedlichsten Leckereien aufgetürmt. Warum ich das nicht bereits vorher gerochen hatte? Hm, das lag sicherlich an den herben Fehlschlägen der letzten Minuten, die meine Sinne getrübt hatten. Ja ja, das musste es sein.


    Stan ließ sein Tablett – deswegen hatte er es wohl geklaubt - von einem Menschen, der plötzlich wie aus dem Nichts erschienen war, mit allerlei Fressalien bedecken und schlenderte gut gelaunt zur nächst besten Bank.
    Aber was war das? Hatte er nicht etwas, oder besser gesagt, jemanden vergessen? Mein Herz begann vor Wut zu rasen. Der Typ hatte echt Nerven so breit wie Bandnudeln. Erst entführen, dann Leben retten nur um ausgehungert zu werden? Na das wollen wir doch mal sehen
    „Und was soll aus mir werden? Bodenlose Frechheit. Aber Hauptsache dein Bauch glänzt, was?“, schimpfte ich empört und vergrub meine messerscharfen Zähne in sein stoffbedecktes Bein.
    „Autsch, Sheinux, was soll...?“, fluchte Stan und schaffte es gerade noch so, sein Gleichgewicht zu halten.
    Er blickte zu mir hinab.
    „Na was wohl?“, funkelte ich ihn böse an.
    „Ach so. Natürlich. Du willst ja auch etwas haben“, sagte Stan, stellte sein Tablett auf den Tisch und ging zum Tresen zurück.
    „Man, bist du vielleicht begriffsstutzig...“, rief ich ihm nach. Ich fange dann schon mal ohne dich an, OK?“
    Ich interpretierte sein Schweigen einfach mal als “Natürlich Sheinux. Aber bitte doch Sheinux. Mit Vergnügen Sheinux.“ und machte mich über die Ausbeute seines Tabletts her.


    Stan kam nach wenigen Augenblicken mit einer kleinen Schüssel in der Hand zurück.
    „Vom Allerfeinsten, der Schokokrapfen. Muss ich schon sagen...“, schmatzte ich und schielte zu ihm herüber. „Und was willst du essen?“, fragte ich und warf einen amüsierten Blick auf die kleine Schüssel in seiner Hand.
    Stan stand wie zur Salzsäule erstarrt einige Meter vom Tisch entfernt und sah mich stumm an.
    „Moment! So haben wir aber nicht gewettet!“, rief er plötzlich mit einem noch nie da gewesenen Temperament.
    „Hey, was soll das?“, rief ich entrüstet, als ich mich aus einmal auf dem Boden, zusammen mit der kleinen Schüssel wiederfand.
    „Das da, ist dein Essen“, sagte Stan und deutete vielsagend auf die Schüssel zu meinen Füßen, in der irgendwelche braunen, keksartigen Dinger lagen, die wie Torfklumpen aussahen.
    „Das da?“, fragte ich ungläubig und roch argwöhnisch an meinem sogenannten Frühstück.
    Es stank einfach nur widerlich. Das konnte doch nicht sein Ernst sein? Nein, das würde ich mir nicht gefallen lassen. Er hatte mich gerettet, nun musste er auch mit den Konsequenzen leben. Außerdem esse ich grundsätzlich nichts, was nicht frisch zubereitet wurde, aus einer Mülltonne oder einem meiner Beutezügen stammte. Aus einem Trog essen... Schon aus Prinzip nicht!


    Mit einem Satz war ich wieder auf den Tisch gesprungen und schob meinem Trainer unmissverständlich meine Schüssel zu.
    „Bitte. Das kannst du ja essen“, sagte ich und machte mich erneut über sein Tablett her.
    Stan beobachtete einige Sekunden lang hilflos, wie ich einen Schokokrapfen nach dem anderen vertilgte.
    „Du hast wohl recht...“, hörte ich ihn plötzlich leise hinter mir murren. „Schmeckt mir auch nicht...“
    „Aber ich soll es essen?“, schmatzte ich. „Gut, aber da du so einsichtig bist, bekommst du ausnahmsweise etwas von meinem Essen ab. Aber übertreib es nicht!“
    Ich schob ihm das Tablett, wenn auch nur etwas, zu und widmete wenige Augenblicke später meine ganze Aufmerksamkeit wieder dem Essen.
    „Danke...“, sagte Stan und griff sich einen von mir angebissenen Schokokrapfen.
    „Bitte...“, antwortete ich ihm.

  • So viel neue Parts in nur wenigen Tagen, wow.
    Ok dann fang ich mal an:


    Fehler: Hab schon vorhin erwähnt, dass ein mieser Fehlersucher bin, besonders wenn schon so sehr wenige davon vorhanden sind. Habe (eventuell) wieder nur einen entdeckten

    Zitat

    War ich mir doch schon absolut sicher gewesen, dass sie mich in die nächst beste Ecke legen würden, während es sich mein... Herrschen in dem Bett gut gehen ließ.


    Herrscher oder doch Herrchen? Ich nehme mal an, du meinst das Zweite.


    Inhaltlich und Gestaltung: Hier kann ich relativ wenig kritisieren( das können anderen besser als ich) Deine Umgebung Beschreibung ist noch immer sehr gut und Sheinux Meinung und Gedanken kommt auch klar zum Vorschein. Aber dein Sheinux behält ja nicht nur alles für sich, sondern gibt immer wieder eine Meldung von sich, egal ob es die Menschen verstehen oder nicht. Shuww, Shuw, Sheinux, Shein, Shuwe… wahrscheinlich werden die Menschen nicht unbedingt mehr verstehen.
    Man merkt jedenfalls schon, in welche Richtung das geht. Sheinux steht nach seinen „Straßengesetzen“ in der Schuld von Stan, muss ihm also einmal ihm das Leben retten, will ihm aber trotzdem das Leben schwer machen. Was bei so einem Schüchternen Menschen, wie Stan nicht allzu schwierig sein kann… oder? Das kann ja was werden : D
    Ansonsten gefällt mir, wie Sheinux mit seinen ganz eigenen Pokemonansichten herum trumpft, was Essen und so angeht. Auch die Stelle, wo Sheinux Stans Essen wegfuttert und ihm stattdessen sein Futter rüber reicht, find ich genial!


    So, das war‘s dann auch von mir^^ Ist jedenfalls für die nächsten neun Tage mein letztes Komi, also dann… auf wieder lesen! Hoffe du kannst mit diesen Komi wenigstens ein bisschen anfangen.

  • Kapitel 5: Der Höllentrip beginnt



    Part 1: Aufbruch ins Ungewisse


    Zumindest ich für meinen Teil, und das war schließlich das Wichtigste, war von dem ausgiebigen Mahl erst einmal ansatzweiße gesättigt. Stan schaute zwar etwas dumm aus der Wäsche und schielte einige Male begierig zur Essensausgabe hinüber, die wohlgemerkt noch reichlich gefüllt war, doch machte er keine Anstalt, sich, oder mir, einen Nachschlag zu besorgen. Selber Schuld, würde ich einfach mal sagen. Aber was kümmerte es mich überhaupt? Wobei mein Magen bei diesem Anblick doch etwas rebellierte.
    Stan räumte schließlich unser ratzekahl leergefressenes Tablett in einen kleinen Karren ein und verlies den Raum.
    Ich? Tja, was sollte ich schon großartig tun? Schließlich stand ich nach wie vor in seiner... Schuld. Ich folgte ihm also, wenn auch widerwillig.


    Zwei Dinge waren es nun, die mich zu diesem Zeitpunkt doch höllisch interessierten:
    Erstens: War das etwa schon alles? Ich dachte das war nur gegen das Magenknurren...
    Zweitens: Wohin ging es nun, jetzt wo allem Anschein nach unsere gemeinsame Reise starten sollte? Mein Ex-Trainer schwärmte damals die ganze Zeit über von Ruhm und Berühmtheit. Der Meister, unter allen Meister, wollte er werden, was auch immer das sein sollte. Ein meisterhafter Versager war er aber allemal schon gewesen. Dazu hatte er mich gar nicht gebraucht. Aber was war mit ihm nun?
    Ich warf einen flüchtigen Blick auf den schweigsamen Kerl neben mir.
    Er war mir noch immer ein Rätsel. Worin bestanden seine Pläne, was hatte er vor und wohin wollte er eigentlich? Das alles interessierte mich doch höllisch, schließlich würde ich ihn wohl oder übel begleiten müssen... Ach, hatte ich mich ihm eigentlich schon vorgestellt? So etwas gehört zum guten Anstand, auch wenn ich ihn nicht wirklich leiden mochte.


    Ich beschleunigte meine Schritte, überholte Stan leichtfüßig und machte vor ihm halt. Ein leichtes doch unmissverständliches Hüsteln meinerseits, verschaffte mir schließlich die Aufmerksamkeit, die ich für diesen Akt des guten Tones brauchte.
    „Wo bleiben eigentlich meine guten Manieren?“, hüstelte ich vornehm. „Gestatten, das ich mich vorstelle: Sheinux, Sohn des Sechsten Hauses, unangefochtener Champion und Revierherrscher des westlichen Nationalparks, großmeisterlicher...“
    „Ähm, wollen wir nicht so langsam weiter?“, unterbrach er meine Vorstellung plötzlich völlig unerwartet.
    Mir schoss augenblicklich kochendes Blut in den Kopf.
    Ja, wo gab es denn so etwas? Der Kerl hatte doch tatsächlich überhaupt keinen Anstand! Mich einfach so zu unterbrechen! Bitte! Sollte er doch sehen, was er davon hatte.
    Mit hoch erhobenen Schwanzes ließ ich die auf einmal wieder völlig sprachlose Gestalt meines... Trainers hinter mir und würdigte ihn keines weiteren Blickes mehr.
    Tja, das hatte er nun davon.
    Aber es half ja nichts. Schließlich wusste ich ja nicht, wohin er eigentlich wollte. Also verlangsamte ich mein Tempo Stück für Stück auf Menschenniveau herab und trabte wenige Augenblicke später an der Seite Stans.


    Wir bogen um einen weiteren der vielen gleichförmigen Gänge ein und erreichten auf einmal unseren gestrigen Ausgangspunkt. Den Ort, an dem er mich in die Obhut der Krankenschwester gegeben hatte. Ah, da war sie ja auch.
    Sie winkte uns freudig herbei.
    „Gesättigt und startbereit für die Reise?“, fragte sie uns mit einem Lächeln auf den Lippen.
    „Geht so...“, murrte ich wahrheitsgemäß, denn mittlerweile knurrte mir tatsächlich wieder der Magen.
    „Ja, danke für alles...“, antwortete Stan.
    „Alter Lügner“, sagte ich. „Nimm dir an mir ein Beispiel und sag, wenn dir etwas nicht passt!“
    „Gut, dann kann es ja losgehen“, rief sie offenbar hellauf begeistert. „Wohin soll die Reise eigentlich gehen?“
    Jetzt spitzte sogar ich die Ohren, denn das, muss ich hier wirklich zugeben, interessierte mich doch tatsächlich.
    „Oliviana City“, antwortete Stan kurz angebunden.
    „Ah, das Meer. Das wird euch beiden sicherlich gefallen“, sagte die Krankenschwester.
    „Mehr? Mehr zu essen? Ja, das würde mir tatsächlich gefallen“, sagte ich zustimmend.


    „In Ordnung... Sheinux, ich glaube es wird Zeit...“, hörte ich Stan neben mir sagen. Er begann an seinem Gürtel zu zupfen.
    Zeit? Für was war es Zeit? Etwa doch schon für das Mittagessen? Die Zeit verging wirklich wie im Fluge...
    „Zurück mit dir in den Pokéball. Wir sehen uns später“, sagte er und hielt diese ekelhafte Kugel genau in meine Richtung.
    „Moment mal! So haben wir nicht gewettet!“, rief ich empört und wisch dem ebenso roten Strahl aus, der aus der Kugel strömte.
    Das dumpfe Geräusch, als der Strahl erfolglos sein Ziel verfehle und auf den Boden einschlug und natürlich die Tatsache, dass ich noch immer die freie Luft genießen konnte, verrieten mir sofort, dass ich noch in aller letzter Sekunde diesem feigen Angriff entkommen konnte.
    „Um eines klar zu stellen: Mich kriegen keine zehn Galoppas da rein!“, rief ich fest entschlossen.
    „Was soll das...?“, fluchte Stan und zielte erneut mit dem Pokéball auf mich. „Zurück in den Ball!“
    Ich wisch graziös sieben seinen weiteren Versuchen aus, mich in den Ball zu befördern.
    „Ich kann das noch den ganzen Tag durchhalten. Du auch?“, knurrte ich triumphierend.
    Stan warf einen verzweifelten Blick zu der Krankenschwester hinüber.
    „Ja, geh und such dir Hilfe...“, schoss es mir durch den Kopf. „Aber mich kriegt ihr trotzdem nicht.“
    Zu meiner großen Verwunderung schien sie ganz und gar amüsiert zu sein.
    „Was soll ich tun...?“, fragte Stan verzweifelt.
    „Mach dir nichts daraus“, antwortete sie kopfschüttelnd. „Manche Pokémon ziehen es eben vor, ihren Trainer auf Schritt und Tritt zu begleiten.“
    „Davon kann keine Rede sein...“, rief ich entrüstet. „Ich ziehe nur meine... na ja, Freiheit eben vor. Klar?“
    „Das ist aber doch nicht normal oder?“, fragte Stan erneut.
    Die Krankenschwester kicherte herzhaft.
    „Ich wünsche euch beiden eine gute Reise. Passt auf euch auf.“
    „Pass besser auf dich auf“, antwortete ich ihr. „Ich komme schon gut alleine zurecht. Solange ich... Oh hey!“
    Meine Augen weiteten sich vor Freude, als ich plötzlich ein leises Rumpeln hinter meinem Rücken hörte und einen Blick über die Schulter warf. Mein Freund in blau, versuchte gerade klammheimlich eine frische Ladung Mülltonnen an uns vorbei zu schmuggeln. Na, da hatte er aber die Rechnung ohne mich, Sheinux gemacht!
    „Nachtisch!“ brüllte ich hellauf begeistert, stürmte auf die plötzlich völlig niedergeschlagene Gestalt vor mir zu und fand mich nur Sekunden später im Schlaraffenland wieder.
    Ein dumpfes Stöhnen, Stans Stöhnen, drang durch das silberne Metall an mein Ohr.
    „Wieder zu spät. Tut mir leid für dich“, schmatzte ich.

  • Part 2: Was soll der Lärm?


    Nachdem ich mich endlich richtig satt gegessen hatte, war dem Anfang meiner Reise mit Stan nichts mehr entgegen zu setzen. Auch hatte er es endlich aufgegeben, mich in diesen verfluchten Pokéball zu verbannen. Es konnte also los gehen. Wohin auch immer...
    Oliviana City? So sagte er doch? Hm, ich muss zugeben, dass ich von einem solchen Ort noch nie etwas gehört hatte. Mich hatte nie wirklich interessiert, was außerhalb meiner Heimat lag. Sehr viel konnte es ja eh nicht sein und einen schöneren Ort als den Nationalpark gab es eh nicht. Also warum hätte ich mir dann schon den Kopf zerbrechen sollen?


    Hell strahlender Sonnenschein begrüßte uns, als wir endlich das Pokémon-Center verliesen und unseren Weg in die unberührte Natur bahnten. Ich sog die frische, medikamentenfreie Luft in meine Nase und freute mich über meine... naja, zumindest fast uneingeschränkte Bewegungsfreiheit und natürlich die Schönheit der Natur.
    Ach, ich liebte es einfach: die wärmenden Strahlen Sonne, der wolkenlose blaue Himmel, das beruhigende plätschern der Bäche, das geheimnisvolle Flüstern des Windes und der mitreisende Taubsichor an einem frühen Tage. Ich konnte mich an solchen Dingen gar nicht satt genug sehen. Menschen wissen solche Dinge natürlich gar nicht wirklich zu schätzen. Stan was das lebende Beispiel dafür. Statt das er seine Nase in den Wind legte und Herz und seine Seele baumeln lies, waren alle seine Sinne auf irgendeine der vielen technischen Spielereien der Menschen gerichtet, die ununterbrochen in einer künstlich-klingenden Stimme vor sich hin brabbelte.


    Was sie sagte, wollt ihr wissen? Nun, wie es der Zufall wollte - und das hatte gar nichts mit Neugier was Stan gerade machte zu tun, klar? – verlangsamte ich meine Schritte, um die reiche Vielfalt der Natur noch besser genießen zu können, bis ich schließlich in unmittelbarer Nähe zu meinem Weggefährten war. Eigentlich wollte ich gar nicht hinhören, aber was sollte ich machen? Ich war eben mit einem sagenhaft feinen Gehör gesegnet...
    „...das Flacker-Pokémon...“, tönte es aus dem Gerät heraus. „Sheinux...“ – redet der etwa über mich? – „... hat ein sehr ausgeprägtes Gefühl für herannahende Bedrohung. Sobald Sheinux Gefahr wittert, beginnt sein Fell zu glühen...“
    Jetzt war ich es, der etwas dumm aus der Wäsche schaute.
    Woher wusste das Ding das? Der Aperrat hatte gerade tatsächlich die Wahrheit gesprochen, obwohl ich mich ihm doch gar nicht vorgestellt hatte...
    „...Es...“ – jetzt kann ich dich nicht mehr leiden... – „... erzeugt durch das Zusammenziehen seiner Muskeln Elektrizität. Obwohl es...“
    „Kannst du endlich aufhören mich zu ’esen’“, rief ich empört, doch das Gerät schnatterte einfach weiter.
    „... sehr klein ist, können seine Stromstöße sogar einen erwachsenen Menschen für Stunden betäuben.“
    „Kleinigkeit...“, sagte ich unüberhörbar. „Und mit dir fange ich gleich an.“


    Stan warf mir einen neugierigen Blick zu. Unsere Augen trafen sich.
    „Was hältst du hier Maulaffen feil? Augen nach vorne!“, rief ich und wendete meinen Blick schlagartig ab.
    Das Gerät gab einige male nervtötende piepsende Geräusche ab, während Stan ziellos irgendwelche Knöpfe drückte.
    „Warum will aber mein Sheinux nicht in seinen Pokéball gehen...?“, fluchte Stan leise.
    „Was heißt hier ’dein Sheinux’?“, höhnte ich. „Ich bin und bleibe nur mein eigener Sheinux, klar?“


    Unser Weg führte uns stetig Richtung Westen. Mit sanftem Rückenwind gesegnet kamen wir eigentlich relativ schnell voran. Zumindest dafür, da ich einen Menschen mit mir führte. Mir ging das alles noch viel zu langsam.
    Warum ich plötzlich so begierig darauf war, meine Reise mit Stan fortzusetzen, fragt ihr? War ich nicht... Aber je schneller wir voran kamen und umso schneller wir der mir mittlerweile doch bereits langweiligen Landschaft flohen, umso größer stieg die Wahrscheinlichkeit, dass ich meine Schuld Stan gegenüber abbezahlen konnte.


    Piepsenden Schrittes setzten wir also unseren Weg gen Westen fort. Beinahe minütlich spürte ich Stans Blick auf mir kleben.
    Was wollte der Typ denn noch von mir? Er hatte doch eigentlich alles, was er brauchte. Vielleicht lag es einfach nur an seinem doch nicht so tollen und allwissenden Wunderwerk der Technik, das ihm offenbar Kopfzerbrechen bereitete . Aber im Grunde war es mir egal. Ich mochte es nur nicht, wenn man mich dauernd begafft. Verständlich, oder?


    Mittlerweile stand die Sonne hoch im Zenit. Abgesehen von den extrem nervenzehrenden Pieps-Geräuschen, welche mittlerweile sicherlich die gesamten Taubsi-Chöre im gesamten Land verscheucht hatten, gab es nichts zu erwähnen Gegenteil: Es war langweilig. Todlangweilig im es genau zu sagen. Selbst die vor wenigen Stunden noch so atemberaubende Schönheit von Mutter Natur ödete mich jetzt nur noch an.
    Ich schielte für einen wirklich nur kurzen Augenblick zu Stan hinauf. Seine Verzweiflung, die ihm wie ins Gesicht geschnitten stand, wurde nur von seiner Desinteresse für die Natur oder von dem, was ihm lag, übertroffen.
    Ich glaubte schon fast, ich würde eher einen qualvollen und langsamen Langweiligkeitstod sterben, als das ich die Gelegenheit bekam, meinem “Fürsorger“ das Leben zu retten. Doch ein plötzliches und völlig unerwartetes Kribbeln in der Schwanzspitze sollte mich in wenigen Sekunden von diesem möglichen Schicksal erretten


    Meine scharfen Sheinux-Augen erspähten an dem nicht allzu fernen Horizont zum ersten Mal die Umrisse eines Menschen, der uns rasch entgegen kam. Stans leises Gefluchte, gemischt mit dem Gepiepse seines komischen Dingsbums, verrieten mir,vohne überhaupt hinsehen zu müssen, dass Stan seinen fernen Gegenüber noch nicht bemerkt hatte.
    Warum, konnte ich nicht sagen, aber es roch nach Ärger, und zwar gewaltig.

  • Part 3: Lange Rede, kurzer Sinn


    Langsam und stetig näherte Stans Artgenosse sich uns. Auch seine, natürlich bei Weitem nicht so messerscharfen Augen wie die meinen, mussten uns bereits entdeckt haben, denn er hielt nun direkt auf Stan und mich zu.
    Ich warf einen flüchtigen Blick zu Stan hinüber, der jedoch noch immer in seiner eigenen Welt wie gefangen schien.
    Nervös? Ich? Wie kommt ihr nur darauf? Ich war nur wahrlich neugierig, was uns bevorstand. Der inzwischen, zumindest für mich, gut zu erkennende unsympathische Blick des näher kommenden Menschen, ließ jedenfalls nichts gutes erahnen.


    Im krassen Gegensatz zu Stans schon beinahe krankhafter Blässe, hatte unser Weggefährte ordentlich Farbe im Gesicht. Natürlich, wie Menschen ebenso sind, war er in allerlei farbigen Lumpen gehüllt und versteckte sein sämtliches Fell, wie Stan es tat, unter einem albernen Deckel. Wenn mich meine Augen nicht täuschten, und das taten sie normalerweise nie, hatte der Mensch in etwa die selbe Statur wie Stan, wenn er auch ein gutes Stück größer war.


    Wir waren nun nur noch wenige Meter voneinander entfernt. Der Fremde blieb jäh auf der Stelle stehen und blickte mit seinem, mir doch recht unsympathisch erscheinenden Blick zu uns hinüber.
    Mir gefiel das Ganze nicht… Aber was kümmerte es mich eigentlich? Waren schließlich Menschengeschäfte… Sollte Stan sich doch darum sorgen.


    „Grüße, Trainerkamerad!“, flötete unser Gast zum Willkommensgruß.
    Ich war mir absolut sicher das, hätte der Fremde nichts gesagt, Stan einfach so mir nichts dir nichts an ihm vorbeigestolpert wäre. Gott, war mir das alles peinlich…
    „Nein, nicht ich…“, schnaubte ich über Stans Reaktion hinaus, das er zu Beginn erst zur mir völlig entgeistert herübersah, anstatt den Gruß zu erwidern.
    Ich machte mit meinem Kopf eine gestenhafte, leicht zu verstehende Bewegung in die Richtung unseres Gastes.
    Hatte ich eigentlich schon erwähnt, wie angenehm ruhig es plötzlich ohne Stans nervenzehrendes Gepiepse war? Eine Wohltat sage ich euch. Wenn auch wohl nur für kurze Dauer.


    Stan hatte endlich begriffen, dass wir nicht mehr unter uns waren und schaute nun nervös in Richtung unseres Gastes. Seine Gesichtszüge begannen sich merkwürdig zu verkrampfen.
    „Nun sag schon was…“, zischte ich peinlich über das plumpe Verhalten meines Reisegefährten berührt und rempelte ihn leicht an. „Ein ‘Hallo‘ ist ja wohl das Mindeste.“
    „Ähm, Hallo…“; nuschelte Stan schließlich nach gefühlten Minuten des Schweigens.
    „Wohin des Weges, Kamerad? Oliviana City?“, fragte der Weggefährte uns.
    Stan nickte kurz angebunden.
    Man, war mir das peinlich, sage ich euch. Ich hätte mich am Liebsten auf der Stelle in Luft aufgelöst, wenn ich es nur gekonnt hätte…
    „Gut, gut. Oliviana City ist wirklich einen Besuch wert, sage ich dir.“
    Stan, wie hätte es anders sein können, schwieg.
    Warum war ich mir nur so sicher, dass das Ganze freundschaftliche Getue nicht nur auf eine normale Unterhaltung hinaus laufen würde? Vielleicht, weil der Fremde andauernd zu mir hinunterschielte („Was glotzt du denn so blöd?“) oder aber die Art, wie er an den Pokébällen an seinem Gürtel herumspielte. Irgendwie wusste ich bereits, worauf das Ganze hinauslaufen würde…


    „Na, wollen wir dann?“, fragte der Fremde plötzlich in einem begierigen Tonfall, der mir überhaupt nicht gefiel.
    Stan schaute zum ersten Mal verständlicherweise völlig ratlos drein.
    „Kämpfen natürlich“, hakte der Reisende nach.
    Na, was hatte ich euch gesagt? Passte doch wie der bekanntermaßen unnötige Deckel auf die Mülltonne.
    „K-Kämpfen?“, stammelte Stan begriffsstutzig wie er war.
    „Natürlich! Was sonst?“, gluckste der Fremde und zupfte einen seiner Pokébälle vom Gürtel. „Du und ich, wir sind Trainer…“, er warf mir erneut einen seiner unsympathischen Blicke zu („Willst du ein Photo von mir? Dann haste länger davon. Das kostet dann aber.“), „… Wenn sich zwei Trainer treffen, gehört es zum guten Ton, dass sie gegeneinander kämpfen. Ungeschriebenes Gesetz, weißt du?“
    Ungeschriebenes Gesetz? Na, das konnte ich doch in- und auswendig. Aber ich muss zugeben, dass ich einen solchen Paragraphen nie zuvor gelesen hatte.
    Er hielt seinen mit der Faust fest umschlossenen Pokéball direkt vor Stans blasser Nase.
    Sah ganz schön albern aus, sage ich euch.


    Mein… Trainer schaute hilfesuchend in meine Richtung.
    Was in ihm wohl vorging fragt ihr? War doch eigentlich vollkommen egal! Schließlich war er es ja nicht, der sich gleich im Kampfring wiederfinden würde, sondern ich!
    Unter normalen Umständen wäre ich einer kleinen Konfrontation natürlich nicht abgeneigt. Mich mal wieder richtig entladen zu können und von dieser nervtötenden Klette wegzukommen, würde mir wahrlich gut tun. Aber es waren nun mal keine normalen Umstände. Hier ging es weder um die Vorherrschaft meiner territorialen Ansprüche, noch um den vielversprechenden Inhalt einer Mülltonne. Einzig und allein die niederen Gelüste der Menschen zu befriedige; darum ging es hier…


    „Und? Was ist? Oder hast du und dein Pokémon etwa Angst?“, gackerte der Fremde mit einem hämischen Grinsen auf dem Gesicht.
    Ich spürte deutlich, wie mein Puls schneller wurde und mein Körper vor Zorn erbebte.
    Was war das eben? Hatte ich mich gerade verhört, oder behauptete diese Type tatsächlich, ich hätte Angst? Bodenlose Frechheit! Ich und Angst… Na, der würde gleich sein blaues Wunder erleben!
    „Von wegen Angst! Ich nehme deine Herausforderung an!“, rief ich angriffslustig.
    „Was ‘shuwut‘ denn dein Sheinux hier die ganze Zeit so rum“, fragte mein Herausforderer.
    „Das sagte ich doch“, antwortete ich ihm ohne Stan überhaupt zu Wort kommen zu lassen. „Ich nehme deine Herausforderung an! Bestell lieber schon einmal den Krankenwagen!“
    Natürlich wusste ich inzwischen, nach wochenlangen Frondienst unter meinem Ex-Trainer, dass mich die Menschen nicht wirklich verstehen konnten, aber der Kampfwillen in meinen Augen war mehr als deutlich abzulesen.
    „Ähm…“, stammelte Stan.
    „Ich glaube es will sich der Herausforderung stellen“, reimte sich mein Gegenspieler zusammen.
    „Und ich glaube, er wird dir gleich deinen vorlauten Hintern vermöbeln“, entgegnete ich. „Bringen wir es also hinter uns!“

  • Part 4: Keine wirkliche Herausforderung?

    Stan gab noch ein paar flüchtige “Ähms“ zum Besten, aber schließlich und endlich fanden wir uns auf einer kleinen Lichtung in der Nähe unseres Rendezvous-Ortes ein. Zu dem Leidwesen meiner doch schon stark strapazierten Nerven, hatte Stan erneut sein Piepsgerät ausgepackt und tat, was er am besten damit konnte: Seinen Mitpokémon und Mitmenschen den wirklich allerletzten Nerv zu rauben.
    Mein Gegner schien Stan mittlerweile als totalen Anfänger durchschaut zu haben, denn er schlug ihm einen Kampf Eins gegen Eins vor. Wahrscheinlich wusste er auch bereits, dass sein einziger Gegner ich sein würde. Einen wirklichen Kampf konnte man das eigentlich nicht mehr nennen. Der Gegner klar in der Unterzahl und als Gegner niemand anderen als mich, würde das Ganze wohl eher als Gemetzel in die Geschichte eingehen. Zumindest das Wetter meinte es gut mit meinem Opfer, denn ich war mit dem Gesicht zur Sonne gestellt und musste auch mit dem immer stärker werdenden Gegenwind zurecht kommen. Die Chancen waren also zumindest etwas ausgeglichen, auch wenn die Frage nach dem ausstehenden Gewinner dieses Massakers natürlich völlig unnötig erschien...

    „Los Machollo!“, rief mein Herausforderer und katapultierte einen seiner Pokébälle in den Kampfring. „Zeig ihnen aus welchem Holz wir geschnitzt sind!“
    Der Ball öffnete sich mit einem grellen Lichtblitz und offenbarte ein felsgraues Pokémon mit rubinroten Augen und gut eine halbe Schwanzlänge größer als ich selbst. Seine sichtlich gut trainierten Muskeln blendeten mich im Glanz der Sonne für einen kurzen Augenblick. Er knackte ein bis zweimal mit seinen Gelenken und schaute mit dem seltsamerweise gleichen unsympathischen Blick wie sein Trainer zu uns hinüber.
    „Triff deine Wahl!“, rief Machollos Trainer zu Stan hinüber.
    Ich schnaubte abfällig. Als ob Stan groß die Wahl hatte…
    „Meine Wahl… Ja, natürlich: Sheinux, du bist an der Reihe!“

    „Oh, du bist also mein furchterregender kleiner Gegner“, höhnte Machollo mit einer recht überheblich klingenden Stimme und musterte mich scharf, als ich den Kampfring hoch erhobenen Schwanzes und mit einem nicht gerade mutspendenden Piepschor im Rücken betrat.
    „Klein aber oho! Das wirst du gleich am eigenen Leib erfahren, du Fellloser“, entgegnete ich von seiner Selbstgefälligkeit völlig unbeeindruckt.
    „Sheinux‘… Sheinux‘…“, hörte ich Stan hinter mir leise unter einem weiteren Schwall von den elektronischen Geräuschen seines Gerätes brabbeln.
    Machollo lugte an mir vorbei, hinüber zu meinem Sekundanten. Auch ich warf einen kurzen Blick über die Schultern.
    „Was waren noch einmal Sheinux‘ Attacken…?“
    „Albern, dein Trainer“, gackerte Machollo.
    Ich spürte, wie ich vor Scham leicht errötete. Doch zum ersten Mal in meinem Leben, fiel mir einfach keine schlagfertige Antwort ein. Auch wirkte ich für meine Verhältnisse merkwürdig nervös. Noch nie zuvor, war ich in eine solche Situation geraten. Zwar stand ich bereits einiger Male unter der Führung eines Menschen im Ring, doch unter der Leitung von Stan… - ich zwang mich dazu wieder Machollo anzusehen - … würde der bevorstehende Kampf wahrlich kein Zuckerschlecken werden und das Letzte, was ich in dieser Situation brauchte, war eine niederschmetternde und frustrierende Niederlage.

    Kopfschüttelnd verscheuchte ich die Bilder von Stan eilig aus meinem Kopf. Was dachte ich da eigentlich nur die Ganze Zeit? Ich hatte schon damals immer das getan, was ich, und nicht mein Trainer wollte, und das Selbe würde ich auch hier tun. Genau! Konnte ja gar nichts schief gehen, wenn ich allein die Fäden zog. Ich brauchte niemand, der mir die Pfote hielt. Ganz anders als mein Gegenüber. Mit dieser Gewissheit vor Augen, grinste ich spöttisch in Richtung meines Kontrahenten.
    „Ich bin heute in Spendierlaune. Du darfst anfangen“, sagte ich genüsslich.
    „Das wirst du noch bereuen“, sagte Machollo offenbar über meinen guten Sportsgeist recht amüsiert. „Aber ich nehme dein Angebot an. Mach dich bereit.“

    „Machollo, Fußkick!“, hörte ich Machollos Trainer vom sicheren Seitenrand rufen.
    Alles ging plötzlich schnell. Viel zu schnell… Stans Ruf, ich sollte ausweichen, mein Gegner, der wie ein Blitz angeschossen kam und mir seinen rechten Fuß gegen die Brust rammte, ein stechender Schmerz, der meinen Körper mit heftigen Schmerzen überflutete, die plötzliche Atemlosigkeit gefolgt von leichter Besinnungslosigkeit und der Wind, der mir durchs Fell fegte, als ich durch die Luft wirbelte.
    Ich fand mich plötzlich auf dem Boden, fern von meinem vorherigen Standort, wieder. Die Wucht der Attacke meines Gegners hatte mich meterweit zurückgeschleudert.
    „Ich hatte dich ja gewarnt“, hörte ich Machollos selbstgefällige Stimme aus der Ferne erklingen.
    „Wir sind noch nicht fertig…“, knurrte ich.
    „Sheinux, bist du OK?“, hörte ich Stans Stimme hinter mir rufen. „Setz als nächstes… Ähm,… (Pieps)… Wo war es noch gleich…?“
    „Ruhe auf den billigen Plätzen! Ich weiß, was ich zu tun habe“, bellte ich zurück und rappelte mich auf.
    Wer, wenn nicht ich, sollte schließlich am Besten über meine eigenen Attacken bescheid wissen? Der Blecheimerknacker, Ehrfurchteinflößendes Starren, Blitzvorstoß,… Ich kannte sie alle.

    „Sheinux, Tackle!“, rief Stan mir zu.
    Täckel? Für irgendwelches lustiges Rätselraten fehlte mir jetzt wirklich die Lust. Jetzt war es an der Zeit für meinen Blecheimerknacker!

    Der Boden bebte unter dem Trommelwirbel meiner Pfoten, als ich zornentbrannt auf meinen regungslosen Gegner losstürmte. Seine Gestalt kam mit jedem weiteren meiner Schritte näher und näher. Jeden Moment würde ich meinen Körper wie einen Speer in den meines Gegners hineinstoßen. Nur noch wenige Meter…
    „Machollo, weich aus!“, rief sein Trainer.
    Im wirklich allerletzten Moment konnte der Feigling meiner ungebremsten Körpergewalt durch einen rettenden Satz zur Seite entkommen. Es dauerte noch einige Momente, bis ich endlich vollständig zum Stillstand kam. Perplex wirbelte ich herum, doch da war es erneut um mich geschehen: Machollo hatte den kurzen Moment meiner Desorientierung genutzt und abermals seinen rechten Fuß gezielt gegen mich eingesetzt.
    Mein Kopf hämmerte wie verrückt, als ich mich schwer atmend im warmen Gras und im Schatten einer Wolke wiederfand. Nur langsam konnte ich mich dieses Mal aufrappeln. Meine Knie zitternden heftig unter der Last meines Körpers und ich schwankte gefährlich. Jeder einzelne Atemzug hinterließ einen dumpf hämmernden Schmerz in meinem Kopf.

    „Das reicht!“, hörte ich eine entfernte, ängstlich klingende Stimme in meinen Ohren klingeln. „Wir geben auf!“
    Ich drehte mich, so schnell es mein tauber Körper mir erlaubte, um. Weit hinter mir konnte ich Stans verschwommene Gestalt ausmachen.
    „Aufgeben? Kommt überhaupt nicht in Frage...“, murmelte ich leise und schwankte bedrohlich auf der Stelle.
    Vor dem Gegner zu kapitulieren... Sich feige zurückzuziehen... Um Gnade winseln... Das alles war für mich nichts anderes als zu verlieren und solche Optionen standen für mich noch nie zur Auswahl. Ich würde kämpfen. Kampf, bis einer nicht mehr stehen konnte. Das war für mich seit jeher selbstverständlich und niemand, absolut niemand hatte das Recht, meinen Willen und meine Überzeugung zu brechen.
    „Ich kämpfe weiter!“, rief ich ihm entschlossen zu. „Das ist mein Kampf, nicht deiner!“
    Stan schien begriffen zu haben, dass ich mich von meiner Entscheidung, den Kampf auf meine Weise fortzusetzen, nicht abbringen ließ. Er nickte mir, wenn auch allem Anschein nach recht besorgt mir gegenüber, zu.

    Aus dem morgendlichen, azurblauen Himmelszelt war inzwischen ein, mit dichten und unheilbringenden Quellwolken überzogenes Trümmerfeld geworden. Ich stemmte mich mühselig gegen den immer stärker werdenden Wind, der das Gras unter meinen Füßen nach seinem Willen bog.
    „Sei nicht dumm. Gib einfach auf“, riet mir Machallo, dessen Stimme sich nur schwerfällig durch den herannahenden Sturm zu mir hindurchbahnte.
    Ich schwieg.
    Es musste zugeben, dass es tatsächlich um mich nicht gut stand. Ein weiterer Treffer und ich würde mit Sicherheit im nächsten Pokémon-Center aufwachen. Aber aufgeben würde ich dennoch nicht. Nein, so tief war ich noch nicht gesunken. Entweder er, oder ich!
    „Und? Was ist nun? Gibst du auf?“
    Machollo kam langsamen Schrittes auf mich zu. Offenbar glaubte er, ich sei keine Bedrohung mehr für ihn. Das war sie: Meine wahrscheinlich letzte Chance, diesen Kampf noch für mich herumzureisen.
    „Sag schon! Ich warne dich: Ich kenne kein Pardon.“
    „Komm näher... Nur noch etwas näher...“, munkelte ich verstohlen und versuchte mich dabei schwächer dar zustellen, als ich eigentlich war. Von einer weiteren Windböe getroffen, taumelte ich zielgenau in seine Richtung.
    „Wenn du jetzt aufgibst, erspart dir das eine Menge Ärger“, spottete Machollo und setzte seinen, für sich in Gedanken schon absolut sichereren, Siegesmarsch in meine Richtung fort.
    „Nur noch ein bisschen... Komm näher“, schoss es mir durch den Kopf, heftete meinen Blick gen Boden und versuchte unauffällig Kräfte für den entscheidenden Angriff zu sammeln.
    „Sheinux! Tu etwas“, tönte Stans verzweifelte Stimme in meinen Ohren.
    „Hör auf deinen Trainer. Du bereitest ihm Kummer.“
    Ein schwerer Regentropfen knallte mir auf die Nase. Mein Gegenüber war nur noch einen Wimpernschlag von mir entfernt und holte zum entgültigen Schlag gegen mich aus. Seine Deckung war entblößt. Jetzt war meine Stunde gekommen.

    Schlagartig richtete ich mich auf und rammte meine Pfoten für den alles entscheidenden Angriff blitzschnell in den lehmigen Boden. Machollo hielt völlig entgeistert und nahezu ungedeckt inne. Schlagartig ließ ich all meinen Hass, all meine Wut und all meinen Zorn in Form eines knisternden Stromstoßes auf meinem Widersacher hinabregnen. Mein Gegner leuchtete in einem blendend hellen Schein auf und begann wie am Spies vor Schmerzen zu schreien, bis er schließlich heftig zuckend auf die mittlerweile völlig durchnässte Erde hinabfiel.
    Auch ich sank in jenem Moment erschöpft und schwer atmend auf die Knie. Dieser Akt der Verzweiflung hatte mich gänzlich entleert. Mein ganzer Körper fühlte sich völlig hohl an. Keines meiner Gliedmaßen wollte mir noch gehorchen. Überhaupt hätte ich in diesem Moment schwören können, dass ich nichts mehr weiter als ein Geist war. Die Umrisse der Bilder um mich herum verblassten langsam bis ich gänzlich das Bewusstsein verlor.

    „Das war echt stark!“, hörte ich verschwommen eine entfernte Stimme anerkennend sagen.
    Etwas traf mich heftig an der Stirn. Für einen Moment dachte ich tatsächlich, ein weiterer Pokéball hätte mich soeben getroffen. Ich schlug die Augen auf und blickte plötzlich in das erleichterte Gesicht Stans, der mich in seinen Armen trug. Schwere Regentropfen hämmerten auf uns ein.
    „Habe ich... gewonnnen?“, murmelte ich leicht neben mir.
    „Dein Sheinux ist eine echte Kämpfernatur. Respekt. Das hätte ich echt nicht geglaubt, dass wir verlieren“, sagte Machollos Trainer, der dicht gegenüber Stan stand.
    Stan seufzte schwer. Er streichelte mir mit seiner zittrigen Hand sanft über die Stirn.
    Natürlich mochte ich das nicht, doch fühlte ich mich einfach viel zu saft- und kraftlos als das ich ihn großartig von seinem Tun hätte abhalten können.
    „In Ordnung. Wir ziehen dann mal weiter. Es war mir eine Ehre“, verabschiedete sich unser Herausforderer und reichte Stan zum Abschied die Hand. „Mich ruft es in eine andere Richtung, aber wenn du nach Oliviana City willst, so ist hier gleich in der Nähe ein Pokémon-Center.“
    „Danke“, murmelte Stan, schüttelte ihm seine vom Regen durchweichte Hand, mied jedoch seinen Blick.

    „Er sagte, es war ihm eine Ehre... Du hättest dich ruhig ordentlich von ihm verabschieden können...“, nuschelte ich, als Stan sich durch Regen und Wind den Hügel hinaufkämpfte.
    Seine Füße versanken immer tiefer in der matschigen Erde, während Regentropfen, schwer wie Hagelkörner, auf uns eindroschen.
    „Warte... Ich gehe wieder selbst. Ist mir so oder so lieber...“
    Mit diesen Worten sprang ich der Geborgenheit seiner Arme hinab. Stan machte Anstalten, mich wieder zu tragen, doch machte ich ihm klar zu verstehen, dass ich auch gut alleine zurecht kam.

    Etwas ungraziös stapften wir gemeinsam das letzte Stück des steilen Hangs hinauf und erreichten schließlich die ersehnte Spitze. Wind und Platzregen erschwerte zwar erheblich unsere Sicht auf das was vor uns lag, doch konnte zumindest ich, klar die Wärme und Behutsamkeit eines kleinen Gebäudes nicht unweit von uns erkennen.
    Nicht nur wir schienen von dem Wetter reißaus zu nehmen: Von allen Himmelsrichtungen her strömten vereinzelt oder grüppchenweiße Menschen in Richtung des sicheren Obdachs.
    Stan gab einen lauten Seufzer zum Besten.
    „Äh... Was hältst du davon, heute Nacht draußen zu campieren?“, fragte er mich völlig unerwartet und schaute nervös in alle Richtungen.
    Ja, spann ich denn? Hatte der Typ das gerade tatsächlich ernst gemeint? Ich war zwar wahrlich ein freiheitsliebendes Pokémon und die Herrlichkeit der Natur bedeutete mir nahezu alles, aber wenn ich doch Wahl hatte zwischen triefender Nässe, Hunger und Kälte oder einem Dach über dem Kopf, warmes Essen und vielleicht sogar ein weiches Bett zu wählen, dann musste ich nicht einmal eine Sekunde über diese völlig irrsinnige Frage nachdenken.
    „Ich glaube du warst heute zulange in der Sonne!“, rief ich über Stans seltsamen Vorschlag sichtlich empört. „Du kommst jetzt mit und keine Widerrede!“
    Mit diesen Worten schnappte ich mir eines seiner Hosenbeine und zerrte meinen unglücklich wirkenden Trainer den Hang hinab.