Regeln, Information und Punkteliste der Saison '11

Schwert / Schild Pokémon Schwert und Schild sind auf dem Weg zu uns! Auf Bisafans sammeln wir alle wichtigen Infos in unseren Guides und dem Pokédex! Alle bekannten Informationen findet ihr hier bei uns:


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  • Allgemein



    Wettbewerbe werden im 2-Wochen-Takt sonntags starten, die Anmelde- und Abgabe-Deadline geht zwei Wochen, das Vote-Topic wird genauso lange offen gelassen. Sollte es dazu kommen, dass es keinen klaren Sieger gibt, werden die ersten beiden die Punktanzahl für den ersten Platz erhalten, der nächstplatzierte erhält dann die Punkte, des "eigentlichen Platzes". Gibt es zum Beispiel zwei erste Plätze, so ist der User mit der nächst höchsten Punktzahl auf dem dritten Platz.


    Entwaige Betrugsversuche oder Manipulationen der Ergebnisse werden im äußersten Fall mit einer Wettbewerbs-Sperre geahndet!



    Die Wettbewerbe werden von den FF-Moderatoren und FF-Komiteemitgliedern geleitet, die Sache bleibt also intern. Falls ihr trotzdem Ideen für Wettbewerbe habt, könnt ihr diese hier posten:


    Vorschläge für Wettbewerbsthemen


    Aus allen Wettbewerben wird ein Gesamtsieger ermittelt, dieser erhält einen frei wählbaren Benutzertitel. Außerdem erhalten alle Sieger persönliche Avatare.





    Punkteverteilung



    Im Gegensatz zum letzten Wettbewerbsjahr, wird die Anzahl der Punkte für die Tabelle in dieser Saison von den Abgaben abhängig gemacht. Je mehr Abgaben, desto mehr Konkurrenz. Folglich ist es auch eine größere Leistung den ersten Platz zu erreichen.


    Außerdem gibt es ab diesem Jahr den so genannten "Mitmachpunkt". Jeder User, der in einem Wettbewerb mitmacht, seinen Text oder Gedicht also für den Vote abgibt, erhält unabhängig von der Stimmzahl einen Punkt in der Tabelle, wenn der Text kein Treppchen Platz erreichen konnte.



    So hat sich folgende Aufteilung ergeben:



    [tabmenu][tab='Bei 1 bis 10 Abgaben']


    1. Platz -> 8 Punkte


    2. Platz -> 6 Punkte


    3. Platz -> 5 Punkte


    4. Platz -> 4 Punkte


    5. Platz -> 3 Punkte


    Abgegeben -> 1 Punkt


    [tab='Bei 11 bis 20 Abgaben'] 1. Platz -> 12 Punkte


    2. Platz -> 10 Punkte


    3. Platz -> 8 Punkte


    4. Platz -> 7 Punkte


    5. Platz -> 6 Punkte


    6. Platz -> 5 Punkte


    7. Platz -> 4 Punkte


    8. Platz -> 3 Punkte


    Abgegeben -> 1 Punkt


    [tab='Bei 21 bis 30 Abgaben'] 1. Platz -> 15 Punkte


    2. Platz -> 12 Punkte


    3. Platz -> 10 Punkte


    4. Platz -> 9 Punkte


    5. Platz -> 8 Punkte


    6. Platz -> 7 Punkte


    7. Platz -> 6 Punkte


    8. Platz -> 5 Punkte


    9. Platz -> 4 Punkte


    10. Platz -> 3 Punkte


    Abgegeben -> 1 Punkt [tab='Bei über 30 Abgaben'] 1. Platz -> 17 Punkte


    2. Platz -> 14 Punkte


    3. Platz -> 12 Punkte


    4. Platz -> 10 Punkte


    5. Platz -> 9 Punkte


    6. Platz -> 8 Punkte


    7. Platz -> 7 Punkte


    8. Platz -> 6 Punkte


    9. Platz -> 5 Punkte


    10. Platz -> 4 Punkte


    11. Platz -> 3 Punkte


    Abgegeben -> 1 Punkt [/tabmenu]




    Die Anmeldungen



    Auch hier hat sich im Vergleich zum letzten Jahr einiges geändert. Von nun an ist es nicht weiter nötig sich durch einen Post in dem jeweiligen Wettbewerbstopic anzumelden. Wenn man sich also dazu entscheidet an einem Wettbewerb teil zu nehmen, so reicht es dem Leiter des Wettbewerbes eine PN mit der Abgabe zu schicken. Diese PN wird dann gleichzeitig als Anmeldung gewertet.



    In die Anmeldetopics sollten von nun an nur noch Fragen zu dem Wettbewerb gepostet werden.





    Die Votes



    Wie die Anmeldungen hat sich auch das System der Votes etwas gewandelt. So hat man von nun an die Möglichkeit Punkte für die einzelnen Texte zu vergeben. Am Kopf des Votetopics erhält man die Information wie viele Punkte maximal vergeben werden dürfen. Findet man einen Text besonders herausragend, so kann man diesem Text nicht mehr nur einen Vote/Punkt geben, sondern mehrere Punkte verleihen - genau so viele, wie es angemessen ist und solange es im Rahmen der Punktegrenze liegt.


    Ein Beispiel:


    Am Kopf des Votepostes steht, dass man maximal 7 Punkte vergeben kann. Nachdem alle Abgaben durchgelesen wurden, hat man zwei Favoriten ausgewählt. den einen jedoch findet man viel besser als den anderen. Also gibt man dem einen Text 5 und dem zweiten nur 2 Punkte. Man hält also die 7 Punktegrenze ein, kann aber frei wählen wie viele Punkte man an wie viele Texte vergibt. Näheres wird auch noch einmal in den jeweiligen Votetopics erwähnt.



    Auch in diesem Jahr behalten wir das bewährte System mit dem Votepunkten bei. Um die Aktivität der Votes in den einzelnen Wettbewerben zu steigern und die Voter für ihre Votes zu belohnen, haben wir die Votepunkte eingeführt. Sie sind einfach zu erklären: Votet ein User in einem Wettbewerb, so bekommt dieser zwei Punkte für seinen eigenen Text/sein eigenes Gedicht, wenn er denn abgegeben hat. Hat der User der votet jedoch keinen Text abgegeben, hat dies keinen weiteren Effekt auf die Punkte der Texte/der Gedichte. Oft hat diese Regelung Vorteile für die Plätze der Texte/der Gedichte, weshalb sich jeder User einmal zum Voten aufraffen sollte ;)


    Natürlich sehen wir es noch lieber, wenn User auch ohne diesen kleinen Ansporn voten.







    Abgeschlossene Wettbewerbe


    Hier findet ihr eine Liste aller in diesem Jahr gelaufenen, oder laufenden Wettbewerbe


    fett und grün = aktuell



    Wettbewerb Nr. 01: Drabble - Information|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 02: Überschriften - Information|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 03: Wettbewerbsbeschreibung - Information|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 04: Bildimpuls-Gedicht - Anmeldung|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 05: Reizwortgeschichte - Information|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 06: Traumszene - Information|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 07: Steckbrief - Information|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 08: Bisasam und seine Fans - Information|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 09: Shipping - Information|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 10: Haiku - Information|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 11: Liedtexte - Information|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 12: Best of all Generations - Reise - Information|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 13: Drehbuch - Information|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 14: Reizwortgedichte - Information|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 15: Themadrabble - Information|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 16: Nur ein Zitat - Information|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 17: Pokemon unter sich - Information|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 18: Propaganda-Flyer - Information|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 19: Unerzählte Pokémongeschichten - Information|Vote|Gewinner


    Wettbewerb Nr. 20: Gedichte - Information|Vote|Gewinner



    FF-Special #1: Kooperativer Schreibwettbewerb BB-PF - Information|Gewinner


    FF-Special #2: Random-Collab - Information|Vote|Gewinner


    FF-Special #3: 200 Zeichen - Information|Runde 1 (Vote)|Runde 2 (Vote)|Finale|Gewinner



  • Eingerechnete Wettbewerbe '11:
    [02.01.11 bis 30.01.11] Wettbewerb Nr. 01: Drabble
    [16.01.11 bis 13.02.11] Wettbewerb Nr. 02: Überschriften
    [30.01.11 bis 27.02.11] Wettbewerb Nr. 03: Wettbewerbsbeschreibung
    [13.02.11 bis 13.03.11] Wettbewerb Nr. 04: Bildimpuls-Gedicht
    [27.02.11 bis 27.03.11] Wettbewerb Nr. 05: Reizwortgeschichte
    [13.03.11 bis 10.04.11] Wettbewerb Nr. 06: Traumszene
    [10.04.11 bis 08.05.11] Wettbewerb Nr. 07: Steckbrief
    [24.04.11 bis 22.05.11] Wettbewerb Nr. 08: Bisasam und seine Fans
    [08.05.11 bis 05.06.11] Wettbewerb Nr. 09: Shipping
    [22.05.11 bis 19.06.11] Wettbewerb Nr. 10: Haikus
    [05.06.11 bis 03.07.11] Wettbewerb Nr. 11: Liedtexte


    [24.07.11 bis 20.08.11] Wettbewerb Nr. 13: Drehbuch
    [07.08.11 bis 03.09.11] Wettbewerb Nr. 14: Reizwortgedichte
    [21.08.11 bis 17.09.11] Wettbewerb Nr. 15: Themendrabble
    [03.09.11 bis 01.10.11] Wettbewerb Nr. 16: Nur ein Zitat
    [17.09.11 bis 22.10.11] Wettbewerb Nr. 17: Pokémon unter sich
    [08.10.11 bis 05.11.11] Wettbewerb Nr. 18: Propaganda-Flyer
    [22.10.11 bis 20.11.11] Wettbewerb Nr. 19: Unerzählte Pokémongeschichten
    [05.11.11 bis 04.12.11] Wettbewerb Nr. 20: Gedichte




    [tabmenu][tab='Punkteliste: Wettbewerbe'][Platz/Username/Nr. des Wettbewerbes mit Platzierung/Punkte insgesamt]
    rot = "Mitmachpunkt"


    Platz 1 / Leandy / 1234568910141520 / 105 Punkte
    Platz 2 / TCCPhreak/ 1267910111314151819 / 72 Punkte
    Platz 3 / Chiyoko / 1245678911 / 67 Punkte


    ___________________________________
    Platz 4 / Pika! / 134579151920 / 54 Punkte
    Platz 5 / Cáithlyn / 126791011 / 43 Punkte
    Platz 6 / Darky / 135671018 / 39 Punkte
    Platz 7 / Fröschchen / 151719 / 30 Punkte
    Platz 8 / Gargoyle / 1220 / 28 Punkte
    Platz 9 / Riako / 123710 / 27 Punkte
    Platz 9 / Paya / 1617181920 / 27 Punkte



    [/tabmenu]

    Hinweise auf Fehler ect. per PN an mich


  • Ergebnisse
    Wettbewerb Nr. 01: Drabble
    Information|Vote


    [tabmenu]
    [tab=1. Platz]

    Akatsuki


    Schicksal


    Du greifst nach den Sternen, nach Mond Mars und Saturn, streckst deine Arme weit aus, doch erreichen wirst du sie nie. Du suchst Liebe, wahre und innige, doch was dich erwartet ist Schmerz und Grauen. Du suchst Frieden, Frieden in deiner Seele, Frieden in deinem Herzen und Körper, doch was du findest ist nur ein kalter Krieg. Du suchst Geborgenheit dort, wo du glaubt sie zu finden, doch was dich erwartet ist nicht dein Traum. Du träumst dir deine Welt wie sie dir gefällt. Doch dein Gefallen schwindet schnell und weicht der Habgier.
    Mich, das Schicksal, kann niemand umgehen.


    erreichte 42 Punkte von insgesamt 665 vergebenen


    [tab=2. Platz]

    Lemon


    Engelsstimmen


    Durch die Straßen ging ich heute
    ohne ein konkretes Ziel.
    Traf auf unbekannte Leute,
    dachte nach und grübelt viel.


    Lehnte mich an ’ne Laterne,
    sah gelangweilt in die Nacht.
    Oben funkelten die Sterne,
    strahlten hell in ihrer Pracht.


    Plötzlich doch dann, aus der Ferne,
    leis ein kleines Lied erklang.
    Eine Melodie voll Wärme,
    so, als ob ein Engel sang.


    Blieb noch eine Weile stehen,
    hörte still den Klängen zu,
    konnte plötzlich klarer sehen,
    fand in ihnen tiefe Ruh.


    Ganz tief drin in meinem Herzen
    hat mich dieses Lied berührt
    Und mich durch des Leides Schmerzen
    hat zum Leben hingeführt.


    erreichte 35 Punkte von insgesamt 665 vergebenen


    [tab=3. Platz]

    schnuffbear


    Abgrundtief


    Tief unter ihr hörte sie das Meer die Felsen umspülen. Sie spürte, wie der Wind mit ihrem Haar spielte, es umherwirbelte und zerzauste. Sie war gerne hier, deshalb hatte sie diesen Ort ausgewählt. Diesem Tag waren viele durchgrübelte Nächte vorausgegangen, doch sie hatte gespürt, dass sie bereit war. Sie streckte die Arme aus, fühlte den Wind an ihr zerren, von ihr Besitz ergreifen, doch sie ließ es nicht zu, stemmte sich gegen die Luftmassen, wurde wieder Herrin ihres Körpers. Sie trat nach vorn, hörte das Meer tosen, dann ließ sie sich fallen und genoss noch einmal die wunderbare Aussicht.


    erreichte 32 Punkte von insgesamt 665 vergebenen


    [tab=4. Platz]

    BlackHunter


    Seelenfrieden


    Den Tod von meinem geliebten Pokemon Luxtra konnte ich nicht verkraften. Die Beerdigung war schrecklich und ich sah den leblosen Körper meines Pokemon. Als ich daheim war, ging ich sofort ins Bett. Ich träumte von Luxtra, von unseren schönen Zeiten zusammen die wir hatten. Ich merkte wie ich im Schlaf weinte. Ich fühlte mich leer. Ich wachte auf und sah ihn vor mir, leghaftig und gesund. "Leon. Ich werde immer bei dir sein auch wenn ich nicht mehr bin und beschütze dich." Dann verschwand er. Ich lächelte und freute mich das ich ihn noch mal sehen durfte. Danke Luxtra.
    __________

    Rexy


    Unwetter


    Schwach spiegelt sich die geisterhaft blasse Silhouette des halbbedeckten Mondes auf der bewegungslosen Oberfläche des Sees.
    Nach und nach ziehen dunkelgraue Wolken auf und bieten dem Mond die Stirn. Still ächzend gibt er auf und lässt sie gänzlich ihn bedecken.
    Zornig werdend beginnt das Wasser sich zu kräuseln, die ebene Oberschicht zerfällt. Immer schneller und tosender werden die Bewegungen des Wassers, welches sich schäumend über das Ufer schlägt. Orkangleich kämpfen nun Wind und Wellen, erbittert um des Mondes Schicksal.
    Dann plötzlich ist alles vorbei, der Kampf gewonnen: Die Wolken fliehen und der Mond scheint wieder auf das unbewegte Nass.


    erreichten 30 Punkte von insgesamt 665 vergebenen


    [tab=6. Platz]

    Aiyandra


    Frühlingsblüte


    Im ersten Licht blühst du auf. Streckst dich der Sonne entgegen, die dich wärmt, umschmeichelt, wachsen lässt. Voller Hoffnung bist du, Hoffnung auf ein segensreiches Schicksal. Und wie dein Körper wächst, so wächst auch deine Zuversicht. Wenn die Sonne am höchsten steht, so bist du erfreut über diese Helligkeit. Denkst, sie würde auch ein helles Schicksal bedeuten. Doch Tag für Tag brennt die Hitze auf dich hinunter, es ist zu hell, zu hell! Du duckst dich, versuchst, der grausamen Sonne zu entkommen. Doch gelingt es dir nicht, und so verbrennst du. Langsam. Qualvoll. Hoffnungslos.
    Dies ist dein Schicksal, Frühlingsblüte.


    erreichte 26 Punkte von insgesamt 665 vergebenen


    [tab=7. Platz]

    Chi


    Zeichen


    Buchstaben fliegen über das Papier und
    einige entscheiden sich
    zu bleiben
    und dir und mir
    eine Geschichte zu erzählen.


    Sie reihen sich aneinander und
    bilden Wörter Sätze
    mit denen
    sie ferne Länder und Träume von
    Leben in fremde Herzen bringen.


    Wie der Wind tragen sie uns davon und
    wir träumen denken
    fühlen leben
    und das alles nur auf
    einem kleinen Blatt Papier.


    Schreiben Worte aneinanderreihen
    schwarze Buchstaben auf
    weißem Papier
    Zeichen setzen in denen ich
    mich verliere und gleichzeitig.


    Wiederfinde. Und die doch nichts weiter
    sind als bloße
    Symbole
    für etwas das in Worte zu fassen
    ich nicht vermag.
    __________

    Ayu


    Steintod


    Steine, nicht größer als eine Daumenkuppe, fielen in dieses endlose Schwarz. Immer weiter, bis sie mit einem leisen Laut auf die Erde trafen und dort vermutlich in noch kleinere Stücke zerbarsten. Durch eine unbedachte Bewegung meinerseits waren sie nun dazu verdammt, zu zerbröseln.
    Meine Gefühle waren zweigeteilt, zerrissen. Einerseits wollte ich Mitleid für diese kleinen, unschuldigen Kieselsteine empfinden, andererseits, wie wäre es, wenn man selbst wie ein dünner Porzellankrug am Boden zerschellen würde?
    Der Gedanke, einen Schritt zu machen und sich dem freien Fall hinzugeben, war äußerst verlockend. Und dann wagte ich es – meine letzte Tat, mein letzter Schritt.
    __________

    Soul&Cristal


    Täuschung


    An dich.
    Die Monate der Qualen und Tränen sind vorbei, die depressiven Tage gehören der Vergangenheit an.
    Du bist nicht länger ein fester Bestandteil meines Lebens; ich habe endlich wieder gelernt, zu lachen ohne die Tränen in meinen Augen. Meine Lebensfreude ist zurückgekehrt, ich spüre wieder, wie mich jeder neue Tag lockt mit all seinen Höhen und Tiefen.
    Ich bin endlich wieder ich.
    Nicht länger das Abbild einer Romanfigur.
    Du glaubtest, mich mit deinen Worten zerstören zu können, meine Seele und meine Kraft in Scherben schlagen zu können.
    Du hast dich getäuscht.
    Ich schaue niemals mehr zurück.
    Lebe wohl.



    erreichten 25 Punkte von insgesamt 665 vergebenen


    [tab=10. Platz]

    Alaiya


    Blind


    „Ich sehe dich“, flüsterte sie, ihre dunklen Augen fest auf mich gerichtet. „Aber du siehst mich nicht. Du hast mich nie gesehen.“ Das waren ihre letzten Worte zu mir. Sie wandte sich ab und ging langsam in den Regen der Nacht hinaus, um mich nie wieder anzusehen.
    Ich blieb im Trockenen zurück, ohne zu verstehen. Wie konnte sie so einfach gehen? Was hatte sie von mir erwartet?
    Für einen Moment hielt ich inne, konnte ihre Gestalt in der Dunkelheit schon nicht mehr erkennen. Nie gesehen? Ich zögerte und sah auf meine zitternden Hände. Endlich erkannte ich: „Ich bin blind.“


    erreichte 21 Punkte von insgesamt 665 vergebenen


    [tab=11. Platz]

    Riako


    Allein


    Ihr meint immer, Unsichtbarkeit wäre etwas wunderbares. Man könne unbemerkt alles beobachten, jedem lauschen und manch ein Geheimnis jemandem entlocken. Doch niemand scheint darüber nachzudenken, wie es sich tief im eigenen Herzen anfühlt, unsichtbar zu sein. Es ist genau der endlos kalte Schmerz der vernachlässigten Kenntnisnahme und Anerkennung, der mich quält. Niemand sieht mich, niemand nimmt mich wahr. Oftmals versuche ich die Aufmerksamkeit der anderen auf mich zu lenken – doch niemand will mich bemerken. Freut euch daran, dass mich niemand sehen kann, wenn ich still und einsam weine. In der Trauer eines einsamen Keckleons. Einfach nur still, leise... Unsichtbar.
    __________

    ηιgнтωιѕн~


    Damals


    Weißt du noch, damals? Als wir noch klein waren. Als die Sonne unsere Nasen kitzelte, als wir entspannt und ohne Sorgen auf dem Hügel hinter dem kleinen Wäldchen an der Mulde lagen.


    Weißt du noch, als wir von der Schule kamen, und uns auf dem Heimweg der saftige Geschmack der Äpfel unsere Gaumen verwöhnte?


    Weißt du noch, als wir an den Wochenenden, an den freudigen Sonntagen nach der Kirche zum See, welcher weit hinter den Häusern lag, gingen und uns dort vom kühlen, blauen Nass erfrischten?


    Weißt du noch, als unser Leben ohne Sorgen war, erinnerst du dich?
    Damals….


    erreichten 19 Punkte von insgesamt 665 vergebenen

    [/tabmenu]

  • Ergebnisse
    Wettbewerb Nr. 02: Überschriften
    Information|Vote


    [tabmenu][tab=1. Platz]

    Scissorhand


    Der letzte Tag der Sonne #4


    „Unsere Herrscherin ist schwach…“ Besorgt blickt Gevatter Mond in die unendlich weite Ferne des Universums, wo die Sonne ihre Strahlen nur noch schwächlich versprüht. Ihr weises, altes Gesicht ist angestrengt und schmerzverzerrt. Des Mondes tausend Gefährten, die Sterne, können sich mit der Wahrheit kaum abfinden. Dass so etwas geschehen sollte, hätten sie niemals erwartet.
    „Wie nur konnte so etwas geschehen, Bruder?“, fragt einer davon den Mond, welcher seine Stirn in Falten gelegt hat.
    „Seit Anbeginn der Zeiten wacht sie über uns. Schien sie auch unverwundbar, von ewigem Leben zu sein, so läuft auch ihr die Zeit langsam davon… Ist sie auch stark, so wird sie es nicht mehr lange durchhalten. Unsere Welt, wie wir sie kennen, wird es bald nicht mehr geben. Denn Mutter Sonne hält uns alle zusammen, und wenn sie jemals aufgeben müsste, so müssten auch wir es ihr gleich tun.“ Traurig schliesst der Gevatter seine Augen. „Sie ist älter als die Erde, älter als wir alle zusammen. Treu hat sie uns alle geschützt und uns vor Unheil bewahrt. Indem sie ihre Herzenswärme in Flammen umwandelte und damit die Galaxie in Licht tauchte, konnte sie Geschöpfe erschaffen, welche glücklich den Planeten eroberten und sich dort einen Ort schufen, an dem sie ihr Leben verbringen konnten. Das ist der Sinn ihres Daseins, dass sie uns alle am Leben hält. Sowohl wir Himmelskörper als auch die Wesen auf der Erde verdanken ihr unsere Seele. Und jetzt soll alles vorbei sein…“
    „Doch was ist mit der Sonne los, mein Bruder? Sie ist alt, gewiss, doch einige Jahre mehr oder weniger sollten ihr doch…“
    „Ach, du naiver Tor, hast du denn wirklich keine Ahnung, was ihr zugestossen sein mag? Ihre Seele ist erkrankt, törichte Laune der Natur! All die Jahre, Millionen um Millionen… Täglich dasselbe, immer am Himmel stehen, der Welt das Licht einflüstern und pausenlos die Strahlen verschicken, damit die anderen sich daran erfreuen… Sicher, ihr ist gewiss, dass ohne das Licht ihres Herzens kein Wesen überleben kann. Und das ist auch das einzige, was ihr noch übrig bleibt. Dazu ist sie geboren, dies ist ihr Schicksal – und das ist ein enormer Druck. Ihr altes Herz hält es einfach nicht mehr aus. Irgendwann muss schliesslich das Ende eintreffen, und sie spürt, dass sie im Geiste schon lange verloren hat.“ Verängstigt blickt der kleine Stern zu dem wutverzerrten Gesicht des alten Mondes hinauf. So hat er den sonst so friedliebenden Gevatter seit Anbeginn seiner Existenz noch niemals erlebt. Vorsichtig fragt ein anderer Stern:
    „Können wir denn gar nichts dagegen tun?“ Die Gesichtszüge des Mondes besänftigen ein bisschen, die Wut in seinen funkelnden Augen verwandelt sich in Trauer.
    „Nein, gar nichts. Eine höhere Macht hat es so vorgesehen, dass das Leben schon bald für immer ausgelöscht werden soll. Die Sonne wird sterben, und das Universum wird gemeinsam mit ihr untergehen. Und auch sie wird froh darüber sein, ihren Lebenssinn bis an diese Stelle erfüllt zu haben. Es ist das Schicksal der Sonne, der Welt, jeglicher Existenz. Der letzte Tag der Sonne wird schon bald anbrechen, und keiner kann es verhindern.“


    Der Teil der Erdbevölkerung, welcher zu dieser Zeit der Tag anbricht, blickt verwundert zum Himmel. Keine einzige Wolke zeigt sich, klarer könnte das Wetter nicht sein. Trotzdem ist es für diese Tageszeit erstaunlich dunkel. Im Winter wäre dies normal, doch es ist mitten im Sommer. Es scheint beinahe so, als habe die Sonne ihre Kräfte verloren, könne sie nur noch schwach ihre Strahlen an die Lebewesen der Erde weiterreichen. Man kann direkt in ihr Antlitz blicken, ohne geblendet zu werden. Ihre sonst so kraftvollen Flammen zucken nur schwach, schaffen es kaum, die Erde überhaupt zu erreichen. Die Menschen fragen sich, was das wohl sein könnte. Die meisten von ihnen winken ab. Man solle sich keine Sorgen machen, teilen sie den anderen mit, dies sei nur eine Laune der Natur. Bald schon wäre alles wieder normal… Ach, wüssten sie nur, was in wenigen Tagen schon auf sie zukommt... Doch was würde das nützen? Vor dem drohenden Unheil, was ihnen bevorsteht, können sie sich nicht schützen – keiner kann das. Niemand. Diese Macht liegt über dem Verstand der Menschen, sie haben keinen Einfluss darauf. Hilflos sind sie der Zukunft ausgeliefert, dem Ende der Welt. Und keiner von ihnen hat überhaupt eine Ahnung. In genau zwei Tagen wird der letzte Tag der Sonne anbrechen, und mit ihm der letzte Tag der Menschheit.


    „Endlich wird mein Leiden ein Ende haben. Schon so lange, so lange warte ich auf diesen Tag, diesen einen Tag, der mich erlöst. Ich sollte mich freuen, doch ich kann es nicht. Die Menschen, ich sehe sie, sie blicken mich an… Ich blicke zurück und weiss, dass sie es nicht bemerken. Sie, für die ich meine Strahlen auf die Erde sandte, meine Boten des Lebens… Ich werde sie vermissen. Und dort drüben, der Mond und seine Gefährten… Mein lieber Mond, welcher mir als Berater immer so gut zur Seite gestanden ist… Besonders er wird mir fehlen, so sehr… Hach, wäre dies doch nur nicht mein Schicksal. Könnte ich doch auch dort auf der Erde leben und ein normales Dasein führen, ein Mensch ohne wichtige Aufgabe… Könnte ich doch ein Wesen sein, gleich wie jedes andere, unauffällig und von kaum jemandem beachtet… Das hört sich schön an. Und wer weiss, vielleicht werde auch ich einmal als Mensch wiedergeboren in einer neuen Welt, nach all diesen Strapazen, nach unserem Untergang. Ach, könnte ich mir nur gewiss sein, könnte mir nur jemand garantieren, dass ich jemals normal sein könnte, eine von vielen, von niemandem beachtet. Ich will doch nur meine Ruhe haben und nicht diese schreckliche Verantwortung, welche ein Fluch meiner Seele ist… Wieso nur, wieso ich? Weshalb wurde ich auserwählt, ich kann doch nichts dafür, schon seit Jahrmillionen auf die Erde mit all seinen Geschöpfen aufpassen zu müssen… Doch jetzt bringt alles nichts mehr. Ich spüre, ich habe keine Kraft mehr. Meine Gedanken sind das einzige, was mir noch bleibt, meine Strahlen hören auf zu leuchten, mein Gesicht wird ruhiger werden. Ich spüre, alles wird besser werden, wenn das alles vorbei ist. Lange werde ich nicht mehr durchhalten. Mich plagen keine Schmerzen, ich bin nur schwach. In all den Jahren habe ich nicht geschlafen, kein einziges Mal habe ich meine Augen geschlossen, um mich auszuruhen. Tags und nachts wachte ich über die Erde, Ruhe war für mich ein Fremdwort. Ich fasse meinen Entschluss: Morgen werde ich aufgeben. Morgen werde ich mein Schicksal besiegeln. Ich werde Gevatter Mond meine Entscheidung nicht mitteilen, das fiele mir zu schwer. Ich werde still und leise einschlafen. Einschlafen für immer. Morgen wird mein letzter Tag sein. Mein letzter Tag als Sonne. Und wer weiss, vielleicht werde ich ja jemals wiedergeboren in einer neuen Welt, in der meine Wünsche in Erfüllung gehen. Nach meinem Tode wird noch etwas kommen – Das spüre ich."

    erreichte 18 Punkte von insgesamt 130 vergebenen


    [tab=2. Platz]

    Gargoyle


    Der letzte Tag der Sonne #3


    Traurig blickte Ra über die smaragdgrüne Oase, die am glitzernden Flusslauf entstanden war. Die Sonne stand hoch am Himmel und strahlte in ihrer sengenden Hitze auf seinen gefiederten Kopf hinab. Wie können sie mir das nur antun, nach allem, was ich für sie getan habe?, dachte er.
    Plötzlich landete ein Falke neben ihm, geschmückt mit Gold und Edelsteinen.
    „Was ist los, Ra?“
    Er schreckte aus seinen Gedanken auf und schaute zum kleinen Falken hinab. „Sie vergessen mich, Horus“, flüsterte er.
    „Ja“, antwortete Horus, „Ja, sie vergessen dich. Aber an uns andere Götter denkt auch niemand mehr.“
    „Hmm...“ Ra blickte zu der Sonne auf, ihre Strahlen funkelten golden in seinen Adleraugen. Dann sah er an sich hinab, auf die Brust, wo die Greifvogelfedern in den muskulösen Männerkörper übergingen. „Aber sie brauchen uns... Ich bin ihr Sonnengott, ohne mich würde ewige Finsternis im Nilland herrschen!“
    Der Falke blickte ihn mit dunklen Augen an, dann wechselte er die Gestalt und wurde zu einem Falkenköpfigen Mann. Stumm stellte er sich auf die Klippe neben den Sonnengott und blickte über die Ebene, wo die Ägypter vor der Mittagshitze in ihre Häuser geflohen waren, ohne auch nur einen Gedanken an ihre alten Götter zu verschwenden. Niemand wusste mehr, wen die Statuen in den halb zerstörten Tempeln darstellten. Viele beteten schon längst einen einzigen Gott an. Lächerlich, denn wo war er, dieser Gott?
    „Glaubst du, ich werde sterben, wenn sie mich vollständig vergessen haben?“, murmelte Ra.
    „Nein“, meinte Horus. „Dann wärest du schon längst tot...“
    Von einer plötzlichen, verzweifelten Wut gepackt, stieß der Sonnengott einen gellenden Adlerschrei aus. „Dann sollen sie sich jetzt wieder erinnern!“ Zornig streckte er einen Arm aus, brüllte in den Himmel: „Heute wird der letzte Tag der Sonne sein!“ Mit kräftigen Handbewegungen zog er den Mond, der wie ein schwacher weißer Teller am Himmel hing, vor die Sonne. Langsam, ganz langsam wurde es dunkler. Doch mit jedem Zentimeter, den die Sonne verdeckt wurde, schwand seine Macht. Die helle Kugel war die Quelle seiner Stärke, aber das war ihm jetzt egal. Die Menschen sollten büßen, dass sie ihn vergessen hatten! Aber der Mond schien sich regelrecht zu wehren, bäumte sich in seinem Griff auf. Ra, auf dem Tiefpunkt seiner Macht, konnte ihn nicht länger halten. Seufzend zog der helle Teller an der Sonne vorbei, und das Licht kehrte zögernd zurück, gemeinsam mit der Macht des Sonnengottes. Ein Augenblick zorniger Stille.
    Dann senkte Ra den Arm, erschöpft, aber dennoch mit neuer Kraft erfüllt. Als er schweigend fortging, blitzte eine solch aggressive Wut in seinen Augen, dass jedem, der ihn gesehen hätte, ein eisiger Schauer über den Rücken gelaufen wäre.
    Horus blickte ihm nach.
    Die Menschheit hatte den Zorn der Götter auf sich gezogen, könnte man jetzt denken, bald würde die Welt untergehen, mag man nun fürchten. Aber dem war nicht so. Es war ein ganz normaler Tag für die Götter, Ra hatte oft solche Wutanfälle.
    Horus lächelte in sich hinein. Wie merkwürdig das wohl auf seinem Falkengesicht anmutete?
    Ra hatte immer noch nicht gemerkt, dass der Falkenköpfige es war, der am Mond zerrte, der ihn so widerspenstig gegenüber dem Sonnengott machte. Aber es war besser so, irgendwann würden sich die Leute schon wieder an die Götter erinnern... Irgendwann...
    Aber noch machte sich niemand Gedanken um sie. Die Menschen begannen, wissenschaftliche Begründungen für solch eine Sonnenfinsternis zu finden.
    Horus wandte sich wieder dem Fluss Nil zu und erwartete gelangweilt die nächste Handlung des Sonnengottes...

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    Cáithlyn


    Der letzte Tag der Sonne #1


    „Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen. Im Jahre 2496, zwei Jahrhunderte nach dem apokalyptischen Ende der Fabriken, der Kriege, dem Großteil der Menschheit, ist es nun geschehen. Der ’letzte Tag der Sonne’ ist eingetroffen. Im wissenschaftlichen Sinne ist es nicht der letzte Tag der Sonne, es ist nur der letzte Tag, an dem der klägliche Rest, der von uns noch übrig geblieben ist, den Stern ‚Sonne’ sehen kann. Die zahlreichen Abgase haben unsere Ozonschicht schon vor Jahrhunderten so zerstört, dass wir kurzerhand eine neue, künstliche erschaffen mussten. Dies geschah im Jahre 2258. Etwas später erschufen wir uns eine eigene Sonne, die so eingestellt wurden, dass sie perfekt die Jahreszeiten nachahmt...nachahmt… nachahmt…“


    Metallisches Klirren erfüllte die Luft, Zischen und Fauchen schallte in dem heruntergekommenen Labor wieder. Auf dem Tisch stand ein kleines Gerät, flach wie ein Teller, mit einem kleinen, blauen Sensor, der nur einen Meter weiter entfernt in einer Person endete. Ein junger Mann in einem weißen Kittel und mit drei Tage Bart, angespannt bis auf den letzten Muskel, las von einer weiteren Tafel ab, von der er scheinbar seine Informationen erhielt. Er wiederholte immer dasselbe Wort, verschwamm nach einer Weile jedoch. Ein Klicklaut ertönte, dann hatte der Akku des Hologrammprojektors seinen Geist aufgegeben. Eine Faust prallte auf den Tisch, dutzende elektronische Geräte fanden durch die Erdanziehung zum Boden, wo sie klirrend liegen blieben. Der Mann hatte seiner Wut freien Lauf gelassen. Er war es gewesen, der die Aufzeichnung für die Nachwelt hatte machen wollen. Vielleicht würden die restlichen Lebewesen sich ja evolutionieren und sich den aktuellen Lebensbedingungen anpassen. Vielleicht gäbe es ja eine zweite Menschheit, wenn die erste erst einmal ausgestorben war. Der junge Mann war ein hoch anerkannter Professor und einer der letzten fünf Tausend Menschen. Der Rest war qualvoll an den Auswirkungen der letzten Atomrakete gestorben, die das ehemalige Amerika auf Japan hatte losgelassen. Nur war die Intensität der Raketen um ein Vielfaches erhöht worden, als man es sich vorgestellt hatte. Lediglich ein kleiner Fleck auf der Erde hatte den Angriff unbeschadet überlebt, doch auch diese Zone würde schon bald menschenleer sein, da sie ihn ja nicht verlassen konnten. Der Ort war nur eine kleine Stadt, da gab es diese speziellen Anzüge nicht, die einen vor radioaktiver Strahlung schützte. Also waren sie verdammt, auf ihr Ende zu warten.
    „ Was machst du hier, Frederic?“ Der Angesprochene drehte sich mit wütender Miene um und entdeckte seine Frau.
    „ Arbeiten, Louise. Arbeiten.“ -„ Für wen?“ -„ Für die zweite Menschheit!“
    Eine Weile lang herrschte Schweigen, dann setzte sich Louise in Bewegung. Sie umarmte ihren Mann fest, bittere Tränen rollten ihre Wange herunter. „ Wir haben keine Vorräte mehr. Die Strahlung ist immer noch nicht verschwunden, Frederic. Wir sind verloren und du träumst immer noch von einer zweiten Menschheit.“ Frederic seufzte. Sie hatte ja Recht. Die wenigen Tiere, die ihren Weg hierher gefunden hatten und verschont geblieben waren sollten eine neue Rasse erschaffen? Das war biologisch unmöglich, und doch war es etwas, was sich der junge Mann von Herzen wünschte. Und falls es passieren würde, würde er sie vorwarnen, ihnen den aktuellen Stand des menschlichen Wissens vermitteln und sie davor warnen, was passieren könnte. Ja, und dann würde wenigstens diese Rasse überleben. Überleben und erfolgreicher werden als es für die Menschheit je möglich war.
    „ Komm mit, der letzte Sonnenuntergang ist gleich. Das wollen wir doch nicht verpassen, oder?“ Louises versöhnliche Stimme rief ihn aus seinen Gedanken zurück, er nickte leicht und ließ sich von seiner Frau zu dem Hügel führen, an dem sich ein Jeder von ihnen versammelt hatte. Sie entdeckten Freunde der Familie, machten sich auf den Weg zu ihnen. Die Frau sah bekümmert aus, das junge Mädchen hatte rot verquollene Augen. Sie stellten sich nebeneinander, es brauchte keine Blicke, keine Begrüßung.
    „ Jerry ist tot. Die Strahlung.“
    Die Worte waren langsam und schleppend, erschöpft und tief traurig.
    „ Das tut mir Leid, Mary.“
    Frederic hatte geantwortet, Louise fand nie Worte für Todesfälle. Die Braunhaarige war zu sentimental, um einen vernünftigen Satz zu formulieren, der ihre tatsächlichen Gefühle vermitteln konnte. Stattdessen nickte sie immer nur. Mary hatte ihre Tochter von hinten in die Arme geschlossen, das heutige Ereignis war zu wichtig, um es zu verpassen.
    Bürgermeister Foahn trat aus der Menge heraus. Er stellte sich mit dem Rücken zum Licht, auf einen Hügel in der Nähe des Abgrundes, räusperte sich und verlangte somit alle Aufmerksamkeit.
    „ Wir beklagen heute den Tod der folgenden Personen: Jerry Southern, geliebter Vater und Chemiker, Zaid, Biologe und Witwer, das Neugeborene des Ehepaares Brucewick und zuletzt auch Christina Herriette. Sie alle hatten diesen frühen Tod nicht verdient. Lasst uns für sie beten, dass sie den Weg ins Paradies finden mögen und nicht für die Taten ihrer Vorfahren bestraft werden.“ Zustimmendes Gemurmel fuhr durch die Menge, Victoria, die Tochter Jerrys, war auf die Knie gesunken und hatte die Arme um ihren dünnen Körper geschlungen. Sie wurde von heftigen Krämpfen durchgeschüttelt, das leise Wimmern schien niemanden zu stören. Ihre Mutter versuchte, sie mit leisen Lauten und Gesang zu beruhigen.
    Foahn war wieder in die Menge zurück getreten und unterhielt sich gedämpft mit einigen weiteren Personen. Also waren es nur noch 4956 Personen, die verblieben.
    Frederic und Louise waren ein kinderloses Paar, sie wollten erst in den dreißiger Jahren Kinder bekommen. Doch nun war es zu spät. Ohne die Wirkung der Sonne würde die Welt von einer zweiten Eiszeit heimgesucht werden. Die künstlich erschaffene Sonne war bei dem Atomaustausch zerstört worden, das Ende war also heute gekommen. Wer nicht vorher Suizid begang, würde in der Nacht erfrieren.
    Das war jedem hier klar. Lediglich die Kinder unter ihnen liefen immer noch dem Glauben hinterher, es würde ein „Morgen“ für sie geben. Das tat es nicht. Man wollte ihnen nicht den kläglichen Rest ihres Lebens verderben. Sie sollten unschuldig spielen, tollen, so, wie man es vor fünf Jahrhunderten gemacht hatte. So sollte ihr Leben aussehen.
    In Frederic wuchs eine ungemeine Wut auf seine Vorfahren, auf die Führer der Nationen, die für diese Misere verantwortlich waren. Sie hatten alles zerstört, ihre Schuld war es, dass ihr Leben heute endete.
    Louise stellte sich vor ihn. Sie war einen Kopf kleiner, schlang die Arme ihres Ehemanns um sich und suchte Schutz bei ihm. Ein Jeder tat dies jetzt. Die Sonne hatte begonnen, im Weltall zu verschwinden, sie war nicht mehr als ein kleiner Punkt. Gerade genug um die Durchschnittstemperatur von minus fünfzig Grad aufrecht zu erhalten. Um sie herum war alles abgestorben. Keine Pflanzen, die Tiere hatten sich in unterirdischen Kanälen ihren Weg zum warmen Erdkern gesucht, die heruntergekommenen Buden machten den Eindruck, als würde nur das Eis sie zusammen halten.
    Der kleine, gelbe Punkt wanderte weiter zum Horizont. Langsam näherte er sich der Linie ein letztes Mal. Louise rollten Tränen über die Wange, viele Menschen in der Menge begannen zu schluchzen. Andere zählten von einhundert herunter, einige blieben stumm und starrten ihn einfach nur an. Alle hatten jedoch etwas gemeinsam. Sie nahmen sich ihre Jacken und zogen sie enger um ihre Körper, um zumindest eine kurze Zeit der tödlichen Kälte zu entgehen. Das Schnaufen und Schluchzen wurde lauter, je näher die Sonne dem Abgrund kam, und erreichte seinen Höhepunkt, als er von der Klippe zwei geteilt wurde. Der obere Teil war noch sichtbar, der untere bereits zum letzten Mal verschwunden.
    „ Dies ist der letzte Tag der Sonne. Lasst ihr uns danken, dafür, dass sie ganze 2496 Jahre auf uns aufgepasst hat. Lasst uns das Lied der Sonne singen!“, rief Foahn laut. Er zählte bis drei, dann stimmten alle, ob Kinder, Eltern, Greise, in ein Lied der Trauer und Fröhlichkeit zugleich ein. Mit dem letzten Takt, den Worten, „ And now the sun is gone.“, endete es. Das Lied und das Leben der 4956 restlichen Personen, denn die Sonne war zum letzten Mal verschwunden.

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    Mightyena-Lucario


    Der letzte Tag der Sonne #5


    Eine schwache, aber kalte Brise erhob sich und zog über das Eis. Vereinzelte Schneeflocken wirbelten auf und stachen winzigen Nadeln gleich in meine unbedeckte Gesichtshaut. Leise plätscherten die Wellen gegen das gefrorene Land, strahlend schimmerte das rötliche Licht der untergehenden Sonne in ihnen. Ich hob die Hand vor die Augen, einerseits um mich vor den Eiskristallen zu schützen, andererseits um mich vor dem gleißenden Sonnenlicht abzuschirmen. Dem letzten Sonnenlicht für die nächsten Monate.
    Wehmütig senkte ich den Blick. Ich hasste diese Zeit der nicht endenden Finsternis, wenn das einzige Licht in der Welt das der Straßenlaternen war. Jetzt schon vermisste ich die Sonne. Wie ihre sanften Strahlen zärtlich mein Gesicht liebkosten, wie ihr wärmendes Licht all meine Sorgen und Zweifel einfach hinwegspülte. Wie gern ich jeden Abend in der Zeit der Tagundnachtgleiche zur Küste ging, um zu bewundern, wie sie unterging. Dieses majestätische Schauspiel bewegte mich jedes Mal aufs Neue…
    Aber das würde ich heute zum letzten Mal für lange Zeit sehen. Heute verschwand die Sonne zum letzten Mal hinter dem Horizont und tauchte die nächsten sechs Monate nicht mehr auf. Der arktische Winter begann. Jene Zeit des Trübsals und der Verbitterung, der Trauer und Dunkelheit…
    Der Wind frischte auf und zerrte an der Kapuze meines Anoraks. Mit einer Hand hielt ich sie fest, den Blick noch immer gesenkt. Ich meinte bereits zu spüren, wie es immer kälter und kälter wurde…und das hatte nichts mit dem Wetter zu tun. Diese Kälte kroch aus dem Schatten der Nacht über die Welt und verdunkelte die Herzen aller Menschen in dieser gottverlassenen Eiswüste. Gnadenlos vernichtete sie Träume, Hoffnungen, Wünsche, ließ nichts als Verzweiflung und Angst zurück, raubte allen ihre –
    „Sayan?“
    Bei der Erwähnung meines Namens drehte ich mich überrascht um und blickte in Kayras wunderschönes Gesicht. Sie war mir tatsächlich den ganzen Weg hierher gefolgt, und das, obwohl unser Heimatort eine gute Stunde Fußmarsch entfernt lag. Meine Geliebte trat die letzten Schritte zu mir heran und sah mir direkt in die Augen. Sie lächelte.
    „Ich wusste, ich würde dich hier finden…“, flüsterte sie und küsste mich liebevoll. Ich erwiderte den Kuss zärtlich und legte die Arme um sie. Ihre Nähe vertrieb mit einem Schlag all meine finsteren Gedanken und erfüllte mich mit Glück und Freude. Ich liebte sie für diese besondere Gabe.
    „Du weißt, ich verpasse ihn nie…den letzten Tag der Sonne.“
    „Ich weiß, ja. Seit zwanzig Jahren kommst du immer zur Tagundnachtgleiche hierher, um dir den Sonnenuntergang anzusehen. Ich weiß, was es dir bedeutet.“ Sie legte eine Hand auf meine Brust, direkt über meinem Herzen. „Und ich weiß, wie weh dir der Anblick des letzten Sonnenuntergangs vor dem Winter tut. Ich kenne deinen Schmerz…aber du musst ihn nicht alleine durchstehen. Ich werde immer bei dir sein, Sayan.“ Sie küsste mich erneut.
    Mein Herz wollte schier überfließen vor Liebe. Seit vier Jahren waren Kayra und ich nun zusammen, und vom ersten Augenblick an war mir klar gewesen, dass sie die Richtige für mich war. Ihre sanfte, liebevolle Art hatte mich regelrecht verzaubert, und ihr Lächeln konnte selbst dem Trübsinnigsten wieder Freude schenken. Doch was sie so besonders machte, war ihre Gabe, mich allen Schmerz und alle Verzweiflung einfach vergessen zu lassen. Die schrecklichste Erinnerung und der grausamste Zorn verblassten einfach in ihrer Nähe. Sie strahlte eine solch starke Zuversicht und Lebensfreude aus, dass es ganz unmöglich war, von schlechten Gefühlen geplagt zu werden. Sie machte mich ein weiteres Mal den bohrenden Schmerz der nahenden Finsternis vergessen.
    Nach einer wunderbaren Ewigkeit lösten sich ihre Lippen von meinen. Kayra fasste meine Hände und lächelte mir voller Wärme entgegen.
    „Kehren wir nach Hause zurück, Sayan. Lyna wartet schon auf uns.“
    Der Gedanke an meine Tochter beflügelte mich und verbannte endgültig jegliche Unsicherheit aus meinem Herzen. Auch wenn es die nächsten Monate dunkel sein würde, das Licht, das meine Familie mir schenkte, strahlte heller als tausend Sonnen. Nichts und niemand vermochte mir mehr Zuversicht zu schenken.
    Gemeinsam schritten wir in Richtung unserer Heimatstadt. Unsere Bindung hätte nicht stärker sein können als in diesem Moment, als wir der verlöschenden Sonne den Rücken zuwandten und unserem Glück entgegengingen. Und in genau diesem Augenblick wurde mir eines klar…


    Das Licht der Liebe bezwingt selbst den dunkelsten Schatten.

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    Soul&Crystal


    Unendlich #2


    Zurückhaltend und mit einem Kloß im Hals tippte sie die letzten Sätze in ihre alte Schreibmaschine. Bannte das Werk von über zehn Jahren harten Schreibens auf die noch schneeweißen Papierbögen, die sich langsam, aber stetig mit Druckerschwärze füllten.
    Ihre Geschichte.
    Zwei Wörter nur, für viele Menschen bedeutungslos.
    Doch für die mittlerweile dreißigjährige Frau waren es mehr als bloße Worte oder sinnlos klingende Sätze. Wie lange schon besaßen Bücher für sie den Klang von Freiheit, Freude und Abenteuer? In ihnen fand man ein ganzes Leben, eine eigene Welt voller Geheimnisse.
    Und manchmal, da entdeckte man sich selbst wieder; da las man von einer Person, von der man immer geglaubt hatte, es könne man unmöglich man selbst sein. Aber man war es, das Abbild einer Romanfigur, für die Nachwelt festgehalten auf einigen hundert Bögen Papiers.
    Sie seufzte und strich sich eine Strähne weizenblonden Haares aus der Stirn, doch der frische Wind blies es ihr abermals ins Gesicht. Das Papier knisterte, so als könne es kaum mehr erwarten, weiter mit Ideen und fantastischen Ereignissen beschrieben zu werden.
    Doch sie zögerte es hinaus, blickte stattdessen lieber auf das kristallklare Wasser des Sees.
    Seit Beginn des Schreibens, ihrer Karriere, saß sie nun schon hier, Tag für Tag. Immer bepackt mit der klapprigen Schreibmaschine, die ihr einst von ihrer Uroma vermacht worden war und mit der die Frau am liebsten schrieb. Im Zeitalter der kompakten Laptops und hochmoderner Computer rief diese Eigenart stets ein ungläubiges Kopfschütteln bei ihren Mitmenschen hervor. Doch die junge Frau interessierte es nicht.
    Ein paar Seemöven flogen mit lautem Kreischen in den blauen Sommerhimmel, während sie nachdenklich zu ihnen aufblickte.
    Der Schmerz über den Verlust, der sie vor kurzer Zeit heimgesucht hatte, war unbeschreiblich intensiv. Obwohl sie doch alles versucht hatte, um ihn zu bekämpfen, hatte sie die Erinnerungen nicht auslöschen können. Sie schmeckten bittersüß, lieblich und doch wie ein Dolchstoß mitten ins Herz, das ein so verwundbares Ding war. Nachts wachte sie auf, weinte vor lauter Verzweiflung und dass sie es nicht hatte aufhalten können.
    Krebs.
    Eine Krankheit, die bis zu jenem Tag nicht in ihr Leben getreten war, ihr Leben war bis dahin so behütet gewesen. Friedlich. Immer noch sah sie das müde, von Erschöpfung und selbstlosen Kämpfen gezeichnete Gesicht ihrer Freundin. Und doch hatte sie verloren, obwohl sie so lange Zeit hatte standhalten können.
    Sie konnte es nicht verarbeiten. Wenn sie anrief, aus Gewohnheit, fiel ihr nach einigen Sekunden ein, dass niemand ihr antworten würde. Ihr war nichts geblieben außer Erinnerungen und ein mit weißen Blumen geschmücktes Grab, in dem ein toter Körper lag.
    Doch wo war ihre Seele?
    Sie zog den Brief unter ihrer Kleidung hervor, wo sie ihn Tag und Nacht bei sich trug. Der Platz bei ihrem Herzen, wie es sich ihre Seelenverwandte immer gewünscht hatte.
    Die Zeilen wirkten hastig hingeschrieben, an manchen Stellen waren Tränenspuren zu entdecken, von ihr selbst und von ihrer Verfasserin. Es hatte sie viel Kraft gekostet, doch sie hatte es geschafft.


    Liebste Felicitas,
    dies ist das Ende. Oder vielleicht ein neuer Anfang?
    Ich weiß es nicht; das Einzige, was mir deutlich bewusst ist, ist die Erleichterung, dass mein Kampf nun endlich ein Ende hat. Viel länger hätte ich nicht mehr durchgehalten, obwohl du dir sicher warst, ich könnte alles wegstecken.
    Aber es ist nun nicht länger. Traurig, dass man mir nicht mehr Zeit auf dieser Welt zusprach, aber das Schicksal muss einen anderen Weg für mich zugeteilt haben.
    Gräme dich nicht- es ist nicht deine Schuld. Dank dir habe ich gelernt, mir selbst zu vertrauen, konnte kämpfen und auch manches Mal gewinnen. Aber entscheidend ist doch, dass ich auf eine Art und Weise weiterlebe, die niemals vergehen wird.
    In deinem Herzen, in den Seelen der Menschen, die mir so viel bedeutet haben. Und in deinen Geschichten, in den Bänden deiner Trilogie, werde ich nie versinken im Nichts. Dort wird Victoria vielleicht ihr eigenes Ende schreiben, über die Worte hinausleben und unendlich bleiben. Kein Platz wäre ein Besserer.
    Ich liebe dich wie eine Schwester. Niemals, ich bitte dich, niemals zweifle an dir selbst. Denn du bist dazu geboren worden, Geschichten wie diese niederzuschreiben für all die Menschen da draußen, für die ihre Fantasie das Einzige ist, was sie vor der niederschmetternden Realität beschützt.
    Geschichten sind unendlich, wie Erinnerungen. Doch im Gegensatz zu ihnen enden sie nie mit der letzten Seite eines Buches, genauso wenig, wie sie mit der ersten beginnen. Auch, wenn manche Autoren uns genau das vorgaukeln wollen. Niemand wird deine Welt, deine Charaktere und ihr Ziel vergessen können, wenn sie sich erst einmal in ihren Bann befinden.
    Ich wünschte, ich könnte dich ein letztes Mal noch sehen wie früher: Das Gesicht verdeckt von einem Schleier blonder Haare, tief vornüber gebeugt über deine Schreibmaschine und in den Ohren das beständige Klappern der Tasten. Gelegentlich dein Fluchen, wenn du dich vertippst. Es ist ein Bild des Friedens, der Beständigkeit. Ein Bild, welches für immer in mir bleiben wird, selbst, wenn ich nicht länger hier verweile.
    Lebe weiter, Felicitas. Schreibe deine Geschichte zu Ende, beginne eine Neue und wenn du willst, dann erschaffe wieder ein Abbild von mir. Wenn dich der Schmerz nicht in Besitz nimmt. Bleibe unendlich.
    Meine Hand schmerzt und ich weine, obwohl es doch kein Abschied für ewig sein wird. Wir werden uns wiedersehen, dass verspreche ich dir.
    Vergiss mich nicht.
    In ewiger Erinnerung an dich, deine Victoria.


    Tränen liefen über ihr Gesicht, obwohl sie doch geglaubt hatte, dass sie alle aufgebraucht waren. An dem Tag, an dem sich ihre Augen für immer geschlossen und ihr Herz nicht mehr geschlagen hatte.
    Sie fehlte ihr, mehr noch als in den ersten Tagen, wo der Schock alles überschattet hatte. Nun jedoch war dieser verschwunden, doch die Traurigkeit und Leere in ihr blieb. Die Geschichte war das Einzige, was ihr noch aus glücklicheren Zeiten geblieben war und so schrieb sie daran weiter, ohne Unterbrechungen. Damit sie noch etwas von ihrer Freundin hatte.
    Doch auch die Geschichte nahm nun ihr Ende und sie hatte Angst vor weiteren Schmerzen. Dem Gefühl, allein zurückgelassen zu werden.
    Dennoch starrte sie auf ihre Schreibmaschine, die auf dem nassen Holz des Steges stand und scheinbar auf sie wartete. Behutsam steckte sie den Brief zurück unter ihre Kleidung und legte die Fingerspitzen auf die Tasten. Erst nach einigem Zögern begann sie, mit dem Schreiben fortzufahren.
    Ihre Freundin hatte Recht gehabt: Geschichten waren unendlich, ebenso wie die Erinnerungen an andere, zurückliegende Tage.
    Sie hörten niemals auf zu existieren.

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    [tab=6. Platz]

    ηιgнтωιѕн~


    Der Klang der Stille #1


    Es nieselte draußen. Die Straßen waren düstern - alle Straßenlampen waren schon ausgegangen. Eine irreale Stille verbreitete ihre Klänge - in den Straßen und den leeren Lagerhäusern. Um diese Zeit regte sich nichts mehr. Nicht die Katzen, die in den Mülltonnen scharrten, um etwas Essbares ausfindig zu machen - keine Wagen auf den abgenutzen Straßen - nicht ein einziger Ton war nun mehr in dieser verfallenen Stadt zu höre, nur die Klänge der Stille.


    ~



    Vor etwa zwei Monaten war die junge Elise Landon verschwunden. Man hatte herausgefunden, sie hätte einer Freundin nach der Schule noch einen Besuch abgestattet, doch als sie am Abend noch nicht zu Hause war und die Landons schon bei allen Freunden angerufen hatten, schlich sich eine Spur von Verzweiflung an. Die Polizei war verständigt worden und als sie ängstlichen Mutter versichert hatte, dass sie alles in ihrer Macht stehende tun würde, um sie zu finden, brach sie aus der Fassung.


    ~



    Man konnte Ratten überall herumwuseln hören. Sie strömten durch diese leeren Hallen - überall nur vör Nässe triefende Säulen - rostende Stahlträger - durch die Kanalisation. Da schon vor einigen Monaten der Betrieb in diesem Lagerhaus eingestellt wurde, war hier kaum noch etwas. Ein paar Tonnen, die noch verwarlost irgendwo herum standen, doch sonst nichts. Dieser einst belebte Betrieb, in welchem vor einiger Zeit die Lastwagen nur so ein- und ausgefahren waren, war nun nichts mehr als eine leblose Hülle aus Beton - und die Stille begann wieder mit ihrem Konzert.


    ~


    Elise' Vorlieben in der Schule waren schon immer Kunst und Musik gewesen. Im Kunst Unterricht konnte sie wahrlich fabelhaft mit den Farben umgehen. Am liebsten malte sie Landschaften, die sie in Büchern oder im Fernsehen gesehen hatte: Die kalte und doch glitzernde Bretagne, die grünen Wiesen und Hügel Irlands, aber auch Landschaften, die weit, weit weg waren, wie sie immer zu ihren Freunden zu sagen pflegte.
    Aber am begabtesten war sie in der Musik. Erst 10 Jahre alt und doch konnte sie schon die Tonleitern in allen Variationen, hörte Töne mit spielerischer Leichtigkeit aus Stücken heraus und zeigte sich auch als talentierte Pianistin. Ihre Musiklehrerin meinte, sie würde sie schon in ein paar Jahren übertreffen und sie hätte keinen Zweifel daran, dass sie einmal zu einer berühmten Komponistin werden würde.


    ~



    Es regnete. Der Niesel hatte in den letzten Stunden zu Regen umgeschlagen. Gewiß, in den Novembertagen in Bristol. Der Winter zog heran und die Nächte würden kälter werden, wenn es auch nur beim Regen bleiben würde, welcher nun unaufhörlich auf die metallenen Dächer der Fabriken preschte und dabei ein dumpfes, hohles Geräusch von sich gab: Eine Symphonie des Wassers...


    ~


    Sie solle sich mal ein wenig beeilen! rief ihr ihre Freundin von draußen auf dem Schulhof zu. Hastig packte Elise Hefte, Bücher und Stifte in ihre kleine maronfarbene Tasche und begab sich sogleich durch die Türe des Klassenzimmers ins Freie. Der kühle Herbstwind strich ihr durch das helle, blonde Haar und sie spürte, wie sehr sie sich um diese Jahreszeit wohlfühlte. Es war erst November geworden, dachte sie als sie die goldbraunen Blätter beobachtete, welche sich mühelos vom Wind durch die Luft tragen ließen.


    ~



    Die Dunkelheit begann sich in den Hallen auszubreiten. Sie schlängelte sich durch jeden Winkel dieser verlassenen Katakomben und drohte auch noch das letzte bisschen Mondlicht in dieser kalten Nacht zu verschlingen. Doch durch die Dunkelheit hindurch drang etwas: Ein Geräusch. Nein - es hörte sich eher wie ein Winseln an - es drang durch die Stille - das Weinen, es unterbrach die bizarre, stille Atmosphäre. Die Tränen platschten ganz sanft auf dem Boden auf. Ein leiser Rhytmus aus Tränen.


    ~



    Sie waren gerade die Avens Street hinunter gelaufen und befanden sich nun an der Jason's Main Street. Sie müssten nicht mehr so weit laufen bis sie bei der Kreuzung sein würden, an der sich Elise wie jeden Tag nach der Schule von ihrer Freundin verabschiedete. Es begann ein wenig zu nieseln und schon bald zogen düstere Wolken am Himmel auf. Da es nun schon anfing stärker zu regnen, einigten sie sich darauf, ihren Gang zu beschleunigen.
    Die Lagerhallen im Industriegebiet hatten vor kurzer Zeit ihren Betrieb eingestellt, worauf viele der ohnehin schon armen Männer ihre Anstellung verloren hatten. Viele waren sehr orientierungslos und die Kriminalrate schien zu steigen.


    Sie waren nun schon fast da. Sie könnten von weitem die Kreuzung sehen. Dann müsste Elise nur noch drei Straßen weiter laufen, bis sie zu Hause sein würde. Als sie schließlich an der Kreuzung waren, sah sie einen herabgekommenes Auto, welches anscheinend schon an den Stoßstangen rostete, sehen. Es fing an stärker zu regnen. So trennte sie sich von ihrer Freundin und trat das letzte Stückchen Heimweg an, als der Wagen neben ihr ein Stückchen vorfuhr. Die Scheibe wurde hinuntergekurbelt und ein freundlich aussehendes, gut gepflegtes Gesicht schaute durch das Fenster hinaus. Die sich im Auto befindende Person meinte, sie würde Elise mit nach Haus nehmen. Er sei in guter Bekannter ihrer Eltern - und da Elise dem grauen Unwetter entkommen und aufgrund dessen auch nicht nach Hause laufen wollte, betrat sie das Auto durch die Wagentür.


    ~



    Der schwarze Himmel weinte immer weiter und die Erde schreiten die wolen an und der Regen fiel immer weiter - Tropfen für Tropfen - gen Boden. Und in das Trauerlied von Mutter Erde stimmte der Strom der Tränen mit ein. Da lag er nun - die leere Hülle eines Körpers - in einer Ecke, das Herz gestohlen und die Wärme für immer verloren, die Tränen über die blassen Wangen kullernd - un der Kimmel hörte nicht auch zu klagen. Die Wunden der Kälte fingen an zu schmerzen. Die Haare waren schmutzig und von Nässe getränkt. Und der Regen spielte wieder die Hymne des Leidens.


    ~



    Doch das Elternhaus entfernte sich und das licht schwand - und der Wagen fuhr weiter - und die Schatten warfen ihre Dunkelheit auf das Gesicht.


    Bewußtlosigkeit. Sie spürtte Schmerzen an den Handgelenken; wurden wund - und ihre Augen verloren sich in diesem Alptraum als ob die Realität nicht mehr da sein würde, nur dass der Alptraum echt war und das kleine, pochende Herz seine Wärme verlor. Sie spürte rauen Griffe des Räubers. Er hatte gestohlen - nur konnte dies nicht wiederkommen, wie die Wärme und Geborgenheit vergangen waren, konnte der Diebstahl nicht wieder rückgängig gemacht werrden.
    Das Leiden schien endlos zu sein, als der bittere Atem, wie sich der Winter am Verwelken der jungen Blüte labe, doch dass der Frühling nie wieder komme und man sich nur noch wünsche, dass die Jahreszeiten still stehen und ma an einem anderen, besseren Orte sei.


    ~



    Sie lag da - vewarlost: Die Haare zerzaust, die Glieder müde, die Kälte schmerzend, die Dunkelheit den Körper verschlingend, die Füße schmutzig, die Gedanken eingefroren, der Himmel weinend, die Erde klagend - die Augenlieder schlossen sich. Und es waren nur noch die Klänge der Stille.


    ~



    Kleine Augen,
    die Welt, sie sehen,
    doch nur kurze Sicht,
    und nichts verstehen,
    erstes Tageslicht


    Kleine Füße,
    schreiten in die Welt,
    sie nun erkunden,
    sich der Weg erhellt,
    zu Mittagsstunden


    Kleine Hände,
    geht fort, erstasten,
    Leid und Menschens Tod,
    der Straßen Pflasten,
    bis zum Abendrot
    _________

    Leandy


    Die andere Seite #5


    In einem Moment änderte sich alles.
    “Warum?”
    Das Wort hallte in der unangenehmen Stille nach und brachte mit zwei Silben all die Verzweiflung und Fassungslosigkeit zum Ausdruck, die sich in Katsumi angestaut hatte. Er ballte die Hände zu Fäusten und fragte wieder, diesmal lauter: “Warum?”
    Niemand sah ihn an. Die wie gesichtslos erscheinenden anderen Kinder eilten an ihm vorbei und warfen ihm keinen einzigen Blick zu, als ob er ihnen peinlich wäre.
    “Wa-” Katsumis Stimme brach, und er wankte zu einem der hölzernen Tische, um sich an dessen Kante festzuhalten. Eine gähnende Leere schien sich in ihm aufzutun und sein Dasein zu verschlucken,. Es schien, als wäre sein Leben nur auf diesen einen Moment zugesteuert worden und würde mit ihm auch enden. Der Junge starrte an den Reihen der Bücherregale entlang und sah, dass zwei Ordensschwestern mit aufgesetzter Mitleidsmiene zu ihm herabschauten, doch seine Augen nahmen nichts davon wahr. Durch die hohen, schmalen Fenster des altehrwürdigen Gebäudes fielen Sonnenstrahlen in den holzgetäfelten Raum und zeichneten Streifen auf den Laminatboden. Der Geruch von Bohnerwachs, Staub und alten Büchern stieg Katsumi in die Nase, doch er fühlte nur das schwarze Loch in seinem Magen, das sich in seine Eingeweide zu fressen drohte. Nie hatte er gedacht, dass dieser Augenblick käme. Hatte gehofft, dass dieser Kelch an ihm vorbeigehe, darauf gezählt, dass ihm in diesem Leben wenigstens eins der schlimmsten Dinge entgehen würde, die er sich ausmalen konnte: Seinen engsten Freund zu verlieren. Für immer. Katsumi wiederholte die Worte stumm in seinen Gedanken, doch immer wieder tauchte nur eine Frage in ihnen auf: Warum?
    Er hatte all die Widernisse, die ihm auf seinem Weg aufgelauert hatten, mit Sturheit und Trotz ertragen, hatte den Preis gezahlt, der für seinen nie erstickten Widerstand gefordert wurde, und hatte mit angesehen, wie alle, die ihm etwas wert gewesen waren, sich von ihm abgewandt hatten. Bis auf Takeru. Und nun…
    “Nein…”, hauchte Katsumi und glitt neben dem Tisch zu Boden. Die rechte der nahebei stehenden Schwestern reichte ihm die Hand, wie um ihm wieder hochzuhelfen, aber er beachtete sie nicht.
    “Steh auf, Tsumi”, sagte die junge Frau mit monotoner Stimme. Es machte ihn wütend, dass sie wie selbstverständlich seinen Spitznamen benutzte, und er würdigte sie keines Blickes.
    “Du kannst nichts daran ändern. Takeru ist gegangen.”
    “Sagt das nicht”, flüsterte Katsumi und merkte plötzlich, dass Tränen seine blicklosen Augen füllten. “Ich werde Euch nicht verzeihen.”


    Der Raum leerte sich. Wahrscheinlich hatte die nächste Unterrichtsstunde bereits angefangen, doch Katsumi verschwendete keinen Gedanken daran, während er mit dem Rücken an dem Tischbein lehnte. Er kratzte mit seinen dreckgeschwärzten Fingernägeln am Holz des Laminatbodens, und riss sich die Nagelbetten auf. Unbeteiligt beobachtete er, wie ein kleiner Blutstrom an seinem Daumen herunterlief.
    Etwas in ihm hatte sich aufgelöst, war zerbrochen. Er lauschte in der Stille auf seine Herzschläge und war überrascht, sie noch zu vernehmen.
    Takeru…
    “Wenn ich nur wüsste, was mit dir geschehen ist”, flüsterte Katsumi in die Leere und war überzeugt, dass ihn sein Freund, wo auch immer er war, hören konnte. “Warum? Es ist so sinnlos…” Er brach ab. Er war nicht einmal dagewesen.
    Vor fünf Tagen hatte er einen letzten Fluchtversuch aus dem Kloster unternommen. Vielleicht würde er es nie wieder tun, denn er war kurz vor dem Ziel geschnappt worden. Dunkle Erinnerungen fluteten über ihn herein, und Katsumi schauderte. Die Mauern dieses Gefängnisses waren zu hoch für ihn.
    Fünf Tage hatte er in einer der winzigen, vor Dreck und Unrat starrenden Zellen ausgeharrt, die man für Seinesgleichen eingerichtet hatte. Und als er wieder freikam, hatte man ihm diese Nachricht überbracht. Schwindsucht. Wie, verdammt noch mal, konnte Takeru an Schwindsucht sterben? Katsumi hätte es eher für glaubhaft gehalten, dass sein Freund bei einem Aufstand von den Hunden des Abtes zerfleischt wurde. “Warum…”, flüsterte er wieder, doch diesmal schien ihm sein Herz eine Antwort zu geben.
    Katsumi holte tief Luft und spürte erneut die Verzweiflung, die ihm den Hals zuzuschnüren drohte. Hatten die Schwestern nicht mit Vergnügen beobachtet, wie ihn die grausame Wahrheit erreichte? War die von ihnen gereichte Hand nicht ein hinterhältiger Versuch gewesen, ihn in seinem schwächsten Augenblick auf ihre Seite zu ziehen?
    Es war Zeit, hier herauszukommen. Der zusammengekauerte Junge wiegte hin und her und betrachtete seine rechte Hand, die mit Narben übersäht war. Jede davon stand für einen Versuch, sich der Fesseln dieses Ortes zu entledigen, und verpflichtete ihn auf diese Weise, seiner Gesinnung treu zu bleiben. ‘Takeru ist hinter den Schleier getreten’, dachte er grimmig, ‘doch ich würde ihn verraten, wenn ich meinen Widerstand aufgeben würde. Ich will die andere Seite dieser Mauern sehen, und nicht nur aus fernen Geschichten und einer mehr und mehr verblassenden Erinnerung davon träumen.’
    Katsumi stand auf. Wieder betrachtete er die hässlichen weißen Streifen auf seinem Handrücken, und ihm wurde bewusst, dass Narben ein Anzeichen dafür waren, dass die Wunden verheilten. Nun wollte er die Risse in seiner Seele endgültig verschließen. Mit einem bitteren Geschmack im Mund dachte er an Takeru, der ein Jahr älter gewesen war als er und keine Gelegenheit ausgelassen hatte, den Schwestern zu zeigen, dass er nicht eine ihrer Marionetten war. ‘Ich folge ihm, doch nicht in den Tod’, schoss es Katsumi durch den Kopf, den eine eiserne Entschlossenheit gepackt hatte. ‘Alles, was er für mich getan hat - doch ich will nicht daran denken. Takeru hat sie nie gesehen, die Welt hinter diesen Mauern, und jetzt gibt es für mich kein Zurück mehr.’
    Der letzte, endgültige Schritt wartete auf ihn.


    Eine Stunde später hatte er all seine Habseligkeiten aus dem Schlafsaal mitgenommen und in seiner abgenutzten Tasche verstaut. Niemand war auf den Fluren zu sehen, es war Zeit für die Mittagsgebete. Man würde ihn sicher nicht vermissen, so selten, wie er sich dort freiwillig blicken ließ. Dennoch, das wichtigste war, dass sich der Abt nun ebenfalls dort befinden musste, weshalb sein Raum unbewacht sein würde.
    Katsumi schlich durch die wohlbekannten Gänge, und spürte, dass es heute vielleicht das letzte Mal sein würde. Er war bereit, alles dafür zu geben. Vielleicht war er im Begriff, etwas unglaublich Dummes zu tun, doch nun, da Takeru tot war, hielt ihn nichts mehr hier. Der Gedanke versetzte seinem Herzen einen heftigen Stich.
    Es war Zeit für ihn, die andere Seite zu sehen. Etwas zu hören und zu fühlen, das nicht durch die Ordensschwestern und ihr Credo vorgegeben war.


    Der schön eingerichtete Raum war tatsächlich offen. Katsumi überlief eine Welle freudiger Erregung, die er nicht erwartet hatte, und er wich auf seinem Weg zum Nachttisch, in dem der Abt seinen eigenen Torschlüssel aufbewahrte, den anderen, ausladenden Möbelstücken aus. Wie ein Mensch, der so viel auf Enthaltsamkeit und Buße gab, in solchem Luxus leben konnte, war Katsumi schleierhaft. ‘Heuchler’, dachte er, ‘lässt die ihm Anvertrauten auf Strohbetten schlafen…’
    Der Junge riss mit klopfendem Herzen die Schublade auf - und da waren sie, säuberlich aneinandergereiht. Er griff sich den Größten und verschwand, ohne eine Spur zu hinterlassen.


    Wissend, dass er nicht mehr viel Zeit hatte, schlich Katsumi umsichtig durch die Gänge, die wie die Eingeweide eines Riesen völlig ausgestorben dalagen. Er blendete alle störenden Gedanken aus und konzentrierte sich auf das Geräusch der leise schlurfenden Füße der Mönche oder das Staksen der Nonnen, doch nichts war zu hören.
    Allein, aus dem Gebäude zu kommen, war schwierig. Wie er schließlich noch das riesige Gelände unbemerkt überqueren sollte, war ihm ein Rätsel, doch er spürte, dass Takeru seinen Weg begleitete. Heute, wenn auch sonst niemals hatte er einen Schutzengel.


    Und dann war der Moment gekommen. Katsumi stand in der winterlichen Kälte draußen vor dem hohen Eisentor, das hinaus auf die Welt führte. Der Schlüssel in seiner Hand zitterte, und der Junge wusste kaum, wie er atmen sollte. Die Mauer, die ihn sein ganzes Leben begleitet hatte, würde fallen. Entschlossen steckte er den kleinen Schatz in seiner Hand in das schwarze Schloss und drehte ihn um. Mit einem verräterischen Knirschen, das Katsumis Herz beinahe zum Stillstand brachte, schwang die Pforte auf. Was dahinter wartete? Er wusste es nicht.
    Der eine Schritt hinaus auf den kiesgestreuten Weg, der von den altehrwürdigen Klostergebäuden wegführte, kostete ihn mehr Kraft als alles andere. Er spürte, dass er Takeru und seine gesamte Vergangenheit verließ.
    Katsumi schob den Riemen seiner Umhängetasche höher und dachte: ‘Auch wenn ich dir nicht auf die andere Seite des Todesschleiers folgen kann, mein Freund, so werde ich die Erinnerung an dich hinaus in die Welt tragen.’
    Es war dieser Moment, den er als einzigen in seinem bisherigen Leben nicht bereute.
    _________

    Shinxy


    Die andere Seite #1


    „Leben und Tod. Schwarz und Weiss. Liebe und Hass. Es gibt immer zwei Seiten, mein Sohn… Merke dir das gut! Es ist immer lohnend, beide Seiten einer Sache zu kennen. Kennst du nur eine, dann ziehe los, und suche die andere Seite“ Diese Worte kamen Fàramir wieder in den Sinn, als er nach einer gewonnenen Schlacht über dem letzten Überlebenden stand und auf ihn hinunter blickte. Sein Vater hatte sie ihm gesagt, kurz bevor er von den Schergen des Herrschers entführt wurde und zum Krieger ausgebildet wurde. Seinen Vater hatte er seither nie mehr gesehen.


    Vom Zeitpunkt seiner Entführung an bestand sein Leben aus Schlafen, Essen und Kämpfen. Zusammen mit anderen Knaben wurde er zum Mitglied der Elite-Einheit „Ràk Ra Stèr“ ausgebildet, was so viel wie „Die Rache des Unsterblichen“ bedeutete. Der Unsterbliche war der Herrscher seines Königreiches. Er war ein guter, gerechter Herrscher, doch Verrat, Mord und Diebstahl standen unter Todesstrafe. Er war sehr machthungrig und stand deshalb ständig im Krieg mit anderen Königreichen, um sein Königreich zu vergrössern. Er herrschte seit Anbeginn der Zeit in diesem Land, niemand kannte es anders. Ebenfalls unbekannt war, warum er unsterblich war. Manche munkelten, er habe das Rezept des ewigen Lebens entdeckt, wiederum andere behaupteten, er hätte einen Pakt mit dem Teufel geschlossen.
    Die Aufgabe der „Ràk Ra Stér“ war es, Verräter, Diebe, Mörder und gegnerische Krieger kaltblütig umzubringen. Sie hatten kein Gewissen, führten den Befehl ihres Herrschers ohne mit der Wimper zu zucken aus. Sie wussten, wie man schnell und effektiv tötete, denn ihre Ausbildung dauerte zehn Jahre, und nicht wenige kamen während dieser Zeit um. Diejenigen, die es schafften, die Ausbildung zu beenden, gehörten zu den besten Kriegern des Landes. Sie unterstanden nur dem Herrscher selbst. Fàramir selbst hatte die Ausbildung ohne Mühe bestanden, war einer der besten, die es je gegeben hatte. Er war kaltblütig, gerissen und führte jeden Befehl ohne nachzufragen aus, auch wenn er fragwürdiger Natur war.


    Bis jetzt. Etwas war anders. Etwas hatte sich geändert. Doch was? Fàramir war sich nicht ganz sicher. Doch jetzt stand er da, nach einer gewonnen Schlacht, vor dem letzten Überlebenden, und zögerte. Er hatte ganz klar den Befehl, alle Überlebenden umzubringen. Doch dieser Krieger war anders. Er hatte eine Aura, wie Fàramir sie bei keinem anderen je gespürt hatte. Er strahlte Stolz und Kraft aus. Was wäre, wenn er ihn nicht töten würde? Er könnte ihn einfach gehen lassen, die anderen würden es nie erfahren, denn alle waren bereits wieder zurück ins Lager gegangen. Sie vertrauten Fàramir, dass er alle Überlebenden umbringen würde, sie wenn nötig verfolgen und dann langsam und qualvoll töten würde.
    Sie waren allein auf dem riesigen Schlachtfeld, nur einige Geier kreisten über ihren Köpfen und warteten darauf, dass sie den unzähligen Toten, welche überall um die zwei Krieger herum lagen, die Augen auspicken konnten. Meilenweit war keine andere Menschenseele. Die Sonne war gerade untergegangen und die Dunkelheit legte sich langsam über das Schlachtfeld. Bisher war es ihm immer gleichgültig gewesen, was seine Opfer fühlten, er tötete sie und fertig. Er hatte nie ein schlechtes Gewissen, es war ihm egal.


    Eigentlich war schon allein die Tatsache, dass er überhaupt darüber nachdachte, dass es eine andere Möglichkeit gab, als ihn zu töten, ein Verrat an seinem Herrscher. Und trotzdem liess ihn dieser Gedanke nicht los. Was wäre, wenn er ihn verschonen würde? Er sah auf den Mann hinunter, welcher ihm herausfordernd in die Augen blickte. Sie waren so blau wie das Meer. Er hatte das Meer noch nie gesehen, trotzdem stellte er sich vor, es hätte genau diese Farbe. „Eines Tages“, dachte er, „werde ich es sehen“. Fàramir erkannte keine Angst in seinen Augen.
    Das verwirrte ihn. Jeder andere Mann hätte sich vor Angst in die Hosen gemacht und starr auf den Boden geblickt. Immerhin war er Fàramir, der beste Krieger auf Seiten seines Herrschers. Und der Mann, welcher da vor ihm auf dem Boden kauerte, war nichts weiter als ein gewöhnlicher gegnerischer Krieger, der letzte Überlebende des feindlichen Heeres. Warum also, dachte er allen Ernstes darüber nach, ob es eine andere Möglichkeit gab, als ihn zu töten? Er wurde seit seiner Kindheit aufs Töten ausgerichtet. Bisher stellte er nie Fragen, tötete auf Befehl.


    Fàramir und der Krieger starrten sich noch immer an. Die braunen, fast schwarzen Augen Fàramirs bohrten sich in die meerblauen des Kriegers. Die Lippen des Kriegers verzogen sich zu einem Lächeln. „Na los! Du weisst, dass es einen anderen Weg gibt. Eine andere Seite! Trau dich!“ flüsterte er leise. Fàramirs Augen weiteten sich überrascht. Der Krieger sprach seine Sprache! Er sprach von einer anderen Seite. Doch wo? Wie sah sie aus? „Verschone mich und beginne ein neues Leben als freier Mann!“ flüsterte der Krieger immer noch lächelnd. „Ich könnte dir helfen“ fügte er nach einer kurzen Pause hinzu. Ihn verschonen und mit ihm fortgehen. Fàramir begriff, was die andere Möglichkeit, die andere Seite, war. Und trotzdem, wenn er es täte, würde er sein Königreich verraten, und mit ihm den Herrscher. Er würde verfolgt und gejagt werden, bis sie ihn zur Strecke gebracht hätten. Er hätte keine Chance. Früher oder später würden sie ihn finden und hinrichten. „Ich kann nicht“ Fàramir blickte in das Gesicht des Kriegers. Verständnisvoll nickte der Krieger. „Dann will ich dich nicht länger aufhalten. Töte mich, ich bin bereit“ antwortete der Krieger sanft.


    Fàramir ballte die linke Hand zur Faust und ergriff mit der rechten sein mit Blut besudeltes Schwert. Er hielt es dem Krieger seitlich an den Hals. Den Augenkontakt hatten sie keine einzige Sekunde lang unterbrochen. Dann holte er aus und wollte ihm schon den Kopf abschlagen, als er plötzlich innehielt und zögerte. Er zögerte sonst nie. Einfach ausholen und zuschlagen, wie er es bestimmt schon tausende Male getan hatte. Doch wieder befielen ihn diese Zweifel. Er merkte auch, dass er nicht wie sonst diese Aufregung, die Vorfreude auf das, was gleich geschehen würde, verspürte. Er fühlte nichts. Und das machte ihm Angst. Als ihm dies bewusst wurde, liess er das Schwert endgültig sinken. Er wollte nicht mehr töten. Sein Leben lang hatte er nichts anderes getan, als zu gehorchen und zu morden. Jetzt hatte er genug. Er würde diesen Krieger nicht töten, er sah keinen Grund mehr. Er wollte kein Krieger mehr sein, er wollte ein normales Leben führen, heiraten, Kinder kriegen, durch die Welt reisen und neue Orte entdecken. Auch wenn seine Entscheidung bedeutete, dass er nun ein Verräter war, war es ihm egal. Er wollte ein neues Leben beginnen, egal wie kurz es auch sein würde. Nie mehr töten.
    Fàramir begann zu lächeln und fragte „Kannst du sie mir zeigen? Die andere Seite?“
    _________

    Riako


    Die andere Seite #4


    Am Fenster lehnend starrte sie einfach nur hinab in die Tiefe. In die kahle Tiefe mit den trostlosen Ereignissen des Alltages. Nie machte jemand während ihrer Beobachtungen ihr den Gefallen, am unteren Straßenrand einen heftigen Streit mit jemand anderem zu beginnen oder einen Überfall zu starten. Die kalte Brise zog in lesen Windschnitten vom Tal herauf und brachte wieder nichts Neues.


    Es war schon spät geworden und die Nacht war bereits fortgeschritten; die Sonne ganz dunkel. Nur die Straßenlaternen und die Leuchten der Autos des Feierabend-Verkehrs erhellten das Geschehen etwas. Doch die alte Dame war so hoch oben, dass sie die Lichtspiele nur leicht erahnen konnte.


    Während sie sich vom Fenster abwenden wollte, bemerkte sie aber, dass Licht am Fenster gegenüber anging. Dieses Licht brachte die Scheme eines älteren Herren zum Vorschein, welcher sich gemütlich zum Fenster begab und der Dame scheinbar zuwinkte.


    Die ältere Frau wunderte sich, ob er nun sie meinte. Wer sonst, steht noch so spät am Fenster?, dachte sie bei sich. Das junge Glück über ihr sicher nicht und die Familie unter ihr war zu der Zeit im Urlaub, das wusste sie sicher. Tunesien. Gerne hätte sie getauscht...


    Doch während sie in ihren Gedanken an Tunesien förmlich vom Strand schwärmte, winkte der alte Herr ihr erneut zu und dieses Mal konnte sie sogar ein Lächeln erahnen. Schüchtern und zurückhaltend hob die Dame langsam die Hand und bewegte diese nur leicht von links nach rechts. Das Lächeln des Mannes wurde stärker.


    'Wieder nichts Neues, hm?', rief eine raue und sehr alte Stimme nun vom Fenster gegenüber zu der alten Dame hinüber. Was meinte er damit?, wunderte sich die alte Frau, doch wusste nichts zu antworten. Hatte er sie etwa schon öfter beobachtet? 'Einfach nichts los hier.', meinte der Mann nun und lächelte wieder kurz, 'Nichts los hier', betonte er erneut.


    Noch immer wusste die Frau nichts zu sagen. Sie schwieg und verzog verwirrt die Stirn. Sogar das ganze Gesicht ließ einen fragenden Blick aufweisen. 'Ja.', murmelte sie nur leise, um überhaupt etwas zu antworten. Doch ob es der Mann wohl gehört hatte? Sicher war sie sich nun nicht, doch der Mann schien nun zu nicken.


    Nun wandte sich der Alte endlich vom Fenster ab und ließ die Dame eine Dame sein. 'Komischer Kauz', meinte diese nun und schüttelte fragwürdig den Kopf. Doch der Schatten des Mannes verschwand nicht ganz, denn er schien nur etwas im Zimmer herumzulaufen und etwas zu suchen. Längere Zeit herrschte wieder Stille in der Höhe und die Dame beobachtete weiterhin den Mann herumirren.


    'So.', atmete der ältere Herr nun schwer und wuchtete ein etwas größeres Gerät auf das Fensterbrett und konnte sich ein breites Grinsen nicht unterdrücken. Er stellte den Phonograph vorsichtig ab und drehte etwas an dem Funkrädchen, um die Frequenz einzustellen. 'Macht er nun Musik?'. Die Frau blickte komisch drein.



    „Sag mal, Magdalena, kennst du den Herren, der direkt gegenüber von uns wohnt? Dieser alte Glatzkopf.“, fragte Ilse nebenbei, während sie am nächsten Tag einen Kuchen in einer alten Blechform in die Röhre schob. „Direkt gegenüber von uns?“, fragte Magdalena zur Bestätigung und vernahm ein kurzes Nicken ihrer Mutter. Doch die Tochter musste nur nachdenken und fasste den knappen Gedanken: „Nein, soweit ich weiß, steht die Wohnung aber auch frei, schon seit längerem. Einen älteren Herren mit Glatze habe ich hier noch nie gesehen...“


    Ilse stemmte ihre Arme in ihre Hüften und wirkte völlig überrascht. „Hm“, schmunzelte sie, lief zu ihrem Phonographen und wechselte die Frequenz. „Dann muss ich es mir wohl eingebildet haben“, summte sie.

    erreichten 8 Punkte von insgesamt 130 vergebenen


    [tab=10. Platz]

    Feuerdrache


    Der Klang der Stille #4


    „Kann ich Sie einen Moment sprechen?“, bat Gustavs Vorgesetzter den Computerspezialisten um ein Gespräch.
    „Kein Problem“, antwortete Gustav. „Worum geht es?“
    „Wie Sie vielleicht wissen, hat unser Firmenchef nächsten Monat einen runden Geburtstag.“
    „Ja, das ist mir bekannt. Aber was habe ich damit zu tun?“
    „Nun ja, ich habe mir gedacht, dass wir zu diesem Anlass vielleicht ein kleines Konzert aufführen können. Ich weiß, dass er sich über so etwas freuen würde, und da ich in Ihrem Lebenslauf gelesen habe, dass Sie Geige spielen, möchte ich Sie bitten, dass Sie sich daran beteiligen.“
    „Ich soll mich an dem Konzert beteiligen? Wie stellen Sie sich das vor?“, fragte Gustav. Er hatte tatsächlich bei seiner Bewerbung um einen Arbeitsplatz angegeben, dass er Geige spielt, aber das war bestenfalls übertrieben. Während seiner Schulzeit hatte er zwar Geigenunterricht gehabt, diesen aber ein Jahr vor dem Abitur aufgegeben und das Instrument danach nicht mehr in der Hand gehabt.
    „Falls Sie ein guter Kammermusiker sind“, ging der Vorgesetzte auf Gustavs Frage ein, „dann können Sie vielleicht zusammen mit ein paar Kollegen ein Streichquartett bilden. Aber wenn Sie lieber alleine musizieren, können wir sicher auch ein Stück für Solovioline mit auf das Programm setzen. Teilen Sie mir einfach in den nächsten Tagen mit, wie Sie sich entschieden haben.“


    Als Gustav nach Feierabend wieder zu Hause war, entschloss er sich, erst einmal zu sehen, wie weit er das Geigenspielen inzwischen verlernt hatte. Vielleicht würde er durch intensives Üben wieder so weit hinein kommen können, dass er sich für sein Geigenspiel nicht zu schämen brauchte. Weil die Geige nach der langen Zeit seit der Schulzeit total verstimmt war, stimmte er zunächst einmal das Instrument. Dabei riss allerdings eine der vier Saiten, so dass er an diesem Abend mit dem Üben nicht viel weiter kam.
    Am nächsten Tag fuhr er nach der Arbeit nicht sofort nach Hause, sondern lief erst einmal zu einem Musikgeschäft, um dort eine neue Geigensaite zu kaufen. Auf dem Weg kam ihm die Idee, dass er dort vielleicht auch fragen könnte, ob es vielleicht ein Musikstück gibt, bei dem er mit wenig Üben einen großen Effekt erzielen konnte. Tatsächlich hatte der Verkäufer auch ein paar Notenhefte, die vielleicht passen könnten, aber auch diese verlangten ein Mindestmaß an Können, damit die Zuhörer nicht entdeckten, dass sie einem absoluten Anfänger zuhörten. „Wenn Sie nicht sauber spielen oder einen kratzigen Ton erzeugen, hört das jeder erfahrene Zuhörer heraus“, erklärte der Händler. „Falls Sie ganz sicher gehen wollen, dann spielen Sie einfach nichts.“
    „Ich soll mich aber doch an einem Konzert zu Ehren meines Firmenchefs beteiligen. Wie soll das gehen, wenn ich nichts spiele?“
    „Haben Sie schon einmal etwas von ‚Vier Minuten Dreiunddreißig‘ von John Cage gehört?“
    „Nein. Ist das schwer zu spielen?“
    „Nun ja, es kommt darauf an, ob Sie ein guter Schauspieler sind“, erklärte der Verkäufer und begann danach, die Besonderheiten dieses Stückes zu beschreiben. Er endete mit der Feststellung: „Wie lang jeder der drei Sätze dauert, können Sie auswürfeln. Der Titel kann variieren und ist eine Angabe, wie lang das Stück insgesamt dauern soll.“
    Der Computerspezialist ließ sich die Beschreibung einen Moment lang durch den Kopf gehen und sagte dann: „Ich denke, das kann ich hin bekommen. Ein paar von den anderen Noten nehme ich aber trotzdem mit.“


    Als im nächsten Monat der große Tag gekommen war, sah sich Gustav das Konzertprogramm an und stellte fest, dass der Vorgesetzte seinem Stück den Titel „Der Klang der Stille - ein dreisätziges Stück für Solovioline“ gegeben und es im zweiten Teil des Konzertprogramms gleich nach der Pause untergebracht hatte. Im ersten Teil führten drei Kollegen einige Triosonaten für Flöte, Violoncello und Klavier auf. Da es an diesem Tag recht warm war, bat der Cellist nach jedem Satz um eine kurze Pause, um sein Instrument für den nächsten Satz erneut nachzustimmen. Nachdem sie ihr Repertoir durchgespielt hatten, betrat Gustavs Vorgesetzter die Bühne und erklärte dem Publikum, dass es jetzt eine Pause geben würde und dass es nach einer Viertelstunde mit einigen Solostücken weiter gehen würde. Die meisten Zuschauer nutzten diese Gelegenheit, um im Foyer mit etwas Sekt auf den Geburtstag des Firmenchefs anzustoßen.
    Nach der Pause betrat Gustav die Bühne, ohne vorher noch abzuwarten, ob vielleicht noch einige Nachzügler leicht verspätet zu ihren Plätzen zurück kehren wollten. Die meisten Kollegen im Publikum waren zu diesem Zeitpunkt tatsächlich schon zurück im Konzertsaal, aber sie hatten trotzdem nicht damit gerechnet, dass es nach der Pause derart pünktlich weiter gehen würde, und so unterhielten sie sich zu diesem Zeitpunkt noch mit einander. Spätestens als der Geigenspieler sich einmal kurz verbeugte, beendeten die meisten Zuschauer ihre Gespräche, und die anderen senkten ihre Stimmen, um im Flüsterton noch einige letzte Anmerkungen mit ihren Nachbarn auszutauschen.
    Weil die drei Musiker, die vor der Pause gespielt hatten, auf der Bühne nicht aufgeräumt hatten, griff der Violinist als nächstes zu den Notenständern und zu den Stühlen und stellte diese an den Rand der Bühne - er hatte sowieso vor, die drei Teile seiner Vorführung auswendig zu spielen, und da seine Vorführung vor Allem aus einer einzigen Show bestand, hatte er sich entschlossen, genau wie die großen Soloviolinisten im Stehen zu spielen. Natürlich blieben diese Handlungen dem Publikum nicht verborgen, so dass ein Raunen durch die Reihen ging: Diejenigen, die schon mehrmals in einem Konzert gewesen waren, fragten sich, ob sie vielleicht einen kleinen Meisterviolinisten unter ihren Kollegen hatten, und diejenigen, die das erste Mal in einem Konzertsaal saßen, fragten sich, wozu es gut sein sollte, die Notenständer wegzuräumen. Gustav nutzte die Gelegenheit, um erst einmal seine Geige zu stimmen. Danach schloss er seine Augen und tat so, als ob er sich konzentrieren würde, um sich in die Stimmung für das folgende Musikstück hinein zu denken, und die Zuschauer verstummten, um dem nun folgenden Geigenspiel aufmerksam zu lauschen.
    Allerdings begann Gustav jetzt noch nicht mit dem Geigenspiel, sondern er tat so, als ob er noch einige Sekunden brauchen würde, um sich an die ersten Takte des Musikstücks zu erinnern. Schließlich hob er langsam seinen Geigenbogen und ließ ihn kurz über den Geigensaiten schweben. Aber er unterbrach diese Aktion, als auf einmal die Türen des Zuschauerraumes aufgingen und ein paar Nachzügler den Saal betraten. Gustav tat so, als ob diese Störung seine Konzentration gekostet hatte: Er warf den Nachzüglern einen bitterbösen Blick zu und ließ dabei den Bogen neben der Geige sinken.
    Sobald die Nachzügler sich auf ihre Plätze gesetzt hatten, begann er die Konzentrationsübungen von Vorne. Dieses Mal ließ er sich dadurch unterbrechen, dass einer der Zuschauer einmal kurz husten musste, und als er das Ganze noch ein drittes Mal wiederholte, wurden einige Kollegen langsam ungeduldig. Sie begannen, sich leise mit einander zu unterhalten, wurden aber von dem Firmenchef ermahnt, dass sie bitte leise sein oder den Saal verlassen sollten.
    Danach verlief die Aufführung ohne große weitere Unterbrechungen, aber Gustav spielte weiter mit der Erwartungshaltung der Zuschauer, indem er so tat, als ob er sich auf das Musikstück konzentrieren würde, ohne tatsächlich einen Ton zu spielen. Bei genauem Hinhören konnte er die Geräusche der Klimaanlage wahrnehmen, die der Hausmeister in der Pause eingeschaltet hatte.
    Sobald nach dem ersten Stimmen knapp zwei Minuten vergangen waren, beendete er den ersten Satz und stimmte die Geige einmal kurz nach. Einige Zuschauer nutzten diese kurze Unterbrechung der Stille, indem sie sich einige kurze Sätze zu raunten. Weil sie dabei recht leise sprachen und die verschiedenen Aussagen durcheinander auf der Bühne ankamen, konnte Gustav allerdings nicht verstehen, was seine Kollegen miteinander flüsterten. Sobald er allerdings wieder so tat, als ob er sich auf den Notentext des zweiten Satzes konzentrieren würde, verstummte das Publikum wieder. Erneut tat Gustav so, als ob er sich auf den Notentext des zweiten Satzes konzentrieren würde, und so verstrichen auch dieses Mal die Sekunden in der Stille - oder fast in der Stille: Ein Zuhörer musste sich etwa in der Mitte des Satzes räuspern.
    Da Gustav beschlossen hatte, dass der mittlere Satz ein schnelles Tempo haben sollte, beendete er diesen bereits nach einer Minute, indem er seine Geige ein zweites Mal nachstimmte. Inzwischen hatten die meisten Zuschauer begriffen, worum es bei dem „Klang der Stille“ gehen sollte, oder sie waren einfach zu überrascht, dass sich jemand die Frechheit erlaubte, sich auf die Bühne zu stellen, ohne auch nur einen einzigen Ton zu spielen. Jedenfalls blieben sie dieses Mal während des Geigestimmens ruhig, so dass Gustav danach Mal ohne weitere Störungen so tun konnte, als würde er sich auf den Notentext des dritten Satzes konzentrieren.
    Als der Geigenspieler etwa anderthalb Minuten später auch den dritten Satz beendete, indem er das Instrument weglegte und sich vor dem Publikum verbeugte, herrschte erst einmal betretenes Schweigen. Die Kollegen wussten nicht recht, was sie von dieser Vorführung halten sollten. Aber dann stand der Firmenchef auf, klatschte ein paar Mal kurz mit den Händen und sagte dann: „Das war wirklich eine gelungene Aufführung von Vier Minuten Dreiunddreißig, vielen Dank dafür. Aber jetzt möchte ich als Zugabe gerne tatsächlich noch ein paar Takte Geigenmusik hören.“

    erreichte 7 Punkte von insgesamt 130 vergebenen


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  • Ergebnisse
    Wettbewerb Nr. 03: Wettbewerbsbeschreibung
    Information|Vote


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    Leandy


    Nur ein Spiel


    Es fiel dichter Regen an dem Tag, der mein Leben verändern und in den Abgrund stürzen sollte. Der Wind fuhr über die Ebene und spielte mit den Ästen der dürren Kiefern, die in einiger Entfernung einen kleinen Hain bildeten. Das dunkelgrüne Gras wurde von den unerbittlichen Böen gebogen, sodass die freie Fläche wie ein wogendes Meer wirkte. Finstere Wolken bedeckten den Himmel, sodass kein Sonnenstrahl hindurchgelangte, während der eisige Regen wie Messer in die Haut der Umstehenden stach.
    Eine Menge aus blicklosen Gesichtern schaute auf mich herab. Mindestens fünfhundert Besucher hatte es an diesem grauen Nachmittag zum Finale der Festspiele verschlagen, und sie musterten uns beide, die Konkurrenten um den Sieg in den Schönen Künsten. Nie hätten sie gedacht, dass einer von uns mit seinem Schicksal haderte.
    Die hölzernen Ränge, die mehr schlecht als recht um das Feld gezogen worden waren, schwankten und knarrten im Sturm. Die Erde zu meinen Füßen war aufgewühlt und dunkel vor Feuchtigkeit wie die zerfetzten Eingeweide eines Toten, Spuren des Kampfes, der nun beinahe an seinem Ende angelangt war und dennoch einer Fortsetzung bedurfte. Noch war es nicht vorbei.
    Dieser Gedanke versetzte meinem Herzen einen tiefen Stich. Wir waren an einem Punkt angekommen, an dem es kein Zurück mehr gab. Ich hatte die falsche Entscheidung getroffen, als ich angetreten war.
    Saiyuri. Was war nur geschehen? Warum mussten wir uns hier wiedersehen, hier, am Ende dieses letzten Turniertages, am Ende meines Weges? Grimmig dachte ich, dass ich keine andere Wahl hatte, als sie zu besiegen. Als ich quer über das Kampffeld in Saiyukis Augen schaute, die mich wie ein Fuchs beobachtete, wurde mir zum ersten Mal wirklich bewusst, was sie mir bedeutet hatte, ob wir nun zusammen waren oder nicht. Und dennoch durfte ich nicht ihretwegen aufgeben. Wie gern ich das getan und mich dem allgemeinen Spott preisgegeben hätte!
    Stattdessen hatte ich meine Verantwortung gegenüber meiner Familie zu erfüllen. Seit unzähligen Jahrzehnten lebten wir als Nomaden in der Wüste Hoenns, und seit drei Monaten war kein Regen mehr gefallen. Die tausend Pokèdublonen, die den Sieger erwarteten, wäre nicht nur für meine Familie, sondern auch für die der anderen Nomaden eine lang erwartete Rettung.
    Ihre leuchtend roten, lockigen Haare wurden vom Wind verwirbelt und bildeten einen nassen Kranz um ihr sommersprossiges Gesicht. Ihr schweres, wollenes Kleid war durchnässt vom peitschenden Regen und klebte an ihrer Haut. Der Anblick erinnerte mich an fröhlichere Zeiten, die jedoch schon lange vergangen waren. Alles in mir sträubte sich dagegen, diesen furchtbaren Kampf fortzusetzen, denn ich ahnte, dass es für einen von uns das Ende bedeuten würde.
    Nie würde ich meine eigenen Begehren über das Wohl meiner Familie stellen, so sehr sich mein Herz bei dem Gedanken zusammenzog. Und es war schon viel zu viel Zeit verstrichen.


    Altaria und Libelldra schwebten noch einige Meter höher und ließen einander nicht aus den Augen. Die Köpfe des Publikums folgten ihnen. Mit einem erstickenden Gefühl im Hals starrte ich zu meinem Partner hinauf und wusste, dass ich es hinter mich bringen musste. Ich hatte nie gedacht, dass es jemals so weit kommen würde, und auch jetzt noch war nichts als hilflose Wut in mir, während ich meine zur Faust geschlossene Hand betrachtete und fühlte, wie mich eine Welle dunkler Erinnerungen überflutete. Für einen Moment ließ ich es zu.
    Der Verlust war so nah und lag dennoch schon so lange zurück. "Libelldra", rief ich dem eleganten grünen Drachen zu, "wir müssen es beenden." Jedes Wort ging mir schwerer über die Lippen, und ich ahnte, dass ich den Satz bald beenden müsste, da sonst meine Stimme versagte. "Feuerodem und Drachenklaue, schnell."
    Seine rot schimmernden, feurigen Augen fixierten das ruhig dahinschwebende Altaria mit einem Blick, der Steine durchbrechen konnte, doch in den eisblauen Augen seines Gegenübers fand er nur tiefstes Bedauern. Der grüne Drache wand sich elegant wie eine Schlange und flatterte mit den kurzen, aber muskulösen Flügeln, während ich mir wünschte, dass ich den Befehl zum Angriff nie gegeben hatte, aber wahrscheinlich war es besser so. Es würde alles einfacher machen.
    Libelldra stieß ein heiseres Brüllen aus und verharrte mitten in der Luft wie ein Kolibri, indem es schnell mit den Flügeln flatterte. Sein Maul öffnete sich, zeigte mehrere Reihen gebogener weißer Zähne. Ein Funken blitzte auf, und ein helles Sirren vibrierte in der regennassen Luft. Eine zuerst kleine, aber sich ständig ausbreitende Flammenzunge zischte aus seinem Maul hervor und schlängelte sich wie ein grünes Band in den Himmel. Smaragdenes Feuer erleuchtete den Kampfplatz, und vom Boden stieg dichter, olivfarbener Nebel auf. Ein Rauschen ertönte, dann tauchte der anmutige Drache in ihm ein. Das Feuer züngelte zu Altaria hinauf und leckte an ihren Flügeln, während sich der blaue Vogel schnell in Sicherheit zu bringen versuchte.
    "Schutzschild und Eisstrahl! Libelldra kommt von unten!" Saiyuris klare, weibliche Stimme hallte über das Feld. Die sich gelbgrün verfärbenden Flammenzungen erreichten Altaria nicht mehr. Sie hatte die Augen geschlossen, der kleine anmutige Schnabel war leicht geöffnet, als wollte sie schlafen, und um sie herum hatte sich eine hellblau funkelnde Membran gebildet. Der Vogel stieß einen hellen Schrei aus, und die Flammen um Altaria herum verloschen. Ein blauer Funkenregen ging auf den khakifarbenen Nebel nieder, der nun das ganze Feld bedeckte, während am Horizont weißliche Blitze zuckten. Der Sturm wurde heftiger, die Kiefern bogen sich in seinen Böen. Schaudernd zog ich meinen abgetragenen Mantel um mich. Mit beiden Füßen stand ich tief im Morast.
    Saiyuris Altaria legte die Flügel zusammen und ließ sich wie ein Stein fallen, während Libelldra nach oben schoss. Ein Keuchen ging durch die Reihen der Zuschauer, als der Nebel knisternd an dem Schutzschild des blauen Vogels entlangfuhr und Funken stieb. Er drehte sich in einer grazilen Bewegung zu Libelldra um, öffnete den schmalen Schnabel und erschuf in ein paar Sekundenbruchteilen eine kleine, eisblaue Kugel vor sich, in dem sich das diffuse Licht, das aus dem Nebel aufstieg, brach. Libelldra drehte eine Pirouette, um sich weiter emporzuschrauben. Ein eiskalter Luftzug schoss an dem rechten Flügel des Drachen vorbei und es zuckte zusammen, doch Altaria hatte nicht getroffen. Ein Schleier aus Eiskristallen ging vor seiner Schnauze nieder, als sich der Eisstrahl auflöste, und der Drache legte sich in die Kurve, wobei die glitzernden Teilchen überall verstreut wurden.
    Als er mit Blutgier in den Augen nach Altaria Ausschau hielt und die Zähne bleckte, sah er plötzlich, dass sich der blaue Vogel viel zu tief hatte fallen lassen und nun kaum einen Ausweg mehr hatte. Ein Schauder der Erregung ging durch den schlanken Körper des Libelldra, als es den nahen Sieg witterte und seine restlichen Kräfte zusammen nahm.


    Mit Tränen in den Augen sah ich zu, wie sich der grüne Drache vom Himmel auf sein Opfer stürzte, sah die Angst in Saiyuris Gesicht, und wusste, dass sie mir niemals würde vergeben können. Und ich wusste, dass ich diese Entscheidung mein Leben lang bereuen würde.
    Der Regen lief meine Wangen herab, der Wind zerrte an meinem Mantel. Meine Fäuste waren fest geschlossen, als ich sah, wie Libelldra seinen Sieg vollendete, hörte mit schmerzendem Herzen den Jubel des Publikums, sah, wie sich Saiyuri mit sorgenverzerrtem Gesicht über ihr Altaria beugte, sah in Libelldras Augen, das unsicher zurückgeflogen kam und neben mir landete. Ich streckte eine zitternde Hand aus und berührte seinen schuppigen, starken Rücken, der mich viele Male hinaus in die Freiheit getragen hatte... Ich hätte es wissen sollen. Der Schmerz, der sich nun meiner bemächtigte, war viel tiefer als alles, da sich je zuvor gefühlt hatte. Ich sah in Saiyuris wundervolle grüne Augen, die tränenerfüllt waren wie die meinen, und mir sagten, dass es kein Zurück gab.
    Ihr Arm lag auf der Schulter ihres bewusstlosen Partners, ich sah die langen Striemen, die Libelldras elegante Drachenklaue darauf hinterlassen hatte, und war mir sicher, dass ich weniger als die geforderten drei Minuten für den Sieg gebraucht hatte. Ein bitterer Sieg. Das Blut des verletzten Vogels benetzte den dunklen Boden, und es schien mir, als bliebe es an meinen Händen haften. Ich bewegte mich keinen Schritt von Libelldras Seite, als die Menge zu toben anfing. Die Jury hatte keine Wahl. Hier war nicht die Anmut der Attacken entscheidend gewesen, sondern der Wille.
    Der Wille, dachte ich, und schauderte. Hatte mich das blutige Spektakel nicht auch mitgerissen? Aber dann erinnerte ich mich an das Leuchten von Saiyuris Augen, als sie mich vor ein paar Jahren aufgefordert hatte, meinen Stamm zu verlassen und bei ihr zu leben. Mit ihr. Mein Herz verkrampfte sich. Längst vergessen, doch warum dachte ich daran? Warum dachte ich an ihre weiße Haut, an ihre schmalen Züge? Es war alles verloren. Ich blickte zu Boden, Wasser tropfte aus meinen Haaren. Ich hatte meine Strafe erfahren.

    erreichte 12 Punkte von insgesamt 63 vergebenen.

    [tab=2.Platz]

    DarkyCharizard


    Ästhetische Qualen


    Endlich öffnete sich der Pokéball. Doch viel heller wurde es trotzdem nicht. Als sich Snobilikat jedoch wie sein Gegenüber in dem roten Energiestrahl materialisiert hatte, wurden die Scheinwerfer angeworfen. Snobilikats Augen jedoch waren nicht auf eine solche Situation eingestellt. Es waren empfindliche Augen, die nicht für Licht geeignet waren, das von einem auf sie gerichteten Strahler auf sie geworfen wurde. Diese Augen waren auf die Jagd in der Dunkelheit spezialisiert, nicht auf Bühnenlicht.
    Dann fing der Moderator an zu sprechen. Snobilikat hatte in dem Jahr, das er nun schon mit seinem Trainer Ricco verbrachte, ein paar Wörter der Menschensprache verstehen gelernt, aber sprechen konnte das Katzenpokémon sie nicht. Aus seinem relativ großem Vokabular, zumindest im Vergleich zu den anderen Pokémon im Team von Ricco, konnte sich Snobilikat erschließen, dass er wieder auf der Bühne bei einem Pokémon-Wettbewerb war. Anscheinend hatte es sein Trainer mit einem anderen Pokémon durch die erste Runde geschafft, denn Mann-gegen-Mann-, besser gesagt Pokémon-gegen-Pokémon-Kämpfe gab es erst in der zweiten Runde.
    Doch da wurde Snobilikat von einem Angriff seines Gegners, eines Magnetilos, aus seinen Gedanken gerissen. Das Stahl-Pokémon schoss, sich wie ein wild gewordener Kreisel um die eigene Achse drehend, auf seinen Gegner zu. Ricco schrie irgendeinen Befehl heraus, doch Snobilikat beachtete ihn gar nicht. Er sprang in die Luft, macht einen Salto und verpasste dem mittlerweile wieder stehendem Magnetilo auf der Hälfte des Weges einen satten Kratzer über den Rücken, falls man das bei einem lebendigen Magneten so formulieren konnte.
    Das Publikum johlte. Ricco fand das bestimmt super, aber Snobilikats Kopf dröhnte davon. Auch seine Ohren waren für die Wildnis ausgelegt, nicht für irgendwelche Wettbewerbskämpfe mit hunderten, ja teilweise tausenden von Zuschauern.
    Ein anderes Geräusch mischte sich in das Gejohle. Snobilikat folgerte aus diesem, dass einem Wettstreiter Punkte abgezogen worden waren. Wem und wie viele vermochte das Pokémon mit dem ordentlich gepflegten, beschen Fell nicht zu sagen.
    Ricco schrie wieder einen Befehl heraus. Anscheinend sollte Snobilikat in der Luft eine Pirouette drehen und dabei Zahltag einsetzen. Aber das entsprach nicht der Philosophie des Pokémons. Snobilikat kämpfte lieber in naturgetreuen Arenen, wie zum Beispiel in der von Azalea City. Die Kämpfe in der Wildnis konnte man nur mit Kraft gewinnen, Kraft und Strategie, nicht mit Ästhetik. Es widerstrebte Snobilikat, auf jene zu achten. Also schleuderte der Kater den Zahltag direkt auf Magnetilo, ohne jegliche Schörksel. Magnetilo wurde getroffen, konnte aber die Wucht des Aufpralls der Münzen in Schwung umwandeln, drehte sich um und attackierte Snobilikat mit einem Donnerschock. Ricco brüllte, Snobilikat solle ausweichen, aber der Angebrüllte hielt dies nicht für nötig bei einem solch schwachen Angriff.
    Die eine Hälfte des Publikums jubelte, die andere buhte. Snobilikat zuckte zusammen. Dieser Lärm war einfach unerträglich. Das Katzenpokémon lief rückwärts auf Ricco zu und bemerkte aus dem Augenwinkel, dass er den Mund bewegte, aber durch die Geräuschkulisse konnte Snobilikat nichts verstehen.
    Da bemerkte er, dass Magnetilo auf ihn zugeschossen kam. Und diesmal sah die Attacke kräftiger aus. Also sprang Snobilikat typischerweise in die Luft und landete sicher auf dem Boden.
    Plötzlich lebte der Moderator eine seiner genialen Ideen aus. Er benutzte Lichteffekte. Bei Snobilikats Sprung wurde ein wahres Feuerwerk entfacht. Lichter in allen erdenklichen Farben blitzten auf. Snobilikat musste die Augen schließen. Seine Augen konnten das nicht ertragen. Sie hatten schon nach dem ersten Blitz zu tränen angefangen.
    Endlich hörte das Lichtergewitter auf. Snobilikat öffnete die Augen wieder und realisierte, dass es vollkommen dunkel war. Endlich. Jetzt war er in seinem Element. Nach wenigen Augenblicken konnte er alles klar und deutlich sehen. Magnetilo hingegen anscheinend nicht. Es drehte sich irritiert im Kreis herum und bemerkte Snobilikat gar nicht. Der schoss auf seinen Gegner zu, sammelte die Energie in seinem Maul und entfachte, als er etwa einen halben Meter von dem Stahlpokémon entfernt war, einen gewaltigen Hyperstrahl. Magnetilo sackte auf den Boden und blieb dort reglos liegen.
    Der Schiedsrichter näherte sich. Er beobachtete das anscheinend ohnmächtige Magnetilo und als sich dieses nicht rührte hob er seine Flagge und rief etwas von wegen „Snobilikat“ und „gewonnen“.
    Verschiedenfarbige Scheinwerfer wurden auf Snobilikat gerichtet. Zeitgleich brüllte das Publikum los. Das war einfach zu viel für den armen Kater. Er sackte zusammen.

    erreichte 11 Punkte von insgesamt 63 vergebenen.

    [tab=3. Platz]

    WoelfinAkira


    Watashi Makenai


    Tosender Applaus brach dem Mädchen entgegen, als es auf die Bühne trat. Schritt für Schritt ging sie vorwärts, den Kopf stolz empor gereckt und vom rhythmischen Takt ihrer eleganten Sandaletten begleitet. Ihr braunes Haar wallte über ihre Schultern, die sich leicht lockten und im Scheinwerferlicht matt glänzten.
    Gekleidet war die junge Koordinatorin in einem weinroten Cocktailkleid, das ihr bis zu den Knien reichte und keine Träger hatte. Eine Schleife war unterhalb der Brust angesetzt, während kristallene Ornamente den leichten, mehrschichtigen Stoff, der beinahe transparent war, verzierten.
    Schon lange verspürte Haruka keine Nervosität mehr, wenn sie vor einem Publikum stand. Kein Zögern verrieten Zweifel an ihrer Entschiedenheit. In völliger Ruhe ließ die Koordinatorin den Blick durch die Zuschauerreihen schweifen, die aufbauschende Stimme der Moderatorin ignorierend. Gewiss, die Worte der Frau, die in einer weiten Abendtracht gewandet war, erzielten ihre Wirkung. Eines Sturmes gleich peitschten sie die Männer und Frauen auf.
    Sie genoss sogar das Gefühl im Scheinwerferlicht zu baden, erfreute sich an der Glückseligkeit der Menschen, die an diesem Tag den Weg in diese Hallen gefunden hatten, um diesem Wettbewerb beizuwohnen.
    Den Kopf senkend, schloss sie besinnend die Augen. Dieses Mal durfte ihr kein Fehler unterlaufen. Jene Genugtuung würde sie ihrem Rivalen nicht gebieten. Ja, dieses Mal legte Haruka all ihr Können in die bevorstehende Vorführung, und sie vertraute auf ihre Pokémon, mehr als einem Menschen zuteil werden mochte.
    Schließlich reckte Haruka ihr Haupt. Entschlossenheit war in ihren Blick getreten, während ihre Finger sich um zwei Pokébälle legten. Einen Herzschlag lang zögerte sie den Auftakt hinaus, beobachtete aufmerksam die Menschenmassen, die ihr angespannt entgegen blickten.
    Gewiss, auch sie vermochten zu erahnen, welche Last auf ihren Schultern ruhte, das Privileg am Festival teilnehmen zu dürfen. Nicht viele Tage waren seit ihrer letzten Niederlage vergangen.
    Dann legte sich ein Lächeln auf ihre Lippen und dachte daran jene Menschen glücklich zu machen. Es war ihr oberstes Ziel, das sie sich an diesem Tag gesetzt hatte.
    „Eneco! Psiana! Stage On!“, erlöste Haruka das Publikum von der Qual des Wartens und grinste, wie ein erneuter Ansturm des Jubels über sie hineinbrach.
    Nun aber brach sich das Licht in der gleißenden Flut der sich öffnenden Pokébälle und ließ die Halle in flackerndem Glanz erstrahlen, die wellengleich vom roten Juwel der Lichtkatze ausgingen.
    Sich um ihre eigenen Achsen drehend, landeten die Katzen leichtfüßig auf ihren Pfoten, während das matte Licht allmählich verlosch. So auch das schwache Funkeln, das die Felle Enecos und Psianas vornehm schimmern gelassen hatte. Mit der Würde, die Königinnen gleichkam, musterten die Damen das Publikum. Die Schmeicheleien, die ihnen entgegen gebracht wurden, gefielen den stolzen Katzenseelen. Freilich behielten sie Recht!
    Dennoch wandten Eneco und Psiana ihre Augen von den Zuschauern ab und sahen ihre Trainerin ernst an, für die es galt all ihre Kraft aufzuwenden. Ihr Traum war auch der Traum ihrer Pokémon. Daher zollten Eneco und Psiana dem Mädchen großes Vertrauen.
    „Seid ihr bereit?“
    Gereizt maunzten die Katzen eine bejahende Antwort und tadelten Haruka mit ihren verengten Pupillen. Welch törichte Frage! Würden sie nicht bereit sein, vermochten sie dann mit ihr um das letzte Band zu kämpfen?! Kaum merklich schüttelte Psiana amüsiert das Haupt. Menschen!
    Knapp nickte Haruka. „Psiana! Deinen Sternschauer!“
    Auf diesen Befehl hatte die Lichtkatze bereits gewartet, die nun anmutig den Kopf in den Nacken warf und sich mit einem eleganten Sprung in die Lüfte begab, den geteilten Schwanz wie den Schweif eines Kometen nach sich ziehend. Schwache Funken zuckten und schwebten um sie herum, die binnen weniger Sekunden die Gestalten hunderter Sterne annahmen. Das Rampenlicht reflektierte ihren Schein und ließ sie in einem wundersamen Glanz erstrahlen. Als die Gebieterin, entschlossen miauend, das Haupt ruckartig zur Seite drehte, schickte sie jene wie Geschosse herab.
    „Beschleunigen und Psychokinese!“
    Fauchend stürzte sich Psiana blitzschnell zu Boden und drohte auf dem zum Hochglanz polierten Parkett auszurutschen, als ihre Pfoten auf dem Untergrund nach Halt suchten. Nur ihren langen, spitzen Krallen hatte Psiana zu verdanken, dass sie nicht hart aufprallte. Doch all das, die entsetzten auf ihr ruhenden Blicke der Zuschauer, gehörte zum Business, und jagte der Katze jedes Mal das Adrenalin durch die Venen.
    Ihr gefiel es. Ihr gefiel es, wenn die Menschen ihren Atem anhielten und ihre Augen von ihrer fesselnden, wilden Schönheit nicht abzuwenden vermochten.
    In einer fließenden Bewegung richtete sich Psiana auf und wirkte größer neben dem kleineren Eneco. Ihren zierlichen Leib streckte sie und stellte die Schnurrhaare energisch nach vorne, während ein demütiges Funkeln die Bühne in ein sanftes, schauerliches Licht tauchte.
    Mit aufblitzenden Augen löste sich eine mystische Kraft aus ihrem Körper, eine Aura, die, von Geisterhand geführt, den Sternhagel auffingen und mit dem sanften Neigen des Kopfes einen Kreis bildeten, in dessen Mitte die anmutige, stolze Katze sich auf die Hinterbeine niederließ. Wie eine Marionettenspielerin kontrollierte sie die sternhaften Formen, die willenlos in der Luft rotierten und einen zarten Staub abgaben.
    Regungslos, bloß der Schweif zuckte unbewusst hin und her, verweilte das Wesen dort, ihren starren Blick auf die Zuschauer gelegt.
    „Jetzt bist du an der Reihe“, holte Haruka Eneco aus der Anspannung, welche bereits duldsam neben Psiana ausgeharrt war und den Schwanz erregt durch die Luft peitschen ließ. Einer Sprungfeder gleich war Eneco in die Höhe geschnellt. „Kraftreserve!“
    Sich zur Konzentration mahnend, drang Eneco in ihr tiefstes Bewusstsein ein, an die fremden Winkel ihres Wesens. Als wäre ihr Geist ein eiskalter Fluss, den es zu bezwingen galt, überwand sie sich und beschwor diese reine Energie aus den hintersten Winkel ihrer Gedanken und überließ sich wenige Herzschläge lang dem Strom der Kraft spendenden Macht in ihr. Wie eine machtvolle Strömung brach jene Energie aus dem Körper des Kätzchens hervor, drohte es hinfort zu spülen.
    Lichtkugeln entstanden aus dem Werk jener Bemühung, umkreisten im Takt mit den Sternen den Leib des Kätzchens und erlaubten ihm graziös in der Luft zu schweben.
    Selbstbewusst verzogen sich Harukas Mundwinkel zu einem siegesgewissen Grinsen, und sie bedankte sich bei den Göttern, dass sie kein böses Spiel mit ihr trieben. Vielleicht stand ihr sogar Lugia bei?
    Nun aber tasteten ihre Finger nach einem Beutel, den sie von ihrem besten Freund erhalten hatte, und holte einen glatten, von weißen Äderchen durchzogenen Stein hervor. Er war kühl und glänzte im Licht verheißungsvoll. Dann richtete Haruka ihre Augen wieder auf Eneco, das durch Kraftreserve getragen durch die Luft tanzte, und schloss ihre Finger sich um den Mondstein. „Aufgepasst! Fang, Eneco!“, lenkte Haruka die Aufmerksamkeit auf ihr Tun und schleuderte das seltene Mineral in die Höhe.
    In stummer Vorfreude das Maul geöffnet, schnellte das Kätzchen auf den Mondstein zu und bremste die Geschwindigkeit ruckartig in der Luft ab. Ihre Zähne schrammten über seine Oberfläche, als sie sich um das kühle Gestein legten. Kaum berührte Eneco den Stein, rann flüssiges Mondlicht durch ihre Adern, heiß und dennoch eiskalt. Enecos Körper strahlte von innen heraus, so grell und einnehmend, dass nicht einmal mehr ihre Konturen zu sehen waren. Den Kopf in den Nacken werfend und das Maul leicht geöffnet, nahm das Kätzchen das fast schmerzhafte Pulsieren ihres Leibes wahr, als sich Muskeln und Sehnen dehnten und streckten.
    Jeder wusste Bescheid, von welcher Energie die Katze ergriffen wurde. Ihre Form veränderte sich. Das kindliche Kätzchen wurde erwachsen, wuchs heran und erhielt einen anmutigen Körper. Das strahlende Mondlicht, welches noch immer Enekoros Gestalt absonderte, ließen auch die Energiekugeln silbern strahlen.
    Begeisterung brandete Haruka entgegen, die sie nur nebensächlich vernahm. Zu keiner Zeit ließ ihre Konzentration nach. Es wäre fatal, wenn sie eine Sekunde lang ihre Achtsamkeit vernachlässigte. Nun huschten ihre Augen auf die Lichtkatze, die noch immer nach ihrem Willen über den Sternenring gebot. Ihre Lefzen waren zurückgelegt, so als beschrieben sie ein schalkhaftes Grinsen.
    Die alles entscheidenden Sekunden brachen an, der Showdown begann!
    „Auflösen und Psystrahl!“
    Das Juwel ihrer Stirn funkelte intensiver und der Schein, der an Kirschblüten erinnerte, wurde schon bald von einem regenbogenfarbenen Strahl durchbrochen. Fauchend drehte Psiana ruckartig den Kopf. Als zerschlüge ein Steinbrocken ein Glasfenster, traf der Psystrahl auf die mit Geisterhand geführten Sterne und ließ sie in abertausende Staubpartikel bersten, die glitzernd dem Erdboden entgegen rieselten.
    Die Hand zu ihrem Enekoro streckend, kündigte Haruka an: „Und zum Abschluss Blizzard!“
    Getragen von Kraftreserve, die allmählich an Intensität nachließ, schwebte die erwachsen gewordene Katze herab, und ihre Pfoten berührten den vertrauten Untergrund. Nun aber sammelten sich eisige Winde um Enekoros Leib, als sie die Energie des ewigen Winters in ihrem Bewusstsein herauf beschwor. Merklich kletterten die Temperaturen in der Halle in die Minusgrade, als ein klirrend kalter Windhauch Enekoro umwehte. Wie hauchdünne Nadeln stach die Kälte schmerzhaft in Haut und Haare. Ihr entfuhr ein Schaudern, ein schwaches Zittern, als sie Arktos Atem zu spüren vermochte. Dennoch reckte Enekoro zufrieden ihren Hals und trotzte erhaben miauend dem Frost.
    In diesem Moment fiel regenbogenfarbener Sternstaub, der zu glitzernden Schneeflocken erstarrt war, auf das Publikum herab und entlockte den Zuschauern entzückte Laute. Die begeisterten Blicke der Anwesenden machten Haruka stolz, erfüllten sie mit Freude. Sicherlich hatte sie auch die Jury begeistern können! Sie verneigte sich und verließ mit einem siegessicheren Lächeln die Bühne.

    erreichte 10 Punkte von insgesamt 63 vergebenen.

    [tab=4. Platz]

    Alaiya


    Showdown am Strand


    Die untergehende Sonne tauchte den Himmel und den Sand in feuriges Rot und Orange, ließ auch das nur von wenigen Wellen bewegte Meer glühen, als würde es selbst brennen. Über diese abendliche Romanze schallte eine Stimme:
    „Und da sind wir wieder“, rief die braunhaarige Moderatorin, die auf einer Boje, nicht weit vom Strand, auf dem eine Tribüne aufgebaut war, stand. „Wir bedanken uns für Ihre Geduld.“
    Einige Rufe erklangen von der Tribüne, die teilweise nicht ganz so geduldig klangen, doch die Moderatorin fuhr ruhig fort.
    „Nun ist es soweit, die Finalisten im Kampf um das Strudelband stehen sich hier, am Strand von Bluefinland, gegenüber.“ Sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht streichend lächelte sie in die Kamera, die das Bild von ihr auf mehrere am Strand aufgebaute Leinwände und an das Fernsehen übertrug. „Für alle, die gerade erst zugeschalten haben, erkläre ich noch einmal die besonderen Regeln, des Strudelinsel Wettbewerbs. Anders als bei anderen Wettbewerben, findet dieser nicht in einer Wettbewerbshalle, sondern am wunderschönen Strand von Blue Point Island statt! Die Pokémon kämpfen im oder auf dem Wasser, weshalb wir auch mehrere Unterwasserkameras im Kampfgebiet installiert haben, damit sie keine Sekunde des Wettbewerbs verpassen! Damit ist die Teilnahme jedoch an Pokémon gebunden, die schwimmen oder fliegen können, denn während des Kampfes darf der Strand nicht betreten werden!“ Sie machte eine kurze Pause. „Kommen wir zu unseren Finalisten.“ Damit zeigte sie auf zwei weitere Bojen, auf denen jeweils eine Koordinator stand. „Auf der von Ihnen rechten Seite sehen sie Christian, der aus dem fernen Einall zu uns gekommen ist, um hier in Kanto an Wettbewerben Teilnehmen zu können.“
    Der junge, blondhaarige Mann, der nur mit einer Badehose und einem offenem Hawaiihemd bekleidet war, erntete einige begeisterte Rufe aus den Reihen der Zuschauerinnen.
    „Zur linken können sie Mayumi vom Orange Archipel sehen, die letztes Jahr bereits den zweiten Platz beim Grand Festival von Johto belegte!“
    Das Mädchen hatte ihre langen roten Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und trug selbst einen olivfarbenden aber mit einem türkisen Blumenmuster bedruckten Tankini. Auch sie erntete einigen Applaus.
    Die Moderatorin hob eine Hand. „Chris, Mayumi, ihr habt fünf Minuten! Möge das Finale beginnen!“
    Die beiden Trainer nickten und hoben ihre Pokébälle, warfen diese fast zeitgleich in die Luft.
    „Swaroness, du bist dran, meine Süße!“, rief der Blondschopf, als sich der Pokéball unter einem Sternenschauer öffnete und das weiß-blau gefiederte Schwanenpokémon daraus hervorkam, eine Runde über die Tribüne flog und dann majestätisch im Wasser landete.
    „Gebe dein bestes, Dragonir!“ Damit öffnete sich auch Mayumis Pokéball und ein Dragonir schwang sich aus einer im roten Licht schimmernden Wolke ins Wasser.
    Die junge Koordinatorin wartete nicht darauf, dass ihr Gegner eine Attacke befehlen konnte. „Setz Windhose ein, Dragonir!“, rief sie, woraufhin ihr Pokémon Unterwasser das Maul öffnete, in dem eine leuchtende Kugel erschien.
    Nur einen Augenblick später bildeten sich gleich drei sehr dünne Tornados an der Wasseroberfläche und erhoben sich gute zehn oder sogar fünfzehn Meter in die Höhe. Dabei wirbelten sie Wasser auf, dass im roten Sonnenlicht funkelte.
    Einige „Ah“s und „Oh“s erklangen aus dem Publikum, als die drei Tornados sich auf Swaroness zubewegten und der gelbe Halbkreis, der um Christians Bild auf den Bildschirmen zu sehen war, ein wenig schrumpfte, da er aufgrund der Schönheit von Dragonirs Attacke Punkte verlor.
    Doch der Trainer ließ sich dadurch nicht verunsichern. „Swaroness, setzt Orkan ein!“
    Sofort schlug das große Schwanenpokémon mit seinen Flügeln und flog direkt auf die Tornados zu und flog zwischen ihnen mit einer Eleganz und einem Geschickt hindurch, dass man dem klobig wirkendem Vogel nicht zugetraut hätte.
    Nun war es Mayumi, die selbst Punkte verlor und für einen Moment zuckte das Lächeln auf ihrem Gesicht, obwohl sie noch immer mehr Punkte besaß als ihr Gegner. „Pass auf, Dragonir!“, rief sie und man konnte auf den Bildschirmen erkennen, wie die Augen des Pokémon Unterwasser aufleuchteten. Da begannen die Tornados auf einmal, ihre Richtung zu ändern und folgten Swaroness an der Oberfläche.
    Doch im Gegensatz zu Mayumis Lächeln, zuckte das selbstbewusste Grinsen im Gesicht des Blondschopfes nicht für einen Moment. Er musste seinen Schwaroness nicht einmal ein weiteres Kommando geben.
    Als es sich umsah und die Tornados erkannte, machte es nur wenige Flügelschläge und stieg weit in die Luft hinauf, wo die Tornados es nicht mehr erreichen konnten, was Mayumi erneut Punkte kostete.
    „Es ist unglaublich“, rief die Moderatorin. „Der Kampf dauert gerade eine Minute an und bisher steht es noch beinahe unentschieden. Beide Trainer haben ihre Pokémon ausgezeichnet trainiert. Doch was ist das?!“
    Damit kommentierte sie das Aufleuchten von Swaroness Flügeln, als dieses erneut mit diesen schlug und einen vierten Tornado um sich herum erschuf, der die drei kleinen Windhosen Dragonirs einfach vernichtete. Wasser wirbelte um das Schwanenpokémon herum, sodass dieses für einen Moment kaum noch zu sehen war, doch dann breitete es die Flügel aus und der es umhüllende Wind ließ nach. Dadurch verlor auch das wirbelnde Wasser seinen Schwung und tropfte in einem milden Regenschauer zu Boden, wodurch für einen Moment ein glitzernder Regenbogen am Himmel zu sehen war.
    „Verdammt...“, murmelte Mayumi und knirschte nun mit den Zähnen, verlor offenbar die Beherrschung. „Das lassen wir uns nicht gefallen, Dragonir!“, rief sie aus und hob die Hand. „Setz Bodyguard und Drachenstoß ein!“
    „So sind wir es von Mayumi gewohnt!“, rief die Moderatorin. „Sie ist bereits bei den Johtowettbewerben durch ihren durchaus aggressiven Koordinationsstil aufgefallen.“ Da hielt sie inne und betrachtete, wie ein heller Schein den Körper Dragonirs umhüllte und so auch die Wasseroberfläche glänzen liegt. „Jetzt sehen wir, was dazu gehört ins Finale eines Grandfestivals zu kommen!“
    Damit stieß Dragonir aus der Wasseroberfläche empor und schoss pfeilgerade und nicht minderschnell auf Swaroness zu.
    „Schutzschild!“, rief Christian gerade noch aus, als Dragonir einen Salto machte und den großen Schwan nun mit dem noch heller als der Rest des Körpers leuchtenden Schwanz voran angriff.
    Die Bewegung des Drachenpokémon erzeugte einen Lichtbogen in der Luft, der mit dem Schutzschild seines Gegners um die Wette zu leuchten schien.
    Jedoch hatte Swaroness offensichtlich Schwierigkeiten die Attacke komplett abzuwehren und während Christian weitere Punkte verlor bröckelte das Schutzschild des Flugpokémon.
    Im letzten Moment, bevor das Schild ganz brach, reagierte der Koordinator aus Einall: „Siedewasser!“, befahl er seinem Pokémon, woraufhin dieses seinen Schnabel öffnete und einen Strahl heißen Wassers auf Dragonir spukte, der diesem zwar dank des Bodyguards kaum schadete, aber zumindest Swaroness ein kleines Stück von Dragonir fortbrachte, sodass dieses mit Drachenstoß keinen Volltreffer landen konnte. Trotzdem fielen beide Pokémon ins Wasser zurück und das eigentlich schöne, glatte Gefieder Swaroness schien ein wenig zerzaust.
    „Was ein Kampf“, erinnerte sich die Moderatorin daran, dass sie weiter kommentieren musste. „Wir haben nun etwas mehr als zwei Minuten hinter uns, und es ist noch klein klarer Vorteil zu erkennen.“ Damit bezog sie sich auf die Punkteanzeige, die bei beiden ziemlich genau auf der Hälfte stehen geblieben war.
    „Das ändern wir jetzt“, murmelte Christian und sein Gesichtsausdruck wurde entschlossen. „Swaroness, Liebes, halt noch ein Wenig durch. Wasserring!“
    Das Schwanenpokémon gehorchte und erhob sich erneut in die Luft, flog jedoch ganz dicht über das Wasser, berührte dieses ab und zu. Und überall, wo es das Wasser berührte, breitete sich ein leuchtender Ring über die Meeresoberfläche aus, was Mayumi nun erneut einige Punkte kostete.
    Doch diese gab nicht so schnell auf. „Dragonir, setze Drachenwut ein!“
    Sofort gehorchte das Drachenpokémon und stieß einen Ruf gen Himmel aus, ehe um es herum bunte Flammen erschienen, die beinahe einen neuen Tornado zu formen schienen, der jedoch in der Luft einen Bogen machte und direkt auf Swaroness zuschoss, das – weiter leuchtende Ringe über die Wasseroberfläche malend – langsam in Dragonirs Richtung kam.
    „Eine wundervolle Ausführung von Drachenwut“, erklärte die Moderatorin, während Christians Punktestand erneut sank.
    Doch kurz bevor die Attacke sein Pokémon erreichte, reagierte der Trainer. „Swaroness! Rückenwind! Aeroass!“
    Und plötzlich kam Wind um das Flugpokémon herum auf und beschleunigte seine Bewegung, sodass dessen nun aufleuchtende Flügel beinahe als leuchtender Strich in der Luft zu sehen waren, während es über das Wasser schoss. Noch bevor Mayumi reagieren konnte, wurde Dragonir von der Attacke getroffen und ein ganzes Stück in Richtung des Strandes geschleudert.
    „Dragonir!“ Mayumi verlor langsam ihre gesamte Beherrschung. „Hyperstrahl!“, befahl sie, als Dragonir schon das Maul öffnete, um Energie für den vernichtenden Angriff zu sammeln.
    Doch dazu ließ es Christian nicht kommen. „Swaroness! Sturzflug!“ Und das noch immer durch den Rückenwind beschleunigte Pokémon erhob sich mit rasanter Geschwindigkeit in die Höhe und sauste – wie eine Sternschnuppe einen hellen Schweif hinter sich herziehend – auf Dragonir zu und traf es erneut.
    Eine Wasserfontaine spritzte empor, spiegelte tausendfach die letzten Strahlen der Sonne, die nun beinahe komplett im Meer versunken war und für einen Augenblick war nichts zu erkennen.
    „Was...“, setzte die Moderatorin an, als sich das Wasser beruhigte und man erkennen konnte, dass Dragonir kampfunfähig auf dem Sand des Strandes lag. „Das Finale wurde auf unübliche Weise beendet“, fand sie schließlich wieder Worte. „Der Gewinner des Strudelwettbewerbs ist Christian aus Einall!“

    erreichte 8 Punkte von insgesamt 63 vergebenen.


    [tab=5.Platz]

    Schnuffel93


    Die Macht von Freundschaft und Rivalität


    Stumm stand ich da, die Hände zu Fäusten geballt und am ganzen Körper zitternd. Meinen Blick hatte ich ungläubig auf die Anzeigetafel geheftet.
    So lange hatte ich mir diesen Tag herbei gesehnt, mich so lange auf diesen Augenblick vorbereitet. Von Beginn an war es mein größter Wunsch gewesen, hier zu stehen, mit meinen Pokémon, bereit alles zu geben.
    Wir haben jeden Tag darum gekämpft. Wir haben zusammengehalten, trainiert und ein Band nach dem anderen gewonnen, mochte es auch noch so hart gewesen sein.
    Bis wir endlich unser Ziel erreicht hatten.
    Und jetzt scheint dieser Traum mit einem einzigen Wimpernschlag, einer einzigen Laune des Schicksals, zerstört.
    Denn eins wusste ich. Wenn ich mich jemals vor einer Gegnerin wirklich gefürchtet hatte, dann war sie es.


    „Meine Damen und Herren, liebe Kinder. Ich begrüße Sie zu unserem letzten Tag des großen Festivals. Heute werden wir ein spannendes Finale erleben, ausgetragen von den beiden besten Koordinatorinnen der Region, die zudem auch noch Schwestern und Rivalinnen sind:
    Leiko und Sayuri!“


    Unter heftigem Applaus betrat ich die Arena. Tausende Zuschauer füllten die Sitzreihen und riefen unsere Namen.
    Meine Schwester Leiko stand mir am anderen Ende des Kampffeldes gegenüber.
    „Du hast keine Chance!“, rief sie. „Gib lieber gleich auf!“
    Ich senkte den Blick, denn ich wusste, dass sie Recht hatte. Ich hatte noch nie eine Chance gegen sie gehabt. Sie war immer die Bessere, Intelligentere, Hübschere und Beliebtere gewesen.
    Warum sollte es heute anders sein?


    „Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Doppelkampf, also schickt jede der Beiden zwei Pokémon in die Arena. Ihr habt 15 Minuten Zeit. Wer am Ende die meisten Punkte übrig hat oder wer die beiden Pokémon des Gegners besiegt, hat gewonnen. Seid ihr bereit? Dann los!“


    „Ich fange an!“, rief Leiko und warf zwei Pokébälle in die Luft. „Los geht es Sonnenstrahl und Mondlicht!“
    Erstaunt stellte ich fest, dass auch sie ihr Vulpix gewählt hatte. Wir hatten beide von unseren Eltern ein Vulpix als erstes Pokémon bekommen und Leiko hatte ihres Sonnenstrahl genannt, während ich meines Glutpfote getauft hatte. Und auch ich hatte dieses Pokémon für mein heutiges Team ausgesucht.
    Mondlicht, Leikos anderes Pokémon, war ein Nachtara. Es stand kampfbereit in der Arena, sein glattes, schwarzes Fell glänzte im Scheinwerferlicht.


    Ich biss die Zähne zusammen und warf meine Pokébälle. Glutpfote und Flammenherz, mein Arkani, betraten das Kampffeld.
    Schweigend betrachtete Leiko mein Vulpix, als hätte sie schon erwartet, dass ich es wählen würde.
    Als der Schiedsrichter dann das Signal zum Beginn gab, reagierte sie sofort mit dem ersten Befehl.
    „Mondlicht, Sonnenstrahl, Doppelruckzuckhieb!“
    Die beiden Pokémon stürmten los, so schnell, dass man sie kaum mit bloßem Auge verfolgen konnte. Sie rannten im Zickzack, tauschten ihre Positionen und kamen plötzlich jeder von einer anderen Seite auf Flammenherz zu.
    „Weiche mit Agilität aus!“, schrie ich und mein Arkani sprang schnell zur Seite, wurde jedoch trotzdem von Sonnenstrahl gestreift.
    Das hatte zur Folge, dass beide Pokémon taumelten und ich nutzte die Chance, um einen Angriff zu starten.
    „Setze Flammenwurf ein, Glutpfote!“
    Mein Vulpix ließ einen gewaltigen Feuerstrahl auf Sonnenstrahl los, doch im letzten Moment schob sich Mondlicht dazwischen und Leiko rief: „Schutzschild, schnell!“
    Die Flammen trafen auf eine unsichtbare Wand, umströmten das Nachtara und lösten sich dann in einem Glitzern auf.
    Meine Punkte sanken.


    Der Kampf ging noch eine Weile so weiter.
    Meine Pokémon gaben ihr Bestes, aber Sonnenstrahl und Mondlicht konnten immer rechtzeitig ausweichen oder die Attacke abblocken. Es war als würde Leiko jeden meiner Schritte vorhersehen.
    Als Flammenherz wieder heftig von Mondlichts Spukball getroffen wurde, beschloss ich, dass es Zeit wurde meinen Trumpf auszuspielen.
    „Flammeninferno – Kombination!“, schrie ich.
    Ich sah, wie ein Ruck durch mein Arkani ging und spürte seine Entschlossenheit, als es auf Mondlicht zuzusprinten begann. Das Nachtara stand ganz am anderen Ende der Arena, also mindestens 100 Meter entfernt.
    Flammenherz wurde immer schneller, es war umgeben von blauen Blitzen – sein Turbotempo.
    Nach etwa der Hälfte der Strecke gab es, mit einem Zucken seines Schwanzes, das Signal für Glutpfote. Sie waren ein eingespieltes Team, hatten von klein auf zusammen trainiert, deshalb reagierte mein Vulpix sofort.
    Es stieg auf die Hinterpfoten und feuerte einen gewaltigen Flammenwurf ab.
    Im nu hatte die Flammenwand mein Arkani erreicht und hüllte es ein. Ich hörte, wie ein erschrockenes Keuchen durch die Zuschauermenge ging und der Moderator schrie entsetzt auf.
    „Glutpfotes Attacke hat seinen Partner getroffen. Da ist wohl etwas schief gegangen.“


    „Nichts ist schief gegangen“, dachte ich und lächelte.
    Tatsächlich lief Flammenherz unbeirrt weiter, es wurde sogar noch schneller. „Feuerfänger!“, hörte ich Leiko zischen und sie hatte Recht. Bei dieser Kombination hatte ich mir die Fähigkeit meines Arkanis zu nutze gemacht.
    Meine Schwester wollte einen Befehl zum Gegenangriff rufen, doch es war zu spät. Flammenherz sprang die letzten Meter auf ihr Nachtara zu. Es wurde totenstill in der Arena und mein Flammenherz schwebte in der Luft. Es wirkte majestätisch, wie es, umgeben von lodernden Flammen und dem Leuchten seines Turbotempos, zum Angriff überging.
    Mit gewaltiger Kraft krachte es gegen Mondlicht und das Feuer verschluckten ihn und das schmerzerfüllt aufjaulende Nachtara.


    Als der Rauch sich lichtete, sah ich, wie Mondlicht besiegt am Boden lag und Flammenherz warf mir einen stolzen Blick zu.
    Ich wollte ihm schon ein Kompliment zurufen, da erstarrte ich.
    Hinter Flammenherz kam, auf einmal, Sonnenstrahl angerannt, sprang und traf mein, völlig überraschtes, Arkani, mit einem Eisenschweif am Kopf.
    Es wurde zurückgeschleudert, sank jaulend zu Boden und blieb K.O. liegen.
    Sonnenstrahl blickte zu mir und Glutpfote hinüber, mit einem triumphierenden Glänzen in den Augen. Glutpfote antwortete mit einem wütenden Knurren.
    „Ich muss zugeben, dass du besser geworden bist“, sagte Leiko. „Aber du machst immer noch die selben, naiven Fehler, wie früher. Dreh deinem Gegner nie den Rücken zu!“
    Wut stieg in mir auf und ich wollte Glutpfote einen Angriffsbefehl geben, doch Leiko kam mir zuvor.
    „Sonnenstrahl, Begrenzer!“
    Ihr Vulpix gab ein wütendes Kreischen von sich und Glutpfote durchfuhr ein krampfhaftes Zucken.
    Leiko lachte gehässig. „Jetzt kann dein Vulpix keine Attacke mehr einsetzen, die mein Sonnenstrahl ebenfalls beherrscht. Und da wir beide das gleiche Pokémon besitzen, dürfte es überhaupt nicht mehr angreifen können.“
    Ich stieß erschrocken die Luft aus. Als mein Blick auf die Anzeigetafel fiel, begann mein Herz zu rasen. Nur noch 2 Minuten! Und ich hatte eindeutig viel weniger Punkte, als Leiko!
    Leiko begann wieder anzugreifen. Sie setzte nur Eisenschweife und schwache Flammenwürfe ein, sodass ich immer knapp ausweichen konnte.
    „Sie will mich quälen, weil sie glaubt ohnehin gewonnen zu haben.“
    Mein Glutpfote warf mir einen verzweifelten Blick zu. Es war völlig erschöpft.
    Und ich konnte nichts tun.


    Noch 1 Minute…


    Glutpfote wurde von Sonnenstrahls Ruckzuckhieb getroffen und sank in sich zusammen.
    „Nein!“, schrie ich. „Bitte steh wieder auf, Glutpfote!“
    Mühsam rappelte sich mein Vulpix wieder auf.
    „Gib auf, Sayuri! Es hat keinen Sinn mehr“, rief Leiko mit gehässigem Grinsen.


    Noch 40 Sekunden…


    Verzweifelt biss ich mir auf die Lippen. Ich hatte es gleich gewusst. Leiko war immer stärker gewesen, als ich, es hatte sich nichts geändert.
    Traurig sah ich Glutpfote an, das heftig atmend auf dem Feld stand.
    In mir kamen all die schönen Erinnerungen an unsere Reise hoch. Wie wir zusammen neue Orte gesehen, Abenteuer bestanden und immer den Traum, das große Festival zu gewinnen, geteilt haben.
    Konnte das jetzt vorbei sein? Nein!
    Ich spürte, wie meine Verzweiflung der Entschlossenheit wich.
    Das alles durfte nicht umsonst gewesen sein. Wir waren nicht so weit gekommen, um jetzt aufzugeben. Eine letzte Möglichkeit gab es noch!


    Noch 30 Sekunden…


    „Glutpfote!“, rief ich. Mein Vulpix drehte sich überrascht um. Es schien meine Anspannung zu fühlen.
    „Ich weiß, dass wir das noch nicht oft geübt haben, aber ich glaube, dass du es schaffen kannst.“
    Glutpfote verstand sofort und nickte mir fest entschlossen zu.
    „Gut.“ Ich atmete tief durch. „Dann los! Finsteraura!!!“, rief ich.
    Mein Vulpix gab ein wütendes Knurren von sich, sein Fell sträubte sich und dunkle Energie breitete sich wellenförmig von ihm aus.
    Sonnenstrahl wurde völlig unvorbereitet getroffen, zurückgeschleudert und in dunklen Nebel gehüllt.


    In dem Moment, als ein Signalton den Ablauf der Zeit verkündete, lichtete sich der Dunst und mein Glutpfote kam neben dem besiegten Sonnenstrahl zum Vorschein.
    Einige Sekunden war es still, dann begann das Publikum zu jubeln. Glutpfote rannte begeistert auf mich zu und sprang mir in die Arme.
    „Du warst toll. Du bist das beste Pokémon, das man sich wünschen kann“, lobte ich es.


    Leiko kam auf mich zu und reichte mir die Hand. Als ich sie ergriff, sagte sie:
    „Gratuliere. Das hätte ich niemals erwartet. Diesmal war ich wohl die Naive, denn ich habe den großen Fehler gemacht, dich zu unterschätzen. Ich habe nicht bedacht, dass die Kraft der Freundschaft zwischen Pokémon und Mensch Berge versetzen kann.“
    Sie wand sich zum gehen.
    „Warte!“, rief ich ihr hinterher. „Bleibst du nicht zum Fest?“
    Sie schüttelte den Kopf.
    „Ich muss weiter, aber vielleicht sehen wir uns ja demnächst mal wieder. Ich würde mich über eine Revanche freuen.“
    „Jederzeit!“, antwortete ich entschlossen, als meine Schwester zwischen den jubelnden Zuschauern verschwand.

    erreichte 7 Punkte von insgesamt 63 vergebenen.

    [tab=6. Platz]

    Pika!


    Der Tanz der Eiskönigin


    „Und nun kommen wir zu Silvia und ihrer großartigen Aufführung mit dem Titel: ‚Der Tanz der Eiskönigin’! Ihr zur Seite stehen… lassen Sie sich überraschen, liebe Zuschauer!“
    Kaum, dass die Lautsprecher die Ansprache der Ansagerin verkündet hatten, brandete Jubel in der Masse der Zuschauer auf. Auch Monika klatschte mit, gebannt auf die Kür, die Silvia zusammengestellt hatte – auch wenn sie sie auswendig kannte, als trüge sie sie selbst jetzt vor. Als Silvias Assistentin in allen Bereichen hatte sie schließlich die Musik zusammengeschnitten – Teile verschiedener Opern, dass sie flüssig ineinanderliefen und nicht abgehackt klangen –, war bei den Proben mit den Pokémon dabei gewesen und hatte auch das Kostüm selbst entworfen und geschneidert. Nur die Attacken und deren Kombination, das war das einzige, was Silvia selbst verwaltete.
    Auch die Lichteffekte hatte Monika programmiert, und als das Publikum verstummte, die Musik leise zu spielen begann, wurde es dunkel; nur ein einzelner eisblauer Scheinwerfer verfolgte einen Pokéball, der jetzt auf die Bühne rollte. Prolog, dachte Monika erwartungsvoll in Anspielung auf die fünf Teile, in denen der Auftritt wie eine Oper gegliedert war. Derweil blieb der schneeweiße Ball mit den blauen Streifen liegen und öffnete sich. Zuerst geschah nichts, und die langsam anschwellende Musik forderte die ganze Anspannung des Publikums.
    Takt zehn, zählte die Assistentin mit, und im selben Moment leuchtete das Innere des Pokéballs auf. Doch anstelle sich zu einem Pokémon zu manifestieren, strömte das Licht weißen Nebel aus, der bald die Bühne einnahm und die Sicht behinderte. Durch den Weißnebel wurde es leicht kühler in der Halle, und das schwache Licht innerhalb des Dunstes gab dem allen etwas Geheimnisvolles.
    Erster Akt. Die Musik ging in das zweite Stück über, und zeitgleich begann der Nebel, sich zu lichten und immer größer werdenden Tröpfchen zu weichen. Langsam wurde im Dampf ein Schatten sichtbar, und bald war ein Onix zu erkennen, von dessen steinerner Haut sich feine Sandkörner lösten – Kondensationskerne für die Wassertropfen. Über seinem Kopf hielt sich ein Wingull mit sachtem Schwingenschlag in der Luft. Und wo vorher noch sein Pokéball gelegen hatte, stand nun Silvia; in dem silberweißen Kleid und dem farblich passenden Umhang wirkte sie tatsächlich wie eine Eiskönigin, und ihr pechschwarzes Haar unterstrich diesen Effekt. Nun sprangen einige Scheinwerfer an und fokussierten ihre Strahlen auf die junge Frau, während ein weißes, gleichmäßiges Licht auch die Pokémon beleuchtete.
    Während es weiter Sandwirbel einsetzte, machte Onix schlängelnde Bewegungen, die den Eindruck erweckten, als tanzte es mit den Tropfen. Bald jedoch waren diese zu groß, um sich selbst in der Luft zu halten, und würden niederschlagen. Jetzt kam es auf den perfekten Moment an – die optimale Abstimmung von Dauer und Stärke der Attacken zusammen mit der Musik war eine besondere Herausforderung für Monika gewesen.
    Ruckartig streckte Silvia beide Hände zur Seite weg, als das Stück des Intermezzos begann und Trompeten und Hörner ihre Laute ausstießen. In der Rechten hielt sie einen weißen Stab – wie der eines Dirigenten oder Zauberers, pflegte sie immer zu sagen. Wingull schlug jetzt schneller mit den Flügeln; den Flügelschlag, der die Wassertropfen schwerelos in der Luft hielt, hatte Silvia monatelang mit der Möve geübt. Die Eiskönigin zeigte nun auf das Flugpokémon, das jetzt die Flügel anlegte und sich fallen ließ. Die Tropfen folgten ihm, und kurz vor dem Boden hob Wingull wieder ab. Während es passend zur Musik Schleifen und Kreise zog, sammelten sich die Tropfen zu immer größeren und in einem langen Schleier hinter ihm; Silvia zeigte dabei immer auf das Pokémon, sodass es so aussah, als kontrolliere sie es und das Wasser damit. Immer, wenn Wingull sich zu jedem Querflötentriller drehte, schwang sie den Zauberstab in einem kleinen Kreis.
    Monika musste zugeben – und das nicht ohne ein gewisses Eigenlob -, dass es eine wunderschöne Inszenierung war. Das mussten jetzt nur noch auch die Jury und das Publikum so finden.
    Wingull hatte alles Wasser zu einer großen Kugel zusammengesammelt und verharrte nun an seinem Ausgangspunkt, die Blase diagonal unter sich schweben lassend. Zweiter Akt, hallte es in Monikas Gedanken, und jetzt schwang Silvia ihren Stab in einem weiten Kreis um sich, um dann geradeaus nach vorne zu zeigen. Onix machte die Bewegung, so gut es seine Größe erlaubte, mit und setzte darauf Feuerodem auf die Wasserkugel ein. Schnelle Streicher begleiteten den Prozess, in dem das Wasser die Drachenenergie aufnahm und rot und gelb zu leuchten begann. Ein starker Scheinwerfer knallte von oben auf das Wasser, sodass sich das Licht darin brach. Regenbogenfarbene Lichtreflexe wie auf einer bewegten Wasseroberfläche hüllten Silvia wie in einem bunten Netz ein, da die Kugel auf einer Linie zwischen der Eiskönigin und dem Scheinwerfer schwebte.
    Die Wasserkugel leuchtete immer heller, je mehr Drachenenergie sie aufnahm. Besorgt sah Monika zu Wingull auf. Es hatte diese Stelle zwar öfter geübt als es Federn am Körper hatte, doch es war ein Kraftakt, das geladene Wasser weiter in der Schwebe zu halten. Doch das musste es nicht mehr lange durchhalten, denn laut Musik begann jetzt…
    Der zweite Akt. Monika seufzte erleichtert auf, als Wingull auf Silvias Stabzeichen Eisstrahl auf die Wasserkugel einsetzte, und das ohne die geringste Pause, nachdem Onix seine Attacke abgebrochen hatte. Die beiden waren nunmal perfekt aufeinander abgespielt!
    Wie das Wasser und die Luft wurde durch den Eisstrahl auch das rote Licht, das von der Kugel ausging, kälter, blasser. Bis auf die grünen Schilder der Notausgänge, waren jetzt alle anderen künstlichen Lampen dunkel. Vielstimmige Streicher begleiteten das Schauspiel. Wie ein roter, sterbender Eisstern schwebte die Kugel jetzt über der Bühne, während sie immer fester und kälter wurde. Bald war alles Wasser gefroren – und hier setzte der Epilog an, wobei Silvia es vorzog, ihn als Finale zu bezeichnen, weil das mehr zutraf. Da das Eis die Drachenenergie auslöschte, dabei aber selbst schlagartig zu Wasserdampf sublimierte, baute sich Druck in der Kugel auf. Jetzt steigerten sich Wingulls Bemühungen noch mehr, um den Eisball nicht frühzeitig platzen zu lassen. Lediglich rötlich glühende Risse bildeten sich bei jedem Taktschlag.
    Die Musik steigerte sich, immer mehr Instrumente und Stimmen kamen hinzu, und die Spannung wuchs. Vor allem Monika starrte zur Bühne hinauf: Würde Wingull es schaffen, die Eiskugel bis zum Schluss zu halten?
    Jetzt geschah alles gleichzeitig: In einer Explosion ging die Musik in ihr Finale auf. Silvia drehte sich wie beim Eiskunstlauf einmal um die eigene Achse, um dann mit viel Schwung mit ihrem Dirigentenstab auf den Eisstern zu zeigen. Wingull beendete den Flügelschlag, und die Kugel zerbarst in großen Splittern. Im selben Moment setzte Onix Steinpolitur ein, was seinem Felskörper einen leichten Glanz verlieh. Dadurch blitzten kaltrote Lichtreflexe auf den Brocken auf, als sich die noch immer von der Drachenenergie leuchtenden Eissplitter explosionsartig im Saal ausbreiteten.
    Silvia hatte darauf bestanden, die Gesteinschlange zu entwickeln, da durch den Metallmantel eines Stahlos die Steinpolitur unnötig und der glänzende Effekt noch stärker gewesen wäre. Doch Monika hatte ihr das alsbald ausgeredet: Die Begeisterung im Publikum wäre eine größere, wenn aus der matten Felsenhaut plötzlich etwas Schillerndes entstand, als wenn sie das von Anfang an schon war. Und tatsächlich hatten die Zuschauer das nicht erwartet – ihre Augen leuchteten fasziniert im Licht der Eissplitter. Diese brachen immer noch weiter durch die geladene Energie, bis sie so fein und klein waren, dass sich ein im neu aufleuchtenden Scheinwerferlicht glitzernder Eisstaub auf das Publikum herabsenkte – anstatt dass dieses von Scherben und Bruchstücken verletzt wurde.
    Mit dem Abtakt nach dem Finale drehte Wingull einen raschen Salto, stieß herab und landete auf Onix’ für seine Art elegant erhobenen Schweif. Silvia machte einen tänzerischen Sprung und führte die Bewegung in einer grazilen Verbeugung zu Ende.
    Noch während sich der letzte Eisstaub absetzte, klatschte das Publikum begeisterten Beifall. Monika lächelte – dieser Applaus galt in gewisser Weise auch ihr. Der Vorhang wurde vorgeschoben. Sie wartete noch einen Moment, stand dann von ihrem Platz am Rande der Tribünen auf und verließ den Saal. Am Eingang zu den Umkleiden zeigte sie einem Sicherheitsbeauftragten ihren Ausweis und trat in die Umkleide von Silvia.
    Diese war gerade dabei, ihre Frisur zu lösen. Das Kostüm hatte sie schon ausgezogen, so saß sie nur in ihrem Unterkleid da.
    „Ein traumhafter Auftritt, den ihr da hingelegt habt“, lobte Monika den Tanz und klaubte das hingeschmissene Kostüm vom Boden auf, um es sorgfältig zusammenzulegen.
    „Ja, ich finde, ich habe das gut gemacht“, meinte Silvia und löste eine Spange aus ihrem Haar. Das war eine typische Antwort für sie: Sie würdigte zwar das Können ihrer Pokémon, doch sah sie dieses als ihre eigene Leistung an; schließlich trainierte sie sie und stellte ihre Attacken zusammen.
    Monika seufzte. So war sie nunmal. „Dann werde ich gehen und die Lichteffekte für deinen nächsten Auftritt nocheinmal prüfen.“
    „Bring mir was zu trinken mit – Johannisbeersaft“, trug die Eiskönigin auf, ohne aufzublicken. Gerade, als ihre Assistentin die Hand auf die Türklinke legte, rief sie diese zurück: „Ach, und Moni“, sagte sie, und die angesprochene hegte die geheime Hoffnung, noch ein freundliches Bitte zu hören, „vergiss das Eis nicht.“
    Monika schloss die Tür hinter sich. Silvia war eine unverbesserliche Egoistin. Aber solange die Eiskönigin als Koordinatorin durch die Welt reiste, wollte sie als ihre unverbesserliche Assistentin arbeiten.

    erreichte 5 Punkte von insgesamt 63 vergebenen.

    [tab=7. Platz]

    MILOTICIA


    Wettbewerb der Improvisation


    Der Zeitpunkt ist gekommen, das Finale des Pokémon-Wettbewerbs in Hoenn wurde eröffnet. Die Scheinwerfer bahnten sich ihren Weg durch die Halle. Der Chef-Juror Dexter fasste zur Einleitung das erste Wort. „Herzlich Willkommen zum Finale, wir danken nochmals allen Teilnehmern für ihre imposanten Vorführungen, doch zwei haben es geschafft bis zum Ende, die Herzen der Zuschauer zu berühren. Einen ausgiebigen Applaus bitte ich!“ Die von Menschenmassen gefüllte Halle, tobte redlich vor Begeisterung. daraufhin gab der Juror ein Handzeichen und fuhr fort. „Begrüßen sie zur meiner rechten Seite, die wundervolle und talentierte Ari und ihr willensstarkes Muntier!“ Die junge Dame trug ein rotes Korsett und einen bis zum Fuß langen, weißen Rock, mit drei Stufen rotem Volant. Ihren Kopf zierte ein kleines rotes Hüttchen, mit feinem Blumenschmuck und das lange kupferblonde Haar, war prachtvoll hochgesteckt. Mit ihrem weiß-roten Schirmchen, stellte sie sich zur Schau. Ihr Muntier spielte den perfekten Partner. Wie ein richtiger Gentleman, verbeugte es sich vor dem Publikum. Auf seinem Kopf trug er einen Zylinder und um den Hals eine Fliege. Elegant präsentierte es sich in glänzender Weste. Nach dem ausgiebigen Jubel, lenkte der Juror zur anderen Seite. „Vielen Dank und nun begrüßen sie den zweiten Kandidaten, den lässigen und sportlichen Jim und seinem akrobatischem Kapoera!“ Der junge Mann sonnte sich im Jubel der Menge. Er trug ein blaues Muskelshirt und eine weiße Trainingshose. Seine Haut war gut
    gebräunt und sein dunkelbraunes Haar, trug er zum kleinen Zopf gebunden. Sein Partner Kapoera hält genauso wenig von zierender Fassade, wie sein Trainer. Es war lediglich mit einem weißen Stirnband und Schweißbändern bekleidet. Nach dem Beifall beider Teilnehmer, leitete der Juror zum Beginn ein. „Es gilt die Vier-Runden-Regel, danach wird ausgewertet, Ich wünsche eine spannende Unterhaltung und den beiden Herausforderern viel Erfolg!“



    Ari klappte ihren Schirm zusammen und zeigte auf die Platzmitte, daraufhin spazierte Muntier tänzelnd, mit den Armen auf die Brust, nach vorne. „Zeig deine Eleganz mit Angeberei!“ Ihr Pokémon vollführte eine Luftdrehung und während es seine Arme ausstreckte, wirbelte sein Hut vom Kopf. Es passte den Zeitpunkt ab und landete wieder auf festem Boden. Gleichzeitig legte sich der Hut auf seine Pfoten nieder, mit einem Grinsen führte er diesen wieder auf sein Haupt. Dies hinterließ ordentlichen Eindruck bei der Jury, sowohl auch beim Publikum. Währenddessen lachte Jim ins geheimen. „Das war doch gar nichts! Kapoera, zeige der Welt dein Können, mit Nahkampf!“ Sein Pokémon katapultierte sich mit einem Vorwärtssalto vor Muntier und vollführte ein kleines Ständchen, mit seinen wuchtigen Armdrehungen stieß er Muntier zu Boden. Das Publikum war sichtlich schockiert, doch fasziniert von der Art und die Jury legte ihr Augenmerk auf Kapoera. Irritiert schaute Muntier zu seiner Trainerin. „Dies ist kein normaler Kampf, hier kannst du beweisen, dass Normaltypen den Kampftypen die Stirn bieten können!“ Entschlossen bereitete sich Muntier für die nächste Runde vor. Inzwischen notierte sich die Jury den Werdegang.


    Ari holte zum nächsten Zug aus. „Muntier, jetzt Gähner!“ Ihr Pokémon tappte vor Kapoera und holte tief Luft, um es mit einem gewaltigen, gelangweilten Japsen entgegenzutreten. Jim blickte etwas verwirrt. „Was soll denn das bewirken, keine Spur von Eleganz! Kapoera, Dreifachkick!“ Während sein Pokémon sich vorbereitete, holte er farbige Keramikteller hervor und warf sie in die Luft. Doch Kapoera war von Muntiers Gähner nervös geworden und verfehlte die Teller. „Was ist los Kapoera? Konzentriere dich!“ Das Publikum war etwas enttäuscht und die Jury fand diese Runde überhaupt nicht berauschend. Inzwischen bereitete Ari sich auf die nächste Runde vor.


    Muntier, jetzt ist es so weit zeige allen dein Geheimnis! …Eisstrahl!“ Während Muntier die eisigen Winde bündelte, warf seine Trainerin bunt-glitzernde Banderolen schwungvoll durch den Raum. Der eisige Strahl folgte den wirbelnden Bändern und zauberte eine riesige Spirale aus funkelnden Eis hervor. Das Publikum war sichtlich begeistert und applaudierte kräftig, während die Jury beeindruckt die Kunst bewertete. Jim knirschte mit den Zähnen, dabei hatte er großes vor. Nun musste er sich ins Zeug legen und richtete seinen Blick auf die Eisspirale.


    „Kapoera!“ Er wirft seinem Pokémon eine selbstauslösende Lichterkette zu. „Agilität auf die Spirale!“ Kapoera band sich die Kette um seinem Leib und wirbelte rasend schnell auf das Zielobjekt zu. Da es schnell genug war, durfte eine anschließende Vorführung folgen. „Und jetzt Turbodreher!“ Wie ein Feuerwerkskreisel rauscht es die Spiralbahn hoch und runter. Fassungslos staunten alle Anwesenden über diese Vorführung und die Jury spekulierte derweil über das UFO Phänomen. Dies war der Moment, der Jim zum Sieg verhelfen sollte, doch die Runde war noch nicht vorbei. Dann hallte es „Power Punch“ und ein Spazierstock flog durch den Saal. Muntier packte diesen und sprang auf die Eisspirale zu. Wirbelnd haute es mit dem Stock auf das Eis ein und ließ eine herrliche, klare Melodie ertönen, der Zweck war jedoch, das Eis brüchig zu machen. Daraufhin holte Muntier kräftig aus und mit gebündelter Energie in seinen Pranken, schlug es auf die Spirale ein. Das Eis zerschellte und tausende Stücke schillernder Kristalle säten den Raum.


    Doch plötzlich schien die Zeit still zu stehen. Kapoera war in Ohnmacht gefallen und drohte auf die scharfkantigen Eisbrocken am Boden, sich arg zu verletzen. Jim war starr, nie hätte er damit gerechnet. Indessen reagierte Ari und gab Muntier den Befehl zum Rettungssprint. Stille zog durch die gesamte Halle und das Publikum renkte die Köpfe über die Tribüne um nichts zu verpassen. Die Juroren haben sich derweil mit offenem Mund erhoben. Warmes Blut tropfte zwei weiße Beine hinunter, Muntier hatte sich bei der Rettung am Eis verletzt, doch Kapoera lag wohlbehütet in seinen Armen. Das erleichterte Jauchzen der Zuschauer durchdrang selbst die Tore, sodass Außenstehende mit horchen konnten. Der einstweilen verdatterte Jim, überschlug sich halb, als er zu seinem Pokémon vordrang. Ari nahm Kapoera sanft auf den Arm und gab Muntier ein dankendes Küsschen. Währenddessen stand Jim vor ihr und versuchte einige Worte zu stammeln. „Ich, eh, es, nun…Danke, für die schnelle Reaktion von dir und deinem mutigen Pokémon!“ Ari nickte ihm herzlich zu und überreichte ihm Kapoera.


    Die Jury hatte sich inzwischen beraten und Juror Dexter trat hervor. „Nun, nach diesem spannenden Ereignis, möchte ich nun den Sieger verkünden! Aufgrund des beeindruckenden Auftritts von Ari und ihrem Muntier, hätten wir sie zum Sieger erklärt, doch leider hat sie mit der letzten Aktion die Regel verletzt und müsste daher disqualifiziert werden. Da wir keine Unmenschen sind, übergeben wir Jim die Wahl.“ Mit stolzem Schritt ging Jim zum Juror und nahm seinen Preis entgegen. „Soll das, ein Witz sein? Natürlich gebe ich den Preis an meine Helden weiter. Ohne diese letzte Aktion, hätte Kapoera vielleicht nie wieder einen Wettbewerb bestreiten können!“ Der Juror nickte bedacht. „Dann wünsche ich Applaus für unsere Siegerin Ari und ihrem kühnen Muntier!“ Im jubelnden Chor der Menge überreichte Jim ihr das Siegerband.


    Ari und Jim versorgten danach ihre verletzten Pokémon und lächelten sich dabei zu. Dieser Wettbewerb hat zum Schicksal ihrer Freundschaft geführt.

    erreichte 3 Punkte von insgesamt 63 vergebenen.

    [tab= 8. Platz]

    GeradaksFan


    Schattenleben


    „Hab ich Dir nicht gesagt, Du sollst Dich mehr anstrengen?!“, brüllte mich Craig an.
    „Sagte ich nicht, dass Du dafür sorgen sollst, dass die Jury mich von vorne herein zum Sieger erklären würde?! Ganz knapp habe ich es in die nächste Runde geschafft! Wenn Du heute Abend vielleicht noch etwas zu Essen haben willst, dann sorge dafür, dass Ich morgen früh auf dem Titelbild sein werde.“
    Ich senkte mein Gesicht, manchmal wünschte ich mir, mein Schädelknochen würde auch den traurigen Blick meiner Augen verdecken, ich hasste es wenn Craig sah, dass er mich zum Weinen gebracht hatte. Voll Genugtuung betrachtete er mich dann immer, erfreut darüber, dass ich klein bei gab.
    Was sollte ich auch anderes tun? In der Wildnis konnte ich nicht überleben, mein Level war zu gering, als dass ich in diesem Gebiet der Hoenn Region auch nur den Hauch einer Chance hatte.


    „So meine Damen und Herren! Liebe Koordinatoren und solche, die es mal werden wollen! Wir beginnen mit der zweiten Runde! Drehen wir nun das Wettbewerbsrad um zu entscheiden wer uns als erstes mit einem Auftritt beglücken soll! Botogel, darf ich bitten?“
    Ein kleines Botogel kam heran gelaufen.
    ‚Wie passend’, dachte ich. ‚Botogel ist ja auch ein Glücksbote.’
    Das rote Pokemon sprang am Rad hoch und drehte es mit viel Schwung.
    Das Rad drehte und dreht sich, die Namen die darauf standen wurden zu einem einzigen dicken schwarzen Kreis.
    Doch langsam begann die Scheibe an Tempo zu verlieren und manchmal konnte man für den Hauch eines Augenblicks den Namen des Trainers erkennen, der auf dem jeweiligen Feld geschrieben stand.
    Dann wurde das Rad noch langsamer bis das Rattern einem langsamen Klacken wich.
    Klack. Klack. Klack.
    Dann hielt das die Apparatur. Auf dem Feld war der Name Craig zu sehen.


    In einer schwarzen Kutte versteckt fand ich mich hinter der Bühne wieder. Craig hatte auch meine Maske schwarz bemalt, am liebsten hätte ich ihm dafür eine mit dem Knochen gegeben.
    Er selbst trug ebenfalls schwarz, man sollte ja zu einander passen.
    Dann ging es los, er ging hinaus und wurde mit Jubel begrüßt. Ich selbst wartete hinter der Bühne, wie besprochen.


    Stille. Totenstille herrschte in der Arena. Jeder Mensch wartete gebannt darauf, dass Craig den rot weißen Ball zücken wurde. Doch dieser tat nichts dergleichen.
    Er lächelte nur und blickte zu Boden.
    Dann plötzlich, ging eine Böe durch das Publikum.
    Jeder hatte sie wahrgenommen, und man konnte die Spannung gerade zu knistern hören.
    Dann bildeten sich kleine Wirbel auf der Bühne, und in einem Moment zum anderen war plötzlich ein tosender Sandsturm im Gange.
    Die Zuschauer hielten sich die Hand vors Gesicht, alle waren überrascht von dem plötzlichen Geschehen.
    Das war der Moment des Schattens.
    Denn nun stand, mit einem Mal, besagter in der Mitte des Sturms.
    Nur schemenhaft war er zu erkennen, er trug etwas Langes, Stockähnliches bei sich.
    Dann fing er an, dieses Ding zum Rotieren zu bringen, immer schnelle und schneller.
    Der Sandsturm passte sich der Geschwindigkeit an und eine riesige Windhose entstand.
    Das Publikum, vom Schock erholt, johlte. So etwas wollte es sehen, und es sollte noch besser kommen.
    Das lange Etwas wirbelte durch die Bewegung wie ein Propeller nach oben, und schien nun in der Luft förmlich zu schweben.
    Dann erschien ein leuchtend roter Strahl, direkt von da, wo man den Mund des Schattens vermuten konnte.
    Erneut verstummte das Publikum, was sie sahen, war spektakulär.
    Auf Craig achtete niemand.
    Das Feuer umspielte das wirbelnde etwas, dann stob es auseinander.
    Tausende von Funken verfingen sich mit dem Sand, und verwandelten die Luft in der Halle in einen Sturm aus tausenden von glühenden Pünktchen.
    In allen Augen war Verzückung zu erkennen, alles leuchtete in einem mystischen Rot.
    So geschah es, dass keiner das plötzliche Verschwinden des Schattens bemerkte.
    Erst als sich der Funkenregen legte, wendete man seine Augen wieder dem Mittelpunkt der Arena zu.
    Doch da stand Craig. Er schwieg und schaute noch immer nach unten.
    Um ihn rum, entdeckten die Zuschauer etwas, was die Menge endgültig den Verstand nahm.
    In den Bühneboden, hatte der Sand das Gesicht eines Pokemon, mit Knochenmaske geschliffen.
    Langsamen Schrittes verschwand Craig von der Bildfläche.
    Er durchschritt den Tunnel, der zu den Umkleideräumen führte, und erst als auch der letzte Schritt verklungen war, brachen die Mensche in ein donnerndes Jubeln aus.


    „Das hast Du gut gemacht“, hörte ich Craig sagen.
    Ich blickte ihn an, und für einen kurzen Moment hoffte ich Anerkennung in seinem Gesichtsausdruck zu entdecken.
    Doch dann erinnerte ich mich wieder daran, was für ein Mensch er war: Jemand, der seine Pokemon nur benutze, um ohne viel Mühe zu Ruhm und Ehre zu kommen.
    Sein Gesicht war immer noch steinhart.
    „Ich schätze, ich komme in die nächste Runde. Da wird es ums Kämpfen gehen, dann brauch ich Dich nicht mehr. Jemand anderes wird das übernehmen.“
    Mit diesen Worten holte er meinen Ball raus und ließ den Energiestrahl meine Maske berühren.


    Ich wusste nicht, ob ich jemals dieser Sklaverei entfliehen würde, es schien für mich unvorstellbar.
    Denn eines war ich mir sicher: Was Craig wollte, das bekam er auch. Wollte Craig ein Star unter den Koordinatoren werden, so würde er das werden. Wer oder was dabei auf der Strecke bleiben würde, das war ihm egal.

    erreichte 2 Punkte von insgesamt 63 vergebenen.


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    Noxa


    Nur mit dir sind es wir


    Der helle Schein des Lichtes blendete meine Augen, als ich die große kuppelförmige Halle betrat und nur schemenhaft vernahm ich die Tribüne, die von hunderten Zuschauern besetzt wurde. Mein Herz raste, schlug immer heftiger gegen meinen Brustkorb und machte mir das Atmen schwer. Doch was war dieses Mal anders? Ich hatte schon so oft vor vielen Menschen gestanden, doch heute viel es mir so schwer. Noch immer leicht benebelt von den grellen Scheinwerfern trat ich zaghaften Schrittes in die Mitte des Raumes. Mein Blick war starr auf den hölzernen Dielen gerichtet. Ich wollte doch nie Aufmerksamkeit erregen. Wieso also musste ich heute hier stehen? Schnell verdrängte ich den Gedanken wieder, denn heute ging es nicht um mich. Und auch nicht ich war der Grund, wieso ich jetzt hier stand. Nur für mein Pokémon hatte ich diesen Schritt in die Welt des Ruhmes gewagt, doch würde es gut gehen? Unbehagen machte sich in mir breit, als die jubelnde Begrüßung der Zuschauer verstummte. Jetzt erwarteten sie meine Vorführung. Es gab also kein Zurück mehr.


    Ich nahm den Pokéball von meinem Gürtel ab und umschloss ihn fest mit meinen Fingern.
    „Bitte… jetzt darf nichts schief gehen, meine Liebe“, wisperte ich mit der Sicherheit, dass sie mich hörte. Ein letztes Mal drückte ich meine Lippen auf den Ball, ehe ich es mit einem rasanten Schwung in die Lüfte warf. In dem Glanz der Lichter funkelte das Rot des Balles hell auf, sodass es auch die Blicke der Zuschauer band. Und plötzlich enthüllte sich das, worauf alle neugierigen Augen gewartet hatten. Das runde Gefängnis sprang auf und in einem glänzenden Schein manifestierte sich langsam das, was mir mehr als alles andere am Herzen lag.


    Ein kleines grünes Pokémon auf vier Beinen mit einem fröhlich auf und ab wippenden Blatt auf dem Kopf stand nun im Rampenlicht des Geschehens. Ja, das war mein Liebling. Heiter drehte sie sich zu mir um und schaute mich mit ihren rubinroten Augen an, in denen das Funkeln von Dankbarkeit zu sehen war. Darauf hatte sie immer gewartet und nun war es endlich soweit. Nochmals schickte ich jäh Sauerstoff durch meine Lungen. Die Aufregung steinigte noch immer meine Glieder. Doch ich durfte es mir nicht anmerken lassen, ansonsten würde auch sie darunter leiden.
    „Los Chikorita! Lockduft!“, rief ich laut, damit es auch die Zuschauer zu hören bekamen. Wie aus der Pistole geschossen sprang die Kleine in die Luft. Mit rasanten Drehungen ähnelte sie in der Luft einem kleinen flinken Schwalbini. So oft hatten sie es trainiert und endlich wollte es auch funktionieren. Mir spielte sich ein Lächeln auf das Gesicht. Danke, dass es so gut klappt, dachte ich still in mir drin. Doch noch immer spürte ich diese Angst… diese bedrückende Angst. Als würde sie sich um meine Glieder schlingen und langsam mein Inneres zerfressen. Bitte… ich durfte es einfach nicht zulassen, schließlich war es ihr großer Tag.


    Plötzlich merkte ich, dass die Luft mit einem wohligen Duft durchzogen war. Wie konnte das sein? Verwundert griff ich mit meiner Hand in nach dem Glanz, der sanft durch den Raum zu gleiten schien. Doch meine Finger bekamen nichts zu fassen, sondern griffen ins Leere. Entzückt schaute ich zu meiner kleinen Freundin herüber. Triumphierend darüber, die Attacke ohne Manko geschafft zu haben. Sie machte mir neuen Mut und unerwartet sprudelte die Euphorie durch meine Adern. Ich nickte ihr zu, damit sie merkte, dass nun auch ich in diesem Wettbewerb gefunden hatte. Tänzelnden Schrittes kam ich auf sie zu, drehte mich das ein oder andere, ehe ich mich schließlich verbeugte und ihr meine Hand hinhielt. Wage erkannte ich ihr zartes Lächeln auf dem Gesicht und wie gedacht, klatschte sie mit ihrem Blatt auf die Handfläche. Das war das Zeichen: Wir waren ein Team.


    „Los, Zauberblatt!“, jetzt kam der Augenblick, wo wir alle verzaubern mussten. Chikorita stieg auf meine Schultern, stieß sich ab und sprang genau durch das Licht der Scheinwerfer. Für einen kurzen Moment schien sie nicht mehr dazu zu sein, förmlich unsichtbar zu sein. Doch nur wenige Sekunden später trat sie aus dem Licht heraus, doch ihr Körper war noch immer mit leichtem Funkeln benetzt. Daraufhin stellte sie sich dicht vor die hölzernen Tribünen und schwang ihren Kopf, sodass grüne Blätter sich aus ihrer Bewegung bildeten, die nun wild durch den Raum zischten. Auf manchen Gesichtern zeichnete sich die Ratlosigkeit. Scheinbar wussten sie mit der Situation nichts anzufangen, da es zu wirr aussah. Doch auch schon im nächsten Moment stellte sich das kleine Pokémon vor die Menge und ließ einen so zärtlichen Ruf ihren Rachen entgleiten, dass alle entzückt in die Runde schauten. Aber das war noch längst nicht alles, denn plötzlich beruhigten sich auch die Blätter und schwebten wie von jeglicher Schwerelosigkeit gelöst, durch den Raum. Langsam sanken sie schließlich zu Boden und reflektieren das Licht auf ihrer glatten Oberfläche in alle Richtungen. Es schien fast so, als würden kleine Sterne erstrahlen. Und kurz bevor die Blätter das Holz des Bodens küssten, kam sie, die dieses Werk vollbracht hatte, auf mich zugerannt und strahlte, mehr fast noch als ihre eben ausgeführte Attacke. Mit einem Satz sprang sie abermals auf meine Schulter und eleganten Schrittes ging ich auf das Publikum zu. Vorne angekommen verbeugte ich mich, Chikorita tat es mir auf meinen Schultern gleich. Unter dem tosenden Jubeln der Zuschauer warfen wir und beide einen zufriedenen Blick zu und begannen herzhaft zu lachen. Ein Lachen so voller Freude, dass alles dagegen in Vergessenheit geriet.
    „Danke“, sagte ich in Gedanken. Danke dafür, dass ich so ein wertvolles Geschenk in Form eines Pokémon haben darf.

    erreichte 2 Punkte von insgesamt 63 vergebenen.

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  • Ergebnisse
    Wettbewerb Nr. 04: Bildimpuls-Gedicht
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    [tab=1. Platz]
    Leandy


    Unser Lied in der Nacht


    Goldener Mond, vergängliche Pracht,
    unser Lied hallt durch die Nacht.


    Wir sind Blutrot und Himmelblau,
    vereinen uns mit zartem Band -
    Flammend' Feuer und eisig' Tau
    tropft vom fernen Himmelsrand.


    Immerwährend einsame Wacht,
    unser Lied hallt durch die Nacht.


    Wir treten aus dem Dunkeln,
    weise Hüter dieser Welt -
    seht mit uns das Funkeln
    am ewig schönen Sternenzelt.


    Geschwisterlich geteilte Macht,
    unser Lied hallt durch die Nacht.


    Wir entflohen in die Leere,
    gleich Laub umspielt vom Wind -
    überquerten stille Meere,
    waren gemeinsam wieder Kind.

    erreichte 23 Punkte von insgesamt 72 vergebenen



    [tab=2. Platz]
    Stormclaw


    Silbersternensee


    Im Winter vom vergangenen Jahr,
    an einem wunderschönen See es war.
    Vom ewigem Eis und Kälte umgeben,
    im wilden, weißem Flockenregen,
    auf dem Silbersternensee.


    Tanzten Zwei Gestalten im Wind,
    ein blaues und ein Rotes Kind.
    Unbeschwerte Zeit, so schön,
    wie gern’ würde ich sie wiederseh’n,
    am Silbersternensee.


    Hab es ihr sofort gesagt,
    das Geheimnis, was da vor mir lag,
    hab ihr vertraut, sie eingeweiht
    bewahrt hat sie es lange Zeit,
    für den Silbersternensee.


    Jedes mal zur Winterzeit,
    wenn es weiche Flocken schneit.
    Am ersten Tag vom vollen Mond,
    sieht man sie im Winde schon,
    über’m Silbersternensee.


    Bis zu dem Tag, wo sie es verriet,
    und es kein Geheimnis mehr blieb.
    Da kamen die Menschen um die Kinder zu fangen,
    und in den rotweißen Ball zu bannen,
    die Kinder des Silbersternensees.


    Warum hast du ihnen das angetan?
    Wo sie doch damals nur Kinder warn?
    Warum hast du diese Idylle zerstört?
    Hast du meine Bitte nicht gehört?
    Du wusstest genau, das würde geschehen,
    wenn sie wüssten von dem See, vom Silbersternensee..

    erreichte 10 Punkte von insgesamt 72 vergebenen


    [tab=3. Platz]
    Scissorhand


    Ein Ort für das ganze Leben



    „Komm mit mir in die kalte Welt,
    wir tun nur das, was uns gefällt.
    Latias, ich weiss, dir wird’s gefallen
    der Ort, wo Eissplitter in Flocken fallen.“


    „Latios, ja, ich komm mit dir
    an den Ort, weit weg von hier
    wo wir gemeinsam leben werden
    am schönsten Orte hier auf Erden.“


    „Latias, nun, hier sind wir schon!
    Unsrer langen Reise Lohn
    ist dieser Ort hier, kalt und weiss
    Mit Schneetürmen aus Luft und Eis.“


    „Latios, sieh, ich tanz‘ im Schnee!
    Und dort drüben, der gefror’ne See…
    Hach, hier ist es wunderbar!
    Und der Himmel sternenklar.“


    „Latias, hier bleiben wir nun,
    werden spielen, werden ruh‘n
    Hier am Ort aus unsren Träumen
    wird unsre Zukunft langsam keimen.“


    „Latios, hier werden wir alt
    am See neben dem grossen Wald
    Für immer werden wir glücklich sein
    Und niemals sind wir mehr allein.“

    erreichte 9 Punkte von insgesamt 72 vergebenen


    [tab=4. Platz]
    Feuerdrache

    Auf dem See



    Klirrende Kälte, es schneit recht sacht.
    Zwei Pokémon auf einem zugefror’nen See
    unterhalten sich trotz Eis und Schnee
    bei Vollmond in der Winternacht.


    „Latios, hilf mir und gib Acht,
    das du nicht ausrutschst auf dem Eis
    oder einbrichst still und leis’
    bei Vollmond in der Winternacht.“


    „Aber nein, das verhindern wir mit uns’rer Macht“,
    antwortet das Latios verschmitzt und leis’,
    „Ich schwebe knapp über dem dünnen Eis
    bei Vollmond in der Winternacht.“


    „Du hast Recht“, sagt das Latias und lacht,
    „So hat du dem Eis die Gefahr genommen.
    Darauf bin ich selbst noch nicht gekommen,
    bei Vollmond in der Winternacht.“


    Klirrende Kälte, es schneit recht sacht.
    Zwei Pokémon auf einem zugefror’nen See
    unterhalten sich trotz Eis und Schnee
    bei Vollmond in der Winternacht.

    erreichte 8 Punkte von insgesamt 72 vergebenen


    [tab=5. Platz]
    Bobbycarkind


    Drachenpuls


    "Nur einen Herzschlag lang,
    so scheint es einen Augenblick,
    endet ihr Alleingang,
    verbunden mit diesem Blick.


    Das Herz schlägt lauter,
    der Spiegel zeigt die Wahrheit,
    denn selbst der Mond er sieht's mit Klarheit,
    dieser Moment ist ein schicksalhafter.


    Vereint und doch sind Sie ohne Ziel,
    Der Wind er trägt ihre Schwingen weiter,
    Latias, es folgt diesem lieblichen Spiel,
    Latios macht es vor, mit einem Blick der oh-so-heiter.


    Umgarnt vom silbernen Licht,
    wie eine weiße Kerze, die für Sie brennt,
    verzagen werden die beiden nicht,
    werden Sie auch wieder voneinander getrennt."

    erreichte 6 Punkte von insgesamt 72 vergebenen


    Noxa


    Verkommenes Glück


    Es ist dieser eine Tag,
    an den ich mich noch genau zu erinnern vermag.
    Mit dir unter dem Glanz des Mondes Schein,
    glaubte ich, niemals allein zu sein.
    Denn auch als du mir gabst, sanft deine Hand,
    spürte ich etwas, was uns verband.


    Und ab diesem Zeitpunkt es ward mir klar,
    dass ich ohne dich nur ein halbes war.
    Du warst, was meinem Leben fehlte,
    und so warst du es, den ich als mein Eigen wählte.
    So erträumte ich mir in dieser Nacht,
    dass sie niemals möge verlieren ihre Pracht.


    Allein dieser Glanz, der dich zu dieser Zeit umgab,
    war nichts, was man hätte je zu übertreffen gewagt.
    Dein Lächeln strahlte heller als die Sterne,
    und ich mochte dein Angesicht leidenschaftlich gerne.
    In dieser Nacht, auf diesem See…
    ach was tut mir heut‘ diese Erinnerung weh.


    Doch einst dieser Wind kam auf, nahm den Lauf der Zeit,
    der mir heute noch bescheret all dies Leid.
    Latios, heute gelten meine Gedanken nur dir,
    und ich, Latios, wünschte du wärst jetzt hier.

    erreichte 6 Punkte von insgesamt 72 vergebenen


    [tab=6. Platz]
    Darksaphira

    Mondscheintanz


    Still liegt der See im Mondenschein
    Fein glitzert Schnee wie Sternenglanz
    Friedlich ruhen Mensch und Pokemon
    In dieser Nacht zusammen
    Vergessen sind der Alltag und seine Probleme


    Und auch diese zwei in blau und rot
    Sonst ohne Rast oder kurze Ruh
    Ewig nur auf der Welt Frieden bedacht
    Sind nun, in Zweisamkeit,
    Und stillem Frieden wohl vereint


    So schweben sie in einem Tanz
    Von zauberhafter Eleganz
    Ungesehen von der Welt
    Versteckt im Schutze dieser Nacht
    Unter dem unendlich Sternenzelt


    So hoffen sie das diese Nacht
    Auf ewig bleiben möge
    Und das ihr Frieden werde nie gestört
    Und sie für immer eng umschlungen
    Dicht über Eis und Schnee her schweben können


    Doch ach schon zeigt der Sonnen Glanz
    Seine ersten Strahlen am Horizont
    Der Tag bricht an und heißt den beiden,
    Dass nun ein Abschied droht -
    Auf lange Zeit.

    erreichte 5 Punkte von insgesamt 72 vergebenen





    [tab=8. Platz]
    Misana


    Augenblick der Ewigkeit


    Dunkelheit, Wald bei Nacht,
    mich hat der Wind gebracht.
    Mondenschein, sanft fällt Schnee
    auf den geheimnissvollen See.
    Ich sehe sie dort draußen schweben;
    ein junges Leben.


    Geschwisterliebe, Einigkeit,
    Vertraun die ganze Zeit,
    Hilfe, ob bei Tag, bei Nacht,
    zeigt diese Berührung sacht.
    Sie sind ein legendäres Paar;
    wie wunderbar.


    Blau und Rot vor Schwarz und Grau;
    man sieht sie ganz genau.
    Sie wissen, was der and´re fühlt,
    ob er grad´ ist aufgewühlt,
    doch ich kann nur Liebe sehen;
    wird nie vergehen.


    Sie fliegen in des Mondes Schein,
    sind immer noch zu zwein
    und brechen nun das weiche Licht,
    jetzt hat man eine and´re Sicht.
    Und dann sind sie nicht mehr da;
    unsichtbar.


    So ist es passiert.
    Ich bin gerührt.
    Nun reise ich ja immer durch die Zeit,
    seh´ aber diesen Augenblick der Ewigkeit.

    erreichte 4 Punkte von insgesamt 72 vergebenen


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  • Ergebnisse
    Wettbewerb Nr. 05: Reizwortgeschichte
    Information|Vote


    [tabmenu][tab=1. Platz]

    Scissorhand


    Kindertränen


    „Bitte, hört doch auf! Ich halte das nicht länger aus…“, flüsterte ich schwach. Doch keiner hörte meine Stimme.


    Ich lag am Boden, konnte nicht aufstehen. Salzige Tränen rannen meine Wange hinunter, das Wasser befeuchtete mein Fell. Sie tropften vor mir auf die aufgelockerte Erde. Sicherlich war nun ein dumpfer Klang zu hören, doch ich nahm ihn nicht wahr. Alles, was ich mitbekam, war meine eigene Verzweiflung, die Angst und am lautesten das Gepolter und Geschrei im Inneren unseres Baus.


    Sie hatten mich hinausgeschickt, damit ich den Ernst der Lage nicht erfassen konnte, doch ich war nicht dumm. Schon längst hatte ich bemerkt, dass sie niemals mehr miteinander auskommen würden. Tagelang stritten sie sich, wurden teils sogar handgreiflich. Schon mehr als einmal hatte ich meine Mutter gesehen, wie sie mit einigen blutigen Kratzern an ihrem Körper alleine in der Ecke sass und leise vor sich hinweinte, als mein Vater wieder Mal wütend das Weite gesucht hatte, darauf bedacht, dass keiner sie sah. Doch ich kannte sie. Ich wusste, wohin sie sich zurückzog, wenn sie alleine sein wollte. Ich kannte einen Unterschlupf, wo sie mich nicht entdecken konnte. Es war mein Ort. Manchmal fragte ich mich, weshalb ich mich dort so gerne aufhielt, und besonders, weshalb ich dort meine Mutter beobachtete. Doch ich fand keine Antwort. Das einzige, das ich mit Garantie wusste, war, dass ich dort meine Ruhe hatte. Dort konnte ich nachdenken, dort konnte ich weinen, dort konnte mich keiner entdecken. Ich wäre jetzt vielleicht auch dort hingegangen, doch ich schaffte es nicht. Ich war am Boden zerstört und konnte mich kaum bewegen. Der Streit meiner Eltern machte mich fertig.


    Nächtelang lag ich auf meinem Strohlager und weinte, darauf hoffend, dass es besser werden würde. Doch kein noch so lauter Schluchzer konnte meinen Kummer stillen, keine noch so dicke Träne mich trösten. Die Welle der Trauer hatte mich längst überflutet, schon lange hatte sie mich unterdrückt. Ich war gefangen im Meer der Verzweiflung, unfähig, wieder aufzutauchen, zum wahren Leben zurückzukehren. Verloren. Eingeschlossen in mir selbst. Allein. Verzweifelt. Und das schlimmste: Ich wusste, dass es niemals enden würde. Nicht, wenn ich sie nicht dazu bringen würde, sich doch endlich zu vertragen. Ihre Trennung nahte, das war mir gewiss. Doch was sollte ich dagegen tun? Ich war doch nur ihre Tochter, ein kleines Eneco, zu jung, um die Welt zu verstehen. Nahmen sie mich überhaupt wahr? Ich wusste es nicht. Denn ich war unwichtig. Ein kleines Detail in dem gigantischen Gemälde ihres Lebens. Wahrscheinlich nur ein hässlicher Pickel auf der Nase der Mona Lisa. Ein Detail, das man entweder übersah oder es bei näherem Betrachten verabscheute. Meine Eltern waren nicht für mich da. Sie hatten mir ihren eigenen Problemen zu kämpfen und bemerkten meinen Kummer daneben nicht. Schliesslich war ich nichts weiter als ein Pickel in einem sonst ach so wundervollen Antlitz. Und den versuchten sie so gut wie möglich zu ignorieren. Ihr Streit war im Vordergrund. Vielleicht genossen sie es sogar, mich damit zu quälen. Vielleicht wollten sie mich damit bestrafen, doch wofür, würde ich wohl niemals erfahren. Ob sie sich an meinen Namen erinnerten, fragte ich mich. Hiraita hon, diese beiden Wörter hatte ich schon so lange nicht mehr gehört.
    „Hiraita hon“, hauchte ich vor mich hin. Hiraita hon, das offene Buch. Weshalb ich so genannt wurde, wurde mir niemals erklärt. Doch der Name passte nicht zu mir. Ich war kein offenes Buch. Sogar war ich eher voller Geheimnisse, wollte niemals etwas über mich preisgeben. Und doch wollte ich nicht, dass ich meinen Namen verlor und mit ihm meine Identität. Ich wollte stark sein, über mich hinauswachsen. Doch war dies überhaupt möglich? Erneut begann ich, mir Fragen zu stellen. Ob sie sich bei dem Namen etwas gedacht hatten. Ob der Name häufig vorkam. Und, was mir am wichtigsten war, ob sie überhaupt wussten, dass ich existiere. Doch insgeheim wusste ich doch, dass ich viel zu pessimistisch war. Wieso hätten sie mich sonst aus unserem Bau werfen sollen, als es wieder mal zu Handgreiflichkeiten kam. Wahrscheinlich liebten sie mich, doch sie waren zu schwach, es zu zeigen. Eine kleine Flamme der Hoffnung loderte in meinem Herzen auf, doch gleich wurde der schwache Schimmer wieder zerstört. Eine Träne, welche über meine Nase floss, erinnerte mich daran, dass ich nicht minder schwach war als sie, welche mich doch so im Stich liessen. Ich war auf mich selbst gestellt, doch wusste ich, dass ich das nicht mehr lange durchhalten würde.


    Manchmal dachte ich darüber nach, ob ich mir jemandem über meine Sorgen sprechen sollte, meinem Namen doch alle Ehre machen. Doch mit wem? Ich hatte keine Freunde, keine Geschwister und meine Eltern stritten sich so sehr, dass ich täglich mehrere Weinkrämpfe erlitt. Hier im Wald gab es zwar genügend andere Pokémon, doch sie würden mich nicht verstehen. Ich kannte keinen, der mir Halt gab. Es gab niemanden, der mich hätte retten können. Da beschloss ich, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich musste mein Leiden bekämpfen, bevor es mich besiegt hatte. Und dies war nur möglich, indem ich mein Leben beendete.


    Ich streifte durch den Wald. Alleine wegzugehen hatte mir keine Schwierigkeiten gemacht, meine Eltern hatten es überhaupt nicht bemerkt. Wie schon so oft hatten sie mich vergessen und sich ganz und gar ihrem Streit hingegeben. Sich aufeinander konzentriert. Sich Schmerzen zugefügt, sowohl physischen als auch psychischen. Und wie ich es schon gewohnt war, rann eine Träne meine Wange hinunter. Tropfte auf den moosigen Waldboden. Zerschellte darauf. Starb vielleicht, noch bevor er unten ankam. Weinte vielleicht selbst vor Schmerz. Hatte Gefühle wie ein normales Wesen, nur, dass dies noch keiner bemerkt hatte. War nun erlöst von all dem Leiden. Beinahe eifersüchtig blickte ich auf die Stelle, wo der kleine Wassertropfen nun sein Ende gefunden hatte. So ein schneller Tod, und doch so schmerzvoll. War dem Tropfen sein Leiden genauso kurz vorgekommen, wie mir sein Ende kurz vorgekommen war? Hatte er die Situation anders wahrgenommen als ich? Oder lebte er vielleicht gar noch, zerschellt in viele unsichtbare Teile, vor Schmerz schreiend und doch von keinem gehört? Ich konnte mir keine Antwort geben. Und ich wollte es eigentlich auch gar nicht wissen. Ich wollte selbst erleben, wie es war zu sterben. Selbst die Qualen erleben, welche zur vollständigen Zufriedenheit führen. Vielleicht auch nur selbst friedlich einschlafen, fernab von meinen Eltern, die mein Verschwinden wohl nicht mal bemerken würden. Vielleicht würden sie sich vertragen, wenn kein Kind mehr im Weg war. Vielleicht würden sie glücklich werden. Und vielleicht, ja, ganz vielleicht, würde einer von ihnen mal sagen: „Erinnerst du dich an jemanden namens Hiraita hon? Der Name kommt mir bekannt vor, doch weiss ich nicht, woher.“ Und die Antwort wäre: „Ja, Hiraita hon, auch mir kommt der Name bekannt vor. Und ich verbinde mit dem Namen eine wundervolle Erinnerung, auch wenn ich nicht weiss, wer oder was damit gemeint ist.“ Und ganz vielleicht würden sie sich in die Augen sehen und glücklich sein. Ich glaubte kaum, dass mir bei diesem Gedanken ein kleines Lächeln über die Lippen huschte. Sie würden glücklich sein, wenn ich weg war. Ohne mich waren sie besser dran. Ich würde ihnen nur einen Gefallen tun.


    Der Anblick, als ich mich umdrehte, war wundervoll. Ein Strauch giftgrüner Beeren erstrahlte vor meinen Augen. Ich kannte diese Früchte. Es waren Toxibeeren, vor denen mich meine Mutter vor langer, langer Zeit immer gewarnt hatte. Die Beeren, die ich niemals anfassen durfte. Die Beeren, die den sicheren Tod bedeuteten. Die Beeren, welche mir einen friedlichen Tod beschaffen würden. Ich spürte kaum, wie ich eine Pfote vor die andere setzte und mich dem Strauch langsam näherte. Plötzlich war ich einfach… da. Ich sah die Beeren, gross, prall und rund, erstrahlend in einer leuchtenden grünen Farbe. Und ich wusste, dass meine Zeit nun gekommen war. Schon der Genuss einer einzigen Beere bescherte einem ein friedliches Einschlafen, aus dem es kein Erwachen mehr gab. Ich war mit Träumen beschäftigt, mit Träumen vom Himmel, wie ich dort oben mit offenen Armen empfangen werden würde. Ich spürte den Wind in meinem Gesicht nicht, sah nichts mehr ausser der Beere, welche ich in meiner Pfote hielt. Genussvoll biss ich hinein. Sie war reif, hatte einen süssen Geschmack mit leicht bitteren Akzenten. Ich kaute darauf herum und spürte, wie ich immer müder wurde.
    „Jetzt ist es vorbei“, dachte ich, als ich das Stück hinunterschluckte und mir den Rest der Beere zu Gemüte führte. Saft trat aus der Beere heraus, als ich sie zwischen meinen Zähnen zerplatzen liess. „Jetzt hat all mein Leiden ein Ende.“


    Ich legte mich hin, spürte nichts mehr ausser meinen eigenen Atem. In meinem Magen rumorte es, doch das störte mich nicht. Dunkelheit hüllte mich ein wie eine warme, weiche Decke. Ich kuschelte mich hinein und sagte noch leise: „Ich hoffe, dass ihr nun glücklich werdet, Mami. Mach’s gut, Papi…“ Dann fühlte ich nur noch, wie mein Herzschlag schwächer wurde, mein Atem immer ruhiger. Ich liess mich in die Arme des Todes fallen, welche mich herzlich umarmten und mir die Liebe schenkten, die ich zu Lebzeiten niemals erfahren hatte.

    erreichte 16 Punkte von insgesamt 53 vergebenen

    [tab=2. Platz]

    Pika!


    Disputum Eneco Mutavi!


    Zikaden schmetterten ihr Lied in die schwüle Sommerluft, und die fast unbefahrenen Straßen flimmerten in der Mittagshitze. Innerhalb des kleinen Café Hikari war das Konzert über der unablässig laufenden Klimaanlage kaum zu hören. Nur wenige Gäste hatten sich hergewagt, um sich einen erfrischenden Eiskaffee zu genehmigen.
    Rinko hatte diesen ruhigen Ort für ihr Treffen mit Takemi absichtlich erwählt, da sie hier nicht auf die Gefahr hinauslief, auf streitende Menschen zu stoßen. Es reichte schon, dass ihre Eltern vor einer Scheidung standen, und sie sich nicht gefahrlos in ihrer eigenen Wohnung aufhalten konnte.
    „Ich weiß nicht, warum, aber du hast dich schon ziemlich verändert“, sagte Takemi unverwandt.
    Rinko rührte mit dem Trinkhalm in ihrem Eiskaffee. Sie konnte verstehen, warum er enttäuscht war – so lange hatten sie sich zwar unregelmäßig, aber häufig getroffen. Nach drei Wochen Pause in diesem freundschaftlichen Ritual hatte sich Rinko endlich durchgerungen, ihn wieder zu treffen.
    „Takemi“, hob sie an. „Ich… weiß nicht, ob…“
    Plötzlich hörte Rinko ein grauenvolles Geräusch: Die Kellnerin war aufgestanden, um einen Schwamm zu befeuchten, und das durchdringende Rauschen des Wasserhahns fuhr ihr in Mark und Bein. Erschrocken unterbrach sich Rinko und zuckte zusammen. Verdammte Hexe!
    „Siehst du, das meine ich!“, fuhr Takemi sie wütend an. „Beim Geräusch von fließendem Wasser schreckst du zusammen wie eine angespritzte Katze! Und vorhin beim Imbissstand hättest du dich fast für Sushi mit Thunfisch entschieden. Du hast Fisch noch nie gerne gegessen.“
    Geschlagen wich sie seinem zornigen Blick aus. Er hatte nicht ganz unrecht, wenn er sie mit einer Katze verglich, aber wenn er noch weiter aus der Haut fuhr und die Situation in einen Streit ausartete… „Takemi, lass uns bitte nicht streiten“, flehte sie, als ihre Finger zu kribbeln begannen. Das war kein gutes Zeichen!
    „Ach, und wieso?“, fragte er schroff, doch sie merkte, wie er sich beruhigte. „Vorhin in der Bushaltestelle hast du auch so reagiert, als die Mutter von diesem kleinen Jungen mit ihm zu diskutieren anfing. Da wolltest du so schnell wie möglich weg. Bist du neuerdings gegen Streit allergisch?“
    „Nein, so ist es nicht…“
    „Und was ich ganz besonders nicht verstehe“, unterbrach Takemi sie, „ist, wie du dir die Haare gefärbt hast. Musste es unbedingt rosa sein? Du siehst aus wie die Hauptfigur in einem Anime!“
    Peinlich ertappt wickelte Rinko ihren Finger um eine ehemals braunblonde Haarsträhne und betrachtete diese nachdenklich. Es war ja nicht so, dass sie sich ausgesucht hatte, mit welcher Haarfarbe sie herumlief, aber das konnte sie Takemi nicht sagen. Sie wusste nicht, wie er darauf reagieren würde, ob er es überhaupt verstehen würde… und vor allem hatte sie Angst davor, was diese Hexe mit ihm anstellen würde, wenn er davon erfuhr.
    Takemis Blick wurde plötzlich weicher. Erleichterung durchströmte sie, als das Jucken in ihren Händen verschwand – zumindest für jetzt musste sie nicht darum fürchten, sich vor ihm zu verwandeln. „Versteh mich nicht falsch, Rinko, ich mache mir nur Sorgen. Ist es wegen deiner Eltern?“ Für einen kurzen Moment schwieg er. „Oder… ist es ein anderer?“
    Überrascht blickte Rinko auf und suchte in Takemis Augen den Grund für diese Frage. War ihm ihre Beziehung so wichtig, dass er sich vor einem eventuellen Rivalen mehr fürchtete als um ihren häuslichen Familienfrieden? Natürlich bedrückte sie die Zwietracht zwischen ihren Eltern, aber nur deswegen hätte sie ihn trotzdem weiter getroffen. Aber die Wahrheit konnte sie ihm nicht sagen…
    „Nein, wo denkst du hin!“, erwiderte sie hastig und blickte aus dem Fenster. Eigentlich gab es dort nichts Interessantes, aber das war ihr egal. Doch dann fiel Rinko auf, dass auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine Frau vor einem Schaufenster stand. Sie trug ein Sommerkleid und einen breitkrempigen Sonnenhut. Doch was Rinkos Aufmerksamkeit fesselte, war ihrs langes, schwarzviolettes Haar. Auch wenn die flimmernde Luft das Bild der Person verzerrte, hatte Rinko nicht den geringsten Zweifel…
    „Hey, hörst du mir überhaupt zu?“
    „Was, wie?“ Verwirrt aus ihren Gedanken gerissen versuchte sie, ihren Geist zu klären. „Ja, natürlich. Entschuldige mich, ich muss… gehen.“ Sie wusste, dass es Takemis Verdacht, sie hätte einen Neuen, nicht gerade entgegenwirkte, aber wenn sie diese Gelegenheit nicht beim Schopfe ergriff, konnte sie sich vielleicht nie wieder mit ihm treffen.
    Ohne auf seine Protestrufe zu achten, stürmte sie aus dem Café und sah sich um. Die Frau ging einige Meter weiter die Straße runter. Rinko folgte ihr eilig. Als sich die Fremde am Ende der Straße umdrehte und zu ihr zurücklächelte, war sich die Verfolgerin nun absolut sicher: Das war Traunmagil!
    Verschlagen lachend winkte ihr die Hexe und verschwand um die Häuserecke. Ohne zu zögern rannte Rinko ihr hinterher und bog ebenfalls in die Nebenstraße. Traunmagil war bereits weitergeeilt, steuerte direkt auf eine Seitengasse zu. Auf halber Strecke wurde sie kurz langsamer und berührte einen Mann an der Schulter, der sich aufgeregt mit seinem Kumpel unterhielt.
    Als Rinko ebenfalls an den Männern vorbeikam, erkannte sie – leider zu spät – was Traunmagil getan hatte: Mit ihrer Schwarzmagie hatte sie aus dem Gespräch einen Streit werden lassen! Sofort fingen Rinkos Hände wieder zu kribbeln an. Sie schaffte es noch, in die Gasse einzubiegen, in der Traunmagil verschwunden war, dann leuchtete ihr Körper auf…
    Da erlosch das Licht auch schon, und sie sah die Welt plötzlich von viel weiter unten. Verdammt!, fluchte sie in Gedanken und schüttelte sich. Sie hatte sich schon wieder in ein Eneco verwandelt!
    „Ri-Rinko?“
    Erschrocken fuhr sie herum, als sie Takemis Stimme wahrnahm. Er stand nur wenige Schritte entfernt und hatte ihre Verwandlung miterlebt! Rinkos Blick flog zu Traunmagil, die gerade in einem ihrer Geisterportale, die sie überall auftauchen lassen konnte, verschwand. Sie musste hinterher, und wenn Takemi sie jetzt so gesehen hatte, erst recht! Mit großen Sätzen folgte sie der Hexe in das Portal.
    Zuerst verzerrte sich das Licht, dann wurde ihr Eneco-Körper förmlich von dem Portaltunnel ausgespuckt. Sie fand sich in Traunmagils Geisterdimension wieder, in der blassbunte Nebelfetzen dem Auge Streiche spielten. Von ihrem letzten Besuch hier wusste sie, dass Traunmagil das Portal nicht schließen konnte, bis Rinko wieder draußen war.
    „Traunmagil!“ Die Frau hatte ihre eigentliche Gestalt angenommen, die eines hexenähnlichen Geistes in düsteren Farben. Sie grinste bösartig zu Rinko runter, ihre blutroten Augen blitzten amüsiert. Gelbe Blumen flimmerten um sie herum auf – eine Manifestation ihrer Gefühle, wie es in dieser Dimension üblich war.
    „Es war ein Fehler, hierherzukommen. Das hier ist meine Dimension – ohne Geisterattacken kannst du mir hier nichts anhaben!“ Sie lachte ein verzerrtes, angsteinflößendes Lachen.
    „Verwandle mich sofort zurück!“, verlangte Rinko.
    „Sonst was?“, fragte Traunmagil wenig beeindruckt. Plötzlich liefen deutlich spürbare Wellen durch die Geisterdimension, und Rinko konnte hinter sich jemanden spüren. Sie drehte sich um - und fand sich Takemi gegenüber. Ihr Freund starrte fassungslos um sich, und schließlich blieb sein Blick an ihr heften. „Ah, so wie ich sehe, magst du diesen Jungen.“
    Erschrocken stellte Rinko fest, dass von ihr pulsierende Herzen ausgingen. Jetzt wusste Traunmagil, wie viel Takemi ihr bedeutete!
    Die Hexe bemerkte ihre Angst und lachte. „Du willst also, dass ich auch ihn mit einem Fluch belege? Das kannst du haben; am besten noch ein Pokémon, das du als Eneco nicht leiden kannst!“ Vor ihr erschien eine Lichtkugel, die sich zu einem Buch materialisierte. Rinko überlief ein Schauer: Das Buch der Verwandlungen, mit dem Traunmagil sie verflucht hatte und das sie unbedingt zerstören musste. Ohne zu zögern rannte sie auf die Hexe zu, die aber schon die verhängnisvollen Worte sprach: „Disputum Waninoko Mutavi!“ Ein Strahl gleißenden Lichts schoss aus dem Buch direkt auf Takemi zu. Im selben Moment sprang Rinko hoch, holte instinktiv tief Luft und schoss einen Ball nebliger Energie auf Traunmagil ab.
    Die Magierin wurde zurückgestoßen, das Buch verschwand wieder. Traunmagil starrte Rinko, die dicht vor ihr landete, entgeistert an. „Spuk…ball? Du kleines Miststück, wo hast du diese Attacke gelernt?!“, schrie die Magierin aufgebracht, und die Juwelen an ihrem Körper leuchteten. Ein mörderischer Wind wehte Rinko um die Ohren, als Traunmagil eine Attacke auf sie einsetzte. Schreiend wich die Verfluchte zurück und ärgerte sich, auch diesmal das Buch nicht zerstört zu haben. Doch zuerst musste sie sich und Takemi in Sicherheit bringen…
    Sie lief auf ihn zu. Durch den Fluch hatte auch er sich in ein Pokémon verwandelt – ein Karnimani, zu Rinkos Leidwesen ein Wasserpokémon. Er war bewusstlos, also packte sie ihn am Kragen und zog ihn auf das Geisterportal zu.
    Kurze Zeit später fand sie sich in der Gasse wieder. Geblendet von dem plötzlichen Sonnenlicht rieb sie sich die Augen – und stellte fest, dass sie sich zurückverwandelt hatte. Auch Takemi war wieder ein Mensch; doch sein nun himmelblaues Haar zeugte davon, dass der Fluch auch bei ihm nach wie vor wirkte.
    Rinko blickte wütend zu der Wand, an der sich das Portal, kurz nachdem sie es durchtreten hatten, wieder geschlossen hatte. Jetzt war auch Takemi verflucht und würde sich genau wie sie nicht mehr in der Nähe streitender Menschen aufhalten können, ohne sich in ein Pokémon zu verwandeln – und Menschen neigen dazu, häufig zu streiten. Glücklicherweise hatte Rinko irgendwie eine Geisterattacke erlernt, wodurch Traunmagil nicht länger unantastbar für sie war. Sie würde die Magierin finden und sie und ihr dämliches Buch vernichten!

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    [tab=3. Platz]

    Rumo


    Die Quelle


    Wasser...

    Eine Quelle, hat er gesagt...


    Nie hätte ich mich darauf eingelassen, wenn er das nicht gesagt hätte. Mein Herrchen, der Schulmeister von Saho Re, er hat es gesagt. Wenn er es nicht …
    Nein! Das stimmt nicht! Es ist nicht seine Schuld. Er konnte es schließlich nicht wissen...
    Nein! Schuld ist dieser dumme alte Streit: Dieser uralte Streit, wer das bessere Haustier, das bessere Pokémon wäre. Der Hund oder die Katze, Fukano oder Eneco, er oder ich...
    Seit unser Herrchen vom Trainer zum Lehrer geworden war. Seit er sich ein eigenes kleines Häuschen gekauft hatte. Seit wir nicht mehr nur zum Kämpfen aus unseren Pokébällen gelassen wurden, sondern den ganzen Tag frei in Haus und Dorf herumlaufen konnten. Seitdem stritten wir um jede Pfotenbreite unseres Reviers, um jeden noch so kleinen Gegenstand, den unser Herrchen einem von uns beiden gab, vor allem aber darum, wer von uns beiden der bessere wäre, der stärkere, der klügere, derjenige, der unserem Herrchen am meisten wert wäre.
    Seit er uns die Freiheit geschenkt hatte, stritten wir...


    Unerschöpflich sei sie, hat er gesagt…

    Eine unerschöpfliche Quelle…

    Wasser…


    Aber es ist nicht seine Schuld! Wir waren es, die kein Ende finden konnten, die den Streit immer weiterführen mussten. Ständig darauf wartend, dass irgendwann der andere gezwungen wäre ihn zu beenden. So hielten wir ihn immer am Leben, machten den Streit zu unserem Lebenszweck. Wir Stellten uns gegenseitig Aufgaben, stellten uns Fallen und stellten uns selbst immer neuen Herausforderungen. Nur um einmal etwas zu finden, woran der andere scheitern würde.
    Vielleicht hätten wir irgendwann gemerkt, dass dieser Streit zu nichts führen konnte – zu nichts als einem sich nur immer wieder bestätigenden Unentschieden. Vielleicht hätten wir das irgendwann erkannt, hätte nicht unser Herrchen uns eines Tages auf eine kleine Reise zur nächsten Oase mitgenommen...


    Ihren Durst, hat er gesagt…

    Ihren Durst könnten sie damit stillen…

    Wasser…


    Aber er konnte es nicht wissen! Nein, seine Schuld ist es nicht!
    Fukano war es, der nach unserer Rückkehr auf die Idee kam. Die Idee, wie unser Streit endlich würde entschieden werden können: Wer diese Reise auf eigene Faust bewältigen könnte, der wäre selbst unserem Herrchen ebenbürtig – und dem anderen wäre er so mit Sicherheit überlegen.
    Ich hätte dem niemals zugestimmt, hätte mich nie darauf eingelassen, hätte gesagt, dass ein Zweitagesmarsch durch die Wüste kein fairer Wettstreit wäre. Schließlich muss er nur eine Flamme in sich nähren – und Hitze gibt es in der Wüste mehr als genug. Ich aber benötige etwas, was es dort nicht gibt:


    Wasser…


    Wasser! So viel wie ich es selbst nicht tragen kann. Ich hätte sicherlich abgelehnt, hätte gute Gründe gehabt, hätte ich mich nicht in dem Moment daran erinnert, was unser Herrchen immer sagte:


    Eine unerschöpfliche Quelle…

    an der sie ihren Durst stillen könnten…


    Das hatte er schon oft gesagt – nicht zu mir, nicht zu uns. Das war nicht seine Absicht! Zu seinen Schülern sagte er es.
    Aber nun glaubte ich meine Rettung zu kennen, ein Trick wie ich meinen Rivalen überlisten, den Streit endlich und endgültig für mich entscheiden konnte.
    So also stimmte ich zu, machte mich am nächsten Tag auf den Weg, mit nichts dabei als der Quelle...


    Quelle…

    unerschöpflich…

    Wasser…


    Aber das gibt es hier nicht. Nur Sand! Sand und Hitze!
    Und die Quelle? Leer! Kein Wasser, nur weißes, trockenes Papier.


    Und doch stelle ich sie noch einmal vor mir auf. Weiter tragen kann ich sie sowieso nicht mehr. Stelle sie vor mich hin und starre auf die trockenen, weißen Blätter mit den schwarzen Symbolen darauf. Spüre wie ein leichter Luftzug über mein Fell streicht, höre wie die Seiten im Wind rauschen.


    Rauschen…

    Rauschen wie eine Quelle…

    Eine Quelle, aus der frisches Wasser sprudelt…


    Plötzlich sehe ich es vor mir: Aus den Seiten heraus sprudelt es: Frisches, klares Wasser ergießt sich daraus, strömt hinab auf den heißen Wüstenboden, sammelt sich dort in einer kleinen Pfütze, direkt vor meinen Pfoten.


    Wasser…!


    Mit letzten Kräften stemme ich mich hoch, springe mit offenem Maul hinein in das kalte, blaue Nass.
    Ein schmerzhaftes Kratzen im Hals führt zu einem röchelnden Husten. Kantiger, heißer Sand kommt aus meinem Maul. Ich selbst liege auf dem trockenen Wüstenboden, sehe direkt vor mir ein letztes Mal das weiße Papier der Quelle. Aus irgendeinem Grund fällt mir genau in dem Moment ein wie mein Herrchen sie genannt hat:


    Bücher, hat er gesagt…

    Bücher sind eine unerschöpfliche Quelle…

    an der ihr euren Wissensdurst stillen könnt…


    Dann wird mir schwarz vor Augen und ich weiß, dass ich verloren habe...

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    [tab=4. Platz]

    Leandy


    Der Rosengarten


    "In einer fernen Galaxie, weiter, als unsere Gedanken reichen, gibt es unvorstellbare Dinge. Kreaturen, die anders sind als wir, Kreaturen, die uns Menschen zur Seite stehen, die sowohl wundervolle Dinge erschaffen, als auch die Welt in einem kleinen Moment vernichten könnten. Sie sind von zahlreichen Geheimnissen umgeben und bilden somit den perfekten Gegenpart zu uns verstandsorientierten Menschen."
    Ich schlug das Buch zu und seufzte. Unwillig kehrte ich wieder in die Realität zurück. Wie wenig davon war sein konnte, sagte mir mein Herz. Wie konnte es etwas geben, das so weit entfernt schien? Und dennoch...
    Ich atmete den Duft der Rosenblüten um mich herum ein und schwang auf der weißen Schaukel hin und her. Ich wollte mir doch einfach nur nicht eingestehen, dass das alles nur ein Traum gewesen sein könnte. Die Bücher, die ich um Rat hätte fragen können, waren alle so wie dieses hier: Vollgestopft mit Legenden, Mythen und Sagen. Was ich brauchte, war Klarheit.
    Der betörende, süßliche Duft der zahlreichen Pflanzen im Park machte mein Denken müde und langsam. Warum hielt ich mich mit solchen Dingen auf? Ich durfte nicht an der Realität zweifeln. Doch was war die Realität?


    Das kleine rosa Wesen zu meinen Füßen starrte mit großen Augen zu mir auf. Anscheinend verstand es nicht, was ich da gerade tat. Verstand ich es denn?
    "Woher kommst du?", fragte ich es leise. "Warum bist du hier? Sicher hast du dich nur verlaufen. Bestimmt mache ich bald die Augen auf und du bist verschwunden. Wie sollte es auch anders sein?"
    Das Kätzchen stieß ein klägliches Miauen aus, sein mit Blumen geschmückter Schweif wippte hin und her. Das war kein gewöhnliches Tier. Ich hatte noch nie etwas vergleichbares gesehen. Und doch kam es mir bekannt vor, so, als hätte ich es in einem Traum oder einem früheren Leben schon einmal gesehen. Und seit unserer ersten Begegnung wich es mir nicht mehr von der Seite. Wie sollte ich es vor den anderen verstecken, wie sollte ich es ernähren? Was, zum Teufel, war es eigentlich?
    Ich warf das Buch mit dem Titel "Geschehnisse in der Zwischenwelt" auf den Stapel mit den abgegriffenen, alten, staubigen Büchern rechts von mir. Untypisch, dass ich so viel gelesen hatte, nur um den Ursprung meiner merkwürdigen Illusion herauszufinden.


    Das Wesen schmiegte sich enger an meine Beine. Vielleicht wollte es gestreichelt werden. Probeweise streckte ich einen Arm aus und berührte das Kätzchen, welches nicht vor mir zurückschreckte. So wie damals nicht, als es plötzlich zu Tode erschöpft in meinem Schlafzimmer aufgetaucht war. Ob sich mein neuer, anschmiegsamer Schatten ebenfalls daran erinnerte?


    ***
    Das Geräusch des niedertosenden Wassers übertönte alles, das Zwitschern der Vogelpokémon in den Bäumen, das Rascheln der Zweige im Wind - und das einsame Schluchzen eines kleinen Eneco's, das auf einem Stein vor dem Wasserfall stand. Es hatte sich eng zusammengekauert und die Ohren zurückgelegt. Obwohl es am ganzen Körper zitterte, bewegte sich das kleine Kätzchen nicht von der Stelle. Erst jetzt war ihm klar geworden, was es da getan hatte. Es gab keinen Weg zurück, hatte der Weise gesagt. Würde es seine Familie jemals wiedersehen?
    Verzweifelt grub es die kleinen Krallen in den steinigen Grund. Es war zu verlockend gewesen. Die Geschichten über diese andere Welt hatten sich stets aufregend angehört, aufregender als das Leben, das es mit seinen Geschwistern in der Welt jenseits des Teiches geführt hatte. Und nun? Der Weg zurück war ihm versperrt.
    "Geh nicht, kleines Eneco, du gehörst nicht in die Welt auf der anderen Seite des Teiches. Die Menschen sind grausam, und es ist gut, dass wir eine Grenze gezogen haben."
    Dies waren die Worte des Weisen gewesen. Wenn es doch nur auf ihn gehört hätte! Aber seine innere Stimme hatte ihm den letzten Schritt immer wieder befohlen. Rufe von der anderen Seite. Als wäre ein Teil seiner Seele auf dem Grund dieses Wasserspiegels gefangen gewesen.
    Eneco's Schluchzen verebbte. Kleine Tränen kullerten von seinen Wangen. Mit einem Kloß im Hals stand es unsicher auf und starrte den Wasserfall an. Es musste einen Weg zurück geben.
    Verzweiflung hatte all seine Angst erstickt. Hier ging es um alles oder nichts.
    Die tosenden Wassermassen flößten ihm Respekt ein, doch in dieser Welt gab es wahrscheinlich keine Zukunft für das Kätzchen. Mutig trat es einen Schritt vor, zögerte aber. Schon im Teich zu schwimmen, war ein seltsames Gefühl gewesen. Wenn es nun aber diese von Felsen herabströmenden Tonnen Wassers betrachtete, fragte es sich, ob es doch nicht klüger war, sein Glück in dieser neuen Welt zu versuchen.


    Mit einiger Überwindung trat es nach vorn und sprang ab. Hektisch mit den Füßchen paddelnd kam es wieder an die Oberfläche und holte tief Luft. Die eisige Kälte des Wassers schnitt in seine Atemwege, doch es atmete ein, bis seine Lungen gefüllt waren, und tauchte entschlossen ab.


    Kleine silbrige Perlen tauchten vor seinen Augen auf, und plötzlich spürte es einen unwiderstehlichen Sog. Erschrocken wollte es auftauchen, doch das Wasser prasselte auf seinen Rücken mit der Wucht von Tausenden Schlägen. Die Luft wich aus seinen Lungen, als etwas mit der Kraft eines fallenden Eisblocks auf seine Schulter schlug. Das Kätzchen wurde Unterwasser herumgewirbelt, versuchte seinen Kopf vor dem niederprasselnden Wasser zu schützen, und verschluckte sich. Schwarze Punkte tauchten vor seinen Augen auf, als es seine Kraft zum Kämpfen langsam verließ. Seine Muskeln erschlafften, und sein zarter Körper wurde von der Wucht des nassen Elements herumgeschleudert.


    Sollte es jetzt das Ende sein? Ein scheinbar letzter Moment völliger Klarheit drang durch den Nebel des Schmerzes in Enecos Lungen, drang durch die Verzweiflung in seinem Kopf. Nein. Hier war der Weg noch nicht zuende. Es würde nach Hause finden.
    Mit einer letzten Kraftanstrengung entfernte es sich von dem Strudel. Kaum spürte es feuchte Erde unter seinen Pfoten, brach das Kätzchen zusammen.


    ***


    Ich lehnte mich zurück und genoss die frische Brise des Windes, der mich umspielte. Das Kätzchen sprang elegant neben mich und legte seinen Kopf auf meine Brust. Es war fast, als hätte es sein Weg letztlich zu mir geführt, das spürte ich. Doch was sollte ich, ein junges Mädchen, schon von solchen Dingen verstehen? Ich warf dem Bücherstapel neben mir einen abschätzenden Blick zu. Heute würde ich nichts mehr finden. Vielleicht war es das Werk des Schicksales, dass ich ausgerechnet jetzt auf dieses fremde Wesen getroffen war. Vielleicht war es ein Hinweis darauf, was ich plante mit meinem Leben anzufangen. Ob es nichts anderes gab außer Streit und Zwist.
    Vielleicht gab es tatsächlich eine andere Welt. Eine Welt des Friedens. Und dieses Kätzchen war der Botschafter.
    Ich lächelte über meine eigenen Gedanken und kraulte das rosa Fellknäuel hinter den Ohren. Der Wind trug den Duft der Rosen zu mir. Vielleicht könnte ich ihm einst in seine Welt folgen. Vielleicht gab es einen Weg, all das Übel hinter sich zu lassen.
    Ich dachte an die unbekümmert strahlenden Augen des Kätzchens und spürte eine unbekannte Kraft in mir aufkommen. Überrascht begutachtete ich das kleine Wesen, das sich anscheinend zu meinem Beschützer erkoren fühlte, und wusste endlich, wessen Stimme ich immer und immer wieder in meinen Träumen gehört hatte.


    Wir waren wie dazu geschaffen, die Welten zu vereinen. Als hätte jeder von der Existenz des anderen gewusst.

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    [tab=5. Platz]

    PikaFan1995


    Der Stromausfall


    Hallo! Ich heiße Eneco und meine große Leidenschaft sind Bücher. Ich lese immer und überall, soviel es nur geht. Ich habe sogar von meinen Eltern eine richtige kleine Bibliothek geschenkt bekommen, in der ich alle meine Bücher und Lexika unterbringen kann. In der Grundschule bin ich auch der beste Leser in der Klasse. Sogar meine Lehrer bewundern mich!
    Anders dagegen ist mein großer Bruder Snubbull. Der schaut immer nur fern. Er erzählt ständig vom laufenden Programm und was seine Lieblingsfilme sind, "Harry Pottaro" oder "Herr der Ursaringe“, aus denen er mir immer erzählt. Und seine Lieblings-TV-Serien „Detektiv Corasonn“ und „Die Sendung mit dem Mauzi“ kommen auch in jedem Gespräch vor. Ein bisschen nervt mich Snubbull damit, vor allem, wenn ich in Ruhe lesen möchte.
    Meine Lieblingsbücher, die ich ständig lese, sind „Struwwel-Pelipper“, „Mobai und die Zeitdiebe“ und "Flurmel aus dem Eis", mein Lieblingsbuch. Am allerliebsten lese ich draußen vor unserem Teich, denn dort höre ich den Fernseher nicht und kann beim Plätschern gemütlich lesen. Das ist viel besser als Fernsehen, denn ich muss mich nicht mit Werbung und Wiederholung herumschlagen.


    Letzte Woche aber hat Snubbull plötzlich laut losgeschrien sodass mir beinahe das Buch ins Wasser gefallen wäre. "Was ist denn passiert?" rief ich ins Haus hinein. "Wir haben keinen Strom! Der Fernseher geht nicht! Und dabei läuft doch gerade 'Tigerenton-Club'!" - "Dann lies' eben ein Buch!" war meine Antwort. Snubbull kam zu mir und fragte mich entnervt: "Aha, und welches?" - "Vielleicht 'Besuch der alten Burmadame' oder 'Natu der Weise'?" - "Och nöö! Wie wär's mit 'Flurmel aus dem Eis'?" - "Aber das lese ich doch gerade! Siehst du?" Snubbull meinte darauf: "Komm, du liest das doch schon zum x-ten Mal. Jetzt bin ich an der Reihe!" - "Ich bin aber noch nicht fertig!" - "Na und? Du kennst es doch auswendig! Gib' es mir jetzt!"


    Ich verneinte erneut. Als Antwort darauf hatte ich Snubbulls Pfote im Gesicht. "Hey!! Jetzt hör' doch auf damit! Du kannst es haben, wenn ich fertig bin!" - "Ich will es aber jetzt haben!" - "Lass' doch jetzt diesen unsinnigen Streit. Das Buch ist doch gleich zu Ende", versuchte ich meinen aufgebrachten Bruder zu beruhigen. "Wir haben tausend Bücher im Regal! Du kannst genauso gut 'Die Vorstadtganovile' oder 'Des Kadabras neue Kleider' lesen. Oder du suchst 'König Arktos und die Ritter der Tafelrunde', das ist auch gut." Snubbull schien das nur noch wütender zu machen. "Gib mir jetzt das Buch! Ich kann dich beißen, wenn du das möchtest!" - "Nein, aber wenn du mich jetzt in Ruhe fertig lesen lässt, kann ich es dir in fünf Minuten geben!" - "Und was mache ich die fünf Minuten lang? Mit ist langweilig!"
    „Kennst du denn überhaupt noch etwas anderes als deinen Fernseher? Du siehst doch, wie abhängig du vom Strom geworden bist! Such dir einfach irgendein Buch und lies in einer stillen Ecke. Es ist doch egal, welches Buch. Irgendwann geht der Strom wieder an!“ Langsam besänftigte Snubbull sich wieder. „Oder ich lese dir aus meinem Búch etwas vor.“ - „Au ja!“


    Doch daraus wurde nichts, denn just in diesem Moment ging der Fernsehapparat wieder an. "So ein Glück! Jetzt kann ich wieder fernsehen! Weißt du was? Nachher läuft noch 'Die Märchen der Gebrüder Griffel'! Und dann 'Klingplim Knopf' - ist das nicht toll?" Schlagartig war Snubbull wieder der alte - typisch! Während Snubbull sich wieder dem TV-Programm zuwand konnte ich mich wieder gemütlich in mein Buch vertiefen. Und wieder gab es nur das sanfte Plätschern vom Teich, mich und meine Buchstaben. Na ja, fast. Jetzt hatte ich Snubbull letztendlich doch noch von den Büchern überzeugen können. So saß er nun neben mir und las „Das fliegende Kleinstein“. Ich war beruhigt, dass der Fernseher auch mal eine Pause bekam.
    Und die Moral aus der Geschicht':
    Ohne Strom gibt es kein Licht
    doch Bücher brauchen das ja nicht.
    Darum, das ist meine Sicht,
    ist Bücher lesen einfach Pflicht.

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    ηιgнтωιѕн~


    Kein Titel 1


    Hastig hüpfte das kleine Eneco die Treppe zum Speicher im höchsten Turm des Wolkenschlosses hinauf. Es mussten nur noch ein paar Treppen sein, bis es endlich oben angelangt sein würde. Es freute sich schon die ganze Zeit, endlich mal wieder hier oben zu sein. Schließlich hatte es – völlig außer Puste - den Speicher erreicht. Es blickte um sich herum und sah, dass sich in den Decken des rundlichen Raumes Spinnennetze gesammelt hatten und auch die Luft fühlte sich ein wenig trocken an. Es ging auf das Regal zu, aus dem es sich jedes Mal ein Buch zum Lesen aussuchte, wenn es hier hoch kam, und sah sich die Titel durch. Nach kurzer Bedenkzeit nahm es ein altes Buch heraus, welches den Titel „Das ewige Wasser“ trug. Also kuschelte sich das kleine Pokémon in die warmen, flauschigen Decken und begann die Geschichte zu lesen.


    Es gab eine Zeit, da lebten Pokémon friedlich und harmonisch miteinander. Die kleineren Pokémon spielten auf den Wiesen zusammen, lachten, tollten auf dem frischen, grünen Gras herum und neckten sich gegenseitig. Man teilte alles und sogar die größeren und älteren Pokémon vertrugen sich und waren glücklich. Doch es sollte der Tag kommen, an dem sich dieses friedliche Bild verändern sollte.


    Es war ein gewöhnlicher Morgen, und die Sonne kitzelte die noch etwas schläfrigen Pokémon mit ihren warmen Sonnenstrahlen, als ein etwas dunkel aussehendes Pokémon mit einem Hut auf einem Hügel erschien. Es war eindeutig ein Traunmagil. Man konnte seine düstere Aura schon von weitem spüren und sogar der Sonne schien ein kleiner Schauder über den Rücken zu laufen.


    „Kommt her, ihr Pokémon, die Kleinen und die Großen, von nah und von fern, kommt her, ihr Pokémon“. Alle schienen verwundert zu sein und so langsam sammelte sich eine kleine Menge an Pokémon in Form eines Halbkreises vor dem fremdem Traunmagil. Es schien seine Ansprache fortsetzen zu wollen. „Von weit her bin ich gepilgert, euch zu bringen, eine Weisheit meines Meisters“. Verwirrung machte sich breit, denn keiner wusste so genau, worum es sich dabei handeln konnte. „Wie ich sehe, scheint ihr euch zu fragen, was dies wohl sein könnte. Es ist nichts anderes, als das ewige Wasser!“.


    „Das ewige .. was?“, „Was für ein Wasser?“, „Wie meint er das?“. Doch Traunmagil setzte seine Rede fort:“Ruhe, bitte. Ich bitte um Ruhe. Ich werde zunächst erklären, was das ewige Wasser ist. Wer von dieser mysteriösen Flüssigkeit trinkt, der wird für immer leben. Es kann jedoch nur einer davon trinken. Darum werde ich euch eine Frage aufgeben, und es wird sich zeigen, welches weise Pokémon in der Lage ist, dies zu lüften.“


    „Nun denn, hier ist das Rätsel. Die Frage lautet: Welches Pokémon ist dazu fähig, einen Stamm von Pokémon zu leiten, zum mächtigsten Stamm, stärker als alle anderen Pokémon hier in diesem Land?“ Es war jedem natürlich klar, dass Traunmagil auf die Pokémon, welche hier lebten, anspielte. Doch wer sollte nun das Pokémon sein. Es ergab sich also, dass die Pokémon anfingen zu diskutieren. Sollte es Rihornior sein, denn er wer der stärkste von allen? Oder Snobilikat, denn es war flink wie ein Wiesel? Oder doch Simsala, denn es war sehr weise und schlau? Die Pokémon stritten tief in die Nacht hinein, doch sie konnten sich auf niemanden einigen. Wer sollte also der neue Anführer der Truppe werden? Da ergriff Lektroball das Wort: „Lasst mich euer Anführer werden. Ich bin sowohl stark, als auch schnell, und ich habe auch schon viel Erfahrung in einigen Pokémonkämpfen gesammelt. Doch keiner war damit so wirklich einverstanden und so ging der Streit weiter.


    Am nächsten Tag lies Traunmagil die Pokémon erneut versammeln. „Nun, wer gibt mir nun die Antwort auf meine Frage?“. „Ich wäre für…“, „Ich denke eher,…“, „Nein, es wäre besser, wenn…“ und die Diskussion fing von vorne an. Doch da hörte man plötzliche eine laute Stimme aus der Menge: „Ruhe! Ich werde euer Anführer sein!“. Es war Lektroball und die Pokémon starrten ihn mit Entsetzen an, als er plötzlich anfing zu leuchten. „Ich kann nichts mehr sehen - …“ Es war Lektroballs verheerende Explosions-Attacke. Danach sah man für einen kurzen Moment nichts mehr…


    Da schaute sich Traunmagil um: Da waren nur noch die vielen Pokémon, welche erschöpft auf der Wiese lagen. Da lief Lektroball auf das Traunmagil zu. „Wie du siehst, kann nur ein Lektroball der perfekte Anführer sein. Das einzige Pokémon, welches sowohl stark und schnell ist, sowie genug Erfahrung für einen guten Anführer hat. Traunmagil überlegte einen Moment und musterte das Lektroball, welches vor ihm stand. Da ergriff es das Wort: „Du hast recht – Nur ein Lektroball kann dazu in der Lage sein. Hiermit überreiche ich dir das ewige Wasser“. Lektroball wollte gerade aus dem goldenen Kelch trinken, welchen Traunmagil ihm hinhielt, als es hinzufügte: „Doch sieh dich um – mit wem kannst du es jetzt noch teilen…?“

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    [tab=7. Platz]

    Feuerdrache


    Mein neues zu Hause


    „Wo sind Sophie und Phil?“, fragte Herr Schulz, nachdem er mich nach Feierabend abgeholt und mit nach Hause genommen hatte.
    „Ich habe die beiden schon ins Bett geschickt, weil sie ohne meine Erlaubnis im See gebadet haben und ich nicht möchte, dass sie sich erkälten. Außerdem haben sie heute mal wieder mit einander gestritten“, antwortete seine Ehefrau. Als sie bemerkte, dass ihr Mann mich dabei hatte, deutete sie auf mich und fragte: „Ist es das?“
    „Ja, das ist es. Eigentlich wollte ich es den Kindern gleich zeigen, aber vielleicht machen wir das doch besser morgen Früh.“
    „Morgen Mittag wäre besser“, wandte die Frau ein, „denn am Vormittag müssen die beiden zur Schule und in den Kindergarten.“
    „Du hast Recht.“
    Ich hatte also die Nacht und einen Vormittag Zeit, bevor ich die Kinder der Familie kennen lernen würde. Die Nacht verlief eigentlich so, wie man es erwarten konnte: Meine neuen Herrchen wiesen mir einen Schlafplatz zu, und dort schlief ich wie eigentlich jedes normale Haustier die Nacht durch. An nächsten Vormittag hatte ich jedoch die Gelegenheit, einmal in den Garten zu kommen. Wie ich heraus fand, befand sich das Grundstück der Familie Schulz direkt am Ufer eines Sees, und der Garten bestand hauptsächlich aus einer Rasenfläche, aber auch einige noch recht junge Obstbäume waren entlang des Zaunes zu den Nachbarn gepflanzt.
    Ich hatte gerade damit angefangen, vor Langeweile meinen Schwanz zu jagen, als ich von jenseits des Zaunes ein Taubsi zwitschern hörte: „So so, die Schulzes haben jetzt also auch ein Haustier.“ Diese Worte hatten mein Interesse geweckt, und als das Vogelpokémon dies mitbekam, wandte es sich an mich: „Pass auf, dass es dir nicht auch so ergeht wie dem Stofftier des Jungen.“
    „Wieso, was ist denn damit passiert?“, fragte ich.
    „Das ist eine etwas längere Geschichte“, antwortete das Taubsi etwas ausweichend, „und ich kenne auch nur einen Teil davon.“
    Allerdings ließ ich mich davon nicht zurückweisen, und schließlich begann das Taubsi seine Erzählung:


    Die Familie Schulz war vor gut einer Woche in dem Haus am See eingezogen, und soweit das Taubsi es in dieser Zeit mit bekommen hatte, kamen die beiden Kinder nicht wirklich gut mit einander aus. Es gab zwar ein paar gemeinsame Interessen, aber meistens spielte jeder der beiden für sich selbst. Manchmal brach zwischen den beiden jedoch ein Streit aus, und am Nachmittag des Tages, an dem ich abends bei der Familie Schulz einziehen sollte, spitzte sich ein solcher Streit dramatisch zu.
    Eigentlich hatte alles recht harmlos angefangen: Die Eltern hatten den beiden Kindern versprochen, dass sie in dem neuen zu Hause auch ab und zu im See baden durften, und Phil konnte dies kaum noch erwarten. Tatsächlich war die Jahreszeit für solche Aktionen noch viel zu früh, und deshalb waren die Eltern auf die Bitten des Jungen bis jetzt auch noch nicht eingegangen. Als die Mutter an diesem Nachmittag einige Stunden unterwegs war, um in der Stadt einzukaufen und der Vater wegen seiner Berufstätigkeit auch nicht zu Hause war, ergriff der Junge jedoch die Gelegenheit, zog sich schnell eine Badehose an und sprang ins kalte Wasser. Seine große Schwester war deutlich vernünftiger, und sie hatte auch schon verstanden, warum die Eltern den Badespaß bisher nicht erlaubt hatten. Also rief sie ihrem Bruder zu, dass er sofort wieder heraus kommen sollte.
    „Wieso sollte ich?“, fragte er nach.
    „Mama und Papa haben uns das Baden nicht erlaubt.“
    „Die brauchen das doch nicht zu wissen.“
    „Außerdem ist es zum Baden noch viel zu kalt.“
    „Im ersten Moment vielleicht. Aber mit der Zeit gewöhnt sich dein Körper an die Temperatur. Komm doch auch ins Wasser, es macht richtig Spaß zu baden.“
    „Nein, ich komm sicher nicht ins Wasser“, entschied das Mädchen. „Dafür habe ich zu viel für die Schule zu tun. Und wenn ich dich schon nicht vom Baden abhalten kann, mache ich lieber meine Hausaufgaben.“ Das Mädchen verschwand im Haus, während der Junge ihr noch nach rief: „Tu mal nicht so, als ob du viel zu tun hättest. Du hast doch bis eben noch mit deinen Puppen gespielt!“
    Nur kurz darauf kam Sophie wieder heraus in den Garten. Sie hatte sich von drinnen ein Schulbuch geholt und machte es sich jetzt auf dem Rasen gemütlich, um darin zu lesen.
    Etwa zehn Minuten lang ließ der Junge seine Schwester tatsächlich in dem Buch lesen. Dann wandte er sich erneut an sie: „Was ist? Hast du es dir inzwischen anders überlegt?“
    „Nein, ich komm’ nicht ins Wasser“, antwortete seine Schwester ohne von dem Buch aufzublicken.
    „Du und deine Bücher“, meckerte Phil, verließ nun den See und schlich sich an seine Schwester heran. Mit einem schnellen Manöver entriss er ihr das Buch und warf es in den See. „So, jetzt hast du keine Ablenkung mehr. Spielen wir nun mit einander?“
    Über diese Aktion war das Mädchen im ersten Moment sprachlos. Einige Momente später sagte sie: „Mit so einem Fiesling spiele ich nicht. Warte mal ab, was Mama dazu sagt, wenn sie erfährt, wie du mit meinen Schulsachen umgehst.“ Ohne lange zu überlegen, lief sie nun zum Ufer und versuchte, das Buch wieder aus dem Wasser zu fischen. Da der Junge es allerdings recht weit geworfen hatte, erreichte sie es nicht. Sie wollte es schon aufgeben, als Phil sie mit der Bemerkung: „Du musst deinen Arm noch etwas weiter strecken“ anschubste, so dass sie in das Wasser fiel. Da ihre Kleidung nun sowieso schon durchnässt war, holte sie ihr Schulbuch aus dem Wasser, fing aber auch an, ihren Bruder regelrecht auszuschimpfen. Die genauen Schimpfwörter, die sie dabei verwendete, wollte das Taubsi in seinem Bericht an mich lieber nicht wiederholen.
    „Wieso regst du dich überhaupt so auf? Bei deinem Buch handelt es sich doch nur um ein Buch.“
    „Nur ein Buch? Das ist ein Schulbuch, und das brauche ich, wenn ich etwas lernen will.“
    „Du hast doch noch genügend andere Schulbücher. Reichen die dir etwa nicht?“
    „Du verstehst das nicht. Nur weil es im Kindergarten noch keine richtigen Bücher gibt, musst du noch lange nicht meine Schulsachen zerstören. Wie würde es dir gefallen, wenn ich dein Eneco ins Wasser werfen würde?“
    „Das wagst du nicht.“
    „Und ob!“, rief das Mädchen, schnappte sich das Plüschpokémon, mit dem ihr Bruder vor dem Badespaß gespielt hatte, und warf es in den See.
    Jetzt war es der Junge, der seine Schwester mit Schimpfwörtern bewarf, die das Taubsi nicht wiederholen wollte. Bevor diese darauf jedoch groß reagieren konnte, mischte sich die Mutter der beiden Kinder in den Streit ein: „Phil! Sophie! Hört auf zu streiten.“ Die Frau war inzwischen von dem Einkaufen zurück gekommen, und mit einem Blick in den Garten hatte sie bemerkt, dass sie die Kinder zur Vernunft bringen musste. Weil Phil immer noch seine Badehose und Sophie noch ihre nassen Kleider trug, schickte die Mutter die beiden als nächstes in ihre Zimmer, wo sie sich abtrocknen und trockene Wäsche anziehen sollten.


    „Wie die Mutter weiter auf den Streit der beiden Kinder reagiert hat“, beendete das Vogelpokémon seinen Bericht, „kann ich dir allerdings nicht sagen, weil sich der Rest in dem Wohnhaus abgespielt hat und ich das so von hier aus nicht mitbekommen konnte.“ Ohne abzuwarten, ob ich noch Rückfragen stellen würde, erhob sich das Taubsi und flog davon.
    Zunächst war ich nicht sicher, was ich von dieser Geschichte halten sollte. Hatte das Taubsi das alles erfunden oder war das alles so passiert? Als ich noch etwas über die erzählten Ereignisse nachdachte fiel mir auf, dass das Taubsi nicht erwähnt hatte, dass irgend jemand das Plüschpokémon aus dem Wasser geholt hatte. Also lief ich zum Ufer und entdeckte tatsächlich ein Stoff-Eneco in dem See.
    Etwa eine halbe Stunde später waren die Kinder von der Schule und von dem Kindergarten nach Hause gekommen, und ihre Mutter führte die beiden in den Garten. „Wer hat denn das Eneco aus dem Wasser geholt?“, fragte der Junge, als er mich sah. Seine Schwester stellte jedoch fest: „Das ist nicht dein Plüschpokémon, sondern ein echtes Eneco.“ Danach liefen die beiden Kinder auf mich zu und fingen an, mich ordentlich zu umarmen. „Ich bin froh, dass wir jetzt ein Haustier haben“, behauptete Sophie, und ihr Bruder stimmte ihr zu.
    Seit diesen Ereignissen ist schon einige Zeit vergangen, und anders als ich es nach der Geschichte des Taubsis erwartet hatte sind die Kinder wirklich freundlich. Es gibt zwar manchmal Streit zwischen den beiden, aber den gibt es wohl in jeder Familie.

    erreichte 2 Punkte von insgesamt 53 vergebenen

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    Yuki95


    Die Kraft der Freundschaft


    Jay saß am Ufer des großen Sees und blickte verträumt auf die andere Seite, wo er ein paar kleine Quapsel beim Spielen beobachtete. Alles an diesem Ort war so friedlich. Kaum vorzustellen, dass hier irgendetwas Gefährliches leben sollte.„Hey, ich hab dich was gefragt!“, riss Sophie ihn aus seinen Gedanken. Sie kam auf ihn zu und hielt ihm ein Buch unter die Nase. „Was ist das?“, fragte Jay. Sophie setzte sich ärgerlich neben ihn und deutete auf eine Seite voller Kochrezepte. „Ich hab dich gefragt, was du heute essen willst. Spaghetti? Oder lieber einfach nur Salat?“ Jay zuckte ungeduldig mit den Schultern und kramte stattdessen in seinem Rucksack. Er hatte im Moment wirklich Wichtigeres zu tun, als übers Essen nachzudenken. Seine Hand streifte die verschiedensten Gegenstände von Zahnbürsten bis zu Schokoriegeln. Ganz unten fand er schließlich, wonach er suchte. Er öffnete die Schachtel mit seinen sechs Orden und starrte sie glückseelig an. Gleich morgen würde er die Chance bekommen, um seinen siebten Orden zu kämpfen, doch vorher wollte Sophie unbedingt an den See des Zorns kommen, um das sagenumwobene rote Garados zu sehen. Bis jetzt war jedoch noch alles still und die Beiden genossen einfach die Ruhe nach der anstrengenden Wanderung hierher.„Jay!!!“ Er schreckte auf. „Würdest du mir jetzt BITTE sagen, was du essen willst?“, knurrte Sophie. Warum mussten Mädchen sich immer gleich so aufregen? Als wenn es so wichtig wäre, was sie zu essen machte. Es schmeckte sowieso nicht! „Spaghetti“, antwortete er, um seine Ruhe zu haben. Knirschend stand die Käfersammlerin auf und machte sich ans Werk. Gerade als Jay seine Orden wegpacken wollte, sah er im Augenwinkel eine kurze Bewegung. Was könnte das gewesen sein? Neugierig starrte er auf einen kleinen Busch, nicht weit von ihrer Campingstelle. Aber da war nichts. Vielleicht hatte er sich auch nur eingebildet. „Ist irgendwas?“ Jay fuhr zusammen und ließ vor Schreck seine Orden fallen. Mit einem leisen Blupp verschwand die Schachtel im Wasser. Ungläubig starrte er auf die Stelle, von der aus sich nun kleine Wellen bis zum Ufer ausbreiteten. Nicht seine Orden, das konnte doch nicht wahr sein! Und alles nur wegen diesen blöden Spaghetti. Verdammt, was sollte er jetzt machen? Sophie war zu ihm gekommen. „Tut mir leid. Ich wollte dich nicht erschrecken.“ Er drehte langsam den Kopf in ihre Richtung und kochte innerlich vor Zorn. „Es tut dir leid?“, stieß er gepresst hervor, „Was bitte soll ich ohne meine Orden machen?“ „Komm schon, die kriegen wir da doch sofort wieder raus!“ „Meinst du vielleicht ich spring in einen See, indem ein rotes Garados sitzt?!“, fuhr er sie an und durchbohrte sie mit seinen tiefblauen Augen. Herausfordernd hielt Sophie seinem Blick stand. „Gut, dann nimmst du eben eines deiner Pokémon!“ Siegessicher strahlte sie. Die Idee war schlicht und ergreifend so genial, dass er darauf einfach nichts erwidern können würde. Oder doch? „So wenig bedeuten dir also meine Pokémon? Meinst du, ich lass sie zu dem Garados? Du bist doch verrückt! Schick doch eins von deinen Pokémon!“, schrie er erhitzt und trat gegen einen Stein der neben seinen Orden im tiefen Wasser des Sees verschwand. „Falls es dir entgangen sein sollte, Käferpokémon können nicht schwimmen!“ Während ihr Streit immer heftiger wurde, raschelte es in der Nähe erneut, doch die beiden Trainer nahmen dies nicht wahr. Vorsichtig lugte Jemand zwischen den Ästen hindurch. Warum die Beiden da wohl stritten? Egal, es war jedenfalls der perfekte Moment. Langsam schob sich die kleine Gestalt an den Büschen entlang und kam schließlich am Lagerplatz an, wo ein großes Päckchen Pokémonfutter stand. Immer darauf bedacht nicht entdeckt zu werden, krallte es sich die Packung und schlich weg. Gerade als der schützende Waldrand wieder in greifbarer Nähe war, blieb das Wesen an einer Wurzel hängen, stolperte und fiel mit einem lauten Krachen auf den Boden. Jay drehte mitten im Argumentieren den Kopf. Vor lauter Überraschung vergaß er glatt, dass er sauer auf Sophie war und guckte ersteinmal ein paar Sekunden ungläubig auf das Knäuel am Boden. „Da ist ein Eneco!“, rief er. „Moment mal, was machst du da mit unserem Essen?“ Panisch war das kleine Eneco in die falsche Richtung geflüchtet: Direkt auf den See zu. Sophie schnappte sich einen ihrer Pokébälle und warf ihn schwungvoll in die Luft, wo er sich in einer vollkommenen Drehung öffnete. „Smettbo, hol unser Essen zurück!“, rief sie und Smettbo nahm die Verfolgung auf. Während des Laufens drehte sich Eneco immer wieder um und entging nur knapp ein paar erneuten Stolperpartien. Schließlich blickte es einen Moment zu lange nach hinten und da passierte es: Es übersah eine kleine Mulde im Boden und fiel der Länge nach auf den Sand am Rand des Sees, in den sich nun die Packung Pokémonfutter ergoss. Sophie rannte weiter auf Smettbo und Eneco zu, die nun Beide gebannt und erschrocken auf den See blickten. Gerade so, als würden sie spüren, dass etwas nicht in Ordnung wäre. „Was habt ihr denn?“, fragte sie. In diesem Moment begann Jay hinter ihr zu schreien. „Weg da!“, rief er. Gerade noch rechtzeitig warf er sich auf Sophie, Eneco und Smettbo und brachte sie so aus der Schusslinie. Da, wo vor einer Sekunde noch die Drei waren, befand sich jetzt der riesige Schwanz des roten Garados, welches, von dem Futter angezogen, aufgetaucht war. Es peitschte das Wasser auf und blickte hektisch umher. Jay bedeutete den Anderen ruhig zu sein und sie schlichen sich leise weg. Doch Garados nahm sie trotz alledem war, drehte sich in ihre Richtung und eine mächtige Drachenwutattacke zwang sie nach zwei Seiten davon zuspringen. Sophie warf sich über das verängstigte Eneco und brachte sich so vor einer weiteren Attacke in Sicherheit. Smettbo versuchte Garados mit ein paar Superschall-Attacken durcheinander zu bringen, aber nicht eine Einzige traf ihr Ziel: Das Garados schien jeden Angriff voraus zu sehen. Sie hatten nur noch eine Hoffnung. Jay sah sich nach seinem Rucksack um und entging dabei nur knapp einigen weiteren Angriffen. Schließlich entdeckte er ihn nur wenige Meter von ihm entfernt. Er warf sich auf den Rücken, griff nach seinem Rucksack, erwischte einen der Trageriemen und zog einen Pokéball heraus. „Lanturn! Wir brauchen deine Hilfe!“, rief er und warf den Ball ins Wasser. Lanturn tauchte sofort unter und entging so im letzten Moment einer Hydropumpe des wütenden Garados, welche stattdessen Sophie und Eneco traf, die von der Wucht des Wassers drei Meter nach hinten geschleudert wurden. „Ladungsstoß!“, wies Jay sein Lanturn an. Während das Wasser gelb aufleuchtete und Garados ein paarmal zuckte, sprang er auf die Beine und rannte zu Sophie und Eneco, die ziemlich mitgenommen aussahen. Lanturn und Smettbo griffen zusammen an, doch ihre Attacken konnten fast nichts ausrichten. Dieses Garados hatte eine unglaubliche Kraft! Immer wieder wankte es kurz, doch kein Treffer konnte ihm wirklich gefährlich werden.
    Sophie klammerte sich an Jays Arm und zog sich vorsichtig hoch. Eneco stand zitternd vor ihnen, offenbar total verängstigt. Im nächsten Moment traf Garados´ Schwanz Sophie und Jay und schleuderte sie weg. Die Beiden landeten wenig entfernt auf ihren Schlafsäcken und verharrten dort ganz still. Das rote Garados drehte sich um, auf der Suche nach dem Widerstand hinter ihm und setzte zu einer letzten vernichtenden Drachenwut an. Smettbo und Lanturn versuchten verzweifelt seine Aufmerksamkeit zurückzugewinnen: Vergeblich. Als es schon zu spät schien, warf sich Jay schützend über Sophie und hoffte aus das Beste. In diesem Moment rannte Eneco entschlossen auf Garados zu und versetzte ihm eine Risikotackle, die sich gewaschen hatte. Vollkommen perplex fiel Garados nach hinten. Lanturn gab ihm mit einem Ladungsstoß den Rest und erschöpft sank das wütende Pokémon zurück in die Tiefen des Sees.
    Eneco ließ sich keuchend auf dem Boden nieder. Es war offensichtlich, dass es diese Attacke noch nie zuvor ausgeführt hatte. Erschöpft rappelten Jay und Sophie sich wieder auf, ihnen war zum Glück nichts weiter passiert. „Danke Eneco“, sagte Sophie und kam leicht schwankend auf es zu. „Ja, du hast und gerettet. Danke“, stimmte Jay ihr zu. Er sah Sophie an und sie verstanden sich ohne Worte. Genau das war es, was in ihrem Team bis heute gefehlt hatte! Jemand, der alles dafür tun würde, um seine Freunde zu beschützen und wer weiß, vielleicht konnte dieses Eneco ja auch ihre Streitigkeiten in Zukunft verhindern, die letztendlich zu diesem Zwischenfall geführt hatten? „Wir haben zwar im Moment nichts mehr zu essen, aber vielleicht möchtest du trotzdem bei uns bleiben?“; fragte Jay. Und Sophie fügte hinzu: „So tapfere kleine Kerlchen wie dich, können wir immer gebrauchen!“ Eneco stieß einen Freudenschrei aus und sprang auf Sophies Arm. Unbeholfen tätschelte sie es und grinste Smettbo an. „So viel zum Thema Käfersammler.“ Jay stimmte in ihr Lachen ein. „Ja, so schnell kann das gehen. Moment, wo ist eigentlich Lanturn?“ Just in diesem Moment stieg etwas aus dem See empor und schleuderte ein Kästchen in seine Richtung. „Vielen Dank, Lanturn.“ Lanturn gab einen Laut von sich, der stark nach kein Problem klang und gemeinsam machten die zwei Trainer sich daran Spaghetti zu kochen, um ihre leeren Mägen zu füllen und sich bei ihrem neuen Freund zu bedanken.

    erreichte 2 Punkte von insgesamt 53 vergebenen

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  • Ergebnisse
    Wettbewerb Nr.6: Traumszene Information | Vote


    [tabmenu][tab=1. Platz]

    Cáithlyn


    Der Traumgarten


    Das alt bekannte Panorama erstreckt sich vor mir. Der helle Sonnenball, die Klippe in oranges Licht getaucht, das Weidengras weiß leuchtend, sanft vom Wind bewegt. Die alte Buche, die ihre Äste leicht treiben lässt, die dunkelgrünen Blätter, die miteinander die Symphonie der Natur anstimmen. Zikaden, irgendwo im Gras, die ihren Teil zum Lied betragen, die Klänge, die Rufe der Vögel über meinem Kopf, dringen an mein Ohr. Obwohl das Szenario definitiv an einen Sonnenuntergang im Sommer erinnert, die angenehme Wärme und der Duft bleiben aus. Seufzend lasse ich mich auf die alte Schaukel fallen, die an einem der Äste des großen Baumes hängt. Die Füße kommen kaum auf, mit etwas Schwung bewegt sich das Schaukelbrett bald schon auf uns ab, immer schneller.


    Vor, zurück, vor und zurück. Auf, ab, auf und ab.


    Meine Haare folgen der Richtung nur widerwillig, in die ich mich bewege, der Wind spielt mit ihnen. Mir kommen die Worte meiner Freundinnen in den Sinn.
    „ Du kannst deine Träume steuern, tust aber jede Nacht das Selbe? Warum?“
    Weil ich es liebe. Ich hatte ihr nicht gesagt, was ich in meinen Träumen mache, das geht schließlich nur mich etwas an. Für sie wäre es vermutlich langweilig, ihre nächtlichen Ausflüge zu diesem Ort zu machen. Doch für mich ist es etwas besonderes. Die Zeit, die ich hier verbringen kann, bin ich frei. Vogelfrei, nicht mehr gefesselt an das kalte Krankenhausbett, das meinen Alltag bestimmt. Ich bin krank, tödlich krank. Eine Gen-Krankheit, die mich immer mehr einschränkte, das Leben ohne Hilfe unmöglich macht. Stundenlang betrachte ich täglich den merkwürdigen Apparat in meinem Zimmer. Die rote Kurve, die meinen Puls anzeigt.


    Auf, ab, auf und ab.


    Ich steige vom Schaukelbrett ab, wage einige Schritte auf die Klippe zu. Bisher habe ich mich nie getraut, über den Rand hinweg zu schauen. Der Traum war wie immer idyllisch, ruhig und sanft, ließ mich all die Sorgen vergessen. Ich blicke zum Himmel, der rote Ball ist immer noch an der gleichen Stelle. Die hellen Strahlen vermischen sich mit dem Nachthimmel, die Sterne und der Mond im Hintergrund funkeln weiß. Was mich dort wohl erwartet? Am Abgrund? Die Tiefen des Meeres, welches ich nur aus Erzählungen kannte? Ein weites Blumenfeld, so wie auf den zahlreichen Bildern in meinem Zimmer? Die Neugierde treibt mich vorwärts, aber ich zögere. Das Herz in meiner Brust droht zu explodieren, hart und schnell schlägt es in meinem Körper. Ist es ein Fehler, weiter zu gehen? Es ist ja nur ein Traum. Was soll schon groß passieren? Die Füße berühren das Gras am Boden, gleiten vorwärts. Langsam nähere ich mich der steinernen Klippe, steige auf einen Stein, mühsam aber ermutigt. Doch was mich erwartet, am Boden, den ich nicht einmal sehe, ist unvorstellbar. Unendliche Dunkelheit, erschreckend und zugleich interessant, schon fast lockend, erstreckt sich vor mir. Ich drehe mich um, will einen Schritt zurück tun, weil mich das Gesehene schockiert. Und plötzlich fällt mir ein, ich kann meine Träume doch beeinflussen. Die Augen zu Schlitzen verengt, die Hände zu Fäusten geballt an meiner Seite, stelle ich mir vor, wie die Dunkelheit dem bunten Blumenmeer weicht, doch es funktioniert nicht. Nein, eher im Gegenteil.


    Die Dunkelheit kriecht langsam näher, schleichend, aber von allen Seiten. Ich schaue zurück, zu der alten Schaukel. Sie ist schon verschwunden, in der Schwärze, die mir Angst einjagt. Ich versuche, meine Beine zu bewegen, kann es aber nicht. Sie sind wie festgewachsen, unbrauchbar. Mit einem Schlag holt die Realität mich ein. Meine Beine konnte ich schon lange nicht mehr gebrauchen, nur noch in meinen Träumen. Der erstickende Dunkelheit kommt weiter näher, kriecht mir die Beine hoch, den Unterkörper, beginnt, sich zu meinem Bauch hochzuarbeiten. Erschrocken stelle ich fest, dass es mich nicht mal mehr kümmert. War es so weit? Das letzte Mal habe ich den Garten meiner Träume nun also besucht. Tränen, bitter und verzweifelt, laufen mir über die Wange, werden verschluckt von der Masse, die nur noch meinen Kopf frei lässt. Der Hals verschwindet langsam in der Leere, meine rechte Wange fühlt den kalten Hauch des Todes, ich schließe meine Augen, stelle mir zum letzten Mal das Zimmer vor, in dem ich tagtäglich lag. Die Bilder, die Aussicht auf das Fabrikgelände, die karge Ausstattung. Und das Gerät, das meinen Herzschlag anzeigt. Wie es nun wohl aussieht?


    Auf, ab, auf und ab. Bis es von einem hohen, andauernden Piepton abgelöst wird, und der Punkt still steht.

    erreichte 20 Punkte von 64 vergebenen


    [tab=2. Platz]

    Leandy


    Spiegelbild des Nachthimmels


    Dunkelheit hatte sich über die Welt gelegt, vereinzelt blickten Sterne kalt durch die Wolken auf die kleinen Städte hinab, die wie Lichterketten in der Landschaft verteilt waren. Sie zerfraßen die wohltuende Finsternis und warfen scharfe Schatten in die Hügel der Umgebung.
    Ein leichtes Zittern ging durch den Untergrund. Lucian drehte sich im Schlaf auf die andere Seite und zog seine Bettdecke eng an sich. Ein angespannter Zug bildete sich um seine Mundwinkel.
    Das Rattern fuhr fort, wurde zu einem immer lauteren, eindringlicheren Geräusch. Ein scharfes Quietschen wie von heißgelaufenen Reifen schloss sich an, das metallisch und allzu vertraut klang. Die Erde erbebte immer mehr, unregelmäßig. Als ob man in einem fahrenden Auto sitzen würde.


    Lucian schreckte auf. Das Licht war angegangen, ein kaltes, neonfarbenes Licht. Nicht das Licht in seinem Zimmer. Kälte drang ihm durch die Haut. Die Luft schmeckte abgestanden und nach Plastik.
    Mit einem schmerzhaften Herzschlag überwand er sich und öffnete die Augen. Konnte es wahr sein?
    Er befand sich in einem weißen, schlicht eingerichteten Zugabteil. Niemand war zu sehen, weder in der Kabine noch draußen. Doch er war hier noch nie jemandem begegnet. Diese Welt war völlig ohne Leben.
    Keine Koffer auf den Ablagen, kein Kaugummi unter den Sitzen... die ganze Umgebung war wie ausgestorben. Lucians Körper verkrampfte sich. Er wusste, was jetzt kam, doch er hatte keinen Einfluss darauf. Mechanisch drehte er seinen Kopf nach rechts und starrte aus dem von Raureif überzogenen Fenster, wissend, dass ihm nur noch einige Sekunden der Ruhe vergönnt waren, bis ihn endgültig der Traum in seinen Fingern hätte.
    Blutunterlaufene, gerötete Augen mit einem grauen Schimmer starrten ihm gefühlslos entgegen, und Lucian erschrak. Ja, das war er selbst. Wie hatte es dazu kommen können? Wie lange hatte er schon nicht mehr traumlos geschlafen?
    Und es war oft ein und derselbe Traum. Dieser Zug... in jeder Einzelheit hatte er sich ihm eingeprägt. Das Hahnentrittmuster der grünen Sitze, die Aluminiumstäbe vor den immer vereisten Fenstern, das unrhythmische und sich doch wiederholende Rattern...
    Lucian lehnte den Kopf an den makellosen Sitz und starrte nach draußen. Eine tote Landschaft zog an den Fenstern vorbei, Grau - und Sepiatöne waren das einzige, das er durch die Scheiben erkennen und in der Dunkelheit ausmachen konnte. Unwillkürlich rückte er näher an die Fensterscheiben heran, und sein rotes Haar in der Spiegelung bildete bald den einzigen Farbklecks in seiner Sichtweite.
    Was bedeutete dieser Zug? War er in dem Traum überhaupt real? Und die Endstation - was würde diesmal dort auf ihn lauern? Welchen Stolperstein hatte ihm sein Unterbewusstsein wohl noch in den Weg zu stellen, den er noch nicht kannte? ,Meine Vergangenheit bietet jedenfalls genügend Material‘, dachte er bitter. ‚Siebzehn Jahre voller schlechter Erinnerungen.‘ Er schloss seine rechte Hand zur Faust. Gegen diese Gedanken musste er ankämpfen.


    Der Zug passierte zwei verlassene Bahnhöfe, nur unmerklich langsamer werdend. Die Radscheiben sirrten unheilverkündend und sprühten Funken. Vielleicht würden sie irgendwann nachgeben und er müsste diesen Traum nicht mehr alle paar Nächte durchwandern. Welch kalte Welt es hinter den Fensterscheiben gab, wollte er gar nicht wissen.
    Je länger er sich in die Landschaft draußen hineinvertiefte, desto unschärfer schien das Abteil zu werden. Sein eigenes Spiegelbild wachte mit misstrauischen Augen über ihn.
    Unbemerkt von Lucian färbte sich der gesamte Augapfel langsam rot, und das Abbild verblasste allmählich, bis nur noch ein Schatten von ihm an der Fensterscheibe zu sehen war. Genau, wie sein Leben verblasst war in den letzten Monaten... oder waren es sogar schon Jahre? Als alle, die er kannte, sich langsam von ihm abgewandt und nur noch ihn in der Leere der kalten Welt zurückgelassen hatten...
    Lucian schauderte. Falsche Gedanken, die zu nichts führten. Sein Bruder hätte ihm alles verzeihen können, doch so, wie es jetzt stand, gab es niemanden mehr, der das tun würde.
    'Was hab ich bloß getan?', wollte er in die Stille hinausschreien, doch seine Stimme versagte. Er blickte auf die spiegelbildlose Fensterscheibe, die ihm nun wie der Knotenpunkt der Finsternis vorkam. Vielleicht brauchte es so gar kein Spiegelbild mehr, um ihm zu zeigen, was sein Leben war.


    Schwarze Wellen der Erschöpfung überkamen ihn. Wie gern er sein Leben beendet hätte... aber es war ihm nicht möglich an dem Ort, an den seine Schuld ihn gekettet hatte. Wie dieser Zug fuhr auch er auch stets geradeaus und würde an der Endstation in den Abhang stürzen, so, wie es bisher immer gewesen war. Egal, wie schlimm dieser Traum auch immer war, aus ihm gab es ein Entkommen. Aus den Ketten seines Lebens nicht.


    Lucian spürte eine Bewegung hinter sich, und wusste, was nun kommen würde. Angst befiel ihn; er wollte sich nicht umdrehen, und ahnte doch, dass es keine andere Möglichkeit gab. Vielleicht musste er es dieses Mal noch mit offenen Augen überstehen.
    Wie von einer fremden Hand gelenkt warf er einen Blick hinter sich.
    Ein dunkles Wesen stand nur drei Zentimeter entfernt von ihm, das rote Haar fiel ihm über die Augen. Brandnarben zogen sich über sein gesamtes Gesicht, und ein diabolisches Grinsen wuchs von einer Seite zur anderen, spitze Zähne offenbarend. Es ließ die Schultern hängen und hatte einen Buckel, als trüge es eine schwere Last, und sein Kopf mit den alles verbrennenden Augen war gesenkt. Seine Füße gingen mit schwarzen Schlieren in den Boden über, und Ketten hingen von seinen ausgemergelten Armen herab.
    Lucian erschrak sich nicht mehr. Das Wesen war ihm vertraut und mit den nächtlichen Träumen ein Teil seines Selbst geworden. Vielleicht war es sogar sein Selbst.
    Er streckte die Hand aus und strich vorsichtig mit dem Zeigefinger über eine der Narben. Das Geschöpf ließ es geschehen. Nein, das war nicht er, er hatte keine Narben. Sein Bruder schon, doch der zeigte sein Gesicht nicht länger der kalten Welt.
    "Komm mit mir", flüsterte etwas in seinen Gedanken, und Lucian streckte die Hand aus. Kalte, leblose Finger umgriffen sie, doch es fühlte sich nicht bedrohlich an. Eher wie die Begrüßung eines alten Freundes. Das Wesen hob langsam den Kopf und schaute ihm in die Augen. Sein Grinsen erstarb, und alles Bedrohliche fiel von ihm ab. Jetzt war es nur noch ein kleiner, verängstigter Junge mit roten, katzenhaften Augen und ebensolchem Haar und Brandnarben im Gesicht, die ihn für immer entstellen würden.
    "Komm mit mir, Bruder", flüsterte der Kleine, und zog an seiner Hand. Sein Griff war erstaunlich kräftig, und so ließ sich Lucian von dem Jungen, der sich wie durch tiefes Wasser bewegte, zur Abteiltür führen. Der Zug ruckelte heftiger, und die Neonleuchten erzitterten. Lucian atmete die kalte Luft ein, die ihm entgegenschlug, als er auf den Flur hinaustrat, und erschauderte.
    Sein Bruder war verschwunden.


    Angstvoll krallte er sich an der Tür fest, und wusste doch, dass er nicht mehr zurückkehren konnte. Mechanisch wanderte er den Flur entlang, setzte schwankend einen Schritt vor den anderen, stolperte, stürzte aber nicht. Mit geschlossenen Augen lehnte er sich an die kalte Wand, wusste, dass sein Ziel bald erreicht wäre. Nur noch ein paar Schritte, und er würde in die Ketten seines Lebens zurückkehren. Er hörte schon in der Weite seiner Gedanken das Klirren des kalten Metalls.


    Lucian kam an eine Tür, eine Tür, die offen stand. Für ihn. Sie führte in das Fahrerhäuschen hinein, doch noch stand er unschlüssig davor. Die Klinke war weiß und aus Kunststoff, unpersönlich und ohne Spuren früherer Benutzung. Wie oft er sie schon mit angstvoll verkrampften Herzen heruntergedrückt hatte?
    Diesmal wollte er es um keinen Preis tun. Wollte nicht mit Panoramaaussicht aus dem Vorderfenster sehen, wie der Zug seines Lebens in den Abgrund stürzte, der sein Leben war.
    Zitternd sank er zu Boden und grub die Fingernägel in das Fleisch seiner Handfläche. Er spürte keinen Schmerz. Rote Blutstropfen rannen an seinem Arm entlang, träufelten auf den weißen Boden und versanken darin.
    Er spürte das angenehm vertraute Rattern des Bodens, hörte das Quietschen der Bremsen, als der Zug bemerkte, dass er auf sein Ende zusteuerte. Funken stoben von den Schienen unter ihm auf.
    Und er stürzte in den Abgrund hinein, der sein Leben war und immer sein würde.

    erreichte 16 Punkte von 64 vergebenen


    [tab=3. Platz]

    TCCPhreak


    InternatDR


    Ich hasste diese Schule schon am ersten Tag.


    Länger hat es nicht gebraucht. Ich kann mich genau an den Moment erinnern, in dem sich das Wort "Hass" in meinen Gedanken materialisierte: Ich stand vor dem Übersichtsplan und versuchte, den Raum zu finden, dessen Nummer auf einem Zettel in meiner Hand stand.


    Bis dahin hoffte ich noch, dass ich lediglich einen schlechten Start erwischt hätte und dass im Laufe der nächsten Tage der Regen aufhören und die Wolken sich lichten würden. Mit ein wenig Sonne könnte die Welt schon wieder viel schöner aussehen.
    In dieser Sekunde aber wurde mir klar, dass es kein "aufwärts" geben könnte und alles Niederschlagende kein unschöner Zufall, sondern lediglich Ergebnis des Normalzustandes hier war.


    ---


    Als ich völlig durchnässt mit Koffer und Rucksack an der Schule eintraf, war ein strenges "Wer bist Du?" die wenig freundliche Begrüßung.
    "Tobi Schmelter", erwiderte ich kurz. Ich wollte möglichst bald auf mein Zimmer und mich wenigstens ein bisschen abtrocknen - aber die Handtücher waren im Koffer.
    Der Mann sah über eine Liste.
    "Tobias", betonte er die letzte Silbe so dunkel, dass ich sofort beschloss, mit meinem Spitznamen in Zukunft vorsichtiger zu sein. Er fuhr fort, "Du bist spät."
    Ich sah auf meine Uhr. "Es hieß, man solle vor achtzehn uhr hier sein", antwortete ich überrascht. Es war halb fünf.
    "Ankunft: Drei Uhr", zitierte er aus irgendeinem mir unbekannten Dokument. Ich wusste genau, dass es "Anreise zwischen fünfzehn und achtzehn Uhr" hieß, aber der Mann schien mir nicht in der Stimmung zu sein, Fehler einzusehen.
    Ich hatte ohnehin mit drei Uhr geplant. Der Rest war nur Sicherheitspuffer. "Die Bahn...", ich zögerte, "... fiel aus." Das war im Prinzip die Wahrheit. Die weitergehende Wahrheit war, dass wegen eines "Personenunfalls" die Strecke gesperrt wurde und dass ich deswegen zwei Stunden lang im örtlichen Regen stand. Die ausführliche Wahrheit war, dass ich mich mit anderen Fahrgästen unterhalten hatte und mir die Ortskundigen erklärten, das wäre hier - in der Nähe des Internates - an der Tagesordnung. Ich glaubte allerdings nicht, dass eine ausführliche Schilderung meine Situation verbessern könnte.
    Er musterte mich und schien mich zum ersten Mal wirklich anzusehen, zum ersten Mal festzustellen, dass mir noch Regen aus den Haaren, dem Gesicht und der Kleidung tropfte. "Hast Du keinen Schirm?" fragte er fast angewidert.
    "Ich hatte einen", bloß keinen Humor in die Stimme legen, "ging heute kaputt". Auch hier war die komplette Wahrheit länger. Als der Zug endlich in der Stadt eintraf, regnete es in Strömen. Es hatte ziemlich exakt bei der Stadtgrenze angefangen und ich dachte mir schon, dass der plötzliche Start wie aus einem schlechten Film wäre. Als ich probierte, meinen Regenschirm aufzuspannen, riss der Sturm ihn mir aus den Händen. Bevor ich hinterherrennen konnte, war er auch schon verschwunden und ich fühlte mich dem sintflutartigen Wasser ausgeliefert.


    Es schien, als hätte er jetzt nichts mehr zu makeln. Er öffnete die Tür hinter sich und bat - nein, befahl dort "Frau Keller, bringen sie Tobias Schmelter", er sprach meinen Namen aus, als wäre er verachtenswert, "zu seinem Zimmer."


    ---


    Frau Keller hatte ein langes, strenges Gesicht und marschierte durch die Gänge, dass ich Probleme hatte, nachzukommen. Ich hätte sie gerne gefragt, ob der Mann am Eingang immer so mürrisch war, aber ich hatte seinen Namen nicht mitbekommen und sie schien mir nicht wirklich anders zu sein. Außerdem war ich auch schon so von ihrem Schritttempo außer Atem und so verzichtete ich auf das Gespräch.


    Nach gefühlten zehn Minuten Gewaltmarsch erreichten wir einen grauen Flur. Türen gab es In regelmäßigen Abständen und jede Tür hatte eine Nummer. Sie nahm einen Zettel aus der Tasche, marchierte noch etwa acht oder neun Türen weit - ich kam nicht dazu, sie zu zählen -, zog dann einen Schlüsselbund aus der Tasche, löste einen Schlüssel davon und drückte ihn mir in die Hand.
    Der Schlüssel hatte keine Nummer; die Türe war von den anderen nicht zu unterscheiden - keine Namen, nur eine Nummer. Ich wunderte mich, wie Frau Keller den richtigen Schlüssel identifizieren konnte und beschloss, mir die Türnummer gut einzuprägen - besser noch einen Spickzettel zu basteln.


    Sie rasselte eine kurze Belehrung herunter: "Du bist verpflichtet, immer hinter Dir abzuschließen. Du bist verpflichtet, auf den Schlüssel aufzupassen. Wenn Du ihn verlierst, wird's teuer. Schlimmer, wenn Du es nicht sofort meldest. Deine Zimmergenossen sind schon länger hier, können Dir also erklären, wie's hier läuft."
    Offenbar hatte sie nicht vor, den Raum aufzuschließen, schien stattdessen kurz davor, wieder zu verschwinden. Ich wollte zumindest sicher sein, dass der Schlüssel auch passte und schloss auf; Es war zweimal abgeschlossen und der Raum war leer. Niemand war darin, der mir hätte helfen können.
    "Gibt es sowas wie eine Anfängerveranstaltung, wo ich meinen Stundenplan bekomme?" fragte ich vorsichtig.
    "Du hättest Dir den Stundenplan schon vor Deiner Abfahrt zusammensuchen müssen", erwiderte sie kalt. Jetzt fühlte ich mich völlig verloren.


    Sie muss mir das angesehen haben. Ein kleines Wunder geschah und ich hatte das erste Mal das Gefühl, hier etwas Menschlichkeit zu finden: Sie sah in ihre Liste und meinte dann trocken: "Du hast schon eine ganze Stunde verpasst. Als Erstling solltest Du jetzt in Mathe sitzen, aber das kannst Du auch knicken. Wenn Du nicht trödelst, bekommst Du noch Deutsch mit."
    Stand ich eben noch im kalten Regen, so fühlte ich mich jetzt ins kalte Wasser geworfen. Es war Freitag und ich hatte erwartet, zumindest das Wochenende zur Eingewöhnung zu haben. Widersprechen konnte ich nicht, offenbar hatte sie mir schon weit mehr gegeben, als sie sollte. So fragte ich nur resigniert: "Wo?"
    Sie sah mich fast mitleidig an und meinte trocken: "Sieh' zu, dass du bis Montag deinen eigenen Stundenplan fertig hast! C-Vier-Zwei-Fünf. Trödel nicht!"


    ---


    "C425" kopierte ich von meiner Hand in mein Notizbuch, bevor der Schriftzug verschwinden konnte. Erst im Zimmer traute ich mich, den Rucksack abzunehmen und das Notizbuch herauszuholen.
    Das Zimmer war nicht sehr groß. Es gab vier Betten - zwei Hochbetten. Als Kind fand ich das immer abenteuerlich, jetzt dachte ich nur "Platzeffizienz". Ein Bett war nicht bezogen; ich stellte meinen Koffer davor.
    "C425" - diese Zahl war alles, was ich in dem Moment hatte. Ich schrieb noch "deutsch, freitag, 1645" daneben. Dann ging ich zur Tür, öffnete sie und schrieb mir ebenfalls die Nummer - "H374" - ab. Erst jetzt fühlte ich mich angekommen genug, ein Handtuch aus dem Koffer zu holen und mir die Nässe aus Gesicht und Haaren zu trocknen.
    Ich hatte Lust auf eine warme Dusche, aber damit hätte ich wohl meinen einzigen Anschluss - "C425" - wieder verloren, also beließ ich es dabei, schnell in trockene Wäsche zu schlüpfen. Zumindest müsste ich später die Waschräume nicht selbst suchen, sondern könnte meine Zimmergenossen danach fragen.
    Neben "meinem" Bett standen zwei Schränke. Auf Verdacht öffnete ich den falschen und blickte auf fremde Wäsche - ordentlich eingeräumt. "Ordentlich" war das falsche Wort, selbst "penibel" schien es nicht zu treffen. Die Stapel waren exakt senkrecht: kein Shirt, welches auch nur einen Millimeter breiter oder schmaler zusammengelegt war als die anderen; keine Bügelfalte und kein Fleck waren zu sehen. Der Schrank war voll und doch schien kein Platz verschwendet. "Toll! Ein Ordnungsfanatiker", dachte ich mir still, "bei meiner Ordnung wird das bestimmt noch Stress geben". Bevor ich auch nur durch bloßes Ansehen diese Kleidungskorrektheit stören würde, schloss ich den Schrank. Der andere musste "meiner" sein.
    Er war abgeschlossen. Mein Schlüssel öffnete ihn und er war bis auf ein paar Bügel leer. Mir war auf den ersten Blick klar, dass ich niemals den Inhalt meines Koffers dort unterbringen können würde. Dieses Problem war aber nicht aktuell, ich hatte eh keine Zeit. Ich hing mit Bügeln die noch nasse Kleisung zum Trocknen am Bettgestell auf und verschob das Einräumen auf später.
    Meinen Rucksack ließ ich zurück, weil er ebenfalls nicht trocken genug war. Ich schnappte mir nur ein leeres Schulheft, Stiftemäppchen und Notizbuch. Ein letzter Blick verriet mir, dass "H374" immer noch stimmte, dann schloss ich die Tür hinter mir wieder ab - zweimal - und machte mich auf die Suche nach "C425"


    ---


    Dieses Internat war ein Irrgarten. Mir schien schon nach den ersten Schritten völlig unmöglich, sich hier zurechtzufinden: Benachbarte Räume hatten noch nicht einmal ähnliche Nummern. Ich bekam Angst, auch mit Raumnummer "mein" Zimmer nicht wiederfinden zu können.


    Die Flure waren wie ausgestorben; Außer dem Mann am Eingang und Frau Keller hatte ich hier noch keine Menschenseele getroffen. Es war auch vollkommen still; aus den Räumen war nichts zu hören. Ich überlegte, einfach an eine Tür zu klopfen und drinnen jemanden um Rat zu fragen. Ich wusste jedoch nicht, was sich wirklich hinter den Türen verbergen würde und so widerstand der Versuchung.
    Ohne direkt danach gesucht zu haben, fand ich mich plötzlich am Eingang wieder. Der mürrische Mann war verschwunden, dafür nahm ich erstmalig einen Übersichtsplan wahr, den ich vorher noch nicht gesehen hatte.


    Der Plan war nutzlos - blanker Hohn. Mein Unterrichtsraum schien darauf nicht zu finden und zusammen mit den unfreundlichen Erwachsenen, dem rücksichtslosen Zeitplan und dem absoluten Fehlen fröhlicher Stimmen reichte mir das, um die Schule komplett zu hassen. Ich fühlte mich in einem Albtraum und ich hatte nur noch den Wunsch, aufzuwachen.

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    [tab=4. Platz]

    Magnitude


    Der Traumschlüssel


    Null-Null-Doppelpunkt-Vier-Sieben leuchtet rot auf dem digitalen Ziffernblatt. Doch das sieht der junge Mann im Bett daneben nicht. Er, dessen Rücken dem Wecker zugewandt ist. Er, dessen Geist keine Ruhe findet. Er, dessen Augen die weißen Schatten auf der Tapete verfolgen. Er, der nur ganz entfernt die dazugehörigen Autogeräusche wahrnimmt.
    Der junge Mann kuschelt sich seufzend fester in seine Bettdecke. Immer noch fixiert er die Leuchtflecken an der Tapete. Sie beginnen zu verschwimmen und immer deutlicher dringt eine Melodie an sein Ohr: „Oh, Du fröhliche. Oh, Du selige...“ Und auf seinem Gesicht macht sich ein Lächeln breit.


    Ich stehe in einem großen Raum, erhellt von vielfarbigen Lichtern. Mich beschleicht das Gefühl diesen Ort nur zu gut zu kennen. Unwillkürlich muss ich an meine Eltern denken, genauer gesagt an das Wohnzimmer meiner Kindheit. Nur bin ich ganz allein.
    Doch wo ich mich befinde ist unwichtig, denn mein Blick ist von etwas Wunderbarem gefesselt, etwas dem man ganz nahe sein will. Vor mir ragt ein gigantischer Weihnachtsbaum in die Höhe. Er ist umgeben von hübsch verpackten Päckchen, wovon jedes mindestens doppelt so groß ist wie ich. Der Baum ist liebevoll geschmückt und in seinen Zweigen schweben bunte Lichter. Unbedingt will ich eine dieser Kugeln berühren, besonders die auf der Spitze. Die, die in Sternform über allem strahlt.
    Schnell laufe ich zu den untersten Ästen. Ich springe hoch. Meine Fingerspitzen strecken sich. Enttäuscht greife ich ins Leere. Mist.
    Wieder springe ich und fast verfehle ich erneut, doch im Nachgreifen erhasche ich das ersehnte Grün. Mühevoll ziehe ich mich nach oben und beginne zu klettern. Meine Bewegungen spüre ich kaum, denn es gibt nur mich und den leuchtenden Stern auf der Spitze. Alles andere lasse ich unbeachtet links liegen. Selbst die huschenden kleinen Schatten entfallen mir.
    Endlos scheint die Strecke zwischen mir und meinem Ziel zu sein. Irgendwann komme ich an. Begierig recke ich mich, lehne mich nach Vorne und strecke meine Finger aus, wie Fühler. Schließlich habe ich es geschafft. Ich berühre nicht nur, sondern umarme die Wolke aus Licht und fühle nichts als grenzenlose Glücksseligkeit. Ich habe das Gefühl zu schweben, zu fliegen, gar selbst zu leuchten und entferne mich immer mehr vom riesigen Nadelgehölz.
    Plötzlich hat mich die Schwerkraft wieder. Ich bin nur noch Panik – fallende Angst. Das Licht in mir zerstaubt in viele kleine Kugeln. Immer schneller geht es in die Tiefe. Blind greife ich um mich in der Hoffnung irgendwo hängen zu bleiben. Ich kriege sogar etwas zu fassen. Was es ist, kann ich nicht sagen, denn schon im nächsten Augenblick komme ich auf und fühle nur noch eines: Kopfschmerzen.


    Benommen öffnet der junge Mann seine Augen. Er liegt auf dem Fußboden seines Schlafzimmers. Er richtet sich auf und fasst sich an den Kopf, bevor er seine Schritte in Richtung Badezimmer lenkt. Dort eingetroffen, stützt er sich schwer mit beiden Händen auf das Waschbecken. Er lässt den Wasserhahn laufen und spritzt sich etwas vom kalten Wasser ins Gesicht. In einem Glas löst er eine Aspirin auf. Er hebt seinen Kopf und schaut sich in das triefende, schlaftrunkene Gesicht. Für einen Moment verharrt er in dieser Stellung, bevor er das Glas in einem Zug leert und anschließend schlurfend in sein Schlafzimmer zurückkehrt. Erschlagen lässt er sich in sein Bett fallen.


    Meinen Kopf strecke ich aus dem Fenster und mir bläst der Fahrtwind entgegen. Ich befinde mich in einem Zug, der gerade eine langgezogene Kurve durchfährt. Dabei habe ich eine gute Sicht auf die schöne alte Dampflok zwei Wagen weiter vorne, wie sie in großzügigem Abstand zum riesigen Weihnachtsbaum fährt. Allmählich wird mir kalt und so schließe ich das Fenster wieder.
    Ich stehe in einem Großraumabteil. Es ist rot ausgekleidet und die Sitze sind mit Leder bespannt. Es ist laut und es ist voll. Alle Plätze sind mit Menschen belegt, die sich angeregt unterhalten. Man könnte glauben, die Leute würden sich alle auf ein großartiges Ereignis freuen. Doch etwas ist seltsam, die Menschen haben keine Gesichter. Stumm starre ich sie an, denn ich bin wie gelähmt und weiß nicht, was ich tun soll. Nach und nach wenden mir die Gesichtslosen ihre Köpfe zu. Ihre Stimmen senken sich zu einem Flüstern bis man nur noch das stille Rattern des Zuges hört. Schweigend fixieren sie mich mit ihren Gesichtern - bedrohen mich förmlich.
    Ich starre nur zurück. Es zerreißt mich und ein Schrei bricht sich Bahn. Raus, ich will nur noch raus hier. Ich beginne entgegen der Fahrtrichtung zu rennen. Die Köpfe folgen mir, drehen mir ihre leeren Fratzen hinterher.
    Im nächsten Abteil sind sie wieder, diese Menschen, diese Puppen. Atemlos laufe ich weiter. Bis ich schließlich im letzten Abteil die letzte Tür öffne und nach Draußen flüchte. Erschöpft sinke ich an der Tür zu Boden und hoffe, dass mir keines dieser Monster folgt. Fürs erste bin ich gerettet.
    Als mich etwas an der Schulter berührt, zucke ich zusammen. Ich rolle mich zur Seite, da ich eine Hand aus dem Augenwinkel wahrzunehmen scheine – ist mir doch ein Wesen gefolgt?
    Umso überraschter bin ich, als ich eine wunderschöne junge Frau erblicke. Ihre Haut gleicht Porzellan umgeben von einer schimmernden Aura. Schwarz flattert ihr Spitzenkleid und in ihrem blauen Haar sind schwarze Perlen eingeflochten.
    „Habe keine Angst, es geschieht Dir nichts.“, kann man ihre dunkle Stimme vernehmen, „Es ist doch nur ein Traum.“
    Zunächst begreife ich nicht: „Und was nutzt mir dieses Wissen?“
    Sie lächelt mitleidig, als ob ich etwas Wichtiges vergessen hätte.
    „Du hast da etwas in Deiner Tasche, nimm es heraus und benutze es.“, nickt sie mir zu.
    Verwundert greife ich in meine Hosentasche. Meine Hand schließt sich um eine tischtennisballgroße Kugel. Als ich meine Hand wieder hervorhole, öffnet die junge Frau behutsam meine Faust.
    Auf meiner Handfläche kommt eine pulsierende Kugel zum Vorschein.
    „Was ist das?“, staune ich.
    „Das“, sie schaut mich offenherzig an, „ist der Schlüssel zu Deinen Träumen. Mit seiner Hilfe kannst Du Deine Träume in jede Richtung lenken.“
    Ich begreife immer noch nicht. Plötzlich verwischt sie und löst sich in einem Nebel auf. Sie ist nur noch Rauch meiner Erinnerungen. Eine kleine Kreatur stürzt sich mit Geschrei auf mich. Seine Haut ist ledriggrau und seine Reptilienaugen gieren auf meine Kugel. Seine Klauen kratzen an meinem Handrücken und versuchen mir den Traumschlüssel zu entreißen. Niemals darf es die Kugel bekommen. Wir wälzen uns hin und her. Obwohl ich alles aufwende, um den Diebstahl zu verhindern, merke ich, wie das Ungetüm immer mehr die Oberhand gewinnt.
    „Bloß nicht.“, flehe ich inständig in Gedanken, inzwischen zu schwach die Worte auszusprechen.


    Schließlich öffnet der junge Mann seine Augen. Verschwitzt liegt er in seinem Bett und murmelt: „Es war nur ein Traum.“
    Sein Blick richtet sich auf seine Digitaluhr: Null-Fünf-Doppelpunkt-Drei-Drei.


    Gefesselt hocke ich auf einer großen Holzplatte. Vor mir steht ein Nussknacker, einer dieser im roten Militärdress gekleideten Männchen. In seinem geöffneten Mund liegt eine Walnuss. Sie beginnt zu knirschen und zu knacken. Mit einem Splittern bricht die Nuss entzwei und einzelne Teile fallen zu Boden. Am Rande der Schirmmütze des Nussknackers erscheinen eine klauenbewehrte Griffel. Kurze Zeit darauf auch das dazugehörige ledriggraue Monster. Es starrt mich an. Endlich hat es gefunden, was es sich schon so lange wünscht – mich. Mit einem gekonnten Satz ist es bei mir. Sein Gesicht ist meinem so nahe, das mir sein Mundgeruch entgegenschlägt: „Mensch.. Sage mir.. wo hast Du den Schlüssel?“
    Ich schlucke, während mich das fremde Wesen lauernd umkreist. Es wird immer unruhiger: „Los, raus damit.“
    Ich weiß doch nicht, wo es sich befindet.. es wurde mir doch erst vor kurzem entrissen? Doch aus irgendeinem Grund scheint es erfreut und setzt sein breitestes Grinsen auf. Selbstsicher geht es auf mich zu und durchwühlt meine Hosentaschen. Dann findet es, was sucht und hält es triumphierend in die Höhe.
    Im nächsten Moment verschwindet das Monster in einer schwungvollen Drehung. Nicht nur meine Fesseln lösen sich auf, sondern auch die Konturen meiner Traumwelt bis ich nur noch im farblosen Nichts liege, einem Traum aus dem ein Erwachen unmöglich ist. Zeit und Raum existieren nicht mehr.
    Irgendwann erhebe ich mich und gehe gekrümmt in eine unbestimmte Richtung. Inständig wünsche ich mir, dass es etwas gäbe, dass mir einen Halt gibt. Und dann am Horizont erblicke ich etwas. Es ist eine blaue Kornblume. Dort bei diesem unschuldigen Blümchen angekommen, falle ich vor ihm auf die Knie. Sein Blumenkelch wiegt leicht im Wind.
    „Tja, jetzt bin ich hier und immer noch gefangen, kleine Schönheit.“, schaue ich verzweifelt das Blümchen an, „Ich wünschte, ich wäre wieder in meinem Traum.“
    Und ohne das ich zuerst bemerke öffnet sich über mir ein Riss. Als warmes Licht auf mich fällt, schaue ich nach oben und sehe durch die Öffnung einen gigantischen Nadelbaum. Es ist der, den ich schon vor einiger Zeit erträumt hatte. Ich stehe auf, strecke mich dem entfernten Riss entgegen, um dorthin zu gelangen, wo meine Träume sind und beginne zu fliegen. Träume kann man also auch ohne Kugel verändern, denn man ist der Schlüssel selbst.

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    [tab=5. Platz]Darky


    He had a dream
    Qualla umkreiste das Haus. Sie staunte immer wieder über die Größe des Gebäudes. Gute zehn Meter hoch, beinahe ein Quadrat. Es wäre aber nicht korrekt, diese Angabe so stehen zu lassen. Wie gesagt, beinahe ein Quadrat. Der erstaunliche Umstand, dass das Anwesen siebenundsiebzig Millimeter breiter war als lang, behinderte jegliche Vision eines Quadrats. Qualla verstand immer noch nicht, warum der Architekt das Gebäude mit diesen Maßen gebaut hatte. Das braune Wohngebäude belegte zwei Drittel des immerhin beinahe 300 Quadratmeter großen Grundstücks am Waldrand.
    Qualla schwebte auf das Niveau des zweiten Stockwerks und umkreiste auch diese Etage.
    Da registrierte sie ein Zucken aus dem Zimmer des Sohnes der Familie. Sie betrat den Raum durch das geöffnete Fenster.
    Nachdem sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, wurde ein unaufgeräumtes Zimmer sichtbar. Überall lagen Bücher und Comichefte herum. Auf dem Schreibtisch befand sich ein geöffnetes Deutschheft.
    Das Bett stand von Qualla aus gesehen rechts neben der Tür. In ihm lag ein groß gewachsener Junge. Die Haarfarbe bei dem Licht sowieso nicht. Aber er hatte einen Traum. Eindeutig.
    Er zuckte, drehte sich um, nur, um in der darauffolgenden Sekunde wieder die Seite zu wechseln. Ein Traum. Ein heftiger Traum.
    Er interessierte Qualla. Und wenn er wirklich so ergiebig war, wie es die Reaktionen versprachen, würde das eine deftige Mahlzeit geben.
    Sie konzentrierte sich, öffnete ein Auge des Jungen und schlüpfte kurzerhand durch die Pupille in den Strudel aus Farben, der immer in einen Traum führte.


    Vielleicht wäre an dieser Stelle ein wenig Biologie angebracht. Und Geschichte.
    Qualla war ein Trama. Das sind Wesen, die für neunundneunzigkommaperiodeneun Prozent der Menschen unsichtbar sind. Die ersten, extrem seltenen Berichte über diese knapp ein Meter großen Wesen, die ähnlich wie wir Menschen aussehen, liegen aus der Zeit kurz nach der Entdeckung der Radioaktivität vor. Das legt die Vermutung nahe, dass die Strahlen im Mutterleib Mutationen erzeugt haben, die dann ein solches Wesen ergaben. Viel mehr war aber auch nicht bekannt.
    Trama leben von Träumen. Entweder rauben sie ihren Wirten die Träume, oder sie fördern sie und ernähren sich von dem so erzeugten Energieüberschuss. Dementsprechend kann man Trama grob in gut und böse klassifizieren.
    Qualla befand sich in der Mitte, wobei sie sich selber als gut einstufte. Die Alpträume stahl sie ganz, während sie in die guten hineinschlüpfte. Wie auch diesmal.


    Qualla blickte an sich hinunter. Sie hatte die Gestalt eines großen, kräftigen Jungen angenommen. Sie wusste, wessen Körper sie mit sich herumtrug, obwohl sie ihn noch nie gesehen hatte. Wie üblich. Und auch wie üblich wusste sie, wo sie sich befand. Auf dem Schulhof der Schule des Jungen. Und der Junge war der Erzfeind des Jungen, in dessen Traum sie sich befand.
    Sie war in die Rolle des Martin geschlüpft. Erzfeind des Valentin, der diesen Traum hier hatte.
    Sie sah sich um. Oder sollte man ab hier vielleicht eher von ihm reden? Nein, bleiben wir beim sie.
    Sie befand sich auf einem mit Kopfsteinpflaster ausgelegtem Hof, an dessen einer Seite eine Telefonzelle stand und auf der gegenüberliegenden ein riesiges Gebäude. Das musste die Schule sein. Es war in Tarnfarben gehalten, blau und grün. Sie hatte mit Erdgeschoss drei Etagen und eventuell noch einen Keller, was sich aber von außen nicht sagen ließ.
    Doch da wurde ihre Aufmerksamkeit von einem Jungen auf sich gezogen. Geradewegs auf sie zu lief er, und es sah nicht sonderlich vertrauenerweckend aus, wie ihm drei sprichwörtliche Gorillas hinterherliefen.
    Das war Valentin.
    „Na, Marty, kleines Weichei, heute schon geflennt?“
    Qualla wusste nicht, was sie antworten sollte. Es entsprach nicht ihrer Art, eine solche Aussage im Raum stehen zu lassen, aber sie wusste nichts über den Jungen, den sie hier spielte, wenn man das so formulieren konnte.
    Wenn sie etwas Falsches sagte, konnte das alles in einem Alptraum enden.
    „Sprachlos. Ist man ja gar nicht gewohnt von dir.“
    Valentins Aussage klärte Qualla auf, und so konterte sie.
    „Du sprichst hochdeutsch. Ist man ja gar nicht gewohnt von dir.“
    „Du konterst richtig. Ist man ja gar nicht gewohnt von dir.“
    „Du konterst überhaupt nicht. Ist man ja gar nicht gewohnt von dir.“
    „Du riskierst ‘ne dicke Lippe. Ist man ja gar nicht gewohnt von dir.“
    Irgendwie zog sich das ganze ins Lächerliche.
    Eine Antwort seitens Qualla wurde aber überflüssig, als ein schlankes Mädchen mit schulterlangem, blondem Haar auftauchte.
    „Martin, Süßer!“
    Sie stürmte auf Qualla zu und küsste sie auf die Wange.
    Hatte sie es nötig, sich von irgendeinem dahergelaufenen Mädchen anmachen zu lassen? Da wurde ihr klar, dass sie hier kein Mädchen, sondern ein tatsächlich recht attraktiver Junge war.
    Sie aktivierte ihre Fähigkeit, alle Namen in Träumen herauszufinden. Das Mädchen war Lydia, Martins Freundin.
    Qualla blieb nichts anderes übrig, sie küsste Lydia ebenfalls auf die Wange.
    „Romanze auf dem Schulhof. Find ich lol.“
    Hat sich was mit dem hochdeutsch, dachte Qualla für sich. Valentins Aussage war ja auch sehr qualifiziert gewesen.
    „Ach, bring’s du doch erstmal so weit.“, rutschte es Qualla heraus.
    „Danke, verzichte.“
    Quallas Kiefer wäre beinahe Richtung Erdkern gewandert. 15 Jahre alt - und verschwendet noch keinen Gedanken an Mädchen?!? Unglaublich.
    „Du bist halt ein gnadenloser Softie. Wärst wahrscheinlich nicht mal in der Lage, mich zu verletzen.“, spottete Valentin weiter.
    „Er würde dich innerhalb von Minuten an den Rand eines Krankenhausaufenthalts bringen, stimmt’s?“
    Lydias Antwort kam, bevor Qualla überhaupt den Mund aufgemacht hatte.
    Langsam fing sie an, das Mädchen zu mögen. Nein, nur zu mögen. Nicht immer nur daran denken!
    „Lassen wir’s drauf ankommen. Nach der Schule, an der alten Brücke, capito?“
    Natürlich wollte sie. Das Problem war nur, dass Qualla keine Ahnung hatte, wo besagtes Bauwerk war. Entweder war das hier ein Zeitsprung-Traum, oder er würde die ganze Nacht dauern.
    Erstere Einschätzung erwies sich als richtig. Keine Sekunde, nachdem Valentin seinen Satz beendet hatte, verschwamm das Bild des Schulhofs. Nach und nach materialisierte sich dafür eine Brücke in einem Wald, unter der ein Fluss floss. Ein richtiger Fluss. Bestimmt zehn Meter tief, soweit man das von der Brücke aus beurteilen konnte, und mindestens 25 Meter breit. Er floss zwar relativ gemächlich vor sich hin, aber das bedeutete nichts.
    Qualla drehte sich um, und wie erwartet stand dort Lydia, die sofort auf sie zugelaufen kam und nach ihrer Hand griff.
    „Martin, schaffst du das wirklich?“
    Qualla wäre beinahe explodiert. Natürlich würde sie.
    Sie zügelte ihr Temperament und antwortete vergleichsweise ruhig: „Natürlich. Der wird sich schon wundern.“
    „Sicher?“
    Lydia legte den Kopf verdächtig schief. Das Mädchen und das junge Trama waren sich mittlerweile unangenehm nahe. Zumindest empfand es Qualla so.
    Antworten musste sie aber.
    „Ganz sicher.“
    Lydias Mund öffnete sich, und im Nachhinein wurde Qualla bewusst, dass sie sie wohl geküsst hätte, wäre nicht just in diesem Moment Valentin mit einem der Gorillas vom Pausenhof von der anderen Brückenseite auf selbige spaziert.
    Irgendwie mussten Qualla und Lydia während der Annäherungsversuche seitens letzterer die Plätze getauscht haben, denn Qualla konnte genau erkennen, wie Valentin sprichwörtliche Stielaugen bekam.
    „Wo ist das Problem? Hast du was gegen Pärchen?“
    Quallas Antwort auf die nicht ausgeführte verbale Attacke kam so schnell, dass Valentins Augen sofort wieder in ihre Höhlen zurückkehrten.
    Auch das Gehirn war offenbar beeinträchtigt worden: „Ähh… Wa?“
    Unglaublich. So eine Körpergröße, aber dermaßen wenig Hirn.
    Der Gorilla flüsterte Valentin etwas ins Ohr, und die kurzzeitig in den Zustand der Verwirrung abgedrifteten Gesichtszüge kehrten wieder in den arroganten Normalzustand zurück.
    „Also, Marty, bereit für ‘nen heißen Kampf?“
    „Jederzeit und Jederorts.“
    Qualla wunderte sich über ihre eigene Wortwahl. Wie war sie auf „Jederorts“ gekommen?
    Zu lange gewundert. Ein Haken Valentins erwischte sie auf der linken Wange, und ein pochender Schmerz breitete sich über das gesamte Gesicht aus.
    Gleichzeitig entstand Wut in Quallas Bauch. Sie konzentrierte sich auf Valentin, der schon wieder ausholte, hob ihre Hand und gab dem Jungen eine schallende Ohrfeige. Der zeigte sich wenig beeindruckt und führte den Gegenschlag aus.
    Doch sie war zu schwach. Alle Angriffe wurden gekontert, und schlussendlich fand sich Qualla am Brückenrand wieder.
    Sie schaute Valentin in die Augen und erschrak.
    Kalte Entschlossenheit. Entschlossenheit, sie notfalls in den Fluss zu stürzen.
    Ein Schmerz in der Magengrube, und Qualla fiel.
    Sie beachtete nichts mehr. Weder Valentins Triumphgeheul, Lydias Schluchzen noch ihren Salto rückwärts. Sie wartete auf den Farbstrudel in die Realität.
    Doch er kam nicht. Stattdessen das Wasser immer näher. Und die Angst. Würde sie hier gefangen sein, in diesem Traum?
    Da fuhr ihr die Erkenntnis wie ein eisiger Dolch durch den ganzen Körper. Das war kein Alptraum. Der Träumer empfand diesen Traum sogar als super.
    Sie musste ihren Körper verlassen und selbst für den Strudel sorgen.
    Sie konzentrierte sich und schlüpfte hinaus.
    Von der Brücke erntete sie verwirrte Blicke. Der Traum war wohl doch nicht mehr so toll. Aber ihre Mahlzeit war jetzt egal, sie wollte raus aus diesem Nachtmahr.
    Qualla zauberte den Strudel herbei und schlüpfte hindurch.


    Sie keuchte. Vor ihr lag der Junge im Bett. Unglaublich. Beinahe wäre sie in einem Traum gestorben.
    Zeit für einen neuen Wirt. Ihre Zukunft lag nicht hier.

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    Scissorhand


    Schatten


    Ein kühler Wind haucht meine Haare aus meinem Gesicht, als ich bis zu den Knöcheln im Wasser stehe und meine Einsamkeit geniesse. Im weissen Sand finden sich meine Spuren, sie führen weiter nach links, machen eine sanfte Kurve und führen ins Meer. Dort bin ich hinausgetreten. Wer sich im Wasser nicht ausdauernd geschmeidig fortbewegen kann, wird mich hier niemals finden. Denn um hierher zu gelangen, muss man pausenlos sehr weit schwimmen, um eine mächtige Klippe herum, durch einen Tunnel, der wie eine Höhle zu sein scheint, und schlussendlich eine ganze Weile einer felsigen Wand entlang. So gelangt man hierher, zum schönsten Ort dieser Welt. Es scheint ein Traum zu sein, dass ich diese Bucht gefunden habe. Das Wasser ist so klar, als würde es einer plätschernden Quelle in den Alpen entspringen, es funkelt und glitzert bei jeder noch so kleinen Welle. Das regelmässige Rauschen beruhigt mich und macht mich angenehm schläfrig. Niemals hätte ich erwartet, dass ein solch wundervoller Platz in meiner Nähe ist. Ich wohne direkt am Strand in einem kleinen Haus, doch bisher hätte ich nicht erwartet, dass es noch schönere Küsten gibt als die, wo mein Anwesen steht. Doch ich habe mich geirrt. Und hier stehe ich nun, geniesse mein Leben.


    Ich blicke in die Ferne und sehe, dass sich die Sonne am Horizont langsam orange zu färben beginnt. Um den Sonnenuntergang zu beobachten, setze ich mich ins seichte Wasser. Immer weiter sinkt sie hinunter, versprüht ihre wärmenden Strahlen immer weiter. Ihre Umrisse verschmelzen mit dem Himmel, welcher ein immer intensiveres Orange annimmt. Er gibt seine Farbe an das Wasser weiter, welches mit vielen verschiedenen Nuancen beeindruckt. Von einem hellen Gelb bis hin zu einem dunklen Bordeauxrot ist wohl jeder Ton vertreten. Ich höre das Wasser und meinen Atem und bin völlig entspannt, als ich dabei zusehe, wie die Sonne langsam weiter sinkt. Ihre Flammen flackern am Firmament, züngeln am Himmel entlang. Sie tanzen mit den Wolken, wirbeln herum, drehen sich um sich selbst. Einige völlig wild, andere ruhig und gleichmässig. Das Feuer jedoch hat keine Chance gegen den natürlichen Verlauf der Natur. Immer mehr flammendes Licht wird friedlich vom Meer verschlungen, versinkt immer weiter in den Tiefen seines Schicksals. Die orangenen Wellen führen noch einen letzten Tanz mit den letzten übriggebliebenen Flammen, bis sie sie schlussendlich unter sich verbergen. Das Licht wird von dem leuchtenden Orange, welches es zu Beginn noch gewesen ist, zu einem immer dunkler werdenden Rot. Und auch das Licht wird es nicht schaffen, sich über Wasser zu halten. Nun ist es endlich soweit: Der letzte, verzweifelte Versuch eines kleinen Sonnenstrahls, sich immer noch am Leben zu halten, scheitert. Das tiefe Rot wird zu einem dunklen Blau und die Sonne hat sich für heute verabschiedet.


    Das Licht der Sterne glitzert auf dem sich kräuselnden Meereswasser. Was vorhin noch in warmen Farben erstrahlte, wirkt nun kalt und dennoch wunderschön. Von weiss bis indigoblau funkeln die Wellen, springen hoch um sich später friedlich schlafenzulegen. Der Vorgang ist einfach atemberaubend anzusehen. Tief seufze ich, als ich über die vielen Wunder der Natur staune.


    Plötzlich jedoch sehe ich etwas, was überhaupt nicht ins Bild passt. Ein schwarzer Schatten liegt über dem Wasser. Er hat die Form eines menschlichen Wesens, genauer gesagt die einer Frau. Sie hat lange Haare und eine kurvige Figur, scheint nahezu perfekt zu sein. Durch die vielen Bewegungen der Strömung verzieht sich der Schatten immer wieder, bleibt niemals gleich. Teils ist das Erscheinungsbild lang gezogen, teils wieder eher zusammengeschrumpft. Alles scheint normal und natürlich zu sein, doch die ganze Sache hat einen Haken: Wenn jemand hier meine Bucht entdeckt, werde ich nicht mehr alleine sein. Sie werden sie entdecken, sie werden sie für Touristen und Werbezwecke missbrauchen. Ein Weg wird hier hinführen, den sowohl Alt als auch Jung, sowohl Wasserratten als auch Nicht-Schwimmer bewandern können. Die Ruhe dieses heiligen Ortes wird gestört werden und keiner kann etwas dagegen tun. Die einzige Möglichkeit ist, diese Person aufzuhalten – um jeden Preis.


    Doch dazu muss ich sie erst finden. Seltsamerweise hat ihr Schatten sich nicht bewegt, und erst jetzt fällt mir auf, dass trotz des kühlen Windes ihr Haar keine Bewegung enthält. Sie scheint leblos zu sein, wie eine Art Figur, vielleicht auch eine Werbefigur oder ähnliches. Doch kann etwas von Menschenhand aufgebautes nicht einfach aus heiterem Himmel kommen. Selbst wenn jemand dahintersteckt und dieser Schatten keinem Lebewesen gehört, hat jemand meine Bucht entdeckt. Und ich muss sie schützen, damit ihre unendliche Schönheit nicht einfach verloren geht. Also schaue ich mich um, ob ich das Objekt, das den Schatten wirft, irgendwo entdecken kann. Doch dort ist nichts, in keiner Richtung. Mir ist klar, dass sie nur dort stehen kann, wo des Schattens Füsse sind, doch dort ist nur absolute Leere, eine karge Felswand, auf welcher man sicherlich nicht stehen kann. Absurderweise sehe ich nun also auch an den anderen Orten nach, doch auch dort ist nichts als die kalte Leere. Plötzlich beginne ich zu frösteln. Was wird hier für ein Spiel getrieben? Eine Gänsehaut überzieht meine Arme. Angst durchtränkt meinen Geist, Aufregung breitet sich in mir aus. Ich bin eindeutig allein, doch fühle ich mich durch den Schatten beobachtet. Ich fürchte um meinen Strand und um mein Leben. Hat eine höhere Macht sich etwa gegen mich verschworen? Jeder Blick auf den Schatten lässt meinen Körper zusammenzucken. Ohne dass ich es merke fliesst eine Wange mein Gesicht herunter, als ich aufstehe und langsam rückwärts gehe. Ich will weg vom Wasser, weg von hier. Beinahe entfährt ein lauter Schrei meiner Kehle, als ich plötzlich eine Stimme höre.


    „Geh weg von hier, du bist hier nicht sicher! Lauf, lauf! Lauf, oder es wird zu spät sein. Du musst fliehen, ich flehe dich an, flieh! So flieh doch, bitte…“ Die Stimme gehört einer Frau, doch ich kann sie nirgendwo entdecken. Die Stimme hat weinerlich geklungen, als würde ihr mein Wohl wirklich am Herzen liegen. Die Stimme ist mir nicht bekannt vorgekommen, noch niemals habe ich etwas derart Klares gehört. Dennoch folge ich ohne auch nur einen weiteren Gedanken zu verschwenden ihrer Bitte. Mein Kopf brummt, ich kann meinen Herzschlag sowohl spüren als auch deutlich hören. Meine Kehle ist staubtrocken und Tränen befeuchten meine Wange, als ich so schnell über den weichen Sand renne wie ich kann. Ich muss zurück ins Wasser um den langen und gefährlichen Rückweg zu bestreiten. Zwar habe ich das Wasser bald erreicht, doch es scheint eine ganze Ewigkeit zu dauern. Mein Atem geht ruckartig und mir ist übel, doch ich halte nicht an. Mit einem möglichst eleganten Kopfsprung werfe ich mich in die Wellen und beginne in schnellen sanften Zügen zu schwimmen. Ich schaue nicht zurück, habe meine Augen sogar geschlossen. Doch plötzlich höre ich einen lauten Knall in der Richtung, woher ich gerade gekommen bin. Ich bin noch nicht sonderlich weit geschwommen, also muss ich einfach zurück um zu sehen, was passiert ist. Ich spüre irgendwie, dass die Gefahr vorbei ist, und mache mich auf den Rückweg.


    Mein Atem bleibt beinahe stehen, als ich diesen Meteoriden sehe. Er hat beinahe meine gesamte Bucht ausgefüllt, ist riesig und raucht in einem mysteriösen Violett. Der Schatten ist verschwunden. Diese Frau hat mir das Leben gerettet – Oder ist es ein Geist gewesen?
    „Danke“, flüstere ich.


    Ich schrecke aus meinem Traum. Ich atme hektisch und bin schweissgebadet, aber ansonsten bin ich wohlauf. Langsam versuche ich meinen Atem zu regulieren. Ein – Aus. Ein – Aus. Eindeutig werde ich ruhiger. Ich werde entspannter. Ich werde wieder schläfrig, zwar langsam, aber doch gut merklich. Von alleine wird mein Atem nur regelmässiger. Immer tiefer werden meine Züge, immer schwerer meine Lider, bis ich schlussendlich wieder einschlafe. Und wer kann wissen, was nun für ein Traum meinen Schlaf wohl heimsuchen wird?

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    [tab=7. Platz]ηιgнтωιѕн~


    Die Phantasie sagt niemals „nie“


    Ich falle gerade aus einem rosaraten Zuckerwattenwolkenhimmel, doch bevor ich auf dem bananenharten Boden lande, falle ich in einen Schokopool, gemischt mit Karamell, einem Spritzer Vanille und einem Sahnehäubchen mit einer Kirsche oben drauf, die aber aus irgendeinem Grund eher wie Maracuja schmeckt. Doch ich kann das Bad nur kurz genießen, denn ich habe meinen blau-gelb getupften Schwimmring nicht dabei und tauche unter. Faszinierend, was ich erblicke: Giftgrüne Heringsfische, weihnachtskugelleuchtende Kugelfische und nach Honiglotion riechende Forellen, was mich aber nur kaum interessiert, da ich heute schon ein Marmeladentoast zum Frühstück hatte. Also schwimme ich weiter vorbei, an umgarnenden Algen, trügenden Riffen, und mit Seide handelnden Quallen, bevor ich letztendlich zu einem aus siebenundneunzig Prozent Marmorkuchen bestehenden U-Boot komme, welches mich freundlich in seine Roboterpiratenmannschaft aufnimmt, und mir zugleich die wichtigsten Tätigkeiten für einen Bootsjungen beibringt: Stricken, Butterbrote streichen und das ‚R‘ rollen lassen (was wohl noch von den Vorfahren der Piraten abstammt). „Ahoi“, ruft Roboterpiratenkapitän Googlefox (Seriennummer: 00101100101) und lichtet den virtuellen Anker und schon befinden wir uns auf dem Weg nach Mexiko, dem Land der Sombreros und meisten Auswanderer der Welt. Doch ein gewaltig großer Strom rosaner Seesterne und gelber Schwämme auf dem Atlantischen Ozean bringt uns vom Kurs ab und wir landen in Frankreich, dem wohl klischeehaftesten Land, dem ich je begegnet bin, wo ich mich doch leider von meiner Crew trennen muss, jedoch würden mir Matrose Microkost (er hatte einen ziemlich guten Geschmack, was Vorspeisen anbelangt) und Poweroink (er hatte ein rosa Ringelschwänzchen) am meisten fehlen (worauf sich die anderen beschwerten, dass sie mir nicht so viel bedeuten würden und eine Protonenlaserschlacht ausbrach). Ich will zunächst eine Tour durch Neu Paris machen (das alte war inzwischen zu langweilig geworden), den Bleiffelturm anschauen, welcher tatsächlich aussieht wie die Spitze eines Bleistifts und auch aus diesem Material besteht (Man verzichtete auf Glas, da dies zu Komplikationen mit den Glasreinigungsfirmen geführt hätte). Danach wird mir irgendwie langweilig, denn ich habe auch schon die anderen Sehenswürdigkeiten besichtigt, darunter auch den Arc de Strumpf, sowie das Centre Was-willsch-du. Nach einigen Stunden Akkordeonmusik und Shopping in den Champs pas-de-musées, entschließe ich mich also wieder etwas Eskapismus betreiben (einer objektiven Person bleibt es an dieser Stelle selbst überlassen, wie er dies interpretiert). Also komme ich in die Stadt der manisch depressiven und zugleich suizidgefährdeten Menschen, welche zum größten Teil wegen der gescheiterten Politik der PzEvW (Partei zur Enthaltung von Wahlen) hier sind, was wohl auch den Untergang des VzVvA (Verein zur Vermeidung von Abkürzungen) erklärte. Durch eine spontan ausgelöste Streitdebatte der Regierung schickt uns das Land durch braun-weiß gestreifte Segelflugzeuge nach Weit-weit-weg-Land, doch wir stürzen über Nicht-so-weit-weg-wie-erwartet-Land ab und sehe zum ersten Mal in meinem ohne einen wirklichen Sinn habendem Leben eine Hackfleischplantage, worüber sich die Gewerkschaften zur Entscheidung über Moral und Normal noch immer streiten, und auf noch keinen grünen Zweig gelangt sind, oder auf keinen saftigen Schenkel, wie die Chickenwingfarmer zu sagen pflegen. Nach einigen unangehmen Gesprächen über Genforschung und Körperpflegeprodukten reite ich auf meinem Goldbär gen Westen, dem regenbogenfarbenen Sonnenuntergang entgegen. Doch schon bald fängt es an in lilablassblauen Tropfen (mit einem Durchmesser von Tennisbällen) zu regnen, worauf ich jedoch meinen Regenschirm aus Carry Poppins aufspanne, welcher mich jedoch nicht nur vor dem Regen schützt, sondern mich sogar noch in die Höhe steigen lässt, in stratosphärische Höhen, über den Wolken, doch ganz weit oben trifft meinen Schirm plötzlich ein Blitz und ich falle aus einem rosaraten Zuckerwattenwolkenhimmel, doch bevor ich auf dem bananenharten Boden lande - … wache ich auf…

    erreichte 3 Punkte von 64 vergebenen

    [tab=8. Platz]

    Pikafan1995


    Voller Magen schläft nicht gut


    Vollmondnacht. Insomnia, von der schlimmsten Sorte. Ich krieche aus meinem Bett und schlurfe in die Küche, um mir ein Glas warme Milch zu machen. Schmeckt. Aber es hilft ja doch nichts. Also gleich noch eins hinterher.
    Ich gehe mit dem unguten Gefühl ins Bett, anderthalb Milchflaschen geleert zu haben. Immerhin scheint die Milch gewirkt zu haben, ich schlafe ein.
    Ich finde mich auf einem riesigen Tropfen Wasser wieder. Wankend balanciere ich meinen Weg nach vorne, getrieben von einem starken Geruch von Camembert. Kurz vor der riesigen grünen Wollsocke, die vor mir auftaucht muss ich mich ducken, um die aus Entenfedern bestehende Dampflok über meinen Kopf rauschen zu lassen. Und dann versinke ich auch schon im Tropfen. Das Waser umgibt mich und wird immer wärmer, heißer, bis ich am zentralen Magmakern angelangt bin. Ein Schnabel, der ohne Vorwarnung aus der Magma hervorschießt, ergreift mich und ein Gemisch aus Glühbirne und Kranich hebt sich mit mir im Maul in die Lüfte.
    Plötzlich muss ich feststellen, dass der Wassertropfen eigentlich ein gigantischer Camembert war, was den Geruch doch gleich plausibel macht.
    Na hoppla, wo ist den der Glühkranich hin? Ich falle. Und schrecke aus dem Schlaf hoch. Ich hasse das, wenn ich im Traum falle. Genervt von meiner auf Hochtouren arbeitenden Fantasie drehe ich mich grummelnd um und schlafe weiter.
    Die folgende Szene erinnert mich stark an meine Achterbahnfahrt von vorgestern. Natürlich fahre ich auf einer gallertartigen, gelblichen Masse, die offensichtlich aus Bananenjoghurt besteht. Nachdem wir durch einen Dreifach-Looping mit eingebauter Schraube – und selbstverständlich dem Salto nach vorne – gefahren sind, dreht sich alles nach links, ich muss also in einem gegen den Uhrzeigersinn fahrenden Karussell sitzen. Ein auf Händen laufender Clown grinst mich an und schenkt mir einen leckeren Hot-Dog-Ballon. Wow, sogar noch heiß, klasse.
    Während meine Urgroßmutter auf dem Wagen neben mir sitzt und meinen halben Hot-Dog-Ballon gierig anschielt, fliege ich aufgrund der gewaltigen Zentrifugalkraft aus dem Karussell. Ich rappele mich auf, und nachdem ich von der Tanneneiche heruntergekrabbelt bin, laufe ich einen perfekt symmetrisch gepflasterten Weg aus Sahne entlang. Da! Die Geisterbahn! Nichts wie hin! Ich renne auf dem Sahneweg entlang, scheine aber irgendwie nicht mehr voranzukommen. Ich werde immer langsamer. Und das, wo doch gerade Michael Schumacher mit mir am Hockenheimring auf der Zielgeraden um die Wette kämpft. Wieder nichts mit dem Kampf gegen Klitschko. Ach, Mensch.
    Erneut liege ich wach im Bett. Halb zwei. Ich drehe mich auf den Bauch und träume wieder. FBI-Einsatz. Hochspannung. Woher kommt denn jetzt die Akte-X-Melodie? Achso, Mulder und Scully stehen vor mir. Scully duftet nach Butter, das mag ich. Wir stehen plötzlich Freddie Mercury gegenüber, der uns eine Performance von „Another One Bites The Dust“ gibt, das sich allerdings anhört wie „It's A Kind Of Magic“. Elvis kommt sichtlich neidisch von links auf ihn zu und stößt ihn von der nicht existenten Bühne herunter, während ich, umgeben von einer Handvoll Dollar, auf das große Kornfeld hinausgehe, wo selbstverständlich mein Bett steht. Otto Waalkes reicht mir die Hand, wir fliegen los und ich kann das Feld von oben betrachten. Mein Bett verwandelt sich in ein iPhone und Bill Gates segelt auf seiner Tigerkatze mit Mogli an der Hand in den Bildschirm hinein. Das löst einen solchen Sturm aus, dass ich gleich mit hineingezogen werde. Donald Duck muss mich von dem durchsichtigen Stahlrohr abkratzen, damit ich in ansprechen kann. Er schreit nur: „Milch!“ und bekommt davon einen seiner Wutanfälle, dessen Getöse mich einmal mehr aus dem Schlaf reißt.
    Ich drehe mich um und winkle meine Beine an. Soll ich noch ein Gläschen Milch riskieren? Dann würde ich bestimmt wieder so einen Müll träumen. Aber andererseits fühlt sich selbst der größte Unsinn während dem Träumen so wahr und vollkommen logisch an, als wäre alles andere unnatürlich. Und während ich noch so vor mich in sinniere, döse ich zum vierten Mal ein.
    Schwarz. Ein Vollmond zuckt vor mir auf. Von rechts kommt der Sandmann angerauscht und schüttet mir die Sahara ins Gesicht. Ich sehe vor mir den Mann im Mond aus Käse, denke mich dort hin und probiere einen Brocken. Igitt, Camembert! Oho, ein gigantischer Wassertropfen. Vor mir singt Elvis in ein Mikrofon aus Scully Mercury, während Otto Waalkes sich mit Donald Duck lebhaft über grüne Wollsocken unterhält. In meinem Magmakern sitzend bewege ich mich als iPhone auf Michael Schumacher zu, der mir hilflos und sichtlich verzweifelt ein Kornfeld vor die Nase streckt. Da muss halt mein Hot-Dog-Glühkranich als Schild herhalten. Ich male das Achteck rot an und schreibe groß „STOPP“ drauf, um die mich von hinten angreifende Milch aufzuhalten. Schon wieder diese Akte-X-Melodie! Kurz darauf verschluckt mich der Tropfen grinsend, ich verfange mich in seinem Spinnennetz und muss mich den Brennnesseln wohl oder übel ergeben. Sie transportieren mich auf einem pfeifenden Schwein zu einem großen Kessel, der vom Kaiser von China höchstpersönlich bewacht wird, um mich darin mit Karotten und Sellerie zu rösten. Ich verwandle mich kurzerhand in eine Pfefferzwiebel mit Knoblauchgeschmack. Das scheint dem Kaiser den Appetit zu verderben, sodass der mich wegwirft. Auf dem nun vor mir auftauchenden Komposthaufen lande ich unbequem auf einem Regenwurm, der gerade dabei ist, Rotkohl zu verdauen. Aufgebracht vom Aufprall lässt dieser den Rotkohl links liegen und beschwört die Sintflut hinauf. Vom vielen Wasser und der anhaltenden Hitze fange ich an zu schimmeln. Ein ganz besonders gemeiner Schimmelpilz meint, mich in Blauschimmelkäse verwandeln zu müssen. Prompt befinde ich mich in München auf dem Mittagstisch der Queen. Sie scheidet ihr goldenes Messer langsam in mich hinein, nimmt ein Stück, das sie vorher sadistisch mit einer Gabel aufgespießt hat, und kaut meine rechte, bessere Hälfte genüsslich. Ich falle in Ohnmacht.
    Schweißgebadet und mit einem mulmigen Déjà-vu-Gefühl schalte ich das Licht an. Hellwach. Licht wieder aus. Trotzdem hellwach. Es gibt nichts grausameres als Vollmondnächte, in denen man mit anderthalb Litern warmer Milch intus in seinem Bett sitzt und wartet, dass es aufhört. Ein kurzer Blick auf die Uhr: dreiviertel fünf. Na toll. Ich habe mir also die ganze Nacht mit vollkommen abstrusen Träumen um die Ohren geschlagen, die ich aber nur noch halbwegs zusammenbringe. Die restlichen Stunden schlage ich mit einem Buch namens „Der Stromausfall“ tot. Ein ziemlich trockener Schinken. Gnädigerweise erlöst mich mein Wecker. Ich springe auf, rase in meine Küche und entsorge endlich diesen blöden Camembert, der mich schon die ganze Nacht beschäftigt hat. Ein beruhigendes Gefühl eines laktosefreien Frühstücks erheitert mich merklich. Eines schwöre ich mir übrigens: Nie wieder Milch zum Einschlafen.

    erreichte 1 Punkt (+1VP) von 64 vergebenen


    Feuerdrache


    Smaug


    „Was, es ist schon zwei Uhr?“, murmelte Simon, als sein Blick beim Umblättern zufällig auf den Wecker fiel. Eigentlich hätte er schon vor drei Stunden das Buch weg legen und das Licht aus machen müssen, aber die Geschichte war einfach zu spannend als das er auf die Uhrzeit geachtet hätte. Da es aber jetzt wirklich schon viel zu spät war, legte er das Buch nun aber doch zur Seite und schlief auch schon bald ein.


    Im Traum lief er zunächst einmal einen langen, dunklen Gang entlang, dessen Wände sich so anfühlten, als ob jemand den Gang mit sehr viel Geschick direkt in den Fels hinein gebaut hätte. Wie tief er unter der Erde war, konnte Simon nicht sagen, denn von draußen drang keinerlei Licht in den Gang hinein.
    Nach einiger Zeit endete der Gang in einer größeren Höhle. Hier wäre es normalerweise genauso dunkel gewesen wie in dem Gang, aber in der Höhle lag ein Drache, der zwar zu schlafen schien, aber ab und zu beim Schnarchen einen kleinen Feuerstoß ausatmete, so dass Simon immerhin ein paar Einzelheiten erkennen konnte: Soweit er es beurteilen konnte, schien die Höhle von den selben Baumeistern zu stammen wir der Gang, durch den er sie betreten hatte. Wie groß die Höhle tatsächlich war, konnte Simon allerdings nicht erkennen, da hierzu das Feuer des Drachens nicht weit genug leuchtete. Als Simon sich erneut dem Drachen zu wandte, konnte er sehen, dass dieser auf einem Hügel aus Schätzen lag.
    Irgendwie erinnerte den Jungen diese Szene genau an die Stelle, bis zu der er in dem Buch gelesen hatte. Eigentlich fehlte jetzt nur noch, dass aus dem Gang ein Hobbit auftauchte und sich mit dem Drachen unterhielt. Aber die Hauptperson aus J.R.R. Tolkiens Geschichte tauchte in Simons Traum nicht auf. Statt dessen bemerkte der Junge, dass die Augen des Drachen einen winzigen Spalt breit geöffnet waren. „Hoppala, der Drache tut nur so als ob er schläft“, dachte Simon sich. Er wollte sich abwenden und den Gang in die andere Richtung laufen, als der Drache ihn ansprach:
    „Komm ruhig heraus. Ich kann dich riechen und den Luftstrom deiner Bewegungen spüren. Und ich kann dich atmen hören. Komm ruhig näher und greif bei meinem Schatz zu. Es ist genug davon da.“
    „Der will mich doch nur in seiner Nähe haben, um mich dann um so sicherer erledigen zu können“, überlegte sich der Angesprochene. Aber dann fiel ihm auf, dass der Drache nicht erwähnt hatte, dass er Simon sehen konnte. „Wie kann das denn sein?“, überlegte er. Tatsächlich hatte der Drache den Hobbit in dem Buch nicht sehen können, aber das lag eher daran, dass der Hobbit einen Ring besaß, der ihn unsichtbar machte. Simon hatte so einen Ring jedoch nicht. Weil er jedoch nicht unhöflich sein wollte, antwortete er auf die Bitte des Drachens: „Ich bin nicht her gekommen, um Schätze einzusammeln.“ Mehr einer Intuition folgend als weil er tatsächlich einen Grund dafür hatte, fügte er noch hinzu: „Ich wollte mich nur davon überzeugen, ob die Geschichten, die man von Smaug, dem Gewaltigem erzählt, wahr sind.“
    „Und hältst du sie nun für wahr?“
    Wieder einer Eingebung oder der Story auf der letzten Buchseite folgend, weil diese Situation so gut darauf passte, antwortete Simon hierauf: „Die Geschichten sind stark untertrieben.“
    „Du schmeichelst mir. Auf jeden Fall scheinst du meinen Namen zu kennen, obwohl ich mich nicht daran erinnern kann, dich jemals zuvor gerochen zu haben. Darf ich fragen, wer du bist?“
    Von der letzten halben Seite konnte sich Simon noch gut daran erinnern, dass der Hobbit dem Drachen auf diese Frage mit Rätseln geantwortet hatte. Wieso Bilbo das getan hatte, wusste er leider nicht, denn das stand auf der nächsten Seite, die er noch nicht gelesen hatte. Da bisher das Gespräch ziemlich genau der Handlung des Buches gefolgt war, beschloss der Junge, ebenfalls mit Rätseln zu antworten: „Das darfst du. Ich komme aus Süd-Elbien und gehe in Nord-Elbien zur Universität.“ Tatsächlich meinte er mit Nord-Elbien die Stadt Hamburg, die nördlich von der Elbe liegt und mit Süd-Elbien einen kleinen Ort, der nicht weit von Hamburg entfernt lag, dafür aber auf der anderen Seite der Elbe. Wenn er gehofft hatte, dass der Drache die Elbe nicht kannte und deshalb mit seiner Aussage nichts anfangen konnte, so hatte er sich allerdings getäuscht, denn dieser konnte mit dem Begriff „Elbien“ sehr wohl etwas anfangen:
    „Ich weiß zwar nicht, ob du mit Nord-Elbien Bruchtal oder das Gebiet der Waldelben meinst, aber dass du aus Lórien stammst, da bin ich mir sicher.“ Mehr zu sich selbst als zu dem Jungen fügte Smaug noch hinzu: „Ich habe nur nicht gewusst, dass die Elben neuerdings auch Menschen aufziehen. Aber eigentlich ist das auch egal.“ Danach wandte sich der Drache wieder seinem Gesprächspartner zu: „Du hast allerdings vergessen, mir deinen Namen zu nennen.“
    „Ich wüsste nicht, dass dich mein Name etwas angeht“, wies Simon diese Bitte des Drachen zurück und wandte sich danach ab, um nun doch den Gang in die andere Richtung zu laufen. Leider empfand der Drache es gar nicht lustig, dass der vermeintlich bei den Elben lebende Junge seine Bitte einfach so aus schlug, und so blies er dem Jungen eine größere Feuerwalze hinterher, die Simon recht stark einheizte.


    Danach versuchte Smaug, dem Jungen zu folgen, aber in genau dieser Situation kam aus dem Gang ein recht alter, grauhaariger Mann, der passend zu seinen Haaren einen grauen Umhang und einen Wanderstab dabei hatte. Ohne ein Wort zu verlieren, lief der alte Mann an Simon vorbei und stellte sich dann dem Ungeheuer in den Weg. Mit den Worten „Du kannst nicht vorbei“ benutzte er seinen Stab, um den Drachen wie mit Magie von sich weg zu drücken.
    Am liebsten wäre Simon nun den Gang entlang gerannt, um aus der Reichweite des Drachens zu entkommen, schließlich hatte er so seine Zweifel, wie viel ein einzelner alter Mann gegen einen Drachen ausrichten konnte. Aber aus irgend einem Grund gehorchten ihm seine Beine nicht.
    „Worauf wartest du noch?“, fragte der Mann mit dem Stab. „Flieh endlich!“
    „Das würde ich ja gerne, aber ich komme mir vor, als ob meine Beine an dem Fußboden fest gewachsen wären.“
    „Dann hilf mir wenigstens den Drachen zu erledigen.“
    Als sich Simon darauf hin den Drachen noch einmal genauer ansah, bemerkte er, dass sich die Edelsteine fast überall in dessen Bauch hinein gedrückt hatten und so eine undurchdringliche Panzerung bildeten. Nur ein kleiner Fleck auf seiner linken Brust war frei geblieben. Als der Junge darüber nachdachte, wie er dieses Wissen ausnutzen könnte, entdeckte er auf dem Fußboden einige Pfeile und einen Bogen. Eigentlich hätte er überrascht sein müssen, dass ihm diese Waffen am Anfang seines Traumes noch gar nicht aufgefallen waren, aber solche Ungereimtheiten tauchen in vielen Träumen auf, und so dachte sich Simon nichts dabei. Ohne lange zu überlegen schnappte er sich den Bogen und einen Pfeil und schoss letzteren genau in die verwundbare Stelle des Drachen. Zur Sicherheit schnappte er sich auch die anderen Pfeile und schoss diese ebenfalls auf die Schwachstelle in Smaugs Panzerung ab. Weil auch der alte Mann nicht davor zurück schreckte, den Drachen mit Magie anzugreifen, war das Untier schon recht bald erledigt.
    „Das hast du gut gemacht“, lobte der alte Magier Simons Pfeilschüsse.
    „Darf ich fragen, wer Sie sind?“
    „Natürlich darfst du das. Man nennt mich den ‚grauen Pilger‘. Wahrscheinlich kennst du mich als Gandalf. Hast du sonst noch fragen?“
    „Mir ist aufgefallen, dass der Drache nicht erwähnt hat, dass er mich sehen kann.“
    „Und du würdest gerne wissen, wie das sein kann? Nun, der Drache hat dich tatsächlich nicht gesehen. Sieh dir mal deine Hände an.“
    Als Simon dieser Aufforderung folgte, bemerkte er an seinem rechten Zeigefinger einen recht schlichten Ring, den er noch nie zuvor gesehen hatte. „Ist das Bilbos Ring? Wieso können Sie mich dann sehen?“
    „Ich kann vieles wahrnehmen, was für normale Menschen verborgen bleibt“, antwortete Gandalf. „Aber du solltest aufpassen, dass du demnächst nicht mehr die halbe Nacht mit Lesen verbringst.“
    Dieser Rat verblüffte Simon ein Bisschen. Woher konnte Gandalf wissen, dass er tatsächlich bis zwei Uhr morgens gelesen hatte? Bevor er jedoch dazu kam, den Zauberer dies zu fragen, klingelte der Wecker, und Simon wachte auf.
    [align=right]erreichte 1 Punkt (+1VP) von 64 vergebenen[/tabmenu]

    Pokémon Y WonderWedlocke-Challenge: Feelinara&Tentacha ; Sichlor&Camaub ; Tangela&Garados


    Fire Emblem Heroes ID: 7375759395 - Added mich! :D

  • Ergebnisse
    Wettbewerb Nr. 7: Steckbrief Information | Vote


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    Darky


    Steckbrief #4


    Namen sind wie Schall und Rauch. In der Masse der großen Städte überall anzutreffen, aber wer allein unterwegs ist, benötigt keinen, da ihn sowieso niemand benutzt.
    Er hatte einen Namen gehabt, das wusste er. Aber seit jenem Tag hatte ihn niemand mehr benutzt, um ihn zu sich zu rufen. Um ihn zu warnen. Oder einfach nur, um ihn zu begrüßen.
    Manchmal, wenn er unter einem Baum lag und über die Vergangenheit nachdachte, zog ein Geräusch durch sein Gedächtnis. Weniger noch, ein Wispern, ein Hauch von Stimme. Es klang jedes Mal wie Lesley. Das war wohl der Name, den ihm seine Eltern vor Jahren gegeben hatten.
    Jedes Mal, wenn ihn seine Gedanken zu jenem Tag führten, an dem sich sein Leben verändert hatte, konnte er sich an seinen Namen erinnern. Wenn er an den Tag dachte, an dem er seine Suche startete. Eine Suche, von der er wusste, dass sie erfolglos sein konnte.
    Er war 14 Jahre alt gewesen damals. Er hatte nur Glumanda zum Freund gehabt, sonst niemanden. Das war ein Resultat seiner Verschlossenheit. Er hatte sich regelmäßig abgeschottet, und irgendwann, als alle seine Klassenkameraden an der Trainerschule Freundinnen hatten, wurde er zum Außenseiter. Der verschlossene, aber intelligente Außenseiter.
    Seine Eltern hatten Glumanda nur akzeptiert, weil es klein und relativ ungefährlich war. Auch als es sich zu Glutexo entwickelt hatte war noch alles in Butter gewesen. Aber als dieses ehemals kleine und unscheinbare Pokémon sein letztes Stadium erreicht hatte, war das Fass übergelaufen. Eines der gefährlichsten Feuerpokémon auf einer Zuchtstelle für exotische und bedrohte Pflanzen. Das war absolut inakzeptabel. Und so hatte Lesley von seinen Eltern ein Ultimatum gestellt bekommen: Entweder er findet einen neuen Trainer für Glurak, oder er lässt es frei.
    Und als der Junge keine der beiden Möglichkeiten wählte, hatten sein Eltern sein geliebtes Pokémon weggejagt. Daraus resultierte ein Schwur Lesleys, seinen einzigen Freund so lange zu suchen, bis er ihn gefunden hatte. Wenige Tage später war er mit seinen wenigen Habseligkeiten losgezogen.
    Wie viel Jahre waren seitdem ins Land gezogen? Lesley zählte den fünften Sommer, also war er noch 18 Jahre alt. Im Herbst würde er 19 werden.
    Es hatte Tage gegeben, an denen er an seinem Vorhaben gezweifelt hatte. An denen er in die nächste Stadt flüchten wollte. Doch immer wieder überwog seine Willensstärke. Und sein immer noch existierendes Gefühl der Verbundenheit zu Glurak.
    Seine Charaktereigenschaften kamen sehr selten zu Geltung, da er seit drei Jahren mit keinem Menschen mehr gesprochen hatte. Den Pflanzen war es egal, dass er sehr schnell wütend werden konnte, die Tiere interessierten sich nicht für seine Verschlossenheit, und der Boden konnte keine Vorteile aus Lesleys Intelligenz ziehen. Auch die Tatsache, dass er extrem schüchtern war, hatte keine Relevanz. Nur sein Mut war entscheidend. Lesley sprang notfalls über Klippen und aß jede Art von Beere, die essbar aussah, auch wenn das nicht eindeutig war.
    Noch entscheidender für das Überleben in der Wildnis war aber der Körperbau des Jungen. Er war relativ klein und mittlerweile ziemlich muskulös. Sein pechschwarzes Haar hing ihm über die Schultern und seine Augen waren so stechend blau, dass sich ihnen, als Lesley noch unter Menschen gelebt hatte, niemand entziehen konnte.
    Seine sonnengegerbte Haut war mit Kratzern übersät, einige Wunden aus der Vergangenheit waren auch vernarbt. Eine besonders markante Narbe zog sich über seinen rechten Handrücken. Er wusste noch genau wie er sie erhalten hatte. Er hatte das Shinto-Gebirge Richtung Johto überquert, als er von einem Snobilikat angegriffen worden war. Im anschließenden Kampf war sein Taschenmesser eine Klippe hinuntergefallen und das katzenartige Pokémon hatte Lesley beim Fluchtversuch diesen sauberen Kratzer zugefügt.
    Kurzum, hätte er sein Elternhaus nicht verlassen, er hätte die Mädchen im Sturm erobern können. Aber durch seinen Schwur war er an die Wildnis gebunden wie ein Tanzbär an seinen Pfosten.


    [tab=2. Platz]
    NarutoFan


    Steckbrief #11


    Hallo, ihr Lieben! Mein Name ist Hana Lupus. Ich bin im Moment 16 Jahre alt und komme aus einem ziemlich unbekannten Ort, namens Sunset Town. Fragt nicht, wo genau das liegt, denn ich weiß es selbst nicht so richtig... Auch zu meinem Aussehen kann ich wohl nicht viel sagen... Ich kann euch nur erzählen, was ich von meinen Eltern und anderen Leuten so aufschnappe, denn ihr müsst wissen, dass ich blind bin. Es ist also schwer für mich, mir verschiedene Farben vorzustellen, denn ich habe keinen Schimmer, was ich mir zum Beispiel unter 'grün', 'blau', oder meinetwegen 'lila' -ist ja ganz egal- vorstellen soll. In meiner Welt existiert nur die Farbe Schwarz. Wenn ich euch jetzt mein Aussehen beschreibe, muss ich also bei den Farben die Worte meiner Eltern benutzen. Also... Meine Haare sind denke ich ziemlich lang, bis zur Taille, und stufig geschnitten und mein gerader Pony hängt mir tief in die Augen. Meine Sicht kann er ja nicht behindern, hehe. Meine Haarfarbe ist ein dunkles, aber strahlendes Rot. Ich habe große, traurige Kulleraugen mit Hammer Wimpern, wie meine Mutter so schön sagte. Meine Augen sind übrigens eisblau. Alle sagen, wenn mein Pony mal einen Blick zulässt, dann würden sie wie Diamanten hindurch blitzen. Ich würde das wirklich gerne mal sehen...
    Mein Gesicht ist lang und schmal. Ich habe eine normal große Nase und auch mein Mund wird nichts besonderes sein. Das kann ich einfach nicht beurteilen. Um meinem Hals trage ich ein Band, an dem eine kleine Herzmuschel befestigt ist, die mir besonders gefallen hat, weil sie sich in meiner Hand einfach so wunderbar angefühlt hat. Von der einen Seite ist sie glatt, als ob sie geschliffen wäre, während die andere Seite rau und uneben ist. Erinnert mich vielleicht ein bisschen an mich selbst zu dieser Zeit. Von innen so unvollkommen und von außen so perfekt und glücklich, wie es nur möglich ist... Naja. Ich liebe diese Muschel einfach. Sie erinnert mich außerdem an den einzigen gemeinsamen Urlaub am Meer, den ich mit meiner Familie jemals hatte.
    Jetzt zu meiner Figur. Ich würde sagen, ich bin eher sportlich-schlank. Also jetzt nicht die Art von schlank, bei der man die Knochen fühlen kann. Ich bin echt keins von den Mädchen, die ständig denken, dass sie hungern müssten, um einem Jungen zu gefallen. Wenn ich es mir recht überlege, esse ich sogar ziemlich viel... Ich bin aber nicht speckig. Meine Körpergröße liegt, denke ich, ganz leicht unter dem Durchschnitt.
    Dank meiner Blindheit kümmert es mich nicht wirklich, was ich anziehe. Hauptsache, es ist bequem und ich fühle mich damit wohl. Mein Lieblingsoutfit besteht aus einem weißen, bequemen Top und einer Lederjacke. Das Leder ist ganz weich und passt sich jeder meiner Bewegungen an und gerade deshalb finde ich die Jacke so toll. Außerdem hat sie einen ganz angenehmen Geruch, der mich an Freiheit und Wildheit erinnert. Als Hose trage ich einfach eine bequeme, weite Jeans. Und bei den Schuhen entscheide ich mich oft für Chucks, weil die einfach alles mitmachen und sich das, selbst wenn sie ein bisschen kaputt und schmutzig sind, nicht ändert.
    Nur weil ich blind bin, soll übrigens keiner denken, dass ich kein hochgestecktes Ziel habe. Nein, ich will nicht, wie so viele andere unbedingt der Pokémon- Champion werden, obwohl ich natürlich nicht 'Nein' sagen würde, wenn der jetzige Champ mich herausfordern würde. Ich will einfach nur jedem beweisen dass ich alles kann, was jeder andere auch kann. Hört sich vielleicht albern an, aber für mich ist dieser Traum sehr wichtig.
    Wenn das Leben ein Buch wäre, dann stände ich sicherlich auf der Seite der Guten. Ich könnte einfach niemandem wehtun, selbst wenn dieser 'Niemand' mich schon vorher irgendwann mal verletzt hätte. Ich durchschaue schnell die Absichten meines Gegenüber, auch wenn er versucht sie zu verstecken. Ich kann das einfach. Vielleicht können das ja alle blinden Menschen, wer weiß?
    Da das Aussehen meiner Mitmenschen, und überhaupt mein ganzes Umfeld, für mich keine Rolle spielt, kann ich meistens unvoreingenommen entscheiden, wie ich weiter vorgehen will. Wenn es am Blindsein einen Vorteil gibt, dann ist er das. Aber im Ernst jetzt... Ich finde, dafür, dass mich das Schicksal so schwer getroffen hat, geht es mir ganz gut. Ich habe keinen Grund, mich irgendwo hinter dicken Vorhängen zu verschanzen, denn das Leben ist schön! Das spüre ich besonders dann, wenn ich mit meinem treuen Dragoran zusammen durch die Lüfte reite. Außer ihm brauche ich niemanden und wir haben bis jetzt noch nie einen Kampf verloren. Mein Dragoran begleitet mich überall hin und dabei habe ich es nie gefangen...
    Meine Eltern waren immer viel zu besorgt um mich. Immer war irgendjemand bei mir, dem angeblich so schwachen kleinen Mädchen, dass niemals groß und stark werden würde, denn ich war ja blind. Wie oft ich doch damals in meinen Zimmer gesessen hatte und in Tränen versunken war... Ich hatte oft versucht ihnen klar zu machen, dass ich in der großen weiten Welt ganz wunderbar klar kam, doch ich wusste immer genau, dass ich mich damit auch ein bisschen selbst belog. Aber meine Eltern mussten es mir immer ins Gesicht sagen, dass ich das niemals überleben würde, wenn nicht immer ihre 'schützenden Hände' über mir liegen würden. Nachdem ich dieses Gehätschele 12 Jahre ertragen hatte, habe ich mich aus dem Staub gemacht. Ich bin einfach abgehauen, aber natürlich nicht, ohne ihnen vorher so richtig mein Herz ausgeschüttet zu haben und ihnen meine, über die Jahre angestauten, Gefühle offenbart hatte. Wie ich dann so das erste Mal auf mich allein gestellt war, bin ich natürlich nicht ohne einen riesigen Haufen dicker Beulen und Schürfwunden davongekommen. An einem Tag hat es ganz schlimm geregnet. Ich war hungrig und hatte nichts mehr dabei, was ich hätte essen können. Ich war bis auf die Haut durchnässt und hatte schon einen dicken Schnupfen und dann hat mich Dragoran gefunden. Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass ein Pokémon mich aufgegabelt und aufgepäppelt hatte und ehe ich verstand, das es passiert war, waren Dragoran und ich unzertrennlich geworden. Ich weiß nicht, ob Dragoran einfach das Bedürfnis verspürt, mich beschützen zu müssen, oder ob es damals einfach nichts besseres zu tun hatte, aber es ist mir auch egal, denn ich bin ihm wirklich dankbar, dass es immer bei mir ist. Ich vertraue ihm und es vertraut mir und solange wir zusammen sind, ist die Welt für mich wunderbar. Manchmal, wenn ich auf Dragorans Rücken reite und den Wind spüre, der mir wild und frei ins Gesicht weht, vergesse ich sogar, dass ich blind bin. Mit Dragoran als meine Augen ist es fast so, als ob ich doch sehen könnte.
    Ich habe mich übrigens auch mit meinen Eltern versöhnt. Als sie mich, nach fünf Jahren wohlbehalten und vor allem glücklich wiedersahen, haben sie akzeptiert, dass ich wegen meiner Blindheit kein anderes und eingeschränkteres Leben führen muss, als sie und jeder andere Mensch auch. Und damals habe ich auch wieder geweint. Aber es waren Freudentränen.


    [tab=3. Platz]
    Scissorhand


    Steckbrief #16


    Mein Name ist Naomi Marude, ich bin sechzehn Jahre alt und scheine ein Mädchen zu sein, wie jede Sechzehnjährige es ist. Ich trage am liebsten meinen kurzen roten Rock und mein schlichtes schwarzes Top dazu. Es ist nichts Besonderes, hat keinen speziellen Schnitt und ist auch nicht sonderlich eng, ich mag es lieber unauffällig und besonders bequem. Meine Schuhe sind immer die gleichen, schwarze Turnschuhe mit türkisfarbenen Schnürsenkeln, meine Socken sind meist rot, rot wie Blut. Dieselbe Farbe hat die Blume, welche ich mir immer in mein Haar stecke. Sie ist ein Andenken an meine Vergangenheit, an das Leben bevor ich mein Gedächtnis verlor. Natürlich ist sie nicht echt, sonst wäre sie verwelkt, doch sie macht einen so natürlichen Eindruck, dass jeglicher Hauch von Kitsch bei ihr nicht zu erkennen ist. Diese Blume bedeutet mir sehr viel, denn sie ist das einzige, was mir einen Hinweis auf meine frühe Kindheit gibt. In mein haselnussbraunes Haar pinne ich stets eine türkisblaue Strähne, welche mit roten Perlen bestückt ist. Weshalb, weiss ich selbst nicht genau, aber ich mag diese Strähne, und ohne sie wäre ich nicht mehr richtig… ich. Von Schmuck halte ich nicht viel, das einzige Vergleichbare wären wohl eben erwähnte Accessoires für meine langen Haare und die grobe schwarze Uhr, welche ich – wie eigentlich jeder – um mein linkes Handgelenk trage. Da ist es praktisch mag, dient die Uhr gleichzeitig auch als Wecker, Schrittzähler und Stoppuhr. Um meine Hüfte trage ich einen breiten türkisblauen Gürtel mit sechs kleinen Fächern, wo ich meine Pokébälle verstauen kann. Die gleiche Farbe hat meine grosse geräumige Tasche, welche auch noch mit einer schwarzen Rose verziert ist. Für mich bedeutet eine schwarze Rose so viel wie Tod, weshalb mich die Tasche so fasziniert hat, dass ich mich für sie entschieden habe. Dass sie zufälligerweise auch zu meinen Augen, Schnürsenkeln und meinem Gürtel passt, ist natürlich reiner Zufall, von Mode halte ich nicht allzu viel. Zu meinem Gesicht gibt es wohl nicht viel zu sagen, meine Augen sind gross und blau, meine Nase klein und mein Mund meist in einem seltsamen Winkel nach unten gezogen, was wohl auch noch mehr meine Unfreundlichkeit auf andere Menschen wirken lässt.


    Die Menschen halten sich von mir fern, ich reise allein herum, und das ist auch gut so. Ich geniesse meine Einsamkeit, denn dann kann ich ungestört über das Leben und den Tod nachdenken, und wenn ich mit jemandem über meine Gefühle sprechen will, habe ich meine drei Pokémon, welche mir zuhören und meine Tränen im Notfall versiegen lassen. Ich habe keine Freunde, keine Familie, bin das einzige menschliche Wesen, welches ich nicht als Abschaum bezeichnen möchte. Menschen sind grausam, egoistisch und nur auf sich selbst fixiert. Mich selbst will ich da überhaupt nicht ausschliessen, schliesslich bin auch ich ein menschliches Wesen. Doch ich bin die einzige, der ich vertrauen kann. Ich hatte noch nie irgendjemanden, der für mich war wie ein echter Freund. Wollte ich Kontakte knüpfen, wurde ich immer nur belogen und betrogen. Die einzigen, welchen ich vertraue, sind meine drei Pokémon, welche ihren Pokéball selten von innen sehen und meist neben mir her trotten. Für sie würde ich alles tun. Für sie würde ich mich ohne einen Gedanken zu verschwenden vor einen Zug stürzen, für sie würde ich mich foltern und töten lassen. Denn mein Leben ist doch sowieso nichts wert. Keiner mag mich, was wohl an mir selbst liegt. So sehr ich mich auch anstrenge, ich schaffe es nicht, freundlich zu den Leuten zu sein. Wer auch nur eine kurze Zeit mit mir verbringt, will mich sofort wieder loswerden, denn ich bin anders als normale Mädchen. Meine Interessen beziehen sich nicht auf Mode und rosarote Einhornviecher, sondern auf den Tod und die Ursache des Lebens. Mode und meine Haarfarbe interessieren mich nicht, mein Aussehen ist mir schnuppe, ebenso wie meine inneren Werte. Die Leute sollen doch von mir denken, was sie wollen, ich bleibe ich, auch wenn das meine Umwelt abzuschrecken vermag. An was mein solch verkorkster Charakter wohl liegt, das kann ich mir selbst nicht erklären. Doch ich denke, die Ursache für mein deprimierendes Leben ist einzig und allein meine Kindheit.


    Ich erinnere mich nicht daran, was geschah, bevor ich in das Waisenhaus eingeliefert wurde. Ich war wohl noch ein Baby, das einzige was ich bei mir hatte war ein Tuch, in dem mein Name eingestickt war, und die Blume, welche ich immer in meinem Haar trage. Meine Gedanken beginnen an dem Ort, wo ich lachend am Boden sitze, in einem Kreis mit vielen anderen Jungen und Mädchen meines zarten Alters. Damals hatte ich keine Ahnung, betrachtete die Welt noch wie durch eine rosarote Brille. Ich erinnere mich, wie ich mit anderen Kindern spielte und mein Dasein als Mädchen genoss. Es war wundervoll, doch ich war so naiv. An allem fand ich etwas Schönes, etwas, was mir gefiel, was mich glücklich machte. Bis ich in ein gewisses Alter kam und die alte, freundliche Pflegerin pensioniert wurde. Sie wich einer Frau, welche der Alptraum eines jeden sanftmütigen Kindes zu sein scheint. Wurde etwas nicht ihrer Vorstellung entsprechend gemacht, bekam man einen kräftigen Hieb ab. Tränen rührten diese Frau nicht, denn sie hatte kein Herz. Ihre Augen spuckten einem blanken Hass ins Gesicht, als man sie flehend anschaute. Um ihre Macht zu zeigen, quälte sie jeden von uns, einen nach dem anderen. Jeden, ausnahmslos, und somit auch mich. Noch heute habe ich eine Narbe davon, wie diese grausame Person uns in einem ihrer Terroranfälle siedend heisses Wasser nachschüttete und einige von uns traf. Hinten an der rechten Wade habe ich einen grossen Fleck von glänzender und unebener Haut, wo sich die Flüssigkeit in mein damals noch junges Fleisch frass. Ich erinnere mich an die Tränen, die wir vergossen, so viele Male. Und ich erinnere mich, dass ich mich immer mehr von den anderen absonderte, sie nicht mehr verstand. Sie trösteten sich gegenseitig, doch ich zog mich in eine Ecke zurück und liess still meine Trauer und meine Schmerzen über mich ergehen. Vielleicht waren nicht nur die Grausamkeiten, die ich dort erfuhr, schuld an meinem Charakter. Es könnte auch sein, dass ich schon vorher das Böse in mir drin hatte, es aber dadurch erst richtig ausbrach. So wurde von dem kleinen glücklichen Sonnenschein die verschlossene und düstere Person, welche ich heute bin. Doch ich hasse die Frau nicht für ihre Taten, denn vielleicht war es ja ganz gut so. Schliesslich bringt es nur Vorteile, skeptisch zu sein wie ich und nicht jedem blind zu vertrauen. Damals wurde meine Gutmütigkeit oft ausgenutzt, meine scheinbaren Freunde gaben sich nur mit mir ab, um mich zu beklauen oder sich über mich lustig machen zu können. Doch nun weiss ich es besser und ich vertraue nur noch auf meine Pokémon.


    Endivie, welches mich seit Beginn meiner Reise begleitet und mein allerengster Partner ist. Sie, welche meine Gedanken kennt und mich tröstet, wenn ich wieder mal an meiner Trauer zu zerbrechen drohe. Mein Ein und Alles, das erste Wesen, welchem ich jemals vertrauen konnte und welches mich nicht hinterging. Ein starkes Pokémon von sensiblem Charakter, welches es versteht, sich in mich hineinzufühlen und die Dunkelheit aus meiner Seele wieder zu verscheuchen.
    Papinella, mein wunderschönes Papinella, das erste Pokémon, welches ich in meinem Leben gefangen habe. Es war ein harter Kampf gewesen, doch schlussendlich konnte Endivie sich dann doch gegen sie durchsetzen. Ich erinnere mich an die Aura, die sie ausstrahlte. So anmutig, so elegant. Das schönste Wesen, welches ich jemals gesehen habe. Und gemeinsam mit Endivie und dem einzigen Männchen im Trio ist sie ein Wesen der Trost, eine Kreatur voller Wunder und Geheimnisse, welche mit ihren Flügeln all meine düsteren Gefühle wegzuwehen versteht.
    Und nicht zuletzt Fukano, das flammende Geschöpf des Lichts, welches in das tiefe Schwarz meines Inneren immer wieder einen Funken Hoffnung bringen kann. Was würde ich nur ohne den flammenden kleinen Tiger tun, welcher mich mit seinen grossen Augen doch immer wieder daran erinnert, wie wundervoll es war, als er aus dem Ei herausgeschlüpft ist, welches ich bei einer Wette gewonnen hatte? Indem ich ein anderes Pokémon mit Papinella besiegte, erhielt ich Fukano, meinen kleinen Welpen, ohne den ich wohl schon längst am Boden zerstört wäre.
    Dies sind sie, meine drei wundervollen Pokémon, die Wesen, welche mein Leben lebenswert machen und für mich schon mehr als einmal alles riskiert und einen starken Gegner besiegt haben. Mit ihnen gemeinsam stehe ich meine Reise durch. Ich weiss nicht einmal, ob ich ein konkretes Ziel habe, ich wollte einfach weg von dem Waisenhaus, weg von den Qualen und den Schmerzen, welche ich damit verband. Was ich in Zukunft noch erleben werde, steht in den Sternen. Vielleicht werde ich Champ, vielleicht Arenaleiter, vielleicht werde ich auch als Obdachlose sterben. Doch das einzige was zählt ist, dass ich meine Pokémon habe und dass ich ihnen vertrauen kann. Und das kann ich allemal, denn wir vier teilen uns eine Seele. Gemeinsam sind wir stark. Und nie mehr wird sich uns jemand anschliessen können, denn eine Seele kann nicht fünfgeteilt werden.


    [tab=4. Platz]
    Son-Goku


    Steckbrief #14


    Name: Shio Fukiyama
    Herkunft: Graphitport City (Hoenn-Region)
    Alter: 12 Jahre
    Geschlecht: männlich
    Aussehen: grau-silbernes, ins Gesicht abfallendes Haar, stechende rote Augen, ein schwarz-violettes langärmliges Oberteil sowie schwarz-violette Handschuhe mit der Aufschrift "PF" (Abkürzung für "Pokémon Force"), eine schwarz-graue lange Hose sowie schwarz-violette Turnschuhe
    Pokémon: Scherox
    Charaktereigenschaften: ernsthaft, durchsetzungsfähig, ehrgeizig, kampfeslustig, fanatisch, intolerant, stur


    Geschichtlicher Hintergrund: Shio, einst ein liebenswürdiger Junge, der wie viele andere davon träumte, eines Tages auf eine Pokémon-Reise zu gehen und Pokémon-Meister zu werden, erhielt sein erstes Pokémon im Alter von 6 Jahren im Nationalpark von Johto, als er sich das Flemmli seines Vaters leihen durfte und damit ein Sichlor fing. Sein Vater Daisuke Fukiyama hegte selbst den Traum, eines Tages Pokémon-Meister zu werden und verließ kurz darauf seine Familie, um eben jenes Ziel zu erreichen.
    Während Shio vorfreudig und voller Vertrauen in die Stärke und den Erfolg seines Vaters mit seiner Mutter zurückblieb und jahrelang hart mit seinem Sichlor trainierte, um mit 10 Jahren endlich seine eigene Reise antreten zu können, erlebte Daisuke auf seiner Reise eine Niederlage nach der anderen, weil es ihm einfach an Talent im Umgang mit Pokémon mangelte. Jedoch erlag er schon bald seinem übertriebenen, kranken Ehrgeiz, unbedingt Pokémon-Meister werden zu wollen, und glaubte trotz aller Miseren, er wäre der beste Trainer aller Zeiten und hätte nur eine temporäre Pechsträhne. Diese falsche Herangehensweise ließ ihn allerdings nur noch mehr Niederlegen einstecken und machte ihn nahezu fanatisch.


    Hart getroffen von all den Rückschlägen seiner Reise kehrte er völlig am Ende seiner Kräfte an Shios 10. Geburtstag zurück. Aus lauter Frust und aufgrund seiner gescheiterten Ziele richtete Daisuke seinen Hass gegen alle Pokémon-Trainer der Welt und entwickelte schon bald die krankhafte Idee, dass das Pokémon-Trainer-Dasein keinen Sinn habe, da es bei Pokémon-Liga-Meisterschaften immer nur einen Sieger geben könne, während alle anderen Trainer als Verlierer zurückbleiben. Diese Tatsache schaffe nur Traurigkeit, Demotivation und Enttäuschung sowohl bei Trainern als auch ihren Pokémon, während die Pokémon für die Menschen nur zu Werkzeugen für den erstrebten Ruhm und Erfolg verkommen.
    Aus dieser Denkweise heraus schuf Shios Vater die Organisation "Pokémon Force", die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Zusammenleben zwischen Menschen und Pokémon für immer zu unterbinden, um zu verhindern, dass sich beide Spezies jemals wieder gegenseitig enttäuschen können.


    Shio, mit 10 Jahren immer noch zu naiv und mit zu großem Vertrauen in seinen Vater, übernahm unbewusst aus der großen Enttäuschung über Daisukes Scheitern heraus all den Hass gegen alle Pokémon-Trainer dieser Welt, um das fanatische Weltbild seines Vaters Realität werden zu lassen und dessen Scheitern als Pokémon-Trainer zu rächen.
    Diese Solidarität sollte sich aber auch rächen, denn sein einst so liebevoller Vater war durch die zahllosen Rückschläge seiner Reise inzwischen zu einem von Strenge erfüllten, emotionslosen Mann geworden, der nur noch für eines lebte: seine Rache an allen Pokémon-Trainern der Welt zur Erfüllung seines neuen Weltbildes.


    Nicht nur, dass Daisuke gegen Shios Willen dessen besten Pokémon-Freund Sichlor mit einem Metallmantel gewaltsam zur Weiterentwicklung zu Scherox zwang, um das Pokémon seines Sohnes noch mächtiger zu machen: Auch und gerade Shios Mutter litt besonders unter den abstrusen, weltfremden Vorstellungen ihres Mannes, die ihrer Familie unter all den Bürgern Graphitport Citys, die bei gesundem Menschenverstand waren, nur Verachtung einbrachten.


    Als sich Shio von Daisukes Vorstellungen auch noch überzeugen ließ, Daisuke darüber hinaus eine Basis in Graphitport City für die Pokémon Force errichtete und dort immer mehr Mitglieder für seine Organisation rekrutierte, rang sich Shios Mutter zur Scheidung durch und verließ die Familie alsbald, was Shio, dem seine Mutter unheimlich wichtig war, das Herz brach. An dem Tag, an dem er sie zum letzten Mal sah und sie überstürzt abreiste, sagte sie ihm, sie könne sich erst dann wieder ein Zusammenleben mit seinem Vater vorstellen, wenn er seine krankhaften Ambitionen, die zu Welt verändern, aufgeben würde.


    Von der eigenen Mutter zurückgelassen und von seinem Vater fast 2 Jahre hartem Training unterzogen, in denen Würde, Stärke, Disziplin und das Ziel der Verbesserung der Welt tagtäglich die obersten Gebote waren, und dadurch nahezu gefühlskalt gemacht, zieht Shio neben hunderten anderer Anhänger der Pokémon Force, die Shios Vater von seinem verzerrten perfekten Weltbild mittels geheimer Hetzkampagnen über das Internet überzeugen konnte, in die Welt aus. Das Ziel: Die Pokémon-Trainer aller Welt mit seinem nahezu stärketechnisch und strategisch perfekten Kampfstil zu besiegen und so zu demütigen, dass er ihnen nach ihrer Niederlage glaubhaft einreden kann, sie seien alle Versager und dass solche Enttäuschungen der Alltag von Menschen und Pokémon seien und nur zu noch weiteren gegenseitigen Enttäuschungen im Leben führten, was das Zusammenleben zwischen Mensch und Pokémon sinnlos macht.


    Auf diese Weise startet Shio als ranghöchstes Mitglied der Organisation seines Vaters mit einer für sein Alter ungewöhnlichen Reife, aber auch Ernsthaftigkeit, Verbitterung und Härte einen Rachefeldzug, um die Welt zu verbessern, ohne jedoch zu bemerken, dass mit dem Unterbinden des Zusammenlebens zwischen Mensch und Pokémon niemandem geholfen ist.
    Ohne Gnade bringt die Pokémon Force, allen voran Shio, in der Hoenn-Region immer mehr Menschen dazu, das Pokémon-Training für immer aufzugeben, blind das Ziel seines Vaters verfolgend.
    Erst als der bis dato ungeschlagene Shio dem gleichaltrigen, zielstrebigen Pokémon-Trainer Takeshi Rudo aus Wurzelheim begegnet, der der größte Pokémon-Meister aller Zeiten werden will, keimen in Shio leise Zweifel auf. Takeshi symbolisiert nämlich genau die Art von Pokémon-Trainer, die er als kleiner Junge selbst immer werden wollte: ein Trainer, der für seine Pokémon lebt und einsteht, den Pokémon-Kampf liebt und ehrgeizig am Ziel, Pokémon-Meister zu werden, Hand in Hand mit seinen Pokémon arbeitet. Dass Takeshi der bis dato einzige Trainer ist, der ihm kämpferisch ebenbürtig ist, weckt wiederum den Ehrgeiz und die Kampfeslust in Shio, seinen neuen und einzigen Rivalen zu besiegen und auch ihm die Wahrheit seines Vaters einzubläuen.
    Während Takeshi als sein einziger ebenbürtiger Gegner versucht, ihm die kranken Weltvorstellungen seines Vaters auszureden, hält Shio jedoch stur an seinen Überzeugungen fest. Doch was treibt ihn an? Die wahre Überzeugung von den Idealen seines Vaters oder sind es nur der Verlust seiner Mutter und die komplette menschliche Veränderung Daisukes, die ihn zu einer fast willenlosen und fanatischen, aber starken und ehrgeizigen Marionette seines Vaters werden ließen?
    Und ist Shio bewusst, dass er entsprechend den Vorstellungen seines Vaters von einer Welt, in der Menschen und Pokémon getrennt voneinander leben, sein Scherox, das in all den Jahren sein bester Freund geworden ist, eines Tages ebenfalls der Freiheit überlassen muss?


    Cina the Windknight


    Steckbrief #17


    Name: Eileen Azura
    Alter: 67
    Geschlecht: weiblich
    Wohnort: Sinnoh


    Aussehen: Sie hat blaue Augen und eine durchschnittliche Größe.
    Ihre schulterlangen hellgrauen Haare bindet sich Eileen für gewöhnlich mit einem schwarzen Band zurück, damit sie ihr nicht im Weg sind.
    Sie trägt meistens ihren braunen Reisemantel, einen ihrer eher langen Röcke, und eine Bluse in unauffälliger Farbe. Für ihre Pokemonreise hat sie sich praktische Wanderschuhe besorgt. Natürlich möchte sie bei anderen auch einen guten Eindruck hinterlassen, aber generell legt sie mehr Wert auf den praktischen Nutzen ihre Kleidung, und hat vor allem andern ihr Ziel im Blick. Sie achtet nicht auf Details, oder Farbkombinationen in ihrem Outfit.


    Charakter:
    -ehrgeizig
    -gelassen, ruhig
    -stur, unbeirrbar
    -folgt nur ihren eigenen Regeln
    -pragmatisch
    -immer sehr konzentriert
    -einfallsreich
    -manchmal rücksichtslos
    -hört Anderen oft nicht zu


    Geschichte:
    Als Eileen noch ein kleines Kind war, erzählte ihr Großvater ihr immer von seinen unzähligen Abenteuern als Pokemon-Trainer. Sie liebte diese Geschichten und träumte davon, auch später einmal zusammen mit ihrem Azurill eine große Trainerin zu werden. Sie stammt jedoch aus armen Verhältnissen und konnte nicht einfach so fröhlich auf Pokemonreise gehen. Stattdessen mussten sie und ihr Bruder schon früh viel arbeiten, um die Familie finanziell zu unterstützen. Sie hasste es, ihren Traum aufzugeben, denn sie hält an ihren Zielen immer fest und würde nie von allein eines aufgeben. Aber auch auf ihre Arbeit stürzte sie sich voller Ehrgeiz. Sie konzentrierte sich voll auf ihre Karriere und ließ sich kaum noch Zeit für Anderes - und war auch sehr erfolgreich.
    Irgendwann merkte sie, dass sie zu weit gegangen war, und vor allem ihr kleines Azurill litt darunter, dass sich niemand wirklich um es kümmerte. Aber statt aufzuhören, ließ sie ihr Pokemon in der Nähe von anderen Wasserpokemonfamilien frei -wo es ihm ja sicher besser gehen würde- und hielt an ihrem bisherigen Job fest.


    Ihre Pokemonreise:
    Da Eileen nun in Rente gegangen ist und wieder Zeit hat, und zudem die Geburt ihres ersten Enkelkindes ansteht, erinnert sie sich wieder an ihren alten, fast schon vergessen Traum. Beim Gedanken an die verrückten Geschichten ihres Großvaters, die immer ein Lächeln auf ihr Gesicht zaubern konnten, wünscht sie sich plötzlich, ihre eigenen Geschichte zu erleben, von der sie dann ihre Enkeln erzählen könnte. Außerdem hofft sie, ihr altes Azurill wiedersehen zu können, dass sie nicht mehr gesehen hat, seit sie es freigelassen hat.
    Von Professor Eibe bekommt sie zwei Startpokemon, die nie jemand ausgewählt hat und die Eileen von da an auf ihrer Reise begleiten.


    Pokemon:
    Chelterrar - es ist etwa genauso alt wie Eileen und ebenso gelassen und ruhig, aber lange nicht so ehrgeizig. Es mag keine anstrengenden Kämpfe, darum wird es von seiner Trainerin mehr als "Fahrgelegenheit" eingesetzt, wenn sie vom Laufen müde ist.
    Panpyro - ein sehr aufgedrehtes und energisches Feuerpokemon, dass sich immer über die Langsamkeit seiner beiden Reisegefährten aufregt
    früher: Azurill - es war ihr fröhlicher kleiner Freund und Begleiter, und Eileen ist sicher, dass sie es an dem Schlitz an seinem rechten Ohr wiedererkennen wird.


    Kampfstil:
    Eileen hat grundsätzlich erstmal keine Ahnung von Pokemonkämpfen oder Pokemon im Allgemeinen. In der Großstadt, in der sie lebte, und bei ihrem eher mit normaler Büroarbeit verbundenem Job hatte sie wenig Gelegenheit, auf dem Gebiet Erfahrung zu sammeln - Computer kann sie nicht bedienen und Bücher lesen mag sie nicht, und sie will auch niemand anderen um Hilfe bitten - sie denkt, dass man in ihrem Alter schon alles wissen sollte. Deswegen kann sie sich nur auf die heldenhaften Geschichten ihres Großvaters stützen und auf die paar Tricks, mit denen sie im Grundschulalter in den Pokemonkämpfen gegen ihren eigentlich viel stärkeren großen Bruder besiegen wollte, bevor sie sich wegen Arbeit und Schule keine Zeit mehr für so etwas gelassen hat.
    Eigentlich wollte Eileen ja ein genauso fairer und bewundernswerter Trainer sein, wie ihr Großvater es war - aber in der Wirklichkeit kommt sie damit nicht weit. Da sie aber unbedingt erfolgreich sein will als Trainer, sieht sie die Regeln des Pokemonkampfes einfach mal nicht so eng und greift zu den alten Tricks, die ihr schon als Kind gut gedient haben.


    Zum Beispiel tut Eileen zu Beginn eines Kampfes so, als würde sie Panpyro eine geheime Strategie zuflüstern, um ihren Gegnern Angst zu machen - in Wirklichkeit nuschelt sie nur irgendetwas undeutliches.
    Manchmal lacht sie ganz plötzlich laut, erzählt irgendetwas Seltsames oder guckt ganz böse - viele gegnerischen Trainer werden dadurch abgelenkt oder verunsichert.
    Panpyro benutzt im Kampf auch gerne mal Stöcke oder Steine oder andere Gegenstände aus der Umgebung - und die hat meistens Eileen da hingelegt, weil sie die Trainer von weitem kommen sieht. Und das sind nur einige ihrer vielseitigen Tricks. Auch wenn sie einmal ohne so etwas kämpft, überrascht sie durch ungewöhnliche Strategien, die teilweise so lächerlich sind, dass sie schon wieder irgendwie klappen, weil es den Gegner unvorbereitet trifft.
    Name: Eileen Azura
    Alter: 67
    Geschlecht: weiblich
    Wohnort: Sinnoh


    Aussehen: Sie hat blaue Augen und eine durchschnittliche Größe.
    Ihre schulterlangen hellgrauen Haare bindet sich Eileen für gewöhnlich mit einem schwarzen Band zurück, damit sie ihr nicht im Weg sind.
    Sie trägt meistens ihren braunen Reisemantel, einen ihrer eher langen Röcke, und eine Bluse in unauffälliger Farbe. Für ihre Pokemonreise hat sie sich praktische Wanderschuhe besorgt. Natürlich möchte sie bei anderen auch einen guten Eindruck hinterlassen, aber generell legt sie mehr Wert auf den praktischen Nutzen ihre Kleidung, und hat vor allem andern ihr Ziel im Blick. Sie achtet nicht auf Details, oder Farbkombinationen in ihrem Outfit.


    Charakter:
    -ehrgeizig
    -gelassen, ruhig
    -stur, unbeirrbar
    -folgt nur ihren eigenen Regeln
    -pragmatisch
    -immer sehr konzentriert
    -einfallsreich
    -manchmal rücksichtslos
    -hört Anderen oft nicht zu


    Geschichte:
    Als Eileen noch ein kleines Kind war, erzählte ihr Großvater ihr immer von seinen unzähligen Abenteuern als Pokemon-Trainer. Sie liebte diese Geschichten und träumte davon, auch später einmal zusammen mit ihrem Azurill eine große Trainerin zu werden. Sie stammt jedoch aus armen Verhältnissen und konnte nicht einfach so fröhlich auf Pokemonreise gehen. Stattdessen mussten sie und ihr Bruder schon früh viel arbeiten, um die Familie finanziell zu unterstützen. Sie hasste es, ihren Traum aufzugeben, denn sie hält an ihren Zielen immer fest und würde nie von allein eines aufgeben. Aber auch auf ihre Arbeit stürzte sie sich voller Ehrgeiz. Sie konzentrierte sich voll auf ihre Karriere und ließ sich kaum noch Zeit für Anderes - und war auch sehr erfolgreich.
    Irgendwann merkte sie, dass sie zu weit gegangen war, und vor allem ihr kleines Azurill litt darunter, dass sich niemand wirklich um es kümmerte. Aber statt aufzuhören, ließ sie ihr Pokemon in der Nähe von anderen Wasserpokemonfamilien frei -wo es ihm ja sicher besser gehen würde- und hielt an ihrem bisherigen Job fest.


    Ihre Pokemonreise:
    Da Eileen nun in Rente gegangen ist und wieder Zeit hat, und zudem die Geburt ihres ersten Enkelkindes ansteht, erinnert sie sich wieder an ihren alten, fast schon vergessen Traum. Beim Gedanken an die verrückten Geschichten ihres Großvaters, die immer ein Lächeln auf ihr Gesicht zaubern konnten, wünscht sie sich plötzlich, ihre eigenen Geschichte zu erleben, von der sie dann ihre Enkeln erzählen könnte. Außerdem hofft sie, ihr altes Azurill wiedersehen zu können, dass sie nicht mehr gesehen hat, seit sie es freigelassen hat.
    Von Professor Eibe bekommt sie zwei Startpokemon, die nie jemand ausgewählt hat und die Eileen von da an auf ihrer Reise begleiten.


    Pokemon:
    Chelterrar - es ist etwa genauso alt wie Eileen und ebenso gelassen und ruhig, aber lange nicht so ehrgeizig. Es mag keine anstrengenden Kämpfe, darum wird es von seiner Trainerin mehr als "Fahrgelegenheit" eingesetzt, wenn sie vom Laufen müde ist.
    Panpyro - ein sehr aufgedrehtes und energisches Feuerpokemon, dass sich immer über die Langsamkeit seiner beiden Reisegefährten aufregt
    früher: Azurill - es war ihr fröhlicher kleiner Freund und Begleiter, und Eileen ist sicher, dass sie es an dem Schlitz an seinem rechten Ohr wiedererkennen wird.


    Kampfstil:
    Eileen hat grundsätzlich erstmal keine Ahnung von Pokemonkämpfen oder Pokemon im Allgemeinen. In der Großstadt, in der sie lebte, und bei ihrem eher mit normaler Büroarbeit verbundenem Job hatte sie wenig Gelegenheit, auf dem Gebiet Erfahrung zu sammeln - Computer kann sie nicht bedienen und Bücher lesen mag sie nicht, und sie will auch niemand anderen um Hilfe bitten - sie denkt, dass man in ihrem Alter schon alles wissen sollte. Deswegen kann sie sich nur auf die heldenhaften Geschichten ihres Großvaters stützen und auf die paar Tricks, mit denen sie im Grundschulalter in den Pokemonkämpfen gegen ihren eigentlich viel stärkeren großen Bruder besiegen wollte, bevor sie sich wegen Arbeit und Schule keine Zeit mehr für so etwas gelassen hat.
    Eigentlich wollte Eileen ja ein genauso fairer und bewundernswerter Trainer sein, wie ihr Großvater es war - aber in der Wirklichkeit kommt sie damit nicht weit. Da sie aber unbedingt erfolgreich sein will als Trainer, sieht sie die Regeln des Pokemonkampfes einfach mal nicht so eng und greift zu den alten Tricks, die ihr schon als Kind gut gedient haben.


    Zum Beispiel tut Eileen zu Beginn eines Kampfes so, als würde sie Panpyro eine geheime Strategie zuflüstern, um ihren Gegnern Angst zu machen - in Wirklichkeit nuschelt sie nur irgendetwas undeutliches.
    Manchmal lacht sie ganz plötzlich laut, erzählt irgendetwas Seltsames oder guckt ganz böse - viele gegnerischen Trainer werden dadurch abgelenkt oder verunsichert.
    Panpyro benutzt im Kampf auch gerne mal Stöcke oder Steine oder andere Gegenstände aus der Umgebung - und die hat meistens Eileen da hingelegt, weil sie die Trainer von weitem kommen sieht. Und das sind nur einige ihrer vielseitigen Tricks. Auch wenn sie einmal ohne so etwas kämpft, überrascht sie durch ungewöhnliche Strategien, die teilweise so lächerlich sind, dass sie schon wieder irgendwie klappen, weil es den Gegner unvorbereitet trifft.
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    TCCPhreak


    Steckbrief #18


    Richard F. - normalerweise reagiert er nur auf seinen Spitznamen "Rico" - wohnt mit seinen Eltern in Azal und ist zur Zeit 15 Jahre alt.
    Obwohl er durch seine Umgebung seit seiner Geburt mit Pokemon zu tun hatte, hat sich der Junge die ersten Jahre seines Lebens nicht für sie interessiert. Er hat sich geweigert, mit ihnen zu spielen und im Familienkreis existieren Bilder, in denen er vor den harmlosen Annäherungsversuchen eines Voltilamms und eines Raupys deutlich zurückschreckt.


    Diese Abneigung änderte sich jedoch, als sich ein Pokemon von ihm nicht zurückweisen ließ und ihm damit schlussendlich das Leben rettete. Mit fünf Jahren fiel Rico in einen Brunnen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch nicht das Schwimmen erlernt und hielt sich daher nur strampelnd über Wasser. Durch sein Geschrei neugierig geworden näherte sich ihm ein wildes Aquana, welches zu dem Zeitpunkt im Brunnen geschlafen hatte. Zunächst versuchte der kleine Rico so gut es ging, sich von dem ihm unbekannten Pokemon fortzubewegen. Als er jedoch in seiner Panik die plumpen Schwimmbewegungen unterbrach, tauchte er unter. Das Aquana hingegen erkannt die Gefahr, tauchte ihm hinterher und zog ihn entschlossen wieder an die Wasseroberfläche. Als Rico dort wieder zu Atem kam, stellte er fest, dass ihm die Nähe dieses Pokemon doch deutlich angenehmer war als das Alleinsein im Wasser und so hielt er sich an Aquana fest, bis er endlich dem Wasser entkommen konnte.


    Seit diesem Vorfall sind dieses Aquana und Rico wie durch ein unsichtbares Band verbunden. Zwar behielt Rico vorerst weiterhin seinen Abstand zu anderen Pokemon bei, aber dieses Aquana liebte er heiß und innig. Seltsamerweise ist auch das Aquana nicht unmittelbar nach der Rettung wieder verschwunden, sondern blieb an seiner Seite. Zunächst wurde als Ursache vermutet, dass Rico es sehr verwöhnte - quasi als Dankeschön für seine Rettung immer wieder besonders süße Beeren und andere Leckereien anbot. Auch wurde zeitweise behauptet, dass Aquana nach der Rettungsaktion quasi die Verantwortung für "seinen Jungen" übernehmen musste und daher - rein zur Sicherheit - an seiner Seite verblieb. Dies deckte sich auch damit, dass Rico in den Wochen nach diesem Zwischenfall das Schwimmen erlernte - unter der Aufsicht eines zwischenzeitlich sehr strengen Aquanas. Schließlich gab man sich mit der Erklärung zufrieden, dass Rico und das Aquana einfach zusammen gehörten und sich durch seinen Fall in den Brunnen erst finden mussten.


    Obwohl Aquana Ricos erstes Pokemon wurde oder (je nach Perspektive) Rico Aquanas erster Mensch war, öffnete sich der Junge später doch auch anderen Pokemon. Er wollte mehr und mehr zu Aquanas Herkunft erfahren und lernte so das Geheimnis der gesamten Evoli-Kette kennen. Es dauerte es nicht allzu lange, bis er zu seinem ersten Evoli kam. Zwar musste er über einige Zeit sein Taschengeld ansparen, bis er das Pokemon an sich drücken konnte, aber die Freude darüber machte die Wartezeit bei weitem wett. Zu dieser Zeit fing er auch an, an der Idee zu zweifeln, Pokemon zu "besitzen" und diese nur gegen Geld oder andere Wertgegenstände zu vergeben.


    Rico galt später in seinem Bekanntenkreis als gute Anlaufstelle, um für ein Evoli nicht Ewigkeiten sparen zu müssen. Nachdem er die Pension entdeckt hatte, ließ er gerne mal seine Lieblinge dort aufziehen. Die dabei ab und an auftauchenden Eier nahm er gerne an sich und gab seine Babys dann auch ebensogerne weiter in freundliche Hände. Er hielt es einfach für verkehrt, dafür Geld zu nehmen. Das störte die anderen Kinder jedoch nicht, ihm kleine Dankeschöns zuzustecken. Er selbst entwickelte einige seiner Schützlinge weiter und erfreute sich an der Typenvielfalt. Aus dieser Zeit stammt auch sein Spruch "Wenn ich von jeder Entwicklungsrichtung ein Evoli haben, brauche ich doch keine anderen Pokemon mehr". Dem widersprach er jedoch selbst, indem er sein Misstrauen gegenüber anderen Pokemon letztlich komplett ablegte. Er freundete sich auch mit verschiedenen Pokemon an, die Evolis und ganz besonders Aquana blieben jedoch seine großen Lieblinge.


    Das Interesse an Pokemon-Kämpfen teilte Rico nicht. Auch als er aufwuchs, hielt er nichts davon, Pokemon gegeneinander aufzuhetzen - dies widersprach ihm ebensosehr wie die Idee, dass er Pokemon "besitzen" würde. Zwar scheute er sich nicht, seine Freunde einzusetzen, wenn er unterwegs von wilden Pokemon angegriffen wurde, er bemühte sich aber stets, dabei den wilden Pokemon keinen ernsthaften Schaden zuzufügen. Er versuchte erst gar nicht, seine Pokemon besonders zu trainieren; Trainerkämpfen ging er soweit möglich aus dem Weg. Ab und an erntete er dafür Spott von seinen Mitschülern; meist wurde seine Einstellung respektiert und einige munkelten sogar, dass ein Kampf gegen ihn verdammt schwer sein musste, wenn er jemals einen solchen Kampf zulassen würde.
    Als in der Schule die Berufsperspektive der Pokemon-Ranger vorgestellt wurde, hatte Rico seine Berufung gefunden. Er hat schon diverse Bewerbungsschreiben verschickt, bisher jedoch keine Zusage erhalten. In den letzten Monaten hat er keine Bewerbungen mehr verschickt, da ihn etwas anderes beschäftigt.


    Rico trat einer kleinen Gruppe des Widerstands bei. Zwar konnte er bis zu einem gewissen Grade die Ansichten seiner Mitschüler bezüglich Pokemon-Kämpfen verstehen, die Auswirkungen der Wende wollte er jedoch nicht sprachlos hinnehmen. Wie die anderen Mitglieder dieser Gruppe versucht er, den geregelten Ablauf zu stören, sabotiert die großen Kampfveranstaltungen und unterstützt andere Abtrünnige. Es gehört zu seinen großen Schwächen, dass er Ungerechtigkeiten (oder das, was er dafür hält) nicht duldet und nötigenfalls dagegen ankämpft.


    Zu diesem Zweck hat er sich angeeignet, unauffällig zu sein. Auf Fotos fällt er kaum auf, bei Veranstaltungen ist er kaum zu finden. Offenbar hat er gelernt, sein Äußeres und auch das anderes Beteiligter spurlos abzuwandeln. Es wurde berichtet, dass er über ein Muttermal unter dem linken Auge verfügt. Dies scheint jedoch bei Aktionen immer überschminkt zu sein. Zwar behauptet er immer wieder, von seiner aktuellen Körpergröße (1,70 Meter) enttäuscht zu sein, dies hilft ihm jedoch, immer wieder als jünger und "harmloser" aufzutreten. Schon diverse Fahnder haben angegeben, ihn zwar gesehen, aber sofort als Verdächtigen ausgeschlossen zu haben.


    Grundsätzlich passt er sein Äußeres der Umgebung an. Es gehört quasi zu seinen Hobbys, in fremden Gruppen mitzulaufen und dabei zu tun, als würde er dazugehören. Meist hat er dabei Erfolg - was ihn umso gefährlicher macht. Außerhalb dieser Vorgaben scheint er jedoch blaue Jeans und rote Shirts zu bevorzugen. Ihm wird der Spruch "Rot ist die schwärzeste Farbe, die nicht schon echt schwarz ist" nachgesagt.


    Bei der Nachbereitung seiner Störaktionen fällt auf, dass er oftmals seine haselnussbraunen Haare unter Basecaps versteckt - jedoch nur, wenn er damit in der Umgebung nicht alleine ist. Auch ist er auf Fotos der gleichen Veranstaltung mit verschiedenen Caps zu sehen, was die Vermutung nahe legt, dass er unterschiedliche zum Wechsel dabei hat.


    Sollte man ihn festnehmen, ist alles, was er sagt, mit Vorsicht zu behandeln. Er kann überzeugend lügen und bettet seine Geschichten oft in komplette oder Teilwahrheiten ein.


    So unauffällig und harmlos Richard F. auch wirkt: Er ist nicht zu unterschätzen. Er ist gefährlich.


    Ende des Berichtes.
    [tab=7. Platz]
    Pika!


    Steckbrief #5


    An: Silph Corporation, Bürogebäude
    Nischenstraße 4
    Saffronia City, Kanto


    Von Bettina Litz, Vertania City, der 14.4.2011


    Sehr geehrte Damen und Herren der Silph Corporation


    Wie in unserem vorausgegangenen Telefonat erwähnt und besprochen, schicke ich nun mein Bewerbungsschreiben in Form des von Ihnen gewünschten Formulars ein. Ich möchte mich dafür bedanken, dass Sie mir eine Chance für diese sehr umkämpfte Arbeitsstelle geben, und hoffe, Ihre Erwartungen nicht zu enttäuschen.


    Persönliche Informationen
    http://www.bilder-hochladen.net/files/thumbs/74ha-t3.png Bildquelle
    Name: Bettina Litz
    Adresse: Westweg 16, Vertania City, Kanto
    Telefonnummer: 02686/83782642
    Mobil: 0126/7452248
    Nationalität: Einall
    Geburtsdatum und –ort: 16.1.1990; Gavina, Einall


    Bildung
    1993-1996: Kindergarten-Pokémonpension, Route 3, Einall
    1996-2003: Allgemeine Grund- und Trainerschule, Orion City, Einall
    2008-2010: Akademie für Mathematik und Technik, Stratos City, Einall


    Arbeitserfahrungen
    2003-2005: Reise als Pokémontrainer durch Kanto
    2005-2006: Freiwilliges Soziales Jahr im Center von Gavina, Einall
    2006-2007: Arbeit als Praktikantin bei GAME FREAK Inc., Stratos City, Einall


    Charakter
    Auch wenn mir nicht ganz klar ist, was dieser Punkt zu Ihrer Entscheidung eines neuen Angestellten beitragen wird, so will ich ihn doch nicht unausgefüllt lassen:
    Man selbst ist sich eigentlich die denkbar schlechteste Person, um sich zu charakterisieren, aber ich beschreibe mich oft als sehr zurückhaltende, aber ausdauernde Persönlichkeit. Niederlagen, egal in welcher Hinsicht, halten mich selten davon ab, einen weiteren Versuch zu starten. Freunde und Bekannte sehen mich häufig als hartnäckig an, was meine Art ist, die Dinge anzugehen – was mich einmal in seinen Bann geschlagen hat, lasse ich so schnell nicht wieder los. Zwar mag das nicht jeder für sich so erkennen, aber ich weiß durchaus, wo meine Grenzen liegen, und verhalte mich diesen entsprechend. Ich pflege die mir zugeteilten Aufgaben möglichst vollständig und zur rechten Zeit zu erfüllen. Fehler verursachende Hektik ist bei mir das allerletzte Rettungsseil, das zu ergreifen ich möglichst zu vermeiden versuche. Außerdem bin ich eine gute Vertrauensperson: Es gibt kein Geheimnis, das bei mir nicht sicher gehütet wäre.


    Pokémon
    Glurak; männlich; von Professor Eich als Glumanda in Kanto erhalten
    Pikachu; weiblich; gefangen im Vertania-Wald
    Magneton; gefangen als Magnetilo auf Route 6 in Kanto
    Proygon2; gewonnen in der Spielhalle von Prismania City
    Rotom; Geschenk von einem Freund aus Sinnoh
    Klikk; späte Errungenschaft in der Elektrolithhöhle


    Lebenslauf
    Mir ist bewusst, dass ich wohl die einzige Frau bin, die sich für die Stelle des Assistierenden Programmierers und Entwicklers bewirbt. Es mag etwas befremdlich anmuten, da sich für diesen Beruf doch eher Personen männlichen Geschlechts interessieren. Daher will ich zuerst den Ursprung meiner Gesinnung zu dieser Branche darlegen:
    In der Einall-Region bin ich nicht nur geboren, sondern auch aufgewachsen, um genau zu sein in Septerna City. An meinen Eltern liegt meine Liebe zum Computer jedoch nicht – wir hatten nur einen alten Rechner, der sich kaum benutzen ließ, und weder meine Mutter noch mein Vater, der als Tischler arbeitete, verstanden sich darauf. Aber ich kann mich noch gut an meine Zeit im Kindergarten auf Route 3 erinnern, da mein Interesse dort zu keimen begann: Die dortige Pension hat mich früh den richtigen Umgang mit Pokémon jeder Art und Größe gelehrt. Sooft es mir möglich war, ging ich zu dem anderen Gebäude und begegnete dort den verschiedensten Trainern. Dabei faszinierte mich immer das Boxensystem, wie es die Pokébälle in Nichts verwandelte – heute weiß ich natürlich, dass es digitale Daten sind – und die darin enthaltenen Pokémon mit allem, was sie ausmacht und was meistens gar nicht sichtbar ist, am Bildschirm angezeigt wurden. Einmal, das weiß ich noch genau, kam eine junge Frau in die Pension, die sich mir als Rubina vorstellte und mir das Prinzip und die Funktionsweise dieses Systems erklärte. Natürlich habe ich als kleines Vorschulkind herzlich wenig von ihren Erläuterungen verstanden, doch ich glaube, diese Begegnung war es, die meine Faszination für Computerprogramme am besten erklärt. All die Möglichkeiten, die sie im Zusammenspiel mit unserer heutigen Technik eröffnen oder uns verwehren – das war es, was mich von Anfang an einnahm.
    Nach dem Kindergarten besuchte ich die Allgemeine Grund- und Trainerschule in Orion City, wo ich leider wieder von Computern abdriftete. Sicher, wir lernten auch mit dem Boxensystem umzugehen, schließlich ist die Benutzung dessen essentiell für einen Trainer. Doch mehr als das lernten wir – verständlicherweise – nicht. Auch die Videospiele, die zu dieser Zeit immer populärer wurden, erklärten sich mir nicht. Aber ich hörte nie auf, mich zu fragen, wie sie funktionierten und was all jene Menschen, die unter den Mitwirkenden zu lesen sind, beigetragen hatten, dass wir diese Spiele spielen konnten. Meine Begeisterung ließ zu dieser Zeit zwar weitgehend nach, doch sie erlosch nie ganz und war immer und überall präsent.
    Wie es in einer Allgemeinen Grundschule üblich ist, lernten wir in Geografie auch Einiges über andere Regionen außer Einall. Bei all den Legenden, Mythen und Sagen aus Sinnoh, Johto und Hoenn sprach mich Kanto am meisten an, da ursprünglich keines dieser Märchen von dort stammt. Vielleicht lockte mich auch die Chance, in dieser mythenarmen Region selbst zur Legende werden zu können, wie später eine Freundin andeutete, und ich kann nicht behaupten, dass sie Unrecht hat. Jedenfalls entschloss ich mich nach der Grundschule, eine Trainerreise durch die von mir favorisierte Region anzutreten. Das Trainerdasein ist, so empfinde ich das zumindest, eine wertvolle Erfahrung, ohne die man es in dieser Welt wohl weitaus schwerer hat, im Berufsleben Fuß zu fassen. Ich erhielt also von Professor Eich ein Glumanda und zog aus, die Arenaleiter Kantos herauszufordern. Die Erfindung aus dem Hause Silph, die mir dabei hilfreich zur Seite stand, der PokéCom, hätte nützlicher nicht sein können, und als ich in Saffronia City ankam, war das Bürogebäude mein erster Anlaufspunkt. Leider war zu der Zeit ein Umbau der oberen Etagen im Gange, und der Ruf der Trainerreise und des nächsten Ordens zog mich alsbald aus der Stadt. Allerdings nahm ich mir noch am selben Tag vor, irgendwann zurückzukehren – die Faszination, wie ich sie im Kindergarten empfunden hatte, war wieder da und erwachsen geworden. Nach einer Reise von zwei Jahren, wie sie viele Trainer haben, konnte ich mit gerechtfertigtem Stolz alle acht Orden mein Eigen nennen. An die Liga allerdings traute ich mich nicht heran – ich fühlte mich zu jung und noch nicht erfahren genug, es mit den vier besten Trainern weit und breit aufzunehmen, geschweige denn den Champ herauszufordern.
    Also kehrte ich nach Einall zurück, wo ich am Ort meiner Geburt – das Center von Gavina – ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvierte. Danach nahm ich für ein weiteres Jahr eine Praktikantenstelle bei GAME FREAK Inc. in Stratos City an und tat somit wieder etwas meinem Wunsch, mit Programmen zu arbeiten, entsprechend. Ich lernte eine Menge über Computer und HTML, aber letztlich sagte mir die Richtung, die GAME FREAK darin einschlug, nicht zu – ich wollte keine Spiele entwickeln, sondern Programme, die Trainern nützlich sein können, wie der PokéCom.
    Ich belegte an der Akademie für Mathematik und Technik Kurse in Praktischer Mathematik, Darstellende Geometrie, Englisch für Technische Anwendung und im letzten Semester einen erst dann angebotenen Japanisch Grundkurs. Selbstverständlich war auch ein Kurs für Informatik dabei, in welchem ich mein erstes Programm schrieb, mit dem man nach Eingabe einiger Informationen über ein Pokémon – das sich weder an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Tageszeit, mit einem Item oder durch Freundschaft zu seinem Trainer, sondern auf normalem Wege entwickelt – errechnen kann, wann es sich entwickeln wird, wenn der aktuelle Trainingsplan eingehalten wird. Damals war es nur bei ein paar wenigen Pokémon möglich, die meisten aus meinem Kanto-Dex aus Trainerzeiten. Mittlerweile umfasst das Programm bereits über einhundertachtzig verschiedene Pokémon, deren Daten sogar direkt aus dem Boxensystem eingespeist werden können. Gewiss, es macht noch einige Fehler und ist in seiner Berechnung häufig sehr ungenau, aber ich bin zuversichtlich, dass ich diese auch noch beheben kann und werde.
    Auch das Training meiner eigenen Pokémon ließ ich nicht aus, denn ich wollte sie auf keinen Fall einrosten lassen. Aus einem intuitiven Impuls heraus stellte ich mir ein für meinen Traum passendes Team zusammen, wobei ich Glurak nicht missen wollte, da uns seit jenem Tag, als ich ihn erhielt, eine tiefe Freundschaft verbindet. Auch Pikachu stammt noch aus meiner Zeit in Kanto, und auch von ihr konnte ich mich nicht trennen.
    Jedenfalls beendete ich das Studium an der Akademie erfolgreich (das Zeugnis liegt der Bewerbungsmappe bei) und lebte einige Monate wieder bei meinen Eltern in Septerna City. Ich suchte eine zeitlang in Einall nach einer Arbeitsstelle, bei der das Können, das ich mir angeeignet hatte, vonnöten war. Dabei traf ich auf einen gewissen Troy Trumm, der von sich behauptet, er sei bei Silph Co. ein stehender Begriff. Ob das nun stimmen mag oder nicht, er entfachte mit der Erwähnung der Firma in mir das alte Feuer, das ich für Kanto empfunden hatte, und so stand für mich felsenfest, dass ich nur eine Arbeit in der Region meines Herzens annehmen kann.
    Seit ein paar Wochen lebe ich also nun in Vertania City und stehe weitgehend unabhängig von meinen Eltern auf eigenen Beinen. Ihre Anzeige auf eine freie Stelle hat mich sofort angesprochen, und nun hoffe ich sehr, diesen Beruf, den ich als meine Berufung ansehe, bekommen zu können.
    Weitere Informationen schicke ich gerne auf Anfrage.


    Hochachtungsvoll,
    Bettina Litz


    Rexy


    Steckbrief #15


    Karî. Feminin. Sechzehn. Wohnort unbekannt. Auf Reisen. Trainerin, Koordinatorin oder Ranger? Alles.
    Das Äußere? Schön. Majestätisch. Umwerfend.
    Sie ist ungefähr 1,80 Meter groß, das Gewicht spielt keine Rolle. Ihr Körper ist eine gut proportionierte Hülle. Ihr Kopf hat eine angenehm runde, doch nicht allzu füllige Form und ihr Gesicht ist voll und ganz aus weichen Zügen bestehend. In ihm befinden sich scharfe, kühle, kristallklare Augen, mit eisblauer Iris. Zwischen ihnen verläuft genau mittig nach unten hin die schmale, am Ende zart abgerundete Stupsnase. Dem Gesicht angehörig ist außerdem der wohlgeformte Mund, aus zwei zwar vollen, aber dennoch eher schmaleren Lippen bestehend. Und dann schmücken noch zwei blassrote Wangen das zarte Gesicht, die dem Organismus einen Anschein von Leben einhauchen und etwas Farbe auf der bleichen, glatten Haut andeuten. Kurzum ein makelloses, aber dennoch ein auf andere merkwürdig wirkendes Gesicht. Vom Kopf aus fallen glatte, im Mondlicht silbergrau schimmernde, aber eigentlich weiße Haare bis zur Hüfte, wo sie beim Gehen in leichte Wallungen geraten, aber stets so sitzen wie sie zu sitzen haben. Dem Kopf schließt sich ein nicht zu langer, aber auch nicht zu kurzer Hals an, der sanft in die Schultern übergeht, an denen sich lange, dünne Arme, mit sauberen, weichen Händen anschließen. Unterhalb der Schultern befindet sich der gleichmäßig wohlgeformte, doch für ihr Alter ziemlich große Busen. Darauf folgt ein dünner Bauch, den jeder der gerne bauchfrei trägt auch gern gehabt hätte, der dann in eine Hüfte übergeht, die, so wie es für eine seiende und werdende Frau sein muss, etwas breiter als die Schultern ist und an der sich das Gesäß befindet, welches man wohl als einen knackigen Hintern bezeichnen würde. Und damit das gottesgleiche Aussehen des Mädchens dem Schliff der beinahe vollendeten Perfektion auch gerecht wird, läuft sie auf schönen, langen Beinen, an denen sich Füße befinden, womit sie gleich hätte ihre Karriere als Fotomodel für Füße beginnen können.
    Wenn man sie sah, würde jeder normale Mensch meinen, sie sei krank, so blass und zerbrechlich wie sie aussieht oder gar von einer anderen Welt. Zweitere haben mit ihrer These vollkommen Recht. Zwar wurde sie, wie jeder andere Mensch auch, auf dem Planeten Erde geboren und lebt auch dort, dennoch identifiziert sie sich selber nicht mit der Spezies Homo sapiens oder als symbiotischen Organismus von Mutter Natur. Man könnte sie grob als eigene Spezies, als ein umhülltes, unnahbares Individuum, als eine eigene kleine Welt bezeichnen und das seit Anbeginn ihres Daseins.
    Reist man zurück in die Zeit in der sie geboren wurde, dann wird man dort nicht viel Leben finden. Über ihre Eltern ist weder ihr, noch sonst irgendjemanden etwas bekannt, sodass man meinen könnte, dass sie aus dem Erdboden gewachsen sei oder die unsinnige Geschichte, von wegen der Storch bringe das Baby, sei doch mit einem Funken Wahrheit verbunden. Dennoch wurde sie mit biologischer Korrektheit auf die Welt gebracht, jedoch fehlt von etwaigen Eltern nach der Geburt jede Spur und auch im Krankenhaus wusste man nicht von jenen, da sie ihr Kind nicht unter ärztlicher Betreuung jeglicher Art entbanden. Man fand sie dann einige Zeit später in einem heruntergekommen Altbau und steckte sie daraufhin in ein Waisenhaus. Obwohl sie stets kränklich und schwächlich aussah, besaß sie schon damals ihre äußerliche Perfektion und man sah in ihr ein Werk Gottes, obgleich dass natürlich völliger Blödsinn war. Sie wuchs recht liebevoll auf, aber auch nur so, dass sie von Anfang an lernte was es heißt selbstständig zu sein und so, dass man sie ja nicht verzog, was zur Folge hatte, dass Genügsamkeit, Sittsamkeit und Ordentlichkeit zu ihren Idealen gehörten. Doch zunehmend führte jene Art der Erziehung, die mit zunehmendem Alter auch besagte, sie loszulassen, zur unvermeidbaren Vereinsamung des seltsamen Mädchens. Und so sehr man sich auch bemühte, als man dies merkte, sie, was man bisher versäumt hatte, an das soziale Miteinander anzunähern, war es vergebens. Das Einzige was ein wenig Wirkung zeigte, war das Geschenk in Form eines Pokémon, ein Serpifeu, welches voll und ganz ihrem Charakter entsprach. Man sah ihr sonst so zu einer Maske gefrorenes Gesicht ab und zu lächeln und sie wirkte mit der Zeit so, wie als könne man sie in naher Zukunft gefahrlos in die Gesellschaft eingliedern. Doch bevor man diesen Schritt wagen konnte, musste man eines Morgens feststellen, dass sie nirgendwo auffindbar war, weder im Gebäude des Waisenhauses, noch in der Stadt, als man sie suchen ließ. Man konnte sie auch nicht finden, da sie die Stadt, dessen Namen nicht von Belang ist, bereits hinter sich gelassen hat. Das mysteriöse Mädchen hatte sich mit vielen Zielen, und damals 13 Jahren, auf den Weg gemacht. Sie wollte nicht nur die beste Trainerin werden, sondern auch etwas über die Quelle ihres Ursprungs herausfinden.
    Seit diesem Zeitpunkt des für sie neuen Lebensabschnittes waren ungefähr 3 Jahre vergangen. Über diese Zeit hinweg hatte sie noch das Koordinatorendasein für sich entdeckt und lernte es mit der Zeit auch eine Art Ranger zu werden. Zwar besaß sie keinen sogenannten FangKom, doch verstand sie es mit wilden Pokémon zu kommunizieren und ihre Bedürfnisse zu verstehen. Sie besitzt zwar bis heute keine menschlichen Freunde oder pflegt gern menschlichen Kontakt, aber dennoch ist sie nie mehr so einsam wie sie es mal war, da sie ihre Pokémon als Freunde betrachtet, welche sie liebevoll behandelt, so liebevoll, wie sie es damals im Waisenhaus gelernt hatte, was heißt, dass ein zartes Lächeln, eine sanfte Berührung oder ein kleiner Funken Seele aus den sonst so undurchdringbaren Augen schon Ausdruck großer Liebe und Zuneigung ist.
    Mittlerweile war ihr kleine Serpifeu, ein erhabenes Serpiroyal. Ebenfalls treue, ständige Begleiter von ihr waren Fasasnob, Absol, Glaziola und Knarksel geworden.
    Mit ihnen hat sie bisher keinen einzigen Kampf und nicht einen Wettbewerb verloren. Viele sehen sie mit Ehrfurcht und Bewunderung an, doch keiner traut sich auf Grund ihrer kühlen, resignierten und desinteressierten Art sie großartig anzusprechen oder sich ihr zu nähern. Auch war sie, obwohl sie nie wirklich eine Schule besucht hatte, ziemlich klug und begabt, manchmal sogar schon fast ein wenig visionär. Sie weiß auf fast alles, wenn auch unausgesprochen, eine Antwort und besitzt sowohl handwerkliches Geschick, als auch künstlerische Begabung, obgleich ihr vieles nie gezeigt wurde oder sie sich nie großartig in etwas probieren konnte. Zwar bekommt kaum einer mit was sie kann, da sie ihre Talente meist für sich allein entdeckte, ohne eine große Anzahl von Zuschauern, doch trotzdem scheint es für jeden Menschen der sie sieht so, als würde sie alles können, da sie nach Außen hin eine gewaltige Perfektion und Vollkommenheit ausstrahlte. Niemand, wirklich niemand würde es mittlerweile mehr wagen ihr irgendwelche Schwächen anzudichten, zumal keiner meint, dass sie überhaupt welche hatte.
    Doch sie wusste es besser. Sie, die Person makellosen, geisterhaften Aussehens.
    Wie gern hätte sie doch einen Menschen an ihrer Seite, dem sie vertrauen, den sie lieben konnte. Obgleich sie weiß, dass sie niemand freiwillig und ernsthaft anflirten würde, geht sie selber auf niemanden zu, da sie auf Grund mangelnder zwischenmenschlicher Kenntnisse gar nicht wüsste, wie sie denn mit dem anderen umgehen müsse. Außerdem hieße sich zu binden ebenfalls, dass sie ihre kühle Maske ablegen und sich ihren Gefühlen hingeben müsse. Gefühle, Gefühle die sie ihr halbes Leben lang verdrängt hatte. Sie hat Angst, Angst sich fallen zu lassen, zu zerfließen, schwach zu werden, Angst ihre Schüchternheit zu überwinden und sich unterzuordnen, unterzuordnen in ein für einen Menschen wünschenswertes Leben, unterzuordnen in Welt, die Welt in welcher sie geboren wurde, sie aber nie wirklich gelebt hatte, da sie stets eine Barriere zwischen sich und der Welt aufrecht erhielt…
    Trotz ihres zarten Äußeren, strahlt sie nach Außen hin eine unbändige Kraft aus, doch nach Innen ist sie schwach, ein jämmerlicher, verstümmelter Zipfel von Leben. Ihre Hülle ist ganz, komplett, vollendet, makellos, doch ihre Seele war dunkel, zerrissen und zurückgeblieben und es wird nicht mehr lange dauern, bis ihr Inneres sie vollkommen auffressen, sie vernichten wird. Die Apokalypse Karî, der Untergang der eigenen kleinen Welt, den auch nicht ihre Pokémon, ihre Felsen in der Brandung, verhindern können… [/tabmenu]


  • Ergebnisse
    Wettbewerb Nr. 08: Bisasam und seine Fans
    Information|Vote


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    Leandy



    Stairway to the Skies
    Eine letzte Sekunde.
    Die Sonne hatte sich von der Erde verabschiedet, einen letzten rotglühenden Blick über die Steppen geworfen und sich erschöpft zum Sterben niedergelegt. Viele Stunden, ungezählte Momente breitete die Nacht ihren sternenbedeckten Samtmantel über den Planeten aus, bis das Gestirn wie ein Phönix aus der Asche wieder den neuen, hoffnungsfrohen Morgen begrüßte.
    Wie zu viele Tage bisher schon war auch dieser ohne eine Spur zu hinterlassen an mir vorbeigezogen. Den Blick stundenlang in die Ferne gerichtet, konnte ich alles um mich herum ausblenden und mir eine bessere Welt erträumen. Wenn nur die Schwere nicht wäre, die auf meine Schultern drückte, die mir den Atem raubte und die wenigen Augenblicke meines wachen Lebens ausfüllte. Wenn nur die Einsamkeit nicht wäre, die sich wie ein Schleier über meine getrübte Sicht legte, wenn nur die Trostlosigkeit nicht wäre, die mein Leben erstickte.


    Ich lag am Boden, mein Bewusstsein entglitt mir. Eine letzte Sekunde. Meine vergeudete Zeit hier auf Erden war nur noch begrenzt, sie lief mir davon. Wie oft fragte ich mich, ob dort jemand war, hinter dem Regenbogen, auf der anderen Seite der Straße, drüben, hinter dem Kirschbaum, der mir mit seinen weißen Blüten, den Blüten der Trauer, keinen Trost spenden konnte.
    Die Blüte auf meinem Rücken verwelkte, je länger ich meinem vorherbestimmten Weg folgte. Über das Gebirge, in den eisigen Regen, nur weg von meiner Heimat. Dem Ort, von dem ich vertrieben worden war. Über die feuerbrodelnden Vulkane, entlang der endlos grauen Ozeane. Der Wind war immer mein treuester Begleiter. Der hoffnungsfrohe Morgen ging in einer dunkelroten Glut unter, die Nacht war von Blut getränkt.


    Das Land stand in Flammen. Schon seit vielen Wochen tobten die Kämpfe. Der Kirschbaum meiner Kindheit hatte seine unschuldigen weißen Blüten verloren, wie kostbare, allzu leicht zerstörte Glasperlen waren sie auf den heißen Boden gefallen und zersplittert.
    Ein trockener Wind hatte die geschundene Erde aufgerissen. Die Feindseligkeiten der Völker entzogen ihr und mir alles Wasser, jeden Tropfen unseres Blutes. Die Zerstörung des Friedens hatte auch etwas uns zerstört, eine Grenze, die unseren Geist und Verstand zusammengehalten hatte, ein so hauchzartes Band, dass es von Hass binnen Sekunden weggeätzt werden konnte.
    Doch der Hass des Krieges zog sich über Monate, Jahre, rücksichtslos.


    Und nun ich auf meinem einsamen Weg, von dem ich doch wusste, dass er mich in nichts als den Tod führen würde. Wollte ich es anders? Die Kälte hatte mich doch schon längst in ihren Fesseln. Das Wissen darum, dass es weder für uns noch für die Welt jemals einen Ausweg aus dem Kreis der sinnlosen Zerstörung, des Selbsthasses und der Einsamkeit geben würde, lastete auf meinen Schultern. Ich wusste nicht, was ich von diesem Leben erwartet hatte. In besseren Zeiten hätte ich vielleicht unter dem Kirschbaum gelegen, das Sonnenlicht genossen, und nicht seine weißen Blüten als Symbol für meine Angst gesehen.
    Jetzt, in dieser Sekunde, hatte ich keine Angst. Ich war am Ende meiner Kräfte. Wohin hatte mich meine Flucht geführt?
    Schatten huschten über mein Gesicht. Die trockenen Blätter einer Trauerbirke raschelten im merkwürdig friedvoll anmutenden Wind, der von unten aus dem ausgestorbenen Tal kam und die giftigen Pollen der Blüten unter mir durch die Luft wirbelte. Ich nahm einen tiefen Atemzug, wissend, dass meine Lungen schon seit Wochen an das Nervengift der Pflanzen verloren waren, sodass es sich anfühlte, als würde ich bei jedem Atemzug lebendig begraben.
    Trotz der verbrennenden Sonne wurde mir immer kälter. Meine Haut war nicht gemacht für solche Tage; an die Gifte, die in der Atmosphäre lauerten, konnte sich kein Wesen rechtzeitig anpassen. Die der Wind mit sich brachte. Der Wind, mein treuester Begleiter. Der Wind, der die Spuren einsamer Seelen im Sand verwischt. Der Wind, der launisch war, streitsüchtig. Der die Kirschblätter zu Boden schweben ließ, nicht sanft, sondern so, dass sie auf der Erde wie Glasperlen zerstoben.
    Das Gras unter meinem Körper zerbröselte zu Staub. Es knickte nicht und richtete sich dann wieder auf, nein, ein zweites Mal gab es in dieser Welt nicht mehr. Was einmal verloren war, würde niemals wiederkommen.


    Mein Leben. Diese letzte Sekunde. Was würde ich wohl im Tod vermissen? Das Licht? Nein. Höchstens die Möglichkeit, sich vor ihm in den Schatten zu verstecken. Diese Frage war sinnlos. Nein. Ich würde niemanden vermissen, und niemand würde mich vermissen. Die Schwingen der Angst wachsen im Dunkeln, im Alleinsein. In der Gemeinschaft haben sie keinen Halt.
    Der Wind würde mich davontragen. Mein Freund. Die Staubkörner vom Angesicht der Erde tilgen,
    eigenen die die Verwesung von mir übrig lassen würde.
    Warum, wusste ich nicht, doch der Schmerz, nun Abschied nehmen zu müssen, traf mich völlig unvorbereitet. Mit der Welt ging es zu Ende. Die unversehrten Gebiete im Norden hätten eine Schonfrist, doch zornige Seelen würden einen Weg finden, die Kirschblüten regnen zu lassen. Wie Glas.
    Ich wünschte nur, ich wäre in besseren Zeiten geboren worden. Als das Gewissen der Völker noch rein, als wir alle kein Blut an den Händen hatten. Ich erinnerte mich an meine Taten und kann mir nicht vorstellen, dass mich in der nächsten Welt etwas Besseres erwartet.
    Ich hatte immer gedacht, Sterben wäre einfach. Ertrage den körperlichen Schmerz und schlafe ein. Doch der Tod ließ auf sich warten. Still flehte ich, dass die Welt, wenn ich nur die schweren Augenlider wieder öffnete, nicht bedeckt von getrocknetem Blut sei, dass die Gräser unter mir nicht vom Wind zu Staub würden. Ich flehte, dass ich wieder Regen auf meiner Haut fühlen, das Rauschen eines türkisblauen Meeres vernehmen könnte. Ich flehte, dass ich mit Kirschblüten nichts anderes verbinden würde als die friedvollen Nachmittage, die ich mit meinesgleichen zwischen den Wurzeln der knorrigen Stämme verbracht hätte.


    Die Sekunde verging.
    Mein Atem stockte, und meine Glieder waren von der todbringenden Schwere erfüllt, die sich auch in meinem Leben angesammelt hatte. Wie eine Illusion sah ich in der Ferne eine schlanke, hochgewachsene Gestalt, getaucht in helles Licht. Sie weckte Erinnerungen in mir, Erinnerungen an vergessene Tage, Tage, die die Welt schon viel zu lang nicht mehr gesehen hatte. An den Geruch aufplatzender Beeren, fruchtig, herb und süß zugleich. An die Kühle der Tautropfen auf der dünnen Haut der Früchte.
    Das geisterhafte Wesen kam näher und blieb dennoch wie in weiter Ferne. Betäubt spürte ich den Blick seiner roten Augen auf mir ruhen, und ich wusste, dass es Zeit war, zu gehen.
    Keine Sekunde mehr, um Abschied zu nehmen. Ich brauchte sie auch nicht. Der Weg vor mir war klar, hell und führte in den Tod. Zum ersten Mal hatte ich keine Angst vor dem Licht und wollte mich nicht in die Schatten flüchten. Und doch wusste ich, dass mich am Ende nichts als Dunkelheit, warme, wohltuende Dunkelheit umfangen würde.
    Der weißgekleidete Geist, der mit eleganten Bewegungen neben mir einherschritt, warf mir Blicke voller Mitleid zu und streckte mir seine Hand entgegen. Als ich sie ergriff, fühlte ich wieder, wie es war, als die Sonnenstrahlen noch nicht den Tod brachten, fühlte die prickelnde Wärme auf meiner Haut, von der ich hoffte, dass sie mich auf jedem Schritt begleiten würde.
    Ich warf keinen letzten Blick auf die Welt hinter mir.


    Die Sekunde ist vorbei, und ich weiß nun, dass es für die Welt besser wäre, sich von ihrem Leben zu verabschieden. Rettet eure Seelen.

    erreichte 28 Punkte von 84 vergebenen


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    Chiyoko



    Das Mosaik
    Mit dem Herzen eines Kindes wurde es geschaffen.
    Ein Geschöpf der Natur mit sanftem Gemüt, welches seinen Schöpfer in dessen Fantasie stets begleitete. Den Platz des besten, gar einzigen Freundes nahm es in der Welt seines Erschaffers ein. Es wurde für ihn unentbehrlich, obgleich es nicht wirklich existierte. Doch war es der kostbarste Schatz, den der Junge besaß. Ein Wesen, das ihn in seinen Träumen beschützte, welchem er blind alles anvertrauen konnte. In dessen Körper steckte ein Großteil des Jungen zarter Seele, denn es war das einzige, was er noch hatte. Das Schicksal des Jungen war vorauszusehen gewesen, er lebte als Bettelkind auf der Strasse, seine Mutter todeskrank, sein Vater schon lange von ihnen gegangen. Es war kein Geld vorhanden, um für sie Medikamente zu kaufen oder seine Ausbildung zu bezahlen. In seiner Gegend gab es viele andere Bettelkinder, doch sie alle waren zu scheu, um miteinander in Verbindung zu treten. So musste sich das hilflose Herz des Kindes einen eigenen Freund schaffen, welches dem Jungen das Gefühl gab, doch nicht nutzlos zu sein.


    Mit den Händen eines Kindes wurde es gelegt.
    Ein Mosaik, welches die erste Kreatur von Dutzenden, gar Hunderten anderen Wesen der gleichen Überordnung darstellte. Die bunten, seltsam geformten Steine, welche ihm bis dahin noch neu gewesen waren, hatte er auf seinem Lebenspfad von einem Mann geschenkt bekommen, der einsam seines Weges gegangen war. Durch das Bild des Wesens auf einer unscheinbaren grünen Karte, welche wohl einem der wohlhabenden Passanten aus den Händen entschlüpft war, hatte der Junge es mit seinen Händen in Form eines Mosaiks dargelegt. Seine Leidenschaft hatte er dazu ausgenutzt, einen imaginären Freund für sich zu schaffen und mit Steinen in die rechte Reihenfolge zu bringen. So groß war des Jungen Talent, dass das Wesen so realistisch schien, als wäre es eine echte, existierende Kreatur. Und für ihn war sie lebendig geworden, weil er in seiner Seele etwas haben musste, woran er sich klammern konnte. Denn sonst hatte er nichts und niemanden mehr.


    Mit den Gedanken eines Kindes wurde es belebt.
    Ein Blick auf das Mosaik und er hatte gewusst, dass dies sein Freund fürs Leben werden sollte. Mit seinem inneren Auge und dem Blick seiner Seele hatte er beobachtet, wie die einzelnen Steine eins wurden, ineinander verschmolzen und eine wundervolle Einheit bildeten. Ein grünes Wesen mit tiefgründigem Blick war seinem Werk entsprungen. Sein Körper war wie bei einer Schlange mit kleinen Schuppen übersät, doch auf seinem Rücken war ein wertvoller Samen, welcher seine gesamte Identität ausmachte. Um diesen Samen herum wuchsen große Blätter empor, um ihn schützen zu können, falls das Wesen jemals angegriffen werden würde. Fassungslos starrte der Bettelknabe auf die grüne, freundlich scheinende Kreatur, welche seinen Gedanken entsprungen waren. Und nur er, der einzige Herrscher seines Denkens, konnte es sehen.


    Mit den Augen eines Kindes wurde es beobachtet.
    Die Pupillen geweitet, saß der Junge tagelang nur da und beobachtete dieses seltsame Wesen, wie es seinen Tag verbrachte. Er sah ihm dabei zu, wie es die verfaulten Abfallreste – das Einzige, was er gefunden hatte - gierig verschlang, doch bemerkte nicht, dass sie niemals nach der Mahlzeit verschwanden. Er lächelte, als er sah, wie es die herumstreunende Katze zum Spielen aufforderte, und fragte sich, weshalb sie denn nicht reagierte. Er hielt es im Arm, obwohl es nichts als Luft war. Niemals wäre er auf die Idee gekommen, dass das Wesen nur ein Hirngespinst war und nur das leblose Mosaik real war.


    Mit den Erinnerungen eines Kindes wurde es benannt.
    Er musste einen Namen für so etwas Wundervolles wie seinen einzigen Freund finden. Wie er es nennen sollte, das wusste er vorerst noch nicht. Doch als er wieder in seinen Gedanken schwelgte, die Kreatur in seinen Armen, da ließ ihn das Wort nicht in Ruhe. Bisasam… Ein Wort, welches seit der Schöpfung seines imaginären Freundes in seinen Gedanken schwelgte. Auf der Karte, welche als Vorlage für das Mosaik gedient hatte, war dieser Name abgebildet gewesen. Vielleicht war es ja sogar der Name, der für das Kleine Wesen vorgesehen gewesen war? War es womöglich sein wahrer Name? Voller Hoffnung glaubte der Junge daran, als er mit Bisasam wieder viele glückliche Stunden verbrachte.


    Mit dem Verstand eines Kindes spielte es.
    Dadurch, dass es der einzige Freund dieses Kindes war, verlor der Junge jeglichen Bezug zur wahren Realität. Es hielt Bisasam für seine Welt, unternahm nichts mehr ohne es, war mit seiner Seele an es gebunden. Das lebendig gewordene Mosaik hatte des Bettelknaben zartem Verstand Wunden zugefügt, Wunden, welche niemals vernarben sollten. Für immer sollte diese Wunde weiterbluten, niemals sollte sie heilen. Denn die Folgen wären zu verheerend. Der Junge hätte ohne das Wesen nicht mehr überleben können, doch auch mit war es ihm nicht mehr möglich. Immer länger blieb er von Daheim weg, um mit seinem Freund zu spielen. Immer weiter entfernte er sich von seiner kranken Mutter, welche doch so sehr seine Hilfe brauchte.
    Und als es dann völlig nur noch auf Bisasam fixiert war, war er nicht mehr in der Lage, am Strassenrand zu betteln. Er schien besessen von seinem eigens geschaffenen Wesen, war nicht mehr er selbst. Es schien ein Fluch auf den Mosaiksteinen gelegen zu sein, um sein Leben völlig zu zerstören. Denn ohne Geld kein Essen. Und ohne Essen kein Leben. Das Kind bemerkte nicht die Schreie, welche seine Mutter vor Schmerzen von sich gab. Es bemerkte nicht ihre Hilferufe. Es bemerkte nicht mal, dass seine Mutter, welche sich wegen ihrer Krankheit niemals um ihn hatte kümmern können, langsam verhungerte. Und er merkte nicht, wie das gleiche mit ihm selbst geschah.

    erreichte 26 Punkte von 84 vergebenen


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    Cassandra



    Das stärkste Bisa der Welt
    Einzelne Sonnenstrahlen krochen über den Horizont, als sich der Morgen endlich ankündigte. Der Wald und seine Bewohner ruhten noch, doch bald schon sollte sich hier zusammen mit der Sonne Leben wiederfinden. Zaghaft erhoben sich Geräusche aus dem Inneren des Waldes und die Pokémon gähnten und streckten sich, bereit mit dem Tag zu beginnen.
    Doch zwischen grünen Blättern und verzweigten Ästen versteckt, schlummerte Bisasam, noch nicht ganz bereit die Augen zu öffnen. „Aufwachen, mein Freund!“ erklang es plötzlich aus dem Gebüsch. „Na los! Die Sonne ist schon auf“, hörte man eine weitere Stimme sagen und im selben Moment wurden die Blätter, die Bisasam von den Sonnenstrahlen schützen, emporgehoben. Nicht nur von der Sonne, sondern auch von den beiden Flammen, geblendet, kniff Bisasam die Augen zusammen und bedeckte diese mit seinen viel zu kurzen knubbeligen Beinchen. „Ach, lasst mich doch in Ruhe, ihr beiden!“, knurrte es nur und verzog sich weiter in die Schatten seiner Blätter.
    Die beiden Glumanda warfen sich etwas bedrückte Blicke zu und entschieden sich das Bisasam in Ruhe zu lassen. Sie wussten, dass man es lieber nicht verärgern sollte. Bisasam beobachtete zwischen den gezackten Schatten seines Verstecks, wie sich die beiden Feuerpokémon entfernten. Es seufzte resigniert.
    „Wartet mal! Was gibt es denn?“, rief es und folgte den Glumanda. Die beiden blieben stehen, als sie es hörten und lächelten sich kurz zu, bevor sie sich an Bisasam wendeten. „ Das Versteck für die Safcon ist von dem heftigen Wind letzte Nacht zerstört worden. Wir haben gehofft du könntest uns helfen?“ Bisasam nickte nur.
    Gemeinsam trotteten sie zu dem Waldstück, wo die Safcon-Kolonie ihren Platz hatte. Tatsächlich herrschte hier ein heilloses Durcheinander von Blättern, abgebrochenen Zweigen und vielen, vielen Pokémon. Die einzigen, die still an einem Ort warteten, waren die Safcon, die aufgrund ihrer körperlichen Gegebenheiten, nicht zu viel Bewegung in der Lage waren. Bisasam bemerkte zwischen all dem Chaos eine Gruppe von Shiggy und Smettbo, die sich am Ufer des Flusses stritten. Schnell begab er sich zu der Gruppe um heraus zu finden, was los war.
    „…bloß auf, sonst zerreiß ich dir deine Flügelchen mit meiner Aquaknarre!“, hörte Bisasam eines der Shiggy rufen.
    „ Versuch es doch! Du wirst einschlafen, ehe du überhaupt zum Angriff ausholen kannst“, piepste ein Smettbo zurück, während es aufgeregt in der Luft herum schwirrte. In dem Moment, als beide aufeinander losgehen wollten, wickelte sich jeweils eine grüne Ranke um ihr Bein und zog sie auseinander.
    „Es reicht“, meinte Bisasam nur. Ruhig aber bestimmt. „Was ist denn los hier?“, fragte es dann eines der Smettbo.
    „Das Blätterversteck für die Safcon war stark genug um dem Wind gestern zu trotzen! Aber die Shiggy haben so viel mit Wasser rumgespritzt, dass sie es beschädig-„ Die letzten Worte des Smettbo versickerten in einem empörten Aufschrei der Shiggy und schon fing der Streit von Neuem an. Bisasam schüttelte nur den Kopf und wendete sich ab. Diesen Streit kannte er nur zu gut, denn solche Probleme gab es am Flussufer oft. Es lies die streitende Meute stehen und näherte sich den Safcon, die zwischen den zerfledderten Blättern ihres ehemaligen Verstecks etwas machtlos dreinblickten.
    „Hmm…“. Bisasam schaute sich die Überreste genauer an. Es holte sich mehrere Blattteile mit seinen Ranken und betrachtete alles gründlich. Das Wetter in diesem Frühjahr war nicht gerade vorteilhaft für die Bäume gewesen. Bisasam wusste, dass die Blätter der Bäume zu schwach waren um die Safcon zu schützen. Nachdenklich blickte es zu den verpuppten Pokémon. Ihre Schale glänzte in einem salatgrünen Ton in der Sonne, doch ihre Augen schienen von Traurigkeit betrübt zu sein. Es machte Bisasam wütend, sie so hilflos zu sehen, während all die anderen Pokémon chaotisch herumliefen und mehr Schaden anrichteten, als bereits bestand. Doch es wusste, dass sie alle nur helfen wollten, auch wenn sie alle oft anderer Meinung waren. In Gedanken versunken starrte es auf den Panzer der Safcon und bewunderte diese wunderschöne Farbe. Sie sollten stolz auf ihre Schönheit und Stärke sein, stattdessen wünschen sich die Safcon jedes Jahr so schnell wie möglich zu einem quirligen und bunten Smettbo zu werden. Sie machen sich jedes Mal Vorwürfe, dass alle anderen sich Mühe geben und Streiten, nur weil sie versuchen die Safcon vor der Laune des frühjährlichen Wetters zu schützen. Dabei war ihr grünes Gehäuse so hart und widerstandsfähig… „Moment mal!“, schrie Bisasam plötzlich auf und blickte sich freudig um. „Nanu, was ist den los?“, fragte eines der Glumanda. Doch anstatt zu antworten, rannte Bisasam in den Wald und verschwand im Gebüsch. Etwas verdutzt starrten die anderen Pokémon ihm hinterher. Sogar die Shiggy und Smettbo vergaßen ihren Streit fortzuführen.

    „Warte doch!“ rief eines der Smettbo, schnappte sich ein Safcon und folgte der Richtung, in die Bisasam verschwunden war. Die anderen folgten seinem Beispiel. Jeder packte sich ein Safcon, weil diese sich selber nicht schnell genug fortbewegen konnten, und rannte los. Lange mussten sie nicht rennen, doch schon nach kurzer zeit kamen alle auf der inneren Lichtung des Waldes an. Alle schauten verwundert Bisasam zu.
    Bisasam war tüchtig am Schwitzen. Gerade zog es alte, jedoch gut erhaltene, Baumstämme mit seinen Ranken zur Lichtung. Mitten auf der Lichtung stand auch eine Gruppe Bäume, die ältesten in diesem Wald. Als nächstes bearbeitete Bisasam die alten Baumstämme mit Rasierblatt und sorgte dafür, dass keine äste mehr abstanden. Dann fing es an Blätter aus dem Wald zusammenzutragen. Die Pokémon, die die ganze Zeit nur stumm zugeschaut haben, erwachten aus ihrer Verwunderung. „Was machst du da, Bisasam?“, fragte eines der Safcon.
    „Wisst ihr, diese Bäume sind stark. Und ich bin es auch. Zusammen mit den starken Ästen, kann ich jeden von euch beschützen. Wir können hier immer zusammen sein und uns gegenseitig wärmen, wenn es draußen kalt ist. Ich möchte einen Panzer bauen… ein Haus, das so stark ist, wie die Schale eines Safcon.“ Plötzlich sahen die Safcon gar nicht mehr so betrübt aus. Auch die anderen Pokémon wirkten begeistert und plötzlich wollte jeder Bisasam helfen. Alle zusammen bauten sie den ganzen Tag. Die Safcon halfen die Blätter zusammen zu nähen, die Smettbo kümmerten sich um das Dach und sowohl die Glumanda als auch Shiggy halfen sich gegenseitig um eine Wasserleitung zur Lichtung zu bauen. Bisasam war überall. Es sorgte dafür, dass alles gut voranging, passte auf, dass niemand sich verletzte und musste immer wieder für Ruhe sorgen, falls Streit ausbrach.
    Am Ende umspannte ein Blättergehäuse die alten Bäume. Die Form war rundlich und wirkte wie ein großes Safcon, das sich schützend über den Pokémon erhebt.
    „Das sieht aus, als ob die Bäume sich verkleidet hätten…“ bemerkte eines der Smettbo. „Dann lasst es uns eine Holzverkleidung nennen! Ein Board!“ mischte sich sofort eines der Shiggy ein. „Das verdanken wir alles Bisasam… ich finde, es sollte Bisasams zu Hause sein!“, flüsterte ein Safcon etwas schüchtern. „Ja, das BisaBoard!“, rief das Shiggy. Zustimmendes Geschrei brach aus.
    „Okay, Leute… OKAY!“, brüllte Bisasam und errötete, als plötzlich alles verstummte und ihn anschaute. „Aber, ihr seid alle jederzeit willkommen. Es ist unser gemeinsames zu Hause… und ihr könnt jederzeit zu mir kommen“, fügte es hinzu und schaute zu den beiden Glumanda von heute Morgen. Sie kicherten nur und nickten ihm zu.

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    PikaFan1995



    Die Nummer eins
    Ein kalter Wind fährt mir um die Nase. Brr, das ist definitiv nicht meine Jahreszeit. Normalerweise würde ich jetzt in meiner Höhle vor dem Kamin sitzen und ein Buch lesen, die Raketen startklar machen oder sonst irgendwas, das mit Silvester zu tun hat. Aber nein, man musste mich ja rauswerfen.
    Ich bin Bisasam, der Verstoßene. Seit ungefähr drei Monaten heiße ich so. Meine Ex-Mitbewohner, Glumanda und Schiggy, haben mich vor ungefähr drei Monaten praktisch zur Tür rausgekehrt. Ich glaube aber, dass mein Lamentieren nicht weiterhilft, wenn niemand weiß, wie das alles passiert ist. Also hier die traurige Geschichte:


    Ich bin Bisasam, die unangefochtene Nummer eins im Pokédex, die Nummer eins in Sachen Entwicklung, die Nummer eins in Sachen Pflanze-Gift-Pokémon und so weiter und so fort. Ja, ich war immer die Nummer eins. Ich war der Dorfleiter, ich hatte zu entscheiden. Bis ein kleiner, lila-grauer Giftzwerg namens Rattfratz so vom Neid zerfressen wurde, dass er irgendwann angefangen hat, mir aufzulauern. Immer und überall musste ich hinter jeder Ecke ein Rattfratz, dessen Lebensinhalt meine Demütigung darstellte, vermuten. Ich hatte keine ruhige Minute mehr.


    Das wäre ja alles nicht so schlimm, wenn nicht die anderen mitgemacht hätten. Taubsi, Raupy, alle meine Freunde – sie haben mitgemacht. Meine Freunde! Sie alle haben mir aufgelauert. Haben mich mit Fallobst beworfen. Haben mich mit Tackle angegriffen. Haben mit Windstößen meine Bilbiothek zerstört. Haben mit Glut meine Hütte angezündet. Aber laut den Dorfregeln durfte ich niemanden aus der Dorfgemeinschaft entlassen, weil jeder in unserer Siedlung eine Aufgabe hatte, Taubsi war der Wächter, Glumanda der Bäcker, Schiggy die Polizei, Mauzi der Buchhalter, Raupy hielt die Straßen vom Laub sauber und Rettan war der Arzt. Rattfratz war der Berater des Dorfleiters, auch ein Grund für seinen abgrundtiefen Hass mir gegenüber.
    Irgendwann haben Glumanda und Schiggy mich auch der Hütte, in der wir drei zusammen wohnen, rausgeworfen. Begründung: „Wir halten das nicht mehr aus! Die ganze Hütte – kaputt! Schutt. Trümmer. Asche. Geh. Geh einfach. Weg, wir wollen dich nicht mehr sehen. Tschüss. Schönes Leben noch.“ Die Worte hallen in meinen Ohren noch so, als wären sie erst gestern gesprochen worden.


    So, und jetzt bin ich eben auf Wanderschaft. Vermutlich für den Rest meines Lebens, der aber wegen der Temperaturen wahrscheinlich nicht mehr lange dauert. Ich stapfe durch den kniehohen Schnee, zitternd vor Angst, zitternd vor Kälte. Auf der Suche nach Nahrung, die von Tag zu Tag härter wird. Ein Schneesturm kommt auf. Die Flocken wehen zu hunderten in mein Gesicht. Ich spüre meinen Samen auf dem Rücken, mein Allerheiligstes, nicht mehr. Eigentlich spüre ich gar nichts mehr. Und dann stolpere ich auch noch.


    Den Mund voll Schnee, der nicht mal mehr schmilzt, und der Körper nicht mehr grün sondern blau, fange ich bloß noch an zu weinen. Ich spucke den Schnee aus und schreie wie am Spieß. Ich schreie in den Nachthimmel hinaus, der vor lauter Schneeflocken nicht mehr zu erkennen ist. Ich bin orientierungslos, hilflos, hungrig und einsam. Meine Beine tragen mich nicht mehr, ich sinke in den Schnee. Die Augenlider fallen hinab, tiefschwarz. Nur noch der Wind dröhnt in meinen Ohren.


    Es bleibt tiefschwarz. Der Schneesturm entfernt sich immer mehr, mein Körper entfernt sich immer mehr. Ein letztes, leises Röcheln und dann Ende der Fahnenstange. Sie haben mich kleingekriegt. Die Nummer eins erfriert hier gerade am halb lebendigen Leib, ohne dass irgendjemand auf der Welt es erfährt. Bitte sehr, Rattfratz, jetzt zufrieden? War das dein Ziel? Herzlichen Glückwunsch, bestanden mit magna cum laudae. Plötzlich höre ich eine Stimme, ganz leise. Ich werde hochgehoben und weggetragen. Irgendwann erahne ich das Prasseln eines Feuers. Ich rieche geröstete Beeren und bekomme welche in den Mund gesteckt. Irgendwo wird mir eine Spritze injiziert, das spüre ich mittlerweile wieder. Die Wärme erfüllt mich mit einer Art Seligkeit. Die Beeren verhelfen mir zu Kräften, ich kann sogar wieder die Augen öffnen.


    Ich befinde mich in einem Haus. Aber alles ist irgendwie überdimensioniert. Ich liege auf einem Teppich vor einem Kamin, in dem die lodernden Flammen nach mir züngeln und dabei reichlich Hitze ausstrahlen. Es knistert so, wie ein Feuer eben knistern muss. Noch eine Schüssel mit gerösteten Beeren steht vor mir, daneben eine Wasserschüssel. „Da hast du aber Glück gehabt, dass ich dich gefunden habe, Bisasam!“ Eine freundliche Jungenstimme von hinter mir weckt mein Interesse, ich drehe mich um und sehe ein Menschenkind. „Oh, geht es dir wieder besser? Das ist ja wunderbar! Ich werde dich aufpäppeln und dich behalten. Ich heiße Oliver.“ Das zaubert mir ein sanftes Lächeln auf meine Lippen. Ich habe tatsächlich einen Besitzer. Draußen startet das Silvesterfeuerwerk. „Auf dem Weg zum Feuerwerk ein halb erfrorenes Bisasam gefunden... Mann, haben wir zwei einen Dusel!“ Oliver lacht und nimmt mich in den Arm. Meine Erinnerung an meine Heimat verblasst.


    Es wird Sommer und ich faulenze immer mehr in der Sonne herum. Sie brennt vom Himmel hinab auf mich. Seit einem halben Jahr habe ich mich nicht mehr einsam gefühlt. Das Dorf – vergessen. Oliver gibt sich wirklich Mühe, mich zu trainieren. Er behandelt mich wie sein eigen Fleisch und Blut. Der Winter war hart, aber dafür genieße ich den herrlichen Nachmittag umso mehr. Die Sonnenstrahlen scheinen auf meinen Leib. Ja, das ist definitiv meine Jahreszeit.

    erreichte 09 Punkte von 84 vergebenen


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    Voltago



    Operation: Obst-Buffet
    »Agent Bisasam bitte in mein Büro! «, ertönte es durch einen Lautsprecher. »Noch mehr Arbeit? « Bisasam war Agent in einer geheimen Organisation – wenn man diese Organisation nennen konnte. Sie spezialisierte sich auf das Überleben ihres Chefs Sonnkern; Essen stehlen, ihn vergnügen, nun mal alles, damit Sonnkern nicht eindöst. Positioniert war die »Zentrale« in einer alten Lagerhalle, neben mehreren Hotels und anderen Lagerhäusern in Saffronia City.
    Bisasam hatte gerade die Ranken von der Türklinke genommen, als eine kaum hörbare Stimme an das Ohr Bisasams drang. »Guten Morgen, Agent.« »Aber es ist doch tiefer Nachm…« »Wie auch immer … ich bin vorhin aus meinem Bett gestiegen und spürte meinen Magen knurren. «, unterbrach sein Chef ihn, »Agent, ich brauche ein Frühstück. Bringen Sie mir irgendwas, das mich nicht verhungern lässt. Und jetzt verlassen Sie bitte mein Zimmer und machen sich an die Arbeit! « »Zu Befehl… «, antwortete Bisasam widerspenstig und mit zusammengebissenen Zähnen und verließ das Zimmer.
    Dank des unterirdischen Gangsystems war es ein Kinderspiel einfach Nahrung zu kommen, doch konnte Bisasam es nur schwer übers Herz bringen die Befehle seines Vorgesetzten zu befolgen. An einer Kreuzung konnte er leicht in ein Gebäude eindringen – eher gesagt in einen Abstellraum. Vor ihm waren Kisten gestapelt, die er einfach hätte herunterspringen können. Mit einem ungeschickten Sprung kam er auf die erste Kiste, verlor jedoch sein Gleichgewicht und fand sich kopfüber unter Kisten vergraben wieder. Es dauerte ein paar Sekunden, bis der grüne Agent realisierte was passiert ist. Schnell schaute er sich um und schaute hektisch in alle Richtungen. Niemand war zu sehen, dafür aber das Bellen der allseits bekannten und gefürchteten Fukano, die nur darauf warteten, geröstete Samen zu sehen. Bisasam raste so schnell durch die verschiedenen Zimmer, so schnell war er lange nicht mehr gelaufen, und stoß sich währenddessen immer wieder mit seinen Ranken ab – vergebens. Er landete schneller als er „Bisa“ sagen konnte in einer Sackgasse. Schweiß lief im Über die Stirn. Das Gebell der Fukano kam immer näher und jeglicher Frohmut entwich ihm auf der Stelle. Doch das Glückscelebi war wohl mit ihm, denn nach genauerem Betrachten fiel ihm ein brauner Fleck ins Auge: ein Tunnelausgang! Rotomurf, der Erbauer des ganzen Systems winkte ihm grinsend zu. »Befindest dich wohl in Schwierigkeiten, aber lass bloß niemanden an diesen Ausgang, der ist mein größtes Wertstück! « Erleichtert lief Bisasam noch ein kleines Stück und aus völliger Erschöpfung entwich ihm nur ein kleines »Danke«. »Was wolltest du überhaupt in diesem Gebäude? « »Sonnkern hat mich einmal mehr dazu verdonnert, ihm seinen Magen zu füllen…« »Ahahaha, da wirst du hier aber nichts finden, die Gänge, die hierhin führen sind ausschließlich für Puppen, Autos und Comics, halt Spielzeug für Sonderfälle. « Böse funkelte Bisasam ihn an, hielt sich jedoch zurück. Wut loderte in ihm, Wut gegen seinen egoistischen Chef und Vorgesetzten, die jederzeit auszubrechen drohte. Wegen ihm hatte er sich in Gefahr begeben und wäre fast Futter für Zuchtzebritz geworden. »Irgendwie werde ich es ihm schon heimzahlen. « Ein hämisches Lächeln bildete sich auf seinem Gesicht. »Dann führ mich zum richtigen Gebäude, Kollege. «, fing Bisasam nun nach einer kurzen Zeit des Schweigens wieder an. »Aber immer doch, das ist meine Aufgabe, Kumpel… «, entgegnete Rotomurf offenbar überrascht, dass sein Gesprächspartner nicht explodierte.
    »Sodala, da wären wir. Und wenn du nochmal Schwierigkeiten mit Essensdieben und anderem Gesindel hast: Ich erwarte dich hier. «
    Langsam tätigte Bisasam seinen ersten Schritt, auf jede Situation vorbereitet. Um Schutz zu finden kletterte er das Podest herauf, das direkt neben ihm stand und ab dieser Situation wusste der Agent auch, wo er sich befand. »Ja, ein Vorstellungsraum, das muss es sein. « Aus Erfahrung wusste er auch, wie er von hier zur Küche gelangte. Nun hieß es für Bisasam nur noch, auf zum Festschmaus und ab durch die Mitte, zog sich mit seinen Ranken währenddessen jedoch panisch zurück. Ein angeschalteter Computer stand dort, neben ihm eine Tasse Kaffe und ein Stapel voller zerknüllter Blätter. Jemand hatte ihn wohl vor wenigen Minuten, wenn nicht sogar Sekunden allein dort zurückgelassen und kam voraussichtlich auch bald wieder. Bisasam stockte der Atem als er plötzlich eine Tür hinter ihm knarzen hörte. »Okay, Planänderung… Was würde ein echter Agent von Team Rocket jetzt tun...? « Schnell bewegte er seine Ranken in die Höhe und versuchte den Lüftungsschacht zu umklammern. Langsam zog er sich selbst nach oben, um sich dann auf ihn zu setzen und nach einem Eingang zu suchen. »Verdammt, es muss hier doch irgendwo einen Eingang geben! «, fluchte Bisasam in Gedanken, »Na schön… Diese seltsamen, aneinandergereihten Spalten tun’s auch…« Anfangs noch langsam und bedacht, legte Bisasam hinterher einen Zahn zu und zog nahezu aggressiv an der Öffnung, bis sie schließlich mit einem lauten Scheppern zu Boden fiel. Der Mann, der gerade eben noch beschäftigt vor seinem Gerät saß und ziellos irgendwelche Papierkugeln durch die Gegend warf, schreckte urplötzlich auf und betrachte die Stelle des Geräusches, worauf er hektisch auf einem schwarzen Quader herumdrückte und schließlich sprach. »Hallo? Es gibt einen Einbruch in Lagerhaus 3, ich schätze, Team Rocket hat nun auch uns erwischt. Kommen Sie bitte schnell! « Erschrocken von den Worten des Mannes hüpfte Bisasam schnell in den vierkantigen Gang. Glauben konnte es Bisasam immer noch nicht, durch einfaches Herausdrücken hässlicher Ritze und Verschönerung dieses ohnehin schönen Schachtes wurde er nun von der Polizei verfolgt? Lächerlich. Nicht weiter interessiert, schlich Bisasam weiter durch den Schacht und überprüfte jeden Ausgang, bis er schließlich und endlich den Lagerraum für Nahrung fand. Fröhlich sprang er auf dem Ausgang herum, bis er fiel und Bisasam sich sicher abseilen konnte. Breit grinsend nahm er sich eine Tischdecke aus einer Kiste, die offenbar für Tischutensilien besorgt wurde. So viel die Decke fassen konnte, nahm er mit, blieb dann aber urplötzlich stehen und blickte hämisch auf das Ende seiner Ranken. Warum sollte er diese riesige Tüte voller schmackhafter Früchte einfach seinem grausamen Schicksal im Magen seines verfressenen Vorgesetzten überlassen? Langsam lies er die Decke sinken und betrachtete seinen Fang. Neben Melonen, Bananen, Äpfeln, Birnen, Mangos und Ananas‘ gab es auch noch sehr viele Limonen, Bisasams Leibgericht, für das er alles hergeben würde. Die Spucke lief in seinem Mund zusammen. »Nicht, nachdem er mich so schändlich behandelt hat! « waren seine letzten Worte bevor er anfing, vergnügt eine Frucht nach der nächsten in seinen Mund zu befördern. »Ich weiß gar nicht, was mich noch hier, bei meinem alten Beruf, bleiben lässt…«, dachte sich Bisasam, während er sich eine weitere Limone in den Mund warf, »Ich könnte einfach abhauen und ein schönes Leben führen, frei von all diesen Überlebenskämpfen und diesem Agentengeschwafel… «
    Ohne richtig überlegt zu haben, was er in dem Moment tat, stürmte er durch die Tür in die Eingangshalle. Der Ausgang reichte nun in Sichtweite. Von allen Seiten drang das Geräusch lärmender Alarmanlagen und rufenden Mitarbeitern in sein Ohr, aber das interessierte Bisasam in dem Moment wenig, er wollte einfach nur nach draußen. Es muss Ewigkeiten her sein, dass er das letzte Mal draußen war. Nun trennten ihn und den Ausgang nur noch ein paar Meter. Er spürte schon die Wärme der Sonne, die er seit Langem weder gesehen, noch gespürt hatte. Die Ranken Bisasams berührten die Tür und stießen sie nach draußen. Da war er, an der frischen Luft. Warmer Wind bewegte seine Knospe. Es konnte hier draußen so viel aus ihm werden, er konnte Erkunder in der Knuddeluff-Gilde werden, er könnte mit einem Trainer quer durch die Welt reisen oder er könnte berühmt werden.

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  • Ergebnisse
    Wettbewerb Nr. 09: Shipping
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    Cáithlyn


    Die Blumen des Schlossgartens
    Die Schritte des Mädchens hallten in dem Rosengarten wieder, verebbten und machten dem Lied der Zikaden Platz, die sich, kaum hatte die Sonne das Land in ihren rötlichen Schimmer getaucht, dazu entschlossen hatten, die Symphonie der Natur anzustimmen. Das Rauschen des Windes in den Bäumen, den Blumen und Büschen, trieb die Schönheit dazu an, immer schneller zu laufen. Und trotzdem hatte sie das Gefühl, dass es bereits zu spät war.
    Selbst die Sonne schien ihr helfen zu wollen. Es kam der Brünette so vor, als würde es unendlich länger dauern, bis sie endlich unterm Horizont verschwand, sie konnte sich nicht daran erinnern, dass es je einen derart langen Sonnenuntergang gegeben hatte. Es war ihr nur Recht. Es war kein langer Weg mehr, doch er zog sich so grotesk, dass Haruka sich langsam fragte, ob sie nicht vielleicht rückwärts lief, anstatt auf das gigantische Schloss zu. Der Gedanke ließ sie nicht los, sodass sie kurz inne hielt, das pfirsichfarbene Kleid losließ und tief durchatmete. Er wird nicht gehen, redete sie sich ein. Er war ein Gentlemen, und seine Art von Jungen ließen ein Mädchen nicht stehen, wenn sie sich um ein, zwei, oder auch fünfundzwanzig Minuten verspätete.
    Noch ein tiefer Atemzug fand seinen Weg in ihre Lunge, versorgte sie mit der Kraft, weiter eilen zu können, dann hob sie ihr Kleid erneut hoch und ließ die Landschaft an sich vorbeiziehen. Der Wind begleitete sie auch weiterhin, animierte die Blumen dazu, Haruka ebenfalls zu unterstützen, indem er die Rosen, Lilien und Hyazinthen mit einem leichten Streicheln zum Frohlocken brachte. Der gepflasterte Steinboden unter ihr wurde breiter, ehe er in einem großen Platz endete, für den das Schloss Nocturne bekannt war. Es gab kaum Zeiten, in denen das Terrain leer war, selbst an wichtigen Festtagen fanden einige Paar noch ihre Zeit, sich einen entspannenden Spaziergang durch das Blumenmeer zu gönnen und die Sonne zu genießen. Ein Lächeln schlich sich auf Harukas Gesicht, als sie sich an die alte Sage erinnerte, die von Generation an Generation weitergegeben wurde.
    „ Die wahre Liebe finden, hm?“, murmelte sie leicht geistesabwesend. Doch das Lächeln verschwand jäh, als sie sich in der Mitte das Platzes wiederfand, völlig allein. Vereinzelt verließen Paare in prächtigen Kleidern und Anzügen das Schloss, aus dem fröhliche Tanzmusik herausschwebte. Ihr Herz pochte wie wild, als sie sich umdrehte, verunsichert nach demjenigen suchte, wegen dem sie überhaupt hier war. Sie fand ihn nicht, auch, als sie sich zum dritten Mal im Kreis drehte, wütend mit dem Fuß aufstapfte und ihre bitteren Tränen herunterschluckte, die sich ihren Weg in ihre Augen bahnten. Nervös wickelte sie sich eine Strähne ihres gelockten Haare nach der Anderen auf, um sich irgendwie abzulenken.


    Er würde sie nicht sitzen lassen, oder? Nein, er war doch ein Gentlemen!
    Ihre Gedanken kreisten nur um ihn. Um seine smaragdfarbenen Augen, dem arroganten Blick, seinen mintgrünen Haaren, und dem spöttischen Grinsen, wenn Haruka- mal wieder- etwas verbrochen hatte. Die Finger hatten sich ihren Weg zu ihrem Arm gesucht, der nun feuerrot leuchtete und von Kratzern übersät war. In ihrem Frust hatte sie ihre alte Angewohnheit wieder angenommen, und die salzigen Tränen, die nun aus ihren Augen rannen, schmerzten auf der gereizten Haut.
    Was war passiert? Hatte sie ihn doch zu lange warten lassen? Hatte er in seiner typischen, arroganten Art und weiße einfach ein anderes Mädchen verfrüht und mit genommen, damit wenigstens er seinen Spaß hatte?
    Haruka schluchzte, wütend über ihn, und wütend über sich selbst. Nur weil sie, von Selbstzweifeln geplagt, gut eine Stunde länger als geplant vor dem Spiegel gestanden hatte, war der schönste Tag ihres Leben ruiniert. Eilig wischte sie die Tränen aus den Augen, die drohten, ihre Unsicherheit der ganzen Welt zu zeigen, hämisch und andauernd, denn egal wie oft sie es versuchte, immer wieder schossen Tränen nach, wie eine unendliche Armee aus kleinen, flüssigen Peinigern, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, sie möglichst armselig dastehen zu lassen.
    Als sie die Augen wieder öffnete, erblickte sie ein Meer aus Rosenblättern, direkt vor ihrem Gesicht. Als sich die Sicht wieder geklärt hatte, bemerkte Haruka, dass es nur eine einzelne der Liebesboten war, die ihr vors Gesicht gehalten wurden. Etwas bewegte sich in ihrem Augenwinkel, unfähig sich zu bewegen, vermutlich wegen dem Schock, dass sich jemand an sich herangeschlichen hatte, vielleicht aber auch, weil sie es schlichtweg nicht wagte. Der vertraute Rosenduft, die starke Präsenz, das kleine Seufzen in ihrem Ohr. War das etwa..?


    „ Es war ja klar, dass du mich warten lässt.“
    Haruka zuckte zusammen. Die Stimme war kaum mehr ein Flüstern, aber doch klar verständlich, und der kleine Hauch bei jedem seiner Atemzüge ließen ihr Herz beinahe aus der Brust springen und jedes noch so kleine Härchen auf ihrer Haut stellte sich auf. Er lachte leicht, zog seinen Arm zurück, der sich seinen Weg um ihren zusammengekauerten Körper gesucht hatte und noch immer die Rose hielt. Haruka war verwirrt. Sie konnte keinen klaren Gedanken fassen, seit sie seine Anwesenheit gespürt, das Lachen gehört, und die Rose, sein Markenzeichen, gesehen hatte. Ihr Herz pochte nun nicht nur einfach mehr, es ließ viel mehr Amok und für einen kleinen, aber entscheidenden Augenblick fragte sie sich, was passieren würde, wenn sie nun ohnmächtig würde. Würde sich der Grünhaarige Sorgen machen? Ein kleines Lächeln schlich sich auf ihre Lippen, und eine Träne in ihre Augen. Unwahrscheinlich. Unmöglich. Jenseits aller Vorstellungskraft.


    „Worüber denkst du nach?“
    „ Was wohl passieren würde, wenn ich jetzt ohnmächtig werde- ob Shuu sich dann wohl Sorgen macht?“
    Ein Lachen riss sie aus ihren Gedanken. Hatte sie gerade tatsächlich das ausgesprochen, was ihr durch den Kopf gefahren war? Blut schoss ihr ins Gesicht, als sie nun auch noch sein Gesicht, nur minimal von ihrem entfernt, vor sich auftauchen sah. Shuu beugte sich herunter, was nicht sonderlich wunderlich war. Immerhin war der Grünhaarige um einiges gewachsen in der Zeit, in der sie getrennte Wege gegangen waren. Schon bei ihrem ersten Treffen vor gut einer Woche war ihr das aufgefallen. Shuu hatte seine Augen geschlossen und bewegte seine Lippen auffällig langsam, in gleicher Geschwindigkeit sprach er dann, scheinbar als Antwort auf Harukas Frage:
    „ Ob er sich Sorgen machen würde? Ganz so herzlos ist sicherlich nicht mal er.“ Das kleine Lachen, welches sich seinen Weg zu ihrem Ohr bahnte, ließ Haruka zusammenzucken. Sie bemerkte den geistesabwesenden Blick in den smaragdenen Augen, die sich auf die meerblauen Seelenspiegel des Mädchens fixiert hatte, und augenblicklich spürte sie einen Riss in dem sonst so unnahbaren Shuu. Wie ein Schloss an einem Käfig, in dem ein schreckliches Geheimniss eingesperrt war, das gerade aufgesprungen war. Das sich nur für sie geöffnet hatte.
    Nach einer schier endlosen Dauer schaffte Haruka es, wieder klar denken zu können.
    „ Shuu?“ Der Grünhaarige schien perplex, vollkommen aus der Bahn geworfen. Er stotterte etwas Unverständliches, sein sonst so blasser Teint wich einem leichten Rougerot, dem Jungen schien die Situation unangenehm zu sein. Haruka verstand diese Reaktion nicht ganz. Was gerade geschehen war, hatte ihr gezeigt, dass er menschlich war, genauso Makel hatte, wie auch sie, und dass auch der cool Shuu manchmal in Verlegenheit geriet. Sie verspürte trotzdem keine Erleichterung, oder gar Freude. Tiefe Betroffenheit machte sich in ihr breit, sie fühlte sich schuldig dafür, dass er.. Warum fühlte sie sich schuldig? Sie hatten ihm das Gefühl gegeben, dass er herzlos war. War es das? Oder hatte es einen anderen Grund?
    „ Träum’ nicht so rum, Haruka.“ Die Stimme ihres Freundes hatte an seiner Intensität und Arroganz wieder zugenommen, ungeduldig klopfte er mit seinem Finger auf seinem Arm, wich dabei aber geschickt Harukas Blicken aus. Der leicht rötliche Ton war trotzdem noch nicht verschwunden.
    Haruka eilte, so schnell ihre hohen Schuhe es zuließen, hinter ihm her, völlig außer Atem und verwirrt darüber, dass es ihr zunehmend schlechter ging. Ihr wurde schlecht, und die Sicht verschwamm, immer weiter, bis sie glaubte, nun das Bewusstsein zu verlieren. Traf diese Situation jetzt wirklich ein? Haruka lachte leicht, so leise, dass Shuu, der vor ihr lief, es nur als Randgeräusch zu bemerken schien. Das Atmen wurde schwerer, das Herz schlug langsamer, die Erde schien sie zu sich ziehen zu wollen und ihr Bewusstsein schwang weiterhin mit jeder Sekunde. Die Schwärze lockte sie in ihren Bann, verführte den Geist der Braunhaarigen, sagte ihr, dass es so gut wäre. Das Mädchen lächelte schwach, als sie Shuus Gesicht vor sich entdeckte, die smaragdenen Augen, der unsichere Blick, die Lippen die sich bewegten. Er sprach, doch verstand sie kein Wort, und weiterhin verschwamm die Sicht, der Gesichtsausdruck des Jungen wurde ernster, schon fast panisch, und jetzt drang ein Geräusch an ihr Ohr, wie das Rauschen des Meeres, nur viel dumpfer und drohender. Und plötzlich war das Schwindelgefühl fort. Haruka riss die Augen auf, reflexartig, als sie etwas spürte. Shuu hatte sich zu ihr herunter gebeugt und seine Lippen auf die ihren gelegt. Tränen fielen auf Harukas Gesicht, verwirrt erstarrte sie. Weinte Shuu etwa? Als er sein Gesicht wieder anhob, legte sich ein leichtes Lächeln auf seine Lippen, ehe er Haruka in seine Arme schloss und ihr ins Ohr flüsterte:“ Muss man dir immer erst alles klipp und klar sagen? Ich liebe dich, verdammt. Das ist der Grund, warum dir nichts passieren darf.“
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    Leandy


    Die Wurzeln der Welt
    Vielleicht lag es an diesen grauen Augen. Diesen Augen, die an kühlen, windigen Tagen, an denen kein Mensch einen Schritt aus der Haustür setzen wollte, mehr Wärme versprachen, als ich je in meinem Leben erfahren hatte. Diesen Augen, die an sonnigen, gleißenden Tagen, an denen sich die Menschen am Strand tummelten, einen Rückzugsort versprachen, einen ruhigen Rastplatz anboten. Oder vielleicht lag es auch einfach nur an meiner eigenen Dummheit. Denn ich hatte das getan, was ich mein Leben lang hatte vermeiden wollen - ich hatte mein Herz an ein Ding gehangen, von dem ich wusste, dass es für mich unerreichbar sein würde.
    Seit diesem Tag jedenfalls schien es mir immer, wenn ich in den Spiegel schaute, als würde ein Paar eulenhaft großer, wacher grauer Augen durch mich hindurchschauen. Als wäre ich aus Glas. Und so fühlte ich mich auch; nicht wie dieses wundervoll starke, haltbare, kugelsichere Glas, das man in Zügen und gepanzerten Autos verwendete, nein. Ich war mehr wie das leere Fensterglas einer alten Hütte, irgendwo draußen in den Bergen, windumtost, moosbewachsen, knarrend in den Angeln.


    Mein ganzer Schutz, die Distanz zur Außenwelt, die ich mir in meinen Jahren der Arroganz aufgebaut hatte, sie waren dahin. Und meine Seele hatte der Wind in den Bergen davongetragen.
    Stets musste ich mich wieder daran erinnern, wer ich war und was es auf dieser Welt gab, für das ich alles geben würde.


    Stattdessen hatte ich erkannt, dass ich mich von meinen Wunschvorstellungen und Träumen lösen musste, um nicht den Verstand zu verlieren, um die wohlbehütete Fassade der Kontrolle und Selbstbeherrschung weiter aufrecht zu erhalten, die wiederum mich am Leben erhielt.
    Mein Name?
    Paul.
    Mein Leben?
    Inzwischen 18 Jahre lang. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen.
    Die Zukunft?
    Für mich nicht. Kein Herz mehr, das ich die Jahre über geleugnet habe.
    Und mein letztes Turnier. Ein letzter Versuch. Ich hatte schon einmal verloren, und ich war so masochistisch, mich meinem stärksten Gegner noch einmal zu stellen.
    Die Orden der Regionen an der Brust, und doch kann ich es nicht mit ihr aufnehmen.


    Lange, gewellte Haare, die mit der Sonne zu verschmelzen schienen, ein glänzendes, metallisches Blond, das in den Schatten wie warmes, flüssiges Gold wirkte und ihrer kalten Ausstrahlung ein wenig die Härte nahm… Graue Augen, die Spiegel ihrer ruhigen Seele, die ihre katzenhafte Eleganz unterstrichen und ihr Gegenüber zu durchleuchten schienen… Augen, die schnell erkannten, was der andere fühlte, was in seinem Innersten vorging…
    Mich hatte sie auch so angesehen. Und gewusst, was und wer ich wirklich war.
    An diesem Augenblick damals hätte ich mich am Liebsten mit irgendetwas verbrannt, um wieder etwas zu fühlen, um den hilflosen Schmerz der Reue auszublenden. Stattdessen hatte ich meine Kontrolle bewahrt, ihr in die wunderschönen Augen geblickt und getan, was ich immer tat… ich war gegangen. Und hatte die Nacht draußen im Regen verbracht, bis sich das Wasser um mich herum mit meinen verzweifelten Tränen verschmolz, bis ich spürte, wie sich die Steine in meine Haut gruben und warmes Blut den Boden benetzte.
    Am nächsten Morgen war ich zurückgekehrt, hatte ein halbherziges Training absolviert und meine Gefühle zu verdrängen gesucht. Dass meine Pokémon versuchten, mich zu trösten, hatte mich sie nur noch mehr verachten lassen.


    Warum das alles? Warum dieses Leid? Ich selbst war der Verursacher. Im Leid lagen die Wurzeln meiner Welt, im Leid meiner Pokémon die Wurzeln meines Erfolgs. Und in meinem Leid lagen nun die Wurzeln meines Hasses.
    Wozu mein Hass führen würde? Ich wusste es: Zum letzten Kampf meines Lebens.
    Vielleicht der letzte Augenblick, in dem ich Cynthia sehen konnte. Ich musste meiner Furcht begegnen. Wie konnte ich vor dem schönsten, faszinierendsten Wesen dieser Welt Angst haben? Vielleicht, weil sie die einzige war, die mir mein Herz gezeigt hatte?
    Die Sonne stach mir in den Augen, das Tosen der Menge ließ den Platz erbeben. Tausende, ja Zehntausende, die auf den Rängen darauf warteten, den ultimativen Kampf zu sehen. Nicht zwischen mir und Ash, nein, sondern zwischen mir und meiner größten Herausforderung. Ich wusste, dass sie mich auseinandernehmen würde. Vielleicht konnte ich kämpfen, aber mehr auch nicht. Adrenalin schoss durch meine Adern, ein letztes Mal spürte ich den Höhenflug vor einem Kampf. Mit fest zu Fäusten geschlossenen Händen und einer grimmigen Miene trat ich auf das Kampffeld.
    Meine Füße wirbelten Sand auf, der Wind trug die Stimmen des Publikums zu mir, das sich in Rage schrie, Wetten abschloss und Hymnen sang. Lächelnd blinzelte ich in die Sonne und fühlte, wie die Böen mit meinem Haar spielten.
    Nie war ich glücklicher gewesen. Jetzt, da ich wusste, dass es zu Ende ging.


    Cynthia war zu schön. Unerreichbar schön. Wie sie da direkt vor der Sonne stand, wie der Wind ihre schwarzen Kleider umherwirbelte und ihr Haar wie eine Flutwelle aus geschmolzenem Gold um ihre Figur herumfloss, wusste ich, dass ich sie niemals wert wäre. Ich, der seine Pokémon für ihre Schwäche verachtete.
    Tränen traten wieder in meine Augen, als ich den Blick über meine Gegnerin schweifen ließ. Die Durchsage, der Kampf möge beginnen, drang kaum an meine Ohren. Tief in mir wollte etwas, dass ich einfach umkehrte und den Schmerz nicht noch größer werden ließ.
    Alle Wut und aller Hass hatten einer atemberaubenden Leere Platz gemacht, und auch auf die viel zu große Entfernung, die zwischen uns lag, spürte ich, dass mich Cynthias Augen durchbohrten. Was dachte sie? Dass ich mich bis zur letzten Sekunde wehren, dass ich eine erneute Niederlage nicht akzeptieren könnte? All das lag in ihrem Gesichtsausdruck, und doch noch mehr. War das eine nie gesehene Schwermut, die sie ihre Lider senken ließ? Trauerte sie auch um irgendetwas?
    Meine Knie wurden weich. Konnte sie auf die Entfernung die einzelne Träne sehen, die meine Wange herabrann? Ich schämte mich so für meine Schwäche. Meine Arroganz hatte sich nun endlich gerächt, meine schützende Schale war aufgebrochen worden. Verzweifelt wollte ich umkehren, fliehen, wollte den enttäuschten Gesichtern meiner Zuschauer ausweichen, die nur auf meinen Kampf achteten, nicht darauf, was jedes Duell für Kraft kostete.


    Einen endlosen Moment lang trafen sich unsere Blicke, warm und kalt, Güte und Wut, Ruhe und Hass. Raubtierhaft beobachtete sie mich, und fast spürte ich die Spitze ihres Messers liebevoll über meinen Rücken laufen, bevor sie zustoßen würde. Ich war geboren worden, um so zu sterben.
    Meine Gedanken kehrten in die Realität zurück, als sie die Augen senkte. Einen Moment zögerte ich, denn ich dachte, Reue in dieser Regung gesehen zu haben, und das einzige, mit dem Cynthia mich verletzen würde, waren ihre kalten Worte. Worte, die die Wahrheit sprachen.


    Ihre rechte Hand, die den ersten Pokéball hielt, zitterte, und plötzlich flüsterte sie dem neben ihr stehenden Schiedsrichter etwas zu. Ihre grauen Augen strahlten, doch in allem wirkte sie kraftlos. Ich betete, dass ich nicht der Grund sei, denn das wäre zu viel.
    Der Schiedsrichter bewegte keinen Gesichtsmuskel und für einen Moment setzte mein Herz aus. Worum ging es? Ich hörte das Wispern im Publikum, als sich der Unparteiische in der Mitte des Feldes platzierte und eine Fahne in meine Richtung hob.
    "Der heutige Kampf wird abgebrochen und Paul aus Schleiede zum Gewinner erklärt."
    Tosen brach aus, und die nächsten Worte gingen im Geschrei fast unter.
    "Der amtierende Champ Cynthia zieht ihre Teilnahme an diesem Turnier zurück und gratuliert dem Gewinner."


    Der Boden sackte unter meinen Füßen weg. Das konnte nicht wahr sein, nein, nein, nein. Ich wollte nicht gewinnen. Ich wollte den unverdienten Ruhm nicht. Ich wollte nicht mehr kämpfen müssen.
    In Cynthias Augen standen die Tränen, sie glitzerten in der Sonne. Hilflos streckte ich eine Hand aus und sank in den Staub. Warum? Was empfand sie für mich, dass sie dies aufgab? Hatte ich mich geirrt und war sie doch nicht unerreichbar?
    Ich kauerte mich mit weit aufgerissenen Augen zusammen, blendete alles aus, wie ich es damals im strömenden Regen getan hatte. Meine Herzschläge zerrissen die Stille.
    Jemand berührte mich sanft am Arm, und ich blickte auf zu der hochgewachsenen Gestalt, die mir ihre Hand reichte. Mein Herz setzte aus.
    Cynthia zog mich hoch und verhinderte, dass ich im Sand strauchelte. Es war, als hätte sie eine Art Schutzschirm über uns gespannt, und plötzlich war es ganz einfach, die Anwesenheit der Kameras und die der Zuschauer auszublenden.
    "Warum hast du das getan?", fragte ich und hasste mich sofort dafür. Doch ein Lächeln erschien in ihrem Gesicht, unbefangen nahm sie meine Hand und strich über ihren Rücken.
    "Es tut mir Leid. Ich konnte es nicht noch einmal ertragen, dich so zu zerstören." Wie schön ihre Stimme klang, wenn sie flüsterte! Warm und gefährlich zugleich, katzenhaft. Ich konnte nichts mehr sagen. Ihre Augen hatten mich völlig in ihren Bann geschlagen, umrahmt von langen, blassen Wimpern, die in der Sonne schimmerten. Und dann brach es aus mir heraus.
    "Ich liebe dich."
    "Ich weiß. Ich habe es gesehen, als wir uns zum ersten Mal gegenüberstanden. Und ich... liebe dich auch. Ich kann nicht gegen dich kämpfen."
    Bei ihren Worten flutete ein Gefühl meinen Körper, das ich nicht gekannt hatte. Wärme, Liebe, Glück.
    Die Wurzeln der Welt.


    Glück.
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    Pika!


    Waterflower Mermaid
    Sie verharrte bewegungslos auf ihrem Lieblingsfelsen. Lichtreflexe wanderten über den sandigen Boden und zauberten helle Netze. In Momenten wie diesem war sie in ihrem Element, und die Welt an Land war unwichtig. Eigentlich war sie hergekommen, um den Tanz der Meerjungfrauen, den sie morgen vor dem Wettbewerb mit ihren Schwestern vorführen sollte, noch einmal durchzugehen. Auch wenn sie sich wünschte, eine echte Meerjungfrau zu sein, konnte sie doch nicht unter Wasser atmen, stieß sich vom Felsen ab und brach durch die Oberfläche.
    Seit über einem Jahr – nach ihrem achtzehnten Geburtstag – hatten Misty und ihre Schwestern Violett und Lilly die alleinige Leitung der Arena von Azuria inne, nachdem Daisy geheiratet hatte und in eine behagliche Küstenstadt in Sinnoh gezogen war. Seitdem ging Misty selbst nicht mehr auf Reisen, um als Arenaleiterin junge Trainer zu erwarten. Sie dachte an Ash, mit dem sie bis vor fünf Jahren durch Kanto und Johto gereist und ihm danach noch ein paar Male begegnet war. So weit sie wusste, war er seit einigen Monaten wieder aus Einall nach Alabastia zurückgekehrt; ob er sie in Azuria einmal besuchen würde?
    „Guten Tag da unten!“ Misty hob den Kopf, suchte nach der Quelle des Rufes und entdeckte einen jungen Mann etwa in ihrem Alter auf der Brücke von Azuria. Sein unübersehbares, lindgrünes Haar glühte im Sonnenlicht wie eine Signallampe. Er winkte sie heran und beugte sich über das Geländer. „Du bist doch Misty, die Arenaleiterin hier? Was dagegen, wenn ich runter komme? Dann müssen wir uns nicht so anbrüllen.“ Gerade wollte Misty vorschlagen, dass sie auf die Brücke käme, da hatte er sich schon Hemd und Hose ausgezogen. Trug er etwa unter seinen Klamotten eine Badehose? Fast war Misty versucht zu glauben, er hätte dieses Treffen irgendwie eingefädelt – bloß wofür?
    Der Grünhaarige schwang sich elegant auf die Brüstung und ließ sich in die Bucht fallen. Wassertropfen flogen Misty entgegen, als er aufkam. In vielen Jahren Übung hatte sie gelernt, so einzutauchen, dass sich das Wasser nicht einmal bewegte. Aber für einen Amateur war dieser Sprung gar nicht so schlecht. Sie sah ihn sich genauer an. Er war von undefinierbarer Statur, irgendetwas zwischen schlaksig und muskulös; durchaus attraktiv, wie sie fand. Warum begegnete sie ihm ausgerechnet jetzt, wo sie ihren knappsten Bikini trug, der diverse Stellen gerade noch so verdeckte – mehr aber nicht? Er schwamm in weiten Zügen auf sie zu. Misty stellte fest, dass seine Augen dieselbe Farbe hatten wie sein Haar. Unheimlich. „Du hast schöne Augen“, meinte er, als ob er den gleichen Gedanken verfolgt hätte wie sie. „Wie das Meer. Aber was kann man auch anderes erwarten?“ Er lächelte umwerfend. Was sollte das ganze Gehabe? „Darf ich… vielleicht mal etwas ausprobieren?“, fragte der Fremde und glitt näher. Misty wich zurück, unsicher, was er tun würde.
    Plötzlich tauchte er unter, packte ihre Füße und zog sie ebenfalls runter. Instinktiv sog sie tief Luft ein, bevor sie komplett von Wasser umgeben war. Mit einem Tritt befreite sie sich aus seinem Klammergriff, machte eine Rückwärtsrolle und nahm eine ruhige Schwebeposition ein. Ihr merkwürdiges Gegenüber hielt sich mit Armschlägen bewegungslos im Wasser. Sie hatte das nicht nötig – sie kannte diese Bucht in- und auswendig, wusste genau um den Rhythmus, in dem Meerwasser einfloss und der Strom aus der Azuriahöhle Süßwasser herbeitrug. Wenn der Grünhaarige sie testen wollte, wie lange sie es ohne Luft aushielt, hatte er schon verloren. Sie war die beste Taucherin ganz Kanto, vielleicht sogar aller Regionen. Schon nach kurzer Zeit musste er wieder auftauchen, und sie folgte ihm, auch wenn sie problemlos noch dreimal so lang durchgehalten hätte. „Das ist unglaublich!“, lobte der fremde Hochstapler überschwänglich. „Dann stimmt es also, was man über dich hört.“ Misty kannte die kuriosen Gerüchte, die über sie die Runde machten. Manche gingen so weit, dass ihr Vater ein Milotic war oder ein Garados sie als Baby an den Strand gebracht hatte.
    Ihr wurde das Ganze hier allmählich lästig. Sie hoffte, ihre unliebsame Bekanntschaft loszuwerden, und sagte barsch: „Was willst du von mir?“
    Wieder erntete sie ein charmantes Lächeln. „Es kann nie schaden, sich bei einer Jurorin einzuschleimen, oder?“
    Seine unverhohlene Ehrlichkeit brachte sie ins Schleudern. Sie fragte sich, woher er wissen konnte, dass sie Jurorin war. Sicher, man hatte sich – ganz im Geheimen – für den ersten Wettbewerb dieser Art in Azuria für Misty und ihre beiden Schwestern entschieden, da sie letztes Jahr, als es darum ging, die Eventtradition aus Hoenn nach Kanto zu bringen, ganz vorne mit dabei gewesen waren. Doch nur sehr wenige wussten das. Woher auch immer der Fremde diese Information hatte, er erwartete wohl, dass sie auch seinen Namen kannte – was eigentlich ihre Jurorinnenpflicht war. „Was du auch bezweckst, ich lasse mich jedenfalls nicht bestechen!“ Sie entfernte sich vom namenlosen Koordinator und steuerte eine Stelle zwischen den Klippwänden an, von der man aus dem Wasser steigen konnte. Wie sie erwartet hatte, folgte er ihr. Plötzlich hatte sie die Eingebung, dass er derjenige war, der den Wettbewerb in Saffronia neulich gewonnen hatte. Erst recht sollte sie seinen Namen kennen. Sie schaffte es weder, ihn sich ins Gedächtnis zu rufen, noch, MisterX loszuwerden. So stellte er sich neben sie, als sie an ihrer Lieblingsstelle auf der Brücke verharrte, von der man das Meer sah. „Schön langsam ist das Belästigung“, stellte Misty fest. Auf eine sehr eigenartige Weise war ihr seine Anwesenheit sowohl angenehm wie auch unbehaglich. Aber sie konnte mit solchen Gefühlen umgehen: Innerhalb der letzten fünf Jahre hatte sie mehr feste Freunde gehabt als andere Frauen in ihrem ganzen Leben. Wieder musste sie an Ash denken; wegen ihm war auch ihre letzte Beziehung zu Bruch gegangen. Sie konnte ihn einfach nicht vergessen.
    „Das Meer ist wunderschön“, warf Namenlos in ihren Liebeskummer hinein, „genau wie deine Augen.“ Synchron drehten sie sich einander zu. Er war ihr zu nahe. Doch ihr Herz sagte, dass das in Ordnung war. „Wir wissen doch beide, dass du es willst“, wagte ihr Gegenüber tatsächlich zu behaupten, als er ihren sehnsüchtigen Blick bemerkte.
    Arroganter Klugscheißer, dachte Misty – und tat es einfach. Sofort waren Ash und ihre anderen vergessen, als sie einen fremden Koordinator, dessen Namen sie nicht einmal wusste, ohne Hemmungen küsste. Und wie er küssen konnte! Sie hatte es schon unzählige Male getan, aber das hier war eine Offenbarung! Wenn er nur ein halb so guter Koordinator war, würde sie ihm ohne Zögern die Höchstpunktzahl geben. Ihr war bewusst, dass er dadurch erreicht hatte, sie für seinen Sieg zu verführen, aber das war ihr egal. Er legte die Hände auf ihre Hüften, um sie näher heranzuziehen, und sie umschlang ihn, hätte sich am liebsten in seinem Rücken verkrallt. Ihre Körper rieben aneinander. Sie konnte seine Haut an der ihren spüren, feucht, so warm, dass der Wasserfilm eigentlich verkochen musste. Schließlich erreichten ihre Gefühle jenen Punkt, ab dem sie alles Denken zunichtemachen. Er küsste wie ein Gott, und sie konnte nicht umhin, sich einfach in seinen nach salzigem Buchtwasser schmeckenden Lippen zu verlieren.
    „Drew…?“
    Als der Fremde und doch Vertraute den Kuss abbrach, kehrte Mistys klares Denkvermögen nur langsam wieder. Sie gewahrte, dass der Grünhaarige ungläubig auf etwas hinter ihr starrte. Oder besser, auf jemanden. Er räusperte sich perplex. „Maike? Was… tust du hier? Ich dachte, du wärst in Prismania.“
    Das braunhaarige Mädchen blickte entsetzt zwischen Misty und Drew – endlich erinnerte sie sich – hin und her. „Der Wettbewerb wurde verschoben.“ Ihre Stimme klang brüchig. „Ich wollte dich… anfeuern.“
    Drew schien erst jetzt zu bemerken, dass seine Hand auf Mistys Schulter ruhte – wann hatte er sie dorthin gelegt? –, zog sie zurück und schob die Jurorin sanft, aber bestimmt zur Seite. „Maike, es ist wirklich nicht das, wonach es aussieht.“ Wäre Misty nicht so aufgewühlt gewesen, hätte sie laut losgelacht. Sie küssten sich einsam auf einer Brücke fernab menschlicher Zeugen, eng aneinandergeschmiegt, mehr nackt als bekleidet, und das mit einer Leidenschaft, die einem riesigen Festtagsfeuer gleichkam. Wonach sollte es denn sonst aussehen? Anscheinend erkannte der Herzensbrecher seinen Fehler, und Schatten verdunkelten sein Gesicht. Er ging, geradewegs an Maike vorbei, klaubte seine Sachen zusammen und verschwand in Azuria.
    Misty spürte plötzlich ihre zitternden Knie, und sie lehnte sich an die Brüstung. Beiläufig strich sie den Träger ihres Bikinioberteils, der wohl irgendwie runtergerutscht war, wieder auf ihre Schulter. Unfähig, Maike anzusehen, stand sie da. Sie waren Freundinnen, kannten sich über Ash und ihre Treffen. Damals, vor fünf Jahren, war Misty auf sie eifersüchtig gewesen, dass Maike nun Ash begleitete.
    Das Schicksal spielte manchmal sehr böse Streiche.
    „Es tut mir so leid, ich wusste nicht…“, stammelte sie eine Entschuldigung oder wenigstens eine Erklärung. Aber die Koordinatorin sah sie voller Hass, aber mit Trauer in den Augen an – es raubte Misty die Worte. Sie konnte nichts dafür, dass Drew sie zu dem Kuss verleitet und Maike hintergangen hatte, doch fühlte sich unendlich schuldig. Die Braunhaarige sagte nichts, sondern wirbelte herum und stürmte davon, möglichst eine andere Richtung einschlagend als ihr Freund. Wenn er das jetzt überhaupt noch war.
    Misty blieb allein auf der Brücke zurück. Allein mit der wunderbaren Wärme des schönsten aller Gefühle und der klirrenden Kälte einer Gewissheit, etwas schrecklich falsch gemacht zuhaben.
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    Chiyoko


    Erinnerungen
    Manchmal frage ich mich, wie oft ich es ihr gesagt habe. Ihr allein, indem ich es doch einer anderen sagen musste. In den Augen einer jeden Frau, welche gleich aussah wie sie, erkannte ich sie, meine wahre Liebe. Ich wollte es ihr sagen, wie enorm meine Sehnsucht nach ihr war, wie sehr ich sie vermisste. Dass ich immer noch an sie dachte, mein Herz immer noch ihr gehörte, auf ewig. Niemals hätte ich auch nur ansatzweise daran gedacht, sie durch eine andere Frau zu ersetzen, wenn es auf die Menschen meines Umfeldes auch anders zu wirken schien. Denn sie war mein Leben gewesen. Für sie hätte ich alles hingeworfen, alle anderen verlassen, nur, damit sie froh war. Und ich bin mir sicher, sie hätte genau das Gleiche auch für mich getan. Wir waren so glücklich, so wundervoll war eine jede Minute, welche wir gemeinsam verbrachten. Ein Pärchen, wie es im Buche stand. Jung, strahlend, verliebt.


    Was wir nicht alles gemeinsam erlebt hatten… Es waren so schöne Zeiten, so wundervolle Minuten zu Zweit. Damals schien mein Leben perfekt. Immer wenn ich sie ansah, ihre wunderschönen, zartrosanen Haare im Winde flogen, wusste ich, dass sie die Richtige war. Ein jedes strahlendes Lächeln, welches ihre leuchtend indigoblauen Augen zum Funkeln brachte, war für mich wie ein Sonnenaufgang. Ihr glockenklares Lachen machte mich glücklich und gab mir das Gefühl, daheim zu sein.


    Wieso habe ich meinen Freunden niemals von ihr erzählt? Weshalb habe ich nicht den Grund erwähnt, dass ich vor jeder Schwester, welcher wir begegnen, auf die Knie falle und ihr meine Liebe gestehe? Ich… kann mir selbst keine Antwort darauf geben. Es hat einfach niemals die Gelegenheit gegeben, sie danach zu fragen. Vielleicht will ich die Erinnerungen an sie auch einfach nicht verschmutzen, indem ich die intimen Momente jedem erzähle, dem ich über den Weg laufe. Meine Reaktion scheint wohl übertrieben zu sein, doch für mich gibt es keinen anderen Ausweg. Es scheint meine Verpflichtung zu sein, ihr wenigstens auf diese, wenn auch jämmerliche, Art klarzumachen, dass sie immer noch in meinem Herzen weiterlebt. Dass sie nicht ersetzt werden würde, weder durch eine ihrer Schwestern noch durch irgendwen, der mit mir auf Reisen geht. Ich sehe ein, dass es auf meine Umwelt ganz anders wirkt, doch die vielen Liebesgeständnisse an wildfremde Frauen sind nichts als ein Tribut an sie.


    Ich erinnere mich noch daran, wie schrecklich der eine Tag gewesen ist.
    Es war scheinbar einer gewesen wie jeder andere. Wir sassen im Park, unsere Pokémon spielten um uns herum. Sie lag in meinen Armen, ihren rosanen Schopf fest an mich gedrückt. Wir genossen unsere Zweisamkeit. Alles was um uns geschah interessierte uns nicht, denn wir hatten uns. Wir brauchten niemanden sonst, denn gemeinsam ergänzten wir uns perfekt. Doch an jenem schicksalhaften Tag wurde unsere Idylle jäh durch das Klingeln ihrer Videouhr unterbrochen. Wir beide schreckten aus unserer Trance, und nachdem sie auf den Knopf gedrückt hatte, ertönte aus dem Lautsprecher eine Stimme, die der meiner Liebsten zum Verwechseln ähnlich sah. Auf dem Bildschirm war eine Frau zu sehen, die ihr bis auf das Haar glich. Doch ich kannte sie so gut, dass ich sie niemals mit einer anderen Schwester hätte verwechseln können.
    „Schwester Joy“, ertönte es aus der Uhr, „Wir haben ein Problem. Ein Wailord ist gestrandet und wir brauchen deine Hilfe, es wieder zurück ins Wasser zu befördern. Bitte, komm so schnell wie du kannst, denn es hat viele Schürfwunden vom Sand und muss geheilt werden.“
    Ich sehe ihr Gesicht vor mir, wie sie mich mit geweiteten Pupillen angesehen hat und irgendetwas von einer Entschuldigung gemurmelt hat.
    „Es tut mir Leid, Rocko…“ Dies waren ihre Worte. Ich habe ihre zarte Stimme immer bei mir, sie klingt immer in meinem Ohr, wann und wo ich auch bin. Noch heute spüre ich beinahe, wie sie mir einen flüchtigen Kuss auf die Wange drückte und mit weiten Schritten davonrannte. Dort stand ich, allein, und blickte ihr nach. Ich hätte damals nicht geahnt, dass ich sie niemals wiedersehen würde.


    Ja, ich war am Boden zerstört, als ich erfuhr, dass das Wailord ihr mit seiner Schwanzflosse das Leben geraubt hat. Ich konnte nichts mehr essen, ich sprach nicht mehr. Tagelang lag ich nur zitternd da und dachte an sie, meine Liebste, welche den wichtigsten Teil meines Lebens ausgemacht hatte. Am liebsten hätte ich Rache genommen. Rache an der Schwester, welche meine geliebte Joy dort hinbeordert hatte, wo der schreckliche Tod seinen Lauf nahm. Rache an Wailord, welches sie mit voller Wucht gegen einen Baum schmetterte, wo sie den sofortigen Tod gefunden hatte. Rache am Himmel, weil er mir den Sinn meines Lebens geraubt hatte. Doch meine Vernunft siegte und ich sah ein, dass ich, selbst wenn ich den gesamten Planeten zerstörte, Joy niemals mehr wiedersehen würde.


    Ich kann es mir heute noch nicht verzeihen, dass ich mich nicht von ihr verabschiedet habe. Dass ich ihre letzten Worte so hingenommen habe, keine Antwort gab, sie nicht ein letztes Mal in den Arm genommen habe. Und ich selbst bin mir bewusst, dass ich sie davon hätte abhalten sollen, das gestrandete Wailord zu retten. Es ist meine Schuld, dass die Liebe meines Lebens viel zu früh ihren Tod gefunden hat. Und um all dies gut zu machen, selbst wenn es allerhöchstens einen minimalen Bruchteil des gesamten Schadens ersetzen kann, will ich ihr doch noch einmal klar machen, wie wichtig sie mir ist. Ihre Seele ist mit denen ihrer vielen Schwestern verbunden, und indem ich ihnen sage, wie sehr ich sie liebe, wird vielleicht auch sie meine Gefühle mitbekommen.


    Denn die Macht der Liebe reicht über alle Grenzen der Natur hinaus.
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    Sakurakiss


    Kiss from the Champ
    Es war kühl geworden in Azura City. Die Blätter verfärbten sich allmählich und dieTemperaturen kletterten langsam nach unten. Sie liebte diese Jahreszeit, besonders weil sie das fallende Herbstlaub immer so herrlich melancholisch stimmte. Gerne saß sie Abends vor dem riesigen Panoramafenster ihrer Arena und beobachtete die vorbeiziehenden Vogelpokemon die sich allmählich in wärmere Gebiete zurückzogen. Ein vorbeifliegendes Taubsi ließ sie kurz schmunzeln.Wie gerne erinnerte sie sich an früher. Damals, als sie noch mit ihm auf Reisen war, unterwegs, immer an seiner Seite. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, dass sie das letzte Mal neben ihm aufgewacht war. Fünf Jahre war sie nun schon Arenaleiterin der Azuria Arena und hatte
    keine Zeit mehr durch die Weltgeschichte zu reisen. Seufzend fuhr sie sich durchs lange, rote Haar. Er meldete sich ab und an bei ihr, schrieb eine Karte, bestellte ihr Grüße durch irgendwelche Trainer die er auf seiner Reise traf, oder schickte kleine Souvenirs aus Städten die er besucht hatte. Jedes mal wenn sie glaubte endlich von ihm losgekommen zu sein, stahl er sich wieder in ihr Herz. Im Grunde war es lächerlich, beinahe kindisch sich nach so langer Zeit immer noch ihrer unerwiderten Verliebtheit hinzugeben, aber sie gehörte zu einem hoffnungslos romantischen Menschenschlag, der sich nur zu gerne in Träumen verlor. Bevor sie zu Bett ging las sie noch einmal seine letzte Postkarte. Er schrieb nie viel, nur dass es ihm gut ging und er oft an sie dachte. Natürlich dachte er nicht so an sie wie sie an ihn - er war eben er - aber dass er sie nicht vergessen hatte, reichte ihr vollkommen. Seine tiefen, dunklen Augen in Gedanken, schlief sie schließlich ein.



    Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis sie endlich aus der Arena raus kam. Sie wollte heute unbedingt noch auf den Blumenmarkt, konnte sich aber vor den anstehenden Kämpfen nicht drücken. Zum Glück hatte sie Enton. Das gelbe Wasserpokemon war zwar noch immer einfältig wie eh und je, nur vermochte es mittlerweile Kämpfe ziemlich schnell mithilfe seiner Psychokinese Attacke zu beenden. Eilig lenkte sie ihre Schritte die sauberen Straßen entlang zum Zentrum ihrer Heimatstadt. Überall waren kleine Stände aufgebaut, auf denen die Händler ihre farbenfrohe Ware präsentierten. Sie liebte es am Blumenmarkt einzukaufen, zumal es hier auch so unbeschreiblich gut roch. Eine Weile streifte sie von Stand zu stand, beäugte die Rosen und Margeriten, bis sie schließlich vor den Lilien innehielt. Ihren Lieblingsblumen konnte sie auch heute nicht widerstehen und griff sich einen Strauß. Gedankenverloren schloss sie die Augen und sog den Duft ein.


    >>Du magst Lilien, oder?<<
    Die tiefe und doch vertraute Stimme ließ sie schlagartig die Augen wieder öffnen. Der Duft der Lilien wurde sofort von einer Mischung aus Vanille und Zedernholz überdeckt, ein Geruch der ihr so lange schon nicht mehr den Verstand geraubt hatte. Er hatte sich ganz dicht hinter sie gestellt, den Kopf neugierig über ihre Schulter gestreckt. Sie hatte nichts davon bemerkt, nicht gesehen wo er so plötzlich hergekommen war.


    >>Ash!<<, rief sie. Ihre Stimme überschlug sich vor Freude. Dass sie ihn so schnell erkannt hatte, wunderte sie selbst. Er war gut einen Kopf größer als sie, war unglaublich in die Höhe geschossen. Durch das schwarze, enge T-Shirt das er trug zeichneten sich die Konturen seiner Bauchmuskeln ab, allgemein war seine Statur sehr schlank und ungeahnt muskulös geworden. Auch sein Gesicht hatte sich verändern, wirkte markanter und hatte trotzdem seine weichen Züge nicht verloren. Ash sah so gut aus, dass es ihr beinahe die Sprache
    verschlug.
    >>Misty! Ich freu mich so dich wiederzusehen!<<
    Er schenkte ihr ein Lächeln, umarmte sie und hob sie ohne Mühe hoch. Die Rothaarige schlang reflexartig die Arme um seinen Hals, als er sich mit ihr einmal im Kreis drehte. Als sie wieder Boden unter den Füßen hatte, errötete sie schlagartig. Sie hatte nicht mit so einer herzlichen Begrüßung gerechnet, sie hatte überhaupt nicht mit Ash gerechnet.


    >>Was machst du hier in Azuria?<<


    Er senkte seinen Blick kurz auf seine schwarzen Converse, wirkte für einen Moment sogar verlegen.


    >>Ich...naja wollte dich sehen!<<
    >>Was? Wieso das denn?<<
    Misty merkte wie ihr Gesicht zu glühen begann. Wie oft hatte sie sich gewünscht, Ash würde zu ihr kommen und nun stand er da, schöner und strahlender, als sie es sich hätte vorstellen können.
    >>Ich muss dir was erzählen!<<, erklärte der Schwarzhaarige, der zu Mistys Überraschung keine Kappe mehr trug.


    >>Erzähl schon!<<


    >>Nicht hier!<<
    Ash nahm ihr den Strauß Lilien ab, kramte in der Tasche seiner Jeans nach einem Geldschein, reichte ihm den Verkäufer und gestikulierte Misty dann ihm zu folgen. Er hatte anscheinend nicht wirklich einen Plan wo es hingehen sollte, zumal er immer wieder die Richtung wechselte. Als sie den Stadtrand erreicht hatten, blieb Ash schließlich stehen. Der kleine schmale Weg der in Richtung Vertania City führte, war menschenleer, nur ein paar Pokemon huschten durchs hohe Gras.
    >>Jetzt tu nicht so geheimnisvoll Ash! Was ist denn los? Und wieso mussten wir so weit raus?<<
    >>Naja es muss ja nicht jeder hören was ich dir zu sagen habe!<<
    Wieder begannen Mistys Wangen zu glühen. Sie musste schleunigst mit dem Tagträumen aufhören, Ash würde ihr bestimmt nicht das sagen, was sie hören wollte, auch wenn er sie noch so süß angrinste.
    >>Rate mal wer der neue Kanto Champ ist!<<, platzte es aus dem Schwarzhaarigen heraus.
    >>Keine Ahnung...Gary Eich?<<
    Ash stutzte kurz beleidigt ehe er frech eine Augenbraue nach oben zog.
    >>Du willst mir doch nicht sagen, dass du...!<<
    >>Doch!<<, rief er und strahlte stolz übers ganze Gesicht. Misty war hin und weg. Sie wusste, dass der ehrgeizige Trainer, den sie zumindest ihren besten Freund nennen durftet, irgendwann mal groß rauskommen würde, aber dass es so schnell gehen würde, hätte sie nicht gedacht.
    >>Ash das ist Wahnsinn! Ich gratuliere dir!<<, rief sie und fiel ihm von überschwänglicher Freude getrieben, um den Hals.


    >>Danke...<<, hauchte der Schwarzhaarige und legte seine Arme um Mistys Hüfte. Erschrocken von der unerwarteten Berührung, wich die Rothaarige zurück.
    >>Ehm...und was hast du jetzt vor? Ich meine was wird der neue Champ als nächstes tun?<<
    Wieder senkte Ash seinen Blick, diesmal jedoch länger. Als er aufschaute, lag etwas in seinen Augen, das Misty noch nie gesehen hatte.
    >>Seit ich denken kann habe ich nur von diesem Meistertitel geträumt...ich habe mein ganzes Leben meinen Pokemon und dem Training gewidmet. Es war mein Traum...nein, es ist mein Traum der Champ zu sein, aber ich weiß jetzt, dass mir noch immer etwas fehlt...etwas von dem ich schon lange weiß, dass ich es brauche...<<
    Aufmerksam lauschte Misty jedem seiner Worte. Ash hatte noch nie so mit ihr gesprochen. Er war um einiges reifer geworden, erwachsener, ein wahrer Champ.
    >>Ich weiß nicht was du meinst...<<
    >>Wirklich nicht?<<, hauchte er, während er einen Schritt näher trat. Wie versteinert blieb Misty stehen, konnte nicht glauben was da gerade passierte. Er ließ nur eine minimale Distanz zwischen ihnen bestehen, legte seine Hand auf ihre Wange und sah ihr fest in die Augen.
    >>Darf ich?<<, wollte er wissen und legte den Kopf leicht schief.
    >>Was...?<<
    >>Dich küssen...<<
    Ein schwaches Nicken gab Ash die Erlaubnis das zu tun, von dem er seit langem auf seinen Reisen geträumt hatte. Wie sehr hatte er sich nach ihr gesehnt, wie viel Mut hatte es ihn gekostet hier aufzutauchen. Jetzt wo er Champ geworden war, hatte er endlich genug Selbstbewusstsein um das hier zu wagen. Sanft legte er seine Lippen auf ihre. Sie erschrak merklich, entspannte sich aber schnell und ließ sich auf den Kuss ein. Erst nach einer Weile lösten sich die Beiden voneinander.
    >>Danke...<<, meinte Ash und lächelte.
    >>Gern geschehen...<<, stotterte Misty die noch immer seinen Duft schmeckte.
    >>Hättest du was dagegen wenn ich eine Weile hier bei dir bleibe?<<, wollte er wissen und legte den Kopf schief.
    >>Nein...natürlich nicht...<<
    Sie strahlte übers ganze Gesicht, als sie begriff wie ernst Ash diese Frage scheinbar war. Er wollte tatsächlich hier bleiben, bei ihr, mit ihr.
    Geschickt überbrückte er die kurze Distanz die wieder zwischen ihnen entstanden war und küsste Misty ein zweites Mal, eher er ihre Hand nahm und mit ihr wieder ins Innere der Stadt schlenderte.


    >>Weißt du wer der Arenaleiterin von Azuria City jetzt Blumen schenken wird?<<, meinte Ash lächelnd und deutete auf die Lilien die er noch immer in der Hand hielt. Misty musterte ihn grinsend.


    >>Keine Ahnung...Gary Eich?<<
    Der Champ schnaubte gespielt empört eher er seinen Arm um die lachende Rothaarige legte und sie ganz nah an sich heran zog – so schnell würde er sie bestimmt nicht mehr loslassen.
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    Alaiya


    Nicht genug
    Es war ein sonniger Tag mit einer angenehmen Brise, die das Gras immer wieder ein wenig hin und her bewegte und auch die Zweige der Bäume ab und an leicht rascheln ließ. Ein schöner Tag, ein friedlicher Tag.
    Nicht friedlich hingegen war der Ausdruck in den Augen des jugendlichen Trainers mit dem seltsam hellem Haar, der am Ufer des Sees nördlich von Mahagonia City stand und zu seinem Panzaeron blickte, das ungestört vom leichten Wind in der Luft schwebte.
    Unter dem Flugpokémon im Wasser befand sich ein weiteres, ebenfalls nicht sonderlich friedlich ausschauendes Garados, das jeden Moment bereit schien anzugreifen.
    „Panzaeron!“, schrie er mit entschlossener und kühler Stimme. „Luftschnitt!“
    Und das Pokémon schlug mit seinen von Stahl überzogenen Flügeln, bis zwei leuchtende Energieklingen erschienen und auf das Garados hinunterschossen. Dieses öffnete sein Maul und spukte Flammen in Richtung seines Gegners, doch diese trafen nur auf die Energie der anderen Attacke, so dass der Aufprall der beiden Angriffe eine Explosion auslöste.
    Wasser wurde aufgewirbelt und eine Druckwelle blies dem etwas fünfzehnjährigen Jungen die Haare aus dem Gesicht, doch er zuckte nicht einmal mit den Wimpern.
    Als sich das Wasser wieder beruhigte schwamm das wilde Garados ohnmächtig an der Wasseroberfläche.
    Doch anstatt sich über diesen Sieg zu freuen oder zu versuchen, das Pokémon zu fangen, knirschte der Junge nur mit den Zähnen und sah auf seine geballte Faust hinab.
    Zu keiner Sekunde, konnte er vergessen, was dies für ein Tag war, so sehr er auch versuchte, sich davon abzulenken. Er hasste es.
    „Das ist noch nicht genug!“, rief er seinem Pokémon zu. „Das war noch nicht stark genug.“ Er durfte nicht schwach sein. Er brauchte einen stärkeren Gegner, um zu trainieren. „Nicht genug...“, presste er dann noch einmal leise zwischen seinen Zähnen hervor. Er wusste, dass es noch nicht genug war.


    Als er zum Pokémoncenter in Mahagonia City zurückkehrte war die Sonne bereits im Nordwesten hinter den Bergen untergegangen und nur noch ein rötlicher Schimmer war in dieser Richtung am Himmel zu sehen, während ansonsten bereits die ersten Sterne zu sehen waren.
    „Wie war das Training, Shinji-kun?“, fragte die Joy, als sie seine Pokémon entgegennahm, doch er antwortete ihr nicht.
    Stattdessen sah er zum großen Fernseher an der Wand des Eingangssaals des Centers, auf dem noch immer der Trainerkanal lief.
    „Es ist wirklich unglaublich“, kommentierte die rotschöpfige Moderatorin dort mit einem gewinnendem Lächeln. „Nach ganzen sieben Jahren hat Sinnoh nun einen neuen Champ.“ Es wurden Bilder aus dem Kampf, der am Nachmittag stattgefunden hatte, übertragen, während die Moderatorin weiterredete. „In einem beeindruckenden Kampf gelang es Satoshi aus Alabastia die bislang amtierende Champion Shirona zu schlagen.“
    Dabei wandte sich der Junge vom Fernseher ab.
    Er hatte es doch genau gewusst. Es war nicht genug. Egal wie viel er trainierte. Es würde nie genug sein.
    Und doch... Er würde nicht aufgeben.
    Zumindest einmal... Einmal würde er ihn schlagen.


    „Bisaflor, Solarstrahl!“, rief Shinji vom Rand des Feldes aus, auf dem ursprünglich einmal Gras gewachsen war, welches jedoch im Kampf größtenteils zertrampelt oder verbrannt war.
    „Bisa“, knurrte das massive Pflanzenpokémon, als sich die Sonnenenergie in der Blüte auf seinem Rücken sammelte.
    „Krawumms, setz' Superschall ein, schnell!“, befahl sein Gegner, ein vierzehnjähriger Junge namens Akio, seinem erschöpften Pokémon.
    Doch es war bereits zu spät. Bisaflor richtete die Blume in Richtung des Normalpokémons und der Energiestrahl schoss aus ihr heraus. Er war stark genug, um das gegnerische Pokémon, dass sich ohnehin kaum hatte auf den Beinen halten können, aus dem Ring und gegen eine der befestigten Mauern zu schleudern, wo es reglos liegen blieb.
    Der Richter hob die rote Fahne. „Krawumms ist kampfunfähig. Damit hat Akio kein kampffähiges Pokémon mehr. Der Gewinner des Finales der Silberkonferenz ist Shinji aus Schleiede.“
    Tosender Beifall erklang von den Tribünen, doch auch als der Junge den Pokal in den Armen hielt, war nicht die Spur eines Lächelns auf seinen Lippen zu erkennen. Denn noch immer dachte er an Satsohi, den Jungen aus Alabastia, der ihn damals in der Sinnohliga geschlagen hatte.
    Und er wusste, er würde ihn immer noch nicht besiegen können. Und das war alles woran er denken konnte, seit er damals, nach jener Sinnohliga erneut nach Hoenn aufgebrochen war. Egal gegen wie viele andere Trainer er kämpfte, egal wie viele von ihnen er besiegte, er wurde den einen Gedanken nicht los.
    Es war nicht genug. Es war nicht genug um ihn zu schlagen.
    Es war nie genug.
    Es war eine Besessenheit.


    „Drachenklaue, Knakrack!“ Der Befehl was routiniert. Die Trainerin mit dem langen blonden Haar schaute nicht einmal auf die kämpfenden Pokémon, sondern hatte ihren Blick komplett auf den einige Jahre jüngeren Jungen fixiert, der etwas entfernt von ihr im weichen Sand stand.
    Dessen Augen waren geweitet, als er das Drachenpokémon auf sein Branawarz zuspringen sah.
    „Branawarz, setz Lehmbrühe...“ Seine Stimme verstummte, denn die gegnerische Attacke hatte sein Pokémon bereits getroffen und in den weichen Sand des Strandes vor Ondula geschickt, wo es nun reglos lag. Besiegt.
    Wie in Trance hob der sechszehnjährige den Pokéball und ließ den roten Strahl auf das Pokémon zucken, es erneut einfangen.
    Was für eine Enttäuschung.
    Egal was er machte, er war nicht einmal stark genug sie zu schlagen. Shirona. Und auch sie hatte gegen Satoshi verloren.
    „Es ist nicht genug“, flüsterte er.
    Seichte Wellen trafen nur wenige Meter von ihnen entfernt auf den Stand, während sich der abendliche Himmel immer weiter verdunkelte. Doch von all dem merkte er nichts. Was war dies auch schon wert.
    Was zählte war Stärke. Stärke und stolz.
    Wie war es nur so weit gekommen? Wie hatte ein naiver Junge ihn schlagen können? Und wieso war das einzige, an das er sich erinnern, wenn er an den Tag dachte, an dem er geschlagen wurde, das Lächeln seines Rivalen beim Abschied?
    „Du wirst niemals stark genug sein“, erklang nun die Stimme der ehemaligen Sinnoh-Champion, deren Haare sanft im Wind des Meeres hin und her wiegten. Sie rief Knakrack zurück und machte einige Schritte auf den Jungen zu, dessen Beine drohten nachzugeben.
    Nein, er würde keine Schwäche zeigen. Niemals.
    „Sag mir, Shinji-kun, wofür kämpfst du?“, fragte die Trainerin und irgendwas in ihrer Stimme zwang ihn, sie anzusehen.
    Für einen Moment zögerte er, während er in ihre zutiefst entschlossenen Augen sah. „Für Stärke. Ich muss stärker werden!“
    „Warum?“
    Ein weiteres Mal zögerte er. Mehrmals wollte er ansetzen, brachte aber kein Wort heraus. Warum? Weil er keine Antwort wusste oder viel mehr keine Antwort, die er sich selbst eingestehen konnte?
    „Wie lange denkst du schon an Satoshi-kun?“
    Weiterhin musste er schweigen.
    „Es geht nicht um deine Stärke im Kampf. Es geht um die Stärke deines Herzens.“ Sie schwieg für einen Moment und sah aufs Meer hinaus. „Ich kenne deinen Bruder, Reiji. Er ist ein netter Junge. Und wenn ich ihn ansehe und dich... Dann frage ich mich, was dich daran hindert, dir deine Gefühle einzugestehen, weder Freundschaft noch Liebe zuzulassen.“ Sie seufzte. „Dich und Satoshi, euch verbindet ein tiefes Band. Er war seit langem der einzige, der dich erreicht hat, dich an dem Sinn im Kampf zu erinnern.“ Kurz lächelte sie ihn an und wandte sich dann von ihm ab. „Deine Schwäche ist keine Schwäche im Kampf, Shinji-kun, sie liegt in deinem Herzen. Es wird nie genug sein, so lange du dir dies nicht eingestehst.“ Mit diesen Worten ging über den weichen Strand zurück zur Stadt. „Denk darüber nach“, sagte sie noch, ehe sie aus seiner Hörweite war, während Shinji kein Wort hervorbrachte.
    Schwäche im Herzen? Liebe? Freundschaft? Ein Band zwischen ihm und Satoshi?
    Was sollte dieses emotionale Gelaber mit Stärke zu tun haben?
    Er sah auf seine zitternde Hand.
    Und doch hatte sie ihn geschlagen und das nicht zum ersten Mal. Genau wie er damals.


    Es war etwa ein Monat seit seinem Kampf gegen Shirona vergangen, als Shinji zum ersten Mal seit so langer Zeit wieder die Maiglöckcheninsel betrat. Er wusste nicht einmal, ob er zu dieser Zeit, außerhalb der Pokémon Liga, hier auf Satoshi treffen konnte. Wer wusste, wo der Champ der Region war? Immerhin hatte ein Champ mehr als eine Aufgabe.
    Ja, ein Teil von ihm hoffte, dass er ihn hier nicht antreffen würde.
    Gedankenverloren wanderte über die leeren Tribünen des Stadions. Es schien wirklich niemand hier – zum Glück.
    Warum hatte er auch auf diese verrückte Frau gehört – ehemaliger Champion hin oder her?
    Was sie sagte stimmte nicht, nicht im geringsten.
    Mit kalten Blick sah er auf das Kampffeld in der Mitte der Arena hinab. Es würde niemals...
    „Shinji?“, erklang eine Stimme hinter ihm und ließ ihn herumfahren.
    Weiter oben an der Treppe der Tribüne stand er. Mit demselben offenen Lächeln auf dem Lippen. Der Sinnoh-Champion. Satoshi.
    „Ich wusste, dass ich dich hier finde! Ich wusste, dass du zurückkommst!“, rief der Junge aus, dessen Haar mittlerweile zu einem Zopf gebunden war, und lief auf ihn zu.
    Ein Band zwischen den Herzen?
    Vielleicht...
    „Satoshi“, sagte er schließlich. „Ich fordere dich heraus!“ Unwillkürlich lächelte er. Gefühle? Stärke des Herzens?
    Auch Satoshi lächelte. „Ich weiß!“


    Misana


    Ein perfekter Tag „Glaziola, jetzt Eissplitter!“ Ein wunderschöner Eisregen sank auf Maike herab. Sie lächelte:„Sehr gut!“


    Blitzartig drehte sie sich um, als sie langsames Klatschen hinter sich hörte. „Das wollte ich auch gerade sagen.“ Der grünhaarige Junge lächelte verschmitzt.


    Maike wollte ihn anmeckern, wusste aber nicht wieso. Also erwiderte sie nur: „Danke, Drew.“


    „Du warst gut beim Wassili-Cup.“


    Schon wieder ein Kompliment. Das war gar nicht Drews Art. Wie benommen nickte Maike. Seit sie durch Johto reiste, war sie Drew schon mehrfach begegnet und hatte auch schon gegen ihn gekämpft, aber irgendetwas schien heute anders zu sein.


    „Komm mal mit, ich will dir was zeigen“, meinte Drew und machte eine leichte Bewegung in Richtung Wald.


    „Glaziola, komm zurück“, sagte Maike und folgte ihm zwischen den dunklen Bäumen hindurch. Es war ein warmer Nachmittag im Spätsommer. Die klare Luft war erfüllt vom Gesang der Wablu, doch was diesen Tag wirklich perfekt machte, war Drew, wie er vor Maike herging und sich immer wieder umdrehte, als hätte er Angst, sie könnte verloren gehen.


    Die Sonne hatte schon einen leichten orangenen Ton, als Drew langsamer ging und schließlich stehen blieb, um sich zu Maike umzudrehen. „Mach die Augen zu!“, befahl er und sie gehorchte. Sanft nahm er ihre Hand und führte sie noch ein Stückchen weiter in den Wald hinein. Als sie stehen blieben, spürte Maike seinen Atem an ihrem Ohr, während er ihr erlaubte, die Augen zu öffnen. Um die beiden Koordinatoren flogen Volbeat und Illumise, die die kleine Lichtung in ein ganz eigenes Licht tauchten, doch was Maike viel beeindrucksvoller fand, war das Picknickset, das in der Mitte der Lichtung aufgebaut war.


    „Setzt dich doch“, forderte Drew sie auf und wieder tat sie, was er ihr sagte. Er packte ein Sandwich aus und reichte es ihr. Verlegen nahm sie es entgegen. Gurke und Salat; ihr Lieblingssandwich. Es schmeckte einfach köstlich! „Danke sehr!“, meinte sie nachdem sie den Bissen heruntergeschluckt hatte. „Es ist perfekt.“


    Drew schien sich sehr über Maikes Kompliment zu freuen, denn das Mädchen sah ihn erstmals freundlich und schüchtern lächeln.


    Beide saßen schweigend auf der Lichtung und aßen ihre Brote, während die Sonne langsam unterging und das Laub der Blätter leuchten ließ, als wäre es schon Herbst. Maike bewunderte die goldenen Stahlen der Sonne und dachte an die schöne Zeit, die sie bisher mit Drew verbracht hatte. Er war immer für sie da gewesen, auch wenn er es nie direkt gezeigt hatte. Allein seine Anwesenheit gab der jungen Koordinatorin immer wieder neuen Mut und schenkte ihr ungewohnte Stärke. Jedes Mal, wenn sie eine Rose sah, dachte sie an Drew und ihr Herz schlug doppelt so schnell wie zuvor. Und jetzt saß sie hier mit ihm auf einer wundervollen Lichtung bei Sonnenuntergang. Als sie sich nach hinten lehnte und sich mit den Händen aufstützen wollte, berührte ihre Hand die von Drew und beide zogen sie schlagartig zurück. Es war wie in einem Liebesfilm und doch real.


    Lange schaute Maike in seine grünen Augen. Sie schienen größer zu werden, als er sich zu ihr herüber beugte. Maike wusste, was jetzt kommen würde. Wie lange hatte sie diesen Tag herbeigesehnt, doch als ihre Lippen sich berührten, dachte sie nur noch an die Gegenwart.


    Nach einem Augenblick, der Maike wie eine Ewigkeit vorkam und trotzdem viel zu schnell vorbeiging, sah Drew sie an, als wollte er wissen, ob er auch alles richtig gemacht habe. „Egal, was ich bisher als richtig gut befunden habe, nur das war wirklich perfekt“, sagte sie lächelnd.


    Er legte seinen Arm um ihre Schulter und sie schmiegte sich an ihn, während die ersten Sterne den Himmel zu schmücken begannen.



    TCCPhreak


    Nur ein Moment
    Pikachu quietschte fröhlich. Hier - im Kraftwerk östlich von Azuria - fühlte es sich wohl. Elektrizität lag in der Luft und das kleine Pokemon genoss es sichtlich, bald hier, bald da die seltsamen Gerätschaften anzufassen und sein gelbes Fell aufplustern zu lassen.


    "Satoshi!", fuhr Kasumi den Jungen von der Seite an, "solltest Du nicht besser auf Dein Pokemon aufpassen?"
    Satoshi antwortete ruhig: "Was soll denn schon passieren? Du siehst doch, wieviel Spaß Pikachu hier hat. Das bisschen Elektrizität stellt doch keine Gefahr dar."
    Kasumi ließ sich nicht so schnell beruhigen: "Ich mache mir ja auch keine Sorgen um Dein Pikachu! Ich hab viel mehr Angst, dass das Kraftwerk daran Schaden nimmt."
    "Das Kraftwerk funktioniert schon seit Ewigkeiten problemlos - trotz der vielen anderen Elektropokemon, die sich hier rumtreiben. Ein Pikachu mehr oder weniger wird da schon nichts kaputt machen." Quasi als Bestätigung blitzte es einmal kurz und aus einer Metallkonsole stieg ein wenig dunkler Qualm auf. Ein Rechnerdisplay wurde kurz schwarz, doch fuhr dann scheinbar wieder einwandfrei hoch. Pikachu hatte geschockt einen Moment innegehalten, doch schüttelte sich dann nur kurz und hüpfte weiter fröhlich umher.
    "Siehst Du? Nichts passiert!", meinte Satoshi - mehr zu sich selbst als zu Kasumi.


    Kasumi verkniff sich eine bissige Antwort.. Stattdessen fragte sie: "Warum nochmal sind wir hier?"
    "*Ich* bin hier, weil es hier viele Elektropokemon gibt und ich sie alle fangen und damit meine Sammlung erweitern will. Außerdem will ich wissen, ob an dem Gerücht um Team Rocket etwas dran ist. Die Frage ist eher, warum *Du* mir immer noch hinterher läufst."
    "*Ich* bin hier, weil man Dich keine Sekunde allein lassen kann. Wer weiß, was Du alles kaputt machen würdest, wenn ich nicht aufpassen würde? Selbst jetzt... Du belauschst irgendwo ein Gespräch um 'Stromausfall' und 'Kraftwerk' und schon glaubst Du, hier den Helden spielen zu können. Kann doch nicht sein, dass Du immer den Ruhm alleine erntest! Außerdem schuldest Du mir immer noch ein Fahrrad!".
    Satoshi wich zurück angesichts dieses Redeschwalls. "Du immer mit Deinem Fahrrad", murmelte er kleinlaut.


    Kasumi beruhigte sich ein wenig, "Glaubst Du echt, dass Team Rocket hier angreifen wird?"
    "Es klang zumindest so, als wollten sie einen Stromausfall für böse Zwecke nutzen - und den Stromausfall nicht dem Zufall überlassen. Schaden kann es auf jeden Fall nicht, sich hier einmal umzusehen. Außerdem scheint es Pikachu hier zu gefallen."
    Seinen Namen hörend, drehte sich Pikachu zu den beiden um und streifte mit seinem Schweif ein weiteres, wichtig aussehendes Gerät. Auch dieses quittierte nur kurzfristig den Dienst.
    Resigniert seufzte Kasumi: "Wenn Pikachu sich hier weiterhin so vergnügt, brauchen wir für den Stromausfall kein Team Rocket me.." Weiter kam sie nicht, denn in diesem Moment wurde sie von einem lauten Knall übertönt. Dann wurde es dunkel und dann war es auch wieder still.


    Die Maschinen waren aus, das Brummen der Generatoren war verstummt. Satoshi wagte kaum, sich zu bewegen. Er konnte absolut nichts sehen. Dann auf einmal spürte er etwas im Gesicht, auf seinen Lippen. Erschrocken wollte er einen Schritt nach hinten treten doch er fand sich mit dem Rücken zur Wand. Wieder waren da die fremden Lippen und dieses Mal konnte er sich gegen den Kuss nicht mehr wehren.
    Der Moment war so schnell vorbei wie er gekommen war. Nur einen Augenblick später war Satoshi wieder frei.


    "Satoshi?", erklang Kasumis Stimme von weiter weg als er erwartet hätte, "wo bist Du?"
    "Ich bin hier", rief Satoshi unsicher. Kurz darauf fühlte er Pikachu um seine Beine streichen. "Streck' Deine Arme aus!". Er fühlte, wie ihre Hand seine fand und ergriff. Doch kaum, dass sich ihre Hände gefunden hatten, sprang die Notbeleuchtung an und Kasumi ließ Satoshis Hand los, als ob sie eine heiße Kartoffel wäre.


    "Du hast natürlich beim Wort 'Stromausfall' nicht daran gedacht, so etwas wie eine Taschenlampe mitzunehmen, oder?" fragte Kasumi bissig, als sich ihre Augen an das dunkle Rot der Notleuchten gewöhnt hatten.
    "Ich hab gedacht, Team Rocket würde hier ins Kraftwerk reinkommen, um den Strom abzuschalten", rief Satoshi zurück. Wütend fügte er hinzu: "Außerdem: Was war das eben?"
    Kasumi war schon halb auf dem Weg zum Ausgang. Sie drehte sich zu Satoshi um und funkelte ihn böse an: "Was war *was* eben?"


    Satoshi blickte ihr noch einen Moment überrascht in die Augen, zuckte dann aber nur mit den Schultern und meinte: "Ach nichts. Lass uns gehen! Hier drin können wir eh nichts mehr tun."
    [/tabmenu]

  • Ergebnisse
    Wettbewerb Nr. 10: Haikus
    Information | Vote


    [tabmenu][tab=1. Platz]Espeon


    Helligkeit blendet
    deine Augen hier draußen.
    Die Sonne wärmt dich.


    Doch die Dunkelheit
    lauert in deiner Seele.
    Dein Innerstes friert.
    _________


    Riako


    Regen
    strömender Regen
    knallt auf die Dächer herab
    kalt und nass die Luft


    Sonne
    Strahlen blitzen hell
    mit rotem Lichte schimmernd
    Morgentau schwindet
    [tab=3. Platz]Meriel


    Meine Flügel schwarz
    Du warst nie für mich gedacht
    Die Geisel der Nacht


    Auf Schwingen wie Schnee
    Zu dir herab, ohne Schmerz
    Denn ich sah dein Herz
    _________


    Vivien


    Knospen erblühen,
    erheben sich aus der Ruh:
    Frühlingserwachen.


    Leben vergehen.
    Die Blätter rascheln im Wind:
    herbstliches Schlaflied.
    [tab=5. Platz]Shinxy


    Klirrende Kälte
    Eiskristalle bilden sich
    Totenstille herrscht


    Glühende Hitze
    Alles geht in Flammen auf
    Asche zu Asche
    _________


    TCCPhreak


    Das kleine Taubsi
    flog hoch hinauf in die Luft
    Und rief: komm mit mir!


    Sein Freund, das Digda
    blickte hoch in den Himmel
    doch blieb am Boden
    [tab=7. Platz]Leandy


    Erstickende Wut
    Hass zerrinnt in uns'rem Blut
    Entfacht ist die Glut


    Reicht mir eure Hand
    Kommt mit mir ins Märchenland
    Seht, was euch verband
    [tab=8. Platz]blackrose13


    Hell erstrahlt das Licht
    In all dem prächtigen Glanz
    Nimmt die Schatten schnell


    Nacht verhüllt die Sicht
    Finsternis umschließt mich ganz
    Doch bald wird es Hell
    _________


    Alaiya


    Regen bei Nacht
    Es regnet leise,
    Der Natur neues Leben.
    Stille in der Nacht.



    Sonniger Nachmittag
    Warmer Sonnenstrahl,
    Lautes Lied der Zikaden,
    Hitze des Tages.
    [tab=10. Platz]Rael


    Das Licht der Sonne
    Der frisch gefallene Schnee
    Ein Taubengewand


    Danach kommt die Nacht
    Die dunkle Tiefe des Meers
    Die Rabenfedern[/tabmenu]

  • Ergebnisse
    Wettbewerb Nr. 11: Liedtexte
    Information | Vote


    [tabmenu]
    [tab='1. Platz']Meriel


    Viva la Vida
    Von hier könnte er sich beinahe vorstellen, er säße in einem Theater. Das Umfeld verschwamm dort, er tauchte ein in eine Welt, die ihn für eine Weile geradezu erlöste. Probleme und Lasten entzogen sich an diesem Ort seinem Bewusstsein, und er glaubte jedes Mal aufs Neue, fast körperlich zu spüren, wie der Druck von seinen Schultern glitt wie ein schwerer Mantel. In seinen Ohren meinte er, das tiefe, von Erwartung getränkte Raunen zu hören, das sich durch die Zuschauerreihen schlängelte, sich empor- und herabwand und dessen Ursprung letztendlich nicht mehr festzulegen war. Die Geräusche verschmolzen. Er hatte in diesen Momenten immer das Gefühl gehabt, dieses gespannte Wispern und Murmeln ließe sie alle auf geheimnisvolle Weise Eins werden. In diesen Augenblicken fühlte er sich geborgen, Teil eines Ganzen, einer Gemeinschaft.
    Zugehörigkeit – ein Gefühl, das er allzu oft misste. Einmal nicht hervorzustehen. Nicht, dass er seine Privilegien nicht zu schätzen wusste. Es gab essentielle Dinge, die all diese Menschen so manche sorgenvolle Nacht wach gehalten hatten, an die er hingegen bisher nie einen Gedanken hatte verschwenden müssen. Bisher. Er lächelte bitter. Ja. Bisher.
    Und diese Szenerie war kein Theater.
    So unwirklich ihm seine eigene Situation in manchen Momenten auch erschien, in dieser Wirklichkeit stand sein Leben auf dem Spiel.
    Immer wieder wanderte sein Blick fiebrig über den großen Marktplatz, den er von seiner Position aus durch einen horizontalen, daumenbreiten Spalt einzusehen vermochte. Wie als könnte er sich dadurch an der Realität, seinem Verstand festhaken, waren seine Hände fest gegen das alte Holz der Tür gepresst, vor der er nunmehr seit Stunden ausharrte. Ein Fels, den er in der Brandung seiner Furcht umklammert hielt, um nicht von der kohleschwarzen Strömung mitgerissen zu werden, hinein in das gierige Haifischmaul des Wahnsinns. Hart und rau, trocken, doch kühl fühlte sich das Material auf seiner Haut an. Mehrere Splitter hatten sich bereits in sein Fleisch gebohrt, aber es kümmerte ihn nicht, gab ihm der oberflächliche, beständige Schmerz doch noch zusätzlichen Halt in der Wirrnis seines Innersten.
    Sie alle da draußen riefen seinen Namen. Auf grausige Art erinnerte ihn dieses Bild an die Tage, an denen er jeden einen Narren geheißen hätte, der ihm hätte erzählen wollen, wie drastisch sich sein Leben ins Gegenteil verkehren könnte – würde.
    Einst hatten sie ihn bejubelt. Welch ein Fest war seine Krönung gewesen. Die Menschen hatten gelacht, getanzt, Lieder waren erklungen und gen Himmel gestiegen wie Schwärme bunter, flatternder Vögel. Wie zarte Blütenblätter hatte der warme Frühlingswind sie an seine Wangen getragen, sie gestreichelt und vor Freude und Aufregung rot glühen lassen. Beliebt war er beim Volk gewesen. Große Hoffnungen hatten sie in ihn gesetzt, waren so voller Zuversicht gewesen. Und er hatte sich auf dieser Woge tragen lassen. Lang lebe der König! Die Rufe erschienen ihm wie flüssiges Gold aus den Mündern der Menschen geflossen zu sein. Er wusste noch, wie er Aurora zugelächelt hatte, wie die Sonnenstrahlen sich auf ihren rotbraunen, hüftlangen Haaren gebrochen hatten und er sich wie so oft in ihren leuchtenden Augen verloren hatte. So grün wie der Wald nach einem warmen Sommerregen. In all den Stunden, in denen er gezweifelt hatte, sich sicher war, dieser Aufgabe nicht gewachsen zu sein, hatte sie ihn wieder aufgefangen. „Du wirst dein Volk stolz machen“, hatte sie ihm dann jedes Mal sanft zugeflüstert und ihm zärtlich die blonden Strähnen aus dem Gesicht gestrichen.
    Für einen Augenblick verschleierten leise Tränen ihm die Sicht, doch er bemühte sich, sie eilig fortzublinzeln.
    Sie hatte an ihn geglaubt, doch er hatte versagt.
    Viel zu schnell hatte ihn die Realität wieder eingeholt, das strahlende Meerblau seiner Augen gestohlen und sie in trübe, leere Tümpel verwandelt, die jeden Glanz verloren hatten.
    Ja, er war jung gewesen.
    Jung.
    Unerfahren.
    Und machtlos.
    Für einige Zeit wurde ihm tatsächlich das Gefühl gegeben, etwas ausrichten zu können, Bedeutung und Einfluss zu haben. Er selbst kämpfte anfangs oft gegen verfeindete Völker an direkter Front, wurde dafür auch von seinem Volk geschätzt, fühlte sich stark, unbeugsam. Berater ließen ihn in Anerkennung und Respekt baden, schenkten ihm eine Kostprobe von Ruhm und Zuspruch.
    Leere Worte.
    Hüllen mit Buchstaben gefüllt und ausgespuckt aus gierenden Mäulern.
    Intrigen.
    Drahtzieher im Hintergrund.
    Debatten, die ins Nichts führten.
    Ausgeführte Befehle, die er so nie gegeben hatte.
    Worte, die ihm im Mund umgedreht wurden.
    Halbwahre Berichte – und solche, die nie seine Ohren erreichten.
    Bald war er nicht mehr als ein Spielball von Mächten, die für ihn in einem unergründlichen Kaleidoskop aus Gesichtern, Worten, Farben, Orten und Geschichten zusammenliefen. Zerflossen kunterbunt und laut und doch flüchtig.
    Entzogen sich seinem Griff, einem Griff, den er nie gehabt hatte.
    Wie unsicher doch die Grundfesten waren, auf denen er seine Herrschaft geglaubt hatte erbaut zu haben. Unter ihm brachen sie weg, als wären sie nichts als Sand und Salz. Schall und Rauch.
    Körperlose Stimmen, die abebbten, wann immer er sich näherte.
    Fratzen, die dürstend lächelten und ihn bis in die Albträume frostklirrender und hitzeflirrender Nächte verfolgten.
    Kalte, nimmersatte Masken.
    Die Kontrolle rann ihm wie heißer, trockener Sand durch die Finger.
    Und das Blut tropfte gegen die steinernen Gemäuer seines Schlosses, rann an den Festen seiner Herrschaft hinab und verkrustete die Herzen der Menschen schwarz wie Ruß.
    Dann geschah, was sein Innerstes zu einem Klumpen aus dunklem Eis zusammenfror und seine Gefühle stocken ließ wie geronnene Milch.
    Der Anblick von Aurora, wie sie so leblos und blass vor ihm auf einer weißen Bahre lag, so kalt, als wäre sie auf frisch gefallenem Schnee gebettet, eingeschlafen in einer für immer stummen, ewigen Winternacht.
    In diesem Moment schlug die Einsamkeit über ihm in Wogen aus Wut und Verzweiflung zusammen, schnürte ihm die Luft ab und drückte ihn zu Boden.
    Die Revolutionäre. Das war die Antwort, die er auf seine lautlose Frage erhielt. Heute war er sich nicht mehr sicher, ob dies tatsächlich der Wahrheit entsprach oder nur ein weiterer, geschickter, perfider Schachzug gewesen war.
    Vermutlich.
    Sie wussten, an welchen Fäden sie ziehen mussten, um die Marionette, zu der er geworden war, nach ihrem Gutdünken bewegen zu können, das war ihm inzwischen schmerzlich bewusst.
    Beherrscht von dem Zorn, der in seinen Ohren rauschte, und dem Inferno in seiner Brust, geblendet von loderndem, überbrodelndem, zischendem Hass hatte er die Hölle, die sein Inneres gefangen hielt, nach außen getragen – und war als Racheengel über sein eigenes Volk gekommen.
    Zu diesem Zeitpunkt war die Revolution bereits im Gange. Durch das rücksichtslose Vorgehen gegen Ausschreitende, das er nun tatsächlich persönlich vertrat, fachte er die Aufstände und Gegenwehr des Volkes nur noch stärker an. Eisern und erbarmungslos ließ er die Reihen Aufständischer, denen es gelungen war, Teile seines Schlosses in Beschlag zu nehmen, ja zu infiltrieren, heraustreiben und niederschlagen. Jemand sollte büßen für das, was ihm genommen worden war.
    Eine Schneise der Zerstörung, die ihn seltsam kalt ließ.
    Sein Land, sein Volk, all das war ihm fremd geworden. Er genoss den Klang der Glocken, die er läuten ließ als Sinnbild der gerechten Strafe, die seine Waffen eintreiben sollten, von Trommeln und Reiterchören, wenn sie als seine Ausgesandte eine Schlacht schlugen, die auf eine Art und Weise seine war – und auf eine andere doch längst aufgehört hatte, seine zu sein. Den Bezug hatte er verloren. Mittlerweile wusste er, dass er all den Machthungrigen im Schloss nur in die Hände gespielt hatte. Scheinheilig hatten sie sich von ihm distanziert, jederzeit fähig und bereit, dem Volk seinen Kopf auf einem Silbertablett zu servieren – und er stand offiziell zwischen zwei Fronten. Bis auf wenige enge Vertraute – die Bezeichnung Freunde wagte er nicht in den Mund zu legen, zu groß war dieses Wort am intrigendurchzogenen Hof eines Königs –, in deren Häusern er notgedrungen Unterschlupf fand, war er allein. Einsam.
    Oh, wer würde jemals König werden wollen?
    Je höher du warst, desto tiefer stürzt du hinab.
    Und irgendwann schwindet auch die Hoffnung, der Tod könne dir Erlösung bringen.
    Wie könnte er noch erwarten, Einlass in den Himmel gewährt zu bekommen?
    Petrus würde ihn nicht rufen.
    Das wusste er.
    Wusste es mit einer solch unerschütterlichen, durchdringenden Sicherheit, dass er keinen Augenblick lang Zweifel daran hegte.
    Oder sich gar der köstlichen, wohltuenden Süße der Hoffnung hingab.
    Auf seiner Stirn standen Schweißperlen, seine Haare waren feucht und klebten ihm auf der glühenden Haut. Nichtsdestotrotz zitterte er von Schüttelfrost gepackt. Inzwischen waren seine Hände längst taub und ein unangenehmes Kribbeln wie von Myriaden trippelnder Ameisen hatte sich bereits bis über seine Arme ausgebreitet, doch er ließ nicht ab. Nur wie durch einen dichten, wabernden Schleier nahm er noch den Tumult draußen war, Rufe und Schreie, das Klirren von Schwertern und Poltern von Schritten. Ein blutbesudelter Flickenteppich der Gewalt.
    Einer, der nichts ändern würde.
    Heute noch hatten sie vor, die Stadt zu verlassen, zu fliehen.
    Er hatte das nicht gewollt.
    Als eine rote Perle auf seiner Hand zersprang, spürte er erst, dass er seine Lippen zerbissen hatte. Das Rot zerstob in mehrere filigrane Bahnen über seine fahle Haut hinweg. Irgendwo, ganz dumpf, spürte er den ziehenden Schmerz.
    Bedeutungslos.
    Die Sehnsucht, die sein Herz zerfressen und ihn leer gesogen hatte, war alles, was ihm noch geblieben war.
    Es war vorbei.
    Er fror.
    [tab='2. Platz']Noxa


    Von Schmerzes Sturz gefangen
    >> Weißt du? Macht verdirbt. Ja, wahrlich, sie wird dich niederzerren, wenn du denkst, ganz oben zu sein. Du denkst, du könntest die Welt beherrschen, doch wenn du dich erst einmal umdrehst, merkst du, wie klein du doch bist und das all die Lügen nur auf dich lauern. Und das war, als ich dachte, weit oben zu sein. <<


    Ganz richtig: Dies ist die Geschichte von meiner Wenigkeit. Es ist richtig, wie man sagt. Je höher man steigt, desto tiefer kann man auch fallen. Allen, die diese Zeilen lesen, wünsche ich, so etwas niemals erleben zu müssen. Denn wenn ich heute in den Spiegel schaue, bin ich nur noch eine Fassade meiner selbst. Damals nannte man mich einen „König“ unter den anderen, doch aus irgendeinem Grund weiß ich, dass man meinen Namen nicht mehr rufen wird. Er gehört der Vergessenheit an, ist vergraben im Sand, eingebettet wie ein Toter. Dennoch denke ich oft an die Zeit zurück, in der ich noch den Weg angab; die Spielsteine noch in der Hand hatte und meine Gegner auslachte. Es war damals, als ich noch ganz oben war.
    -------


    Ich erinnere mich noch genau an diesen einen Tag. Die Sonne ging in einem strahlenden und gleißendem Licht auf, sodass schon früh am Morgen die durchdringende Wärme mein Herz füllte, mich mit Ehrgeiz übergoss. Alles war in orange Strahlen getaucht, sodass die Stadt, deren hohe graue Bauten in den Himmel ragten, wie ein Tempel aussah, denn es zu regieren galt. Kaum hatte die Hitze den Tag überflutet, war es Zeit. Wie immer packte ich meine Sportsachen ein, mein grünes Team-Shirt, auf dem stolz die eins ragte, meine schwarze Sporthose, sowie meine farblich abgestimmten Treter, mit denen ich heute den Sieg erringen würde. Ein triumphierendes Lächeln überzog mein Gesicht und ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass es das Letzte gewesen war, was jemals meine Lippen geziert hatte. Kaum hatte ich mir den Rucksack über die Schultern geschwungen, war ich aus der hölzernen Tür unseres breitflächigen Hauses getreten und hatte mich stolpernd durch den grünen Garten, voll von roten Rosen und herrlich duftenden Kamillen, gekämpft, schwang ich mich auch schon auf mein Fahrrad, welches – wie so vieles von mir auch – grün gefärbt war. Grün, fragt ihr euch? Man sollte es für schwachköpfig halten, aber immer wenn ich die Farbe der Hoffnung mit meinen eigenen zwei Augen erblicken durfte, erfüllte mich dies mit neuem Mut. Neuer Ansporn, der mich weiter dazu antrieb, der Beste zu sein. Der Antrieb an Steilhängen, den Gedanken vor Augen zu haben, die Hoffnung für alle zu sein: Der König der Spiele. Doch genau diese Übermut war an diesem Tag mein Fehler. Kaum erinnere ich mich noch daran. Sehe nur die Straße, dieses grau, den rauen Asphalt. Das Grün der Ampel, dass so plötzlich umsprang. Spürte, wie mein Fahrrad nicht mehr unter Kontrolle war, ich fiel… und erblickte die zwei hellen Scheinwerfer, die wie zwei glühende Augen auf mich herabsehen, dazu bereit sind, mich zu verschlingen. Merkte, wie mich etwas rammt, fühle den Schmerz, den Aufprall und endlich war alles schwarz. Heute weiß ich, dass ich unachtsam war. Zu sehr hatte ich mich in meinem Hochmut gekrallt, sodass ich die Realität glatt an mir vorbeigehen habe lassen. Ich war dumm, ja, das kann man wirklich sagen.


    Leider konnte ich nicht wissen, wie lang ich fern von der Welt war. Dieser damalige Unfall war ernst und so auch meine Verletzungen, die mich an das Krankenbett fesselten. In einem künstlichen Koma gefangen dachte ich bestimmt an das Spiel, das mich an diesem Tag erwartet hätte. Stellte mir die Massen vor, die mir zujubeln würden. Mir, der der Größte unter allen war. Man sollte vielleicht nicht denken, dass Basketball einen derart nach oben befördern kann, doch wenn du gut bist, kannst du weit kommen. Kannst sogar der Kapitän werden und jedes Spiel für deine Mannschaft entscheiden. Wirst Berühmtheit und Ansehen ernten, keiner steht dir im Weg. So dachte ich jahrelang, doch nun weiß ich, dass man meinen Namen nicht mehr rufen wird. Ich bin gefallen, die Tore der Zukunft werden vor mir verschlossen, wo ich doch erst deren Schlüssel in der Hand hatte, oder nicht?
    So kann man sich irren, glaubt mir. Denn der Tag, an dem ich erwachte, versprach nichts als Einsamkeit von sich. Gefangen in einem engen Zimmer, umgeben von Schläuchen und Geräten, die mein Leben sichern sollten; die Gewissheit, dass niemand neben meinem Bett saß und mich erwartete, strafte mich. Hatte man mich nicht vermisst? Mich, den Kapitän eines so hervorragenden Teams? Meine Entlassung ging schnell, selbst wenn mein Körper noch nicht wieder fit war. Vermutlich wollten sie mich loswerden, doch wieso, wusste ich natürlich nicht. Als ich die Tür nach draußen verließ, kam mir alles so fremd vor. Die Welt, die ich einst mit meiner Berühmtheit zu beherrschen schien, war also weg? Denn das begriff ich, als ich das Datum auf dem Kaufhaus einige Straßen weiter las. Drei Jahre waren vergangen, richtig? Ich konnte es nicht fassen, Verzweiflung nahm mich ein und flutete meinen gesamten Körper. All die Jahre… einfach so vergangen? Ich rannte, selbst wenn ich kaum Kraft hatte, musste ich mich einfach vergewissern, dass das alles nur ein schrecklicher Albtraum war! Ich lief, bis meinte Lungen brannten und ich bereits das Blut auf meiner Zunge schmeckte, da ich meinen schwachen Körper zu sehr forderte. Doch das war mir egal, es war doch alles nur ein Traum, richtig? Schließlich stand ich vor der Halle, die ich mir zum Ziel gesetzt hatte: Das Sportzentrum. Wenn ich Glück hatte, würde ich auch meine Mannschaft finden, wie sie auf mich warteten. Auf mich, ihren Helden. Doch kaum war ich die steilen Treppenstufen heruntergespurtet, schaute durch das milchige Glas der gigantischen blauen Halle und sah diejenigen, die zusammen ein paar Körbe warfen, wusste ich, dass sie mich bereits aus ihrem Gedächtnis radiert hatten. Ja, ich spürte es einfach. Sie sahen alle älter aus, ihre Gesichter strahlten und alle waren stramm durchtrainiert. Das Leben war weitergegangen, auch ohne mich. Tränen stiegen mir in die Augen. Wieso? Wiederspiegelten sie meinte Wut? Meine Trauer? Ich wollte es gar nicht wissen, drehte mich harsch um, doch als ich aufblickte, schaute ich in ein Gesicht, das mir bekannt vorkam. Breite Wangen, die mit reichlichen Sommersprossen übersät waren, wilde blonde Locken und ein Grinsen, was nichts als provozierend war. Es sah jedoch deutlich älter aus, als ich es in Erinnerung hatte.
    „So… du bist also endlich aus deinem Prinzessinnenschlaf aufgewacht, Kyo?“, ließ er spöttisch von sich, „keiner hat dich vermisst, denn du hast uns im Stich gelassen. Ein Segen, dass wir keinen Kapitän wie dich mehr haben.“ Rau schubste er mich zu Seite und ich war nicht fähig, mich in irgendeiner Weise zu bewegen. Nur spürte ich die Tränen, die meine Haut hinunter rinnten. „Es tut mir Leid“, wisperte ich in den rauen Wind hinein, auch wenn meine Worte leer und ohne Gefühl waren. Zu voll waren meine Gedanken, als dass ich hätte alles so einfach hinnehmen können. Mein ganzes Leben mit einem Tag zerstört? Das konnte einfach nicht wahr sein!


    Und so sitze ich heute hier, gefangen zwischen vier kargen Wänden, mit nichts als einem Bett bestückt. Das Essen kommt früh am Morgen in meine Zelle, damit sie mich nicht erwischen, wenn ich wach bin. Sie wollen keinen Kontakt zu mir. Ich gebe zu, mit der Situation damals kam ich nicht klar, sodass ich, der dachte die Welt für sich allein zu haben, die Kontrolle verlor. Doch meinen ehemaligen Kameraden wollte ich nicht umbringen, dass müsst ihr mir glauben. Nur schmerzte es mich zu sehr, zu sehen, wie mir alle den Rücken zudrehten, ab dem Tag, an dem ich unterging. Keiner hatte jemals ehrlich mit mir gesprochen, als ich noch oben war, das begreife ich jetzt. Diese verlogene Welt hat mich gestürzt und hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Auch wenn ich es mir nicht erklären kann, man wird mich nie wieder rufen. Nie wieder meinen Namen erfragen. Wahrlich, ich bin eine bereits vergessene Existenz. Der Ruhm hat mich begraben, nicht wahr? Also hocke ich in der Ecke meiner kleinen dunklen Zelle, habe die Arme um meine Knie geschlungen, wiege mich in meinem weißen Totengewand vor und zurück und flüstere leise: „Nie ein ehrliches Wort und das war, als ich die Welt beherrschte.“
    _________


    Cáithlyn


    When I ruled the world
    Marmor in der groß angelegten Palasthalle, Blumen in allen Farben, die vorstellbar waren, Teppiche, gemacht von demütigen Frauen, die es sich wünschten, ihre Werke in meinem Palast auszustellen.
    Oder doch eine Halle der Qualen für jene, die ihn gebaut hatten, und die letztlich nur eine große Verschwendung an Materialien war? Eingefärbte Stofffetzen, die mir zeigen sollten, wie wunderschön das Leben in meinem Land war, aber nur aus zerbrochenen Träumen bestanden, einparfümiert und bemalt, sodass sie das Trugbild einer Blume darstellten? Handgewebte Mörder, die mein Volk dazu zwangen, sich ihnen zu widmen, in kleinen, stickigen Hallen des Verderbens?
    Sicher, im Endeffekt ist man immer schlauer, dennoch ist meine Unwissenheit das Ende meiner Herrschaft, meine Naivität der Grund für all das Elend, und meine Schamlosigkeit der Anfang vom Ende gewesen.
    Ich wollte nie Herrscher dieser gottverlassenen Gegend sein. Ich wollte nie für die Menschen sorgen, die ihr Leben lang nichts besseres taten, als sich über jede Kleinigkeit zu beschweren. Ich wollte nie verantwortlich sein, für das, was mit diesem Land passierte. Und doch nahm ich mein Schicksal an, ohne wenn und aber, ohne den großen Protest hervorzubringen, der in mir brüllte und um Hilfe rief. Ich konnte es nicht. Nicht, nachdem ich das undankbare Volk gesehen hatte, wie es jubelte und feierte, nachdem der Tod des letzten Thronfolgers verkündet wurde. Immer hatte ich mir gewünscht, dass diese Situation eintraf, immer hatte ich mir gesagt, dass ich es besser machen würde.


    Und immer hatte ich falsch gelegen.


    Als es dann so weit war, als ich die Krone auf meinem Haupt trug und mit gütigem Lächeln auf dem Balkon stand, umringt von all den Beratern, die mir den Zweifel-und wichtiger, den Verstand- ausgeredet hatten, da fühlte ich, wie alles seinen Lauf nahm. Ich spürte, wie Fortuna die gezinkten Würfel hervorholte.
    Und meine Enttäuschung über diese Erkenntnis, sie blieb aus. Schließlich kümmerte ich mich ab diesem Moment um das Land, mit all meinen Visionen von der utopischen Zukunft, die sich alle ersehnten.
    Schließlich war ich es, der die Fäden nun zog. Und mit diesem Bewusstsein wuchs meine Unbeschwertheit, obwohl ich doch eigentlich hätte Verantwortung auf meinen Schultern spüren müssen. Nein, diese Verantwortung übernahmen die werten Herren Berater, die mir die neuen Gesetze vorlasen, die ich zu verabschieden hatte. Und wie die Schlange im Garten Eben, so verführten sie mich mit der Lüge, denn sie lasen, was mir gefiel, und nicht das, was auf dem Pergament stand. Und ehe ich mich versah, wurde die Ernte knapp, die außenpolitischen Angelegenheiten heizten sich auf, das Volk litt. Und trotzdem, ich glaubte noch immer an meinen Wunschtraum, redete mir ein, dass es nur eine temporäre Veränderung zugunsten der wundervollen Zukunft war.


    Und wieder hatte ich falsch gelegen.


    Nach und nach bildeten sich Gruppen, die lauthals ihre Meinung herausschrien. Sie verkündeten, was jeder im Land dachte, bis auf mich, der dumme König, dessen Lebensfaden schon durchschnitten war, lange bevor ich für vogelfrei erklärt wurde. Sie forderten meinen Tot, und in dem Glauben, ich könnte das Problem im Keim ersticken, ließ ich diese Revolutionäre, diese „Rufmörder“, wie ich sie damals nannte, jagen und töten. Doch ich fachte das Feuer nur noch mehr an. Man nannte mich beim Namen des Vorgängers, und plötzlich wurde mir bewusst, wie schrecklich dieser Herrscher doch war. Und gleichzeitig, wie schrecklich ich doch war.
    Ich sah alle meine Fehler ein, entließ die hinterlistigen, nach Macht strebenden Minister, verkaufte Geschenke aus meinen Palast, flehte die Masse um Gnade an.
    Und tatsächlich beruhigte das Volk sich für eine Weile. Und diese Weile genoss ich von ganzem Herzen, vergas die guten Vorsätze im Glauben, dass die alten Wunden verheilt wären. Denn die Staatsführung wuchs mir schlichtweg über den Kopf. Ich traute den Ministern nicht, die sich vorstellten, um mir mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, hatte ich wegen ihnen doch schon einmal beinahe mein Leben verloren. Ich traute weder ihnen, noch den Wachen. Auch sie entließ ich, zog mich zurück in den dunklen, stickigen Kammern, kümmerte mich nicht mehr um die Finanzen und die angespannte Lage da draußen. Ich wusste, dass, egal wie ich mich entscheiden würde, mein Leben zu Ende war. Kümmerte ich mich weiter um das Land, dass ich zu verachten gelernt hatte, würde meine Seele in sich zusammenfallen wie das Haus gebaut auf Sand, doch wenn ich weiterhin nicht auf die wütenden Rufe vor meinem Fenster achtete, würden sie kommen und mich holen.


    Und zum ersten Mal hatte ich Recht.


    Zu Beginn machte mich die Situation halb verrückt. Die Stimmen in meinem Kopf mahnten mich, zu fliehen, so lange es noch möglich war. Doch mein Verstand, der zwar leicht angeschlagen, aber so scharf war wie nie zuvor, bedeutete mir, zu bleiben und die Strafe, die ich mit all meinen Missetaten begangen hatte, anzunehmen wie ein Mann, wie das, was ich sein wollte. Es war nicht einfach, die Tage bis zum drohenden Aufstand abzuwarten, doch mit der Zeit kam die Ruhe und die Vernunft eines echten Königs, eines Mannes, der ich nie war und der ich niemals sein würde.
    Wenn ich zurückdenke, dann könnte ich die Schuld auf jeden abwerfen. Gott, das undankbare Volk, meine Minister, vielleicht auch meine Familie, die mich immerhin dazugebracht hatte, den Wahl als Anwärters des Königs anzunehmen. Aber niemand konnte mir meine Sünden abnehmen, weder die unsagbare Dummheit, noch die tödliche Arroganz waren das Werk der Objekt meines Hasses.
    Eingesperrt in dem riesigen Hospiz, nur darauf wartend, dass irgendwann einmal der Tag kam, an denen sie mich, genauso wie meinen Vorgänger umbrachten. Oder doch ausgesperrt, ausgesperrt aus der Welt, die ich einst geglaubt hatte zu besitzen, und all ihren nicht existierenden Schönheiten? Der Lebenslust, die schon lange verblasst war? Was gab es für mich alten Mann schon da draußen, was ich in diesem Schloss nicht hatte? Den schnelleren Tod, zu dieser Antwort kam ich. Er war unvermeidbar, und ich dachte, ich hätte mich damit abgefunden, doch schon bald merkte ich, dass ich es nicht einmal mehr wagte, andere Räume als meine Gemächer und die Küche zu betreten, die noch randvoll mit nicht verwesenden Nahrungsmittel gestopft war.
    Und heute, heute war es so weit. Ich spürte es in der Luft, der Wind flüsterte mir mein Todesurteil zu, die aufgebrachten Stimmen meiner Untertanen, den höhnischen Klang von Hörner vor dem Palast, das Lachen der Dämonen in meinem Inneren.


    Und ich hatte zum letzten Mal Recht.


    [tab='4. Platz']TCCPhreak


    Ruled the World
    "Ich hab wieder neue Musik!"
    Als Wendy mir von ihrer neuesten Errungenschaft zutuschelte, standen wir in der Schlange im Speisesaal. Sie verpackte ihre Musik wie ein Geheimnis und wählte deswegen auch den für Vertraulichkeiten beliebtesten Ort. Dabei war ihre Kassettensammlung gar kein Geheimnis. Eigentlich wusste jeder davon und es war gar nicht so ungewöhnlich, wenn sie wieder ein neues Kleinod ihrem selbsternannten Schatz hinzufügte.
    Verwunderlich war eher der Zeitpunkt: Der letzte Basar war schon ein paar Wochen her und der nächste lag nach weit in der Zukunft. Eigentlich hatte sie keine Möglichkeit, ihre Sammlung auszuweiten und da sie eh schon so geheimnisvoll tat, sprang ich darauf an.
    "Woher?" flüsterte ich - darauf bedacht, dass es niemand mitbekam.
    "Chris", antwortete sie leise, "Er hat sie mir beim letzten Basar quasi weggeschnappt und dann festgestellt, dass ihm die Richtung nicht liegt. Da hat er sie mir für das blaue Federmäppchen gegeben."
    Es war doch nur ein Tausch - ich war erleichtert. "Also dann - heute Abend?" fragte ich sie und sie nickte.


    Unsere Abende hatten Tradition. Wendy sammelte sich zwar ihre Kassetten zusammen, ich hatte aber das Abspielgerät zusammengespart. So lagen wir dann auch diesen Abend unter meiner Bettdecke, lauschten beide am gleichen Kopfhörer und hofften, dass uns die Aufseherin nicht erwischte. Da hörte ich dieses Lied zum ersten Mal. Ich weiß noch, dass ich es nicht besonders toll fand. Es war das einzige Lied, was wir von der Kassette hörten: Die Aufseherin erwischte uns, warf einen Blick auf das Band und konfiszierte es. Sie machte sich nicht einmal die Mühe, uns groß zu tadeln oder Wendy auf ihr Zimmer zu schicken; es war Strafe genug, die Kassette mitzunehmen.


    Ich dachte zunächst nicht weiter darüber nach. Mir hatte das Lied nicht gefallen und ich vermutete, dass der Rest der Kassette nicht viel besser sein könnte. Doch die Musik hatte sich irgendwie festgesetzt. Nach einiger Zeit ging mir die Melodie nicht mehr aus dem Kopf und ich musste sie einfach noch einmal hören. Irgendwann habe ich die Kassette dann einfach zurückgeholt - als ich wegen etwas anderes bei dieser Aufseherin war, hab ich sie abgelenkt und das Band eingesteckt. Ich glaube, sie hat es nie bemerkt; es wurde nie wieder darüber gesprochen. Doch auch Wendy konnte ich davon erstmal nichts erzählen und so hörte ich mir die Kassette am Abend alleine an.


    Ich behielt Recht: Die anderen Lieder der Kassette sprachen mich nicht wirklich an. Nur diese eine Melodie hörte ich immer wieder, spulte das Band immer sofort wieder zurück und spielte es dann wieder ab.
    Irgendwann wollte ich dann auch wissen, wovon darin überhaupt gesungen wurde; bis dahin hatte ich immer nur auf "when I ruled the world" geachtet und hielt das auch für den Namen des Liedes - genau wusste ich das natürlich nicht. Ich fing an, stärker auf den Text zu hören, ihn abzuschreiben und mir zu überlegen, worum es in dem Lied ging. Eigentlich konnte ich Englisch nicht wirklich gut, aber ich hab mich da dann doch durchgebissen.


    Es ging um jemanden, der früher mal mächtig war. Ich stellte ihn mir als Zauberer vor, der die Naturgewalten beherrschen konnte - er konnte die Ozeane befehligen; er konnte den Sturm rufen; er konnte über das Schicksal entscheiden. Er hatte viele Kämpfe erfolgreich hinter sich gebracht und jeder, der sich ihm in den Weg stellte, musste ihn fürchten. Es war so, wie er immer und immer wieder wiederholte: Er hat über die Welt regiert.
    Mir gefiel diese Idee und ich stellte mir oft vor, wie das wäre, so eine riesige Macht zu haben. Ich stellte es mir toll vor, selbst die Zügel in der Hand zu haben - nie wieder unter der Bettdecke verstecken und hoffen, dass man nicht gefunden wird.


    Der Sänger erzählte aber auch von den Schattenseiten der Macht: Immerzu ging es in seinen Fähigkeiten um Zerstörung und immer wieder betonte er, dass die Wahrheit dabei mehr und mehr auf der Strecke blieb. Er war sich sicher, dass man ihn nach seinem Tode nicht in den Himmel hineinlassen würde - dass der Torwächter dort ihn nicht haben wollen würde - nach all den schlimmen Dingen, die er in seinem Leben gemacht hatte.
    Das war der Punkt, weswegen ich an der Idee der Macht zu zweifeln begann. Nach allem, was uns über die Hölle erzählt wurde, war mir mein Platz im Himmel sehr wichtig und ich wollte ihn nicht aufs Spiel setzen. Wenn man so eine Macht hat, kann man sie schnell auch falsch einsetzen und sich damit den Platz verspielen. Wenn man so eine Macht nicht hat, kann man nichts verkehrt machen und das schien mir irgendwie sicherer.


    Der Erzähler der Liedes hatte aber viel verkehrt gemacht. Die Zeit, als er diese Macht hatte, war vorbei und alles, was er aufgebaut hatte, fiel in sich zusammen. Er war allein und es klang so, als würde er bald vor die Himmelspforte treten, um dort gerichtet zu werden. Viele Menschen waren ihm nach der Zeit seiner Herrschaft sehr böse und wollten ihn tot sehen.
    Über diesen Teil habe ich lange nachgedacht. Es ist schon ein Unterschied, ob man sich mit jemandem gestritten hat und ihn eine Zeitlang nicht leiden kann oder ob man diesem Menschen den Tod wünscht - und ihn am besten noch mit dem eigenen Schwert niederstrecken möchte.


    Allerdings wurde in diesem Lied nie gesagt, was sich geändert hat - wieso dieser Zauberer auf einmal seine Fähigkeiten verloren hatte. Ich habe das Lied häufiger abgespielt, als es der Kassette gut tun konnte und doch habe ich nie verstanden, warum ihm die Macht auf einmal verschlossen blieb. Ich habe das Lied dafür gehasst, dass es mich erst durch die Melodie gefangen nahm, mich dann in seinen Text hineinzog und mir dann doch einfach diese Antwort vorenthielt.


    "Wendy? Heute Abend mal wieder?"
    Seitdem ihr die Kassette weggenommen wurde, hatten wir nicht wieder einen unserer traditionellen Abende gemacht und auch wenn Wendy in der Zwischenzeit keine neue Musik bekommen hatte - sie hätte mir davon erzählt - hatte ich mal wieder Lust darauf. Außerdem hatte ich etwas geplant.
    "Klingt gut", tuschelte sie zurück - nachdem sie sich vergewissert hatte, dass uns niemand aus der Schlange zuhörte. Damit war das abgesprochen. Ich konnte mich darauf verlassen, dass sie Musik mitbringen würde, die uns beiden gut gefiel. Sie kannte mich gut genug und ich kannte sie gut genug.


    Diesen Abend lagen wir wieder gemeinsam unter meiner Bettdecke und horchten beide am gleichen Kopfhörer. Als ein deutliches Klacken das Ende der ersten Kassette besiegelte, griff ich unter die Matratze und holte das in Zeitungspapier eingeschlagene Geschenk heraus.
    "Stell' aber keine Fragen", murmelte ich, als ich es ihr übergab. Wendy zog das Papier ab und staunte ein wenig, als die Kassette zum Vorschein kam - aber sie stellte wirklich keine Fragen. Sie erzählte mir nur, dass sie das Band nicht wirklich vermisst und sich deswegen nicht weiter darum bemüht hatte. Ihr gefiel schon das erste Lied nicht und von dem Rest erhoffte sie sich auch keine Besserung mehr.


    Ich erzählte ihr nicht, wie besessen ich zwischenzeitlich von exakt diesem Musikstück war und versuchte auch gar nicht, sie auf den Text aufmerksam zu machen - oder mit ihr die Lösung für das Rätsel zu suchen. Der Vollständigkeit halber hörten wir als nächstes diese Kassette durch. Ich widerstand der Versuchung, bei "ruled the world" mitzusingen und stellte nur fest, wie wenig mir das Lied jetzt noch gefiel. Wir machten uns über einige der anderen Lieder lustig, weil wir sie so schlecht fanden.
    "Ich kann verstehen, dass Chris sie abgegeben hat", meinte Wendy, als auch diese Kassette ihre zweite Seite beendet hatte.
    "Hättest Du mal Dein blaues Federmäppchen behalten", neckte ich sie.
    "Von wegen - Hast Du eine Ahnung, wie sehr ich das gehasst habe?", grinste sie zurück.
    Dann hörten wir ein Geräusch und waren sofort still. Wir wollten nicht wieder erwischt werden und als wir uns dann sicher waren, dass die Aufseherin außer Gefahrenweite war, ging Wendy auch zurück auf ihr Zimmer.


    Ich habe später gesehen, dass die Kassette weiterhin ein Teil von Wendys Sammlung ist. Sie ist da, steht aber bei den anderen Bändern, die sie nie spielt.
    [tab='5. Platz']Chiyoko


    Falscher Ruhm
    Ich weiss noch, wie sie alle mich verehrten. „Hoch lebe der König!“, riefen sie laut und meinten damit mich, ihren wahren Herrscher. Doch ich ahnte nicht, dass ihre Worte von Lügen genährt waren.


    Damals war ich der König gewesen, der König der Welt, wie mir schien. Doch ich erkannte nicht, dass meine Untertanen, welche mich eigentlich hätten verehren sollen, sich gegen mich auflehnten. Sie logen mich an mit ihren hinterlistigen Worten, meine eigenen Leute, mein eigenes Volk. Durch sie allein war ich grössenwahnsinnig geworden, nur sie waren es, welche mich erst zu meinen Taten trieben. Denn die tiefe Befriedigung, wenn ich sie mich lobpreisen hörten, machte mich süchtig und ich wollte mehr, immer und immer mehr. Mich dürstete es nach der unendlichen Macht, welche niemand erreichen konnte, jedoch war mir das egal. Ich strebte nach unmöglichen Zielen, war süchtig nach Ruhm und Ehre. Geliebt wollte ich werden von meinen Untertanen, denn ich hielt mich für etwas Besseres als sie.


    Ich liess Türme erbauen, wofür die Bewohner der Gebiete, deren Herrscher ich war, hart schuften mussten zu geringem Lohn. Die Anzahl der Kranken und Schwachen stieg, das Essen wurde weniger und trotzdem verlangte ich von den Menschen, immer mehr und mehr für mich zu arbeiten. Ich war der Meinung, dass meine Untertanen nichts benötigten, denn schliesslich sollte es eine Ehre für sie sein, wenn sie mir einen solchen Dienst erweisen konnten. Und so befahl ich ihnen weiter, Häuser zu bauen, Städte zu gründen, ihre eigene Welt von Grund auf nach meinen Vorstellungen zu gestalten. Ich gab die Anweisungen und sie befolgten sie ohne viel zu klagen. Immer und immer wieder versicherten mir meine Berater, wie wundervoll die Welt werden würde und manipulierten so meine Gedanken. Somit erkannte ich auch nicht die Verlogenheit in den Worten und Jubelrufen meines Volkes, als sie meinen Namen ausriefen und mich hochpriesen. Ich erkannte nicht die List in ihren Augen, als sie zu mir hochblickten, während sie weiter schrien, wie grossartig ich war. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, dass sie insgeheim bereits ein Attentat auf mich planten.


    Es war ein Tag gewesen wie jeder andere, als ich dort sass auf meinem Thron, die mit Brillanten besetzte Krone auf meinem Haupte und mit geschwellter Brust auf mein Volk blickend. Wie immer gab ich ihnen die Anweisungen, welche sie brauchten, um erneut einen gigantischen Turm für mich zu bauen. Ich erklärte ihnen meine Vorstellungen und auch was geschehen würde, wenn sie meinen Aufforderungen nicht Folge leisten würden. Und wieder flüsterte mein Berater in mein Ohr, dass es richtig war, was ich da tat. Ich drohte meinen Untertanen mit dem blutigen Tod, wenn der Turm nicht in meiner vorgegebenen Zeitspanne vollendet sein würde. Und so verkrochen sie sich alle wieder und ich spürte ihre Ehrfurcht vor mir, ihrem Herrscher, ihrem Gebieter. Ein grauenvolles Lachen entsprang der Kehle meines Beraters und ich konnte nicht anders, als mit ihm mitzulachen.


    Ich hätte nicht ahnen können, dass er mich nur auf das Volk angesetzt hatte, weil sie ihm Unrecht getan hatten. Er war ebenfalls ein Anwärter auf den Posten des Königs gewesen, doch hatten sie sich schlussendlich für mich entschieden. Die Wahl war nur zustande gekommen, weil der alte König keinen möglichen Thronfolger gehabt hatte, und so hatte das Volk entschieden. Schlussendlich konnte dann ich mich auf den Platz des Königs befördern, und er war als Zweitplatzierter auf dem Rang des königlichen Beraters gelandet. Nun dürstete es ihn nach Rache am Volk, welches sich nicht für ihn entschieden hatte, und so wollte er die Macht selbst erreichen, indem er meine Untertanen gegen mich aufhetzte. Er redete mir ins Ohr, wie ich zu reagieren hatte, und durch die jubelnde Reaktion der Menschen meines Landes wurde ich nur noch angespornt, ihm weiterhin Folge zu leisten. Ich war so naiv und dumm, dass ich ihm tatsächlich blind vertraut hatte, und nun hatte er es tatsächlich geschafft, mich für immer vom Thron zu stossen.


    Mein Volk hatte mich gehasst, noch mehr gefürchtet als die Pest. Monatelang hatten sie den Anschlag auf mein Leben geplant gehabt und der Plan war beinahe perfekt gewesen. Ich hätte nicht auf meinen Berater hören sollen, wie er mich auf sie aufgehetzt hatte wie eine Horde wilder Hunde. Doch war es meine Schuld gewesen, obwohl ich doch nichts dafür konnte. Meine Untertanen hatten ein Attentat auf mich verübt und mich mit einem Messer durchbohrt, während zwei kräftige Männer von ihnen mich festhielten. Ich erinnere mich noch an den Schmerz, den ich verspürte, als mein Herz von der schimmernden Klinge in zwei Teile geteilt wurde. Ich erinnere mich an das Blut, welches meinen Körper hinunterrann und auf den Boden tropfte. Rot war die einzige Farbe, welche ich noch wahrnehmen konnte in der Stunde, als ich starb. Der Tod hatte mich in seine Arme geschlossen, fest umarmt und meinen Körper nicht wieder losgelassen. Er zog mich hinab in die ewige Dunkelheit, wo ich selbst meiner menschlichen Hülle entfloh und wieder zurück auf die Welt reiste.


    Nun war ich nichts weiter als ein Geist, eine einsame Seele, welche in der von ihr selbst geschaffenen Welt ihre Ruhe zu finden versuchte. Durch die Strassen, deren Bau ich selbst angeordnet hatte, schwebte ich wie ein sanfter Wind durch die Haare einer jungen Frau. Ich betrachtete alles, was ich dort angeordnet hatte, die hohen Türme, die vielen Gebäude, die gesamte Stadt. Und bei diesem Anblick konnte ich verstehen, weshalb mein Volk mir das Leben als Mensch geraubt hatte. Ich war nur noch ein Geist, eine Ansammlung aus Luft, keine ernstzunehmende Lebensform, doch hatte ich noch Gefühle. Und als ich all die Trauer in der Gegend sah, welche von einer wundervollen, ländlichen Gegend zu einer einzigen, von Gift verseuchten Grossstadt geworden war, da schüttelte es mich vor Reue.


    Und ich hoffte nur, dass irgendwann ein Mensch kommen würde, der diesem armen Volk seinen Lebenssinn wieder zurückgab. Ich glaubte daran.
    [/tabmenu]

  • Ergebnisse
    Wettbewerb Nr. 12: Best of all Generations - Reise
    Information | Vote


    [tabmenu][tab='1. Platz']Pika!


    Seelenlicht
    „Kinder, ich kann die Insel sehen!“
    Unter anderen Umständen hätte Blanas eine schnippische Bemerkung zurückgeworfen, dass er schon lange nicht mehr als Kind galt und zumindest Ariados von ihnen allen erwachsen war. Aber im Moment brachte er nicht die Kraft dazu auf, irgendetwas zu sagen – zumal man einem alten Weisen, sei es auch ein Relaxo, nicht widersprach. Er streckte sich und versuchte im Dunst der Entfernung die Insel auszumachen, die sie schon seit dem Morgen ansteuerten. Hätte Relaxo ihn nicht darauf aufmerksam gemacht, er hätte den blassen Streifen Land am Horizont gewiss übersehen. „Bald sind wir da“, munterte er Pantimimi auf, die an ihn gelehnt die Hand um das Zauberwasser gelegt hatte, das sie an einer Kette am Hals trug. Das magische Objekt bewahrte sie alle vor dem Meer, das um sie herum in sanften Wogen auf und abwankte. Doch der Schein trog. Jeden Augenblick konnte es sie mit einer gewaltigen Welle verschlingen, wenn nicht das Zauberwasser wäre, dessen Schutzschild die Passagiere auf dem schwimmenden Relaxo behütete. Pantimimi antwortete nicht, so geschwächt war sie von der Aufrechterhaltung des Bannkreises, aber immerhin öffnete sie kurz die Augen und lächelte erschöpft.
    Blanas, Pantimimi, Ariados, Folikon und Relaxo waren einige der wenigen ihrer Heimatinsel, die noch nicht an dem gefährlichen Fieber erkrankt waren, das unter ihren Freunden und Bekannten so verheerend seine Runde gemacht hatte. Außer ihnen gab es nur noch alte und ohnehin schwache Pokémon, die bisher eigentlich nur Glück gehabt hatten, dass die Krankheit nicht auch noch sie heimgesucht hatte. Der Hüter des Zauberwassers Simsala, Ältester der Insel und Pantimimis Lehrmeister, war ebenfalls noch gesund, jedoch unentbehrlich für ihre Insel. Die große Schale mit dem Zauberwasser, das den kleinen Flecken Land vor der Vernichtungswut des Ozeans beschützte, konnte ihre Aufgabe nur ausführen, wenn er anwesend war und ihre Magie lenkte. So waren sie fünf die einzigen, die zur nächsten Insel gelangen konnten, um Hilfe anzufordern.
    Seit einigen Jahren war das eigentlich immer vorhandene Zauberwasser langsam aber stetig weniger geworden, und das Meer hatte um die Insel im gleichen Maß an Kraft gewonnen. Einige Strände waren schon völlig überspült, und wo es einst Häuser und Felder gegeben hatte, schwappte nun das Salzwasser gegen Sandbänke, die es sich selbst auftürmte. Die Schutzwälle, die sie errichtet hatten, waren nur ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen, denn das Meer hatte sie alsbald ohne Mühe abgetragen. Das Fieber kam alle Jahre wieder, war aber weiter eigentlich kein Problem, solange die entsprechenden Heilkräuter wuchsen, doch diese vertrugen keinen zu übersalzten Boden. Ihre Vorräte gingen zur Neige, und sie brauchten dringend Nachschub. Von dem verschwindenden Zauberwasser ganz zu schweigen, doch das konnten sie anderen Inseln auch nicht nehmen. Die brauchten es schließlich selbst zum Schutz gegen den Ozean. Da musste später noch eine andere Lösung her…
    Glaubt ihr wirklich, ihr könntet mich so einfach daran hindern, auch noch das letzte bisschen Land eurer kümmerlichen Welt zu verschlingen?, erklang die boshafte Stimme, die Blanas schon seit Beginn ihrer Reise vernahm. Er schien der einzige zu sein, der sie hörte. Seht es doch ein, dass ihr dem Untergang geweiht seid! Er legte den Arm um Pantimimi, die wieder eingeschlafen war – zumindest hoffte er, dass sie nur schlief, denn wenn ihre Seele ihren Körper verließ, wären auch die anderen nicht weit vom Tod entfernt – und redete sich Mut zu. Sie würden es schaffen, wenn er sich nicht von den Drohungen des Meeres einlullen ließ.
    Plötzlich fing Pantimimi neben ihm zu zucken an, als jagten tausende Blitze durch ihren Körper. Er hatte Mühe, sie ruhig zu halten, und ahnte, dass sie drauf und dran war, gegen den Ozean zu verlieren.
    „Was ist los da oben?“, fragte Relaxo, auf dessen Bauch sie reisten. Eigentlich wollte Blanas zurückrufen, doch schon im nächsten Moment schaukelte Relaxo so heftig, dass eine Antwort unmöglich wurde: Direkt neben dem treibenden Riesen hatte sich das Meer aufgetan, und ein gewaltiger Mahlstrom versuchte, sie an sich zu ziehen.
    „Relaxo, du musst abdrehen!“, rief Blanas panisch zu ihm herunter und hielt Pantimimi fest an sich gepresst, damit sie nicht runterfiel, hatte aber arge Mühe, sich selbst dieses Schicksal zu ersparen. Dasselbe tat Ariados mit der total verängstigten Folikon. Doch so sehr Relaxo es auch versuchte, gegen den Sog anzuschwimmen, es gelang ihm nicht. Quälend langsam saugte das Meer an ihnen, immer weiter auf seinen Schlund zu. Die Stimme hatte recht, dachte Blanas, die letzte Hoffnung ihrer Insel würde hier und jetzt mit ihnen sterben…
    Im letzten Moment, bevor sie das Herz des Mahlstroms erreichten, schlug Pantimimi plötzlich die Augen auf. Von ihnen ging ein grelles, bläuliches Glühen aus, und eine Blase von derselben Farbe bildete sich um Relaxo und seine Passagiere. Sie gingen unter, doch der Schutzschild hielt das schäumende, schwarze Wasser davon ab, seine Schützlinge zu töten. Aber das behinderte es auch nicht weiter. Wie ein junges Spoink, das mit seiner Kugel spielt, warf es sie in alle Richtungen und schüttelte sie so heftig, dass Blanas mit einem Schlag auf den Kopf das Bewusstsein verlor…


    Als er wieder zu sich kam, hatte sich die Szenerie verändert. Sie waren nicht mehr unter Wasser, in den todeswütigen Fluten, sondern trieben wieder so ruhig auf ihnen, als sei nie etwas geschehen. Doch obwohl es noch Tag sein musste, war es beinahe stockfinster; überdichte Nebelschwaden hielten alles Licht ab und verbargen das, was sich in nur wenigen Metern Entfernung befand. Blanas sah sich auf Relaxos Bauch um. Folikon und Ariados waren ebenfalls ohnmächtig geworden, erwachten jetzt aber ganz langsam. Die große rote Spinne schien verletzt zu sein. Pantimimi lag nach wie vor in seinen Armen, die Hand immer noch fest um das Zauberwasser geschlossen. Sie war kreidebleich und bewusstlos. Hoffentlich.
    „Relaxo, bist du wach?“, fragte er nach unten und wagte einen vorsichtigen Blick über die Wölbung des riesigen Bauches.
    „Die ganze Zeit“, erklang die Antwort von dort. „Aber ihr wahrt nur ein paar Minuten bewusstlos. Das Meer hat uns bald wieder ausgespuckt.“
    So locker, wie er das sagte, konnte man fast meinen, sie seien gar nicht in Lebensgefahr. „Warum schwimmst du nicht mehr?“, wollte Blanas wissen und blickte unsicher zu den beiden Käferpokémon. „Ariados ist verletzt und braucht Hilfe, wir müssen die Insel so schnell wie möglich erreichen!“
    „Und wie stellst du dir das vor? Das Wasser hat uns in alle Richtungen geworfen, und der Nebel versperrt mir die Sicht. Selbst wenn die Insel nur noch ein paar Meter entfernt wäre, würde ich in die richtige Richtung schwimmen? Ich weiß nicht, wohin ich mich wenden soll. Es ist aus“, fügte er nüchtern hinzu, als habe er sich schon seit ihrem Aufbruch mit dieser Tatsache abgefunden.
    „Nein, ist es nicht!“, begehrte Blanas auf, obwohl er eigentlich wusste, dass Relaxo recht hatte. Verzweifelt suchte er nach etwas, woran er sich psychisch festhalten konnte, und fand es schließlich in Pantimimi. Wenn sie die Macht des Zauberwassers anrufen würde, könnte sie den Nebel vertreiben. Vorsichtig beugte er sich über sie und betrachtete ihr aschfahles Gesicht. Täuschte er sich oder konnte er wirklich keinen Atem mehr von ihr hören? Plötzlich in Panik versuchte Blanas, die klammen Finger von dem Amulett um Pantimimis Hals zu lösen, bereute es aber sofort, als er den Anhänger sah: Der tropfenförmige Kristall hatte einen breiten Riss, und das Zauberwasser in ihm war durch diesen hinausgeflossen.
    Mit einem Mal kam ihm die Erkenntnis, die Relaxo schon seit Stunden hatte. Das Zauberwasser hatte sich verflüchtigt, ihr letzter Schutz vor dem mörderischen Ozean war damit verschwunden. Sie würden es nie zur nächsten Insel schaffen, geschweige denn die ihre vor dem steigenden Meeresspiegel retten…
    Ganz langsam öffnete Pantimimi die Augen, als ob sie die Verzweiflung ihres Freundes gespürt hätte. Sie sah ihn traurig an, lächelte aber dabei. Schließlich fielen ihr die Augen wieder zu, und ihr Körper erschlaffte. Ihre Seele entfloh ihren immer noch lächelnden Lippen in Form eines kleinen, sternenähnlichen Lichts und stieg in den Nebel hinauf. Fassungslos starrte Blanas hinterher, unfähig, irgendetwas zu tun oder auch nur zu begreifen, dass Pantimimi gerade gestorben war.
    Doch sie war nur die erste. Kaum, dass der Schutz des Zauberwassers mit ihrem Tod nun endgültig vergangen war, schoss aus dem Meer ein Tentakel aus Wasser hervor und umschlang Ariados. Folikon schrie verzweifelt auf, doch die Spinne wurde bereits von dem Tentakel fortgerissen. Der Nebel verbarg zum Teil, wie ein zweiter hinzukam und mithilfe des ersten ihr gemeinsames Opfer in zwei Hälften zerteilte. Dann wurde es wieder ruhig, nur Folikon rief dem Wasser wütende Beleidigungen entgegen, die jedoch auch nichts mehr gegen den Verlust ihres Freundes bringen würden.
    Und die Ruhe war ebenfalls nur gespielt. Der Ozean genoss es, sie leiden zu sehen, weidete sich daran, dass sie an der Gewissheit, bald sterben zu müssen, den Verstand verloren. Er spielte ein grausames Spiel mit ihnen, nun nicht mehr wie ein Spoink, sondern wie ein Ibitak mit einem Waumpel…
    Blanas konnte es durch Nebel und Tränen fast nicht sehen, aber spüren. Vor ihnen türmte sich das Wasser zu einer Wand auf, die lautlos heranrollte. Und sie waren ihr machtlos ausgeliefert, als sie sich über sie wölbte, um auch ihre Seelenlichter einzufordern.
    [tab='2. Platz']Leandy


    Fern aller Grenzen
    Weit entfernt von den meisten Menschenaugen, im Nordwesten der gleißenden Metropole von Stratos City, befand sich ein besonderer Ort. Ein Ort, an dem Frieden und Zerstörung zugleich herrschten, der unerbittliche Kampf ums Überleben als auch die Schönheit der rauen, lebensfeindlichen Natur, an dem sich Wirklichkeit und Schein vermischten.
    Wer dorthin kam, am Ende seiner Kräfte, suchte eine Auszeit von den Menschen und tief in seinem Inneren vielleicht auch von sich selbst, begehrte Gefahr genauso wie Sicherheit, Hass so sehr wie Liebe, Freude so sehr wie Leid.
    Dort, an dem Ort, an dem sich Wirklichkeit und Schein vermischten, gingen die Hüllen des menschlichen Lebens, zart wie Seifenblasen und ebenso zerbrechlich, ineinander über.


    Die Sonne brannte auf der Haut, ein scharfer Wind zerfetzte dem einsamen Wanderer das Fleisch. Nur in den Pausen des leichten, aber stetigen Sandsturmes konnte er sich fortbewegen, ansonsten war er gezwungen, sich hinter oder unter Felsen und in kleinen Einbuchtungen der Ruinen verkriechen. Die Einsamkeit war sowohl Balsam als auch Folter für seine Seele.
    Die roten, mittellangen Haare sich aus der Stirn streichend, blickte sich der Wanderer um. Ein wenig zu lässig hatte er sich in einen langen, aber nicht zu schweren braunen Mantel gekleidet, seine Hosen in die Stiefel gesteckt, und amateurhaft ein Tuch um seinen Kopf geschlungen, welches ihn gerade eben so vor einem Hitzeschlag bewahren konnte. Dennoch leuchteten seine eisblauen Augen wachsam, und er schien die körperliche Belastung gewöhnt zu sein. Immer wieder vergewisserte sich der erstaunlich junge Wanderer, dass die drei roten Pokébälle noch an seinem Gürtel hingen und von der Witterung verschont blieben. Sie waren sein größter Schatz.


    Langsam und darauf achtend, nicht in den gefahrvollen Treibsand zu geraten, der sich meist an der windabgewandten Seite der Dünen bildete, bewegte er sich auf sein Ziel, die zentral in der Wüstenregion gelegene Tempelruine zu. Zum Testen belastete er die Flächen vor sich mit einem an einen Stock festgebundenen Stein, und der Wind verwirbelte seine Fußspuren im Sand, so schnell, wie sie gekommen waren.


    Wenig Zeit war vergangen, als der Wanderer endlich am Fuße der Tempelruinen angelangt war und setzte sich erschöpft auf die Treppenstufen davor. Er war nur wegen der seltenen Fossilien hierhergekommen, der Fossilien, wegen denen er mehr als nur sein Leben riskiert hätte. Von einem alten Einheimischen hatte er von ihnen erfahren und auch davon, dass der letzte Finder sie aus dem Grund inmitten des Tempels zurücklassen musste, dass sie ihm auf dem beschwerlichen Rückweg den Untergang bedeutet hätten.
    In ihnen lag eine jahrtausendalte Macht begründet, und Lucian, der junge Wanderer, war fest entschlossen, sie in seinen Besitz zu bringen. Durch alle Regionen war er gereist, hatte mehr gesehen, als so mancher Champ von sich behaupten konnte, und war dennoch stets getrieben von etwas, das ihn zwang, immer mehr zu riskieren, etwas aufs Spiel zu setzen. Müde fuhr sich Lucian mit dem Handrücken über die Stirn. Siebzehn Jahre war er nun am Leben und hatte es immer noch nicht zu schätzen gelernt. In jedem Frieden lag auch Zerstörung. Freiheit bedeutete die Sehnsucht nach Geborgenheit.
    Lucian streckte die erschöpften Beine aus, und überlegte, ob sie es noch schaffen würden, ihn den weiten Weg zurück zu tragen. Seinen Partnern Ariados, Blanas und Kiesling konnte er diesen
    Wettlauf mit der Zeit und Erschöpfung nicht zumuten. Sie waren zum Überleben geboren, nicht zum Kämpfen, und Lucian gehörte nicht zu der Sorte Trainer, die Orden sammelten und daran ihre Fähigkeiten maßen. Er wusste, was er konnte, denn sein Überleben war der Beweis dafür.


    Irgendetwas hinter ihm riss ihn aus seinen Gedanken. Sofort war er auf den Füßen und hatte die Hand auf den Pokéball von Ariados gelegt, welches sein mit Abstand stärkstes Pokémon war und lange Zeit mit ihm durch die wilden Wälder und Einöden Hoenns gezogen, nachdem er es auf seiner Reise durch Johto gefangen hatte.
    Der Sand vor ihm auf den Treppenstufen kam in Bewegung, eine Staubwolke verschleierte seine ohnehin durch die Sonne und das Tuch eingeschränkte Sicht. Etwas fiel oder kugelte Stufen hinunter, begleitet von lautem Aufächzen und dem schrillen Schrei eines Pokémon.
    Lucian blieb ruhig stehen und musterte die Szene amüsiert. Ein Abenteurer wohl, der es mit letzter Kraft geschafft hatte, den Schatten des Tempels zu entkommen.
    Als der Staub sich legte, erkannte er die Umrisse eines schlanken Mädchens mit kurzen, wuscheligen Haaren, die eine Fliegerbrille trug und sonst nur T-Shirt und Shorts. In den Händen hielt sie zwei unförmige, graubraune Gegenstände, die sie schützend an sich geklammert hatte, um sie vor dem Zerbrechen zu bewahren. Lucian erstarrte, als Leben in die Trainerin kam. Sie bemerkte ihn zuerst nicht, sondern sah auf, obwohl sie dank des Sandes sicher nicht viel erkennen konnte, und rief heiser: "Pantimimi! Pantimimi, wo bist du?" Ein schwacher Schrei antwortete ihr, und sofort rollte sie sich auf die Seite. Sie hatte das kleine niedliche Psychopokémon in ihrem Eifer, die beiden Gegenstände in ihrer Hand zu beschützen, glatt unter sich begraben.


    Mit einer wenig eleganten Geste setzte sie sich auf, hustete einmal kräftig und schien sich immer noch nicht ihrer Umgebung bewusst zu sein. Ihr blondes, knapp kinnlanges Haar war von Staub bedeckt und dennoch von einem leuchtenden Gold, und die großen, rehähnlichen Augen hinter ihrer verkrusteten Brille wirkten merkwürdig verschlafen.
    Lucian war sie auf den ersten Blick unsympathisch, und er konnte es sich nicht erklären, wie sie es mit heiler Haut aus dem Heiligtum herausgeschafft haben sollte.
    Dennoch bückte er sich, um ihr auf Augenhöhe zu begegnen. Das Mädchen bemerkte die Bewegung, wich aber nicht ängstlich zurück, wie er es erwartet hatte, sondern begegnete flüchtig seinem Blick. Die eisblauen Augen schienen auf sie Eindruck gemacht zu haben, und sie hob eine Augenbraue. Je näher er sie betrachtete, desto mehr gelang Lucian zu dem Eindruck, dass das Mädchen erheblich jünger sein müsste als er, doch die Wärme in ihrem Blick und ihre schmalen, ausgezehrten Züge sprachen eine andere Sprache.
    "Pantimimi, komm zurück", flüsterte sie und wandte sich dann ganz Lucian zu. Eine Hand auf dem Boden abgestützt, die andere angewinkelt auf ihren hochgezogenen Knien, wirkte sie mehr denn je wie eine verlauste Wildkatze. Die steinähnlichen Dinger hatte sie hinter sich geschoben. Misstrauisch funkelten die beiden sich an.


    "Wie weit warst du drin?", fragte Lucian nach einer Weile, weil es das Erste war, was ihn interessierte. Und plötzlich, ganz unerwartet, ging ein süffisantes Lächeln über das hübsche Gesicht des Mädchens. "Unhöfliches Kind. Sollte man nicht zuerst nach dem Namen fragen?" Lucian erstarrte.
    Darüber noch amüsierter, hustete sie und sagte dann: "Angst, dass ich dir die hier weggeschnappt habe?", fragte sie und hielt ihm die steinähnlichen Gegenstände dicht unter die Nase, und da traf es ihn wie ein Schlag. Es waren die Fossilien.
    Der Boden schien unter seinen Füßen wegzusacken. Monatelange Bemühungen umsonst.
    "Du?", rief er aus und keuchte.
    "Ich", bestätigte das Mädchen, "sowie ich Aizka heiße."
    "Lucian", sagte er unbestimmt und starrte begehrlich auf die Fossilien. Aizka, die das mitbekommen haben musste, zog sie zuerst ein Stück zur Seite, beobachtete, wie seine Augen ihrer Bewegung folgten, und lachte dann laut auf.
    "Ich kann nicht verstehen, warum sie von allen so gesucht werden", erklärte sie heiter, "was ist schon groß an ihnen? Jahrtausende von Staub und Verwesung. Ich suche sie nur, weil mir meine Pokémon auf die Dauer zu schwach sind und ich gehört habe, dass man die Fossilien wiedererwecken kann." Sie tätschelte die zwei Pokébälle an ihrem Gürtel. "Zugegeben, ein Pantimimi und ein Paras sind nicht die beste Besetzung, was? Aber überleben konnte ich mit ihnen."
    Den letzten Teil schien sie mehr zu sich selbst gesagt zu haben als zu Lucian, und dennoch horchte er auf.
    "Wenn wir überleben, sind wir fern aller Grenzen", sagte er leise und beinahe unhörbar, doch Aizka nickte.
    "Komm mit, steh auf", sagte sie und rappelte sich hoch. "Hier ist kein Ort zum Reden."
    Und schon verschwand sie, die Treppen hinauf und links an den eingestürzten Mauern des Tempels entlang. Lucian überlegte sich, ob er sie nicht einfach von Dannen ziehen lassen sollte, doch der Gedanke, eins von dem Fossilien zu ergattern, ob auf ehrliche Weise oder nicht, war zu verlockend.
    So folgte er ihr.


    Aizka hatte eine alte, vermoderte Decke auf dem Boden ausgebreitet und ihre Pokémon aus ihren Bällen befreit. Ein kleines, aber zäh wirkendes Paras klickte angriffslustig mit den Scheren, als es den fremden Trainer bemerkte.
    Einem Instinkt folgend, ließ Lucian seine Pokémon sich zu den anderen gesellen, und setzte sich zu dem Mädchen. Aizka sah auf und lächelte, fast ehrlich erfreut.
    "Ich dachte schon, du würdest nicht mehr kommen."
    "Doch, natürlich. Ich möchte schließlich wissen, was dich zum Reisen bewegt."
    Ein breites Grinsen ging über ihr Gesicht, und irgendetwas daran verblüffte Lucian.
    "Ich teile gern", sagte sie, "Erinnerungen, Erlebnisse. Du scheinst mir da ein anderer Typ zu sein. Dennoch."
    Sie schob eines der Fossilien zu ihm rüber und wandte sich dann ab, ganz uninteressiert an seiner Reaktion. "Es ist wie das Leben", sagte sie, "Du musst dich entscheiden, ob du es annimmst oder nicht."
    "Von dir schon", flüsterte er. Ihre Augen trafen sich einen Moment - fern aller Grenzen.
    [tab='3. Platz']Jirachi-Fan


    Eine Käfer WG auf Reise
    Im Erholungsgebiet in Sinnoh, tief im Untergrund, ist ein kleines Haus! Doch wer wohnte da drin? „Man, mir ist soooo langweilig!’’, sprach ein Pilz-ähnliches Pokémon bedrückt. „Glaubst du mir geht es da besser? Jeden Tag das gleiche zu tun, einfach nur hier unter der Erde in unseren Mini-Katakompen rumlungern ist nicht besonders spaßig! Und was bist du eigentlich so bedrückt, Paras?’’, fragte ein Spinnenähnliches Pokémon besorgt. „Ach, es geht da um so ein anderes Pokémon..., antwortete Paras ernidrigt, während es rot wurde, „...Ach, vergiss es, Ariados!’’
    Doch Ariados gab nicht nach und hackte nach: „Ach komm schon, Schluppuck, Folikon und mir ist es schon seit längerer Zeit aufgefallen, das du total niedergeschlagen bist!’’ Doch Paras ging einfach in seinen Pilz zurück!
    „Hey, Freunde, kommt mal aus euren Zimmern raus!’’, rief Ariados zu Schluppuck, Zirpurze und Folikon ernst.
    „Was ist denn los?’’, fragten die drei unwissend. Darauf Ariados: „Euch ist ja auch schon aufgefallen, das Paras in letzter Zeit so bedrückt ist! Wir müssen herausfinden warum, damit wir ihn trösten oder gegebenfalls helfen können, doch er will einfach alles abstreiten!’’
    „Okay, ich sag euch um was es geht... aber im Gegensatz unternehmen wir alle zusammen meine langersehnte Reise!’’, seufzte Paras bedrückt.


    Aus dem Drang, dass alle das Geheimnis von Paras erfahren wollten, brachen sie schon am nächsten Tag auf zum nächsten Poké-Zug in den Wasserfall-Katakompen.
    „Letzter Aufruf zum Poké-Paradies, letzter Aufruf zum Poké-Paradies!’’, wurde durch den Lautsprecher gerufen. Inmitten der tobenden Pokémon-Menge sahen wir auch wieder Schluppuck, Folikon, Zirpurze, Paras und Ariados. Allerdings hetzten sie sich alle gegenseitig und drängten andere Pokémon zur Seite. „Uaaaah!!! Aus der Bahn, und ihr, macht mal schneller, wir verpassen noch unseren Zug!’’, rief Folikon hektisch.
    Nach kurzem Gedrängel schafften es die fünf doch noch im letzten Moment in den Zug.
    Erstaunlicherweise war nicht so viel los, nur jeder dritte Sitz pro 8 Waggons waren besetzt.
    „Nun, erklärst du uns jetzt endlich dein kleines „Geheimnis?’’, fragte Zirpurze mit rollenden Augen. Darauf Paras immer noch bedrückt: „Ihr habt euer Versprechen gehalten, das tue ich jetzt auch: Also, es geht da um so ein weibliches Pokémon... Kussila! Es ist so, ich hab sie mal in der Nähe unserer Heimat getroffen, und da wusste ich sofort: Das ist die richtige! Aber ich traue mich nicht, sie anzusprechen!’’
    „Ohh, komm schon Paras! Du schaffst das schon! Wenn nötig werden wir dir dabei helfen!’’, munterte Zirpurze Paras auf. Schon eine halbe Stunde waren sie jetzt mit dem Zug in den wunderschönen Wasser-Fallkatakompen unterwegs. Die fünf Pokémon sahen alle aus ihren Fenstern, sie sahen wunderschöne, plätschernde und funkelnde Wasserfälle, die von purer Natur aus entstanden sind!
    „Hach, das wäre ein Leben hier, nich war?’’, seufzte Schluppuck. Darauf Folikon mitfühlend: „Ja, seht ihr den Wasserfaaaaaaal!?’’ Auf einmal ging das Licht aus! „Äh, wisst ihr was da plötzlich los ist?’’, fragte Ariados geschockt. Plötzlich kam eine Durchsage: „Keine Sorge, das ist bloß ein kleiner Stromausfall weil wir gerade durch eine Höhle hindurchfahren!’’ Doch die Insassen mussten weitaus mehr festellen: Als der Zug aus der Höhle rausgefahren war, geriet er aus den Bahngleisen und schleifte geradwegs auf einen breiten Fluss zu!
    „Okay, ich hab einen Plan!’’, sprach Folikon im Befehlston, „Schluppuck, du...’’, doch bevor Folikon das zuende sprechen konnte, konterte Schluppuck motzig: „Was soll ich schon wieder machen, hä? Ich hab die Nase voll davon das mir dieser elender Pflanzenkäfer immer sagt was ich tun und lassen soll! Wir sollten dieses Problem ganz schnell aus der Welt schaffen! Hier kommt meine Matschbombe!’’
    Folikon bemerkte dies gerade noch rechtzeitig und sprang zur Seite. „Bist du jetzt völlig verrückt?’’, schrie Folikon entsetzt. Doch Schluppuck hörte nichts und setzte Schlammwoge ein, das Folikon direkt aus dem Fenster geradewegs in einen Wasserfall schleuderte. Schluppuck sprang auch aus dem Fenster raus und holte zu einem Gifthieb aus, doch Folikon setzte Fadenschuss ein und fesslte Schluppuck in klebrigen Fäden.
    Schluppuck versuchte vergebens sich zu befreien, doch es schlug fehl. Nun rannte Folikon bedrohlich auf Schluppuck zu und und versuchte Tackle, doch dann kam Ariados dazwischen un stoppte Folikon ebenfalls mit Fadenschuss. „Aufhöööööreeeen!!!!’’, rief Ariados verzweifelt.
    „Ich kann es nicht fassen! Unser Zug ist auf mysteriöser Weise aus dem Gleis geschliffen und ihr seit nur mit euren Problemen beschäftigt! Alle Insassen und wir sollten lieber zusammenhalten und den Zug wieder ins Gleis bringen!’’ Folikon und Schluppuck schämten sich tatsächlich und entschuldigten sich bei Ariados. Derweil hatten Zirpurze und und das immer noch traurige Paras die Insassen zusammengetrommelt und kamen aus dem Zug hinaus. „Okay’’, rief Ariados, „wir brauchen exakt drei starke Muskelpackte, die den Zug etwas anheben! Sofort kamen Machomei, Hariyama Irokex zum Vorschein. „Nun gut, der Rest hilft mit den Attacken mit!’’, befahl Zirpurze.
    Da Hariyama der stärkste war, begann er den Zug in der Mitte anzuheben, Machomei vorne und Irokex hinten, alles nach einer logischen Reihenfolge. Doch die drei Muskelprotze konnten den Zug nur ein bisschen hochheben. Ein Togekiss (auch ein Insasse) kam nach oben geflogen und hebte mit einer Art „Luftklaue) den Zug noch ein bisschen hoch! Andere Pokémon pushten die Muskelpakete mit Protzer, Drachentanz, und mit sonst diesen jeglichen Attacken auf, andere arbeiteten auch perfekt zusammen und gingen Schritt für Schritt langsam mit sämtlichen, leichten Attacken weiter.
    „Wir können es noch schaffen, nur noch ein kleines bisschen!’’, schrie Ariados angestrengt. „Wir müsen durchhalten, nur noch ein paar Zentimeter!’’, rief Paras ebenfalls erschöpft. Geschafft! Durch die tolle Zusammenarbeit aller Passagiere im Zug ist es ihnen gelungen, den Zug wieder in das etwas beschädigte Gleis zu bringen!
    Nach einer weiteren, zweistündigen Zugfahrt war es soweit: Der Zug verließ die unterirdischen Wasserfallkatakompen endlich und kam endlich am Poké-Paradies an! Unsere fünf Freunde riefen mit offenem Mündern: „WOOOOOW!’’ Und das nicht ohne Grund: Es war ein reines Paradies mit einem riesigen Strand und Meer, Glashäusern, bequemen Hütten und noch dazu war es eine sternenklare Nacht!
    Die fünf überaus glücklichen Pokémon schnappten sich sofort ein Glashaus und machten es sich bequem und richteten ihre Zimmer ein! Dann betraten sie erstmals den Strand! Paras aber war immer noch sehr unglücklich wegen Kussil, doch dann stupste Folikon Paras mit dem Ellenbogen und zeigte auf ein rosanes Pokémon mit gelben Haaren! Es war Kussilla! „Na los, trau dich!’’, munterte Folikon Paras auf. Paras fasste all seinen Mut zusammen und ging auf Kussilla zu.
    Er begrüßte sie erstmal, dann fragte er, ob sie mit ihm nicht in die Disco gehen würde. Überraschender Weise antwortete Kussilla glücklich: „Ich hab schon die ganzen Jahr gehofft das du mich frägst, na los, komm!!’’ Dann umarmte sie Paras. Tja, und so endete die gutende Folge, und alle tanzten bis in die Nacht hinein!
    [tab='4. Platz']


    Breaking Dawn - die Reise beginnt
    Hoch oben, in den nördlichen Wäldern, weit jenseits jeglicher Zivilisation lebten Pokémon seit je her in Frieden und Ruhe. Sie achteten und beschützten einander und halfen sich wo sie nur konnten. So auch an jenem Tag, an dem unsere Geschichte beginnt...
    Wie immer war es ruhig im Wald als Blanas und Ariados für ihren alltäglichen Streifzug am Bach vorbeikamen.
    Schon seit frühester Kindheit waren die Pokémon Freunde gewesen, waren zusammen aufgewachsen und hatten miteinander gespielt. Nicht selten hatten sie sich dabei vorgestellt, sie seien Superhelden, die den Wald beschützten.
    Damals, in ihrer kleinen Fantasiewelt hatten sie viel Spaß gehabt.
    Heute war ihnen klar, dass das friedliche Wäldchen keine Beschützer brauchte. Dennoch hatten sie es zu ihrem täglichen Ritual gemacht, jeden Abend bis tief in die Nacht hinein auf Feinde zu lauern und jeden Morgen gemeinsam durch den Wald zu patrouillieren. So auch heute.
    Gerade hatte das spinnenartige Pokémon sich am klaren Wasser des Baches gestärkt, da hörten die beiden auch schon einen markerschütternden Schrei. Sie tauschten nur einen stillschweigenden Blick aus, schon rannten sie los. Nicht weit entfernt, am Rande der Klippe des Plateaus auf dem sie lebten, entdeckten sie ein Pantimimi, das dort verängstigt in die Tiefe blickte. Ariados verschaffte sich sofort einen Überblick über die Situation, während Blanas sich um das kleine, rosa Wesen kümmerte.
    Sie berichtete, dass ihr Freund Folikon beim spielen die Klippe hinabgestürzt sei und dass sie ihn nun nicht mehr finden könne. Ein Blick über seine Schulter, den Abgrund hinab, machten Blanas klar wie tief es hinunter ging und wie gering die Überlebenschancen bei einem solchen Sturz waren. Gefasst, so schwer es ihm auch fiel den Anschein von Fassung zu bewahren, versuchte er das Psychopokémon zu trösten als plötzlich Ariados einen aufgeregten Ruf ausstieß. “Ariados!”, kreischte es um auf seine Entdeckung aufmerksam zu machen. Nur einige Meter tiefer hing das zierliche Pflanzenpokémon im Geäst eines Baumes, der aus der Felswand ragte. Was für ein Glück. Doch dann die Ernüchterung: es bewegte sich nicht. Auch die Rufe der machtlos danebenstehenden Freunde, vermochten es nicht zu wecken. Vielleicht war es verletzt, wahrscheinlich bewusstlos. Doch was konnten sie tun?
    Ariados versuchte es mit seinem Fadenschuss zu erreichen, doch das Seil war einfach zu kurz. Jemand musste hinuntersteigen um das hilflose Wesen heraufzuholen. Doch obwohl das Käferpokémon ein geübter Kletterer war, war selbst für ihn eine solche Steilwand keine leichte Herausforderung und ohne Finger würde es ihm wohl auch schwerfallen den Verletzten unbeschadet nach oben zu bringen. Eines stand fest: Sie brauchten Hilfe. Angestrengt überlegten die Drei, wer in einer solchen Situation von Nutzen seien konnte und es dauerte auch nicht lange, da hatten sie einen Plan. Ariados sollte zurückbleiben und aufpassen, dass Folikon - sollte es erwachen - nicht erschrak und herunterfiel. Außerdem sollte er weiter Fäden spinnen und daraus und aus Ästen und Blättern einen Transportkorb basteln um jemanden hinunterlassen und mit dem Verwundeten wieder heraufziehen zu können. Sie waren sich einig, dass Blanas anhand seines Körperbaus für diese Aufgabe am geeignetsten war, doch sie brauchten unbedingt noch jemanden, der groß genug war, den Korb mit der zu kurzen Schnur weit genug hinunter zu lassen und der stark genug war, um beide dann auch wieder heraufzuziehen. Es gab nur eine im Wald, die für diese Aufgabe in Frage kam: Relaxo. Doch um diese Zeit schlief der Koloss für gewöhnlich noch und sie zu wecken, war nicht ungefährlich. Angesichts dieser Gefahr, scheute der rosa Knirps zurück und entschloss sich lieber bei seinem Freund zu bleiben und dort zu helfen. So ging also Blanas alleine los um nach dem riesenhaften Pokémon zu suchen.
    Schon bald hatte er sie unweit in den Bergen, an ihrem gewohnten Schlafplatz gefunden. Blanas staunte. Er hatte Relaxo schon häufiger im Wald nach Nahrung suchen sehen, doch er war ihr nie so nahe gekommen. Erst jetzt bemerkte er wie groß sie war und wie kugelrund. Mit Rufen und Anstupsen bekam er den Fleischberg nicht wach. Da konnten nur Attacken weiterhelfen. ‘Ein gezielter Mogelhieb gegen die Wampe gerichtet sollte ausreichen’, dachte Blanas. Die gewaltige Masse des Kontrahenten geriet in Bewegung. Das Fett schwabbelte hin und her, doch die Riesin schien es kaum zu bemerken. Sie kratzte sich nur an der Stelle an die Attacke sie getroffen hatte, drehte sich um und schlief weiter. Spätestens jetzt war klar, dass Relaxo die Richtige für die Aufgabe war. Mit aller Kraft schlug Blanas erneut zu. Treffer! Der Hüne erhob sich mit Gebrüll. Blanas wich ehrfürchtig zurück. Zunächst Trommelte Relaxo auf ihrem Bauch, dann griff sie unwillkürlich an. Zum Glück für Blanas war Relaxo nicht besonders schnell und so müde wie sie noch war, zielte sie auch nicht besonders gut. Schon nach wenigen Angriffen war sie zu erschöpft um weiterzukämpfen und setzte sich gemächlich hin. Das gab dem Pflanzenpokémon die Möglichkeit sein Anliegen vorzubringen. Als Relaxo hörte, das ein Freund in Not sei und nur sie ihm helfen konnte, rappelte sie sich auf und folgte dem Winzling zu der Unglücksstelle.
    Dort hatten die anderen beiden auch schon den Korb und das Seil fertig gestellt.
    Wie geplant ließ Das Riesenpokémon Blanas herunter. Obwohl er noch immer nicht ganz bis zu Folikon heranreichte, konnte Blanas doch wenigstens in den Wipfel des Baumes springen und so zu dem Notleidenden vordringen. Es gelang ihm sogar, das liebliche Geschöpf wach zu bekommen und stellte fest, dass es nur einige wenige Schrammen und Kratzer und eine Beule am Kopf hatte, sonst nichts. Erleichtert erklomm Blanas mit Folikon auf seinem Rücken den Baum, doch von hier unten konnte er den Korb nicht mehr erreichen. Er wollte hinaufspringen, doch es gelang ihm nicht. Sofort eilte Ariados zu Rettung die Klippe hinunter, aber ein Stein löste sich und er verlor den Halt. Wie durch ein Wunder landete er direkt im Korb, doch durch den plötzlichen Ruck, verlor auch Relaxo, die sich ohnehin schon viel zu weit vorgelehnt hatte, das Gleichgewicht und rutschte ab. Dabei riss sie nicht nur Pantimimi mit sich, sondern auch die anderen drei mit samt dem Baum.


    Blanas war der erste der aufwachte. Er hing in einem Ast, seine Freunde lagen unter ihm verstreut am Boden. Er schien sich nicht verletzt zu haben. Offenbar hatte das Blätterdach des Waldes seinen Sturz so weit abgebremst, das er unversehrt geblieben war. Auch seine nach und nach erwachenden Leidensgenossen hatten sich nichts getan. Die beiden kleinsten aus der Gruppe waren sogar butterweich auf Relaxos Riesenwampe gelandet.
    Doch schon als die erste Freude über die allseitige Gesundheit verklungen war, stellten sich der fünfköpfigen Gruppe mehrere Fragen.
    Wo waren sie? In diesem Teil des Waldes war bisher keiner von ihnen jemals gewesen.
    Was sollten sie jetzt tun?
    Wie konnten sie wieder nach oben, nach Hause gelangen?
    Und welche Gefahren würden hier wohl auf sie lauern?
    Die beiden kleinen gerieten in Panik, Folikon fing sogar zu weinen an.
    Wieder war es Blanas, der die Initiative ergriff. Mit selbstsicherer Entschlossenheit stieg er von dem Baum und trat vor. Er erklärte, sie würden schon wieder einen Weg nach oben finden. Er sei sich sicher, dass es einen geben musste und sie würden so lange nicht danach zu suchen aufhören, bis sie ihn gefunden hätten.
    Seine Worte klangen so überzeugend, dass auch die anderen davon ergriffen wurden, sich zusammenrissen und sich zum Aufbruch bereitmachten.
    Relaxo wiegte die Knirpse noch beruhigend in ihren starken Armen und bot ihnen dann an sie zu tragen. So hoch oben und von wohliger Wärme umgeben, hätten sie zufriedener kaum sein können und so machten sie sich auf das Plateau zu umrunden. Irgendwie mussten ja schließlich auch ihre Vorfahren einstmals hinaufgelangt sein. Deren Pfad wollten sie suchen.


    Sie waren den ganzen Tag marschiert und alle ziemlich fertig. An einer schattigen Lichtung entschlossen sie ihr Nachtlager einzurichten. Lange Zeit konnte keiner von ihnen einschlafen, weil die unbekannte Umgebung und die nächtlichen Rufe der fremden Vogelpokémon ihnen keine Ruhe ließen, doch irgendwann überwand auch der Letzte seine Furcht und schlief ein.
    Erst im Morgengrauen wurden die Freunde von einem Geräusch geweckt.
    Ein Hundemon griff sie an, wohl weil es bei ihnen Futter vermutete. Die beiden Kleinen schrien vor Angst. Relaxo hatte sich schützend vor sie gestellt, doch um ihnen Deckung zu bieten, blieb ihr nichts weiter übrig als ihre eigene Verteidigung zu vernachlässigen. Schutzlos war sie der Glutattacke des Angreifers ausgeliefert.
    Ariados griff ein und versuchte ihn mit seinen Fäden fern zu halten, doch das Hundemon brannte sie erbahmungslos nieder. Auch Blanas Mogelhieb blieb gegen das starke Feuerpokémon wirkungslos.
    Hundemon setzte gerade erneut zu einer Attacke an, als Pantimimi sich losriss und sich in seine Schussbahn warf. Ein gewaltiger Flammenwurf traf das empfindliche Geschöpf, doch da begann es in der Dämmerung zu leuchten und warf mit seiner Mimikriattacke den Flammenwurf zurück.
    Das Hundemon ergriff die Flucht.
    Sie hatten es geschafft.
    Sie hatten gewonnen!
    Stolz streichelte Blanas dem kleinen Helden den Kopf. Er stellte sich dem Sonnenaufgang entgegen, denn nun war er sicher, sie würden ihr Ziel erreichen, was auch immer der neue Tag bringen würde.
    [tab='5. Platz']


    Der Felsenfeste Retter
    „KIESLING....!!!“, hört man es 30 Meter vom Strand entfernt. Blanas, Ariados, Paras und Zirpurze stehen und warten auf ihren Kameraden Kiesling, der nicht gerade der schnellste ist. „Sorry Leute....*hechel*....*keuch*...ihr seit einfach zu schnell.“, meint der kleine Stein und viel hintrücks vor Erschöpfung auf den Boden. Ariados schaute zu ihm runter und sagt:“Oder du zu langsam“. Die anderen drei lachten und schauten Kiesling ebenfalls an. „Ja ja lacht ruhig, macht mir überhaupt nichts aus..“ als sie sahen, dass Kiesling wirklich verärgert über die Bemerkung war, geht Ariados zu ihm hin und befehligt den anderen ebenfalls zu kommen. „Hey, das war nicht so gemeint. Tut uns leid ehrlich“. Auch die anderen entschuldigen sich und setzten sich neben ihn. Aber Kiesling starrt nur den Sand bedeckten Boden, ohne ein Wort zu verlieren, an und scharrte mit seinen Füßen im Sand herum. „Ich muss mich entschuldigen. Ihr habt ja auch recht. Ich bin langsam und ihr müsst immer warten. Ich denke, ihr wärt besser ohne mich dran.“, meint der kleine Stein traurig und verlor ein paar Tränen. Blanas nahm das Blatt von seinem Kopf und wischt die Tränen von Kiesling ab. Dann sagte er zum ihm:“Nein nein nein. Das darfst du niemals denken. Du bist zwar langsam, aber dafür hast du andere Stärken. vielleicht ist es dir noch nicht vergönnt gewesen, diese zu entdecken, aber ich bin mir sicher, dass du sie bald finden wirst. Du musst es nur glauben.“ Kiesling steht auf und schaut seine Gruppe an. „Danke Leute. Ich werde daran glauben.“, sagt er.
    Zirpurtze und Paras machen alle darauf aufmerksam, dass sie noch ein Auftrag erledigen müssen. „OKEY, DANN MAL LOS“, schrien alle zusammen und gingen zur Gilde um sich einen Auftrag auszugucken.


    Auf dem Ganoven Brett stehen heute viele interessante Dinge. Aber alle fünf entscheiden sich für den Ganoven „Nidorino“, der schon mehrere Items von anderen Pokemon gestohlen hat. Er ist allso ziemlich bekannt. Ariados, der Anführer der Gruppe „The Hunters“, legt den Ganovenbrief bei Seite und erklärt die Vorgehensweise: „Also, wir müssen in den Verwirrwald. Dort werden wir auf Nidorino treffen. Er ist bekannt für seine Taschendieb Tricks und bis jetzt hatte er immer Erfolg. Wir werden dafür sorgen, dass er kein Item oder Geld mehr erbeuten kann. Wir stehen alle um Punkt Mittag am Treffpunkt. Vorher solltet ihr euch noch ausrüsten, denn dieser Wald, kann einen leicht verwirren.“
    Und so ging jeder Einzelne nach Schatzstadt um sich seine jeweilige Ausrüstung zu holen.


    Am Mittag stehen, wie vereinbart ,alle am Treffpunkt und warten mal wieder auf Kiesling. Als er dann endlich doch 10 Minuten später eintraf, macht sich die Truppe auf den Weg. Am Verwirrwald angekommen, ging Ariados voran um die Lage zu begutachten. „Ok, gehen wir rein.“ Alle setzten sich in Bewegung und achten ganz genau darauf, was um sie herum passiert. Als Paras einen Pilz von seinem Rücken verliert, blieb er kurz stehe, um ihn wieder drauf zu setzen. Doch als er nach vorn schaut, war seine Gruppe nicht mehr da. Er guckt in alle Richtungen und ruf jeden Namen. Doch niemand antwortet ihm. Er bekommt Panik und setzt sich schnell in Bewegung um sie zu suchen.


    Kiesling, der wieder der letzte in der Reihe ist, merkt es als erster, dass Paras nicht mehr da ist. „STOPP!!!“, schrie er und die anderen blieben so schnell stehen, dass alle einander stoßen. Kiesling schaut den aufeinanderliegenden Berg seiner Kameraden voller Schock an. „Kannst du uns mal bitte erklären, was das eben sollte ? Sieh dir an was du angerichtet hast“, Zirpurtze, der unter allen anderen lag, zeigt nach oben. „Tut mir leid Freunde aber seht ihr nicht, dass jemand fehlt ???“ Erst jetzt merken die anderen das Verschwinden von Paras. „Oh mein Gott wo ist Paras ??? Paras ? Paras ? ...[...]“, die ganze Zeit versucht Zirpurtze seinen Freund zu rufen, aber ohne Erfolg. Der Berg löste sich auf und Ariados stellt sich vor den anderen. „Hört mir zu. Wir müssen jetzt Ruhe bewahren. Paras ist wahrscheinlich jetzt voller Panik und Angst. Jetzt ist lautes Rufen oder Rumgehampel keine Lösung. Los, gehen wir ihn suchen.“


    Paras geht einen steilen Baumstamm hinab und wäre beinahe wegen Moos ausgerutscht. Er konnte sich gerade noch halten und wieder hinaufziehen. Unten angekommen blieb er einen Augenblick stehen um die Umgebung anzusehen.
    Doch dann sah ihm ein rot glühendes Augenpaar an und kam auf ihn zu.
    Nidorino steht jetzt vor ihm und seine Mund formen sich zu einem fiesen Grinsen.
    „Na du. Hast du dich verlaufen, oder bist du hier um mich zu jagen ?“. Paras bekommt vor lauter Schreck kein Wort heraus. Nidorino richtet sich auf um eine Attacke zu starten doch Paras wich aus und lief so schnell er kann weg.


    Die Gruppe sucht noch immer verzweifelt nach Paras. Sie gelangen zu einer großen Wiese voller Gras und ein paar Blümchen. Der wohl schönste Ort in diesem Wald. Ein paar Augenblicke später, hören sie ein Geräusch. „HHHIIILLLFFFEEE !!!!!!!“, ertönt es auf einmal und Paras kam aus einem Gebüsch hervorgesprungen. Nidorino, der ihm dicht auf den Versen war, rennt immer schneller. Kiesling versucht Paras zu beschützen, stellte sich vor Nidorino und steht stocksteif da. Als Nidorino gegen den kleinen Stein knallt, wird er mit voller Wucht zurück geschleudert. Kiesling lief auf in zu und startet eine Attacke „Kopfstoß!!!“........*Krawumm*.....Man sieht einen Rosa Ball in die Luft fliegen und verschwinden. Die ganze gruppe stürzt sich voller Freude auf Kiesling und lachten. „So, jetzt hast du dein Talent gefunden. Du bist jetzt absofort: Kiesling, der Felsenfeste Retter.“


    The End[/tabmenu]

  • Ergebnisse
    Wettbewerb Nr. 13: Drehbuch
    Information | Vote


    [tabmenu][tab='1. Platz']TCCPhreak


    ... Kugelgeblitzt ...


    Szene 1:


    Ort: Lichtung im Wald; abgedunkeltes Licht (durch Baumkronen gefiltert). Im Zentrum ein hölzerner Schrein. Pikachu rennt auf diesen Schrein zu
    Pikachu: klopft panisch auf den Schrein ein Wach auf! Du musst mir helfen!
    Celebi - bisher nicht sichtbar (gut an Hintergrund angepasst oder per Lichtkonfiguration ausgeblendet) - schwebt zum Schrein
    Celebi: Was ist denn? beruhige dich doch!
    Pikachu: panisch Mein Kugelblitz ist verschwunden und ich weiß nicht, wo er ist.
    Celebi klopft Pikachu auf die Schulter
    Celebi: Weißt Du denn noch, wann du ihn zuletzt gesehen hast?
    Pikachu: Ja. Ich hab gestern noch gegen ein Smettbo gekämpft und da hatte ich ihn noch. Aber als ich dann schlafen ging, war er weg. Ich hab heute morgen schon überall danach gesucht, aber ich finde ihn nicht.
    Celebi: skeptisch und jetzt willst du mit mir zusammen nochmal den Weg abgehen.
    Pikachu: kleinlaut Naja.. Du kannst doch zeitreisen. Ich hatte gehofft, wir könnten einmal im Gestern schauen, wo ich den Kugelblitz verloren habe und wer ihn eventuell mitgenommen hat.
    Celebi: überrascht Du willst wegen eines Kugelblitzes in die Vergangenheit reisen?
    Pikachu: kleinlaut Nur ins Gestern - und das ist ja auch nicht irgendein Kugelblitz. du weißt, wieviel der mir bedeutet. Bittebitte?
    Celebi: resigniert Okay - aber du darfst nichts machen. Du darfst nicht versuchen, ihn aufzuheben und du darfst auch niemanden davon abhalten, den mitzunehmen. du darfst nur gucken, wer ihn genommen hat und du darfst das Pokemon erst darauf ansprechen, wenn wir wieder im Jetzt sind.
    Pikachu: vorlaut damit wir auch ja nichts verändern, sondern nur beobachten, richtig?
    Celebi: Genau.
    Celebi: hält Pikachu den Arm hin dann halt dich mal gut fest!
    Pikachu greift nach Celebis Arm. Es blitzt kurz auf und dann sind Celebi und Pikachu verschwunden.


    Szene 2:


    ähnliches Waldszenario wie zuvor, allerdings ist jegliche Farbe verschwunden, der Hintergrund ist schwarzweiß. In einem weiteren Lichtblitz tauchen Pikachu und Celebi auf, sie sind unverändert in Farbe
    Celebi: atmet tief, wie erschöpft So. Hier sind wir.
    Pikachu: sieht sich um Wo ist denn die ganze Farbe?
    Celebi: Wir sind hier in der Vergangenheit; die ist halt schwarzweiß.
    Pikachu: aber das war doch erst gestern. Gestern waren die Blätter noch grün und die Beeren noch rot.
    Celebi: leicht angespannt Akzeptiere das einfach! Wo hast Du denn gegen das Smettbo gekämpft?
    Pikachu: Das war schon hier. Ich erinnere mich an den Busch dort. So sah der aus, bevor Smettbo abgestürzt und hineingefallen ist.
    Celebi: Na dann sollten wir uns besser mal verstecken, bevor ihr auftaucht.
    Celebi und Pikachu verstecken sich in den Büschen.


    Kaum, dass sie verschwunden sind, kugelt ein Pikachu - farblos - in die Szene
    Pikachu: rappelt sich wieder auf Na Warte, Smettbo!
    Pikachu hechtet mit einem Ruckzuckhieb aus der Szene heraus und kugelt einen Moment später wieder zurück. Dieses Mal folgt ihm ein - ebenfalls farbloses - Smettbo in die Szene
    Pikachu: entrollt sich abermals Das wirst du bereuen!
    Pikachu hebt einen Kugelblitz über seinen Kopf und deutet an, ihn auf Smettbo zu werfen. Es blitzt kurz auf; Smettbo stürzt in den vormalig bezeichneten Busch - ramponiert ihn dabei offensichtlich - und bleibt erschöpft dort liegen
    Pikachu: triumphierend Na also.
    Pikachu rennt in die Richtung, aus der es zuerst gekugelt kam. Kurze Zeit später steigt Smettbo wieder auf und verlässt die Szene auf der anderen Seite.

    Celebi und Pikachu verlassen ihr Versteck und betreten wieder die Szene
    Celebi: spöttelnd Das war jetzt nicht sonderlich würdevoll, oder?
    Pikachu: Ich hab den Kampf gewonnen, oder? Jetzt komm' schnell, wir müssen mir nach, um zu schauen, wo ich den Kugelblitz verliere!
    Celebi: hält Pikachu zurück Ich denke, das ist nicht nötig. Schau mal!
    Celebi zeigt auf den arg lädierten Busch. Darin liegt der Kugelblitz
    Pikachu: Also hab ich den direkt hier verloren. Aber als ich hier gesucht hatte, war der nicht mehr da. Also hat ihn doch jemand weggenommen. Wer würde so etwas-
    Celebi: Psst. Da kommt jemand.
    Die beiden verstecken sich wieder im Gebüch.


    Raupy - natürlich schwarzweiß - betritt die Szene aus der Richtung, in der Smettbo verschwunden ist.
    Raupy: was ist denn das?
    Raupy geht zum Busch und untersucht den Kugelblitz.
    Raupy: Der gehört doch Pikachu. Was macht der denn hier?
    Raupy: denkt nach Ich glaube... ich sollte... Das wird bestimmt eine Überraschung.
    Raupy nimmt den Kugelblitz mit und verlässt die Szene auf der Seite, auf der Pikachu verschwunden ist.


    Celebi und Pikachu verlassen ihr Versteck wieder.
    Celebi: Das war doch dein Freund Raupy, oder?
    Pikachu: Genau. Aber was hat er damit vor?
    Celebi: Das wirst du ihn schon selbst fragen müssen. Auf jeden Fall weißt Du jetzt, wohin dein Kugelblitz verschwunden ist. Können wir jetzt wieder zurück?
    Pikachu: greift nach Celebis Arm Ja.
    Wieder gibt es einen Lichtblitz, in dem Celebi und Pikachu verschwinden.


    Szene 3:


    Umgebung wie Szene 1. Es ist einen Moment lang leer; in einem weiteren Blitz tauchen Celebi und Pikachu wieder auf.
    Celebi: Wir sind wieder zurück. Jetzt kannst du wieder tun und lassen, was du willst - und nicht nur beobachten.
    Celebi verschmilzt wieder mit dem Hintergrund; wird quasi unsichtbar.
    Pikachu: noch etwas benommen Ich muss Raupy unbedingt fragen, wieso er den Kugelblitz mitgenommen hat.
    Pikachu setzt an, die Szene zu verlassen.
    Raupy: betritt die Szene auf der anderen Seite Pikachu! Wo willst Du denn hin?
    Pikachu: überrascht Raupy! Was machst Du denn hier?
    Raupy: Ich hab eine Überraschung für Dich!
    Raupy überreicht Pikachu ein Paket, ziemlich chaotisch in Geschenkpapier eingepackt
    Pikachu: Das ist aber lieb von dir! Dankeschön!
    Pikachu fängt an, die Verpackung aufzureißen. Im Paket befindet sich der Kugelblitz
    Raupy: stolz Den hab ich gefunden! Ich dacht', du würdest den vielleicht haben wollen, wo er doch deinem so ähnlich sieht.
    Pikachu: Das ist meiner!
    Raupy: schelmisch Das weiß ich doch. Ich wollte dich damit überraschen.
    Pikachu: Das hast du geschafft. Ich hab schon gedacht, der wäre weg.
    Raupy: und jetzt hast du ihn wieder.
    Pikachu: Ja! das ist toll! Dankeschön!
    Raupy und Pikachu verlassen die Szene
    [tab='2. Platz']~*Haruka*~


    Pika und Pachi gingen spazieren.
    Pachi: Pika,hast du die Knurps dabei?
    Pika: Aber natürlich, das hätte ich natürlich nicht vergessen können.


    Ein Haspiror ging vorbei.
    Pachi: Ähm Hallo,
    Haspiror: Hallo!Mein Name ist Haspi.
    Pika: Hallo Haspi!
    Pachi: Willst du mit uns die Knurps,die Pikas Mutter gemacht hat?
    Haspi: Okay,dankeschön!
    Pika: Bitteschön.Pachi: Guten Appetit!
    Haspi: Danke,ach ja,wie heißt ihr denn?
    Pika: Ich heiße Pika und das ist meine Freundin Pachi.


    Ein Plinfa läufte auf Pika zu.
    Pika: Hallo Plinfi!
    Pachi:Oh Plinfi.
    Haspi: Ähm kennst du die beiden?
    Plinfi: Ja natürlich, die beide sind in meiner Klasse.
    Haspi: Ah okay, oh muss Nachhause. Tschüss!
    Pika: Schade, naja bis zum nächsten Mal.
    Pachi: Ja tschüss.
    Plinfi: Bye Bye!!
    Pika: Also Plinfi wieso bist du hier?
    Plinfi: Ich wollte dich wieder sehen.
    Pika: Eh wir haben uns doch schon gestern getroffen.
    Pachi: Ja ich erinnere mich.
    Plinfi: Achso ich habs vergessen. Oh Mama hat angerufen muss auch nachahause. Tschüss!!
    Pika: Tschüss Plinfi.
    Pachi: Tschüss.
    Pika: Ich hab grad einen Anruf von Mutter bekommen. Du kannst zu mir nachhause gehen.
    Pachi: Yippie
    [tab='3. Platz']Jirachi-Fan


    Uhrwerk-Panik'


    Inmitten des Nordpols wachte ein Eisbärpokémon auf!
    Siberio: Uaaaaaah! Was für ein schöner Morgen! Naja, nicht so schön, ich bin ja inmitten vom Nordpol! Ich bin total einsam, ich habe keine Freunde!
    Siberio stand auf und ging raus an die Luft.
    Siberio gelangweilt: Der selbe Geruch, der selbe Schnee, und die selben nicht-existierenden Freunde!
    Auf einmal hörte Siberio aber ein Geräusch! Dann kam ein Schneeflocken-Pokémon unter dem Schnee hervor! Siberio ging ein lächeln im Gesicht auf!
    Siberio: Was bist du für ein Pokémon?
    Frigometri: Ich heiße Frigometri, das Schneeflocken-Pokémon!
    Siberio: Aber ich hab gedacht hier gibt es keine weiteren Pokémon.
    Frigometri: Dann hast du dich geirrt! Es gibt sogar eine ganze Stadt, eine Fabrik, die ich leite, mit vielen anderen Eis-Pokémon!
    Siberio: Eine ganze Stadt?! Aber in welche Richtung, und, ähhh?!
    Frigometri: Ach, komm mit, ich zeig es dir!
    Nach 3 Kilometern sind die beiden in der prächtigen Eisstadt angekommen. Siberio staunte. Es gab fast alles: Eine Kirche, Fabriken, Häuser aus Eis!
    Frigometri: Ich führe dich mal ein bisschen herum!
    Siberio: Okay, danke! Bin gespannt!
    Frigometri: Okay, das ist meine Fabrik! Hier werden Nahrungsmittel, Getränke, und alles weitere hergestellt! Ich leite diese Fabrok auch! Es gibt auch weitere Fabriken, die sind für Elektrozeugs und Häuserbau zuständig. Dann gibt es noch eine Kirche, dazu auch ein Uhrwerk. Die Kirche ist zum, naja, ähm, Beten da! Das Uhrwerk sorgt dafür, das die Kirche aufrecht erhalten bleibt, denn ohne die vielen Zahnräder und so würde das es und die Kirche in sich zusammenbrechen! Die restlichen Häuser und Läden erklären sich von selbst!
    Siberio: Wow! Ich wusste nicht das es im Polarkreis eine Stadt gibt! Ich hab immer nur gedacht, das es Pokémon nur in der fernen Zivilisation existieren, aber so!
    Frigometri: Genau! Aber es gibt sogar in allen Eisgebieten und sogar im Wasser Städte!
    Siberio: Nun, ähm, kann ich dann hier übernachten?
    Darauf Frigometri: Natürlich, in dieser Stadt ist jedes Eis-Pokémon herzlich willkommen! Gute Nacht!
    Siberio: Gute Nacht!
    Siberio schlief auch gleich ein, doch zwei Stunden später wurde er von einem Geräusch aus Frigometri`s Fabrik geweckt.
    Siberio flüsternd: Hat denn die Fabrik nicht schon längst für heute geschlossen?
    Leise schlich sich Siberio aus seinem gemieteten Haus raus, um zu sehen, wer in Frigometri`s Fabrik war. Als er die Fabrik betrat, war er entsetzt:
    Das Licht war an, die Fabrik komplett beleuchtet, und es wurden auf Fließbändern Waffen produziert! Zu allem Überfluss sah Siberio geschockt, das Frigometri das alles allein machte, er produzierte die Waffen!
    Siberio ernst: Was tust du da?
    Darauf Frigometri: Na, was wohl? Ich produziere Waffen, um die Stadt zu zerstören!
    Siberio geschockt: Aber warum tust du das? Ich hab gedacht, wir wären Freunde!
    Frigometri: Sind wir ja auch! Schließe dich mir an, zusammen können wir dann mal die Welt beherrschen!
    Siberio: Und ich hab gedacht ich hätte einen netten Freund in dir kennengelernt!
    Siberio holte Luft und zerstörte ein laufendes Fließband.
    Frigometri entsetzt: Was tust du?`Naja, das hättest du dir früher überlegen sollen, du kleines Biest! Frigometri schoss ebenfalls einen Eisstrahl auf Siberio, der ihn auf ein Fließband schleuderte! Doch Siberio stand wieder auf und zerstörte auch dieses Fließband! Dann attackierte er Frigometri mit einem starken Zertrümmerer, der Frigometri gegen einen brodelnden Kessel schleuderte, der darauf zerbrach!
    Frigometri erkannte, das Siberio stark war, setzte Weißnebel ein und flüchtete aus der Fabrik! Doch Siberio konnte noch seinen Schatten erkennen und verfolgte Frigometri. Dieses versuchte aber mit allen Mitteln, Siberio abzuschütteln und stieß sämtliche dastehende Blumentöpfe mit Eisesodem um! Doch Siberio war hartnäckig und schlug einfach die harten Blumentöpfe weg. Dann erzeugte Siberio eine Eisfläche auf dem Boden und „surfte’’ auf dieser noch schneller.
    Frigometri denkend: So leicht bekommst du mich nicht!
    Denn Frigometri lockte Siberio direkt in das große Uhrwerk hinnein! Sofort setzte Frigometri Eisesodem auf sämtliche Zahnräder ein, die Siberio entgegenrollten!
    Siberio laut: Du bist doch krank!
    Darauf Frigometri: Pah! Wir hätten Partner sein können!
    Dann hackte Frigometri mit einem Eisstrahl das Seil, das für eine Glocke zuständig war, ab! Die Glocke stürtzte auf Siberio hinab und hielt ihn schließlich gefangen.
    Frigometri hemmisch: Hahaha! Ich hab doch gesagt, nichts kann mich aufhalten.
    Doch dann bebte die Glockte und sprengte auf!
    Siberio mutig: Wenn ich mal das böse stoppen will, dann gebe ich nicht so leicht auf!
    Siberio schlug auf ein Zahnrad und ließ es auf das komplett hilflose Frigometri zurollen, das auch getroffen wurde! Frigometri lag verwirrt auf dem Boden, als endlich die Polizei eintraf, und Frigometri festnahm.
    Gelatwino (Polizei): Vielen Dank an dich! Wir hatten echt nichts geahnt, vielen Dank!
    Frigometri drohend: Vergiss das nicht: Man sieht sich immer zweimal im Leben!
    Doch dann höhrten die Beamten und Siberio einen Kanll aus dem Uhrwerk.
    Siberio dramatisch: Oh nein, hatte Frigometri denn zu mir nicht gesagt, dass das Uhrwerk in sich zusammenbrechen würde, wenn es beschädigt wird?
    Gelatwino: Schnell raus hier!
    Flott rannte die restlichen Pokémon aus dem Uhrwerk raus und sahen, wie es in einer Staubwolke in sich zusammenbrach!
    Fünf Monate später:
    Siberio hatte sich jetzt für immer ein Haus gemietet, die Stadt und vor allem das Uhrwerk samt der Kirche waren fast wieder wie neu! Und so endete die Story von Siberio und Frigometri![/tabmenu]

  • Ergebnisse
    Wettbewerb Nr. 14: Reizwortgedichte
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    [tabmenu][tab=1. Platz]TCCPhreak


    Acht Evoli


    Es war im Sommer, die Sonne schien warm,
    als einer von ihnen Flamara uns nahm.
    Deine Schwester war lieb, wenn auch sehr hitzig,
    und er war einfach hinterlistig.


    Nachtara liebte Finsternis,
    genoss die Nacht mit allen Sinnen.
    Sie wehrte sich mit manchem Biss,
    doch diesmal konnt' sie nicht gewinnen.


    In einem spätherbstlichen Regen
    hat sich Aquana ins Wasser begeben
    Ein Taucher sah dies und fand sie sehr schön
    und dann hat man sie nie wieder geseh'n


    auch im Herbst, bei einem Gewitter -
    Blitza genoss die Spannung im Licht -
    fing sie ein Camper, das war sehr bitter.
    Ich wünschte, es wäre geschehen nicht


    Als im Winter fiel der erste Schnee,
    spielte Glaziola am gefror'nen See.
    Sie dachte, sie wäre alleine dort.
    Vom Eis gut versteckt fing er sie ohne ein Wort.


    Der Frühling kam, es wurd grün und warm.
    Folipurba streifte durch den Wald.
    Er tat erst sehr lieb, nahm sie in den Arm,
    dann entführte er sie - herzenskalt


    Als Psiana dies sah, zerbrach es ihr Herz,
    sie fühlte immer der anderen Schmerz.
    Ein Trainer kam, sie auch noch zu nehmen,
    Deine Schwester wollte sich gar nicht wehren.


    Drum merke dir, mein gutes Kind
    Pass auf dich auf, gib immer gut Acht!
    Siehst du einen Menschen, so flüchte geschwind!
    Sie haben noch nie etwa gutes gebracht.[tab=2. Platz]Leandy


    Wir waren frei


    Unter unsren Flügeln der Wind
    Trug uns weit, weit fort geschwind


    Aus der alten Mythen Kraft
    ging hervor der Menschen ganze Pracht
    Nur zu wissen, wo die Grenzen liegen
    ist uns nicht geblieben


    Eis zu Wasser, Wachs zu Erden,
    Puls versagt durch Angst vor'm Sterben


    Hoch im Himmel wandte sich das Glück
    Hoch vom Himmel fielen wir zurück
    Asche zu Asche, Staub zu Staub,
    Oh Sonne, welch clev'rer Lebensraub!


    Wir waren frei, frei für Sekunden
    haben unser Schicksal gefunden


    Sonne brach zwischen Wolken hervor
    stieß auf des Todes weites Tor
    Der Götter Segen galt uns nicht
    im Meer verließ uns unser Lebenslicht


    Weiße Federn auf den Wellen
    Verloschen sind des Lebens Quellen


    Begraben liegt das edle Streben,
    frei über die Wolken abzuheben
    Gebrochen sind nun unsre Schwingen
    um von Hochmut abzubringen


    Asche zu Asche, Staub zu Staub,
    Oh Sonne, welch clevrer Lebensraub![tab=3. Platz]Buxi3


    Kurz wie der Tag


    Das letzte Gold des Abendrots,
    entweicht den Tiefen der Nacht.
    Nicht so die kleinen hellen Sterne,
    die glühen, von Funken entfacht.


    Die strahlnde Sonne schwindet,
    Macht Platz dem Eis der Dunkelheit,
    Und des Menschen Lebens,
    ist kurz wie ein Tag voll Heiterkeit.[tab=4. Platz]Rexy


    Kein Titel 2


    Eine Möwe segelt über den Strand,
    Beobachtet die Menschen von oben.
    Dort läuft gerad' ein Paar Hand in Hand,
    Sie werden sich noch heut' Abend verloben.


    Die meisten von ihn' liegen schlafend im Sand
    Und lassen die Sonn' auf sich scheinen.
    Am End' sind sie rot statt braungebrannt,
    Mitleid bekommen sie keinen.


    Im Wasser planscht die junge Brut,
    Laut hört man ihr freud'ges Lachen,
    Manch and'rer sich am Strand ausruht
    Oder gar macht verbotene Sachen.


    Man genehmigt sich ein Eis, kalt wie Schnee,
    Von Stracciatella bis Bourbon-Vanille,
    manch einer - trotz Hitze - sogar 'nen Tee,
    wie Hagebutte und Kamille.


    Die Möwe hat genug gesehen,
    Segelt anmutig aufs Meer.
    Man wird sie am Strand nie wiedersehen,
    Denn dort zwar Menschen aber keine Fische mehr.[tab=5. Platz]Narime


    Sommerfreuden


    Die alte italienische Nonne
    Erfreut sich an jedem einzelnem Sonntag,
    An dem sie erblickt die strahlende Sonne.


    Genauso wie die Gottesfrau es auch mag,
    Wenn die kleinen Schulkinder voller Wonne
    Verspeisen ihr süßes, kaltes Eis mit Schlag
    Und die Menschen endlich Zeit für sich haben.
    Daran könnt‘ sie sich den ganzen Tag laben!


    So etwas gibt es an keinem Regentag![/tabmenu]

  • Ergebnisse
    Wettbewerb Nr. 15: Themadrabble
    Information | Vote


    [tabmenu][tab='1. Platz']Fröschchen


    Freiheit


    Ich rannte weiter - immer auf der Suche nach Freiheit. Hinter mir türmten sich pechschwarze Wolken auf. Der Wind riss an meinen durchnässten Kleidern. Zum gleichmässigen Prasseln des Regens kam das durchdringende Heulen des Sturms. Ich spürte wie der Regen stärker wurde. Er versuchte mich zu stoppen, meine Beine davon abzuhalten der Freiheit entgegen zu jagen.
    Der Abgrund kam schnell näher. Meine Schritte verlangsamten sich und ich kam kurz vor der Klippe zum Stehen. Langsam hob ich den Kopf und sah zum Himmel empor. Ein lauter Donner lies ein Lächeln über mein Gesicht zucken. Ich hatte sie gefunden - Meine Freiheit.
    [tab='2. Platz']Pika!


    Herbstzeitlose
    Wie ein später Kuss, ein Gruß des Frühlings an den geliebten Bruder, so blühst du Herbstzeitlose inmitten sterbender Natur. Trotzend der wachsendem Kälte, widerstrebend dem drohenden Tod, schenkst du, Krokus des Autumnus, deinen Geschwistern leuchtend Hoffnungsfeuer. Herbstzeitlose, allein dein Name ist die unumstößliche Verheißung: Das Leben gibt auch in größter Not den Mut zu gedeihen nie auf! Wenn nur Eisblumen blühen, im frostigen Odem des Winters, bereitest du, kleiner Rubin, in deinem Herzen die Saat deiner Nachkommen – aber stirbst im Frühling für neues Leben, während jene wieder erwachen, denen du als die Herbstzeitlose gebietest, die Hoffnung niemals zu verlieren.
    [tab='3. Platz']Leandy


    Waffenstillstand
    Es steht auf diesem Papier, in Tinte wie in Blut gegossen, doch bald liegt es im Staub, zertreten von den Stiefeln der Soldaten. Keine Worte, kein Schwur vermag es, uns Schutz zu bringen. Ein Waffenstillstand wird gebrochen, wie er geschmiedet wird: Im Krieg. Ein Waffenstillstand soll uns zähmen, uns Ketten anlegen, die wir so oder so brechen werden, es ist ein Pakt auf Zeit, die Illusion von Frieden und Vertrauen. Ein Waffenstillstand ist die einzige Möglichkeit, denn wir haben begriffen, was die Alternative ist. Die Toten bringen den Frieden. Das Verstehen bringt Kalkül. Und Menschlichkeit bringt den unvermeidlichen Untergang.
    [tab='4. Platz']Akatsuki


    Schwarz
    Du weißt nicht was ich denke. Du hast keine Ahnung. Du kennst mich nicht. Ich bin allein. Einsam. Verlassen… Du willst mir helfen, doch Hilfe kommt zu spät. Viel zu spät. Ich hasse dich dafür mich nicht gerettet zu haben; du hast mich ignoriert, als ich dich am meisten brauchte. Nun ist alles vorbei. Was einst warm war, hell und schön, ist schwerfällig, schwarz, widerlich. Alles färbte sich schwarz. So schwarz, wie meine Seele - wie das Nichts. Du hast mir nie ein Wort geschenkt, mich nie erhört... und doch ist es da. Dieses kalte, dunkle Gefühl. Ich liebe dich.
    [tab='5. Platz']TCCPhreak


    Namen


    "Sag' nicht ihren Namen, N!", rief Sabrina.
    "Wieso nicht?", fragte die Angesprochene verwundert, "Was ist so schlimm am Namen 'Bianca'?"
    Bianca verschwand spurlos. Auf einmal war es, als wäre sie nie da gewesen.


    "Was soll das? Was ist passiert?". N war mehr als überrascht.
    "Du stehst unter dem Fluch! Du darfst keine Namen aussprechen!", mahnte Sabrina.
    "Das ist doch Unsinn! Wie soll ich mir den Fluch zugezogen haben? Sag' es mir, Sabrina!"
    Sabrina erstarrte einen Moment, bevor auch sie sich in Luft auflöste. N war allein.


    Sie drehte sich erschrocken um. Schließlich schloss sie die Augen und flüsterte: "Natasha".
    [tab='6. Platz']Rumo


    Schatten
    Schatten an der Wand: Ein Sonnenschirm, ein Tisch, ein Stuhl daneben, eine junge Frau sitzt darauf. Ein Mann erscheint, er hält die Hände hinter dem Rücken, spricht mit ihr, überreicht ihr etwas und beugt sich hinab zu ihr. Sie küsst ihn. Die Schatten verblassen und die Szene beginnt
    erneut...
    „Sag mir: Was sehe ich hier? Sehe ich, was sein wird? Was sein kann? Was sein soll? Was zeigst du mir da? Vorbestimmungen? Ahnungen? Wünsche? Sag es mir!“ Aber Celebi schweigt, während die Szene wieder und wieder neu beginnt.
    Schließlich nehme ich den Ring und trete heraus aus dem Schatten...
    [tab='7. Platz']Hikariヒカリ


    Glück


    Wer kann einem schon sagen, was es ist?
    Woraus es besteht?
    Was es bedeutet?
    Ist es Glück, wenn man Geld gewinnt?
    Oder sind es die einfachden Dinge, die einem
    im Leben dieses schöne Gefühl bereiten?


    Jeder entscheidet für sich selbst, was das
    Wörtchen Glück in seinem Leben für eine
    Rolle spielt,
    welchen Sinn es einem gibt.


    Manche sagen, es kommt sowohl von innen,
    als auch von Außen.
    Wärme und Geborgenheit.
    Freunde und Familie, die für einen da sind.


    Erst wenn man mit sich selbst im Einklang ist,
    wird man erfahren was es wirklich bedeutet,
    im Leben Glück zu fühlen!
    [tab='8. Platz']Raiu


    Träume.
    In jeder noch so dunklen Nacht, schleichen sie sich bei dir ein, suchen dich heim. Sie kommen zu dir, um dich zu erfreuen, um dich zu quälen, um dir die Nacht zu verkürzen. Träume, welche dich ermuntern, inspirieren, dich in eine andere Welt ziehen. Sie sind jedoch nur kurzweilig, denn eine Nacht dauert nicht ewig. Doch Träume können dich auch quälen, dich plagen, mit schrecklichen Bildern, die dich verängstigen. Träume, egal welcher Art, sie kommen immer auf dich zurück, und irgendwann wirst du feststellen, dass dein ganzes Leben doch nur aus ihnen besteht, bis sich langsam aber sicher auflösen.


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  • Ergebnisse
    Wettbewerb Nr. 16: Nur ein Zitat Information | Vote


    [tabmenu][tab=1. Platz]

    Paya


    UNGESCHLAGEN


    Niemals sind wir so verletzlich, als wenn wir lieben.
    ~ Sigmund Freud


    Er war ungeschlagen. Seit der Entwicklung vor knapp fünf Jahren, die er sich hart erkämpft hatte. Niemand konnte ihm gefährlich werden. Kein Fasasnob und kein Kronjuwild, kein Furnifraß und kein Brockoloss. Zu seiner Zeit als Toxiped war er nicht mehr als die vermeintlich ungeschützte Beute für einen Schwarm Navitaub gewesen, als Rollum unantastbar und nun, als Cerapendra, unbezwingbar. Er war König des Waldes geworden, in dem er geboren war, dann König der umliegenden Routen und zuletzt König der entfernten Höhlen und Seen. Er war berüchtigt und gefürchtet für seine Gnadenlosigkeit und seine perfekte Kombination aus stahlharter Abwehr, tödlichen Giftes und blitzartiger Geschwindigkeit. Das war es, was er hatte erreichen wollen. Er hatte den Geflügelten Respekt und Angst eingeflößt, sich vom Beutetier selbst zum Jäger ernannt. Jetzt reichte sein Einfluss weit und von seinen Taten würde auf der ganzen Welt berichtet werden. Es war Zeit nach Hause zu gehen, um dort den Ruhm und den Einfluss seiner Macht zu genießen. Und die Reise mochte zwar weit sein, doch war sie ohne Gefahren. Niemand würde sich ihm in den Weg stellen und wer es doch tat, der prallte an seiner Eisenabwehr ab, wie ein Kindwurm an einer Felswand. Es gefiel ihm, dass den ganzen weiten Weg lang nur eine Gruppe heißblütiger Praktibalk einen solchen Angriff auf ihn wagten. Das zeugte von seiner Berühmtheit und seiner Stärke, von seiner angst einflößenden Aura.
    Der kaum vorhandene Widerstand verkürzte seine Reise um viele Tage und ließ ihn seinen Heimatwald schneller erreichen, als es ihm lieb war. Das dunkle Geäst weckte düstere Erinnerungen an seine Jugend, die ihn wütend machten. Das Kreischen der Navitaub entfachte seine Wut und mit ihr seinen Kampfgeist. Es gab daher keinen genauen Grund, warum er das Kleoparda angriff, das sich unter dem Baum entspannte, unter dessen Wurzeln sein anfangs erbärmlicher und nun doch so glorreicher Lebensweg begonnen hatte. Keinen Grund, warum er sie vertreiben wollte und keinen Grund, warum er sie nicht in seinem Wald leben lassen wollte. Doch es gab einen Grund, warum er seinen perfekt geplanten Angriff plötzlich abrupt stoppte, als sich sein Gesicht und das des Weibchens fast berührten und das Gift aus seiner Schwanzspitze nur einen fast unbedeutenden Zentimeter neben ihrer Pfote auf den vom Regen durchnässten Waldboden tropfte. Er wusste, es war vorbei bevor es begonnen hatte. Seine Muskeln waren gelähmt von einer Hitze, die sein Herz mit jedem Pulsschlag schneller durch seine Adern fließen ließ. Seine Gedanken waren vernebelt von dem verrückten Gedanken, das Kleoparda nicht nur ziehen zu lassen, sondern ihr die ganze Welt zu Füßen zu legen, sollte sie dies wünschen. Er vernahm schwach das angespannte Schweigen des Waldes und deren Bewohner, die den Moment des bevorstehenden Machtwechsels keinesfalls verpassen wollten. Den Moment, in dem der Tyrann stürzen und ihm seine gerechte Strafe zu teil kommen werden würde. Wer war ein Tyrann? Er selbst? War es nicht sein Ziel gewesen, die Schwachen zu stärken und die Starken zu schwächen? Einen Ausgleich zu schaffen? Oder war es immer sein Ziel gewesen, sie zu treffen? Diesem Kleoparda niemals wieder von der Seite zu weichen schien viel erstrebenswerter, als alle Macht der Welt. Und doch wusste er, dass er schon bald nicht nur sie, sondern die ganze Welt verlieren würde, setzte sich doch gerade nur noch zum Angriff an. Geschockt von sich selbst bemerkte er, dass er den Moment herbeisehnte, in dem sie ihn, wie auch immer berührte und so gab er seine Deckung vollends auf. Doch sie putzte sich nur kurz über die Pfote, lächelte ihn aus schelmisch glitzernden Augen an und verschwand mit zwei weiten Sätzen im Dickicht.
    Die Macht der Anziehung ließ nach und doch blieb er seltsam schutzlos zurück. Seine Gedanken kreisten weiterhin um sie und würden es für immer tun. Und mit den Erinnerungen an sie und ihre strahlenden, allwissenden Augen wurde es ihm plötzlich ohne jeden Zweifel bewusst: Er war ungeschlagen. Seit der Entwicklung vor fünf Jahren, die er sich ach so hart erkämpft hatte. Und doch war er besiegt.
    [tab=2. Platz]

    Raiu


    Für immer


    Freunde sind die wenigen Menschen, die dich nach deinem Befinden fragen und dann der Antwort lauschen.
    - unbekannt


    Es war dunkel, ich sah nichts, außer meine Hände die vor meinen Augen waren. Ich wollte nicht gesehen werden und wollte auch niemand anderen sehen. Es fiel mir schwer genug, überhaupt klar denken zu können, denn ich wusste, es war vorbei. Ich konnte nichts mehr ändern, das Leben nahm seinen Lauf und wie so oft fiel dieses sehr schlecht für mich aus. Keiner konnte mir helfen, doch viele versuchten es doch. So auch Marie, eine wirklich gute Freundin von mir, die ich schon länger kannte, als sonst jemanden meiner wenigen Freunde. Genau deshalb lag sie mir am Herzen, weil sie die einzige Freundin war, die mir lange genug treu blieb.
    Den ganzen Tag, die ganze Nacht – ich musste ununterbrochen weinen, denn das was passiert war, hatte mein Leben auf den Kopf gestellt und anschließend zerstört. Nur Marie, sie war die einzige, die mir hätte helfen können, doch ich hatte gedacht, sie würde es nicht tun, weil ich mir doch immer wieder einredete, sie würde mich nicht mögen, wobei ich wusste, dass das nicht stimmt.
    Nach vielen Tagen, in denen ich fast nur weinen musste, die Tränen aus meinen Augen entwichen, ich sie einfach nicht zurück halten konnte. Ich wollte sie auch nicht zurück halten, denn ich fühlte mich zu schwach.
    Doch an einem Tag, ich erinnere mich nicht, wie lange das her war, denn irgendwann verlor ich das Zeitgefühl, kam der wunderbarste Mensch meines Lebens, Marie, bei mir vorbei. Sie merkte sofort, dass es mir nicht gut ginge. In meinem Zimmer war es dunkel, die grauen Vorhänge waren zugezogen, ich wollte kein Licht haben. Und auch sie schien zu verstehen, dass ich die Dunkelheit im Moment mehr wollte, als Licht. Das Mädchen, welches mich am besten kannte kam auf mich zu und setze sich vorsichtig auf die Bettkante von meinem alten Holzbett.
    „Janina.“ Sie sagte meinen Namen, ganz leise, mit einem besorgten Unterton, der alles sagte, was ich wissen wollte. Marie hatte Angst um mich, weil es mir so schlecht ging. Sie wollte nicht, dass ich mich so schlimm fühle, denn sie wollte immer nur das beste für mich.
    „Was ist nur los mit dir? Ich sehe dich seit Tagen nicht mehr. Als ich dich anrufen wollte bist du nicht ran gegangen und deine Mutter hat mir auch nicht sagen wollen, was mit dir los ist. Bitte Janina, sag mir doch was los ist, ich halte es nicht aus dich so leiden zu sehen und nicht zu wissen, was mit dir los ist.“ Marie hatte schon fast Tränen in den Augen, so große Sorgen wie sie sich machte. Langsam kam ich unter der Bettdecke hervor und setzte mich langsam auf. Die Hände hatte ich immer noch vor den Augen, denn ich wollte nicht, dass sie meine Tränen sehen würde.
    Langsam kam sie mir mit ihrer Hand näher und legte diese auf meine Schulter, denn sie wollte mir irgendwie halt geben, mir zeigen, dass ich nicht allein sei.
    „Du kannst es mir sagen, denn du weißt, dass du mir vertrauen kannst.“ Sie sagte es leise, aber mit Entschlossenheit, die ihre Stimme nicht oft an sich hatte, da sie oftmals sehr schüchtern war.
    Ich nahm meine Hände langsam vor meinen Augen weg und legte sie in meinen Schoß, starrte in die Leere des finsteren Zimmers.
    Ich merkte, dass Maries Blick auf mir ruhte, so konnte ich also nicht ewig vor mich hin schweigen, ich musste etwas tun. Aber sollte ich es ihr erzählen und damit ihre Fröhlichkeit zerstören oder sollte ich doch besser schweigen?
    „Janina, bitte. Ich mache mir Sorgen um dich, ich will dir helfen.“ Ihre Stimme war leise und schwach, dennoch war dieser Hauch von Entschlossenheit immer noch enthalten, ich wusste, das sie nicht locker lassen würde, dafür kannte sich mich zu gut und ich sie ebenfalls.
    „Okay.“ Ich sprach leise, meine Stimme tonlos, und doch so weich wie ein sanfter Hauch des Windes in einer milden Sommernacht.
    Langsam fing ich an, ihr die Geschichte, die mich so sehr bedrückte zu erzählen. Das alles fing vor etwa zwei Wochen an. Marie wusste schon länger, dass meine kleine Schwester unter einer sehr schweren Krankheit litt und deswegen schon seit einem halben Jahr im Krankenhaus lag. Nach außen ließ ich es mir nicht anmerken, aber tief im Inneren weinte meine Seele pausenlos um sie, weil die Angst, das Wissen, das ich sie sehr bald verlieren könne, immer noch da ist.Obwohl die Ärzte meinten, dass es ihr bald besser gehen würde, trat genau das Gegenteil ein. Vor wenigen Tagen kam ein Anruf, dass sie gestorben war. Details ließen sie aus, warum wussten meine Mutter und ich nicht. Jedoch nahm es uns beide sehr mit, dass sie gestorben war. Meine Mutter konnte das Ganze halbwegs gut verkraften, aber mir tat es so weh, dass ich am liebsten mit ihr gestorben wäre, denn ich liebte sie, wollte sie niemals verlieren.
    Meine Freundin sah mich entsetzt an, fasste sich aber schnell wieder. Jetzt konnte sie verstehen wie es mir erging. Aber sie ging nicht auf Distanz, im Gegenteil. Sie kam auf mich zu und schloss mich ein in eine Umarmung, die genügen aussagte. Sie wollte mich trösten, mir sagen, dass alles wieder gut werden würde, dass sie für mich da sei, besonders jetzt, in dieser Zeit, wo ich am liebsten mein Leben weg werfen würde.
    Doch ich wusste, Marie war eine meiner wenigen Freunde, für die ich einfach nicht alles was war aufgeben durfte. Ich musste weiter machen, weiter Leben, für sie, für meine Mutter, für die wenigen Menschen, denen ich am Herzen lag. Auch wenn meine Schwester nun nicht mehr bei uns war, ich durfte deswegen nicht alles aufgeben, so schwer es mir auch fiel. Denn sie brauchen mich, besonders sie brauche mich, denn sie gab mir alles, was ich ihr gab, auf jedem Fall wieder zurück. Sie gab mir das Vertrauen, was ich auch ihr schenkte. Sie munterte mich immer wieder auf, genau so wie ich es bei ihr machte, wenn es ihr mal schlecht ging. Wir teilten alle Geheimnisse, denn wir konnten immer blind vertrauen. So konnte ich auch jetzt meinen, dass sie immer für mich da sein wird, denn ich fühlte es genau.
    „Du schaffst das schon, Janina. Ich bin bei dir, für immer.“ Ihre leise Stimme drang in mein Gedächtnis ein, denn diesen Satz würde ich nie wieder vergessen.



    Misana


    Siehst du wie die Vögel singen?


    Man sieht nur mit dem Herzen gut.
    Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

    ~ der Fuchs aus "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry


    Thalia schmiss sich auf ihr Bett und weinte. Sie weinte und weinte, bis keine Tränen mehr kommen wollten. Dann stand sie auf und ging zum Fenster. Graue Wolken schoben sich vor die Nachmittagssonne. ‚Wenigstens kein strahlender Sonnenschein’, dachte Thalia, denn den hätte sie jetzt gar nicht gebrauchen können.
    Plötzlich hörte sie, wie ihre Zimmertür aufging und drehte sich um. In der Tür stand ihre Mutter, eine schlanke, großgewachsene Frau, mit einem Mädchen, das Thalia nicht kannte. Sie war ein paar Zentimeter kleiner als Thalia und hatte dunkle Haare.
    „Wer ist das?“, fragte sie.
    „Das ist Hoa. Wir hatten doch darüber gesprochen, dass wir ein Mädchen adoptieren wollten, eine Schwester für dich“, antwortete ihre Mutter.
    „Aber ich dachte, ich könnte sie vorher vielleicht auch mal kennenlernen“, erwiderte Thalia.
    „Du warst heute Morgen unauffindbar und ich bin mir absolut sicher, dass ihr euch gut verstehen werdet. Geh doch mit ihr in den Wald, da bist du doch so gerne.“
    „Aber – “
    „Kein aber!“
    „Mathis hat gerade mit mir Schluss gemacht. Ich bin nicht in der Stimmung etwas zu unternehmen!“ Thalia wurde immer lauter. Sie war so sauer auf ihre Mutter. Wie konnte sie einfach irgendein wildfremdes Mädchen mitbringen und von ihr erwarten, sie sofort als Schwester zu sehen.
    „Es wird dich ablenken“, sagte ihre Mutter ganz ruhig und wand sich an Hoa. „Geh ruhig rein, sie beist schon nicht“, versuchte sie zu witzeln.
    Schüchtern setzte sich Hoa in Bewegung, doch als sie mit ihrem Blindenstock anfing, den Boden abzutasten, wurde sie immer sicherer. Erst jetzt fiel Thalia auf, dass sie blind war.
    „Ihr werdet euch schon verstehen“, meinte Thalias Mutter noch, bevor sie in Richtung Wohnzimmer verschwand.
    „Niemals sind wir so verletzlich, als wenn wir lieben.“ Hoas Stimme war klar und selbstbewusst, als schien sie nicht das arme, blinde Mädchen sein zu wollen.
    „Wie bitte?“
    „Das ist ein Zitat von Sigmund Freud. Ich finde, es passt ganz gut“, erklärte Hoa.
    Thalia verdrehte die Augen.
    „Du hättest auf dein Herz hören müssen. Dann hättest du gesehen, was er wirklich wollte.“
    ‚Erzähl du mir nichts übers Sehen!’, dachte Thalia. ‚Du kannst es schließlich gar nicht.’
    „Gehen wir jetzt eigentlich noch in den Wald?“, fragte Hoa unschuldig.
    „Bei dem Wetter!? Willst du das wirklich?“
    „Mark Twain sagte mal: ‚Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden.’“
    ‚Woher kommen bloß diese Sprüche?’, fragte sich Thalia. An Hoa gerichtet entgegnete sie: „Das habe ich ja versucht und du siehst, wo ich gelandet bin.“
    „Du hast recht, das sehe ich.“
    Thalia betrachtete noch einmal die Wolkendecke, bevor sie seufzend sagte: „Okay, lass uns in den Wald gehen.“


    Die beiden Mädchen verließen das Haus und gingen in Richtung Wald. Es regnete ganz leicht, trotzdem nahm Thalia ihren Lieblingsweg durch den Wald; einen abgelegenen Pfad, von dem aus man in den Himmel sehen konnte, da die Baumkronen die Sicht nicht versperrten.
    Sie gingen eine ganze Weile schweigend nebeneinander her, bis Stimmen und Gelächter aus dem Wald zu ihnen drangen. Knapp eine Minute später standen Thalias Freunde vor ihnen.
    „Hey Thalia, wie geht’s so?“, fragte Paula, die größte der Gruppe.
    „Na ja, eigentlich nicht so gut…“, setzte Thalia an, wurde aber von Paula schon wieder unterbrochen.
    „Wer ist denn das?“, fragte sie und beäugte Hoa abschätzend.
    „Meine Adoptivschwester.“
    „Aha… Lass dich bloß nicht mit der in der Öffentlichkeit blicken!“ Paula bedeutete den anderen, weiter zu gehen, und sie folgten. Thalia sah ihnen noch einen Moment hinterher, bevor sie sich wieder ihrem Weg zuwendete.
    „Waren das deine Freunde?“, fragte Hoa mit einem leicht zweifelnden Ton in der Stimme.
    „Ja“, antwortete Thalia knapp und ging los. Hoa folgte ihr, denn Thalia hörte sie mit ihrem Blindenstock den Boden abtasten.
    Nach einiger Zeit des Schweigens sagte sie: „Es heißt, dass Freunde die wenigen Menschen sind, die dich nach deinem Befinden fragen und dann der Antwort lauschen.“
    Schon wieder ein solcher Spruch! „Kann schon sein“, antwortete Thalia belanglos. Dennoch schien da etwas Wahres dran zu sein.
    „Du siehst ihre wahren Absichten einfach nicht.“


    Der sanfte Regen hatte längst aufgehört und nach und nach verschwanden auch die Wolken und gaben den blauen Abendhimmel frei.
    Es erschienen bereits die ersten Sterne, als sie die kleine Lichtung mit dem klaren Waldsee erreichten.
    „Ist es nicht schon ziemlich spät?“, fragte Hoa, die den Sternenhimmel ja nicht sehen konnte.
    „Wir sind da, wo ich hin wollte und außerdem gibt es einen viel kürzeren Weg zurück“, beruhigte sie Thalia.
    Sie beobachtete Hoa, wie sie die Augen schloss und den Vögeln zu lauschen schien.
    „Siehst du, wie die Vögel singen?“, fragte sie.
    „Das kann man nicht sehen, sondern nur hören“, erwiderte Thalia.
    „Genau so kannst du nicht sehen, dass dich jemand mag.“ Die Blinde sprach ganz ruhig.
    „Doch man kann es sehr wohl sehen!“
    „Nein!“ Hoa blieb entschlossen bei ihrer Aussage, ohne den Anschein zu erwecken, sauer zu werden. „Sag mir, was du da siehst.“ Sie zeigte auf den See.
    Thalia tat ihr den Gefallen, schließlich war sie blind und konnte es selber nicht sehen. „Dort liegt ein See. In ihm sieht man das Spiegelbild der Sterne –“
    „Warum?“, unterbrach Hoa.
    Thalia sah sie verwirrt an.
    „Jemand hat mal gesagt: ‚Nur in stillen Wassern spiegeln sich die Sterne.’ “
    Inzwischen gingen Thalia diese Sprichwörter wirklich auf die Nerven. Hoa war schließlich auch nicht älter als vierzehn, benahm sich aber wie einundzwanzig. Jetzt ging sie langsam auf den See zu, bis ihr Blindenstock das Wasser berührte. Ringförmige Wellen breiteten sich aus und verteilten sich über den See. „Siehst du die Sterne noch?“
    Nein, Thalia sah die Sterne nicht mehr – jedenfalls nicht mehr so klar – aber sie wusste, dass sie da waren, oder doch nicht. Es war ja nur ihr Spiegelbild.
    „Wie die Wellen versuchen die Menschen immer alles zu verdecken. Du kannst deinen Augen nicht vertrauen. Hör auf dein Herz. Es weiß am besten, was du brauchst und was du willst, auch wenn deine Augen es nicht sehen wollen.“
    Endlich begann Thalia zu verstehen. Sie schloss die Augen. So konnte sie die Sterne nicht mehr sehen, aber sie fühlte ihren Glanz. Sie spürte, dass Hoa ihr nie etwas Böses wollte, dass sie es auch schwer hatte, sich überhaupt in ihre Familie einzufinden. Wie konnte sie das nur all die Zeit übersehen?
    „Ich glaube“, sagte Hoa gerade, „dazu gibt es auch einen Spruch. Aber er will mir einfach nicht einfallen.“
    Thalia hatte es trotzdem verstanden. Sie legte Hoa den Arm um die Schulter und sagte leise: „Willkommen in der Familie!“


    ~Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar. ~
    [tab=4.Platz]

    Silvers - Lugia


    Unmögliche Beziehung


    Niemals sind wir so verletzlich, als wenn wir lieben.
    ~ Sigmund Freud


    Nur ab und zu zuckte der Mann am Fenster zusammen. Bei Blitzen war es auch kein Wunder gewesen. Er legte seine Stirn in nachdenkliche Falten.
    „Wenn ich doch die Zeit zurückdrehen könnte!“ Er hätte dann Vieles anders und vielleicht auch richtig machen können. Der Mann hörte das Rascheln der Zeitung hinter sich, worauf er sich umdrehte.
    Er sah seinen Freund aus Kindertagen im gemütlichen Armsessel sitzen. Man sah die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Freunden an. Die gleiche Körpergröße, die gleiche Statur. Sie beide trugen die abgewetzten Trenchcoats, wobei der des ersten Mannes deutlich abgetragener war. Auch glänzte ihnen von beiden Mänteln derselbe Ausweis mit der besonderen Marke entgegen.
    Im Moment hasste er seinen Beruf. Man wünschte sich, dass all diese Geschehnisse unter Diesem nie passiert wären.
    Der Freund rezitierte die geschriebenen Worte des Redakteurs, der einen Diebstahl von vor drei Monaten in Verbindung mit einem Neuen wieder aufrollte. Die Worte trafen ihn erneut wie ein Pfeil ins Herz, doch blieb er standhaft stehen.
    Zur damaligen Zeit sah er alles wie durch eine rosarote Brille, ihm konnte nichts anhaben.
    „Vergiss sie endlich, Mann!“ unterbrach der Freund das Schweigen.
    „Ich versuche es, doch ich kann nicht…“ Ein peinliches Schweigen betrat den Raum.
    „Nein!“ dachte er sich nur. Nein, er durfte sie nicht lieben. Beide waren zu verschieden gewesen; sie gehörten zwei verschiedenen Seiten an, die sich nie einigen könnten. Sie waren Feinde! Und Feinde musste man jagen. Der Gedanke brachte dem Mann immer wieder fast zur Weißglut. Schwer konnte er sich darum bemühen, sich nie ganz dem totalen Ausbruch hinzugeben. In solchen Momenten war er dann doch wieder froh, einen Freund an seiner Seite zu haben. Jemanden, mit dem über alles man hätte bereden können. Nur bei dem Thema waren sie sich nie richtig einig gewesen.
    „Mann, sie bricht dir das Herz, und du trauerst ihr nach! Sei wenigstens ein Mann und schlag sie dir endlich aus dem Kopf!“
    Sein Gesprächspartner wusste nicht, was er darauf sagen soll.
    Nie. Niemals in seinem noch jungen Leben könnte er das Gesicht jener Frau vergessen, die sein Leben für immer verändern sollte. Selbst in seinen Alpträumen sah er die stechenden, braunen Augen von Dieser, ihren zum schamlosen Gelächter gespitzten Mund und ihre Seidenhaare, die nur einer Verführerin gehören konnten.
    Die Radiomusik tönte wie zum Alltag dazugehörend aus dem Kasten. Beide Personen hörten ihr zu.
    „The Beatles, „Yesterday“, wenn ich mich nicht irre …“ Der Mann und sein Freund lächelten.
    Im Moment war die Musik Balsam für zerrüttete Seelen. Der Mann widmete sich wieder dem Unwetter draußen und starrte in die Dunkelheit der Nacht.
    Glitzernde Regentropfen zeichneten sich auf der Glasscheibe ab; glitzernd durch das Licht des Wohnzimmers.
    Dann durchbrach das hässliche Geräusch der Hausklingel die schöne Ruhe. Der Mann öffnete kurz darauf die Tür. Das Paar brauner Augen aus seinen Träumen und die aus einer Kapuzenjacke hervorstehenden Haare voller Glanz und Geschmeidigkeit blickten ihm in die Augen.
    Sie war durch durchnässt und ihr Mund formte sich förmlich zu einem Flehen.
    „Hey, Lebelle!“ hauchte sie ihm ins Ohr und gab ihn einem Kuss auf die Wange. Es war wie ein lähmendes Gift für ihn.
    „Darf ich reinkommen?“
    Lebelles Freund kam nun an die Tür und wollte wissen, wer so dreist die Ruhe störend klingelte.[/tabmenu]

  • Ergebnisse
    Wettbewerb Nr. 17: Pokémon unter sich Information | Vote


    [tabmenu][tab=1. Platz]Fröschchen


    Die Suche


    Leise prasselte der Regen auf den Asphalt. Auf der weiten Strasse, die mitten durch einen kleinen Wald führte, lag ein völlig durchnässtes Etwas. Es zitterte vor Kälte und sein Magen rumorte heftig. Nochmals versuchte sich das nasse Bündel mit letzer Kraft zu erheben, doch der nasse Boden bot nicht genügend Halt und so klatschte es wieder zurück auf den Boden. Dieses jämmerliche Etwas bin ich: Vulpix. Eigentlich lasse ich mich nicht so gehen und ich neige auch nicht dazu mich mitten auf der Strasse im strömenden Regen hinzulegen um ein Schläfchen zu halten. Doch im Moment war mir das egal. Ich war völlig ausgelaugt. Jedoch liessen mir die Gedanken an Sira meine Trainerin keine Ruhe. Seit drei Tagen suchte ich sie nun schon ununterbrochen. Rastlos streifte ich durch den kleinen Wald, in welchem ich sie zuletzt gesehen hatte. Doch ich konnte nichts finden! Meine sensiblen Ohren konnten nichts hören, meine feine Nase keine Fährte ausmachen und meine scharfen Augen sahen nicht den kleinsten umgeknickten Ast, der auf ihren Verbleib hinwies. Sie war wie vom Erdboden verschluckt.
    Ich hatte auf ganzer Linie versagt. Drei Tage waren vergangen. Drei Tage lang habe ich nach ihr gesucht, den ganzen Wald auf den Kopf gestellt, weder gerastet noch geschlafen und ich wusste noch immer nicht, was mit meiner Trainerin geschehen war. Darf ich mich überhaupt noch als Ihre Freundin und Partnerin bezeichnen? Ich spürte wie die Trauer, die sich in diesen drei erfolglosen Tagen aufgestaut hatte, mich überwältigte. Eine Träne lief über mein nasses Gesicht und fiel mit den Regentropfen auf den schwarzen Asphalt. Wo bist du Sira?
    „Hey Süsse!“, eine dunkle Gestallt hatte sich über mich gebeugt und ein Paar schwarze Augen sahen neugierig zu mir herunter, „Was soll das werden wenn’s fertig ist?“
    „Lass mich…“, schnaubte ich schwach und gab meinen Beinen nochmals den Befehl die Last, die man auch Körper nennt, zu tragen. Doch meine Beine hatten anderes im Sinn. Langsam knickten sie weg und ich sass wieder im Nassen.
    „Komm Süsse, ich will dir doch bloss helfen. Du musst hier nicht die Heldin spielen“, schmunzelte mein Gegenüber, „Ich hab deinen Magen genau gehört und wie ich so schön zu sagen pflege: Mägen lügen nicht.“
    Mein Mit-Pokémon kramte kurz in seiner kleinen, aus Blätter gefertigten Umhängetasche und hielt mir dann eine blaue, verführerisch aussehende Sinelbeere vor die Schnauze. Ich schluckte. Es roch so lecker und mein Magen schrie mir förmlich zu, ich solle mich doch nicht so ziemen, die werde schon nicht vergiftet sein. Ich blinzelte nochmals zu dem grossgewachsenen Pokémon hoch. Er war dunkelbraun, sein Gesicht zierte eine beige, maskenförmige Färbung, die sich von dem nachtschwarzen Himmel stark abhob. mit seinen glänzenden schwarzen Augen musterte er mich neugierig und etwas amüsiert. Er hatte ein grosses hellgrünes Blatt über dem Kopf, das ihn vor dem Regen schütze. Langsam öffnete ich meinen Mund und lies mir die Beere von ihm in den Mund schieben. Er schien zufrieden und lächelte mich fröhlich an. Ich sah etwas beschämt auf den Asphalt. Das ganze war mir schon ziemlich peinlich.
    „Danke.“, schmatzte ich unverständlich mit vollem Mund und versuchte ihn nicht direkt anzusehen.
    „Für hübsche Damen spiele ich gerne den edlen Ritter.“ Meinte mein selbst ernannter Retter verschmitzt und verbeugte sich mit einer übertriebenen Geste vor mir, „Mein Name ist Blanas und in meiner Freizeit helfe ich gerne Damen in Not.“
    Ich sah ihn mit einer Mischung aus Neugier und Verwunderung an. Er war ein komischer Kauz, doch sein unentwegt lächelndes Gesicht verriet mir, dass er das Ganze nicht annähernd so ernst meinte, wie es gerade geklungen hatte. Ich musste grinsen. Typen gab‘s…
    Frech grinste er mich von unten an: „Möchtet Ihr mir nicht euren Namen verraten?“
    „Oh…“, ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, „Wie unhöflich von mir. Mein Name ist Vulpix, vielen Dank für die Beere.“
    „Oh Vulpix“, fragte Blanas erstaunt nach, „Na dann hab ich hier was, dass dich bestimmt vom Hocker reissen wird.“
    Wieder kramte er in seiner Blättertasche und dieses Mal zog er ein pinkfarbenes Halsband hervor.
    „Woher…“, brach es ungläubig aus mir heraus. Dieses Halsband kannte ich nur zugut. Ich trug es immer bei Wettbewerben. Sira hatte es mir damals in Herzhofen gekauft und ich liebte es. Damit haben wir auch unser erstes Band gewonnen.
    „Hab ich gefunden. Guck mal da steht sogar dein Name drauf.“, Blanas schwenkte mir damit vor der Schnauze herum.
    „Wo?“, knurrte ich ihn an, „Wo haste das gefunden?“
    Mein Puls raste auf einmal. Das Adrenalin verteilte sich in meinem noch erschöpfen Körper und gab mir wieder neue Kraft. Das war der erste Hinweis seit drei Tagen. Dieses Pokémon konnte mir vielleicht helfen Sira zu finden. Vielleicht sah ich schon bald meine Trainerin wieder.
    „Also kann ich doch mitkommen?“, Blanas strahlte als hätte man ihm gerade fünf Wochen gratis Futter versprochen.
    „Zeig mir, wo du das gefunden hast.“, meinte ich wiederwillig, „das heisst aber nicht, dass du mich immer begleiten darfst.“
    Trotzig stand ich auf und lief ein paar Schritte in den Wald hinein. Blanas hatte bald aufgeholt und schlenderte mit unglaublich guter Laune neben mir her.


    Bald hatten wir die Stelle erreicht an der Blanas mein Halsband gefunden hatte. Ein kleiner Bach plätscherte im Hintergrund und man hörte die Schwalbini kreischen. Der Regen hatte inzwischen aufgehört und überall glitzerten nun die gefallenen Regentropfen in der Sonne. Mitten auf einer Lichtung, die von riesigen Tannen umringt war, hielt Blanas an.
    „Hier“, hauchte er mir leise zu, „Ich habe das Halsband bei diesem Schrein gefunden.“ Er deutete auf einen kleinen, steinernen Schrein der aussah als ob er gleich zusammen stürzen würde, wenn man ihn nur schief genug ansah. Die Sonne schien auf den Altar vor dem Schrein und ich sah etwas Kleines darauf liegen. Langsam setzte ich mich in Bewegung, um näher an den Altar heran zu gehen. Plötzlich packte mich Blanas und zog mich zurück.
    „Bist du von Sinnen?“, entgeistert starrte er mich an, „Was soll das?“
    Ich war verwirrt. Was war denn mit ihm auf einmal los?
    „Ich wollte doch bloss…“, fing ich verwirrt an mich zu verteidigen, doch ich wurde unterbrochen.
    „Willst du in die Paralleldimension verschwinden?“, vorwurfsvoll blickte er mich mit seinen schwarz glänzenden Augen an.
    Jetzt verstand ich gar nichts mehr. Paralleldimension?
    „Was soll das denn heissen?“
    „Kennst du die Legenden denn nicht? Palkia der Gott der Dimensionen hat hier einen Schrein für sich errichten lassen und noch heute verschwinden Menschen und Pokémon, wenn sie sich dem Schrein nähern. Palkia holt sie als Sklaven in seine Dimension und noch nie ist jemand zurück gekehrt.“
    Blanas beugte sich nah zu mir herunter und flüsterte: „Du tust gut daran, dem Ding fern zu bleiben.“
    Mir sträubte sich das Fell. Eine Paralleldimension? Sklaven? Ein Gott der über den Raum herrscht? Wurde Sira vielleicht entführt?
    Ich schluckte schwer und flüsterte leise, „Zurück kam wirklich niemand…?“
    Meine Sicht verschleierte. Ich konnte es nicht aussprechen. Jede Muskel meines Körpers verkrampfte sich. Mein Atem ging nur noch stossweise. Ich zitterte.
    „Sira…“, langsam rollte die erste Träne über meine Schnauze, fiel in das hohe Gras und verlor sich darin.
    „Süsse, ich weiss es ist…“, Blanas legte mir beruhigend den Arm um die Schultern.
    Aber ich dachte nicht daran mich zu beruhigen. Wie konnte dieser Gott sich erlauben mir meine Familie zu entreissen? Was hatte ich ihm getan, was diese Tat rechtfertigte? Nichts! Ich hab ja noch nicht mal gewusst, dass es ihn gibt. Das war so unfair.
    Meine ganze Wut über diesen Gott und auch über meine eigene Unfähigkeit Sira zu beschützen sammelte sich in meinem Magen. Ich spürte die Hitze in mir aufsteigen, mein Körper brodelte und ich schmeckte den Rauch auf meiner Zunge. Diesem Gott werde ich es heimzahlen. Der soll sich auf etwas gefasst machen.
    Mit Tränen in den Augen sammelte ich meinen ganzen Atem und schleuderte dem steinernen Altar alles entgegen, was ich hatte. Eine riesige Flammensäule schoss aus meinem Mund. Ich spürte die Hitze und das vertraute knistern auf meiner Zunge. Durch den Tränenschleier sah ich, wie der Altar auseinander fiel. Die alten Steine konnten der Hitze nicht standhalten und krachten zu Boden. Einige zerfurchten Steine zerbröselten und der Altar stürzte in sich zusammen.


    Als ich wieder klar sehen konnte und meine Sinne sich wieder etwas beruhigt hatten, spürte ich Blanas Hand auf meinem Rücken, wie sie rhythmisch über mein schon völlig zerzaustes Fell streichelte. Ich blickte ungläubig auf den völlig zerstörten Altar. Das Gras um den Steinhaufen war verbrannt. Eine Rauchsäule stieg dunkel und zäh zum Himmel hinauf.
    Plötzlich vernahmen meine Ohren ein leises Husten. In der Rauchsäule bewegte sich etwas.
    „Da ist jemand!“, Blanas schien seinen Augen kaum zu trauen, „Hat Palkia vielleicht deine Wut und Trauer gespürt?“
    Langsam rappelte sich die Gestalt auf und die Silhouette eines Menschen zeichnete sich durch den Rauch hindurch ab. Man konnte erkennen wie die Silhouette versuchte den Russ von ihren Kleidern zu klopfen. Dann kletterte der Mensch vorsichtig von dem Steinhaufen herunter und trat aus der Rauchsäule heraus.
    „Musst du immer so übertreiben, Vulpix?“, fragte eine vorwurfsvolle Stimme.
    Es war Sira. Sie ist zurück!
    [tab=2. Platz]Emerald-Dude


    Siho


    Siho war ein guter Junge. Das sagte Meister oft. Und Meister hatte immer Recht. Siho war dumm, aber stark. Hatte einen harten Panzer. Viele Stacheln. Wenn Meister ihm befahl anzugreifen, dann griff er auch an. Bis zum Ende. Bis Meister sagte, dass Siho aufhören sollte. Dann hörte Siho auf. Denn Meister hatte immer Recht.
    Sie waren gerade durch einen Wald gegangen. Meister war klein und weich. Siho passte auf Meister auf. Die Blätter hatten viele komische Farben angenommen. Blätter auf den Bäumen. Blätter auf dem Boden. Überall bunte Blätter. ''Was schaust du denn so, Rihorn? Gefallen dir die schönen Blätter? Es wird wohl langsam Herbst.'' Herbst. Meister benutzte immer solche komplizierten Wörter. Siho wusste nicht, was sie bedeuteten, aber das war egal. Denn Siho mochte Meister. Ein Windhauch rauschte durch die Bäume. Viele Blätter mit den komischen Farben verloren den Halt an ihren Ästen und wirbelten durch die letzten einfallenden Strahlen der untergehenden Sonne. Meister mochte die Sonne. Er sagte, dass sie so angenehm warm auf der Haut kribbelte. Siho spürte mit seiner Haut gar nichts. Sie war hart und kalt. Aber solange Meister glücklich war, war auch Siho glücklich. Der Wind nahm zu. Meister schien zu frieren. ''Ich denke, wir sollten hier übernachten. Es ist schon spät und ich muss noch das Zelt aufbauen. Du kannst dich ausruhen, Siho.'' Siho legte sich auf den Boden und beobachtete weiterhin das Spiel der Blätter in der kühlen Brise. Siho war müde. Er hatte heute für Meister viele Gegner besiegt. Langsam fielen ihm die Augen zu.
    Schreie in der Dunkelheit. Meisters Schreie! Siho schreckte auf. Was war los? Was war los? Alles war so verschwommen. Siho blinzelte. Langsam konnte er Dinge wahrnehmen. Da war Meister! Wieso lag er auf dem Boden? Was war mit seiner Hand passiert? Oh! Da war noch etwas, nicht weit von ihm entfernt. Es hatte auch Stacheln, aber andere als Siho. Sein Gestank war ätzend und irgendwie faulig. Und seine Farbe. Wie Meisters Lieblingsfarbe. Wie nannte er sie? Lila. Genau. Das Ding war lila und es stank und es war zu nah an Meister dran. Dieser bemerkte, dass Siho aufgewacht war und brüllte ihm mit panischer Stimme einen Befehl zu:'' Schnell, Siho! Tackle-Attacke auf das Nidoking!!!'' Ah, Tekkle. Siho war sehr gut in Tekkle. Siho fixierte fest das Gesicht des ''Nidoking'' und rannte mit voller Geschwindigkeit los. Er musste es von Meister fernhalten. Er musste es besiegen.Aber dafür musste Siho noch schneller laufen. Immer schneller lief er. Wieso lief Siho eigentlich gerade? Da sah er es wieder. Meister war in Gefahr! Siho war gerade dabei, Nidoking plattzumachen, da kam etwas in den Rand seines begrenzten Sichtfeldes. Nidoking knallte ihm seinen Schweif mit derartiger Wucht in die Seite, dass Siho umkippte. Wieso war alles verkehrt herum? Wieso bewegte Siho sich nicht weiter? Wo war der Boden? Panisch grölend hörte Siho aber noch etwas. ''Siho! Besiege das Nidoki-'' Knack!! Etwas war zerbrochen. Siho hörte noch ein leises Japsen, dann war Meister stumm. Nidoking schien auf irgendwas herumzukauen, dann stampfte es in die Nacht davon.
    Siho wurde panisch. Was war mit Meister? Was war mit Siho? Wieso war die Welt umgekippt?! Verzweifelt zappelte Siho mit seinen kurzen, stämmigen Beinen in der Luft herum. Nichts tat sich.Nach ein Paar Stunden wurde er müde und brach vor Erschöpfung zusammen.
    Als er wieder zu sich kam, taten ihm die Beine weh. Wieso taten sie das? Siho konnte sich nicht erinnern. Verschlafen öffnete Siho die Augen. Hä? Die Welt war verkehrt herum! Plötzlich zuckten doch noch einige wenige Erinnerungen an den Vorabend in Siho auf. Meister! Diesmal konnte Siho mit einer Seite den Boden berühren. er trat lange mit voller Kraft dagegen, dass die Erde nur so unter ihm wegspritzte. Irgendwann kam er auch noch mit seinen restlichen zwei Beinen aus dem Boden auf. Als er schließlich wieder aufrecht stand, sah er sich um. Blätter. Überall lagen bunte Blätter. Da lag noch etwas auf den Blättern. Etwas komisch verdrehtes. Meister! Siho rannte zu ihm. Irgendwas war mit seiner Hand und seinem Hals. Ah! Sie waren in einer anderen Position als sonst! Meisters Augen waren irgendwie leer. Schlief er? Was sollte Siho nur tun? So sanft wie es nur konnte, stupste das Rihorn seinen Trainer an. Keine Reaktion. Noch ein Mal, ein wenig heftiger. Wieso rührte er sich nicht? Er konnte nicht so fest schlafen! Nach mehreren Versuchen gab Siho das Stupsen auf (der Körper seines Meisters war nun noch zerschundener als vorher, falls das überhaupt möglich war). Natürlich! Meister musste sauer auf Siho sein! Deshalb redete er nicht mehr mit ihm! Aber wieso? Was hatte er falsch gemacht? Da fiel es ihm wieder ein und diese Worte würde er auch nicht mehr vergessen, so lange er lebte: Siho! Besiege das Nidoki!! Das musste es sein! Besiege das Nidoki! Das Nidoki. Natürlich! Mit neugewonnener Kraft rannte Siho in den Wald hinein. Das lila Nidoki würde er besiegen, dann wäre Meister wieder froh! Nidoki war gemein zu Meister gewesen, also musste Siho gemein zu Nidoki sein! Durch das Laub führte eine Spur. Dorthin musste Nidoki letzte Nacht davongelaufen sein. Nachdem er der Spur eine Weile lang nachgelaufen war, kam er zu einer Lichtung. Überall verstreut lagen blasse Steine mit zwei runden Löchern und Zähnen. Steine mit Zähnen? Siho wusste nicht, was für komische Steine das waren, aber er hatte auch keine Zeit mehr, weiter darüber nachzudenken. In der Mitte der Lichtung lag gerade das stinkende lila Nidoki und kaute auf einem Stück Fleisch herum. Siho wusste, was zu tun war. Besiege das Nidoki! Du musst das Nidoki besiegen!! Also rannte Siho los. Nidoki war so sehr mit seinem Fressen beschäftigt, dass er den auf ihn zu kommenden, lebend gewordenen Panzer viel zu spät bemerkte. Ein Fuss traft das Nidoki am hart am Kopf, ein weiterer seinen Brustkorb. Nidoki stieß einen markerschütternden Schrei, eine Symphonie aus Schmerz, Wut und Überraschung, aus. Siho konnte aber nicht abbremsen und rannte noch in den nächsten Baum hinein, wo sein Ansturm ein abruptes Ende fand. Der Baum war von Sihos Kopf in der Mitte geteilt worden, und der einzige Grund,weshalb der obere Teil nicht abstürzte, war dass Sihos Kopf jetzt dort feststeckte und als Befestigungsschraube fungierte. Während das Nidoki versuchte sich aufzurichten, ohne seine zerschmetterten Körperteile zu belasten, zog und zerrte Siho am Baum, um seinen Kopf frei zu bekommen. Mit einem dröhnenden Heulen richtete Nidoki sich auf, und begann in Sihos Richtung zu wanken. Letzterer schaffte es endlich, seinen Kopf aus der selbstgemachten Falle zu ziehen, wodurch die obere Hälfte des Baumes das Gleichgewicht verlor und umkippte. Nidoki, jetzt nur noch einen knappen Meter von Siho entfernt, wurde zusammen mit dem Panzertier von der Baumkrone begraben. Siho war verwirrt. War ihm der Himmel auf den Kopf gefallen? Es war schon wieder dunkel. Da vernahm er den fauligen Gestank von Nidoki. Es röchelte leise irgendwo in der Dunkelheit. Bald wurde das Röcheln immer seltener, bis es schließlich ganz aufhörte. Siho war mit sich selbst mehr als zufrieden. Er hatte das Nidoki besiegt! Meister musste jetzt wieder mit ihm reden! Mit einer unvorstellbaren Kraft, wie sie nur von Verrückten und Pokemon aufgebracht werden kann, stemmte Siho sich wieder auf die Beine. Durch diesen Prozess rollte der Baum von seinem Rücken ab, und die verbliebenen Blätter wirbelten durch die Luft. Die Blätter. Was für eine komische Farbe sie doch hatten. Siho folgte ihrem Tanz in der Luft und ihrer Landung auf dem Boden mit seinem Blick. Eines der Blätter beendete seinen Flug auf einem leblosen lila Haufen. Nidoki! Siho hatte es besiegt! Er betrachtete es genauer. Seine Augen waren leer. Sein Hals stand in einem komischen Winkel ab. Es sah verdreht aus. Siho hatte es eindeutig besiegt! Er drehte sich um und stapfte zurück zu Meister. Wie der sich freuen würde!
    Dort angekommen trappelte er vorsichtig zum leblosen Körper hin. Ein Stupsen. Keine Reaktion. Meisters Hals war verdreht. Genau wie der von Nidoki!! War Meister etwa...? Nein! Unmöglich! Siho hatte zwar schon jede Menge ''besiegte'' Pokemon gesehen, aber Menschen? Noch nie. Völlig unmöglich. Er war nur müde. Ganz bestimmt. Sihos Glieder wurden ihm langsam schwer. Er wollte auch schlafen. Siho kauerte sich neben seinem Trainer nieder und schlief ein. Er konnte warten. Er würde warten. Er wartete noch, als die ersten Schneeflocken vom Himmel fielen und langsam das Land einhüllten. Dann war auch Siho besiegt. Er war gestorben, wie er gelebt hatte: Als guter Junge.



    Vivien


    Kleiner, süßer Wirbel


    Geschwind jagte Pikachu auf allen Vieren den Flur entlang, mit den Augen das Gewusel zwischen den Beinen der Menschenmassen absuchend, die sich im neuen Kaufhaus tummelten. Dabei schreckte er bei jedem kleinsten Anzeichen etwas rosafarbenen innerlich auf und untersuchte die Stelle genauer, nur um festzustellen dass es sich um eine Einkaufstüte oder Turnschuhe handelte, nie aber um das gesuchte Pokémon.
    Doch die Elektromaus war niemals jemand gewesen, der schnell aufgab. Er wich überraschten Trainern und mit Kleidung und Accessoires überfüllten, bunten Einkaufstaschen aus und lugte dabei in so viele verschiedene Geschäfte wie möglich. Nur um seine Freundin zu finden, welche irgendwo in dem imposanten Gebäude herumstreunte. Pikachu wollte sich gar nicht ausmalen, was da alles passieren könnte, chaotisch und verspielt wie die Kleine war. An Maikes Stelle würde er sie wohl auch nicht immer im Zaun halten können, also machte er der Trainerin keine Vorwürfe, dass Eneco schon wieder ausgebüxt war.
    Reflexartig zuckten Pikachus Ohren, als ein gedämpfter Schrei und ein Knall über das allgemeine Getöse hinweg an sein Trommelfell gelangten. Auch die umstehenden Bummler reckten neugierig die Köpfe. Schnell flitzte er weiter in die Richtung, aus der die Geräusche gekommen waren. Die feinen Härchen im Nacken aufgestellt und jedes Sinnesorgan auf die quietschenden Schreie fixiert, war der Ursprungsort der Anomalitäten schnell ausfindig gemacht. Pikachu zwängte sich zwischen den Schaulustigen Pokémontrainern durch, die den Eingang des Geschäfts versperrten und betrat den Spielzeugladen mit bösen Vorahnungen. Jetzt, wo er näher dran war, glaubte er sogar, dass ihm die Stimme der oder des schreienden bekannt vorkam.
    Gehetzt lief Pikachu über den rauen Teppichboden des Geschäfts und zwischen den mit Plüschtieren und Puppen in allen Größen vollgestopften Regalen vorbei. Hie und da lagen Miniatur-Spielzeugautos oder kleinere Süßigkeiten achtlos auf dem Boden verstreut und erhöhten seine Besorgnis. Da war irgendetwas faul…
    Überrascht blieb Pikachu stehen, nachdem er im vollen Tempo um die Ecke gerast war. Vor ihm versuchten zwei weibliche Verkäuferinnen in Uniformen, einen quietschenden, pinken Fellball zu fangen, der durch den Laden hüpfte wie ein wildgewordener Flummi und dabei beständig Spielzeug aus den Regalen warf. Eine der Verkäuferinnen kreischte, als der Flummi sie nur um Zentimeter verfehlte, woraufhin der Ball den alarmierenden, hohen Schrei vernehmen ließ.
    „Huuuiii~! Das macht Spaaaaß~!“, trällerte der Plüschball und beim genaueren Hinsehen konnte Pikachu auch erkennen, um wen es sich bei der Kuriosität handelte.
    Der hüpfende Plüschball war niemand anderes als Maikes gesuchtes Eneco, welche sich an einem übergroßen, rosafarbenen Flummi festgekrallt hatte und nun wilden Radau veranstaltete. Das zartrosa Fell des Katzenpokémon glänzte schweißnass im Licht der vielen Lampen, die von der kahlen Ladendecke hinabhingen.
    „Eneco! Komm da bitte runter!“, rief Pikachu besorgt und lenkte somit die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf sich. Würde dies so weitergehen, würde die Situation wohl nicht nur mit einigen Scherben, sondern weitaus schlimmer enden.
    „Aber es macht doch so Spa-‘‘ Der Rest des Satzes wurde durch einen gigantischen Ursaring-plüschi erstickt, in dessen gelben Kreis Eneco achtlos hineingesprungen war und nun unter ihm begraben wurde.
    „Eneco!“, rief Pikachu aus und rannte sofort zu dem großen Haufen braunen Stoffs, unter dem Eneco sich mühsam aufrappelte und beim Anblick der Schnauze des Plüschtiers wieder aufkreischte:
    „Iiii! Hilfe, ein Ursaring, es wird Eneco angreifen!“ Damit befreite sie sich und düste weiter panisch kreischend aus dem Laden, dicht gefolgt von Pikachu, der mehr als entschlossen war, sie nicht wieder aus den Augen zu verlieren.


    Wenige Minuten später war Eneco eingeholt und soweit beruhigt, dass sie nun, auf der Suche nach deren Trainern, munter hinter Pikachu her trottete. Denn Pikachu hatte in seinem heldenhaften Eifer, das vermisste Katzenpokémon wiederzufinden, leider seine zugehörige Trainergruppe verloren, welche sicher ebenfalls nach ihnen suchte.
    „Hey, das riecht gut!“, trällerte Eneco und schnupperte mehrmals. Auch Pikachu war der süßliche Geruch aufgefallen, er schenkte ihm aber nicht weiter Beachtung sondern hielt weiter nach ihren Besitzern Ausschau.
    „Pikachu! Riech doch mal! Eneco will wissen was das ist!“, zwitscherte sie und stupste ihren gelben Partner mehrmals in die Seite. Als dieser jedoch kein Interesse an der süßlichen Verführung zeigte, wurde die Kleine ungeduldig.
    „Eneco geht jetzt nachschauen und Pikachu kommt mit! Mitkommen, mitkommen!“ rief sie, drehte sich auf den Hinterpfoten um und düste in Richtung süßlichem Wunderland. Pikachu blieb nichts anderes übrig, als ihr zu folgen.
    Glücklicherweise war dies, trotz der vielen shoppenden Menschen und Pokémon, kein allzu großes Problem. Pikachu brauchte nur dem leckeren Geruch zu folgen und stieß bald auf einen kleinen Stand, den ein auffälliges Schild als Crêpe Bude entlarvte. Eneco verputzte gerade dem überraschten Crêpe Verkäufer seine Ware unter der Nase weg.
    „Eneco, du kannst doch nicht einfach anderer Leute Essen stehlen! Das gehört sich nicht!“ Pikachu sprang auf die schmale Theke und versuchte seine schlemmende Freundin von ihrem Schlaraffenland zu trennen.
    Die daraus resultierende kleine Rangelei zwischen den beiden, wirkte sich vor allem negativ für den Verkäufer, einen mittelgroßen Mann mittleren Alters und mittlerem Bauchumfang, aus, da die Pokémon unbewusst den kleinen Stand verwüsteten. Zucker verstreute sich auf dem Boden, Teig spritzte auf potenzielle, vorbeikommende Kunden und Marmelade flog in auf den handlungsunfähigen Verkäufer.
    „Hey ihr Knirpse, was sollte das!?“, bellte eine tiefe Stimme, die Katz und Maus zusammenschrecken ließ. Neben dem Stand hatte sich ein großes, schwarzes, hundeähnliches Pokémon mit langen Fangzähnen und Krallen aufgebaut und versetzte den kleineren Pokémon einen tödlichen Blick.
    Vom Kopf des Hundemons triefte der Crêpe Teig, was bei Pikachu wohl ein leichtes Grinsen entfacht hätte, da es ziemlich ulkig ausschaute. Zur gegebenen Situation war ihm allerdings überhaupt nicht nach Lachen zu Mute, und er konnte sich langsam auch denken, was jetzt folgen würde.
    „Ah! Hilfe! Eneco hat Angst! Böses Hundemon will Eneco fressen!“, quietschte Eneco, sprang panisch und mit Puderzucker an den Pfoten von der Theke und sprintete auf und davon, irgendwo in die Menschenmenge. Der Trainer des zornigen Hundemons beobachtete entsetzt, wie sein Partner dem kleinen Katzenpokémon folgte und dabei knurrte wie der Magen eines Relaxo. Und dem besorgten Pikachu blieb mal wieder nichts anderes übrig als den beiden hinterher zu spurten und dabei immer wieder Enecos Namen zu wiederholen.


    Eneco lief weiter um Hilfe schreiend durch das gigantische Kaufhaus, Hundemon dicht auf den Fersen. Trainer und Pokémon wurden achtlos zur Seite geschubst und gerempelt, auch über kleinere Sitzbänke wurde bei der Verfolgungsjagd gesprungen. Eneco entdeckte ihre Rettung im letzten Moment bevor der Unlichthund sie erreichte. Sie schlug einen Hacken, hetzte auf die Rolltreppe zu und sprang die Stufen aufwärts, schien aber nicht sonderlich gut voranzukommen, obwohl sie ihre kurzen Beinchen schneller bewegte denn je.
    „Ich hack dich zu Brei, du frecher Knirps!“, knurrte Hundemon siegessicher hinter dem verängstigten Kätzchen. Aus dem Augenwinkel konnte Eneco ausmachen, wie er am Fuße der Treppe stehend, sein Maul leicht öffnete und kleinere Flämmchen sich darin bildeten, die in rasender Geschwindigkeit an Größe zunahmen und –
    Hundemons Flammen verpufften im nichts als es vor Schmerz aufjaulend gegen das Treppengelände krachte. Kleinere gelbe Funken tanzten über sein Fell und ließen es glitzern, während es sich mit schmerzverzehrter Miene aufrappelte, dem hinter ihm aufgetauchten Pikachu einen respektvollen Blick zuwarf und in der Menge verschwand.


    Die kleinen Funken umkreisten Pikachus Wangen auch noch nach der Donnerblitzattacke eine Weile. Er hatte eigentlich nicht angreifen wollen, aber in Enecos verzwickter Lage hatte er sich ein Herz gefasst und eingegriffen, bevor noch schlimmeres passieren konnte.
    „Pikachu hat böses Hundemon besiegt! Pikachu ist der Größte!“, posaunte Eneco aus Leibeskräften, während sie zu ihrem Retter hüpfte, ihm einen kleinen Kuss auf die Wange spendierte und sich dann an ihn schmiegte.
    „Ach, kein Problem. Aber lauf bloß nicht noch einmal weg.“, meinte er, peinlich berührt und blickte zu seiner kleinen Freundin. Diese rollte sich neben ihm zusammen und murmelte noch etwas in Richtung „Dankanya…“ bevor sie schließlich ruhig einschlief. Auch Pikachu war mittlerweile mehr als erschöpft von dem ganzen Laufen und hatte sich seine Verschnaufpause rechtlich verdient, musste aber immer noch Ash und die Anderen finden.
    „Pikachu! Eneco! Da seid ihr ja!“, ertönte eine ihm wohlbekannte Stimme hinter Pikachu, den sogleich eine Welle der Erleichterung überkam. Dann war der Tag ja doch noch gerettet.
    [tab=4. Platz]Paya


    Die Welt der Wilden


    Panferno war aufgeregt auf das, was sie wohl erwarten würde. Er war froh, endlich aus dieser Pension heraus zu sein, in die sein Trainer ihn zusammen mit seinen anderen Teampartnern vor einigen Wochen verfrachtet hatte. Er hatte wohl nicht gewollt, dass seine geliebten Pokémon die Zeit, die er in der Einall Region verbrachte, in ihren Pokebällen warten mussten. Doch die eigentlich gut gemeinte Geste war vor allem von dem störrischen Snibunna nicht gut aufgenommen worden. Eines Nachts hatte er einfach heimlich verschwinden wollen, doch war von Luxtra, dem Part mit dem wohl größten Gewissen der ganzen Truppe, aufgehalten worden. Luxtra hatte die ganze Truppe, bestehend aus Panferno, dem kampflustigen Knakrack, dem ruhigen Bojelin und dem einzigen Weibchen, einem Folipurba, zusammen getrommelt, um Snibunna zur Vernunft zu bringen. Doch es war anders gelaufen, als das Elektropokémon es geplant hatte. Snibunna hatte die gelangweilten Pokémon überreden können, die Pension heimlich zu verlassen und auf Abenteuerreise zu gehen. Das Unlichtpokémon führte seine Teammitglieder nun schon seid Tagen durch die ganze Region, bis sie vor eine große Felswand standen.
    „Na super, eine Sackgasse!“, grummelte Knakrack genervt.
    Doch Snibunna beachtete ich gar nicht und ging zielsicher auf einen großen Felsen zu.
    „ Schafft den mal jemand zur Seite?“ fragte er und sah Knackrack vielsagend an.
    „Sprich nicht so mit mir, Kleiner!“ fauchte das Drachenpokémon, benutzte jedoch dennoch seine Stärke, um den Weg frei zu machen.
    Hinter dem Felsen eröffnete sich langsam der Eingang einer Höhle.
    „Das wird sicher super spannend!“ lachte Folipurba, aufgeregt wie immer und huschte bereits auf den Eingang zu, als sich Snibunna in ihren Weg stellte.
    „Bevor wir hinein gehen muss ich euch noch etwas sagen.“, er sah in die Augen jedes Einzelnen seiner Teamkameraden. „ Niemand von euch darf auch nur erwähnen, dass wir einen Trainer haben, verstanden?“
    Sie nickten, wenn auch etwas zögerlich.
    „Mir schwant nichts Gutes.“ flüsterte Luxtra an sich selbst gerichtet, als sie die Höhle betraten und von der Dunkelheit verschluckt wurden.
    Während die Sechs einem langen, schmalen Gang folgten begann Knakrack, wie so oft, Panferno zu ärgern.
    „Ich wette du schaffst es nicht, Panferno.“, sagte er grinsend. „Du bist ein Trainerkind.“
    „Ich war mal genauso wild, wie ihr alle!“ knurrte Panferno zurück.
    „Aber, Panferno.“, mischte sich Bojelin ein. „Hast du nicht mal gesagt, du wärest schon in Obhut dieses Professors aus dem Ei geschlüpft?“
    Während Knakrack zu glucksen begann und sich die Wangen des Feuerpokémon so rot färbten, wie die Flammen auf seinem Kopf, weitete sich der Gang.
    Schließlich tat sich vor ihnen ein riesiger Raum voller Pokémon auf.
    Zahllose Illumise und Volbeat schwirrten an der Decke entlang und erzeugten ein schummrige, farbiges Licht. Auf einer Anhöhung, tanzten verschiedenste Pokémon, und bewegten sich lassiv zu der dröhnenden Musik, die wiederum von Pokémon erzeugt wurde. Einige Toxiquak quackten mit aufgeblähten Wangen, während Skorgros mit den großen Scheren klapperten und Yanmegas und ein kräftiges Magnezone mit abgeschwächten Ultraschallen dafür sorgten, dass eine Art Melodie entstand.
    Ein Frosdedje erschien aus dem Nichts auf der Bühne und begann mit dunkler Stimme ein hypnotisches Lied zu singen.
    „Willkommen in der „Welt der Wilden“.“, sagte Snibunna und klang dabei so begeistert, wie schon lange nicht mehr „ Oh Gott, habe ich das vermisst!“
    Mit diesen Worten verschwand er in der Menge.
    „Wir sollten hier schnellstmöglich verschwinden.“, sagte Luxtra besorgt.
    „ Ach, komm schon! Hier ist es absolut spitze und aufregend!“ lachte Folipurba und rannte auf die Bühne zu.
    „Nein, Folipurba, warte!“ brüllte Luxtra ihr hinterher und folgte dem Weibchen mit weiten Schritten.
    Bojelin sah etwas hilflos zwischen Panferno und Knakrack hin und her.
    „ Wenn wir schon mal hier sind…“ sagte er zögerlich.
    Die anderen beiden nickten lächelnd- Aufgeregt stürzten sich die Drei in die Menge.
    „Hey, schaut mal!“, Bojelin zeigte auf eine große Ansammlung an Pokémon, die einen großen Kreis gebildet hatten. „Was ist da los?“
    In der Mitte des Kreises standen zwei äußerst kräftige Kampfpokémon: Ein Machomei, das mit seinen Muskeln spielte und ein Galgladia, das stolz auf die anderen Anwesenden herabblickte.
    „Wer traut sich, uns herauszufordern?“, brüllte das Machomei kampfeslustig. „Wer uns besiegt, erhält diesen Fokusgurt als Preis.“
    Panferno und Knakrack wendeten gleichzeitig die Köpfe dem jeweils anderen zu und grinsten sich an.
    „Mir juckt es schon in den Fingern!“ brüllte Panferno und sprang regelrecht in den Kreis.
    Knakrack folgte ihm und schnaubte, während er das Galgladia mit seinem Blick fixierte.
    Der Kampf entbrannte augenblicklich. Das Machmomei stürmte überraschend schnell auf Panferno zu und holte zu einem mächtigen Megahieb aus. Doch Panferno sprang blitzschnell in die Luft und schlug mit einem Feuerfeger zurück, der seinen Gegner tief in den Boden rammte.
    Das Galgladia erkannte die Gefahr, die von Panferno ausging, der immer wieder mit Tempohieb auf seinen Partner einschlug. Es machte sich bereit, eine Psychokinese einzusetzen, als Knakrack plötzlich aus dem Boden schoß.
    „Ich bin dein Gegner!“ brüllte er und schlug mit einer Drachenklaue zu.
    Es war ein glatter Volltreffer. Das vollkommen überrumpelte Galgladia hatte nicht den Hauch einer Chance, sich zu verteidigen und sackte auf dem Boden zusammen.
    Panferno sprang neben seinen Teampartner und sah, fast enttäuscht, auf ihre besiegten Gegner hinab, während ein tosender Jubel in der Menge ausbrach.
    „Sieht so aus, als könnten wilde Pokémon uns trainierten doch nichts entgegensetzen, was mein Freund?“
    Panferno bemerkte seinen Fehler zu spät. Ein Raunen ging durch die Menge und stieg mehr und mehr zu einem Knurren an. Bojelin reagierte zuerst und schoß mit einem blitzschnellen Wassertempo auf die wilden Pokémon zu, die so gezwungen wurden, den Weg frei zu machen. Knakrack und Panferno nutzten ihre Chance und rannten aus dem Kreis heraus.
    „Wir müssen sofort von hier verschwinden!“, brüllte das Feuerpokémon. „Wo sind die anderen?“
    Gleichzeitig warfen die drei einen Blick auf die Bühne, auf der Folipurba inzwischen zusammen mit Luxtra tanzte und mit wunderschöner Stimme sang. Knakrack brüllte Luxtras und Folipurbas Namen. Alarmiert sahen die beiden auf und erkannten sofort, wie ernst die Situation war. Luxtra setzte einen mächtigen Donner ein. Folipurba unterstützte ihn mit Strauchler. Dann sprangen die beiden von der Bühne und hetzten zu ihren Freunden.
    „Was habt ihr angestellt?“ rief Luxtra gegen den Lärm der wütenden Pokémon an, die sie verfolgten.
    „Wir?!“, fragte Knakrack aufgebracht. „ Panferno ist das Problem. Er ist ein Idiot, der seinen Mund einfach nicht halten kann.“
    „ Du übertreibst maßlos!“ wehrte sich Panferno.
    „ Könnt ihr das vielleicht später ausdiskutieren?“ brüllte Folipurba. „Wir bekommen da vorne nämlich ein Problem!“
    Eine Gruppe Piondragi blockierte den Ausgang und wackelte drohend mit ihren giftigen Ruten.
    In diesem Augenblick zerriss ein äußerst starker Nachthieb die Luft und ließ die Piondragi erstarren. Snibunna sprang aus dem Schatten hervor und winkte die anderen zu sich.
    „Beeilt euch! Wir können es nicht mit allen aufnehmen!“
    Sie stürzten in der Gang und aus der Höhle heraus, doch die riesige Menge wilder, aufgebrachter Pokémon ließ nicht von ihnen ab.
    Folipurba sah sich suchend um und hielt die Nase in den Wind.
    „Folgt mir!“, rief sie. „Ich weiß, was wir tun können!“
    Sie folgte dem Geruch, der ihr in die Nase gestiegen war und machte eine scharfe Biegung nach Links. Die Sechs rannten in einen Wald, bis Folipurba plötzlich abrupt stehen blieb und laut schrie.
    Ein großer Schwarm Staraptor flog, angelockt von dem Lärm, aus ihren Nestern. Sie waren bereit für einen Kampf.
    „Gebt mir Rückendeckung, Jungs!“ brüllte Folipurba und setzte Anziehung ein.
    Augenblicklich landeten die männlichen Staraptor vor ihr auf dem Boden, vollkommen verzaubert von ihrem Charme. Während ihre Teamkameraden die anderen Pokémon in Schach hielten, bat sie die Verliebten um Hilfe. Sie hörten sofort auf sie und griffen mit ihren mächtigen Krallen nach Folipurba und den anderen Fünf und zogen sie in die Lüfte. Die wenigen Flugpokémon, die ihnen folgen konnten, hatten keine Chance gegen Luxtras mächtige Elektroattacken. Nur langsam wurde ihnen allen klar, wie knapp ihnen die Flucht gelungen war.


    Folipurba wartete, bis sie nur noch einige hundert Meter von der Pension entfernt waren, an der der Ausflug der sechs Freunde begonnen hatte, bevor sie sie aus ihrem Bann entließ.
    „Oh man, war das knapp!“ keuchte Panferno.
    „Ja!“, brüllte Knakrack wütend. „ Das hätte ganz schön ins Auge gehen können! Du Idiot!“
    Bevor sie wieder anfangen konnten, sich zu streiten, trat Luxtra zwischen sie.
    „Ich hoffe, ihr hattet jetzt alle genug Spannung!“
    Die anderen nickten, leicht beschämt, nur Snibunna sah desinteressiert zur Seite.
    „Meint ihr nicht, wir sollten langsam zurückgehen?“, fragte er. „ Ich hatte genug Spaß und wäre jetzt ehrlich gesagt, gerne wieder in meinem Bett in dieser stinklangweiligen Pension.“
    Die anderen fünf sahen ihn erstaunt an. Sie hätten niemals erwartet, so etwas gerade von ihm zu hören.
    Währenddessen langweilte sich ein mächtiges Admurai, irgendwo in einer kleinen Pension in Einall. Ihr Trainer hatte sie vor wenigen Tagen verlassen, um zurück zur Region zu reisen und seine anderen Pokémon zu besuchen.
    Die Stimme seines Freundes, eines starken Trikephalo, weckte ihn aus seinen Gedanken.
    „Hey, Admurai.“
    „Was ist denn?“
    „Ich langweile mich. Verschwinden wir von hier?"
    [tab=5. Platz]Buxi3


    Mit samtenen Pfoten auf krummen Pfaden


    „Ihr passt hier schön auf! Besonders auf die Rucksäcke!“ Schon war der Trainer verschwunden. Seine zurückgelassenen Pokémon standen etwas verdattert auf der grünen Wiese, wo die Rucksäcke standen. Kämpfen konnten sie, aber auf etwas aufpassen? Sie waren alle kleine, unerfahrene Pokémon. Es war kein entwickeltes Pokémon dabei, auch keiner, der einen solchen Job schon einmal ausführen musste. Sie sahen sich fragend an, Pikachu, Natu und Fiffyen. Jedoch wusste keiner, was genau sie tun müssten. Sie setzten sich nebeneinander zu den Rucksäcken, schauten sich die farbigen Blumen an, auf denen hin und wieder ein Smettbo landete, um sich einen Schluck Nektar zu ergattern, sie betrachteten den nahen Fluss, welcher ruhig vor sich hin floss, aus dem immer wieder ein Karpador sprang. Nach einer Weile war ihnen schlicht langweilig. Eine Konversation zu beginnen, war schlicht sinnlos, da keiner Lust darauf hatte. Die nahe Strasse störte die eigentlich idyllische Anhöhe, wo drei Pokémon bei ein paar Rucksäcken sassen und auf die Rückkehr ihres Trainers warteten, der sich ins Getümmel der Grossstadt gestürzt hatte.


    Plötzlich, hinter ihnen raschelte ein Busch und ein bildhübsches Felilou stand vor den Dreien. Pikachu, der sich auf den ersten Blick verliebt hatte, stand einfach nur stocksteif da und starrte das Kätzchen an. Natu und Fiffyen hingegen stürmten sofort hin. „Ich habe sie zuerst gesehen!“ Fiffyen schubste den Vogel weg. „He, was soll das denn?“, regte sich Natu auf, „Du bist ja nur eifersüchtig, weil sie eher auf hübsche Vögel als auf hässliche Kleinwölfe wie dich abfährt!“ Fiffyen knurrte Natu an. „Ja, genau! Katzen haben alle hübschen Vögel zum Fressen gern. Mich hingegen können sie nicht essen. Hey Süsse“, Fiffyen wandte sich an das Felilou, „heute Abend schon ‘was vor? Wir könnten…“ Doch sein Satz wurde von einigen Schnabelhieben des anderen Verehrers sofort unterbunden. Pikachu war unterdessen umgekippt und lag geifernd neben den Rucksäcken im Gras, seine Augen vor Bewunderung ganz glänzend.


    „Och, streitet euch doch nicht wegen meiner Wenigkeit. Ich kann doch mit euch beiden etwas machen, nicht?“, schaltete sich das Felilou nun ein. „Klar könntest du das, aber“, der Wolf zeigte auf Natu, „dieser psychopatische Vogel hier ist eher störend.“ Natu, der sich selbst natürlich überhaupt nicht für psychopatisch hielt, plusterte sich auf und sprach: „Ich bin Natu, grosser Psychologe, einfühlsamer Mitstreiter und der ideale Partner fürs Leben jedes Felilous. Dieser heruntergekommene Strassenköter ist nur ein kleiner Macho, der jede Biene aufreisst, die seinen Weg kreuzt. Er wird dich nach drei Tagen fallen lassen. Papageien hingegen führen Beziehungen bis ans Lebensende, werden nie untreu und freuen sich über jeden Nachwuchs.“ In der Ferne zogen langsam Gewitterwolken auf. Ein heftiger Windstoss fuhr über die kleine Anhöhe, wo Natu stand. Fiffyen, der das süsse Kätzchen für sich allein haben wollte, nahm seine majestätischste Haltung ein und hielt seinerseits eine Rede: „Höre nicht auf ihn, meine Süsse, er gibt nur an. Ich bin kein heruntergekommener Strassenköter, ich bin ein prächtiger Wolf und dazu noch ein vortrefflicher Rudelführer, ich würde die Kontrolle über unseren Nachwuchs nicht verlieren und im Übrigen ist dieser Vogel hier voller verdorbener Gedanken. Sobald er mit dir alleine wäre, würde er dich mit seinen gefährlichen Psychokräften hypnotisieren und dich zu seinem Sklaven machen und was weiss ich noch mit dir anstellen. Ich hingegen bin ein ehrbarer und ehrlicher Wolf!“ Felilou hörte sich beide Lobeshymnen auf die eigene Person ihrer beiden Verehrer ungerührt an. Erst jetzt regte sie sich. Ein Klimpern mit ihren langen Wimpern verschlug gerade beiden die Sprache. „Ach, was seid ihr für süsse, kleine Typen. Ihr könnt doch beide… Oh, waren das eure Rucksäcke, die neben diesem gelben Ding lagen? Die sind weg.“


    Tatsächlich. Die Rucksäcke waren verschwunden. „Pikachu! Kannst du denn nicht aufpassen? Das war ganz wichtig für unseren Trainer“, schrie Fiffyen die sich aufsetzende Elektromaus an. „Kannst denn du aufpassen? Nein, auch nicht wirklich! Als diese heisse Katzendame kam, musst du sofort gehen und sie anmachen. Ist das besser? Nein, oder?“, gab Pikachu wütend zurück. „Und du Natu? Auch du kannst deinem sexuellen Trieb nicht wiederstehen und auf die Rucksäcke des Trainers aufpassen. Unfähig seid ihr alle!“ Natu blickte Pikachu empört an. „Wer lag da im Gras, mit Schaum im Mund, weil er bezirzen liess? Du und niemand anders!“ Pikachu, welcher sich mittlerweile aufgerichtet hatte, überlegte und sagte schliesslich: „Eigentlich sitzen wir alle im selben Boot. Wir müssen die Rucksäcke wiederfinden und wenn ich mich recht besinne, haben wir alle nicht mitbekommen, wer sie gestohlen hat. Und das, weil dieses Weib hier aufgetaucht ist!“ Pikachu zeigte auf Felilou, „Darum vermute ich, dass sie mit dem Dieb unter einer Decke steckt.“ - „Was fällt dir ein, mich als Diebin zu beschuldigen? Ich doch nicht!“, schrie die Katze empört auf. „Die Diebe sind extrem raffiniert vorgegangen, mit diesem Ablenkungsmanöver“, argumentierte Pikachu weiter. „Aber wenn du und dieser dämliche Vogel richtig aufgepasst hätten, wäre alles das nicht passiert!“, meinte Fiffyen giftig. „Nein, es ist alles deine Schuld, du hättest“, begann Natu, doch er wurde von Pikachu unterbrochen. „Die Rucksäcke sind weg. Wir müssen den Dieb suchen. Teilen wir uns auf. Ich behalte Felilou bei mir, damit sie nicht abhaut“, befahl Pikachu. „Du willst sie doch nur nahe bei dir haben, du Egoist!“, rief der kleine Wolf trotzig, „Felilou, du… Felilou? Sie ist weg!“ Auch Pikachu und Natu bemerkten nun, dass sich die hinterlistige Katze aus dem Staub gemacht hat. „Mit samtenen Pfoten auf krummen Pfaden“, sagte die Elektromaus kopfschüttelnd, „kommt, wir teilen uns auf beim Suchen.“ Der Wind hat unterdessen noch zugelegt und auch erste Tropfen kündigten das baldige Unwetter an. Die grauen Wolken waren schon weit vorgerückt, die höchsten Gewittertürme hatten die Anhöhe aber noch nicht erreicht.
    Die drei Pokémon gingen in entgegengesetzten Richtungen auseinander, um das Felilou und die anderen Diebe zu finden. Plötzlich erklang vom Fluss her die Stimme der Katzendame: „Jungs kommt her! Ich habe hier etwas, das euch interessieren könnte!“ Sofort eilten Pikachu, Natu und Fiffyen zum Strom hinunter. „Achtung, das könnte auch eine Falle der Diebe sein, wir müssen zuerst Felilou ausschalten“, meinte Pikachu. Als Felilou merkte, dass sie angegriffen wurde, rief sie: „Aber Jungs, jetzt hört doch…“
    Sie wurde von einem Blitz Pikachus getroffen und kippte um. „Ich wollte nur sagen, dass dort eure Rucksäcke liegen, vom starken Wind heruntergeblasen“ presste die Katze noch aus sich heraus, bevor sie entgültig das Bewusstsein verlor.[/tabmenu]

  • Ergebnisse
    Wettbewerb Nr. 18: Propaganda Flyer
    Information | Vote


    [tabmenu][tab=1. Platz]Darkry


    Mit allen Mitteln


    Haben Sie schon mal einen Kampf zwischen zwei Pokémon gesehen?
    Ja?
    Dann haben Sie auch gesehen, wie sie sich gegenseitig Schmerzen zugefügt haben.
    Haben Sie schon mal zwei Pokémon-Trainer gegeneinander antreten sehen?
    Ja?
    Dann haben Sie auch gesehen, wie die Trainer ihre Pokémon aufgefordert haben, sich gegenseitig Gewalt anzutun.
    Haben Sie schon mal einen Pokémonkampf im TV gesehen?
    Ja?
    Dann haben Sie auch gesehen, wie diese Gewalt verherrlicht wird.
    Finden Sie das richtig?


    Haben Sie schon mal einen Pokémon-Markt betreten?
    Ja?
    Dann haben Sie alle diese Pokébälle gesehen.
    Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wie es ist, in einem Pokéball gefangen zu sein?
    Ja?
    Dann sind Sie zu dem Schluss gekommen sein, dass es beengend sein muss, beengend und einsam.
    Haben Sie schon mal gesehen, wie ein Pokémon gefangen wurde?
    Ja?
    Dann haben Sie gesehen, wie das Pokémon darin eingesperrt wurde.
    Finden Sie das richtig?


    Haben Sie schon mal von Musicals gehört?
    Ja?
    Dann haben Sie auch gehört, dass dabei Pokémon auftreten.
    Haben Sie schon mal von Accessoires gehört?
    Ja?
    Dann haben Sie auch gehört, dass diese den Pokémon zur Verzierung angesteckt werden, ob sie das wollen oder nicht.
    Haben Sie schon mal ein Musical gesehen?
    Ja?
    Dann haben Sie auch die Scheinwerfer gesehen, die auf die extrem empfindlichen Augen der Pokémon gerichtet sind, gesehen.
    Finden Sie das richtig?


    Finden Sie es richtig, dass Aufforderungen zur Gewalt an Pokémon im TV verherrlicht werden?
    Finden Sie es richtig, dass Pokémon in engen Gefängnissen gehalten werden?
    Finden Sie es richtig, dass diese Geschöpfe zur Unterhaltung in Kostüme gequetscht werden und extremen, unnatürlichen Bedingungen ausgesetzt werden?
    Nein?
    Dann teilen Sie unsere Auffassung. Wir vom Team Plasma sind der Meinung, dass die gesamte moderne Gesellschaft die Pokémon nur als Mittel zum Zweck betrachtet und auch so behandelt. Aber Pokémon sind Lebewesen wie Sie und wir und haben daher ein Recht, auch so behandelt zu werden.
    Unserer Erfahrung nach wären Pokémon ohne ihre sogenannten Trainer besser dran. Daher setzen wir uns für eine Trennung der Welt in Pokémon und Menschen ein. Mit allen Mitteln.
    Werden Sie daher Mitglied des Team Plasma und unterstützen Sie uns. Mit allen Mitteln.
    Nach dem Ausfüllen des beiliegenden Mitgliedschaftsantrags werden Sie zu einem Gespräch eingeladen und erhalten zwei Pokémon. Sobald unsere Ziele im Rest der Welt durchgesetzt wurden, werden Ihre Pokémon natürlich wieder freigelassen. Desweiteren erhalten Sie bei einem bis zum Monatsende eingegangenen Antrag die offiziell lizenzierte Team-Plasma-Schirmmütze! Worauf warten sie also noch?


    [tab=2. Platz]Paya


    Namenlos 2


    An alle rechtschaffenen Leute dieser Welt.


    Jeder von uns liebt seine Pokémon. Sie sind uns Weggefährten, Partner und Freunde. Seid jeher sind sie für uns da, egal in welcher Lebenslage und unterstützen uns auf vielfältige Weise. Die Pokémon respektieren uns und opfern sich nur zu oft für uns auf.


    Doch was tun wir für das Wohl unserer geliebten Freunde?


    Anstatt ihnen mit dem Respekt zu entgegnen, den sie verdienen, nutzen viele Menschen ihre Freundlichkeit schamlos aus. Die Pokémon müssen Arbeiten übernehmen, die zu stemmen wir eigentlich selbst in der Lage wären. So werden vor allem die kräftigen Exemplare unserer Freunde zu Möbelpackern und Bauarbeitern degradiert, ohne sie nach ihrer Meinung zu fragen oder ihnen einen angemessenen Lohn für ihre Arbeit zu bieten. Pokémon werden wie Spielzeuge behandelt und in Musicals zur Schau gestellt, in denen sie auch noch lächerliche Kleidung tragen müssen, die ihrer Natur absolut nicht entspricht. Auch hierfür bekommen sie keine angemessene Entlohnung. Stattdessen wird ihr „Besitzer“ für die Leistung „seines“ Pokémon gelobt.
    Noch schlimmer geht es nur den zahlreichen armen Kreaturen, die von sogenannten Trainern zu grausamen Kämpfen gezwungen werden. Das Pokémon eigentlich friedfertige Wesen sind, die Konflikte meiden, wird dabei keine Beachtung geschenkt. Auch die Verletzungen, die sie sich bei diesen sinnlosen Kämpfen zuziehen, schrecken die Trainer nicht ab. Immer wieder müssen die Pokémon in den Ring steigen und werden oftmals bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit getrieben. Zudem müssen sie in winzigen Gefängnissen, genannt Pokébälle, leben. Es ist den Launen ihres Trainers überlassen, wann sie hinaus ins Freie dürfen. Und dies geschieht alles wegen des egoistischen Wunsches, durch die Pokémon zu Ruhm zu gelangen. Denn diesen bekommt ein erfolgreicher Trainer in unserer traurigen Welt leider zuhauf.


    Wir haben unseren Respekt für die Pokémon verloren. Sie sind für uns selbstverständlich geworden und wir verlieren aus den Augen, wie viel Leid sie auf sich nehmen, nur um uns glücklich zu machen.


    Es wird Zeit, dass wir endlich etwas ändern! Niemand von uns will wie ein Sklave für Arbeiten ausgenutzt oder für alle Schaulustigen sichtbar ausgestellt werden. Und ganz sicher wünscht sich kein Mensch, sein Leben in einem Raum mit der Größe einer Abstellkammer zu verbringen, nur um immer wieder grausame Kämpfe gegen andere Menschen bestreiten zu müssen.
    Die Pokémon dürfen nicht länger unsere Sklaven sein! Wir dürfen sie nicht länger ausnutzen!
    Jeder von uns liebt seine Pokémon. Das sollten wir ihnen endlich zeigen.


    Unsere Organisation, das Team Plasma, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Pokémon von ihrem Joch zu befreien. Helfen auch Sie uns, dieses Ziel zu erreichen. Helfen Sie ihren Pokémon, ein besseres, freies und selbstbestimmtes Leben führen zu können.
    Entlassen Sie Ihre Freunde in die Freiheit und zeigen Sie ihnen damit, dass sie sie wahrhaftig lieben und sich nur das Beste für sie wünschen.
    Wenn auch Sie für das Wohl aller Pokémon kämpfen wollen, so können sie jederzeit unserer Organisation beitreten. Zusammen können wir etwas ändern! Zusammen können wir die Welt verbessern! Und zusammen können wir auch den letzten Zweifler überzeugen, endlich wieder menschlich zu handeln!
    Treffen Sie die richtige Entscheidung. Für das Wohl Ihrer geliebten Pokémon.
    _________


    TCCPhreak


    Namenlos 1


    Du hast Deine Pokemon wirklich lieb?
    Dann streiche das "Deine"!


    Die meisten von uns leben mit der "Normalität", Pokemon zu fangen, mit ihnen durch die Welt zu ziehen und mit ihnen zu kämpfen als wenn sie nur Dinge wären - Wertgegenstände.


    Aber das sind sie nicht. Pokemon sind lebende, denkende und vor allem fühlende Wesen. Es ist verkehrt, sie an sich zu binden!


    Wann immer Du ein Pokemon fängst, nimmst Du es irgendwo weg.
    Es hatte eine Heimat. Es hatte Freunde. Es hatte eine Familie. Dann kommt ein Trainer und zerbricht dies alles. Danach hat die Familie ein Mitglied weniger und der alte Freundeskreis ein großes Loch.


    Stelle Dir einmal vor, von einen Moment auf den anderen würdest Deiner Familie entrissen und würdest sie nie wiedersehen. Wir würde es Dir gefallen, als Sklave mit jemand Fremden ziehen zu müssen? Nur dorthin zu gehen, wo immer er hin will? Auf seinen Befehl hin zu kämpfen?


    Selbst wenn Pokemon aus Eiern schlüpfen, werden sie in eine Sklaverei hineingeboren, die schlichtweg falsch ist. Pokemon verdienen die Freiheit, wie sie auch jedem Menschen zusteht! Solange Pokemon mit Menschen zusammen sind, werden sie gequält.


    Rufe Dir ein paar Pokemonkämpfe in Erinnerung und zähle ab, wieviele Schmerzen jedes der Pokemon darin ertragen musste - ohne jeglichen Grund! Stelle Dir vor, Du selbst oder Dein Bruder oder Deine Schwester oder Deine besten Freunde müssten dies durchmachen! Fändest Du die Kämpfe immer noch in Ordnung?


    Es gibt nur eine Lösung! So schmerzhaft es auch sein mag: Alle Trainer müssen ihre Pokemon freigeben - auch und gerade wenn sie sie wirklich lieb haben. Nur ein freihes und natürliches Pokemon kann wahrhaft glücklich werden!


    Selbst wenn andere das noch nicht akzeptiert haben: Sei Du ein gutes Vorbild! Lass Deine Pokemon frei und zeige auch anderen, dass dies der einzig richtige Weg ist! Je mehr Trainer ihre Liebe zu Pokemon damit beweisen, desto früher werden auch die letzten Zweifler einsehen, dass sie ihren Pokemon nicht länger so ein Unrecht antun dürfen.


    Zeige "Deinen" Pokemon, was Du für sie empfindest und lass sie freie Pokemon sein!


    VisdP: Team Plasma
    [tab=4. Platz]DrumpetDrumliner


    Befreie die Pokémon mit uns!


    Seit die Menschheit gelernt hat, die Pokemon mit Pokebällen zu fangen, leben sie in der Knechtschaft der Menschheit.
    Sie werden gezwungen, sich in Arenakämpfen zu quälen, in denen sie gegeneinander antreten oder sich in lächerlichen Wettbewerben zur Show stellen müssen.
    Nach all diesen Sperenzien werden sie wieder in enge, kleine Pokebälle gesperrt und sollen so auf ihren nächsten Einsatz warten.
    Die so genannten „Trainer“ oder „Koordinatoren“ kommandieren die Pokemon herum, ohne sie zu fragen, ob sie diese Mätzchen auch machen möchten.
    Die Pokemon sind Sklaven und haben jeden Befehl entgegen zu nehmen, egal wie lächerlich dieser auch sein mag.


    Pokemon haben ein Recht auf Freiheit, sie gehören nicht eingesperrt in viel zu enge Pokebälle oder als putziges Haustier in die Wohnung.
    Pokemon gehören in die Natur, denn dort ist ihr Lebensraum.
    Ein Seeper zum Beispiel hat ein ganzes Meer, in dem es sich frei bewegen kann.
    Muss es bei einem Trainer leben, wird es aus seiner natürlichen Umgebung gerissen.
    Fernab von Freunden und Familie muss es fortan ein Leben als Gefangener führen und hat auch keine Artgenossen mehr bei sich.
    Je nachdem, wie sein Herr es will, muss es aus seinem „Gefängnis“ kommen und sofort einen Befehl ausführen ganz gleich, ob es will oder nicht.




    Wenn auch du diesem Leid ein Ende setzen möchtest, schließe dich uns an.
    Wir sind eine Organisation, der es um das Wohl der Pokemon geht.
    Wir fordern:


    - Abschaffung der Pokebälle
    - Verbot von Arenakämpfen und Pokemonkämpfen jeglicher Art
    - keine Wettbewerbe mehr mit Pokemon
    - das Fangen von Pokemon oder deren Haltung wird strafrechtlich verfolgt
    - Pokemon dürfen frei entscheiden, ob sie einem Menschen helfen wollen oder nicht
    - Pokemon gehören in die Natur


    Schließ dich uns an, die Pokemon aus ihrer Knechtschaft zu befreien!
    Hilf uns, den Qualen der unterworfenen Pokemon endlich ein Ende zu setzen!



    Für nähere Informationen wende dich an: Spenden an:
    Team Plasma Spendenkonto Plasma
    Hinter-Gasse 18 BLZ 454545248542000
    853641 Stratos City Kontonummer: 15863535
    05482/552825
    www.tp.poke
    info@tp.poke
    _________


    Emerald Dude

    Team Plasma-Verlautbarung


    Bürger Einalls, unsere geliebte Heimat ist in Gefahr! Wie erschreckende neue Studien belegen, haben die gewalttätigen Übergriffe von Pokemon auf Menschen im letzten Jahrzehnt exponentiell zugenommen. Erst letzten Monat wurde die kleine Cindy P. (acht Jahre alt) beim Spielen auf der Wiese von einem marodierenden Bissbark angefallen und schwer verletzt. Glücklicherweise waren zwei heroische Team Plasma-Mitarbeiter in der Nähe, die durch ihr selbstloses Eingreifen das noch so junge Leben des Mädchens retten konnten. Zwar ist Cindy mittlerweile auf dem Weg der Besserung, doch eine beängstigende Tatsache schwebt nun wie eine Gewitterwolke über uns: Wer wird der Nächste sein? Vielleicht Ihre Nachbarn? Oder gar Ihre eigenen Kinder? Können wir so etwas zulassen? Gewiss nicht! Doch was soll man dagegen tun, fragen Sie sich jetzt wahrscheinlich. Sollen einfach alle Pokemon ausgerottet werden? Solch ein gewalttätiges Verhalten ist niemals die Lösung! So wurde in einer an den Angriff auf Cindy anschließenden Untersuchung festgestellt, dass das Bissbark oft von den Jugendlichen aus Cindys Heimatdorf gereizt und in "ein paar Kämpfchen" misshandelt wurde. Es ist also auch nur ein Opfer! Doch wer ist denn nun Schuld an diesem Schlamassel?! Die Antwort ist einfach: Das Zusammenleben von Menschen und Pokemon! Wenn wir die Pokemon in Frieden lassen, dann werden auch die Pokemon, von Natur aus freie und friedliche Wesen keine Menschen mehr verletzen. Deshalb fordern wir Sie zur Mithilfe auf: Lassen Sie Ihre Pokemon auf der Stelle frei und erlösen Sie sie dadurch aus der Knechtschaft! Klären Sie Ihre Bekannten über das Leid auf, dass sie ihren Pokemon durch das Einsperren in winzigen Pokebällen zufügen. Unterstützen Sie auch unsere Unterschriftensammlung zum gesetzlichen Verbot des Pokemonbesitzes. Denken Sie immer daran, Ihr Kind könnte das nächste Opfer in diesem schändlichen Teufelskreis der Gewalt werden! Und Sie können es verhindern! Geben Sie nicht auf!
    (Für weitere Informationen, wie Sie uns unterstützen können, wenden Sie sich bitte an Ihre örtliche Team-Plasma-Zentrale beziehungsweise besuchen Sie uns auf unserer Website unter www.teamplasmarulez.de. Alternativ können Sie uns auch auf Twitter, Facebook oder Myspace anklicken, um mehr über unsere geplanten Veranstaltungen zu erfahren)


    [tab=6. Platz]Shinxy


    Felilou schwer misshandelt aufgefunden!


    „In Stratos-City wurde in einem Strassengraben ein schwerverletztes Felilou gefunden. Nach Angaben der Polizei wurde es von seinem Besitzer aufs Übelste misshandelt. Es ist noch unklar, ob Felilou überleben wird. Laut Schwester Joy, die das Felilou behandelt, stehen die Chancen bei etwa 50%.
    „Felilou hat mehrere Knochenbrüche erlitten und einige Stellen seines Fells sind verbrannt. Wer immer diese Tat begangen hat, gehört eingesperrt“, so Schwester Joy.
    Und selbst wenn Felilou von seinen Verletzungen genesen wird, so wird es doch für immer Narben davontragen. Seelische Narben. Es wird nie mehr einem Menschen vertrauen können, nur weil ein einziger Mensch sein ganzes Leben zerstört hat“ (Artikel aus Einall News, 20.10.11)


    Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!
    Dieser Artikel, den sie gerade gelesen haben, stellt nur die Spitze des Eisberges dar! Misshandlung von Pokémon ist keine Seltenheit und geschieht viel zu oft. Wir Menschen schaden den Pokémon nur. Wir schicken sie in Kämpfe, verunstalten sie auf Schönheitswettbewerben und drillen sie zu Höchstleistungen. So kann und wird das nicht weitergehen!
    Wir von Team Plasma haben das Ziel, die Pokémon von den Menschen zu trennen und ihnen so ein glückliches und schmerzfreies Leben zu ermöglichen. Ein Leben, wo sie nicht in ständiger Angst leben müssen, von uns eingefangen und anschliessend in einem Pokéball eingesperrt zu werden.
    Ein Leben voller Freude und Harmonie, in der freien Wildbahn, ohne störenden Menschen.


    Jeder, auch Sie, kann etwas dafür tun, damit unser Wunsch schon bald Wirklichkeit wird.
    Machen Sie einen Schritt, fassen Sie sich ein Herz, und lassen Sie all ihre Pokémon frei! Sie werden es Ihnen danken. Erzählen Sie Ihren Freunden von uns und ermutigen Sie sie ebenfalls, ihre Pokémon freizulassen.
    Um uns noch besser unterstützen zu können, würden wir uns glücklich schätzen, Sie im Kampf gegen das Leid und den Schmerz der Pokémon bei Team Plasma begrüssen zu dürfen! Treffen Sie sich mit Gleichgesinnten, finden Sie neue Freunde! Bei Team Plasma wird Kollegialität grossgeschrieben und neben der Verbreitung unseres Wunsches, finden auch Ausflüge zu den beliebtesten Attraktionen Einalls statt, wie zum Beispiel dem Wüstenresort oder der Bucht von Ondula.


    Also, worauf warten Sie noch? Treten Sie noch heute der Organisation von Team Plasma bei!
    Wir freuen uns auf Sie!
    Für weitere Auskünfte kontaktieren Sie uns bitte in unserem Hauptquartier in Stratos-City.
    [tab=7. Platz]Raiu


    Eine neue Ära


    Frohlocket, Brüder und Schwestern, denn eine neue Zeit bricht an. Eine Zeit des Friedens und des Verständnisses, eine Zeit von Toleranz und Rücksichtnahme, eine Zeit, in der wir uns alle die Hände reichen werden – Menschen und Pokémon. Fügt euch eurem Schicksal und wagt schon in dieser Stunde, in dieser Minute, in diesem Augenblick, den ersten Schritt in eine neue Welt – in eine bessere Welt, in der wir, wir alle, endlich vollkommen sein werden. Verschließt nicht mehr die Augen oder lasst euch von falscher Heuchlerei blenden. Folgt dem richtigen Weg - dem Weg Team Plasmas.


    Die Stunde rückt greifbar näher, endlich die Erlösung der Pokémon herbeizurufen. Wir, die diese gottesgleichen Geschöpfen schon über Generationen in Knechtschaft legen, ihnen unseren Willen gewaltsam aufzwingen, sie sämtlichen Freiheiten berauben, sie auf erniedrigende Art und Weise unterjochen, müssen die Fesseln der Unterdrückung ablegen. Ihnen Respekt zu zollen, sie endlich als vollwertigen Teil des Lebens in all seinen farbenprächtigen Facetten anerkennen, ist der erste Schritt. Darum hört, Brüder und Schwestern: Lasst nicht mehr den falschen Stolz euer Handeln treiben, wendet euch ab von dem irreführenden Ruhm, greift nicht mehr nach unerreichbaren Träumen, für die andere leiden müssen. Betrachtet Pokémon nicht als euer Eigen, seht sie nicht als selbstverständlich an. Auch sie haben Gefühle, auch sie haben Rechte, auch sie spüren den Schmerz, die euer Handeln mit sich bringt. Lasst nicht sie für eure Unvollkommenheit leiden, sondern zollt ihnen den Respekt, welchen ihnen gebührt. Legt ihnen nicht mehr die Ketten der Unterdrückung an und raubt sie aus dem Schoß ihrer Heimat, ihren Freunden, ihren Familien.
    Geht stattdessen mit uns, Team Plasma, in die Annalen der Geschichte ein. Wer die Pokémon wirklich liebt, sie achtet und ehrt, der entlässt sie wieder der Obhut von Mutter Natur. Sprengt das Bande, mit dem ihr in dem vermeintlichen Glauben seid, ihnen näher zu sein. Schenkt ihnen die Freiheit wieder, nach denen es uns alle, Mensch oder Pokémon, dürstet. Frei sein, nicht mehr Sklave unseres eigenen Willens sein, sondern frei. Unser Geist ist schwach, der Glaube aber ist stark. Zeigt der Welt diesen Glauben, zeigt ihr eure Stärke, eure Tugend, eure Weisheit.


    Wir sind das Licht, das euch den Weg weist, wenn alle anderen Lichter bereits erloschen sind; wir sind die Stimme, die sich erhebt, wenn alle anderen Stimmen verzagen; wir sind der Mut in euren Herzen, wenn Angst und Finsternis euch in Schatten einhüllen; wir sind der letzte Glockenschlag, der eine neue Ära einleitet - wir sind Team Plasma.



    [tab=8. Platz]~Shira ~


    Namenlos 3


    Liebe/r Lesende/r, wir möchten dich für unsere Organisation
    zur Hilfe der Pokemon anwerben. Denn Pokemon sind uns wichtig, sie sollten auch
    ein Recht auf Freiheit haben wie wir und deshalb wollen wir uns für sie
    einsetzen. Hab auch du ein Herz für diese armen Geschöpfe, tritt uns, Team Plasma,
    bei. Verändere die Welt, zeig, was in dir steckt. Denn du kannst die Welt
    verändern. Komm bei uns vorbei und wir helfen dir zu helfen. Vergiss bloß
    nicht, wir warten auf dich. Zeige es bei uns, Team Plasma, die Pokemon-Retter-Organisation.[/tabmenu]