Kvatch mit daedrischer Erdbeersoße


  • Oh wow, ein Saisonfinale


    Ähm. Ja. Ich könnte an dieser Stelle jetzt irgendwas schwafeln über eine tolle Saison oder so. Aber ich war von meinen meinen eigenen Abgaben oft genug selbst nicht allzu überzeugt. Im Finale fand ich die aber ganz okay. Die Legende von Distortia war in der Bücher-Runde ja eigentlich ganz unterhaltsam ... fand niemand. Doch die Erde starb noch nicht war ein aufgrund der "Abgabe erklären!!1!!!"-Regelung absolut unterschätzter Text zu Undynes Genocide-Battletheme Battle Against A True Hero, der in der Freiheit-Runde dann doch noch irgendwie einen wenig befriedigenden dritten Platz gemacht hat. Und Altes Wissen war eine Abgabe, von der ich selbst nicht zu hundert Prozent überzeugt war, die dann aber aus irgendeinem Grund in der Elemente-Runde meinen ersten Sieg ever bei einem Epikwettbewerb gebracht hat. Aber weil die erste Abgabe so katastrophal war, konnten mich die anderen natürlich nichtmal mehr aufs Treppchen hochziehen. Also was solls. Lief halt doof. Ist ja nicht das erste Mal, dass ich nach einem Saisonfinale total erschöpft und mit dem Ergebnis unzufrieden bin.





    Die Legende von Distortia


    „Mann, es ist so langweilig, ich sterbe gleich“, murmelte Tilda und trottete hinter ihrer Klasse her. Eigentlich hatte sie sich auf diesen Schulausflug ja gefreut. Sie besichtigten ein altes Schloss, das von außen wie von innen unglaublich beeindruckend war und schon allein durch sein Dasein eine Geschichte zu erzählen schien. Eine Geschichte von alten Zeiten, von Herrschern und Reichen, die seit Jahrhunderten zerfallen waren. Das kalte, fast schwarze Gemäuer strahlte eine eiskalte Aura der Macht und Dominanz aus.
    Tilda ließ ihren Blick über ein Gemälde schweifen, auf dem ein relativ junger Mann mit einer fremdartigen Kreatur zu sehen war, die für sie ein bisschen wie der Herrscher der Unterwelt selbst aussah. Was den Mann wohl dazu getrieben hatte, sich ausgerechnet mit so einem Wesen abbilden zu lassen? Wollte er sich als der Bezwinger der Drachen inszenieren und damit seine Macht zum Ausdruck bringen? Wie ein reales Wesen wirkte das Monster mit den leuchtend roten Augen jedenfalls nicht.
    Fast wäre Tilda in ihre Mitschülerin Sara hineingerannt, denn die Klasse blieb abrupt stehen. Der Guide wandte sich an die Gruppe und deutete auf das Bild. Nachdem sie die Schüler mit dem Satz „Mein Name ist Frau Fischer und ich bin heute euer Guide“ begrüßt hatte, machten sich alle einen Spaß daraus, sie als eben solchen anzusprechen. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund schien sie den ironischen Unterton überhaupt nicht zu bemerken.
    „Dieses Gemälde zeigt den ursprünglichen Besitzer dieser Burg, den Grafen von Distortia“, erzählte der Guide. „Der Legende zufolge beherrschte er einst die ganze Welt.“
    „Und was ist das für ein Vieh neben ihm, Guide?“, fragte Sara.
    Die Frau sah sie für einen Moment lang finster an. „Das ist kein Vieh“, sagte sie dann. „Den Legenden zufolge gehorchte dem Grafen ein mächtiger Drache, der die Welten kontrollierte. Den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte kann man natürlich anzweifeln.“
    „Gut, dass sie uns darauf hinweist, dass man nicht alle Märchen glauben sollte“, murmelte Tilda. Sie hatte doch ursprünglich gehofft, dass sie heute interessante Fakten über dieses Schloss lernen würde. Stattdessen hatte ihr Lehrer wohl die Märchenführung für Grundschüler gebucht.
    Nachdem nun jeder die seltsame Drachenkreatur und ihren Besitzer bestaunt hatte, setzte sich die Klasse endlich wieder in Bewegung.
    „Dort hinten befindet sich die Bibliothek des Grafen“, erzählte der Guide, als sie an einem mit einer Schnur abgesperrten Gang, der zu einer großen Tür führte, vorbeigingen. „Sie ist jedoch nicht für Besucher geöffnet, um die alten Bücher zu schützen.“
    „Wie viele Bücher befinden sich dort denn?“, fragte Tilda tatsächlich interessiert. Sie liebte Bücher. So viel lieber wäre sie jetzt dort in der Bibliothek gewesen statt bei dieser sterbenslangweiligen Führung.
    „Genau neuntausenddreihundertsechsundsiebzig“, antwortete die Frau. „Jedoch würdest du die meisten davon nicht lesen können, da sie in einer Sprache verfasst sind, die noch kein Wissenschaftler entschlüsselt hat.“
    „Was ist das denn für eine Sprache?“, fragte ein Mitschüler.
    „Nun, sie hat keinen offiziellen Namen“, erklärte die Frau weiter, „deswegen wird sie nur als die ’Sprache des Grafen’ bezeichnet. Nirgendwo auf der Welt konnten bisher weitere Schriftstücke in dieser Sprache entdeckt werden und sie scheint auch mit keiner uns bekannten Sprache verwandt zu sein. Es wird vermutet, dass der Graf sie selbst entwickelt hat, um geheime Informationen vor ungebetenen Gästen zu schützen.“
    Die Klasse bewegte sich weiter, doch Tilda blieb staunend stehen. Die Bibliothek, diese geheimnisvolle Sprache … Das alles reizte sie so sehr. Sie wollte so gerne mehr darüber erfahren, das alles mit eigenen Augen sehen, doch andererseits wollte sie auch keinen Ärger. Wobei … Sie war beim Lehrer sehr beliebt, bei so gut wie allen Lehrern sogar, so viel Angst vor Ärger musste sie da doch gar nicht haben, oder? Sie konnte sich ja einfach irgendeine gute Ausrede einfallen lassen, bis sie wieder zur Klasse zurückkommen würde. Manchmal musste man eben ein Risiko eingehen.
    Unbemerkt schlich sich Tilda unter dem Seil durch und huschte in den Bibliothekssaal hinein. Zum Glück stand die Tür einen Spalt offen, um Besuchern einen Blick zu gewähren, und war auch nicht mit Glas oder Ähnlichem abgetrennt.
    Mit offenem Mund blieb Tilda stehen und staunte. Der Saal war gigantisch. Bis zur Decke stapelten sich die Bücher in riesigen Regalen, wenn man diese Bauwerke überhaupt noch als solche bezeichnen konnte. Sie waren kunstvoll verziert und sahen aus, als wären sie in einem Stück aus Stein geschlagen worden. Dort standen Bücher in allen Formen, Farben, Größen und Dicken. So viele Bücher an einem Ort hatte Tilda noch nie zuvor gesehen. Sie konnte sich kaum bewegen, kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Dies musste das Paradies sein. Dann bemerkte sie eine Leiter, die vor einem der Regale stand. Wie praktisch! Vielleicht war sie ja sogar der erste Mensch, der eines dieser Bücher seit Hunderten von Jahren in den Händen halten würde. Dieser Gedanke war so spannend. Schnell kletterte sie hinauf und sah sich die Bücher in Reichweite an. Einige wirkten sehr abgegriffen, als würden sie bei der kleinsten Berührung auseinanderfallen. Andere wirkten dagegen fast wie neu, nur etwas verstaubt. Zögerlich griff sie nach einem Buch mit einem braunen Ledereinband. Es sah zwar nicht sehr eindrucksvoll aus, aber aus irgendeinem Grund war ihr Blick an genau diesem Buch hängengeblieben.
    Tilda hustete kurz, als sie den Staub vom Buch wischte. Vorsichtig schlug sie eine Seite auf. Dort war ein offenbar mit Tinte handschriftlich verfasster Text, doch die Wörter ergaben keinen Sinn. War das diese fremde Sprache? Sie war etwas verwundert darüber, dass diese Sprache lateinische Buchstaben verwendete. Ob der Graf sie wirklich erfunden hatte? Eine eigene Sprache, das wäre sehr cool.
    Langsam blätterte Tilda durch die nicht lesbaren Seiten, äußerst fasziniert von dem Ganzen, als ihr auf einmal etwas entgegen rutschte. Da, mitten im Buch, lag ein großer Schlüssel. Als sie sich im Bibliothekssaal umsah, bemerkte sie eine Tür zwischen den Regalen. Ob der Schlüssel für diese Tür bestimmt war? Nachschauen konnte sie ja zumindest. Sie stellte das Buch zurück ins Regal und kletterte die Leiter hinunter. Dann ging sie zur Tür. Sie war verschlossen. Von der Größe her konnte der Schlüssel zum Schloss passen. Sie steckte ihn hinein. Dann drehte sie vorsichtig. Tatsächlich – die Tür öffnete sich!
    Dahinter lag ein kleiner Raum, in den kein Licht von draußen fiel. Alles war staubig und wirkte, als wäre es die letzten paar Jahrhunderte nicht betreten worden. Tilda aktivierte die Taschenlampenfunktion ihres Smartphones, um besser sehen zu können. In dem Raum befand sich … anscheinend nichts. Der Boden und die Wände bestanden aus ungleichmäßigen, rechteckigen Mauersteinen, doch ansonsten schien hier absolut gar nichts zu sein. Dennoch trat Tilda ein und sah sich den Raum genauer an. Ein bisschen unwohl fühlte sie sich dabei, denn wenn nun die Tür zugestoßen würde, wäre sie allein in der Dunkelheit gefangen. Aufmerksam sah sie sich um, als sie etwas Merkwürdiges sah: Einer der Mauersteine im Boden war anders. Nein, das war kein Mauerstein. Sie kniete sich hin, um es genauer betrachten zu können. Das war kein Mauerstein. Das war ein Buch. Ein Buch, das perfekt getarnt in den Boden eingelassen worden war. Tilda hob das Buch aus dem Boden. Der Einband war schwarz und kalt. Sie schlug die erste Seite auf. Etwas überrascht stellte sie fest, dass der Text hier sogar deutsch war.
    „Dieses Buch möge erklären, wie man die Weltherrschaft erlangt.“
    Das Erlangen der Weltherrschaft … Waren die Legenden etwa tatsächlich wahr? Aber wenn das so war, dann durfte dieses Buch unter keinen Umständen in die falschen Hände geraten. Tilda überlegte kurz, was sie tun sollte. Konnte sie es einfach so einstecken? Vermutlich wusste sowieso niemand von seiner Existenz, also würde es nicht auffallen. Aber aus einem alten Schloss ein Buch stehlen? Sie rang mit sich selbst, doch dann öffnete sie ihren Rucksack und ließ das Buch vorsichtig hinein gleiten.
    Nun verließ sie schnell das kleine Zimmer und sperrte es wieder ab. Den Schlüssel steckte sie zurück in das Buch, in dem sie ihn gefunden hatte. Dann verließ sie unbemerkt die Bibliothek und suchte ihre Klasse wieder. Sie würde ihnen einfach erzählen, dass sie kurz stehen geblieben war und die Gruppe dann aus dem Blick verloren hatte, das würde schon glaubwürdig genug sein.


    Erschöpft ließ sich Tilda auf ihr Bett fallen. Irgendwie hatte sie es geschafft, ihrem Lehrer weiszumachen, dass sie sich in diesem Schloss, durch das quasi nur ein einziger, abgegrenzter Weg führte, verlaufen hatte. Sie hatte keine Ahnung, wie sie das geschafft hatte. Möglicherweise hatte sie einmal mehr einfach mehr Glück als Verstand.
    Tilda zog das alte Buch aus ihrem Rucksack. Es sah auf den ersten Blick tatsächlich ein bisschen wie Stein aus, in dem dunklen Raum hatte sie das ja nur auf die Lichtverhältnisse zurückgeführt. Vermutlich war es nun am besten, wenn sie es irgendwo versteckte, bevor es noch jemand fand. Erstens würde das Ärger für sie bedeuten und zweitens unter Umständen auch welchen für die Welt. Sie überlegte. Wo könnte sie so etwas am besten verstecken? Der Dachboden wäre eine recht klischeehafte Lösung, oder der Keller. Sie könnte das Buch auch im Garten vergraben oder in den Kratzbaum der Katze integrieren oder unter ihre Matratze legen. Sie war sich noch nicht sicher und etwas müde, also entschied sie sich für die im Moment einfachste Lösung: Unter ihrer Matratze.
    Nach einem derart stressigen Tag gab es für Tilda nur eines, was sie so richtig entspannen ließ. Also fuhr sie ihren Laptop hoch und scrollte über die Facebook-Startseite. Dort gab es lustige Katzenfotos, schlechte Witze, interessante Zitate ohne Quellenangabe, zwielichtige Artikel, definitiv nicht auf sie zugeschnittene Werbeanzeigen … Alles eben, was man brauchte, um sein Hirn effektiv abschalten zu können. Doch zwischen alledem entdeckte sie auf einmal etwas anderes. Einen Post ihrer Mitschülerin Sara. Er begann ja ganz harmlos damit, dass diese den Tag als „total chillig“ beschrieb. Doch es gab eine Kommentarschlange darunter. „der beste teil war da wo tilda sich verlaufen hat lol“, schrieb irgendwer. „Haha ja, wie blöd kann Man sein“, antwortete irgendwer anders. Auf diesen beiden Beiträgen häuften sich die Haha-Reactions. Wütend klappte Tilda den Laptop wieder zu. Diese Leute waren einfach unmöglich.
    Nun lag sie auf ihrem Bett und wusste nichts mit sich anzufangen. Sie musste wieder an das Buch denken, das nun direkt unter ihrem Kopf lag. Vielleicht schadete es ja nicht, einen Blick zu wagen. Sie holte das Buch zu sich und fing an, darin zu blättern, als sie merkte, dass anscheinend nur die Inhaltsbeschreibung auf der ersten Seite auf deutsch verfasst war, denn schon auf der nächsten Seite fand sich wieder diese mysteriöse Sprache. Sie blätterte weiter, bis sie auf etwas sehr Interessantes stieß: Mitten im Text waren immer wieder einzelne Brocken, die die Funktion der fremden Sprache erklärten. Dort stand erklärt, wie man Sätze bildete, wie man die Sprache aktiv anwendete, gar ganze Vokabellisten waren mitten im Fließtext versteckt. Nun waren ihre Neugierde und ihr Wissensdurst geweckt. Sie wollte diese Sprache lernen und dieses Buch lesen. Also fing sie an, sich hindurchzuarbeiten.


    „Schritt eins: Bändige Giratina“, las Tilda. Sie hatte Monate gebraucht, um die Sprache so weit zu beherrschen, dass sie den Sinn von ganzen Sätzen verstehen konnte. Doch nun war es so weit. Sie konnte endlich damit beginnen, zu lernen, wie man die Welt beherrschte. Nicht, dass das ihr Ziel war, aber es war dennoch unglaublich interessant. Giratina … Wer oder was war Giratina? Der Text erzählte etwas von einem Tor zu einer anderen Welt, das man öffnen musste, um Giratina zu treffen. Das klang einfach zu verlockend. Eine fremdartige Welt mit eigenen Augen zu sehen, was konnte es Interessanteres geben?
    Schritt für Schritt befolgte sie die Anweisungen. Sie musste die Sonne zu einer gewissen Uhrzeit aus einem gewissen Winkel auf einen Spiegel scheinen lassen, dann diesen schlagartig verdunkeln und „Giratina, ich rufe dich“ rufen. Sie verstand den Sinn nicht ganz, doch es würde bestimmt schon seine Richtigkeit haben.
    Tilda bemerkte erschrocken, wie sich der Himmel schlagartig schwarz färbte. Das Tuch, das sie zum Verdunkeln benutzt hatte, wurde in den Spiegel gesogen und in diesem entstand ein riesiges, schwarzes Portal.
    „Wenn du mich sprechen willst, dann komm in meine Welt“, erklang eine Stimme in der Sprache des Grafen aus dem Spiegel. Zögerlich näherte sich Tilda dem dunklen Strudel. Dann nahm sie ihren Mut zusammen und sprang hinein.
    Sie fand sich tatsächlich in einer völlig anderen Welt wieder. Der Himmel glühte lilafarben bis grün, der Boden bestand aus tiefschwarzem Sand, so schwarz, dass man meinen konnte, er würde alles Licht absorbieren. Es gab Wasserfälle ohne Anfang und ohne Ende, schwebende Bäume und Gebirge, die aussahen, als wären sie an den Himmel geschraubt.
    „Komm zu mir, wenn du es wagst“, sprach die Stimme.
    Tilda wagte sich in die Richtung, aus der die Stimme kam. Auf einmal stolperte sie, als wäre die Erdanziehung plötzlich extrem angestiegen. Sie stand wieder auf und ging vorsichtig weiter. Tatsächlich schien die Schwerkraft zu schwanken, mal fiel es ihr schwer, überhaupt auf den Beinen zu bleiben, mal hatte sie das Gefühl, fast abzuheben.
    Dann erblickte sie das Wesen.
    Eine schwebende Schlange mit Stacheln an der Seite und langen Auswüchsen auf dem Rücken blickte auf sie herab. Sein Gesicht war wie von einer goldenen Maske bedeckt und seine Augen leuchteten blutrot. Ein bisschen erinnerte sie das Wesen an den Drachen auf dem Gemälde des Grafen.
    „Bist du Giratina?“, fragte sie.
    „Ja“, antwortete der Drache.
    „Bist du auch das Wesen, das dem Grafen gehorchte?“, fragte sie weiter.
    „Ja“, antwortete der Drache erneut.
    „Was ist dieser Ort? Und warum sahst du auf dem Gemälde so … anders aus?“
    „Dies ist die Zerrwelt, mein Zuhause“, erklärte Giratina. „Ich sehe, du hast meine Sprache gelernt. Also bist du würdig, dass ich dir deine Fragen beantworte. Mein Körper ist sehr wandelbar, betrete ich eine andere Welt, passe ich mich dieser an. Hier ist die Gravitation sehr sprunghaft und an vielen Orten so leicht, dass es möglich ist, ohne Anstrengung zu schweben. Auf eurer Welt jedoch ist die Gravitation gleichmäßig und stärker, sodass ich Beine und Flügel brauche, um mich mit möglichst wenig Energieaufwand fortzubewegen. In jeder Welt, in der ich erscheine, habe ich eine geringfügig andere Form.“ Das Ungetüm hielt einen Moment lang inne. „Sag mir, Mensch, warum bist du hier?“, fragte es dann. Tilda überlegte einen Moment, was sie antworten sollte.


    Tilda saß auf ihrem Thron im schwarzen Schloss, das nun ihr gehörte, neben ihr lag Giratina. Über ihrem Kopf hing ein Gemälde, das sie zusammen mit ihrem mächtigen Drachen zeigte und allen künftigen Generationen auf einen Blick klarmachen sollte, dass sie die mächtigste Frau der Welt war.
    „Weißt du, Giratina“, sagte sie und streichelte ihrem treuen Freund über den Kopf, „eigentlich wollte ich ursprünglich gar nicht die Weltherrschaft erringen. Aber der Gedanke war auf einmal so … reizvoll. Ich konnte nicht widerstehen.“ Ihr Gesicht verzog sich zu einem Grinsen. „Aber ich bereue die Entscheidung kein bisschen.“





    Doch die Erde starb noch nicht


    Welten fallen sehen,
    Welten brechen sehen,
    Freunde sterben sehen,
    doch stehts g'rade stehen.
    Glauben aufgegeben,
    ausgelöschte Leben,
    Hoffnung nie verloren,
    bin wie neugeboren.


    Kämpfen ohne Gründe,
    töten ohne Gründe,
    morden ohne Gründe,
    Menschlein, voll der Sünde.
    Nie die Augen schließen
    vor dem Blutvergießen,
    Träume nie verloren,
    bin wie neugeboren.


    Nein, ich werd' niemals knien!
    Ich steh auf
    und kämpf bis zum Tod
    und drüber hinaus!
    Nein, ich werd' niemals fallen!
    Ich bleib steh'n,
    du hältst mich nicht auf!
    Über Grenzen geh'n.


    Freiheit für alle Monster
    war ein Traum,
    für den wir gelebt.
    Hast uns ihm beraubt.
    Freiheit von dir, du Virus,
    ist ein Traum.
    Ich mach ihn heut' wahr.
    Du zerfällst zu Staub!


    Menschenkind, du stehst im Weg
    uns'rer langersehnten Freiheit.
    Für dein jähes Ende ist
    heut' gekommen deine Zeit.
    Unten eingesperrt zu sein
    bis in jede ferne Endzeit
    ist doch so viel besser noch
    als dem Tode längst geweiht.


    Menschenkind, du stehst im Weg
    aller Freiheit dieser Erde.
    Nur dein Tod versichert mir,
    dass kein Leben mehr zerbricht.
    Menschenkind, glaubst wohl daran,
    dass ich mich dir fügen werde.
    Nein!
    Denn heute sterbe ich nicht!


    Menschenkind, du stehst im Weg
    alles Lebens dieser Erde.
    Mit Entschlossenheit kämpfst du,
    wenn die Erde noch so bebt.
    Hoffnungen und Träume sind's,
    die ich nie verlieren werde.
    Nein!
    Denn diese Welt überlebt!





    Altes Wissen


    21.05.957 n.G.S.
    Heute ist es mir seit Monaten zum ersten Mal erneut gelungen, mehrere Atome zu fusionieren und ein neues Element herzustellen. Element #379: In den meisten seiner Eigenschaften Gold sehr ähnlich, jedoch weitaus leichter verformbar und aufgrund seiner Atommasse etwa fünfmal so schwer. Leider ist es seit der neuen Regelung vom 9.2. nicht mehr möglich, neu erschaffenen Elementen einen Namen zu geben; zu gern hätte ich dieses neue Gold nach meiner geliebten Frau benannt. Selbst, wenn dieses Wort kein Gewicht hat und wenn niemand dies je lesen wird, sei an dieser Stelle festgehalten, dass Element #379 Christinium heißt.


    29.05.957 n.G.S.
    Es ist unglaublich, ich muss eine Glückssträhne haben. Erneut gelang es mir, ein unentdecktes Element zu erschaffen. Es geschah fast durch Zufall, als ich versuchte, mehr des Elements Christinium zu synthetisieren und seine Wechselwirkungen mit „echtem“ Gold zu untersuchen. Es entstand ein neues Element, #458. Seine Eigenschaften sind sehr überraschend, denn es scheint neben Brom, Quecksilber und Ruvinium eines jener Elemente zu sein, die unter Normbedingungen flüssig sind; doch selbst das ist nicht alles. Seine Eigenschaften sind denen von Wasser verblüffend ähnlich, nein, sie gleichen jenen sogar. Gefrierpunkt und Siedepunkt, elektrische Leitfähigkeit und Dichte – es scheint geradezu unmöglich. Morgen möchte ich versuchen, an einige Spatzenmäuse zu gelangen, um an ihnen zu testen, ob dieses „Wasser“ auch trinkbar ist.


    03.06.957 n.G.S.
    Es ist unfassbar. Seit drei Tagen trinken die Tiere nichts als das von mir synthetisierte „Wasser“ und es zeigt sich keinerlei Veränderung an ihren körperlichen Eigenschaften. Sie leben, sie sind gesund und so aufgeweckt wie üblich. Ich überlege, in einigen Tagen auch einen Versuch am Menschen durchzuführen.


    15.06.957 n.G.S.
    Meine geliebte Christine war außer sich vor Wut, als ich ihr gestand, dass ich unser Wasser seit etwa einer Woche durch ein neu entdecktes Element ersetzt hatte. Dabei konnte ich zwei äußerst interessante Beobachtungen machen: Erstens fiel ihr die Veränderung nicht auf, was bedeuten muss, dass dieses neue „Wasser“ für Menschen genauso verträglich sein dürfte wie herkömmliches Wasser. Zweitens begann die Flüssigkeit in ihrem Becher, den sie während unseres Gesprächs in der Hand hielt, bei ihrem Wutausbruch unvermittelt zu sieden. Anscheinend zeigt dieses Element eine gewisse Reaktion auf menschliche Emotionen; was genau es damit auf sich hat, muss noch weiter erforscht werden.


    30.06.957 n.G.S.
    Meine Fusionskammer ist kaputt, zerstört von einem neuen Element. Als ich damit experimentierte, dachte ich zuerst, sie würde brennen, doch die Messgeräte zeigten keine größeren Auffälligkeiten an und es waren keine Spuren der Verwüstung zu erkennen. Im Inneren sah ich eine Flamme, doch sie schien komplett ruhig zu sein, nichts zu verbrennen und keinen Ursprung zu haben. Ich wurde unruhig, denn es konnte nur bedeuten, dass irgendwo Sauerstoff in die Maschine eingedrungen war und das neue Element gerade verbrannte. Jedoch war es in diesem Falle auch sehr unwahrscheinlich, dass sich die Maschine nicht aus Sicherheitsgründen selbst abgeschaltet hatte. Mit meiner wachsenden Unruhe musste ich zusehen, wie auch die Flamme wuchs. Panisch versuchte ich, die Messergebnisse noch schnell festzuhalten, doch meine Maschine konnte ich dabei nicht mehr retten. Als ich die Ergebnisse später analysierte, musste ich feststellen, dass diese Flamme allen Anscheins nach selbst das neue Element war, welches sich in keinem der drei üblichen Aggregatzustände befand, sondern in Form von Plasma existierte. Sobald die Fusionskammer repariert ist, werde ich das Experiment unter höheren Sicherheitsvorkehrungen wiederholen.


    07.07.957 n.G.S.
    Auch meiner Frau blieben die merkwürdigen Wechselwirkungen zwischen ihr und dem von mir gewonnenen Wasser nicht verborgen. Heute beobachtete ich, wie sie sich einen Becher einfüllte und es mit Handbewegungen schaffte, das Wasser in der Luft schweben zu lassen. Als ich sie darauf ansprach, sagte sie mir, dass sie selbst nicht wisse, wie genau sie das mache; die Flüssigkeit folge einfach ihren Gedanken. Ich musste an die Ereignisse in meinem Labor von vor einer Woche denken; das „Feuer“-Element hatte sich mit meiner wachsenden Nervosität ausgebreitet. Möglicherweise reagieren die Elemente auf die extrem schwachen elektrischen Signale, die von unserem Gehirn durch unsere Schädeldecke dringen. Dafür müssten sie aber hochsensitiv sein; ich vermute dahinter die hohe Elektronenanzahl.


    01.08.957 n.G.S.
    Die Fusionskammer ist endlich fertig repariert. Ich habe erneut eine geringe Menge des Elements #474, des „Feuer“-Elements hergestellt. Da ich diesmal ganz ruhig blieb, breitete es sich nicht unkontrolliert aus, dafür konnte ich einige neue Beobachtungen machen: Im Vakuum in der Maschine bleibt das Element stabil und verändert sich nicht, an der Luft jedoch zerfällt es nach wenigen Sekunden, sofern es keinen Brennstoff gibt, der die Flamme weiter nährt. Ich gehe davon aus, dass das Element mit einem Bestandteil der Luft reagiert, wodurch sich die einzelnen Atome in der Luft zerstreuen. Um dies zu überprüfen, sind jedoch noch weitere Experimente erforderlich.


    01.08.957 n.G.S., Nachtrag 23:47 Uhr
    Als ich heute Nacht aufstand, weil ich auf die Toilette musste, schnipste ich wie aus einem Reflex mit den Fingern und staunte nicht schlecht, als ich auf einmal eine Flamme in der Hand hielt. Als die Flamme als Reaktion auf meinen Schreck plötzlich rapide anwuchs, wusste ich sofort, dass es sich um mein Element handelte, und zwang mich, mich zu beruhigen, worauf die Flamme erlosch. Ich ging in die Küche, um die Verbrennungen, die ich mir zugezogen hatte, mit Wasser zu kühlen. Inzwischen war auch meine Frau aufgewacht und fragte mich, was los sei. Weiterhin wies sie mich darauf hin, dass ich das von mir synthetisierte Wasser benutzte. Ich zeigte ihr die Verbrennungen an meiner noch nassen Hand, doch als sie diese berührte, ließ der Schmerz auf einmal nach. Eine höchst interessante Entdeckung: Die Verbindung zwischen meiner Frau und diesem Wasser scheint tiefer zu gehen als bloße Kontrolle.


    13.08.957 n.G.S.
    Meine Glückssträhne in der Elementarforschung hält an: Heute konnte ich ein neues Element, #481, synthetisieren. Es ist unter Normbedingungen gasförmig, außerdem ist es farblos. Um zu überprüfen, ob das Gas toxisch ist, leitete ich etwas davon in einen Behälter mit Spatzenmäusen, doch diese zeigten keine Reaktion. Der Gedanke mag naiv wirken, doch ich hegte den Verdacht, erneut ein Element entdeckt zu haben, das in seinen Eigenschaften uns bekannten Stoffen ähnelt, also setzte ich die Tiere in einen Behälter, in dem sich nichts als dieses Gas befand; und tatsächlich, sie zeigten selbst nach einigen Minuten noch keinerlei Anzeichen von Atemnot. Ich überprüfte den Inhalt des Behälters und stellte fest, dass außer diesem Gas nichts darin enthalten war, woraus ich darauf schloss, dass dies eine unerschöpfliche Quelle von Atemluft sein könnte. Das Element musste dieselben Vorgänge im Körper auslösen können wie normale Luft, ohne sich selbst dabei zu verändern.


    08.09.957 n.G.S.
    Heute wollte ich mir mit meiner geliebten Frau die Mondfinsternis ansehen, doch als diese begann, klagte sie plötzlich über Unwohlsein und Kopfschmerzen. Ich holte ihr schnell ein Wasser und sie versuchte, sich von den Schmerzen abzulenken, indem sie damit herumspielte, allerdings wollte es nicht funktionieren. Als die Finsternis wieder vorbei war und der Mond hell erstrahlte, ging es ihr jedoch schlagartig wieder besser und das Wasser folgte auf einmal ihrem Willen. Ich frage mich, wie dieser Zusammenhang zu erklären ist. Möglicherweise liegt ein ähnliches Prinzip vor wie bei Ebbe und Flut.


    15.09.957 n.G.S.
    Erneut gelang es mir, ein neues Element herzustellen, #493. Es ist ein Feststoff, ein spröder Klumpen. Fast möchte ich behaupten, er erinnert an Erde. Nach den Entdeckungen der letzten Monate würde es mich kaum noch wundern, trotz dessen, dass all diese Entdeckungen für sich betrachtet höchst verwunderlich sind. In einem ersten Impuls habe ich den Klumpen zerkleinert in einen Blumentopf gegeben und einen Samen hineingesteckt. Wenn hier wirklich etwas wächst, ist das die unglaublichste Entdeckung des Jahrtausends. Ich habe die vier mythologischen Ur-Elemente entdeckt und entgegen allem, was uns die Wissenschaft bisher sagt, handelt es sich dabei tatsächlich um chemische Elemente.


    25.09.957 n.G.S.
    Zuerst wollte mich meine Frau für verrückt erklären, als ich ihr den Topf überreichte, doch trotz allem nahm sie ihn an und pflegte ihn für mich, und tatsächlich, inzwischen wächst dort eine kleine Blume. Es ist wahrlich unglaublich. Wasser, das man trinken kann, Luft, die man atmen kann, Feuer, das nicht von Sauerstoff genährt werden muss, und jetzt fruchtbare Erde. Nächsten Monat findet ein wissenschaftlicher Kongress statt, dort werde ich meine Entdeckungen auf jeden Fall vorstellen.


    31.10.957 n.G.S.
    Heute fand der Kongress statt, auf dem ich meine Erkenntnisse vorstellen konnte. Die Kollegen waren erst skeptisch, doch schließlich war jeder einzelne von ihnen begeistert. Es wurde beschlossen, dass diese Elemente noch weiter untersucht werden müssen, doch wenn festgestellt werden kann, dass sie tatsächlich unbedenklich sind, ist geplant, sie auf der ganzen Welt zugänglich zu machen. Es könnte eine Revolution auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien sein!



    Begeistert von dem Wissen, das die Menschen vor Jahrhunderten schon besaßen, stellte Charan das alte Buch zurück an seinen Platz. Nun war es an der Zeit, Wan Shi Tongs Bibliothek zu verlassen, bevor der Besitzer ihn fortjagen würde, er hatte ohnehin schon erfahren, was er wissen wollte. Als er durch das Tor trat, spürte er den kühlen, musternden Blick des Eulengeistes in seinem Nacken. Er beschloss, sich den Schauer, der ihm dabei über den Rücken lief, nicht anmerken zu lassen, und richtete seinen Blick geradeaus.
    Vor ihm stand der alte Sandsegler seines Großvaters, auf dem bereits drei Männer auf ihn warteten.
    „Hast du gefunden, was du gesucht hast?“, fragte einer von ihnen. Charan nickte nur und sprang auf. Es gefiel ihm nicht, wofür dieses Wissen gebraucht werden sollte.
    In Windeseile durchquerte das Gefährt die Wüste, bis endlich eine Stadt in der Ferne zu sehen war. Die Stadt, in der Charan sein ganzes Leben verbracht hatte. Doch so vieles hatte sich über die Jahre hinweg verändert.
    Vor den Mauern der Stadt blieb der Sandsegler stehen und die Männer traten durch das vor einigen Jahren eingestürzte Tor. Damals hatten einige Wasserbändiger angegriffen. Ein großer Teil der Stadtmauern und einige Häuser wurden durch den Kampf zerstört, doch der Feind konnte schließlich in die Flucht geschlagen werden. Doch noch einmal sollte das nicht geschehen können.
    Während er sich seinen Weg nach Hause bahnte, ließ er seinen Blick über das verwüstete Stadtbild schweifen. Er hasste den Zustand, in dem die Welt gerade zu sein schien. Ab und zu kamen Reisende vorbei, doch auch sie wussten von nichts als Krieg zu berichten. All der technische und kulturelle Fortschritt, der die Welt der Vergangenheit geprägt hatte, war verloren, zerstört von der Macht der Elemente, die niemals hätten sein dürfen. Und nun sollte ausgerechnet er es sein, der den Plan für einen nächsten Angriff schmiedete.
    Charan betrat sein Haus. Am Tisch saß sein Sohn Manik, der ihn wohl schon erwartete.
    „Warst du erfolgreich?“, fragte er neugierig, seine Augen leuchteten wie die Sterne, für die er sich so sehr interessierte.
    „Wie man es nimmt. Ich weiß jedenfalls, wann wir die Wasserbändiger angreifen müssen, um ihre Schwachstelle ausnutzen zu können“, antwortete sein Vater. „Und du kannst mir diesmal sogar helfen.“
    „Wirklich, Vater? Sag schon, was kann ich tun?“ Sein Gesicht strahlte nun wie die Sonne.
    „Hilf mir, herauszufinden, wann die nächste Mondfinsternis stattfindet. In dieser Zeit sind sie machtlos und wir können sie endlich zurückdrängen.“
    Auch in Charans Gesicht war ein Funken Hoffnung zu sehen. Hoffnung, dass durch seinen Beitrag dieser nutzlose Bürgerkrieg gewonnen und damit beendet werden konnte. Er war kein Bändiger, der an der Front die Kämpfe ausfocht, doch das musste er auch nicht. Denn er wusste, dass auch er ein sehr mächtiges Element auf seiner Seite hatte – das Element des Wissens.





  • Kiris Weihnachtsmedley


    Um etwas Besinnlichkeit in dieses Topic zu bringen, habe ich mich entschieden, heute ein Medley aus den wunderschönsten Weihnachtsliedern überhaupt zusammenzustellen. Habt viel Spaß beim Lesen und Singen und verbreitet so wie ich den Geist der Weihnacht. ♥
    Frohe freie Feiertage!





    Kiris Weihnachtsmedley


    Oh du stressige, oh du g'fräßige,
    zwietrachtbringende Weihnachtszeit.
    Christ ist erschienen,
    um uns zu verhöhnen.
    Streitet euch, oh, streitet euch, Familien!


    Laute Nacht, hektische Nacht!
    Alles kauft, einsam wacht
    nur die Rewe-Kassiererin,
    nimmt dein Geld für Geschenke dahin,
    wär viel lieber daheim,
    wär so viel lieber daheim.


    Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum,
    wie tot sind deine Blätter!
    Du grünst selbst, wenn ein Sturm dich quält,
    doch meine Axt hat dich gefällt.
    Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum,
    wie tot sind deine Blätter!


    Alle Jahre wieder
    kommt der Weihnachtsmann
    durch Kamine nieder
    und klopft nichtmal an.
    Hinterlässt Geschenke
    in fast jedem Haus,
    völlig unverdächtig
    schleicht er ein und aus.


    Süßer die Kassen nie klingeln
    als zu der Weihnachtszeit:
    's ist, als ob Münzelein singen
    wieder von Umsatz und Freud'.
    Wie sie gesungen von Geld und Konsum!
    Wie sie gesungen von Geld und Konsum!
    Kassen mit heiligem Klang,
    klingelt die Erde entlang!





  • Χάος


    Mir ist gerade aufgefallen, dass dieses Gedicht hier noch gar nicht im Topic existiert. Dann muss ich das aber schnell nachholen! Entstanden, als ich nicht reimen durfte, repräsentiert dieses Gedicht das pure Chaos, den Grauen des Kantos der 90er Jahre.





    Χάος


    Ich
    bin
    Chaos.
    Die fehlende Nummer.
    Was du gesucht hast.
    Was du nie wolltest.


    Gott
    des
    Chaos.
    Irreparabel.
    Der Schaden der Welt.
    Sie will dich vergessen.


    Das Monster vom rechten Rand.
    Zerstörer von tausenden Welten.
    Allmächtiger Multiplikator.
    Das Grauen mit tausend Gesichtern.
    Nichts
    als
    Chaos.


    Das Land, wie du es kennst
    Der Ort, an dem du stehst
    Der Thron, den du errangst
    Alles ist nun mein.
    Alles
    nur
    noch
    Chaos.


    Von Hochmut getrieben,
    zum Scheitern verdammt,
    stehst du nun vor mir
    und blickst mich
    ungläubig
    an.


    Willkommen
    im
    Chαos.


    Die Welt
    verschwiμmt.
    Nichts ιst
    wie εs wαr
    wιe eς isτ
    ιst εs wα^r


    Niχts
    εrgιβτ
    Sιn#


    Mεin Γε$ιχτ üβεrαλll
    'LLΓ
    Chαος
    Gotτ
    δεs
    Chαος
    Χάος
    #ά▪□■■
    Χ@ ■□■
    ά □■■□
    ο ■□■□
    ς □□■■





  • He @Alphys!


    Finde das Gedicht cool :D Im Grunde ist das Gedicht von den Aussagen in den Versen her nichts sonderlich Besonderes oder Spezielles und auch die Verse selbst sind formal betrachtet nicht sonderlich speziell - bis gegen Ende. Da passiert etwas, das ich in der Art noch nicht gesehen habe und wo einfach die ultimative Verschmelzung von Inhalt und Form stattfindet: Alles wird Chaos!
    Die Grapheme werden immer schwieriger zu lesen und es wirkt beinahe so, als werden alle sinnhaften und sinnvollen Regeln einfach über einen Haufen geworfen. Ergibt ja aber auch Sinn, denn schließlich ist

    Alles
    nur
    noch
    Chaos.


    Good Job, gefällt mir total und ist was Schönes für's Auge :D

  • Salut Kiri, ich sag's dir gleich:
    ich hab dein Keks-Gedicht gelesen!
    Und irgendwie wurde ich weich,
    ich habe wohl ein schwaches Wesen.


    Denn essen wollt' ich ihn, den Keks!
    Zu lecker hast du ihn beschrieben!
    Verführt vom Keks, schon unterwegs;
    war nur noch von der Lust getrieben.


    Doch dann dacht' ich mir: Lieber nicht!
    Das kann ich doch wirklich nicht wagen!
    Drum kommentier ich dein Gedicht,
    voll Stolz, es nicht getan zu haben.
    Ist ja dein Keks. Und ich habe Schoki. ♥


    __

    Es ist spät, die Reime sind schlecht; das weiß ich. Aber irgendwie schien mir das die einzig richtige Art zu sein, um in deiner Sammlung zu kommentieren, haha. Habe sonst auch gar nicht viel zu dem Gedicht zu sagen, außer dass es mir gefällt. Wenn so kleine quasi alltägliche Dinge so ausschweifend beschrieben werden, hat das immer irgendwie einen gewissen Reiz. Dass das Gedicht in einer falschen Weise gelesen werden könnte, kann ich gar nicht glauben, geht es doch offensichtlich um einen unschuldigen Keks! Gut, inwiefern Kekse feucht sein sollten, erklärst du mir als Expertin vielleicht trotzdem nochmal, haha. Ich hoffe, das reicht als kurzer Kommentar; kommt mir irgendwie viel zu wenig vor. Aber gerne mehr davon, auch ohne Wettbewerb! :3


    Au revoir! :3


  • Frei


    Okay, ich hab keine Ahnung, warum dieses Gedicht hier noch nicht drin ist. Entstanden irgendwann im Sommer 2016, als mir bei Oma langweilig war, gewann es mir im selben Jahr das Freie Gedicht, erreichte in den folgenden FF-Awards den zweiten Platz beim Gedicht des Jahres und errang bei einem Schreibwettbewerb an meiner damaligen Berufsschule den dritten Platz. Ich halte es nach wie vor für eins meiner besten Gedichte und es ist eigentlich eine Schande, dass es noch nicht in diesem Topic war und darum muss ich das jetzt ändern. So.





    Frei


    Frei im Herzen, frei im Geiste,
    der schon manchen Ort bereiste,
    den die meisten nie gesehen,
    den die meisten nie erträumt.


    Frei zu fliegen wie die Raben,
    unter Berge sich zu graben,
    über Meere wegzuschwimmen,
    all das ist sein täglich Brot.


    Sich verlaufen, sich verrennen,
    an den Regeln sich verbrennen,
    die man selbst sich einzig setzte,
    das gehört zum Risiko.


    Aber setzt man dann die Segel,
    folgt man nur der einen Regel:
    Wenn man sich nicht allzu ernst nimmt,
    ist die Freiheit riesengroß.


    Frei im Herzen, frei im Geiste,
    der schon manche Welt bereiste,
    frei im Denken, frei im Schaffen,
    Freiheit ist des Dichters Lohn.






  • Läuterfeuer


    Das allererste Spielzeugzwielicht-Special in diesem Topic, und das erste überhaupt, OMG!!! :heart:
    Ich hab mit diesem Drama schon 2017 beim freien Drama-Wettbewerb mitgemacht, damals noch unter dem Titel Asche und Schuld (na, klingelts bei diesen drei Wörtern in Verbindung mit Zwielicht?) und mit den Namen Kerry und Jasmina statt Corvin und Sophia. Ja, dieses eine Mal hab ich mir wirklich Mühe gegeben, die Spielzeuggeschichte für @Thrawni nicht erkennbar zu machen. Sie war nämlich schon damals als solche geplant und diese Geschichte an sich stand schon länger als Teil von Corvins Vergangenheit fest -- ich war nur ewig zu faul, endlich Zwielicht zu schreiben. Die Formatierung des Textes hab ich für diese Version hier noch ein bisschen angepasst, aber inhaltlich blieb alles exakt gleich. Außer den Namen natürlich.

    Ich bringe euch Feuer.





    Läuterfeuer


    CORVINs Eingangshalle. Ein kahler Raum aus Stein. SOPHIA, eine zwanzigjährige Frau, steht an der Tür, doch zögert, zu gehen. Der sechzehnjährige CORVIN steht direkt hinter ihr.


    SOPHIA. Es gibt da etwas, es ist schwer,
    _______doch muss ich es dir endlich sagen.
    _______Ich schob es ewig vor mir her,
    _______doch länger will ich's nicht vertagen.
    CORVIN. Nun sag's schon, so schlimm wird's nicht sein.
    SOPHIA. Ach Corvin, wenn's nur einfach wär.
    _______Ab heute lass ich dich allein.
    CORVIN. Und wann kommst du dann wieder her?
    SOPHIA. Das ist es ja, der Tag kommt nie.
    CORVIN. Wie, nie? Heißt das, dass du mich jetzt –
    _______Nie mehr … Es kann nicht sein, dass sie –
    SOPHIA. Ich will nicht, dass es dich verletzt.
    _______Doch weißt du, es gibt nicht nur dich.
    _______Ich meine, sieh dich nur mal an –
    CORVIN. Sophia, sag, verlässt du mich
    _______für einen … einen and'ren Mann?
    SOPHIA. Es tut mir leid, doch hör mir zu,
    _______du bist so jung, es geht nicht gut.
    CORVIN. Ich glaub es nicht, Sophia, du …
    _______Du nimmst mir jeden letzten Mut.
    SOPHIA. Ach, Corvin, lass es mich erklär'n.
    CORVIN. Es liegt mir kaum etwas so fern!


    CORVIN schwingt seinen Arm. Hinter SOPHIA lodern schwarze Flammen auf.


    SOPHIA. Was ist das, was geschieht hier, wie?
    CORVIN. Ja, deine kleine Spielerei
    _______sei nun in Ewigkeit vorbei.
    _______Ich bin ein Meister der Magie!
    _______Du legtest mit dem falschen Mann
    _______für diese Untreue dich an!



    Schwarzes Feuer umringt SOPHIA, sodass sie komplett davon umgeben ist, es jedoch nicht berührt.


    CORVIN. Ich nehme dir das, was es war,
    _______was mich so sehr verführte.
    SOPHIA. Verzeihe mir, dass ich nicht sah,
    _______wie sehr es dich berührte!
    CORVIN. Die Schönheit ist Vergangenheit,
    _______wird niemals wieder strahlen,
    _______auf dass kein and'rer Mann so leicht
    _______dir wieder kann verfallen!
    SOPHIA. Verzeihe mir, verzeihe mir!
    _______Ich wusst' nicht, was ich tat!
    CORVIN. Niemals, Sophia, niemals mehr
    _______verzeih' ich den Verrat!
    _______Ich gab dir alles, gab so viel,
    _______so viel ich konnte geben.
    _______Ich hoffte, ja, ich hoffte sehr
    _______auf ein geteiltes Leben.
    _______Ein Leben, eine Existenz,
    _______die Zukunft, du und ich.
    SOPHIA. Es tut mir leid, doch es war nicht
    _______bedeutungsvoll für mich.
    _______Ich dachte doch, es wär dir klar,
    _______ich will mich nicht verrennen –
    CORVIN. Verrennen? Nein, in Flammen schwarz
    _______soll deine Haut verbrennen!
    _______Dein Äuß'res deinem Inner'n gleich,
    _______und hier so wie auch dort
    _______ist jeder Funke, jeder Schein
    _______von Schönheit ewig fort!
    _______Das finst're Feuer fresse fort
    _______dein Anseh'n, dein Gesicht.
    _______Der Schmerz, meine Vergangenheit –
    SOPHIA. Nein, bitte, tu es nicht!
    CORVIN. Der Schmerz, meine Vergangenheit,
    _______wird deine Zukunft sein.
    _______Und dir hilft niemand, niemals mehr,
    _______und magst du noch so schrei'n.
    _______Gezeichnet nun von deiner Schuld,
    _______die jeder Spiegel sieht,
    _______wirst spüren, wie es schmerzhaft ist,
    _______wenn deine Liebe flieht.
    SOPHIA. Vergib mir, oh, ich bitte dich,
    _______ich habe Angst, zu sterben!
    CORVIN. Du schneidest dich gerade selbst
    _______an deiner Taten Scherben.


    Schwarzes Feuer mit violettem Kern umgibt SOPHIA, die vor Schmerzen schreit. CORVIN versucht, das Feuer klein zu halten, doch es nimmt Überhand.


    SOPHIA. Hör auf, hör auf, es tut mir leid!
    _______Lass mich doch bitte leben!
    CORVIN. Das Feuer, es wird mir zu stark,
    _______es will nicht mehr nachgeben!
    _______Sophia, nein, es tut mir leid,
    _______ich sah das so nicht kommen,
    _______bin doch kein Meister der Magie,
    _______sie hat mich übernommen!
    _______Sophia, nein, verlass mich nicht
    _______und lass mich nicht alleine!
    _______Ich seh es ein, die große Schuld,
    _______die Schuld ist nur noch meine!
    _______Sophia, nein, es ist zu spät,
    _______ich weiß mir keinen Rat.
    _______Sag mir warum, warum seh ich
    _______erst jetzt, was ich hier tat?



    Das Feuer verschlingt SOPHIA komplett, bis nur noch Asche von ihr übrig bleibt. Dann klingt es langsam ab.


    CORVIN. Sophia, was …
    _______Was habe ich getan?
    _______Es … es tut mir leid.
    _______Ich …
    _______Ich wollte dich nicht …
    _______Ich wollte dich nicht töten.
    _______Ich wollte dir nur dein Gesicht nehmen.
    _______Ich wollte dich nur deiner Schönheit berauben.
    _______Dessen, was mich einst verführte.
    _______Doch die Flammen …
    _______Die Flammen waren zu stark.
    _______Und nun …
    _______Nun steh ich vor der Asche.
    _______Sophia …
    _______Sophia, vergib mir.
    _______Ich wollte dich nicht töten.
    _______Doch von allem, was ich hatte
    _______bleibt nur noch Asche.
    _______Asche und Schuld.


    Szene verdunkelt sich.






  • Spielzeugtod-Special


    Spielzeugtod ist seit Sonntag abgeschlossen -- da ist es doch an der Zeit, auch mal ein Special dazu zu veröffentlichen! Ich hab damit aber extra bis heute gewartet, um mit diesem Post @Wenlok Holmes' Geburtstag feiern zu können. Der ist immerhin aktuell mein Fan oder so, zumindest hat er mich zum Profi vorgeschlagen. :blush: Das heutige Update umfasst drei wundervolle Werke: Nassmacher, das ich schon im Zuge der Schreiber-Challenge geschrieben habe und das den Mord an Omega beschreibt; Die Moritat von Galileo Eiszapfen, oder: Spielzeugtod in a Nutshell – Die Dreipokédiamantenoper, eine Umdichtung von Bertolt Brechts Moritat von Mackie Messer, in der alle Morde von Galileo aufgezählt werden (ich war übrigens sehr überrascht, wie gut die einzelnen Strophen bereits zu den Tatorten von Galileo passten :ok_hand:); sowie zu guter Letzt Platscher, ein (non-canon) Drama nach einer Idee von @Keksilein.
    Sterbt nicht vor mir.





    Nassmacher


    Es war ein ruhiger Abend im Heckenwald. Keine Miiseele wanderte umher, einzig das Zirpen einiger Käferpokémon erfüllte die Luft mit einer beruhigenden Melodie. Nur Sisknut, unter den Leuten der nahegelegenen Hofstadt vor allem als „der Räuber mit der schlechten Rechtschreibung“ oder auch kurz „die Hirntüte“ bekannt, war hier draußen und bastelte an einem Unterschlupf für die Nacht. Seine Pokémon rannten währenddessen umher, als wäre dies ihr natürliches Zuhause – schließlich lebte er mit ihnen schon so lange hier, dass sie gar nichts anderes mehr kannten.
    Ein merkwürdiges Geräusch ließ ihn aufhorchen. Es klang nicht wie die üblicherweise in den Büschen umhertollenden Pflanzenpokémon des Waldes, es war etwas anderes. War er etwa doch nicht das einzige Mii hier draußen? Er deutete seinen Pokémon, einen Moment lang ruhig zu sein und schlich sich vorsichtig in die Richtung, aus der das Geräusch kam.
    Darauf bedacht, kein verdächtiges Geräusch zu machen, versteckte sich Sisknut hinter einem Busch und spähte hindurch. Dort draußen war tatsächlich jemand. Es waren zwei Miis, eines war anscheinend gefesselt und lag am Boden, das andere stand vor ihm und hatte ein verrücktes Grinsen auf dem Gesicht. In seiner Hand hielt es eine Flasche mit irgendeiner Flüssigkeit. Sisknut beobachtete, wie das komplett in Blau gekleidete Mii den Deckel langsam abdrehte und dabei anfing, zu lachen. Das andere Mii versuchte, sich zu befreien, seine Augen waren vor purer Angst geweitet. Doch es war vergebens. Der Inhalt der Flasche wurde langsam über seinen Körper gegossen, das stehende Mii wirkte wie weggetreten, als wäre es gerade dabei, ein Kunstwerk zu erschaffen.
    Sisknut konnte nicht genau sagen, was für eine Flüssigkeit es war. Sie war komplett durchsichtig. War es etwa … Wasser? Bei diesem Gedanken musste der Räuber schlucken. Doch es schien nicht komplett weit hergeholt zu sein, denn er beobachtete, wie die Bewegungen des am Boden liegenden Miis immer langsamer und ruckartiger wurden, bis sich auch an seiner Oberfläche schon die ersten Anzeichen von Rost zeigten.
    „Pandagro“, flüsterte Sisknut seinem Pokémon zu, „schnapp dir dieses Monster.“
    Das Spielzeugpokémon stürmte aus seinem Versteck. Es sprang auf das Mii zu, das geschockt und wie erstarrt stehen blieb, warf es zu Boden und fixierte seine Hände und Beine mit seinem eigenen Körpergewicht. Sisknut sprang nun ebenfalls aus dem Busch.
    „Wer bist du und was treibst du in meinem Wald?“, fragte er das Mii, das nun langsam zu realisieren schien, was hier gerade geschah.
    „Mein Name ist Galileo“, sprach es langsam, „und das ist nicht dein Wald, sondern mein Spielplatz.“
    „Was'n Spinner“, murmelte Sisknut. „Da denkt man, als Räuber is' man schon der Abschaum, aber der hier geht ja gar nich'.“
    „Was redest du da? Willst du nicht mitspielen?“, fragte Galileo.
    „Das nennst du 'n Spiel? Du Psycho hast dir'n falschen Ort für den Scheiß hier ausgesucht. In mein'm Wald wird keiner umgebracht, geht das in deinen Schädel?“
    Galileo lachte. „Zu spät, du Witzfigur!“
    „Wenn schon, dann Hirntüte!“, schnaubte der Räuber beleidigt. „Ich bring dich in die Stadt, dann soll der König seh'n, was er mit dir anstellt.“
    Er löste die Fesseln des am Boden liegenden Miis, das inzwischen komplett von einer dunkelroten Rostschicht überzogen war. Dann ging er zu Galileo und versuchte, diese an dessen Handgelenken und Füßen anzubringen, doch dieser witterte die Gelegenheit, sprang auf und rannte davon.
    „Pandagro! Ursaring! Schnappt ihn euch!“, rief Sisknut laut. Pandagro rannte dem fliehenden Mii sofort hinterher und Ursaring kämpfte sich durch den dichteren Teil des Waldes, um ihm schließlich den Fluchtweg zu versperren. Langsam kamen sie Galileo näher. Dieser sah sich hektisch um, doch er sah keinen Ausweg mehr. Da kramte er in einer Innentasche seiner Jacke und zog etwas hervor: Eine weitere Flasche. Erschrocken wichen die beiden Pokémon ein Stück zurück. Schritt für Schritt kam Galileo dem Ursaring näher, doch mit jedem Schritt wich dieses auch einen Schritt zurück. Es war wohl ausweglos. Es konnte es nicht riskieren, von der Flüssigkeit berührt zu werden.
    Als ein lautes Brüllen erklang, drehte sich Galileo erschrocken um. Hinter ihm stand ein Siberio, bestimmt fünfmal so groß wie er selbst, und auf ihm ritt der Räuber, das eingerostete Mii in den Armen. Das Siberio stieß einen mächtigen Blizzard aus, der den Verrückten zu Eis gefror.
    „Bringt ihn rauf“, befahl Sisknut den beiden Spielzeugpokémon am Boden. „Wir geh'n schnell in die Stadt. Vielleicht is' es ja noch nich' zu spät für den hier.“





    Die Moritat von Galileo Eiszapfen, oder: Spielzeugtod in a Nutshell – Die Dreipokédiamantenoper


    Und Tohaido, der hat Zähne
    Und die trägt er im Gesicht
    Galileo, der hat Zapfen,
    Doch die Zapfen sieht man nicht.


    Ach, es sind Tohaidos Flossen
    Rot, wenn dieser Blut vergießt!
    Galileo nutzt nur Wasser,
    Drin man keine Untat liest.


    Auf des Schneefelds weißen Weiten
    Fallen plötzlich Leute um!
    Es ist weder Pest noch Cholera
    Doch es heißt: Leo geht um.


    An 'nem schönen blauen Sonntag
    Liegt ein toter Mann im Wald
    Und ein Räuber um die Ecke
    Jenen Galileo fand.


    Und Indigo bleibt verschwunden
    Und so mancher reiche Mann
    Und sein Geld hat Galileo,
    Dem man nichts beweisen kann.


    Jene Nija ward gefunden
    Mit 'nem Zapfen in der Brust
    Und beim Tempel, da geht Leo,
    Der von allem nichts gewusst.


    Wo ist Obi, der Ballonsherr?
    Kommt das je ans Sonnenlicht?
    Wer es immer wissen könnte –
    Galileo weiß es nicht.


    Und der große Dampf im Schwarzen,
    Fort ist Thrawn, ein alter Greis –
    In der Menge Galileo, den
    Man nicht fragt und der nichts weiß.


    Und die minderjährige Witwe
    Deren Namen jeder weiß
    Wachte auf im Reich Yveltals,
    Leo, welches war dein Preis?





    Platscher


    Spalt im Erdreich. Keksi kommt durch ein Dimensionsportal, das aussieht wie ein Ring von Hoopa.


    KEKSI. Puh, das war mal wieder 'ne Episode. Ich brauch jetzt dringend 'nen Knuddler. schaut auf Kiri? schaut sich um Kiri? Wenlok? Wo seid ihr denn, Leute? seufzt Nicht auch das noch. Hoffentlich sind sie wenigstens irgendwo in der Nähe. geht los, kommt zu einer Höhle
    GALILEO. Ich höre Schritte. Das muss er sein. Bereit, Omega?
    FRAU. schreit Aaaaah!!
    KEKSI. Oh nein, was war das? Kam das von da drin? betritt die Höhle
    GALILEO. Hahaha, hab ich dich! ... Moment, du bist gar nicht dieser Detektiv.
    KEKSI. Hä? Was geht hier vor sich?
    Die am Boden liegende Frau wird zu einem Zoroark.
    KEKSI. Warum hat dieses Ding so getan, als würde es sterben?
    GALILEO. Das war eine Falle, du Idiot! Aber eigentlich nicht für dich. überlegt Naoko, ist sie auch in Ordnung?
    FROSDEDJE. Frooos! ihr Auge leuchtet
    GALILEO. Wundervoll. Indigo, dein Auftritt!
    Ein Wasserfall stürzt hinter Keksis Rücken in die Tiefe.
    KEKSI. Hä?
    GALILEO. Für dich hätt ich den bestimmt nicht mal gebraucht. Jetzt bist du dran! zückt eine Mineralwasserflasche
    KEKSI. Häää?
    GALILEO. Roste! Roste! Roste! spritzt Wasser auf Keksi
    KEKSI. Ieh! Du machst mich ja ganz nass, lass das!
    GALILEO. Stirb!!! schüttet Wasser über Keksis Kopf
    KEKSI. Das zähl ich als genug geduscht für heute.
    GALILEO. Warum stirbst du nicht?!
    KEKSI. Häää? Du bespritzt ich doch nur mit Wasser. Willst du, dass ich daran ertrinke, oder was?
    GALILEO. Was zum Grypheldis? Was bist du?
    KEKSI. Äh ... Ein Mensch?
    GALILEO. Ein was?
    KEKSI. Vielleicht bin ich ja auch kein Mensch, sondern Ash Ketchum. Du bist jedenfalls eine Hirntüte. schaut zum Wasserfall Ich geh dann jedenfalls mal. Bin für heute eh schon nass genug.
    Keksi geht durch den Wasserfall, wo Wenlok und Pikachu gerade ankommen.
    KEKSI. Oh! Wenlok! Da bist du ja!
    WENLOK. irritiert Prinzessin Keksi? Was tust du denn hier?
    KEKSI. Prinzessin? Oh, du musst mich verwechseln. ... Ich dich im Übrigen auch. deutet auf den Wasserfall Geh übrigens nicht hinter diesen Wasserfall. Da ist irgendein Verrückter. Der hat mich mit Wasser beträufelt.
    WENLOK. schockiert Er hat was?! Oh mein Resharp, geht es dir gut?
    KEKSI. Äh ... ja? War doch nur Wasser.
    WENLOK. Soll ich dir helfen, zum Lichttaubrunnen zu kommen?
    KEKSI. Was für'n Ding? Nein, danke, ich komm klar. Ein Handtuch wär mir lieber.
    PIKACHU. verwundert Was ist mit ihr? Sie ist klatschnass, aber zeigt keine Spur von Angst oder, du weißt schon, Rost.
    WENLOK. Mhm. Und sie verhält sich komisch.
    PIKACHU. Vielleicht ist sie ja speziell beschichtet und wasserdicht oder so. Wer weiß, was die Royals sich alles leisten können.
    KEKSI. Aww, dein Pikachu ist ja niedlich! Das ist mir eben gar nicht aufgefallen, aber es tut ja so, als könnte es mitreden!
    PIKACHU. genervt Nein, Partner, ihr Verhalten hat sich kaum verändert.
    WENLOK. Ach, Pikachu.
    KEKSI. Sag mal, hast du irgendwo meine Freunde gesehen? Die eine hat schwarze Haare und ist unglaublich intelligent und gutaussehend und der andere ... sieht ziemlich genauso aus wie du.
    WENLOK. Nein, außer dir hab ich hier niemanden gesehen.
    PIKACHU. Ist das ein Nebeneffekt vom Wasser? Ist vielleicht nur ihr Hirn eingerostet?
    KEKSI. Schade. Wo können sie nur stecken?
    Ein Dimensionsportal tut sich in der Nähe auf, hindurch treten Kiri und Wenlok.
    KIRI. erleichtert Oh, Keksi! Da bist du ja!
    WENLOK. Wie ich sehe, hast du Wenlok getroffen. Hi Wenlok, ich bin Wenlok. Schön, dich kennenzulernen, Wenlok.
    KEKSI. freudig Ihr habt mich gefunden! Was bin ich erleichtert, ich dachte schon, ich seh euch nie wieder!
    Der Wasserfall friert ein, hindurchgesprungen kommen Galileo und Frosdedje.
    GALILEO. schreit Sterbt wenigstens ihr! bespritzt Kiri und Wenlok mit Wasser
    KIRI. Hey, mich feucht machen ist Keksis Job!
    WENLOK. Also echt mal, lass den Unsinn! Ist ja voll die Wasserverschwendung!
    WENLOK. Was ist hier los, Pikachu? Waren da Drogen in unserem Frühstückskaffee?
    PIKACHU. Vielleicht verschwinden sie wieder, wenn wir uns ganz langsam entfernen.
    WENLOK. Guter Plan.
    Wenlok und Pikachu bewegen sich langsam rückwärts, während Kiri ein neues Dimensionsportal erschafft.
    KIRI. Wir sollten weg von hier.
    WENLOK. Was Kiri sagt.
    GALILEO. Warum sterbt ihr nicht?!? bespritzt das Dimensionsportal
    KEKSI. Ja, ich glaube, ihr habt recht. War nett euch zu treffen, Wenlok und Pika-- Moment, wo sind sie hin?
    KIRI. Ist doch egal. Gehen wir heim.
    KEKSI. Ich hätt das Pikachu doch so gern einmal gestreichelt.
    WENLOK. Kannst du im nächsten Universum, in dem wir landen, bestimmt auch noch.
    GALILEO. Heeey, ignoriert mich doch nicht einfach!
    Kiri, Keksi und Wenlok verschwinden durch das Dimensionsportal.
    PIKACHU. flüstert Sind sie weg?
    WENLOK. flüstert Mal schauen.
    PIKACHU. flüstert Will nicht. Will lieber heim.
    WENLOK. flüstert Sollten wir nicht den Kerl da einfangen?
    PIKACHU. flüstert Ja, schon, aber ... ich bin nicht in der Verfassung dafür.
    WENLOK. flüstert Okay. Willst du noch nen Kaffee?
    PIKACHU. flüstert Mhm. Aber diesmal ohne komische Zusätze.
    Alle ab.




  • Hallo Kiri.


    Tja, ich scrolle durch dein Topic und suche nach etwas, das ich kommentieren möchte. Das Problem ist, auch wenn ich nichts gegen Spielzeugschattentexte habe (einige meiner besten Freunde sind Spielzeugschattentexte), so fällt es mir doch schwer, sie nicht im Kontext des Gesamtwerks zu betrachten - und wenn ich das tue, geht es einfach immer über das Werk hinaus. Nichtsdestoweniger wollte ich, bevor ich mich einem anderen Werk zuwende, kurz etwas zu Die Moritat von Galileo Eiszapfen, oder: Spielzeugtod in a Nutshell – Die Dreipokédiamantenoper sagen: Im Prinzip ist das eine gelungene Adaption des Originalwerks im Rahmen von Spielzeugtod, aber das Gedicht enthält leider einen schwerwiegenden Logikfehler: Da ich die Person, die sich Thrawn nennt, (leider) persönlich kenne, so kann ich versichern, dass der sich nie hätte umbringen lassen. Tatsächlich, wäre die Rolle des Ermittlers nicht schon von jemand anderem besetzt gewesen, so hätte er sie wahrscheinlich an sich gerissen. Davon abgesehen hat mir das Gedicht aber sehr gefallen, zumal es zeigt, dass es glücklicherweise immer noch Leute gibt, die Nija nicht vergessen haben.


    Ansonsten gehe ich dann aber mal über zu Morgen, Kinder, wird's nichts geben Kiris Weihnachtsmedley. Ich mag ja ohnehin Parodien und dieses Gedicht gefällt mir besonders. Nicht nur, dass es kunstvoll auf verschiedene Weihnachtslieder anspielt, die dabei immer noch erkennbar sind, es stellt auch gut die unangenehmeren Seiten der Weihnachtszeit da, die vermutlich dem einen oder anderen vertraut vorkommen dürften. Von der ersten Strophe könnte ich auch direkt ein Liedchen singen (Ha ... Ha ...), auch wenn es in den letzten Jahren besser geworden ist. Arbeit über die Festtage ist natürlich auch nicht schön und bekommt noch einmal eine andere Dimension, vermutlich insbesondere, wenn man dabei direkt mit all den Leuten konfrontiert wird, die frei haben. Weiter geht es dann mit dem Tannenbaum, den wir alle Jahre wieder aus irgendeinem Grund aufstellen müssen, mit dem den Hausfrieden störenden Weihnachtsmann und natürlich dem ganzen Konsumgedöns. Insgesamt deckt das Gedicht damit wesentliche Kritikpunkte heraus, die in Bezug auf das Weihnachtsfest zu machen wären und anhand derer man mal hinterfragen könnte, ob hinter dem angeblichen Zauber von Ruhe, Besinnlichkeit, etc. nicht doch etwas steckt, das deutlich weniger schön ist.

    Was dem Gedicht eine besondere Wirkung verleiht, ist die Tatsache, wie schön die sonst euphorischen Ausrufe aus den bekannten Liedern in ein zynisches Gegenteil verkehrt werden. Aus den Versen tropft der bittere Spott förmlich heraus - das finde ich echt ziemlich genial gemacht.

    Alles in allem ein wirklich interessantes Weihnachtsmedley mit starker Wirkung, das ich gerne gelesen habe (auch wenn das erste Mal Lesen jetzt auch schon etwas her ist).


    Man liest sich!


  • Saisonfinals sind schön


    110067-35b67439.pngSchaut ihn euch an, den grünen Saisonfinalorden. Ist er nicht schön? Zu schade, dass er nicht gebraucht wurde. (Es sei denn, er wird an die beiden Finalvorrundenteilnehmer vergeben. Das weiß ich zu dem Zeitpunkt, wo ich das schreibe, noch nicht.) Aber wie dem auch sei ... Was für eine Saison. Zwischenzeitlich so frustriert, dass ich sie fast aufgegeben hätte (das Voten hab ich ja sogar für ein paar Wettbewerbe aufgegeben), ist mein Rückblick auf mein Schreibjahr doch eher positiv. Ich habe einige Abgaben geschrieben, die ich immer noch ziemlich gut finde (und die vielleicht demnächst auch noch einen eigenen Post hier bekommen) und das Finale lief ... naja, ziemlich geil eigentlich. Also einerseits kann sich ein erster/zweiter (unzutreffendes rauslöschen) Platz am Ende doch sehr gut sehen lassen, auch wenn die Teilnehmerzahl eher bescheiden war, andererseits waren die drei Vorrundensiege ein sehr willkommener Egoboost, wenn ich das so sagen darf. Da waren einmal Auf Schnee gebaut, das mit einem soliden Abstand die Lyrikrunde zum Thema Vergänglichkeit gewann, dann Die Farbe der Amnesie, das in der Epikrunde zum Thema Erlebnis sogar nur ein Unentschieden errang (obwohl es laut meiner Tabelle knapp vorne gewesen sein muss!), und zu guter Letzt Viel Drama um nichts aus der Dramarunde (wie überraschend) zum Thema Streit, das wiederum mit einem okayen Vorsprung gewann. Und nach alledem folgte noch die neue, alles entscheidende Runde. Das Finalfinale, wo ich über ein kleines Hoppelscoppelmaskottchen schreiben musste und mit Der kleine Weltenhoppler auch irgendeine vermutlich knappe, aber gute Platzierung innerhalb der Top 3 erringen konnte. An dieser Stelle gehen noch ein paar Shoutouts an tolle Leute und Autorenkollegen raus, die die jeweils drei Strophen langen fremden Geschichten innerhalb dieses Gedichts inspiriert haben. Ganz viel Liebe an Keksdrache und ihren God Stone, Slimsala und seine Verrückten, Pika! und ihre Hyrule Symphonia (wobei ich mich hier nur auf die Vorgeschichte, die Ariette der Zeit, beziehe), sowie Azaril und seine FF Zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Ach ja und der letzte Abschnitt ist natürlich mein Memezeugschatten und nicht die leicht bessere Version davon, haha. Außerdem geht noch ein bisschen Restliebe raus an Cassandra und Cloudstripe , die dieses süße Scoppel, das mir da dieses Finale gewonnen (?) hat, designt haben.




    Auf Schnee gebaut

    Vorbei sind heut' die Zeiten, als man fror,

    die Sonne schenkt uns ihre warmen Strahlen,

    um Frühlings Bilder auf die Welt zu malen,

    ein weißes Blümlein streckt den Kopf empor.


    Die Hitze raubt mir langsam mein Gesicht.

    Nach kalten Wintertagen ich mich sehne

    und weine dabei Träne über Träne.

    Sie aufzuhalten, das vermag ich nicht.


    Ein Sonnenstrahl streift grausam meine Haut,

    im Schmelzwasser erkenne ich mich wieder,

    mein Ende ist damit zum Greifen nah.


    Ich denk' zurück an alles, was geschah.

    Die Flocken tanzen nie mehr zu mir nieder,

    denn unser Traum war stets auf Schnee gebaut.




    Die Farbe der Amnesie

    „Zum Glück“, seufze ich, als ich ein Pokémon-Center in einer kleinen Lichtung erblicke. Ich hatte schon befürchtet, mir im Wald ein Lager aufschlagen zu müssen. Wo bin ich überhaupt? Und warum dämmert es schon wieder? Ich bin doch gerade erst losgezogen.

    „Guten Abend, Trainer“, begrüßt mich Schwester Joy und lächelt freundlich.

    „Guten Abend“, grüße ich zurück und lege meine Pokébälle vor sie auf den Tisch. „Könnten Sie bitte meine Pokémon heilen?“

    „Selbstverständlich“, sagt sie. „Aber was ist denn mit diesem roten Ball an deinem Gürtel?“

    Ich schaue verwirrt an mir herunter. Tatsächlich, ein roter Ball mit schwarzen Einkerbungen an den Seiten. Wo habe ich den überhaupt her? Es ist, als wäre der ganze Tag ein einziger Filmriss.

    „Äh, ja, den natürlich auch“, sage ich peinlich berührt, doch bemüht, mir nichts anmerken zu lassen. Dann hole ich meinen Reiseführer heraus und schlage die Seite mit der Karte auf. „Können Sie mir sagen, wo ich gerade bin? Ich habe mich wohl verlaufen.“

    „Oh, aber natürlich“, sagt Schwester Joy und deutet auf eine Route. „Hier, im Osten der Route 36. Viola City ist zu Fuß nur etwa eine halbe Stunde von hier entfernt.“

    „Vielen Dank“, sage ich und lasse die Schwester meine Pokébälle zur Behandlung bringen. Was ist heute nur geschehen? Ich bin anscheinend in die komplett falsche Richtung gelaufen.


    30 Minuten vorher:

    Ich gehe weiter voran. Ich weiß zwar nicht, ob das der richtige Weg ist, aber es gibt nur diesen einen, also habe ich sowieso keine Wahl. Die Sonne steht schon ziemlich niedrig und mich beschleicht ein merkwürdiges Gefühl, als wäre heute irgendetwas Schreckliches passiert, an das ich mich nicht erinnern kann.

    Mein Magen knurrt. Ich öffne meinen Rucksack und suche nach dem Proviant, den ich mir heute Morgen eingesteckt hatte. Wo ist er nur? Merkwürdig. Habe ich ihn etwa irgendwann gegessen und danach vergessen? Es wäre zumindest nicht das erste Mal, dass mir so etwas passiert. Vielleicht habe ich ja Glück und finde bald ein Pokémon-Center.

    Ein Rascheln reißt mich aus meinen Gedanken und ich drehe mich schnell um. Auf den Weg vor mir springt ein wildes Pokémon und ich kann meinen Augen kaum trauen. Ist das … ist das wirklich ein Traumato? Aber es ist nicht gelb, sondern leuchtend pink. Ich zögere nicht lange, greife nach dem Jubelball in meiner Tasche und werfe ihn auf das Pokémon. Er wackelt noch ein bisschen, dann bleibt er zu. Unglaublich! Aber Moment mal … Wo habe ich diesen Jubelball überhaupt her?

    Ich hebe ihn auf und betrachte ihn ungläubig, da springt mein neues Traumato wieder aus dem Ball. Es bewegt seine Arme hin und her wie bei einem hypnotisierenden Tanz und ich fühle mich auf einmal ganz schwummrig.


    25 Minuten vorher:

    Meine Beine werden langsam müde, also halte ich Ausschau nach einem schönen Platz, um ein paar Minuten Rast zu machen. Zwischen einigen Bäumen entdecke ich schließlich einen kleinen See und beschließe, mich dort ans Ufer zu setzen. Die Taubsi zwitschern fröhlich in den Bäumen und ein paar Ledyba fliegen über das im Sonnenlicht glitzernde Gewässer hinweg.

    Ich stelle meinen Rucksack neben mir ab und hole meine Wasserflasche heraus. Wenn ich schon an einem Ort wie diesem bin, kann ich sie ja auch gleich auffüllen – laut meinem Reiseführer gibt es in dieser Gegend das klarste Wasser der gesamten Region.

    Als ich gerade am See knie, höre ich ein dumpfes Geräusch hinter mir. Instinktiv drehe ich mich um und sehe etwas Pinkes an meinem Rucksack. Es fischt sich gerade mein Essen heraus.

    „Hey!“, rufe ich und das Pokémon dreht sich um. Erst jetzt erkenne ich, dass es ein Traumato ist. Ein pinkes Traumato. Als wollte es mich damit provozieren, beißt es genüsslich von meinem Sandwich ab und legt mein Essen dann neben sich auf den Boden. Es bewegt seine Arme seltsam auf und ab und ich merke nur noch, wie mir schwarz vor Augen wird.


    35 Minuten vorher:

    „Traue niemals einem pinken Traumato“, sage ich gedankenverloren vor mich hin.

    Moment, was? Einen Moment lang halte ich inne. Ich habe keine Ahnung, wie ich nun darauf gekommen bin. War wohl einer dieser seltsamen Momente des Gehirntotalausfalls. Als gäbe es so etwas wie ein pinkes Traumato wirklich …

    Ich gehe weiter und versuche, nicht länger daran zu denken, doch der absurde Gedanke an ein pinkes Traumato hat sich bereits in meinem Kopf festgesetzt und ich werde ihn nicht mehr los.

    Ein Geräusch lässt mich anhalten. Irgendetwas versteckt sich in den Büschen. Für ein kleines Übungskämpfchen mit einem wilden Pokémon bin ich gerade gern zu haben, also schleiche ich mich näher und beobachte, was dort vor sich geht. In einer kleinen hohlen Stelle zwischen den Wurzeln eines Baumes macht sich ein pinkes Pokémon an etwas zu schaffen, das ich nur als ein Lager für gestohlene oder gefundene Gegenstände erkennen kann.

    „Ist das etwa ein … ein …“, stottere ich, nicht in der Lage, meinen Gedanken ganz auszusprechen. Das Traumato dreht sich zu mir um, sichtlich erschreckt darüber, dass ich sein Lager entdeckt habe, und lässt dabei einen Gegenstand fallen, der in meine Richtung rollt. Ein sehr seltener Pokéball. Ich hebe ihn auf und stecke ihn in meinen Rucksack. Wo auch immer es ihn her hat, es selbst kann ihn sowieso nicht gebrauchen. Das Traumato stellt sich vor den Baum und blitzt mich angriffslustig an.

    „Los, Karnimani!“, rufe ich und lasse mein Pokémon aus seinem Ball. Vor mir materialisiert sich ein Wesen, das einen guten Meter groß ist und irritiert in meine Richtung schaut. Es hat sich entwickelt? Wie ist das passiert? Wie konnte ich das vergessen? So sehr ich mich auch anstrenge, ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern. Das Tyracroc keucht angestrengt, dann bricht es vor meinen Augen zusammen. Ich rufe es vollkommen irritiert zurück.

    Das pinke Traumato wedelt mit seinen Armen und ich habe das Gefühl, jeden Moment selbst zusammenzubrechen.


    40 Minuten vorher:

    Endlich komme ich an einer kleinen lichten Stelle im Wald an. Ich schaue in meinen Reiseführer, dann auf den Weg vor mir, dann wieder in den Reiseführer, dann wieder auf den Weg vor mir. Ja, hier bin ich richtig. An dieser Stelle muss ich nach Norden weiter, dann dürfte ich schon gegen Abend mein Ziel erreichen. Ich drücke mich an einem Mogelbaum vorbei, das seine Tarnung um keinen Preis aufgeben möchte.

    Im hohen Gras am Wegesrand zieht auf einmal etwas meine Aufmerksamkeit auf sich. Es ist definitiv ein Pokémon, und es ist pink. Ich kann mich nicht erinnern, auf dieser Route schon einmal ein wildes Pokémon gesehen zu haben, das eine so auffällige Farbe hatte. Ich nähere mich langsam, da dreht es sich um.

    „Ist das ein pinkes Traumato?“, frage ich laut, als könnte mir jetzt irgendjemand diese Frage beantworten. Das Pokémon kommt langsam auf mich zu und schnuppert vorsichtig. Ich streichle ihm über den Kopf.

    „Hey, willst du mich vielleicht auf meiner Reise begleiten?“, frage ich. Das Traumato schaut mich mit großen Augen an und nickt. „Das freut mich.“ Ich zücke einen Pokéball. „Aber zuerst sollten wir gegenseitig austesten, wie stark wir eigentlich sind.“ Ich lasse mein Karnimani heraus und beide positionieren sich für einen Kampf.

    „Los, Aquaknarre!“, rufe ich meinem Karnimani zu. Es sammelt Wasser in seinem Mund und lässt dieses dann mit hohem Druck auf das pinke Pokémon los. Dieses springt gerade noch rechtzeitig zur Seite, dann springt es auf mein Pokémon zu und schlägt zu.

    „Pfund? Ist das alles, was du kannst?“, frage ich herausfordernd. Mein Karnimani greift erneut mit Aquaknarre an, diesmal sogar mit Erfolg. Das Traumato bleibt einen Moment lang am Boden liegen, da beginnt mein Pokémon zu leuchten.

    Ich kann es kaum glauben. Mein Karnimani entwickelt sich endlich weiter! Es dauert nur Sekunden, dann ist das kleine Pokémon auf etwa die doppelte Größe angewachsen und sieht auch gleich mindestens viermal so stark aus. So können wir gar nicht verlieren!

    Ich überlege kurz, welche Attacken es nun beherrschen müsste. Diese Zeit nutzt das Traumato, um sich wieder aufzurichten. „Okay, Tyracroc, setz Biss ein!“, befehle ich. Es rennt auf das Psycho-Pokémon zu, springt kurz vor ihm ab und stürzt dann auf es nieder. Fast der ganze Kopf des Gegners steckt nun in seinem Maul, doch dieser scheint auch weiterhin sehr unbeeindruckt zu sein. Das Traumato hebt seine Hände hoch und Tyracroc beginnt, über ihm zu schweben. Dann lässt es meinen Partner mehrmals auf dem Boden aufknallen, nur um ihn jedes Mal wieder mit seiner Konfusion hochzuheben und wieder fallen zu lassen.

    „Das reicht jetzt!“, rufe ich und rufe dabei auch mein Pokémon in seinen Ball zurück. „Du bist wirklich stark“, sage ich anerkennend und werfe einen Pokéball. Das Traumato grinst verschmitzt, hält seine linke Hand hoch, und der Ball zerschellt noch in der Luft.

    „W-was?“, stottere ich ungläubig. Das pinke Pokémon schwingt seine Arme auf und ab und zieht mich damit vollkommen in seinen Bann. Ich kann nicht wegsehen, ich muss ihm bei seinem merkwürdigen Tanz zusehen. Langsam fühle ich, wie mir die Sinne schwinden und ich mich nicht mehr auf den Beinen halten kann.


    8 Stunden vorher:

    Pokémon, Bälle, Proviant, Wasser, Reiseführer, Geld. Gut, ich habe alles eingepackt. Ich verlasse mein Zimmer und schaue auf dem Weg nach draußen noch einmal kurz bei Schwester Joy vorbei.

    „Du brichst also auf? Teak City war dein nächstes Ziel, nicht?“, fragt sie.

    „Mhm, genau“, sage ich.

    „Die Stadt solltest du ja bis Sonnenuntergang erreichen können“, sagt sie und lächelt. „Viel Spaß auf deiner weiteren Reise.“

    Ich bedanke mich und ziehe los. Morgen könnte es schon so weit sein – mein vierter Arenakampf ist zum Greifen nah!




    Viel Drama um nichts

    Ein ruhiges Café. Der Raum ist hell und freundlich, in einem Regal an der Wand liegen einige Bücher aus. Fast alle Tische sind leer, nur an einem Tisch in der Mitte des Raumes sitzen zwei Personen: Der EPIKENTHUSIAST hat einen schwarzen Kaffee vor sich stehen, während der LYRIKLIEBHABER an seiner heißen Schokolade nippt. Auch auf ihrem Tisch liegen ein paar Bücher, von denen sich der EPIKENTHUSIAST eines nimmt und darin blättert.


    EPIKENTHUSIAST. (seufzt) Schon wieder.

    LYRIKLIEBHABER. Hm?

    EPIKENTHUSIAST. Schon wieder Lyrik.

    LYRIKLIEBHABER. Oh.

    EPIKENTHUSIAST. Hier kann man doch kein Buch in die Hand nehmen, ohne Gefahr zu laufen, dass man schon wieder Lyrik erwischt. Schlimm sowas.

    LYRIKLIEBHABER. Hmhm.

    EPIKENTHUSIAST. Willst du mir denn gar nicht zustimmen? Findest du nicht auch, dass damit übertrieben wird?

    LYRIKLIEBHABER. Ich sag’s frei aus dem Bauch:

    Ich bleibe da ganz unbeirrt.

    EPIKENTHUSIAST. Wie bitte?

    LYRIKLIEBHABER. Zwei Drittel dürften sowieso

    die „gute alte Epik“ sein.

    Da bleibt am Ende nicht mehr viel

    für jemanden wie mich allein.

    EPIKENTHUSIAST. schluckt Hast du gerade …

    LYRIKLIEBHABER. trocken Ja.

    EPIKENTHUSIAST. Ich hätte es wissen müssen. Jemand, der sich in ein Café setzt und dort eine verflüssigte Zuckerbombe zu sich nimmt, der kann gar nicht normal sein!

    LYRIKLIEBHABER. Was das mit irgendetwas nun

    zu tun hat, das versteh ich nicht.

    Doch kriegt man auch nicht jeden Tag

    jemand so Blödes zu Gesicht.

    EPIKENTHUSIAST. aufgebracht Bitte?

    LYRIKLIEBHABER. Die Oberflächlichkeit ist dir

    auf hundert Meter anzuseh’n.

    Was du hier von dir gibst, das ist

    doch nur noch dumm und nicht mehr schön.

    EPIKENTHUSIAST. Muss ich mich wirklich von jemandem beleidigen lassen, der eiskalt in Reimen spricht, weil man nicht seiner Meinung ist? Das ist doch Kindergartentheater hier!

    LYRIKLIEBHABER. ruhig Ich weiß ja nicht, ob „Kindergarten“

    nicht eher ist, wenn man versteift

    auf seine eine Lieblingsgattung

    bestehend jeden Rest angreift.

    EPIKENTHUSIAST. Muss ich mir das wirklich geben? Ist das dein Ernst?

    LYRIKLIEBHABER. Ja.

    EPIKENTHUSIAST. schweigt einige Sekunden, wischt sich dann den Schweiß von der Stirn Ach ja? Dann … Dann erklär mir doch mal, was an deiner geliebten Lyrik so großartig sein soll!

    LYRIKLIEBHABER. Die größten Gefühle

    in kürzesten Versen,

    die prachtvollsten Bilder

    mit Sorgfalt gemalt;

    nicht so, wie die Epik

    mit tausenden Wörtern

    und hunderten Sätzen

    alleine schon prahlt.

    EPIKENTHUSIAST. Dass ich nicht lache. Als könnten eine Handvoll Verse jemals die Emotionen einfangen, die einen ganzen Roman benötigen, um sich zu entfalten und den Leser komplett in seinen Bann zu ziehen. Als könnte ein Gedicht jemals eine Handlung erschaffen, die den Leser mitreißt, sodass er das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Charaktere, die den Anschein erwecken, selbst lebende Menschen zu sein, mit echten Motivationen und realen Gefühlen, so etwas habe ich noch nie auch nur in einem einzigen Gedicht entdeckt.

    LYRIKLIEBHABER. Ich suche noch nach dem Roman,

    der es für mich vermag,

    der Liebe Wesen einzufangen,

    ich such’s zu diesem Tag.

    Ich suche noch nach jenem Buch,

    das nach zwei Zeilen schon

    mich mit Gefühl gefangen hält,

    ich such danach voll Hohn.

    EPIKENTHUSIAST. wild gestikulierend Ich habe schon tausende Romane gelesen, die ebendas vermochten, noch nie aber ein Gedicht. Ein Gedicht liest man, und man freut sich in dem Moment vielleicht über ein schönes Stilmittel oder einen guten Reim, aber danach ist es vorbei und man vergisst es einfach wieder. Ein Roman hingegen bleibt. Manche Charaktere, manche Geschichten begleiten einen ein Leben lang.

    LYRIKLIEBHABER. Und mancher Vers, der tut’s genauso,

    es ist mir oft genug passiert,

    dass er sich, wenn schon längst gelesen,

    zurück in meinen Kopf verirrt.

    Dass er sich einbrennt, Tage, Wochen,

    gar Jahre, gar für immer bleibt,

    dass er sich, fast, als wär’s ihm möglich,

    zu einem Teil des Lebens schreibt.

    EPIKENTHUSIAST. So einen Unsinn kann man auch nur von so jemandem wie dir hören. Kein Gedicht hat mir je ein solches Gefühl beschert. Ihr Lyrikluschen tut immer so, als wärt ihr richtig tiefsinnig und als hätte euer Schwachsinn so viele versteckte Botschaften. Dabei wollt ihr doch nur darüber hinwegtäuschen, dass ihr im Grunde nur mit inhaltslosen Phrasen um euch werft.

    LYRIKLIEBHABER. Und das hör‘ ich von jemandem,

    der lieber hundert Seiten liest,

    dort irgendwo ein Sätzchen streift,

    durch das ein Tränchen er vergießt,

    statt das Gefühl, zehnmal so stark,

    nach hundert Wörtern schon zu seh’n,

    denn dafür müsst‘ – Gott steh‘ ihm bei –

    in seinem Hirn etwas gescheh’n!

    Doch wer erwartet anderes?

    Der Epikesel, wie man weiß,

    mag Inhalt ins Gesicht geklatscht,

    denn Qualität juckt ihn ‘nen Scheiß.

    EPIKENTHUSIAST. aufgebracht Bitte? Du wüsstest doch noch nicht einmal, was Qualität ist, wenn sie jemals in einem deiner Gedichte vorkommen würde. Ich habe die Werke der großen Meister gelesen und manchmal haben sie mich vielleicht kurzzeitig berührt, bevor ich sie für immer wieder vergaß. Ich habe auch deine sogenannten „Werke“ gelesen, aber sie haben mich nicht für eine Sekunde gestreift. Und nun erzählst du mir etwas von Qualität? Ha!

    LYRIKLIEBHABER. wütend Hör zu, du aufgeblasenes

    Stück Scheiße machst doch nicht als Stress.

    Du pöbelst nur, du redest dumm

    und drehst dir alles fünfmal um,

    wie es dir passt für deinen Müll

    und kotzt es aus als Kampfgebrüll.

    Als ob Talent, schlecht oder gut,

    hier irgendwas zur Sache tut.

    Doch wo wir grad schon dabei sind,

    du arrogantes dummes Kind

    schreibst auch nicht so wie eh und je

    die besten in deinem Metier.

    Noch nie hat mich dein Scheiß berührt,

    noch nie zu einem Kauf verführt,

    noch nie hat es mich interessiert,

    wer nun am End‘ des Buchs verliert.

    EPIKENTHUSIAST. Natürlich nicht. Du bist eben zu beschränkt, um die ganzen verborgenen Details erkennen und wertschätzen zu können. Natürlich hältst du nichts von einem guten Schreibstil, für deine sogenannte Kunst braucht man ja keinen. Die Zahlen geben mir übrigens recht. Die Anzahl der Menschen, die Romane mögen, ist um ein Vielfaches höher als die derjenigen, die Gedichte bevorzugen. Denk mal darüber nach.

    LYRIKLIEBHABER. Seit wann ist das ein Qualitätsmerkmal?

    Der Mainstream macht da doch die hohe Zahl.

    Was leicht zu lesen, zu verstehen ist,

    der Mainstream ohne Zweitgedanken frisst.

    EPIKENTHUSIAST. brüllt Erzähl mir nichts vom Mainstream, du weichgespülter Bedeutungsverachter!

    STIMME AUS DEM OFF. gähnt Könnt ihr nicht mal Ruhe geben?

    EPIKENTHUSIAST. erschrocken Wer redet da?

    STIMME A. D. O. Die Stimme aus dem Off, die eigentlich gerade lieber pennen würde, statt euren nutzlosen Diskussionen zuzuhören. Ihr kommt doch eh auf keinen grünen Zweig.

    EPIKENTHUSIAST. Was willst du damit sagen?

    STIMME A. D. O. Na, das ist doch offensichtlich. Ihr seid beide so sehr auf euren Standpunkt versteift, dass ihr euch nur noch im Kreis dreht. Ist das nicht auch für euch ermüdend?

    LYRIKLIEBHABER. Der Kerl da schwafelt eben so viel Dreck –

    STIMME A. D. O. unterbricht ihn Gib Ruhe. Ich will nichts davon hören. Außerdem habt ihr beide Unrecht.

    EPIKENTHUSIAST. Bitte was?

    STIMME A. D. O. Wisst ihr, was passiert ist, als ihr beide gerade wie ein paar Vorschulkinder gestritten habt? Ihr habt ein Drama erschaffen. Die tatsächlich überlegene Gattung.

    EPIKENTHUSIAST. verunsichert H-hey! Lyriklusche! Das können wir uns doch nicht bieten lassen!

    LYRIKLIEBHABER. grinsend Um ehrlich zu sein,

    so macht es mir nichts,

    nur Zweiter zu sein,

    wenn du Letzter bist.

    EPIKENTHUSIAST. A-ach ja? Du gibst so schnell auf! Ha! Wie von einem Verlierer wie dir zu erwarten! Ha! Haha! Ha … Was soll an Dramen überhaupt so gut sein? Kein Mensch liest die!

    STIMME A. D. O. Aber jeder Mensch schaut sie, wenn er den Fernseher einschaltet.

    LYRIKLIEBHABER. Und jeder Mensch hört sein Gedicht

    im Radio, doch Epik nicht.

    EPIKENTHUSIAST. E-es gibt auch Hörbücher.

    STIMME A. D. O. Nischenkram.

    EPIKENTHUSIAST. Aber!

    STIMME A. D. O. Du siehst einfach nicht ein, wenn du verloren hast, was? Meine Gattung, und meine allein, schafft es, euch beide zu vereinen.

    EPIKENTHUSIAST. Man kann auch ein Gedicht in einen epischen Text einbauen!

    STIMME A. D. O. Dann ist es ein Gedicht in einem epischen Text und nichts weiter. Ich kann all meine Charaktere in Versen sprechen lassen. Oder ich lasse sie in normalen Sätzen sprechen. Ich habe mehr Freiheit als ihr, wenn ich ein Werk erschaffen will.

    Der EPIKENTHUSIAST schnaubt, dann steht er auf und verlässt den Raum, ohne sich noch einmal umzudrehen.

    STIMME A. D. O. Der ist aber schnell angepisst.

    LYRIKLIEBHABER. Und das nur, weil ihm jemand gesagt hat, dass er nicht das Nonplusultra aller Dinge darstellt.

    STIMME A. D. O. Sag’s dem Typen nicht, aber … ich find‘ Epik gar nicht mal so schlimm.

    LYRIKLIEBHABER. Ja, halt nur nicht ganz so gut.

    STIMME A. D. O. Objektiv betrachtet gibt’s wohl keinen Qualitätsunterschied, aber jedem das Seine halt.

    Der LYRIKLIEBHABER nimmt sich ein Buch: einen Roman des EPIKENTHUSIASTEN. Dann steht auch er auf.

    LYRIKLIEBHABER. Gute Nacht dann.

    STIMME A. D. O. Danke, dir auch.

    LYRIKLIEBHABER ab, Vorhang fällt.




    Der kleine Weltenhoppler

    Eines schönen Winterabends,

    sich an Tee und Plätzchen labend,

    zog das Scoppel fröhlich hoppelnd

    los, denn es hatt' Zeit gefunden,

    neue Welten zu erkunden.


    Kam vorbei an den Legenden,

    die fast immer glücklich enden,

    Trauerspielen, die gefielen,

    und romantischen Gedichten,

    um die Stimmung dann zu lichten.


    Doch es war'n noch nie die alten

    Bücher, die es lange halten.

    Die Ideen, neu gesehen,

    in modernerem Gewande

    waren seine liebsten Lande.


    So betrat es nun die Welten,

    die Geschichten ihm erzählten,

    wählte leise, wählte weise,

    hoppelte durch jene Pforte

    an ihm unbekannte Orte.



    In vergangenen Zeiten war ein Drache geboren,

    doch aus Angst um das Kind war er versiegelt in Stein.

    Nach gar hunderten Jahren war der Schutz doch verloren,

    in des Drachen Versteck drang nun ein Fremder hinein.


    Fliehen musste der Drache, suchte fortan seine Heimat,

    traf ein friedliches Volk, einen Begleiter und Freund.

    Traf auch auf Hass und auf Missgunst, wo er niemandem leid tat:

    Drachen haben kein Kind, sie sahen in ihm den Feind.


    Er, Verheißung und Fremdling, Legende und doch nicht Legende,

    er, der Legende Kind, Hoffnung dem eigenen Stamm,

    suchte dort in der Fremde aller Irrflüge Ende,

    suchte das alte Land, wo auch er selbst einst her kam.



    Ein Kommissar, ein neuer Fall,

    eine Station, zwei Spezies,

    ein Mord und Dutzende Verrückte

    und keine Spur, Verstrickung nur.


    Die neue Welt, den Menschen fremd,

    die Skepsis blüht' auf beiden Seiten.

    Der Mörder, grausam und brutal,

    erklärte: Ich gehorche nicht.


    Und niemand wusste, was geschah,

    die Fremden nicht und auch kein Mensch;

    auch, wenn es kein Entkommen gab,

    da alles abgeriegelt war.



    Es wehte herbei sanft ein Lied auf den Winden,

    die Taten verschluckt in den Wirren der Zeit

    vom Helden, der aufbrach, die Freundin zu finden,

    doch fand er dort letztlich nurmehr Bitterkeit.


    Er wusst' nicht, wohin ihn sein Weg führen sollte,

    begleitet allein von dem treuesten Ross.

    Und wenn er an einem Ort länger sein wollte,

    so wurd' er enttäuscht, ehe er es beschloss.


    Vom Erzfeind verführt auf der ziellosen Reise,

    da fasste er einen Entschluss in der Not:

    Er musste ihn töten, egal war die Weise.

    In diesem Moment war die Unschuld ihm tot.



    Er wollt' der Allerbeste sein,

    wie keiner vor ihm war,

    und ganz allein zog er umher,

    unterschätzte die Gefahr.


    Er streifte durch das ganze Land

    und suchte weit und breit

    nach Pokémon, doch überall

    standen Feinde schon bereit.


    Verkündeten, sie wollten nun

    die Pokémon befrei'n.

    Für diese Lüge war er taub,

    wollt' ein guter Trainer sein.



    Eine entführte Abenteurerin,

    die sich gab voll und ganz ihrem Entführer hin,

    und dann gerettet werden soll

    von ihrer besten Freundin, die fand das aber gar nicht so toll.


    Die Freundin wollte sie aufhalten

    und sagte deshalb: „Was wäre, wenn

    du einfach auf unsere Seite zurückkehrst

    und dich nicht mehr wehrst?“


    ...



    Scoppel ließ das Büchlein sinken,

    nicht in Fremdscham zu ertrinken,

    brauchte einen nicht so kleinen

    Augenblick, um zu verstehen,

    was gerade war geschehen.


    So erschöpft vom Weltenbummeln,

    sich an fremden Orten Tummeln,

    kehrt' es schließlich kaum verdrießlich

    heim nach diesem jähen Ende

    in die eigenen vier Wände.


    Müde legte es sich nieder,

    kehrte in die Welten wieder,

    nicht versäumend, friedlich träumend

    auf den vielen fremden Erden

    selbst einmal ein Held zu werden.




  • Kiriki-chan

    Hat den Titel des Themas von „Quatsch mit dateiangehängter Erdbeersoße“ zu „Kvatch mit daedrischer Erdbeersoße“ geändert.

  • Blaues Gold


    Heute etwas eher Ausgefallenes, womit ich beim Konkrete Poesie-Wettbewerb teilgenommen habe und leider nur Zweite wurde. Zum Verständnis empfehle ich Die Aetheriumkriege, ein Buch aus Skyrim, das sollte das Gröbste erklären.

    Für dieses Update habe ich die Version ausgewählt, bei der die Artefakte sowie die Schmiede im Hintergrund sichtbar sind, beim Wettbewerb war das ja aus offensichtlichen Gründen nicht erlaubt. Diese Version hatte ich auch mal als Profilbanner eingestellt.

    Und damit leite ich die Skyrimwochen in diesem Topic ein. Oder so. 🐉 (Wenn da mehr als zwei Posts draus werden, fress ich den Besen, den ich in meinem Haus Vlindrel die ganze Zeit aus Versehen aufhebe.)
    Dragon Shoutout an Flocon und seine Aktivitätsaktion





    Blaues Gold