Kein Zurück

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  • Kein Zurück



    "Wenn man einmal das Böse bei sich aufgenommen hat, verlangt es nicht mehr, dass man ihm glaube."
    Franz Kafka



    Vorwort


    Herzlich Willkommen zu meiner Fanfiction "Kein Zurück"! Ich lese hier schon länger ab und zu mit und habe mich nun entschlossen selber etwas zu verfassen und zu teilen. Leider ist der Fanfiction Bereich hier im Bisaboard ja mittlerweile sehr inaktiv geworden, wenn man ihn zu früher vergleicht. Da will ich die wenigen Autoren, die hier tapfer weiter aktiv sind, natürlich nicht alleine lassen.



    Worum geht es?


    Wes, ein einst vielversprechender junger Trainer, hat es vergeigt. Von dem Traum ein Champion zu werden ist nichts übrig als einige angestaubte Orden und ein Berg an Schulden. Täglich muss er das Wohl seiner Pokemon und seine eigene Freiheit in illegalen Kämpfen riskieren, nur um es von einer Woche in die nächste zu schaffen. Als der eisige Griff des organisierten Verbrechens in Orre immer fester wird, bietet sich für Wes die Gelegenheit seine Nöte hinter sich zu lassen und einen Neustart zu wagen. Doch schnell muss er sich eingestehen, dass er zu hoch gepokert hat und die anderen Spieler am Tisch weit gefährlicher sind als befürchtet. Bald findet er sich gefangen in einem Strudel aus Gewalt und Macht, dem er nicht nicht länger entziehen kann. Entkommen ist nicht mehr möglich. Es gibt kein Zurück.


    Was ist zu erwarten?


    Die Geschichte spielt in Orre und macht zwar einige Anspielungen auf Orte und Namen der beiden Spiele, die in dieser Region ihren Schauplatz haben, doch hat mit deren Handlung nichts zu tun. Es wird keine Crypto-Pokemon oder Krallmaschinen geben. Ein großer Teil von "Kein Zurück" konzentriert sich auf die Kämpfe, die der Protagonist austrägt. Dabei werden nur einige ausgewählte Kämpfe im Doppelkampf stattfinden, da es sehr viel schwieriger ist einen Kampf mit vier stat zwei Pokemon übersichtlich und spannend zu schreiben. Des weiteren kann man Einblicke in die fiktive Verbrecherszene Orres erwarten und sollte sich auf Gewalt, Drogenmissbrauch, teils harte Ausdrucksweise und die Möglichkeit für Pokemon als auch Menschen im Laufe der Geschichte zu leiden und/oder zu sterben einstellen. Dadurch könnte sich die Altersempfehlung stellenweise auf P16 verschieben, generell bin ich aber der Meinung, dass P12 kein Problem sein sollte.



    Kapitelübersicht:


  • Prolog


    Der Mann mit dem Nadelstreifenanzug schien jedes mal genau auf die gleiche Weise auf seinem Stuhl zu sitzen, auf die gleiche Weise auf einige Papiere vor sich zu starren und auf die gleiche Weise seiner Umgebung keine Aufmerksamkeit zu schenken. Fast als würde er sich nie rühren. Wes war schon einige Male in diesem Büro gewesen und hatte sich gewundert, dass dieser Mann so vehement in seiner Pose eingefroren schien. Es verlieh ihm etwas Unheimliches, diese Aura der Teilnahmslosigkeit ließ jeden, der vor ihn trat, unwichtig erscheinen. Niemand konnte ihm etwas erzählen, das mehr Aufmerksamkeit verdiente, als das, was die Dokumente auf seinem Schreibtisch ihm verrieten.
    "Wes", sagte der Mann ohne aufzublicken, was erfahrungsgemäß eine Aufforderung zum Hinsetzen war. Wes ließ sich folgsam auf einem harten Stuhl neben der Tür des kleinen Zimmers nieder. Angesichts der Wichtigkeit des Inhabers, war dieses Büro nahezu provokant schlicht. Außer dem Schreibtisch und einer Hand voll alter Sitzgelegenheiten war es leer und trist.
    "Sie enttäuschen mich Wes" bemerkte der Mann im Nadelstreifenanzug in einem so kühlen Tonfall als erkläre er einen mäßig interessanten Sachverhalt. "Das ist schon das zweite Mal in Folge, dass Sie nichts erreicht haben. Muss ich Ihren Nutzen für dieses Unternehmen hinterfragen?"
    Die Tatsache, dass der Mann zu seinen Dokumenten zu sprechen schien machte die Situation noch unangenehmer als sie ohnehin sein würde. Wes wählte seine Worte mit Bedacht. Er war sich bewusst, dass er sich im Augenblick auf sehr dünnem Eis bewegte. Nach einer Weile der Stille, erwiderte er: "Ich kann Ihnen versichern, dass ich nach wie vor mein Bestes gebe."
    Schweigen war die Antwort. Für einen Moment war das einzige Geräusch das Ticken der Uhr auf dem Schreibtisch. Leise raschelten die Papiere, als der Lesende eine Seite umblätterte.
    "Ihr 'Bestes'" wiederholte der Mann trocken und machte sich eine kurze Notiz mit einem Bleistift am Rande des Dokuments, dass er durchsah. Stille folgte. Eine einsame Schweißperle rollte Wes' Nacken hinunter. Es stand wohl schlechter um ihn als befürchtet. Rasch überlegte er, ob er es wagen konnte zu fliehen. Wie weit würde er wohl kommen? Nicht weit genug. Wenn, er jetzt alle Vorsicht fahren ließ und aus der Tür trat, konnte er auch gleich den Mann vor sich bitten dessen Pistole aus der Schreibtischschublade zu nehmen und ihm den Gnadenschuss zu geben.
    "Man hält hier große Stücke auf Sie, Wes. Ich selbst habe mich für Sie schon weiter aus dem Fenster gelehnt, als ich es für andere getan hätte. Sie wissen das."
    Wes schluckte und versuchte einen hilfreichen Gedanken zu fassen. Währenddessen fuhr der Mann weiterhin monoton redend fort: "Ihnen ist wohl klar, dass ich kein Freund von zweiten und schon gar nicht dritten Chancen bin. Allerdings bin ich gewillt Ihnen die Möglichkeit zu geben, sich einen weiteren Anlauf zu verdienen."
    Das klang genau genommen sehr wohl nach einer potentiellen dritten Chance, doch Wes war nicht so verrückt, eine Bemerkung zu machen. Er kannte die Leute mit denen er hier zu tun hatte gut genug, um zu wissen, dass diese 'Möglichkeit' von der der Mann sprach eine Art Strafaufgabe sein würde, die wahrscheinlich lebensgefährlich war.
    "Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen" sagte Wes trotzdem steif und ballte beide Hände zu Fäusten, sodass die Knöchel weiß hervortraten.
    "Sie werden Roman Laroux töten" erklärte der Mann auf eine Art, als trage er Wes auf, den Fußboden zu saugen. "Seien Sie diskret. Wenn Sie wieder versagen, ist Ihre Zeit abgelaufen, das ist Ihnen sicher klar." Blätter raschelten erneut.
    Wes' Gedanken überschlugen sich. Laroux? Das durfte nicht wahr sein!
    "Bei allem Respekt, ich dachte Laroux wäre unter Kontrolle?"
    Der Mann schwieg einen Moment, als er konzentriert auf die Worte vor sich starrte und die Stirn runzelte. Dann sagte er: "Ist er auch. Aber wir haben keine Verwendung mehr für ihn. Unnötige lose Enden sind immer eine potentielle Schwäche. Schalten Sie ihn aus und ich werde überdenken, ob Sie die Ressourcen für einen weiteren Versuch wert sind."
    Der Tonfall verriet, dass das Gespräch für ihn damit beendet war. Wes rührte sich jedoch nicht. Das war Wahnsinn! Laroux töten? Vollkommen überflüssig! Dann dämmerte es ihm. Es ging nicht um das Opfer, es ging um ihn. Wes hatte den Kontakt aufgebaut und nie jemandem erklären können, wie er das fertig gebracht hatte. Er hatte Roman immer gemocht und versucht ihn aus dem Gröbsten raus zuhalten, damit sein doppeltes Spiel nicht aufflog. Nun wurde ihm eben das zum Verhängnis. Es ging nur darum, dass Wes einen Mann töten sollte, den er zu schätzen gelernt hatte. Er musste jetzt zwischen seinem und dem Leben eines anderen wählen.
    "Verstanden" sagte er tonlos und erhob sich. Als Wes den Raum verließ, sah der Mann im Nadelstreifenanzug nicht auf.

  • Kapitel 1: Im Untergrund


    Vier Jahre zuvor


    Das Pokemoncenter hatte wahrlich schon bessere Tage gesehen. Der Aufenthaltsraum war dreckig und die einst wohl beigen Sofas in den Sitzecken hatten ein matschiges Braun angenommen. An der Decke baumelte eine Lampe von der nur noch drei der zehn Glühbirnen funktionierten, davon eine nur flackernd. Für so einen schäbigen Ort waren erstaunlich viele Leute hier, die sich äußerst wenig um das Pokemoncenter scherten. Die Krankenschwester am Tresen war beschäftigungslos und lackierte sich gelangweilt die Nägel. Die Menschen standen meist in kleinen Gruppen herum und schienen auf etwas zu warten. Niemand war hier, weil er seine Pokemon versorgen lassen wollte, soviel war offensichtlich.
    "Wieso hat es hier noch nie eine Razzia gegeben? Es ist so offensichtlich, dass hier was im Busch ist. Da müssen wir doch schon ewig von gewusst haben" sagte Frida ärgerlich zu ihrem Kollegen Rick, der nervös die verschiedenen Gruppen im Raum beobachtete. In der Tat sahen manche dieser Leute aus, als wollte sie absichtlich einen zwielichtigen Eindruck machen.
    Rick, ein kleiner und eher schmächtiger Mann mit penibel zur Seite gekämmtem Haar, wirkte verglichen mit den anderen Anwesenden besonders fehl am Platz. Er senkte die Stimme und antwortete: "Natürlich war uns das schon länger bekannt, aber du weißt ja wie es ist. Bis so ein Antrag mal den zuständigen Richter erreicht, hat schon wieder genug Geld den Besitzer gewechselt und plötzlich werden Verfahrensfehler entdeckt oder so. Wer sich so was hier leisten kann, der hat auch das nötige Kleingeld zum Schmieren."
    Er hatte einen resignierten Tonfall. Wer schon so lange in dieser Stadt für Recht und Ordnung zu sorgen versuchte, wie er, der hatte sich längst mit einigen Dingen abfinden müssen, die man nunmal nicht von jetzt auf gleich ändern konnte.
    "Wie ich diesen korrupten Sumpf hasse" grummelte Frida, seine jüngere Kollegin, die ihren Idealismus noch nicht ganz verloren hatte und sich vehement an die Vorstellung klammerte irgendwann einmal einen Unterschied zu machen.
    Ein Murmeln ging durch die Masse an Menschen und die ersten Gruppen bewegten sich zielsicher auf eine Tür im hinteren Bereich des Pokemoncenters zu, durch welche sie verschwanden. Kurze Zeit später hatte sich eine Schlange vor dem Durchgang gebildet und Rick sah sich gezwungen Frida beizupflichten, dass das hier das am schlechtesten getarnte illegale Kolosseum Orres sein musste. Die stämmige Blondine pfiff kurz und von der Decke flatterte ein Taubsi zu ihrer Schulter. Der kleine Vogel besaß ein Gefieder in verschiedenen Brauntönen und hätte an diesem dreckigen Ort nichtmal in Tarnfarben schwerer zu erkennen sein können. Fridas Taubsiweibchen hatte kaum sichtbar eine kleine Kamera um die Brust getragen, welche die Polizistin nun abmontierte und in ihre Tasche gleiten ließ. Später würden sie das Videomaterial auswerten und nachsehen, ob vielleicht ein paar der hier Anwesenden zur Fahndung ausgeschrieben waren.
    Das kleine Vogelpokemon krächzte fordernd und wurde bald mit einer kleinen Leckerei aus der Hand der Polizisten belohnt. Rick war froh, dass die beiden in zivil gekleideten Ordnungshüter dabei nicht beobachtet worden waren, wie sie das Taubsi auf Spionagemission geschickt hatten.
    Die Schlange vor der Tür wurde langsam kürzer und auch die letzten Leute schlossen sich jetzt dem Strom an Menschen an, so auch Frida und Rick. Das Taubsi verschwand gurrend wieder in einem Pokeball, den Frida sicher in der Jacke verstaute. Nun traten die beiden Polizisten durch die Tür in einen schmalen Gang, der nur spärlich beleuchtet wurde. Am Ende befand sich ein Aufzug, der weder Dach noch Wände, sondern nur eiserne Geländer besaß. Er sah wenig vertrauenerweckend aus. Furchtlos stiegen die Leute jedoch in kleinen Gruppen auf die Plattform und verschwanden mit einem Klappern in den Tiefen des Aufzugschachtes. Rick musste unwillkürlich schlucken. Höhen waren nicht seine Stärke. Es ging nur langsam vorwärts, da nur höchstens fünf Menschen auf einmal nach unten fahren konnten und so dauerte es eine Weile, bis Rick und Frida an der Reihe waren. Mit ihnen stiegen drei stark tätowierte Männer in Kutten aus Leder in den Aufzug, die sich laut in einer fremden Sprache unterhielten. Sie beachteten die beiden etwas deplatziert wirkenden Mitreisenden kaum. Rick hielt sich leicht zitternd an dem klapprigen Geländer fest und versuchte nicht an die Leere unter ihm zu denken. Als sich das Gefährt ratternd in Bewegung setzte, schloss er die Augen und hoffte, dass es bald vorbei sein würde. Der Fahrtwind brauste in seinen Ohren und wirbelte seine ordentliche Frisur durcheinander. Er spürte Fridas Hand auf seiner Schulter und war ihr dankbar, dass sie aus Rücksicht vor seiner Furcht keine dummen Sprüche riss.
    Als es endlich vorbei war, öffnete Rick die Augen und trat mit Frida und den drei Tätowierten in einen weiteren Gang, dessen Wände aus grauem Beton bestanden. Wie tief unten in der Erde sie wohl waren? Früher musste hier einmal eine Miene oder etwas ähnliches gewesen sein, schließlich konnte niemand einfach so unbemerkt unter einem Pokemoncenter Grabungsarbeiten anstellen.
    Sie kamen an ein Gitter, das den Weg bis auf eine schmale Tür versperrte. Davor standen zwei grell geschminkte junge Frauen mit buntem Haar, die Kaugummi kauend Eintrittsgeld von den Leuten entgegennahmen. Zu ihren Füßen lag eine Art Fuchs mit gelbem Fell, das von blauen Stellen durchzogen war und von dem knisternd Funken auf die Gitterstäbe der Absperrung übersprangen. Es war ein Voltenso, welches die Menschen um sich herum aufmerksam musterte. Im Hintergrund drückte sich ein muskelbepackter Mann, der statt eines Pokemons zu seinem Schutz eine kurze Maschinenpistole in den Händen hielt. Doch niemand provozierte das Elektropokemon oder den Muskelprotz und man zahlte brav den Eintritt. So auch Rick und Frida, die sich keine Nervosität anmerken ließen. Nach ein paar weiteren Metern mündete der Weg in vier Gänge, die mit den Worten "Teilnahme", "Wetten", "Zuschauer A" und "Zuschauer B" beschildert waren.
    Frida wollte sich auf den Weg in Richtung eines der Zuschauerbereiche machen, doch Rick hielt sie am Arm zurück und ging stattdessen zur Wettannahmestelle.
    "Jeder wettet", flüsterte er ihr zu. "Das wäre zu auffällig nur zuzugucken."
    Er behielt Recht, denn sie mussten eine Weile warten, bis sie einem kahlköpfigen Mann mit hellbrauner Hautfarbe gegenüber treten konnten, der hinter einer weiteren Absperrung aus Gittern die Wetten annahmen. Dieser deutete tonlos auf einen Bildschirm hinter sich, auf dem einige Gesichter in Paarungen zu sehen waren. Unter den Bildern standen Namen und die Gewinnquoten.
    Suchend glitten die Blicke der beiden verdeckten Ermittler über die Gesichter. Sie waren überrascht einige der Teilnehmer aus regulären Wettkämpfen wiederzuerkennen. Normalerweise traten in Etablissements wie diesem nur Trainer an, die aus welchen Gründen auch immer nicht an legalen Kämpfen teilnehmen konnten. Meistens, weil die Startgebühren in den offiziellen Stadien oft ziemlich hoch waren und man allerlei Papierkram erledigen musste. Rick und seine Kollegin waren allerdings auf der Suche nach einem ganz bestimmten Teilnehmer an diesem Abend. Sie fanden ihn etwas weiter unten in der Auflistung an Partien. Er hatte kurzes, blondes Haar mit einem leichten Rotstich, sehr helle Haut, was ihn fast bleich wirken ließ und auffällig blaue Augen. Auf dem Foto war er mit deutlichen Augenringen zu sehen, was in Kombination mit seiner Haut einen ungesunden Eindruck vermittelte. Der Mann wirkte älter als seine 26 Jahre, vielleicht auf Grund seines etwas ungepflegt wirkenden Stoppelbarts. Aus den Akten wussten die beiden Polizisten doch um sein wahres Alter. Die Quote für diesen Teilnehmer war nicht besonders gut, was darauf schließen ließ, dass sein Kontrahent sich hier unten bislang noch keinen allzu großen Namen hatte machen können. Rick, der sich durch die Beobachtung der anderen Zuschauer über die üblichen Beträge in diesem Etablissement im Klaren geworden war, steckte dem Wettanbieter durch die Stäbe einige Scheine zu und sagte mit fester Stimme "Hälfte auf Anzia, Kampf drei und die andere Hälfte auf Wes, Kampf acht." Sein Geld wurde entgegen genommen und er erhielt im Austausch zwei Belege. Die Wette auf Kampf drei war eine reine Vorsichtsmaßnahme. Vorbeugend, damit man kein spezielles Interesse an dem anderen Kampf bei Frida und Rick vermuten könnte. Er hatte auf die Frau namens Anzia gewettet, da sie auf dem Foto einen toughen Eindruck vermittelte und eine solide Quote für sie geboten worden war.
    „Auf Wes gesetzt, was? Der hat bloß eine Glückssträhne, so berechenbar wie der ist. Tritt doch jedes Mal mit seinem Schoßhündchen an“ kommentierte der Mann, der nun nach den Polizisten seine Wette abgeben wollte spöttisch und lachte mit seinen Kumpanen. Lautstark setzte er auf den anderen Teilnehmer in Kampf acht. Rick wusste nicht recht, was er davon zu halten hatte.
    Nun begaben sie sich in den Zuschauerbereich B, der etwas höher, als der andere Bereich lag. Sie stiegen rostige Treppen hinauf und wurden sich bald bewusst, wie groß diese Arena wirklich war. Alleine in dem Abschnitt, in welchem sie gute Plätze weit vorne ergatterten, mussten knapp hundert Zuschauer sein und es gab einige solcher Bereiche rund um das Kampffeld in der Mitte. Die Bänke hatten keine Lehnen und waren wohl einst in bunten Farben angestrichen worden. Das meiste dieser Lackierung war bereits abgebröckelt und so dominierte das Grau des Metalls und das Rot des Rostes die Tribüne, die wohl ungefähr acht Meter über dem Kampffeld lag. Unter ihnen musste ein ähnlicher Bereich noch einmal so vielen Zuschauern Platz bieten. Der Blick auf das Feld wurde nur leicht durch ein feinmaschiges Gitter versperrt, das wohl verhindern sollte, dass Zuschauer hinunter sprangen oder fielen. Oder auch, dass Pokemon und deren Attacken zur Gefahr wurden. Der Boden des Platzes in der Mitte des Kolosseums bestand aus dunklem Beton. Man hatte einen riesigen Pokeball darauf gemalt, auch wenn an vielen Stellen die Farbe den vielen Kämpfen hatte Tribut zollen müssen und so das Grau des Betons hindurch schimmerte.


    Die Ränge füllten sich rasch und bald schon richtete sich die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf ein Tor am Rande des Kampffeldes, das von innen aufgestoßen wurde und den Blick auf eine von unten hinaufführende Treppe freigab. Von dort aus betraten drei Personen, eine Frau und zwei Männer, das Feld unter Beifall und Gejohle aus dem Publikum. Aus Lautsprechern von den Wänden dröhnten aggressive Gitarrenriffs und buntes Feuerwerk pfiff quer durch die Arena. Rick sah sich unbehaglich um. Die meisten Leute zogen es vor zu stehen, um eine bessere Sicht zu haben und so standen auch er und Frida auf, damit ihnen nichts entging. Eine Art greifbare Blutlust lag in der Luft. Die Leute wollten, dass es endlich losging. Die aufreizend leicht bekleidete Frau in der Arena schritt ein an einem langen Kabel von der hohen Decke baumelndes Mikrophon in der Hand über das Feld und blieb in der Mitte stehen, während die beiden Männer sich an gegenüber liegenden Enden des Platzes postierten.
    „Ihr wollt Action? Ihr wollt rohe Gewalt, keine Rücksicht, keine Regeln? Ihr wollt einen echten Kampf?“ schrie die Frau mit rauer Stimme in die tosende Menge und erntete zustimmendes und vielerorts anzügliches Rufen.
    „Hier seid ihr genau richtig! Willkommen im Tartarus; dies sind unsere ersten Teilnehmer!“
    Begleitet vom Lärm der Menge, dem Knallen der Feuerwerkskörper und der Musik stellte die Frau die Kontrahenten vor und bald schon flogen vier Pokebälle durch die Lüfte, um ihre Insassen freizugeben. Es gab keine Regeln zu erklären. In diesem Kolosseum trat jeder Trainer mit zwei Pokemon in den hier in Orre so beliebten Doppelkämpfen an. Man gewann, wenn der andere aufgab oder sich seine Pokemon nicht mehr rührten.
    Es wurde der zu erwartende brutale und schnelle Kampf. Die Kontrahenten brüllten Befehle, die im Lärm in der Arena nicht bis an die Ohren der Zuschauer gelangen konnten und die Pokemon stürzten sich rücksichtslos aufeinander. Es war anders, als jeder Kampf den Rick bislang miterlebt hatte. Fast so, als legten es die Leute hier drauf an, dass die Teilnehmer ernsthaft verletzt wurden. Die Pokemon zielten auf Kehlen und Augen, schleuderten sich ohne zu Zögern ihre Angriffe entgegen und wichen keinen Zentimeter voreinander zurück. Es war furchtbar mitanzusehen, doch das Publikum brüllte vor Begeisterung und die Leute riefen wild durcheinander. Manche von ihnen wedelten aufgeregt mit ihren Wettscheinen in der Luft und feuerten ihre Seite frenetisch an. Es war ein Spektakel ohne Gleichen und das ganze wurde von einem Höllenlärm begleitet, nur unterbrochen von dem Ende des einen und dem Beginn des nächsten Kampfes. Die Partien dauerten allesamt nicht besonders lange, da die Kämpfer mit solch ungezügelter Brutalität aufeinander losgingen. In legalen Kämpfen würden manche dieser Aktionen in sofortiger Disqualifikation enden. Nicht so hier, wo das Publikum begeistert aufschrie, als ein Sichlor seinen klingenartigen Arm tief in den Bauch eines am Boden liegenden Chelasts rammte. Oder als ein Psiana erst aufhörte seinen längst bewusstlosen Kontrahenten Wiesenior immer und immer wieder mit seinen Psikräften gegen die Wand klatschen zu lassen, nachdem dessen Trainer aufgegeben hatte. Rick war angewidert von der Blutrünstigkeit der Kämpfer und der Begeisterung der Zuschauer. Das war kein Sport mehr. Hier hetzte man Pokemon in einen Todeskampf. Daran war nichts unterhaltsames. Stumm blickten sich Frida und Rick an. Ohne Worte kamen sie überein, dass sie wenigstens versuchen mussten, diesen Ort schließen zu lassen, auch wenn die Aussicht auf Erfolg bei all der Korruption eher schlecht sein mochte.
    Ricks Alibiwette Anzia erwies sich als zum Fenster rausgeschmissenes Geld. Ihre Kontrahentin schickte ein Maschok und ein Staravia in den Kampf, welche die beiden Pokemon Anzias in weit weniger als einer Minute so grün und blau geprügelt hatten, dass es der kürzeste Kampf des Abends wurde.
    Den Polizisten war der Verlust des Wetteinsatzes egal. Sie waren hier um zu sehen, was dieser Wes für ein Trainer war und ob er vielleicht der richtige Mann für den Plan sein mochte.
    Nachdem im siebten Kampf am Ende ein Panzaeron die Partie für seinen Trainer entschieden hatte, indem es den Verlierer dazu gezwungen hatte aufzugeben, bevor es sein Plusle mit einem Bohrschnabel zerfetzen konnte, war es so weit. Die Frau mit dem Mikrophon stolzierte begleitet von einem untersetzten stämmigen Mann und der eher schmächtigen Gestalt des blassen Wes das Kampffeld.


    „Was für ein Kampf, wirklich, was für ein Kampf!“, kreischte sie in die Menge, welche den Eindruck machte, lieber ein Loch im Kopf des armen Plusles gesehen haben zu wollen.
    „Und nun zur achten Partie des Abends: Zu meiner Rechten haben wir: Pablo!“ Sie deutete mit beiden Armen auf den dickeren der beiden Männer, der es fertig brachte, nur mit einer Hälfte seines Gesichtes zu grinsen und nun mit erhobener Faust das Tosen der Zuschauer quittierte.
    „Und zu meiner Linken: Wes!“
    Die blauen Augen des Mannes blitzten spöttisch, als auch er in die Menge blickte und eine Mischung aus Jubel und Todesdrohungen entgegennahm.
    Die Gitarren kreischten wieder aus den Lautsprechern, während die Kontrahenten ihre Pokemon auf das Feld beorderten. Rick versuchte so aufmerksam wie möglich zu sein und jedes Detail zu erfassen. Es ging nicht nur darum zu sehen, ob der blasse Trainer gewinnen würde. Sie wollten die Wirkung des Mannes auf die Leute, seine Ausstrahlung erleben.
    Wes hatte sich für Hundemon, einen großen schwarzen Hund, mit schlankem Körper und nach hinten gebogenen Hörnern auf dem Kopf, entschieden. Das Biest ließ seinen drahtigen Schwanz durch die Luft peitschen und spie unter dem Tosen der Menge eine fünf Meter lange Flamme in Richtung der Decke aus. Sein Partner war eine Art violetter Seestern von einem Meter Durchmesser, in dessen Zentrum ein Rubin funkelte. Der Körper bestand aus zwei separaten Ebenen mit Zacken, als wären zwei Zahnräder übereinander gelegt. Das Starmie wirbelte drohend die hintere Reihe Zacken rhythmisch umher, während es mit den vorderen sicher auf dem Boden stand.
    Pablo hatte sich für ein Rasaff und ein Stollrak entschieden. Letzteres war ein etwa kniehohes und vielleicht eineinhalb Meter langes Reptil mit kurzem Stummelschwanz, das komplett von grauen Panzerplatten bedeckt war und einen unverwüstlichen Eindruck machte. Rasaff war eine Art Kreuzung aus Affe und Schwein in Form einer haarigen Kugel mit Schweinenase und muskulösen Armen und Beinen.
    Ohne Vorwarnung ging es los. Das Hundemon preschte fauchend vor und spie eine lange Flamme aus, die Rasaff wohl verbrannt hätte, wenn Stollrak sich nicht dazwischen geworfen und eine schillernde durchsichtige Wand vor sich erschaffen hätte. Das Schutzschild ließ das Feuer wirkungslos abprallen und jetzt war es an Rasaff anzugreifen. Es sprang so schnell vor, dass man glauben konnte, es hätte sich teleportiert und verpasste dem Hundepokemon einen solch kräftigen Kinnhaken, dass es quer durch den Raum flog und gegen die Wand prallte. Sein Jaulen ging in dem Grölen der Zuschauer unter.
    Wes machte eine peitschende Bewegung mit der Hand und rief etwas. Starmie rotierte zornig die Zacken und beschwor eine hohe Welle um sich. Auf dem Wasser reitend kollidierte das Wasserpokemon mit seinen Gegnern, die an das andere Ende des Kampffeldes gespült wurden. Auch ihr Trainer wurde von der Welle erfasst und von den Beinen gerissen. Der Rubin blitze und Starmies gesamter Körper leuchtete matt purpur auf. Im selben Moment glühte auch Rasaff und schwebte mit einem Mal knapp über dem Boden. Hilflos zappelte es dort, bevor es quer durch die Luft katapultiert wurde. Noch bevor es wieder hinabfiel, hechtete Hundemon in Stellung und legte den Kopf in den Nacken. Sein Maul schien mit Feuer zum Bersten gefüllt. Brüllend entfesselte es ein wahres Meer an Flammen, das Rasaff noch im Fallen erwischte und das Kampfpokemon in einem orange-roten Inferno untergehen ließ. Die Hitze war so stark, dass einige der näheren Zuschauer hastig einige Meter nach hinten stoben. Rasaff prallte unsanft auf den Beton und blieb mit furchtbaren Brandwunden, die bis auf die Tribüne stanken reglos liegen. Frida hielt sich die Hand vor die Nase, ein Reflex, den ihr Kollege nur mühevoll unterdrücken konnte. Die anderen Zuschauer brüllten in einer Mixtur aus Mitleid und Anfeuerung. Wes deutete eine leichte Verbeugung zu der ihm am nächsten Tribüne an, ein siegessicheres Grinsen auf den Lippen. Hundemon fletschte die Zähne. Zwischen den gewaltigen Beißwerkzeugen stoben Flammen hervor. Das Publikum ließ sich von dem provokanten Verhalten des Feuerpokemons und seines Trainers sichtlich mitreißen. Ein paar Sitze hinter Rick, hörte er einen Mann laut „Dem Hurensohn würde ich gerne seinen arroganten Arsch versohlen! Und seinem Scheißköter gleich mit!“ fluchen. Ob es wohl der selbe war, der vorhin so selbstsicher sein Geld auf Pablo gesetzt hatte? Auf der gegenüberliegenden Tribüne schien eine Gruppe junger Männer und Frauen dem Trainer bewundernde Blicke zu schenken. Dieser Kontrast war gut, Wes konnte polarisieren.
    Von dem Schicksal seines Partners unbeeindruckt stampfte nun Stollrak mit den Vorderbeinen auf. Eine Welle aus Energie waberte durch den Boden und ließ die Erde unter ihnen erzittern. Starmie projizierte auf Wes' eiligen Befehl hin schillerndes Licht um sich und Hundemon, was Rick als die Attacke Reflektor erkannte, welche die Angriffe des Gegners abschwächte. Trotz dieses Schutzes gingen beide Pokemon von Wes in die Knie, als die Druckwelle des Erdbebens sie erreichte und den Beton zu ihren Füßen splittern ließ. Hundemon kniff mit zuckenden Lefzen die Augen zusammen. Das völlig verkohlte Rasaff rührte sich gar nicht und blieb liegen.
    Stollraks Körper leuchtete grell weiß auf und es rammte Starmie mit vollem Körpereinsatz, sodass der Seestern nahe der Stelle, wo zuvor Hundemon ein ähnliches Schicksal erlitten hatte, mit der Stadionwand kollidierte. Rick konnte den Aufprall förmlich spüren, so deutlich waren die Risse in der Wand zu sehen. Der Polizist zuckte mitleidig.
    Hundemon baute sich zähnefletschend vor Starmie auf und hielt Stollrak mit langen Flammen aus seinem Maul auf Abstand, bis sich der Seestern wieder berappelt hatte. Das Wasserpokemon wurde auf Befehl seines Trainers hin von knisternden Blitzen umgeben und schickte eine Ladung Strom in Richtung seines Kontrahenten. Fast instinktiv wehrte dieses den Angriff mit einem raschen Schutzschild ab. Wes deutete unmissverständlich auf Stollrak, woraufhin Hundemon sich fauchend auf das Stahlpokemon stürzte und von Flammen umgebene Fangzähne im Nacken seines Gegners versenkte. Es schleuderte seinen Kontrahenten mit aller Kraft auf den Rücken. Diesen Moment nutze Starmie um einen weiteren Donnerblitz abzufeuern, der das nun wehrlose Pokemon am Boden voll erwischte. Stollrak zuckte kaum merklich, war aber ebenso offensichtlich am Ende seiner Kräfte wie das noch immer leicht qualmende Rasaff. Resigniert hob der stämmige Trainer namens Pablo seine Pokebälle und zog die eindeutig geschlagenen Kämpfer zurück. Die Menge tobte teils begeistert, teils enttäuscht, während Wes grinsend beide Arme reckte und sein Hundemon triumphierend eine weitere Stichflamme in Richtung der Decke ausstieß. Stolz kläffend lief es zu seinem Trainer, der kurz zu seinen beiden Pokemon sah und für einen Moment sachte je eine Hand auf sie legte. Dann wurden auch die siegreichen Pokemon wieder in ihre Pokebälle befördert.
    Die beiden verdeckten Ermittler sahen sich auf den Rängen an Sie waren umgeben von einigen wütenden Zuschauern, die ganz offensichtlich gegen Wes gewettet hatten und sich nun lauthals über das „arrogante Arschloch“ und seine „beschissene Dreckstöle“ ausließen. Hundemon schien Wes' Markenzeichen zu sein.
    „Ich glaube, es könnte mit ihm klappen“ sagte Frida ernst und sah dem Trainer nach, wie er mit seinem geschlagenen Gegner das Feld verließ und Platz für die nächsten Teilnehmer machte.
    Rick nickte stumm. Vielleicht hatten sie tatsächlich endlich einen passenden Kandidaten. Dass er ein guter Kämpfer sein musste, war ihnen klar gewesen. Um das zu erfahren, hätten sie nicht hierher kommen müssen und talentierte Trainer gab es einige. Es war mehr seine Art, sein Auftreten gewesen, dass sie heute beobachtet hatten. Sie hatten abschätzen müssen, ob Wes die nötige Ausstrahlung, das richtige Charisma besaß. Ein Kampf alleine konnte das nicht klären. Sie mussten mit ihm sprechen. Leicht lächelnd blickte Rick auf seinen Wettschein. Finanziell musste er nun ungefähr da sein, wo er am Anfang des Abends gewesen war.

  • Hallo Tyranimence,


    willkommen im Fanfiction-Bereich! Freut mich, dass du nun auch eine Geschichte eröffnet hast und noch dazu über eine Region, die eher selten als Setting genutzt wird. Da wird es natürlich umso spannender, mal reinzulesen; besonders, wenn du die Geschehnisse um Team Krall nicht weiter behandelst. Der Startpost ist absolut in Ordnung. Schlicht, sagt alles Wichtige aus und ist übersichtlich designt. Keine weiteren Worte also dazu.


    Der Prolog ist recht interessant, erzählt er doch von einem Charakter, der später in den Kapiteln erst ausgehorcht werden muss und dessen Motive noch nicht ersichtlich sind. Durch die Geschehnisse in dem kurzen Part erfährt man immerhin, dass Wes wohl zu einer Organisation gehört, die sich auf Attentate und dergleichen mehr versteht. Was allerdings die Hintergründe hinter dem neuen Ziel sind, muss sich erst herausstellen. Außer, dass er wohl ein nicht mehr benötigtes Mitglied ist, weiß man nicht viel und darauf wirst du wohl hinarbeiten.
    Kapitel 1 setzt hingegen an einer ganz anderen Stelle mit neuen Charakteren ein, was durchaus ganz interessant ist. Pyritus erwacht mit deinem Schreibstil wirklich ansprechend zum Leben und es fällt sehr leicht, sich die Atmosphäre in der Stadt und besonders im Stadion im Tartarus vorzustellen. Die Schattenseiten der Gesellschaft zeigen sich hierbei in vollem Ausmaß und diese Darstellung gelingt dir außergewöhnlich gut. Die beiden Charaktere - zufällig Polizisten in Zivil - werden das so sicher nicht gewöhnt sein und ihr Unbehagen ist auch über die gesamte Dauer zu spüren. Dass sie dabei ihren Auftrag nicht vernachlässigen dürfen, versteht sich von selbst. Frida scheint hierbei recht leicht genervt zu sein, während Rick die Ruhe in Person zu sein scheint; ein gutes Duo, das hier zusammengefunden hat! Die Tatsache, warum sie Wes ausspionieren, wurde zwar noch nicht geklärt, allerdings wird dafür noch genügend Zeit bleiben, um dies auszuloten.
    Besonders in den Kämpfen geht dein Schreibstil auf. Du schreibst und beschreibst sehr ausführlich und lässt keine Gelegenheit aus, sämtliche Bewegungen im Detail zu erklären. Das gibt dem Geschehen eine angenehme Dynamik und man kann sich den Kampf wie auch die Szenerie gut vorstellen. MIr ist zudem aufgefallen, dass du nach wörtlichen Reden dazu neigst, vor dem Begleitsatz kein Komma zu setzen, das in diesem Fall auch wichtig ist. Abgesehen von verschiedenen Arten von Anführungszeichen - hier wäre es ebenfalls sinnvoll, nur eine Art zu verwenden - ist das aber der einzige Fehler, der mir aufgefallen ist.


    Ich hoffe, der Kommentar hilft dir etwas weiter und vielleicht liest man sich ja bald wieder. Bis dahin!


    ~Rusalka

  • Danke Rusalka fürs Kommentieren! Ich hoffe, dass der Zeitsprung zwischen dem Prolog und dem ersten Kapitel deutlich geworden ist. Der Prolog soll sozusagen ein Ausblick in die Zukunft sein. In was genau Wes da hinein gerät, zeigt sich dann natürlich später ;)


    Zitat von Rusalka

    Pyritus erwacht mit deinem Schreibstil wirklich ansprechend zum Leben und es fällt sehr leicht, sich die Atmosphäre in der Stadt und besonders im Stadion im Tartarus vorzustellen. Die Schattenseiten der Gesellschaft zeigen sich hierbei in vollem Ausmaß und diese Darstellung gelingt dir außergewöhnlich gut.

    Freut mich, dass es so gut rüberkommt :D


    Zitat von Rusalka

    Frida scheint hierbei recht leicht genervt zu sein, während Rick die Ruhe in Person zu sein scheint; ein gutes Duo, das hier zusammengefunden hat!

    Eigentlich wollte ich Rick als etwas nervös darstellen, vielleicht muss ich das nochmal überarbeiten. Aber in späteren Kapiteln wird er eh noch etwas mehr beleuchtet.



    Zitat von Rusalka

    ... und ihr Unbehagen ist auch über die gesamte Dauer zu spüren.

    Schön zu wissen, dass mir das gelungen ist :)



    Zitat von Rusalka

    MIr ist zudem aufgefallen, dass du nach wörtlichen Reden dazu neigst, vor dem Begleitsatz kein Komma zu setzen, das in diesem Fall auch wichtig ist. Abgesehen von verschiedenen Arten von Anführungszeichen - hier wäre es ebenfalls sinnvoll, nur eine Art zu verwenden - ist das aber der einzige Fehler, der mir aufgefallen ist.

    Irgendwie schaffe ich es immer wieder das falsch zu machen, auch wenn mir das schon so oft erklärt wurde ...
    Vielleicht nochmal für Unbelehrbare, was ist richtig:
    "abc, " sagte er oder "abc", sagte er ?


    Also vielen Dank für den netten Kommentar und ich hoffe, dass dir die kommenden Kapitel gefallen werden!

  • Kapitel 2: Keine Groupies


    Zufrieden sank Wes in die alte Ledercouch und ließ den Deckel von seiner Bierflasche schnippen. Zu seiner Rechten machte sich Cerberus laut über sein Futter her. Bei dem Hundemon war die Fütterung so herrlich einfach. Wes stöhnte jetzt schon bei dem Gedanken später sein Starmie Amphitrite mit diesem scheußlichen Nährstoffzeugs einsprühen zu müssen. In freier Wildbahn würde das Wasserpokemon seine Nahrung durch die Haut aus dem Wasser filtern, doch für gefangene Exemplare blieb oft nur künstlicher Ersatz. Für den Moment genoss Wes jedoch erst einmal seinen Sieg. Quer durch das Hinterzimmer des Kolosseums, welches für die Teilnehmer reserviert war, rief ein schlaksiger Mann namens Chang nach einem Feuerzeug. Wes wühlte in seiner Hosentasche und warf seines herüber. Chang hatte heute kein Glück im Kampf gehabt, da sollte er zumindest eine Zigarette genießen können. Ganz anders stand es da bei Martha, die mehr einer Bärin als einer Frau glich. Die riesige Mitvierzigerin kam nun zu Wes herüber gestampft und die beiden heute siegreichen Trainer ließen ihre Flaschen klirrend aneinander schlagen.
    „Pablo wird richtig angepisst sein“, prophezeite sie mit ihrer tiefen Stimme zwischen zwei Schlücken. „Würde mich nicht wundern, wenn sein Rasaff erst einmal für eine Weile ausfällt.“
    „Von wegen“ , meinte Chang brummig, der nun neben Martha auftauchte und im Vergleich zu ihr wie ein Kind mit Bart wirkte. Er klappste Cerberus leicht auf den Rücken.
    „Dieser Höllenhund hat es umgelegt, jede Wette. Pablos Rasaff steht nie wieder auf.“
    Chang wurde immer sehr düster, wenn er mal nicht gewonnen hatte. Dazu kam, dass er oft auch auf sich selbst setzte und so hatte er einen Haufen Geld verloren. Wes war sich ziemlich sicher, dass es um das Rasaff so schlimm nun auch wieder nicht stand und trotzdem machte sich kurz ein mulmiges Gefühl in seiner Magengegend breit. Sie alle hier nahmen die Lebensgefahr für die Pokemon in Kauf, das hieß aber nicht, dass es ihnen egal war. Ihm selbst war es bisher erst einmal passiert, dass beteiligte Pokemon im Tartarus gestorben waren. Das allerdings in seinem aller ersten Kampf hier unten und zu allem Überfluss war nicht nur eins sondern gleich beide Pokemon seines Gegners drauf gegangen. Er dachte nur ungern daran. Zumindest hatte noch nie eines seiner eigenen Pokemon ein solches Schicksal erlitten.
    Cerberus knurrte als Reaktion bloß unwirsch. Der Rüde kannte die meisten der Trainer, die wie Wes regelmäßig im Tartarus antraten und da er noch fraß, war Changs Berührung im Moment kein Grund ihm die Hand abzureißen. Einige andere Pokemon stillten überall im spärlich eingerichteten Raum ebenfalls ihren Hunger. Da war zum Beispiel Marthas Maschok, das heute dieser dämlichen Anzia ganz schön den Tag vermiest hatte und ein zischelndes Vipitis, welches wohl irgendeinem Neuling gehörte. Wenn man von Amphitrite absah, war Cerberus fast das einzige Pokemon von Wes, das er nach einem Kampf hier in diesem Zimmer aus dem Pokeball lassen konnte. Das Starmie mochte Menschen jedoch nicht besonders und würde erst zuhause seine Nahrung zu sich nehmen. Die meisten anderen potentiellen Kämpfer waren einfach zu groß für den Raum. Wes' jüngere Schwester Rea warf ihrem Bruder oftmals vor „immer nur so brutale Monster“ zu trainieren. Gewissermaßen hatte sie da Recht. Viele von Wes' Pokemon, die Rea einst so gerne verhätschelt hatte, waren mittlerweile kräftige Riesen mit dem Feingefühl einer Landmine geworden. Cerberus machte wenigsten Sitz, wenn man es ihm befahl. Manchmal jedenfalls.
    Rea bezeichnete die Kämpfe an der ihr Bruder illegalerweise teilnahm als „Underground Gladiatorenspiele“, sagte dies jedoch ohne abwertend zu klingen. Sie wusste sehr wohl, dass er lieber wo anders sein Geld verdienen würde. Vorzugsweise irgendwo, wo nicht regelmäßig Pokemon umkamen. Wes' Schwester arbeitete als Krankenschwester in einem Pokemoncenter in dem Heimatdorf ihrer Familie und war immer bereit die Pokemon ihres Bruders im Notfall zu versorgen. Bislang hatte es zum Glück noch keine allzu schlimmen Verletzungen gegeben.
    Stan, der Türsteher, der eigentlich nur aus Muskeln bestand, schob sich nun quer durch die Eingangstür und nuschelte: „Da sin' so zwei, die woll'n was von dir, Wes.“
    Er gab sich nicht die Mühe auf Wes' Reaktion zu warten und stapfte wieder hinaus. Verfolgten die ihn jetzt schon bis hierher? Er hatte seine Rate doch diese Woche schon pünktlich bezahlt? Was mochten Pachos Leute bloß wollen? Das konnte nichts Gutes bedeuten.
    „Cerberus, bei Fuß“ , sagte Wes, während er sich erhob und der Hund folgte ihm widerwillig, einen wehmütigen Blick auf den Rest seines Abendessens werfend. Schnellen Schrittes ging Wes zum Ausgang des Hinterzimmers, der in den Eingangsbereich des Kolosseums führte, dort wo der Aufzug zur Oberfläche war. Stan stand dort mit zwei seltsamen Leuten, die hier nicht ganz hinzugehören schienen und offensichtlich auch keine Schläger von Pacho waren. Eine innere Last fiel von Wes ab. Also doch kein Ärger. Unter dem gleichgültigen Blick des Türstehers trat Wes mit Cerberus zu den beiden Fremden. Es waren ein kleiner, schüchtern wirkender Mann und eine ziemlich dicke blonde Frau. Beide machten irgendwie einen spießigen Eindruck.


    „Ich hoffe ihr seid keine Groupies“ , meinte Wes abschätzig mit einem Blick auf diese Gestalten. Der Mann versuchte unauffällig mehr Abstand zwischen sich und Cerberus zu bringen, welcher sich die Lefzen leckte.
    „Ähm, also natürlich sind wir nicht … “ , begann er, den Blick immer noch auf das Feuerpokemon geheftet.
    „Ein Glück “ , sagte Wes übertrieben erleichtert „Nichts für ungut, aber ihr seid echt nicht mein Typ.“
    Die dicke Frau ließ sich weniger leicht einschüchtern als ihr Begleiter und sprach mit fester Stimme: „Wir sind hier, um Ihnen ein sehr wichtiges Angebot zu machen, Herr ...“
    Wes winkte ab. „Bitte einfach Wes. Mein Nachname gehört verboten.“
    Die beiden Fremden tauschten einen kurzen Blick. Mit etwas mehr Mut sagte der kleine Mann:
    „Also gut. Wes. Wir möchten Sie gewissermaßen ... sponsern.“ Er senkte die Stimme. „Nicht einfach so, versteht sich.“
    Wes wurde hellhöriger und auch Cerberus horchte auf. Geld war immer gut.
    Die Fremden zogen Wes mit prüfendem Blick auf Stan den Türsteher etwas weiter weg, sodass der Muskelmann auch ja nicht lauschen konnte.
    „Sehen Sie, Wes … wir sind ...“, der Mann sah aus wie jemand, der etwas Unangenehmes schnell hinter sich bringen wollte. Als würde er sich überwinden ein Pflaster schnell abzureißen.
    „Von der Polizei“, vollendete die Frau für ihn in sachlichem Tonfall.
    Das kam überraschend. Wes war nicht die Sorte Mensch, die bei der Erwähnung von Bullen aufgescheucht in Panik geriet, doch er war milde erschrocken. Zumindest erklärte das, warum die beiden so deplatziert wirkten. Wirklich Sorgen machte Wes sich jedoch nicht. Er war ja nun nicht unbedingt ein echter Verbrecher. Und wenn die Bullen ihn wegen der illegalen Kämpfe verhaften wollten, dann hätten sie auch gleich das ganze Kolosseum hochnehmen können. Und dass er sich Geld von Ganoven wie Pacho lieh, interessierte die Polizei sicherlich herzlich wenig, falls sie es überhaupt wussten.
    Da er nichts erwidert hatte, fuhren die Polizisten fort. Sie stellten sich als Herrn Rick Walters und Frau Frida Gellert vor, die für irgendeine Sonderabteilung aktiv waren, deren Name Wes sofort wieder vergaß. Er war sich sicher, dass die zwei normalerweise für Schreibtischarbeit zuständig waren, besonders dieser Walters schien ja doch recht schreckhaft. Die beiden Sonderfritzen leierten eine sicherlich einstudierte Erzählung von dem furchtbaren kriminellen Sumpf herunter, in dem das Land zu versinken drohte.
    „Da erzählen wir Ihnen ja sicher nichts Neues“ , kommentierte die dicke Gellert. „Was Sie und die Öffentlichkeit nicht wissen ist, dass das organisierte Verbrechen in Orre kurz davor steht einen kritischen Punkt zu erreichen. Regierungsmitglieder werden erpresst, entführt oder getötet, in manchen Städten werden Kopfgelder für Polizisten ausgezahlt. Das alles hat System. Die versuchen das Land langfristig so zu destabilisieren, dass sie die Macht endgültig übernehmen können.“
    „Wer sind 'die'?“, fragte Wes schnaubend. Walters seufzte.
    „Wissen wir nicht. Es ist unmöglich die Quelle dieser Machenschaften ausfindig zu machen. 'Die' sind einfach zu vorsichtig, zu gründlich. Echte Profis.“
    Wes musste zugeben ein wenig beunruhigt zu sein. Ihm war natürlich klar gewesen, dass Orre in den letzten Jahren ein ziemlich raues Pflaster geworden war, aber diese Ausmaße hatte er nicht erwartet.
    „Und wie komme ich da ins Spiel?“, fragte er deshalb verständnislos. Cerberus knurrte misstrauisch, was den kleinen Polizisten nervös verstummen ließ, sodass seine Kollegin an seiner statt antwortete:
    „Sie werden sich 'denen' anschließen und den Spion für uns geben.“
    Einen Moment lang erwartete Wes, dass die beiden „reingefallen!“ rufen und sich als von seinen Konkurrenten aus dem Tartarus geplanten Streich entpuppen würden, doch ihre Gesichter waren ernst.
    „Tut mir leid, wenn ich das so sagen muss, aber so wie Sie mir 'die' grade beschrieben haben, klingt es nicht, als ob das für mich eine gute Idee wäre.“ Das war so diplomatisch, wie möglich ausgedrückt.
    „Sie haben unser Angebot doch noch gar nicht zu Ende gehört! Wir sprachen von Geld, erinnern Sie sich nicht?“
    Wes hob die Augenbrauen, als die Polizisten wild durcheinander zu reden begannen.
    „Es ist so: Wer immer 'die' auch sind, sie rekrutieren ständig neue Leute. Was wir mit Sicherheit wissen ist, dass sie es auf Berühmtheiten, speziell auf erfolgreiche Trainer abgesehen haben. Wir sind uns nicht ganz sicher, wozu sie diese Art Leute brauchen, aber die stärksten Pokemon des Landes auf seiner Seite zu haben, ist sicher schon ein ausreichender Grund. Wir bieten Ihnen an, das Startgeld und die Formalien zu übernehmen, um Sie in die ganz großen Stadien zu bringen. So können Sie sich in Orre einen Namen machen und in 'deren' Visier geraten. Wenn Sie so gut sind, wie wir hoffen, dann werden 'die' früher oder später versuchen Sie anzuheuern.“
    Das war ein ziemlich bescheuerter Plan, fand Wes. Er machte sich gar nicht die Mühe, all die Fehler zu erwähnen, die ihm auf die Schnelle einfielen, denn er hatte einen viel wichtigeren Gedanken gefasst. Wes konnte spielend Kapital aus diesem Vorhaben schlagen, ohne sich auch nur die Spur in Gefahr zu bringen! Wenn er einwilligte, würden Sie ihn in die legalen Turniere bringen, dort wo man richtig Geld machte. Es eröffneten sich ungeahnte Möglichkeiten, seine Schulden bei Pacho zu bereinigen. Er musste bloß eine Weile so tun, als wäre er an Bord und dann irgendwann einfach erklären, er hätte es sich leider anders überlegt. Ja, er würde diese Deppen richtig ausnutzen und auf Staatskosten seine Karriere ankurbeln!
    „Sagen Sie“ , begann er, vorsichtig darauf bedacht sich nicht anmerken zu lassen, was er grade überlegt hatte, „Wieso kommen Sie mit so einem Plan ausgerechnet zu mir?“
    Gellert, die generell den fleißigeren Eindruck machte, schien auf diese Frage vorbereitet und spulte die bereit gehaltene Antwort wie auf Knopfdruck herunter:
    „Wir brauchten einen Trainer, der gut genug ist, es in überschaubarer Zeit zu Erfolg zu bringen. Sie haben in ihrer Jugend bereits an mehreren nationalen Ligen verschiedenster Regionen teilgenommen. Diese Wettbewerbe werden hier in Orre allerdings so wenig beachtet, dass Sie an sich ein unbeschriebenes Blatt sind. Darüber hinaus haben Sie ein Talent dafür das Publikum anzustacheln und sind generell ein eher untypischer Trainer, der unseren Zielpersonen sicherlich schnell ins Auge fallen wird.“
    Die etwas geschwollene Sprache ließ darauf schließen, dass diese knappe Rede von jemand anderem als der Polizistin verfasst worden war.
    „Was meinen Sie mit 'untypisch'?“ , hakte Wes nach.
    Darauf war anscheinend keine Antwort vorbereitet worden. Der Mann sprang für seine Kollegin ein: „Nun ja, Sie machen nicht direkt den Eindruck aus … reichen Verhältnissen zu kommen. Wir vermuten, dass man Ihnen eher zutrauen könnte, einer verbrecherischen Organisation beizutreten als den gut betuchten Absolventen der Trainerlehrgänge, die man sonst so häufig in Turnieren sieht.“
    Es war diplomatisch ausgedrückt und sicherlich nicht als Beleidigung gemeint, doch Wes fühlte sich doch ein wenig angegriffen. Sah er etwa arm aus? Wes blickte an sich herunter. Er trug eine dunkle Lederjacke über einem schlichten schwarzen Hemd und dazu einfache Jeans mit Turnschuhen. Vielleicht interpretierten die beiden spießigen Polizisten das bereits als Kleidung für Arme. Seine Familie schwamm vielleicht nicht gerade im Geld, aber es hatte nie auch nur annähernd Not gegeben. Die Farm im Dorf zuhause lief immer noch prächtig für seine Eltern und Rea verdiente nicht schlecht im Pokemoncenter. Er selbst war das einzige schwarze Schaf, da er unbedingt auf eigenen Beinen hatte stehen wollen. In seiner jugendlichen Arroganz hatte er mit sechzehn Jahren einen viel zu hohen Kredit bei dem zwielichtigen Pacho aufgenommen, um die Kosten für seine Reisen durch Johto, Kanto, Hoenn und Unova zu decken. Er war natürlich in dem Glauben gewesen, es in kürzester Zeit zum Top-Trainer zu machen und steinreich zu werden. Aber die Ergebnisse in den Ligen, in denen er angetreten war, hatten ihm die Realität gezeigt. Sein größter Erfolg war ein glücklicher dritter Platz in Hoenn gewesen. Und nun stand er da mit viel zu vielen Pokemon, die viel zu viel Futter brauchten und musste jede Woche seine Rate an Pacho zahlen, damit der ihm weiter Aufschub gewährte. Das Geld, was er im Tartarus verdiente, deckte grade so die Zinsen für den Kredit und die Kosten für den Unterhalt seiner Pokemon. Abgesehen von den sechs, die er bei sich hatte, lebten alle seine Schützlinge auf der Farm seiner Familie, doch sein Stolz verbot es ihm seine Eltern darum zu bitten das Futter und die Arzneien für die Pokemon aus deren Kasse zu bezahlen. Genau genommen wusste bloß Rea wie viel er Pacho tatsächlich schuldete und das sollte auch so bleiben.
    Er entschied sich, nicht weiter auf das Thema „Erscheinung“ einzugehen und schnellstmöglich zum Finanziellen zu kommen. Höhnisch grinste er die Polizisten an.
    „Sie wollen untypisch, untypisch sollen Sie bekommen. Erklären Sie mir doch mal genau, wie dieses Sponsoring aussehen soll ...“


    Als Wes später die Tür zu seinem kleinen Apartment aufstieß, fühlte er sich euphorisch. Die vielen Details seiner Mission waren letztlich unwichtig und er hatte nicht allzu gut aufgepasst, als die Polizisten den Deal genauer erläutert hatten. Morgen war er mit ihnen zu einem geheimen Treffen verabredet, um das ganze konkret werden zu lassen. Die Tatsache, dass sie ihn so mir nichts dir nichts in ihre Probleme mit den Oberschurken dieses Landes einbezogen hatten, zeigte, wie verzweifelt die Polizei und diese Sonderabteilung wirklich waren. Ihm war es erst einmal egal. Die Finanzierung war äußerst großzügig und er würde sämtliche Preisgelder für sich behalten können. Wenn er sich voll reinhing, konnte er die Schulden bei Pacho mit der Hilfe dieser blauäugigen Gesetzeshüter endlich tilgen. Jetzt musste er bloß sicher stellen, dass er und seine Pokemon in Topform waren, um auch die gewünschten Ergebnisse erzielen zu können.
    Er griff nach dem Telefon und wählte die Nummer seiner Schwester.
    Es tutete lange bevor sie abhob. Sie klang froh, von ihm zu hören. Die beiden Geschwister waren sich schon immer sehr nah gewesen.
    „Bruderherz! Na, schon berühmt?“
    Er unterdrückte eine bissige Antwort und tauschte einige ihrer üblichen Scherze aus. Sie hatten ihre ganz eigene Art miteinander zu reden und wenn man es nicht besser wusste, hätte man meinen können, sie würden versuchen den jeweils anderen verbal fertig zu machen. Wes schlug letztlich einen ernsteren Ton an und schilderte, was heute im Tartarus passiert war. Währenddessen drapierte er Amphitrite in der Badewanne und sprühte mit weit von sich gestrecktem Arm die übelriechende Nährstofflösung auf sein Starmie, welches sein Mahl zu genießen schien.
    „Joa und morgen kann ich das Ganze scheinbar unter Dach und Fach bringen, verrückt nicht wahr?“ schloss er grade und stellte die Sprühflasche erleichtert weg. Amphitrite döste in der Badewanne ein. Seine Schwester schien dem Braten nicht zu trauen.
    „Das klingt schon ziemlich dämlich, wenn du mich fragst. Wie wollen die denn sichergehen, dass du mit der Kohle nicht sonst was anstellst? Oder dass du nicht schon bei den mysteriösen Unbekannten auf der Gehaltsliste stehst?“
    Wes zuckte mit den Achseln. Dann realisierte er, dass die Geste sich schlecht durch das Telefon übertrug und sagte deshalb: „Schon klar, aber für mich gibt’s doch kein Risiko, oder?“
    Sie schwieg, scheinbar nachdenkend am anderen Ende der Leitung. Er beschloss nicht zu warten.
    „Hör mal, ich muss wissen wie meine Pokemon so drauf sind. Alle in Form? Ich war ja schon länger nicht mehr zuhause.“
    Seine Schwester schnaubte laut.
    „Ja allerdings nicht. Einige hast du schon ewig nicht mehr im Kampf eingesetzt oder bei dir drüben in der Stadt am Training teilhaben lassen. Ares, Helios und Basilea sind ziemlich fett geworden.“
    Wes seufzte. Die Ursaring-Dame Basilea war leider schon immer ein Schleckermaul gewesen.
    „Und ich weiß nicht, was ich dir zu Kronos noch sagen soll. Es wird immer schlimmer mit ihm.“
    Ihr Tonfall wurde leicht verzweifelt.
    „Er ist richtig bösartig geworden, lässt keinen mehr an sich heran. Und die anderen Pokemon gehen ihm mittlerweile aus dem Weg, die haben wirklich Angst vor ihm.“
    Wes musste schlucken. Kronos. Er schob dieses Problem nun schon zu lange vor sich her, er musste dieses Ungetüm endlich in den Griff bekommen. Das letzte Mal, dass er ihn in einem Kampf verwendet hatte, war seine erste Partie im Tartarus gewesen und da hatte Kronos beide Pokemon des Gegners ohne Zutun seines Teamkameraden in ungezügelter Rage zu Tode geprügelt. Seitdem war Kronos auf der Farm in der Obhut seiner Familie, doch die Tatenlosigkeit schien ihn nur noch wilder zu machen.
    Es ging wohl nicht anders. Er musste einige Wochen Auszeit vom Tartarus nehmen und sich um seine vernachlässigten Pokemon zuhause kümmern. Das hieß, er musste die Polizisten um mehr Geld bitten, damit er in der Zeit nicht völlig bankrott ging.
    „Es war falsch von mir, euch mit ihm alleine zu lassen. Tut mir leid“ , sagte er mit ehrlicher Reue zu seiner Schwester. „Ich werde sobald ich kann vorbei kommen. Diesmal für länger. Wenn ich in den großen Stadien kämpfen soll, müssen alle Pokemon in Topform sein.“
    Er konnte die Wärme in ihrer Stimme spüren, als sie ehrlich erfreut anbot ihn vom Busbahnhof abzuholen. Es würde gut tun seine Familie wieder zu sehen. Nur der Gedanke an Kronos trübte seine Stimmung.

  • Huhu lieber @Tyranimence  ^^
    Und am Anfang muss ich dir sagen: Omg, ich liebe dich, du hast Wes als Protagonisten genommen!?
    Wehe dir, wehe~e dir, wenn du mittendrinnen in der FF aufhörst. *lach*
    Ach du scheiße, wegen dir hab ich Lust Colo und XD durchzuzocken. Schäm dich (nicht). ;P


    [tabmenu]
    [tab=Prolog]
    PROLOG
    Wir haben hier eine interessante Ausgangssituation.
    Zuerst dacht ich, wir wären hier im Colospiel, in dem Wes anfangs aus Team Krall(?) ausbricht.
    Anscheinend ist dem aber nicht so, wie man aus dem Startpost herauslesen kann. Keine Cryptopokemon? Das ist fast schade. ^^


    Entweder ist Laroux ein Spielecharakter den ich vergessen habe oder nicht. Jedenfalls fängt die Ausgangsprämisse, dass er aufgetragen bekommt jemanden zu töten, schonmal gut an. Gut... *hust*


    Du weißt mit einfachen Beschreibungen Personen zu charakterisieren. Sie sind fließend, schön und sind imo immer an der richtigen Stelle platziert.
    Jetzt bin ich aber neugierig deinen Wes genauer kennenzulernen. :)


    [tab=1.Kapitel]
    1. KAPITEL
    Okay, wir sind nun vier Jahre zuvor gelandet. ^^ Soll mir recht sein, ich liebe Flashbacks. =D


    Zitat

    Das Pokemoncenter hatte wahrlich schon bessere Tage gesehen. Der Aufenthaltsraum war dreckig und die einst wohl beigen Sofas in den Sitzecken hatten ein matschiges Braun angenommen. An der Decke baumelte eine Lampe von der nur noch drei der zehn Glühbirnen funktionierten, davon eine nur flackernd. Für so einen schäbigen Ort waren erstaunlich viele Leute hier, die sich äußerst wenig um das Pokemoncenter scherten. Die Krankenschwester am Tresen war beschäftigungslos und lackierte sich gelangweilt die Nägel. Die Menschen standen meist in kleinen Gruppen herum und schienen auf etwas zu warten. Niemand war hier, weil er seine Pokemon versorgen lassen wollte, soviel war offensichtlich.

    Das mag ich, keine so glattpolierten Pokencenter. =D
    Die Joy ist cool lol. *Nägel lackier* "Mir doch alles scheißegal."


    Zitat

    Rick, ein kleiner und eher schmächtiger Mann mit penibel zur Seite gekämmtem Haar, wirkte verglichen mit den anderen Anwesenden besonders fehl am Platz. Er senkte die Stimme und antwortete: "Natürlich war uns das schon länger bekannt, aber du weißt ja wie es ist. Bis so ein Antrag mal den zuständigen Richter erreicht, hat schon wieder genug Geld den Besitzer gewechselt und plötzlich werden Verfahrensfehler entdeckt oder so. Wer sich so was hier leisten kann, der hat auch das nötige Kleingeld zum Schmieren."

    Die Atmosphäre wird noch dreckiger, I like you ^^


    Zitat

    Die stämmige Blondine pfiff kurz und von der Decke flatterte ein Taubsi zu ihrer Schulter.

    #politicalincorrectness
    Ich hab unter dem Namen Frida nichts anderes als ein Mannsweib erwartet. x'D


    Zitat

    Mit ihnen stiegen drei stark tätowierte Männer in Kutten aus Leder in den Aufzug, die sich laut in einer fremden Sprache unterhielten.

    Passt auf, am Ende ist das keine illegale Arena, sondern ein BDSM-Club *lachend am Boden lieg* Sorry =D


    Du magst also illegale, schmutzige Kämpfe? Dann freu dich auf Dukatias Untergrund. x)


    Die Kämpfe sind wirklich toll geschrieben und fangen diese Untergrundatmosphäre von Pyritus und co klasse ein. Ich hab diese Textstellen wirklich genossen <3
    So lieb ich mein Pyritus xD und dein Schreibstil, der grad angenehm so ist wie er ist und nicht verkrampft oä wirkt, unterstreicht das sehr schön. :)


    Mein Hauptaugenmerk lag aber wirklich eher auf Wes Auftritt, anstatt auf den beiden Polizisten. Diese zeigen aber für den Anfang genug Charakter, um sich nebenbei doch für sie zu interessieren.
    Wes und Hundemon dagegen sind einfach zu cool. *~*


    [tab=2.Kapitel]
    2. KAPITEL

    Zitat

    Zufrieden sank Wes in die alte Ledercouch und ließ den Deckel von seiner Bierflasche schnippen. Zu seiner Rechten machte sich Cerberus laut über sein Futter her. Bei dem Hundemon war die Fütterung so herrlich einfach. Wes stöhnte jetzt schon bei dem Gedanken später sein Starmie Amphitrite mit diesem scheußlichen Nährstoffzeugs einsprühen zu müssen. In freier Wildbahn würde das Wasserpokemon seine Nahrung durch die Haut aus dem Wasser filtern, doch für gefangene Exemplare blieb oft nur künstlicher Ersatz.

    Wieder was gelernt ^^ aber ja klar, wie sollen Starmies sonst essen?


    Zitat

    Ganz anders stand es da bei Martha, die mehr einer Bärin als einer Frau glich. Die riesige Mitvierzigerin kam nun zu Wes herüber gestampft und die beiden heute siegreichen Trainer ließen ihre Flaschen klirrend aneinander schlagen.
    „Pablo wird richtig angepisst sein“, prophezeite sie mit ihrer tiefen Stimme zwischen zwei Schlücken. „Würde mich nicht wundern, wenn sein Rasaff erst einmal für eine Weile ausfällt.“
    „Von wegen“ , meinte Chang brummig, der nun neben Martha auftauchte und im Vergleich zu ihr wie ein Kind mit Bart wirkte. Er klappste Cerberus leicht auf den Rücken.
    „Dieser Höllenhund hat es umgelegt, jede Wette. Pablos Rasaff steht nie wieder auf.“

    Okay, okay. Welche "Leitkultur" haben wir hier?
    Wes ist… keine Ahnung woher der Name stammt.
    Martha ist typisch deutsch (mehr oder weniger xD), Frida erst recht und Rick ist entweder englisch oder neudeutsch.
    Chang ist chinesisch und Pablo ist spanisch.
    Du musst die Kulturen natürlich nicht 1:1 aus der echten Welt übernehmen, aber das find ich verwirrend. *lach* ^^


    Zitat

    Ihm selbst war es bisher erst einmal passiert, dass beteiligte Pokemon im Tartarus gestorben waren. Das allerdings in seinem aller ersten Kampf hier unten und zu allem Überfluss war nicht nur eins sondern gleich beide Pokemon seines Gegners drauf gegangen. Er dachte nur ungern daran. Zumindest hatte noch nie eines seiner eigenen Pokemon ein solches Schicksal erlitten.

    Ich mag ihn ^^
    Er ist nicht weinerlich, aber er macht sich dennoch Gedanken.


    Zitat

    Wes' jüngere Schwester Rea warf ihrem Bruder oftmals vor „immer nur so brutale Monster“ zu trainieren. Gewissermaßen hatte sie da Recht. Viele von Wes' Pokemon, die Rea einst so gerne verhätschelt hatte, waren mittlerweile kräftige Riesen mit dem Feingefühl einer Landmine geworden. Cerberus machte wenigsten Sitz, wenn man es ihm befahl. Manchmal jedenfalls.

    Ich stell mir Wes gerade mit einem Pii vor. ='D "Was!? Auch ich stehe zu meiner weiblichen Seite." *Tütü zurechtzupf*


    Zitat

    „Ich hoffe ihr seid keine Groupies“ , meinte Wes abschätzig mit einem Blick auf diese Gestalten. Der Mann versuchte unauffällig mehr Abstand zwischen sich und Cerberus zu bringen, welcher sich die Lefzen leckte.
    „Ähm, also natürlich sind wir nicht … “ , begann er, den Blick immer noch auf das Feuerpokemon geheftet.
    „Ein Glück “ , sagte Wes übertrieben erleichtert „Nichts für ungut, aber ihr seid echt nicht mein Typ.“

    Thaha, ich liebe seinen Humor :yeah:
    Rick sollt sich mal Mut zulegen. ;P


    Zitat

    Die dicke Frau ließ sich weniger leicht einschüchtern als ihr Begleiter und sprach mit fester Stimme: „Wir sind hier, um Ihnen ein sehr wichtiges Angebot zu machen, Herr ...“
    Wes winkte ab. „Bitte einfach Wes. Mein Nachname gehört verboten.“

    Und wir waren so nah dran ihn zu erfahren >.<


    Zitat

    Wes wurde hellhöriger und auch Cerberus horchte auf. Geld war immer gut.

    Geld ist immer gut. ^^


    Zitat

    „Sehen Sie, Wes … wir sind ...“, der Mann sah aus wie jemand, der etwas Unangenehmes schnell hinter sich bringen wollte. Als würde er sich überwinden ein Pflaster schnell abzureißen.
    „Von der Polizei“, vollendete die Frau für ihn in sachlichem Tonfall.
    Das kam überraschend. Wes war nicht die Sorte Mensch, die bei der Erwähnung von Bullen aufgescheucht in Panik geriet, doch er war milde erschrocken. Zumindest erklärte das, warum die beiden so deplatziert wirkten. Wirklich Sorgen machte Wes sich jedoch nicht.

    Vielleicht sollten sich die beiden Sorgen machen? Thehehe
    Haben die beiden eigentlich noch was anderes und Nützlicheres als ein Taubsi? Da könnte man schnell an den falschen Klein- oder Schwerkriminellen geraten und dann... *Linie über den Hals zieh und ächzendes Geräusch mach*


    Zitat

    Die beiden Sonderfritzen leierten eine sicherlich einstudierte Erzählung von dem furchtbaren kriminellen Sumpf herunter, in dem das Land zu versinken drohte.

    Thahaha ^^


    Zitat

    „Was Sie und die Öffentlichkeit nicht wissen ist, dass das organisierte Verbrechen in Orre kurz davor steht einen kritischen Punkt zu erreichen. Regierungsmitglieder werden erpresst, entführt oder getötet, in manchen Städten werden Kopfgelder für Polizisten ausgezahlt. Das alles hat System. Die versuchen das Land langfristig so zu destabilisieren, dass sie die Macht endgültig übernehmen können.“

    So gehört sich das für eine richtige Pokemonwelt und eine gute Verbrecherbande. ^^


    "Sehen Sie, wir haben halt keine kompetenten Leute, wir brauchen deswegen kompetente Kleinkriminelle."
    - :| Euer Ernst!?


    Zitat

    Ja, er würde diese Deppen richtig ausnutzen und auf Staatskosten seine Karriere ankurbeln!

    Wie gesagt, ich find ihn geil =D


    Ich find es generell cool, dass du einen erfahrenen Trainer nimmst. ^^ Dann fangen wir nicht mit dem "ich bekam heute mein erstes Pokemon, oh ein Glumanda, das Glut und Kratzer beherrscht" an. X)


    Kronos ist… ugh o.o


    [tab=Sonstiges]

    Zitat

    Vielleicht nochmal für Unbelehrbare, was ist richtig:"abc, " sagte er oder "abc", sagte er

    Desdo! ^^[/tabmenu]


    Ich freu mich auf mehr x3

  • Kapitel 3: Erste Hürden

    "Gut so! Und jetzt Feuerfeger!", rief Wes seinem Pokemon begeistert zu. Persephone stieß einen Kampfschrei aus. Das Lohgock sprang vor, während Flammen um ihre breiten Füße aufloderten. Sie trat ihrem Trainingspartner Zeus beherzt in die Flanke, sodass das Luxtra brüllend zu Boden fiel. Zeus war zu stolz um aufzugeben, doch er brauchte lange um wieder auf die Beine zu kommen und so entschied Wes, den Kampf zu beenden.
    "Gute Arbeit. Beide ", kommentierte er zufrieden. Persephone strotzte wirklich nur so vor Kraft. Er würde sie in den ersten Kämpfen auf jeden Fall gut gebrauchen können. Lohgocks waren hervorragende Kämpfer und hatten von Natur aus einen regen Sportsgeist. Die Feuer-Kampfpokemon wurden um die zwei Meter hoch und hatten einen schlanken, humanoiden Körper. Der Kopf ähnelte eher dem eines Greifvogels, passend zu den Klauen, die an Stelle von Händen am Ende dünner Arme saßen. Die Beine waren von dunklem roten und gelben Gefieder bedeckt und proportional zum Rest des Körpers sehr breit. Dort lag die Stärke dieser Pokemon. Ihre Tritte waren eine nicht zu unterschätzende Waffe.
    Wes hatte Persephone damals in Hoenn einem jungen Trainer abgekauft, der seine frische Karriere nach einer Niederlage in seinem ersten Arenakampf sofort wieder beendet hatte. Das damals eher ängstliche Flemli war über die Zeit zur wahren Amazone gereift und hatte letztlich nicht unerheblich dazu beigetragen, dass Wes es auf den dritten Platz in der Liga geschafft hatte. Der einzige Grund, dass er Persephone in letzter Zeit nicht mit in den Tartarus genommen hatte, war Cerberus. Das Hundemon war eigentlich immer seine erste Wahl und er wollte ungern zwei Feuerpokemon gleichzeitig verwenden. Und Cerberus war immerhin sein aller erstes eigenes Pokemon gewesen, klar, dass er ihn oftmals bevorzugte.
    Während Wes sich an einen hölzernen Tisch in mitten der weitläufigen Wiese setzte, zog sich Zeus ein wenig von den anderen Pokemon zurück und legte sich so majestätisch wie möglich ins Gras. Der große grau-blaue Löwe konnte mit Niederlagen nicht gut umgehen. Schon gar nicht gegen die eigenen Teamkameraden. Wes ging eine Liste durch, die er sich gemacht hatte, um sein Training zu strukturieren. Zeus und Persephone waren die letzten beiden, die er heute hatte kämpfen lassen wollen. Zufrieden setzte er einen Haken an seine Notizen und gönnte sich einen Schluck kühlen Biers, das in der Frühlingssonne wirklich gut tat. Die letzten Wochen waren sehr konstruktiv gewesen, er fühlte sich fantastisch. Er hatte gar nicht gemerkt, wie sehr ihm die akribische Arbeit mit all seinen Pokemon wirklich gefehlt hatte. Zu beschäftigt war er mit seinen Schulden und Sorgen gewesen. Nun wo er all seine Aufmerksamkeit dem Training widmete, fühlte er sich endlich wieder wie ein richtiger Trainer, der bereit war, die Welt im Sturm zu erobern.
    In wenigen Tagen würde er in die Stadt zurückkehren und dann würde sich zeigen, was seine Mühen wert gewesen waren. Das Turnier im Orkus Kolosseum, für das ihn die Polizisten eingetragen hatten, würde bald mit den Qualifikationsrunden beginnen. Er war zuversichtlich es zumindest durch diese Vorausscheidung schaffen zu können. Es ging dabei doch eigentlich nur darum, die Spreu vom Weizen zu trennen, damit die Zuschauer nicht mit zu vielen Anfängern gelangweilt wurden. Wes blickte über seine Pokemon, die sich überall auf der Weide seiner Familie in verschiedenen Stadien der Entspannung herumtrieben. Ja, er war bereit. Sie waren bereit. Seine Augen schweiften weiter ab in Richtung einiger großer Felsbrocken, die am Rande des Geländes lagen. Kronos musste dort drüben sein, der Schatten der Steine gefiel ihm. So richtig in den Griff bekommen hatte Wes ihn bislang nicht und noch immer blieb er lieber von den anderen Pokemon fern. Das Training mit ihm war ein kaum zu bewältigender Kraftakt, da sich außer seinem Brutalanda Athene und Persephone niemand von seinen Pokemon mehr traute gegen Kronos zu kämpfen. Persephone trat noch immer an, weil sie jeden Kampf annahm und Athene liebte ihren Trainer so abgöttisch, dass sie sich für ihn auch mit den wildesten Pokemon anlegte.
    Leicht lächelnd blickte Wes zu der großen blauen Drachendame, die in der Abenddämmerung döste. Unter einer ihrer roten Schwingen schaute Cerberus' Schnauze hervor, der den Schatten wohl nur zu gerne nutzte. In dieser Idylle konnte man leicht melancholisch werden. Fast wünschte er sich, er könnte noch ein paar weitere Wochen hier bleiben. Er musste über sich selbst lachen. In seinem Kopf klang er beinahe wie ein dummes Kind, das sich weigerte der harten Realität der Welt dort draußen ins Gesicht zu blicken.


    Das Kolosseum Orkus war ein gigantisches Bauwerk. Wes musste den Kopf weit in den Nacken legen um über den Rand des Stadions hinaus blicken zu können. Als Jugendlicher war er einige Male mit seinem Onkel hierher in die Stadt gekommen, um im Kolosseum den Kämpfen zuzusehen. Nun würde er also endlich selber antreten.
    Zugegebenermaßen, hatte er das Kolosseum etwas sauberer und irgendwie strahlender in Erinnerung gehabt, aber das mochte die jugendliche Begeisterung gewesen sein, die seinen Eindruck beschönigt hatte. Es handelte sich um ein ovalförmiges Gebäude mit steilen betongrauen Wänden. An deren Innenseite, so wusste Wes, waren stufenartige Tribünen mit Platz für wahre Menschenmassen. Das Stadion war wie ein antikes Amphitheater gebaut. Was ihm fehlte war die Eleganz jener Architektur. Das Kolosseum Orkus war zweckorientiert und man hatte auf Verzierungen verzichtet. Für schöne Arenen musste man schon nach Phenac.
    Wes wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Cerberus zu seinen Füßen zu knurren begann. Der Rüde fletschte seine Zähne in Richtung einer jungen Frau, die es gewagt hatte sich seinem Trainer zu nähern. Mit Blick auf das Feuerpokemon hielt sie inne und blickte eher erstaunt als erschrocken.
    Sie mochte etwas älter als Wes sein, aber der Eindruck entstand vielleicht nur wegen ihrer Aufmachung. Sie hatte ihr weißes Hemd in ihren engen schwarzen Rock gesteckt und trug darüber eine teuer aussehende dunkle Jacke. Ihr braunes Haar hatte sie zu einem festen Knoten gebunden, der ihr nicht wirklich gut stand. Mit ihrer dezenten Schminke unterstrich sie ihr professionelles Auftreten zusätzlich zu einer elegant aussehenden Handtasche, die sie in einer Hand baumeln ließ. Auf den ersten Blick war sich Wes nicht sicher, ob sie hübsch war oder nicht. Die Art wie sie lächelte machte ihn stutzig. Sie schien zu glauben, er habe sie erwartet.
    "Kann ich ... dir irgendwie helfen?" fragte er. Von seiner Zeit im Tartarus hatte er sich angewöhnt nahezu jeden erst einmal zu duzten. Darüber dachte er schon gar nicht mehr groß nach.
    Das Lächeln der Fremden wurde fröhlicher und sie schritt näher, den grummelnden Cerberus einfach ignorierend.
    "Finde ich echt super, dass wir direkt beim "Du" anfangen können. Man muss ja nicht immer so steif sein!" Sie sah ehrlich gesagt so aus, als ob sie generell selbst der etwas steifere Typ wäre. Ihre Stimme war hoch und nervte Wes auf der Stelle. Und was sie gesagte hatte, war etwas verwirrend.
    "Wollen wir dann mal rein gehen, ein paar Sachen musst du wohl noch anmelden."
    Auffordernd winkte sie zum großen Tor, das den Eingang zum Kolosseum darstellte und durch das ab und zu einige Leute schritten. Wie immer bei Qualifikationsrunden war eher wenig Andrang auf den Rängen.
    "Ähm, sollten wir uns kennen?" Cerberus gab seine Drohungen derweil auf, enttäuscht keine Beachtung zu finden, und suchte stattdessen mit geübtem Blick nach Kleinkindern unter den ankommenden Menschen, die er erschrecken konnte.
    Die Frau klimperte verwundert ein paar Mal schnell mit den Wimpern und starrte Wes an, als hätte er sie beschimpft. Sie legte eine Hand auf seinen Oberarm, während sie mit der anderen auf sich deutete.
    "Aber ... aber man hat dir doch wohl gesagt, dass du hier auf mich warten sollst?"
    Als keine Reaktion kam, schien sie fast die Fassung zu verlieren und kramte hastig in ihrer Handtasche, während ihre Augen immer noch viel zu schnell auf und zu schlugen. Sie fand eine Visitenkarte und patschte sie dem verdutzten Wes in die Hand.
    "Ich bin doch deine Managerin!" keuchte sie empört, was Wes dazu bewegte die Karte zu lesen.


    Vanessa Lynch
    Individuelles Karrieremanagement


    Darunter stand etwas von einer Firma namens "Brook und Partner" und einige Telefonnummern und Emailadressen. Verständnislos drehte Wes die Karte in der Hand.
    "Was soll ich mit einer Managerin?"
    Die Frau namens Vanessa presste den Daumen und zwei abgespreizte Finger gegen ihre Stirn und schloss die Augen. Sie schüttelte langsam den Kopf und murmelte dann leise: "Das ist jetzt nicht wahr. Das kann nicht wahr sein."
    Unterdessen entfernte sich Cerberus unauffällig um einige Ratzfratz zu jagen, die sich an einer Mülltonne zu schaffen gemacht hatten. Er hatte wohl keine Kinder gefunden. Wes folgte ihm nur aus den Augenwinkeln und wartete darauf, dass die Dame sich erklärte. Frau Lynch beendete ihr Gemurmel nun. Resigniert blickte sie auf.
    "Also. Entweder man hat Sie ... dich nicht informiert oder ... oder ..." sie schien nach weiteren möglichen Erklärungen zu suchen. Wes beschlich das ungute Gefühl, dass diese Situation seine Schuld war. Die Polizisten hatten ihm so viel erzählt, so viele Kontakte gegeben und einfach nicht aufgehört zu reden. Und dieses "briefing", wie sie es genannt hatten, lag immerhin schon fast einen Monat zurück. Er hatte nicht wirklich aufgepasst und sich kaum etwas davon wirklich behalten. Warum auch? Schließlich wollte er nicht wirklich sein Leben aufs Spiel setzen und eine ominöse Verbrecherbande ausspionieren. Es konnte gut sein, dass man ihm zwischen der tausendsten Erklärung vorsichtig zu sein und der Ermahnung sich nicht zu leicht "rekrutieren" zu lassen, um keinen Verdacht zu erregen, vielleicht auch gesagt hatte, dass er diese Frau hier zu erwarten hatte.
    "Also, ja ... da scheint es ein Missverständnis zu geben, " versuchte er den Verdacht von sich fern zu halten und setzte eine Unschuldsmiene auf. Scheinbar erleichtert, dass er sie nicht länger wie eine Verrückte ansah, lächelte die Frau nun wieder. Fast fröhlich meinte sie:
    "Naja, das muss uns ja nicht in die Quere kommen, oder? Also? Gehen wir dich mal zu Ende anmelden!" Ohne auf seine Reaktion zu warten, schob sie ihn mit sanfter Gewalt in Richtung des Eingangs zum Kolosseum. Cerberus wurde zu dessen Missfallen in seinen Pokeball verfrachtet.
    Es sah genauso aus, wie Wes es in Erinnerung hatte. Der Eingangsbereich war schlicht aber sauber. Hier und da hatte man eine kleine Palme in einem Topf auf den braun gefliesten Boden gestellt, in dem Versuch dem ganzen etwas optischen Reiz zu verschaffen. Insgesamt hätte man auch meinen können, man wäre gerade in ein etwas weniger protziges Opernhaus eingetreten. Wes wurde in einen Bereich gedrängt, den er freilich noch nicht kannte. An einer langen Theke saßen mehrere Männer und Frauen in hellblauen Hemden, welche die Anmeldungen wohl abfertigten. Auf dem Weg dorthin überflutete Vanessa Wes mit einem wahren Schwall an Worten.
    "Natürlich wollen deine Sponsoren, dass du ein ordentlichen Management hast. Heutzutage muss ja so viel beachten werden und das soll dich ja nicht vom Wesentlichen abhalten. Du sorgst dafür, dass du viele Siege einfährst, ich sorge dafür, dass du berühmt wirst. Die Leute wissen ja oft gar nicht, wie viel Arbeit und Kalkül hinter den Stars steckt."
    Wes wusste das zugegeben maßen wirklich nicht und konnte sich auch nicht recht vorstellen, was seine Managerin denn genau für ihn tun würde. Er war sich sicher, dass er das nur allzu bald herausfinden würde. Da sie aber gerade von Stars sprach, fiel sein Blick auf eine ältere Frau, die gerade in Begleitung einiger Männer in dunklen Anzügen und Sonnenbrillen die Theke verließ, auf die Wes und Vanessa zusteuerten. Sie hatte sehr kurzes graues Haar und ein hartes, kantiges Gesicht. Ein Gesicht, dass Wes sofort als das von Odelia Bosch erkannte, amtierende Vize-Meisterin der Orre Landesmeisterschaft und eine der Favoriten auf den diesjährigen Titel. Wes sah ihr hinterher, wie sie mit ihrer Leibgarde das Kolosseum wieder verließ. Grob unterbrach er Vanessa in ihren Erklärungen.
    "Hast du das gesehen? Das war Odelia Bosch! Was macht die denn hier? Sag mir nicht, die macht hier mit!"
    Etwas überrascht blickte auch Vanessa nun zu der Eingangstür.
    "Ja, auch Superstars müssen sich vorher anmelden. Aber ihre Wertung ist so hoch, dass sie an der Qualifikation natürlich nicht teilnehmen muss."
    Wes nickte. Das ergab Sinn. Natürlich traten auch die ganz großen und berühmten Trainer in Turnieren wie diesen an. Das war es ja, was sie so bekannt und erfolgreich gemacht hatte. Außerdem mussten sie Punkte einfahren, um sich für die Endrunde der Landesmeisterschaft zu qualifizieren.
    "Das heißt also, ich kann das Turnier hier eigentlich schon knicken?", seufzte er.
    Energisch schüttelte Vanessa den Kopf und hob mahnend den Zeigefinger.
    "So fangen wir hier gar nicht erst an. Positiv bleiben, wenn ich bitten darf."
    Wes fand es etwas albern, wie sie ihn da belehrte. Es war fast wie eine Kindergärtnerin, die einem entmutigten Kind erzählte, dass Dabei-sein alles sei. Natürlich musste er für den Anfang nicht gleich jedes Turnier gewinnen. Erstmal musste er sich rein arbeiten. Aber zu wissen, dass eine der besten Trainerinnen der Welt teilnahm, raubte ihm doch etwas die Euphorie. Bosch war kontrovers, da sie so kalt und hart rüberkam und ihr Kampfstil absolut klinisch war. Doch konnte keiner ihre Klasse bestreiten. Gerade dieses Jahr setzten viele in Orre große Stücke auf sie, da sie das Land im internationalen Wettbewerb vertrat. Sie war einer der wenigen Faktoren, die die Leute dieses Landes zumindest ein bisschen vereinen konnte. Orre war traditionell schon immer ein Land für Einwanderer gewesen. Eine wirklich dominante Kultur gab es schon lange nicht mehr und alles war ein buntes Durcheinander aus Nachkommen von Migranten, neuen Migranten und allerlei Mixturen. Doch wenn Odelia Bosch oder einer der anderen großen Trainer das Land im Wettkampf mit anderen Ländern vertrat, dann gab es plötzlich Nationalismus in Orre. Verrückt eigentlich.
    "Odelia Bosch ist ein hervorragendes Beispiel für gutes Karrieremanagement" , unterbrach Vanessa seine Gedanken. "Ihr Image als kalte, harte Strategin ohne Herz ... das ist alles geplant und so gewollt. Sie polarisiert, die Leute sprechen über sie. Nicht nur ihre Fähigkeiten heben sich von den anderen ab, sondern auch ihr Auftreten. Und das macht es einfach sie erfolgreich zu vermarkten." Sie sah ihn weit enthusiastischer an, als Wes selbst sich fühlte. Immerhin waren ihre Erklärungen hilfreich. Vanessa schob ihn nun zu der Theke, wo gerade ein junger Mann frei geworden war und mit professionellem Lächeln die nächste Anmeldung erwartete.
    "Dich machen wir auch so berühmt, wart's nur ab!"
    Unter all der Begeisterung Vanessas spürte Wes Unsicherheit. Etwas sagte ihm, dass dieses Getue nur ein Mittel war, um ihre eigene Nervosität zu überspielen. Er sollte sie bei Gelegenheit fragen, wie viele Klienten sie denn schon erfolgreich betreut hatte.
    Nun reichte er dem Mann an der Theke seinen Ausweis und die sechs Pokebälle, die er mit sich führte. Ihm wurde erklärt, dass nur diese sechs vorher angemeldeten Pokemon in der Qualifikation verwendet werden durften und dass es insgesamt drei Kämpfe nach dem Prinzip "best of three" für ihn geben würde. Wes nickte. Das hatte er natürlich schon vorher gewusst.
    Als die Registrierung seiner Pokemon vollendet war, trat er zurück und sah für einen Moment seine Überlegungen bestätigt. In den Augen seiner Managerin hatte kurz etwas unsicheres gelegen, wie sie dort stand und sich nervös umsah. Wes seufzte innerlich. Es war doch eigentlich egal, ob sie etwas taugte oder nicht. Er brauchte keine Managerin, das war alles eine Farce. Es gab nur ihn und seine Pokemon. Das war alles, was zählte.


    Es war seltsam auf dem Kampfplatz zu stehen. Er hatte dieses Feld früher bloß von der Tribüne aus gesehen und nun stand er selbst hier. Der Boden war von einem saftig grünen Gras bedeckt, der blaue Himmel war wolkenfrei. Es war ein komplett anderes Gefühl hier als im Tartarus. Freier, schöner. Wes musste über sich selbst lachen. So was war ihm doch eigentlich komplett egal. Er sah zu den beinahe leeren Rängen, von wo aus einige wenige Gruppen an Zuschauern auf das in drei Teile geteilte Kampffeld blickten. Die Aufteilung war für die Qualifikation notwendig, um mehrere Partien zugleich austragen zu können. Jeder Platz hatte einen eigenen Schiedsrichter. Wes schenkte dem seinen, einer dünnen Frau mit grell gelber Uniform, kaum Beachtung. Letztlich sollten diese Leute bloß entscheiden, wann ein Pokemon verloren hatte, das wars doch.
    Sein Gegner schien weitaus nervöser zu sein als Wes selbst und er schloss daraus, dass der junge Mann ebenfalls zum ersten Mal hier teilnahm. Wes rechnete sich durch seine Erfahrungen im Tartarus einen Vorteil aus. Die Schiedsrichterin gab ein Signal und ein Kribbeln erfüllte Wes. Es ging los! Der erste Kampf in einem echten Kolosseum!
    Zwei Pokebälle schwirrten durch die Morgenluft und gaben die Kämpfer frei, für die sich die Kontrahenten entschieden hatten. Wes hatte Ares gewählt. Das Nidoking streckte seinen violetten, dinausaurierartigen Körper und Wes stellte zufrieden fest, dass die Speckschicht gewichen war und den Blick auf die harten Muskeln des Giftpokemons frei gegebenen hatte. Ares' Kontrahent war ein Impoleon. Das Wasserpokemon war ein großer blauer Kaiserpinguin, auf dessen Kopf eine drei zackige Krone saß. Ohne Umschweife gab die Schiedsrichterin die Partie frei und schon stürmte Ares auf Impoleon zu. Wes war bewusst, dass beide Seiten einen Typenvorteil hatten, denn Nidoking war ebenfalls ein Bodenpokemon, während Impoleons zweiter Typ Stahl war. Das konnte interessant werden.
    "Doppelkick!", rief Wes, woraufhin Ares brüllend hochsprang und mit gestreckten Beinen auf seinen Gegner niederfuhr. Impoleon hob schützend seine Flossen und Ares prallte wütend ab. Die Flossen waren stahlhart und taugten scheinbar hervorragend als Schilder. Impoleon wirbelte um die eigene Achse und rasch bildete sich ein Strudel aus wirbelndem Wasser um das Pokemon. Die Attacke Whirlpool rauschte auf Ares zu und erfasste das Nidoking. Ares brüllte auf, als er umhergeschleudert wurde und schließlich klatschnass auf dem Boden aufschlug. Wütend stemmte er sich wieder auf seine massigen Hinterbeine und spielte drohend mit den Muskeln. Ares war leider ein wenig ungestüm und ließ sich leicht reizen. Wes musste erst einmal austesten, was dieses Impoleon so drauf hatte, bevor er Ares wieder losstürmen lassen würde. Ein Fernangriff hatte jetzt mehr Sinn.
    "Los, Erdbeben!"
    Ares stieß sich mit aller Kraft vom Boden ab und sein massiger Körper landete wieder auf dem Kampffeld. Ein mächtiges Beben zuckte durch die Erde und die Erde zu Impoleons Füßen riss splitternd auf. Die Wucht des Bebens riss das Wasserpokemon von den Beinen, sodass es rücklings umfiel und mit einer Flosse in einer der entstandenen Erdspalten stecken blieb. Das war die Chance!
    Ares verkürzte von einem tiefen Kampfschrei begleitet die Distanz zwischen den Kontrahenten und begann eine Folge mächtiger Hiebe, Tritte und Schläge mit seinem Schweif auf den Gegner niederprasseln zu lassen. Impoleon hatte alle Mühe sich wieder zu befreien und die wütenden Angriffe mit seiner freien Flosse abzuwehren. Der Trainer des Wasserpokemons rief einen Befehl, woraufhin Impoleons Flossen hell grau aufleuchteten und beherzt zum Gegenangriff ansetzte. Das sah stark nach Stahlflügel aus.
    "Ares, zieh dich ein Stück zurück", befahl Wes hastig, doch sein Pokemon war in einen wahren Rausch verfallen und setzte die Fuchtler-Attacke unbeirrt fort. Das Impoleon steckte die Angriffe ohne die Miene zu verziehen ein und hieb dem Nidoking schwungvoll seine stählernen Flossen ins Gesicht. Ein roter Striemen zog sich nun quer über Ares' Stirn. Wes' Pokemon brüllte und tobte in Raserei. Impoleon nutzte die blinde Wut seines Gegners und brachte rasch ein wenig Distanz zwischen die beiden Kämpfer. Dann öffnete es seinen Schnabel und stieß einen harten Wasserstrahl aus, den Wes als Hydropumpe erkannte.
    "Schaufler, schnell!"
    Ares hörte seinen Trainer konnte jedoch nicht schnell genug reagieren. Die gegnerische Attacke traf ihn mit voller Wucht und katapultierte ihn quer über den Kampfplatz, wo er direkt neben Wes aufschlug. Zitternd versuchte er sich wieder aufzurichten, doch sein Körper war geschlagen, wo sein Geist noch weiter kämpfen wollte. Schließlich sank Ares erschöpft in sich zusammen.
    "Nidoking kann nicht mehr weiterkämpfen, Impoleon ist der Sieger!" , verkündete die Schiedsrichterin. Auf der anderen Seite des Platzes verfiel der junge Mann in Freundenschreie, während Wes kopfschüttelnd den Pokeball hob.
    "Das war enttäuschend, Ares. Wenn ich dir einen Befehl gebe, hast du zu gehorchen."
    In einem roten Strahl verschwand das geschlagene Nidoking in seiner Behausung. Wes' Gesichtsausdruck verfinsterte sich. Das war eine dumme, vermeidbare Niederlage gewesen. Wenn Ares bloß nicht so dickköpfig wäre! Das musste er ihm wohl oder übel noch austreiben, obgleich er das seit Jahren versuchte. Auch Impoleon wurde zurückgezogen. Die Kampfrichterin bedeutete den Kontrahenten, sich für Runde zwei bereit zu machen. Wes überlegte, wen er einsetzen sollte. Dieser zweite Kampf musste gewonnen werden, sonst ging der Gesamtsieg automatisch an seinen Gegner. Er musste auf jeden Fall eines seiner stärksten Pokemon verwenden. Entschlossen griff er nach Persephones Pokeball und schickte das Lohgock in den Kampf.
    Flammen loderten an dessen Handgelenken, als es in freudiger Erwartung in Stellung ging. Aus dem Pokeball des anderen Trainers materialisierte sich ein blauer Drache, der aufrecht auf den Hinterbeinen stehend vielleicht ein-einhalb Meter hoch sein mochte. Seinem Spitzen Kopf waren seitlich zwei ovale Gebilde, die seine Ohren sein mochten. An seinen Unterarmen saßen sichelartige Auswüchse. Wes hatte so ein Pokemon noch nie gesehen, doch er ahnte, dass es sich um Knarksel, die Vorstufe von Knakrack handelte musste. Es sah letzterem einfach sehr ähnlich. Wahrscheinlich war es demnach ebenfalls vom Doppeltypen Drache und Boden und beherrschte ähnliche Attacken, je nachdem nah es an einer Entwicklung war. Persephone sollte dennoch mit ihm klar kommen.
    Das Zeichen zu Beginnen wurde gegeben. Wes befahl seinem Pokemon aus der Distanz mit einem Flammenwurf anzugreifen. Persephone spie einen langen Strahl Feuers in Richtung des Gegners aus, der seine Arme hob und die Flammen gegen die Sicheln an seinen Unterarmen prallen ließ. Die Wucht des Angriff schob es einige Meter über den Boden, doch als es die Arme wieder senkte, wirkte es recht unversehrt. Es schien, dass Wes' Gegner oft darauf setzte, Attacken mit den Armen abzuwehren. Gut zu wissen.
    "Persephone, setzt Protzer ein", befahl Wes nun ruhig. Er wollte Knarksel kommen lassen und sehen, was sein Gegner vorhatte. Das Lohgock leuchtete rötlich auf, während es die Arme seitlich von sich streckte. Mit Protzer erhöhte sich sowohl der Angriff, als auch die Verteidigung, was bedeutete, dass Knarksel zum Handeln gezwungen wurde, wollte es seinen Gegner nicht ungestraft mit dieser Verstärkung davon kommen lassen.
    Auf Befehl seines Trainers hin, reckte der Drache seine Klauen und begann nun ebenfalls zu leuchten, jedoch in einem matten blau. Drachentanz. Wes ballte die Faust. Gar nicht mal blöd. Damit wurde auch Knarksel stärker und gleichzeitig schneller. Es war zugleich die Nachricht seines Kontrahenten an ihn: Was du kannst, kann ich schon lange.
    Wes war entschlossen ihm zu zeigen, dass dieses Knarksel mit seiner Persephone nie im Leben mithalten konnte. Er schickte das Lohgock in den Nahkampf. Das Feuerpokemon ballte die Klauen zu Fäusten und setzte zu einem kräftigen Hieb an. Knarksel brachte sich mit einem Satz nach hinten in Sicherheit. Der Geschwindigkeitsschub machte sich klar bemerkbar.
    "Nachsetzen, lass nicht locker. Himmelhieb!", lauteten Wes's Anweisungen. Persephone hetzte ihrem Gegner mit großen Sprüngen nach. Bald schon konnte der Drache nicht mehr ausweichen und kassierte einen Schlag unter das Kinn, welcher es hoch in die Luft schleuderte. Mit einem kräftigen Satz sprang Persephone hinterher und deckte seinen Gegner noch im Fallen mit einer Folge von Hieben ein, bis Knarksel schließlich schreiend in das Gras fiel.
    Persephone machte einen Salto rückwärts und brachte sich herausfordern wieder in Kampfstellung. Knarksel hingegen kam mit Mühe auf die Beine. Dessen Trainer rief einen Befehl. Das Drachenpokemon stürzte sich mit leuchtenden Klauen auf das Lohgock. Wes entschied sich, es auf die Konfrontation ankommen zu lassen. Auf seinen Befehl hin loderte Persephones gesamter Körper in grellen Flammen auf und sie sprintete in unglaublichem Tempo auf ihren Gegner zu. Mit vollem Körpereinsatz rammte sie Knarksel und stieß es brennend zu Boden. Kurz zuckten rote Blitze über den Körper des Lohgocks und Persephone verzog das Gesicht. Flammenblitz verletzte leider auch den Anwender. Doch Wes wusste, dass der Kampf an dieser Stelle sowieso gewonnen war. Zeit es zu beenden.
    "Hitzekoller!"
    Persephone ging erneut in einer Flamme auf, diesmal war es ein wahres Inferno, dass von ihr ausging. Sie stieß einen Kampfschrei aus, ließ das Feuer zu einem turmhohen Flammenmeer anwachsen und visierte das Knarksel am Boden an. Dann entfesselte sie diese brennende Hölle auf ihren Gegner. Noch bevor die Flammen den Drachen erreichen konnten, verschwand dieser in einem roten Strahl und wurde in den Pokeball in der Hand seines Trainers zurückgezogen.
    Das Feuer fegte über die Leere hinweg und ließ keinen Grashalm übrig.
    "Knarksel wurde aus dem Kampf genommen, Lohgock ist der Sieger!"
    Triumphierend schrie Persephone auf, ließ Feuer um ihre Handgelenke lodern und boxte einige Male pfeilschnell in die Luft, sodass nur die Schlieren der Flammen zu sehen waren. Sie lebte einfach für den Kampf, wusste Wes.
    "Sehr gute Arbeit, wie immer", waren seine Worte an das Feuerpokemon, als er es zurücknahm. Sein Kontrahent hatte einen entsetzten Ausdruck auf dem Gesicht, als er den Pokeball seines Drachen verstaute. War es eine Panikreaktion gewesen, Karksel vor dem Hitzekoller zu bewahren?
    Es stand Unentschieden und die Zeit kam für den entscheidenden Kampf. Wes hatte Zuversicht gewonnen. Der Sieg durch Impoleon war doch letztlich nicht auf dessen Trainer sondern auf Ares' Dickkopf zurückzuführen und dieser zweite Kampf war eine klare Angelegenheit gewesen. Es konnte keinen Zweifel geben, dass Wes der bessere war. Seine Hand fuhr zu den Pokebällen an der Innenseite seiner Lederjacke. Wer sollte die letzte Runde bestreiten? Seine Finger streiften den Pokeball von Kronos. Einen Moment lang zögerte Wes. Nein. Er würde Kronos lieber in einem anderen Kampf verwenden. Falls er Probleme machte, sollte es nicht ausgerechnet im ersten Kampf sein. Stattdessen schickte er schließlich Amphitrite auf das Feld. Das Starmie stellte sich kampfbereit auf und ließ wie üblich die hintere Reihe Zacken hin und her kreisen. Sein Kontrahent würde ein Kramshef sein. Die große Krähe, dessen aufgeplusterte weiße Brust sich von dem sonst dunklen Gefieder stark abhob, kreiste abwartend über seinem Trainer und krächzte in Erwartung des Kampfes. Der Typvorteil war also auf Seiten des Gegners, da Starmie teils ein Psychopokemon war und der Vogel dagegen ein Unlichttyp war. Kein Problem, Amphitrite beherrschte eine Menge Attacken, die auch diese Situation abdeckten. Impoleon, Knarksel und Kramshef ... ob der andere Trainer wohl aus Sinnoh kam? Die drei Pokemon die er verwendete waren zumindest typisch für diese Region. Wes war leider nie dort gewesen.
    Als der Kampf begann, leuchteten die Schwingen des Kramshef in dunklem Violett und es ging auf Kollisionskurs. Wes befahl Amphitrite auszuweichen, worauf der Seestern kreisend durch die Luft wirbelte und die Krähe unter ihm hinweg fliegen ließ. Doch Kramshef war vorbereitet. Es wendete und griff postwendend erneut an. Amphitrite konnte so rasch nicht reagieren und musste einen heftigen Treffer einstecken. Wütend blitzte der Rubin in seiner Mitte, während sich Kramshef zum dritten Mal auf das Starmie stürzte. Es handelte sich sichtbar um den Angriff Nachthieb. Starmie durfte von solcherlei Attacken nicht zu oft getroffen werden, wusste Wes. Er wartete ab, bis Kramshef nah genug gekommen war, dann rief er "Donnerwelle, schnell!"
    Amphitrite sonderte knisternde Wellen Stroms ab, denen die Krähe nicht entkommen konnte. Blitze zuckend über den Körper des Vogels und das Pokemon wurde langsamer. Sein Angriff wirkte mit einem Mal behäbig. Das Starmie kreiste rasch rotierend durch die Luft und rammte das Kramshef nun, bevor dieses einen Treffer landen konnte. Empört krächzend nahm das Unlichtpokemon mit einigen kräftigen Flügelschlägen Abstand. Wes grinste siegessicher. Amphitrite war ein sehr schnelles Pokemon und durch die Paralyse würde Kramshef es nun sehr schwer haben, einen erfolgreichen Angriff durchzuführen.
    Um seinen Gegner aus der Reserve zu locken, ließ er Amphitrite mit Eisstrahl angreifen. Aus dem Rubin in der Mitte des Wasserpokemons schoss ein bläulicher Blitz, der die Luft um ihn herum gefrieren ließ. Der Strahl aus purer Kälte zwang Kramshef dazu in Bewegung zu bleiben und ein Ausweichmanöver nach dem anderen zu fliegen. Sowohl Wes als auch der andere Trainer wussten, dass früher oder später die Donnerwelle dazu führen würde, dass Kramshef nicht rechtzeitig reagieren konnte, sodass es unweigerlich getroffen werden würde. Das zwang Wes' Gegenüber zu handeln. Er befahl seinem Pokemon die mächtige Attacke Sturzflug. Kramshef leuchtete auf und schoss von strahlender Energie umschlossen auf das Starmie zu, während es noch immer dem Eisstrahl auswich.
    "Halt dich bereit", wies Wes sein Pokemon an, welches seinen Trainer gut genug kannte, um zu wissen, was dieser nun befehlen würde. Als Kramshef nur noch wenige Meter entfernt war, ließ Wes Amphitrite angreifen. Das Starmie wurde von grellen Blitzen umgeben, die es mit rotierenden Zacken auf seinen Gegner abfeuerte. Mit einem ohrenbetäubenden Knall schlug die Attacke Donner in dem Kramshef und schickte es zu Boden. Es schlitterte über das Feld und kam schließlich kurz vor Amphitrite zum erliegen. Es hatte sichtlich das Bewusstsein verloren.
    "Perfekt", sagte Wes anerkennend zu dem Starmie. Amphitrite mochte im Gegensatz zu seinen anderen Pokemon oft emotionslos und abwesend wirken, doch war der Seestern sehr intelligent. Oft war ihm klar, was sein Trainer plante, sodass Wes nur wenige Befehle geben musste. Ein hervorragender Kämpfer.
    Gelassen nahm er entgegen, wie er von der Schiedsrichterin zum Sieger erklärt wurde. Das war er nun, sein erster gewonnener Kampf in einem richtigen Kolosseum. Irgendwie fühlte es sich nicht so besonders an, wie er angenommen hatte. Vielleicht würde sich echte Begeisterung erst im tatsächlichen Turnier einstellen, schließlich war das hier bloß die Qualifikation.
    Mit überlegender Miene schüttelte er dem niedergeschlagenen Verlierer die Hand. Irgendwie wirkte dieser wütend. Bevor sich Wes zur Gänze abwenden konnte, hörte er den Anderen sagen:
    "Das mit dem Hitzekoller war absolut unnötig. Richtig miese Nummer."
    Wes wandte sich mit gehobenen Augenbrauen um. Schlechter Verlierer?
    "Was genau hat dem Herrn an seiner Niederlage nicht gepasst?", fragte er deshalb höhnisch. Im Augenwinkel nahm er war, dass die Schiedsrichterin auf die beiden zukam, wahrscheinlich um sie vom Platz zu bitten, damit der nächste Kampf stattfinden konnte.
    Der junge Mann setzte eine finstere Miene auf.
    "Mein Pokemon war doch am Ende, es gab doch echt keinen Grund da noch so eine Attacke zu befehlen. Es hätte sich verletzen können."
    Wes war einigermaßen baff. Waren diese offiziellen Kämpfe am Ende voller Waschlappen?
    "Werd' erwachsen", kommentierte er abschätzig und entfernte sich nun endgültig, bevor die Schiedsrichterin ihn wegjagen musste. Wenn die alle hier so drauf waren, dann würde es ein Kinderspiel werden sich zu qualifizieren. Grinsend schritt er zurück in die Katakomben des Kolosseums, wo ihn seine wütend aussehende Managerin mit verschränkten Armen erwartete. Wes seufzte. Was konnte er denn in so kurzer Zeit bereits verbrochen haben?

  • Hallo Tyranimence,


    mir hat es gefallen, dass du ab dem zweiten Kapitel dann aus Wes Sicht geschrieben hast und so seine Situation noch einmal erklärst. Ich stelle mir das auch eher unangenehm vor, nur dort im Tartarus zu kämpfen, um die Schulden zu begleichen, aber wenn es sonst keine andere Möglichkeit für ihn gibt, wird das wohl schon passen. Gerade im Vergleich mit dem darauffolgenden Kapitel fällt ja auch erst auf, wie selbstverständlich das Kämpfen für ihn schließlich geworden ist; der Spaß scheint da schon zurückgeschraubt worden zu sein. Da kam das rettende Gespräch mit den beiden Polizisten wohl gerade recht und es wundert mich nicht, dass er sich daraus selbst viel Profit schlagen will. Wobei ich glaube, dass er das in Zukunft durchaus mal verdrängen wird, wenn die Situation, in der er sich befindet, anders verläuft als geplant, aber das wird sich noch herausstellen.


    Dass Wes selbstverständliche und fast schon kühle durchdachte Art danach mit dem Training seiner alten Pokémon sich etwas ändert, hat mich überrascht. Vor allem, dass er am Trainieren wieder Spaß gefunden hat, war ein netter Schachzug dafür, dass seine Sorgen weitestgehend verschwunden sind. Die Pokémon müssen sich wohl nur noch wieder daran gewöhnen und auch einige ihrer Angewohnheiten los werden, falls sie das schaffen. Besonders Kronos dürfte dabei am interessantesten werden und ich bin schon gespannt, wenn es endlich in Aktion tritt.
    Hier hat mir vor allem der Dialog zwischen Wes und Vanessa gefallen, der recht stark auf ihre Nervosität anspielt und sie auch recht überdreht darstellt. Ob sie ihre Sache gut machen wird, ist eine andere Frage; zumindest würde mich nicht wundern, wenn sie irgendwann auch noch Teil des Plans und so stärker integriert wird. Zumindest steht sie auch noch am Anfang und hat viel Potenzial nach oben hin.
    Noch besser hat mir sogar der erste Kampf im Colosseum gefallen. Man merkt, dass du dich dabei recht genau an Spiel und Anime hältst, was Statusvorteile und -veränderungen betrifft, was auch absolut okay und nachvollziehbar ist. Das Drumherum muss schließlich stimmen und ich hatte keinerlei Probleme, dem Geschehen zu folgen, was wohl für dich spricht. Insbesondere mit dem Ende zeigst du auch noch etwas Tiefergreifendes auf, was Wes wohl durch seine Anwesenheit in den Tartarus-Turnieren gelernt hat: Rücksichtslosigkeit. Das mag zwar nur das erste Mal gewesen sein, aber wenn er Feuer und Flamme ist, kann das natürlich außer Kontrolle geraten. Ich bin gespannt, wie du damit in Zukunft umgehen wirst.


    In diesem Sinne hoffe ich, wir lesen uns bald wieder. Bis dahin!


    ~Rusalka