Zufrieden sein mit dem, was man hat

  • Vor einigen Jahren in der Weihnachtszeit las ich in einem Bisabomard-Startpost, man soll zufrieden sein mit dem, was man hat (zusätzlich zum Freuen über Geschenke). Meine Erfahrung ist: Manchmal sind alte Sachen nicht nur gut, sondern sogar besser als neue. Zu dem Thema eröffne ich hier einen Thread: Habt ihr neue Produkte schon mal als schlechter empfunden, als alte? Und inwiefern? Seid ihr zum alten (sofern noch heil) zurückgekehrt?

    Ich hatte mir dieses Jahr zwei Monitore von LG gekauft und beide ins Geschäft zurückgebracht. Das alte Modell ist ein Samsung-22-Zöller. Er reicht völlig, wenn er kaputt geht, würde ich ihn durch ein ähnliches Modell ersetzen. Eigentlich ein Fernseher, reicht mir die Größe des zum Windowsrechner-Bildschirm umgewidmeten Geräts eigentlich doch. Meine Annahme, ich bräuchte unbedinngt 27 Zoll in Form eines neuen Geräts, hat sich als Trugschluss erwiesen: 27 Zoll wären nett, aber keines der Neugeräte war so richtig gut. So war ich nach dem Reklamieren immer froh, dass das alte Ding so gut seinen Dienst tut. Macke des ersten 27-Zoll-Geräts: Full-HD-Auflösung. Das ist störend unscharf und war für mich unerträglich. Solche Geräte (Kombi: 27 Zoll und nur FHD) gehören für mich generell nicht in den Handel. Manko des zweiten Geräts, mit einigen Monaten Versatz gekauft: Die 4K-Auflösung zusammen mit 60 hz bekomme ich nicht, obwohl die Grafikkarte laut Datenblatt es hinkriegen müsste; sie hat leider nur einen HDMI-Port, über zwei davon wäre es wohl machbar; bei den gebotenen 30 hz + 4K ruckelt der Mauszeiger; die CPU-IGP bekommt die gewünschte Kombination hin, dafür kaufe ich mir aber keine Grafikkarte (sie würde beim IGP-Anschluss ungenutzt sein). Der alte Fernseher ist "pflegeleichter": Full-HD und 60 hz und dank geringerer Größe scharf genug. Sicher, die Schirmfläche könnte größer sein. Und bei einem HDMI- statt VGA-Kabel gibts Fehlfarben. Doch die Qualität beim genutzten VGA-Kabel liegt trotz angeblichem Verlust hoch. Zudem reagiert er gefühlt dank 60 hz statt 30 hz schneller als das 4K-Panel.


    Geht es euch ähnlich, dass ihr das Alte besser findet als das Neue? Gemeint ist unter anderem geplante Obsoleszent, also dass neue Sachen verfrüht kaputtgehen, aber nicht nur. Gerade in der Weihnachtszeit konsumiert man viel und die Frage ist berechtigt, ob jeglicher Luxus sein muss.


    Neben anfassbaren Produkten wurde ich mir heute bewusst, als ich in den Keller ging, dass ich Glück habe, in einem Haus zu wohnen. (Eigener Keller, kein Teilen des Raums mit Nachbarn, Waschmaschinen-Bedienung müsste ich eigentlich mal lernen...) Früher hauste ich in einer Wohnung: Diese war durch Renovierungsarbeiten am Ende (vor dem Auszug) durch den Vermieter staubig, ferner waren die Nachbarn uns jahrelang unangenehm und andersrum (wir für sie). Und fremde Gewürze stanken, Alkohol-Saufende sowie Disko-Gänger pöbelten abends laut vorm Fenster und ein Arbeiter im Hotel nebenan mutete einem eine ungehöre Lautstärke mit seinem Motorrad zu, wenn er bei Feierabend nach Hause fuhr. Im Haus zur Miete sind die Nachteile allesamt passe; ich höre insbsondere im Frühling die Vögel, es ist sauberer, das Preis/Mietpreisverhältnis erscheint besser und ich habe ein größeres Zimmer. Das blende ich aus, weil es seit ein paar Jahren Alltag ist; werde ich mir dessen bewusst, kann ich mich an solch Selbstverständlichem erfreuen (der Vergleich zu damals machts).

  • Cassandra

    Hat das Thema freigeschaltet
  • Das Thema hat so viele Seiten, dass ich nicht mal so recht weiß, womit ich anfangen soll. Widmen wir uns also nur mal rein dem Titel-Thema:


    Zufrieden sein mit dem was man hat - Tatsächlich versuche ich mich mal immer wieder "wach zu rütteln", weil man im Alltag so schnell wieder in die Selbstverständlichkeit abdriftet. Ich denke gerne mal daran zurück, wie es war, als ich das erste Mal in Deutschland zwischen den Süßigkeiten-Regalen stand und gar nicht mehr aus dem Staunen rauskam. Da ich die Zeit kurz nach der Perestroika Kasachstan als ehemaliges Land der Sowjetunion noch erlebt habe, kenne ich noch leere Regale und die Tatsache, dass irgendwelche Beziehungen nötig waren, um an mehr als nur Grundnahrungsmittel zu kommen. Da war es natürlich für so eine 5-Jährige mit einer Größe von knapp einem Meter überwältigend in einem vollen Supermarkt zu stehen (und bevor hier gleich Vorurteile entstehen: Heutzutage sind die Supermärkte in Kasachstan genauso zum Bersten voll). Jetzt nimmt man so viele Produkte gar nicht wahr und weiß es auch nicht mehr so recht zu schätzen, dass die Auswahl so groß ist. Stattdessen bekomme ich von anderen und auch mir teilweise mit, wie sich beschwert wird, dass es "nichts Besonderes gäbe". In Überfluss leben ist zwar toll, aber hat leider auch oft diese negative Konsequenz, dass man es übersieht. Dementsprechend versuche ich mich da wirklich hin und wieder zu besinnen, wie viel wir eigentlich haben, selbst wenn man gerade wenig Geld über hat. Es ist noch immer eine wahnsinnig große Auswahl an Produkten, auf die man theoretisch verzichten könnte.

    Das lässt sich natürlich auf alles andere übertragen, nicht nur Lebensmittel. Grundsätzlich haben wir einfach sehr viel, das selbstverständlich ist, und Selbstverständlichkeit ist ein gern übersehener Luxus.


    Für mich heißt das jedoch nicht, dass man nicht mehr wünschen darf. Ich finde nicht, dass Zufriedenheit mit Wunschlosigkeit einhergeht. Man darf dennoch nach mehr streben, solang das eben nicht ins Negative ausartet und das Streben nach mehr sich in Ehrgeiz und motivierende Ziele und nicht Unzufriedenheit und Nörgelei umwandelt.


    Damit kommen wir auch zu sowas wie dem kritisierten Konsum. Ich persönlich sehe keinerlei Probleme darin, wenn man sich mal an was Nutzlosem erfreut. In dem Moment, in dem es mir eine Freude bereitet, kann es gar nicht mehr so nutzlos sein. Wenn ich mehr Sailor-Saturn-Merchandise möchte, dann kann das Zeug noch so absolut keine Verwendung finden, es macht mich dennoch auf die eigene Art glücklich, das einfach zu besitzen. Natürlich sollte man im Hinblick auf Umwelt und Verbrauch Prioritäten setzen und überlegen, ob etwas wirklich nötig ist. Aber es bleibt eine individuelle Entscheidung (sprich, nur weil es nicht für Person A nötig wäre, heißt es nicht, dass es für Person B unnötig ist). Jedesmal das Neuste vom Neusten besitzen, auch wenn das "Alte" noch genauso funktionstüchtig ist bzw. alle Wünsche erfüllt, die man hat, ist etwas, das man vielleicht überdenken sollte. Warum möchte man das Neueste? Ich pauschalisiere hier mal nicht und gehe davon aus, dass es auch Menschen gibt, die einfach so an der Sache selber interessiert sind, dass die neuste Veröffentlichung sie wirklich glücklich macht. Dann sollen sie damit glücklich sein. Es gibt aber sicher auch viele, die das spontan holen, aber die Vorteile nicht wahrnehmen oder gar nicht nutzen. Das sind so Feinheiten, wo ich sage, man sollte vielleicht wirklich überlegen, ob man nicht mit dem zufrieden ist, das man bereits hat.


    So mal an dem Punkt aufhören, ist auch so schon viel. Weitere Gedanken folgen, wenn andere Beiträge inspirieren.

  • Hmm, das ist so eine Frage.

    Kann da Cass in großen Teilen nur zustimmen. Erst einmal gehe ich aber darauf ein, wie es bei mir so ist.


    Also ich achte ja sehr gerne auf die Umwelt. Viele denken dabei, die Umwelt wäre mir wichtiger als ich es bin, aber das stimmt so nicht. Bin von Nietzsches Theorie überzeugt, dass jeder ein Egoist ist und jede Handlung auch dem eigenen Wohle dient. Man muss halt nur darauf achten, gesunden Egoismus auszuüben, also die Priorität zwar darauf setzen, dass es einem selbst vor allen Dingen gut geht und dann darauf zu achten, wie es anderen geht, allerdings ein gutes Maß zwischen beidem zu finden. Vor allen Dingen sollte man nicht dem Märtyrerkomplex verfallen. Aber gut.

    Manche Dinge haben für mich einen großen emotionalen Wert, die für andere Leute total dumm erscheinen. Wenn ich fünfzig Euro für einen Shin-chan-Schal ausgebe, halten mich die meisten für verrückt, aber mir tut es gut, weil mir die Serie sehr am Herzen liegt und jetzt trage ich den Schal fast 24/7. Dabei besitze ich bereits Schals und trage eigentlich kaum einen, weswegen der praktische Nutzen fraglich ist. Irgendwo hat er wohl trotzdem einen praktischen Nutzen, da ich dann auch zu ganz kalten Zeiten endlich mal einen Schal trage, haha.

    Was ich damit sagen will: Der emotionale Wert wird gerne vergessen, wenn es um andere geht. Da geht es dann nur darum, wofür man das praktisch braucht.

    Gleichzeitig kann ich es verstehen, dass die Sorge besteht, ich würde mein Schal zum Beispiel nur des Konsums wegen holen. Immerhin ist das in unserer Gesellschaft tatsächlich ein Problem, da wir uns Zeugs holen, das für uns keinerlei Nutzen hat, nur damit wir es haben. Damit meine ich Dinge, die auch keinen emotionalen Wert für uns haben. Beziehungsweise ist das falsch ausgedrückt, denn der emotionale Wert entsteht für mache dadurch, dass sie etwas Neues besitzen und gekauft haben. Das ist aber eine Sache, da bin ich dann ein wenig besorgt und würde sagen "gib dich doch mit dem zufrieden, was du hast". Denn wie ich finde, sollte man wirklich nichts kaufen, nur um etwas Gekauftes zu haben. Nur um das neueste Handy zu haben, nicht dessen neuen Funktionen wegen, sondern einfach weil man es kann.

    Das kann ich als Umweltmensch gar nicht sehen. Ich besitze mein Handy gefälligst so lange, bis es gar nicht mehr geht. Genauso mit anderen Alltagsgegenständen. Außer die mangelnde Funktionalität stört den Alltag schon so sehr, dass es wirklich nicht mehr geht. Beispiel ist wenn das Handy schon alle fünf Minuten ausgeht und ich dann kaum telefonieren kann.

    Ja, ansonsten habe ich früher in einer ziemlich armen Familie gelebt. Mein Vater musste krankheitsbedingt in die Frührente, meine Mutter war arbeitslos. Und dann ist mein Vater auch noch sehr früh gestorben, weswegen meine Mutter sich um meinen Bruder und mich alleine kümmern musste. Wir hatten also genug zu Essen und alles, aber Luxusgüter wie das neueste Handy oder generell Unterhaltungsmedien konnten wir uns nicht wirklich leisten. Dabei war meine Mutter uns gegenüber immer sehr großzügig und hat sich dabei leider gerne vergessen.

    Mittlerweile bin ich kurz vor meinem Umzug in die erste eigene Wohnung und werde wohl auch nicht wirklich wohlhabend sein, aber hier in der intensiv betreuten Wohngruppe habe ich wirklich Vieles. Ein eigenes Zimmer, für mich viel Taschengeld, genug zu Essen, ein angenehmes Umfeld. Das sind Dinge, da bin ich auch sehr, sehr zufrieden mit.

    Ich würde mich allgemein nicht als unzufriedener Mensch ansehen. Es gibt Dinge, die mich unzufrieden machen, aber das sind keine Konsumgüter, das sind Dinge, die mir emotional fehlen. Das wäre zum Beispiel eine Beschäftigung. Das wäre auch meine psychische Gesundheit. Das sind Dinge, die fehlen mir sehr und die möchte ich gerne haben, aber dafür muss ich halt arbeiten.

    Generell, wer mehr haben will, der sollte daran arbeiten und wie Cass gesagt hat, sollte aber nicht in großer Unzufriedenheit und Nörgelei verfallen.


    Das wäre es erstmal von mir, jetzt muss ich erstmal einen Bus erwischen. :P

  • Zitat von Chocobi

    Bin von Nietzsches Theorie überzeugt, dass jeder ein Egoist ist und jede Handlung auch dem eigenen Wohle dient.

    Das ist nicht nur eine philosophische Theorie, das ist ein biologischer Fakt. ;) Jedes Mal, wenn du jemandem hilfst, etwas schenkst und jemanden siehst und umarmst, den du magst, werden Endorphine ausgeschüttet.

    Menschen, die keine Freude über die Freude anderer empfinden können, machen ihn auch keine oder weil sie sich bereits andere Vorteile erhoffen.

    Man hilft ja normalerweise auch ohne berechnende Hintergedanken, dann eben deswegen, um uns selbst gut dabei zu fühlen, und je mehr wir jemanden mögen, desto höher ist diese Bereitschaft.


    Zitat von Chocobi

    Man muss halt nur darauf achten, gesunden Egoismus auszuüben, also die Priorität zwar darauf setzen, dass es einem selbst vor allen Dingen gut geht und dann darauf zu achten, wie es anderen geht, allerdings ein gutes Maß zwischen beidem zu finden.

    Ich finde, die Priorität sollte ausgewogen sein. Im Prinzip sollte es einem schon dabei gut gehen, aber manchmal geht's halt nicht anders.

    Wenn man beispielsweise gerade frischgebackene Eltern geworden ist, sind viele man nunmal 24/7 übermüdet. Da kann man dann nicht sagen, dass man es nun sein lässt, weil es einem körperlich bald nicht mehr so gut geht. xD


    Ich bezieh das jetzt nicht auf dich, aber ich bin mit dem Spruch schon vorsichtig geworden, weil manche Menschen wirklich nur Egoisten sind und sich dann darauf berufen.


    Zitat von Chocobi

    Ich besitze mein Handy gefälligst so lange, bis es gar nicht mehr geht. Genauso mit anderen Alltagsgegenständen.

    Dito und damit zum Thema: Ich geh zwar gerne, was Neues kaufen (mittlerweile kaum noch Klamotten, da halt Geld und Platz, hab schon so viele), aber ich hebe alles auf, bis es kaputt geworden ist. Das bezieht sich auch darauf, dass ich mir kleine Löcher und Laufmaschen erstmal selbst nähe, und dann ausgewaschene Pullis einige Zeit daheim trage, bis ich sie weggebe. Wenn er sonst noch in Ordnung ist, werfe ich sie nicht in Altkleidercontainer (gebrauchte Kleidung teuer in Afrika verkaufen, ist klar...) sondern bringen sie persönlich an Stellen in Wien.


    Ansonsten finde ich diese ewig vollen Regale im Supermarkt eigentlich furchtbar. Früchte, Getreide und sogar Fleisch werden sogar von der Industrie aus nach der Produktion weggeworfen, um den Marktpreis hochzuhalten und irgendwie fasst diese Tatsache so ziemlich alles zusammen, was mit der Menschheit so falsch ist. Lebensmittel zu produzieren, sogar Tiere zu töten, um sie daraufhin gleich wegzuwerfen... das ist einfach nur noch absolut pervers.

    Der Fischbestand in der Nordsee und im Atlantik ist seit Jahren akut in Gefahr, obwohl so viel in Tonnen gefangener Fisch weggeworfen wird. Und dann kommen Leute an: Höö? Ist mir doch egal, ob da Fische im Meer sind!?


    Und im Supermarkt sind die Regale dann nur bis zum Bersten gefüllt, nur um gut auszuschauen. Aber die Konsumenten verlangen das ja auch so.


    Es ist auch eine absolute Umweltsünde alle paar Monate ein superunglaublichmegatolles neues Handymodell mit "innovativer" Technik herauszubringen. Technik herzustellen erfordert vieler Ressourcen und schadet der Umwelt in jeder erdenklichen Weise. Das iPhone 35 und Samsung Galaxy Superuniverse 54 alle drei Monate rauszubringen, verleitet Konsumenten geradezu dazu verschwenderisch zu sein. Außer du liebst dein Geld und lässt es schon deshalb bleiben lol.

    Ich presse alles aus meiner Technik raus, bis sie in ihren letzten Atemzügen ist, weil ich zu geizig bin. Lieber kauf ich mir auch was Schönes oder Manga, Bücher etc., anstatt ein Handy, das alles genauso kann wie mein Jetziges.

    Und nur, weil es technische Fortschritte gibt, heißt es nicht, dass ich ihn benötigt habe. Ich hab auch bisher ohne faltbare Handys gelebt und muss wirklich nicht die Erste sein, die es ausprobiert. Ist zwar technisch ganz interessant, aber mein Geld ist mir dann doch lieber als dumme Spielerein.


    Zitat von Chocobi

    Wir hatten also genug zu Essen und alles, aber Luxusgüter wie das neueste Handy oder generell Unterhaltungsmedien konnten wir uns nicht wirklich leisten. Dabei war meine Mutter uns gegenüber immer sehr großzügig und hat sich dabei leider gerne vergessen.

    Das kenne ich auch sehr gut.

    Und da kannt ich damals wirklich reichen Kinder, die ihre Eltern beschimpften und eine Dramaszene machten, wenn die meinten, die sollen ihr ohnehin neues iPhone wenigstens zwei Jahre lang behalten.

    Das Ding dabei war: eigentlich waren es einige, die in manch anderen Bereichen normale Mädels waren und dann doch gut auszukommen (irgendwann xD), aber auch total verzogen.


    Und das sehe ich auch bei zwischenmenschlichen Beziehungen aller Art und ich denke schon, dass es heutzutage etwas extremer ist, weil Social Medias so viel Platz zur Selbstdarstellung bieten. Während ich Facebook und co für ihre eigentlich gedachten Funktionen praktisch finde... es interessiert keine 300 Leute tagtäglich, ob du müde zur Arbeit fährst (sind wir alle, wayne), ob du bei Starbucks einen Superfoodbagel gekauft hast oder dein tausendstes Selfie. Die 999 davor sahen absolut gleich aus.

    Dann noch mit weisen Sprüchen gespickt, die von einem Hippie stammen könnten, aber eben so aufgesetzt und selbstdarstellend wirken.

    Und da glauben sich viele Leute bald selbst, dass sie ein viel spannenderes Leben führen, als es tatsächlich ist, weil es nunmal so dargestellt ist und damit kommt der Glaube, dass man irgendwas Tolles verdient hätte.


    Punkto zwischenmenschliche Beziehungen: Ich kannte leider einige Mädels (und erwachsene Frauen) von den "du verdienst es wie eine Prinzessin behandelt zu werden"-Bildsprüchen, die nun eben tatsächlich dachten, ihr Freund müsste sich für sie dumm und dämlich rackern und sich im Gegenzug nie für ihn interessiert haben.

    Und ihn dann betrogen, weil er "ihr nicht mehr genug bot". Manche sind auch als Erwachsene eben wie kleine Kinder, die alles haben wollen, was ihnen gefällt.

    Ich hab besagtes Mädel damals wirklich fast gehasst, weil ihr Freund ein guter Freund von mir war und ich wusste, dass er kurz davor zu der Zeit seine Stelle verloren hat und anstatt ihm zu helfen, haut Prinzessin eben ab.

  • Ich finde dieses Thema insgesamt sehr interessant, weil Menschen eigentlich nie zufrieden zu stelle sind und man sich eigentlich eingestehen muss, dass man auch mal Nörgelt, obwohl man eigentlich mehr als genug hat und froh darüber sein sollte. Aber ich kaufe mir schon ziemlich viel Zeug. Speziell Merch. Ich liebe Merch.

    Bei Technik und ähnlichem bin ich da nicht so extrem. Ich hatte bis vor kurzem noch einen Monitor, der bestimmt schon 11 Jahre alt war und nicht mal nen HD Anschluss, allerdings habe ich, nachdem ich meinen PC aufgerüstet habe und mir n neues Gehäuse kaufen musste, keinen Anschluss mehr für den blauen Stecker und demnach habe ich halt den alten von meinem Freund genommen. (Welcher sich nen neuen gekauft hat, weil der einen winzigen Pixelfehler in der Ecke des Bildschirms hat und ihn das so gestört hat xD). Die Aufrüstung meines PC's war auch erstmal für die nächste Zeit die einzige Technikausstattung. Die letzte war für mich die PS4 Pro Weihnachten 2017 und natürlich mein neues Handy, weil mir mein altes ins Meer gefallen ist (lange Geschichte q.q)

    Aber Merch, haha ich kann nicht genug davon haben, auch gerne Handmade Merch. Mein ganzer Schreibtisch steht einfach voll davon und ich habe praktisch eigentlich keinen Platz mehr, aber ich finde trotzdem immer wieder Platz. Demnach bin ich auch der Meinung, solange man Freude daran hat und in seinem Rahmen bleibt soll man meinetwegen kaufen, was man möchte. Wozu haben wir denn diese große Auswahl, wenn man sich dann den Moralapostel vornimmt und zum Beispiel auf Dinge verzichtet, weil andere in anderen Ländern weniger haben, wofür man halt insgesamt nichts kann und dadurch, dass man nichts kauft, ändert sich daran auch nichts. Wenn man wirklich anderen Menschen helfen möchte, kann man auch spenden, oder für das Geld direkt zur Tat schreiten.


    Punkto zwischenmenschliche Beziehungen: Ich kannte leider einige Mädels (und erwachsene Frauen) von den "du verdienst es wie eine Prinzessin behandelt zu werden"-Bildsprüchen, die nun eben tatsächlich dachten, ihr Freund müsste sich für sie dumm und dämlich rackern und sich im Gegenzug nie für ihn interessiert haben.

    Und ihn dann betrogen, weil er "ihr nicht mehr genug bot". Manche sind auch als Erwachsene eben wie kleine Kinder, die alles haben wollen, was ihnen gefällt.

    Ich hab besagtes Mädel damals wirklich fast gehasst, weil ihr Freund ein guter Freund von mir war und ich wusste, dass er kurz davor zu der Zeit seine Stelle verloren hat und anstatt ihm zu helfen, haut Prinzessin eben ab.

    Darin sehe ich besonders ein Problem. Der Konsum von Gütern betrifft am Ende ja nur einen selbst und wenn man sich in die Schulden kauft, na ja, entweder man hat ne Krankheit, oder man ist halt selbst schuld. Aber gerade wenn man anfängt, nicht einmal mehr die Menschen um einen herum wert zuschätzen und sie sogar nur wegen sowas ausnutzt wird es kritisch und meiner Meinung nach, sehr krankhaft. Aber Geld macht bekanntlich gierig und blind.

  • Diese Frage ist tatsächlich sehr interessant.
    Man kann sie von mehreren Seiten betrachten. Meine erste Assoziation galt gar nicht irgendwelchen materiellen Dingen, sondern eher der Frage nach einem selbst. Bestimmt kennen das einige von uns: Wir vergleichen uns mit anderen. Mir ging das oft in meiner Schulzeit so, und irgendwie gehörte das dazu. Oder dass man mehr reisen müsste, öfter die Welt sehen, jedes Event mitnehmen, dass man kann. Ich glaube daher rührt oft eine Unzufriedenheit, die ich zumindest für eine längere Zeit auf mich selbst projiziert habe. Der Drang, immer etwas zu erleben, kann schnell unglücklich machen.
    Und doch kann man es genau andersherum sehen, nämlich das all diese Dinge ein Anreiz sind, sich ständig weiterzuentwickeln und zu verbessern. Wenn ich nicht gewusst hätte, dass es noch viel bessere Klavierspieler als mich gäbe - warum hätte ich dann weiter lernen sollen? Wenn ich nicht wüsste, wie gut die anderen in etwas allgemein waren - warum soll ich dann besser sein?
    Die perfekte Balance liegt letztendlich dann in der Mitte, und so habe ich es mir auch angewöhnt. Ich bin zufrieden mit dem, was ich kann und was ich habe, aber weiß trotzdem, dass es immer noch zumindest ein klein bisschen besser geht.

    Was materielle Gegenstände betrifft:
    Ich setze generell auf Bewährtes. Ich habe daher eine Musikanlage, die ich seit 18 Jahren nutze, bin ein großer Fan von "Retro"-Dingen (z.B. Plattenspieler, Schreibmaschine etc.) und in meinem gesamten Leben erst 2 Smartphones besessen (nutze das Gerät an sich seit 7 Jahren). Das zieht sich so durch mein gesamtes Leben, wenn ich darüber nachdenke.
    Es wurde aber auch schon vorher angesprochen: Wenn es mich zufrieden macht, dann kann ich mir auch neue Dinge kaufen, ohne dass ich ein schlechtes Gewissen haben muss. Nicht alles, was ich besitze, hat einen "Sinn", aber das stört mich nicht.

    Was meine letzte Assoziation zu der Aussage ist, ist folgende: "Ich bin erst zufrieden mit dem, was ich habe, wenn ich widerum weiß, was ich nicht habe". Das kann man unterschiedlich auffassen und auslegen, ich für meinen Teil fasse es so zusammen:
    Ich bin froh, dass ich nicht alles kann, und dass ich nicht alles habe. Wenn ich alles hätte und können würde, wie soll ich mir ein Ziel für die Zukunft setzen können und die Motivation dafür finden?

    Alles in allem ist es gut so, wie es ist. Ob ich letztendlich zufrieden mit mir selbst bin, hängt noch von vielen anderen Faktoren ab, doch da kommt man meiner Meinung nach zu sehr von der Fragestellung weg.

    When there's someone that should know, then just let your feelings show,
    and make it all for one and all for love. :bigheart:

  • Diese Einstellung verbinde ich sehr stark mit dem Minimalismus. Irgendwo bin ich froh als Kind so oft umgezogen zu sein. Dadurch musste ich oft entscheiden: Was bleibt? Und was sollte vielleicht weg? Natürlich fiel mir das in jungen Jahren noch schwerer, aber mittlerweile bin ich froh mich von einigen Materiellen zu entsagen. Und auch wenn das erst mal aus dem Zusammenhang gerissen klingt empfinde ich den Minimalismus als einen Teil der inneren Zufriedenheit. Die reichsten Menschen leiden oft an Depression und anderen seelischen Schmerzen. Oftmals ist dieses "alles haben" nicht das Muss. Und ich musste auch in den Jahren meines Erwachsenwerdens lernen, dass Geld nicht alles ist. Nicht, dass ich jemals der Auffassung war Geld würde glücklich machen, aber ich war doch oft verbittert und traurig da ich zu den Leuten gehöre die Second Hand getragen haben, permanenten Schulwechsel hinter sich hatten und dadurch, dass meine Mutter mich lange Zeit alleine erzogen hatte musste ich oft einstecken (finanziell wie seelisch). Das hat sich wohl dann auch auf meine Grundeinstellung zu Geld übertragen. Zumindest vermute ich es...


    Mittlerweile ist das ganz anders. Ich glaube bei mir ist das eher der umgekehrte Fall: Ich war mal am Boden, hatte gar nichts, war sogar eine Zeitlang so in meinen Tief, dass ich abhängig wurde (emotional und zugegeben auch von Alkohol). Es hat lange gedauert bis bei mir der Groschen gefallen ist. Und auf einmal hatte ich auch aufgehört nicht mehr zu trinken und nicht mehr den anderen die Schuld für mein Leiden zu geben. Es hat mich befreit. Zwar noch nicht vollkommen, aber ich fühlte mich mehr Herr der Lage. Als ich mit meinen Freund in diese Wohnung zog war es nicht immer leicht. Ich war ganze 5 Jahre arbeitslos, wurde behandelt wie der Dreck der Gesellschaft. Obwohl ich unzählige Bewerbungen raus

    geschickt habe, sogar persönlich hingegangen bin. Man hat mich als Putze ausgenutzt, mich dann letztendlich doch nicht genommen und mich quasi als "kostenlose Aushilfskraft" gesehen. In meiner Zeit der Arbeitslosigkeit war ich oft depressiv und am Boden. Und ja... auch wenn Arbeiten auch dazu führt Geld zu bekommen war es doch die Tätigkeit, die Beschäftigung die mich aus all dem raus

    riss. Diesem Hamsterrad der immer wieder kehrenden Verzweiflung.


    Für jemanden der ungewollt Schulden durch eine Anwaltssache bekommen hat ist es immer schwer zu sagen ob Geld nicht doch manchmal gut ist. Natürlich, wir brauchen es um unser Leben zu finanzieren. Das Geld alleine macht nicht glücklich. Ich würde auch nicht behaupten mit mir 100% im Reinen zu sein. Dennoch hat mich das Leben einiges gelehrt. Und ich hatte mitbekommen wie es war ausgenutzt, betrogen und angelogen zu werden. Eine Erfahrung die sicher viele auf dieser Welt gemacht haben.


    Ich hatte meinen inneren Frieden damit gefunden mich auf das zu beschränken was ich habe. Und es ist viel. Sehr viel sogar. Nein, ich habe keine 4-stellige Zahl auf meinem Konto, aber das brauche ich auch nicht um glücklich zu sein. Ich hab Familie, Freunde und vor allem meine Babys, meine Haustiere... Das kann man nicht in Geld aufwiegen. Für keinen Preis der Welt ist diese Emotion durch irgendetwas zu ersetzen. Und ich freue mich jeden verdammten Tag wenn ich meine Kaninchen streichle, meinen Freund in den Arm nehme und die Wärme und Nähe meiner Freunde spüre. Zugegeben... familiär läuft es bei mir grade nicht so gut, aber ich bin der Meinung, dass auch Freunde Familie sein können. Und ich gehe so weit und behaupte, dass mein Freund und meine Haustiere meine Familie sind. :heart:


    Und ja... dafür bin ich dankbar. Jeden Tag. Denn ich weiß wie es anders aussieht. Ich kenne die dunklen Seiten des Lebens. Vielleicht nicht so dunkel wie bei manch anderen, aber bei mir hat sich das Blatt zum Guten gewendet. Und das schätze ich so sehr. Ich kann mir natürlich nicht immer leisten wegzufahren. Muss ich aber auch nicht. Mir reicht schon ein Spaziergang mit Picknick. Oder eine Fahrradtour. Oder einfach mal günstig ins Schwimmbad im Sommer fahren. Einfach Dinge wo man nicht gleich mehrere Scheine braucht. Ich gebe natürlich auch viel Geld aus für Gaming und Merchandise, aber im Großen und Ganzen sehe ich mich schon bescheidener an als noch vor einigen Jahren.


    Es fühlt sich gut an mit so wenigen glücklich zu sein.


    Man braucht kein Geld um glücklich zu sein. Dadurch muss man es sich finanzieren (Wohnung, Strom, Wasser, Internet, usw.), aber die wichtigen Dinge sind in meinen Augen immer noch die sozialen Kontakte und auch die Hobbys und die Freizeit die einen neben der Arbeit ausfüllt. :grin: