Schrödingers Katze - Kurzgeschichte

  • Vorwort: Vielleicht kennt der Ein oder Andere das Experiment ''Schrödingers Katze'' (wer es nicht kennt: siehe nachfolgender Spoiler), ich habe es auf ein Ereignis bezogen was sich möglicherweise oder aber auch möglicherweise nicht in meinem eigenen Leben abgespielt hatte bzw abspielt. Der von mir geschriebene Text ist ein Monolog, wobei ich mir vorgestellt habe, dass der Sprecher vor einem Spiegel steht und mit sich selbst redet, statt mit der Person, an die diese 'Rede' gewendet ist.


    Ich habe sehr viel Spaß am Schreiben und habe auch schon einige Geschichten begonnen, verliere aber immer wieder die Motivation und Lust weiter zu schreiben und beginne stattdessen eine Neue. Daher habe ich mich jetzt dazu entschlossen mir nicht mehr vorzunehmen Geschichten über Kapitel hin zu schreiben, sondern zwischendurch und ganz ohne Zwang, etwas fertig machen zu müssen, Kurzgeschichten o.ä. zu schreiben.


    Jedoch bin ich noch ein Anfänger was das Schreiben angeht und würde mich deshalb sehr über konstruktive Kritik und Äußerungen zu meinen Texten (bislang Singular) freuen.


    Ich hoffe euch bereitet das Lesen soviel Freude, wie mir das Schreiben ^^

    Schrödingers Katze



    „Ich kann es einfach nicht vergessen. Ich muss immer wieder daran denken. Ich meine ja, es waren vielleicht nur zwei Tage. Aber es waren zwei Tage. Zwei Tage, die sich anfühlten wie eine Ewigkeit. Eine unerfüllte Ewigkeit. Es waren zwei Tage, voller Schmerz und Sehsucht, Enttäuschung und Wahrlosigkeit. Zwei Tage die sich unter 8 Monaten wie nichts anhören...


    Ich liebe dich mehr als alles andere auf dieser Welt, mehr als es eine Millionen Worte beschreiben könnten.

    Alles in mir sagte, dass ich den Anruf nicht annehmen sollte, doch ich tat es.


    Du hattest dich für sie entschieden.


    Du fülltest das Loch in meinem Herzen und machtest mich zum glücklichesten Mädchen der Welt. Und dann? Dann hast du nicht nur deinen Teil aus meinem Herzen gerissen sondern Alles. Du hast mir erst mein Herz aus der Brust gerissen, es dann in eintausend winzige Stücke zerissen und dann darauf herum getrampelt. Als wäre es nichts. Als wäre ich nichts. Als wären wir nichts.

    Ich habe dir alles gegeben, was ich dir habe geben können. Doch du hast mich, die, die dich mehr liebt als sich selbst, die dir immer treu war, die immer für dich da war, die alles für dich getan hätte, für sie verlassen. Für ein zwölf-Jähriges, kindisches, depressives Mädchen, das sich ritzt und keine Ahnung von Liebe oder irgendwas hat.

    Ich, ich habe dich, ich habe dich um Überlegung gebeten, dich darum gebeten mir eine zweite Chance zu geben, um alles zu geben, damit du oder besser wir glücklich sind. Aber du hast abgelehnt. Du nahmst stattdessen sie.


    Da waren so viele Menschen, die wollten, dass ich wieder glücklich bin. Die Stunden damit verbracht haben zu versuchen mir wenigstens ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Sie haben mir gesagt, dass jemand, der so etwas tut, es nicht Wert ist, zu weinen.

    Und ja, sie haben Recht. Es ist wahr.

    Und ich schwor mir und allen anderen, dass ich, wenn du dich doch noch umentscheiden solltest, ablehnen soll. Ich schwor, dass ich dich vergessen werde.

    Aber ich konnte nicht. Meine Liebe zu dir war zu stark dafür.

    Alles in sprach, dass ich zu dir jegliche Kontakt abbrechen soll. Dass ich alles, was mich an dich erinnert zerstören soll. Also löschte ich all unsere Bilder, warf sie weg. Blockierte dich auf allen socialmedia Plattformen, ich warf sogar unsere Kette weg, die du mir bei unserem dritten Treffen geschenkt hattest. Aber deine Nummer, die konnte ich nicht löschen.

    Die Hoffnung, dass du dich vielleicht doch noch meldest bestand immer noch.

    Und ich sah das Bild von ihr in deinem Status und darauf stand 'Meine'. Deine... So nanntest du mich immer...

    Als hättest du mich einfach ersetzt...


    Ich konnte nicht schlafen, nichts essen, nichts trinken. Ich konnte kaum reden und lachen, lachen konnte ich auch nicht...

    Schlaflos, an meinem Handy, Instagram checken. Es war 1 Uhr in der Nacht und ich bekomme eine Nachricht 'Whatsapp: Nikola schickt dir ein Foto'. Ein Foto? Ich sah mir die Nachricht an. Und es war ein Screenshot. Ein Screenshot von deiner Instagram-Story, die jeder sehen kann. Auf dem Bild? Wir. Auf dem Dach des Merkurhauses. Eine Woche nach dem wir zusammen kamen. Und auf dieses Bild hattest du 'Ich vermisse dich...' geschrieben.

    Alles Mögliche kam in mir zusammen und nur ein paar Sekunden, nachdem ich das Bild sah, bekam ich einen Anruf... Von dir.


    Und wieder schrie alles in mir 'lehn ab!', doch ich tat das Gegenteil. Hab dir gesagt, du sollst mich in Ruhe lassen und den Mund halten... Aber dann, deine Stimme... du sagtest, dass es dir leid tut, du mich vermisst und mich liebst.

    Und genau da begann das Spiel. Schrödingers Katze, kennst du? Vermutlich nicht.


    Eine Katze wird in eine Box gesteckt und in eine Situation gebracht, in der sie zugleich tot und lebendig ist. Ob sie noch lebt, finden wir nur heraus, wenn wir die Box öffnen und nachsehen.


    Aber in meiner Box, war keine Katze, sondern unsere Beziehung. Die Box ist verschlossen und nur, wenn ich sie öffne, finde ich heraus, wie es weitergeht. Und es gibt genau zwei Möglichkeiten. Entweder es war die beste Entscheidung meines Lebens, die Box zu öffnen und wir sind glücklich, ich werde nicht wieder von dir verletzt und verlassen und alles wird wieder perfekt.

    Oder aber es war die falsche Entscheidung und es wird sich wiederholen. Du verletzt mich, ich fühle unfassbare Schmerzen und kann nicht mehr. Für dich war alles bloß ein Spiel. Und ich? Ich bin wieder diejenige, die darunter leidet. Es ist also ein fifty-fifty Chance.

    Der Unterschied zu Schrödingers Katze aber ist, dass ich nicht sofort sehen kann, ob sie lebt oder nicht, sondern abwarten muss...


    Und jetzt kommen wir zu deiner Box. Ebenfalls zwei Möglichkeiten. Möglichkeit eins: Du verlässt mich wieder und fühlst dich gut, besser. Du vermisst mich nicht und bist froh, diese Entscheidung getroffen zu haben. Du bist ohne mich besser dran und hast nicht mehr das Verlangen mich zu sehen oder anderweitig irgendwie Kontakt zu mir zu haben.

    Möglichkeit zwei: Du verlässt mich wieder und du fühlst dich gut, besser. Doch dann, dann bereust du es wieder. Denn du vermisst mich, die Zeit mit mir, meine Stimme, mein Lachen, mein Lächeln, meine Blicke. Du vermisst uns. Und du kommst zurück. Bittest mich um eine zweite Chance, sagst mir, wie leid es dir tut, dass du mich liebst und mich vermisst. Du sagst mir, dass du alles tun würdest, damit es so ist wie früher. Du bereust es, die Box geöffnet zu haben.


    Die nächste Box. Meine Box, mit der selben Katze, wie am Anfang. Doch ich werde sie nicht öffnen, nicht ein zweites Mal. Denn ob die Katze tot ist oder nicht, ich werde sie nicht ein weiteres Mal öffnen.


    Ich kann tote Tiere nicht sehen, das macht mich fertig. Deshalb lasse ich die Kiste zu, aus Angst, dass sie tot ist. Ich verbrenne die Kiste in Unwissenheit und du wirst nichts mehr daran ändern können.


    Also bitte, beweis mir, zeig mir, dass es richtig war, die Box zu öffnen. Beweis mir, dass ich keinen Fehler gemacht habe. Bitte beweis mir deine Liebe zu mir und geh nie wieder weg...“