Kurz und schmerzlos

  • Kurz und schmerzlos

    Mein Schreibstil identifiziert sich meistens dadurch, dass ich relativ kurze prägnante Texte schreibe. Geschrieben habe ich irgendwie schon immer, begonnen mit Romanen, die ich nach mehreren Kapiteln dann doch wieso auch immer verworfen habe. Damit ich nie wieder einen Text verwerfen werde, versuche ich jetzt möglichst kurze Texte zu perfektionieren und ihnen meinen persönlichen aussagekräftigen Touch zu geben.


    Gedicht: Laternenlichter
    Schritt für Schritt durch das Dunkel der Nacht
    Nur teils beleuchtet sind die Straßen
    Mein Gang ist ein Warten, bis ich da bin
    Und nur du erleichterst mir das Warten


    Kurzgeschichte: Winter
    Es ist Winter und es schneit auf meine Holzterrasse. Zwei größere und ein kleiner Stuhl, ebenfalls aus Holz, ermöglichen einer kleinen glücklichen Familie das Bestaunen des herabfallenden Schnees. Auf zwei Stühlen schichten sich Schneeflocke für Schneeflocke, bis diese ganz mit dem weißen Meer verschmelzen.


    Prosa: Reizüberflutung (Kurzbeschreibung)
    Ich liege da, im Warmen. Es ist völlig lautlos um mich herum und ohne einen Moment ans Nachdenken zu verlieren, laufe ich dem Horizont entgegen. Ich spüre eine Veränderung, ein Kribbeln verbreitet sich in meinem Körper. Ich versuche einen weiteren Atemzug zu nehmen. Doch es geht nicht. Mein Körper wird schwerer und ich sinke herab. Eine ruhige Panik macht sich bemerkbar.
    Ich öffne meine Augen. Es ist schwarz.
  • Salut! :)

    Ich habe gerade dein neues Topic gesehen und würde dir gerne ein bisschen Feedback zu deinen beiden Werken dalassen!


    Laternenlichter

    Ich fange mal beim Titel an: Laternenlichter können einen recht unterschiedlichen Eindruck vermitteln. Sie können als romantische Kulisse dienen oder genauso als störendes Licht in der eigentlich dunklen Nacht empfunden werden. Es ist definitiv spannend zu sehen, was daraus gemacht wird. Für so kurze Gedichte finde ich solche Titel auch immer ganz schön, weil damit einfach wunderbar ein Moment aufgefangen werden kann; sowas schreibe ich selbst ganz gerne! :)

    Der erste Vers vermittelt gleich einen sehr direkten Einstieg. Das lyrische Ich scheint schnell unterwegs zu sein, vielleicht fühlt es sich auch etwas unwohl im "Dunkel der Nacht". Auch der zweite Vers unterstützt diesen Gedankengang. Szenen, in denen es an Licht mangelt, sind ja meistens irgendwie ein bisschen bedrohlich. Im dritten Vers betont das lyrische Ich schließlich, dass es es darauf wartet, sein Ziel zu erreichen, bevor es im letzten Vers ein "du" anspricht, das es beim Laufen begleitet und ihm hilft, die Zeit zu ertragen. Meine nahelegende Vermutung wäre, dass das lyrische Ich auf dem Weg zu einer geliebten Person ist und die Gedanken an diese Person helfen, die Zeit in der nur von Laternen beleuchteten Dunkelheit zu ertragen. Da ich eingangs aber ja schon die unterschiedlichen Bilder angesprochen habe, die Laternen vermitteln können, würde ich auch noch einen zweiten Gedankengang nennen, nämlich dass das lyrische Ich gar nicht schnell, sondern in Anlehnung an den dritten Vers vielmehr langsam durch die Straßen wandert und gar nicht so recht weiß, wo es eigentlich hin will. Es wartet sozusagen auf ein Ziel, wo es im Leben angelangen möchte. Während es so über das Leben nachdenkt, betrachtet es die Laternenlichter und spricht im letzten Vers dann genau diese an, wenn es sagt, dass nur sie ihm das Warten auf sein Ziel erleichtern. Damit bin ich vermutlich weit daneben, aber den Gedankengang fand ich gerade so toll, haha.

    Formal ist das Gedicht recht frei gehalten. Ein etwas einheitlicheres Metrum und vielleicht doch der ein oder andere Reim wären bei einem so kurzen Gedicht vielleicht eine Überlegung wert, zumal mit dem unreinen Reim Straßen/Warten schon ein bisschen die Tendenz zu erkennen ist. Ist aber nur ein Vorschlag, sicher kein Muss! Das Gedicht gefällt mir auch so wirklich gut! :)



    Winter

    Gleich mal vorweg: Den Begriff "Kurzgeschichte" finde ich doch etwas gewagt, weil damit im Deutschen ja doch eigentlich eher ein recht klar definiertes Genre gemeint ist, haha. Das soll nicht heißen, dass ich den Text schlecht finde; es ist nur nicht das, was man unter dem Begriff Kurzgeschichte erwartet. Ansonsten jetzt aber nur ein paar kurze Gedanken dazu.

    Zunächst einmal mag ich, wie auch hier einfach so eine alltägliche Szene aufgefangen wurde. Je kürzer man wird, desto schwieriger ist es irgendwann auch, das Bild noch so zu vermitteln, wie man es eigentlich im Kopf hat, das ist dir aber gut gelungen! Insbesondere die letzte Beschreibung, also das Verschmelzen mit "dem weißen Meer" sticht wirklich positiv heraus. Worauf du beim nächsten Mal noch etwas achten könntest, ist dass sich trotz der Kürze einige Begriffe doppeln; so ist beispielsweise zwei Mal von Stühlen die Rede und auch "klein" verwendest du zwei Mal zur Beschreibung. Sind aber nur Kleinigkeiten. :)


    Beide Werke haben mir wirklich gut gefallen, gerne mehr davon! Ohh, und Willkommen im FF-Bereich natürlich! :)

    Au revoir!

  • Ein etwas einheitlicheres Metrum und vielleicht doch der ein oder andere Reim wären bei einem so kurzen Gedicht vielleicht eine Überlegung wert

    Bei dem Metrum kann ich dir zustimmen, weiß auch nicht, was ich mir dabei gedacht habe. Irgendwie lässt es sich trotz total willkürlicher Betonungsreihenfolge in meinem Kopf aber trotzdem flüssig lesen und hat dadurch irgendwie einen besonderen Charakter für mich. Was die Reime angeht, weiß ich gar nicht wo ich stehe. Ob der Reim den Inhalt nicht etwas hintenanstellen würde, wenn das Gedicht so kurz ist, kann ich mir in diesem Fall irgendwie schlecht vorstellen, aber vielleicht würde es ja wirklich besser passen.


    Gleich mal vorweg: Den Begriff "Kurzgeschichte" finde ich doch etwas gewagt, weil damit im Deutschen ja doch eigentlich eher ein recht klar definiertes Genre gemeint ist, haha.

    Und ich hab mich beim Schreiben der Geschichte sogar an die Merkmale des Genres gewagt, du darfst mir also gerne weitere Details zu der Vermutung geben. Vielleicht kennst du ja sogar die viel kürzere Kurzgeschichte von Ernest Hemingway:

    For sale: baby shoes, never worn.

    Also an der Länge scheitert es meiner Meinung nach nicht.


    Worauf du beim nächsten Mal noch etwas achten könntest, ist dass sich trotz der Kürze einige Begriffe doppeln; so ist beispielsweise zwei Mal von Stühlen die Rede und auch "klein" verwendest du zwei Mal zur Beschreibung.

    Das stimmt, danke für den Hinweis. Eventuell werde ich das noch überarbeiten, wenn ich eine bessere Möglichkeit finde.


    Gruß,

    Tide

  • Neu!


    Prosa: Reizüberflutung
    Ich liege da, im Warmen. Es ist völlig lautlos um mich herum und ohne einen Moment ans Nachdenken zu verlieren, laufe ich dem Horizont entgegen. Ich spüre eine Veränderung, ein Kribbeln verbreitet sich in meinem Körper. Ich versuche einen weiteren Atemzug zu nehmen. Doch es geht nicht. Mein Körper wird schwerer und ich sinke herab. Eine ruhige Panik macht sich bemerkbar.
    Ich öffne meine Augen. Es ist schwarz.