Schreibecke

  •                                                                                                                                                                                                                                                                        

    Schreibecke

                                                                                                                                                                                                                                                                           


    Herzlich willkommen in meine Schreibecke!

    Nachdem ich mir eine längere und unfreiwillige Schreibblockade (seit etwa 2017) eingefangen hatte, habe ich mich dazu entschlossen, dieses Hobby wieder aufzunehmen. (Aufgegeben hatte ich es eigentlich nie - es hat sich nur nicht anders ergeben.) Zunächst in langsamen Schritten, um wieder darin hineinzufinden. Ich habe früher vor allem Fanfictions abseits des Pokemon-Themas geschrieben, jedoch auch eigene Werke, wenngleich diese manchmal recht kurz sind. Für den Anfang werde ich hier nach und nach vorwiegend ältere Kurzgeschichten oder Gedichte von mir veröffentlichen. Bisher war ich nicht wirklich im Bereich hier aktiv, nur beim ein oder anderen Fanfiction-Chatabend, NPM 2020 und beim Wettbewerb mit den Reizwörtern.

    Des Weiteren möchte ich anmerken, dass unerlaubtes Kopieren, Veröffentlichen oder Zitieren meiner Werke auf anderen Seite/Videos/oder Ähnliches nicht gestattet ist. Die Rechte des Textes, der Ideen und der Charaktere liegen bei mir.

    Nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen. Evoli



    Inhaltsverzeichnis


    Gedichte


    Bald wird der Tag kommen

    Leere (Haiku)

    Hoffnung (Couplet)

    Hoffnungsschimmer (Haiku)

    Zusammen

    Appetit [Elfchen]

    Kulinarisches Elfchen [Elfchen]

    Pizza Hawaii [Haiku]

    Vergebung (Haiku)

    Verzeihen (Haiku)




    Kurzgeschichten


    Der kleine Spielplatz

    Verlernen unsere Kinder das Schreiben?

    Alltag

    Weihnachten in Not

    Gurkenbrot (Drabble)

    Vorbei (Dreierdrabble)

  • [ursprünglich geschrieben am 12.12.2015]


    Bald wird der Tag kommen


    Bald wird er kommen.

    Der Tag, an dem ich „Lebewohl“ sag'

    und verschwinden mag.


    Vielleicht wirst du erst trauern, zweifeln und mich missen,

    doch ich weiß,

    es ist nicht echt.


    Wenn ich fort bin, wirst du bald sehen,

    dass es richtig war,

    und deine eigenen Wege gehen.


    Dann bin ich wirklich aus deinem Leben.

    Und schon bald wird es etwas anderes sein,

    das dir wichtig ist.

    Und das bin nicht mehr ich.


    Bald wird der Tag kommen,

    an dem ich nicht mehr bin,

    die Welt nicht mehr beschmutze

    mit meiner Existenz.


    Niemand wird noch an mich denken,

    oder mein Grab besuchen,

    sondern sich selbst ein neues Leben schenken.


    Bald wird der Tag kommen,

    an dem du die Frage stellst, wer ich war.

    Doch wirst du keine Antwort bekommen,

    denn ich bin deinen Erinnerungen genommen.


    Jetzt geh los und lebe dein Leben,

    wie du es für richtig hältst.

    Es wird niemanden geben,

    der dich daran hindert.


    Bald wird er kommen,

    der Tag, an dem ich „Lebewohl“ sag'

    und aus deinem Herz verschwinden mag.





    [ursprünglich geschrieben am 28.10.2015]


    Der kleine Spielplatz


    Im Frühling überwuchern kleine Blümchen den Spielplatz, angespornt von der ersten Wärme des Jahres. Im Sommer brennt die Sonne unbarmherzig auf ihn, im Herbst dagegen fallen Blätter in den unterschiedlichsten Farben von den Bäumen und geben ein buntes Bild ab. Während die Schaukeln, die Rutsche, das kleine im Boden eingelassene Trampolin, der Sandkasten und das Klettergerüst, an denen einst viele Kinder ihr Temperament ausließen und Spaß hatten, im Winter völlig zugeschneit werden. Jedes Jahr erging es dem kleinen Spielort so, bis eines Tages immer weniger Kinder zu ihm kamen, bis zu dem Moment, als kein Einziges mehr erschien, da er an Attraktivität verlor angesichts der sich entwickelnden Lebensumstände und vermeintlich interessanteren Erfindungen.


    Manchmal, wenn wie heute die Sonne warm auf den unberührten Spielplatz scheint, kommt ein Kind, vielleicht sieben Jahre alt, mit seiner Mutter vorbeigelaufen. Es hat den Blick fest auf den Gegenstand vor sich gerichtet. Munter berührt es das Smartphone, klickt Symbole an, lauscht den Tönen. Wie gebannt vergisst das kleine Mädchen beinahe alles um sich herum. Der Spielplatz wird mit einem müden Lächeln bedacht. Er verändert sich nicht wie ihr Spiel und er macht keine Musik. Außerdem würde es sicherlich anstrengend sein, beispielsweise das Klettergerüst zu besteigen, da mochte sie ihr bequemes Gerät lieber. Zudem gibt es stets neue Apps und Updates, die weitere Abenteuer versprechen.

    „So etwas Langweiliges braucht kein Kind“, murmelt es leise. Wenige Augenblicke später verschwendet es überhaupt keinen Gedanken mehr an den Spielplatz und wendet seine Aufmerksamkeit wieder dem Mobilgerät zu.

  • Evo Lee

    Hat den Titel des Themas von „Schreibecke“ zu „Evo Lees Schreibecke“ geändert.
  • Hallo,


    der kleine Spielplatz verdeutlicht gut den Generationswechsel, der mit den neumodischen Elektrogeräten einherging und sich überall bemerkbar macht. Im selben Zug zeigst du auch die verringerte direkte Interaktion mit anderen Kindern, die sich im Gegensatz zu früher anders unterhalten. Gepaart mit dem verlassenen Spielplatz ruft der Text einige trostlose und einsame Gefühle hervor. Zum Schluss fehlt mir nach den vielen Erwähnungen des Smartphones aber eine Pointe, die eine andere Sichtweise zu der des erwähnten Kindes zeigt. Immerhin muss ja nicht jedes Kind so denken und dementsprechend schreit der Text geradezu nach einer Fortsetzung.


    In diesem Sinn: Wir lesen uns!

  • Evo Lee

    Hat das Label Verschiedenes hinzugefügt
  • Vorwarnung zum Inhalt: Suizid


    Hey, Evo Lee!


    Als du dein Topic letzte Woche eröffnet hast, habe ich Bald wird der Tag kommen gelesen, und jetzt beim nochmaligen Lesen bin ich immer noch ein bisschen sprachlos. Das Gedicht fängt ganz unbeschwert an, und je weiter man liest, desto expliziter geht es in Richtung selbstbestimmtes Sterben bis hin zu Selbstmordgedanken. Es wird zwar nie explizit ausgesprochen, außer vielleicht in der ersten und der letzten Strophe, dass das Ich "verschwinden mag". Aber gerade diese Gedanken ab Strophe 5, die eigene Existenz sei nur Schmutz, die Welt an sich und das Gegenüber seien besser dran ohne das Ich, gehen schon in diese Richtung. Die Aussage, man sei die Erinnerung nicht wert, erst recht. Dabei ist es gerade die Erinnerung, die lebendig bleibt und die keiner von sich aus auslöschen kann. Wenn man geht, wird nichts gelöst, und die Welt wird auch nicht "reiner" dadurch. Selbst bei Menschen mit hochgradiger Demenz oder einer psychischen Behinderung, die schon über viele Jahre hinweg besteht und sicher auch belastet, erlebe ich echte Trauer bei den Hinterbliebenen und eine Leerstelle, die mit Erinnerungen gefüllt wird und bleibt. Wie viel mehr gilt das, wenn man einfach nur ein paar dumme Fehler macht?


    Das Gedicht hat mich auf jeden Fall sehr nachdenklich gemacht. Es stecken ja auch noch andere Gedanken darin, die vorletzte Strophe könnten auch Eltern zu ihrem Kind sagen. Aber es ist dennoch ein Trugschluss, es wird immer etwas geben, das einen hindert. Auf der anderen Seite ist das Leben ja gerade dadurch interessant und erinnerungswürdig, dass nicht alles frei und nach Plan verläuft und man irgendwelche Wege um die Widerstände drumherum finden muss, die einem dann im Gedächtnis bleiben.


    Es freut mich jedenfalls, dass du deinen Weg hier in die Sammlungen gefunden hast, und ich bin gespannt, von dir zu lesen!

    Und plötzlich schien ein neuer Kontinent

    am Horizont, wir sind noch lange nicht am End’!
    _________________________________________________- Flocon

    Pichu-Bruder von Neo7 und maaax.

    2 Mal editiert, zuletzt von Mandelev () aus folgendem Grund: Buchstabendreher

  • Erst einmal danke fürs Lesen und Kommentieren, Rusalka und Mandelev !


    Rusalka

    Zum Schluss fehlt mir nach den vielen Erwähnungen des Smartphones aber eine Pointe, die eine andere Sichtweise zu der des erwähnten Kindes zeigt. Immerhin muss ja nicht jedes Kind so denken und dementsprechend schreit der Text geradezu nach einer Fortsetzung.

    Ja, es denken nicht alle Kinder so und dies wird hoffentlich auch in der Zukunft so bleiben. Eine andere Sichtweise habe ich bewusst nicht geschildert, weil es die Leser zum Nachdenken anregen sollte. Aber eigentlich ist das eine gute Idee, möglicherweise werde ich dazu noch eine andere Sichtweise schreiben - ob diese dann ganz unkritisch an die Sachlage herangeht, bleibt jedoch abzuwarten. Hierbei handelt es sich auch nicht um ein Versprechen, ob dann auch tatsächlich eine Fortsetzung kommen wird.




    Mandelev

    Deine Bedenken wegen des Themas habe ich registriert und nun auch eine/n Warnung/Hinweis im Spoiler unter das Gedicht gepackt. Selbstverständlich soll das Gedicht niemanden zum Suizid verleiten. Danke für den Hinweis.


    Die Aussage, man sei die Erinnerung nicht wert, erst recht. Dabei ist es gerade die Erinnerung, die lebendig bleibt und die keiner von sich aus auslöschen kann.

    Das war so gemeint, dass der andere, vom Ich angesprochene Mensch das Ich vergisst. Es aus seinen Erinnerungen verbannt. Aber ich gebe dir da recht, dass man bewusst eigentlich nichts vergessen kann. (Außer man hat es noch nicht wirklich wahrgenommen, weil man viel zu jung war.) Es muss nur ein Anlass kommen und man ruft sich das vermeintlich Vergessene automatisch wieder in Erinnerung. ("Man vergisst nicht, es kann nur sein, dass man sich nicht erinnert" - Chihiros Reise ins Zauberland (etwas verändert))

    Aber es ist dennoch ein Trugschluss, es wird immer etwas geben, das einen hindert.

    Das sollte eher darauf deuten, dass das Ich die andere Person nicht mehr daran hindern kann. Aber guter Punkt, das war etwas zu allgemein ausgedrückt.

  • [ursprünglich geschrieben für den NPM 2020]


    Leere


    Kreativität

    Jedoch nur ein schwarzes Loch

    Schreibblockade, uff.


    Da sind Schreibideen

    und vor dem weißen Blatt ist

    der Kopf wieder leer




    [ursprünglich geschrieben am 11.12.2015]


    Verlernen unsere Kinder das Schreiben?


    Es war das Jahr 2316. Hanna befand sich in der Schule und starrte befremdet auf jenen Gegenstand, mit dem sie ab heute lernen sollte, die Buchstaben aufzuschreiben. Ganz unbekannt war der Bleistift dem Kind nun nicht. Etwas Ähnliches nutzte das Mädchen, um mit seinem Nintendo DS 2400 zu spielen. Aber es war kein Stift für eine Spielekonsole. Es war ein einfacher, in den Augen des Kindes, uninteressanter Stift zum Schreiben oder Zeichnen. Davon hatte sie bereits aus den Erzählungen ihrer mittlerweile verstorbenen Großmutter erfahren.
    Deren Großeltern hatten zu einer Zeit gelebt, als Kinder noch recht wenig Auswahl zum Spielen und Ausfüllen ihrer Freizeit hatten und Bildchen malten oder handschriftlich Texte verfassten. Die kleine Hanna dagegen saß täglich einige Stunden an ihrem eigenen Computer, den sie sehr mochte. Sie konnte bereits lesen, also war das Umgehen mit dem Internet nicht schwer. Denn auch heutzutage lernten Kinder - wie schon seit Jahrhunderten üblich - in der Grundschule Lesen und Schreiben. Letzteres jedoch zunächst am PC, weil es für sie sonst zu viel Veränderung gewesen wäre, wenn sie auch noch mit Stiften schreiben sollten - das lernte man deswegen erst etwas später. Denn das Üben mithilfe von Tastaturen war so viel leichter, schließlich waren die Kinder daran gewöhnt. Da war Hanna nun und konnte sich im Moment wirklich nichts Langweiligeres vorstellen. Zuhause verbrachte sie viel Zeit mit Spielen, aber auch mit Lernprogrammen - allerdings nur online. Es war farbenfroh, lustig und sie liebte es.


    Die Stimme der Lehrerin durchbrach die ungemütliche Stille.

    „Na komm, Hanna. Nimm den Stift in die Hand und probier es erst einmal aus.“

    „Warum denn?!“, murrte Hanna, ohne den Blick zu heben. „Wieso müssen wir das lernen?“

    „Weil es wichtig ist, Lesen und Schreiben zu lernen“, gab die Lehrerin geduldig zurück. Sie führte diese Diskussion nicht das erste Mal.

    „Aber ich kann lesen und schreiben. An meinem Computer! Meine Eltern machen auch alles an ihren Tablets oder Smartphones. Kein Mensch schreibt mehr auf einem echten Blatt Papier. Wir sind doch nicht im Mittelalter!“

    „Ja, aber was wenn diese Geräte irgendwann nicht mehr gehen? Es ist wichtig, dass du das lernst! Eines Tages wirst du den Grund verstehen und dafür dankbar sein, auch diese klassische Schreibweise erlernt zu haben.“

    Hanna entfuhr bei diesen Worten ein Seufzer.

    Ungelenk nahm sie nun das Schreibinstrument in die Hände, wobei es ihr jedoch gleich wieder entglitt, denn ihr Griff war zu unsicher. Aber die Lehrerin war unerbittlich. Endlich konnte das Mädchen den Stift einigermaßen ruhig und sicher in den Händen halten und den eigenen Namen - wenn auch kritzelig - auf Papier niederschreiben.


    Doch kaum war der Unterricht beendet und Hanna daheim, fuhr sie bereits den PC wieder hoch. Die als Hausaufgaben erhaltenen Schreibübungen würde sie einfach dort erledigen und nicht auf dem doofen Papier. Diesen Unsinn wollte sie nicht mitmachen, und ihre Mutter stimmte ihr zu.

  • Evo Lee

    Hat den Titel des Themas von „Evo Lees Schreibecke“ zu „Schreibecke“ geändert.
  • [ursprünglich geschrieben für den NPM 2020]


    Hoffnung


    Liebe, Freude, Glück,

    das war einmal, es gibt kein zurück.


    Am Ende ein Licht?

    Nein, das gibt es nicht.


    Ein neues Leben,

    das wird es nicht geben.


    Doch verliert nicht den Mut,

    vielleicht - wird es... noch gut?




    [ursprünglich geschrieben für den NPM 2020]


    Hoffnungsschimmer


    Auch wenn die Hoffnung

    eine Phantasie erscheint:

    dann schaut nach vorne.




    [ursprünglich geschrieben am 16.03.2015]


    Alltag


    Eine Welt voller Menschen.
    Überall sieht man sie in Grüppchen.
    Ältere wie Jüngere. Dicke wie Dünne.
    Große wie Kleine. Kluge wie Dumme.
    Ausländische wie Einheimische.
    Und doch.
    Und doch gibt es immer jemanden, der ganz allein steht.
    Der nicht dazugehört. Unbeachtet von allem, ungesehen von den anderen.
    Ausgeschlossen.
    Und innerlich schreit die Person nach Hilfe.
    Danach, anerkannt zu werden. Bemerkt. Gesehen. Gehört.
    Doch niemand will es hören. Keiner hört zu.

    Und irgendwann ist Stille. Tot.

  • Weißt du was? Du kriegst jetzt einen Kommentar von mir. Ich bin mir nicht ganz sicher, warum, aber ich möchte hier jetzt kommentieren. Ich liebe dein neuestes Update. Und ich hab das Gefühl, ich hab schon in diesen ersten Sätzen so gar keine Struktur. Entschuldige, ich fang nochmal an^^


    Hallo Evo Lee,


    wie du vielleicht gemerkt hast, hatte ich an deinen Updates schon immer Freude, aber irgendwas ist es an deinem neuesten Update, das mich zum Kommentieren verleitet. Verzeih mir aber bitte, dass das jetzt vermutlich keine tiefgründigen Gedanken werden, ich hab die Werke eben erst gelesen (ja, sorry, ich hab mich an die NPM-Werke echt nicht erinnert, aber da gab es auch zu viele) und schreib jetzt einfach, was mir spontan in den Sinn kommt.


    Hoffnung

    Der zweite Vers ist ein wenig zu lang, aber das könnte auch gut den Inhalt unterstreichen, indem man vielleicht auch den klaren Rhythmus aufgeben musste, weil alles was klar und einfach erschien nun vorbei ist. Dennoch liest sich das Gedicht wirklich gut. Diese kurzen Strophen machen es kurzweilig und es ist nicht zu lang, um sich in den negativen Gedanken zu verfangen. Wenn man so will, dann können ja auch alle Aussagen stimmen. In der Vergangenheit gibt es Liebe, Freude und Glück, aber Vergangenes ist vergangen und kommt nicht zurück, es gibt nur immer neue Liebe etc.. Ob es am Ende ein Licht gibt, weiß ich zwar nicht, aber das ist halt eine eher nüchterne Betrachtungsweise des Todes. Und das Lyrische Ich glaubt offensichtlich nicht an eine Wiedergeburt. Ja, die Sachen einfach mal wörtlich auslegen - ich glaub, das mach ich hier im Bereich bei Gedichten auch eher selten^^ Aber dann die letzte Strophe, die ich sowieso total gerne mag, darüber, dass alles noch gut werden kann. Ich mag sie tatsächlich wegen der Punkte total gerne. Dieses Fragende gefällt mir sehr. Man weiß es ja nun mal nicht. Aber das hindert nicht daran, es auszusprechen. Ich schätze, das ist der erste Schritt.


    Hoffnungsschimmer

    Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Ich schätze, ich hätte es anders geschrieben. Vor allem fällt mir immer auf, dass zwischen dem ersten und zweiten Vers ein "wie" fehlt. Ich mag das Wenn-dann in diesem Haiku. Ich bin mir seiner Bedeutung nur nicht so ganz bewusst. Wenn es eine Phantasie zu sein scheint, schau nach vorne. Ich mag den Gedanken, einfach pragmatisch zu sein, wenn alles andere eher unwirklich (Phantasie) erscheint, ich bin mir nur nicht sicher, ob das Haiku das tatsächlich aussagen will oder ob ich das nur da reininterpretiere, weil ich es gerne so lesen würde. Vielleicht kannst du mir ja auf die Sprünge helfen, ob ich auf der richtigen Fährte bin.


    Alltag

    Ehrlich gesagt hab ich dieses Gedicht gar nicht als Selbstmord gelesen. Sondern als Verblassen. Das bitte unbedingt im Kopf behalten, wenn ich jetzt schreibe, dass ich mich selbst darin wiedererkannt habe. Ich hatte das häufig zu Schulzeiten, dass ich eher etwas abseits stand und das Gefühl hatte, niemand würde mich sehen. Immer in der Hoffnung, jemand würde das bemerken. Okay, ich bin mir inzwischen ziemlich sicher, dass es daran liegt, dass ich hier kommentieren wollte. Na ja, ich hab das Ende aber entsprechend eher so gelesen, dass es nicht besser wird. Das die Person ihr Leben lang dieses Gefühl behält, nicht gesehen zu werden, bis sie eines Tages stirbt. Und auch das nicht gesehen wird. Ich gebe zu, Selbstmord ist grundsätzlich leichter darin zu lesen, aber war halt bei mir bis zu deinem Spoiler überhaupt nicht da. Was meiner Meinung nach zeigt, dass das nicht unbedingt Konsequenz sein muss. Dass das Gedicht trotzdem nicht gerade sehr positiv stimmt, sei mal dahingestellt. Was ich aber viel erschreckender finde, ist der Titel. Alltag. Es ist nichts Besonderes, keine außergewöhnliche Situation, sondern einfach das, was normal passiert. Und der Alltag ist etwas, über das wir uns nicht wirklich viele Gedanken machen. Er ist halt da und muss begangen werden. Das lässt einen leichter Dinge übersehen. Das macht die Situation realer. Und gefährlicher. Und lässt dein Gedicht noch mehr aufrütteln. Und es ist ein Gedicht, bei dem ich noch nicht einmal was an der Form auszusetzen habe. Obwohl es keinen klaren Rhythmus hat. Obwohl es sich nicht reimt. Ich finde, es lässt sich gut lesen. Ich finde, es ist ein großartiges Werk.


    So, das war's auch schon wieder von mir. Ich hab heute tatsächlich nicht auf die Uhr geguckt, wie lange ich gebraucht habe, aber das ist ja auch egal. Ich hoffe, du hast deine Freude daran. :3

    ~ShiralyaSeelentau

  • Danke an alle, die sich die Zeit nehmen, dieses Thema hier regelmäßig durchzulesen. :)

  • [ursprünglich geschrieben am 11.12.2015]


    Zusammen


    Allein saß sie in einem Raum,
    alles still, alles so leer.
    Sie wusste nicht wohin mit sich.
    Dass sie ratlos war,
    gab ihr einen Stich.
    Sie hätt' gern gesprochen über ihre Sorgen,
    doch sie konnte nicht.
    Und es ward morgen.
    Verlassen, einsam, allein,
    so würde sie gewiss ewig sein.

    Er lief, suchte Lösung für seine Probleme.
    Niemand da, mit dem er konnte reden.
    Sprach- und hilflos war er,
    sorgenfrei leider nicht.

    Ein Blick in den Himmel,
    und ihr Herz wurd' frei.
    Sie wusst' nun, was war zu tun.
    Gleich machte sie sich auf,
    um loszugeh'n,
    ihn wiederzusehen.

    Sie hatten einander gefunden,
    ihre Herzen vereint.
    Alleine so schwach, so stark gemeinsam,
    niemals mehr einsam.

  • Ich habe gerade sowieso nicht viel zu tun, also wollte ich kurz mal dein letztes Gedicht kommentieren.


    Also, rein inhaltlich geht es offenbar darum, dass zwei Personen wieder zueinanderfinden, die sich wohl irgendwann aus den Augen verloren haben - man kann jetzt natürlich nur spekulieren, wie genau das vonstatten gegangen ist, aber das dürfte insgesamt auch nicht so wichtig sein. Ich nehme mal an, dass es auch eher um eine Beziehung romantischer Natur geht als um eine Freundschaft (wegen "ihre Herzen vereint", was ja eher Ersteres impliziert).

    Ich finde es dabei gut, wie du zunächst die beiden Personen jeweils in ihrer Aufmerksamkeit aufbaust. Die Sprache ist hier sehr stark, wenn es direkt mit dem Alleinsein im ersten Vers anfängt und dieses im zweiten Vers noch einmal durch "alles still, alles so leer" präzisiert wird; die Leere könnte man an der Stelle eigentlich auch nicht als eine äußere Leere des Raumes deuten, sondern insbesondere auch als eine innere Leere der Person selbst. Der vorletzte Vers der ersten Strophe unterstreicht das dann noch einmal besonders durch "Verlassen, einsam, allein" - die drei Synonyme sorgen hier für eine starke Betonung.

    Die Darstellung des Er ist dann ein wenig kürzer, aber ich erkenne hier als Bezug zur ersten Strophe die "Probleme" als Parallele zu den "Sorgen", woran sich auch jeweils anschließt, dass die jeweilige Person niemanden zum Reden hat. Auffällig ist dabei auch vielleicht, dass beide Personen mit ihrer Einsamkeit unterschiedlich umgehen - sie "sitzt", er "läuft". Wobei das vielleicht aber auch dem Umstand geschuldet sein könnte, dass er bereits auf der Suche nach ihr ist, das wäre grundsätzlich auch möglich - vielleicht ist sie in der dritten Strophe auch schon unterwegs, weil da im ersten Vers ihr Blick in den Himmel geht und das bietet sich vielleicht eher draußen an (aber es gibt in Räumen ja auch Fenster, also vielleicht sitzt sie noch drinnen und guckt einfach hinaus), Am Ende jedenfalls steht die Vereinigung und hier finde ich insbesondere das Spiel mit "einsam" und "gemeinsam" sehr eindrucksvoll, weil beide Wörter so unterschiedlich ja nicht sind, aber eher entgegengesetzte Bedeutungen haben.

    Was den Lesefluss angeht, bin ich ehrlich gesagt dreimal ein bisschen gestolpert. Das erste Mal ist beim Vers "gab ihr einen Stich" - ich glaube, das liegt im Wesentlichen hier aber nur daran, dass ich das nur als Redewendung "einen Stich versetzen" kenne und es daher ungewohnt zu lesen war (will jetzt aber nicht vorschlagen, dass das ausgetauscht werden sollte, zumal es dann auch einen Bruch in der Verslänge im Vergleich zum vorherigen Vers bedeuten würde).

    Die anderen zwei Male sind die Verse "Niemand da, mit dem er konnte reden" und "Sie wusst' nun, was war zu tun" - ich glaube, hier liegt das einfach ein wenig an der eher ungewöhnlichen Wortstellung, beim zweiten kommt vielleicht noch hinzu, dass es ein Binnenreim mit alternierender Länge der beiden Binnenverse ist. Ich wüsste da jetzt aber jeweils auch nicht, ob bzw. wie man das signifikant verbessern könnte,, zumal Änderungen beim zweiten Beispiel auch schnell den Binnenreim ruinieren würden.

    Insgesamt finde ich das Gedicht jedenfalls aber sehr eindrucksvoll, weil wie gesagt der Zustand der jeweiligen Einsamkeit der beiden Personen sehr eindrucksvoll dargestellt wird. Außerdem mag ich den positiven Dreh am Ende.


    Das war's dann kurz von mir - ich hoffe, es ist zumindest irgendwie hilfreich, auch wenn ich jetzt nicht wirklich viel Konstruktives beitragen konnte. Ansonsten weiterhin frohes Schreiben!



  • Und nun zum Update. Weihnachten ist zwar offiziell schon vorbei, jedoch möchte ich dennoch gerne die Weihnachtsgeschichte, die anlässlich der Chataktion "Morgen, Kinder, wird gelesen" entstanden ist, nun auch hier in schriftlicher Form hochladen. (Kurze Erklärung für jene, die die Aktion nicht mitbekommen haben. Es wurden Texte aufgenommen und vorgelesen. Das konnten bereits existierende oder frisch geschriebene, wie in diesem Fall - sein. Die wurden dann gemeinsam im Chat angehört.)

    Die liebe Moxie (danke noch mal dafür :D) hat meinen Text dafür vertont. Er kann also auch angehört werden. (Fängt nach ein paar Sekunden an.)

    Außerdem feiern bestimmte Orthodoxe Kirchen (russische und serbische) das Weihnachtsfest noch nach altem, julianischen Kalender am 7./8. Januar, weshalb die Geschichte eigentlich gar nicht so verspätet ist. (Sollte ich gerade unwissentlich Falschinformationen verbreiten, so ist mir dies bitte mitzuteilen, wie es sich korrekt gehört.)


    Kleine Warnung: Das Thema Covid-19 spielt in der Geschichte eine Rolle bzw. die Auswirkungen der Pandemie. Es empfiehlt sich möglicherweise, den Text nicht zu lesen, wenn man aus welchen Gründen auch immer, lieber auf das Thema verzichten möchte.

    Ich wünsche viel Spaß beim Lesen.



    Weihnachten in Not


    In einem kleinen unscheinbaren Städtchen, irgendwo in Deutschland, lief ein beinahe ebenso unscheinbarer älterer Herr durch die Fußgängerzone. Ihm begegneten nur wenige Leute. Die meisten erweckten den Eindruck, als hätten sie nichts Anderes im Sinn, als möglichst rasch ihre Aufgaben zu erledigen, wie etwa zu ihrem Arbeitsort zu gehen oder ihre Einkäufe zu verrichten. Jedenfalls vermutete er dies, nach der seit Kurzem von der Regierung in Kraft getretenen Vorschriften. Der Mann ging an einem kleinen Lebensmittelgeschäft vorbei, vor dessen Eingang sich eine Schlange aus Menschen gebildet hatte. Sie standen nicht eng zusammen und schwatzten. Nein. Sie hielten alle den vorgegebenen Abstand von mindestens 1,5 m ein. Nun ja, zumindest taten es die meisten. Er seufzte. Manche Menschen begriffen es wohl nie. Der alte Mann ging weiter und hielt wenig später vor dem Schaufenster eines Ladens inne, der vor Kurzem seine Türen für immer hatte schließen müssen. Er überprüfte rasch den Sitz seines Mund-Nasen-Schutzes. Dies war mit seinem langen, weißen Bart gar nicht so einfach. Häufig kitzelten ihn die Härchen, die unter den Stoff eingezwängt waren, oder erschwerten ihm das Atmen. Seine Urenkeltochter Maria hatte bereits angeboten, ihm ihre Flechtkünste näherzubringen, was er unwirsch abgelehnt hatte. Wie sähe das denn aus, wenn er, ausgerechnet ER, sich mit geflochtenem Barte blicken ließe? Er würde diese Schande nicht ertragen. Auch das Abschneiden seiner bekannten Bartmähne hatte er kategorisch ausgeschlossen. Wenn ihn so jemand erkannte... Das musste er dann einfach hinnehmen, wenn er hier seine Kontrollgänge machte.

    Nun hatte der dickliche Mann die Fußgängerzone hinter sich gelassen und steuerte auf eine Bushaltestelle zu. Im nächsten Bus stieg er ein, ohne darauf zu achten, welche Richtung dieser einschlug. Dies war für ihn nicht von Belang. Nur benötigte er leider für seine besondere Reisemethode immer zunächst eine Kutsche, einen Schlitten oder einen Bus – Hauptsache, es war ein mobiles Transportmittel. Daher winkte er freundlich ab, als ihm eine jüngere Dame mit Kind einen Sitzplatz anbot. Denn der Bus war gut besucht und aufgrund seines offensichtlich fortgeschrittenen Alters erwies sie ihm diese Höflichkeit. Er jedoch wartete, bis das Gefährt losgefahren war, und drehte dann möglichst unauffällig seine Armbanduhr nach oben. Wer das Glück hatte, diese mal genauer anzusehen, würde höchst überrascht bemerken, dass auf dieser „Uhr“ keinerlei Zeitangaben zu finden waren. Stattdessen führten viele Zeiger auf unzählige deutsche Städte und Orte. Wollte er eine davon auswählen, musste er auf eine starke Lesebrille zurückgreifen, da die Beschriftungen sehr klein und eng und nur sehr mühsam zu lesen waren. Bisher hatte er es noch nicht gewagt, wie einige seiner jüngeren Kollegen ein Smartphone zu verwenden. Damit hätte er nämlich Zugriff auf das Weihnachtsportal. Dort konnte man das viel einfacher und übersichtlicher lesen. In der Mitte des Ziffernblattes, welches eigentlich keines war, befand sich ein winziger Punkt, welchen der Mann nun drückte. Wie gewöhnlich bemerkten die anderen Leute im Bus nichts, als er Raum und Zeit überwand, sich in Luft auflöste und an einen ganz anderen, sehr weit entfernten Ort wieder zu stehen kam. Die höfliche Frau, die ihn gebeten hatte, sich doch anstatt ihrer zu setzen, hatte ihn bereits ebenso vergessen wie jeder andere. Das lag an dem Zauber der seltsamen Armbanduhr.


    Endlich war er in der Weihnachtswelt angekommen. Der Weihnachtsmann, mit Namen Klaus, streifte die Gesichtsmaske herunter und schnippte einmal energisch mit den Fingern. Kurz darauf trug er statt dem schwarzen Wintermantel und der Jeanshose, die er in der Menschenwelt zu tragen pflegte, um nicht aufzufallen, wieder seinen roten Mantel sowie eine ebenso rote Hose. Danach begab er sich auf kürzestem Wege in eine der vielen, vielen Werkstätten, in denen hauptsächlich Spielzeug produziert wurde. Dort begrüßte ihn ein Elf aufgeregt und gab ihm zu verstehen, dass seine Frau ihn bereits erwartete.

    >Was ist es wohl diesmal?<, fragte er sich, während er eine Halle nach der anderen durchquerte. In letzter Zeit kam es häufig vor, dass alle möglichen Leute ihm unbedingt etwas mitteilen wollten. Meistens betraf es neue Beschlüsse aus der Menschenwelt oder deren Folgen. Überall blickten ihm Elfen, Wichtel, Weihnachtsmänner und Weihnachtsfrauen – allesamt mehr oder weniger mit Klaus verwandt oder verschwägert – entgegen. Die meisten erschöpft oder mit hektischen Blicken. Ja, auch hier machten sich die Folgen der furchtbaren Pandemie, die auf der ganzen Welt ihr Unwesen trieb, bemerkbar. Zwar konnten die Weihnachtswelt-Bewohner und -Bewohnerinnen sich nicht mit dieser Krankheit anstecken, da ihr zauberhaftes Immunsystem viel besser als das eines sterblichen Menschen war, jedoch konnte man die Auswirkungen der Kontaktsperren, Ausgangsbegrenzungen und sonstige für nötig erachtete Regeln, um die Infektionszahlen etwas einzudämmen, auch hier deutlich spüren. Denn obwohl die Werkstätten der verschiedenen Weihnachtsmänner und -frauen gut mit Personen befüllt waren, waren es um einiges weniger als sonst.

    Bei seinem Büro angekommen, öffnete sich dessen Tür schon wie von selbst. Seine Frau Christa wedelte mit einem Zettel. „Weitere Unternehmen schließen ihre Pforten“, konnte er entziffern. „Schon wieder?“ – „Schon wieder“, bestätigte Christa, ihre langen weißen Haare zu einem Zopf gebunden. Ihre Augen hinter ihrer Brille hatten einen besorgten Ausdruck angenommen.

    „Wo soll das nur hinführen, Klaus? Wenn noch mehr Unternehmen die Unkosten und Steuergelder aufgrund fehlender Einnahmen nicht mehr aufbringen können, können wir Weihnachten vergessen!“ Klaus bemühte sich um einen recht sicher klingenden Tonfall, als er erwiderte: „Nun sieh nicht so schwarz, Chrissie. Noch sind wir in der Lage, den Aufwand zu bewältigen, für jedes Kind ein Geschenk herzustellen – auch wenn die Spenden dieses Mal geringer ausfallen.“ Damit meinte er jene Zuschüsse, die von den verschiedensten Unternehmen an die Weihnachtswelt geschickt wurden. Die meisten ahnten nicht mal, dass ein Teil ihrer Steuergelder für diesen besonderen Zweck verwendet wurde. Klaus war schon viele Hunderte Jahre alt, so viele, dass er es schon gar nicht mehr genau sagen konnte. Und so war ihm auch entronnen, wie das mit den Finanzen genau ablief. Eines allerdings war ihm bewusst: Je mehr Unternehmen in Konkurs gehen und schließen mussten, desto weniger Unternehmen zahlten für die Weihnachtswelt die dringend benötigten Gelder ein, mit welchen vor allem die Gehälter der Elfen, Wichtel, Rentiere, Weihnachtsmänner und Weihnachtsfrauen bezahlt wurden.

    „Wenn du das sagst“, murmelte Christa, sah jedoch nicht überzeugt aus. So gut wie jede Weihnachtswerkstatt, wovon jede für ein anderes Land aus der Menschenwelt zuständig war, hatte mittlerweile den Punkt erreicht, dass sie ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nur noch in Teilzeit oder Kurzarbeit entlohnen konnten, diese aber nach wie vor die volle Arbeitszeit leisten mussten, um mit der Produktion noch hinterherzukommen. In manchen Werkstätten war es sogar zu Entlassungen gekommen, wie auch bei Klaus. Dies machte sich dann in der Stimmung der fleißigen Helfer und Helferinnen bemerkbar. Sie waren gereizt und gestresst, da mehr produziert werden musste mit weniger Arbeitskräfte. Ein jeder war besorgt, ob er seinen Beruf verlieren könnte. Da halfen auch die Appelle der Weihnacht-Werkstattleiter und -leiterinnen nichts, dass man dies doch alles täte, um den Menschenkindern eine Freude zu bereiten, was gerade in solch schweren Zeiten wichtiger denn je war.

    Nach ein paar aufmunternden Worten zu Christa, machte sich Klaus zu den Produktionsanlagen auf. Dort hatte sich ein Gewusel gebildet. „Die Maschine will nicht mehr, Chef!“, rief ihm Oberwichtel Felix zu, der die anderen Wichtel hier anleitete. Seine Augenringe machten Klaus ein schlechtes Gewissen. Auch Felix hatte zurzeit einen schwierigen Posten, denn einige Wichtel lagen ihn seit Wochen in den Ohren damit, ob er nicht etwas gegen diese Zustände ausrichten konnte.

    „Lass mich mal sehen.“ Tatsächlich. Die Maschine, schon sehr in die Jahre gekommen, ließ sich nicht durchs Hantieren mit den Werkzeugen oder Zauberkräften, dazu überreden, ihren Dienst zu tun. Auch gutes Zureden half natürlich nichts. Das war ein großes Problem. Sie war seine größte Maschine. Es gab zwar noch viele kleinere, doch damit würde das Produzieren der Geschenke viel länger brauchen. Die Helferlein müssten noch mehr mit weniger Personal schaffen und das schien ihm nicht möglich. Hätte er wenigstens jeden Arbeitsplatz noch besetzen können, wäre da ein Lichtblick. So aber konnte der Weihnachtsmann nur genauso mutlos zu seinen Helfer und Helferinnen blicken, wie diese es selbst taten. Dennoch gab er wie gewohnt Anweisungen, damit mit den kleineren Maschinen, Geräten und an den Handarbeitsplätzen weiterhin produziert wurde.


    Am nächsten Tag, nach einer Nacht mit einem sehr unruhigen Schlaf, sahen Klaus und Christa bereits von Weitem den Tumult vor Klaus‘ Werkstatt, die für Deutschland eingeteilt war. Anders als in der Menschenwelt musste hier kein Abstand eingehalten werden, da die Weihnachtswelt-Bewohner und –Bewohnerinnen nicht an diesem Virus erkranken konnten. Deshalb waren auch keinerlei Versammlungsverbote oder Masken eingeführt worden. Für einen winzigen Augenblick bedauerte er das, denn statt sich auch heute der Produktion des Spielzeugs zu widmen, standen die Elfen und Wichtel mit Schildern zusammen, auf denen Sätze zu lesen waren wie „Wir fordern mehr Gehalt!“, „Holt die entlassenen Wichtel zurück!“ und „Wir wollen nicht mehr!“ .

    Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Er räusperte sich. „Wir schreiben den 20. Dezember, es ist der Vierte Advent und ihr habt noch genug Zeit, euch hier herumzutreiben und Forderungen zu stellen? Wir haben unseren Verpflichtungen nachzugehen!“, polterte er über den Platz. Schlagartig wurde die Stille, die bei seinen Worten eingetreten war, wieder gebrochen. Es hagelten ihm wütende und verzweifelte Sprüche entgegen, ähnliche wie die auf ihren Schildern, die sie mit sich trugen. „Klaus“, wisperte Christa ihm nun zu, „bring sie nicht auch noch gegen dich auf. Sie haben ja recht. Es ist schließlich eine kräftezehrende Angelegenheit wie jedes Jahr. Doch dieses Jahr unter sehr… mühseligen Umständen.“

    „Das weiß ich selbst“, knurrte er. Aber was sollte er schon dagegen tun? Weniger Spenden hieß weniger Geld für Produktionsmaterial oder für das Personal. Keinesfalls wollten die Werkstattleiter und -leiterinnen, dass die Spielzeuge und Artikel, mit denen die Menschenkinder zu beschenken waren, Mängel im Material oder Ähnliches aufwiesen. Also musste man an anderer Stelle einsparen. Und dies wiederum hieß, mehr herzustellen mit viel weniger Elfen und Wichtel. Und dafür war die Zeit sehr knapp. Ein Teufelskreis. Noch musste ein Drittel der Geschenke hergestellt werden. Das waren nicht gerade wenige. Er sah sich flüchtig um und bemerkte bei den Weihnachtswerkstätten, die an Österreich, Italien und an Ungarn lieferten, ebenfalls Protestaktionen wie hier.

    „Wir haben nur noch 4 Tage“, meldete sich Rudolph, sein treuestes und ältestes Rentier zu Wort. Es stand mit einem Mal neben ihm. „Wie um alles in der Welt willst du dafür sorgen, dass alles rechtzeitig produziert werden kann? Zwar könnte ich die anderen Rentiere um ihre Mithilfe bitten, doch selbst wenn sie zustimmen, werden wir gewiss zu erschöpft sein, um anschließend alles auszuliefern.“ Es klang deprimiert und seine sonst leuchtend rote Nase hatte an Glanz verloren. Klaus plagte das schlechte Gewissen. Er hätte schon viel eher nach Rudolphs Verfassung sehen sollen. Denn er wusste: Würde die Nase aufhören zu leuchten, gab es für Rudolph keine Rettung mehr. Ihm schlug das alles sehr auf seine Nerven und er ersehnte sich von ihm, Klaus, nun einen Plan. Er strich dem mutlosen Tier über den Kopf, doch konnte er ihm nicht das sagen, was dieses zu hören wünschte. Enttäuscht senkte Rudolph sein Haupt und die Farbe seiner Nase wurde noch etwas schwächer. So wie Felix als Oberwichtel für die anderen Wichtel der Ansprechpartner war, war Rudolph der Leiter für die anderen Rentiere. Auch wenn es inzwischen einige modernere Hilfsgeräte wie beispielsweise fliegende Mofas, Flugzeuge oder sogar Fallschirme gab, mit denen die Geschenke transportiert werden konnten, waren noch immer die Rentiere, welche die Schlitten über den Nachthimmel zogen, die Zuverlässigsten und Hilfreichsten. Außerdem war es eine ungebrochene Tradition, dass Rentiere und Weihnachtsmänner und -frauen miteinander arbeiteten. Ohne Rudolphs Worte und Einfluss wären die anderen Rentiere nicht mehr in der Lage, ihre Routen abzugehen. Denn er verfügte über eine beispiellose Führungskraft und sie schätzten ihn sehr. Zumal seine Nase sich schon oft als exzellente Orientierungshilfe in den schlimmsten Schneestürmen erwiesen hatte. Aber noch viel wichtiger war für Klaus die seit vielen Jahrhunderte langanhaltende Freundschaft zwischen ihnen beiden. Er durfte nicht zulassen, dass Rudolph die Kraft seiner leuchtenden Nase verlor, die unverzichtbar für seine psychische Gesundheit war und für ihr aller Wohl. Denn ohne Rudolph würde in der Weihnachtswelt ein großes Ungleichgewicht herrschen.


    Es vergingen zwei wertvolle Tage, an denen aufgrund von Demonstrationen kaum produziert werden konnte. Nur wenige Elfen und Wichtel hatten sich eingefunden, um die Geschenke herzustellen. Dies war vor allem Trixie, der blonden Anführerin der Elfen zu verdanken, die sich wenigstens etwas Gehör verschaffen und andere zum Arbeiten hatte bewegen können. Dennoch lagen sie hinter dem Zeitplan. Klaus saß in seinem Büro, las die gesendeten Wunschzettel und machte sich Notizen, welche abgearbeitet werden konnten und welche Wünsche man ersetzen musste. Auf vielen Briefen standen die üblichen Wünsche nach einem Spielzeugauto, einer Puppe, einem Plüschtier oder sogar einem Geschwisterchen. Dies hätte ihn früher zum Schmunzeln gebracht. Aber auch Wünsche wie „Gib meinen Eltern bitte wieder eine Arbeit!“ oder „Ich vermisse meine Freunde und möchte sie wiedersehen!“ wurden geäußert. Vor ihm spielte seine Ururenkelin Mary mit einem Holzpferdchen auf dem Boden. Ihm wurde schwer ums Herz bei dem Gedanken, dass Menschenkinder in ihrem Alter zum Weihnachtsfest womöglich leer ausgehen würden. Natürlich konnte er sich nicht bei den Arbeitsstellen in der Menschenwelt einmischen oder Kontaktverbote aufheben, aber eine kleine Aufmunterung hatten auch diese Kinder verdient. Da klopfte es laut und fest an der Tür. Trixie trat herein. Ihrem Gesicht war abzulesen, dass etwas Schreckliches geschehen war.

    Dass Rudolph bei einer Flugübung abgestürzt war, war eine Katastrophe. Dem klugen Rentier waren Patzer dieser Art schon sehr lange nicht mehr passiert, und es war fast so alt wie Klaus selbst, welcher bei Rudolphs Geburt anwesend gewesen war. Damals, als kleiner Junge, hatte er es für unglaublich gehalten, dass alle paar hundert Jahre ein besonderes Rentier geboren wurde, dessen Nase von roter Farbe war und leuchten konnte. Klaus fand vor dem Rentierstall, zu dem er geeilt war, einen Auflauf aller möglichen Bewohner und Bewohnerinnen sowie Angestellten der Weihnachtswelt vor. Statt des erwarteten Protests oder Ähnliches, sah er lauter erschrockene und ängstliche Gesichter. Zweifelsohne sorgten sie sich um ihren treuen rotnasigen Freund. Dennoch waren sie nicht ganz unschuldig an dessen Zustand. Rudolph war äußert sensibel und vertrug keine disharmonische Atmosphäre. Und nicht zuletzt konnte man anhand seiner Verfassung auch erahnen, wie es generell um die Weihnachtswelt bestellt war.

    „Wo bleibt euer Gewissen? Was ist mit euren Idealen und dem, was uns allem am wichtigsten sein sollte?“, sprach Felix gerade zu der Menge, die sich vor dem Stall versammelt hatte, als hätte er die Gedanken des Weihnachtsmannes gelesen. „Sicher, wir alle brauchen unsere Gehälter, denn wir haben Familien zu versorgen. Doch habt ihr vergessen, was passiert, wenn wir nicht alle Wünsche erfüllen? Wenn wir uns nur gegenseitig beschuldigen? Dann hilft uns auch Geld nicht weiter!“ Er rang die Hände. Streng starrte er zu einem Wichtel, der sich noch in der Ausbildung befand. Diesem war sichtlich unbehaglich zumute.

    Doch er antwortete pflichtbewusst: „W-we-wenn wir nicht in der Lage sind, die Herzenswünsche der Menschenkinder zu erfüllen, da-dann werden sie enttäuscht sein und in Zukunft den Glauben an uns verlieren.“ Felix nickte grimmig, wie um das Gesprochene zu unterstreichen. Nun hatten auch die anderen um sie herum ernste Mienen aufgesetzt und horchten aufmerksam den Worten, deren Wichtigkeit ihnen beinahe entfallen war. „Und wenn sie nicht mehr an uns glauben, dann verschwinden wir. Unsere Weihnachtswelt würde sich nach und nach auflösen, bis wir nur noch einer Legende angehören, die man sich in der Menschenwelt erzählen wird“, zitierte der Azubi-Wichtel wie aus einem seiner Lehrbücher.

    „Außerdem“, räusperte sich nun Weihnachtsmann Klaus, „ist bereits Rudolphs Schwächeanfall das erste Anzeichen unseres Untergangs. Wenn ihr nicht Vernunft annehmt, stirbt Rudolph, der für uns unersetzlich ist. Ohne ihn nimmt die Weihnachtswelt großen Schaden. Und was danach geschieht, wenn es so weitergeht, wie es jetzt der Fall ist, hat euch der junge Wichtel gerade erläutert.“ Ohne ein weiteres Wort kehrte er ihnen den Rücken zu und betrat den Stall, um nach seinem Freund zu sehen. Neben dem Rentier, das erschöpft im Stroh lag, stand der Tierarzt. Ein Elf, den alle der Einfachhalber nur „Doktor“ nannten. Dieser packte gerade seine Utensilien zusammen und betrachtete Klaus traurig. „Ist er… wird er...?“, stammelte Klaus und ein Schaudern überlief ihn.

    „Wenn sich nicht in wenigen Stunden ein Wunder ereignet, war es das. Wirklich schade um das Tier“, murmelte der Doktor bedrückt, der sich weitere deprimierende Worte gerade noch so verkniff. Auch er machte sich Gedanken darüber, was dann noch alles geschehen würde und fürchtete sich vor der Zukunft.

    Rudolph schien bei dem Sturz zwar nicht verletzt worden zu sein, doch war vor allem sein psychischer Zustand das Problem. Die Leuchtkraft seiner Nase war kaum noch zu sehen. Klaus konnte später nicht mehr sagen, wie viel Zeit vergangen war. Es mochten Minuten oder sogar Stunden gewesen sein - die er neben seinem lieben Freund im Stroh verbracht hatte und mit schweren Herzen alten Zeiten, die sie gemeinsam durchlebt hatten, nachgehangen war. Schließlich richtete er sich auf, um in die Werkstatt zu gehen. Er hatte nicht vor, Rudolph, den Glauben der Kinder und die Weihnachtswelt zu verlieren. Ganz abgesehen von seiner eigenen Existenz. Irgendetwas musste er tun.


    Entschlossen stieß er die Tür auf und blieb einen Moment überrumpelt stehen. Die Werkstatt war überraschend voll, fast schon überfüllt. Er entdeckte nicht nur jene Wichtel und Elfen, die noch im Dienst waren, sondern auch die, die er leider hatte entlassen müssen. Selbst Weihnachtskinder wie Mary waren da. Zunächst nahm niemand Kenntnis von seiner Ankunft. Alle schienen beschäftigt und arbeiteten, so gut es ihnen möglich war, strebsam an der Herstellung der Spielzeuge.

    „Was ist hier los?“, fragte Klaus, der sich den plötzlichen Sinneswandel nicht erklären konnte, an Trixie gewandt. Diese hatte gerade eine Puppe verpackt und ihn mittlerweile bemerkt.

    „Oh, Weihnachtsmann“, rief sie mit einem in letzter Zeit selten gewordenen Gesichtsausdruck, der Freude und Erleichterung zeigte. „Sie sind endlich zur Vernunft gekommen. Die Elfen und Wichtel und die Rentiere, sowie alle möglichen deiner zahlreichen verwandten Kollegen und Kolleginnen haben eingesehen, wie ernst der Zustands Rudolphs und der Weihnachtswelt ist. Jeder, der es sich zutraut, ist hier, und hilft mit, damit das Weihnachtsfest stattfinden kann! Schließlich kommen wir nicht weiter, wenn wir nur protestieren und Forderungen stellen. In erster Linie sind der Erhalt unserer Welt und die Erfüllung der Kinderwünsche wichtig, alles Weitere wird sich schon finden.“

    In den letzten Worten schwang eine Art fragende Hoffnung mit, ob Klaus eine Idee haben könnte, damit keiner mehr in der Weihnachtswelt mit Geldsorgen kämpfen musste. „Ich werde sehen, was sich machen lässt“, sagte er deshalb und meinte dies auch ernst. „Aber lass uns zuallererst die Spielzeugherstellung beenden und Rudolph zeigen, dass es noch eine Möglichkeit gibt, Weihnachten zu retten und er seinen Lebenswillen wiederfinden muss. Gemeinsam müssen wir es einfach schaffen.“ Die Elfin nickte und arbeitete weiter. Klaus ging nach dem Arbeitstag nicht sofort nach Hause, sondern rief eine kurzfristige Versammlung aller Weihnachtsmänner und -frauen bei ihrem gemeinsamen Chef, Santa Claus, ein. Jener Weihnachtmann hatte den größten Einfluss in der Weihnachtswelt und versprach, sich Gedanken über eine zufriedenstellende Lösung zu machen.


    Bis zum späten Nachmittag des 24. Dezembers wurde pausenlos mit zahlreichen Überstunden gewerkelt. Kein Einziger drückte sich vor der Arbeit. Der Weihnachtsgeist war wieder in ihnen erwacht. Letzte Vorkehrungen wurden getroffen und die Wunschlisten und Geschenke in den jeweiligen Werkstätten überprüft. Klaus überließ diese Aufgabe seiner Frau Christa und eilte zum Stall. An Rudolphs Box angekommen, stockte ihm beinahe das Herz. Sie war leer. Das rote Halsband mit den kleinen goldenen Glöckchen, das Rudolph normalerweise trug, lag im Stroh.

    Er bemühte sich zwanghaft um Fassung und suchte jede einzelne Box ab, als ob Rudolph hier sein könnte. Dort ruhten sich die erschöpft aussehende Rentiere noch etwas aus, bis sie zum Start der Auslieferungen gerufen wurden. Klaus wollte sie dabei nicht stören, doch hatte das alles überhaupt noch einen Sinn, wenn Rudolph tot war? Er jedenfalls beabsichtigte nicht, ohne seinen treuen Begleiter loszuziehen. Denn auch ein Weihnachtsmann hatte das Recht zu Trauern.


    Da traf ihm etwas im Rücken. So erschüttert und in Gedanken vertieft, hatte er die Schritte nicht wahrgenommen. Ein erneuter Stupser traf ihn. Doch aus Angst, sich unnötige Hoffnungen zu machen, wagte er nicht, sich umzudrehen.

    „Mensch, Weihnachtsmann!“, erklang jetzt die ihm sehr vertraute Stimme Rudolphs. „Nun steh hier nicht so rum, dafür haben wir keine Zeit!“ Das Tier schwang den Kopf hin und her und stieß mit seinem Geweih sanft in den Rücken seines großen Freundes. Endlich wandte Klaus sich um. Schon bald leuchtete sein Gesicht vor Freunde genauso wie Rudolphs Nase erstrahlte.

    „Wie ist das möglich?“, fragte er glücklich. Da erschien der Tierarzt-Elf und nickte dem Weihnachtsmann fröhlich zu. „Die inzwischen wieder einheitliche und friedliche Stimmung in unserer Welt hat bewirkt, dass Rudolph sich wieder beruhigte und es ihm besser ergeht.“

    „Das Halsband habe ich übrigens nur abgestreift, weil du mir mein Weihnachtsband umhängen musst“, grinste das Rentier schuldbewusst, das ahnte, was Klaus bei dessen Anblick durch den Kopf gegangen sein musste. „Bei der Bescherung tragen wir Rentiere doch besondere, leuchtende Halsbänder, die uns im Dunkeln das Sehen erleichtern.“

    Klaus war ein großer Stein vom Herzen gefallen und er streichelte den behuften Freund erst mal ausgiebig, bis er ihm das gewünschte Halsband, das an einem Haken in der Box hing, überstreifte. „Ja“, sagte er erleichtert, „schließlich hat nicht jedes Rentier so eine großartige Nase wie du!“

    Er zog auch den anderen Rentieren ihre Halsbänder an und machte sich dann mit Rudolph im Schlepptau auf zur Werkstatt. Vor deren Eingang warteten die anderen Elfen, Wichtel, Weihnachtsmänner, Weihnachtsfrauen und Weihnachtskinder nervös auf Klaus‘ Ankunft und die Nachricht, ob Rudolph startklar und das Weihnachtsfest somit gerettet war. Als sie das Rentier erkannten, brachen sie in freudigen Rufen aus. Klaus mogelte sich in dem Getümmel zu Christa durch und fragte, ob sie mit der Geschenkeherstellung noch fertig geworden waren. „In letzter Minute“, erwiderte sie verschmitzt. „Weil wir alle als Einheit gehandelt haben.

    Von Felix und Trixie, die sich ihren Weg zu ihm gebahnt hatten, erfuhr Klaus noch, dass Santa Claus, der Oberweihnachtsmann, der über sie alle herrschte, sich nach der vor zwei Tagen einberufenen Krisensetzung dazu entschlossen hatte, die Gehälter nicht nach Positionen zu zahlen, sondern dieses Mal gleichmäßig unter allen Arbeitern und Arbeiterinnen zu verteilen. Angesichts der aktuellen Lage hatte auch niemand etwas dagegen und es gab ein finanzielles Problem weniger.


    Nun war alles soweit. Die Rentiere wurden bespannt, die Geschenke auf die Schlitten geladen und los konnte es gehen. „Das wird letztendlich doch ein Frohes Weihnachten“, rief Weihnachtsmann Klaus aus und hegte die Hoffnung, dass das nächste Jahr weniger turbulent werden könnte. Andere stimmten mit ein: „Frohe Weihnachten werden das! Frohe Weihnachten an alle!“

  • [ursprünglich im April 2020 zur NPM-Aktion geschrieben]


    Appetit


    Hunger

    knurrender Magen

    Essen so fern

    bald kommt die Ohnmacht

    Oje!


    Essen

    dieser Geruch

    aber die Kalorien

    dann lieber doch nichts

    Hunger!


    Verzweiflung

    dieser Appetit

    doch diese Sturheit!

    Aber der Hunger siegt.

    Satt!




    Kulinarisches Elfchen.


    Knoblauch

    Dieser Geruch...

    aber so gut!

    Passt zu pikanten Gerichten.

    Köstlich.




    Nein, danke


    'Ne Pizza Hawaii.

    Also Obst auf der Pizza...

    Das ist nicht mein Fall!

  • [17:31:25] <Peddah> Du kannst auch über Gurkenbrot schreiben

    [17:32:48] <Evo Lee> Gurkenbrot... damit hätte ich jemanden* ärgern können ^_____^

    Gesagt, getan. Hier ein spaßiges Drabble über einen leckeren Snack. Grüße gehen raus an Peddah und Naoyuki *, hab euch trotzdem lieb. ^-^




    Gurkenbrot


    Ein Brot, das gegessen werden möchte, eine Gurke, welche darauf wartet, verarbeitet zu werden. Und ein Mensch, der müde, erschöpft und mit knurrendem Magen nach Hause kommt; der Geldbeutel fast leer, der Kühlschrank beinahe ebenso. Eine Idee reift in der Person heran, die sich inzwischen ihrer Arbeitskleidung entledigt und die Alltagsklamotten übergestreift hat. Rasch werden die Vorräte begutachtet und zum Glück sind Pfeffer sowie Salz vorhanden, eine Margarine ebenfalls. So macht sich der Mensch schnell daran, für sich einen einfachen, aber schmackhaften Snack zu kreieren. Ein gesundes Gurkenbrot ist entstanden, es wird gewürzt und bald ist es auch wieder verschwunden.

  • [ursprünglich im April 2020 zur NPM-Aktion geschrieben]


    Vergebung


    Er war bereits tot

    wurd' schon beinah' vergessen

    hinterließ Trauer.


    Voll Schmerz bittet sie

    um Vergebung und

    pflegt ab nun das Grab.


    Vom Himmel blickt er

    hinunter und lächelt ihr

    zu. Er verzeiht ihr.




    Verzeihen


    Ein Lachen ertönt,

    so fröhlich, laut und glücklich

    dann kommt die Stille.


    Es war unachtsam,

    das Auto konnt' nicht bremsen,

    tot liegt das Kind da.


    Die Glocken läuten

    und die Trauergemeinde

    nimmt weinend Abschied.


    Jahre vergehen

    und das Grab wird noch gepflegt

    vom Autofahrer.


    Ein Lächeln kommt auf.

    So fröhlich, lieb und glücklich

    vom kleinen Kinde.


    Es steht als Geist da,

    vergibt dem Fahrer. der Mann

    ist dafür dankbar.

  • Vorbei


    Es ist vorbei. Das sagtest du mir, in nüchternem Tonfall, doch du kannst mich nicht täuschen. Nicht nach all den Jahren, in denen wir Freude und Zuneigung, aber auch Kummer und Schmerz miteinander teilten. Füreinander da waren und uns doch schrittweise, unbewusst, entfremdeten. Dass der Moment der Trennung, der eigenen Wege kommen würde, habe ich erwartet und zugleich gehofft, dass dies niemals geschieht. Und doch sind wir nun an dem Punkt, der uns den Verstand freimacht, der uns zeigt, dass es nicht mehr so weitergehen kann, wie in der Vergangenheit. Vorbei sagtest du und meinst es ernst. Aber nicht gefühllos.


    Ich sehe dir die Wirkung meiner Worte an. Auch du kannst deine wahren Gefühle nicht verbergen, obwohl du versuchst, es dir nicht anmerken zu lassen. Es nicht offen zu zeigen. Aber ich kenne dich, so wie du weißt, dass mein neutraler Tonfall nicht echt ist. Dass es mir längst nicht so leichtfällt, wie ich es dir vorzumachen versuche. Wozu also das Ganze? Um dir nicht weiter wehzutun. Denn innerlich zerreißt es mir das Herz und ich ahne, dass es dir ähnlich geht. Doch leider sind es die zeitlichen Spuren, die eigenen Willen, die dies herbeigeführt haben. Unfreiwillig. Es ist vorbei.

    Das ist es wirklich. Es wird nie mehr so sein wie einst. Bitte verzeih mir, dass ich ausgesprochen habe, was wir beide nie hören wollten und doch wussten, dass der Zeitpunkt dafür nicht länger aufgeschoben werden kann. Wir beide haben gemeinsam viel erlebt und sind uns nahegekommen. Sehr nahe. So wie zuvor noch niemand anderen. Leider sind auch solche Beziehungen nicht für immer. Sie können ebenso zerbrechen wie alles andere. Auch wenn es vorbei ist, so wissen wir beide sehr gut, dass wir dennoch füreinander da sein werden. Anders als früher womöglich, doch wir lassen den anderen nicht im Stich.

  • Hallo,


    vorbei ist es hoffentlich noch lange nicht, aber ich mag die Art und Weise, wie du die Geschichte aufgezogen hast. Herzschmerz und innere Monologe passen gut zusammen und zuerst machte es auch den Anschein, als würde nur eine Person von ihren Gefühlen erzählen. Mit dem Wechsel zur anderen Person zeigst du so aber zwei verschiedene und doch ähnliche Sichtweisen auf, was letztendlich auf Probleme in den persönlichen Interessen und nicht am Charakter der anderen Person schließen lässt. Es anzusprechen war wohl generell schwierig und die Situation von beiden Seiten zu zeigen empfinde ich als gute Idee.


    Wir lesen uns!




  • [hier die restlichen Haikus/Elfchen/Sonstiges vom NPM 2020]


    Funktionen


    Augen zum Sehen,

    Beine zum Gehen und der

    Mund um zu schweigen.




    Schritte


    Schritt

    für Schritt

    kommen wir voran

    und bleiben doch stehen.

    *wumms*




    Salzig


    Viel Salz

    auf die Tomaten.

    Kratziger Hals.

    Nimmt mir den Atem.


    Schnell nimmt man einen Schluck.

    Und ruckzuck

    ist der Schreck

    wieder weg.




    Wetterbericht


    Wetter ändert sich,

    mal wolkenverhangen, mal

    voller Sonnenschein.


    Solch bunte Farben.

    Seht nur, ein Regenbogen.

    Ein schöner Anblick.




    [irgendwann 2021 im Chat entstanden, als es mal wieder um Essen ging]


    BisaChat


    Essen

    Im BisaChat.

    Ein ewiges Thema.

    Schon knurren die Mägen.

    Hunger!




    [ein Tanka, dessen Ursprung ich nicht mehr weiß, aber viel Spaß damit]


    Chips


    Überall verteilt.

    Fettige Chipskrümelchen.

    "Räum das endlich auf!",

    ruft die Mutter laut zu ihm.

    Doch er isst munter weiter.

  • [ursprünglich geschrieben für die Valentins-Drabble-Aktionen 2020 und 2021]


    Aufgaben


    Der Wecker schellte. Der junge Mann warf sich nochmals in seinem Bett umher, als ein erneutes, nun aufdringlicheres Klingeln zu hören war. Missmutig verließ Valentin seine Schlafstatt und machte sich fertig. Dabei fiel sein Blick auf dem Kalender und er unterdrückte ein Seufzen. Schon wieder dieser Tag. Er mochte den 14. Februar nicht sonderlich, da es in seiner Familie Tradition war, bestimmten Personen zu ihrem Glück zu verhelfen. Das hatte schon sein Vorfahre Amor so bestimmt. Dazu gab es mehrere Möglichkeiten. Valentin sollte dafür magische Rose verteilen. „Dann mal an die Arbeit“, murmelte er, und griff einen Korb voll Rosen.




    Lärm


    Der Regen klatscht prasselnd gegen die Fensterscheibe. Musik ertönt aus dem Raum der Schwester, während der Vater lautstark telefoniert. Die Waschmaschine dreht vibrierend ihre Runden, der Wasserhahn tropft und das Hämmern des Nachbarn trägt zur Unruhe bei. Die Mutter gibt Alexa einen Befehl, der Hund im Zimmer nebenan bellt. All dieser Radau schlägt auf mein Gemüt und ich packe mein Buch, das ich zurzeit lese, in meine Umhängetasche und verlasse, trotz Regen, beinahe fluchtartig das Haus. Draußen hupen die Autos, Sirenen ertönen. Doch bald höre ich dies nicht mehr. Dann sitze ich gemütlich in der Bücherei und habe meine Ruhe.

  • Hallo,


    mir gefällt die Aufmachung des Lärms mit den langsam aufbauenden Geräuschen, die immer mehr dazu beitragen, dass sich die Gedanken nur mehr um dieses große Chaos drehen. Ich war gespannt, wie weit du die Sache letztlich treiben würdest und selbst als die Flucht aus dem Haus erfolgreich gelang, ging es draußen ja noch einige Zeit mit dem Verkehrs- und Umgebungslärm weiter. Wo ich kurz an Kopfhörer mit Musik als Entspannung dachte, hast du mit der Bibliothek als ruhigem Rückzugsort am Ende überrascht. Manchmal bringt eben nur die Anwesenheit von Büchern die Ruhe, die man sich wünscht.


    Wir lesen uns!