Schreibecke

Die Kronen-Schneelande erwartet euch!


Alle Informationen zum zweiten Teil des Erweiterungspasses "Die Schneelande der Krone" findet ihr bei uns auf Bisafans:

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    Herzlich willkommen in meine Schreibecke!

    Nachdem ich mir eine längere und unfreiwillige Schreibblockade (seit etwa 2017) eingefangen hatte, habe ich mich dazu entschlossen, dieses Hobby wieder aufzunehmen. (Aufgegeben hatte ich es eigentlich nie - es hat sich nur nicht anders ergeben.) Zunächst in langsamen Schritten, um wieder darin hineinzufinden. Ich habe früher vor allem Fanfictions abseits des Pokemon-Themas geschrieben, jedoch auch eigene Werke, wenngleich diese manchmal recht kurz sind. Für den Anfang werde ich hier nach und nach vorwiegend ältere Kurzgeschichten oder Gedichte von mir veröffentlichen. Bisher war ich nicht wirklich im Bereich hier aktiv, nur beim ein oder anderen Fanfiction-Chatabend, NPM 2020 und beim Wettbewerb mit den Reizwörtern.

    Des Weiteren möchte ich anmerken, dass unerlaubtes Kopieren, Veröffentlichen oder Zitieren meiner Werke auf anderen Seite/Videos/oder Ähnliches nicht gestattet ist. Die Rechte des Textes, der Ideen und der Charaktere liegen bei mir.

    Nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen. Evoli



    Inhaltsverzeichnis


    Gedichte


    Bald wird der Tag kommen

    Leere (Haiku)

    Hoffnung (Couplet)

    Hoffnungsschimmer (Haiku)

    Zusammen




    Kurzgeschichten


    Der kleine Spielplatz

    Verlernen unsere Kinder das Schreiben?

    Alltag

  • [ursprünglich geschrieben am 12.12.2015]


    Bald wird der Tag kommen


    Bald wird er kommen.

    Der Tag, an dem ich „Lebewohl“ sag'

    und verschwinden mag.


    Vielleicht wirst du erst trauern, zweifeln und mich missen,

    doch ich weiß,

    es ist nicht echt.


    Wenn ich fort bin, wirst du bald sehen,

    dass es richtig war,

    und deine eigenen Wege gehen.


    Dann bin ich wirklich aus deinem Leben.

    Und schon bald wird es etwas anderes sein,

    das dir wichtig ist.

    Und das bin nicht mehr ich.


    Bald wird der Tag kommen,

    an dem ich nicht mehr bin,

    die Welt nicht mehr beschmutze

    mit meiner Existenz.


    Niemand wird noch an mich denken,

    oder mein Grab besuchen,

    sondern sich selbst ein neues Leben schenken.


    Bald wird der Tag kommen,

    an dem du die Frage stellst, wer ich war.

    Doch wirst du keine Antwort bekommen,

    denn ich bin deinen Erinnerungen genommen.


    Jetzt geh los und lebe dein Leben,

    wie du es für richtig hältst.

    Es wird niemanden geben,

    der dich daran hindert.


    Bald wird er kommen,

    der Tag, an dem ich „Lebewohl“ sag'

    und aus deinem Herz verschwinden mag.





    [ursprünglich geschrieben am 28.10.2015]


    Der kleine Spielplatz


    Im Frühling überwuchern kleine Blümchen den Spielplatz, angespornt von der ersten Wärme des Jahres. Im Sommer brennt die Sonne unbarmherzig auf ihn, im Herbst dagegen fallen Blätter in den unterschiedlichsten Farben von den Bäumen und geben ein buntes Bild ab. Während die Schaukeln, die Rutsche, das kleine im Boden eingelassene Trampolin, der Sandkasten und das Klettergerüst, an denen einst viele Kinder ihr Temperament ausließen und Spaß hatten, im Winter völlig zugeschneit werden. Jedes Jahr erging es dem kleinen Spielort so, bis eines Tages immer weniger Kinder zu ihm kamen, bis zu dem Moment, als kein Einziges mehr erschien, da er an Attraktivität verlor angesichts der sich entwickelnden Lebensumstände und vermeintlich interessanteren Erfindungen.


    Manchmal, wenn wie heute die Sonne warm auf den unberührten Spielplatz scheint, kommt ein Kind, vielleicht sieben Jahre alt, mit seiner Mutter vorbeigelaufen. Es hat den Blick fest auf den Gegenstand vor sich gerichtet. Munter berührt es das Smartphone, klickt Symbole an, lauscht den Tönen. Wie gebannt vergisst das kleine Mädchen beinahe alles um sich herum. Der Spielplatz wird mit einem müden Lächeln bedacht. Er verändert sich nicht wie ihr Spiel und er macht keine Musik. Außerdem würde es sicherlich anstrengend sein, beispielsweise das Klettergerüst zu besteigen, da mochte sie ihr bequemes Gerät lieber. Zudem gibt es stets neue Apps und Updates, die weitere Abenteuer versprechen.

    „So etwas Langweiliges braucht kein Kind“, murmelt es leise. Wenige Augenblicke später verschwendet es überhaupt keinen Gedanken mehr an den Spielplatz und wendet seine Aufmerksamkeit wieder dem Mobilgerät zu.

  • Evo Lee

    Hat den Titel des Themas von „Schreibecke“ zu „Evo Lees Schreibecke“ geändert.
  • Hallo,


    der kleine Spielplatz verdeutlicht gut den Generationswechsel, der mit den neumodischen Elektrogeräten einherging und sich überall bemerkbar macht. Im selben Zug zeigst du auch die verringerte direkte Interaktion mit anderen Kindern, die sich im Gegensatz zu früher anders unterhalten. Gepaart mit dem verlassenen Spielplatz ruft der Text einige trostlose und einsame Gefühle hervor. Zum Schluss fehlt mir nach den vielen Erwähnungen des Smartphones aber eine Pointe, die eine andere Sichtweise zu der des erwähnten Kindes zeigt. Immerhin muss ja nicht jedes Kind so denken und dementsprechend schreit der Text geradezu nach einer Fortsetzung.


    In diesem Sinn: Wir lesen uns!

  • Evo Lee

    Hat das Label Verschiedenes hinzugefügt
  • Vorwarnung zum Inhalt: Suizid


    Hey, Evo Lee!


    Als du dein Topic letzte Woche eröffnet hast, habe ich Bald wird der Tag kommen gelesen, und jetzt beim nochmaligen Lesen bin ich immer noch ein bisschen sprachlos. Das Gedicht fängt ganz unbeschwert an, und je weiter man liest, desto expliziter geht es in Richtung selbstbestimmtes Sterben bis hin zu Selbstmordgedanken. Es wird zwar nie explizit ausgesprochen, außer vielleicht in der ersten und der letzten Strophe, dass das Ich "verschwinden mag". Aber gerade diese Gedanken ab Strophe 5, die eigene Existenz sei nur Schmutz, die Welt an sich und das Gegenüber seien besser dran ohne das Ich, gehen schon in diese Richtung. Die Aussage, man sei die Erinnerung nicht wert, erst recht. Dabei ist es gerade die Erinnerung, die lebendig bleibt und die keiner von sich aus auslöschen kann. Wenn man geht, wird nichts gelöst, und die Welt wird auch nicht "reiner" dadurch. Selbst bei Menschen mit hochgradiger Demenz oder einer psychischen Behinderung, die schon über viele Jahre hinweg besteht und sicher auch belastet, erlebe ich echte Trauer bei den Hinterbliebenen und eine Leerstelle, die mit Erinnerungen gefüllt wird und bleibt. Wie viel mehr gilt das, wenn man einfach nur ein paar dumme Fehler macht?


    Das Gedicht hat mich auf jeden Fall sehr nachdenklich gemacht. Es stecken ja auch noch andere Gedanken darin, die vorletzte Strophe könnten auch Eltern zu ihrem Kind sagen. Aber es ist dennoch ein Trugschluss, es wird immer etwas geben, das einen hindert. Auf der anderen Seite ist das Leben ja gerade dadurch interessant und erinnerungswürdig, dass nicht alles frei und nach Plan verläuft und man irgendwelche Wege um die Widerstände drumherum finden muss, die einem dann im Gedächtnis bleiben.


    Es freut mich jedenfalls, dass du deinen Weg hier in die Sammlungen gefunden hast, und ich bin gespannt, von dir zu lesen!

    Und plötzlich schien ein neuer Kontinent

    am Horizont, wir sind noch lange nicht am End’!
    __________________________________________________________- Flocon


    Ein Dankeschön an Aigis für diesen wunderbaren Avatar ^-^

    2 Mal editiert, zuletzt von Mandelev () aus folgendem Grund: Buchstabendreher

  • Erst einmal danke fürs Lesen und Kommentieren, Rusalka und Mandelev !


    Rusalka

    Zum Schluss fehlt mir nach den vielen Erwähnungen des Smartphones aber eine Pointe, die eine andere Sichtweise zu der des erwähnten Kindes zeigt. Immerhin muss ja nicht jedes Kind so denken und dementsprechend schreit der Text geradezu nach einer Fortsetzung.

    Ja, es denken nicht alle Kinder so und dies wird hoffentlich auch in der Zukunft so bleiben. Eine andere Sichtweise habe ich bewusst nicht geschildert, weil es die Leser zum Nachdenken anregen sollte. Aber eigentlich ist das eine gute Idee, möglicherweise werde ich dazu noch eine andere Sichtweise schreiben - ob diese dann ganz unkritisch an die Sachlage herangeht, bleibt jedoch abzuwarten. Hierbei handelt es sich auch nicht um ein Versprechen, ob dann auch tatsächlich eine Fortsetzung kommen wird.




    Mandelev

    Deine Bedenken wegen des Themas habe ich registriert und nun auch eine/n Warnung/Hinweis im Spoiler unter das Gedicht gepackt. Selbstverständlich soll das Gedicht niemanden zum Suizid verleiten. Danke für den Hinweis.


    Die Aussage, man sei die Erinnerung nicht wert, erst recht. Dabei ist es gerade die Erinnerung, die lebendig bleibt und die keiner von sich aus auslöschen kann.

    Das war so gemeint, dass der andere, vom Ich angesprochene Mensch das Ich vergisst. Es aus seinen Erinnerungen verbannt. Aber ich gebe dir da recht, dass man bewusst eigentlich nichts vergessen kann. (Außer man hat es noch nicht wirklich wahrgenommen, weil man viel zu jung war.) Es muss nur ein Anlass kommen und man ruft sich das vermeintlich Vergessene automatisch wieder in Erinnerung. ("Man vergisst nicht, es kann nur sein, dass man sich nicht erinnert" - Chihiros Reise ins Zauberland (etwas verändert))

    Aber es ist dennoch ein Trugschluss, es wird immer etwas geben, das einen hindert.

    Das sollte eher darauf deuten, dass das Ich die andere Person nicht mehr daran hindern kann. Aber guter Punkt, das war etwas zu allgemein ausgedrückt.

  • [ursprünglich geschrieben für den NPM 2020]


    Leere


    Kreativität

    Jedoch nur ein schwarzes Loch

    Schreibblockade, uff.


    Da sind Schreibideen

    und vor dem weißen Blatt ist

    der Kopf wieder leer




    [ursprünglich geschrieben am 11.12.2015]


    Verlernen unsere Kinder das Schreiben?


    Es war das Jahr 2316. Hanna befand sich in der Schule und starrte befremdet auf jenen Gegenstand, mit dem sie ab heute lernen sollte, die Buchstaben aufzuschreiben. Ganz unbekannt war der Bleistift dem Kind nun nicht. Etwas Ähnliches nutzte das Mädchen, um mit seinem Nintendo DS 2400 zu spielen. Aber es war kein Stift für eine Spielekonsole. Es war ein einfacher, in den Augen des Kindes, uninteressanter Stift zum Schreiben oder Zeichnen. Davon hatte sie bereits aus den Erzählungen ihrer mittlerweile verstorbenen Großmutter erfahren.
    Deren Großeltern hatten zu einer Zeit gelebt, als Kinder noch recht wenig Auswahl zum Spielen und Ausfüllen ihrer Freizeit hatten und Bildchen malten oder handschriftlich Texte verfassten. Die kleine Hanna dagegen saß täglich einige Stunden an ihrem eigenen Computer, den sie sehr mochte. Sie konnte bereits lesen, also war das Umgehen mit dem Internet nicht schwer. Denn auch heutzutage lernten Kinder - wie schon seit Jahrhunderten üblich - in der Grundschule Lesen und Schreiben. Letzteres jedoch zunächst am PC, weil es für sie sonst zu viel Veränderung gewesen wäre, wenn sie auch noch mit Stiften schreiben sollten - das lernte man deswegen erst etwas später. Denn das Üben mithilfe von Tastaturen war so viel leichter, schließlich waren die Kinder daran gewöhnt. Da war Hanna nun und konnte sich im Moment wirklich nichts Langweiligeres vorstellen. Zuhause verbrachte sie viel Zeit mit Spielen, aber auch mit Lernprogrammen - allerdings nur online. Es war farbenfroh, lustig und sie liebte es.


    Die Stimme der Lehrerin durchbrach die ungemütliche Stille.

    „Na komm, Hanna. Nimm den Stift in die Hand und probier es erst einmal aus.“

    „Warum denn?!“, murrte Hanna, ohne den Blick zu heben. „Wieso müssen wir das lernen?“

    „Weil es wichtig ist, Lesen und Schreiben zu lernen“, gab die Lehrerin geduldig zurück. Sie führte diese Diskussion nicht das erste Mal.

    „Aber ich kann lesen und schreiben. An meinem Computer! Meine Eltern machen auch alles an ihren Tablets oder Smartphones. Kein Mensch schreibt mehr auf einem echten Blatt Papier. Wir sind doch nicht im Mittelalter!“

    „Ja, aber was wenn diese Geräte irgendwann nicht mehr gehen? Es ist wichtig, dass du das lernst! Eines Tages wirst du den Grund verstehen und dafür dankbar sein, auch diese klassische Schreibweise erlernt zu haben.“

    Hanna entfuhr bei diesen Worten ein Seufzer.

    Ungelenk nahm sie nun das Schreibinstrument in die Hände, wobei es ihr jedoch gleich wieder entglitt, denn ihr Griff war zu unsicher. Aber die Lehrerin war unerbittlich. Endlich konnte das Mädchen den Stift einigermaßen ruhig und sicher in den Händen halten und den eigenen Namen - wenn auch kritzelig - auf Papier niederschreiben.


    Doch kaum war der Unterricht beendet und Hanna daheim, fuhr sie bereits den PC wieder hoch. Die als Hausaufgaben erhaltenen Schreibübungen würde sie einfach dort erledigen und nicht auf dem doofen Papier. Diesen Unsinn wollte sie nicht mitmachen, und ihre Mutter stimmte ihr zu.

  • Evo Lee

    Hat den Titel des Themas von „Evo Lees Schreibecke“ zu „Schreibecke“ geändert.
  • [ursprünglich geschrieben für den NPM 2020]


    Hoffnung


    Liebe, Freude, Glück,

    das war einmal, es gibt kein zurück.


    Am Ende ein Licht?

    Nein, das gibt es nicht.


    Ein neues Leben,

    das wird es nicht geben.


    Doch verliert nicht den Mut,

    vielleicht - wird es... noch gut?




    [ursprünglich geschrieben für den NPM 2020]


    Hoffnungsschimmer


    Auch wenn die Hoffnung

    eine Phantasie erscheint:

    dann schaut nach vorne.




    [ursprünglich geschrieben am 16.03.2015]


    Alltag


    Eine Welt voller Menschen.
    Überall sieht man sie in Grüppchen.
    Ältere wie Jüngere. Dicke wie Dünne.
    Große wie Kleine. Kluge wie Dumme.
    Ausländische wie Einheimische.
    Und doch.
    Und doch gibt es immer jemanden, der ganz allein steht.
    Der nicht dazugehört. Unbeachtet von allem, ungesehen von den anderen.
    Ausgeschlossen.
    Und innerlich schreit die Person nach Hilfe.
    Danach, anerkannt zu werden. Bemerkt. Gesehen. Gehört.
    Doch niemand will es hören. Keiner hört zu.

    Und irgendwann ist Stille. Tot.

  • Weißt du was? Du kriegst jetzt einen Kommentar von mir. Ich bin mir nicht ganz sicher, warum, aber ich möchte hier jetzt kommentieren. Ich liebe dein neuestes Update. Und ich hab das Gefühl, ich hab schon in diesen ersten Sätzen so gar keine Struktur. Entschuldige, ich fang nochmal an^^


    Hallo Evo Lee,


    wie du vielleicht gemerkt hast, hatte ich an deinen Updates schon immer Freude, aber irgendwas ist es an deinem neuesten Update, das mich zum Kommentieren verleitet. Verzeih mir aber bitte, dass das jetzt vermutlich keine tiefgründigen Gedanken werden, ich hab die Werke eben erst gelesen (ja, sorry, ich hab mich an die NPM-Werke echt nicht erinnert, aber da gab es auch zu viele) und schreib jetzt einfach, was mir spontan in den Sinn kommt.


    Hoffnung

    Der zweite Vers ist ein wenig zu lang, aber das könnte auch gut den Inhalt unterstreichen, indem man vielleicht auch den klaren Rhythmus aufgeben musste, weil alles was klar und einfach erschien nun vorbei ist. Dennoch liest sich das Gedicht wirklich gut. Diese kurzen Strophen machen es kurzweilig und es ist nicht zu lang, um sich in den negativen Gedanken zu verfangen. Wenn man so will, dann können ja auch alle Aussagen stimmen. In der Vergangenheit gibt es Liebe, Freude und Glück, aber Vergangenes ist vergangen und kommt nicht zurück, es gibt nur immer neue Liebe etc.. Ob es am Ende ein Licht gibt, weiß ich zwar nicht, aber das ist halt eine eher nüchterne Betrachtungsweise des Todes. Und das Lyrische Ich glaubt offensichtlich nicht an eine Wiedergeburt. Ja, die Sachen einfach mal wörtlich auslegen - ich glaub, das mach ich hier im Bereich bei Gedichten auch eher selten^^ Aber dann die letzte Strophe, die ich sowieso total gerne mag, darüber, dass alles noch gut werden kann. Ich mag sie tatsächlich wegen der Punkte total gerne. Dieses Fragende gefällt mir sehr. Man weiß es ja nun mal nicht. Aber das hindert nicht daran, es auszusprechen. Ich schätze, das ist der erste Schritt.


    Hoffnungsschimmer

    Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Ich schätze, ich hätte es anders geschrieben. Vor allem fällt mir immer auf, dass zwischen dem ersten und zweiten Vers ein "wie" fehlt. Ich mag das Wenn-dann in diesem Haiku. Ich bin mir seiner Bedeutung nur nicht so ganz bewusst. Wenn es eine Phantasie zu sein scheint, schau nach vorne. Ich mag den Gedanken, einfach pragmatisch zu sein, wenn alles andere eher unwirklich (Phantasie) erscheint, ich bin mir nur nicht sicher, ob das Haiku das tatsächlich aussagen will oder ob ich das nur da reininterpretiere, weil ich es gerne so lesen würde. Vielleicht kannst du mir ja auf die Sprünge helfen, ob ich auf der richtigen Fährte bin.


    Alltag

    Ehrlich gesagt hab ich dieses Gedicht gar nicht als Selbstmord gelesen. Sondern als Verblassen. Das bitte unbedingt im Kopf behalten, wenn ich jetzt schreibe, dass ich mich selbst darin wiedererkannt habe. Ich hatte das häufig zu Schulzeiten, dass ich eher etwas abseits stand und das Gefühl hatte, niemand würde mich sehen. Immer in der Hoffnung, jemand würde das bemerken. Okay, ich bin mir inzwischen ziemlich sicher, dass es daran liegt, dass ich hier kommentieren wollte. Na ja, ich hab das Ende aber entsprechend eher so gelesen, dass es nicht besser wird. Das die Person ihr Leben lang dieses Gefühl behält, nicht gesehen zu werden, bis sie eines Tages stirbt. Und auch das nicht gesehen wird. Ich gebe zu, Selbstmord ist grundsätzlich leichter darin zu lesen, aber war halt bei mir bis zu deinem Spoiler überhaupt nicht da. Was meiner Meinung nach zeigt, dass das nicht unbedingt Konsequenz sein muss. Dass das Gedicht trotzdem nicht gerade sehr positiv stimmt, sei mal dahingestellt. Was ich aber viel erschreckender finde, ist der Titel. Alltag. Es ist nichts Besonderes, keine außergewöhnliche Situation, sondern einfach das, was normal passiert. Und der Alltag ist etwas, über das wir uns nicht wirklich viele Gedanken machen. Er ist halt da und muss begangen werden. Das lässt einen leichter Dinge übersehen. Das macht die Situation realer. Und gefährlicher. Und lässt dein Gedicht noch mehr aufrütteln. Und es ist ein Gedicht, bei dem ich noch nicht einmal was an der Form auszusetzen habe. Obwohl es keinen klaren Rhythmus hat. Obwohl es sich nicht reimt. Ich finde, es lässt sich gut lesen. Ich finde, es ist ein großartiges Werk.


    So, das war's auch schon wieder von mir. Ich hab heute tatsächlich nicht auf die Uhr geguckt, wie lange ich gebraucht habe, aber das ist ja auch egal. Ich hoffe, du hast deine Freude daran. :3

    ~ShiralyaSeelentau

  • Danke an alle, die sich die Zeit nehmen, dieses Thema hier regelmäßig durchzulesen. :)

  • [ursprünglich geschrieben am 11.12.2015]


    Zusammen


    Allein saß sie in einem Raum,
    alles still, alles so leer.
    Sie wusste nicht wohin mit sich.
    Dass sie ratlos war,
    gab ihr einen Stich.
    Sie hätt' gern gesprochen über ihre Sorgen,
    doch sie konnte nicht.
    Und es ward morgen.
    Verlassen, einsam, allein,
    so würde sie gewiss ewig sein.

    Er lief, suchte Lösung für seine Probleme.
    Niemand da, mit dem er konnte reden.
    Sprach- und hilflos war er,
    sorgenfrei leider nicht.

    Ein Blick in den Himmel,
    und ihr Herz wurd' frei.
    Sie wusst' nun, was war zu tun.
    Gleich machte sie sich auf,
    um loszugeh'n,
    ihn wiederzusehen.

    Sie hatten einander gefunden,
    ihre Herzen vereint.
    Alleine so schwach, so stark gemeinsam,
    niemals mehr einsam.

  • Ich habe gerade sowieso nicht viel zu tun, also wollte ich kurz mal dein letztes Gedicht kommentieren.


    Also, rein inhaltlich geht es offenbar darum, dass zwei Personen wieder zueinanderfinden, die sich wohl irgendwann aus den Augen verloren haben - man kann jetzt natürlich nur spekulieren, wie genau das vonstatten gegangen ist, aber das dürfte insgesamt auch nicht so wichtig sein. Ich nehme mal an, dass es auch eher um eine Beziehung romantischer Natur geht als um eine Freundschaft (wegen "ihre Herzen vereint", was ja eher Ersteres impliziert).

    Ich finde es dabei gut, wie du zunächst die beiden Personen jeweils in ihrer Aufmerksamkeit aufbaust. Die Sprache ist hier sehr stark, wenn es direkt mit dem Alleinsein im ersten Vers anfängt und dieses im zweiten Vers noch einmal durch "alles still, alles so leer" präzisiert wird; die Leere könnte man an der Stelle eigentlich auch nicht als eine äußere Leere des Raumes deuten, sondern insbesondere auch als eine innere Leere der Person selbst. Der vorletzte Vers der ersten Strophe unterstreicht das dann noch einmal besonders durch "Verlassen, einsam, allein" - die drei Synonyme sorgen hier für eine starke Betonung.

    Die Darstellung des Er ist dann ein wenig kürzer, aber ich erkenne hier als Bezug zur ersten Strophe die "Probleme" als Parallele zu den "Sorgen", woran sich auch jeweils anschließt, dass die jeweilige Person niemanden zum Reden hat. Auffällig ist dabei auch vielleicht, dass beide Personen mit ihrer Einsamkeit unterschiedlich umgehen - sie "sitzt", er "läuft". Wobei das vielleicht aber auch dem Umstand geschuldet sein könnte, dass er bereits auf der Suche nach ihr ist, das wäre grundsätzlich auch möglich - vielleicht ist sie in der dritten Strophe auch schon unterwegs, weil da im ersten Vers ihr Blick in den Himmel geht und das bietet sich vielleicht eher draußen an (aber es gibt in Räumen ja auch Fenster, also vielleicht sitzt sie noch drinnen und guckt einfach hinaus), Am Ende jedenfalls steht die Vereinigung und hier finde ich insbesondere das Spiel mit "einsam" und "gemeinsam" sehr eindrucksvoll, weil beide Wörter so unterschiedlich ja nicht sind, aber eher entgegengesetzte Bedeutungen haben.

    Was den Lesefluss angeht, bin ich ehrlich gesagt dreimal ein bisschen gestolpert. Das erste Mal ist beim Vers "gab ihr einen Stich" - ich glaube, das liegt im Wesentlichen hier aber nur daran, dass ich das nur als Redewendung "einen Stich versetzen" kenne und es daher ungewohnt zu lesen war (will jetzt aber nicht vorschlagen, dass das ausgetauscht werden sollte, zumal es dann auch einen Bruch in der Verslänge im Vergleich zum vorherigen Vers bedeuten würde).

    Die anderen zwei Male sind die Verse "Niemand da, mit dem er konnte reden" und "Sie wusst' nun, was war zu tun" - ich glaube, hier liegt das einfach ein wenig an der eher ungewöhnlichen Wortstellung, beim zweiten kommt vielleicht noch hinzu, dass es ein Binnenreim mit alternierender Länge der beiden Binnenverse ist. Ich wüsste da jetzt aber jeweils auch nicht, ob bzw. wie man das signifikant verbessern könnte,, zumal Änderungen beim zweiten Beispiel auch schnell den Binnenreim ruinieren würden.

    Insgesamt finde ich das Gedicht jedenfalls aber sehr eindrucksvoll, weil wie gesagt der Zustand der jeweiligen Einsamkeit der beiden Personen sehr eindrucksvoll dargestellt wird. Außerdem mag ich den positiven Dreh am Ende.


    Das war's dann kurz von mir - ich hoffe, es ist zumindest irgendwie hilfreich, auch wenn ich jetzt nicht wirklich viel Konstruktives beitragen konnte. Ansonsten weiterhin frohes Schreiben!