Die Sonnenkreisuntersuchung - Rachel (1/2) 
Der Nachmittag im Anschluss an die Pokémon-Pflege verlief für Rachel tatsächlich auf eine ruhige Art und Weise. Obwohl sie sich für nach der Dusche sehr viel vorgenommen hatte, blieb sie die meiste Zeit auf dem Zimmer und sah sich im Bett liegend endlich eine Serie an, die ihr vor kurzer Zeit von einem Freund empfohlen wurde. Geschichten mit Magie fand sie schon immer sehr anziehend und dementsprechend fiel es Rachel nicht schwer, mit den Charakteren zu sympathisieren und die Handlung zu mögen. Insbesondere faszinierte es sie, wie anders Eulen-Pokémon dargestellt wurden. Die Fantasie der Menschen kannte manchmal eben keine Grenzen!
Obwohl ihr Team an diesem Tag nicht zum Einsatz gekommen war, hatte die junge Frau beschlossen, sie alle aus ihren Bällen zu lassen. Cammy und Pandora waren das ohnehin gewöhnt und auch während des einwöchigen Urlaubs hatten beide ausreichend Zeit, sich zu vergnügen. Lediglich zu Forgita fehlte Rachel nach wie vor der Draht, mit ihr reden zu wollen. Reden zu können. Viel zu oft hatte sie schon versucht, ihr näherzukommen und sie verstehen zu lernen, nur um dann wieder daran erinnert zu werden, was einmal sein könnte. Dabei hatte sich insbesondere Pandora mit ihrer freudigen, offenen Art bereits ausgiebig mit dem Neuzugang beschäftigt und in ihre Mitte aufgenommen. Bei Cammy war mehr Überzeugungsarbeit notwendig gewesen, jedoch konnte selbst er sich mit Forgitas spontanen Launen arrangieren.
Gegen Abend, als Rachel Essen für sich und die Pokémon arrangiert hatte, beschloss sie, es erneut zu versuchen. Es konnte nicht sein, dass sie zu Beginn noch über den Fang zufrieden war, nur um jetzt in einer Sackgasse zu landen. Und seitdem waren eben schon einige Tage vergangen. Die junge Frau beschloss, dass einige Zeit nach dem Essen wohl die richtige Zeit dafür war. Sie setzte sich mit überkreuzten Beinen in die Mitte des Bettes und atmete einmal tief durch.
„Forgita?“
Während Cammy mit vorgehaltener Hand gähnte und Pandora eine Runde um sich selbst drehte, wurde Forgita auf Rachels Frage aufmerksam. Sie hatte seit dem Ausbruch aus ihrem Ei die Zeit in Ponis Wildnis verbracht und in der kurzen Zeit innerhalb der Foundation noch nicht alles verstanden, was die Welt der Menschen anbelangte. Insbesondere, dass sie regelmäßig von Rachel davon abgehalten wurde, etwas aus Metall zu basteln, wollte ihr nicht eingehen. Dennoch hatte Forgita gelernt, auf ihre Trainerin zu hören, wenn sie etwas von ihr wollte. So lief sie, mit dem Hammer in einer Hand, auf das Bett zu und kletterte etwas unbeholfen hoch. Anschließend nahm Forgita Platz und blickte Rachel in die Augen.
„Also“, begann die junge Frau nun und haderte mit den Worten. Wo sollte sie nur beginnen? „Ich war bisher nicht fair zu dir, das weiß ich. Ich … denke viel zu sehr an die Zukunft als an das Jetzt und das ist dir gegenüber einfach nicht fair. Also … ich wollte dir nicht das Gefühl geben, dass du mir nicht wichtig wärst. Als wir uns letzte Woche auf Poni getroffen haben, war ich in dem Moment so ausgelassen, wie man nur sein konnte.“ Just in diesem Moment fiel Rachel ein, wie sie weiter ansetzen konnte. „Mir hat es immer Spaß gemacht, mich um Pokémon zu kümmern. Sie kennenzulernen. Freundschaft zu schließen. Also, ich möchte, dass du dich wohl fühlst. Nur habe ich das einfach nicht geschafft. Ab jetzt will ich das aber ändern. Verstehst du?“
Obwohl Forgita aufmerksam zugehört hatte, legte sie nur den Kopf schief und öffnete fragend den Mund. Rachels Herz zog sich etwas zusammen und sie presste die Lippen aufeinander. Natürlich. Wenn sie nur Phrasen drosch, würde davon niemand glücklich werden. Wer wusste schon, ob Forgita nicht sogar noch zu jung war, um ihre Sorgen zu verstehen? In jedem Fall legte Rachel ihre nach oben hin offene Hand auf das Bett, direkt neben ihre neue Partnerin. Diese blickte lange auf die dargereichte Geste, schließlich in Rachels Gesicht und wieder zurück, bevor Forgita selbst mit der freien Hand einige Finger fest umschloss. Der Guardian wurde schnell bewusst, dass ihr Pokémon einen starken Griff hatte und sich das womöglich mit jeder Entwicklung noch weiter ändern würde. Schließlich war das aber eine Aufgabe an sie und ihre Fähigkeiten, dass sie miteinander umgehen lernten. Für den Moment wollte Rachel es einfach dabei belassen.
Pandora machte den Anschein, bald schlafen gehen zu wollen und gähnte nun ebenfalls herzhaft. Allerdings wurde sie von Cammy auf den gemeinsamen Moment ihrer Trainerin mit Forgita hingewiesen. Es war einer dieser seltenen Augenblicke, in denen er keine gleichgültige Miene aufgesetzt hatte, sondern ein Lächeln sein Gesicht zierte. Als Pandora das erkannte, keckerte sie leise.
OT: Teil 1 eines längeren Beitrags, den ich schon zu lange vor mir herschiebe. Zumindest weiß ich jetzt, in welche Richtung ich gehen möchte. Teil 2 kommt dann voraussichtlich in den nächsten Tagen und schließt zum Beginn der Mission auf.