Alles anzeigenAber wir verkaufen ja nicht nur unsere Lebenszeit sondern auch unsere Fähigkeiten, physical und mental load. Und manche Aufgaben sind halt wichtiger und kritischer als andere und Angebot und Nachfrage nicht überall identisch. Wenn Lebenszeit der einzige Faktor ist, werden die Leute den Weg des geringsten Widerstands nehmen und die Sachen, die kritisch aber schwierig sind, bleiben liegen.
Sorry, aber jetzt widersprichst du dir selbst hart. Du hast doch gestern oder vorgestern noch gesagt, dass Menschen mit bedingungslosem Grundeinkommen nicht plötzlich aufhören würden zu arbeiten. Jetzt sagst du aber, dass nur noch simple Arbeiten gemacht werden, wenn man nicht mehr Geld für "schwierigere" bekommt. Während du also bei der Argumentation für Grundeinkommen an eine innere Moral der Menschen sich nützlich zu machen glaubst, sprichst du diese den Menschen ab, sobald für dich ein Nachteil entstehen würde.
Wenn Menschen mit einem bedingungslosem Grundeinkommen, welches auch wirklich die Grundbefürfnisse deckt, nicht aufhören produktives Mitglied der Gesellschaft zu sein, wieso sollten sie es dann tun, wenn sie nicht besser bezahlt werden als "niedere" Berufe?
Und doch, die Menschen geben Lebenszeit im Austausch für Einkommen. So funktioniert unsere Gesellschaft. Zumal wir ja direkt das nächste Problem haben... das ebenfalls große Ungleichgewicht zwischen mentaler und physischer Arbeit. Gehen wir mal vom Verschleiß aus, müsste ein Bauarbeiter wesentlich mehr verdienen als ein ITler, denn er ruiniert buchstäblich seine Gesundheit für die Gesellschaft. Das tust du nicht.
Was ich dir eigentlich versuche zu sagen: Du guckst von relativ weit oben nach unten und denkst, du wärst mehr wert, aber eben auch nach oben und denkst die sind weniger wert. Damit ist der Unterschied zwischen dir und denen ganz oben aber vor allem... dass die eben keinen haben, zu dem die neidisch hochgucken können. Finde daher deine Position in sich sehr eigennützig. Was verständlich ist, dir aber auch bewusst sein sollte. Du steckst extrem tief in dem aktuellen Leistungsprinzipsystem verankert, Christian Lindner würde vor Rührung vermutlich weinen.
Sicher, dass ITler nicht ihre Gesundheit ruinieren? Das ist zwar anekdotisch, vielleicht gibt es Statistiken dazu, ich weiß es nicht, aber meine Therapeutin, die in auch in einer Burnout-Klinik arbeitet, meint, dass die Berufsgruppe, die am häufigsten dort vertreten ist, medizinische Berufe und ITler sind.
Es ist nicht nur die IT und das ständige Bildschirmlicht, inklusive mangelnder Bewegung, selbst, sondern das Arbeitsumfeld. Dieser Leistungsdruck, der in manchen IT-Branchen vorherrscht, mitsamt der ständigen Erreichbarkeit. Bin froh, dass ich den Weg als Programmierer nicht weitergegangen bin und quasi nur "kleinere Tätigkeiten" übernehme.
Manche ITler, von denen ich gelesen habe, haben sich ins Handwerk umgelernt und sind glücklicher damit.
Und jeder Arzt wird dir sagen, dass du nicht acht Stunden am Tag sitzen solltest, selbst wenn du drei Hampelmänner "für die Gesundheit" machst, und dennoch wird es von Menschen im Büro und der IT Vollzeit verlangt.
Ich weiß nicht, ob es dem ITler körperlich besser ergeht als dem Bauarbeiter, wobei man das auch bezweifeln kann. Ich würde ja Patt sagen. Psychisch bezweifle ich das.
Hören wir einfach auf, die Unter- und Mittelschicht gegeneinander auszuspielen. Es heißt der Ärmste ist den Armen noch neidig, ... und anscheinend glauben Arme, dass die Mittelschicht wie Smaug auf Gold sitzt und keinen Finger krummt macht.
Mittlerweile ist das Aufhetzen gegeneinander schon so eskaliert, die Leute empfinden bereits Teilzeitarbeitende als faul, nicht nur mehr Arbeitslose. Jeder schaut den anderen auf die Finger, ob man ja genug macht, ob der andere "zu viel" verdient (und dann ist es höchstens ein, zwei Tausender als man selbst, das sind keine Millionäre) etc...
Es sollten jene Berufe, die nun unterbezahlt sind, sehr viel besser bezahlt werden, keine Frage, aber dazu darf man sich nicht gegenseitig alles zu neidig sein.