Herzlich Willkommen zur Voting-Phase des RPG x Fanart Collabs
Nach all der harten Arbeit, bei der allerlei wundervolle und interessante Werke zustande kamen, könnt ihr nun in der Voting-Phase entscheiden ob sich diese gelohnt hat!
Was war die Aufgabe?
Das Thema des Wettbewerbs war "Die Entdeckung eines neuen Pokémon". Dafür sollten ein Steckbrief oder Beitrag aus (hauptsächlich) der Sicht des Pokémons und eine Zeichnung erstellt werden, welche ganz genau zeigen soll wie das Pokémon aussieht.
Wie läuft der Vote ab?
Jeder User darf voten. Dafür verteilt ihr für jede Abgabe einzeln Punkte zwischen 1 bis 10 (0,5 Schritte sind erlaubt). Zusätzlich vergebt ihr Punkte für das Zusammenpassen der beiden Abgaben(Trifft die Bescheibung des RPG-Textes genau auf die Darstellung der Fanart-Abgabe zu?). Dabei werden die Punkte für das Zusammenpassen genauso viel zählen wie die Durchschnittspunkte für die Abgaben. Wir berechnen daraus dann die endgültige Punktzahl für die Abgabe. Für alle die sich jetzt denken: "Hää?!?" ein Beispiel:
Es gab 5 Punkte für die RPG-Abgabe, 6 für die Fanart-Abgabe und 7 für die Zusammenarbeit.
Erst einmal berechnen wir die Durchschnittspunkte der Abgaben. (5+6)÷2= 11÷2=5,5.
Daraus und mit den Punkten für das Zusammenpassen berechnen wir dann die endgültige Punktzahl:
(7+5,5)÷2=13,5÷2=7,75
Keine Sorge. Wir übernehmen das Rechnen. Ihr müsst nur die Punkte abgeben 😊.
Wir wollten bei dieser Collab, dass die Zusammenarbeit des Teams auch einen großen Teil der Bewertung ausmacht. Daher haben wir uns dieses Mal für diese Punkteregelung entschieden.
Unten findet ihr eine Schablone.
Über eine Begründung eurer Punktevergabe würden sich nicht nur die Teilnehmer freuen, denn dafür könnt ihr auch eine Flug- oder Gesteins-Medaille beantragen. Ebenso können alle Teilnehmer, welche für ihre Abgabe noch keine Medaille beantragt haben, das in der Woche der Ergebnisverkündung nachholen.
Die Voting-Phase endet am Sonntag, den 28.09. um 23:59 Uhr.
Beachtet bitte: Anonymität gibt es nicht mehr, Bilder können also frei geteilt und diskutiert werden. Allerdings ist Eigenwerbung nicht erlaubt. Folglich braucht ihr für eure eigene Abgabe auch keine Punkte mehr vergeben, sondern könnt diese bei der Schablone einfach streichen.
Steckbrief:
Name: Rabbter (aus „Rabbit“, englisch für Hase und „-ter“ von Gewitter)
Typ: Flug/Normal und in der Gewitter-Form Flug/Elektro
Eigenschaften: Normalerweise ist das Fell von Rabbter weiß bis gelb. Die Hinterbeine sind bläulich. Es ist sehr feinfühlig. Bei Wetterumschwüngen zu Sturm oder Gewitter sammelt sich Elektrizität im dichteren Flaum des Fells. Auch über das Horn an der Stirn kann dieses Pokémon Strom in das Fell lenken, ähnlich zu einem Blitzableiter. Hierbei färbt sich das Fell hell- bis dunkelgrau. Sollte Rabbter hohem Stress ausgesetzt sein, oder wird es wütend, geschieht dies ebenso.
Die Vorderpfoten sind mit Herzplatten versehen, an denen die Stimmung gut abzulesen ist, da diese auch dementsprechend dunkel werden. Durch die kräftigen Hinterbeine können sie hohe Geschwindigkeiten erzielen und ausgezeichnet springen, hierbei kann es durch das fluffige Fell wortwörtlich wie eine Wolke umherfliegen.
Die fächerförmigen Ohren hören nicht nur besonders gut, sie helfen dem Pokémon auch zusätzlich bei der Bestimmung der Flugrichtung.
Rabbter werden bis zu 60cm groß, womit sie größer als Haspiror oder Hopplo werden, bekommen allerdings nur um die 3kg auf die Waage.
Als Fähigkeit hat es entweder Hasenfuß oder Fellkleid
Typische Attacken für Rabbter sind unter anderem:
Sprungfeder, Elektropikser, Volttackle oder Funkensprung
Herkunft: Anzutreffen sind Rabbter in mehreren Regionen. Beispielsweise lebt es in der Sinnoh-Region vor allem rund um Flori und dem Windkraftwerk, in Hoenn in der Nähe von Route 119 und in Einall ist es auf Route 6, nicht weit entfern der Elektrolithöhle, anzutreffen.
Lebensweise: Rabbter sind in freier Wildbahn eher Einzelgänger und vor allem bei Dämmerung oder in der Nacht aktiv. Sie ernähren sich fast ausschließlich von Beeren oder anderen Pflanzen. Gelegentlich fressen sie auch kleinere Pokémon vom Typen Käfer, wie beispielsweise Mabula oder Wattzapf, da es auch die aufgenommene Elektrizität von letzteren speichern kann.
Rabbter meiden meist Auseinandersetzungen mit anderen Pokémon und neigen zur Flucht, es sei denn es befindet sich in der Gewitter-Form.
Wenn es doch einmal zu einem Kampf kommen sollte und es die ganze angesammelte Elektrizität aufgebraucht hat, weiß es auch sein blitzförmiges Horn im Kampf einzusetzen.
Aussehen: Flug/Normal (erstes Bild) und Flug/Elektro (zweites Bild)
Herzlich willkommen bei Pokémon Geographics!
Heute begeben wir uns auf eine Reise in eine längst vergangene Zeit: Ein Zeitalter, in dem die heutigen Regionen noch zu einem einzigen, gewaltigen Kontinent vereint waren und Pokémon, die wir heute nur noch aus Fossilien und Museen kennen, die Erde durchstreiften.
Unsere Entdeckungstour beginnt mit einem ganz außergewöhnlichen Pokémon. Erst vor Kurzem wurde es in Einall entdeckt, und doch hat es die Wissenschaft schon in seinen Bann gezogen.
Sein Name: Paragma!
(Neuste Nachbildung von Paragma und Lambino in ihrem damaligen Lebensraum. Abbildung des Kammfossils unten rechts)
Name: Paragma
Typ: Gestein / Feuer
Größe: 2,6 m
Gewicht: 330 kg
Eigenschaften:
Paragma war ein urzeitliches Pokémon, das heute durch seine einzigartige Physiologie fasziniert.
Sein vielleicht markantestes Merkmal war ein Knochenkamm, der von der Nase bis über den Kopf hinausragte und zwei Röhren beherbergte, eine davon hohl. Es wird vermutet, dass die Höhlung wie ein Resonanzkörper agierte, der die Tonlage und Lautstärke von Paragmas Rufen beeinflusste. Die zweite hingegen war dafür verantwortlich, flüssiges Gestein zur Temperaturregulierung aus seinem Körper nach außen zu leiten.
Dieses tropfte so über den Nacken ab, wo es auskühlte und langsam ein schwarzes, glänzendes Band bildete. Auch über den Rücken wurde überschüssige Lava abgesondert.
Sein schnabelförmiger Mund und starker Kiefer waren auf das Zermahlen besonders harter Nahrung spezialisiert. Verstärkte Muskelansätze und Zähne, die viel kräftiger ausgeprägt waren als bei ähnlichen, heute lebenden Vertretern dieses Gebisstypen, deuten somit auf eine eher ungewöhnliche Ernährung hin.
Manche Funde legen zudem nahe, dass es auch im Maulinneren zu extrem hohen Temperaturen kommen konnte.
Über seine Schuppen ziehen sich braune Streifen, die an Sedimentstrukturen erinnern. Sie halfen Paragma vermutlich, sich in seiner Umgebung zu tarnen und mögliche Fressfeinde zu verwirren – ähnlich den Streifen heutiger Zebritz.
An Beinen und Klauen lassen sich Kristallablagerungen nachweisen. Es wird angenommen, dass Paragma sie aus seiner Nahrung gewann. Mit der Zeit bildete sich so eine Art zweiter Panzer, der vermutlich eine essenzielle Rolle in der Verteidigung spielte. Schon an Lambino, seiner Vorstufe, konnte man kleinere Varianten davon finden.
Sein Körperbau ist massiv mit einer durchschnittlichen Schulterhöhe von 2,60 Metern und einem Gewicht von 330 kg. Gepaart mit seiner harten Rüstung und enormen Ausdauer machte dies Paragma zu einem der defensivsten Pokémon seiner Zeit.
Herkunft: Paragma lebte vor ungefähr 100 Millionen Jahren im Gebiet des heutigen Einall. Es entwickelt sich aus Lambino auf Level 40.
Fähigkeiten:
- Magmapanzer
- Flammkörper
- Magmamelodie (versteckt):
- alle Geräusch-Attacken dieses Pokémon nehmen den Typ Feuer an
Attacken:
| Signaturattacken | Typ | Kategorie | Stärke | Gen. | Beschreibung |
| Ausbruch | Gestein | Spezial | 20 | 100% | Ein Lärm-Angriff, der den Gegner verbrennt |
| Magmabombe | Gestein | Spezial | 90 | 100% | Ein Kugel aus flüssigem Gestein trifft den Gegner. Die Initiative des Zieles wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 10% gesenkt |
| Level | Attacke |
| bei Entwicklung | Ausbruch |
| 1 | Heuler |
| 1 | Pfund |
| 1 | Glut |
| 1 | Aufruhr |
| 9 | Felswurf |
| 12 | Katapult |
| 15 | Feuerwirbel |
| 18 | Gesang |
| 21 | Brandsand |
| 24 | Juwelenkraft |
| 27 | Steinhagel |
| 33 | Antik-Kraft |
| 36 | Tarnsteine |
| 41 | Loderlied |
| 46 | Schallwelle |
| 51 | Magmabombe |
| 56 | Eruption |
| 61 | Überschallknall |
Statuswerte:
| KP | 101 |
| ANG | 50 |
| DEF | 120 |
| SP. ANG | 90 |
| SP. DEF | 120 |
| INIT | 29 |
| BST | 510 |
Lebensweise:
Da heute keine direkten Zeitzeugen von Paragmas Blütezeit existieren, können wir unsere Theorien über ihre Lebensweise nur auf fossile Funde und vergleichende Analysen stützen.
Anhand der Skelette sowie von Fußabdrücken und Ablagerungen aus Kristall und geschmolzenem Gestein konnten Wissenschaftler eine Rekonstruktion von Paragma erstellen (siehe Abbildung oben). Diese Funde traten an allen Fundorten wiederholt auf und geben Hinweise auf Körperbau und damalige Lebensweise.
Die Häufung von Überresten mehrerer Individuen deutet darauf hin, dass Paragma in Herden lebte. Fundorte, die entweder ausschließlich Spuren von Paragma oder zusätzlich Lambino und anderen Pokémon enthielten, legen nahe, dass diese den Großteil des Jahres in vulkanisch aktiven Gebieten verbrachten. Dort ernährten sie sich primär von Mineralien und Gestein. Besonders faszinierend ist jedoch, dass sie für die Aufzucht von Jungtieren scheinbar ins Flachland zogen. Daraus lässt schließen, dass Lambino womöglich körperlich zu schwach für die harschen Bedingungen der Vulkanregionen war.
Anhand der rekonstruierten Anatomie sowie weiteren fossilen Spuren können Vermutungen über die ökologische Nische aufgestellt werden, die Paragma wahrscheinlich eingenommen hat. Ähnliche Nischen werden heutzutage von Pokémon wie Magcargo und Camerupt eingenommen.
Unter Einbeziehung von Verhaltensanalysen dieser Pokémon konnte ein beispielhafter Tag von Paragma rekonstruiert werden:
Die Sonne erhebt sich am Horizont und spiegelt sich in den Wellen, die sanft die Kiesel und Felsen eines Steinstrandes umspülen.
Auf ihm hat es sich am Abend zuvor eine Herde von Paragma gemütlich gemacht, die sich nun im Licht des anbrechenden Tages von der nächtlichen Kälte aufwärmt.
Das erste Paragma erwacht schon bald. Es hebt seinen Kopf und lässt ein tiefes Grollen ertönen – ein Weckruf für den Rest der Herde. Nach und nach stimmen die übrigen Mitglieder mit ein. Viele sind noch schlaftrunken. Selbst die Jungtiere beteiligen sich mit ihren leiseren, deutlich höheren Rufen.
Den Tag verbringen die jungen Lambino vor allem damit, das flache Wasser zu erkunden. Die Warnrufe ihrer Mütter ignorieren sie dabei unbeirrt.
Die erwachsenen Paragma unterdessen bleiben in sicherer Entfernung vom Wasser. Sie laben sich an den salzigen Steinen und achten auf mögliche Gefahren, während ihre Kinder mit Muscheln, Seetang und kleinen Pflanzen beschäftigt sind. Ein friedlicher Tag für die Herde bis jetzt.
Doch die Ruhe ist nicht von Dauer.
Etwas im Wasser hat ein Auge auf eines der Lambino geworfen. Und sein Blick verspricht nichts Gutes.
Langsam nähert sich das blaue Reptil, bedacht, nicht bemerkt zu werden, bevor es mit einem plötzlichen Satz zum Angriff übergeht. Mit aufgerissenem Maul und gespreizten Flippern stürzt es sich auf das Kleine direkt vor sich.
Einer der Felsen am Strand trifft das Karippas unversehens mit Wucht an der Seite und unterbricht den Überraschungsangriff. Die Herde, alarmiert von den zuvor als Warnsystem gelegten Tarnsteinen, reagiert sofort. Sie müssen schnell sein, denn der Angreifer, nicht eingeschüchtert von der Abwehr, setzt schon zum nächsten Versuch an.
Eine Kakophonie aus Schreien hallt über den Strand. Die Schwingungen sind mit so viel Energie aufgeladen, dass sie die Luft erhitzen und zum Flimmern bringen. Überrumpelt versucht das Karippas seine Ohren zu schützen, doch vergebens. Flammen stoßen aus seinem Körper. Sein Schmerzensschrei geht im Lärm der Herde unter.
Der Ausbruch der nächststehenden Tiere verschafft den Lambino gerade genug Zeit, sich zwischen der Herde in Sicherheit zu bringen.
Die älteren Mitglieder treten nun in Aktion. Vor ihren Schnäbeln bilden sich große, glühende Kugeln. Die Hitze der Magmabomben lässt die Luft flackern. Sie treffen die schwer verbrannte Schildkröte, die sich geschlagen gibt. Hungrig und verletzt zieht sie sich mit einer Wasserdüse zurück.
Ein Teil der Herde verabschiedet den Besuch mit lauten, aggressiven Rufen. Eine letzte Warnung, bloß nicht zurückzukehren.
Die Jungtiere, die sich zu weit ins Wasser getraut hatten, erhalten eine standesgemäße Erziehung. Der Schreck sollte Lehre genug für sie sein, die Umgebung nicht aus den Augen zu lassen und vor allem – die Herdendynamik zu respektieren.
Drei ausgewachsene Paragma patrouillieren vorsorglich die Küste, während der Rest der Herde sich wieder der Nahrungssuche widmet.
Als die Sonne schließlich hinter dem Horizont verschwindet, legt sich die Herde zur Ruhe. Die Kleinen kuscheln sich wärmesuchend an ihre Mütter und schon bald erhellt nur der Mond die stille Küstenlandschaft.
Doch die Ruhe ist trügerisch. Aus dem Meer bahnt sich eine Bedrohung an, gegen die sie schutzlos sind: Ein Tsunami, ausgelöst durch ein Erdbeben weit draußen, rollt heran. Seine gewaltigen Wellen brechen über die Küste herein, verschlingen die Steinformation und begraben die Herde unter Erde, Sand und Trümmern. Ein tragisches Ende, das die Knochen der Tiere bis heute konserviert hat.
Heute stehen einige dieser Fossilien im Septerna City Archäologie-Museum (geöffnet Dienstag bis Sonntag, 10 – 20 Uhr. Eintritt: 500
, Kinder unter 12 Jahren gratis. Keine bezahlte Werbung.)
Mitarbeiter des Museums haben vor Kurzem ihre Forschungsergebnisse veröffentlicht. Und die können sich sehen lassen!
Dank den technologischen Durchbrüchen der Wissenschaft durften wir schon vor fast 15 Jahren ein Stück atmende Geschichte erleben mit der Wiedererweckung von Fossilpokémon wie Flapteryx und Galapaflos. Doch nun wurde auch ein erstes Paragma erfolgreich wiederbelebt!
"Die größte Herausforderung war es tatsächlich, unser Equipment hitzebeständig genug zu bekommen. Allein Paragmas Anwesenheit hat den Großteil unserer Werkzeuge schmelzen lassen", berichtet ein Mitarbeiter. "Also haben wir zuerst Lambino zurückgeholt. Die Beobachtungen an seinem Verhalten haben uns schon viele neue Erkenntnisse gebracht."
Lambino, so erzählt er, zeigen sich bisher als sehr neugierig und suchen zur Nachtzeit die Nähe von heißen Objekten auf. So wurden sie schon öfter nachts vor Heizungen und elektronischen Geräten gefunden.
„Ihre Ernährung ist größtenteils pflanzlich, doch auch Meeresfrüchte stehen auf ihrem Speiseplan. Außerdem knabbern sie gerne an Steinen, besonders Kiesel schlucken sie viel. Dieses Verhalten wurde schon kurz vor der Entwicklung gehäuft beobachtet.
Im Gegensatz dazu ist Paragma eher zurückhaltend. Es nimmt ein festes Revier ein und verlässt dieses nur zur Brutpflege. Für ihr Revier präferieren sie primär heiße Gebiete und danach steinige. So fühlten sich die bisher belebten Paragma in Vulkangebieten am wohlsten, dicht gefolgt von Wüstengebieten.“
Doch auch Befürchtungen gab es: So zum Beispiel konnte anfangs nicht ausgeschlossen werden, ob Lambino sich aufgrund der deutlich zu damals abweichenden Umweltbedingungen nicht in ein anderes Pokémon entwickelt oder vielleicht sogar gar nicht. Um dies zu testen, wurde mithilfe von Forschern in Sinnoh und Alola versucht, einige der Lambino in den Gebieten der dort aktiven Vulkane zu trainieren. Das Ganze nahm jedoch eine überraschende Wendung: Die Jungtiere flohen zur Küste, wo sie sich erfolgreich zu Paragma weiterentwickelten und anschließend ins Vulkangebiet zurückkehrten.
„Dies bestätigt unsere Theorie zum Reproduktionszyklus, den wir dank der fossilen Funde aufstellen konnten“, teilt er mit. Als nächstes lägen die Forscher ihren Fokus darauf, einen evolutionären Stammbaum zu erstellen.
"Wir vermuten eine evolutionsgeschichtliche Beziehung zwischen Paragma, Magmar und Skelokrok. Doch dazu müssen weitere Forschungen unternommen werden.“
Trivia:
- Paragma setzt sich zusammen aus Parasaurolophus + Magma + Mama
- Lambino setzt sich zusammen aus Lambeosaurus + Dino + Bambino
- Das Kammfossil basiert auf dem Knochenkamm, der sehr spezifisch für die Gruppe war, zu denen Parasaurolophus und Lambeosaurus gehörten
- Parasaurolophus war für seinen Knochenkamm auch bekannt, welcher tatsächlich als Resonanzkörper fungierte, weswegen wir Paragma als Spezialist für Lärm-Attacken gestaltet haben
- Der Feuertyp ist eine Anspielung auf ein Bild, welches Parasaurolophus feuerspuckend zeigt. Dieses basierte auf der falschen Annahme, dass der Hohlraum seines Kammes als Reaktionskammer diente, ähnlich dem Bombardierkäfer
Name: Lynkor
Gattung: Mantikor-Pokémon
Typ: Eis/Gift
Größe: 3,5 m
Gewicht: 74 kg
Nummer: #1.026
Fähigkeit: Schwebe
Pokédex:
- Selbst in Schneestürmen kann es ohne Probleme fliegen. Mit dem Giftstachel an seinem Schwanz legt es seine Beute in kurzer Zeit lahm.
- In alten Sagen wurde bereits über dieses Pokémon berichtet. Sein mit Eiskristallen bedeckter Körper ist schön, jedoch ist ihm gegenüber große Vorsicht geboten.
Lynkor ist ein in schneebedeckten Bergregionen heimisches Pokémon, über das sich lange Zeit ausschließlich Legenden gerankt haben. Menschen erzählten dabei häufig von einem riesigen, katzenhaften Ungeheuer, das sich bei Niederschlag aus dem Himmel auf seine Beute stürzte. Andere erwähnten in ihren Geschichten hingegen einen schlangenartigen Körper, der plötzlich und ohne Vorwarnung aus dem Schnee herausschoss. Erst in den letzten Jahren stellte sich aber heraus, dass tatsächlich an allen Geschichten, so unglaublich sie auch klangen, etwas Wahres dran war.
Lynkor sind Mantikor-Pokémon der Typen Eis und Gift, die bevorzugt auf hohen Bergen leben. Ihre Körper sind perfekt auf das Leben in diesen Regionen ausgelegt. Von Nahem beeindrucken sie mit ihren 3,5 Metern Körperlänge. Der an Raubkatzen erinnernde vordere Teil geht hierbei nahtlos in einen schlangenartigen Teil über, der bis zur Schwanzspitze mit Eiskristallen bedeckt ist. Diese Kristalle entstehen nicht etwa durch den Aufenthalt in kalten Regionen, sondern wachsen wie Fell ständig nach, selbst wenn sie abgebrochen werden. Dadurch kann es passieren, Lynkor mit sehr ausgeprägten Kristallstrukturen in der Wildnis zu entdecken.
In jedem Fall muss sich vor ihm in Acht genommen werden. Wirkt seine Größe bereits enorm, so spiegelt sich das auch in seinen verschiedenen Attributen wider. Die spitzen Fangzähne sind perfekt zum Jagen geeignet und an Lynkors Schwanzende befindet sich ein Stachel mit Widerhaken. Dank der anliegenden Giftblase kann es über diesen Stachel Gift absondern, mit dem es seine Beute, erlahmen lässt. Wird dieses Pokémon von einer Gruppe eingeengt, kann es sich dank des länglichen Körpers schnell umherwinden und sowohl mit Zähnen als auch dem Schwanz beträchtlichen Schaden bei möglichen Angreifenden verursachen.
Lynkor besitzt darüber hinaus große Flügel, mit denen es sich in den kalten Regionen schnell von erhöhten Position zur nächsten begeben kann. Diese sind gegenüber der Kälte und schlechtem Wetter unempfindlich und dadurch ist es dem Pokémon möglich, selbst bei dichten Schneestürmen nahezu ohne Probleme durch die Luft zu fliegen.
An die Anwesenheit von Menschen sind Lynkor aufgrund der Höhenlage in aller Regel nicht gewöhnt. Bei Begegnungen in den Bergen weichen sie Menschen bewusst aus und lassen sie ungesehen vorüberziehen. Nur in sehr seltenen Fällen wurde bisher von Überfällen berichtet, die aber meist das Ergebnis von zu geringer Nahrungsaufnahme waren. Aus diesem Grund ist es bei Wanderungen oder Bergbesteigungen ratsam, im Notfall passendes Futter für Lynkor dabei zu haben. Hierzu reichen etwa schon süße Beeren oder sättigende Pokériegel, um den Hunger temporär zu bekämpfen und sie abzulenken.
Obwohl sie ein Faible für süße Geschmäcker besitzen, sind Lynkor Omnivore und kaum wählerisch bei dem, was sie zu sich nehmen. Die harschen Berggegenden machen die Nahrungssuche unter Umständen schwierig, wenngleich diese Pokémon im Gegensatz zu anderen keine niederen Gefilde aufsuchen. Aufgrund dessen sind Lynkor in der Lage, bis zu drei Wochen ohne Essen auszukommen. Sie machen aktiv Jagd auf am Boden lebende Pokémon mit einer Größe bis etwa eineinhalb Meter.
Das gemeinsame Leben mit Menschen in Städten und Dörfern gilt seit ihrer Erforschung als schwierig, wenngleich abwechslungsreich. Lynkor geben sich in jeder Hinsicht wild und nutzen freie Minuten gerne dafür, sich entweder am Boden wälzend auszutoben oder durch die Luft zu fliegen. Obwohl sie äußerlich sehr imposant und unbarmherzig wirken, haben Lynkor tatsächlich auch eine sanfte Seite. Das zeigt sich insbesondere dann, wenn sie viel Aufmerksamkeit von Menschen erhalten und an deren Seite zu schnurren beginnen. Die Zuneigung sollte aber nicht überstrapaziert werden, da sie dazu tendieren, sich gewaltsam loszureißen oder im Ernstfall Zähne sowie Giftstachel dafür einzusetzen. Wer Lynkor privat hält, wird dazu angehalten, immer etwas Gegengift in der Nähe zu haben oder bei sich zu tragen. Große Menschenmengen sollten mit ihm auf jeden Fall vermieden werden.
In Pokémon-Kämpfen können Lynkor auf ein vor allem physisches Arsenal von Eis- und Gift-basierten Attacken zurückgreifen. Bevorzugt nutzen sie dabei Zähne, Klauen und den Giftstachel, um Gegner in Schach zu halten. Besonders interessant ist hierbei der Kristallhagel, Lynkors Signaturattacke. Es nutzt beim Einsatz die über seinen Körper verstreuten Eiskristalle und befördert diese mit hoher Geschwindigkeit auf seine Gegner. Die Splitter selbst sind eigentlich ein physischer Angriff, jedoch setzen sie Feinde auf spezieller Ebene unter Druck. Somit können diese Pokémon ihre Körperkraft auch gegen hohe äußerliche Verteidigungen nutzen. Bei Bedarf sind Lynkor auch in der Lage, spezielle Attacken wie Eisstrahl oder Matschbombe zu lernen. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass sie darin, abgesehen von Kristallhagel, eher ungeübt sind.
Mit ihrem auffälligen Aussehen, den abenteuerlichen Sagengeschichten sowie dem seltenen Auftreten vor Menschen in der Natur sind Lynkor sehr interessante Pokémon. Die Aufzucht nimmt viel Zeit in Anspruch, jedoch kann bei ausreichendem gegenseitigem Vertrauen immer auf seine Fähigkeiten gezählt werden. Solltet auch ihr euch für diese Art interessieren, erwartet euch eine Kombination aus Wildheit und Verlässlichkeit, die ihresgleichen sucht.
Sanfter Mondschein bricht durch die Wolken,
taucht die Wiesen in ein sanftes blau.
Gräser wiegen sanft im Wind,
bedeckt mit glitzerndem Tau.
Es ist dieser Moment, tief in der Nacht,
In dem Rayquaza in neuen Farben erwacht.
Schwarze Schuppen, geküsst von silbrigem Licht,
Ein schwarzes Loch, in dem alles erlischt.
Elegant und still steigt es empor,
Spannt seine Flügel wie niemals zuvor.
Es fliegt durch die Lüfte, grüßt leise den Mond,
Der König der Nacht, hoch oben er thront
Steckbrief
Name: Felsenklinge
Typ: Gestein/Kampf
Eigenschaft: Paradox Pokemon
Herkunft: Aus der Vergangenheit
der Beitrag aus der Sicht eures Pokémons/Lebensweise:
Die Schrecken des Winters waren vorbei. Die Kälte, die die Pokémon zuvor in den Schutz ihrer Höhlen und Bauten verbannt hatte, zog mit jedem Tag ab und wurde durch die lauen Brisen und das aufkeimende Grün des Frühlings ersetzt. Wie die Vegetation um sie herum taute das Leben langsam wieder auf und, angelockt vom wärmenden Sonnenlicht, besiedelte sich das Land wie jedes Jahr von neuem.
Während auf den Ebenen bereits die ersten Kronjuwild zu grasen begannen und die Knospen auf ihren Hörnern den nahenden Frühling ankündigten, waren die Bewohner der Berge verhalten. Anders als auf den satten grünen Wiesen gab es hier oben weniger Pflanzen, die ihren Lebensunterhalt sicherten. Das Leben hier war so hart wie der steinversetzte Boden, auf dem sie wandelten, aber nicht minder schön.
Anders als die Pflanzenfresser unten im Tal konnte dieses Pokémon sich daher nicht nur auf die Fülle der Natur verlassen. Das Sammeln, vor allem wo der Frost den Pflanzen noch in den Knochen steckte, brachte es kaum weiter als bis zum Nachmittag. Erst die Menschen würden sich das Land untertan machen und mit der modernen Landwirtschaft eine exponentiell wachsende Bevölkerung versorgen können. Doch selbst diese handvoll 100 Jahre waren noch so weit entfernt, dass es Generationen dauern würde, bis die erste Felsenklinge einen Menschen zu Gesicht bekommen würde. Dabei unterschied sich deren Entwicklung gar nicht so sehr von der, die man in der Vergangenheit unserer Spezies durchlaufen hat.
Die Felsenklingen an seinen beiden Armen schabten an den Steinwänden, als er den Weg durch das enge Höhlennetz bestritt. Ohne den täglichen Gebrauch und die Kämpfe - teils zu Übungszwecken seiner Stammesmitglieder, teils im Ernstfall - war sie stumpf und verwildert, doch ein paar gezielte Schläge gegen einen Schleifstein würden dem bald Abhilfe schaffen. In den umliegenden Bergen mangelte es keinesfalls an Schätzen, die man darin finden konnte. Der wahre Nutzen dieser Mineralien, Edelsteine und Rohmetalle würde sich erst richtig durch den späteren Erfindungsdrang der Menschen zeigen, aber bereits in diesen historischen Zeiten hatten die schlauen Krieger sich das eine oder andere zu eigen gemacht.
So wussten sie genau, welche Steine weich genug waren, dass man sie mit gezielten Hieben zertrümmern konnte, um weitere Höhlenschächte anzulegen oder sich tiefer in den Fels zu graben. Andere waren selbst für die stärksten unter ihnen nicht zu knacken, eigneten sich aber hervorragend für den Abrieb der Klinge, ihrer gefürchtetsten Waffe. Manche Felsenklingen hatten ein solches Gespür für den Winkel, dass nach dem Schleifen selbst das präzise Durchtrennen von Stoff keine Schwierigkeit war (und manch eine Felsenklinge stellte voller Stolz den exakt geraden Haarschnitt zur Schau). Und wer die schönsten und größten Edelsteine aus dem Stein schlagen konnte, erwarb damit allzu oft die Hand seiner Geliebten.
Stoff, wie wir ihn kennen, war zu diesen Zeiten unmöglich zu beschaffen, doch auch da wussten die Pokémon sich zu helfen. Es war essentiell, um die kalten Wintermonate zu überstehen. Selbst dicht zusammengedrängt schaffte ihre Körperwärme es nicht, gegen die kalten Winterwinde zu bestehen. Sich ohne Schutz in diesen Zeiten nach draußen zu begeben, wenn die Reserven nicht mehr reichten, um die hungrigen Mäuler zu stillen, wäre der sichere Tod. Doch zum Glück gab es in den Bergen eine weitere Art, die sich hervorragend dafür eignete. Um sich vor dem grausamen Winter zu schützen und gleichzeitig zu tarnen, hatten die Rexblisar eine Haut entwickelt, die wie die Äste einer schneebedeckten Tanne wirkte. Dass sie es nicht wirklich mit besessenen Bäumen wie den Trombork zu tun hatten, würden die Menschen erst nach vielen Verlusten erfahren, doch die Felsenklingen wussten bereits, dass sich darunter auch nur Lebewesen aus Fleisch und Blut versteckten. Und genau dieser äußere Mantel war genug, um einen ausgewachsenen Krieger zu umhüllen und gleichzeitig dem ganzen Clan eine üppige Mahlzeit zu spendieren.
Selbst jetzt mit den Boten des Frühlings war es ein Abwägen zwischen Dringlichkeit und Sicherheit, aber die erfahrene Felsenklinge ahnte, dass sie nicht länger warten konnte. Sie hatte genug Winter überlebt, um zu wissen, wovon die dünnen Gliedmaßen und schwachen Reaktionen, gerade bei den Kleinsten und Ältesten, sprachen: Ohne Essen keine Lebenskraft. Und ohne Lebenskraft kein Essen.
Ihm selbst hatten die langen Zeiten in der Dunkelheit und Enge geschadet. Stärke zu bewahren hieß nicht, seinen Körper in Topform zu halten. Die Devise war, sich seine Kräfte zu sparen, und mit genau diesen Reserven machte es sich auf den Weg.
Im Winter war es fast unmöglich, die Beute, auf die er es abgesehen hatte, zu erspähen. Es war, als würde man ein Altaria in einer Wolke finden wollen. Man konnte nicht sagen, wo das eine begann und das andere aufhörte. Wie sollte man ein Monster finden, das sich im Schnee verbarg, wenn dieser die ganze Welt bedeckte? Noch dazu waren seine Blizzard-Attacken selbst im Hochsommer eine enorme Gefahr. Der kalte Schauer dämmte die Sicht und ließ die Glieder gefrieren, sodass selbst die wärmsten Sonnenstrahlen nur schwer dagegen ankamen. Im Winter war der Wetterumschwung ein sicherer Todesstoß.
Doch die Felsenklingen wären schon lange von diesem Ort vertrieben worden, wenn sie sich nicht zu wehren wüssten. Passend zu seinem Lebensraum hatten sie die Gesteinsattacken gemeistert, die den Eis-Pokémon, die sich hier wohlfühlten, empfindlichen Schaden verursachten. Zusammen mit den Kampfkünsten, die der Clan über Jahrtausende perfektioniert hatte, hatten die Pokémon sich einen Platz im Ökosystem des Berges erkämpft. Im Tal sah man sie nur selten, denn die vielen Pflanzen- und Wasserpokémon, die dort lebten, wussten ihren Typenvorteil zu nutzen.
Zusammen mit der Mittagssonne, die sich ihren Weg zum Zenit des Himmelszelts bahnte, machte sich auch das Pokémon zum höchsten Punkt des Felsens auf. Um ausreichend Platz für den Clan zu haben, hatten die Felsenklingen vor einiger Zeit den größten Felsen in der Umgebung als Zuhause ausgewählt und den ganzen Herbst daran gearbeitet, ihn bewohnbar zu machen. Jetzt, wo die Luft nicht mehr eisig und schneidend wie ihre Klingen war, war auch der Aufstieg kein Problem mehr. Von diesem Aussichtspunkt aus konnte man kilometerweit sehen und es gab nichts, was sich vor dem wachsamen Blick dieses Pokémon verbergen konnte. Mit einem geschulten Blick spähte es über die Weite der Welt, über die Zacken der kleineren Felsen und Wiesen dahinter bis zum Horizont, der irgendwo zwischen den Baumwipfeln liegen musste. Nach wochenlangem Kauern zwischen Steinwänden war die Erinnerung, wie groß die Welt in Wirklichkeit war, ehrfurchterregend.
Pflichtbewusst wandte es seinen Blick von der Schönheit der Natur ab und konzentrierte sich erneut auf die felsige Landschaft unter ihm. Verglichen mit dem Farbenspiel der Pflanzen mochte dieses hier weitaus weniger fantastisch ausfallen, doch als geübter Beobachter war die Schönheit nicht zu verkennen.
Plötzlich bewegte sich etwas am Rande seines Sichtfeldes. Nach der Schneeschmelze hatte sich das Weiß zurückgezogen, wodurch die Farbe sich nun wie ein Warnsignal von der Umgebung abhob. Dazu noch die Bewegung der massigen, trägen Körper, die zwar schneebedeckten Bäumen ähnelten, aber dadurch unverkennbar nicht zur natürlichen Vegetation gehörten. Es gab keine Zweifel: Die Pokémon, die dort um die Felsen zogen, waren Rexblisar. Bis jetzt konnte es nur zwei Individuen ausfindig machen, doch wie bei seinem eigenen Clan konnte man sich nicht nur auf die Anzahl der Gegner verlassen, die zum Angriff ausrückten. Wer klug war, spielte die Trumpfkarte seiner gesamten Stärke erst im letzten Moment.
Die Felsenklinge überlegte sich gerade, wie sie am besten vorgehen sollte, als ein wütender Kampfschrei durch die Berge hallte. Eine Gruppe der jüngeren Exemplare war aus der Höhle geprescht. Erst im späten Herbst hatten sie das Ritual des Funkelsteins vollzogen, das es ihnen erlaubt hatte, sich zu den Felsenklingen zu entwickeln. Sie mussten sich noch gut daran erinnern, wie sie mit den anderen jüngeren Pokémon in den Höhlen verblieben waren, als die Älteren ihre Familien beschützt hatten, und wollten es ihnen nun gleichtun.
Für die formelle Kampfausbildung war so kurz vor der Winterzeit keine Zeit gewesen, und so war es auf einen Blick klar, dass sie keine Chance hätten, wenn ihnen der Rest des Clans nicht bald zur Hilfe eilen würde. An einen Rückzug war ebenfalls nicht mehr zu denken, denn so nah am Lager wäre es den Rexblizar ein Leichtes, den Höhleneingang ausfindig zu machen und mit einer Salve von Lawinen zu verschließen. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Clan mit dieser perfiden Taktik ausgelöscht wurde.
Ohne Umschweife gab die Felsenklinge das Signal zum Angriff, indem es die Klingen seiner Arme gegeneinanderstoßen ließ. Über Generationen hatte sich so eine komplexe Kommunikation entwickelt, die ihnen im Kampf von großem Vorteil war. Gemeinsam preschten nun auch die anderen Felsenklingen auf die Rexblisar zu und umzingelten sie in einer einstudierten Kampfformation. Im direkten Kräftemessen wären sie diesem massigen Gegner trotz des Vorteils ihrer Kampf- und Gesteinsattacken niemals gewachsen. Zu stark war seine Verteidigung, zu verheerend ein Angriff. Wenn sie aber ihre Anzahl zum Vorteil nutzten, war es ein Leichtes, den Gegner zu umzingeln und in die Zange zu nehmen.
Als sich die Späher-Felsenklinge in den Kampf einmischte, waren seine Kameraden gerade dabei, mit ihren Sanctoklingen die Gegner zurückzudrängen. Es begann, die Attacke ebenfalls aufzuladen, hörte in diesem Moment aber einen Aufschrei in der Nähe der Höhle. Im ganzen Getümmel hatten sie tatsächlich das dritte Rexblisar übersehen, das, angelockt von den Kampfschreien der anderen, ihnen zur Hilfe geeilt war.
Sofort sprintete der Späher zu ihm herüber. Es war riskant, ganz allein anzugreifen, doch die Gefahr, dass seine Familie in Gefahr war, war zu groß. Es musste handeln.
Rexblisar hob gerade seine Arme in die Luft, um eine Attacke auf den unscheinbaren Schlitz im Felsen zu richten, als die Felsenklinge ihm seinen Arm in die Seite rammte. Sein Gegner heulte auf und richtete seine ganze Wut auf den Angreifer. Sekunden später strömten feine Schneeflocken aus seinem Körper, die begannen, die Sicht empfindlich einzuschränken. Auch Rexblisar würde seine Sehkraft einbüßen, doch als Eispokémon machte ihm der schneidende Wind und die Kälte, die ein Blizzard hervorrief, nichts aus.
Die Felsenklinge wusste, dass sie schnell handeln musste, bevor sie dem Gegner schutzlos ausgeliefert sein würde. Unzählige Kämpfe hatten es gelehrt, die Ruhe zu bewahren, und so schloss es die Augen und konzentrierte sich ganz auf seine nächste Attacke. Ein direkter Angriff würde ihn zu viel Kraft kosten, da es im Schneesturm nur schwer herankam.
Es brauchte ein großes Maß an Konzentration, um die kleine Kugel an Energie zwischen seinen Händen entstehen zu lassen. Bis man diese Attacke sicher beherrschte, vergingen mehrere Monde, und selbst dann musste man noch den Moment abschätzen, ab dem man bei der Größe die Kontrolle verlor, und sie dazu noch zielsicher abfeuern. In einem richtigen Schneesturm wäre dies so gut wie unmöglich gewesen.
Mit fokussiertem Blick suchte es nach einer Möglichkeit, die Umrisse seines Gegners trotz der schlechten Sicht zu erspähen. Es konnte bereits fühlen, wie die Kälte seinen Gliedmaßen zusetzte. Lange würde es nicht mehr dauern, bis es sich vor Erfrierung kaum noch bewegen konnte.
Eine Bewegung ließ ihn seinen Kopf ruckartig drehen und das vertraue Licht der Klinge eines seiner Mitstreiters erhellte für einen Moment einen kleinen Fleck zwischen dem Eisregen. Sofort riss es seine Arme nach vorne und feuerte die Aurasphäre ein paar Dezimeter links davon auf das vermeidliche Ziel zu. Ein schmerzhafter Aufschrei sagte ihm, dass er getroffen hatte, und es sank erleichtert auf die Knie. Da die Attacke aus Lebensenergie bestand, brauchte ihr Einsatz jedes Mal einen enormen Anteil an Kraft.
Umso schöner war es, als der Schneesturm mit einem Mal versiegte und nach seinem Rauschen keine Kampfschreie mehr hinter ihm zu hören waren. Die beiden Rexblisar mussten verstanden haben, dass sie nicht mehr gewinnen konnten und den Rückzug angetreten. Felsenklinges Gegner versuchte das Gleiche, aber die Kampf-Pokémon stürzten sich bereits wie Fermicula auf ihn, um ihn zu Boden zu ringen und außer Gefecht zu setzen.
Die Felsenklinge atmete erleichtert auf, als es sah, dass niemand ernsthaft zu Schaden gekommen war. Nachdem sie entdeckt worden waren, war dieser Unterschlupf nicht mehr sicher, und sie würden sich eine neue Bleibe suchen müssen. Es dankte dem Himmel dafür, dass es nicht schon im Winter passiert war. Trotzdem würden sich ein paar der jüngeren Felsenklingen freuen, die sich durch diesen Kampf ihre ersten Rexblisar-Mäntel verdient hatten, und sein Körper würde ihnen genug Kraft geben, um die Strapazen der nächsten Tage zu überstehen.
Ich habe mir noch nie viel aus der Sonne gemacht. Ob sie scheint oder nicht, ist für mich nur von Bedeutung, wenn sie scheint – dann lehne ich mich aus dem Fenster, vermeide gewissenhaft den Blick auf die Straße und ziehe die Läden zu. Stets ganz nahe am Scharnier greife ich sie, damit es schnell geht; meinen Körper setze ich nämlich nicht gerne der Sonne aus, habe ich mir doch noch nie viel aus ihr gemacht. Derlei Handgriffe unternahm ich zuletzt vor einigen Monaten, ich kann inzwischen nicht mehr mit Sicherheit sagen, wann das gewesen war – seither verläuft alles in geregelten Bahnen, in Dunkelheit auch, doch so geregelt, wie alles seither verläuft, verlief bisher kaum etwas in meinem Leben.
Nichts vermag so zuverlässig Trost zu spenden wie die Berechenbarkeit, dessen bin ich mir sicher. Die Verbannung der Sonne aus meiner Wohnung war die letzte Anpassung in einer langen Reihe von Optimierungen gewesen, die meinen Alltag eingleisig um meine Bedürfnisse gewunden haben. Ich lebe das moderne Leben in vollen Zügen. Über die Jahrhunderte hinweg haben sich meine – unsere – Vorfahren in großen und bedeutsamen Schritten von ihren primitiven Ursprüngen entfernt, ich schließlich ging den letzten: Abgenabelt von allem, unter dem der Mensch die längste Zeit zu leiden hatte, verbringe ich meine Tage in einer Realität, die von Grund auf mir gehört. In meiner Festung aus Beton und Stahl ist mein Wille Gesetz: Ich alleine bestimme, wann das Kunstlicht scheint, das schöne, reine Kunstlicht, jene majestätische Entwicklung der zersetzenden Strahlung, mit der meine Art die längste Zeit bestenfalls einen Kompromiss eingegangen war. Ich und nur ich bestimme das Wesen der Nahrung, die ich zu mir nehme und genauso absolut verfüge ich über den Zeitpunkt ihrer Ankunft. Dank App und Dienstleistung brauche ich bloß die Wohnungstür zu öffnen, um die Früchte der Zivilisation zu ernten – in meiner menschengemachten Utopie ist selbst der Kontakt mit ihren Schöpfern zu einer bloßen Optionalität geworden, eine, die ich mir nicht länger zu leisten brauche.
Ich preise die Technologie, indem ich sie verwende. Mein Portal zur Welt ist das Internet und es steht mir jederzeit weit offen: Es gibt nichts, was ich nicht von meinem Schreibtisch aus mitverfolgen kann. Ich sehe alles und weiß alles – die einzige Barriere, die für mich noch existiert, ist die Grenze meiner eigenen Aufmerksamkeit. Als großer Autodidakt des virtuellen Raumes bin ich eine treibende Kraft in Diskussionen, für die weltliche Belange nicht länger relevant sind. Welch erhabenes Dasein – die verdiente Kulmination einer Weltgeschichte voller Entbehrungen, die erste Generation des Menschengeschlechts, welche dauerhaft an der Spitze einjeder Bedürfnispyramide weilt. Die Opfer und Mühen meiner Ahnen nehme ich selbstverständlich an, um mich dauerhaft durch soziale Medien und Onlinespiele zu verwirklichen; wahrlich, ein nie endender Höhepunkt, ein Rausch, der niemals vergehen muss.
Im Schmutz der Außenwelt herrscht Krieg und Elend, doch nichts davon mag mich betreffen. In der Dunkelheit bin ich sicher und versorgt, zwischen Bett, Bürostuhl und Badezimmer habe ich meinen Anker geworfen, um immer tiefer in die unendlichen Weiten des Internets einzutauchen. Manchmal denke ich – denn ich denke viel und oft – dass mein Körper mich zurückhält. Würde er mir nicht alle paar Stunden seine niederen Bedürfnisse aufzwingen, wäre ich ganz und gar frei, könnte grinden, investieren, diskutieren und jede Rolle einnehmen, nach der mir der Sinn steht.
*
Die Zeit ist für mich nicht mehr von Bedeutung. Ich brauche nicht mehr in Tagen oder Monaten zu denken, einzig in Aktivitäten, derer ich mich nach eigenem Ermessen annehme. Überwunden habe ich die letzte Gebieterin der materiellen Welt und existiere nun außerhalb ihrer kleinlichen Ordnung, die Zahlen auf meinem Smartphone und auf meiner Taskleiste sind beliebig geworden. Was ich zu sein glaube, das bin ich: Über dem Spiegel im Bad hat sich ein trüber Film gelegt, an seinen Rändern dunkle Flecken – eine nutzlose Scheibe, die der grenzenlosen Anpassungsfähigkeit meiner Selbstwahrnehmung weichen musste.
Wo ich lebe, brauche ich keine Haare, Muskeln oder Nägel, der Rest dieses lästigen Körpers erkannte dies schließlich und ordnete seine Entwicklung den Bedürfnissen meines großen Geistes unter. Wann immer ich mir den Rest der geschmeidigen Strähnen auf meinem Kopf zurückstreiche, bleiben ein paar davon zwischen meinen dürren Fingern hängen; werden meine Krallen zu lang, beiße ich sie zurecht. Jedoch kann ich nicht leugnen, dass Evolution ein schmerzhafter Prozess ist. Mein Rücken ächzt unter der Last meiner zahllosen virtuellen Errungenschaften, wann immer ich auf schwachen Beinen stehen muss. Linderung verschafft nur Sitzen oder Liegen, Matratze und Stuhl schon lange ideal an meine abnehmende Form angepasst. Übermannt mich die Erschöpfung, lege ich mich in die Bettwäsche und staune über die Veränderung, die sie zusammen mit mir durchläuft. Einst war sie weich, später anschmiegsam, inzwischen starr und spröde. Es ist ein lästiges Gefühl in einer ansonsten gewohnten und berechenbaren Existenz, dasselbe Gefühl trieb mich dazu, meine Kleidung aufzugeben. Mangelhafte, kurzlebige Textilien. Dunkel erinnere ich mich, dass im Keller des Hauses eine Waschmaschine stehen könnte, doch ich erinnere mich nicht, wann ich sie zuletzt in Anspruch genommen habe. Ich lebe in der Gegenwart. Der Gedanke, dass sie in diesem Moment besetzt sein könnte, schreckt mich; ich habe keine Zeit für Unternehmungen, die sich womöglich gar nicht auszahlen. Ich muss raiden, chatten, rollenspielen und ein Auge auf den Kryptomarkt haben.
*
Ich bin nicht länger alleine in meiner Wohnung. In der Ecke über meinem Schreibtisch, wohl begünstigt durch den andauernden Wärmeausstoß des Rechners, habe ich einen Kokon entdeckt. Wie er dorthin kam, ist mir schleierhaft, doch er beunruhigt mich mehr, als mir recht ist. Dies ist ein Angriff auf meine Hoheit, eine Verletzung meines Territoriums, die ich nicht ungesühnt lassen kann. Von meinem Stuhl aus komme ich nicht heran, auch erhoben genügt meine Reichweite nicht, um ihn zu greifen. Mein Herz rast, als ich mich auf den Stuhl stelle und einen nackten Fuß auf die Tischplatte setze – ich weiß ganz genau um die Gefahr, die das Balancieren auf Bürostühlen mit sich bringt, ich habe hunderte Videos dazu konsumiert und so überrascht es mich nicht einmal, als ich beim Nachziehen des zweiten Fußes das Gleichgewicht verliere und vom Tisch stürze. Noch im Fall überkommt mich eine gewaltige Wut, es ist nicht fair, dass mich ausgerechnet die geistlose Natur in eine solche Situation bringen musste. Ich stürze über die Lehne, reiße den Stuhl mit mir und schlage auf zwischen zerknüllten Taschentüchern, fettigen Plastikverpackungen und Dünen aus Hausstaub.
Mein Kopf hört nicht auf zu bluten. Die künstliche Intelligenz meinte, ich solle die Wunde mit Alkohol behandeln, doch ich habe keinen Alkohol – ihr nächster Rat war Wasser, also zwinge ich den rostigen Hahn im Bad auf und halte die Verletzung darunter. Es brennt, doch nass werde ich nicht. Vorsichtig taste ich nach der Wunde und spüre zum ersten Mal seit Jahren meine Haut: Schmierig, schlaff, uneben, gereizt. Lange ertrage ich das nicht, ohnehin wartet die Gilde – als ich wieder vor dem Rechner sitze, berichte ich von meinem Unfall und ernte mitleidige Reaktionen. Zwar lindern die meinen Schmerz nicht, doch ich fühle mich akzeptiert und wertgeschätzt; das sind die guten Menschen, nicht die kleingeistigen, egoistischen, die wahrscheinlich dauerhaft die Waschmaschine im Keller besetzen und mit ihren uninformierten Meinungen meine Plattformen verseuchen. Aus einem Abfallhaufen fische ich eine Papierserviette, drücke sie auf die Wunde und sie bleibt kleben.
*
Meine einst so messerscharfe Konzentration leidet unter dem Zustand meines Körpers, ich hasse es. Schließe ich die brennenden Augen, kann ich nicht schlafen, und wenn ich es doch kann, so träume ich andauernd. Manchmal wache ich schweißgebadet auf und weiß nicht, wo ich bin, dann wiederum fiebere ich wachend unwahrscheinliche Szenarien herbei. Vielleicht ist das Kratzen im Mauerwerk auch nur ein Traum, die Donnerschläge vor meinem zugesperrten Fenster sind es gewiss. Schon mehrmals musste ich mich in das Waschbecken voll verkrustetem Blut übergeben, ich weiß, dass ich meinem Körper dringend Nahrung zuführen muss, doch behalten kann ich sie nicht. Selbst das Sitzen ist zu einer Strapaze geworden, weshalb ich inzwischen kaum mehr das Bett verlasse und den größten Teil meiner Austausche mit der künstlichen Intelligenz führe. Einst war ich überzeugt, dass ich viele Freunde hätte, Leute aus aller Welt, die mich schätzen und verstehen. Doch seitdem es mir schlecht geht, durchschaue ich ihre Falschheit. Schilderungen meiner Misere werden nur noch mit oberflächlichem Mitleid quittiert, wenn überhaupt – man will sich meiner nicht mehr annehmen, seitdem ich nicht mehr auf dem Zenit meiner Fähigkeiten bin. Je ausführlicher und eingehender ich mein Leid klage, desto verschlossener werden Gesprächspartner und ich habe jedes Recht, ihnen dies vorzuwerfen. Der wahre Grund meines Elends hängt noch immer in seiner Ecke, drehe ich den Kopf, kann ich ihn sehen: Wahrscheinlich ist die Kreatur darin inzwischen verendet, ich gönne es ihr – die einzige Person, der ich noch trauen kann, meinte, dies sei ein Panekon und es würde sich zu einem Pudox entwickeln. Bezüglich des Scharrens in den Wänden konnte die KI jedoch auch keine befriedigende Antwort liefern. Ich muss essen, bevor ich zu schwach zum Aufstehen werde.
*
Das Vibrieren meines Telefons reißt mich aus einem quälenden Traum und signalisierte die Ankunft meiner Bestellung. Schlaf bietet nichts Erholsames mehr. Lange liege ich da, starre durch die Finsternis an die schimmlige Decke und lausche, ob sich noch Schritte vor der Tür tun. Ich höre keine; nur das gelegentliche Kratzen in den Wänden ist so präsent wie immer. Das dumpfe Donnern, das mir bereits vor einigen – Tagen? Wochen? – aufgefallen ist, wirkt näher, beinahe spürbar, doch meine Vorstellungskraft versagt. Ich muss essen, den Hunger stillen, der Körper und Geist zu verschlingen droht.
Erneut stürze ich, als ich mich aus dem Bett ziehe. Zwar kann ich mich auffangen, schneide mir dabei aber beide Hände auf am Verpackungsmaterial, das den Boden meiner Behausung knöcheltief bedeckt. Mehr Blut, doch es trieft nicht – zähflüssige Tropfen quellen nur dann aus den Schnitten, wenn ich Druck darauf ausübe. Als ich mich erheben will, entschwindet mir beinahe das Bewusstsein, ich hole tief Luft und würge, als distinktiv organisches Miasma meine verdorrten Geschmacksknospen überfällt. Zur Tür. Ich muss bloß zur Tür, das schaffe ich auch auf allen Vieren.
Vor dem Türspalt liegt das ranzige Tuch, das ich dorthin gelegt habe, um die Dunkelheit im Raum zu halten. Mit blutverschmierten Händen greife ich danach und reiße es weg, es beugt sich höchstens ansatzweise in meiner Hand. Dann reiche ich nach oben, packe die Klinke und drücke sie mit der mir verbleibenden Kraft nach unten.
Nichts passiert.
Ein paar Millimeter schaffe ich, dann bleibt sie, wo sie war. Wieder und wieder reiße ich daran, doch sie regt sich nicht. Wie vor den pochenden Kopf gestoßen halte ich inne, starrte auf den Boden und vernehme nur meinen unregelmäßigen Atem und das Rauschen in meinen Ohren. Langsam hebt sich mein Blick, meine an die Dunkelheit angepassten Augen verharren auf dem Schloss, welches komplett verrostet ist. Einmal mehr drücke ich, doch ändern lässt sich nichts – das Schloss ist hinüber, der Riegel in schließender Lage fest und unverrückbar mit dem Rahmen zusammenoxidiert. Meine knochige Faust hebt sich, um einen schwachen Schlag gegen das Holz zu führen, dann noch einen und viele weitere. So lange habe ich meine Stimme nicht mehr benutzt, dass meine Zunge nun wie ein welkes Blatt in meinem Kiefer flattert, unfähig, Worte jenseits eines hilflosen Blökens zu formen. Doch egal, wie sehr ich tobe und klage, der Lieferant ist weg, darauf hatte ich bewusst gezählt – und ob ich noch Nachbarn habe, habe ich vergessen.
*
Der Hunger bringt mich um. An der starren Türklinke konnte ich mich hochziehen, danach taumelte ich zurück zum Bett und ließ mich knirschend fallen, das Gesicht vom Bildschirm beleuchtet in den Raum gewandt. Die eigenen vier Wände verschwimmen, meine Stirn befindet sich in einem Schraubstock und vor meinen Augen tanzen helle Punkte und Tweets. Dickflüssiger Schweiß läuft durch die schütteren Augenbrauen und schränkt meine Sicht weiter ein, nur das Panekon – dieses verfluchte, elendige Panekon – hängt noch sichtbar in seiner Ecke, regungslos … hilflos. Dass ich mich noch bewegen kann, wenngleich auch nur mit Mühe, ist in diesem Moment mein größter Vorteil. Gequält atmend greife ich nach der Nachttischlampe, sie ist viel schwerer, als sie aussieht. Fieberhaft entschlossen reiße ich sie aus der Steckdose, ziehe sie zu voller Länge aus und wanke, die Lampe hinter mir herziehend, zum Schreibtisch. Mit beiden Händen hebe ich sie hoch und führe einen unbeholfenen Schlag gegen den Kokon; er fällt zu Boden, ich breche ihn auf und kann meiner faulenden Hülle endlich die Nahrung bieten, die sie so dringend braucht.
*
Die Wunde an meinem Kopf ist zu einer wuchernden Beule angewachsen, fasse ich sie an, durchströmt mich unvorstellbarer Schmerz. Gelegentlich werde ich deshalb ohnmächtig, doch ich kann nicht aufhören, mich zu kratzen. Die dunkle Kruste, die sich von meinen offenen Läsionen über meinen ganzen Körper ausbreitet, juckt und brennt in jedem wachen Augenblick. Ich kann sie nicht schnell genug entfernen – nahrhafter als der Schimmel im Bad sind die spröden Flocken aber allemal, also akzeptiere ich sie.
Was ich nicht weiß, schadet mir. Meine Vernunft entgleitet mir nach jedem erlittenen Bewusstseinsverlust mehr, die pochende Schneise frisst sich in meinen Verstand und höhlt ihn aus. Vielleicht ist es das Fieber, vielleicht bin ich tatsächlich heimgesucht: Erwache ich, durchlebe ich einen Traum, glaube ich zu träumen, drückt mich die Wirklichkeit in das Elend. Unzählige solcher Zyklen habe ich bereits hinter mir, weitaus mehr werden folgen. Während Passagen der körperlichen Befähigung habe ich begonnen, die Tapete von den Wänden zu reißen, denn das Krabbeln hört nicht mehr auf – doch nichts ist dahinter, das Holz wellt sich überall gleich und unter dem Holz degradiert Mörtel und Ton. Was draußen donnert, setzt sich drinnen fort, für immer. Ich kann in keine Bildschirme mehr schauen, meine Augen schmelzen bei jeder Regung, bei jedem weiteren Grad der Helligkeit und vernichten durch und durch, was mich einst ausgemacht hat.
Es gibt Phasen, in denen ich meinen Körper nicht mehr spüre, während anderen glüht er wie Feuer. Vielleicht bevorzuge ich erstere, doch Erinnerungen bleiben mir nicht, egal, ob Gewissheit spendend oder marternd. Ob mir in der Zerrwelt sämtliche Knochen gebrochen und neu angeordnet werden oder ob ich verlassen vor mich hin fiebere, kann ich schon lange nicht mehr bestimmen – manchmal komme ich zu mir und finde mein Gefängnis verwüstet vor, die Einrichtung verrückt oder zerschmettert, doch versichern kann ich mir dessen nie: Zu kurz sind die Episoden, in denen ich noch im Besitz meiner Wahrnehmung, überhaupt meines Körpers bin. Manchmal brüte ich monatelang über demselben Gedanken, dann wiederum erlebe ich den gesamten Lauf des Universums in einem Wimpernschlag und habe im nächsten bereits wieder alles vergessen. Ich quäle mich, mühe mich, daran festzuhalten, stöhne und tobe vor Wut oder krümme mich in furchtbarer, unerträglicher Angst. Ich will fliehen, aus diesem Raum, aus dieser grotesken Form, die meinen wahnhaften Geist gefangen hält, doch ich erkenne sie nicht wieder. Ich will schreien, doch ich habe keinen Mund. Mir ist heiß, so unsagbar heiß, in meiner Schale werde ich gekocht, bis sich mein Innerstes verflüssigt hat und aus den verschorften Ritzen meiner berstenden Haut in die Matratze trieft, wo sie sich mit mir vermengt.
Werfe ich mich in verklebter, erstarrter Wäsche herum, ätzt jeder lebensfeindliche Lufthauch in die Netzhaut, die sich über mein gesamtes Gesicht spannt. Einst offene Wunden sind zu offenen Brüchen geworden, die Laken und Verstand gleichermaßen zerfetzen: Ich will das so, ich will zerstören und niederreißen, meine mit jeder weiteren Wachphase enger werdende Isolation zerschmettern, doch ich kämpfe einen aussichtslosen Kampf. Meine vertrocknete Hülle gehorcht mir nicht mehr, sie liegt nutzlos begraben unter einem Panzer aus schuppigem Grind und hat aufgehört, sich zu regen. Es kostet mich die allergrößte Anstrengung, überhaupt noch meinen Kopf zu heben – er ist unerträglich schwer geworden und was daraus wächst, bohrt seine Wurzeln tief in die faulende Paste, die in meinem Schädel gärt. Ich kann mich nicht mehr auf meine Sicht verlassen, verloren ging deswegen nichts; nur die zunehmenden Erinnerungslücken vermögen meinen rasenden Geist zu erlösen, ich warte darauf, dass ich mich ihnen endlich ganz hingeben darf.
*
Ich fiebere nicht mehr. Meine Sinne sind scharf und klar, ich nehme jedes Pulsieren der Wände, jedes gesendete Signal im Äther und jedes Huschen im Abfall mit nie dagewesener Prägnanz wahr. Nicht länger bestimmt die Isolation mein Handeln, ich verfüge über die Einsamkeit mit uneingeschränkter Befehlsgewalt. Ich bin der Spitzenprädator in meinem Bau und die Reißlaus, die sich an den Müllbergen der Vergangenheit gütlich tun, sind nichts als Beute: Wenn ich will, hauche ich ihr bedeutungsloses Leben mit einem einzigen Gedanken aus. In der verkrusteten Kuhle meiner Bettstatt krampfte mein einst mangelhafter Körper unter der Last der Visionen, die ohne Unterlass auf mich einströmten, doch ich erwuchs daraus und brachte sie zur Ordnung. Mein Nest ist eine Wiege, aus der ich mich vollkommen geschält habe, frei von der Last einer Existenz, an die ich mich nicht mehr erinnere. Die Überreste der aus den letzten Fesseln eines schwindenden Organismus gesponnenen Puppe, in die mich meine Entwicklung gezwungen hatte, versorgten mich vorübergehend mit Stärke; Stärke, die ich brauchen werde, um mich aus diesem beengenden Paradies aus Unrat, Zerfall und Tod zu graben.
*
Meine Klauen splittern am Stein. Wachsen zu langsam nach. Ich wüte, zerschmettere nutzlose Möbel und Geräte mit meinem Verstand. Nutzlos. Ich leide Hunger, schon zu lange. Alle Reißlaus gefressen. Ich werde hier drin sterben.
Karaqi hatte im Schatten eines ausgebrannten Radschützenpanzers Schutz vor dem pfeifenden Nachtwind gesucht und ordnete ihren Rucksack, während sie auf ihre Partner wartete. Zahlreiche Konserven, Wärmedecken, eine Regenpelerine sowie staubfreie Unterwäsche, Socken und assortierte Ladekabel und Steckerleisten legte sie vor sich aus, packte dann überlegt und schwang sich den Rucksack wieder auf den Rücken. Untätig ließ sie den Blick über die Siedlung schweifen, die sie heute geplündert hatten. Dieses Viertel war weitgehend vor Artillerieschlägen verschont geblieben und die meisten Häuser standen noch – es waren vornehmlich Reihenhäuser, in deren Vorgärten inzwischen wild Gras und Sträucher wucherten, tagsüber konnte man hier sogar Gezwitscher hören. Der Zivilschutz hatte die Toten schon vor einigen Tagen geborgen, von der blutigen jüngsten Vergangenheit der Stadt zeugten nur noch Einschusskrater in den Fassaden und im Teer, der regelrechte Teppich aus Patronenhülsen auf der Straße und eben der Panzer, der jedoch so gründlich ruiniert war, dass er nichts mehr hergab, davon hatte sie sich bereits überzeugt. Andel und sein Manguspektor hatten aufgeholt.
„Noch was gefunden?“, wollte sie wissen rückte ihre Schultern zurecht.
Er schüttelte den Kopf. „Wieder zu spät. Vielleicht können wir uns die offenen Türen wirklich sparen.“
„Sage ich doch. Rest der Straße noch?“
Er bejahte und streckte dann missmutig die Hand vor sich aus, als er einen Tropfen auf der Haut spürte. „Aber wirklich nur noch diese. Ich will mich nicht erkälten und dem Lager die Medikamente wegnehmen.“
*
Mit der Hilfe von Maloney, dem Manguspektor, trieb man noch einige haltbare Lebensmittel auf und stand schließlich vor dem letzten Gebäude der Straße, ein zehnstöckiger, hässlicher Block, aus dessen Fassade sich die Graffiti rauswuschen. Karaqi schlug die Glastür ein und betrat das modrige Treppenhaus, Andel und Maloney folgten ihr. Über sich hörten sie das Krabbeln wilder Pokémon und Maloney richtete sich wachsam auf, es war ihnen recht. Die Natur hatte die Stadt rasant zurückerobert und nicht alle ihrer neuen Bewohner waren bereit, ihre ehemaligen Herren willkommen zu heißen – vorsichtig und methodisch gingen sie die Stockwerke durch, plünderten, was es zu plündern gab und fühlten die Beklemmung im Angesicht der zahllosen unsichtbaren Schicksale, über die der Krieg so jäh gekommen war. Dass die Evakuierung reibungslos vonstatten gegangen war, war ihr großes Glück; keiner der beiden war besonders erpicht darauf, einen Toten zu finden. Im achten Stock wären sie beinahe mit einem Adebom aneinandergeraten, das sich sein Nest eingerichtet hatte in einer der verlassenen Wohnungen, durch deren geborstene Fensterscheiben der Wind zog. Maloney aber konnte es auf Abstand halten und sie ließen es in Ruhe.
Im zehnten Stock schlug ihnen ein Gestank entgegen, der Knie weich werden und Augen tränen ließ. Karaqi zog Masken aus ihrer Tasche und überreichte Andel eine, dann sahen sie sich um. An den drei Haustüren, die der Treppe am nächsten waren, konnte man nichts Nennenswertes ausmachen – um die vierte jedoch wucherte schwarzer Schimmel, je näher man ihr kam, desto übler wurde der Geruch. Sie sahen sich an.
„Ich habe gehört, dass einsame alte Leute manchmal sterben, ohne dass es jemand mitkriegt…“, begann Karaqi. Andel hob hinter seiner Maske angeekelt die Hand, als wolle er sich vor dem Gedanken schützen. „Nein, bitte nicht, hör auf. Lass zuerst die drei“, er wies auf die nächsten Türen, „machen und dann schauen wir weiter.“
Sichtlich unwohl bewegte er sich zur ersten Tür, dann aber stach ihm etwas vor der vierten ins Auge. Karaqi folgte seinem Blick und entdeckte einen weißen Plastiksack mit rotem Aufdruck, sie kannte das Logo der Fastfoodkette. Nur eine Sache war gewiss: Geliefert war vor der Evakuierung geworden, denn danach hatten die Läden geschlossen. Wer auch immer diese Wohnung belegt hatte, musste sich schon sehr lange dort drin befinden.
„Wir … sollten das melden“, stammelte Karaqi heiser, „Vielleicht vermisst jemand seine Großeltern.“
Andel nickte betreten und begab sich zur Tür, um das Klingelschild zu lesen. Es gab nichts her, doch ihm fiel auf, dass selbst das Schloss aussah, als wäre es schon seit Jahren nicht mehr benutzt worden, zur Unkenntlichkeit verrostet. Plötzlich überkam ihn Angst, unerklärliche, nackte Angst, die in seinem Kopf wühlte und ihn drehen ließ. Mit zitternden Fingern band er sein Brecheisen vom Rucksack los. Er hatte keine Angst davor, eine Leiche zu finden – er hatte Angst, zu enttäuschen.
„Was machst du da?!“, hörte er dumpf Karaqis Stimme, gedämpft durch das erdrückende Rauschen in seinem Kopf.
„Aufbrechen“, gab er das Offensichtliche kund und führte den ersten Schlag gegen die Tür.
„Wir müssen das nicht tun! Den Zivis reicht es, wenn wir die Adresse nennen-“
Das Holz splitterte, dann hatte Andel das Schloss aus der Bresche gehebelt. Karaqi wurde übel. Der Gestank drückte sie beinahe zu Boden, drang durch die Maske in ihren Schädel ein und drohte, ihn zu sprengen. Sie tastete nach dem Treppengeländer, umklammerte es wie eine Ertrinkende und ließ sich daran zu Boden gleiten, während ihr Kopf sich zum Bersten anfüllte mit einer Kakophonie aus Gedanken, die nicht ihre eigenen waren. Ihre Augen wollten aus den Höhlen springen, als sie sich nach Andel umsah, so groß war der Druck darin – in diesem Moment riss er die Tür zur verfaulenden Wohnung auf und stieß einen halben Schrei aus, der Rest blieb ihm in der Kehle stecken. Blut kam aus seiner Nase geschossen, als er zurücktaumelte, Karaqi sah nicht, wo er landete, denn die tanzenden Punkte in ihrem Sichtfeld hatten dieses schon fast zur Gänze übernommen. Noch konnte sie aber erkennen, dass es nicht der Tod gewesen war, der diese Wohnung für sich beansprucht hatte.
Aus der verrottenden Finsternis kroch eine Kreatur, die im gefilterten Mondlicht der angelaufenen Treppenhausscheiben beinahe durchsichtig wirkte, so dürr war sie. Ihre Haut – wenn das denn Haut war – schien so trocken zu sein, dass bei jeder ihrer unsicheren Bewegungen kränklich schwarze Schuppen davon zu Boden rieselten, aus dem widerlichen, wundschorfartigen Geflecht, das ihren ganzen schaurigen Körper überzog. In keiner Welt hätte ihr Hals den aufgeblähten Kopf stützen dürfen, den sie hängend vor sich hertrug – Karaqi fuhr es durch Mark und Bein, als sie ihn hob und sie direkt anstarrte: Wo ein Gesicht hätte sein sollen, gab es nur eine gespannte Membran, hinter der ein bläulicher Schimmer ohne Rhythmus pulsierte. Darüber und darunter sprossen dünne Ranken aus dem Schädel, die sich der giftigen Luft wanden, als hätten sie ein Eigenleben; zwei unförmige, gewundene Hörner wuchsen links und rechts dessen, was wahrscheinlich ein Auge war, schwache elektrische Impulse tanzten darauf und verloren sich auf dem Weg zum Rest des unmöglichen Körpers. Gekrochen war das Scheusal auf allen Vieren, nun aber griff es mit seiner unendlich langen, übergroßen Pranke langsam, als lerne es erst seine Bewegungen, nach dem Türrahmen und zog sich daran hoch in einem grotesken Hohn auf den zweibeinigen Gang der Menschen. In seiner verdorbenen Präsenz konnte Karaqi keinen klaren Gedanken mehr fassen, fremder Wahn, Hass und animalischer Hunger durchflutete sie, als wäre es ihr eigener. Ihre letzte eigene Gewissheit, an die sie sich noch klammerte, wurde davon unerbittlich erodiert:
Das war kein Mensch – aber was dann?
Pandoranz


Phobink – das Gemälde der Angst
Die Nacht legte sich über die kleine Metropole. Der Hafen der Stadt war das letzte Viertel, dem über das Meer noch ein wenig Sonnenlicht gespendet wurde, bevor es die Reflexionen der Laternen waren, die sich überall in den Fenstern spiegelten und die Straßen beleuchteten. Tagsüber belebten Touristen und Händler jedes freie Plätzchen – umso stiller wurde es nachts. Nachtaktive Pokémon schlichen und krabbelten aus ihren Verstecken. Es bestand keine Gefahr und keine Störung durch Menschen. Dieses symbiotische Wechselspiel machte sich in dieser Nacht ein fremder Besucher zunutze.
Zwei schwarze, borstige, fast schon pinselförmige Ohren ragten hinter einer Steinmauer hervor die einen kleinen Vorgarten abzäunte. Sie wanderten hin und her. Das Pokémon dem sie gehörten spähte langsam über das Mäuerchen und gab mehr von seinem Gesicht preis, wobei es sich alle paar Sekunden davon überzeugte, dass es unbeobachtet war. Schließlich war es alles andere als üblich für seine Art, sich in die Nähe der Menschen zu wagen. Dem Ohrenpaar folgten zwei gelbe, mandelförmige Augen, die raubtierhaft in der Nacht glommen wie ein Paar Kerzen. Plötzlich war es mit der Scheu vorbei und das Pokémon machte einen eleganten Satz über die Mauer und landete abseits des Lichtkegels der Laternen auf der Straße. Geschmeidig setzte es sich in Bewegung. Der flinke Eindruck täuschte beinahe über den Körper hinweg, der das vierbeinigen Raubtier zu einem Hochgeschwindigkeits-Jäger auszeichnete.
Sein kurzes glattes Fell war silbergrau und matt, sodass es sich zwischen Mondlicht und Schatten bewegen konnte, ohne sich von dem einen oder anderen stark zu unterscheiden. Den stärksten Kontrast stellten neben seinen Augen die schwarzen, unregelmäßigen Flecken dar, die sich über seinen Rücken und die Seiten zogen. Sie waberten mysteriös – als hätten sie ein Eigenleben – und bewegten sich wie flüssige Tinte auf einem wankenden Untergrund hin und her. Diese Flecken waren auch in seinem Gesicht zu finden, wo sie ein symmetrisches Muster darstellten, dass sich ständig änderte. Wie ein mit schwarzer Tinte gezeichnetes Gemälde, dass sich nicht entscheiden wollte, wie es aussah. Seine Pfoten waren wie seine Ohrenspitzen ebenfalls schwarz und sahen aus wie kleine dunkle Söckchen, die jede seiner Bewegungen dämpften. Ebenso schwarz: die Spitze des runden Schweifs, der beinahe so lang war wie sein Oberkörper. Kaum einem Menschen war eine Beobachtung dieses Pokémons vergönnt, weswegen auch sein Name im Pokédex noch nicht zu finden war: „Phobink“
„So viele Lichter!“ dachte Phobink und betrachtete die Laternen. Am liebsten wäre es in den Schein gelaufen. Ob es sich wie die Sonne anfühlte? Vorsicht besiegte die unermessliche Neugier, die den Phobink gewöhnlich nicht in die Wiege gelegt wurde. Es umkreiste fremde Gegenstände bevor es weiterzog, um die nächste Neuheit zu inspizieren. „Seltsame Steine...“ dachte es sich jedes Mal, wenn es Dingen aus Metall begegnete und daran schnupperte. Bisher war es nichts und niemandem begegnet, das in ihm ein instinktives Gefühl der Gefahr verursacht hätte, weswegen sich sein Gang nach und nach lockerte und dadurch fast schon verspielt wirkte. Damit verriet dieses Phobink auch, dass es zu den jüngeren und kleineren Exemplaren gehörte und seine volle Größe noch nicht ganz erreicht hatte. Trotz allen Unterschieden zwischen dieser Stadt und den Wäldern und Wiesen, in denen es eigentlich beheimatet war, blieb eine Sache unverändert. Um es herum war es still. Fremde Pokémon hielten sich in einem großzügigen Umkreis fern von ihm. Schuld daran waren die Tintenflecke auf seinem Körper, die auf Menschen wie Pokémon eine mysteriöse Wirkung hatten.
Phobink versuchte gar nicht erst sich anderen Pokémon zu nähern, sondern machte sich diesen Umstand zunutze und stahl ein paar unbekannte Essensreste, die von ein paar flüchtenden Pokémon zurückgelassen wurden. Phobink schluckte die viel zu salzigen Reste und schüttelte sich, da der Geschmack sein Fell zu Berge stehen ließ. „Eklig!“ Den Rest ließ es desinteressiert am Boden liegen. Seine Pupillen vergrößerten sich wieder und suchten die Dunkelheit dem nächsten Ziel ab, zu dem es schleichen konnte: ein paar unverschlossenen Mülltonnen aus denen ein eigenartiger, unangenehmer Geruch drang. Auf allen vier Beinen war es halb so groß wie die Tonne. Auf zwei Beinen aufgestellt stellte es hingegen kein Problem dar den Inhalt der Tonne zu inspizieren. Enttäuscht stellte es fest, dass der Inhalt so ekelerregend aussah wie der zuvor vernommene Geruch. Als Phobink sich von der Tonne abstieß um die Erkundung fortzusetzen, unterschätzte es seine eigene Kraft und brachte die Tonne so stark zum Schwanken, dass sie schließlich umkippte, mit einem lauten Geräusch auf den Boden aufprallte und über die Gasse rollte, wo es den stinkenden Inhalt verteilte. Alarmiert gingen in der Nachbarschaft einige Lichter in den Häusern an. Phobink wich den quadratischen Lichtflecken am Boden aus. Neben ihm öffnete sich eine Tür und eine Frau spähte hinaus. Sie entdeckte das Pokémon im Schatten, das selbst zu lange an der Stelle verweilte, weil es neugierig Blicke auf das fremde, zweibeinige Wesen warf. Überrascht legte Phobink die Ohren an, als die Frau einen gellenden Schrei ausstieß und sich augenblicklich ins Innere des Gebäudes zurückzuzog, wo sie die Kreischerei fortsetzte. „So gefährlich sehen die gar nicht aus.“ Damit war es bewiesen: Die mysteriösen Tintenflecken auf seinem Fell zeigten auch den Menschen die grässlichsten Illusionen anstelle seiner normalen Erscheinung. Es war ein beinahe unüberwindbarer Schutz für Phobink, jedoch auch der Grund warum seine Art ein Leben als Einzelgänger führte.
Der Zwischenfall mit der Frau war schnell vergessen. Phobink fühlte sich nicht von Einsamkeit geplagt, sondern schlug bereits einen neuen Pfad ein, der es in eine Gegend voller Gärten und Einfamilienhäuser führte. In der Ferne sah es ein paar Pokémon und Menschen auf der Straße spielen. Ihnen sollte ein Schrecken erspart bleiben, darum umwanderte Phobink das Grüppchen lieber. Neben den Straßen parkten Autos. Sie alle stanken nach Verbranntem und Phobink wusste bereits, dass sie sich normalerweise schnell bewegen konnten. Nachts schienen sie inaktiv zu sein und stellten keine Gefahr dar. Als es an der Seite eines schwarzen Fahrzeugs angekommen war, bemerkte es aus den Augenwinkeln eine Bewegung die sich im glänzenden Lack spiegelte. Es hielt inne und sah zur Seite um sein Spiegelbild zu betrachten. Anstelle des mit Tintenflecken bedeckten silbergrauen Fells, stand ein unförmiges Feuerwesen an seiner Stelle, dessen Umrisse grob an den eigenen Körperbau erinnerten. Das Gesicht war eine Fratze aus Kohlen, die drohend starrte, als würde sie Phobink jederzeit verschlingen können. Es war ein angsterfüllender Anblick für den jungen Räuber, doch er hatte gelernt damit umzugehen. Stets von dem verfolgt zu werden, was die größte Angst für jemanden darstellte, wäre für niemanden leicht oder angenehm. Phobink wandte den Blick ab. Das Gesicht aus Flammen verfolgte ihn bereits, seit es ein Junges war. In der Nähe seines Rückzugortes war ein Feuer ausgebrochen. Phobink hatte es erst spät bemerkt und war in Angst geflohen. Die Tintenflecke zeigten jedem Lebewesen dessen größte Angst – häufig manifestiert als Pokémon. Für Flugpokémon sah Phobink vermutlich aus wie ein herannahendes Voltenso. Für ein Fukano könnte es aussehen wie ein Aquana. Für Menschen, ja… wovor Menschen auch immer so Angst haben konnten. Phobink selbst stellten keine Ausnahme dar. Ihre eigenen Artgenossen und das eigene Spiegelbild besaßen dieselbe furchterregende Wirkung. Das junge Phobink spazierte weiter und dachte an den Moment, als es das erste Mal sein eigenes Gesicht sah. Einzig wenn ein Vollmond am Nachthimmel aufging, war es für ein paar Minuten möglich den Trugbildern zu entgehen und die wahre Gestalt eines Phobink zu betrachten. Es verspürte jedes Mal Freude und Aufregung wenn es sein eigenes Erscheinungsbild zu Gesicht bekam; leider waren die Augenblicke zu selten und zu kurz. Als es jung war, erzählte sein Vater ihm, dass sie einst von einem Menschen erschaffen wurden, der mit Tinte ein Pokémon gezeichnet hatte. Als der Mensch ein Tintenfässchen umstieß und dabei Flecken auf den Entwurf spritzten, ergaben die neuen Muster einen so furchterregenden Anblick, dass sich der Mensch vor der eigenen Zeichnung so erschrak, dass sie zum Leben erweckt wurde und das Pokémon, das dadurch entstand verflucht wurde. Die Phobink – lebende Gemälde an denen die Phobien der Lebewesen verewigt wurden. Das junge Phobink faszinierte die Geschichte mehr, als dass sie ihm Angst machte.
Als die Straße in eine Sackgasse mündete, nutzte der junge Räuber ein paar trittfeste Mauervorsprünge, um sich auf eine erhöhte Position zu begeben. In einem der Gärten waren Geräusche zu hören. Und ganz leise: knisternde, knackende Geräusche von brennendem Holz. „Weit genug weg. Und klein.“ Das Feuer der Menschen schien zudem auch kein Interesse daran zu haben, mehr als das zu verschlingen, was sich in der Schüssel befand, in der es sich aufhielt. Ein paar Menschen bewegten sich in der Nähe auf und ab und kommunizierten miteinander. Phobink verstand die fremdartigen Geräusche die sie von sich gaben nicht, sondern beobachtete ihre Bewegungen, um daraus zu lernen. Zwei von ihnen gingen aufeinander zu und umarmten sich. „Ob sie sich bald paaren?“ Einfach, wenn man Seinesgleichen nicht erst hinter Illusionen ausfindig machen musste. Seine eigenen Eltern hatten ihm damals die Partnersuche seiner Art erklärt. Man musste entweder bewusst auf seine Ängste zugehen, in seinem Fall wären das wohl besonders gefährlich aussehende Feuer-Pokémon, oder beobachten, wann Pokémon unterschiedlicher Typen vor etwas flüchteten. Es könnte der Hinweis sein, dass sie alle etwas anderes sahen. Keine leichte Aufgabe. Das wäre anders, wenn man ewig jung bleiben würde. Neugeborene blieben ebenfalls von den Illusionen verschont. Lang genug, um von den Eltern zu lernen. Erschrak ein Junges das erste Mal vor seinen eigenen Eltern, wussten diese, dass die Zeit reif war, um die Familie aufzulösen. Das Junge sah nicht mehr die wahre Gestalt und war bereit allein zu leben. Alle drei führten von da an wieder ein Leben als Einzelgänger. „Wieso haben Menschen überhaupt Angst?“ rätselte das Phobink und verließ den Aussichtspunkt, um sich einem Haus zu nähern. Der letzte Punkt auf seiner Liste: Wie sah der Bau eines Menschen aus?
Da die Menschen sich im Garten aufhielten und im inneren des Hauses Licht brannte, schien das die perfekte Möglichkeit zu sein, um einen genauen Blick auf das Innere zu werfen. Sein bisheriges Fazit: Menschen waren eigenartige Wesen. Gefährlich schienen sie nicht zu sein. Sie lebten teilweise mit Pokémon zusammen, die Bedeutung dieses Zusammenseins erschloss sich ihm bisher noch nicht. In gewisser Weise waren sie unberechenbar und Phobink empfand Mitleid für die enorme Furcht, die sie in sich zu tragen schienen. Mit der eigenen Angst in Form eines Spiegelbilds verbunden zu sein, empfand es nun weniger denn je als ein Laster.
„Wie sieht euer Nest aus, ihr Menschen?“ Der silbergraue Körper glitt eng an der Hauswand entlang und hinterließ dunkle Schlieren, als hätte man mit einem Malerpinsel angefangen die Wand schwarz zu streichen. Als Phobink wenige Meter entfernt ein Fenster erreicht hatte, war die schwarze Farbe durch das Licht bereits verblichen – einen Augenblick später dann ganz verschwunden. Wieder stellte es sich auf zwei Beine und machte sich lang, um hinauf zum Fenster zu gelangen. Vorsichtig spähte es über die Kante. Seine Pupillen verengten sich aufgrund des Lichts, das von Innen in sein Gesicht schien, zu dünnen Linien. Farbenfrohe, teils eckige Konstruktionen standen an den Wänden des Raumes. Die Beschaffung der Böden erinnerten ihn an Bäume. Es war ein makaberer Anblick und besonders einladend wirkte die Behausung nicht. Phobink war so abgelenkt von den vielen unbekannten Dingen, dass es nicht das Kleinkind bemerkte, das es bereits ansah. Es saß hinter Gitterstäben auf einer erhöhten Plattform und schien den Besucher bemerkt zu haben. Phobink wollte sich, vor allem aus Rücksicht vor dem Menschen, schnell wieder zurückziehen. „Iieh…“ Das Menschenjunge hatte noch merkwürdigere Proportionen als die ausgewachsenen Exemplare. Es wirkte wie ein Stück Beute, aber Phobink hatte kein Verlangen es zu fressen. Die Augen des kleinen Menschen waren rund und riesig und… ruhig. Phobink erkannte seine eigene Neugier in dem Wesen und meinte für einen Augenblick, dass sich seine eigene wahre Gestalt in dessen großen Augen spiegelte. „Was es wohl sieht?“ Das Menschlein hob seine beiden kurzen Vorderläufe in die Luft und wedelte damit herum. Obwohl das Unlicht/Normal-Pokémon wusste, dass es keine gefährlichen Attacken beherrschte, beschloss es sich langsam zurückzuziehen. Bei dem Schwarmverhalten, das Menschen zeigten, wäre es nicht verwunderlich, wenn bald weitere alarmiert werden würden.
Kaum verschwand Phobink aus dem Licht, verschmolz es förmlich wieder mit den Schatten und suchte sich die Pfade, die es unerkannt aus der Menschenstatt führen würden. Der Besuch neigte sich dem Ende zu. Phobink hatte viel gelernt. Über die Menschen und auch über sich selbst. „Vielleicht komme ich eines Tages wieder.“
Die Baumwipfel wippten sanft im Wind und weckten das mittelgroße Pokémon, welches vorsichtig die Augen öffnete und sofort Energie schöpfte als es die untergehende Sonne betrachtete. Die Nacht sollte gerade erst beginnen und so wusste es auch, wo es nun nach seiner Leibspeise Waumpel suchen sollte. Es breitete seine großen Flügel aus, welche nicht wie üblich an der Körpermitte befestigt waren, sondern sich wie ein großer Schal um seinen Körper legten. Dabei entblößte sich auch der Unterkörper welcher ungewöhnlich für ein Vogelpokémon schien. Es war vierbeinig, dennoch waren sowohl seine Vorder- als auch Hinterbeine mit scharfen Krallen bestückt, die es nicht einfahren konnte. Sie waren feste in den Ast vergraben, damit es beim Schlafen nicht vom Baum herunterfallen würde, doch nun lösten sie sich. Sein Schweif war nahezu buschig und aufgeplustert, wenn er auch komplett kreisrund aus gestreiften Federn bestand, er raschelte einmal auf und entplusterte sich von der steifen Pose, welche es eingenommen hatte. Auch der Rest seines Körpers war ausnahmslos mit flauschigen Federn bedeckt. Sie hatten eine helle bis gräuliche Färbung, die ihm halfen sich perfekt in der Nacht zu tarnen. Dann entspannten sich die Krallen und seine Flügel trugen es ohne große Anstrengung in die Lüfte. Sein Kopf drehte sich dabei hin und her um lautlos nach Waumpel Ausschau halten zu können. Allerdings fand es nach langer Suche keine Waumpel sondern hörte Stimmen, um genau zu sein eine vertraute Stimme. Sein Kopf drehte sich unmenschlich weit nach links um mit seinen scharfen Augen den Geräuschen Bilder folgen zu lassen. Das ist er wirklich!
Das Pokémon senkte zum Sturzflug an und landete gekonnt – aber dennoch etwas Vorsichtig – zu einer Landung am nahegelegen Ast an. Der Mensch dessen Stimme es vernommen hatte sah die Bewegung und leuchtete mit einer hellen Lampe in seine Augen. "Bist ... Bist du es Evoli?", er sah das Wesen ungläubig an, welches ein zustimmendes Krächzen aus seinem mit kleinen Zähnchen bestückten Mund entweichen ließ. Sogleich flog es vom Baum hinunter und direkt in die Arme seines Trainers.
"Aber wie ... In was hast du dich entwickelt?"
Das Pokémon knabberte an seiner Jacke.
"Tagelang hab ich nach dir gesucht. Zum Glück geht es dir gut."
Doch das Pokémon schien ihm gar nicht mehr zuzuhören, sondern richtete seinen Kopf blitzschnell auf ein Waumpel, welches gerade versuchte unbemerkt einen Baum hinaufzuklettern. Schnell sprang es mit seinen kräftigen Beinen aus den Armen seines Trainers und schnappte mit seinen langen Krallen nach der Raupe, welches sich schleunigst mit Fadenschuss verteidigte, indem es die Flügel verklebte. Es stürzte nur unbeholfen zu Boden, während sein Mitternachtssnack sich wabbelnd über alle Berge machte. Lachend befreite sein Trainer es von den Fäden.
"Komm schon, wir gehen nach Hause, den Professor interessiert es sicher auch, was für ein Pokémon du geworden bist."
Es quiekte vergnügt und setzte sich in Bewegung, sein buschiger Schweif wippte dabei mit jeder Körperregung im Takt seines freudigen Schnatterns.
"Also Evo ... Hmm, nein Evoli kann ich dich ja jetzt nicht mehr nennen. Wie wäre es mit Brisera?"
Es legte seinen Kopf schief, als würde es kritisch überlegen, flatterte dann jedoch zustimmend mit den Flügeln und verschwand zusammen mit seinem Trainer im dunklen Dickicht des Waldes. Immer in Richtung Stadt. Keine Ahnung darüber, was für eine überraschend neue Entdeckung das Flugpokémon werden sollte.
Schablone:
Abgabe 1: RPG: Fanart: Zusammenpassen:
Abgabe 2: RPG: Fanart: Zusammenpassen:
Abgabe 3: RPG: Fanart: Zusammenpassen:
Abgabe 4: RPG: Fanart: Zusammenpassen:
Abgabe 5: RPG: Fanart: Zusammenpassen:
Abgabe 6: RPG: Fanart: Zusammenpassen:
Abgabe 7: RPG: Fanart: Zusammenpassen:
Abgabe 8: RPG: Fanart: Zusammenpassen:
Abgabe 9: RPG: Fanart: Zusammenpassen:
Alles anzeigen
Kuraudo Marc27 Roxas Memoire John Snom Evoluna Shiralya Ulti Rusalka HoppouChan Robson Shiny Endivie PERFEKTION Fatalis Isamu_17 Neochu You Cassandra VIX Goomy @Darling Sirius Project Mew marty Raplebs Speedy Gorgonzola Tragosso Draxc Raichu-chan Styx Impergator Atlina HermitFox Zujuki JeCel Rui moxie Styx pjl TIRAMISU Xani Sunaki Mahina GalladeKnight
@Treeflower
@Fuchsfeder