Beiträge von Keksilein



    Als das Reshiram bereits eine für seinen frisch verheilten Flügel beachtliche Strecke zurückgelegt hatte, verließen es die Kräfte und es begann, langsam abzusinken.

    „Ich brauche eine Pause, Gladi. Siehst du hier zufällig irgendwo Land?“

    Beide sahen sich um, ob aus dem Glitzern des dunklen Ozeans, der die Welt unter ihnen ausmachte, eine halbwegs ebene Insel herausragte, die sich zum Landen eignete. Es war nicht so, dass sich unter ihnen nur Wasser befand, doch die hellen Felsen, die im Mondlicht sanft schimmerten, waren allesamt spitze Säulen oder scharfkantige Klippen. Dieser außergewöhnliche Anblick ließ erahnen, dass das Bild dieses Meeres nicht von der Natur geformt worden war. Zu gewaltig wirkten die Klingen, die aus dem feuchten Abgrund wuchsen. Resharp konnte sich nur vorstellen, welche unglaublichen Kräfte hier gewirkt haben mussten und was für mächtige Wesen diese beherrscht hatten. Wenn das, was die Caesurio versprachen, stimmte, würde es am Ende ihrer Suche selbst in diese Kreise aufsteigen. Doch in diesem Moment half ihm das nicht weiter, es musste noch eine Weile tapfer seine momentanen Kräfte aufrecht erhalten, bis sie einen Landeplatz erspäht hatten.

    „Ahoi!“, rief Gladi auf einmal und fuchtelte wild mit ihrem rechten Arm, als Resharp seinen Kopf nach ihr umdrehte. „Das da is' wohl 'n Vulkan oder sowas, weil da kommt Licht raus“, fügte sie hinzu, nachdem es ihrer Geste folgte.

    Ganz offensichtlich handelte es sich um einen Berg aus weißem Gestein, der sich oben wie ein gigantischer Kessel öffnete. Doch das Reshiram glaubte nicht recht, dass es ein aktiver Vulkan war.

    „Dann würde da doch bestimmt auch Rauch rausströmen. Aber sehen wir uns das doch einmal an.“ Noch bevor es zu Ende gesprochen hatte, drehte es nach rechts ab und ließ sich vom Wind auf die Insel zutreiben. Zwischendurch biss es einige Male die Zähne zusammen und schlug mit den Flügeln, um wieder an Höhe zu gewinnen – immerhin wollte es den Rand des Kraters nicht verfehlen. Dadurch ganz außer Atem erreichte es diesen schließlich und ließ sich erst einmal auf dem breiten Felsgrat nieder. Einerseits wollte es so noch einmal kurz durchschnaufen, andererseits eben nicht direkt hineinsteuern. Wer wusste schon, was es im Inneren erwartete?

    „Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, was ich davon halten soll“, gestand es Gladi. „Das letzte Mal, als ich in einem Krater Pause gemacht habe, war darin ein wütendes Kyurem.“

    „Ach, Reshi“, sagte das Gladiantri. „Glaubste echt, in jedem Krater wartet 'n fieses Legendäres Pokémon auf dich? Vielleicht is' in dem hier ja 'n liebes.“

    Genervt, aber gleichzeitig lächelnd rollte Resharp mit den Augen und linste seufzend ins Innere des hohlen Berges. Die Quelle des Lichts erspähte es sofort; es handelte sich um eine Stadt, deren cremefarbene Marmorhäuser auf aus dem Stein gehauenen Terrassen ruhten. Aus vielen Fenstern drang der gelbliche Schein der Beleuchtung im Inneren, wenngleich von Zeit zu Zeit eines erlosch.

    „Die sind echt überall, was?“, murmelte das Drachen-Pokémon. Doch die Tatsache, dass die menschliche Siedlung weniger als die Hälfte des Kessels einnahm und beinahe auf der gegenüberliegenden Seite desselben lag, beruhigte es. Nun sah es sich die Seite an, auf der keine Häuser standen. Dort befand sich eine einzige, große Terrasse, die mit ihrem Grasbewuchs relativ natürlich wirkte, aber vermutlich ebenfalls künstlich angelegt worden war – Gras erschien nun einmal nicht aus dem Nichts, erst recht nicht im Inneren eines hohlen Felsens mitten im Meer. Ein großer Teich, der aus rauschenden Wasserfällen entsprang, umschloss diese Oase, zu der hölzerne Brücken einen Fußweg bildeten. Zwischen wild wuchernden, bunten Blumen reckte ein großer Baum seine Äste gen Nachthimmel, und es wirkte, als wollte er mit seiner eigenen Blütenpracht den Sternen Konkurrenz machen. In der Tat wirkte er nicht wie ein normaler Baum, und noch dazu spürte Resharp tief in sich drin das Echo einer Energie, die aus dieser Richtung strömte.

    „Achtung, Gladi, ich fliege zu diesem Baum“, kündigte es an. „Ich glaube, das hier könnte vielleicht die Alte Heimat sein!“

    „Die Alte Heimat?“, fragte das Gladiantri ungläubig. „Wie kommst'n jetzt auf so- … WHOA!“

    Geradezu im Sturzflug warf sich das Reshiram in den Krater hinab und zischte auf die Grünfläche zu, um sich kurz vorm Ziel stark abzubremsen und sanft auf der Insel aufzusetzen.

    „Sieh doch mal, es ist doch alles so, wie sie es beschrieben haben“, erklärte es aufgeregt Gladi, die grummelnd ihren dröhnenden Kopf schüttelte. „Ein besonderer Baum“, es deutete auf jenen, dessen Blüten beinahe selbst schimmerten, „und …“

    Hastig drehte es sich um, in die Richtung, aus der der Energiefluss leise sein Flüstern aussandte. Dort, zwischen den beiden Wasserfällen, mit der grünen Oase durch eine breite Brücke verbunden, stand eine Art Tempel aus hellerem Marmor als jener, der die Häuser der Menschenstadt bildete. Kryptische Zeichen, bestehend aus Kreisen und Linien, die davon ausgingen, zierten in dunklem Rot das von Moos und Efeu überwucherte Kuppeldach. Zwei große, kupferfarbene Torflügel aus Metall verbargen den Blick auf das, was im Inneren verborgen lag, doch Resharp wusste längst, dass es sich um eine fantastische Kraft handeln musste, die in diesem Gebäude schlummerte.

    „Dieser Ort liegt von außen ziemlich versteckt, aber die Menschen haben ihn trotzdem gefunden. Genau das ist doch passiert, oder?“

    „Jetzt mach aber mal 'nen Punkt“, wandte Gladi genervt ein. „Ich weiß nich', ob's dir aufgefallen is', aber wir sind so'n bisschen umgeben von Wasser! Wie hätten die Caesurio da die Kurve kratzen können, als die Menschen angetrampelt kamen?“

    Das Drachen-Pokémon musste zugegebenermaßen kurz überlegen. „Natürlich weiß ich das nicht sicher, aber ich denke, sie hatten irgendeine Hilfe, wie die Quaputzi in der Höhle der Schulung. Oder einen Geheimtunnel. Oder sie haben ihre Magie benutzt, um sich wegzuteleportieren.“

    „Okay, sagen wir mal, das alles is' goldrichtig“, sagte das Gladiantri immer noch skeptisch. „Wir müssten dann noch die da drüben“, sie deutete flüchtig auf die Stadt, „wegkriegen und die Caesurio hierher.“

    „Das wäre doch bestimmt einfach, wenn ich nur an die Magie kommen könnte“, sagte Resharp schnell. „Ich könnte die Menschen verscheuchen und die Caesurio herzaubern.“

    „Ich weiß nich'“, murmelte Gladi. „Hat Reshiram nich' irgendwas gesagt, von wegen, du brauchst mehr Power, damit sowas klappt?“

    „Hm …“, musste sich das weiße Pokémon eingestehen. „Das stimmt, aber ich glaube, es wollte, dass ich mir nicht zu viel auf einmal vornehme. Wenn ich klein anfange, ist es bestimmt nicht so gefährlich.“ An das Wandgemälde in der Elektrolithhöhle zurückdenkend, positionierte es sich vor dem großen Baum. Niederknien konnte es aufgrund der Anatomie seiner Beine nicht – seine Kniegelenke beugten sich andersherum als die eines Caesurio –, also setzte es sich einfach auf den Boden und starrte zum leise raschelnden Blätterdach empor. Es musste doch eine Möglichkeit geben, die Energie durch den Baum zu kanalisieren, so etwas in der Art hatten die gemalten Priester doch auch getan.

    Der Anblick, den die in sieben Farben strahlenden Blüten ihm boten, hielt es lange gefangen. Rot, Orange, Gelb, Rosa, Hellblau, Lavendel, Violett. Sechs Blütenblätter zierten jede einzelne von ihnen, und auch wenn kein Licht von ihnen ausging, wirkten sie erstaunlich hell und lebendig, als würden sie von der Frühlingssonne beschienen. Selbst den rauen, salzigen Duft des Meeres erleuchteten sie sanft mit fruchtig-süßen Aromen, allesamt verschieden, aber doch gleich.

    Als ihm klar wurde, dass ein magischer Bann für dieses Schauspiel verantwortlich sein musste, riss Resharp sich davon los und zwang seinen Blick, den dunklen Stamm entlangzuwandern. Möglicherweise sollten die Blüten ja von ebendiesem ablenken, weil das Geheimnis gerade darin verborgen lag. Die Dunkelheit des braunen Holzes tat ihr Bestes, um jegliche Textur zu verbergen, doch mit genügend Anstrengung gelang es dem Reshiram, seine Augen an diese Verhältnisse zu gewöhnen. Und so ruhten diese schließlich auf einer x-förmigen Markierung, die dicht unter dem Ansatz der untersten Äste in die Rinde geschabt worden war.

    „Sieht das nicht nach einer gezielten Doppelschlitzattacke aus?“, fragte es aufgeregt und sprang wieder auf die Füße.

    „Hä? Ich seh' nix“, gab Gladi zurück und tippte sich an die Stirn.

    „Dann pass mal auf.“ Resharp trat noch einige Schritte zurück und bereitete seine inneren Kräfte vor. Sein Schweif erwärmte sich und gab ein schwaches Glühen von sich, das langsam stärker wurde. „Ich kann vielleicht keine Klingenangriffe, aber mit etwas Drachenenergie funktioniert es bestimmt auch.“ Es holte tief Luft, konzentrierte sich auf die Energiekugel in seinem Rachen und ließ diese prasselnd als lila Flamme entweichen, genau auf das X. Leise zischelnd zerstob die Attacke am Baumstamm und schwebte in Form von leuchtenden Funken gen Himmel, die sich langsam auflösten.

    „W-was?“, keuchte das Reshiram und brachte den Strahl dadurch zum Versiegen. „Das hat der Feuerodem noch nie gemacht!“ Es entfesselte ungeduldig eine weitere Attacke, weshalb diese Flamme schwächer ausfiel. Das spielte jedoch keine Rolle, da sie denselben Effekt erzielte wie zuvor. Ein weiteres Mal sog es scharf Luft ein, um es noch einmal zu versuchen, da wurde es plötzlich von einer hell klingenden Stimme unterbrochen.

    „Bitte … hör auf.“

    Fast verschluckte es sich an der kleinen Kugel, die sich schon gebildet hatte, stolperte nach hinten und hustete lila schimmernden Rauch.

    „… R-Reshiram? Bist du das?“

    „Deine Bemühungen werden dich nicht weiterbringen.“ Das X wurde in einen weißen Schein gehüllt und befreite den braunen Stamm von seiner Dunkelheit, welcher sich rasch von dieser Stelle ausgehend bläulich färbte, als verwandelte er sich in Kristall. Dann entsprang ein Wesen aus Licht dem Baum; aus den Wurzeln lösten sich vier lange, schlanke Beine, während jeder Ast einen Teil eines riesigen Geweihs erscheinen ließ. Aus der hölzernen Säule, die die Krone trug, entschlüpfte der grazile Körper eines behuften Pokémon. Als dieses nun auf dem Boden vor dem Baum aufkam, schien es, als verhärtete sich das Licht, aus dem sein Körper bestand, und es nahm eine feste Form an, die aus einem blauen Körper mit schwarzen Hufen und vereinzelten cremefarbenen Akzenten bestand. Am auffälligsten jedoch war das Geweih, das nun in den sieben Farben der Blüten erstrahlte: Rot, Orange, Gelb, Rosa, Hellblau, Lavendel, Violett.

    „Oh shit“, stammelte Gladi. „Kobalium hat sich neue Schwerter besorgt!“

    „Du meinst, das ist Kobalium?!“, rief Resharp und machte einen Satz rückwärts, brachte sich dann schnell in eine defensive Position.

    „Nicht doch, Kinder“, sprach das geweihtragende Pokémon, dessen Stimme nun in dieser Form nicht mehr mystisch hallte. „Ich bin Xerneas, und ich schlafe in diesem Baum des Lebens. Deine Drachenenergie mag keine Wirkung zeigen, doch ich hielt es dennoch für angebracht, sicherzustellen, dass meinem Baum kein Schaden zugefügt wird.“

    „Xerneas?“, murmelte Resharp irritiert. „Ich dachte, Reshiram spricht zu mir. Und die Caesurio haben nie ein Xerneas erwähnt.“

    „Ich sag' doch, da passt was nich'.“ Das Gladiantri stellte sich neben seinen Freund und starrte das fremde Wesen an. „Bist du zufällig 'n Legendäres Pokémon?“

    „In der Tat, das bin ich“, antwortete Xerneas. „Ich vermute, ihr unterliegt einem Irrtum, denn Caesurio gab es hier nie.“

    Enttäuscht ließ das Reshiram die Flügel hängen. „Und ich war mir so sicher, dass ich die Alte Heimat gefunden hätte.“

    Das große Pokémon stapfte behutsam auf es zu und beugte sich zu ihm hinunter, sodass es ihm direkt mit sanftem Blick in die Augen sah. „Wie kamst du zu diesem Schluss, junger Freund? Wenn du über deinen Fehler nachdenkst, wirst du ihn nicht wieder begehen.“

    „Ich spüre diese Energie hier. Und in den alten Zeichnungen war ein Baum zu sehen“, antwortete es mit der Einsichtigkeit eines Schülers.

    „Unsere Welt ist groß und voller Magie“, erklärte Xerneas. „Es ist nicht auszuschließen, dass diese Beschreibung auf mehrere Orte zutrifft. Die Naturenergie, die jenem, der Xeneroville genannt wird, innewohnt, wurde jedoch vor langer Zeit hinter diesem Tempel versiegelt, auf dass die Urgewalten namens Groudon und Kyogre niemals wieder Unheil anrichten können.“

    „Groudon … Kyogre …“ Allein der Klang, der diesen beiden Namen innewohnte, hatte etwas immens Mächtiges an sich.

    „Xeneroville – Xerneas. Aha“, kombinierte Gladi. „Hab ich recht?“

    „Nun, gewissermaßen“, lächelte Xerneas. „Der Stamm der Xeneraner erschuf die Legende, dass alles Leben seinen Ursprung in der Höhle hinter dem Tempel nahm. Dem Pokémon, das Leben spendet, zu Ehren, benannten sie sich und ihre Heimat nach mir.“

    „Moment mal“, rief Resharp. „Du kannst Leben spenden?“

    Als Antwort hauchte ihm das Legendäre Pokémon zart ins Gesicht. Irritiert zog das Reshiram den Kopf ein und blinzelte. Was sollte das denn nun? Xerneas' Atem streichelte seinen Kopf und drang in seine Nase ein, erfüllte es mit einem frischen Frühlingsduft. Auch vom Rest seines Körpers fiel nun plötzlich jegliche Erschöpfung ab, und war sie noch so klein. Selbst in seinen gerade verheilten Flügel kehrten dessen volle Kräfte zurück, und es fühlte sich, als könnte es einmal um die Welt fliegen.

    „Wahnsinn“, flüsterte es.

    „Was war'n das jetzt für'n Zaubertrick?“, fragte Gladi ungläubig, empfing dafür ihrerseits einen magischen Hauch. „Urgh!“, machte sie instinktiv und fuchtelte mit den Armen vor ihrem Gesicht herum. Als sie spürte, dass etwas in ihren Handklingen vorging, erstarrte sie schlagartig und betrachtete diese beinahe schockiert. Ein silbriger Schimmer fuhr über das Metall und ließ es poliert und geschärft zurück. Das Gleiche passierte auch mit den anderen Klingen an ihrem Körper, und alles an dem Gladiantri strahlte – das Gesicht nicht ausgenommen.

    „Wahnsinn!“, rief sie.

    Xerneas warf ihnen noch einen freundlichen, beinahe mütterlichen Blick zu, dann drehte es sich weg und betrachtete seinen Baum. „Ihr solltet eure Reise nun fortsetzen. Mein Werk hier ist jedenfalls getan. Lebt wohl, Gladi und Resharp.“ Es setzte einen Huf auf eine Wurzel, der sogleich mit dieser verschmolz. Dann setzte es zu einem grazilen Sprung an und wurde wieder zu der Lichtgestalt, als die es erschienen war.

    „Warte, du kennst unsere Namen?“, fragte das Reshiram schnell, erhielt jedoch keine Antwort mehr. Schon war das geweihtragende Pokémon wieder im Baum des Lebens verschwunden, dessen kristalline Färbung sich aus den Ästen und Wurzeln zurückzog und dem natürlichen, dunklen Braun wich. Nur noch das weiß leuchtende X blieb übrig, und auch dieses verblasste nun langsam, bis wieder nur noch die Blüten hoch in der Baumkrone ihren Lebensschimmer von sich gaben.

    „Ich sag' ja, da is'n liebes Legendäres Pokémon drin“, murmelte Gladi und lehnte sich zufrieden an Resharp, das immer noch die dunkle Markierung anstarrte. Schließlich jedoch riss es sich davon los.

    „Also, du hast gehört, was Xerneas gesagt hat. Wir setzen unsere Reise fort.“

    Darüber nachdenken, was gerade geschehen war, konnte es im Flug auch noch.


    „Jemand hat es geschafft, das Legendäre Pokémon Xerneas zu beschwören“, sagte Wassili zu dem Pokéball in seiner Hand. Er erhob sich von seinem Stuhl auf der Dachterrasse seines Hauses. „Wer hätte gedacht, dass in diesem alten Baum ein Aspekt von Xerneas ruht?“ Ein letztes Mal schielte er zu der Oase und musste lächeln. „Bestimmt wusste König Azett davon.“

    Eine plötzliche Bewegung machte ihn stutzig. Flog da nicht gerade etwas davon? Viel mehr als eine dunkle Silhouette konnte er nicht erkennen, doch es war eindeutig, dass kein Trainer dabei war, der Fliegen befohlen haben könnte.

    „Ein … Pokémon?“




    Highlights: Kiriki-chan , Shining Lucario , Luxuria , Molag-Bal

    Das Beste ist ja, manchmal werden die Titel nicht einfach übersetzt, sondern auch gleich abgeschnitten. Ich hatte da so einen Kandidaten namens "10 Zeichen," - hab die URL kopiert und in einem anderen Browser aufgerufen, da stellte sich heraus, dass der Titel "10 Signs You Have A Toxic Friend" lautete. Ich ... verstehs nicht.

    Hi Pika!


    Glaub es oder nicht, ich bin wegen der Kommentarkette hier. Vor vielen, vielen Monaten warst du da ja mal drin und ich hatte auch in Erwägung gezogen, bei dir zu kommentieren. Du hattest zu diesem Zeitpunkt schon eine stolze Anzahl an Kapiteln, weshalb es noch etwas länger gedauert hätte. Inzwischen hab ich aber alle Kapitel gelesen (hatte vor ein paar Wochen im Krankenhaus viel Zeit).

    Was mich an deine Geschichte gefesselt hat, war schon der Prolog. Von Links Abenteuern in seiner nachgeholten Kindheit zu erzählen ist einerseits eine recht offensichtliche, andererseits auch sehr kreative Idee. Der Teil, wo er seine Wolfsform bekommen hat, hat einfach zwangsläufig Sympathie für ihn bei mir ausgelöst, warum genau, kann ich gerade nicht mehr sagen, aber wenn ich mich recht erinnere, hat er sogar mit der Wölfin Kinder gezeugt? Das fand ich ein bisschen schräg. xD

    Ehrlich gesagt hab ich die ganze Geschichte lang Link angefeuert und weniger die drei Helden, die ihn stoppen sollten. Ich wusste natürlich irgendwo, dass er die nicht umbringen wird, aber Link ist ja jetzt mit dem Leben davongekommen und ich hoffe auf ein Happy End für ihn, ob er es nun verdient oder nicht. War imo auch ein bisschen unfair von den Feen, ihm auf ewig ihre Dienste zu verweigern, nur weil ihm ein unüberlegter Gedanke gekommen ist. Hat seinen Wahnsinn doch letztendlich nur befeuert.

    Was das fremde Bewusstsein in Zeldas Körper angeht, war ich ja ab einem bestimmten Punkt überzeugt, es handle sich um Navi selbst. Aber dann war davon die Rede, dass Zelda Shiekah-Augen bekommt, weil das Bewusstsein wütend ist. Jetzt hoffe ich auch hier, dass das bald aufgelöst wird, denn ich kann nur noch vage Theorien aufstellen. Sonderlich viele Shiekah außer Impa kenne ich nicht, aber vielleicht ist Shiek ja eine eigene Person, die Zeldas Körper auch "auf der anderen Seite der Zeit" übernommen hat, um sie vor Ganondorf zu schützen.


    Tut mir jetzt auch leid, dass ich nicht im Detail auf verschiedene Aspekte eingehen konnte. Ich hoffe, du freust dich trotzdem über den Kommentar.

    Libelldra ...stimme allen zu, warum kein Käfer/Drache, Design passt doch zu nix anderes?!?

    Der Typ gehört wohl weniger zum Design als zur Lore, dass es eben wie eine Art Wüstengespenst in Sandstürmen auftaucht.

    Serpiroyal ...Pflanze/Drache wäre cool gewesen.

    Es gibt Hacks namens Blaze Black und Volt White, die Serpiroyal genau diesen Typen geben, neben so einigen anderen Änderungen, zB Flambirex Boden statt Kampf.

    Maxax ...auch hier hätte Käfer/Drache gepasst.

    Seh ich nicht wirklich, kannst du das erklären?

    Silvarro ...wirklich aus dem nix, der Geist Typ?

    Das liegt daran, dass es auf einer ausgestorbenen hawaiianischen Eulenart basiert. Tot = Geist und so.

    Tatsächlich sind das Zitate von sehr dummen Menschen, teilweise handelt es um Kollegen. Sie glauben damit sich profilieren zu können.

    Zum Glück fallen solche Sprüche im Schnitt alle 6 Monate.

    Dafür, dass du solche Sprüche so selten hörst, redest du aber ziemlich oft davon. Es ist zwar gut, so viel Feingefühl zu haben, die Unsinnigkeit hinter diesen Aussagen zu erkennen, aber man muss deshalb noch nicht denken, dass die Welt schon dem Untergang geweiht ist. Im Gegenteil, in Sachen Sexismus hat sich bereits enorm viel gebessert, auch wenn wir noch viel Arbeit vor uns haben.

    Seltsame Vorstellungen über behinderte Menschen fallen übrigens nicht unter Sexismus. Sexismus bezieht sich auf die Geschlechter und nicht auf die Sexualität. Das wäre dann schon eine andere Form der Diskriminierung.

    Nein, das ist keine Option.

    Es ist halt schon erstaunlich, wie viele aus ihren Löchern gekrochen kommen, wenn mal ein männerfeindlicher Hashtag gepostet wird. Dann sind da auf einmal Scharen von Leuten auf den Straßen die erklären, dass „Feminismus ja so nicht funktioniert“ und man auf diesem Wege „ja eh nichts erreichen kann“ und „wenn ich das schreiben würde gäbe es einen Shitstorm“ (Wieso solltest du sowas auch schreiben? Du leidest ja nicht seit Jahrzehnten unter Sexismus). Leute, die ihr ganzes Leben keinen einzigen Finger Krumm gemacht haben wenn Frauen in ihrem Umfeld an Sexismus gelitten haben, Leute, die ihrerseits selbst vermutlich bereits sexistisch gehandelt haben, erklären dann den anderen, die ihr Leben der Thematik widmen, wie man es „richtig macht“.

    Jeder, der sich irgendwie angegriffen gefühlt hat und sich gegen den Hashtag ausgesprochen hat sollte mal tief in sich gehen und überlegen, wie oft er sich in der Vergangenheit schon ganz aktiv und unter Einsatz des eigenen Rufs öffentlich gegen Sexismus gegen Frauen eingesetzt hat, und sei es nur mit dem Elan den er jetzt für Sexismus gegen Männer aufbringt. Etliche Leute interessieren sich kein Bisschen für Sexismus, bis sie selber betroffen sind, und dann sind sie Experten und Heucheln vor dass es ihnen ja auch am Herzen liege und aber das ja nicht der richtige Weg sei wie die anderen das machen, und sie sollen es ja lieber so und so machen. Das grenzt halt schon ziemlich an Whatabaoutism.

    Mehr oder weniger stellvertretendes Zitat für so einige Argumente, die ich hier schon lesen durfte.

    Es ist egal, wie viel man schon für oder gegen Sexismus oder meinetwegen allgemein ein gesellschaftliches Problem gemacht hat (nicht jeder kann sich jedem Problem widmen, you know). Wenn die eine Seite der Diskussion beleidigend wird, ist es legitim, sich aufzuregen. Und #menaretrash IST beleidigend, Punkt aus. Man hätte den Hashtag auch anders formulieren können, und zwar so, dass er eine ähnliche Reichweite erzielt (vielleicht #stopkillingus oder eine konkretere Variation, wenn ich die Problematik richtig verstanden habe - ähnlich provokativ, wirft aber nicht gleich die Gesamtheit aller Männer buchstäblich auf den Müll), aber nicht im selben Atemzug einen Haufen Menschen unschuldig verurteilt. Da kann man auch nicht sagen, dass sie nicht gemeint seien, denn der Hashtag ist eben nicht unmissverständlich formuliert, weshalb man ihn so oder so interpretieren kann. Und auch wenn es eine "gute" Interpretation gibt, negiert das nicht die beleidigende.



    „He, Boris, komma her! Sieh dir das an!“

    „Was hastn jetzt wieder?“

    Etwas genervt stapfte der grauhaarige Flughafenmitarbeiter zu seinem Kollegen, der gerade dabei war, die Fracht zu kontrollieren.

    „Ich glaub, da war'n Viech drin.“

    „Ein Viech?“ Skeptisch beugte Boris sich über die offene Kiste, in der sich Pokériegel hätten befinden sollen. Doch tatsächlich fand er stattdessen nur zusammengedrückte Schachteln, einige vereinzelte bunte Süßigkeiten sowie eine Menge weißer Federn. „Boah, diese Luschen in Reinfall … Ham wohl ihre Dusseltauben oder Schwaroness oder wie sie alle heißen nich' unter Kontrolle. Na, geh's halt melden, Ralf.“

    „Klar“, brummte Ralf, griff sich eine Feder und drehte sie ein wenig zwischen seinen Fingern, wobei sie ganz dezent golden schimmerte. „Aber ich hab gedacht, die Dusseltauben sind grau und die Schwaronesse mehr so blau. Naja, is' ja auch wurscht.“

    „Darf ich mal sehen?“, fragte auf einmal hinter ihnen eine jüngere Stimme. „Federn sammeln ist so ein kleines Hobby von mir.“

    „Ach, der Olli“, lachte Boris.

    „Viel Spaß mit dem Ding, Kleiner“, fügte Ralf hinzu und drückte Olli die Feder in die Hand.

    „Piccolente und Swaroness haben beide ein eher bläuliches Gefieder, das stimmt“, erklärte dieser, ohne zu erwarten, dass die beiden anderen sich groß dafür interessierten. „Aber darunter mischen sich oft auch einige anders gefärbte Federn, die in Einall sogar dafür verwendet werden, Pokémon zu stärken. Die hier sieht aus wie eine Heilfeder.“ Auch er ließ nun ein wenig das Licht über die Feder streichen, um sie noch genauer zu betrachten. „Aber irgendwas ist seltsam … irgendwie ähnelt sie denen dieser beiden Pokémon nur im Entferntesten. Ihr Weiß wirkt so viel … reiner. Gibt es etwa auch andere Pokémon, die solche Federn abwerfen können?“, murmelte er, wobei er nicht bemerkte, dass seine älteren Kollegen sich bereits unauffällig verzogen hatten.


    Geschafft ließ sich das Reshiram unter einem fremdartigen Baum in den weichen Sand fallen. Dass es unbemerkt aus der Kiste klettern und den riesigen, asphaltierten Platz mit noch mehr dieser Flugmaschinen heil verlassen konnte, grenzte angesichts seines matschigen Zustandes an ein Wunder. Wie es das hingekriegt hatte, daran konnte es sich nicht einmal richtig erinnern, die Zeit war einfach an ihm vorbeigeflossen.

    Es wusste nur noch, dass es einen ruhigen Moment abgewartet hatte, um seinen Kopf aus der hölzernen Box zu strecken und nachzusehen, ob die Luft tatsächlich rein war. Dann hatte es sich schnell umgesehen und in einer Richtung einen Strand entdeckt, an dem es sich wohl in Sicherheit bringen können würde. Was danach passierte, war in seinem Kopf nur noch als verschwommenes Chaos verblieben. Jedenfalls war es gerannt, so schnell es konnte. Und nun saß es hier unter diesem Baum, der aus mehreren dünnen Stämmen bestand, die nebeneinander in die Höhe wuchsen und Blätter in blasenartiger Formation trieben. Wieder sah es sich um, diesmal etwas entspannter.

    Da es sich am Strand befand, war es nicht weiter verwunderlich, dass in einigen Metern Entfernung das Land ins Wasser überging, wo schaumige Wellen glucksend auf gelben Sand schlugen. Als es diesen mit seinen Blicken in Richtung Horizont folgte, entdeckte es eine Felsformation, die es sogar zu Fuß erreichen konnte, da eine schmale Sandbank seinen Aufenthaltsort mit dieser Steininsel verband. Es drehte seinen Kopf zur Sonne, die vor wenigen Stunden ihren morgendlichen Aufstieg begonnen hatte. In dieser Richtung gab es jedoch, abgesehen von der grünen Küste zu seiner Linken, in die der Strand überging, ebenfalls nur den weiten Ozean, aus dem weitere vegetationslose Felseninseln ragten.

    Stirnrunzelnd richtete es sich auf und drehte sich um. Auch hinter ihm nur das Meer, dort jedoch blau und glatt, ohne jegliche Unterbrechung.

    „Gladi?“, sprach es sein erstes Wort seit gefühlten Ewigkeiten.

    „Drüben auch nur Wasser“, tönte es als Antwort von dem Baum herab, auf den das Gladiantri geklettert war, um Resharp beim Auskundschaften zu helfen. „Die ham uns auf 'ne verdammte Insel gebracht.“

    „Eine Insel …“ Nervös biss sich das Drachen-Pokémon auf die Unterlippe. „Vermutlich sind wir auch gar nicht mehr in Einall. Wie sollen wir jetzt zu den Schwarzen Ruinen kommen?“

    „Kopf hoch“, sagte Gladi und ließ sich von einem Ast herab auf seinen Rücken fallen. „Kann ja sein, die Alte Heimat war gar nich' in Einall und wir sind in echt goldrichtig.“

    „Ich weiß ja nicht. Das kommt mir etwas weit hergeholt vor.“ Es atmete einmal tief durch. Dann beschloss es, erst einmal zu der Felsinsel zu laufen, die es von hier aus erreichen konnte. Dort würden sie sich für heute erst einmal von ihrer unfreiwilligen, wilden Verschleppung erholen. Danach konnten sie sich immer noch genauer mit ihrer Lage vertraut machen.

    So schlurfte es, Flügel und Schweif müde über den Boden schleifen lassend, über die feuchte Sandbank. Die Sandkörner klebten unangenehm an seinen Krallen und dem Gefieder, und die Vormittagssonne brannte jetzt schon unbarmherzig auf sie herunter. Einzig den blau-weißen Vögeln, die hoch über ihnen kreisten und ab und an nach unten schnellten, um sich einen Fisch zu schnappen, schien die Hitze nicht viel auszumachen. Während die kleineren fröhlich kreischten, gaben die größeren mit ihren gigantischen Schnäbeln eher trompetenartige Laute von sich. Zusammen ergab das ein seltsames Konzert, das beinahe den Eindruck erweckte, als machten sie sich über die kuriosen Neuankömmlinge lustig.

    „Wenn einer von denen runterkommt, spieß ich ihn auf“, murmelte Gladi. „Dann kannste ihn für uns braten.“

    „Hätte nichts dageg-… AAAAH!“ Resharp schrie vor Schmerz auf, als ein Pokémon sich an seiner Schwanzspitze festbiss, die ins Wasser gerutscht war. Es hüpfte auf und ab, um das fiese Ding abzuschütteln, lief dabei mit Tränen in den Augen weiter die Sandbank entlang, erreichte den Strand der anderen Insel, drehte sich wild um sich selbst – und das bissige Pokémon hielt weiter fest. Ebenso wie Gladi, die es dabei gut durchschüttelte und die es beim Festhalten offensichtlich deutlich schwerer hatte.

    „Halt mal still!“, rief sie. „Ich kümmer' mich drum, aber schmeiß mich nich' runter!“

    Das Reshiram kniff die Augen zusammen und zwang sich, möglichst still zu stehen, damit sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen konnte. Gladi sprang nun von seinem Rücken, lief zu seinem Schweif und setzte sich so auf diesen drauf, dass sie dem rot-blauen Fisch direkt in die Augen starren konnte. Dieser hörte zugunsten des Blickduells seinerseits auf, herumzuzappeln und setzte sein fiesestes Gesicht auf, die scharf bezahnten Kiefer knirschten bedrohlich.

    Das Gladiantri ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. „Sorry, Kumpel. Du musst hier weg und wir brauchen was zu futtern.“ Mit diesen Worten rammte sie dem Pokémon eine ihrer Klingen genau zwischen die beiden gelben Flossen, die aus seiner Stirn wuchsen und sich über den kugelförmigen Rücken erstreckten. Ihm blieb gar keine Zeit, zu realisieren, was passiert war, da erschlafften seine Kiefermuskeln und es plumpste zu Boden.

    „Futterzeit!“, grinste Gladi zufrieden.

    Erleichtert fuhr Resharp sich über die Augen. „Puh. Danke, Gladi.“ Sein Schweif hatte sich bei der Aufregung bereits ein wenig erwärmt, doch da dies zur Zubereitung noch nicht ausreichte, leitete es noch mehr Hitze hinein. Währenddessen sorgte das Gladiantri dafür, dass der Fisch gut durchgebraten wurde, indem sie ihn ab und zu auf die andere Seite drehte. Nach einigen Minuten meinte sie, dass es genug wäre, und teilte dies ihrem Freund mit. Das Reshiram unterbracht daraufhin die Hitzezufuhr und strich noch ein paar Mal mit seinem Flügel über die Mahlzeit, um ein wenig den Sand abzuputzen, der beim Wenden daran festgeklebt war. Dies hatte, wie die beiden anschließend feststellten, immerhin den positiven Nebeneffekt, dass das Meersalz darin dem Fleisch eine angenehme, würzige – wenn auch trocken-erdige – Note verlieh.

    Während sie also schlemmten, kletterte die Sonne immer höher, was sich durch ihre sengenden Strahlen bemerkbar machte, deren Hitze nun beinahe an Resharps aktivierten Schweif herankam.

    „Suchen wir uns etwas Schatten?“, schlug es daher vor, nachdem sie fertig gegessen hatten. Gladi stimmte, immer noch an ihrem letzten Bissen kauend, mit einem „Mhm“ zu, und so standen sie auf und bewegten sich auf die steinernen Klippen zu, um diese nach Vorsprüngen oder Ähnlichem abzusuchen. Kaum hatten sie sich von den für sie ungenießbaren Teilen des Fisches entfernt, schon stürzte sich eine Horde kleiner weiß-blauer Vögel auf diese, in der Hoffnung, ihnen doch noch etwas abgewinnen zu können. Nach kurzer Zeit stieben sie jedoch aufgeschreckt wieder auseinander, als eines der größeren Exemplare herabsegelte und die Beute mit einem Happs in seinem großen Kehlsack verschwinden ließ.


    Und tatsächlich stießen Resharp und Gladi schon bald auf einen noch besseren Rastplatz, als sie sich erhofft hatten: An einer vom Wasser abgeschliffenen Stelle fraß sich eine Grotte in den hellbraunen Fels, aus der ein kühler Luftzug herausströmte.

    „Los, rein da!“, drängte das Gladiantri, dem die Hitze unter dem metallenen Helm bereits zu Kopf stieg. Und so zögerte das Reshiram nicht lange, dem frischen Wind zu folgen. Es war zwar nicht unbedingt begeistert von der Idee, nach ihrem kürzlichen Ausflug in die Elektrolithhöhle schon wieder unter einer Decke aus Gestein auszuruhen, aber immerhin war der Eingangsbereich dieser Grotte aufgrund der weiten Öffnung lichtdurchflutet, ganz im Gegensatz zu dem dunklen, nur von elektrischen Felsen erleuchteten Kammernsystem unter Einalls Westgebirge. Tiefer hinein wollten sie – in stiller Übereinkunft – ohnehin nicht, obwohl sich die Aushöhlung durch mehr oder weniger schmale Gänge weiter hineinzog, als man von außen vermuten würde, bis unter den Meeresspiegel. Resharp fragte sich, weshalb die glatten Felsbecken dann nicht mit Wasser, sondern nur teilweise mit Sand gefüllt waren. Doch schnell beschloss es, dass es die Mühe nicht wert war, diese Sache zu erforschen.

    Stattdessen suchte es sich eine etwas erhöhte, halbwegs flache Plattform aus, die es mit ähnlicher Vorgehensweise wie zuvor bei dem Holzkistenstapel erklomm. Diesmal konnte natürlich nichts nachgeben und es erreichte sein Ziel ohne Komplikationen, wo es bereits von einer stolz grinsenden Gladi empfangen wurde, die diesmal nicht auf ihm geritten, sondern selbst in Caesurio-Manier hinaufgeklettert war. Ihre Sprünge erschienen dabei zwar noch immer nicht so geschmeidig wie die ihrer entwickelten Stammesgenossen, doch diesmal war sie wenigstens nicht aus dem Rhythmus geraten.

    „Na siehst du, es wird ja langsam“, sagte das Reshiram anerkennend, während es sich eine gemütliche Position suchte.

    Das Gladiantri drückte sich an seinen flauschigen Körper und ließ sich zu Boden rutschen. „Hoff ich doch sehr. Will mich ja bald entwickeln.“

    „Ich bin sicher, wenn du weiter trainierst, kommt das schon bald.“ Ein letzter Gedanke kam Resharp noch, als es die Augen schloss. „Aber nicht zu bald, bitte … Ich kann bestimmt noch kein Caesurio tragen.“

    „Mussu halt auch trainieren“, murmelte Gladi.


    Ein Spritzer salzigen Wassers traf das Reshiram mitten im Gesicht und ließ es unsanft aufwachen. „Brrr!“ Es schüttelte sich. Ein weiterer nasser Platscher traf seine Seite. „Was ist jetzt los?“, muffelte es irritiert und blickte auf.

    Während es geschlafen hatte, hatte sich die Strandhöhle ungefähr zur Hälfte mit Wasser gefüllt, das zum Eingang hereinschwappte und diesen Bereich etwa knöcheltief bedeckte. Doch das war es nicht, was den Großteil seiner Aufmerksamkeit auf sich lenkte: In den flachen Becken rollten fröhlich glucksend mehrere blaue Kugeln herum, prallten voneinander ab, balancierten aufeinander, doch vor allem rollten sie. Und taten alles mögliche, um diesen Zustand beizubehalten. Sie robbten auf die Felsen und kugelten wieder hinunter. So verpasste einer dieser Bälle mit Gesicht Resharp eine weitere salzige Dusche, als er neben ihm mit seinen winzigen, beigefarbenen Flossen in eine Pfütze platschte, die er und seine Freunde durch ihr Spiel tropfend angeschleppt haben mussten.

    „Was geht'n jetzt ab?!“, fragte Gladi baff und schüttelte einige Tropfen ab. Dieses Schauspiel erschien aber auch wirklich zu ulkig, um wahr zu sein. Wo kamen diese kugelrunden Pokémon auf einmal her? Und nebenbei – wo kam das Wasser her?

    „Mien jong, gib Ruh!“, brüllte auf einmal eine tiefe, raue Stimme. Sofort hielten die blauen Bälle inne und sammelten sich alle an einem Ort, blickten unschuldig mit ihren glänzenden Knopfaugen in die Richtung, aus der der Befehl gekommen war. Resharp und Gladi folgten ihrem Blick, wollten sie doch auch erfahren, wer nun die Szene betreten hatte.

    „Sindse brav“, brummelte ein Pokémon von der gleichen Farbe, doch etwas langgezogenerer Form, das sich gerade aus einem der Felsbecken hievte. Sein buschiger Schnurrbart hing durchnässt und schwer tropfend nach unten, doch mit einem Schwenk des Kopfes, der beinahe den Körper eines der kleineren Pokémon ausmachte, entledigte es sich dieser Last. Dann drehte es selbigen und sah die beiden Fremden mit einem freundlichen Gesichtsausdruck an.

    „Seejong tut leid“, sagte es. „Mien jong Seemops sindse immer so wild. Seemöpsens, sagtse tut leid!“

    Bevor Resharp oder Gladi ihre Verwirrung ausdrücken konnten, fingen einige der Pokémon, deren Name offenbar Seemops lautete, an, mit ihren kleinen Flossen zu klatschen, was ein ohrenbetäubendes Konzert ergab. Aus dem rumorenden Haufen, in dem es nun schwer fiel, einzelne Bälle auszumachen, rollten schließlich drei heraus, ließen sich glucksend in ein flacheres Becken fallen, in das sie abtauchten und wenig später mit einem leuchtend orange geschuppten Fisch-Pokémon zurückkamen. Wie dieses nun in vergeblichen Versuchen, sich aus der Balance auf den drei Rücken zu befreien, hilflos herumplatschte, wirkte es deutlich harmloser als der bissige Fisch vom Vormittag. Simultan gaben die drei Seemops ihm von unten einen Stoß und schickten die Beute so auf eine Reise durch die Luft, die in der Pfütze neben dem Reshiram endete und dieses somit erneut bespritzte.

    „… Danke.“ Etwas argwöhnisch starrte es das Geschenk an, das immer noch zappelte und dabei nicht einmal den Anschein erweckte, dass ihm sein Aufenthalt an der Luft zu schaffen machte. Gladi hingegen ließ sich nicht länger irritieren, verpasste dem Fisch einen gezielten Stich und brachte ihn somit zum Stillhalten. Ohne zu zögern zerrte sie ihn zu Resharps Schweif und stupste diesen einmal an. Sein Besitzer brauchte nicht einmal mehr darüber nachzudenken, sondern aktivierte einfach den eingebauten Grill.

    „Jetzt nochmal langsam“, versuchte das Drachen-Pokémon sich schließlich zu sammeln. „Was war das gerade? Und wo seid ihr hergekommen?“

    Seejong robbte ein wenig näher an den flachen Felsen heran, auf dem die beiden sich zur Ruhe gebettet hatten, und schenkte ihnen erneut einen freundlichen Blick, bevor es antwortete. „Mien jong Seemops sindse wild, jaja. Seejong und mien jong lebense hier. Hier, dat is Küstenhöhle.“

    Sehr intelligent schien das speckige Pokémon nicht zu sein, doch immerhin schien es sich grundlegend verständigen zu können. Daher beschloss das Reshiram, ihm noch eine Frage zu stellen, die es ja eigentlich schon seit gestern interessierte. „Seejong, hör mal. Hier war vorhin doch noch gar kein Wasser. Warum ist hier jetzt alles voll damit?“

    Der Angesprochene legte kurz den Kopf schief, als bräuchte er einen Moment, um zu verstehen. „Ach, jaja, mehr Meer hier. Seemöpsens mögense das. Mal so, mal so. Mal mehr Meer, mal weniger Meer. Immer zu Zeiten, jaja. Deshalb Gezeiten. Gezeiten nennse dat.“

    „Ach so. Na, danke für das Essen jedenfalls.“ Resharp drehte sich um und löschte im selben Atemzug seinen Schweif. „Du bist so ruhig, Gladi“, fiel ihm dann auf.

    „Ja also …“, versuchte das Gladiantri sich zu rechtfertigen, während es den Fisch zerteilte. „Ich sag's nich' gern, aber die Viecher sind echt knuffig. Ich kann denen nich' böse sein, auch wenn sie mir auf'n Zeiger gehen sollten.“ Ein leichtes Grinsen schlich sich auf ihr Gesicht und wurde dann trotz ihrer Unterdrückungsversuche schnell immer breiter, sodass man beinahe meinte, es würde bald einmal um ihren Kopf reichen. Nun musste Resharp selbst kichern.

    „Ich verstehe, was du meinst.“

    So verbrachten sie das Abendessen also zusammen mit Seejong und den Seemops, die sich eigene Fische besorgt hatten und diese roh verzehrten. Um die zappelnden Dinger vorher zu töten, benutzten sie ihre Hauer, die zwar nicht die beeindruckendsten waren, die das Reshiram je gesehen hatte, aber für diesen Job mehr als ausreichten. Erneutes lautes Klatschen begleitete die Mahlzeit und erweckte den Anschein, als stellte dies ein Ritual unter den blauen Pokémon dar. Aber vielleicht interpretierte Resharp da auch nur zu viel hinein und in Wahrheit drückten sie nur ihre Freude aus.

    Als alle fertig gegessen hatten, bat es Gladi, auf seinen Rücken zu steigen. „Mein Flügel fühlt sich wieder einigermaßen gut an. Ich will mal sehen, wie es sich anfühlt, ihn zu benutzen.“

    „Fall mir ja nich' auf die Schnauze“, erwiderte seine Freundin und leistete seiner Bitte Folge.

    „Natürlich nicht. Ich pass schon auf.“ Das Reshiram erhob sich, streckte sich einmal gut durch und stellte sich dann an die Stelle, wo der Felsen in einer rund geschliffenen Kante anfing, nach unten abzufallen. Es ging nicht sehr tief runter, höchstens drei Meter, die es mit einer geschickten Landung auch so ausreichend abfedern könnte, wenn es denn nötig wäre. Zudem peilte es an, im Sand zu landen, der von den Gezeiten in den Eingang gespült worden war. Es breitete die Schwingen aus, atmete einmal tief durch und stieß sich dann ab.

    Der Schwebeflug dauerte nur wenige Momente, doch das reichte ihm vollkommen aus, um festzustellen, dass es dabei keinerlei Schmerzen mehr verspürte. Etwas zittrig glitt Resharp zwar schon noch dahin, doch es fühlte sich unglaublich gut dabei, endlich wieder mit leichten Flügelschlägen sanft auf dem Boden zu landen, was es seit Tagen nicht geschafft hatte. Mit einem leisen „Plitsch“ wirbelten seine Krallen ein wenig Wasser und Sand auf, doch nicht genug, um seine Schenkel zu beschmutzen.

    „Ab heute fliegen wir wieder selbst“, verkündete es stolz.

    „Na hoffentlich“, stöhnte Gladi leise, als sie an den Wahnsinnsritt in der Maschine erinnert wurde.

    „Wir stören dann mal nicht weiter“, verabschiedete sich Resharp noch von seinen Gastgebern. „Auf Wiedersehen!“ Als Antwort erntete es das fröhliche Heulen und Glucksen Seejongs und der Seemops. Dann watete es aus der Grotte hinaus in die junge Nacht.

    Das Licht der Sterne und des aufgehenden Vollmondes offenbarte ihnen, dass die Sandbank, die heute Vormittag als Landbrücke gedient hatte, nun fast komplett vom glitzernden Meer bedeckt war und diesen Zweck nun wohl nicht erfüllen konnte. So bildeten die hohlen Felsen nun eine vollständig von Resharps und Gladis Ausgangspunkt abgeschnittene Insel. Eine leichte Brise strich durch das weiße Federkleid des Drachen-Pokémon und kühlte seine nassen Füße unangenehm ab. Schnell setzte es sich wieder in Bewegung und kletterte die feuchten Klippen hinauf, immer darauf achtend, nicht abzurutschen. Doch mit seinen Krallen fand es ohnehin genug Halt, um bald die Spitze des Felsens zu erreichen.

    „Bereit, Gladi?“, fragte es noch einmal nach, wenn auch mehr, um sich selbst mental vorzubereiten.

    „Immer, Reshi“, antwortete das Gladiantri.

    Und so breitete das Reshiram wieder seine Schwingen aus, atmete tief durch und warf sich dem kühlen Wind entgegen.




    Highlights: Kiriki-chan , Shining Lucario , Luxuria , Molag-Bal

    Ich denke, ich muss ein wenig Geschmack in dieses Topic bringen. Natürlich ist die beste Region Einall, wer was anderes behauptet, hat B2W2 nicht gespielt. Ich höre nämlich immer Argumente à la "zu linear" und genau dieses Problem haben sie in den Sequels eben beseitigt. Das heißt natürlich nicht, dass es gar keine Unstimmigkeiten gibt (warum etwa kann man nicht von den Pokéwood-Studios direkt zum PWT, wo sie doch technisch gesehen direkt nebeneinander liegen?), aber besonders mit den neuen Orten wie zB dem Janusberg wurde das Gesamtbild der Region drastisch verbessert.


    Mein Platz 2 geht allerdings (recht mainstream, glaube ich) an Hoenn. Quasi Nostalgie für mich, weil Smaragd mich an die Serie gebracht hat, und ORAS waren sehr solide Remakes, deren Grafik ich sehr hübsch fand. Mich stört hier eigentlich nur ein kleines Detail in einem guten Landschaftsbild, und das wäre dieser eine random Fleck Wüste in der Mitte. Alles in allem gebe ich Hoenn eine 7.8/10, weil es da leider zu viel Wasser gibt.

    Entschuldige mal, aber was ist das für eine Aussage?! Zwar ist der Ton vielleicht nicht der angemessenste, aber Leuler bringt berechtigte Kritik an (die Stile sagen nicht zu, es wurden neue versprochen, die nie kamen) und du kommst mit "ja dann geh doch"? So wird man User los, Leute. Das kann man hier einfach nicht mehr bringen und das wurde auch schon öfter gesagt.