Beiträge von Dartiri

    Was ich schlimmer finde als die Leistungen an sich, ist die Art und Weise, wie manche Nationalspieler mittlerweile in der sogenannten dritten Halbzeit damit umgehen. Hierbei sei vor allem Mats Hummels erwähnt. Ich habe keine Ahnung, was mit dem passiert ist, aber seit dem Wechsel zum FC Bayern gefällt er mir sowohl sportlich als auch charakterlich überhaupt nicht mehr. Diese Anmerkung dient übrigens ausschließlich der zeitlichen Einordnung, ich stelle keinen kausalen Zusammenhang zwischen diesen beiden Positionen her.


    Momentan gibt es kaum ein Spiel, in dem Hummels nicht auf irgendeine Art und Weise einen Gegentreffer verschuldet. Er wirkt lustlos, nicht auf der Höhe und alles andere als fit. Und trotzdem stellt er sich nach einem 0:3 gegen die Niederlande vor die Kameras und meint, dass man das Spiel eigentlich hätte gewinnen müssen. Ferner nennt er die Kritik aus den eigenen Reihen "respektlos". Kurz und knapp, Hummels' Interview nach dem Spiel gegen die Niederlande wurde genau von den Eigenschaften geprägt, die uns schon bei der Weltmeisterschaft ausgezeichnet haben: Selbstherrlichkeit und Arroganz. Die Spieler gehen mit Kritik momentan so um, wie sie gegen den Ball treten: Die Verantwortung wird immer und überall auf den nächsten geschoben. Speziell Hummels hat schon bei der WM erkennen lassen, dass er aktuell kein Teamplayer ist. Und dann kommen noch solche Interviews, die der ganzen Sache die Krone aufsetzen. Wenn man einen Nationalspieler auf Basis seiner momentan schlechten Leistungen kritisiert, hat das nichts mit Respektlosigkeit zu tun. Vielmehr ist es respektlos gegenüber den Fans, wenn man Frisur und Instagram-Konto mit wesentlich mehr Sorgfalt behandelt als den Job, für den man (nicht zu knapp) bezahlt wird. Ich kann es nicht ernst nehmen, wenn verwöhnte Millionäre anfangen zu jammern, wenn man sie mit ihren schlechten Leistungen konfrontiert. (Fiel von Hummels nicht sogar der Begriff "Schmerzensgeld"? Das hat er sich aber nett bei Mario Basler abgeschaut.)


    Ich schätze die Arbeit von Joachim Löw sehr, aber ich bin mittlerweile der Meinung, dass er seinen Zenit überschritten hat. Vielleicht hätte er es wie Philipp Lahm machen und nach dem WM-Triumph in Brasilien zurücktreten sollen. Letztes Jahr war noch alles in Ordnung: Der Confed Cup wurde mit einer jungen Mannschaft gewonnen. Praktisch gleichzeitig wurde die deutsche U21 Europameister. Und die Qualifikation für die WM in Russland wurde mehr oder weniger im Vorbeigehen bestritten. Vielleicht war das alles ein wenig zu viel des Guten, denn seitdem geht es stetig bergab. Und damit meine ich jetzt nicht die FIFA-Weltrangliste, in der wir dieses Jahr 14 Plätze auf einmal verloren haben. Man hat in den vergangenen Monaten keinerlei neuen Erkenntnisse gewonnen. Aber wie soll das auch gehen? Joachim Löw ist anscheinend nicht fähig, der Mannschaft noch neue Impulse mit auf den Weg zu geben, aber das ist auch alles andere als verwunderlich. Hinzu kommt, dass er das Leistungsprinzip schon vor Monaten außer Kraft gesetzt hat. Es ist zwar irgendwo verständlich, dass er auf die Spieler setzt, mit denen er seine größten Erfolge feiern konnte, aber irgendwann muss auch er einsehen, dass Neuer, Müller, Boateng und Co. zumindest momentan alles andere als Weltklasse sind.

    Allein der Umstand, dass man so ein Interview als Ausraster bezeichnet, zeigt doch, wie steril und weichgespült Fußball-Deutschland mittlerweile ist. Der Spieler wird nicht einmal wirklich laut. Richtige Beleidigungen sucht man ebenfalls vergebens. Wenn er die Sprüche mit den Cornflakes und der Kreisliga nicht gebracht hätte, wäre das Interview wahrscheinlich sofort in Vergessenheit geraten. Und heute erscheinen solche Aussagen in den Medien, begleitet mit der Headline, dass dieser Typ unbedingt in die Bundesliga muss?


    Damals wäre das ein völlig normales (oder vielleicht sogar eher langweiliges) Interview gewesen. Heute bezeichnet man so etwas als Emotionen. Und selbst die scheinen nicht erwünscht zu sein, wenn ich daran denke, dass dem Spieler wohl eine Strafe droht. Typisch: Auf der einen Seite wird permanent gejammert, dass hierzulande die Typen fehlen, und auf der anderen Seite möchte man Spieler dieser Art für jede kleine Aussage in ihre Schranken weisen.

    Kennt ihr das wenn ihr keine Ahnung habt, warum Gronkh beliebt ist? Er ist nicht der beste Kritiker, seine Community ist so groß, dass er nicht auf jeden einzeln eingehen kann und vor allem er ist ein unglaublicher Wimp, der bei allem sofort losweint und lange Monologe hält, wie traurig, oder emotional eine Szene ist. Ich kann dem nicht lange zuschauen, bis es mit reicht.

    Kennt ihr das, wenn ihr solche Statements auf 99% aller "bekannten" YouTuber anwenden könnt?

    Kennt ihr das, wenn ihr im Radio ein gutes Lied hört - was in der heutigen Zeit selten genug vorkommt, da dieser pseudo-philosophische Quark meistens gleich klingt - und zu Hause feststellt, dass ihr es tatsächlich auf dem PC habt?

    Kennt ihr das, wenn ihr Gespräche zwischen Jugendlichen in Bus und Bahn mitbekommt und ihr euch plötzlich irgendwie alt fühlt?

    Kennt ihr das, wenn Kommilitonen, die wahrscheinlich nicht einmal die Hälfte der Vorlesungen und Seminare besucht haben, während der Prüfungsphase jammern, weil sie mit der Menge an Stoff nicht zurechtkommen?


    Kennt ihr das, wenn sie bereits im Vorfeld ankündigen, sich für bestimmte Prüfungstermine ein ärztliches Attest besorgen zu wollen, damit sie entsprechende Prüfungen schieben können? (Ich weiß jetzt schon, wer am Ende des dritten Semester wieder anfängt zu jammern...)


    Kennt ihr das, wenn sie dann von euch verlangen, dass ihr ihnen alle Unterlagen schickt, damit sie ihre Lernportfolios noch nachholen können?

    Nun hat sich Mesut Özil mehr als einmal mit Angela Merkel und Präsidenten Deutschlands ablichten lassen (Gauck, Wulff, Steinbrück) ohne in Verdacht zu geraten er sei Demokrat. Bei einem Foto mit Erdogan kommt nun der gegenteilige Verdacht auf?

    Der Zeitpunkt mag unglücklich gewesen sein, dennoch glaube ich ihm, dass er damit keine politische Botschaft senden wollte.

    Ich glaube, es geht weniger um das eigentliche Foto, sondern um die damit zusammenhängende Widmung. Auf dem geschenkten Trikot stand immerhin "Für meinen Präsidenten". Ich glaube nicht, dass Özil Merkel jemals ein Trikot geschenkt hat, auf dem "Für meine Kanzlerin" stand. Aber mir ist die ganze Sache eigentlich auch vollkommen egal gewesen. Meine Hauptsorge bestand von Anfang an darin, inwiefern sich das auf die Weltmeisterschaft in Russland auswirkt. Und die war aus deutscher Sicht leider ein absolutes Fiasko.


    Nein, natürlich nicht (nur) wegen der Sache mit dem Besuch bei Erdogan. Aber dass dieses von unseren Qualitätsmedien so häufig durchgekaute Thema die Stimmung in der Mannschaft nicht gerade erhellt hat, dürfte klar sein. (Zu möglichen anderen Gründe habe ich mich bereits an anderer Stelle geäußert.) Özil trägt die Rolle des alleinigen Sündenbocks nicht zu Recht, es gab wesentlich schlechtere Spieler bei der WM. Und ich glaube ihm sogar, dass er sich der Tragweite dieser Aktion gar nicht bewusst gewesen ist. Aber irgendwie passen die Widmung ("Für meinen Präsidenten") und die gestrige Aussage ("Ich wollte keine politische Botschaft senden.") nicht zusammen. Özils Erklärung nach zu urteilen hätte er sich mit ausnahmslos jedem ablichten lassen: ("Für mich war es nicht wichtig, wer der Präsident ist. Es war mir wichtig, dass es der Präsident ist.") - Dass es auch anders geht, hat Emre Can gezeigt, der die Einladung offentlich nicht angenommen hat.


    Wie gesagt, mir ist die ganze Sache eigentlich vollkommen egal. Mir war nur von Anfang an klar, dass sie bei einem schlechten Abschneiden der DFB-Elf erst Recht auf die Spitze getrieben wird. Über die anderen bzw. sportlichen Gründe spricht niemand mehr, und das steht einer möglichen Rehabilitierung der deutschen Nationalmannschaft sicher im Weg. Und zu den anderen Dingen, über die sich die ignoranten "Fans" gerne aufregen ("Die Mannschaft" statt "Deutsche Nationalmannschaft", Özil singt die Hymne nicht mit, etc.) will ich mich gar nicht äußern. Aber eine clevere Umgangsform kann man Mesut Özil auf keinen Fall bescheinigen. Egal, wie dumm die Vorwürfe auch sein mögen, wenn er sich zeitnah dazu äußern und nicht permanent versuchen würde, die Dinge auszusitzen, wäre der Nährboden für die ganzen unnötigen Diskussionen nicht so wahnsinnig fruchtbar. Zumindest von einer Teilschuld kann man Özil nicht freisprechen. Und damit beziehe ich mich nicht auf die Sache an sich, sondern auf die Art und Weise, wie er mit solchen Dingen umgeht. Den Rest haben Bierhoff, Grindel und Co. zu verantworten.


    Für mich ist die ganze Sache eigentlich nur ein weiteres Indiz dafür, dass unsere Gesellschaft endlich damit aufhören muss, Fußballspieler als Vorbilder zu stilisieren. Zu einem Großteil sind das abgehobene Vollidioten, die es der nötigen Portion Talent, Ehrgeiz, Vitamin B und Glück zu verdanken haben, dass sie sich nicht dem normalen Geschäftsleben stellen müssen. Aber leider wird es dazu wohl niemals kommen, dafür sind Reichweite, Marketing und Außendarstellung leider viel zu wichtig. Tatsächlich habe ich bei fast allen Fußballspielern mittlerweile das Gefühl, dass ihnen das "Nein zu Rassismus!" nur noch über die Lippen kommt, wenn es sich so gut wie möglich vermarkten lässt.