Beiträge von Blackdraco

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    Zu aller erst sorry für meine verspätete Antwort hier. War `ne ganze Weile nicht mehr im Bisaboard unterwegs, da ich das letzte Semester bisschen mit den unterschiedlichsten Sachen beschäftig war … und ich dazu tendiere, mich irgendwie völlig zurück zu ziehen, sobald ich etwas Stress habe^^“
    Aber genug von mir, widmen wir uns den wichtigen Dingen und kommen zum aktuellen Part:


    Na wenn hier kein „Well, that escalated quickly“ passt, dann weiß ich auch nicht mehr weiter xD Anfangs dachte ich, ich hätte vielleicht einen Part übersehen – was natürlich nicht der Fall gewesen ist. Hab nur vergessen, mit welchem Satz der vorherige Part aufgehört hatte, nachdem ich den gelesen hab, machte es doch wieder Sinn für mich.
    Jetzt am Ende wirklich ein (wahrscheinlich) letzter überraschender Klimax … nun gut, „überraschend“ vielleicht nicht ganz, immerhin hast du bereits erwähnt, dass am Ende der Spannungsbogen noch einmal noch oben ausschlagen würde. Ehrlichgesagt habe ich aber nicht gerechnet, dass Darkrai doch nochmal eine Rückkehr machen würde. Für mich fühlte sich das Kapitel abgeschlossen an … na gut, abgesehen davon, dass sie Darkrai nie direkt besiegt haben, sondern nur den Limbus, also macht dies schon Sinn. Also ja, eigentlich hätte ich vielleicht doch damit rechnen sollen xD Aber wie dem auch sein, diese Möglichkeit bietet die Möglichkeit, noch einen direkten Showdown zwischen unserem Protagonisten und dem mehr oder weniger Hauptantoganisten“ zu haben. Im Limbus war Sheinux immerhin nicht in der Lage, gegen Darkrai wirklich anzukämpfen bzw. war das auch mehr ein Kampf auf der inneren Ebene gewesen, wo er noch mit seinen inneren Konflikten zu kämpfen hatte. Hier nimmt Sheinux die führende Rolle an und kann auch beweisen, dass er Darkrais finstere Verführungen überwunden hat. Zwar versucht er noch weiter Sheinux zu beeinflussen, aber hab mehr das Gefühl gehabt, dass eigentlich schon der Punkt erreicht war, wo dies keine besondere Wirkung mehr zeigte. Besonders, wo Sheinux nochmals alle seine erkämpften Titel aufzählt (neue und alte), fand ich ein klasse Zeichen dafür, dass er sein Selbstvertrauen auch wieder hatte … und schließt finde ich auch schon den Kreis zum Anfang. Das hier war das wirkliche Kräftemessen und ich finde du hast die Action wirklich gut beschrieben und choreographiert, da kann ich absolut nichts aussetzen. Und paar klasse Sprüche hast du auch noch eingebaut, also mehr hätte ich echt nicht verlangen können.^^ Fand mich schnell in die ganzen Geschehnisse reingezogen und Sheinux nochmal richtig in Action zu sehen, gegen einen mächtigen Gegner, wobei da dennoch eine Aussicht auf Erfolg. Jetzt ist noch die Frage, ob dies wirklich das Ende von Darkrai ist, oder ob da noch mehr zu erwarten ist … aber das hat sich doch stark nach dem finalen Schlag, die finale Attacke angefühlt. Und vor allem auf eins bin ich gespannt … nämlich darauf, in welcher Art du diese Geschichte Enden wirst, mit welchem Nachgeschmack.


    Auf baldiges Wiederlesen,
    Toby

    So, bin endlich dazu gekommen, mein Kommentar für dem neuen Part zu verfassen. Naja, zumindestens hab ich es noch rechtzeitig vor dem nächsten Part geschaft ... was auch nur ander angekündigten Pause liegt xD


    Gleich zu Beginn ein alt bekanntes Gesicht und der dazugehörige Running gag (man, wie ich den schon vermisst habe), der hiermit auch seinen Abschluss findet. Es ist dieselbe Situation wie schon so oft aber wenn man die erste Szene mit dieser hier vergleicht, sieht man den Weg, welcher seither zurückgelegt wurde. Der „Herr Essenslieferant“ schmeißt endgültig das Handtuch und Stan macht sich gar nicht die Mühe, seinen Freund davon abzuhalten, selbst wenn ihm eine Autoritätsperson ihn dazu auffordert. Und Sheinux fühlt Mitleid für Stan, der den Müll zusammenkehren muss … nun, zumindest ein klein wenig.


    Stans etwas gewonnenes Selbstbewusstsein kommt auch etwas mehr zu Tage, erst durch sein nicht sofortiges nachgegeben gegen die Pokecenterleiterin, aber auch, dass er sogar mal schlagfertig auf Sheinux Gerede reagiert hat. Zum Schluss kriegen wir noch die (offenbar) ganze Wahrheit, über Stans Reisemotivationen … Wie fangen immer die besten Abenteuer und Geschichten an? „Meine Eltern wollten, dass ich mal raus gehe und die Welt sehen“ wahrscheinlich nicht, aber in dem Fall hat es gereicht, wenn man so zurückblickt, in welche Situation es die Helden verschlagen hat, von spannenden Kämpfen, Körpertausch und Horrorvilla.


    Sieht aber so aus, als würde letztlich Sheinux doch noch etwas von seinen Erinnerungen und Gefühlen zu seiner alten Heimat überrumpelt zu werden. Letzte ausständigen Fragen wurden mit Shaymin geklärt, doch wie du gemeint hast, am Ende soll die Spannungskurve wieder etwas nach oben gehen und ich schätze, das beginnt jetzt. Zumindest in den letzten 20% des Parts, doch du stellst Sheinux aufkeimende Unsicherheit finde ich sehr gut in dieser kurzen Zeit dar: Er träumt schon etwas von seiner Heimat, nur um völlig zu realisieren, dass er tatsächlich da ist. Er bemerkt bekannte Dürfte, und „Sights, während er zu zweifeln beginnt, dass dieser Besuch die beste Idee war. Am Ende auch bisschen Monolog, die seine innere Zerrissenheit nochmals betonen. Ich schätze diese Monologe hast du gemeint hast, als du sagtest, du würdest in den alten Kapitel mehr Stilmittel wie Monologe einbauen, oder?
    Ich sehe auch, warum du dir schwer tust, dich auf ein Ending zu entscheiden. Von dieser Setup gibt mehrere Richtungen, wie der Besuch in Sheinux alten Heimat enden könnte und ich kann mir vorstellen, dass du noch einige mehr hast, als ich mir gerade vorstellen könnte.


    Bevor wir die Lösung dazu bekommen, kommt noch die angekündigte kleine Pause, bin sowohl darauf gespannt (wie ich wahrscheinlich mittlerweile 100x angemerkt habe), mit welcher Auflösung du die Geschichte abschließe wirst, sowie auf das Video, was ja dazu kommen soll.


    Auf baldiges Wiederlesen
    Toby

    So da, hier wären wir wieder … zurück in der alt bekannten Welt. Wie du bereits erwähnt hast, sehr Informationsreicher Part, der mal die letzten offenen Fäden abschließt, die es noch bezüglich dem Limbus und Darkrai gab (Es sei den jemand natürlich, jemand verheimlich weiterhin etwas, oder Darkrai ist noch nicht endgültig besiegt, oder ich übersehe eine Frage die offensichtlich noch im Raum steht xD)


    Wieder ein Part, in dem man sich noch von den letzten Parts „erholen“ kann. Auch wenn das Abenteuer im Limbus aufregenden, atmosphärisch und letztlich auch sehr actionreich war, ist es wirklich erfrischend, wieder Interaktion des Main Cast außerhalb einer solchen Umgebung zu sehen. Stan und sein Team bei einem gemütlichen Abendessen, wahrscheinlich noch immer weit entfernt von dem, was man ein „Dream Team“ bezeichnen könnte, aber das wäre ja langweilig. Igelavar gefräßig wie immer, Stan und Fräulein Magnayen noch immer etwas angespannte Beziehung und dann haben wir nochmals die Dynamik zwischen letztere und Shaymin, die noch immer höchst unterhaltsam (warum macht es bloß so spaß, Charaktere zu schreibe, die gemein zueinander sind xD) und welche offenbar ganze Bücher zum Thema „Die besten Sprüche, um sein gegenüber zu beleidige. Mit Stil!“ gelesen haben. Waren einige sehr amüsante Beleidigungen dabei, die ich mir für die Zukunft merken sollte. Tja und dann ist da noch Sheinux, der sich zwar prächtig mit Stan versteht, aber noch immer zwischen den Fronten der zwei zankenden Weibchen feststeckt. Allem in allem fand ich diese Stelle sehr gelungen, auch als „Rahmen“, damit Shaymin noch ihre letzten Erklärungen und Gedanken zu Darkrai äußern konnte. Wirklich bisschen viel Information auf einmal (von warum diese Leute in den Limbus gebracht wurde, warum sie nicht vorher eingegriffen hat bis Anmerkungen zu Darkrai selbst) waren aber finde ich recht gut in diese ganze Szene verpackt und tja ... wenn man die Infos nicht jetzt rüberbringt, würde sich das wahrscheinlich gar nicht mehr ausgehen.^^


    Und weil du letztens einen Zusammenhang zu deiner PMD Story erwähnt hast … Nach dem Shaymin nochmals betont hat, wie Darkrais Innere sich in den Bildern zum Thema „Zeit“ manifestiert haben, glaub ich sehe ich langsam die Verbindung. Ist dies vielleicht dasselbe Darkrai, das nach seiner Niederlage in diese Welt gebracht wurde? Oder eher umgekehrt, wurde Darkrai nun in die PMD Welt geschickt, denn Shaymin erwähnt ja, dass Darkrai ursprünglich ein Mensch war und stark mit der Geschichte ihrer Ahnen zusammenhängt … außer ich hab das irgendwie gröber missverstanden.


    Die Schlussszene fand ich wirklich sehr knuffig, einfach alle Charaktere, zusammengequetscht auf ein einziges Bett. War zwar nur ein Bruchteil dieses Kapitelabschnitts, doch konnte ich nicht anders als zu lächeln, während ich mir diese Szene vorstellte. Hätte Stan nicht noch im letzten Part erwähnt, dass sie einen Abstecher beim Nationalpark machen würden, wäre das auch eine Stelle, an welcher man den Buchdeckel zuklappen könnte. Aber das wäre nur halb so interessant, nicht wahr ?: P


    Bin jedenfalls gespannt, auf welches Ende du diese Story nun wirklich hinsteuern wirst^^


    lg
    Toby

    Wollte eigentlich viel früher ein Kommentar verfassen, aber in der Zeit, in der ich einen einzigen Absatz fertig habe, schreibst du eine ganze Salve von Parts xD (Und das neue PMD ist da auch grade kein große Hilfe …)



    Also wie du es schon gesagt hast, das Ende naht und ja … man merkt es. Seit meinem letzten Komment ist auch ein Haufen passiert, neue seltsame Räume entdeckt, die Gruppe hat sich fast völlig verstreut, Eagle ist zurück, Sharleen ist in Wirklichkeit die Drahtzieherin, die wiederum in Wirklichkeit Darkrai ist, welches Stan bereits eine Weile verfolgt hat und der Grund ist, warum sich Shaimin ihnen angeschlossen hat, Kampf und Entkommen aus dem Limbus … also ja, ziemlich viel ist geschehen und offenbart worden.
    Der Horrorpart, das weiter vortasten der verlorenen Gruppe, die zuerst „lediglich“ das Gefühl haben, dass etwas nicht passt, bis schließlich zur finalen Realisation, dass hier etwas ganz und gar nicht passt, fad ich weiterhin sehr stimmungsvoll. Das unbehagliche Gefühl, die Angst, welche die Charaktere verspürten, kam wie in den letzten Parts sehr gut rüber. Sei es nun die etwas merkwürdigen, scheinbar nicht zusammenhängenden Räume bis schließlich die Halle und das Portal, welches sich in einem der Bilder öffnete, alles trug Teil zu der schön der Atmosphäre. Und dann bam, Haufen Offenbarungen und der große Showdown.
    Das erste „Opfer“ ist gleichzeitig „Täter“ … Warum hab ich das nicht durchschaut xD Hatte Sharleen zwar bisher nicht verdächtigt gehabt, aber das erklärt, warum sie freiwillig in diesem verlassenen Zug zurückgeblieben ist, hatte dieses Mädchen ja schon für völlig verrückt erklärt. Hätte eigentlich auch in Erwägung ziehen können, dass womöglich ein Darkrai für diese Horrorabendteuer verantwortlich ist, aber auf die Art wie du diese unheimliche Welt präsentiert hast, bin ich erst gar nicht auf diesen Gedanken gekommen, dass doch ein Pokémon dahinter sein könnte. Wirkte so „echt“ … was seltsam ist überhaupt zu sagen, wenn man bedenkt, dass alles in einer gruseligen Villa abgespielt hat. Ich gehöre nicht zu der Kategorie, die Twists aus mehreren Kilometern Entfernung erspähen können, also bin ich definitiv nicht das Maß aller Dinge, aber mich haben diese Wendungen auf alle Fälle unerwartet getroffen. Auch der Zusammenhang von Shaymins und der von Darkrai, die Geschichte mit der Blume, die Stimme in Sheinuxkopf, Ereignisse die schon etwas länger zurück liegen, aber schön das ihre Bedeutung nun auch in dieses Finale einfließen. Obwohl Darkrai kein typische Bösewicht, der den Helden auf dem Weg ganze Zeit in die Quere kommt (diese Aufgabe erfüllte stattdessen Eagle hervorragend XP) und alles auf genau diesen Endkampf zuläuft, finde ich, passte alles am Ende schön zusammen. Es war nie so recht der Fokus bisher, aber damit bindet es schön einige der Ereignisse, die nie so recht abgeschlossen wurden. Würde mich interessieren, ob all die Ereignisse in völlig berechnend platziert hast, um auf dieses Finale hinzuspiele oder ob sich alles „zufällig“ alles dann in deine Händegespielt haben … obwohl, ich glaub ich will das gar nicht mal wissen xD Manchmal ist es schöner, unwissend zu bleiben und sich dem Zauber hinzugeben.


    Die folgende Action war auch nicht so ohne. Sobald man weiß, gegen was man ankämpft, verschwindet zwar ein Teil der Angst, aber die Anspannung bleibt, immerhin ging es nun um das Leben der Gruppe. War jedenfalls ein würdiger Climax, etwas chaotisch, ein ziemliches Hin und her zwischen Darkrai und Shaimin. Stans und alle seine Pokemon kämpfen Seite an Seite (Fiffyien bekommt sogar eine letzte Entwicklung spendiert, war ja bisher nur Feurigel vergönnt) und vor allem überkommt Stan seine letzte große Frucht, dass Sheinux ohne ihn besser aufgehoben wäre und er sich endgültig verabschieden muss. Nach einem letzten Schlag und dem Einsatz aller … plötzlich ruhe. Nach dieser langen Zeit des ständigen Horrors und diesen hitzigen Kampf, ist diese Rückkehr in die alte Welt fast so wie das Erwachen aus einem Traum … was in dem Fall wirklich der Fall ist für unsere Helden, also passt dies perfekt. Alle können wieder aufatmen, die Gruppe trennt sich und Stan und Sheinux sind wieder unter sich. Naja und dann ist da noch Eagle, dessen offenbar etwas tragische Backstory kurz angekratzt wurde, der noch immer stinksauer ist, aber irgendwie scheint er sich auch etwas geändert zu haben. Wenn auch nur daraus erkenntlich, dass er nicht alle anschnauzt und am Ende den Rückzug antritt.
    Nun, es fühlt sich dennoch wirklich gut an, die zwei wieder in einer entspannter Situation zu sehen und zu wissen, dass die Befürchtung Stans bzgl. Sheinux und seiner Trennung –offenbar- aus der Welt ist. Ich schätzte jetzt was jetzt noch folgt … ist der Epilog.


    Ich spar mir mal meine „finalen“ Gedanken zu der ganzen Story auf, weil ganz am Ende der Reise sind wir ja noch nicht angekommen(selbst wenn sich das ganze schon sehr „Final“ anfühlt). Die letzten paar Part waren auf alle Fälle ein ziemliche Achterbahn von Gefühlen.
    Nochmals sorry das ich hier alles nur ein verhältnismäßig kurzes Kommentar für all die Parts, ich denke, man könnte für jeden einzelnen mindestens so viel schreiben … aber ich bin echt zu langsam xD
    Jedenfalls danke für all diese aufregenden Part über die letzten Tagen und bin schon gespannt, was jetzt noch nach diesem Klimax ansteht.^^


    lg
    Toby

    Nein das nicht, aber es sind SO VIELE offene Fragen in XY und in ORAS haben Game Freak sogar BEWUSST solche Fragen gestellt. Wie viele sagen Generation 6 ist noch nicht abgeschlossen. Wer will schon ein neues Buch lesen, wenn er das Ende des vorherigen noch nicht gelesen hat ? :)  

    Klar, es sind noch Fragen offen, aber es ist jetzt nicht unbedingt "Hauptstorysträge" die offen geblieben sind. Vielleicht beantworten sie die ganzen Geheimnisse im den neuen Spielen irgendwie und das war der Plan von Anfang an ... oder aber sie sind drauf kommen: "unabgeschlossenen Fragen schön und gut, aber wir brauchen fürs Jubiläum einen neue Generation" xD

    Warum hängen so viele daran, dass es eine 6.5 Generation wird? 3 Jahre Zeit dazwischen ist eh schon normal. Im ganzen Trailer wird außerdem jeweils ein Vertreter einer Generation gezeigt, bevor sie dann die Sun/Moon Ankündigung dropen. Für die Nostalgiker kommt morgen Rot/Blau raus, Sun/Moon ist dann für die Leute die was neues wollen. 20th Jubiläum! Ist doch die perfekte Zeit, um eine neue Geration herauszubringen, wenn nicht jetzt, wann dann? Und ganz ehrlich ... und um die neuen Zygardform einzubringen, müssen sie jetzt nicht bei der 6 Gen verharren.

    Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und sagen, dass die neue Region auf Hawaii basiert und das das neue Vogelpokemon auf einem Graukardinal basiert: https://en.wikipedia.org/wiki/Red-crested_cardinal
    http://www.bird-photos.net/mai…%20(Oahu)%20560mm%205.jpg


    Wie auch immer: Bin schon ziemlich aufgeregt, endlich haben wir Sicherheit, dass wir ein neues Spiel bekommen : D

    Ist schon eine ganze Weile her, der letzte Part von Sheinux und Stans Geschichte online gestellt wurde … schon fast ein Jahr und ich dachte, ich bin der Einzige, der dazu fähig ist. xD
    Scherz beiseite, bin aber wirklich froh, nach all dieser Zeit doch noch etwas von der ganzen Bande zu lesen und – wie gesagt – dass du Sheinux Abenteuer noch weiterführst^^


    Unsere Helden stecken noch immer in einer verzwickten Situation, nicht mehr draußen im Dunkeln aber dafür in einer Villa, die ich mal als nicht besonders geheuer bezeichnen würde. Wenn das äußerliche Erscheinen des Gebäudes nicht gereicht hatte, dann sollte das Verschwinden eines Mädchens dafür sorgen, dass die Stimmung/Atmosphäre weiter in den finsteren Keller wandert.


    Nach dieser längeren Pause, hat es ein bisschen gedauert, bis ich bei dem größeren Cast an Charakteren, der sich seit Beginn dieses Arcs zusammengefunden hat, wieder halbwegs den Überblick hatte. Jeder (zu mindestens glaub ich das) aus der Gruppe hatte im Verlauf des Kapitel-Parts hat so viel „Screentime“ gehabt und so gehandelt, dass es für mich schnell nicht nur Namen in einer Ansammlung von Wörtern waren, sondern wirklich Charaktere. Finde ich beachtlich, ich selbst tendiere bei größeren Anzahl oft zu vergessen, die „unwichtigeren“ innerhalb einer Szene zu inkludieren.
    Natürlich hatte Sheinux wieder seine Momente, von seinen Kommentaren, Weltansichten und Beschreibungen, die uns schon die ganze Story über begleitet haben. Von kecken ermunternden Worten zu Stan bis zu seiner Schilderung des Fluch welchen diejenigen überkam, der an der Spitze der Gruppe ging.


    Lars ist offenbar der einzige in dieser Gruppe, der schon in seinem Leben einen klischeehaften Horrorfilm gesehen hat. Aufteilen ist ja generell bei so etwas immer eine gute Idee. Aber selbst mit einem Charakteren im Team, der über etwas Vernunft und „Anti Horrorfilm“ Taktiken im Gespräch hat, lässt sich trotzdem irgendwie ein Weg finden, wie man ein bisschen Wirbel reinbringt und für Gruppentrennungen sorgt … wie man hier gut sieht. Find jedenfalls super, dass du es auf die weise realisiert hast.


    Mit drei Personen, die sich insgesamt von der Gruppe getrennt haben, frage ich mich, wie lange es noch dauern wird, bis Sheinux und Stan auf sich alleine gestellt sind … oder vielleicht überhaupt Sheinux alleine.


    Worauf ich gespannt bin ist, wie sich das mit Sheinux Verdacht auf Lars entwickeln wird. Spürt er mehr als die anderen oder ist da etwas am Werk, das versucht, die Gruppe zu entzweien (bzw. entdreien oder entvieren). Oder beides? Von meinem Gefühl her tendiere ich grade auf „höhere Macht“, aber ich bin auch sehr naive und vertraue zu schnell Charakteren, die mir sympathisch sind, aber wer weiß. Immerhin schien doch sehr Sheinux altes Ich, das meist voll mit Stolz und dem fehlenden Rückgrat gegenüber Stan war, aus ihr rausgeplatzt zu sein.


    Alles in allem ein recht stimmungsvoller Part wie ich finde. Die unheimliche Stimmung lässt jedenfalls nicht locker und scheint auch so, dass dies noch ein Weilchen so bleiben wird. Wie du gesagt hast, man merkt, dass es den Höhepunkt entgegen geht. Stellt sich nur die Frage, was du für einen Höhepunkt geplant hast, auf welche diese Ereignisse nun zusteuern.
    Freu mich schon auf den nächsten Part sowie, dass endlich Sheinux Geschichte fortgesetzt wird^^


    Lg
    Toby

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    [tab=Kapitel 9 Teil 4]
    Gern hätte ich meinen Sieg länger ausgekostet, doch für jetzt ließ ich das Leufeo in Ruhe jammern und schreien. Die Zeit zum Feiern hatte ich ohnehin nicht, wie kurz darauf erinnert wurde. Wie ein Riese türmte sich hinter mir die Krankenschwester in die Höhe, die gerade ihre leicht angesengte Schürze offenbar in Grund und Boden stampfen wollte. Für einen Moment dachte ich, dass ich vielleicht an ihr vorbeihuschen und unbemerkt durch die Türe gelangen konnte, da sprang mit einem Mal ihr Blick zu mir hinunter. Ihr Gesicht war knallrot und erinnerte an eine reife Tamotbeere, der man zwei riesige Augen aufgeklebt und eine Perücke aufgesetzt hatte. So lustig dieser Vergleich auch hätte sein können, so wenig war mir zum Lachen zumute. Alarmiert wich ich einen Schritt zurück.
    „Sei ein braves Vulpix ...“, redete sie auf mich ein, wobei ich statt Worte nur ein Grollen wahrnehmen konnte, wie von einem Vulkan, der gefährlich am Brodeln war. Anstatt sich jedoch auf mich zu werfen, ging sie langsam in die Knie. Ihre Arme streckte sie dabei vorsichtig auseinander und sie schien mich mit offenen Händen zurück in ihre liebliche Umarmung einladen zu wollen. Ihr Gesichtsausdruck blieb dabei jedoch unverändert und ließ ihre sanften Bewegungen völlig unglaubhaft wirken. Zudem war mir gerade absolut nicht nach Liebe und Zuwendung.
    „Kannst mich mal!“, schrie ich ihr als Antwort entgegen und folgte dem plötzlichen Impuls in meinen Beinen. Ich preschte nach vorne. Die Hände der Krankenschwester schnellten auf mich zu, zögerten jedoch eine Sekunde zu lange. Genau diese reichte für mich aus, um aus ihrer unmittelbaren Reichweite zu verschwinden und die Türschwelle in den nächsten Raum zu überqueren. Dachte ich zumindest.
    „Hier geblieben!“
    Ihren schrillen Worten folgte ein stechender Schmerz, als versuchte jemand gerade, mir das Fell von der Haut zu reißen. Mit einem Aufschrei kam ich abrupt zum Stillstand, versuchte aber sofort mit Gewalt weiterzukommen, weiterzurennen, doch anstatt Abstand zu gewinnen, schoss mir vor Schmerz Tränen in die Augen. Ich musste nicht zurückblicken, um zu wissen, was Sache war: Abermals waren diese verdammten Vulpixschweife schuld, die offenbar keinen anderen Sinn hatten, als dass man mich daran festhalten konnte, vergleichbar mit dem Griff einer Einkaufstasche. Und dennoch wandte ich meinen Kopf um und blickte hinauf zu ihr. In ihr rotes Gesicht. In ihre starren Augen. Sie zeigte keinen Ansatz eines Lächelns, noch sagte sie ein einziges Wort … doch war ich mir bewusst, dass sie glaubte, mich unter ihrer Kontrolle zu haben. Sie dachte, dieser Kampf sei vorbei.
    Ich biss meine Zähne so fest aufeinander, bis das Knirschen im ganzen Center zu hören sein musste, und unterdrückte den stechenden Schmerz, soweit ich konnte.
    Dieser Kampf war noch lang nicht vorbei. Wenn hier jemand als Sieger hervor geht, dann bin ich das!
    Wie ein Fukano, welches seinen eigenen Schwanz jagte, drehte ich mich so weit wie möglich nach hinten. Krallen blitzten auf. Eine meiner Pfoten schnellte auf die Hand der Krankenschwester zu. Fänge schnalzten durch ihre Haut, als wäre sie Papier, und durften endlich Blut schmecken. Ihre übernatürlichen Reflexe retteten sie dieses Mal nicht. Ihrem entsetzten Gesichtsausdruck nach zu urteilen, war sie auf eine derartige Erwiderung nicht vorbereitet gewesen. Anstatt ihren Griff jedoch zu lockern, holte sie mit ihrem Arm aus und schleuderte mich grob mit einer Bewegung nach links. Ich flog durch die Luft. Bevor es aber zu unkontrollierbaren Saltos kommen konnte, die nur mit einer Beule oder blauen Flecken enden würden, verlegte ich meinen Schwerpunkt in die entgegengesetzte Richtung. Anstatt nun wie ein Spielball herumzudrehen, gewann ich wieder die Kontrolle über mich und eher ich mich versah, vollbrachte ich eine perfekte Punktlandung vor einem der Regale. Den ersten Moment zurück auf dem Fußboden verbrachte ich damit, mit ungläubigen Blick hinab auf meine leicht zitternden Beine zu starren. Das … ging besser aus als erwartet. Offenbar fühlt sich, nachdem dem man von einem Kramshef durch die Luft katapultiert wird, alles andere wie ein Kinderspiel an.
    "Na … glücklich?", höhnte ich, hatte aber Schwierigkeiten, Worte zwischen meinen schweren Atemzügen herauszubringen. Auf ihre Antwort musste ich nicht lange warten.
    In zitternder Umarmung stemmte sie ihre gesunde Hand gegen die Blutung, die ich ihr zugefügt hatte. Hinzu kam der Anblick ihres purpurroten Gesichts, der vage an einen Satz frischer Ohrfeigen erinnerte und keine weiteren Fragen offen ließ. Leider konnte ich meinen Sieg nur kurz auskosten, denn da spürte ich schon ihren wutentbrannten Blick auf meiner Stirn brennen. Mit schnellen Schritten gab sie mir deutlich zu verstehen, dass sie ebenfalls lange davon entfernt war, aufzugeben.
    Was zum Hundemon musste man tun, dass diese Frau einen endlich in Ruhe ließ? Sollte Kleidung anzuzünden und ihre Hände aufschlitzen nicht mehr als genug sein, dazu zu bringen, das Handtuch zu werfen?
    Noch konnte ich abhauen und mir ein anderes Versteck suchen, doch als ich flüchtig nach einem sicheren Ort Ausschau hielt, wurden mir ein paar winzig kleine Löcher in meinem Plan bewusst: Es gab kaum Orte, an welchen man sich verkriechen konnte, und mein kleiner Notausgang … von dem trennte mich eine Steilwand aus Glas. Raufspringen war keine Option und über den Etagenwagen hinaufzuklettern, war genauso unmöglich wie waghalsig. Dann hatten wir außerdem die Krankenschwester, die an mir festkleben würde wie eine Klette, sofern sie nicht demnächst von einem Klavier erschlagen wurde. Offenbar ging es nicht anders ... Anfänglich etwas widerspenstig trat ich ein Stück vom Regal weg und präsentierte ihr meine Reihe von Zähnen, da dies die einzige Sprache zu sein schien, welche andere verstehen konnten. Nochmals würde ich mich nicht mehr einfangen lassen. Mochte sein, dass ich in dieser Gestalt wesentlich kleiner war als sie, doch waren meine Zähne spitzer als ihre, und ihre Fingernägel waren im Vergleich zu meinen Krallen stumpf wie ein Kindermesser. Dieser Kampf würde blutig werden - für sie. Das konnte ich versprechen.
    Scheinbar wirkte ich überzeugend genug, denn die Krankenschwester hielt inne und trat mit ganz langsamen Rückwärtsschritten und ohne mich auch nur für einen einzigen Moment aus den Augen zu lassen, den Rückzug an. Zuerst hatte ich keine so rechte Ahnung, was sie damit zu erreichen versuchte, doch dann fiel mein Blick auf die kleine Sprühflasche, welche unterhalb der großen Maschine stand. Wenn sie dieses Zeug wieder benutzte, konnten mir selbst diese rasierscharfen Klauen wenige helfen. Am liebsten wäre ich losgestürmt und hätte sie davon abgehalten, doch dafür war es mittlerweile zu spät. Stattdessen zuckte nun mein Blick durch den Raum, auf der Suche nach irgendeinem Anhaltspunkt oder einem Gegenstand, der mir aus meiner Lage helfen konnte. Das Einzige, was es hier jedoch gab, war der Heilomat, die Regale, der Etagenwagen und die unzähligen Pokébälle. Noch hatte ich die Chance, durch die Türe zu stürmen und mir vielleicht dort einen Ausweg zu suchen, doch hatte ich meine Zweifel, dass der Plan so gut laufen würde. Wenn ich bloß …
    Abrupt drehte ich meinen Kopf nach links.
    … nicht immer so blind wäre. Ich Trottel, die Lösung klebte mir ja direkt vor der Nase!
    Die Krankenschwester hatte unterdessen die Flasche in ihre blutenden Hände bekommen und schritt mit einer grimmigen und entschlossenen Miene auf mich zu.
    Ich hingegen hörte auf, ihr meine gewaltigen Reißzähne zu präsentieren, sondern wartete mit einer gleichgültigen Gelassenheit auf sie, über welche selbst ich erstaunt war. Ihre Bewegungen wurden indes schneller, ihr Gesichtsausdruck verhärtete sich, als ahnte sie, dass ich etwas im Schilde führte. Das Herz in meiner Brust begann schneller zu schlagen, doch äußerlich verhielt ich mich weiterhin ruhig.
    Ich wartete.
    Die blonde Frau hob die Spraydose.
    Warte.
    Das Geräusch ihrer Schuhe hallte lauter und lauter in meinen Ohren.
    Noch ein bisschen.
    Ihr Schatten legte sich über mich, nur wenige Schritte trennten uns beide voneinander.
    Ich holte mit meiner Pfote aus … und schlug auf einen der Pokébälle ein. Ein Klicken ertönte, als der weiße Knopf an dessen Vorderseite dem Druck meiner Pfote nachgab, ein Geräusch, das in diesem Moment alles andere in dem Raum zu übertönen schien. Der Rest der Welt schien in ein Schweigen zu verfallen, als hielt sie in gespannter Erwartung den Atem an. Das Gejammer des Leufeo, die Fußschritte der Krankenschwester, das leise Surren der Lichter und auch mein eigener Atem, all diese verstummten. Dann wurde ich in grelles Licht gehüllt.
    Als ich kaum einen Augenblick später wieder aufblickte, konnte ich einen schwarzen Schemen in dem Licht erkennen, welcher zwischen den Regaletagen größer und größer zu werden schien. Keinen Sekundenbruchteil später überstieg seine Größe bereits den verfügbaren Platz und so mussten die darüber liegenden Regalplatten der heranwachsenden vierbeinigen Gestalt, weichen.
    Eine Etage nach der anderen wurde aus ihren Halterungen gehoben und kippte erst etwas nach hinten, bevor sie in die andere Richtung umschwenkten. Wie ein Kind, das fasziniert die Spielzeuge in einem Schaufenster betrachtete, hingen meine Augen an diesem Schauspiel, überrascht darüber, was ich gerade in Gang gesetzt hatte. Viele Pokébälle konnten der Schwerkraft nicht mehr trotzen und kullerten aus ihrer Halterung heraus, bereit, wie faustgroße Hagelkörner auf den Boden hinabzufallen. Weiterhin beobachtete ich, wie sich eine Kugel nach der anderen aus der Halterung löste und in Zeitlupe dem Boden entgegen flog, als ich etwas realisierte: Ich würde die erste sein, die von diesem Hagelregen begraben werden würde, wenn ich nicht sofort meinen Hintern aus der Gefahrenzone bewegte. Ich löste mich von dem Anblick der fallenden Kapseln und floh überstürzt vor der Lawine, die einen Wimperschlag später bereits am Anrollen war. Das Geräusch der aufprallenden Pokébälle nahm rasch an Lautstärke zu und erinnerte an das Prasseln eines heftigen Sommerregens, nur ohne Wassertropfen, dafür mit Hagelkörner aus Plastik. Aus den Augenwinkeln nahm ich die ersten zweifärbigen Bälle wahr, die an mir vorbeihopsten, dicht gefolgt von ein paar weiteren, die über den Boden rollten. Das war aber erst der Anfang. Es war fast so, als würde mir jemand die Dinger regelrecht hinterher werfen, denn bald flog mir ein Dutzend dieser Dinger um die Ohren und sprangen anschließend wie Gummibälle durch das Zimmer.
    All das spielte sich in wenigen Sekunden ab. Einen weiteren Sekundenbruchteil später und diese Gummibälle verwandelten sich in explosive Bomben. Eine Welle aus Klickgeräuschen brach von allen Seiten hervor, welches lediglich der Donner zu dem Blitzgewitter war, das nun im ganzen Zimmer ausbrach. Es gab keine Möglichkeit, sich von diesen Explosionen abzuwenden, dieses Mal war es keine Finsternis, die mich erblinden ließ, sondern gleißendes Weiß. Geblendet stolperte ich ein Stück nach vorne, doch schließlich erkannte ich, dass es keinen Sinn machte, weiter zu rennen … nicht bei diesen Bedingungen. Ich warf mich in Richtung des nächsten Regals und drückte mich schützend auf den Boden. Ich wollte nicht dran denken, was passieren würde, wenn sich einer der Kapsel über mir öffnen würde und lauschte stattdessen konzentriert dem Klickgewitter, als würde mein Leben davon abhängen. Das Geräusch der sich öffnenden Pokébälle wurde bald weniger oder besser gesagt, verdrängt von dem Laut unterschiedlicher Stimmen und Geräusche, angefangen von Grunzen, Schnarchen bis über Fauchen, welche schnell das Zimmer übernahmen. Es klang, als hätten sich unzählige Trainer mit ihren Pokémon versammelt, um an einem Turnier teilzunehmen oder sonstigen Unfug zu treiben. Zögerlich öffnete ich meine Augenlider.
    Das Erste, was ich sehen konnte, war eine Wand aus braunem Fell, die nur wenige Zentimeter vor mir in die Höhe türmte. Der Geruch von nassen Haaren und Dung, den diese verströmte, kitzelte regelrecht in der Nase, jedoch konnte ich ein lautes Niesen unterdrücken. Zwischen diesen eher unangenehmen Düften vernahm ich jedoch etwas sehr Ungewöhnliches, etwas mir völlig Fremdes und doch konnte ich es benennen. Es roch nach Winter. Bald darauf mischten sich weitere Düfte darunter, angefangen von Lavendel, Baumrinde, Metall, fauligem Ei, süßem Honig, verrotteten Abfällen und dann waren da noch weitere, die ebenso bizarr waren wie der Geruch von Winter. Die unterschiedlichsten Jahreszeiten, kaltes Wasser, Bergluft, all das schien ich plötzlich durch meine Nase wahrnehmen zu können. Das Verblüffendste daran war, dass sie mir alle so vertraut erschienen, als hätte ich sie immer schon vernehmen können. Mir wurde leicht schummrig.
    Verdammter Geruchssinn, dann hatte mir diese ausgeprägte Fähigkeit je was gebracht, außer mich mit allen Sorten von Gestank, den ich damit wahrnehmen konnte, zu plagen … Na gut, abgesehen von dem einen Mal, bei meiner Flucht in das Kirchengebäude. Eine Ausnahme der Regel.
    Zögerlich drehte ich mich am Boden kriechend um. Nun konnte ich das wahre Ausmaß meiner Handlung erkennen: Pokémon, in allen Farben, Formen und Größen, hatten sich über das Zimmer verteilt und rannten umher, standen verunsichert herum oder lagen wie ich, alle viere von sich gestreckt, auf dem Boden. Über mir flatterten ein paar Taubsi durch die Luft, ein Karpador platschte hilflos auf dem Boden und auch an den Regalen kletterten Pokémon umher, die gelegentlich den einen oder anderen Pokéball zu Boden schleuderten. In der Mitte hatte sich unterdessen ein gewaltiges Pokémon breitgemacht, dessen gepanzerter Rücken sogar einen kleinen Baum beherbergte und mindestens viermal mehr Platz benötigte, als die größten Pokémon in diesem Raum. Und dann war da noch der Lärm. Das Geräuschekonzert im Warteraum war schon genug gewesen, dass hier übertrumpfte jedoch alles was meine Lauscher bisher ertragen haben müssen. Es war jedoch viel zu viel los, als dass ich noch einzelne Worte vernehmen hätte können, im Moment war es nichts außer ohrenbetäubender Krach.
    Alle meine Sinne waren völlig überfordert ... und doch konnte ich nicht sicher sagen, ob ich schreien oder laut loslachen sollte. Ein Kribbeln breitete sich über meinen ganzen Körper aus und mein Magen schien sich mehrere Mal in mir verknoten zu wollen. Ich hatte mein Ziel erreicht, doch nun, umzingelt von all diesen scheußlichen Kreaturen und allem, was sie mit in diesen Raum brachten, fühlte ich mich miserabel.
    Verdammt nochmal, reiß dich zusammen ... es sind nur ein paar verdammte Pokémon. Selbst wenn die genug Grips in der Birne hätten, würden die nichts checken. Gestank, Lärm, Pokémon, alles nur ein Mittel zum Zweck. Mich sollte nur interessieren, dass mein Plan aufgegangen war.
    Ein Blick in die Richtung der Krankenschwester genügte, um zu zeigen, wie es ihr mit dieser neuen Situation erging. Wie eine Kindergärtnerin, die umringt von Unmengen ungezogener Kinder war, ragte sie aus dieser Menge hervor. Man müsste blind sein, um das Entsetzen und die Verzweiflung auf ihrem leichenblassen Gesicht zu übersehen. So elend ich mich zwischen diesen Missgestalten fühlen mochte, brachte mich dieser Anblick etwas zum Grinsen. Die Krankenschwester war verzweifelt, meine Freiheit zum Greifen nah und außerdem hat mich keines dieser verdammten Dinger zer...
    „Achtung da unten!“, unterbrach eine kräftige Stimme meinen Gedankengang. Irritiert hob ich meinen Blick, bemerkte gerade noch die schwarze Gestalt über mir, kurz bevor diese auf meinen Rücken krachte. Mit einem Laut, von dem nicht einmal ich sagen konnte, ob es ein Schrei, Fluchen oder ein Würgen sein sollte, presste es mir die Luft aus den Lungen. Als ob ich kurz vor dem Ertrinken war, zappelte ich mit meinen Beinen und versuchte nach Luft zu schnappen. Bevor ich tatsächlich ersticken konnte, verschwand abrupt die Last von meinem Rücken und ich konnte wieder normal atmen. Ich riss meinen Rachen auf und saugte so viel Luft in meine Lungen zurück, dass ich einem Staubsauger leicht Konkurrenz hätte machen können. Gleichzeitig strömte mir dabei ein weiterer fremdartiger Duft in die Nasenlöcher, der nicht zu verschwinden scheinen wollte. Der Geruch vom Nachthimmel.


    „Oh verdammt … Sorry, war keine Absicht."
    Es dauerte einige weitere Atemzüge, bevor mir klar wurde, dass ich da gerade nicht Hintergrundlärm hörte, sondern Worte; ein paar weitere und ich kapierte, dass sie an mich gerichtet waren.
    „… keine Absicht …“
    Ich krächzte die Worte nach und betonte jeden Buchstaben mit Verachtung … soweit ich dazu in der Lage war.
    Oh natürlich, jetzt wo ich wusste, dass man mich nicht absichtlich niedergesprungen und meine Innereien zerquetscht hatte, war ich ja erleichtert. Nichts ging über eine halbherzige Entschuldigung, die einen kaum besser fühlen ließ.
    „Keine Absicht … das ist ein Scherz, oder?“
    „Entschuldigung, das hätte nicht passieren sollen”, begann der Fremde von neuem, „Sind sie unverletzt? Kann ich helfen?“
    Eine bissige Meldung formte sich in meinem Mund, doch als ich meine Augenlider öffnete, waren die Worte des Fremden, die ständig zwischen überfreundlich und sorgevoll zu pendeln schienen, nicht das Einzige, was mir im Hals steckenblieb. Alles, was ich sah, waren große, glühende Augen, die aus wenigen Zentimetern Entfernung starrten.
    Meine Krallen schnellten auf dieses Monster los, bevor ich jedoch mein Ziel traf, wich es ruckartig von mir weg. Mit der gewonnen Distanz konnte ich schließlich erkennen, wem ich da gerade gegenüber stand. Diese scheußlichen Augen gehörten einem vierbeinigen Pokémon, das mich mindestens um eine Kopfgröße überragte. Das Fell des Vierbeiners war schwarz wie die Nacht, perfekt, um mit der Dunkelheit zu verschmelzen, wären da nicht diese gelben Musterungen gewesen, die wie Leuchtstreifen einer Warnweste das Licht zu reflektieren schienen. Das schwarze Pokémon wirkte nicht im Geringsten, als hätte ihn mein plötzlicher Angriff überrascht. Im Gegenteil: Seine Miene ließ eher darauf deuten, dass er so eine Reaktion erwartet hatte. Weiterhin fauchend sprang ich zurück auf meine Pfoten und fühlte, wie sich jeder Muskel in Anspannung verkrampfte. Ich wusste nicht, was es war, das mich derartig aggressiv reagieren ließ; vielleicht seine Augen oder einfach dessen unverschämte Art. Vielleicht war es auch mein Bauchgefühlt, das mich vor ihm warnen wollte.
    Mein Gegenüber schien weiterhin von meiner Reaktion nicht allzu beeindruckt zu sein. Er blinzelte langsam und neigte seinen Kopf zur Seite. „Das interpretiere ich als ein nein auf beide Fragen.”
    In seinem Gesicht war ein leichtes Lächeln zu erkennen. Zudem klang jedes Wort aus seinem Mund nun so süß wie Honig, welchen man mir samt dazugehörigem Glas in den Rachen stopfte.
    „Hab selten jemand gesehen, der so schnell wieder auf die Beinen kommt, bemerkenswert.”
    Ich hob meine Pfote mit gezückten Klauen. „Diese Krallen werden genauso schnell in deiner Fresse landen, wenn du nochmal so herankriechst!”
    „Kein Grund ihr hübsches Fell aufzustellen, ich suche wirklich keinen Streit.”
    Er trat einen winzigen Schritt in meine Richtung, seinen Kopf und Blick gesenkt, doch sein Lächeln weiterhin unverändert. Wenn er damit versuchen wollte, sich unauffällig zu nähern, würde er kein Glück haben, das konnte ich versprechen.
    „Sie haben jedes Recht wütend zu sein. Es tut mir wirklich leid, dass war völlig meine Schuld.”
    Es folgte ein paar weitere Schritt auf mich zu.
    „Verschwinde!”, schnauzte ich ihn weiterhin an, doch wollte er meiner Aufforderung nicht nachkommen.
    „Werde ich tun, aber vielleicht nicht alleine.”
    Es folgte ein etwas größerer Satz nach vorne und schon stand das Mistvieh näher bei mir, als mir lieb war. Wäre hinter mir nicht eine Wand aus Fell gewesen und hätte ich nicht vor, diesem Vieh gegenüber keine Blöße zu zeigen, ich wäre instinktiv zurückgewichen.
    „Würden sie mich begleiten? Jemanden so bezaubernden wie sie hier zurückzulassen, würde mir das Herz brechen.”
    Für einen Augenblick regte ich mich nicht mehr. Wortlos glotzte ich ihn an, während ich mir nochmals das, was er gerade gesagte hatte, Wort für Wort durch meinen Kopf gehen ließ. Einen Augenblick lang. Dann schnellte ich nach vorne, um meine Zähne ihn sein verdammtes Gesicht zu bohren. Ich schnappte zu, doch konnte abermals nichts als Luft zu fassen bekommen, dafür verschwand aber der selbstbewusste Ausdruck aus dem Gesicht des Vollidioten. Mit einem Satz brachte er sich aus der Reichweite meines unheilbringenden Kiefer, wobei er rücklings auf ein anderes Pokémon sprang, das in diesem Moment an uns vorbei rannte. Ein weiterer Zusammenprall, den dieses schwarze Mistvieh besser überstand, als das zweite Pokémon, das in diesen Involviert war.
    Es reicht, ich verschwinde! Was erlaubte sich diese Missgeburt? Mich als Erstes zu zertrampeln, dann Privatsphären überschreiten und mich anzumachen. Ausgerechnet ein Pokémon! Widerlich! Der konnte sich seine Sprüche sonst wo hin kleben, mich brauchte das Vieh nicht einmal mehr anzuschauen.
    Rasch wandte ich mich von den zwei „Verunglückten“ ab und machte mich aus dem Staub. Ich warf keinen Blick mehr zurück, sondern fixierte lediglich das Fenster, das gerade noch hinter der wandelnden Erdplatte sichtbar war. Jedoch war es nicht ganz so leicht, sich durch die ganzen Pokémon durchzukämpfen, welche sich über den ganzen Ort verteilt hatten. Immer wieder versperrte mir eines dieser Biester den Weg und zwang mich, Umwege einzuschlagen. Ich schenkte ihnen ansonsten jedoch kaum Beachtung … soweit es möglich war. Der Mischmasch von Gerüche, der die Luft hier verpestete, wurde nicht unbedingt besser und meine Nase schien es nicht zu schaffen, diese auszublenden. Mehr Erfolg hatten dagegen meine Ohren, doch selbst wenn der Lärm etwas in den Hintergrund geschaltet worden war, war er alles andere als erträglich. Ich versuchte all diese Störungen zu ignorieren, sowie die ganzen anderen Pokémon, ob es sich nun um ein anderes vierbeiniges Vieh, ein gestrandetes Wasser-Pokémon oder ein Haufen zerbrochener Eier handelte. Was ich nicht so leicht ignorieren konnte, war eine gewisse Frau …
    Noch ein Stück von der Glasvitrine entfernt – es trennte mich lediglich dieses riesenhafte Monstrum mit dem Baum am Rücken – hörte ich einen mittlerweile sehr bekannten Laut zu meiner Rechten. Ein Klicken - das Geräusch eines Pokéballes. Unwillkürlich wandte ich meine Aufmerksamkeit von dem Fenster ab und drehte meinen Kopf, in der Erwartung, dass irgendein Blindgänger sich geöffnet hatte.
    Stattdessen entdeckte ich dort die Krankenschwester. Sie hatte noch immer diesen völlig versteinerten Ausdruck im Gesicht, als hätte man ihr die Fähigkeit genommen, Emotionen zu zeigen, doch anstatt sich hilflos von den ganzen Viechern umringen zu lassen, war sie nun in die Offensive gegangen. Sie beugte sich gerade zu Boden und hob eine der geöffneten Kapseln auf, um sie sogleich per Knopfdruck zu verschließen. Es folgte ein leises Klicken und im selben Moment verwandelte sich eines der herumflatternden Taubsi in eine grellleuchtende Form, bevor sie spurlos verschwand. Fast beiläufig warf sie den Pokéball dem Trainer des Leufeo zu, der nur wenige Schritte hinter ihr stand und aussah, als hätte ihm ebenfalls jemand mit ausgefahrenen Klauen eine geknallt. Auch sein Selbstvertrauen schien er dabei verloren zu haben und fing den geworfenen Pokéball recht unbeholfen in der verbrannten Schürze der Krankenschwester, in welcher bereits ein Dutzend andere Kapseln herum kullerten.
    „Diese verdammte Frau …“, stieß ich hervor und huschte hinter eines der Beine dieser wandelnden Erdplatte.
    Zum Hundemon! musste man diese Frau erst töten, bevor sie endlich Ruhe gab? Vielleicht sollte ich ein oder zwei weitere Regale zerlegen, dann werden wir doch sehen, wer von uns beiden …


    „So, hat etwas länger gedauert.”
    Mein ganzer Körper zuckte und meine Laune schien noch einige hundert Meter auf dem Hang, der der heutige Tag gewesen war, hinunterzurutschen. Widerwillig drehte ich mich um, in der Erwartung, dass dieses Mistvieh wieder alle Grenzen meiner Privatsphäre überschritten hatte. War nicht ganz der Fall, zwar stand er näher bei mir, als mir recht war, doch gerade außerhalb der Reichweite meines Gebisses oder meiner Klauen.
    „Nicht lang genug.”
    Ich funkelte ihn alles andere als willkommen an und zeigte ihm abermals meine Zähne, die noch immer danach dürsteten, ihm seine verdammte Schnauze abzubeißen.
    „Ich war vorhin ein kleinwenig zu direkt, oder?”, machte das Pokémon Anstände, die Situation zu entschärfen, und deutete eine unterwürfige Verneigung an, „Sorry, ich glaube, wir haben uns etwas auf der falschen Pfote erwischt. Wenn sie mir erlauben würden, ich …“
    „Halt deine verdammte Fresse! Mich interessiert’s einen Dreck, was du zu sagen hast!“
    Ich konnte so grimmig blicken, wie ich wollte, es würde nichts bringen. Dieses Pokémon war derartig blind, der würde nicht mal seinen eigenen grauen Star sehen, wenn er denn einen hätte. Hoffnung, dass es um seine Ohren besser bestellt war, hatte ich jedoch auch nicht viel.
    „Mit einem abartigen Pokémon wie dir, will ich nichts zu tun haben, also schieb dir deine Entschuldigung sonst wo hin!”
    Mit Genugtuung stellte ich fest, dass meine Worte doch nicht ganz ohne Wirkung bei ihm blieben. Zwar wirkte sein verdammtes Lächeln unverändert, doch verrieten seine Augen, dass er meine Worte nicht einfach ignorieren konnte. Ohne auf eine Erwiderung zu warten, fuhr ich die nächsten Geschütze auf: „Machst du das mit jeder? Als Erstes niedertrampeln, dann mit süßen Worten einschleimen und so tun, als würdest du nichts mehr auf dieser verdammten Welt bereuen? Die Wievielte bin ich schon, bei der du eine solche Tour abziehst?”
    Jetzt war ich diejenige, die ihm näher auf die Pelle rückte und ein hämisches Lächeln auf die Lippen setzte, während seines zu verschwinden schien.
    „Wenn du mir einen Gefallen tun willst, ersticke an deinen eigenen Worten, damit ist mir mehr als geholfen. Bin bestimmt nicht die Einzige, die sich darüber freuen würde.“
    Endlich verhärtete sich die Miene meines Gegenübers. Seine Augen waren mit einem Mal glanzlos und es schien, als würde er nur noch durch mich hinweg starren. Wenn dieser Kerl sich so wehrlos anschuldigen ließ, konnte ich ihm vielleicht die eine oder andere Träne aus ihm herausdrücken … zu blöd nur, dass ich dafür wirklich keine Zeit hatte. Die Krankenschwester schien zwar weiterhin damit beschäftigt zu sein, dieses Chaos aufzuräumen, jedoch wollte ich mein “Glück” nicht zu sehr herausfordern. War nicht scharf zu erfahren, was sie tun würde, falls sie mich wieder finden sollte.
    Ich wollte mich bereits befriedigt abwenden, als das schwarze Pokémon wieder aufblickte. Der Glanz in seinen Augen war zurückgekehrt und das verschwunden geglaubte Lächeln zog sich von einer Gesichtshälfte zur anderen, so als hätte er es nie abgelegt.
    „Du lässt dir wirklich nichts gefallen, oder? Finde ich gut.“
    Das war nun das zweite Mal, dass ich nicht in der Lage war, schlagfertig zu antworten. Verständnislos glotzte ich diesen Deppen an, dem offenbar nichts in dieser Welt die Laune verderben könnte.
    „Ernsthaft, nicht viele trauen sich laut auszusprechen, was sie ehrlich denken.”
    „Schnauze.“
    Ich hatte meine Stimme zurückgewonnen, doch meine Worte hatten einiges an ihrer Bissigkeit eingebüßt.
    „Ich brauche keine wertlosen Komplimente.“
    „Komplimente? Ich merke nur gerne das Offensichtliche an. Alles, was ich bisher gesagt hab, meine ich völlig ernst.“
    „Verpiss dich … sonst gibt es Tote.“
    Auch meine letzte Drohung ignorierte er gekonnt. Stattdessen tänzelte - noch immer in einem gebürtigen Abstand - an meine Seite.
    „Komm schon, lass uns Frieden schließen.“
    Mit einem Schlag fehlte mir die Lust, irgendetwas auf seine Worte zu erwidern. Es war fast so, als würde ich gegen eine Betonmauer treten.
    „Verkriech dich in deine Pokéball und lass mich in Ruhe … Idiot.“
    Augenrollend wandte ich mich ab und widmete mich stattdessen dem offenen Fenster. Bald würde ohnehin die Krankenschwester seinen Pokéball erwischen und ihn da verschwinden lassen. In der Zwischenzeit musste ich ihn nur ignorieren, vielleicht verlor er ja auch das Interesse. Abermals ein unerfüllter Wunsch.
    „Um dieses Problem hab ich mich bereits gekümmert.”
    Er zeigte mir triumphierend seine blitzenden Zähne, bevor er fortfuhr: „Ich weiß, sie werden es mir wahrscheinlich nicht glauben, aber ich will mich wirklich für den Unfall von vorhin revanchieren.”
    Mittlerweile hatte ich auf Durchzug geschaltet und reckte meinen Kopf weiter in die Höhe, als versuchte ich, einen besseren Blick auf das Fenster zu erhaschen. Der Ausblick währte nicht langen. Kurz darauf stellte sich das Vieh wieder dazwischen und versuchte ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit zu gelangen.
    „ … Sie wollen hier raus, nicht wahr?“
    Ich öffnete langsam meinen Mund, mit dem Gedanken spielend, ihm einen Krallenhieb zu verpassen, doch schließlich antwortete ich: „Und selbst wenn?“
    „Liegt praktisch auf meinem Weg.“
    Sein Grinsen wurde so breit, dass es bald schon den Rand seines Gesichtes überschreiten musste, wenn es noch etwas größer werden würde.
    „Also, wenn sie mich entschuldigen ...“
    Das Pokémon gab mir nicht die Zeit zu antworten. Ehe ich mich versah, hatte er mich seitlich auf seinen Rücken gepackt und setzte zum Sprung an.
    „Was … HEY!“
    Ich wollte mich wegstoßen und viel Abstand zwischen mir und dieses widerliche Vieh bringen, doch da fühlte ich einen Ruck und wir befanden uns in der Luft. Einen weiteren Ruck später landeten wir neben dem übergroßen Bonsaibaum, auf dem Rücken der wandelnden Erdplatte. Für einen Moment verharrte ich regungslos an der Stelle. Dann endlich riss ich mich von dem stinkenden Fell los.
    „Was soll das, du Weichbirne!“, schnauzte ich ihn an, über den Pokémon-Panzer taumelnd und mich angewidert schüttelnd. Der Untergrund, auf dem ich stand, fühlte sich seltsam an, er war nicht hart und glatt, stattdessen hatte ich das Gefühl, als bewegte ich mich auf einem moosbewachsenen Waldboden. Der Gedanke, dass dies aber der Rücken eines lebenden Pokémons war, jagte mir einen Schauer über den Rücken.
    Das schwarzfellige Pokémon zeigte mir bloß seine unschuldige Miene und erwiderte: „Ich hab sie raufgetragen, das war alles. Schauen sie, wir sind gleich da.“
    Argwöhnisch spähte ich über meine Schulter. Dort war es - das geöffnete Fenster. Dieses Mal trennte mich nicht mehr eine gläserne Steilwand von meinem Ziel.
    „Nur ein Steinwurf entfernt, nicht wahr?“, sprach er die Worte laut aus, die mir gerade durch den Kopf schwirrten, „Verzeihung, wenn ich grade ein bisschen zu grob war, aber dachte, ich erspare uns unnötiges Erklären …“
    „Ach ja, jetzt genau sparst du dir Erklärungen? Ich schwöre, du …“
    Ich stockte. Meine Augenlider weiteten sich, als mein Blick an dem Pokémon vorbei glitt und sich mit einem ganz anderen kreuzte. Einen Moment lang vergaß ich alles rund um mich, das Einzige, was ich in diesem Augenblick wahrnahm, war das Gesicht der Krankenschwester, ihre zuckenden Mundwinkel und der Ausdruck in ihren Augen, der kaum noch etwas Menschliches zu haben schien. Einen Moment hielten wir diesen Augenkontakt aufrecht, dann blickten wir beide wie aufs Stichwort zum Fenster.
    „Hundemon, verdammt!“, stieß ich hervor, sicher darüber, was sie vorhatte und stolperte mit unbeholfenen Schritten über den moosigen Untergrund. Ohne dem Pokémon weiter Aufmerksamkeit zu schenken, stürmte ich in Richtung des einzigen Ausgangs, der mir zur Verfügung stand. Auch die Krankenschwester ließ alles hinter sich zurück und rannte auf dasselbe Ziel zu. Sie trennte jedoch ein Haufen streunender Pokémon von dem Fenster, mich dafür ein Spalt, der sich zwischen Vitrine und der lebenden Erdplatte erstreckte. Ich zögerte dieses Mal jedoch nicht lange, sondern folgte einfach meinem inneren Drang und sprang los. Wenig später wechselten jedoch Instinkt und Verstand wieder die Plätze, sodass ich noch in der Luft erkannte, dass dies etwas knapp werden würde. Ich streckte mich nach vorne, versuchte mit meinem Oberkörper auf der Vitrine zu landen, was teilweise gelang … doch Halt fand ich nicht. Ich rutschte ab und drohte hinab auf den Erdboden gezogen zu werden. Krallen trafen auf Glas und gaben ein schrilles Kreischen von sich, was genau so gut aus meiner Kehle hätte stammen können, während ich weiter an Gripp verlor. Schließlich rutschten meine Pfoten so nah an die Kante, dass ich endgültig meinen Halt verlor und stürzte … doch nur einen kurzen Augenblick lange.
    Dann wurde ich mit einem Ruck nach oben gezerrt und zurück auf die Glasvitrine geschleudert.
    „War wohl mehr als ein Steinwurf“, erklang die Stimme des schwarzen Pokémons und kaum hatte ich meinen Schädel gehoben, war da abermals sein breit grinsendes Gesicht. Ich hatte keinen Schimmer, wie er so schnell auf die Vitrine gelangt war, doch spielte das keine Rolle. Nicht mal die Zeit, auf seine dumme Bemerkung zu erwidern, hatte ich, denn da stand schon die Krankenschwester, eine Hand beim Fenstergriff und die andere auf uns zu schnellend.
    Das Fenster schwang zu.
    Von einem Moment auf den anderen trennte mich eine Glasscheibe von der dahinter liegenden Seite. Auf der einen befanden sich das schwarze Pokémon und die Krankenschwester. Auf der anderen Seite war ich.
    Wir alle teilten denselben Ausdruck von Entsetzen und Erstaunen in unseren Gesichtern, für einen Sekundenbruchteil starrten wir uns gegenseitig an, bis das Fenster aus meinem Sichtfeld verschwand. Ich hatte keinen Schimmer, was soeben geschehen war und brauchte noch eine weitere Sekunde, um halbwegs zu realisieren, was gerade mit mir geschah. Ein Blick nach unten, einen nach oben, und ich hatte mehr Fragen als Antworten. Ich flog gerade durch die Luft, ohne die Hilfe von Flügel, Motoren oder Sonstigem. Wie, warum und wohin, auf diese Fragen hatte ich keine Antwort. Wie auf Kommando begann ich schrill zu schreien und fuchtelte mit meinen Beinen wild durch die Luft.
    Verdammt, was ging vor sich? Werde ich verrückt oder ist das alles ein Fiebertraum? Hat mir die Krankenschwester doch irgendwelche Drogen verabreicht oder … oder schwebte ich gerade wirklich durch die Luft?
    Ich wandte mich in alle Richtungen, doch nahm ich kaum etwas von der Gasse, welche ich schwebend durchquerte, mit. Stattdessen suchte ich nach einem Seil, einer Hand oder etwas Ähnlichem, was diesen Spuk erklären konnte.
    Bevor ich jedoch ein unsichtbares Seil finden oder mir das Herz vor Panik aus der Brust springen konnte, bemerkte ich etwas anderes aus den Augenwinkeln. Mein Blick huschte zur Seite, und ehe ich mich versah, hatte ich plötzlich wieder festen Boden unter meinen Füßen. Wobei “fest” in dem Fall sehr relativ zu verstehen war. Ich stand auf schaukelndem Untergrund, umringt von hölzernen Wänden, ein mir bekannter Anblick. Für einige Sekunden starrten meine Augen regungslos zu Boden, bevor ich den Schock von mir losschütteln konnte.
    Nana?
    Kein Zweifel, es gab nicht viele Personen die mit einer Holzschublade durch die Straßen laufen würden. Sie wirkte erschöpft, doch als sie bemerkte, dass ich sie anstarrte, tauchte ein Lächeln auf ihren Lippen auf.
    „Sorry, May …“, brachte sie zwischen ihren keuchenden Atemzügen hervor und rannte weiter. Die zweite Person, die sich heute schon bei mir entschuldigte, und abermals wusste ich nicht so recht, was ich darauf erwidern sollte. Nicht weil ich über ihre Entschuldigung überrascht wäre, doch eher wegen der anderen Fragen, die weiterhin in meinem Kopf schwirrten. Wie hatte sie das gerade gemacht? Wie zum Hundemon hatte sie mich aus dieser Irrenanstalt befördert? Ich war mir sicher, dass ich vorhin durch die Luft geflogen war, ohne, dass mich jemand geschubst oder gezogen hatte. Besaß Nana Superkräfte oder wie sollte ich mir das auf eine rationale Art und Weise erklären? Und vor allem … wieso bin ich wieder bei ihr gelandet, das war nicht teil mein Plan gewesen. Ich wollte alleine durch das Fenster abhauen und meinen eigenen Weg gehen und nicht bei ihr landen.
    “Herrin hat nichts damit zu tun.“
    Bei dem Klang der mir fremden Stimme zuckte ich zusammen. Ich musste nicht lange nach ihrem Ursprung suchen, denn da war plötzlich eine weitere Person, eine grünhaarige Frau in einem weißen Kleid, die wie aus dem Nichts neben uns zu rennen schien. Das war jedenfalls, was meine Augen mir einreden wollten. Ein weiterer Blick und ich erkannte, was ich da wirklich gegenüberstand: Das war kein Mensch, sondern ein Pokémon und die vermeintlichen Haare und Kleidung waren bloß Teil des Körpers
    „Camille“, hörte ich Nana sagen und gab mir zumindest die Sicherheit, dass ich nicht verrückt wurde und Geister sah. Ihre Schritte wurden gleichzeitig langsamer, und als wir um die nächste Straße bogen, kam sie endgültig zum Stillstand.
    „Danke … für deine Hilfe.“
    Das Pokémon schien leicht mit dem Kopf zu nicken, doch blickte es gar nicht in die Richtung des Mädchens. Dessen roten Augen waren auf mich fixiert, doch konnte ich keinerlei Emotionen in ihnen erkennen. Sie blickten mich nicht freundlich, wütend noch mitleidig an, stattdessen schienen sie mich zu durchdringen und irgendetwas anzusehen, das hinter mir war.
    „Du … du warst das?“, stotterte ich und fühlte mich nackter, als ich in dieser Gestalt ohnehin schon war. Ihre blutroten Pupillen waren mir nicht besonders sympathisch, eigentlich wollte ich das Pokémon anschreien und auffordern, mich gefälligst woanders hin zu glotzen, doch irgendwie gelang mir dies nicht.
    „Du willst flüchten, nicht?"
    Die Worte hätten genauso gut aus den Lautsprechern eines Pokédex stammen können, so emotionslos und trocken waren sie. Etwas unbeholfen versuchte ich ihren Augen zu entkommen und sah stattdessen zu Nana hoch, doch diese hatte sich in der Zwischenzeit gegen eine Hausfassade gelehnt und versuchte wieder zu Atem zu kommen.
    „Vielleicht“, erwiderte ich schließlich und versuchte trotzig zu klingen, „spielt doch keine Rolle, oder?“
    Ich erhielt keine Reaktion auf meine Worte, zumindest vorerst nicht. Irritiert wandte ich meinen Kopf zurück in ihre Richtung, nur um genau denselben Ausdruck in ihren Augen vorzufinden wie zuvor. Ich hatte keine Ahnung, was dieses Pokémon für Probleme hatte, doch allein ihr Blick jagte mir einen Schauer über den Rücken. Ich hatte keinen Zweifel, dass sie dafür verantwortlich gewesen war, mich aus dem Center zu befördern. Ich hatte gehört, dass es Viecher geben soll, die über Kräfte verfügen sollten, die darüber hinausgingen, etwas Feuer oder Wasser zu spucken, aber so etwas am eigenen Leib zu spüren …
    „Du bist anders.“
    Überraschend begann Camille wieder zu sprechen, offenbar ohne jeglichen Kontext.
    „Anders? Von was soll …”
    „Du bist kein Vulpix. Oder?“
    Für einen Moment starrte ich sie verständnislos an. Ein paar Sekunden lang. Dann klappte mir die Kinnlade bis zum Boden hinunter. Ich hatte mich gerade verhört, oder? Das war meine Einbildung, niemand hatte bisher erkannt, dass ich in Wahrheit kein Pokémon war, woher sollte also diese Kreatur davon wissen. Doch egal wie sehr ich mir einzureden versuchte, dass mir meine Ohren nur einen Streich gespielt hatten, konnte ich meinen Blick nicht von ihr abwenden.
    „Warte … du …“
    Vergeblich versuchte ich ihr eine Frage zu stellen, doch meine Lippen formten lediglich leere Bewegungen, keine Worte. Konnte es wirklich sein: Hier und jetzt treffe ich ein Wesen, welches wusste, dass ich kein Vulpix war? Ausgerechnet von irgendeinem Pokémon, dass sich halb als Mensch verkleidete? Bisher hatte jeder mein neues Aussehen einfach so hingenommen, aber wenn sie durch meine Hülle sehen konnte … wusste sie möglicherweise noch mehr über mich und darüber. Darüber wie ich wieder ein Mensch werden konnte.
    Allein der Gedanke daran, Antworten finden zu können, versetzte mich so sehr in Aufregung, dass mein ganzer Körper zu beben begann. Das musste dasselbe Gefühl sein, als ob man den Hauptpreis in der Lotterie gewann … nein, viel mehr, als hätte man gerade einen Weg gefunden, den Tod selbst zu besiegen.
    „Wir sollten weiter“, durchdrang Nanas Stimme meinen tranceartigen Zustand, „Camille, du kannst dich zurückziehen. Danke nochmals.“
    Zum ersten Mal wandte Camille ihre starren Augen von mir ab. Eigentlich hätte ich mich besser fühle sollen, strahlten ihre Augen doch etwas Kaltes und Stechendes aus, doch das war nicht der Fall. Ich versuchte ein weiteres Mal paar Worte hervorzuwürgen, die mir alle im Hals zu stecken schienen, doch bevor ein einziges meinen Mund verlassen konnte, war sie weg. Verschwunden, vor meinen Augen, von einer Sekunde auf die nächste und damit alle Antworten, die ich suchte. Hätte ich nicht die ganze Zeit über mit aufgerissenen Augen in diese Richtung geschaut, hätte ich es jetzt getan.
    Wie … was zum Hundemon, was war gerade passiert, dieses Pokémon hat sich doch nicht gerade in Luft aufgelöst, oder? Moment … warte!
    Ich stieß einen stummen Schrei aus und riss mich aus meiner Starre. Wo war sie hin, sie konnte doch nicht einfach verschwinden und mich zurücklassen, nicht ohne mir meine Fragen zu beantworten!
    Ich stürmte auf den Rand der Schublade zu und sprang, ohne Rücksicht darauf, wie weit ich fallen würde. In diesem Augenblick war es mir egal, ich musste dieses Pokémon wiederfinden, koste es, was es wolle! Ich hörte noch einen erschrockenen Aufschrei hinter mir, als ich mit allen Vieren auf dem grauen Pflaster der Straße landete, doch drehte ich mich nicht um. Ich rannte ein Stück voran, überall nach dem menschenartigen Pokémon Ausschau haltend. Ich suchte nach Spuren oder Hinweise, jedoch befand sich außer mir und Nana keine andere Seele mehr hier. Sie war fort.
    Verdammt nochmal, sie konnte nicht abhauen, nicht jetzt! Warum hatte Nana sie weggeschickt, verdammte Idiotin! Dieses Ding … dieses Pokémon wusste, dass ich kein Vulpix war und nun war sie verschwunden. Einfach verschwunden … verdammt nochmal! Warum wird mir ständig alles vor die Nase gehalten, nur um es mir dann wieder wegzunehmen!
    “May!”
    Erst jetzt nahm ich wieder Nanas Stimme war. Etwas teilnahmslos wandte ich meinen Kopf um und sah sie hinter mir hockend, die Schublade vor sich haltend.
    “Willst du so sehr weg?”
    Ja, das will ich. Ich will weg und dieses eine Pokémon finden, damit ich wieder ein Mensch werden kann. Nicht mehr oder weniger. Eigentlich war ich kurz davor, einfach loszulaufen, doch irgendwie hielt ich inne und lauschte dem, was sie noch zu sagen hatte.
    “Ich werde dich nicht aufhalten … aber ich bitte dich, komm mit mir. Das hier nicht der richtige Ort für dich. Und ich … ich …”
    Ich sah nochmals die schier endlose Gasse entlang. Nun war meine Gelegenheit, ich konnte wieder meinen eigenen Weg gehen, ganz so, wie ich wollte. Dann war ich wieder frei … frei herumzuirren und in einer Seitenstraße zu sterben.
    Ich wandte meinen Kopf nach oben und unsere Blicke kreuzten sich abermals. Keine roten Pupillen, kein stechender und leerer Blick, ganz im Gegenteil, ihre Augen schienen direkt ein Tor in ihr Innerstes zu sein und so war auch die Sorge in ihnen nicht zu übersehen. Sie vollendete ihren Satz nicht, sondern starrte mich eine lange Weile an und stellte die Schublade zu Boden.
    “Bitte!”



    [tab=Wort zum Mittwoch]

    Ich kann also nicht so versprechen, wie es jetzt genau mit der Zukunft mit FTonN aussehen wird, aber ich bin doch recht zuversichtlich, was diese anbelangt und hoffe, ihr könnt meinem sehr unregelmäßigen Postverhalten vergeben könnt^^”


    Nun … ist schon wieder fast ein Jahr her^^"
    Ich wusste, dass ich nicht so viel zum Schreiben kommen würde, aber mit fast einem vollen Jahr Pause hab ich nicht gerechnet, besonders, weil die erste Version dieses Parts schon seit Ende letzten Novembers fertig war. Dann hab ich den Part umgeschrieben. Dann nochmal. Und nochmal … um ihn dann paar Monate so gut wie fertig auf meiner Festplatte herum schmoren zu lassen, um ihn dann die letzten zwei Wochen wieder etwas intensiver zu bearbeiten. Ich war einfach nicht sonderlich zufrieden und so hab ich teils ganze seitenlange Passagen gestrichen und neugeschrieben. Kostet viel Zeit und macht die Sache nicht leicht, wenn man ohnehin nicht viel davon hat.
    Aber endlich ist es soweit, offiziell, Kapitel 8 ist hiermit fertig oder besser gesagt, 9. Habe es jetzt doch zwei separate Kapitel daraus gemacht. Und wow, bin ich erleichtert. So lange an einem einzigen Part zu verbringen kann schon sehr frustrierend werden. : O
    Wo geht's von hier weiter? Nun, ich will nicht unbedingt wieder ein Jahr warten, bis ich das nächste Kapitel online stelle, deswegen muss ich vor allem lernen, nicht alle Kapitel dermaßen aufzublasen. Lange Texte schön und gut, aber wenn allein Kapitel 8 (plus 9 ) fast so viele Wörter hat, wie ein Viertel von so manchem Roman, aber nicht mal annähernd so viel Inhalt, dann mach ich etwas falsch. Und ansonsten … versuchen mehr zu schreiben, hoffe sehr, dass ich dieses Mal etwas mehr Zeit dafür nehmen kann, hängt jedoch davon ab, wie stressig das kommende Jahr wird, aber ich bleibe mal optimistisch. Zudem spiele ich mit dem Gedanken, ab dem übernächsten Kapitel Akt 2 / Buch 2 einzuläuten. Würde nicht viel ändern, außer dass zwischen drinnen mal wieder ein Startpost mit einer Zusammenfassung vom letzten Akt drinnen ist, aber ich würde gern etwas wie einen kleinen “Neustart” haben und dem was folgt, mehr Struktur und Richtung geben.
    Und vielen Dank an @Rusalka, sowie an @Eagle fürs Betalesen, ihr seid wirklich eine große Hilfe!
    Damit genug gequasselt, wünsche ich viel Spaß beim Lesen des finalen Abschnitt von Kapitel 9 ^_^



    [tabmenu]
    [tab=Kapitel 9 Teil 3]
    „Zeit für die guten alten Methoden“, kam es von der blonden Frau, als sie ihre Papiere zur Seite gelegt hatte und streckte wieder einmal ihre Hände bedrohlich in meine Richtung.
    Was auch immer sie mit „guten alten Methoden“ meinte, es klang so, als wollte sie mich in eine weitere Folterkammer bringen. Doch nun, wo ich mich körperlich relativ fit fühlte, war ich absolut nicht mehr dazu bereit, mir so etwas einfach gefallen zu lassen.
    Aggressiv bleckte ich meine Zähne und fuhr meine Krallen aus den Pfoten - etwas, was ich mittlerweile beherrschte –, während ich auf den Moment wartete, dass sie es wagte, sich mir nur einen Zentimeter zu viel zu nähern. Auch wenn dieser weibliche Riese mich um etliche Kopflängen überragte, würde sie einen schrecklichen Fehler damit begehen, mich zu unterschätzen. Ich würde ihr die Haut unter ihren Handschuhen aufschlitzen, ihre Augen und das Gesicht zerkratzen und ihr anschließend demonstrativ in den Hintern treten. Noch während ich innerlich mit diesen Gedanken spielte, warf ich einen prüfenden Blick in Richtung des Fensters, welches die Krankenschwester vorhin sperrangelweit geöffnet hatte. Nachdem ich mit dieser Frau fertig war, würde das der Ausgang sein, mit dem ich dieses Center hinter mir lassen würde. Zuvor hatte ich nicht die Möglichkeit gehabt, überhaupt an eine Flucht zu denken, aber nun stand die Situation - obwohl ich noch immer in dieser Maschine gefangen war - wieder etwas mehr zu meinen Gunsten. Ich sprühte nur so vor Energie und konnte meine noch anhaltenden Magenschmerzen vorerst ignorieren.
    Die großen Hände der Krankenschwester hatten in der Zwischenzeit beinah meine Privatsphärengrenze überschritten. Mit nach Rache dürstenden Augen betrachtete ich ihre nach mir trachtenden Finger, während gleichzeitig ein trotziges Lächeln meine Lippen umspielte. Allein die Vorstellung, was jetzt folgen würde, gab mir mehr Genugtuung, als dass ich diese hätte verbergen können. Mein überraschender Angriff, ihr entsetztes Gesicht und ihre Schreie, konnte ich schon alle vor meinen geistigen Sinnen sehen und hören …
    Unerwartet kam die Hand der Krankenschwester zum Halt. Mein zufriedenes Lächeln erstarb in dem Moment, als sie ihre Hände von mir weg zog und sich einen kleinen Schritt von der Maschine entfernte. Stattdessen wandelte sich meine Miene in einen Ausdruck, der genauso gut gepasst hätte, wenn sich die Frau in die Luft erhoben und eine Runde im Raum gedreht hätte.
    Moment einmal, so war das nicht geplant gewesen! Diese unsensible, grobe und grimmige Frau trat einfach den Rückzug an? Wie bedrohlich hatte ich denn gewirkt, dass ich diese Lady aus Stein derartig verängstigt hatte? Doch von Angst oder Scheu konnte ich in ihrem Gesicht nichts erkennen, sie blickte mich weiterhin mit dieser prüfenden Miene an, die mich ziemlich ankotzte. Schließlich schüttelte sie bloß leise murmelnd den Kopf, bevor sie sich umwandte und mich eiskalt zurück ließ.
    “Hey, komm zurück!”, fauchte ich ihr nach und löste mich schlagartig aus meiner Erstarrung.
    “Das ist kein verdammter Pokémon-Kampf, flüchten ist keine Option.”
    Verärgert sprang ich etwas auf und ab, um besser über den Rand meines Gefängnisses blicken zu können. Wollte mich diese Frau einfach hier vergammeln lassen, um dann in ein paar Wochen meine Überreste abzuholen? Verdammt nochmal, so ein Feigling, die sollte sich mir stellen, immerhin war das mein gutes Recht, nachdem sie mich derartig grob behandelt hatte. Aber offenbar wusste sie doch zu gut, was für sie selbst am besten war. Ich versuchte wieder ein grimmiges und selbstbewusstes Lächeln aufzusetzen, doch irgendwie wollte mir das nicht so gelingen. Auch wenn ich diese Frau für bescheuert hielt, grundlos war sie wahrscheinlich nicht wegspaziert und ich glaubte kaum, dass dies ein gutes Zeichen für mich war.
    Lange brauchte ich nicht über ihr Verschwinden zu rätseln, denn ehe ich mich versah, hörte ich wieder ihre Schritte näher kommen. Ein Schatten warf sich über mich und da stand sie bereits wieder: Mit ihrer müden, desinteressierten Miene im Gesicht und ihre Hände nach mir streckend. Alarmiert wechselte ich in meine vorherige Kampfstellung, als ich die kleine gelbliche Sprühflasche bemerkte, welche sie in ihrer linken Hand umklammert hielt. Auf den ersten Blick dachte ich, es handle sich wieder um einen Hyperheiler, doch die Behälter wiesen keine besonderen Ähnlichkeiten zueinander auf, soweit ich sagen konnte. Bevor ich aber das Etikett lesen oder mich sonst irgendwie darauf einstellen konnte, drückte die Frau ab. Eine durchsichtige Flüssigkeit sprühte aus der Öffnung hervor, direkt auf mein Gesicht, bevor ich einen rettenden Sprung zur Seite machen konnte. Schreiend zuckte ich zurück. Mein gesamtes Gesicht begann furchtbar zu jucken und zu kribbeln, so als wäre ich kopfüber in ein Säurebecken gestürzt. Heftig schüttelte ich meinen Kopf und versuchte gleichzeitig mit Hilfe der Vorderpfoten meine Augen frei zu wischen, jedoch fühlte ich die Berührung auf meiner Haut nicht mehr. Mein gesamtes Gesicht war mit einem Mal taub und als ich schließlich einen Versuch anstellte, meine Augenlider zu öffnen, wurde mir bewusst, dass ich dies kaum konnte. Ich war wie paralysiert.
    „Whm hol hihm hnm!“, schrie ich, oder besser gesagt, drückte ich durch meine tauben Lippen hervor, denn meine eigentlichen Worte - Was soll dieser Dreck - schafften es nicht, meinen Mund zu verlassen. Was war das für ein verfluchtes Zeug? Kleber, Säure oder gar Gift? Aufgebracht sprang ich wie ein wütendes Tauros herum. Ich konnte weder meine Augenlider öffnen, noch meinen Mund bewegen und nicht einmal meine Nase schien vernünftig zu funktionieren, woran aber der aufdringliche Geruch dieser Substanz schuld war, der an Pilzsuppe erinnerte. Mein Kratzen und Springen brachte mir natürlich gar nichts, das Zeug wollte nicht mehr aus meinem Gesicht. Stattdessen fühlte ich kurz darauf einen kurzen stechenden Schmerz, als jemand nach einem meiner unnötig vielen Schwänze griff und mich damit grob über den glatten Boden zerrte. Instinktiv wollte ich mich umdrehen und nach der unverschämten Krankenschwester beißen, doch weder das Umdrehen noch das Aufreißen meines Mauls funktionierte so wie ich es wollte. Stattdessen endete dieses Theater damit, dass ich wieder einen vertrauten Griff am Nacken fühlte, kurz bevor ich zum tausendsten Mal an diesem Tag den Boden unter meinen Füßen verlor.
    „Pfeipfe pferhamm, ach mich off!“
    Fluchend zappelte ich durch die Luft und versuchte abermals ein paar Flüche aus meinem Mund zu pressen. Dieses Mal waren meine Worte nicht ganz so verstümmelt, doch noch immer kaum verständlich. Mein Gesicht schien sich rasch wieder zu entspannen und nach wenigen Sekunden konnte ich schließlich sowohl meine Augenlider als auch meinen Mund wieder aufschlagen und benutzen. Jedoch war dies einige Sekunden zu spät, der Schaden war bereits getan. Noch etwas träge zwang ich mich, meine Augenlider zu öffnen, nur um sogleich mit ansehen zu müssen, wie mich diese verfluchte Hexe wie ein baumelnder Sack Reis in Richtung Türe schleppte. Wütend schnitt ich eine Grimasse; jedenfalls probierte ich es, doch wahrscheinlich sah ich gerade aus, als versuchte ich ein Gähnen zu unterdrücken. Wie schnell sich eine Situation von schlecht zu katastrophal umwandeln konnte war einfach nur frustrierend. Diese Frau konnte mir ja auch nicht einmal den kleinsten Erfolg lassen. Ständig erinnerte man mich daran, dass ich als Vulpix nichts weiter als ein Spielball für andere Menschen war. Zum Kotzen.
    Jeder Versuch, mich aus ihrem Halt frei zu zappeln, war ein Schuss in den Offen und schneller als es mir lieb war, passierten wir bereits das Fenster, meinen einzigen Notausgang aus dieser Irrenanstalt. Mit einer Mischung aus Wehmut und rasender Verzweiflung blickte ich in Richtung des geöffneten Fensters, während ich mich weiter in ihrem Griff wandte wie ein gefangenes Rettan.
    “Verdammt jetzt! Verdammt, du verdammtes Monster, lass mich verdammt nochmal los!”
    Doch soviel ich sie auch verdammte, dadurch wurde ihr Halt auch nicht lockerer. Ich konnte nichts anderes, als sie weiter zu verfluchen, während sie den Raum verließ und Arceus weiß, wohin sie mich nun bringen wollte.


    „Ah, Sie da! Einen Augenblick", ertönte unerwartet eine Stimme, kurz bevor die Pokémon-Krankenschwester mich sogleich in den nächsten Raum verschleppen konnte. Instinktiv drehte ich meinen Kopf nach links und erblickte am Ende des weißen Flures einen Mann auf uns zu eilen. Auch die unsensible blondhaarige Frau wurde auf den Typen aufmerksam und wandte sich diesem zu.
    „Hm?“, gab die Schwester einen fragenden, aber gleichzeitig nicht besonders erfreut klingenden Ton von sich, „Tut mir leid, aber hier hat nur autorisiertes Personal Zutritt, ich muss Sie also bitten zu gehen.“
    „Nun, wenn man nicht an der Rezeption bedient wird, muss man sich eben selbst helfen“, erwiderte dieser und strich sich die Nässe von seiner Regenjacke auf den Boden, „Ich hab nicht wirklich Zeit zum Warten. Meine Magnetbahn fährt in zwanzig Minuten ab, aber meine Pokémon sind etwas angeschlagen und ich kann ja nicht mit irgendwelchen verletzten Pokémon in Sattbrunn aufkreuzen.“
    Er deutete auf etwas, dass sich scheinbar hinter seinen Beinen befand und zog gleichzeitig zwei Pokémon-Kapseln aus seiner Tasche.
    „Sie wissen schon, einfach meine Pokébälle in die Apparatur stecken und schwupps. Das braucht ja nicht allzu lang, oder?“
    „Ja, nimmt diesen Vollpfosten als Erstes dran“, raunte ich und zappelte weiter, in der Hoffnung, dass sie etwas an Achtsamkeit verloren hatte. Normalerweise kotzten mich derartige Typen an, die meinten, ihr Charisma, Aussehen oder ihre Rhetorikfähigkeiten könnten sie an den Kopf einer Warteschlange bringen. In diesem Fall wäre es mir aber sogar lieber gewesen, dann würde sich möglicherweise doch eine Chance ergeben, meinen Fluchtplan in die Tat umzusetzen. Kurz blickte ich nochmals zu den Beinen dieses Trainers hinab, als mir auffiel, dass sich hinter seinen Jeans etwas versteckt hielt. Ein rundliches, braunes Ohr ragte auffällig hervor und zuckte leicht bei jedem Geräusch und jedem Wort. Toll, noch mehr Gesellschaft, ich hätte einen Freudentanz aufführen können … wenn ich festen Boden unter meinen Füßen gehabt und es mich die Bohne interessiert hätte. Abermals leicht strampelnd starrte ich das Vieh an, das nun vorsichtig hinter den blauen Jeans seines Besitzers hervor lugte. Das Pokémon, das wie eine Kreuzung zwischen einem Teddybären und eines Möchtegern-Löwen-Pokémons wirkte, dem man eine winzige rote Irokese aufgeklebt hatte, blickte sich etwas zerknirscht in dem weißen Gang um, bevor seine Aufmerksamkeit schlagartig hinauf zu mir wanderte. Wenn ich mich nicht recht irrte, handelte es sich bei dem Ding um ein Leufeo … ein besonders hässliches, kurz angemerkt. Ich nahm mal an, dass seine rote, zerkratzt wirkende Schnauze nicht zu seinem eigentlichen Aussehen dazu gehörte, hätte aber ganz gut zu dem dämlichen Gesicht gepasst.
    Unfreundlich bleckte ich meine Zähne und deutete ihm mit einer selbsterklärenden Geste, dass er gefälligst wo anders hin glotzen sollte, doch scheinbar war dieses Vieh für derartig simple Nachrichten zu beschränkt. Stattdessen haftete sein Blick weiterhin an mir, in welchem ich eine Mischung aus Neugier und Schadenfreude erkannte.
    „Kümmere dich um deinen Dreck“, sagte ich ihm in einer ebenso klipp und klaren Weise wie meine unverstandene Geste.
    „Na, Probleme da oben?“, kam eine indirekte Antwort von dem Leufeo und es versteckte sich etwas hinter dem schützenden Bein seines Trainer.
    Was fiel diesem Köter ein, sich über mich lustig zu machen, der sah doch mit seinem zusammengedrückten Gesicht und seiner zerkratzten Schnauze weitaus lächerlicher aus als ich! Dem Biest sollte man einen Spiegel vor die Nase klatschen.
    „Kannst mich mal ...“
    Ich wandte vorerst meinen Kopf ab und versuchte mich stattdessen weiter zu befreien, einfach um dem Köter zu zeigen, dass ich nicht wehrlos war. Die Krankenschwester, die in der Zwischenzeit eine Schweigepause eingelegt hatte, zuckte jedoch nicht einmal mit dem kleinen Finger. Von meiner momentanen Position konnte ich nicht wirklich ihre Gesichtszüge erkennen, doch ich traute mich zu wetten, dass sie nicht sonderlich begeistert wirkte. Schließlich ließ sie mit einer Hand von mir ab, ließ mich aber weiterhin wie einen nassen Sack in der Luft hängen, bevor sie ohne Widerworte nach den Pokébällen griff.
    „Gut, ich werde Ihre Pokémon vorerst aufbewahren und mich ihnen widmen, sobald ich mich vollständig um dieses Vulpix gekümmert ...“, antwortete sie und wollte bereits mit ihrem Daumen auf den großen weißen Knopf auf der Vorderseite des ersten Pokéballs drücken, als ihr der Trainer ins Wort fiel.
    „Ach nein, kommen sie schon, machen sie doch einen Ausnahme und werfen sie die Pokébälle einfach schnell in diese Maschine. Dieser Streuner da wird schon nicht davonlaufen, mein Zug hingegen schon. Tun sie uns doch den gefallen bitte.“
    Er setzte ein Lächeln auf und zwinkerte so erzwungen, dass es mir in Magengrube wehtat, ihn anzusehen und das lag nicht nur an meinen Bauchschmerzen. Dieser Kerl sollte mich gefälligst nicht einen Streuner nennen! Streuner, so ein Schnösel, diese Bezeichnung war doch der Gipfel, der sollte sich seine dämlichen Beleidigungen in den Hintern schieben! Wenn er es nicht zusammenbrachte, sich nach vorn zu drängen, sollte er wenigstens schnell aus meinem Blickfeld verschwinden. Meinem Magen ging es auch ohne sein Gesicht und den Kommentaren elend genug.
    Ebenso merklich irritiert trat die Frau einen Schritt zurück in den vorherigen Raum und stellte die rot-weißen Kapseln auf dem nächstbesten Etagenregal ab und packte mich sogleich wieder fest mit beiden Armen.
    „Das ist unmöglich. Ich bin beschäftigt und wir leiden gerade an Personalmangel, also wenn Sie jetzt bitte zurück in den Warteraum gehen könnten ...“
    Das Lächeln verließ - glücklicherweise - den Mann, der sich darauf durch das kurze Haar fuhr und mit den Augen rollte.
    „Das ist also der Service, den man hier bekommt? Wirklich, da hab ich schon weit aus besser ausgestattete Center und entgegenkommendere Joys getroffen … “
    “Mein Name ist Sahra Marina und nicht Joy.”
    Ihr Ton wurde merklich bissig, als sie dem Trainer selbstsicher ins Wort fiel: „Jetzt hören Sie mir gut zu, Sie können überhaupt froh sein, dass Sie diese Einrichtung auf Kosten der Pokémon-Liga benutzen können, sonst dürften Sie selbst die Wunden Ihrer Pokémon lecken, also stellen Sie jetzt nicht irgendwelche Ansprüche. Lassen Sie doch einfach Ihre Pokémon in ihren Bällen ruhen, ist das denn so schwer? Dafür sind diese Dinger doch da und kein Floink in Sattbrunn wird das interessieren, ob ihre Pokémon halbtot sind oder nicht.“
    „Hey, hey, immer ruhig mit den schnellen Gallopas, ich wollte nur ...“
    „Nichts da! Sie hören mir jetzt zu …“


    Das Fass war offensichtlich am Überlaufen und dieser Schnösel dort war der Narr, der nun ihre angestaute schlechte Laune über sich ergehen lassen musste. Was da aus ihrem Mund sprudelte, hatte absolut nichts mehr mit ihrer zwanghaft höflichen Art zu tun und ihre Wortwahl verschaffte sogar mir ein klein wenig Respekt. Da konnte dieser Typ seine Hände so sehr schützend vor sich halten, dieser Wortschwall war nicht mehr aufzuhalten. Doch alles in allen kümmerte mich dieser Streit wenig, aber der springende Punkt an der Sache war, dass die Krankenschwester nun abgelenkt genug sein müsste ... das war die Chance mich aus ihren eisernen Klauen zu befreien! Für einen kurzen Moment hielt ich noch ruhig und lauschte unfreiwillig den Worten der erzürnten Frau, wie sie sich über die Arbeitszeiten im Center beschwerte, bevor ich den Überraschungseffekt nutzte und mich ruckartig bewegte.
    Keine Reaktion.
    Ein weiteres Mal versuchte ich mich zu befreien, aber wieder brachte es nicht den gewünschten Erfolg. Selbst mein anschließendes heftiges Zappeln, Treten, Drücken und Winden zeigte absolut keine Wirkung. Schnaufend hielt ich nach einigen weiteren vergeblichen Versuchen inne. Ihre Hand befand sich wie angefroren an meinem Nacken und sämtliche Versuche, ihr eins mit meinen Klauen zu verpassen, konnte sie scheinbar spielend entgehen.
    Diese verdammte Frau ... obwohl sie damit beschäftigt war, diesen Trainer anzuschreien und mir offenbar kaum noch Beachtung schenkte, war sie weiterhin problemlos in der Lage, mich im Zaum zu halten. War diese Frau einfach so eisern oder lag es lediglich daran, dass diese verdammte Vulpixhülle, die ich Körper nennen musste, nutzlos war? Das wäre bereits das dritte Mal, dass ich dieser Frau für ihre Leistungen meinen Respekt zollen müsste, doch mir war danach nicht zumute. Was zum Hundemon musste man tun, damit diese verfluchte Frau endlich aufgab?


    „... Ich bitte Sie, was kann ich dafür, dass Sie diesen Job bekommen haben?“
    „Reden Sie nicht mit mir, als wäre ich eine ausländische Reinigungskraft! Ich hab mit meinem Pokémon-Medizinstudium sicher eine bessere Bildung als Sie und die meisten Besucher dieses Centers! Aber habe ich was davon? Nur eine unterbezahlte Arbeitsstelle in einem altem Center in dieser Touristenstadt.“


    Stöhnend ließ ich meine zwecklosen Versuche bleiben, als diese Blonde in ihrer Raserei ihre Fingernägel in meinen Nacken krallte.
    Urg … das war definitiv nicht mein Tag. Zum dritten Mal in Folge. Ich war so kurz davor, nicht nur diesem Pokémon-Center zu entfliehen, sondern auch dieser Nana, aber stattdessen durfte ich nun einen unzensierten Vortrag über die Arbeitsverhältnisse in der Pokémon-Pflege anhören, während sie mich wie ein Sack Kartoffeln hängen ließ.
    Noch einmal hob ich meinen Kopf und ließ meinen Blick langsam über das hochrote Gesicht des Mannes schweifen, bis hinunter zu seinen schwarzen Schuhen, wo sich noch immer dieses verdammte Pokémon befand, dass immer wieder zu mir hinauf schielte.


    „Und wenn Sie es doch so eilig haben, versuchen Sie es doch mit Tränke, die können Sie im Laden gleich um die Ecke kaufen. Oder probieren Sie es mit Homöopathie, möglicherweise wirkt das Zeug bei Pokémon ...“


    Grimmig blickte ich hinab und überlegte mir, ob ich ihm noch irgendwelche Drohungen hinterher rufen sollte, als mir aus heiterem Himmel ein Einfall kam, so logisch und einfach, dass ich längst hätte drauf kommen können.
    „Hey Köter“, rief ich dem Teddylöwen zu, ohne auf die Worte der völlig in Rage versetzten Krankenschwester zu achten, „Wie fühlt es sich so an, sich hinter seinem Herrchen verkriechen zu können? Zwei kräftige Beine vor sich zu haben muss ja wirklich ein angenehmer Schutz sein, oder?“
    Nochmals lugte der kleine Möchtegern-Löwe hinter seiner sicheren Wand hervor und blitzte mich irritiert an.
    „Mir geht's hier wenigstens besser als dir“, erwiderte der Kleine und streckte mir keck die rosa Zunge entgegen.
    „Ach ja?“
    „Klar, alles ist besser als so herum zu hängen.”
    Ich gab ein furchtbar gelangweiltes Gähnen von mir und ließ meinen Blick beeindruckt durch den Raum schweifen.
    „Erstaunlich, hätte ich so ein eingequetschtes Gesicht, würde ich das nicht so leichtfertig behaupten. Ich meine, ich hänge lieber hier etwas durch die Gegend, anstatt so auszusehen, als wäre mir eine Dampfwalze über die Schnauze gedonnert. Wenn ich so herum rennen müsste, würde ich mich nicht einmal auf die Straße trauen. Sehr mutig, Kleiner.”
    Ich bezweifelte stark, dass dieses kleine Rotzvieh wusste, was eine Dampfwalze war, doch er ging dennoch voll auf meine Provokation ein. Wütend hopste das Pokémon endgültig aus seinem Versteck und zeigte mir drohend seine glühende Irokese.
    „Wer sieht hier aus, als wäre er eine ... ein ...“
    Er stockte mitten im Satz, als ihm anscheinend nicht mehr der Rest von dem einfiel, was er mir eigentlich an den Kopf werfen wollte.
    „Eine Dampfwalze?“, ergänzte ich ihn und betonte jeden einzelnen Buchstaben genüsslich mit meinen Lippen. Dieser Streit ließ mich beinah meine miserable Situation vergessen, so sehr genoss ich es, diesem Vieh einfach eins unter die Nase reiben zu können.
    „Ach, sei still!“, bebte der Irokesenlöwe und schnaufte verächtlich durch seine Nüstern, während er mit seinen Krallen auf den Fliesen schabte, „Sonst knautsch ich dir gleich dein Gesicht ein!“
    Ich blickte höhnend auf das Pokémon hinab. Das war ja leichter als gedacht, dieses Vieh war so naiv, mit dem konnte ich alles anstellen, wenn ich nur wollte. Die Redegewandtheit von diesem verdammten Kramshef hatte er in keiner Weise und das konnte mir nur recht sein.
    „Was war das für eine Drohung? Willst du mir dein kleines rotes Hörnchen gegen meine Nase drücken? Bitte, komm doch rauf!“, provozierte ich ihn weiter und imitierte anschließend eine piepsige klingende Stimme, „Ich knautsch dir dein Gesicht ein, huhu, aber ich trau mich nicht hinter meinem Trainerlein hervor, ich bin ja viel zu klein und schwach und ...“
    „Klappe!“
    Das braune Ding war nun völlig in Rage und riss wutentbrannt seinen Rachen auf.
    Triumphierend grinste ich und zeigte ihm meine kleinen Beißer, in der Erwartung, dass er wie ein blindes Tauros auf mich zustürmen würde. Ganz so kam es leider nicht. Anstatt blindlings auf mich loszurennen, begann das Ding auf seinem Kopf rot aufzulodern, worauf der Rest meines Lächelns erstarrte. Mit einem Brüllen schwang er sein Haupt hinauf und schoss einige kleine Flammen aus seinem Rachen direkt in meine Richtung. Reflexartig hob ich meine Vorderbeine vor meine verschlossenen Augen und drehte schützend meinen Kopf zur Seite …
    „Ach ja, wenn Ihr Leufeo so toll ist, warum … Ahhh!“, hörte ich über mir sogleich das hektische Kreischen der Pokémon-Krankenschwester. Die unbarmherzige Umklammerung löste sich, worauf ich schneller als gedacht wieder den Gesetzen der Gravitation ausgesetzt war. Blindlings stürzte ich hinab und wollte einen Schrei von mir stoßen und mit meinen Beinen strampeln als ... es schon vorbei war. Ich hatte wieder Boden unter meinen Füßen. Überrascht riss ich meine Augen auf und blickte zu meinen dunkelbraunen Pfoten hinab, die tatsächlich wieder fest auf dem weißen Fliesenboden standen. Völlig ohne meinen Einfluss und mit verschlossenen Augen hatte ich es irgendwie geschafft, sicher auf allen Vieren zu landen. Offenbar traf ausnahmsweise das Gesetz zu, dass Katzen-Pokémon immer auf allen Vieren landeten ... Wobei ich mir gar nicht so sicher bin, dass Vulpix zu dieser Gattung gehört, aber hey, wenn's Zufall war, soll es mir auch recht sein.
    Ich hätte wohl noch ein Weilchen so da gestanden und grundlos auf meine Beine gestarrt, wären da nicht gleich mehrere Probleme gewesen, mit denen ich gerade zu kämpfen hatte: Meine Bauchschmerzen quälten mich noch immer etwas, vor mir stand ein fremder Trainer, hinter mir schrie noch die blonde Frau wie am Spieß und da drüben war ...
    „Jetzt hab ich dich!“, schallte es durch den Flur. Reflexartig riss ich meinen Schädel in die Höhe und sah mich sogleich dem erzürnten Gesicht des Leufeos gegenüber, welches sich auf mich stürzte. Weder meine Instinkte noch mein eigener Verstand sahen sich in diesem Moment dafür verantwortlich, um dieser Situation zu entkommen. Erst im letzten Moment bewegte sich mein Körper zu Seite, doch für ein Ausweichmanöver war es zu spät. Mit voller Kraft riss mich das Löwenvieh von meinen Beinen und warf mich auf meinen Rücken zurück.
    „Jetzt redest du nicht mehr groß her!“, sagte das Feuer-Pokémon mit einer Mischung aus Zorn und Befriedigung und nagelte mich mit seinen kugelartigen Pfoten auf den Boden.
    „Ach ja?”
    Ich zückte meine Klauen aus meinen rechten Vorderpfoten.
    Im Rückblick musste ich zugeben, dass die letzten paar Konfrontationen bisher nicht sonderlich ... erfreulich für mich geendet waren. Weder hatte ich die völlige Kontrolle über diesen neuen Körper, noch wusste ich wie man Feuer spuckte, denn im Grunde interessierten mich diese Fähigkeiten absolut Null, ich wollte ja nur meinen alten Körper wieder haben. Aber was ich die letzten paar Tage über gelernt und erfahren hatte, würde völlig reichen, um mit dieser Missgeburt fertig zu werden.
    „ ... dann nimm das!“, schrie ich dem Vieh entgegen, dass fälschlicherweise glaubte, die Überhand zu haben und schlug ihm eine geballte Ladung Krallen in seine Schnauze. Ein Volltreffer. Mit einem erbärmlichen Jaulen ließ das Feuer-Pokémon von mir ab.
    „Arg, meine Nase!“, kreischte es mit einem weinerlichen Ton in der Stimme, während es heftig herum hüpfte, wie ein Muntier, dem man einen Energy-Drink verabreicht hatte. Sein Trainer, der sichtlich nicht mit dieser Situation zurecht kam, versuchte sein Pokémon zu ergreifen, doch immer wieder flutschte es ihm durch seine schwachen Finger. Ein jämmerlicher, aber gleichzeitig unterhaltsamer Anblick, das musste ich schon zugeben.
    „Gern geschehen“, sagte ich in einem sehr zufriedenen Ton und wandte mich von dem schreienden Trauerzirkus ab.


    [tab=Wort zum Dienstag]
    //edit: Dieser Abschnitt wurde nachträglich von Kapitel 8 getrennt


    Guten Tag miteinander, ist schon wieder lange her, seit dem ich hier einen neuen Part gepostet habe, nicht wahr^^” So schnell kann es von einem regelmäßigen Posten, bis zum absoluten Stillstand gehen. Nun, aber wenigstens kann ich sagen, dass ich in der Zwischenzeit nicht völlig untätig war . Innerhalb der letzten Monaten hab ich einen recht großen Sprung in meinem (theoretischen) Schreibfähigkeiten gemacht, trau ich mich mal zu behaupten. Hab einiges neues gelernt und bin neuen Gedanken konfrontiert worden, mit denen ich mich zuvor nicht beschäftigt habe und nun bin ich wirklich erpicht darauf, dieses ganze Wissen auch mal hier in die Praxis umsetzen zu können. Habe auch in den letzten Monaten ein neues (Nicht FF) Schreib-Projekt mit einem Freund gestartet, welches auch viel einer Zeit in Anspruch genommen hat aber es läuft bisher in eine positive Richtung. Allgemein war ich eigentlich die letzten Monate genügen beschäftigt, dass ich meine Abwesenheit nicht völlig auf Faulheit ausreden muss. Jetzt bin ich mehr oder weniger zurück - “mehr oder weniger” weil jetzt doch noch ein größerer Sprung in meinem Leben ansteht und ich noch nicht genau weiß, wie mein Zeitmanagment danach aussehen wird. Außerdem läuft noch einiges im Hintergrund bei FToN ab, einiges ist da noch in Arbeit bzw. muss noch bearbeitet oder angepasst werden und ich würde doch gerne einen Großteil davon abschließen, bevor ich wieder beginne in die Tasten haue. Ich kann also nicht so versprechen, wie es jetzt genau mit der Zukunft mit FTonN aussehen wird, aber ich bin doch recht zuversichtlich, was diese anbelangt und hoffe, ihr könnt meinem sehr unregelmäßigen Postverhalten vergeben könnt^^”
    Ich möchte mich allgemein bei alle Bedanken, die bis zu diesem Punkt noch immer hier sind und sich durch jeden weiteren Part quälen, egal wie lang der auch ist. Ohne euch würde diese Story nicht wirklich einen Sinn haben und ich hoffe, dass ich euch weiterhin Kapitel liefern kann, die euch mit Spaß und Spannung versorgen können^_^ Deswegen gibt’s endlich den vorletzten Part zu Kapitel 8 (der schon seit Jänner in Arbeit war *hust hust*) und wünsche gute Unterhaltung dabei.
    Ach ja und noch einen besonderen Dank an Sna … ich meine an Rusalka für die freundliche Unterstützung bei dem Kapitel. Rusalka hat wieder den Part korrigiert, also werde euch nun etwas weniger Fehler die Augen ausstechen xD


    Und zu den netten Kommentaren:


    Mit letzten Kräften versuchte Absol das Smogon des Rüpels auszuschalten, mit mäßigem Erfolg. Selbst diese Attacke reichte nicht, um das Giftpokemon zu besiegen, jedoch wirkte es zumindest recht angeschlagen. Ihre Gegner schienen aber dafür nun alles daran zu legen, das Unlicht Pokemon aus dem Verkehr zu ziehen. Das Rattfratz stürmte mit rasender Geschwindigkeit auf das weiß schwarze Pokemon und verpasste ihn rücklings einen kräftigen Hieb. Von der anderen Seite kam auch bereits das Griffel des anderen Rüpels angestürmt und selbst Kais verzweifelte Rufe konnten sein erschöpften Absol davor nicht mehr retten. Gerade als er das Rattenpokemon von sich abgeschüttelt hatte und sich schnaufend dem Griffel zuwandte, schlug ihn dieses sogleich mit dessen handartigen Schweifen zweimal direkt ins Gesicht. Absol stieß einen schwachen Laut von sich, bevor es endgültig in die Knie ging und regungslos am Boden liegen blieb.
    „Nein … Absol!“, rief Kai nochmals und ballte seine rechte Hand zu einer Faust. Doch er wusste, dass sein armes Pokemon nicht mehr weiter konnte, so stur es auch war, gegen eine Überzahl hatte es leider kaum eine Chance. Der Kampf war aber noch lang nicht verloren.
    „ … komm zurück …“, murmelte der junge Trainer schließlich und rief sein verletztes Pokemon zurück, während er nach dem nächsten Pokeball griff. Die Matrosen und ihre Pokemon gaben in der Zwischenzeit ihr bestes um den Kampf auf ihre Seite zu wenden. Wingull schüchterte die Gegner etwas mit seinem Geschrei ein, während das vergiftete Quaputzi endlich in der Lage war, das Rattfratz zu hypnotisieren. Leider ein kleinwenig zu spät.
    Kai warf den nächsten Ball in die Luft und mit einem Lichtblitz tauchte sein nächstes Pokemon im Ring auf, Vulpix. Das Fuchspokemon schüttelte sich, bevor sie schließlich auf die drei Gegner aufmerksam wurde, welche ihr Gegenüberstand.
    „Vulpix … wir sind wieder ein bisschen in der Klemme“, kam es von ihrem Trainer, als sie ihm einen schiefen Blick zurück warf, „Das ist kein Training, das hier ist wieder Ernst“
    Er hatte keine Ahnung wie sehr sein Pokemon die Bedeutung seiner Worte verstand, doch sie wandte sich einfach ohne einen weiteren Mucks zu ihren Gegner und schien sich Kampfbereit zu machen. Vielleicht dachte sie gerade an die Niederlage gegen das Lohgok und wollte nun mit dem Kampf beweisen, dass sie zu mehr in der Lage war … wer wusste das schon genau. Kai lächelte etwas, bevor er ihr den ersten Befehl zurief: „Also, Sondersensor auf Smogon!“
    Jetzt wo Ratzfratz kurz aus dem Rennen war, wollte er sich so schnell wie möglich dem Giftpokemon entledigen, die Psychoattacke könnte möglicherweise diesem dem Rest geben. Ansonsten musste sich Vulpix auf dieselben Stärken verlassen, die auch Absol in diesem Kampf genutzt hatte: Angriffen flink ausweichen und zurückschlagen. Wenn sie mit dem fertig waren, konnten sie sich ja dem schlafenden Pokemon zu wenden …



    OT: Sorry, dass es so elendig lang gedauert hat … Weiß wirklich nicht warum ich mich so lange dagegen gesträubt habe, einen Post zu verfassen^^"

    So da, dann gibt’s von mir wieder ein kleines Kommentar zu deinem neuesten Part^^


    Also du hast mich ja vorgewarnt, dass der Part etwas langweilig sein sollte, was ich aber so nicht ganz bestätigen kann. Natürlich, es geht wie in den letzten zwei Parts nichts wirklich bei der Haupthandlung voran, aber es kann ja nicht immer Action oder offensichtlichen Fortschritt geben. Ich finde es eigentlich recht toll, wenn manche Stellen einfach den Charterern und das Rundherum gewidmet sind. So zeigst du jetzt auch andere oder erweiterte Fassette wie z.B. Lindsay als scheinbar frustrierte Mutter, die ihre Sorgen in Alkohol ertrinken lässt oder Clairs verlegene Seite.
    Bei dem Salon hatte ich irgendwie automatisch den Salon aus dem Film „The Shining“ im Kopf, den ich während dem Lesen auch nicht losgeworden bin. Die Beschreibung von dir fällt zwar anders aus, aber wenn man gewisse Vorstellungen im Kopf hat, sind die doch recht schwer wieder zu verändern. XD


    Auch wenn abermals nur „wenig“ passiert ist, zu einer richtigen Entspannung der Situation kommt es noch immer nicht. Obwohl die Gruppe sich scheinbar in Sicherheit befindet, es bleibt immer noch diese Gefühl, dass irgendetwas Unangenehmes in der Luft liegt, was du weiterhin sehr gut durch die unterschiedlichen Charaktere zeigst: Keiner von ihnen scheint sich besonders wohl zu fühlen und das merkt man beim Lesen deutlich. Zwar hatten wir ein paar ganz witzige Momentchen, wie Sheinux kleine verbale Offensive gegen Simon, aber ansonsten bleibt die Stimmung Gedämpft. Wie ich bereits einmal erwähnt habe, wie es dir gelingt, so sehr Atomsphäre aufzubauen, finde ich beeindruckend.
    Ich frag mich, ob diese Bilder noch einen tieferen Sinn in diesen ganzen Geschehnissen haben werden, besonders das Bild „Das Versiegen der Zeit“. Die letzten zwei Teile wurden diesen ja doch einiges an Aufmerksamkeit geschenkt und so weit ich mich entsinne, sind Gemälde in Grusel bzw. Horrorgeschichten meist nicht sehr geheuer. Weiteres frage ich mich, warum es keinen lang zu wundern scheint, dass der Butler Sheinux verstehen kann ... mehr suspekt kann die ganze Situation fast nicht mehr werden xD Allgemein wirst du paar Sachen in diesem Part auf, von denen ich mich frage, wie viel von diesen dann wirklich noch eine Bedeutung in den folgenden Parts spielen werden.
    Und du gibst sogar Shaymin und Fiffyen gibst du etwas Screen time, wobei die zwei jetzt gerade eine eher untergeordnete Rolle spielen und wahrscheinlich nur auftauchen, damit sie nicht irgendwie völlig in der Handlung vergessen werden xD


    Finde aber auch schön, dass du im letzten Abschnitt nochmals an den - etwas in den Hintergrund gerückten – Grund für ihre eigentliche Reise erinnerst, mit dem sie Richtung Johto aufgebrochen waren. Der vermeidliche Abschied der Zwei hat sich zwar jetzt ein bisschen in die Ferne verschoben, doch ich bin weiterhin gespannt, wie sich Stan und Sheinux letztendlich entscheiden werden.
    Tja und zum Schluss passiert dann eben doch noch etwas, womit wahrscheinlich die zweite Person aus dem Rennen ist ... wie man so schön sagt: Lasst die Spiele beginnen. Bin wirklich gespannt, was nun die Zurückgebliebenen erwarten wird.


    Lg
    Toby

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    [tab=Kapitel 9 Teil 2]„Keinen Pokéball ...“, hörte ich die Pokémon-Krankenschwester über mir murmeln, nachdem wir Nana ein kleines Stück hinter uns gelassen hatten. Das Lächeln, welches sie hinter dem Tresen so eisern bewahrt hatte, war in dem Moment, als sie der Öffentlichkeit den Rücken gekehrt hatte, abgefallen wie ein vertrocknetes Blatt von einem Ast.
    Wenig feinfühlig setzte sie mich auf einem silbernen Gestell ab, das stark an einen Servierwagen erinnerte, mit dem Unterschied, dass die einzelnen Etagen mit einer Vielzahl von runden Einbuchtungen versehen waren, die offensichtlich für Pokébälle gedacht waren. Nur eine Handvoll von ihnen war jedoch mit einer derartigen Kapsel besetzt. Ächzend versuchte ich, eine halbwegs bequeme Liegeposition auf diesem durchlöcherten Untergrund zu finden, während ich nebenbei unauffällig zu der Blonden schielte. Sie selbst betrachtete mich mit müder sowie genervter Miene, so als könnte ich irgendetwas für ihren schlechten Tag.
    „Was gibt’s da zu glotzen“, knurrte ich leise und verengte meine Augen zu Schlitzen, jedoch nicht um die Bedeutung meiner Worte zu unterstreichen, sondern als Reaktion auf einen flüchtigen Schmerzimpuls der durch meinen Rücken zuckte. Sonderlich überrascht darüber, dass sie mich, anstelle mir eine normale Antwort zu geben, lediglich weiter musterte wie ein unerwünschtes Geburtstagsgeschenk, das sie am liebsten irgendwo eintauschen hätte, war ich nicht.
    „Ich sollte später überprüfen, ob ihr das Vulpix überhaupt gehört ...“, murmelte sie dabei in ihren nicht vorhandenen Bart, laut genug, sodass ich es deutlich hören konnte.
    „Ich gehör niemanden! Nur mir alleine …“, kam es von mir eingeschnappt zurück, während ich mich genervt auf dem Untergrund festkrallen wollte, doch stattdessen kratzten meine Krallen über das Metall und verursachten ein scheußliches Quietschen, das wie ein kleiner Haufen Nadeln in mein Ohr drang. Die Frau hingegen schien das Geräusch nicht einmal wahrzunehmen, denn sie stand noch für einige weitere Sekunden still wie ein Mogelbaum, bevor sie endlich den Wagen packte und ihn durch den leeren Gang schob. Ratternd setzte sich das Gefährt in Bewegung und schepperte dabei bei jeder überquerten Fliesenrille. Sehr zerknirscht über meine jetzige Situation ließ ich meinen Blick kurz über die an mir vorbeiziehenden eingerahmten Fotos schweifen, die irgendwelche Personen zusammen mit ihren Pokémon zeigten. Die Menschen lächelten mir ihr schönstes Fotogrinsen entgegen, doch mir selbst war absolut nicht nach Lachen, Lächeln oder Grinsen zumute. Ich wollte nur weg von hier...
    Während ich mich noch etwas mit diesen Bildern beschäftigte, schwenkte der Servierwagen nach rechts auf eine geöffnete Türe zu. Als wir mit gemächlichem Tempo die Türschwelle überschritten, ließ ich sogleich meinen Blick angespannt durch den neuen Raum schweifen. Erster Eindruck: Es war ziemlich heiß hier drinnen, dieses Mal nicht stickig, aber eindeutig über Zimmertemperatur. Zweiter Eindruck: Wieder ein weiß und rot gestrichenes Zimmer, welch eine Überraschung. Natürlich war der Raum nicht völlig ident mit dem Warteraum, sondern unterschied sich in Form und Größe, aber die farblichen Merkmale waren einfach nicht zu übersehen. So war dieser Raum eher in die Länge gezogen und bot bei Weitem nicht so viel Platz, als dass hier eine größere Gruppe Trainer warten könnte. An den Wänden standen etliche mannshohe Regale, deren einzelne Etagen ebenfalls mit Einbuchtungen übersät waren, von denen aber - anders als beim Servierwagen - erstaunlich viele gefüllt waren. Nicht bloß die klassischen Pokébälle belegten da die Reihen, sondern auch blaue, gelbe, grüne, wie auch ein paar wenige schwarze.
    Ich selbst konnte die meisten von ihnen benennen – vom Superball bis zum Luxusball - was aber eher daran lag, dass es in der modernen Zeit schwierig war, Werbungen für Pokémon-Utensilien zu entkommen, ob man die nun haben wollte oder nicht.
    Langsam schweifte mein Blick in Richtung Zimmerende, welches weder Fenster noch irgendwelche Regale beherbergte, dafür aber eine große und mir unbekannte Maschine. Das weiß-rote Ding hätte leicht Teil eines Sci-Fi-Films aus dem vorletzten Jahrzehnt sein können, denn ich war mir sicher, dass es mittlerweile neuere Modelle von dem Ding gab. Irgendwie erinnerte es mich etwas an diese riesigen Gehirnscanner - oder wie auch immer man die nannte– die gelegentlich in Krankenhäusern ihre Verwendung hatten. Es war aber offensichtlich, dass dieses Gerät nicht für Menschen gedacht war, denn anstatt einer Liege ragte ein schubladenähnliches Ding an der Vorderseite heraus, in welches man ebenfalls einige rundliche Einbuchtungen eingestanzt hatte. Im Ernst, diese Halbkugeleinbuchtungen könnten genauso gut als Markenzeichen dieses Pokémon Centers durchgehen, gleich nach dem rot-weißen Farbschema.
    Rumpelnd kam der metallene Wagen vor einem niedrigen Glaskasten ganz in der Nähe der Türe zum Halten. Misstrauisch beobachtete ich die blonde Pokémon-Krankenschwester, die nun von dem Servierwagen abließ und an mir vorbei auf die Maschinerie zu schlurfte. Sie traf nicht einmal irgendwelche Vorkehrungen, um mich gefangen zu halten, so als erwartete sie ohnehin nicht, dass ich irgendwohin abhauen könnte.
    „Ach ...“, hörte ich sie leise murmeln, als sie plötzlich innehielt und einen Blick über ihre Schulter warf, „ich muss auf manuellen Scan umstellen ... So viel Arbeit für eine einzige Person … Zur Zerrwelt mit diesen Einsparungsmaßnahmen ...“
    Im Ernst, begannen alle Menschen wie bekloppt hörbare Monologe zu führen, sobald sie sich alleine mit einem Pokémon wiederfanden? Fühlten sie sich dadurch besser, wenn sie glaubten, dass ihnen jemand zuhörte, oder was sollte das bedeuten?
    Meine Frage unbeantwortet lassend gab die Frau noch ein undeutliches Grummeln von sich, das ich als ein „Warum müssen Katrina und Sonja ausgerechnet gleichzeitig krank sein?“ interpretierte, bevor sich die Blonde zu einem kleinen Terminal an der Maschine stellte und etwas lustlos wirkend auf dem Screen herumtippte, welches jedes Mal ein Nerv tötendes Piepsen von sich gab.
    "Pieps ... pieps, pieps ..."
    Für einige Sekunden beobachtete ich sie stumm bei ihrer Arbeit, bevor ich meine Aufmerksamkeit zurück auf die noch immer geöffnete Tür wandte.
    Jetzt, wo sie mir so leichtsinnig den Rücken gekehrt hatte, wäre dies eigentlich nicht eine großartige Gelegenheit abzuhauen? Ein paar Minuten zuvor hätte ich mir wahrscheinlich einen Rück gegeben und mich von diesem Wagen gestürzt, nun aber war ich wieder in meine vorsichtige und pessimistische Haltung zurückgekehrt.
    "Pieps, piiieps ..."
    Vorsichtig richtete ich mich wieder behutsam auf meine vier Pfoten und achtete dabei auf meinen Rücken, in der Erwartung, dass dieser jeden Augenblick unangekündigt entzwei riss. Das Stechen befand sich zwar momentan auf einem mehr oder weniger tolerierbaren Maß, doch ob das von Dauer war, konnte ich noch nicht beantworten. Aber bei einem war ich mir sicher: Wenn ich da einfach runter sprang, würde ich unten vor Schmerzen wimmernd ankommen und darauf konnte ich verzichten. Stattdessen könnte ich natürlich versuchen, hinunter zu klettern, doch wahrscheinlich würde das letztlich zu demselben Ergebnis führen. Und dann war da noch das Problem mit dem Fluchtweg, denn die einzige Türe, von der ich wusste, dass sie nach draußen führte, lag hinter dem Tresen am anderen Ende des Wartezimmers. Alle anderen Türen in dem kurzen Flur waren meiner Erinnerung nach geschlossen gewesen. Jetzt eine Flucht zu riskieren wäre komplett zwecklos.
    Leise in mich hinein fluchend starrte ich den Ausgang an, so als könnte ich mit meinem Blick nochmals ein Loch in die ohnehin geöffnete Türe brennen.
    War also die einzige Option, diese ganze Prozedur über mich ergehen zu lassen, bis sich schließlich ein Moment zur Flucht ergab? Verdammt, mich hier verarzten zu lassen, auf das hatte ich absolut keine Lust. Alles was ich brauchte, war ein Bett und etwas Ruhe, das sollte Behandlung genug sein. Verdammt nochmal, es musste doch einen Ausweg geben ...
    Doch während ich auf dem Servierwagen unentschlossen meinen Blick durch das Zimmer schweifen ließ, realisierte ich plötzlich, dass das lästige Piepsen der Maschine aufgehört hatte, ohne dass ich es bemerkt hatte. Sogleich wandte ich meine Aufmerksamkeit dem Terminal zu, doch die blonde Frau hatte sich bereits von diesem entfernt und schlurfte ebenso lustlos zu mir zurück. Kurz bevor sie bei mir angelangt war, legte sie einen kleinen Stopp vor dem Fenster über der Glasvitrine ein, um diesen auf ebenso epische Art und Weise zu öffnen.
    Mit unmotivierter Miene drehte sie sich schließlich nach mir um, um ihre in weiße Gummihandschuhe gehüllten Hände nach mir auszustrecken. Dieses Mal ließ ich mir ihren Packversuch jedoch nicht so träge über mich ergehen. Heiser fauchend stolperte ich etwas auf dem Metallwagen herum und gab mein–wie es in der Situation für mich möglich war - Bestes, ihren Pranken auszuweichen. Doch zu meinem Leid war diese Frau offensichtlich sehr geübt darin, sich um aufsässige Pokémon zu kümmern.
    Unbeirrt packte sie mich am Nacken und zerrte mich gegen meinen Willen in die Luft, wo ich wie ein nasser Waschlappen herab baumelte. Als ob sie befürchtete, dass ich sie in diesem Zustand noch beißen oder bespucken könnte, drehte sie mich noch extra so, dass ich von der blonden Frau wegblickte.
    „Arg ...“, stieß ich hervor; mehr aus Gewohnheit als vor Schmerz, denn obwohl sie mich lediglich am Nacken festhielt, spürte ich dies kaum. Wütend zappelte ich durch die Luft und versuchte mich aus ihrem eisernen Griff zu befreien, während ich sie ununterbrochen beschimpfte: „Du verdammte Hexe, lass mich gefälligst runter! So was lass ich mir nicht gefallen! Ich dreh dir deinen Hals um, sobald ich den zwischen meine verfluchten Pfoten bekomme! “
    Offensichtlich kümmerte sie sich null um mein Geschrei, denn sie drückte mich schließlich einfach gewaltsam an sich und umklammerte meine zappelnden Beine. Rasend versuchte ich mich gegen diese unliebsame Umklammerung zu wehren, doch als ein drohendes Pulsieren durch meinen Rücken fuhr, sah ich mich dazu gezwungen, mich vorerst wehrlos zu ergeben ... so sehr es mich auch innerlich schmerzte.
    Ich würde dieser verdammten Frau für ihre Demütigungen am liebsten so gewaltig in den Hintern treten, dass sie die nächste Woche nicht mehr sitzen konnte! Ich schwöre, sobald ich die Gelegenheit dazu habe, würde ich ihr diesen Gefallen erwidern ...
    Ohne mir weiter Beachtung zu schenken, schritt die Krankenschwester flott auf die Maschine zu und ließ mich erst wieder los, als ich mich direkt über der länglichen Pokéballliege befand.
    „Na warte ...“, knurrte ich noch etwas matt, nachdem ich plump auf dem Plastikboden gelandet war und warf ihr einen vernichtenden Blick nach oben hin zu, doch da drückte sie schon ruckartig den Boden unter meinen Füßen wie eine Schublade in das Innere der Maschine. Der unerwartete Ruck riss mich abermals von den Beinen und so landete ich mit allen vieren auf dem Boden, unfähig irgendetwas dagegen zu tun, als ich zusammen mit dieser Plastiklade in einen großen zylinderförmigen Hohlraum geschoben wurde. Mit jedem Zentimeter den wir uns bewegten, fiel immer weniger Licht durch den schmäler werdenden Spalt, bis schließlich nach einem leisen Klick die Dunkelheit völlig Überhand nahm.
    Für einen Atemzug starrte ich reglos durch diese Finsternis, die mich völlig umhüllte. Sehr unangenehme Erinnerungen kamen in mir hoch, Erinnerungen an meine kurzzeitige Blindheit während meiner Flucht vor diesem Trainer. Sachen, an die ich absolut nicht mehr denken wollte.
    „LASS MICH RAUS!“, brüllte ich schlagartig und hämmerte in der Dunkelheit mit meinem Kopf gegen das, was ich für den Ausgang hielt. Doch die einzige Antwort die ich erhielt, war das dumpfe Klopfen der Wand.
    Verdammt nochmal, was sollte das für eine Aktion werden, mich einfach so in die stockfinstere Maschine zu stopfen! Was fällt ihr ein?! War das etwa ihre Art, sich unerwünschter Patienten zu entledigen? Sie einfach in eine dunkle Zelle wegsperren?
    Nur wenig später hörte ich mit dem zwecklosen Klopfen auf und drückte nur noch meinen Schädel schnaufend gegen die Wand und lauschte meinem schweren Herzschlag, den ich bis hinauf in den Hals fühlen konnte. Zu dem Pochen in meinen Brustkorb gesellte sich kurz darauf ein leises Surren, welches ich zuvor dank meines Gehämmers nicht wahrgenommen hatte, jedoch konnte ich nicht bestimmen, woher es stammte. Nach einigen Sekunden weiterer Finsternis war ich mir aber schließlich sicher, dass es von allen Seiten gleichzeitig stammen musste. Das Surren hing über mir wie eine Smogwolke über einer Großstadt und ich hätte nichts dagegen unternehmen, abgesehen davon mir die Ohren zu stopfen. Stöhnend ließ ich von der sicheren Wand ab, als die Lärmglocke sich über meinem Kopf zu verdichten schien. Das Geräusch war bereits so intensiv, dass ich beinah das Gefühl hatte, dass ich die feine Vibration der Luft wie einen hauchdünnen Nebel vor mir sehen konnte, doch das war wohl bloß eine Illusion. Immerhin hatte ich mittlerweile meine Augen geschlossen, also war das entweder nichts als eine Einbildung oder meine Augen konnten mir auch mit geschlossenen Lidern einen Streich spielen.
    Ich schüttelte meinen Schädel heftig, so als könnte ich diesen Dunst einfach so aus meinen Augen entfernen.
    Verfluchtes Surren, noch etwas lauter und es würde bald genauso nerven, wie das Geräusch der ramponierten Straßenlaterne, bei welcher ich mich gestern Nacht ausgeruht hatte … nur mit dem Unterschied, dass ich dieses Mal keine geräuschvolle Ablenkung brauchte, um mich vom Nachdenken abzuhalten.
    Ohne Erwartung, dass ich irgendetwas in dieser schwarzen Leere sehen würde, öffnete ich wieder meine Augenlider. Darum war ich umso verblüffter, als ich inmitten der Finsternis tatsächlich etwas erblickte: Kein feiner Dunst, so wie zuvor, sondern einige sehr unscheinbare, ja beinah unsichtbare Umrisse, die sich von dem Schwarz der Kammer abhoben. Verdattert blinzelte ich einige Male, bevor ich abermals meinen Kopf schüttelte und ihn gelegentlich gegen die Innenwand schlug.
    Meine verfluchten Augen, jetzt sah ich zwar nicht mehr einen imaginären Nebel, aber dafür irgendwelche schwebenden Linien! Langsam reichte es wirklich mit diesen ganzen Täuschungen ...
    Als ich meine Lider jedoch das nächste Mal wieder aufschlug, befanden sich die schwachen Schemen noch immer unverändert an ihren ursprünglichen Positionen. Auch weiteres Blinzeln änderte nichts daran, diese Umrisse waren dieses Mal keine Täuschungen, meine Augen gewöhnten sich offenbar tatsächlich an die Dunkelheit.
    Hmpf, sieht danach aus, als würden Vulpixe doch eine Art Nachtsicht besitzen … auch wenn nicht sonderlich ausgeprägt oder beeindruckend. Besonders, weil die Gewöhnung an diese nachtartigen Verhältnisse so flott vorranging wie ein Schalellos bei einem vierzig Kilometer Marathon. Es dauerte ewig, bevor sich weitere Linien aus der Finsternis hoben und sich Schritt für Schritt zu ganzen Formen zusammenschlossen. Aber immerhin konnte ich überhaupt was in der Dunkelheit ausmachen, jetzt fragte sich nur ... warum es so verdammt lang gedauert hat, bis sich diese verdammte Nachtsicht endlich eingeschaltet hat! Gestern hätte ich diese genauso gut benötigen können, vielleicht sogar um eine Spur dringender!


    Angestrengt starrte ich umher, um herauszufinden, was sich da eigentlich vor meinem Auge zusammensetzte, doch gerade als ich anfing, die ersten genaueren Details zu erkennen, wurde die vermeintliche Leere wie aus dem Nichts von einem roten Laserstrahl durchschnitten.
    „EHHH?!“, stieß ich aus meinem Mund hervor und drehte mich schützend zur Seite, um dem intensiven Licht auszuweichen. Arg, direkt in die Augen … als ob meine Augen nicht so schon genug Probleme hätten, noch so eine Aktion und ich würde tatsächlich blind werden! Was zum Hundemon sollte das nun schon wieder werden!?
    Das Surren hatte sprunghaft einen neuen Höhepunkt erreicht und erinnerte nun an den Klang einer Kontrabasssaite, über welche gemächlich mit einem Bogen gestrichen wurde.
    Blinzelnd starrte ich auf den Boden und beobachtete die grellen Lichtpunkte, die als Folge jetzt wie ein paar winzige Volbeat vor meinen Augen herumtänzelten. Es dauerte ein paar Augenblicke, bis die Meisten von ihnen ihr letztes Licht ausgetanzt hatten und am Ende blieben nur noch ein paar einzelne Punkte als auch Linien zurück, die ich jedoch auch nach einem energischen Augenreiben nicht aus den Augen bekam.
    Ach ja ... das mussten dann diese Laserstrahlen sein, welche mir fast meine Augäpfel aus dem Kopf gebrannt hatten ... Konnte mich endlich irgendjemand oder etwas darüber aufklären, was das alles werden sollte? Warum wurde ich in irgendeine finstere Maschine gestopft, um von irgendwelchen Laserpunkten betastet zu werden? Waren ein paar Worte der Erklärung denn so viel verlangt verdammt nochmal?! Natürlich ... ich war ja nur ein verfluchtes verletztes Vulpix, wie konnte ich das vergessen, pff!
    In mir staute sich wieder Zorn an und drohte bald in einem Schreianfall auszuarten, doch ich unterdrückte den Drang für den Moment, an dem ich dieser unfähigen Krankenschwester wieder gegenüberstand. Stattdessen warf ich erstmals einen Blick über meine Schulter, um das Lichtspektakel hinter meinem Rücken zu beobachten. Tatsächlich stammten die ganzen Laserstrahlen von der Decke, doch durch den grellen Wirrwarr von roten und blauen Lichtern konnte ich kaum irgendetwas Genaueres ausmachen. Das Einzige, was ich mit großer Sicherheit sagen konnte, war, dass dieses Licht aus gleichmäßig an der Decke verteilten Löchern und Streifen stammte, deren Umrisse ich zuvor etwas in der Dunkelheit erspäht hatte.
    Geblendet wandte ich mich wieder in Richtung Boden und beobachtete, wie die Laserstreifen und Punkte sich weiter über die Kammer ausbreiteten und das braune Vulpixfell abtasteten. Es war beinah so, als wäre ich in einer Lasershow oder in einem überdimensionalen Scanner gelandet.
    Bevor ich darüber wirklich nachdenken konnte, wie ich mit dieser Situation umgehen sollte, begannen die Punkte und Streifen jedoch auch schon wieder zu erlöschen, einer nach dem anderen. Finsternis kehrte in diese Kammer zurück, zusammen mit dem nun wieder dezenten Surren, das mich wie eine Fliege zu umkreisen schien.
    Okay ... ist es vorbei?
    Den Atem anhaltend drehte ich meinen Kopf langsam umher, in der stillen Befürchtung, dass dies nicht das Ende der Prozedur war. Ich konnte nicht genau sagen warum, aber mein – schmerzhaftes – Bauchgefühl hielt mich davon ab, auf sofortige Freilassung zu hoffen. Zu dem bohrenden Surren gesellte sich nun ein anderes vertrautes Geräusch dazu, nämlich das - von hier aus beinah unhörbare - Piepsen des Touchscreens. Die Krankenschwester schien wieder auf dem Schirm herum zu tippen, bis schließlich das Piepsen in ein ratterndes Geräusch überging, das irgendwie an den Laut einer Kopiermaschine oder eines Druckers erinnerte.
    In dem Moment, als in mir doch ganz dezent die Hoffnung aufkeimte, dass ich endlich ausgelassen wurde, leuchteten auf einmal mit einem leisen Klicken die kleinen Löcher an der Decke abermals auf. Dieses Mal sonderten diese aber keine scharfen Laserstrahlen ab, sondern erhellten die Kammer lediglich mit schummrigem Licht.
    Grimmig bewegte ich meinen Kopf gemächlich in die Höhe und machte ansatzweise Anstalten dazu, mich wieder auf meine Pfoten aufzurichten.
    Langsam reichte es mit diesem ganzen Surren, Klicken, Piepsen, Gurgeln, Licht an und aus …. Misstrauisch blickte ich mich in der leicht beleuchteten Kammer um, doch interessanter wurde es mit Licht auch nicht wirklich. Abgesehen von den kleinen Öffnungen an der Decke gab es außerdem am anderen Ende eine turbinenartige Einbuchtung, welche aber weder Licht absonderte, noch sich sonst irgendwie rührte.
    „Wird’s allmählich …“, knurrte ich leise und lauschte nebenbei dem langsam ansteigenden Surren, sowie dem Pochen, das durch meinen leicht schmerzenden Rücken ging. Ich hatte keine Lust auf diesen Schwachsinn, die konnten mich mit so viel Licht wie sie wollten bestrahlen und meinem Magen und Rücken würde es nicht besser gehen. Mittlerweile hatte ich die Vermutung aufgestellt, dass ich gerade in einem Art Röntgengerät steckte, welches mich nach irgendwelchen Verletzungen durchleuchtete, was aber recht sinnlos war. Man musste mich lediglich kurz anschauen, um zu kapieren, was mir eigentlich fehlte.
    In der Zwischenzeit hatte ich mich bereits mit meinen Vorderbeinen aufgerichtet ... als unerwartet noch etwas passierte.
    Dieses Mal änderte sich nichts an der Beleuchtung, die blieb so schummrig wie zuvor. Auch das Surren wurde nicht abrupt stärker und ansonsten schien alles um mich herum beim Alten zu bleiben. Alles bis auf eine Kleinigkeit …


    Ich blieb wie eingefroren in meiner halbaufgerichteten Stellung inne. Ein kalter Schauer lief über meinen Rücken und stellte mir sämtliche Fellhaare am Nacken in die Höhe.
    Das einzige was sich veränderte, war in meinem eigenen Körper. Ein fremdartiges Gefühl – wenn man es überhaupt als etwas derartiges bezeichnen konnte – erfüllte mich von den Spitzen meiner Kralle bis hinauf zu den Fellhaaren an meinen Ohren, etwas was ich in meinem ganzen Leben noch nie empfunden hatte. In diesem Moment war es mir, als spürte ich gerade jede einzelne Zelle, jede Muskelsehne, jede Hautpore, jeden Nervenstrang und jedes Organ – vom Hirn bis zu den Nieren - die meinen Körper ausmachten. Ich hörte mein Blut durch die Venen rauschen und Atemluft durch meine Lungen gleiten, begleitet von dem unermüdlichen Klopfen meines Herzens, das den Takt in meinem Körper vorgab. Es war schwer das alles irgendwie beschreiben zu versuchen. Es war wie ein Rauschzustand durch Drogen oder Alkohol, doch ohne die normalen Folgen. Es kribbelte überall an meiner Haut, doch andererseits irgendwie nicht. Schmerzen zuckten durch mein Fleisch, jedoch fühlte ich mich gleichzeitig erfrischt und entspannt. Mein Inneres drohte zugleich zu explodieren wie auch zu implodieren. Ich war mir sicher: Wenn man jemals in die Verlegenheit kommen sollte, dass einem ein dritter Arm aus dem Schädel wuchs, dann würde man höchstwahrscheinlich genau diese Sinnesempfindung fühlen.
    Während ich von diesen ungewöhnlichen Sinneseindrücken überflutet wurde, spürte ich eindeutig, wie mit jedem Herzschlag, der kürzlich neu entfachte Schmerz an meinem Rücken verschwand. Es war so, als würde ich gerade mit anfühlen, wie sich eine Wunde im Zeitraffer von selbst verschloss, bis zu dem Punkt, wo nur noch die unversehrte Haut zurück blieb. Alle meine Verletzungen, Schmerzen und blauen Flecken, die noch von der letzten Nacht übrig waren, schienen sich in atemberaubender Geschwindigkeit von selbst zu heilen.
    Und dann ... dann hatte plötzlich der Spuk ein Ende. Wo ich erst noch vor wenigen Sekundenbruchteilen das Gefühl gehabt hatte, jeden mikroskopisch kleinen Teil meines Körpers spüren zu können, fühlte ich nun nur noch meine Beine, Pfoten und alle anderen Körperteile dieser Größenordnung. Das berauschende Gefühl war ohne Vorwarnung verschwunden und ließ mich völlig nüchtern in dieser von schummrigem Licht gefüllten Kammer zurück. Noch völlig baff hielt ich weiter in meiner derzeitigen Stellung inne, während sich meine Nackenhaare langsam wieder senkten.
    Was ... zum Hundemon ... war eben gerade geschehen? Hat man mich tatsächlich unter Drogen gesetzt oder mir irgendein Gas eingeflößt, das Halluzinationen auslöst? Oder war ich in eine Art Trancezustand verfallen? Doch so sehr ich auch dafür eine logische Erklärung suchte, ich konnte keine finden. Dieser Zustand war so surreal, so unglaublich voll mit Sinneseindrücken gewesen, im Vergleich dazu fühlte sich die Realität an, wie ein unwirklicher Traum. Was auch immer mir in dieser Maschine verabreicht worden war, es hatte nicht irgendwie meine Sinne getäuscht oder gestört, sondern ins Unendliche geschärft, so unrealistisch dies auch klingen mag. Und wenn das wirklich nur die Wirkung einer Droge gewesen wäre, müsste ich jetzt erst recht jeden Teil meines Körpers – auf eine eher unangenehme und schmerzhafte Art – spüren, oder? Dem war jedoch nicht so, dafür war mir, als hätte man mir mein altes und verletztes Fleisch von den Knochen gekratzt und gegen ein neues und Energie geladenes ausgetauscht. Keine Schmerzen zuckten mehr durch meinen Rücken, kein blauer Fleck drückte unangenehm auf der Haut und kein ach so kleines Kribbeln ging durch meine Hinterpfote. Nur eine klitzekleine Kleinigkeit blieb unverändert …


    „Urg ... Mein Magen …“, fluchte ich leise und schlug aufs Stichwort mit meiner Stirn gegen die Wand, als mein Bauch wieder ein Schmerzenszeichen von sich gab. So genesen wie ich mich auch fühlte, meine Magenkrämpfe schien diese Wiedergeburt völlig kaltgelassen zu haben. Nun wo ich sonst keine anderen Beschwerden mehr hatte, beanspruchten meine Bauchschmerzen die ganze Aufmerksamkeit für sich selbst und bohrten provokativ in meinem Magen herum. Zwar waren diese nicht so gravierend und schmerzhaft wie anfangs, doch das änderte nichts daran, dass sie mir unglaublich auf den Keks gingen. Beinah wünschte ich mir, dass diese seltsame Maschine wieder angeworfen wurde, damit mich dieser Rauschzustand von meinen Magenschmerzen ablenkte, als unerwartet der Boden unter mir abermals in Bewegung kam. Richtiges Licht strömte durch den größer werdenden Spalt und löste die schummrige Beleuchtung endgültig ab. Das Nächste, was ich auf der anderen Seite der Plastikschublade erblickte, war die blonde Pokémon-Krankenschwester, die mich aus der Maschine zog und gleichzeitig einige bedruckte Zettel zu überfliegen schien, die sie in ihrer anderen Hand festhielt.
    „ … Hormonbeschleunigung … Drei weitere Diagnosen ... hm ... eine Fehlermeldung“, murmelte sie leise, als sie schließlich mein „Gefängnis“ bis zum Anschlag hinausgezogen hatte, ohne mir einen Funken Aufmerksamkeit zu schenken. Keine Ahnung was sie da gerade vor sich hin faselte, aber das war für mich jetzt ohnehin nicht relevant.
    Leise knurrend vollendete ich endlich meinen Aufstehversuch und stand wenig später wieder standhaft auf meinen vier Pfoten.
    Diese Frau da oben würde bald erfahren, dass sie sich keinen Gefallen damit getan hatte, mich körperlich zu heilen. Jetzt, wo mich lediglich noch diese lächerlichen Krämpfe belästigten, gab es keinen Grund mehr, dass ich mich zurückhalten musste. Dieses Mal hatte sie kein leichtes Opfer vor sich, sondern eine widerspenstige Kämpferin.
    [tab=Wort zum Freitag]
    //edit: Dieser Abschnitt wurde nachträglich von Kapitel 8 getrennt
    Tja, dieses Mal hab ich nicht ganz innerhalb der 3 Wochen Deadline geschafft … naja, gibt’s dafür stattdessen wieder ein „Wort zum Freitag“ xD
    Eigentlich sollte das der letzte Part für Kapitel 7 werden, aber letztlich hat es sich viel zu sehr in die breite gezogen, als das ich es innerhalb von 3 Wochen hätte fertig bekommen können bzw. wäre das einfach eine zu große Textwand geworden. Aber der nächste Part sollte das Kapitel wirklich abschließen.
    Text ist dieses Mal gleich von Snake beta gelesen worden, wieder einmal vielen Dank für ihre Mühen^^


    Jens : Sieht so aus, dass ich abwechselnd in deinem Gästebuch und direkt hier auf deine Kommentar antworte xD Also wieder vielen Dank für dein positives Kommentar, hat mich wieder sehr gefreut zu lesen.
    Die eine Szene mit den Pokémon im Warteraum habe ich jetzt schon seit gut seit zwei Jahr vorgehabt, weiß also nicht mehr, ob vielleicht wirklich ein Arztbesuch bei mir der Anstoß dazu war. Bin deswegen aber umso glücklicher, dass die ganze Situation scheinbar ganz gut rübergekommen ist^^
    Weiß nicht wie viel ich zu der Sache mit dem Trainerpass sagen soll, ohne irgendetwas zu verraten. Ich sag mal so, du denkst gar nicht mal so in die richtige Richtung^^



    Damit viel Spaß mit dem fünften Teil von Kapitel 7 8^_^

    Sorry für die Verspätung, hat dieses Mal etwas länger gedauert, bis ich schließlich ein (leider etwas kurzen) Kommentar zusammen hatte^^“


    Nun gut ... Also in diesem Part passiert Handlungstechnisch abermals nicht allzu viel, was aber wohl daran liegt, dass du diesen vorzeitig abgekürzt hast. Ist aber ohnehin nicht schlimm, denn wie gesagt, selbst bei kurzen Zeitspannen gibt‘s bei dir immer mehr als genug zu Lesen. Dieses Mal haben wir die Ansprache des ominösen Butler mit seiner alten Kleidung, Sheinux und Stans Unterhaltung und die Diskussion der Anderen die mit einer Ohrfeige für Eagle endet.
    Es ist schon interessant, wie sehr sich Stan und Sheinux gut verstehen, liegt wahrscheinlich auch an den Ernst der Situation, aber wenn ich so an frühere, etwas „einseitige Gespräche“ denke ... war so ein Zwischengedanke von mir. Auf alle Fälle warte ich schon die ganze Zeit darauf, dass irgendetwas „übernatürliches“ passiert, aber bisher ist das Kapitel ja noch sehr ruhig verlaufen, wenn man von dieser allgegenwärtigen Spannung absieht. Ich meine es ist bereits genug Ungewöhnliches passiert, aber noch nichts, was die Gruppe endgültig davon überzeugt hätte, dass hier absolut etwas nicht stimmt. Ist wohl aber nur eine Frage der Zeit, bis der wirkliche Horror anfängt, denn die schon die letzten Parts langsam aufgebaut hast.


    Ebenso eine Frage der Zeit war es, bis die zurückgebliebene Sharleen wieder ein Thema werden würde, die ja nun wahrscheinlich noch allein im Zug sitzt – wie auch immer sie das auch aushalten mag. Ausnahmsweise konnte bei diesem Streit Eagles Meinung ansatzweise etwas nachvollziehen (wäre ja selbst nicht begeistert davon, wieder den ganzen Weg zurückzugehen, besonders nicht in der Nacht und Regen) aber die Ohrfeige hat er trotzdem verdient xD Frag mich, warum aber Clair diejenige war, die ihm geohrfeigt hat ... Ob Eagles Worte einen empfindlichen Nerv bei ihr getroffen haben oder ob sie einfach Lindsay Drang selbst erfüllen wollte?
    Die nächste Station ist also der Salon und ein Glas Scotch ... na mal sehen, was unsere Helden nun dort erwarten wird.


    lg
    Toby

    So, dieses Mal in einem nicht so langem Abstand, bekommst du von mir ein Kommentar zum neuen Part^^
    Die Handlung selbst wird in diesem Part nicht wirklich vorangetrieben, alles was eigentlich in diesen paar Seiten passiert, ist lediglich das Annähern an die (unheimliche) Villa. Aber dir gelingt es trotzdem, diese Situation auf gut 2000 Wörter auszudehnen, ohne dass Langweile aufzieht.
    So, zuerst was am Rande: Ich würde das Bild etwas verkleinern, es wir d(zu mindestens bei mir) recht groß angezeigt und braucht lange zum Laden. Nur so ein Vorschlag.^^
    Also zum Part: Ich bin immer wieder beeindruckt, wie sehr es dir gelingt, die ganze Situationen und Umgebungen auf so vielfältige Art und Weise zu beschreiben (wie anfangs mit der Beschreibung der Villa in der Nacht)und mit Metaphern zu umschmücken. Ich glaub ich hab das bereits des Öfteren betont, aber bei diesem Part ist mir das nochmals besonders aufgefallen. Wenn ich deinen Wortschatz mit dem meinen vergleiche, sind da wirklich Meilen dazwischen. Dafür waren dieses Mal ein, zwei Wörter dabei, bei denen ich erst die Bedeutungen erst nachschlagen musste - wie etwa taxieren -, aber wie es so schön heißt, man lernt nie aus^^
    Nicht nur die Beschreiben trägt ihren Teil bei sondern auch das ausführlich geschilderte Verhalten der Gruppe. Ihre kollektive Unsicherheit und Zweifel wirkt recht glaubhaft und ich bezweifle, dass ich selbst so voreilig auf diese Villa zumarschiert wäre. Aber nach einer derartige Rätselhaften Zugfahrt und einem so unheimlichen Ort ... vielleicht wäre ich sogar freiwillig in Regen geblieben xD
    Jedenfalls fand ich besonders die kleine nette Streiterei zwischen Eagle und Sheinux wieder einmal sehr unterhaltsam, so sinnlos sie auch in Stans Augen zu sein schien. Ich weiß nicht, es hat immer so etwas Befriedigendes an sich, wenn jemand sich einer derartigen Person aufmüpfig gegenüber benimmt. Und dann haben wir da ja Stans Erklärung, was ein Butler ist und was die feine Gesellschaft von dem Gemeinen Pöbel hält. Ist eine Weile her, seit dem Sheinux so „naive“ die Eigenheiten der menschlichen Spezies hinterfragt hat, jedenfalls soweit ich mich erinnere. Das war ja besonders während er in Stans Körper herum spazieren hat müssen, eine nicht unbedingt seltene Situation gewesen. Die vereinfachte Beschreibung eines Butlers und besonders Sheinux Interesse an den erwähnten Brotkrümel hat in der Tat bei mir ein Schmunzeln hervorgebracht.


    Jetzt wo sie endlich in das Innere der von außen verwahrlost wirkenden Villa eintreten, bin ich sehr gespannt darauf, was sie erwartet. Zwar ist die Villa scheinbar bewohnt, aber womöglich ist auch das nur eine Illusion, so wie die tote Frau ... wenn das überhaupt eine war ...
    Bleib auf alle Fälle daran!^^


    lg
    Toby

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    [tab=Kapitel 9]

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    Das Quietschen von bremsenden Reifen, dicht gefolgt von dem unverkennbaren Dröhnen einer Autohupe, rissen mich schlagartig aus meinem Halbschlaf. Überrascht öffnete ich meine Augen und starrte perplex auf die mir gegenüberliegende Schubladenwand.
    Urg ... Wann … bin ich eingeschlafen? Verdammt, dieses ganze Geschaukel musste mich still und heimlich eingeschläfert haben …
    „Verzeihung!“, hörte ich über mir die erschrockene Stimme Nanas, doch sie löste damit lediglich eine Flut von anfängerhaften Beschimpfungen aus, die ihr von einer fremden Männerstimme an den Kopf geworfen wurden.
    „Was für ein Lärm“, stöhnte ich erschöpft und versuchte mir im Schneckentempo mit meinen Pfoten die Lauscher zu verstopfen. So scharf war ich nicht darauf, Hörschaden aus der Liste der noch nicht in den letzten Tagen erlittenen Beschwerden zu streichen. Der Erfolg ließ jedoch zu wünschen übrig. Noch etwas benommen ließ ich meinen Blick ins leere Schweifen. Der Geschmack von Magensäure klebte mir noch auf der Zunge, wie der üble Nachgeschmack eines bitteren Getränks. Außerdem brannte mein Hals noch leicht, doch das Würgen hatte offensichtlich ein Ende. Mein Magen hatte sich in der Zwischenzeit ein bisschen beruhigt und gab nur noch in unregelmäßigen Abständen einen beleidigten Mucks von sich. Völlig genesen war ich jedoch bei Weitem noch nicht ... Ob ich dem Hyperheiler diese Besserung zu verdanken hatte, wagte ich jedoch zu bezweifeln.
    Schließlich versuchte ich mich etwas zu erheben, um endlich sehen zu können, wohin mich diese Göre eigentlich verschleppt hatte, doch kaum hatte ich mich nur ansatzweise einige Zentimeter vom Boden erhoben, wurde die Schublade unter meinen Füßen besonders heftig durchgeschüttelt. Ungeschickt rutschte ich mit meinen Pfoten aus und landete wieder flach auf meinem Bauch, hin und her geschaukelt, wie in einer Schiffsschaukel im Vergnügungspark.


    „Wir sind endlich da“, sprach Nana, die sich mittlerweile von den krawallmachenden Autofahrern entfernt hatte, „Das müsste es sein.“
    „Was ... müsste was sein?“, wiederholte ich krächzend, als ich sogleich das Surren einer automatischen Schiebetüre vernahm. Schlagartig begrüßte uns stickige Zimmerluft, die rasch die Kälte aus meinen teilweise noch nassen Gliedern trieb. Ehe ich ganz realisiert hatte, dass wir gerade irgendein Gebäude betreten hatten, hörte ich bereits, wie sich die Türe hinter uns schloss und die kalte Abendluft sowie den Verkehrslärm aussperrte. Ruhe erhielten meine Ohren aber deswegen nicht … ganz im Gegenteil.
    Statt fahrender Autos und vorbeigehender Passanten war der Raum erfüllt mit Stimmen, die alle durcheinander sprachen, schrien oder sangen, sodass man kaum noch den Inhalt einzelner Sätze verstehen konnte.
    „Hey, spielen wir fangen. Ich fange und du läufst davon? “
    „ Ich will nach Hause ... “
    „ ... Ich hätte siegen können … Warum war ich bloß so langsam? Hätte ich schneller reagiert, dann wäre das bestimmt ganz anders verlaufen! Ja genau … “
    „Au ja, aber ich will Fänger sein und du versteckst dich!“
    „Oh, ist das unser Schicksal oder unser Wille?♪
    Wir werden kämpfen, bis … ♪ “
    Nicht nur viele fremdartige Stimmen, sondern ein Haufen unterschiedlicher Gerüche schlichen sich in meine Nase, doch ich konnte weder einzelne Düfte auseinander halten, noch bestimmen. Das Einzige, was sie mir brachten, waren Kopfschmerzen. Deswegen ignorierte ich diese einfach soweit es möglich war und schielte stattdessen verwirrt hinauf zu Nana, die in diesem Moment angehalten hatte. Wo zum Hundemon hatte mich diese Teenagerin hingebracht? Das hörte sich an, als wären wir in ein Klassenzimmer geraten, in dem Schüler gerade Pause feierten.
    Meiner Trägheit und meinen leichten Magenbeschwerden trotzend wagte ich – jetzt wo die Schublade zum Stillstand gekommen war – mich wieder ein Stück zu erheben und über den Rand zu lugen. Diesmal ohne Probleme schafte ich es auf meine Pfoten und riskierte sogleich einen Blick in meine fremde Umgebung. Hinter der eintönigen braunen Schublade erspähte ich sogleich ein paar rote, weiße Wände eines doch recht großen Raumes. Das Einzige, was dieser Ort jedoch mit einer Klasse teilte, war, dass es auch hier Tische und Stühle gaben. Damit hörten jedoch die Gemeinsamkeiten bereits auf, denn statt Kinder oder Schüler hatten sich hier Pokémon mit ihren Trainern versammelt.
    Jetzt könnte man meinen, dass die vielen unterschiedlichen Gespräche von Menschen stammten, jedoch waren diese eher damit beschäftigt, eine Ausgabe des Pokémon-Journales zu lesen, die sich auf den niedrigen Glastischen stapelweise türmten oder auf ihren roten PokéCom herum zu tippen, statt mit ihren Sitznachbarn zu kommunizieren. Die Stimmen stammten von ihren Pokémon. Da gab es zwei Yorkleff, die lautstark miteinander zu spielen schienen, unter einem der Stuhl hatte sich ein rosa, bräunliches Katzenvieh versteckt, über den Köpfen der Sitzenden schwirrte singend ein Vogel-Pokémon mit notenähnlichem Kopf herum und dann war da noch das Pikachu, dass auf dem Schoß seines Trainers ohne Unterlass irgendetwas vor sich hin quietschte ...
    „Arg, genug!“, stöhnte ich und hätte am Liebsten nochmals meine Ohren mit meinen Pfoten blockiert. Seit meiner Begegnung mit den Kramurx wusste ich zu gut, dass ich der Sprache anderer Pokémon mächtig war, doch warum musste man mich so brutal daran erinnern? Warum konnten sie nicht weiterhin irgendwelche Geräusche von sich geben und blöd vor sich hin bellen, tröten, kreischen, was auch immer? Am liebsten hätte ich mich wieder auf den Boden geworfen - was fast ohnehin passierte, als sich Nana ohne Vorwarnung in Bewegung setzte. Eilig stützte ich mich mit meinem Kinn an einer der Schubladenwände ab und blickte zerknirscht umher.
    „Das ist doch nicht etwa ...“, murmelte ich etwas verstört und mein Blick streifte an einem Hinweisschild vorbei, welches Besucher darüber informieren sollte, dass Pokémon über 0,8 Meter in ihren Pokébällen aufbewahrt werden mussten, „ ... ein Pokémon Center, oder?“
    Selbst eine Person wie ich, die null Interesse an dem Trainerdasein hatte, sollte dazu in der Lage sein, ein Pokémon Center zu erkennen, wenn man drinnen stand, es sei denn natürlich, man lebte seit Jahrzehnten hinter dem Mond. Meist weiß-rot gestrichene Gebäude, in welchen Trainer, nachdem sich ihre Pokémon gegenseitig die Köpfe eingeschlagen hatten, diese in die Behandlung schicken konnten ... Mehr musste man dazu nicht wissen.
    Wir befanden uns offensichtlich gerade im Warteraum des Centers, leicht zu erkennen an den zahlreichen Wartestühlen, die alle in einzelne Tischgruppen unterteilt waren. Nana schritt jedoch an den wartenden Menschen und Pokémon vorbei, direkt auf einen roten Tresen zu und überquerte dabei ein großes Pokéballsymbol, das auf dem Boden aufgemalt war. Diese führte mir noch einmal vor Augen, dass dieser Ort für Pokémon war und nicht für mich!
    Toll ... jetzt hatte mich diese Göre tatsächlich an so einen verdammten Ort geschleppt, das wollte mir ganz und gar nicht gefallen. Ich mochte zwar aussehen wie ein Vulpix, aber wenn ich mich schon untersuchen lassen musste, dann gefälligst von einem richtigen Arzt oder Ärztin und nicht in einer Heilanstalt für Vieh, Magenbeschwerden hin oder her. Mir ging es eh bereits besser, da musste ich mich nicht zwangsheilen lassen ... und gegen meinen Willen herum gezerrt werden, genau so wenig! Aber mal davon abgesehen ...
    Noch etwas träge blickte ich mich nach irgendwelchen Ausgängen um.
    ... ich war raus aus diesem von Wandkritzeleien beschmierten Zimmer. Die Teenagerin war zwar noch in meiner Nähe, doch wäre das trotzdem nicht eine günstige Stelle, um ihr jetzt endgültig den Rücken kehren zu können und abzuhauen? Ein weiterer Blick durch den Raum machte mir diese Idee jedoch fast zunichte: Wie es aussah, war ich von einem Gefängnis in das nächste gelangt, denn es gab abgesehen von der Eingangstüre nur noch eine Treppe, die in den nächsten Stock führte und einen Durchgang direkt hinter dem Tresen. Die Fenster selbst waren alle verschlossen und schützten die Wartenden mittels zugezogener Rollos vor spärlichem Sonnenlicht und neugierigen Stallkern. Es wäre unmöglich, rechtzeitig durch die automatische Schiebetüre zu flüchten, besonders mit meinen Magenbeschwerden ...
    „Zum Hundemon damit ...“, murmelte ich leise und versuchte die ganzen Bedenken und diese Müdigkeit von mir zu schütteln. Hatte ich mich nicht in den letzten paar Stunden darüber grün und blau geärgert, dass ich nicht sofort an Nana vorbei aus dem Zimmer gestürmt war? Wenn ich jetzt ebenfalls noch länger zögerte, würde ich bald gar nicht mehr weg können ... ich musste es nur durch diese verdammte elektrische Türe schaffen, dann war ich wieder in Freiheit und konnte meinen eigenen Weg gehen ...
    Unauffällig warf ich einen Blick hinten über den Schubladenrand und versuchte meine innere Stimme zu ignorieren, die abermals hinterfragte, was diese „eigenen Wege“ sein sollten.
    Derartig niedrig wie gedacht war diese Höhe jedoch nicht, jedenfalls im Vergleich zu meiner Vulpix-Körpergröße. Aber hatte ich denn eine Wahl? Außerdem hatte ich die letzten zwei Tage schon viel Ärgeres überlebt, da war dies ja nicht einmal ein Vergleich wert.
    Schließlich packte ich einfach meinen ganzen Mumm, meine Kraft und meinen Leichtsinn zusammen und zog mich mit einem Ruck über den Rand der Schublade hinweg. Jetzt hätte ich nur noch „You only live once“ brüllen müssen und es wäre perfekt gewesen ... doch dieses Motto war in meiner Situation mehr eine Drohung als ein Partyspruch. Ich hatte nur ein Leben und wenn ich einen Fehler machte, wäre dieses zu Ende.
    „May!“, ertönte in diesem Moment, als ich gerade mit meinen Vorderpfoten den hölzernen Untergrund zurückgelassen hatte, das erschrockene Geschrei von Nana. Ich spürte wie sie mich zu packen versuchte, doch mein Körper reagierte reflexartig und versuchte sie von mir wegzutreten. Bei dem Versuch mich zu fangen, ließ Nana jedoch von der Schublade ab, was dafür sorgte, dass ich nun endgültig den Boden unter meinen Füßen verlor. Erst in diesem Moment, als die Gesetze der Schwerkraft an mir zerrten, wurde mir klar, wie dämlich mein halbdurchdachter Fluchtplan eigentlich war, doch es war bereits zu spät, irgendetwas anderes zu tun, als meine Augen zuzukneifen. Schneller als mir ein lautes „Verdammt“ von meinen Lippen entweichen konnte, lärmte bereits ein lautes hölzernes „Klong“ durch den Raum und brachte kurzzeitig sogar das Geschnatter der Pokémon zum Schweigen. Mein schmerzhafter Aufprall ... blieb jedoch aus.
    „Ha ... das war knapp“, hörte ich in meiner Nähe Nanas erleichtert klingendes Keuchen, worauf ich – als wäre ich auf ihre Stimme konditioniert – meine Augen wieder aufriss. Da war sie schon wieder, Nana, halb am Boden liegend, während sie mich abermals mit diesem sorgevollen Blick musterte, den ich einfach nicht mehr sehen konnte. Und ich ... ich lag direkt in ihren von sich gestreckten Armen.
    Einen kurzen Augenblick starrte ich perplex in ihr mit einem Piercing geschmücktes Gesicht, und beobachtete, wie sich ihre Miene rasch wieder aufzuhellen schien. Jedoch nicht für lange.
    „LASS DAS!“, kreischte ich plötzlich und riss aufgebracht meine gezückte Klaue in die Höhe. Warum musste mich diese Göre immer aufs Neue anfassen, warum versuchte sie mir immer so zu helfen?! Einmal hab ich sie mir zu nahe kommen lassen und das war bereits mehr als genug. Ich brauchte keinen Ritter, der mich heldenhaft vor dem Sturz bewahrte, auch keinen weiblichen! Diesen läppischen Meter hätte ich auch so überstanden, das war ja keine verdammte Klippe von der ich mich gestürzt hatte. Ich war bereits von einem mehrstöckigen Hochhaus gestürzt, da war dies ja nicht einmal ...
    Mitten in der Bewegung entfuhr meiner Kehle ein leises Quietschen, während mir gleichzeitig zwanghaft ein paar Tränen in die Augen schossen. Arg ... verdammter Dreck ... was soll das schon wieder ...
    In dem Moment, in welchem ich mein Vorderbein ruckartig nach oben befördert hatte, zuckte durch meinen Rücken ein kurzer, heftiger Schmerz, ähnlich wie bei einem Ellbogen, den man volle Wucht gegen eine Sesselkante geknallt hatte. Dieses Stechen war genug, um mich mitten in meiner Bewegung innehalten zu lassen. Kleinlaut senkte ich langsam meine Pfote herab und starrte mit noch immer leicht tränenden Augen in die mir gegenüber liegenden Pupillen, deren Eigentümerin nun selbst das Lächeln verging.
    „Hey ...“, sprach Nana und richtete sich zögerlich auf, nur um mich gleich gegen meinen Willen an ihre Brust zu drücken, „Alles in Ordnung May?“
    „Das ist ... gar nichts ... “, stammelte ich, bevor ich mich in ihren Armen wie ein Sandamer zusammenrollte. Mein Fluchtversuch war damit vorerst offiziell beendet ...
    Verflucht, das war doch nur ein schlechter Witz, oder? Natürlich musste sich ausgerechnet jetzt eine meiner Verletzungen vom letzten Abend wie eine alte Kriegswunde melden ... Als ob diese nur den ganzen Tag darauf gewartet hätte, mir genau in diesem Moment wörtlich in den Rücken zu fallen, aber während meiner gescheiterten Fensterflucht und meinem unfreiwilligen Bad hat es natürlich keine großen Probleme gegeben ... Ich schwöre, da ist irgendjemand dahinter, der das mit voller Absicht macht ... Urg, vielleicht hätte ich den Verband doch nicht so voreilig vom Leib reißen sollen.
    Laut schnaufend hielt ich dieses Mal meine Augenlider offen und starrte auf einen kleinen Staubfussel am Fußboden, einfach um mich von dem nur zögerlich schwächer werdenden Stechen abzulenken. Währenddessen hörte ich im Hintergrund noch eine andere, männliche Stimme, die scheinbar Nana danach fragte, ob er vielleicht helfen könne.
    „Danke ... machen sie sich keine Umstände, wir kommen zurecht“, war ihre Antwort darauf und bevor der andere Kerl irgendetwas darauf erwidern konnte, erschallte ein langgezogenes Piepsen durch den Raum, kurz bevor eine leicht rauschende Stimme ertönte: „Nummer 15627, Nummer 37891 und Nummer 18200, ihre Pokébälle sind abholbereit!“
    Hinter uns schien im Wartebereich etwas Bewegung hineinzukommen, doch weder hatte ich die Muse, noch die Möglichkeit, mich nachhinten zu drehen; ich für meinen Teil war noch immer damit beschäftigt, den Fussel anzustarren. Doch lange währte diese „Freundschaft“ nicht, denn in dem Moment, als sich die Teenagerin plötzlich völlig aufrichtete, wurde mir das Ding ruckartig aus dem Sichtfeld genommen. Stattdessen durfte ich nun das rote Tresen betrachten, welches Nana weiterhin ansteuerte. Ausgestattet mit Bildschirm, Tastatur, Formularen und Schreibzeug war es sehr offensichtlich, dass dies wohl eine Art Empfangsschalter war. Sogar eine kleine Blumenvase hatte man aufgestellt, wahrscheinlich um die Atmosphäre etwas zu bessern, was jedoch dadurch nach hinten los ging, da die Pflanzen offensichtlich für längere Zeit nicht mehr gegossen worden waren und nun vertrocknet die Köpfe hängen ließen. Gleich an der dahinterliegenden Wand befand sich, neben dem bereits erwähnten Türrahmen, eine weiße tickende Uhr sowie einige Notizen, Kalender und Bilder an einer braunen Pinnwand hängend und auch ein großes Poster, das gerade noch zwischen dem ganzen anderen Papierkram sichtbar war. Das Poster zeigte eine zerbrochene, bläuliche Flasche, die an einem Straßenrand lag und gleich darunter stand in deutlich zu lesender Schrift: „Gefälschte Arzneien können unerwünschte Wirkungen auf ihre Pokémon haben. Kaufen sie deswegen nur Produkte von lizensierten Händlern der Pokémon Liga, um ihre Pokémon vor unnötigem Schaden zu bewahren.
    - The Pokémon League International “
    Unnötigen Schaden ... danke für den tollen Hinweis, der hilft mir im Nachhinein wirklich hervorragend. Dann hatte ich doch damit Recht, dass Nana den Hyperheiler an irgendeiner dubiosen Straßenecke gekauft hatte.
    „ ... ich wünsche ihnen noch einen schönen Abend.“
    Ach ja, und dann war da noch diese blonde Frau auf der anderen Seite des Tresen, die gerade ein paar unwichtigen Trainern, die vor einigen Augenblicken noch gelangweilt auf ihren Plätzen gewartet hatten, ein paar Pokébälle in die Hand drückte. Lächelnd winkte sie ihnen hinterher, als sie eilig das Center verließen, so als könnten sie es kaum erwarten, ihre Pokémon beim nächstbesten Gegner aufs Neue K.O. gehen zu lassen. Als ich hinter uns abermals die elektrische Türe hörte, senkte sie rasch ihren Arm und strich sich die Falten aus der weiß roten Pokéball-Schürze. Für einen Bruchteil einer Sekunde bildete ich mir ein, dass sie ihr Lächeln für einen müden und leicht mürrischen Ausdruck eintauschte, doch ehe ich es mir versah, war die freundliche Miene zurückgekehrt. Schnell richtete sie ebenfalls noch ihre weiße Kopfbedeckung, bevor sie uns mit einer überspitzt fröhlichen Stimme begrüßte: „Willkommen im Pokémon Center der barmherzigen Joy, wie kann ich ihnen helfen?“
    „Mit einer Überdosis Schmerzmittel“, ächzte ich leise und hob vorsichtig meinen Kopf. Die Schmerzen in meinem Rücken hatten bereits radikal abgenommen, doch ich wagte es momentan trotzdem nicht, mich mehr als nötig zu bewegen. Nochmal so eine Aktion und mir rissen tatsächlich noch irgendwelche Muskeln und Sehnen.
    „Nun, ich ...“, stammelte Nana und blickte wieder einmal unnötig sorgevoll zu mir hinunter, „also May ... also sie hier hat sich vor Kurzem übergeben müssen und jetzt scheint sie noch irgendwelche anderen Schmerzen zu haben, zusätzlich. Können sie ihr helfen?“
    „Natürlich, Verletzungen oder Krankheiten, spielt absolut keine Rolle“, antwortete die Blonde, doch nachdem sie Nana nochmals von oben bis unten gemustert hatte, fügte sie noch hinzu, „jedenfalls, solange sie als offizielle Pokémon-Besitzerin bei der Pokémon-Liga registriert sind. Wenn sie mir also bitte ihren Trainerpass oder einen anderen gültigen Bescheid zeigen könnten ...“
    „Ja ... Ja mein Trainerpass“, erwiderte sie plötzlich etwas zögerlich, kurz bevor ich wieder durch die Luft transportiert wurde. Dieses Mal setzte sie mich lediglich behutsam auf dem Tresen ab, direkt neben den vertrockneten Blumen, um mit ihren nun freien Händen ihre Hosentaschen zu durchsuchen. Wieder festen Boden unter Pfoten und Bauch, stieß ich einen kurzen Laut von mir, der als ein Seufzer interpretiert werden konnte und legte meinen Kopf matt auf die Oberfläche des Tresens.
    Die konnten mich doch alle gern haben ... hin und her getragen wie ein Gegenstand und weder die Menschen um mich, noch mein eigener Körper akzeptierten irgendeine meiner Entscheidungen. Es war so, als wäre ich noch immer in diesem verdammten Fluss gefangen: Egal wie sehr ich auch versuchte dagegen anzukämpfen, die Strömung der Ereignisse riss mich erbarmungslos mit sich. Missmutig schielte ich hinauf zu der blonden Frau, die ungeduldig mit ihren Fingern auf den Tresen klopfte. Sie hatte noch immer dieses gekünstelte Lächeln auf den Lippen, doch trotzdem war ersichtlich, dass sie nicht sonderlich davon begeistert war, dass Nana mich einfach auf ihren Arbeitsplatz gelegt hatte und so lang benötigte, um ihren Trainerpass vorzuweisen ... Moment einmal ... Jetzt wo ich darüber nachdachte, warum hatte diese Göre überhaupt einen Trainerpass? Warum zur Zerrwelt würde sie so etwas benötigen, bisher hatte sie ja kein Interesse daran gezeigt, mich zu fangen, noch hatte ich bei ihr einen Pokéball oder ein anderes Pokémon gesehen. Konnte man einen Trainerpass so einfach wie eine Kundenkarte in einem Supermarkt erwerben?
    Skeptisch schielte ich wieder zu der schwarzhaarigen Teenagerin, die schließlich doch ihren Pass aus ihrer Hosentasche hervorzog und ihn langsam der Krankenschwester reichte. Vielleicht sollte ich doch nochmals einen Fluchtversuch starten, jetzt wo ich sicher war, dass sie zu mindestens offiziell eine Trainerin war … eine sehr seltsame, aber trotzdem änderte dies nichts an den Tatsachen.
    Die blonde Frau nahm den Schein gar nicht an sich, sondern warf nur einen knappen prüfenden Blick darüber, bevor sie nickte und ihr mit einer Handgeste deutete, dass sie den Pass wieder zurückstecken konnte. Sie tippte etwas auf ihrer Tastatur herum, bevor sie sich wieder an die Schwarzhaarige wandte und ihr zuvorkommend die Hand entgegen streckte: „Nun, am besten schicken sie Ihr Pokémon in seinen Pokéball zurück und wir kümmern uns dann um den Rest.“
    Für einige Augenblicke blieb es still. Nana lächelte einfach weiterhin blöd vor sich hin, als wartete sie darauf, dass irgendjemand noch etwas Wichtiges zu dieser Konversation hinzufügte. Es dauerte ein paar Augenblicke, bis die Nachricht durch ihre lange Leitung gelangt war und sie endlich die entsprechende Miene aufsetzte.
    „Pokéball?“, wiederholte sie nun wirklich verunsichert und blickte etwas ratlos umher, „Ehrlich gesagt hab ich keinen Pokéball für May. Ich hab sie nicht gefangen. Ist das denn so … wichtig?“
    Ich nehme alles zurück was ich gesagt habe, sie hat ihren Pass bestimmt gestohlen, aus der Lotterie oder als Kundenkarte ausgestellt bekommen. Sogar ich traute mir zu, dass ich mehr Ahnung von Pokémon Centern hatte als diese Möchtegern Trainerin!
    „Nicht ... gefangen?“, wiederholte die ihr gegenüber stehende Frau mit hochgezogener Augenbraue, doch ihre freundliche Miene hielt sich wacker bei.
    „Ja, ich hab sie nicht gefangen ... Braucht sie unbedingt einen Pokéball?“, fragte Nana und drehte ihren Kopf leicht nervös zur Seite, „Könnten sie May auch so behandeln?“
    Ich musste dieser Krankenschwester trotz allem eingestehen, dass es etwas beeindruckend war, wie sie noch immer mit dieser ruhigen Miene da stehen konnte, obwohl sich Nana wie ein Vollpfosten benahm.
    Statt Nana war die Blonde nun diejenige, welche für einige Augenblicke wortlos und lächelnd verweilte. Ihr Blick schien währenddessen aber in Richtung Warteraum zu wandern, in welchem sich in der Zwischenzeit ein paar weitere Personen eingefunden hatten, die ebenfalls in Richtung Tresen marschierten.
    „Nein ... das ist kein Problem“, antwortete sie schließlich, als sie aus ihrer Versteinerung erwachte und ließ ihre Hände bedrohlich auf mich zu kommen, „Machen sie es sich einfach im Wartebereich bequem und warten sie, bis ihre ID Nummer durchgesagt wird.“
    „Nicht ... wieder ... anfassen“, zischte ich leise und machte einige vergebliche Anstalten, noch ein paar Zentimeter von ihr wegzurücken, doch ohne Mühe hatte sie mich bereits gepackt und vom Tresen gehoben. Am liebsten hätte ich angefangen wie ein Karpador zu zappeln, doch ich hatte noch immer Angst davor, dass ich dadurch meine störende Verletzung noch einmal zu sehr reizen könnte, weswegen ich missmutig zu ließ, dass mich diese Frau wie ein Baby herum trug. Noch einmal kreuzten sich mein und Nanas Blick, jedoch konnte ich ihren einfach nicht genau deuten, bevor ich durch die offene Türe geschleppt wurde.


    [tab= Wort zum]


    [subtab=Ende des Jahres]
    //edit: Dieser Abschnitt wurde nachträglich von Kapitel 8 getrennt


    Der letzte Part für dieses Jahr ... hätte ehrlichgesagt nicht gedacht, dass dieses Jahr doch noch einiges hier weiter gehen würde. Eigentlich wäre „mehr Schreiben“ einer meiner Vorsätze für das nächste Jahr gewesen, aber sieht so aus, als funktionieren Vorsätze auch bereits vor Silvester xD
    Jedenfalls wünsche ich allen heute schon ein schönes und erfolgreiches neues Jahr 2014!


    Tja und wieder hab ich nicht sonderlich viel zu sagen … abgesehen dass ich jetzt das Trivia (falls es etwas Nennenswertes gibt, was dieses Mal eher wenig der Fall ist) einfach direkt zum jeweiligen Part als ein Subtab einfügen werde. Ich empfehle aber weiterhin, lieber erst nach dem Lesen des Parts, in das Trivia reinzuschauen, einfach wegen der „Spoilergefahr“.


    Dieses Mal wurde der Part nicht Beta gelesen, einfach weil ich noch immer etwas an meinem Zeitmanagement arbeiten muss ... wollte den Part unbedingt noch 2013 posten, nur ist mir die Zeit einfach etwa zu knapp geworden^^". Hoffe es ist trotzdem einigermaßen ertrag- und lesbar.
    Der Part wurde jetzt nachträglich (und unerwartet) doch noch von Snake durchgelesen und korrigiert. Vielen Dank dafür!


    [subtab=Trivia]


    • Der Gesang des Plaudagei ist einem Soundtrack des Anime "Attack on Titan" entnommen.


    [/tabmenu]

    So kurz vor Weihnachten, vor der offiziellen Enthüllung will ich mich doch ebenfalls in diesem Topic melden.



    Erst einmal jetzt schon vielen Dank an meinen Wichtel für diese tolle Zeichnung. Das ist nun bereits das 4 Mal, dass ich beim BB-Wichteln teilnehme, aber die letzten 3 Jahre, hat mich immer jemand anderer bewichtelt, der eigentlich gar nicht für mich zuständig gewesen war ... Deswegen war ich etwas überrumpelt, als ich diesmal bereits anfangs Dezember schon mein Geschenk erhalten hab; hab mich irrsinnig darüber gefreut! Einer meiner absoluten Lieblingspokémon als Menschform, ist wirklich sehr schön geworden finde ich! :-)
    Aber nicht nur wegen deiner Zeichnung, sondern auch wegen deiner netten Worte habe ich mich sehr gefreut! Ich war irgendwie etwas davon berührt …. Und in der Tat hast du mir damit ein Lächeln ins Gesicht gezaubert und mir den Tag sehr versüßt, danke dafür^_^


    So, aber jetzt gebe ich endlich meinen Verdacht ab: Ich glaube das mein Wichtel Vesprit ist. Warum? Nun, weil sie die einzige war, die nach der Wichtel-Verteilung auf meinem Profil war und weil die Bilder in ihrer Galerie starke Ähnlichkeit mit der Wichtelzeichnung haben. Bin gespannt ob ich recht habe : D

    Puh ... Ist schon einige Zeit ins Land gegangen, seitdem ich hier das letzte Mal ein Kommentar verfasst habe^^“


    Da es nun wirklich schon ein gutes halbes Jahr zurück liegt, dass ich das letzte Mal einen Part zu Pflicht und Ehre gelesen hab, musste ich etwas weiter vorher beim Lesen einsetzen, um wieder halbwegs hineinzukommen. An das Szenario hab ich mich doch noch gut erinnern können, nur die ganzen neuen Charaktere haben mich etwas überfordert. Aber letztendlich hab ich doch wieder den Faden in der Handlung gefunden^^
    Ich werde jetzt eher auf die letzten Parts eingehen, weil bei den anderen (die ich versäumt habe zu kommentieren *hust*) liegt das Lesen schon so weit zurück, dass ich mich nicht wirklich noch was dazu sagen kann.
    Also, zurück in dem nun unheimlichen Zug, zusammen mit Sheinux, Stan, Eagle und einem Haufen neuer Charaktere. Und einem Stromausfall, was für ein passender Auftakt. Hatte wie gesagt anfangs etwas Probleme mit den ganzen unterschiedlichen Namen, aber da du immer wieder besonders die Charaktereigenschaften der einzelnen Personen betont hast, war das gegen Ende auch kein Problem mehr.
    Tja und was macht man so gerne in Horrorfilmen? Aufteilen. Bei so etwas möchte ich mir am liebsten die Haare raufen möchte, da so etwas in derartigen Erzählungen nicht selten für alle Beteiligte tödlich endet xD Hier ist es zu mindestens nur ein Mädchen, dass sich von der Gruppe trennt aber warum bleiben möchte, ist mir ein Rätsel ... und ganz geheuer ist es mir auch nicht. Bin gespannt ob das noch irgendwelche Auswirkungen auf die folgende Handlung hat.


    Auf alle Fälle dürfen wir aber jetzt endlich auch die Welt außerhalb des unheimlichen Zuges sehen. Genau die richtige Stimmung für diese besinnliche Weihnachtszeit: Regnerisch, windig, dunkel, bedrohlich und überall alte Züge xD
    So wie du den Zugfriedhof beschreibst bekomme ich das Gefühl, dass sie nicht die ersten sind, die an diesem seltsamen Ort gestrandet sind. Erinnert mich irgendwie an diese Schiffsfriedhof, aus irgendeiner Geschichte, wo auch Schiffe aus allen Epochen gestrandet sind, aber ich weiß wirklich nicht mehr woher.
    Die Stimmung ist im Allgemeinen etwas düster, keiner will die Verantwortung übernehmen und nirgends ist ein Zeichen von richtiger „lebender“ Zivilisation zu sehen. Ich konnte mir beim Lesen sehr gut diesen seltsamen Ort vorstellen und auch die Atmosphäre baute sich rasch auf. Wo der Part wirklich nochmal eins auftrumpft, ist bei der Stelle, wo Sheinux einen Blick in die alte Dampflok werfen soll. Ganze Zeit über schwebte beim ohnehin diese unheimliche Stimmung über meinem Kopf und ich hab nur darauf gewartet, dass gleich irgendetwas passieren würde. Wie du (für mein Gefühl) quälend lang den einen Moment hinauszögerst, bevor Sheinux endlich einen Blick durch die Scheibe wirft ... In der Zeit hab ich mir bereits alle möglichen Spekulationen aufgestellt, was nun in dem inneren der Lok sein würde aber in guter Horrortradition, sieht er jedoch nichts Besonderes. Obwohl ich noch geahnt habe, dass das nicht das Ende sein würde, hat die ganze Anspannung merklich von mir abgelassen. Ich hab bereits vergessen, dass auch Worte derartige Spannung und „Angst“ aufbauen können. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich den Part Spätabends in einem Zugabteil gelesen hab, aber das ändert nichts daran, dass dir meiner Meinung die Stelle ungemein gut gelungen. Ich schätze mal, die vorbereitet uns bereits darauf vor, was bald noch folgen wird ... ein dunkles Anwesen verheißt wirklich nichts Gutes.
    Freu mich schon zu erfahren, ob Sheinux wirklich dabei ist den Verstand zu verlieren ... oder ob da noch mehr dahinter ist ...


    lg
    Toby