Beiträge von _Luna_

    So, hallo, ihr Lieben.


    Ich werde erstmal für ne unbestimmte Zeit pausieren müssen. Hab viel um die Ohren und kann den RPGs, in denen ich aktiv bin, nicht die Aufmerksamkeit widmen, die sie bräuchten. Das heißt nicht, dass ich komplett weg bin (und erreichen könnt ihr mich auch), aber ich werde erstmal ne Weile nicht aktiv sein.

    Sorry dafür. Ich melde mich, wenn ich wieder on action bin.

    OT: Das hier ist gewissermaßen ein Anhang zu meinem letzten Post, da wir ja unerwarteten Besuch bekommen haben. Hab dazu auch am Ende noch eine Kleinigkeit hinzugefügt.

    Ich hoffe, es ist ok, dass ich den inaktiven Charakter von Kukkisa kurz mehr oder weniger gesteuert habe. ^^'


    So voller Energie und Schwung bemerkte Cora nicht, dass ihr Rucksack ein klein wenig schwerer war als sonst. Doch wie kam es dazu? Drehen wir die Zeit ein bisschen zurück:

    Mit dem Erscheinen der Formeos war die Frühstücksgemeinschaft ganz schön aufgewirbelt worden. Aber es waren viele und sie waren flink. Schnell hatten sich einige schon in andere Räume des Centers vorgewagt und erkundeten das Gebäude voller Unternehmungslust. So hatte eines von ihnen sehr schnell die Treppe gefunden und war hinaufgeschwebt. Doch nun stand es vor einer schwierigen Wahl. So viele Türen - welchen Ort sollte es zuerst erkunden? Andererseits waren die meisten Türen verschlossen und so natürliche Hindernisse. Also entschloss das kleine, graue Pokémon, dass es sich zu einer offenen Tür am Ende des Ganges vorwagen würde. Es war entdeckungslustig, doch auch vorsichtig und schreckhaft. Also lugte es zuerst in den Raum hinein. Im ersten Moment schien dieser leer, doch dann sah es ein anderes Pokémon, dass auf einer Bettkante vor sich hindöste. Dann konnten Menschen nicht weit sein. Sachte und darauf bedacht, möglichst leise zu sein, schlüpfte das Formeo in den Raum. Doch was war das? Vom Flur drangen Geräusche herüber - Schritte! In Windeseile huschte es in das erstbeste Versteck, dass das Wetterpokémon finden konnte: Unter eins der Betten. Von dort hörte es den Menschen in das Zimmer zurückkommen und die Tür schließen. Was nun? Zuerst einmal musste es hierbleiben. Es durfte kein Risiko eingehen. Und so wartete das Formeo mehr oder weniger geduldig darauf, dass der oder die ihm Unbekannte den Raum wieder verließ. Das dauerte so seine Zeit. Was wohl die anderen in der Zwischenzeit machten? Das Formeo hätte es zu gerne herausgefunden. Doch es traute sich nicht, sein Versteck zu verlassen. So horchte es auf die gedämpften Laute, die von unten und vom Flur heraufdrangen, blieb aber still. Es wurde selbst schon ein wenig dösig und schreckte deshalb auf, als es die Tür erneut hörte. Verstohlen lugte das Pokémon unter dem Bett hervor. Der Raum schien leer - bis auf diese Eule. Die saß, ganz im Gegensatz zu vorher, wachsam an ihrem Platz und ließ den Blick durch das Zimmer schweifen. Das war ungünstig. Das fremde Pokémon würde bestimmt Alarm schlagen, sobald es Formeo entdeckte. Und das würde ihm seine Erkundungstour bestimmt verderben. So schwer es ihm fiel, musste es also doch noch weiter ausharren. Und das tat es.

    Schließlich regte sich etwas im Bett hinter dem Eulenpokémon. Da war ja noch ein Mensch! Es schien sich um eine junge Frau zu handeln. Die verließ das Zimmer, doch das Formeo konnte ihr nicht folgen. Und im Zimmer war jetzt nicht nur ein Pokémon. Das Mädchen hatte noch zwei andere aus ihren Pokébällen herausgelassen, die sich nun über Pokémonfutter hermachten. Futter - das Formeo hätte nur zu gern etwas davon stibitzt. Etwas Hunger hatte es auch bekommen. Neidisch sah es zu, wie die anderen ihr Frühstück verzehrten. Nach einiger Zeit kam die Trainerin wieder, hantierte mit diversen Menschendingen herum und rief dann ihre Pokémon in deren Bälle zurück. Das Formeo wurde wieder aktiver. War jetzt endlich der Zeitpunkt gekommen, an dem es das Zimmer ungestört erkunden konnte? Die Frau verließ eilig den Raum, das war die Gelegenheit! Es schwebte aus seinem Versteck hervor durch den Raum und sah sich unternehmungslustig um. Da war ein Tisch und darauf eine Vase mit schönen Blumen! Und die Betten der Menschen. Außerdem hatte die Trainerin ihren Rucksack dagelassen. Das graue Pokémon näherte sich dem Objekt mit Interesse. Er war sogar offen, es konnte also nachschauen, was das Mädchen darin versteckt hatte. Bestimmt waren es tolle Dinge! Doch was war das? Wieder Schritte! Das Formeo stieß kurz einen Laut der Frustration aus. Man konnte wirklich nichts ungestört entdecken! Das erstbeste Versteck befand sich diesmal ganz genau vor ihm. Und so ließ es sich in den Rucksack gleiten. Das Wetterpokémon machte sich so klein wie möglich. Vielleicht entdeckte der Mensch, der kam, es nicht. Es schrak zusammen, als es plötzlich von etwas Weichem getroffen wurde. Doch sein Laut der Überraschung wurde von dem weichen Dings gedämpft. Dann wurde plötzlich alles noch dunkler und alles um das Pokémon herum bewegte sich. Es war ja daran gewöhnt, zu schweben. Doch diesmal konnte es die Bewegung nicht kontrollieren und sah auch nicht, wo es hinging! Formeo entschied, dass es diesen Gegenstand verlassen musste, doch das ging ja nicht. Es gab keinen Ausgang. Da kam ihm ein Gedanke. Bestimmt würde die Trainerin irgendwohin gehen und dann den Rucksack wieder aufmachen. Dann könnte es ganz schnell heraus und auf und davon schweben. Ja, bis dahin würde es eben warten müssen. Oh, wie es heute warten musste. Das lief nicht so vielversprechend wie gedacht. Obwohl dem Pokémon einfiel, dass sich die ganze Warterei vielleicht lohnen könnte. Es kam eben darauf an, wo dieses Mädchen es hinbrachte.

    Mittlerweile hatte Marika sich durch die Reihen nach hinten gekämpft. Offensichtlich wollte sie zu dem gruseligen Typen, der sich in den letzten Teil des Busses verzogen hatte. Unter anderen Umständen hätte Kiandi ihnen wohl nachgespäht, aber dafür war sie immer noch zu sehr eingeschüchtert. Mit der Rothaarigen von eben wollte sie auch erstmal nicht in Kontakt kommen. Das Erlebnis war ihr schon ziemlich peinlich. So widmete die junge Erleuchtete ihre Aufmerksamkeit stattdessen ihren anderen zwei neuen Schwestern. Scheinbar hatte sich ein Junge zu ihnen gesellt, mit dem sie sich gerade unterhielten. Interessiert musterte Kiandi die Neuankömmlinge, aber auch den ihr noch unbekannten Erleuchteten.

    Er war definitiv jemand, den man als attraktiv bezeichnen konnte. Seine Erscheinung strahlte Stärke und gleichzeitig eine gewisse Wildheit aus. Zugleich wirkte er locker, aber neugierig. Kiandi kam nicht umhin, von seiner Art fasziniert zu sein. Womit konnte sie ihn am ehesten vergleichen? Mit einem Löwen vielleicht? Die Mähne dazu hatte er schonmal. Doch der Gedanke, der sich viel präsenter in den Kopf der Fünfzehnjährigen drängte war:

    Ich wünschte, ich könnte irgendwann mal auch so unbeschwert auf andere Menschen zugehen.

    Aber vielleicht war das ja tatsächlich möglich. Bis vor kurzer Zeit hatte Kiandi nur einen Erleuchteten gekannt. Und ihre bisherigen Erlebnisse mit den anderen "Superkids" waren wirklich gut gewesen. Auch mit Marcello kam sie viel besser klar als erwartet.

    Die beiden Mädchen standen stark im Kontrast zueinander und deren einzige Gemeinsamkeiten lagen augenscheinlich darin, dass sie beide junge Frauen waren und eine Brille trugen. Die eine hatte blasse Haut, rotblonde Haare und grüne Augen. Sie wirkte etwas reservierter als ihre dunkelhäutige Sitznachbarin mit dem aufgeweckten Blick und den schwarzen, in einer leichten Brise umherwehenden Haaren. Die Verwunderung darüber, wie denn in dem Bus plötzlich Wind entstehen konnte, hielt nicht lange. Marika gesellte sich bald auch kurz zu dem Trio und scheinbar war eine von den Neuen tatsächlich in der Lage Wind zu kontrollieren. Jedenfalls zog auf einmal ein wunderbar kühlender Luftstrom an Kiandi vorbei. Doch lange konnte sie das Gefühl nicht genießen, denn der Gangster-Typ hatte beschlossen, sein Revier im hinteren Teil des Busses zu verlassen. Kiandi war immer noch nicht scharf darauf, irgendwie mit ihm in Kontakt zu kommen. So riss sie ihren Blick von den anderen Jugendlichen los und starrte aus dem Fenster. Nicht, dass es da was Spannendes zu sehen gab. Aber etwas besseres fiel ihr gerade nicht ein.

    Es sollte aber keine Ruhe währen. Denn scheinbar fing dieser Typ jetzt einen Streit mit irgendjemandem an. Eine Mädchenstimme dementierte, dass der Kerl sich an ihr vergriffen hätte. Der widerum blaffte zurück und die Situation schien zu eskalieren. Hatte Kiandi da richtig gehört? Die würden sich doch jetzt nicht gegenseitig an die Gurgel gehen? Das Ganze klang absurd, aber es passierte offensichtlich wirklich. Die junge Erleuchtete wusste nicht so richtig, was sie jetzt machen sollte. Irgendjemand musste dazwischengehen, doch sie war die Letzte, die diese beiden Streithähne trennen konnte. Sie hoffte einfach, dass Marika oder der Busfahrer einschreiten würden. Denen würde sie auf jeden Fall zutrauen, mit dem Problem fertig zu werden.


    OT: Ja, hi. ^^ Kiandi bleibt mal wieder relativ still. Gebt ihr bisschen Zeit zum Auftauen ;) .

    Meine Lieben, es geht weiter. Viel Spaß mit dem zweiten Teil von Kapitel 3! ^-^


    Unbarmherzig


    Es war eine klare Nacht, eine Nacht für Visionen. Fast schien es Vyari, als könnte sie das stumme Wispern der Sterne auf ihrer Haut spüren. Der Wind strich sachte um ihre grazile Gestalt herum und spielte mit den Blüten ihres tiefschwarzen Haares. Spitzbübisch entführte er eine davon und trug sie in einem sanften Tanz über die Lichtung. Schließlich legte er sie in der Hand von Siltalis ab, der gerade die Lichtung betrat. Vyari hatte ihn schon gespürt, bevor er auch nur einen Fuß auf das weiche Gras gesetzt hatte. Sie öffnete die Augen und musterte ihren Vertrauten. Er bewegte seinen schlanken Körper mit einer leichten Unsicherheit. Auch wenn er die Anzeichen dafür zu verbergen suchte, las Vyari sie doch in den sanften Zügen des Mannes und in seinen braunen Augen.

    „Was ist es, Siltalis?“, wollte sie wissen. Der Feelist lächelte ertappt.

    „Du kennst mich zu gut, Herrin“, erwiderte er. Sein Lächeln erstarb. „Da ist jemand, der dich sprechen möchte.“

    Vyari hob ihre Augenbrauen kaum merklich an. Davon hatte sie nichts gesehen. Aber das Schicksal war launenhaft und offenbarte nur wenige, kurze Einblicke in sein Gefüge. Die Fee fragte sich, wer dieser Bittsteller sein konnte, den Siltalis nicht sofort beim Namen nannte. Seine zögernde Haltung sprach eher für eine unangenehme Angelegenheit.

    „Wer ist es?“

    Ihr Berater zauderte einen Augenblick.

    „Ein Mahni namens Itca“, antwortete er dann. Die Augen seiner Herrin verengten sich zu Schlitzen und ihre Stimme klang auf einmal frostig.

    „Was will er?“, forschte sie nach.

    „Das möchte er dir selbst sagen.“ Natürlich. Der Bote würde nicht den langen und anstrengenden Weg auf sich nehmen, um von einem Mittelsmann abgespeist zu werden. Doch das war der Fee gleich. Und so befahl sie: „Ich werde ihn nicht anhören. Schick ihn weg.“

    Einen kurzen Moment lang war nur das Rauschen des Windes zu hören. Dann neigte Siltalis den Kopf vor seiner Königin.

    „Wie du wünschst“, antwortete er. Vyari sah ihm nach, als der Feelist die Lichtung verließ. Er war ihr treu ergeben wie niemand sonst. Wenn sie sich auf jemanden verlassen konnte, dann war er das. Und Siltalis hätte sie nie so verraten wie ihre Schwester. Die Fee ballte ihre vor Wut zitternden Hände zu Fäusten. Niemals würde sie ihr verzeihen. Und mit einem Boten würde sie schon gar nicht sprechen. Wie konnte er es wagen, überhaupt hierher zu kommen? Erinnerungen tauchten vor Vyaris innerem Auge auf und verdrängten die Bilder ihrer Visionen. Erinnerungen, die sie schon so lange zu verdrängen versucht hatte. Itca hatte sie zurückgebracht. Schon allein deshalb war sie verärgert.


    Ein Rascheln durchbrach die gespannte Stille. Nicht wie Blätter, sondern wie Federn. Der Schatten eines großen Vogels senkte sich vom Nachthimmel herab und der Bote landete auf der Lichtung. Auch im Zwielicht der Nacht konnte man seine Schönheit und Eleganz erkennen. Brust und Krallen schimmerten rot wie der Sonnenuntergang, das Gefieder schneeweiß und dunkelblau wie das Firmament. Das Mahni breitete die Flügel aus und verbeugte sich tief.

    Vyari war erstarrt. Itcas Maßlosigkeit beleidigte sie zutiefst. So stand die stolze Frau vor dem unliebsamen Gast und kämpfte gegen die aufwallenden Gefühle an. Auf ihrem schmalen, blassen Gesicht spiegelte sich der Zorn und funkelte wie Feuer in ihren dunklen Augen. Sie wollte ihn anschreien, ihm wehtun. Doch dann würde sie ihre Überlegenheit verlieren. Die Königin musste Herrin über die Situation bleiben und so nahm sie all ihre Kraft zusammen, um ihre Wut zu zügeln. Langsam verschwand der Ausdruck der Erregung aus ihrem Gesicht und wich einer kühlen Maske. Mit Verachtung in der Stimme wandte Vyari sich an den Boten:

    „Was auch immer du hier suchst, du wirst es nicht finden. Kehr dahin zurück, wo du hergekommen bist.“ Das Mahni richtete sich auf und sah sie an. Er machte keine Anstalten, davonzufliegen.

    „Bitte, hört mir zu“, setzte er an. Das Krächzen in seiner Stimme war geblieben - auch wenn man hörte, dass Itca in der Sprache der Aufrechtgehenden geübt war. Doch Vyari schnitt ihm das Wort ab.

    „Warum sollte ich?“

    „Weil es um die Sicherheit Eures Volkes, ja Eures gesamten Waldes geht“, war die Antwort des Mahni. Die Fee musterte ihn. Natürlich wollte er erreichen, dass sie sich anhörte, was er zu sagen hatte. Allerdings erkannte sie auch echte Besorgnis. Das irritierte Vyari. Sie war sich keiner Gefahr bewusst, die die Feen bedrohen könnte. Die Menschen hatten schon vor langer Zeit begriffen, dass man sich mit den Bewohnern des Waldes nicht anlegte.

    „Mein Volk ist stark. Was sollten wir fürchten?“

    Herausfordernd sah sie Itca an, doch dieser ließ sich davon nicht beirren.

    „Aus den Bergen kommt ein dunkler Geist. Seine Anhänger säen Zerstörung, wo sie nur hinkommen. Sie sind mächtig und selbst die Krieger der Menschen und die Mahni können sie nicht aufhalten.“

    „Was interessieren mich die Menschen?“, unterbrach Vyari ihn.

    „Er wird vor Euch auch nicht haltmachen“, beharrte Itca. „Er strebt danach, alles zu beherrschen. Sobald er uns geschlagen hat, wird er sich Euch zuwenden. Allein werdet Ihr ihn nicht besiegen können.“ Er hatte seine Worte sehr klug gewählt. Doch die Feenkönigin blieb abweisend. Sie weigerte sich zu glauben, was er da sagte. Der Verrat ihrer Schwester saß zu tief.

    „Und jetzt schlägst du vor, dass wir euch im Kampf unterstützen sollen“, schlussfolgerte sie korrekt.

    „Nur gemeinsam haben wir überhaupt eine Chance.“

    Vyaris Miene war wie versteinert.

    „Meine Antwort lautet Nein“, erklärte sie.

    „Majestät!“, insistierte Itca, doch die Königin ließ ihn nicht weiter zu Wort kommen.

    „Schweig!“, fuhr sie ihn an. Für einen kurzen Moment hatte sie die Beherrschung verloren.

    „Sollte dieser Geist tatsächlich meinen Wald angreifen, dann wird er den Zorn der Feen zu spüren bekommen. Wir sind mächtig genug, um uns zu verteidigen. Aber ich werde mein Volk nicht in einen unnötigen Krieg ziehen lassen. Und schon gar nicht an der Seite der Menschen! Niemals, hörst du?“

    Itca schien zu wissen, dass er die Fee wohl nicht mehr umstimmen konnte. Trotzdem wagte er noch einen letzten Versuch.

    „Vyari! Ihr könnt euch vor der Wahrheit nicht verschließen! Warum sollte ich Euch belügen? Ich wäre niemals hierher gekommen, wenn es nicht so ernst wäre. Zu glauben, dass dieser Geist euch verschont oder ihr ihn gar schlagen könntet – das ist eine Illusion! Wenn Ihr das Bündnis ausschlagt, besiegelt ihr nicht nur unser Schicksal, sondern auch Eures!“

    „Genug!“, wies Vyari das Mahni zurecht. Der Vogel zuckte zusammen, schwieg aber. Die Frau kehrte ihm den Rücken. Leise, aber mit schneidender Stimme fügte sie hinzu:

    „Wir werden euch nicht helfen! Das ist mein letztes Wort. Und jetzt verlass meinen Wald, auf der Stelle!“ Für einen Augenblick war es erdrückend still. Schließlich hörte sie, wie Itca sich in die Lüfte erhob und in die Nacht hinaus verschwand. Bald waren seine Flügelschläge verklungen. Erneut war es still auf der Lichtung.

    Ein Geräusch unterbrach für einen Moment die Ruhe des Zimmers, begleitet von einem Lichtschimmer. Hora materialisierte sich neben Coras Rucksack. Er gähnte herzhaft, blinzelte kurz und schaute sich dann neugierig um. Schnell entdeckte der Kleine die Vase mit den Blumen und stieß einen gurrenden Laut der Freude aus. Sie waren wirklich hübsch. Er war glücklich, sie gefunden zu haben. Dann fiel sein Blick auf die beiden Schlafmützen. Da war ein unbekanntes Mädchen und aus diesem Grund blieb er recht leise. Cora hatte ihm klar gemacht, dass er die Aufstehzeit von Fremden nicht zu bestimmen hatte. So hüpfte er vorsichtig zum Bett seiner Trainerin. Dort lugte nur ein roter, verwuschelter Haarschopf aus der Kissenlandschaft hervor. Hora hopste über die Bettkante in das Meer aus Stoff und zupfte Cora liebevoll am Haar. Dazu fiepte er sachte. Die junge Frau drehte sich und grummelte irgendwas in ihr Kissen. Das Hoothoot erweiterte das Zupfen um einen Knuff.
    „Ach Hora“, stöhnte seine Trainerin. „Bitte, lass mich heute noch schlafen.“
    „Hoothoot“, flötete das Eulenpokémon, so laut es eben ging, ohne die andere Schlafende zu wecken. Cora öffnete die Augen einen Spalt weit.
    „Wirklich. Der Tag gestern war richtig anstrengend. Ich unternehm heute was Cooles mit euch, aber bitte lass mich dafür noch ein wenig schlafen.“
    Hora überlegte einen Moment. Dann zwitscherte er eine Zustimmung, ließ sich zu seiner Trainerin auf das Kissen plumpsen und schmiegte sich an sie. Cora nahm ihn in den Arm und war wenige Minuten später schon wieder weggepennt. Ihr Pokémon-Partner genoss das Kuscheln mit ihr noch eine Weile, dann löste er sich aus der Umarmung und bezog Stellung auf der Bettkante. Wachsam ließ er den Blick durch das Zimmer gleiten. Während der Vormittag verstrich, dachte er über dies und das nach und döste gelegentlich. Dann endlich regte sich Cora.
    Eine Stunde später kam die junge Frau sichtlich entspannt, frisch geduscht und mit dem Arm voller Wäsche in ihr Zimmer zurück. Sie wurde von der Frühstücksrunde ihrer Pokémon begrüßt. Hora ließ einen freudigen Laut hören und schlug voller Unternehmungslust mit seinen winzigen Flügeln. Syra tat gelangweilt und Rafi beendete das Essen gerade erst.
    Apropos Frühstück, dachte Cora sich und ihr Magen untermalten den Gedankengang mit einem Grummeln. Das Frühstück war schon seit einer Weile vorbei, aber das war keine Überraschung. Es war ja auch schon Mittag.
    Aber ich wollte eh in die Stadt. Da werde ich was zu Essen auftreiben können.
    Also packte Cora flugs ihre Sachen zusammen und zückte die Pokébälle ihrer Partner.
    „Auf geht’s, Leute“, sagte sie, während sie die drei Pokémon zurückrief. Mit einem Leuchten verschwanden diese in ihren Bällen, die Cora sogleich in ihren Rucksack packte. Dabei fiel ihr etwas auf.

    Oh, ich hab ja mein Handtuch im Bad liegenlassen. Also stürmte sie noch einmal flugs aus dem Raum, holte den fehlenden Gegenstand und warf ihn zu den anderen Sachen in den Rucksack, den sie sich anschließend über die Schulter warf. Dann verließ die Trainerin das Zimmer und machte sich auf den Weg.


    OT: Cora ist dann mal auf dem Sprung. Wenn aber jemand will, kann man sie auf dem Weg treffen.

    Marcello schaute sich um und er musterte dabei auch die belegten Sitze im Bus, das heißt diejenigen die in seinem Sehfeld lagen. Nicht dass er es extra machte, aber ansonsten gab es ja nicht viel zu tun. Er fragte sich warum er nicht einen MP3 Player dabei hatte, dann könnte er sich ablenken aber daran hatte natürlich nicht gedacht. So blieben ihm nur zwei Sachen übrig, Entweder Löcher in die Luft starren oder die Umgebung betrachten. Warte als er hinter sich linste, nahm er ein Mädchen wahr, die er noch nicht zuvor in der Anstalt gesehen hatte. War sie erst vor kurzem hinzugestoßen? Er könnte schwören sie nicht zuvor gesehen zu haben. Es war schwierig da es so viele Jugendliche um ihn herum lebten. Wobei er zugeben musste, noch nicht wirklich viel gesehen zu haben. Sie trug eine leichte Jacke, ein graues Top und einfache Jeans. Zumindest was er erkennen konnte. Was ihm sofort auffiel, waren ihre blauen Augen und ihre beinahe in der gleichen Farbe gefärbten Haare. Die verschiedenen Töne waren für Marcello dabei nicht so sehr von Belang. Auf jeden Fall hoben sie sich von ihrem dunklen Haut ton hervor. Sie machte einen etwas abgehetzten Eindruck. Was hatte sie wohl erlebt. Normalerweise mischt er sich nicht so gerne in die Belange anderer ein, aber seine Neugierde war doch größer als gedacht. Er drehte seinen Oberkörper leicht zu ihr nach hinten, lächelte höflich und frage: „Ist alles in Ordnung bei dir? Ähm entschuldige falls es mich nichts angeht, aber ich wollte nur fragen ob ich dir vielleicht helfen kann? ….“ Er stockte als ihm das gerade eben gesagte in den Sinn kam. Dann räusperte er sich und begann nochmal von vorne: „ Verzeih ich bin es nicht gewöhnt jemanden anderen anzusprechen und da habe ich einfach irgendein Grund gesucht. Ich hoffe ich habe dich nicht bei irgendwas gestört oder meine vorherige Frage hat dich abgeschreckt. Mein Name lautet übrigens Marcello und wie heißt du?“ Auf seinen Wangen hatte sich derweil eine verlegende Röte gebildet. Er hoffte wirklich sie nahm es ihm nicht übel.


    Kiandi hatte sich erstmal darauf beschränkt, aus dem Fenster zu starren. Das war nicht gerade die beste Ablenkung, hatte jedoch überraschenderweise irgendwie funktioniert. Deshalb brauchte sie einen Augenblick, bis sie bemerkte, dass jemand sie ansprach. Die Jugendliche wandte sich zum Ursprung der Stimme hin und erblickte einen Jungen mit gebräunter Haut, sowie dunklen Haaren und Augen. Wie so einige Leute aus der Anstalt hatte sie ihn bisher noch nicht kennengelernt. Seine Worte irritierten Kiandi zwar einerseits, auf der anderen Seite aber klang er sehr freundlich, ja sogar ziemlich sympathisch. Sie fragte sich für einen Moment, ob das einfach daran lag, dass er auch ein Erleuchteter war. Wie auch immer, wenn er schon das Gespräch begann, würde sie darauf eingehen. Es war eine willkommene Gelegenheit und so antwortete sie:
    "Ist schon ok. Ich bin Kiandi. Ich glaube, ich ... äh ... bin noch nicht so richtig angekommen. Es ist alles noch ein bisschen viel und ich kenn hier kaum jemanden." Die Worte waren schneller über ihre Lippen gekommen als erwartet. Aber eigentlich war Kiandi froh, das Thema in diese Richtung lenken zu können. Es gab Dinge, über die sie gerade nicht reden wollte.
    "Und, hm. Bist du auch neu hier?", wollte die junge Erleuchtete wissen.


    Er lächelte sie freundlicher an, da ihre Reaktion auf seine Frage so positiv ausgefallen ist. Sieht so aus als hätte er langsam Übung darin. Dann erwiderte er auf ihre Entgegnung: „ Wahrscheinlich hast du das öfters schon gehört aber mir gefällt dein Name. Hat der eine bestimmte Bedeutung? Wie war das? Du bist noch nicht richtig angekommen? Ah in Ordnung. Klar es kommen immer neue Geschwister, so nennen uns die Kinder der Leiterin, in die Anstalt und es laufen auch so viele dort herum das man leicht den Überblick verliert wer neu ist und wer nicht. Es dauert seine Zeit bis man sich daran gewöhnt hat.“ Er kratzte sich verlegen am Hinterkopf und vernahm ihre zweite Frage ob er neu hier wäre. Marcello schmunzelte leicht: „ Ob ich neu bin? Naja lass mich überlegen, eine gefühlte Ewigkeit bestimmt aber in Wirklichkeit auch erst seit vorgestern oder war es gestern? Also auch nicht allzu lange, aber hier vergeht die Zeit auch anders habe ich das Gefühl. Ob es daran liegt, dass wir uns als Erleuchtete uns sympathisch sind? Ich weiß es nicht. Außerdem war immer was los und da kommt man nicht zum Nachdenken.“ Sein Lächeln verstummte kurz und sein Blick senkte sich nach unten, dann kam sein Lächeln wieder und er sagte: „ Wenn du sonst noch Fragen haben solltest, kannst du sie gerne stellen. Ob ich sie auch beantworten kann, ist eine andere Frage.“


    Für einen Moment war Kiandi sprachlos. Sie musste jeden Tag neu begreifen, dass die Ansicht, die sie in den bisherigen Jahren ihres Lebens über die Welt gehabt hatte, nicht stimmte.
    "Nein. Das - weißt du, das hat noch nicht wirklich jemand zu mir gesagt. Ich kann mich zumindest nicht erinnern, das oft gehört zu haben." Das fünfzehnjährige Mädchen dachte an das Gefühl, dass sie immer wieder gespürt hatte.
    Ich kann nicht mit anderen Menschen zusammen sein. Ich kann mit ihnen nicht glücklich sein.
    Doch jetzt war alles anders. Kiandi hatte gar nicht gemerkt, dass sie den Kopf gesenkt hatte. Sie sah zu Marcello hoch und konnte nicht anders, als nun auch zu lächeln.
    "Aber ich freue mich, dass dir mein Name gefällt. Du bist also auch noch nicht so lange dabei, was? Da bin ich ja erleichtert, dass ich nicht die einzige bin." Diese Feststellung entlockte der Teenagerin ein leises, nervöses Lachen.
    Fragen? Fragen konnte man viele stellen. Doch die wirklich wichtigen Fragen konnte er nicht beantworten. Wo ging es hin und was erwartete sie am Ziel ihrer Reise? War Mitch noch am Leben? Nein! Sie durfte sich nicht wieder in den Strudel aus Angst und Ungewissheit ziehen lassen. Was nützte das schon?
    "Weißt du was", meinte Kiandi. "Kasumi, Alicia und die anderen haben mir schon viele Fragen beantwortet. Erzähl mir lieber was von dir. Ich würde gern deiner Stimme lauschen, sie klingt irgendwie so schön."



    Als er sie wegen ihres Namens gelobt hatte, schien sie sprachlos zu sein oder reagierte zumindest anhand ihres Gesichtsausdrucks überrascht. War sie es nicht gewöhnt? Dann als sie ihn anlächelte war auch er positiv zugetan. Es machte gleich einen herzlicheren Eindruck als wenn man nur finster oder gleichgültig durch die Welt läuft. In seiner Branche war das Lächeln das wichtigste gewesen, egal wie man selber im Inneren fühlt. Aber nur mit einem Lächeln konnte man sich verkaufen. Sie antwortete ihm dass es sie freute dass ihr Name ihm gefiel. Dann sagte sie ihm dass sie sie erleichtert darüber war, dass sie die einzigste Neue wäre. Marcello erwiderte: „ Sei unbesorgt, du bist nicht die einzigste. Manchmal kommt es einem so vor, als ob immer wieder Neue zu uns gekommen wären. Es kann sein dass ich mich verrechnet habe, wie lange mein Aufenthalt schon her ist aber es ist auf jeden Fall kürzer als eine Woche. Die gefühlte und tatsächlich erlebte Zeit ist unterschiedlich. Andere sind schon weitaus länger dort.“ Dann dachte über eventuelle Fragen nach, nahm er zumindest an, denn sie hatte eine kleine Pause eingelegt. Anschließend sagte sie das Alicia und Kasumi ihr schon viel erzählt hatten und dass sie lieber was von ihm selber hören würde. Sie fände seine Stimme so schön. Als sie das gesagt hatte, spürte er wie seine Wangen sich quasi erwärmen und Farbe annahmen. Sein Lächeln war total verlegen. Er war es nicht gewöhnt über sich selber zu sprechen und von sich aus was zu erzählen. Über das Kompliment freute er sich sehr. Dann gab er sich einen Ruck und sagte: „Also ähm klar Alicia und die anderen haben dich wahrscheinlich mit Informationen vollgestopft und es dauert bis man sich daran gewöhnt hat Vielen Dank für das Kompliment. Ähm. Ich bin ein wenig verlegen. Also ich soll von mir erzählen? Okay wo fange ich da an? Also ich komme aus dem kleinen Land Rhadesian, das liegt im südlichen Bereich von Erana. Die Stadt selber ist weniger wichtig, sie hat nichts Besonderes zu bieten. Sie sagt auch fast niemand was. Ich bin 16 Jahre alt und meine Stimme rührt daher dass ich seit dem ich jünger war auf der Bühne gestanden und gesungen sowie auch auf Instrumenten gespielt habe. Mein Vater arbeitete früher als Instrumentenbauer, ehe meine Karriere verwaltet hatte und meine Mutter war als Gesangslehrerin tätig. Nun ja ich muss dazusagen, bevor das Zeichen erschien, war ich ein normales Kind gewesen, danach erst kam meine Stimme zum Vorschein. Erst dann ging mein persönliches Leben den Bach runter. Ich meine klar ich hatte materiell gesehen alles was man haben kann. Meine Eltern waren sehr streng und verwalteten alles, aber das ist nebensächlich. Aber ansonsten hatte ich quasi nichts. Keine Freunde, niemanden mit dem ich sprechen konnte, denn aufgrund dessen dass ich anders war, hatte sich mir niemand genähert. Alle bekamen schon die Krise, wenn ich da war. Dann als ich auf Tournee war, spürte ich, dass mich ein Stern mich zu den anderen lockte und ich haute dann ab. Hier zu sein, bei den anderen macht mich dagegen glücklich. Hier akzeptiert man mich und es ist keine Abneigung zu spüren nur wenn man anders ist. Entschuldige wenn ich so lange rede, aber es wollte einfach mal raus.“


    Kiandi konnte auf eine gewisse Art und Weise verstehen, dass Marcello die Zeit, die er in der Morgan-Fox-Anstalt verbracht hatte, gar nicht mehr so einschätzen konnte. Für sie hatte es einem Leben eine ganz neue Wende gegeben. Vieles hatte sich schlagartig geändert und so erschien ihr altes Leben viel weiter weg als es eigentlich war. Sie fragte sich, ob sie mit den anderen dort wirklich ein Zuhause finden konnte. Schließlich schien trotzdem vieles unsicher zu sein. Andererseits sagte Marcello ja, dass einige Jugendliche schon länger dort lebten. Vielleicht würde ihr dieser Ort ja doch eine Zuflucht bleiben können.
    Marcello begann wieder zu sprechen und sofort spürte Kiandi wieder, wie angenehm seine Stimme war. Seine Verlegenheit war schon ein wenig knuffig. Irgendwie erinnerte sie das an Mitch. Er war auch oft ziemlich verlegen gewesen. Der Gedanke war bittersüß. Die junge Erleuchtete schob ihn beiseite. Schließlich wollte sie jetzt Marcello zuhören. Kiandi lauschte den Worten des Jungen mit Faszination und gleichzeitig hatte sie Mitgefühl. Sie wusste mittlerweile, dass alle Erleuchteten nicht so gut mit den Menschen klarkamen und das, was Marcello erzählte, konnte sie selbst sehr gut nachvollziehen.
    "Dafür musst du dich doch nicht entschuldigen", winkte sie ab. "Außerdem hab ich dich ja danach gefragt. Ich habe dir gerne zugehört."
    Sie überlegte einen Moment und meinte dann: "Dann hat deine Kraft also mit deiner Stimme zu tun? Das ist echt faszinierend. Trotzdem kann ich gut verstehen, dass das nicht einfach war. Ich hatte lange Zeit auch keine Freunde. Aber von was für einem Stern redest du da?"


    Es tat gut, dass Kiandi seiner Erzählung lauschte, ob sie es auch wirklich interessierte konnte er schlecht beurteilen. Aber es tat gut. Als er sich entschuldigte, weil er so lange geredet hatte, winkte sie ab und sagte ihm dass es nichts mache und dass sie ihm gerne zuhören würde. Diese Aussage von ihr ließ ihn doch erneut vor sich hin lächeln. Es freute ihn sehr. Sie überlegte daraufhin und sprach dann weiter. Kiandi fand es faszinierend dass eine Kraft was mit seiner Stimme zu tun hat. Sie verstand auch dass es nicht einfach gewesen sein mochte und sie hatte auch lange Zeit keine Freunde gehabt. Dann fragte sie von welchem Stern er denn redete? Nach dem sie geendet hatte, erschien abermals eine verlegene Röte auf seinen Wangen. Er konnte es nicht verhindern dass es geschah. Dazu war es ihm noch ein wenig unangenehm darüber sprechen zu müssen. Denn wenn er enden würde, dann würde sie sich sicher zurückziehen und nichts mehr von ihm wissen wollen. Dieses zukünftige Gefühl schmerzte ihn schon jetzt. Obwohl es albern war, denn er wusste ja nicht wie sie reagieren würde. Er gab sich einen Ruck und antwortete: „ Der Stern heißt Rosetta Liuroum, er ist ein Lichtstern und wichtig für uns Erleuchtete. Ich kenne mich da auch nicht so gut aus. Wenn dann musst du die anderen fragen, was es damit auf sich hat. Was das andere angeht, ja die Kraft hat was mit meiner Stimme zu tun. Ich kann damit die Handlungen meiner Mitmenschen beeinflussen oder auch manipulieren, damit sie tun was ich will. Aber dafür muss ich in ihre Augen sehen, damit die Verbindung hergestellt werden kann. Wenn die Verbindung mit den Augen länger andauert, bekomme ich Kopfschmerzen davon und es ist auch wichtig, wie es formuliere. Sonst endet es in einer Katastrophe. Das habe ich auch erst lernen müssen. Ich versuche meine Fähigkeit so wenig wie nur möglich zu nutzen, denn wer wird schon gerne beeinflusst.“ Er lächelte bitter. Dann fragte er: „ Was ist mit dir?“


    Soviel Kiandi in den letzten Tagen über die Erleuchteten gehört hatte - entweder sie hatte es in all den Informationen vergessen oder es war tatsächlich etwas Neues. Gut, sie musste jetzt nicht jedes Detail dazu wissen, aber es war interessant, dass dieser Stern offenbar auch eine Art Kraft ausstrahlte. Es hatte zumindest eine gewisse Wirkung auf Marcello gehabt und vermutlich war er da nicht der einzige gewesen.
    Als er Kiandi genauer beschrieb, was es mit seiner Kraft auf sich hatte, wurde ihr kurz ein wenig mulmig zumute. War deswegen seine Stimme also so angenehm? Sie konnte das mulmige Gefühl des Misstrauens, das in ihr hochkam, erst nicht abstellen. Dieser Junge war so nett, war das nur Täuschung? Kiandi hatte schon zu oft erlebt, dass vieles nicht so war, wie es schien. Doch andererseits - warum sollte er dann so ehrlich sein? Es wäre schlichtweg einfacher, sie im Dunkeln zu lassen. Etwas in der jungen Erleuchteten wollte nicht glauben, dass sie sich auch in diesem Menschen täuschte. Diese Gabe hatte ihn bis jetzt immer ohne Freunde dastehen lassen. Er sehnte sich wahrscheinlich sehr danach, dass ihm jemand wirklich Vertrauen schenkte. Im selben Moment reifte in Kiandi ein weiterer Gedanke.
    Er kann uns mit dieser Gabe wahrscheinlich sehr helfen. Angenommen sie kamen in eine brenzlige Situation gegen wen auch immer. Wenn Marcello dann jemanden, der ihnen feindlich gesinnt war, kurz beeinflussen konnte, würde das eventuell das Blatt zu ihren Gunsten wenden. Kiandi sah dem Jungen ihr gegenüber in die Augen. Er war schon wieder errötet.
    "Das stimmt. Ich wollte lange frei sein und konnte es nicht. Das ist ein furchtbares Gefühl. Diese Gabe muss Fluch und Segen zugleich sein, was? Aber sie kann uns in unserer bevorstehenden Mission sehr nützlich sein." Achja, nützlich. Das war irgendwie das Stichwort.
    "Im Gegensatz zu meiner. Also sie könnte es sein, wenn ich sie beherrschen würde", seufzte Kiandi und etwas Frust klang in ihrer Stimme mit. "Wenn ich es mal zustandebringe, kann ich sowas wie Durchgänge machen, wo keine sind. Also es ist wie eine Art Portal, dass ich zum Beispiel in eine Wand mache und dann kann man durchgehen. Das hält aber nur sehr kurz und ich krieg es willentlich nicht hin. Bis jetzt nur, wenn ich in Panik bin. Naja."
    Der Tatsache zum Trotz, dass sie damit immer noch unzufrieden war, war es durchaus interessant, etwas über die anderen Erleuchteten zu erfahren. Es schien so viele verschiedene übernatürliche Fähigkeiten zu geben und offenbar fiel es ja nicht nur Kiandi schwer, ihre Kraft zu kontrollieren.


    OT: Hier kommt ein Partnerpost mit der lieben @Destiny Moon! ^-^  


    Kennt ihr das miese Gefühl, wenn man bei einem Wettbewerb alle Abgaben gelesen hat, zu allem handschriftliche Notizen gemacht hat, aber einfach nicht die Motivation zusammenkriegt, einen Vote zu posten?
    Wäre nicht der erste Wettbewerb bei dem ich nicht vote, obwohl ich alles fertig habe. Irgendwie kann ich mich in den letzten Jahren kaum durchringen solche Beiträge zu verfassen. Sowas spontanes wie hier im Plauder-Thema geht hingegen voll schnell X|

    Fehlende Motivation, wer kennt sie nicht. ^^'
    Vielleicht wäre es ein guter Ansatz, sich zu fragen: Warum bin ich unmotiviert? Aus welchem Grund (bzw. welchen Gründen) schiebe ich etwas vor mir her, obwohl ich alles habe, um es umzusetzen?
    Ich denke, wenn du das Problem eindeutig erkennst, wird die Suche nach der Lösung einfacher.

    Als Cora das Zimmer von Amber verließ, spürte sie, wie sich auch in ihr Müdigkeit breitmachte. Die junge Frau unterdrückte ein Gähnen. Sie hätte sich auf jeden Fall gerne schon zur Ruhe gelegt. Aber da warteten noch ein paar Kleinigkeiten, die erledigt werden wollten, bevor sie sich ins Bett verkriechen konnte. Und so ging Cora wieder die Treppe hinunter ins Erdgeschoss.
    Ihre erste Anlaufstation waren die PCs. Während der Computer hochfuhr, ließ sich die Siebzehnjährige auf dem Stuhl davor nieder und begann schon zu überlegen, was sie schreiben würde.
    Ich muss auf jeden Fall klarstellen, dass alles ok ist.
    Das war ja keine Lüge. Am besten, ich erwähne nicht zu viele Details. Noch während sie im Kopf die ersten Sätze formte, loggte sie sich in das Email-Programm ein. Doch dann lenkte etwas anderes die Aufmerksamkeit der reisenden Trainerin auf sich:
    Posteingang (1)
    Seit wann hatte sie neue Nachrichten? Cora fokussierte ihren Blick auf die Liste ihrer Mails. Ganz oben entdeckte sie sofort eine fett markierte Zeile.
    Von Ilona? Ok, das kommt doch etwas überraschend. Neugierig geworden öffnete sie die Nachricht. Ihre Augen flogen über den Text.


    Hi Cora!
    Naa, lange nichts voneinander gehört, was?


    Ganz bald ist ja wieder mal Hoenn-Liga und das werde ich mir natürlich nicht entgehen lassen!
    Bist du vielleicht auch mit dabei? Oder zumindest im Lande? Dann könnten wir uns mal wieder sehen, fänd ich toll!
    Sonst würde ich mich auch einfach freuen, von dir zu hören. Wie geht's dir so und was machst du grade?


    Ich bin zurzeit noch ein wenig in Hoenn unterwegs, bevor es dann nach Prachtpolis geht. Hab übrigens auch Eric getroffen.
    Die Welt ist halt mal wieder ein Dorf, was? ^^ Mal sehen, ob er es noch schafft, sich bis zur Liga zu qualifizieren.
    Bin jedenfalls gespannt, was du mir so schreibst! Bis dahin und bye! <3


    Ilona


    Cora schmunzelte und schüttelte den Kopf. Natürlich. Eigentlich war es nicht überraschend, dass diese Frau einfach überall auftauchte. Ilona war ständig am Reisen, Artikelschreiben und Bloggen. Das hatte sich also nicht geändert - warum auch? Es war auf jeden Fall ein verlockender Gedanke, sie mal wieder zu treffen. Die Frage war, ob das so einfach werden würde. Andererseits hatte Ilona für die meisten Probleme schnell eine Lösung parat. Wie auch immer, sie würde darüber nachdenken. Doch nicht jetzt. Cora schloss das Fenster und klickte auf den Button mit der Aufschrift "Neue Nachricht". Rasch tippte sie die Sätze an ihren Vater, änderte hier und da nochmal etwas ab, las das Ganze zwei weitere Male durch und schickte ihr Werk schließlich ab.
    "Puh", seufzte die junge Frau. Eine Sache geschafft. Für einen kurzen Moment blieb Cora im Stuhl sitzen. Dann raffte sie sich auf, meldete sich ab und schaltete den Computer aus. Noch bevor der vertraute Klang verkündete, dass das System heruntergefahren war, hatte sich die Siebzehnjährige schon auf den Weg nach draußen gemacht.


    Mittlerweile war es recht dunkel geworden. Von der Stadt tönten nur noch recht wenig Geräusche herüber. Viel mehr als der leichte Wind und das Rauschen der Wellen drang nicht an Coras Ohr, als sie ins Freie trat. Die Außenbeleuchtung des Centers schickte ein wenig Helligkeit in die Düsternis und doch schien es als machte das eher blind für alles, was sich außerhalb des Lichtkegels abspielte. Nicht, dass da viel gewesen wäre. Zumindest nichts, was man gehört hätte.
    Die rothaarige Trainerin rief ein weiteres Mal ihre Partner aus deren Pokébällen. Mit einem fröhlichen "Hoothoot" materialisierte sich Hora und sah - anfangs kurz geblendet - neugierig umher. Syra streckte sich kurz und verschwand bald in den Schatten. Das Eulenpokémon hüpfte ihr hinterher, blieb jedoch in der Nähe. Rafi gähnte herzhaft. Er war nicht ganz so bewegungshungrig, aber sein Körpersystem war ja auch eher auf Tagaktivität ausgelegt. Und daher ging es ihm vermutlich ähnlich wie seiner Trainerin. Seine Sinne waren nicht für die Dunkelheit gemacht. Während die anderen beiden Teammitglieder die Umgebung unsicher machten, trottete Rafi zur Bank, ließ sich dort nieder und sah Cora erwartungsvoll an. Sie folgte seiner Einladung, setzte sich und hob ihn zu sich hoch. Das Bisasam kuschelte sich an die junge Frau und schloss die Augen. Sie streichelte ihm liebevoll den Kopf.
    "Ach Mann. Was für ein Tag, hm?", seufzte Cora. Wenn ich mich jetzt nur wirklich entspannen könnte. Aber irgendwie konnte sie es nicht. Die junge Frau war müde, doch ihr Inneres ruhte definitiv noch nicht. Ihre Gedanken drifteten ständig zurück zu den letzten Ereignissen. Und obwohl sie versuchte sich davon abzuschotten und innerlich zu ihren eigenen Plänen überzugehen, blieb sie aufgewühlt. Ihr Blick glitt hinüber zu Hora und Syra, die sich gerade aus dem Dickicht nahe des Pokémoncenters schälten. Cora musste unwillkürlich an die Worte von Schwester Joy denken. Augen und Ohren überall. Sie fröstelte.
    "Bisa?" Rafi hob den Kopf. Er schien die Irritation seiner Trainerin zu spüren.
    "Alles gut", beschwichtigte sie ihn. "Ich bin nur geschafft von dieser Odyssee heute." Die Siebzehnjährige bemühte sich, ihre Anspannung herunterzuspielen. Zum Glück hatte ihr Hoothoot gerade genau das richtige Timing. Mit einem gut gelaunten Fiepen kam es ins Licht gehopst, eine hübsche Blüte im Schnabel. Hinter ihm schlenderte Syra herbei, die ebenfalls ein paar Blumen trug.
    "Wow, ihr zwei! Die sind ja hübsch!"
    Der Senator hielt Cora sein Mitbringsel hin, Freude und Stolz in der Miene. Als sie es angenommen hatte, nickte Hora mit dem Kopf in Richtung der Büsche, aus der sie gekommen waren. Dann zwitscherte er noch einmal und reckte die Brust vor. Syra grinste nur und stopfte sowohl ihm als auch Rafi eine der Blüten hinters Ohr. Dafür knuffte die kleine Eule sie in die Seite. Coras Miene hatte sich wieder aufgehellt. Diese kleine Gruppe war ihr Halt. Es war schon erstaunlich, wie schnell sie alle zusammengewachsen waren. Dabei waren sie noch gar nicht so lange miteinander unterwegs.
    Aber wir sind ja auch jeden Tag zusammen, dachte die junge Trainerin. Das macht viel aus. Rafi gähnte noch einmal und Cora tat es ihm gleich. Sie erhob sich von der Bank und hockte sich zu den anderen beiden Pokémon.
    "Sagt mal, die Blumen sind so hübsch. Soll ich vielleicht mal Schwester Joy fragen, ob sie ne Vase hat?"
    Syra zuckte mit den Achseln, doch Hora nickte bestimmt. Er untermalte das mit einem enthuasischen "Hoothoot!".
    "Bisa-sa-haaaam", gähnte Rafi und hüpfte von der Bank herunter. Dabei fiel seine Blume zu Boden. Flink ließ er eine Ranke herbeigleiten, hob sie auf und roch daran. Genussvoll sog das kleine Pflanzenpokémon den Duft der Blüte ein und reichte sie dann ebenfalls seiner Trainerin.
    "Ich bin sicher, die werden uns noch eine Weile erfreuen. Na dann, kommt mal wieder zurück." Ein roter Schimmer kündete noch von den drei Pokémon, dann verblasste selbst diese Ahnung von ihnen und Cora stand allein vor dem Center. Für einen kurzen Moment kehrte das Unbehagen zurück. Die junge Frau warf drehte sich noch einmal um. Sie schüttelte den Kopf, als wollte sie das Gefühl selbst abschütteln, steckte die Pokébälle weg und trat ein. Ob Schwester Joy noch auf den Beinen war? Im Vierundzwanzigstundentakt konnte sie ja auch nicht arbeiten. Andererseits war es noch nicht mitten in der Nacht. So schritt Cora durch den Flur, öffnete die Tür zur Eingangshalle und schob sich hinein. Das Foyer war mittlerweile menschenleer und still. Es war ein bisschen komisch, hinter den Tresen zu treten und vor der Tür zu Joys Räumen zu stehen. Diesen Bereich betrat man sonst ja nicht. Nichtsdestotrotz hob die junge Trainerin die Hand und klopfte an.


    Joy atmete tief ein aus, während sie mit legerer rosafarben Freizeitklamotten bekleidet, sich in ihren teuren Massagesessel hineinkuschelte. Welch eine Wohltat. Endlich die Füße hochlegen und nichts tun. Sie freute sich immer wenn sie dem nachgeben konnte. Neben ihr stand auf einem kleinen Tischchen und ein Gerät dass mehrere Bilder von den Innenräume und den unmittelbaren Außenumgebungen zeigte. Mit Zoomfunktion. Die Auflösung war nicht sehr scharf, aber es genügte dass sie alles schön im Blick hatte. Sie hatte es für Notfälle einbauen lassen. So sah sie wenn ihre Patienten Probleme hatten oder ähnliches passierte, was Arceus verhüten möge. Natürlich kamen auch die Chaneiras zu ihr falls was uneinsehbares passieren würde. Das Gerät besaß zudem noch eine Fernsprecheinrichtung, doch nie nutzte sie seltener. Auf dem Tischchen befanden sich eine Kanne mit Sananabeerentee und eine Tasse. Dann lag noch ein dicker Schmöcker daneben. Das Lesezeichen befand sich direkt am Anfang, da sie nicht wirklich dazu kommt, intensiv zu lesen. Die Schwester griff gerade nach ihrer Tasse und nahm einen Schluck, als sie das Klopfen an ihrer Tür bemerkte. Sie seufzte innerlich. Warum konnte sie nie Feierabend haben? Die jungen Leute sollen doch schlafen, besonders um diese Uhrzeit. Wehe es war nicht wichtig. Langsam setzte sie sich auf, griff nach ihrem flauschigen rosafarbenen Morgenmantel, schlüpfte in ihre gleichfarbigen Pantoffeln. Sie setzte ein höfliches Lächeln auf. Ob sie es wollte oder auch nicht, aber sie konnte nichts verweigern. Zumindest sollte sie an hören was die junge Frau von ihr wollte. Ja sie hatte sie zuvor auf dem Monitor gesehen. Joy öffnete die Tür und fragte als sie sie sah: " Kann ich dir helfen? Ist irgendwas nicht in Ordnung ?"
    Schwester Joy war bereits in einen Morgenmantel gehüllt, was Cora sofort sagte, dass sie die Angelegenheit schnell hinter sich bringen wollte.
    "Entschuldigen Sie, dass ich so spät noch störe. Ich will Sie auch gar nicht lange beanspruchen", erklärte sie. "Aber Sie haben nicht zufällig eine ... äh .. Vase?"
    Cora versuchte sich an einem entschuldigenden Lächeln und hielt die exotischen Schönheiten hoch, die Hora und Syra gepflückt hatten.
    Joy musterte erst die junge Frau dann hörte sie zu was sie wollte. Ein versöhnliches lächeln glitt über ihre Lippen. Sie antwortete: " Warte kurz, ich müsste noch seine Vase für die Blumen irgendwo herumstehen haben. Möchtest du kurz mit reinkommen und warten? Ist bestimmt angenehmer als draußen zu warten." Sie hielt die Tür offen damit das Mädchen ihr folgen konnte. Normalerweise lud sie nur selten andere in ihre privaten Räumlichkeiten ein. Joy drehte sich um und hantierte in den vollen Wandregalen herum. In denen fanden sich viele Bücher, Bilder, Muscheln und diverse Gegenstände wieder. Sie fand auf Anhieb eine große Vase, die verziert war mit schönen Zeichnungen. Joy drehte sich zu ihr um und sagte: " Hier die müsste passen. Aber das war noch nicht alles nicht wahr? Hast du irgendwelche Sorgen? Braucht ihr Hilfe? Du kannst mir alles erzählen." Sie sah sie ernst an. Joy hatte das Gefühl dass ihr etwas auf der Seele lag.


    Cora folgte Schwester Joys Einladung eher zögerlich. Schließlich handelte es sich hier um deren Privaträume. Die junge Rothaarige wusste nicht viel mit sich anzufangen, doch Joy brauchte glücklicherweise auch nicht lange, bis sie eine Vase gefunden hatte.
    Cora betrachtete das schmucke Exemplar und bedankte sich:
    "Die ist wirklich wunderschön, vielen Dank!"
    Der forschende Blick, den die Pokémonkrankenschwester aber kurz darauf aufsetzte, gefiel Cora allerdings gar nicht. Natürlich war die momentane Situation nicht ganz einfach. Aber das sollte sie vielleicht alleine klären. Die junge Frau wollte sich Joy nicht unbedingt offenbaren und so versuchte sie es zunächst ein wenig ausweichend:
    "Naja.. Äh... Das ist eigentlich keine große Sache und ich möchte nun wirklich nicht weiter ihre Freizeit stehlen."
    Joy freute sich dass der jungen Frau die Vase so gut gefiel. Diese war auch wirklich gut geraten. Dann nachdem Joy sie angesprochen hatte ob sie Probleme hatte oder Hilfe bräuchte, denn ihr kam es so vor als läge der jungen Frau was auf der Seele, verneinte diese dies größtenteils. Sie meinte dass es keine große Sache wäre und sie wolle nicht ihre Freizeit stehlen.
    Joy´s ernster Blick wurde danach weich und ein wohlwollendes Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie erwiderte: " Danke für deine Rücksichtnahme, aber glaube mir das macht mir nicht viel aus. Wie kann ich meine Freizeit genießen wenn jemand meine Hilfe braucht? Egal ob es sich um ein Mensch oder ein Pokémon handelt. Jeder braucht irgendjemand der für einen sorgt, sich kümmert oder auch nur mit einem redet. Ich erzähle es keinem weiter, wenn du mir was berichten willst. Du wirst dich besser fühlen. Aber es ist nur ein Angebot und es ist deine Sache ob du es annehmen willst oder nicht. Zwingen werde ich dich nicht. Du bist schließlich eine heranwachsende junge Frau und du hast das Recht fast alles zu tun was du möchtest."
    Schwester Joy machte es einem wirklich nicht leicht. Konnte sie nicht einfach so etwas sagen wie "Ja, ok. Dann gute Nacht"? Gleichzeitig drängte sie Cora zu nichts. Die junge Frau konnte nicht anders, als die Pokémonkrankenschwester schon allein für den letzten Satz zu mögen und zu achten. Was nun? Sollte sie vielleicht doch mit ihr sprechen? Wenn sie so darüber nachdachte, war es wahrscheinlich ganz gut, sich den Tag einfach von der Seele zu reden. Und dieser Frau vertraute Cora. Sie wusste einfach, dass Schwester Joy die richtige Person war, um über vieles zu reden.
    "Danke, das bedeutet mir viel", begann sie. "Naja, warum eigentlich nicht? Ich bin noch ziemlich geschafft von dem Tag. Sie kennen ja die Geschichte unserer Anreise. Das alleine hätte mir schon gereicht, aber es ist natürlich leider noch komplizierter. Die Gruppe scheint in ernste Schwierigkeiten verwickelt zu sein."
    Cora sah Schwester Joy ernst an.
    "Sie sagten ja, dass wir vorsichtig sein müssten, wem wir etwas anvertrauen und Sarah hatte mir von den Problemen mit der Polizei erzählt. Aber da ist irgendeine Verbrechergruppe im Spiel und die scheinen vor nichts zurückzuschrecken. Wenn Sie irgendwas wissen, was hilfreich wäre..." Sie unterbrach sich.
    "Nein ... Das müsste dann sowieso Sarah erfahren. Verstehen Sie, Schwester Joy. Ich kann da nicht mit. Ich belüge meinen Vater, damit er sich keine Sorgen macht und ich wüsste nicht mal wie - ..."
    Die junge Frau seufzte auf und fuhr sich durch das rote Haar.
    "Ich weiß einfach nicht, wohin ich gehen soll", stellte sie tonlos fest.


    Es fiel der jungen Frau nicht leicht sich zu öffnen, aber das verständlich, denn Joy war trotz allem eine Fremde. Ihr Anliegen schien die Gruppe zu betreffen mit der sie reise, um Probleme mit der Polizei und einer Verbrecherbande die diesen auf der Spur. Sie bat die Schwester ihr mit zuteilen was sie wusste um der Gruppe zu helfen, dann unterbrach sie sich und meinte dass es diese Sarah hören sollte, denn sie selber könne da nicht mitkommen. Sie müsse schon ihren Vater belügen, damit sich dieser keine Sorgen macht und sie sagte zum Schluss sie wisse nicht wohin sie als nächstes gehen soll?
    Alles an der jungen Frau strahlte Besorgnis und Angst aus. Das konnte Joy nachvollziehen. Sie überlegte ihre nächsten Worte und sagte dann: "Zuerst einmal möchte ich dir sagen, dass du nicht alleine bist. Vielen deiner Gruppenmitglieder machen sich Sorgen um das alles. Es ist verständlich. Was die Sache mit der Gruppe angeht, werde ich morgen noch was dazu sagen, aber du hast recht, es müssen alle mehr erfahren. Aber ich weiß auch nicht alles. Diese Geheimniskrämereien liegen mir nicht besonders. Nicht falsch verstehen, ich behalte diese für mich, aber es ist nicht gesund immer alles für sich zu behalten. Genauso wie dass keiner dem anderern traut. Manchmal muss man ein Risiko eingehen um weiter zu kommen. Was die Sache mit deinem Vater betrifft? Wieso musst du ihn anlügen? Genügt es ihm nicht zu wissen, dass du in Sicherheit bist und ihn liebst? Ich kann das nur schwer beurteilen. Wissen die anderen davon dass du vorhast sie zu verlassen? Was wenn ihnen was passieren würde, was Mew verhüten möge, würdest du dir Vorwürfe machen wenn du davon erfahren würdest? Das meine ich rein hypothetisch. Aber das weißt du ja." Sie lächelte ihr zu.
    Dann sagte sie: " Entschuldige ich wollte dir keine Angst einjagen, aber ich denke mir dass die anderen dir vertrauen und dein Wissen zu schätzen wissen. Wenn du sie Hals über Kopf verlässt dann ist das nicht gut für beide Seiten. Ihr braucht euch gegenseitig. Schlafe bitte nochmal darüber Bleibe solange bei ihnen bis ihr Faustauhaven wieder verlässt. Ich denke mir in Graphitport kann man leichter davon gehen als hier auf der Insel. Zudem habe ich gehört soll die Wetterstation hier sehr informativ sein und auch die Höhle ist immer eine Erkundung wert. Sonst haben wir hier nicht viel zu bieten. Na gut, den Arenaleiter gibt es noch, aber der hat auf seine Pflichten nicht wirklich Lust. Wenn man den Orden haben will, muss man eh hier solange ausharren und ihn im günstigen Moment erwischen. Der Kerl zu erwischen ist aber nicht einfach. Wie dem auch sei, schlafe nochmal darüber und morgen sieht die Welt schon ganz anders aus. Weiter kann ich dir in der Hinsicht auch nicht helfen. Gibt es sonst noch was, womit ich dir eine Hilfe sein kann?"
    Joy ließ sich einen Moment Zeit, bevor sie zu einer Antwort ansetzte. Während sie ihr zuhörte, fragte sich Cora gleichzeitig, ob a) ihre Entscheidung so gut gewesen war und b) sie wirklich gerade richtig hörte. Das war jedenfalls nichts, was die junge Trainerin erwartet hatte.
    Schon als es um die Gruppe ging, fühlte Cora sich unwohl. Gehörte sie denn wirklich dazu? Sie hatte nicht einmal vierundzwanzig Stunden mit den anderen verbracht und in dieser Zeit kaum mehr als eine Handvoll ihrer Mitglieder ein Stück weit kennengelernt. Es ging um mehr als nur einen spaßigen Trip durch die Region. Was band sie denn an diese Leute? Eine Pflicht zu helfen? Aber warum gerade sie? Die Teenagerin konnte nicht anders, als für einige Details ein wenig Unverständnis zu empfinden. Nichtsdestotrotz hatte Schwester Joy ein paar wichtige Dinge gesagt und Cora würde sich hüten, ihr ihre direkte Meinung an den Kopf zu werfen. Also antwortete sie ruhig, wenn auch vielleicht einen Hauch kühler:
    "Danke, ich werde über Ihre Worte nachdenken. Aber wenn ich meinem Vater die Wahrheit über den heutigen Tag und meine aktuelle Situation berichten würde, dann würde er sich viel zu viele Sorgen um mich machen. Und das würde bedeuten, dass nicht nur die Reise mit dieser Gruppe beendet wäre. Was den Arenaleiter angeht: Sie werden überrascht sein, aber ich sammle keine Orden. Das ist mir also völlig egal. Allerdings hatte ich so oder so vor, noch ein paar Tage auf der Insel zu bleiben. Ich denke, das war alles. Ich danke Ihnen für ihren Rat und die Hilfe. Die Gruppe wird sicher davon profitieren. Und jetzt will ich nicht weiter ihre Ruhe stören. Gute Nacht."
    Schwester Joy nickte.
    "Denk einfach noch einmal in Ruhe darüber nach. Danke, ich wünsche dir auch eine gute Nacht."
    Dann zog Cora sich behutsam aus dem Raum zurück. Ihr Kopf schwirrte noch von dem, was die Pokémonkrankenschwester ihr gesagt hatte. Sie würde wirklich Ruhe brauchen, um alles erst einmal zu ordnen und darüber nachzudenken. In der durch ihre Gedanken aufgewirbelten Stille ging sie den Flur entlang zurück, erklomm ein weiteres Mal die Treppe und machte noch einen kurzen Abstecher ins Badezimmer, um die Vase aufzufüllen. Leise schlich sie sich dann in ihr Zimmer und stellte die Blumen in ihrem neuen Gefäß auf den Tisch, der vom Mondlicht beleuchtet wurde. Dann kramte sie so geräuschlos wie möglich ein paar Dinge aus ihrem Rucksack, huschte noch ein weiteres Mal für ein paar Minuten ins Bad und konnte sich bald endlich in ihr Bett kuscheln. Die Müdigkeit übermannte Coras Gedankenströme schließlich und nach wenigen Minuten war die junge Pokémontrainerin eingeschlafen.



    So, nach diesem langen Abend darf Cora sich jetzt auch ihre Nachtruhe gönnen. Das Gespräch mit Schwester Joy gibt's dank freundlicher Unterstütung von @Destiny Moon dazu. Vielen Dank nochmal. :)  

    So, es ist Zeit, ist es nicht? ^^' Sorry an alle, die ewig lange warten mussten. Aber ich habe mir geschworen, diese Geschichte weiterzuschreiben, auch wenn's von Kapitel zu Kapitel - ähem - ein wenig dauert.
    Doch erstmal einen


    Achja: Warnung! Es kann zu fehlenden Leerzeichen kommen ;) .



    Unbarmherzig


    Unbarmherzig riss der Gong Cizan aus dem Schlaf. Während der junge Mann noch müde stöhnte, sprangen die anderen neben ihm von ihren Lagern auf. Ihre hektischen Schritte dröhnten über den Holzboden und holten Cizan vollends in die Realität zurück. Er rieb sich den Schlaf aus den Augen und stemmte sich wie in Zeitlupe von seinem Schlafplatz hoch. Der Raum hatte sich schon größtenteils geleert, nur hier und da blinzelten noch verschlafene Gesichter in den neuen Tag. Es waren die Rekruten, die am Abend vorher mit Cizan angekommen waren. Wenn die anderen schon weg waren, hieß das wahrscheinlich, dass er sich beeilen sollte. Also raffte der junge Mann sich auf, zog sich an und trottete wenig später ebenfalls in den Gang hinaus. Der Gong bedeutete Essenszeit, das fiel ihm schnell wieder ein. Aber wo war nochmal der Speisesaal? Cizan versuchte sich die Worte des Hauptmanns ins Gedächtnis zu rufen.
    Was hat Ima gesagt? Gong, Morgenmahl. Dann ein Gong zur Mittagspause. Nein – jede Mahlzeit beginnt und endet mit dem Gong. Morgenmahl, Mittagsmahl, Abendessen. Drei Mahlzeiten.
    Er seufzte. So richtig wach war er noch nicht. Eine Stimme schreckte ihn aus seinen Gedanken auf:
    „Na, schläfst du noch?“ Ein breitschultriger junger Mann marschierte an ihm vorbei und nickte ihm zu. „Komm, machen wir hinne. Sonst ist am Ende kein Essen mehr für uns übrig.“ Er lachte und ging die Treppe hinunter. Cizan ließ sich das nicht zweimal sagen und folgte ihm.
    Der Speisesaal war bereits gerammelt voll. Essensdunst und Stimmengewirr schlugen Cizan entgegen, als er nach dem Breitschultrigen die Halle betrat. Auch hier hatten die Hauptleute dafür gesorgt, dass alle Soldaten in ihren jeweiligen Altersgruppen zusammensaßen. Sah man genauer hin, war erkennbar, dass die älteren Krieger die Tische im rechten Teil des Raumes belegten und sich links die jüngsten tummelten. Die Frauen und die Hauptleute waren die Einzigen, die von dieser Aufteilung ausgenommen waren. Aber das lag vermutlicherweise daran, dass sie schlichtweg viel weniger Leute zählten. Während seines Weges durch die Halle sah der junge Mann sich nach dem Tisch um, wo die anderen Jungen aus seinem Schlafraum sitzen mussten. Nach kurzem Suchen hatte er ihn erspäht und freie Plätze gab es zum Glück auch noch.
    Der Mann an der Essensausgabe hatte definitiv schon mehr als fünfzig Sommer gesehen. Er kratzte sich unter dem Stoffband, das seine grauen Locken im Zaum hielt und sah zu den Soldaten auf. Mit ein paar geübten Handgriffen schnappte der Alte zwei Teller und belud sie mit Eiern, Bohnen sowie etwas, das aussah wie Getreidebrei. Das schob er über die dunkle, hölzerne Theke. Nur wenig später folgten je ein großer Krug mit Wasser nebst Messer, Gabel und Löffel.
    "Habt Dank", richtete sich Cizan an den Grauhaarigen und nahm das Essen entgegen. Dieser hob kurz die Augenbrauen. Dann schlich sich für einen Moment ein Schmunzeln auf sein Gesicht. Mit einem heiseren Lachen erwiderte er:
    "Ich tu dir deswegen nicht mehr drauf. Aber sag das ruhig immer wieder. Dann glaub ich vielleicht wieder an Zeichen und Wunder."
    Cizan war sich nicht ganz sicher, was er darauf antworten sollte. Also nickte er nur und balancierte sein Frühstück zu den Tischen der Jüngeren, wo sich bereits eifrig darüber unterhalten wurde, was sie an diesem Tag wohl erwarten würde.


    Nach dem Morgenmahl versammelte Lord Naer seine neuen Schützlinge auf dem Hof am Nordturm. Neben Cizan gehörten noch neun andere Jungen zu der Gruppe. Bis auf einen waren sie allesamt jünger als er. Einige schienen gerade mal fünfzehn Jahre alt zu sein. Der Lord sparte sich eine aufwändige Begrüßung und kam gleich zur Sache:
    „Aufgepasst, Rekruten! Wir fangen heute mit einem Lauf entlang der Festungsmauer an. Ich teile euch in zwei Gruppen. Die, die als letzte ankommt, wird mit dem Mittagsgong eine weitere Runde laufen müssen. Schlagt euch gleich aus dem Kopf, eine Abkürzung nehmen zu wollen. Auf die Idee sind schon andere vor euch gekommen und haben gemerkt, dass das keine kluge Entscheidung war.“
    Wie will er das überprüfen?, überlegte Cizan. Ist aber wahrscheinlich besser für mich, wenn ich nicht versuche, das rauszufinden. Der Lord würde schon seine Vorkehrungen getroffen haben.
    „Naer eins, drei, fünf, sieben und neun. Ihr bildet eine Gruppe. Naer zwei, vier, sechs, acht und zehn. Ihr seid Gruppe zwei. Auf mein Signal lauft ihr los“, beendete der Hauptmann seine Erklärung. Dann hob er den Arm.
    „Fertig!“ Die Stimme des Lords schien die Luft zu zerschneiden.
    „Los!“ Wie eine Herde aufgeschreckter Tiere stürzten die jungen Rekruten davon.
    Die Übung brachte ihnen gleich die erste Lektion bei: Das Gelände der Festung Brekan war groß. Sehr groß. Die Runde erschien wie eine Ewigkeit und einige der Jungen hatten sich am Anfang etwas übernommen. Schwer atmend kamen sie wieder beim Nordturm an. Einige von ihnen waren kurz davor, schlapp zu machen. Cizan war erschöpft, aber erleichtert. Lord Naer verkündete mit dem Eintreffen des Letzten, dass die zweite Gruppe zuerst komplett angekommen war und somit keine Extra-Runde aufgebrummt bekam. Dann gebot er den Rekruten, ihm zu folgen. Sie marschierten über den Hof und kamen an einigen abgegrenzten Arealen vorbei. Dies schien der Ort zu sein, wo die Soldaten trainierten. Man sah Krieger, welche diverse Nahkampftechniken ein ums andere Mal wiederholten, eine Bahn für Reiter, aber auch eine Riege Bogenschützen, die ihre Pfeile in mit Stroh ausgestopfte Puppen jagten.
    Ihr Ziel war einer dieser Übungsplätze. Würden sie heute etwa schon mit dem Kampftraining beginnen? Cizan konnte zumindest Waffenständer mit Schwertern erkennen. Ein paar Exemplare bestanden offenbar aus Holz und waren vermutlich nur für Grundübungen gedacht. Daneben entdeckte der junge Mann aber auch echte Schwerter und einige Schilde. Sobald die Jungen sich aufgereiht hatten, begann Lord Naer mit einigen harsch gebellten Anweisungen:
    „So, Rekruten. Ab heute habt ihr zwei neue beste Freunde: Euer Schwert und euren Schild. Je besser ihr damit umgehen könnt, desto länger lebt ihr auch.“ Er ging zu den Waffen und nahm zwei der Holzschwerter. Dann stellte er sich wieder vor der Gruppe auf.
    „Naer Nummer sieben!“
    „Jawohl, Hauptmann“, antwortete ein schmächtiger Junge direkt neben Cizan. Der Lord nickte und hielt ihm eins der Schwerter hin.
    „Hier, nimm das.“ Der Rekrut war offensichtlich ein wenig verunsichert, befolgte aber die Anweisung seines Vorgesetzten.
    „Jetzt greif mich an“, befahl dieser. Einen Moment zögerte der Junge. Dann hob er die Waffe, holte aus und schlug nach dem Soldat vor ihm. Dieser schritt elegant beiseite und trat dem Angreifer gleich darauf das Schwert aus der Hand.
    „Zurück in die Reihe, Nummer sieben“, wies er den Rekrut an. Als der bedröppelte Schüler sich wieder eingeordnet hatte, fuhr er fort:
    „Wie ihr seht gibt es einen Unterschied zwischen Kämpfen und mit dem Schwert herumfuchteln. Ich werde euch heute mit einigen Grundtechniken vertraut machen. Die werdet ihr bis zur Mittagspause üben. Danach kommt ihr wieder hierher zum Trainingsplatz und macht damit weiter.“
    Er ließ seinen Blick kurz auf den jungen Männern ruhen.
    „Verstanden?“
    „Jawohl, Hauptmann“, kam es halbwegs einstimmig, wenn auch verbesserungswürdig von den Rekruten. Für den Lord war das auf keinen Fall gut genug.
    „Hören sich so etwa Krieger an? Ihr seid hier bei der Armee! Wenn ihr euch weiter so benehmt wie ein Haufen Bauerntölpel, dann werdet ihr auf dem Schlachtfeld keine fünf Minuten überleben!“, brüllte er. „Habt ihr mich verstanden?“
    „Jawohl, Hauptmann!“ Das war wesentlich zackiger gewesen. Doch auf dem Gesicht des Ausbilders ließ sich kein Zeichen von Anerkennung entdecken. Seine Miene blieb eisern.
    „Es wird nicht herumgetrödelt! Der Letzte, der nach dem Mittag wieder hier ankommt, putzt heute Abend die Latrine“, kündigte er an. Es war mittlerweile allen klar, warum die anderen Soldaten sich ständig so beeilten.
    Den ganzen Vormittag über lernten Cizan und die Anderen, wie man richtig stand, das Schwert korrekt hielt und wie man es führte. Das wiederholten sie bis zum Erbrechen. Pausen gab es nur, wenn der Lord etwas erklärte. Mit dem erlösenden Mittagsgong räumten die gebeutelten Schüler ihre Trainingsgeräte auf und trabten zum Nordturm.


    Am Nachmittag setzten die Rekruten dort an, wo sie aufgehört hatten. Lord Naer prüfte, wie gut sie die neuen Techniken bereits anwendeten.
    „Naer drei, dich pustet der nächste Windhauch um“, kommentierte er die Standfestigkeit eines blonden Jungen. Mit einem gekonnten Schlag brachte der Ausbilder seinen Schüler aus dem Gleichgewicht und schickte ihn zu Boden.
    „Aufstehen und nochmal! Die Beine parallel!“ Der Junge presste die Lippen zusammen und stemmte sich wieder hoch. Dann versuchte er es erneut – nicht ohne ein weiteres Mal von dem Hauptmann zusammengestaucht zu werden.
    „Nennst du das etwa parallel?!“
    Es gab fast keinen Rekruten, an dem der Lord nichts auszusetzen hatte. Cizan gab sein Bestes, alles so auszuführen, wie er es von dem alten Meister gelernt hatte.
    „Du beugst dich zu weit vor, Nummer acht.“ Sofort korrigierte der junge Mann seine Haltung und hoffte, das würde seinen Lehrer zufriedenstellen.
    „Besser“, war dessen Bewertung, während er sich Nummer neun zuwandte.
    Am Ende des Tages war Cizan völlig fertig. Das Training war anstrengend und fordernd gewesen. Seine Muskeln brannten. Wie ein Sack Mehl schleppte er sich mit den anderen zum Abendessen. Es gab abermals einfache, nahrhafte Kost. Doch nach einem harten Tag schmeckte jedes Essen gut genug. Das war für den Bauernsohn ohnehin nichts Neues. Ähnlich verhielt es sich mit dem Schlafplatz.
    „Hey, fehlt da nicht einer?“, fragte irgendjemand in die Runde, während Cizan sich seine Decke überwarf.
    „Angis muss doch noch Latrine putzen“, erwiderte ein anderer Rekrut.
    „Ach ja, stimmt ja. Na hoffentlich wäscht er sich danach nochmal.“ Vereinzeltes Gelächter kam auf, ebbte jedoch schnell wieder ab.
    „Armes Schwein“, seufzte ein Junge.
    Es wurde schnell recht ruhig im Schlafsaal. Nur hier und da waren ein paar leise Gespräche zu hören. Cizan blendete sie aus. Er war hundemüde. Der Tag war wie im Flug vergangen. Wie seltsam sich das alles anfühlte. So unwirklich, als würde es gar nicht ihm passieren. Gerade eben noch war die Welt normal gewesen und nun? Jetzt war er hier, lernte zu kämpfen, weit weg von Zuhause. Die Aussicht auf Rückkehr war ungewiss.
    „Mama, Vater, Josa. Wahrscheinlich sehe ich euch nie wieder!“ Ein Teil von ihm wollte das nicht akzeptieren. Es sollte nicht wahr sein!
    Vielleicht -“, flüsterte er. „Vielleicht kann ich es schaffen. Wenn ich überlebe, kann ich zurückkehren. Ich muss es wenigstens versuchen.“ Das war eigentlich ein lächerlicher Gedanke. Doch es war auch das Einzige, was Cizan blieb. Mit diesem Gedanken im Herzen schloss er die Augen und nur einen Moment später hatte der Schlaf ihn übermannt.

    Larvitar blickte zum Tisch hoch und sah, dass seine Trainerin gerade am einschlafen war. Wie unhöflich! Ihre Tischnachbarin war doch so lieb und hatte ihr Gesellschaft geleistet und jetzt ignorierte sie sie einfach? Das konnte der Traditionalist nicht so stehen lassen und liess seine kleinen Knöchel leise knacksen, bevor er sich in Stellung begab und gerade einige unsanfte Steine in die Richtung seiner Trainerin schleudern wollte. Das hatte letztes Mal so gut geklappt - als Amber plötzlich die Augen aufriss.
    Das Anstubsen hatte sie erschreckt und sofort riss sie die Arme schützend über ihren Kopf um nicht von den Steinen getroffen zu werden.
    ... Aber da waren keine Steine. Amber blinzelte durch ihre Schutzmauer hindurch und konnte unter dem Tisch Larvitar sehen, der sich die kleine Pfote vor die Augen hielt und peinlich berührt den Kopf schüttelte.
    Sie drehte sich um und erblickte Cora. Erleichtert liess sie ihre Arme sinken und lächelte dankbar: "Entschuldige, bin wohl kurz eingeschlafen. Ich hatte schon mit dem Schlimmsten gerrechnet ..."
    Sie strich sich etwas verlegen durch die Haare und über ihren Zopf und lächelte: "Bin dir was schuldig!"
    Dann machte sie anstalten sich zu erheben, wurde aber von einer Schwärze begrüsst, die sie so schon lange nicht mehr erlebt hatte. Sie liess sich sofort zurück auf den Bank gleiten und hielt sich die Hand an den Kopf. Die Erschöpfung hatte sie nun endgültig eingeholt. Jede Faser ihres Körpers fühlte sich schwer und ausgelaugt an. Sie konnte sich nur noch mit Mühe gerade am Tisch halten und wusste es würde ein Krampf werden in ihr Zimmer nach oben zu kommen.
    Ein leiser Fluch verliess ihre Lippen. Ihr Gesteins-Pokémon war an ihrer Seite, blickte sie mit leisen Fiep-Lauten besorgt an und stützte seine Partnerin so gut es seine Grösse zu liess. Beinahe hätte er einen Fehler begangen. Seine Traditionsliebe hätte beinahe seiner Partnerin geschadet. Er musste Amber in's Bett bringen. Entschlossen wandte sich das grüne Wesen an Cora und begann sie flehend anzu sehen. Mit einem fragenden Geräusch wollte er auf die Probleme seiner Trainerin aufmerksam machen.


    Amber schreckte hoch, ein wenig heftiger als erwartet. Aber wie ihre Antwort zeigte, hatte sie natürlich zuerst eine Salve Steine vermutet. Da war ihre Reaktion nur verständlich. Sie hatte sich recht schnell wieder entspannt. Trotzdem konnte man der jungen Frau ansehen, dass ihr das Ganze etwas peinlich war.
    "Ach Quatsch, dafür bist du mir doch nichts schuldig", antwortete Cora ihrerseits mit einem Schmunzeln. Dieses verwandelte sich jedoch im nächsten Moment in Besorgnis, als Amber aufzustehen versuchte. Die zierliche Frau schien für einen Augenblick desorientiert und sank gleich darauf zurück auf ihren Sitzplatz. Es sah allerdings nicht so aus, als ob sich ihr Zustand dadurch großartig besserte. Vermutlich hatte sie bis zu diesem Zeitpunkt ihre Reserven mobilisiert, um die Erschöpfung zurückzuhalten und nun war Ende im Gelände.
    Oh, oh, dachte Cora bei sich. Sie ist ja wirklich völlig fertig. Amber brauchte dringend Ruhe, das konnte man ihr ansehen. Sie hatte das wohl auch realisiert und war offenbar nicht unbedingt glücklich damit. Ein Fiepen lenkte den Blick der rothaarigen Trainerin nach unten auf das Larvitar. Der Ausdruck auf seinem Gesicht hatte sich geändert. Es sorgte sich wahrscheinlich ebenfalls um Amber. Cora setzte ein ermutigendes Lächeln auf und wandte sich dann an Amber.
    "Hey, geht's dir gut?", wollte sie wissen. "Brauchst du vielleicht Hilfe?"


    Larvitar deutete Amber sich nach oben zu orientieren. Die blonde Frau wandte sich nach oben und erblickte die etwas besorgten Seelenspiegel von Cora.
    Mit Mühe konnte sie die gesprochenen Worte von den Lippen der besorgten Kollegin ablesen und atmete geschlagen aus.
    "Etwas Hilfe wäre evtl nicht schlecht ..."
    Die Kleine strich sich nochmals übers Gesicht und versuchte neue Kraft zu schöpfen. Sie drehte sich etwas ab und stemmte ihre müden Glieder hoch. Mit der Gewissheit, jemanden da zu haben, der ihr Helfen würde, konnte sie die aufrechte Position einige Sekunden lang halten. Ihre braunen Rehaugen blickten müde und unfokusiert in Coras Richtung und sie versuchte ein entschuldigendes Lächeln. Ein leises "Tschuldigung" verliess ihre kratzende Kehle und sie lehnte sich erschöpft an ihre Rothaarige Rettung. Larvitar stützte seine Trainerin so gut er konnte an ihren Beinen und versuchte trotz seiner kleinen Körpergrösse eine Hilfe zu sein. Entschlossen sich nützlich zu machen, deutet er Cora an, ihm zu follgen. Das grüne Wesen wusste schliesslich welches Zimmer die Blonde bezogen hatte.


    Amber bejahte ihre Frage und so zögerte Cora nicht lange. Als ihre Tischnachbarin sich ein weiteres Mal hochstemmte, stützte die rothaarige Trainerin sie. Langsam half sie ihr dann, vom Tisch aufzustehen. Ambers Kraftlosigkeit schlug sich ebenfalls in ihrer Stimme nieder und so konnte Cora die leise gemurmelte Entschuldigung kaum verstehen. Nicht ganz so souverän wie gewollt, aber dafür trotzdem bemüht bugsierte sie ihre müde Begleitung und sich zur Tür. Larvitar kam mit ihnen und zeigte mit einer Geste an, dass es offenbar wusste, wohin genau es gehen sollte. Zuersteinmal mussten sie es aber sowieso hinaus, durch den Flur und vor allem nach oben schaffen.
    Warum liegen die Zimmer eigentlich nochmal im ersten Stock?, fragte Cora sich und seufzte in Gedanken auf. Aber egal, das war ja kein unüberwindbares Hindernis. Es dauerte nur seine Zeit.
    Naja, wir sind ja nicht auf der Flucht, dachte die junge Trainerin, korrigierte sich aber gleich. Obwohl... Nun, nicht mehr so ganz zumindest. Dann fokussierte Cora ihre Konzentration auf das Ziel, sich und Amber die Treppe hinaufzubringen und es der blonden jungen Frau so leicht wie möglich zu machen. Nach einiger Anstrengung hatten sie es jedoch geschafft. Jetzt war Ambers Partner gefragt.
    "Ok, Larvitar. Wo geht's jetzt lang?"

    Amber konzentrierte sich darauf nicht zu stolpern und schaffte dies zum Glück auch dank Coras Hilfe. Sie hatte ihre Augen stellenweise für einige Sekunden geschlossen und verliess sich zu 100% auf die Rothaarige. Larvitar wartete schon oben auf der Treppe und als Cora ihn dann ansprach, ging er, langsam so dass die Beiden ihm ohne Mühe follgen konnten den Flur entlang und ging in Ambers zuvor ausgesuchtes Zimmer hinein. Das grüne Pokémon orientierte sich in Sekundenbruchteilen und sah Mikaels-Pullover, den Amber feinsäuberlich über die Bettpfosten gelegt hatte und steuerte darauf zu. Amber erkannte ihr Zimmer und ein erleichtertes Seuzfen kam etwas kratzig über ihre Lippen. Dakbar liess sie sich auf das Bett niedersinken und öffnete ihren Mund um Cora zu danken.
    Ein krächtzen verliess ihre Kehle, das mit etwas Fantasie als "Danke!" zu übersetzen war. Larvitar räusperte sich vernehmlich und verbäute sich tief vor der jungen Frau, die seine Partnerin eben noch unterstützt hatte. Das kleine Gesteinspokémon kniff die Augen zusammen und gab einen hohen fiependen Laut von sich. Auch das war als ein Danke zu verstehen. Amber fielen immer wieder die Augen zu, aber sie bemühte sich nicht einfach in die einladende Schwärze zu entgleiten.


    Larvitar lief schon voraus und signalisierte Cora so, wo es langging. Sie folgten dem kleinen Gesteinspokémon durch den Flur des Obergeschosses. Amber verließ sich scheinbar völlig auf sie. Es war schon fast rührend und zugleich ein wenig seltsam für Cora. Gut, es war nicht viel dabei, mal jemanden ins Bett zu bringen, der sehr müde war. Aber die Art wie die zierliche, blonde Frau ihr vertraute, machte sie nachdenklich. Die junge Trainerin wusste, dass sie das wahrscheinlich nicht so einfach gekonnt hätte.
    Als sie das Zimmer betraten, kam wieder ein wenig mehr Regung in Ambers Körper. Die junge Frau ließ sich auf ihr Bett sinken und wollte offensichtlich etwas sagen. Ihre Stimme hatte nicht mehr wirklich Kraft, doch es war auch so verständlich, worum es ging. Das Larvitar untermalte das zusätzlich noch.
    "Hey, keine Ursache. Jetzt ruh dich erstmal aus", sagte Cora. "Brauchst du noch irgendwas?", wollte sie dann wissen. So wie Amber aussah, würde sie gleich im Sitzen einschlafen.


    Amber war so müde, sie hatte beim besten Willen keine Ahnung, was Cora noch sagte, sie kniff die Augen zusammen, blinzelte einige Male und gab sich die grösste Mühe von Coras Lippen zu lesen, doch es wollte nicht klappen. Sie merkte, dass sie sich etwas vor gebäugt hatte um die Lippen ihres Gegenübers besser sehen zu können. Dies korrigierte sie nun und versuchte sich die paar Centimeter wieder auf zu richten.
    Larvitar hatte es in der Zwischenzeit aufs Bett geschafft und schüttetle so gut es eben ging das Kopfkissen aus. Dann begann es an der Decke zu ziehen um sie unter Amber hervor zu holen.
    Diese lächelte überrascht, erhob sich etwas und wollte Cora signalisieren, dass alles gut war. Bevor sie sich versah, hatte sie ihre Hände zu Hilfe genommen und Danke Cora nochmals.
    Die Finger ihrer rechten Hand berührten ihn Kinn als sie begann das Wort mit ihren Lippen zu Formen - ohne Ton. Dann bewegte sie ihre Hand in einer geübten, eleganten Geste nach unten, sodass ihre Handfläche nun nach oben zeigte und ihre Hand in Coras Richtung. Sie realisierte es erst nicht dass es Gebärdensprache war - dann fiel ihr ein, dass die wenigsten Menschen fliessend waren in Gebärden, deswegen versuchte sie es nochmals, dieses Mal mit einem bekannteren Zeichen. Ihr Daumen berührte ihren Zeigefinger, so dass ein kleiner Kreis enstand und die anderen Finger ihrer Hand spreitzte sie leicht von ihrer Hand weg. Dabei formt sie Okay - und lächelte matt.
    Das würde hoffenltich besser funktionieren.
    Larvitar hatte es in der Zwischenzeit geschafft die Decke zurück zu schlagen und drängte Amber sich hin zu legen.


    Es dauerte einen Moment, bis Amber auf ihre Frage reagierte. Sie machte ein Handzeichen, das Cora allerdings wenig sagte. Das war ein wenig verwirrend, doch kurz darauf folgte ein weiteres, dass der rothaarigen Trainerin mehr sagte. Alles okay also. Und wie sie sah, hatte Amber auch einen fleißigen Helfer an ihrer Seite, der bereits mit einigem Eifer das Bett zurechtmachte. Das war irgendwie ziemlich knuffig, aber Cora hütete sich, das zu sagen. Nun, das bestätigte, dass ihre Mission hier beendet war. Sie würde nun der müden, jungen Frau ihre Nachtruhe lassen.
    "Wie ich sehe, bist du gut versorgt. Na dann gute Nacht, ihr zwei." Mit diesen Worten erwiderte Cora Ambers Lächeln, wandte sich dann um und verließ den Raum.


    Als Amber Coras Lächeln sah und dann noch wie sich die junge Frau umdrehte, konnte sich Amber nicht mehr aufrecht halten und sackte in die Kissen. Sie blickte nocheinmal dankbar zu Larvitar und war auch schon im Land der Träume angekommen.
    Larvitar deckte seine Partnerin liebevoll zu, strich ihr über die Wange und seuftzte leise. Er hatte heute dank seines Gestins-Wesens nicht wirklich viel ausrichten können. Was fiel den blöden Wasser auch ein, einen so riesigen Ozean zu bilden ...
    Das kleine grüne Wesen legte sich dicht neben seine Partnerin und machte ebenfalls seine Augen zu um Ruhe und Erhohlung zu finden. Er müsste stärker werden und seine Wasser-Angst überwinden.


    OT: Hey, ihr Lieben! Damit hat sich erfüllt, was @Nerubina bereits angekündigt hat: Hier kommt unser Partnerpost. ^-^ Euch noch einen schönen Rest vom dritten Advent! :)  

    Einerseits schien normaler Tagesbetrieb zu sein, als Kiandi durch den Flur schritt. Und das war auch irgendwo so. Trotzdem konnte sie spüren, wie sich die Stimmung seit Alicias Ankündigung verändert hatte. Doch für die Erleuchtete floss alles um sie herum dahin und war nebensächlich. Sie konnte nicht anders, als es auszublenden, weil andere Gedanken sie gefangen hielten. Der Kloß aus Sorge und Angst vor dem, was sie erwarten würde (und einer gewissen Unzufriedenheit, dass sie es nicht wusste) wollte nicht gehen. Trotzdem hatte Kiandi sich bisher nicht getraut, Alicia noch einmal anzusprechen und nach genaueren Details der Vision zu fragen. Auch das machte sie unzufrieden. Aber es nützte nichts. Vielleicht wollte ein Teil von ihr auch gar nichts wissen. Dieser fürchtete sich, davon überrollt zu werden. Kiandi fröstelte. Warum konnte sie ihren Kopf nicht einfach leer machen? Das Mädchen wusste, dass ihr diese ganzen Sorgen nicht helfen würden. Doch Wissen allein reichte eben nicht.
    Sie stieß die Tür zu ihrem Zimmer auf. Ihr schönes, helles, sauberes und gemütliches Zimmer. Es schien ihr immer noch unwirklich. Kiandi griff sich Mitchs Rucksack. Aber was sollte sie eigentlich mitnehmen? Sie hatte ja nichtmal viel. Und was würde sie überhaupt brauchen?
    Na toll, dachte sie und schloss kurz die Augen. Da wollte ich den Kopf leer haben und es funktioniert genau im falschen Moment.
    Die junge Erleuchtete versuchte sich zu konzentrieren und scannte den Raum. Dann musterte sie den momentanen Inhalt des Rucksacks und entschied sich einen Moment später dafür, noch einmal Ersatzklamotten und eine leichte Jacke mit einzupacken. Man wusste ja nie. Dazu gesellte sich kurz darauf eine frisch aufgefüllte Plastikflasche, die neben der noch immer unangerührten Tüte "Mr. Frog" platznahm. Kiandi hatte es bisher immer noch nicht übers Herz gebracht, die Süßigkeiten anzureißen. Vielleicht war das umso besser, das konnte ihr auf der Fahrt möglicherweise helfen.
    Nachdem sie alles verstaut hatte, warf sich die Fünfzehnjährige den Rucksack über die Schulter, verließ das Zimmer und trabte nach unten auf den Hof. Der zitronengelbe Bus war nicht zu übersehen. Als Kiandi sich näherte, bemerkte sie, dass sich schon einige andere Erleuchtete auf den Sitzen niedergelassen hatten. Die meisten Gesichter hatte sie zwar schon hier und da mal gesehen, doch noch kannte sie keinen von ihnen wirklich. Sollte sie sich zu jemandem setzen? Ein wenig Gesellschaft könnte ihre düsteren Gedanken womöglich ein wenig erhellen. Doch auch hier traute sie sich noch nicht so richtig. Kiandi wollte ihre Anwesenheit niemandem aufzwingen. Deshalb entschied sie sich für einen leeren Platz am Fenster hinter einem bereits belegten Sitz. So würde die junge Frau den anderen nicht zu sehr auf die Pelle rücken, war aber immer noch in der Lage, ein Gespräch anzufangen. Und neben sie konnte man sich auch noch setzen.


    OT: So, Kiandi ist sehr sozial und sucht erstmal keinen Kontakt. Die Möglichkeit ist aber auf jeden Fall da. ^^ Habe erstmal noch nicht spezifiziert, wo genau sie sitzt. Bin also flexibel, was Konversationen angeht.

    @Nerubina und ich sind grade bei nem Partnerpost. Der Plan ist, dass Cora erstmal Amber nach oben begleitet und dann wieder runtergeht, um noch mitzuhelfen. Also ihr braucht nicht auf Cora zu warten, sie kommt dann irgendwie dazu, wenn noch Unterstützung benötigt wird. :)