Beiträge von Tamamo no Mae

    Hey na :3 Vielen Dank für das Kommentar!
    Elaine ist wirklich eine tragische Heldin, da werden noch einige Dinge für die arme Schoko-Lanie passieren, die ihr kleines Miezenherzchen belasten, buhuhuhu;w;. Ich kann das jetzt nicht zitieren, aber (gut, die Geschichte streckt sich schon eine Weile) irgendwo wurde mal gesagt, dass diese Sphinx tödlich verwundet wurde. Sie wird nicht mehr zurückkehren, lediglich ihren Körper hat Yomi in dem Kristall schützend versiegeln, die Seele jedoch, die ist nun woanders, wo man auch wirklich raten kann, wo. Btw sie heißt Setsuna. .3. Übernächstes Kapitel wird das aber wieder wichtiger, erstmal jedoch das Nächste!



    Kapitel XXI: Crime and Escape




    Nachdem es mir nicht nur gelang, Tsoonys kleines, glitzerndes Geheimnis zu enthüllen, sondern mich auch irgendwie ein bisschen mehr mit ihr anzufreunden, stand schon bald der nächste Auftritt der Kaminaris an. Statt der großen Izakaya-Kneipe diente diesmal ein anderer, eher an einem Stadtrand befindlichen Ort als Bühne für die Musiker, doch an Besuchern mangelte es auch hier nicht. Das alte Inn an der Zollstraße war zwar von offizieller Seite schon lange aufgegeben worden, doch das machte es für die nächtliche Nutzung nur noch attraktiver. Das dunkelbraune Holzgebäude verfügte über zwei Stockwerke, von denen das Obere jedoch abgesperrt war, um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten. Saki hatte mich an diesen Ort eingeladen und war bereits fleißig Sake und Umeshu am schlürfen, während ich mich auf eine ranzige Tatami-Matte legte, um mit dem Blick an die Decke bei der energiegeladenen Shamisen- und Koto-Musik zu entspannen. Zwielichtige Gestalten waren in dieser Menschenmenge allemal dabei, von lüsternen Kaufleuten bis hin zu feierwütigen Prostituierten, die es mir allerdings immerhin ersparten, hemmungslos alle Hüllen fallen zu lassen. Doch nicht jeder schien vorrangig wegen der Musik oder den alkoholischen Getränken an diesem Ort eingetroffen zu sein, denn lautes Herumgekeife aus allen Richtungen signalisierte meinen ausgezeichneten Katzenohren, dass sich einige dieser „sketchy guys“ wohl in der Wolle lagen. Mittlerweile hatte sich auch Saki nach einem kleinen Tänzchen neben mir niedergelassen, doch sie schnellte nach kurzer Zeit wieder hoch, um ihren Blick auf ein Paar Streithähne zu richten.
    „Saki-chan, leg dich doch wieder hin. Lass uns dieses Erlebnis nicht von diesen Chaoten verderben“, flüsterte ich ihr liebevoll zu, doch die Brünette packte stattdessen meinen Arm, um mich als Unbeteiligte in dieses Schlamassel mit hinein zu ziehen!
    Der Grund lag eigentlich auf der Hand: „Erkennst du die Stimme nicht? Das dahinten, das ist Shuzo! Mein Bruder!“ Tatsächlich war es Shuzo, der in eine Streiterei verwickelt war, doch es war nicht sein bulliger Körper, der gegen die Holzwand gepresst wurde. Stattdessen war er es, der mit einem silbernen Kunai vor einem großen, aber schmächtigen Kerl herumfuchtelte und ihm gerade die Leviten ließ. Von dem netten Mann, mit dem ich vor einiger Zeit noch Messerwurf trainiert hatte, war in dieser Szene nichts zu erkennen. Zwar verstand ich nicht, was Sakis Bruder dem Fremden zuknurrte, doch er klang sehr verärgert!
    Trotzdem interessierte es mich, worum es ging: „Was ist das Problem, Saki-chan?“
    „Dieses Zeug wird aus Mohn gewonnen und hat die Leute im Reich der Drachen schwach gemacht. Hier ist es nicht verbreitet und mein Bruder erhofft sich, über eine Monopolstelle einen guten Batzen Geld anhäufen zu können. Oder hast du ernsthaft gedacht, dass Ninja heutzutage noch ein Beruf ist?“, erklärte mir die Brünette mit einem schelmischen Grinsen: „Und dieses Geld werde ich mir schon bald zunutze machen können.“
    „Du willst das Geld klauen?“
    „Nein, nicht klauen, doch nicht meinen eigenen Bruder! Ich werde es mir … leihen … ausborgen! Dann werde ich eine englische Handelscrew bestechen und wir können abhauen von hier!“
    „Ich habe gehört, dass der Kaiser einige junge Leute in den Westen schicken möchte, damit sie so viel Wissen wie möglich aufsaugen, wäre das nichts für ...“
    „Ausschließlich Männer! Wäre ja zu schön gewesen, aber da haben wir keine Chance.“
    Mit einem kräftigen Stoß beförderte Shuzo seinen Kunden an die Wand, sodass dieser beinahe mit dem Rücken diese hinabrutschte. Ganz mundtot war er noch nicht, denn es gelang ihm immer noch, einige abscheugetränkte Wörter auszuspeien, die Sakis Bruder zum sofortigen Umdrehen bewegten. Noch einmal am Yukatakragen gepackt und dann auf eine weitere Reise geschickt, machte der Strich in der Landschaft nun endgültig Bekanntschaft mit dem Erdboden. Meine Ohren waren angewinkelt, denn mir behagte es nicht, wie Shuzo auf dem offensichtlich Schwächeren herumhackte.
    Also trat ich vor und beschwerte ich mich: „Lass ihn in Ruhe! Er hat seine Lektion gelernt, glaubst du nicht?“
    „Nein! Er hat seit drei Wochen versäumt, seine Hausaufgaben in einfachster Händlermathematik abzugeben.“, raunte der kräftige, bärtige Ninja mich mit zusammengekniffenen Augen an. Ihm schien das Ganze sehr wichtig zu sein.
    „Vielleicht hat er einfach kein Geld!“
    „Dann soll er sich nichts bei mir kaufen, so einfach ist das!“
    „Wieso gibst du ihm dann trotzdem das Zeug? Willst du auf die Zinsen warten?“
    „Ja. Im Gegensatz zu ihm kann ich auf irgendetwas warten. Schau dir dieses Weichei doch an. Haben, haben, haben, aber sich nicht an einfachste Regeln halten ...“
    Mein bislang vorwurfsvoller Ton färbte sich nun aber endgültig in ein verärgertes Fauchen um: „Natürlich kann er nicht warten, wenn du Leute in Drogenabhängige verwandelst, nur um Profit da rauszuziehen! Hast du überhaupt keine Hemmungen?“
    Shuzos wütender Blick schwenkte zu Saki rüber, die laut hörbar aufseufzte und ihren Kopf zur Seite drehte.
    „Saki-chan!“
    Für einige Sekunden knisterte die Atmosphäre wie eine pechschwarze Regenwolke. Solch eine intensive Spannung, die meinen ganzen Körper zum kribbeln brachte, obwohl ich mich gar nicht aufgeladen hatte, erlebte man definitiv nicht allzu oft. Saki schwieg, gedachte sich aber, aus der Situation ganz simpel herauszuwinden. Sie packte meine Hand, zerrte mich durch die Menschenmengen und trat den strategischen Rückzug an!


    Sie entführte mich! Nicht im klassischen, strafrechtlich relevanten Sinne, sondern in einen durch Steinlaternen beleuchteten Kiefernwald, wo ein kleiner Schrein auf der Spitze eines Hügels trotzdem einen Blick auf das alte Gasthaus bieten konnte.
    Auf dem Holzpodest des kleinen Hauptschreins in der Mitte nahmen wir gemeinsam Platz, doch ein paar tadelnde Worte ließen nicht lange auf sich warten: „Elaine! Sag mal, bist du völlig bescheuert? Ich habe dir gesagt, dass ich dieses Geld brauche! Halt dich da einfach raus! … Außerdem … ich möchte nicht, dass dir etwas zustößt, okay?“ Meine Ohren hingen enttäuscht an meinen Schläfen herunter und ich wippte immer wieder vor und zurück, während meine Knie von meinen Armen umschlungen waren. Sichtlich war ich nervös und aufgeregt, was sich durch diesen Anblick im durch den Kiefernhain scheinenden Mondlicht sicher nicht ändern würde. Mit offenen Haaren sah Saki noch bezaubernder und niedlicher aus als ohnehin schon … irgendwie … sollte ich mich wieder mehr auf unser Thema konzentrieren.
    „Elaaaaahaaaaine! Hallo! Sag mal, was ging in dir überhaupt vor? Deine Verwandtschaft zieht doch auch zur Genüge krumme Dinger ab, wo ist das Problem?“
    „Meine … was? Kannst du die mir mal auflisten? Schlimmer, als eine Gesellschaft mit diesen Teufelsstoffen unterwandern und korrumpieren zu wollen, um sich zu bereichern, kann es kaum sein!“
    „Deine Schwester macht den Sphinxenkaiser an, dein Bruder verkehrt mit einer potentiell Unerwünschten, die für die ungerechte Gesellschaft der alten Militärherrschaft steht, deine … was auch immer Kagayaku ist, zieht gleich haufenweise krumme Dinger ab und du? Du hängst mit einem Mädchen ab, das ein legendäres Pokémon versteinert hat. Kommt der Moralapostel nicht etwas spät, Süße? Ich habe dir von Shuzos 'Karriere' erzählt, weil ich dir vertraue … Lanie-chan.“
    Sprachlos blinzelte ich Saki an, senkte meinen Blick dann beschämt zur Seite. Wo war ich da nur reingeraten? Mein Onkel Claudio würde definitiv kein Verständnis dafür zeigen, dass meine Freunde gesuchte Verbrecher waren. War es richtig, mich mit diesen Menschen gut zu stellen? Für diesen Moment wusste ich es wirklich nicht, doch plötzlich schloss Saki mich in einer Umarmung ein. Dankbar nahm ich ihre Zärtlichkeit an und rieb meinen Kopf an ihrem, während sie meine Blitza-Ohren ausgiebig zu kraulen begann.
    „Myaaaa … kawaii ...“
    „Kawaii neko-chan! Süße Miezekatze, thehe~!“
    Es tat so gut, dass ich mich sogar dazu hinreißen ließ, ihr über die Wange zu schlecken, auch wenn ich mich mit den felinen Gewohnheiten bewusst immer sehr kontrolliert gehalten hatte. Saki kicherte und verlangte nach mehr Raspelküsschen, wobei ich nicht für sicher sagen konnte, dass sie im nüchternen Zustand genauso viel Spaß dabei gehabt hätte. Alles in allem war körperliche Nähe in diesem Kulturkreis nicht bei weitem so beliebt wie im Westen. Letztlich lehnten wir beide unsere Schultern und Köpfe aneinander und blickten durch das schwarze Nadelwirrwarr über uns, um den Mond und die glitzenden Sterne zwischen den Lücken zu entdecken und zu bewundern. Der Alkohol machte definitiv schläfrig … selbst ein heftig pochendes Herz wie das meine brachte er irgendwann wieder zur Ruhe! Ich fühlte mich wie von einer Wolldecke umhüllt, so warm war es mir nicht nur ums Herz, sondern um meinen gesamten Körper, so, wie ich einst in heißer Schokolade baden durfte. Ein letztes Mal leckte ich mir über die Lippen, um Sakis Geschmack irgendwie einordnen zu können. Zwar hob er sich eindeutig von der dunklen Kakaomasse ab, war jedoch definitiv ähnlich süß und köstlich.
    „Lass mich wissen, wenn … oder wann ... du mit mir abhauen willst. All das hinter uns lassen, das uns nicht glücklich macht ...“ Ich antwortete Saki nicht. Nicht jetzt. Nicht mehr heute. Nur noch an ihrer Seite einschlafen.




    Die Zeit lehrte mich, das Onkel Claudio wie erwartet alles andere als glücklich mit den Kreisen war, in denen ich verkehrte. Er wusste noch nicht einmal von der Kriminalität, doch mich egal wohin abdriften zu lassen, gefiel ihm gar nichts, sodass er sich sehr darum bemühte, mir als Nesthäkchen abendliche und nächtliche Aufträge in der absolut unmittelbaren, sicheren Umgebung aufzudrücken, während ich meine Freizeit im Gegensatz zu den meisten anderen Leuten dann im Tageslicht genießen durfte. Ich fühlte mich von Tag zu Tag mehr bevormundet, während meine beiden Geschwister mittlerweile mehr Nächte woanders als in unseren Hauptquartieren verbrachten. Diese beiden de Courtenays verbringten den Großteil ihrer Zeit mit Adligen, wenn auch eher mit genau einer Person, doch dies reichte, um Onkelchen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern.
    Immer, wenn ich von meiner kleinen Miko-Freundin sprach, hieß es nur: „Ich traue diesen Schamanen-Scharlatanen nicht!“ Natürlich begann ich, mich irgendwann zu widersetzen und mich nicht mehr an seine Kommandos zu halten, und je mehr ich rebellierte, desto enger wurde das Korsett in das er mich einschnürte, da er sein Vertrauen in mich verloren zu haben glaubte. Von meiner Seite aus stand diese gegenseitige Bindung schon längst auf einem porösen Steinpodest. Mittlerweile war ich an dem Punkt angekommen, Saki definitiv bedingungslos zuzusagen, sobald sie eine Chance zum Abschied wittern würde. Aber was war, wenn ich mein Schicksal etwas voreilig in ihre Hände legte? Charlie und Roxy schienen momentan zufrieden mit ihren Leben hier zu sein. Ich hingegen … musste mehr und mehr das ausbaden, wofür unser Onkel sie kaum noch zur Verantwortung ziehen konnte oder sogar wollte. Ich war frei, überall hätte ich hingehen können, nur brauchte ich eine Basis für die Zukunft, die bis jetzt einfach nicht gegeben war.


    Als ich eines Abends in Docs Café ein aromatisches Heißgetränk schlürfte und plötzlich unsere Exzellenz Kagayaku Konagata in den kleinen Salon hineinschlenderte, kam mir für kurze Zeit sogar der Gedanke auf, mit ihr nach Hexalos zu reisen. Wäre das nicht auch eine Idee, die Saki gefallen könnte? Zumal die Teleportpokémon sicher eine einfachere und günstigere Reisevariante darstellen würden.
    „Arisu-chan! Deine Lieblingskundin ist zurück!“, kündigte sich die junge Monarchin mit stolz herausgestreckter Brust an, auch wenn sie in punkto Kleidung und Schmuck auf überflüssigen Prunk verzichtet hatte: „Und Elaine ist auch da, wie schön~ … das freut mich! Darf ich mich zu dir gesellen, meine kleine Schokomieze?“
    „Kagy!“
    Sofort sprang ich auf und umarmte die kleine Sphinx, raspelte ihr einmal sogar aus Übermut über die Wange … immerhin hatten wir uns länger nicht mehr getroffen, von der kurzen Begegnung am Lagerhaus mal abgesehen.
    Ich vertraute ihr den Wunsch an, es wenigstens mal versuchen, in den Westen zurückzukehren, genauergesagt in das neue Kaiserreich Hexalos. Ihre goldenen Bernsteinaugen blinzelten eine Weile, ohne dass ich nur einen Ton vernehmen konnte. Intensiv dachte sie nach, starrte eine Weile in ihren Kaffee und rührte darin, obwohl sie grundsätzlich niemals Milch oder Zucker hineinschüttete, bis sie sich letztlich wie hypnotisiert im Strudel verlor.
    „Kaaaagyyyy?“, fragte ich neugierig nach, die Ohren steil aufgerichtet und meine Hände sanft auf ihren abgelegt.
    „Lanie? … Oh, also, das ist so … vielleicht lässt sich das sogar einrichten, aber viel mehr frage ich mich, was dich dazu bewegt.“
    „Mir macht es keinen Spaß mehr, unter meinem Onkel zu arbeiten. Dann die Sprachbarriere … es ist ein schönes Land, wenn es ums Reisen geht … einige Dinge sind so viel besser als im Westen, aber trotzdem hat auch dieser seine Vorzüge, die man vielleicht erst jetzt richtig schätzen lernt.“
    „Ich habe nie verstanden, was er überhaupt von euch wollte. Er brauchte Arbeitskräfte und dachte, dass es für euch eine tolle Erfahrung sei, ins Ausland zu gehen, neues zu Lernen und seinen Horizont zu erweitern. Was auch absolut stimmt. Aber nun hast du das getan und das meiste wird nicht mehr neu, sondern zur gottverdammten Routine. Es ist ja nicht so, dass du hier eine Lebensmission hast … keine Ahnung, Verbrecher zur Strecke bringen oder so.“
    Aufdecken von Kriminalität war vielleicht nicht unbedingt meine Stärke. Da hatte sie recht.
    Meine Ahnin neigte vorsichtig ihren Kopf zur Seite und fasste nun die ein großes, schweres Backblech balancierende Alice in ihr Blickfeld, als sie mir einen weiteren Rat zu geben versuchte: „Weißt du, Schatz … so, wie ich in Alice eine kleine Yomi sehe, sehe ich in dir eine kleine Sheila. Sheila war eine große Heldin, die Monster gebändigt hat uuuund … gewissermaßen auch Oberschurken gejagt und bekämpft hat. Hexalos hatte jemanden wie sie damals gebraucht, aber … dieses Land braucht dich nicht, Elaine.“
    Erschrocken blickte sich auf, denn diese Aussage war ohne den entsprechenden Kontext etwas verletzend, um ehrlich zu sein.
    „Nein, nein, es hat nichts mit dir zu tun. Dieses Land … braucht keine einzelne Person, aber in Hexalos ist das genauso. Die absolutistischen Herrschaften exisitieren in diesen Ländern nicht mehr, also ist auch nicht mehr nur eine Hand voll Stellschrauben, die es zu drehen gilt. Sheila konnte die Macht im Land umsortieren, wenn sie die Schlüsselperson ausschaltete, doch nun liegt die Macht bei größeren Gruppen. Außerdem war Setsuna nicht wegen der Niederlage gegen Sheila als Kaiserin zurückgetreten, sondern um mich auf dem Trohn zu sehen. Das hatte also nicht direkt was mit einer Heldentat zu tun.“
    Kagayaku nahm noch einmal neu Puste und ein finales Schlückchen aus ihrer mittlerweile lauwarmen Kaffeetasse, bevor sie zum Fazit kam: „Was ich sagen will, Elaine … so ähnlich du Sheila auch bist, wird deine Geschichte eine komplett andere sein. Du kannst nicht ein ganzes Land retten, im Gegenzug erwartet es auch niemand von dir. Es gibt den Kaiser, den Shogun, den Sphinxenkaiser, eine handvoll westlicher Staaten, miiiich … du verstehst das Problem, oder? Nur diese großen Mächte können einander den Einfluss nehmen, aber keine junge Frau wie du oder Sheila … oder ein Diplomat wie dein Onkel, obwohl er dann schon eher. Du bist an nichts gebunden und ein freies Leben genießen. Stell dir nur eine Frage: Würde es mir, Elaine, an meinem neuen Ort besser gehen als hier?“
    Das war eine sehr gute Frage. Ich spülte die letzten Schlucke mittlerweile eisigen Tees meine Kehle herunter, verzog leicht angesäuert mein Gesicht und starrte an die getäfelte Holzdecke, von der ein goldenes Kronleuchterchen baumelte. Mit Gewissheit könnte ich diese Frage sicher nicht beantworten, Saki hingegen um so eher. Es … es würde ohnehin kein Abschied auf ewig sein, oder? So würde es eine weitere Nacht voller Grübeln sein, die ich mir nie wieder zurückholen könnte …

    Aloha @Rusalka , schön, dass du wieder vorbeischaust. ^^


    Doof ist die Geisha nicht, aber eben eine richtige bitchy Diva. u_u" Nicht alle sind so, weiß Gott nicht, aber hey, es ist Elaine. Und unsere arme Lanie hat immer richtig viel Scheiße am Pfötchen. ;w; Tja Kagy hat nichts mehr, sie braucht also irgendetwas in der jetzigen Welt für sich alleine. Familie/Nachfahren schön und gut, aber die leben immer noch ihr eigenes Leben. Bis auf Elaine, die sich schon bald in einer kleinen Sinnkrise wiederfinden wird, vier weitere Kapitel sind ja schon geschrieben. Aber gut, Geldgierkagy wirst du nicht sooo oft sehen, sie wird in einer anderen Szene auf eine völlig andere Weise bald wieder wichtiger werden.
    Und Oz ist eben genauso ein Heißluftgenerator wie die meisten aus dem Team, irgendwie müssen sie sich durch Leben hangeln und mit Charisma nicht vorhandene körperliche oder/und intellektuelle Stärken wettmachen. Nur so kann diese seltsame Gruppe es durch stürmische Zeiten schaffen! ;///; Vielen Dank!


    Weiter geht es mit Kapitel #20!




    Kapitel XX: Amber


    „Lanie! Lanie-Lanie-Lanie-Lanie-Laniiiiie!“, begrüßte mich meine ältere Schwester stürmisch und umtanzte mich wie das goldene Miltank. Nach der ganzen Yakuza-Geschichte genoss ich die Zärtlichkeiten, die sie mir in Form von Umarmungen und Schlecken entgegenbrachte, in vollen Zügen. War Roxy richtig gut gelaunt, konnte sie unglaublich anhänglich sein, so wie sie auch hier kaum von meiner Seite weichen wollte.
    Ganz aufgeregt erzählte sie mir von den Sachen, die sie erlebt hatte: „Weißt du, wo ich heute war? Ich habe mit Kamataros ein Kap besucht, an dem gerade ein Leuchtturm durch unsere Landsleute und die Hexalois fertiggestellt wird. Übergangsweise erhellen ihn Pokémon … das war nachts sooo romantisch, das glaubst du gar nicht. Aber ich nehme ständig Geschenke von ihm entgegen, was kann ich ihm denn zurückgeben? Wir haben ja … nicht so viel.“
    „Umm, mag er Schokolade? Wie wärs mit einer Schoko-Roxy?“
    „Oh, typisch Elaine! Nya, aber es klingt super süß. Ich frage einfach mal Alice, ob ich so viel Schokolade günstig bekommen kann, wie beim letzten Mal. Und du kannst mir dann dabei helfen!“
    Roxy drückte mich noch viel fester und blickte mich mit glitzernden Augen an, während ich einfach nur glücklich war, nicht über meinen Tag ausgequetscht zu werden und in Ernährungsnot zu geraten. Ein heißes Bad sollte mich noch einmal vollends entspannen, bevor ich mich mit Schwung auf den Futon warf, der mir als Matratze und Bett zugleich diente, obwohl er bei weitem mehr Ähnlichkeiten mit einer Matratze besaß.


    Erneut war es Roxy, die mir schon bald die nächste „Sensation“ zeigen musste: „Laaaaniiiie! Komm schnell und ganz leise! Schleeeeichen!“ Gerade erst aufgestanden und in Bademantel durch meinen Raum wandernd, um ein kochend heißes Tässchen Kaffee zu schlürfen, hatte ich natürlich keine andere Wahl, als mein Heißgetränk zur Seite zu stellen und meiner gelegentlich extrem aufdrnglichen Schwester zu folgen, damit sie nicht aufsässig wurde. Wir linsten durch den Schlitz einer Schiebetür im Wohnzimmer, in das Charlie Namika eingeladen hatte und sich mehr amüsierte als mit jeder anderen Person bisher. Ich klappte meine Ohren neugierig nach oben, um mehr Gesprächsschnipsel zu erhaschen können.
    „Mein Onkel ist für die nächsten paar Tage nicht hier. Du kannst gerne hier übernachten“, schlug er ihr vor und ließ mir beinahe das Blut in den Adern gefrieren. Charlie hasste Gesellschaft. Und zwar so sehr, dass er nie jemanden bei sich einladen wollte. Gut, der Gedanke, dass ein mit Öl und Staub bedeckter Schulfreund unsere gesamte Einrichtung mit Gott-weiß-was infiziert hätte, eventuell noch rüpelhaft sämtliche Privatschubladen durchwühlen würde oder gar in Ermangelung an Manieren auf den Boden spucken würde, war ein abschreckender Punkt, den er stets glaubhaft in seine Argumentation einfügen konnte.
    „Also … ich bekomme keinen Ärger? Denn dann … dann bleibe ich gerne.“
    „Es wird keinen geben, das versichere ich dir.“
    Mir gefiel es nicht, wie Roxys Augen plötzlich begannen, zu glitzern. Um ehrlich zu sein, war es vielleicht sogar besser, nicht zu wissen, was sie sich gerade ausmalte. Namika stützte sich mit ihren Armen komplett am hohen Esstisch auf, der für die Bewohner des fernen Ostens so fremd und merkwürdig fern ihrer eigenen Kultur war, legte ihr Köpfchen ab und ließ sich mit geschlossenen Augen kraulen. Nachdem ihre kleine Kopfmassage beendet war, erhob sie sich wieder und stellte sich blinzelnd vor meinen Bruder, ihren Schweif rastlos umherpeitschend. Nicht nur Charlies Schweif trommelte zudem aufgeregt auf dem Holzboden, sondern auch ich war gefordert, den meiner Schwester in Zaum zu halten, um uns nicht zu verraten. Wie gebannt blickte die gestürzte Herrscherin, die selbst nie herrschen durfte, in die Augen ihres Bruders. Ein vorsichtiger Schritt nach vorne, der andere Fuß zog sofort nach. Namika neigte ihren Kopf nach vorne, bis an die Brust meines Bruders. Im Anschluss streichelte sie Charlie sanft für einige Augenblicke, bisher ihr Kinn mit seiner Hand vorsichtig anhob und ihr erneut in die kristallklaren Augen schaute. Ihr Mund war leicht geöffnet, sodass die oberen Reißzähnchen aufblitzten … diese Szene überwältigte mich einfach, so süß war sie!


    Sanft legte Charlie nun seine Lippen auf die ihren, schloss seine Augen und gab sich nun etwas hin, das er nie zuvor für notwendig gehalten hatte. Sich einem anderen Wesen öffnen und seine ehrlichen Gefühle gegenüber jemandem preiszugeben, den er noch nicht zwanzig Jahre lang in- und auswendigkannte. Es schien fast so, als würden Namika und er sich besser kennen als wir ihn! Wie der Kuss zwischen ihnen wohl wahr? Sanft? Leidenschaftlich? Verspielt? Ich hätte es nur zu gerne gewusst, doch während ich bereits in meiner Imagination versunken war, hatte sich Roxy bereits meiner Aufmerksamkeit entrissen.


    Der Kuss fand nie statt. Zumindest … nicht an diesem Ort in diesem Moment. Was genau im Kopf meiner Schwester vorging, konnte ich allenfalls raten, doch sie schaffte es, jedes Donphan im Porzellanladen alt aussehen zu lassen. Mit einem lauten Knall beförderte sie die Papiertür an den Holzrahmen und schlurfte mit einem breiten Grinsen, das provokanter hätte nicht sein können, in das Esszimmer.
    „Guten Morgen, Brüderchen! Und Nami-chaaaan~ Habt ihr auch solch einen gewaltigen Hunger wie ich?“
    „Nein, Hunger habe ich überhaupt keinen mehr. Vor allem nicht, wenn ich sehe, dass Elaine es sich vor der Tür gemütlich gemacht hat“, ätzte Charlie und warf uns beiden einen bösen Blick zu. Erst einmal, auf einer Reisstrohmatte knien hatte nach westlicher Vorstellung mit dem Wort „gemütlich“ so viel zu tun wie Roxy und „taktvoll“. Andererseits bemerkte ich erst einige Sekunden später, dass die Schiebetür komplett an mir vorbeigerauscht war und nun genau in das Blickfeld der beiden geriet.
    Offensichtlich hatte Charlie aber begriffen, dass ich alleinw ohl kaum auf diese Idee gekommen wäre: „Wenigstens habe ich den Anstand, dir nicht hinterherzuschnüffeln, wenn du deine Zunge auf dem König kleben hast!“
    „KYAAH?“, fauchte seine schwarzhaarige Schwester entrüstet: „E-es ist nicht so, dass ich mit ih-ihm viel zu tun habe oder so … er möchte hin und wieder gerne seine Sprachkenntnisse aufpolieren!“ Kagayaku hätte sich nun wahrscheinlich damit gebrüstet, besonders viel Wertschätzung eines Monarchen zu genießen.
    „Nicht ganz bei Trost bist du! Du siehst dich wohl schon als die nächste Kagayaku, hm?“
    „Du siehst dich wohl als der nächste Shogun! Nur zu blöd, dass Nami-chan gar nicht regieren will, nicht wahr, Schätzchen?“
    „Blöde Ziege! Glaubst du wirklich, deine Beziehung fußt auf einer gesunden Basis? Es gibt Tausende schöne Sphinxen in Nord-Mu, die dich jederzeit ersetzen können.“
    „Es gibt jeder Zeit ein paar große, blonde, blauäugige Exoten-Gaijin, die wesentlich netter zu ihrer Schwester sind!“
    „Die sind nicht Namikas Typ. Und so kurz wie deine Röckchen, mit denen du deinen König beeindrucken willst, bin ich jetzt auch nicht.“
    „HEH! Wenigstens werde ich in diese Röckchen weiterhin reinpassen, während du im Alter aufgehst wie ein Hefeteig, wenn du weiter so kochst!“
    Zugegebenermaßen, das war nicht fair, denn Charlie kochte sehr gesund und auch gut, was nicht gerade die Stärke von Naschkatze Roxy war. Dass mir die allgemeine Diskussionsatmosphäre, komplett im persönlichen Sumpf versunken, nicht gefiel, war fast schon überflüssig zu erwähnen. Ich fühlte mich unbehaglich, doch die Auswirkungen des Streits auf Namika waren wesentlich dramatischer. Ihre schönen Kristallaugen füllten sich von Sekunde zu Sekunde mehr mit Flüssigkeit, ohne dass es irgendjemand der beiden bemerkte. Statt zu zischen oder zu fauchen hüllte sie sich in Traurigkeit und stürmte nur kurze Zeit später aus unserer kleinen Holzvilla, Charlie folgte er sofort hinterher. Doch die 3/4-Sphinx breitete nun zum ersten Mal vor unseren Augen ihre reinen, im Sonnenlicht fast schon schimmernden Flügel auf und hob ab, um fortzusegeln. Als wir sie nicht mehr sehen konnten, schlug mein Bruder seine rechte Hand vor seine Augen, um jeglichen Blickkontakt zu uns zu meiden.
    Ein tiefes, ehrliches Grollen voller Enttäuschung stieg seine Kehle empor: „Ich habe euch nie um viele Gefallen gebeten. Aber das wäre einer gewesen.“
    „Was hast du dir überhaupt dabei gedacht, Roxanne?“, fauchte ich mein große Schwester an, deren zwei Rubine mich vor Schock geweitet anstarrten. Ihr Schweif hämmerte so angriffslustig gegen einen großen Blumentopf, in den eine Miniaturkiefer gebettet war, sodass deren Nadeln haufenweise ausfielen.
    Roxanne Aveline de Courtenay machte manchmal den Eindruck,vergesslich zu sein, aber nachtragend war sie schon immer, wie sie mir indirekt bestätigte: „Schon vergessen, als unser Bruder meinte, dass ausgerechnet nur wir noch sozial unverträglicher seien als er? Jetzt ist er von seinem hohen Tauros gefallen!“
    „Das sagtest du, Charlie?“, empörte ich mich zischend, mit zurückgezogenen Ohren. Ich war immer davon ausgegangen, dass er „seine kleine, süße Lanie“ stets sehr schätzte, während ein Streit mit Roxy nicht allzu selten war.
    „Okay, wie viele Freunde hast du hir bis jetzt gemacht?“
    „Umm … Oz ...“
    „Humanoide.“
    „UMMM …“, knobelte ich angestrengt: „Also … äh … ich kenne viele!“
    „Ja, Geschäftspartner, Freunde, Geistesgestörte wie Fiona, Größenwahnsinnige Verwandtschaft ...“
    „Alice!“
    „Alice mag erstens jeden und zweitens unternimmst du überhaupt nichts mit ihr.“
    „Yomi.“
    „Wollte dich töten. Schon vergessen?“
    „Saki!“
    „Tja. Ein Punkt für dich. Leider spielen wir hier Tennis und da reicht ein Punkt nicht.“
    „Vielleicht spielen wir ja dieses brandneue Spiel … Fußball!“
    „Onkelchen würde dich kielholen. Da werden mehr Lehmstücke und Beine als Bälle getreten.“
    Kurzum, wir kamen nicht wirklich voran und hatten uns mittlerweile soweit vom ursprünglichen Gesprächsthema entfernt, sodass es keinem von uns gelang, dahin zurückzufinden. Aber in einem Punkt hatte er Recht – wirkliche Vertraute außerhalb meiner Familie hatte ich wenn überhaupt nur in Saki gefunden, und selbst das war mit akuter Vorsicht zu genießen.


    Immerhin konnte ich auf einen erfolgreich ausgeführten Auftrag mit einer schwierigen Klientin zurückblicken, der mir einen kleinen Geldsegen und etwas Freizeit bescherte. Zwar wollte ich unbedingt mit Namika sprechen, doch sie war die ganze Nacht über fort gewesen. Ich nahm mir die rohe, nackte Kritik meines Bruders zu Herzen und schlenderte für einen spätabendlichen Besuch in Alices Café, wo ein warmer Kamin und ein geschmacksintensives Heißgetränk auf mich warten würde. Ich wurde freundlich empfangen, doch das kleine Dicloniüschen hielt sich vor allem hinter der Theke auf und war zu beschäftigt, um mit mir mal mehr als den üblichen Smalltalk zu bequatschen. Die rosahaarige Gehörnte servierte den wenigen anwesenden Leuten köstlich duftendes Gebäck und war offenbar nicht für eine kleine Pause zu haben, aber ich konnte zum Glück noch jemanden Anderes ausfindig machen. Vom Obergeschoss, offenbar der Wohnung unseres Docs, stieg plötzlich Tsoony, die kleine Sphinx aus Tetsu-Yomis Untergrundlabor hinab, um gleich noch eine weitere Treppe in ein finsteres Terrain zu nehmen. Das zweistöckige Gebäude besaß also noch einen Keller, den ich noch nicht näher untersucht hatte. Mir kam entgegen, dass das sorglose Sphinxchen fröhlich vor sich hinpfiff. Die Öllampen an den Seitenwänden des Korridors waren in ungeschickten Abständen hintereinander positioniert, sodass ich relativ wenig in der Dunkelheit erkannte und mich an Tsoonys umherschwingender Schweifspitze orientieren musste. Die kleine Malerin trug einen schwarz-goldenen Kimono und war damit umso schwerer für mich zu erkennen, denn auch ihre langen Haare verschmolzen mit der Dunkelheit der Nacht. Als Miezekatze war ich eine hervorragende Schleicherin und konnte mich geschickt an die einzige Tür des Untergeschosses heranpirschen, die Tsoony mit einem lauten Klicken entriegelt hatte. Ein Blick hinter die Kulissen enthüllte einen ebenfalls mangelhaft beleuchteten Raum, dessen kreisförmig positionierten Lampen jedoch einen entscheidenden Vorteil genossen: In der Mitte befand sich ein großer goldener Kristall, der das Licht reflektierte und den finsteren Ort in einen wunderschönen Schimmer hüllte. Der Schweif der kleinen Sphinx zuckte neugierig, als sie den Kristall anstarrte. Irgendetwas musste darin eingeschlossen sein, doch wenn Tsoony nicht zur Seite gehen würde, blieb mir ein Blick auf sein Inneres weiterhin verwehrt.
    Leider brach mir die dunkle Umgebung das Genick, als ich versehentlich auf etwas trat, umknickte und ein schmerzerfülltes Schnaufen ausstieß: „Phyuu ...“ Bugger!




    „Oh, Elaina, suchst du die Toilette? Die befindet sich im Obergeschoss“, verriet mir die Sphinx, doch sie konnte ein Zischen aus Missgunst, von mir heimlich verfolgt zu werden, nicht unterdrücken: „Oder suchst du nur meine Nähe? Du liebebedürftiges, kleines Miezekätzchen.“ Da war sie. Die sphinxische Arroganz, die ich ihnen allen nur zu gerne aus dem Gesicht gewischt hätte. Bei einer Königin wie Kagayaku mit einem solch aufregenden Leben konnte ich sie aufrichtig nachvollziehen, aber was erlaubte es meinen Geschwistern oder dieser kleinen Pinselschwingerin, sich für etwas Besseres zu halten? Sie hatte sich nun erst recht bewusst vor dem Kristall positioniert, wodurch mir endgültig klar war, dass sie etwas verbarg. Ich erkannte meine Chance und schubste die zierliche Mieze zur Seite, um einen Blick zu erhaschen, doch der Anblick ließ mich selbst beinahe zu Kristall erstarren.
    „KAGAYAKU?“
    Eine wunderschöne Sphinx in einem weinroten und goldenen Kimono befand sich in kompletter Stasis, ihre hüftlangen, dichten schwarzen Haare fielen sanft über ihre Schultern. Wie bei den anderen Sphinxen waren ihre gebräunten Beine nicht besonders lang, doch trotzdem versprühte ihre gesamte zierliche Statur eine ungeheure Eleganz, die ihre sandfarbenen Flügel, mondsichelfrömig gekrümmt, nur noch unterstrichen. Die erstarrte Schönheit hatte ein leichtes Lächeln auf ihren Lippen, doch ihre Augen waren wie im Schlaf verschlossen. Gerade, als ich ihr glitzerndes Gefängnis selbst berühren wollte, revanchierte sich Tsoony für meine rüpelhafte Neugier mit einem Ellenbogenstoß in die Niere.
    „Kyaaaah!“
    In die Hocke gezwungen und meine verletzte Flanke haltend, glitt mein Blick ab vom wie gemalten Gesicht der im Kristall eingefrorenen Schönheit und blieb an ihrem Torso haften, wo die weinroten Anteile ihres Kimonos ein sehr skurriles, unregelmäßiges Muster annahmen. Ich benötigte einige Sekunden, um zu erkennen, dass es sich hierbei um einige große Wunden handelte. Mir stockte der Atem. Mir war klar geworden, dass diese Sphinx glücklicherweise nicht Kagayaku sein konnte, denn sie wirkte ein paar Jahre älter, vielleicht um die 35, doch mir ließ diese bildschöne Lady keine Ruhe.
    Tsoony würde mir verraten müssen, was es damit auf sich hatte: „Wer ist das denn? Wieso hält der Doc eine Sphinxenlady hier unten gefangen? Weißt du, welche Angst ich hatte? Jeder würde sie zuerst für Kagayaku halten. Lass sie frei!“
    Die sonst so freundliche Sphinx blinzelte verwundert mit den Augen, brach dann jedoch in ein wütendes Fauchen aus, als sie mich umstieß und an den Boden pinnte: „Danach fragst du, aber als Arisu mit einem verstauchten Knöchel außer Gefecht war, hast du dich hier nicht blicken gelassen, hm?“ Davon wusste ich doch überhaupt nichts! Natürlich nicht … zu sehr hatte meine Aufmerksamkeit in letzter Zeit Saki oder meinen Geschwistern neben ein paar netten Erkundungen allein gegolten.
    „Yomi hat ihr unterirdisches Versteck für immer aufgegeben, weswegen wir einige ihrer wichtigsten Erinnerungsstücke irgendwo lagern müssen, bis sie sich für einen festen Wohnsitz entschieden hat.“
    „Erinnerungsstück? Das ist eine Sphinx! Was will sie mit ihr machen? Ihr Schlafzimmer dekorieren?“
    „Ja, das könnte ich mir gut vorstellen, direkt in die Mitte des Altars“, zuckte Tsoony mit den Schultern, als ob es das normalste der Welt wäre, ein hochintelligentes Wesen in einem Kristall zu konservieren.
    Mir war dieser Gedankengang absolut suspekt und deswegen wehrte ich mich, ihr Vorhaben einfach so unhinterfragt zu hinterlassen: „Soll sie sich doch selbst einfrieren! Ich hole sie da raus!“
    „Schätzchen, wenn du wüsstest, wie oft die zuckersüße Yomi sich bereits eingefroren hat, thehe~“, kicherte die Sphinx und drehte verspielt ihre beiden niedlichen Pferdeschwänzchen, um mich mit ihrem durchaus verführerischen Charme einzulullen: „Aber du holst hier sowieso niemanden aus dem Bernsteinkristall. Nicht nur, dass du es nicht schaffen würdest … selbst du würdest nicht den letzten Willen von Kaguya-chans großer Schwester so respektlos ignorieren wollen. Erstarrt in ewiger Schönheit und konserviert bis in alle Ewigkeit. So wird selbst aus einer absolut tödlichen Wunde etwas Wunderschönes. Yomi hat ihr damit ihren letzten Traum erfüllt.“
    Angsterfüllt blickte ich Tsoony an, die wiederum die kristallisierte Kaiserin von Mu anhimmelte. Kagayakus ältere Schwester, die eigentliche Herrscherin des untergegangenen Kontinents, hatte nicht zugelassen, dass ihr Körper nach ihrem Ableben zum Spielball der Natur werden würde. Wie ihr von Dialga in der Zeit gefrorenes, liebliches Schwesterchen machte sie in Stasis eine genauso entzückende Figur wie in volle Lebenskraft gehüllt. Sie sah so zufrieden aus, als ob sie ein erfülltes Leben gehabt hätte. Wie alt sie genau war, konnte ich nicht schätzen, wollte ich allerdings auch nicht in diesem Moment fragen. Setsuna wurde mir selbst jedoch von ihrer Schwester als unglaublich eitel beschrieben, und das wollte etwas heißen! Deswegen also auch dieses provisorische Mausoleum. Würde man den Kristall zerstören, wäre ihr Körper erneut allen leiblichen Qualen ausgesetzt, allen voran einer gefährlichen Wunde, wegen der sie diese Entscheidung zu genau diesem Zeitpunkt letztlich getroffen hatte.
    „Yomi ist dagegen, den Kristall Kaguya-chan zu zeigen. Sie fürchtet, es könnte ihr kleines Herzchen brechen ...“, hauchte Tsoony, die sich nun gemeinsam mit mir auf den Boden gesetzt hatte und andächtig den funkelnden Bernstein anblickte.
    Warum sie Kagayaku „Kaguya-chan“ nennte, war mir nicht ganz klar, aber erneut befand ich mich in einer Situation, in der ich das Denken zu meinem eigenen Wohle aufgab: „Ich werde nichts sagen. Versprochen, Tsoony. Das ist eigentlich total süß, wie ihr sie nach all den Jahren nicht vergessen habt.“ Plötzlich drehte sich die junge Sphinx zur Seite und verpasste mir mit ihrr Raspelzunge einen herzhaften Schlecker über mein rechtes Ohr, um danach in ein mädchenhaftes Kichern auszubrechen. Eigentlich war sie doch ganz süß, diese kleine Setsuna II, die mich verspielt mit ihren violetten Amethystaugen anfunkelte und nur auf ihre nächste Gelegenheit zur Überraschung hier unten lauerte.

    Das Kapitel ist eigentlich schon viel länger draußen. Naja.




    Kapitel XIX - Eight, Nine, Three


    Mein Leben stand Kopf. Zusammengefasst, völlig klar denken konnte ich selbst am nächsten Morgen nicht, denn ich war noch beinahe genauso müde wie vorher, doch dafür fühlte ich mich noch irgendwie anders ausgelaugt. Dabei hatte ich gestern vielleicht eine der aufregendsten Nächte meines Lebens genossen! Doch es war Saki, die mich hin- und herriss. Das Pokémon versteinern konnte nur sie gewesen sein, denn was hätte eine Sphinx davon gehabt? Anders gefragt, inwiefern profitierte sie mit diesen „absorbierten Seelen“, wenn es das war, wovon ich damals im niedergebrannten Wald Zeugin wurde. Eine Dose Fisch und ein Glas Tomatensaft zum Frühstück mussten ausreichen, um wieder einigermaßen auf die Beine zu kommen. Roxy war bereits aus dem Haus, um sich wieder mit dem Sphinxenkaiser zu treffen, während Charlie sich dazu entschlossen hatte, Namika einzuladen. Wohin? Das hätte mein liebster Bruder mir vielleicht verraten, aber sicher nicht meinem Onkel. Schlussendlich blieb die Arbeit wieder an der kleinen Lanie hängen, aber wenigstens diktierte mir Claudio zur Abwechslung etwas Aufregenderes: „Es gibt eine Geisha, der von zwielichtigen Personen aufgelauert wird, aber keine Sorge, ihr Englisch ist hervorragend. Du und Oz, ihr werdet sie eskortieren, denn die entsprechende Person dafür hat sich die Cholera eingefangen. Wir arbeiten an langfristigem Ersatz.“ Was konnte denn da schon schieflaufen? Meine Gedanken trieften nur so vor Ironie und Sarkasmus, als ich mich mit einem kurzen Zuzwinkern mit Oz in Kontakt setzte, der sich sofort aufplusterte und auf mich zu stolzierte. Dann soll er sich mal beweisen.


    Ein Takoyaki-Imbiss, ein kleiner Stand für runde, würzige Teigbällchen mit Oktopus-Füllung, diente mir als erste Anlaufstelle, um meine Klientin kennenzulernen. Sie sah eben genauso aus, wie eine Geisha auszusehen hatte – in einem edlen, reich und farbenfroh verzierten Kimono gekleidet, weiß geschminkt, weinrote Lippen. Ihr schwarzes Haar war in einer komplizierten Duttfrisur angerichtet, doch die Haarornamente beschränkten sich auf einen Schildpattkamm. Stattdessen glänzte sie mit dunkelbraunen Katzenaugen, die scharfen Verstand und Witz vermuten ließen, leider aber blitzte viel mehr eine Charaktereigenschaft namens Arroganz hervor. Allein wie sie bereits ihre Finger bewegte und die Lippen kräuselte erinnerte mich an irgendeine verbitterte Schnepfe, die jede westliche Teerunde in eine Lästerorgie verwandelte. Wenn ich ertrinken wollen würde, dann in Tee und nicht in Spott. Oder eben in Schokolade, was sich offenbar schneller herumgesprochen hat, als ich dachte.
    „Da ist ja das kleine Blondchen. Du musst Elena sein, oder? Dein Onkel hat gesagt, dass man dich leicht mit diesem süßen braunen Zeug bestechen kann. Aber keine Angst, hier werden dich nicht viele korrumpieren können“, überrumpelte sie mich förmlich und zündete sich eine Zigarette an.
    Oz war sich vielleicht nicht ganz bewusst, dass sie ihn nicht verstehen konnte, doch das tat seiner Vorstellung keinen Abbruch: „Sei gegrüßt, Mensch! Ich bin der große Oz und ich werde dich vor den Gefahren des Fernen Ostens schützen! Leg dein Leben in meine Hände!“
    „Was'n das für'n Ding?“, spottete die Meisterin der traditionellen zappangischen Künste mit zusammengekniffenen Augen, während sie ein paar Rauchwölkchen ausatmete: „Das nimmt man doch nicht zur Arbeit mit, du kleines Naivchen.“ Mit offenem Mund starrte ich sie fassungslos an. So übertölpelt war ich von ihrer Wortwahl, geschweige denn ihrer Intention.
    Natürlich konnte sie es selbst dann nicht lassen, an uns zu mäkeln: „Mund zu, Karpador. Wie sieht das denn aus? Also, ich muss durch ein berüchtigtes Viertel voller Zocker und Souvenirhändler. Hab bei denen Schulden wegen Zigaretten und so 'nem Kram. Die gehen wir jetzt gemeinsam abbezahlen, yay!“ YAY! Wie sympathisch sie mir doch war, mir, der kleinen, süßen Lanie, die doch eigentlich jedem erstmal eine Chance gab. Oz zeterte beleidigt irgendetwas, aber sie verstand Pokémon ohnehin nicht, sodass ihre Aufmerksamkeit ausschließlich mir galt, oder eben einem leckeren Fleischspießchen, das von einem Kussilla umhergetragen wurde.
    „Ich will das haben, klau' es!“
    Verwundert blinzelte ich, meine Ohren in einer undefinierbaren Form gekrümmt: „Wie bitte? … Übrigens, mein Name ist Elaine.“
    „Klau' es. Das da, da vorne der Spieß, du Dummerchen!“
    „Na dann kauf' dir doch selber einen“, zischte ich ungehalten, was erlaubte die sich denn bitte schön? Dabei sei nebenbei angefügt, dass sie jünger war als Kagayaku – also auch physisch und nicht nur chronologisch.
    „Ich hab Schulden, hörst du mir überhaupt zu? Das ist deine Arbeit!“
    „Jaja, ich kaufe dir so ein Ding, alles klar?“
    „Nein! Ich will das kleine beschissene Drecksbalg heulen sehen! Ich hatte eh vorhin Takoyaki, der Spieß ist mir doch scheißegal!“
    „Hör zu, du blöde Kuh, ich werde für dich keinen Ärger mit dem Gesetz bekommen, weil du einem Babypokémon den Tag verderben willst, weil dir meiner noch nicht reicht!“
    „Soooo redest du nicht mit mir, es ist dein Beruf, höflich zu bleiben!“, keifte sie nun, doch ihre schneeweiße Gesichtsbemalung verbarg, wie rot ihr Gesicht nun tatsächlich vor Wut gefärbt war.
    Über dieses Missverständnis klärte ich sie allerdings liebend gerne auf: „DEIN Beruf verlangt von dir, die Contenance nicht zu verlieren! Ich hingegen habe einzig und allein den Auftrag, für deine physische Sicherheit zu sorgen! Selbst wenn du mit einem Heulkrampf zusammenbrichst habe ich meinen Auftrag erfüllt und keiner wird mit dir Mitleid haben, weil du eine arrogante, blöde Ziege bist!“ Einmal ordentlich Luft herauslassen … es tat so unglaublich gut.
    „Weißt du, Elena, du hast recht. Ich, Hinagiku aus dem Hause Kameyama, gebe dir recht“, schmunzelte sie wie ausgewechselt, als sie auf einem Bambuszaun Platz nahm: „Dein Auftrag ist es, solange bei mir zu bleiben, bis ich den Zielort erreicht habe und mich zu schützen, sonst nichts, nicht wahr?“ Ich nickte, erleichternd seufzen, dass Hinagiku, wie sie sich mir endlich mal vorstellte, zu Vernunft gekommen war.
    „Das heißt, wenn ich nicht weitergehe, wirst du keinen Feierabend haben. Nach Stunden bezahlt wirst du auch nicht. Und glaube ja nicht, dass ich epicht darauf bin, meine Schulden bei diesen Pennern abzubezahlen“, setzte sie fort. Ich zitterte stattdessen am ganzen Körper, mir stockt der Atem und ein riesiges Geowaz rollte gerade von meiner Speiseröhre aus schnurstracks in meinen Magen.
    So unfair, dass sie mich hier auf ewig versauern ließe, war sie natürlich nicht: „Elena, ich gebe dir die Chance, dich ausführlich bei mir auf den Knien verbeugend zu entschuldigen und dich zu zügeln, damit ich deine Begleitung wieder zu schätzen weiß.“ Nun, was sollte ich tun? Knien und Demut zeigen und ihr somit in den Hintern kriechen? In Anbetracht des riesigen Stocks in diesem schien mir dieser Lösungsweg leider unmöglich – etwas Anderes musste herhalten. Die Einzigen, die sie freiwillig wieder auf die Beine brachten, waren die Verbrecher selbst.
    „Siehst du die Typen dahinten? Schau mal, die gucken genau in unsere Richtung! Das sind die, die hinter dir her sind, wenn ich du wäre, würde ich mich jetzt beeilen“, deutete ich mit meinem Schauspieltalent und hektischen Kopfbewegungen an, die Ohren etwas angsterfüllt an meine Schläfe gepresst. Mir war klar, dass diese Männer einzig und allein noch nie eine blonde Ausländerin gesehen hatten, aber etwas Anderes war mir nicht in den Sinn gekommen. Hinagiku gehorchte aufs Wort, stand auf und trippelte auf ihren Geta, den wenig bequem scheinenden Holzsandalen, die Straße entlang der Imbisse und Souvenirstände, die allen möglichen Ramsch, aber auch hochwertigere Produkte wie Messer, Teekessel oder Lampen verkauften. Es war unmöglich für uns, durch die Menschenmengen zu erkennen, ob wir verfolgt wurden oder nicht, aber dieser belebte Wochenendsmarkt kam für mich wie gerufen, obwohl ich selbst gerne gemütlich dort entlang geschlendert wäre. Zügig führte sie mich durch die Gassen, doch aufgrund ihrer hölzernen Behinderungen unter den Füßen kam ich gut hinterher.
    Oz war weniger begeistert von unserer Idee, einfach wegzulaufen: „Wieso stellen wir uns ihnen nicht einfach? Wir sind doch viel stärker!“ Ich fauchte stattdessen, denn mir schwebten stattdessen zahlreiche in Kimonos gehüllte Rücken vor den Augen, denen ich irgendwie ausweichen musste, bevor Hinagiku, das Knogga und ich eine weniger belebte Zone am Stradtrand erwischten. Die hölzernen Lagerhäuser der Großhändler der Handelsmetropole Megaoka sahen alle gleich aus. Groß, lang, rechteckig, kurzum langweilig – ein großartiges Versteck für Ganoven und ihre obskure Beute. Das Haupttor war aus offensichtlichen Gründen verriegelt, sodass ich in einen durch überdachte, dunkle Gässchen begrenzten Eingangsbereich geführt wurde. Das Beste an der ganzen Sache war, dass ich von Hinagikus arroganten Sprüchen verschont blieb. Doch die andere Seite der Medaille – ihre Gläubiger mussten ganz schön etwas auf dem Kerbholz haben, sonst hätte sie sich nie so leicht überzeugen lassen …




    Ein hölzernes Lager, das Holz lagerte, bot einen farblich sehr monotonen Empfang. Kisten und andere Gegenstände aus Holz oder Bambus würden jedem Sicherheitsbeauftragten die Haare zu Berge stehen lassen, denn die Fluchtwege hier waren wenig transparent, dafür aber verwinkelt und verschachtelt, geradezu ideal, um Hinterhalte zu planen und sämtliche Gäste in unliebsame Fallen zu locken. Natürlich dauerte es nicht lange, bis wir die Aufmerksamkeit auf uns zogen. Als wir widerstandslos etwas weiter ins Innere vorgedrungen waren, hörten wir ein rhythmisches Schnippsen sich uns nähern. Mit war zu Beginn nicht einmal klar, ob es sich um ein Echo des Geräuchs handelte, doch schon wenige Augenblicke später stellte sich heraus, dass da zwei Gauner schlurfend im Anmarsch waren.
    Die selbstverliebte Geisha hatte sich glücklicherweise bereits vor der Lagerhalle ihres Zigarettenstummels entledigt und kündigte den Kund für unser Kommen an: „Hey, ihr da! Bringt mich zu Naoya, ich habe das Geld!“ Die beiden unrasierten Halunken, einer dick, der andere wohl etwas doof, blickten sich gegenseitig an und stapften weiter auf uns zu. Was sollte denn dieses alberne Geschnippse?
    „Mag ja sein, S*hlampe, aber schon vergessen, dass du uns auch noch Asche schuldest?“, platzte es aus der Lauchstangen ungehalten heraus. Nicht nachdenken, aber keine Muckis haben … gewagte Mischung.
    Mit beiden Ohren nach vorne geklappt, versuchte ich die Ruhe in dieser ungewohnten Umgebung etwas zu bewahren, doch die Voraussetzungen waren denkbar schlecht, wie Hinagiku offenlegte: „Euer Geld? Nein, das ist schon in der Summe für Naoya drin. Er gibt euch euren Teil.“
    „Soso? Er gibt uns unseren Teil? Dann kennst du unseren Boss ja besser als wir“, merkte der Erfahrenere und Ältere der beiden mit einem süffisanten Lächeln und gespielt hochgezogenen Augenbrauen an: „Das lief so noch nie ab, wieso sollte es jetzt anders sein? Du hast das Geld nicht.“
    „Elena? Du kannst mir etwas leihen, oder?“, war das Einzige, was ich als Antwort seitens der Schuldnerin erhielt. Ich sollte diesen Auftrag aufführen, um Geld zu verdienen, nicht, um Geld loszuwerden! Der Klügere der beiden, ein Halbglatzenträger, hebte ratlos die Schultern, als wäre er es, der unser Schicksal in den Händ hielt.
    Doch sein geheucheltes Mitleid war selbstverständlich gespielt: „Nun, das bedauere ich zutiefst. Wenn wir unser Geld nicht bekommen, bleibt mir gar nichts anderes übrig, als ...“
    „Ich habe Kohle dabei, alles gut ...“, fauchte ich grob und wühlte bereits in meiner Tasche: „Wie viel fehlt noch?“ Wie viele Schulden konnte sie denn bei diesen Kleinganoven haben?
    Hinagiku war verzweifelt, aber nicht weniger respektlos mir gegenüber: „Du siehst zwar wirklich nicht nobel aus, aber trägst du 10 Ryo bei dir?“
    „Du bist ja vollkommen gestört!“, echauffierte ich mich in einem wutgeladenen Impuls: „Eigentlich habe ich eine ganz ruhige Eskortmission mit einer etwas schwierigen Kundin erwartet, aber nicht sowas!“ Hatte ich wirklich erwartet, dass mal alles glatt laufen würde? Sollte ich mich selbst belügen? Der Plan B sah nun vor, das Geld für den Gangsterboss dazulassen und wegzulaufen, doch diesen Plan hatten uns die Pokémon der beiden schnell durchkreuzt – wir mussten uns nun durchkämpfen.




    Donphan und Morlord hießen unsere Widersacher. Zwei Bodenpokémon, mit denen gerade ich besonders viel Spaß haben würde. Was hatte „Elena“ eigentlich verbrochen, um in solche Situationen hineinzuschlittern?
    „Los, Elaine!“, rief der große Oz, als würde ER mich in den Kampf schicken: „Wir zeigen denen jetzt, dass niemand so fabulös und wunderbar wie wir sein kann!“ Das Morlord stellte für das Knogga die größere Gefahr dar, ich hingegen würde gegen beide nicht die beste Figur machen.
    Vielleicht konnte ich sie ja mit Worten überzeugen: „Hey, ihr beiden! Sicher, diesen beiden Schlägern die Treue zu schwören? Ihr habt nichts davon, uns niederzumähen!“
    „Die Kriminelle steht hinter dir, sie ist es, die den Besitz unseres Anführers nicht rechtmäßig zurückzahlt! Sie verleihen nur großzügig, der Aufstieg in die ehrenwerten Plätze der Gesellschaft bleibt ihnen ja verwehrt!“, schimpfte das Donphan mit einem lauten Tröten und setzte bereits zum Walzer an: „Der, der alles verliert, egal aus welchem Grund, muss ganz unten anfangen!“ Bei den Kriminellen. Auch das mochte ein Faktor sein, weshalb die alte Shogunatsherrschaft so verhasst war. Der Vorteil der mit Hindernissen übersäten Arena war das eingeschränkte Handlungspotential unserer Gegner. Niemals würde Walzer ein solches Tempo aufnehmen können, um mich wirklich in Bedrängnis zu bringen.
    „Oz, mach, irgendwas Schlaues!“, rief ich dem Knogga etwas ratlos zu, während ich mich auf einen der Holzstapel hievte, um vor dem Donphan sicher zu sein. Etwas beleidigt blickte er zu mir auf, nickte mir jedoch dann selbstbewusst zu, um seine Kraft unter Beweis zu stellen: „Jetzt zeige ich euch meine Blue Attack! Die hat Tsoony mir beigebracht!“ Ein hellblauer Strahl entwich seinem Maul und schoss das schwerfällige Morlord zu Boden – Eisstrahl!
    „Jetzt bist du Blau! Das ist meine Blue Attack, Gyararararara!“, freute er sich über seinen Triumph, der jedoch keiner war.
    Abfällig schnaubte ich: „Das ist ein Morlord, die sind immer blau! Die Attacke hätte Donphan vielleicht besser gebrauchen können!“ Als der Lurch wieder auf beiden Hinterbeinen stand, war er nah genug an meinem Partner, um ihn mit einem Nassschweif gegen einen der Holzstapel zu befördern. In der Defensive war es um Oz definitiv schlecht bestellt, sodass es kein Wunder war, wie ein grässlicher Schmerz durch mein Herz beim Vernehmen des dumpfen Aufpralls ging. Ich hatte mich nicht tatenlos und feige vor dem Gefecht gedrückt, sondern gerade eine Salve dunkler Energie vorbereitet, die ich ebenfalls auf den Sumpfbewohner abfeuerte. Um ehrlich zu sein, kam mir Charlies Spukball gegen Tetsu-Yomi allerdings wesentlich eindrucksvoller vor.
    In der Zwischenzeit hatte Hinagiku die Ruhe weg und zündete sich nicht eine, sondern gleich zwei … nein … drei … vier … mehr und immer mehr Zigaretten an! Das ganze Gebäude würde in Flammen aufgehen, was zur Hölle war nur in sie gefahren? Mit Händen und Füßen brachte ich Oz auf der gegenüberliegenden Seite bei, dass er auf die Holzstapel klettern sollte, während die Künstlerin ihre Zigaretten zu verteilen begann. Die beiden Rüpel jagten ihr nach, doch glücklicherweise befanden sich die hinderlichen Holzsandalen bereits unter dem Brennholz.
    „Ele- … Elaine! Greif – Donphan – an! Morlord wird meine kleinen Brände löschen müssen, mach' was draus!“, ließ sie den Glauben an die Menschheit wieder ein kleines Bisschen in mich zurückkehren. Donphan konnte uns unten nichts, während wir Spukball und Eisstrahl abfeuerten, doch der Elefant sah sich schon bald dazu gezwungen, die Stapel mit wuchtigen Schädelstößen zu erschüttern und uns herunterzustürzen! An einer niedrigen Stelle lag ein Notizblock, den ich auflas, während Oz unseren Gegenspieler mit Knochmerang in Schach hielt. Als mein Stapel dann einzubrechen drohte, landete ich mit einem schwungvollen Sprung auf dem Rücken des Rüsseltiers, jedoch nicht ohne sein wichtigstes Tastorgan mit einem geladenen Schweif-Peitschenhieb zu malträtieren. Mithilfe des Kampffeldes und der Unterstützung unserer Klientin hatten wir am Ende doch die Nase vorne, denn auch ein energisches Erdbeben war ganz sicher nicht im Bereich des Möglichen hier. Wir hatten sie ausgespielt und letztendlich beide Gegner mit dem letzten Spukball und der letzten Knochenhatz in die Knie gezwungen, der große Oz und ich.
    „Elaine! Das muss das Pokémondorf sofort erfahren! Nun hat sich der große Oz endgültig als würdig erwiesen!“, frohlockte der selbsternannte Held, der nie seinen Optimismus verlor. Doch die Realität würde ihn selbst dann wieder eines Besseren belehren, denn gewissermaßen hatte er Brüder im Geiste geschlagen.
    Das niedergeschlagene Morlord ächzte bitterlich: „Froh, ausgerechnet gegen die Ausgestoßenen der Gesellschaft gewonnen zu haben? Wir gehören zur YA-KU-ZA. 8, 9, 3, das Wertloseste aller Kartenblätter.“ Schlagartig senkten sich meine stolz aufgerichteten Ohren etwas … war es wirklich so, wie sie sagten?


    Ein Plappermaul par excellence betrat nun die Bühne und verzögerte unsere Flucht um ein Weiteres: „WAS? Du meine Kolleges besiegt haben? Ich nicht verstehen, Sansai und Santo-Menschen doch nicht so stark? Ich kommen aus Karyu, sein ein Ausländer wie du, kleine Miezekatze! Das nicht wahr, das nicht wahr, wenn Boss das sehen, wir bekommen große Problem! Du kleine Miezekatze, nix sagen, mir verstanden hast? Oki-doki? Aribidachi, kleine Miezekatze!“ Ich … blinzelte verwundert, zuckte erstaunt mit den Ohren und versuchte, den fremden Akzent irgendwie einzuordnen, während ich den kleinen Notizblock mit einer Liste an Namen und vielen unbekannten Schriftzeichen studierte. Die einzige Zeile, die ich lesen konnte, handelte von „Ausländern aus Hexalos“ namens Jeanne und Jonathan Masson, während der Neuankömmling irgendetwas von Sansai und Santo, den Regionen westlich und östlich des großen Schneebergs faselte. Endlich konnten wir aus der Lagerhalle verschwinden und zumindest dieser Naoya würde mir nicht noch ein paar Steine in den Weg legen. Ihm begegnete ich an diesem Tag auch nicht mehr, doch jemand anderes war gerade in Begriff, die zwielichtige Lagerhalle zu betreten. Mir stockte der Atem, als mir klar wurde, wer hier in einem schneeweißen Kostüm aufgekreuzt war, um nach dem Rechten zu sehen. Hut, Jackett, ein nicht einmal knielanger Rock und Stöckelschuhe in Weiß, dazu ein goldenes Hemd und eine schwarze Krawatte. Diese Mafiosi hatten nicht nur eine westlich gekleidete Frau über sich, sondern eine mit goldenen Augen und sandfarbenen Flügeln, gepaart mit einem silber-metallischen Schweif, der interessiert umherpeitschte.
    „Okay, DU bist nicht Naoya, oder?“
    „Nein, Lanie-Schätzchen, Naoya ist meine rechte Hand, aber der ist gerade nicht anwesend“, schmunzelte mir niemand Geringeres als unsere Kagayaku ins Gesicht.
    „Bist du nicht Kaiserin von Hexalos?“, entfuhr es mir, obwohl ich mit aller Gewalt meinen Mund mitsamt dessen geschockten Ausdruck zu verdecken versuchte. Kagayaku neigte verspielt ihren Kopf, als gäbe es nichts, für das sie sich rechtfertigen müsste.
    Sie war einfach nur absolut wahnsinnig: „Genau, aber hier könnte ich mir auch ein Denkmal setzen. Wir brauchen Geld für mein wunderschönes Prachtschloss Château de Mitour, und da kommt mir ein auf Glücksspiel basierendes Untergrundgewerbe rund um unzufriedene und familienbedürftige Kleinganoven jenseits der etablierten Gesellschaft nur gelegen, um meinen Traum zu finanzieren und die kleinen Tellerwäscher hier zu … naja, Menschen mit Perspektive zu machen.“ Oh, Kagy. Du kleines, abgebrühtes Luder. Kannte ich sie wirklich so wenig?
    „Hey, hast du das da drinnen gefunden? Zeig mal! Uuuh, Diebe, die Diebe beklaut haben. Mit denen haben wir noch ein paar Federn zu rupfen“, kommentierte sie das Schriftstück aus der Halle, das sie mir ungefragt aus der Hand entriss. Vollkommen taub fühlte sich mein Kopf an, als sie mir liebevoll durch die Haare wuselte und meine Ohren krallte, bevor sie die Lagerhalle untersuchte. Ich sollte fröhlich sein, oder? Feierabend mit einem geglückten Auftrag … doch ich war es nicht, zu sehr versank ich auf meinem Heimweg wieder ins Grübeln. War sie am Ende die größte Gefahr für dieses Land?

    JETZT. REICHT. ES.


    Game Freak, jetzt bist du fällig. Ich schicke dich in die Forensik, ein für alle Mal!


    https://www.pokewiki.de/images…Stratos-Eis_Traumwelt.png


    Wisst ihr, was das ist? Das ist eine Leckerei, die sich Stratos-Eis nennt. Nun, weswegen gibt es denn das Stratos-Eis, welchen Zweck erfüllt es denn?


    *im Itemlexikon blätter*


    ...



    Zitat von Beschreibung

    Dieses Eis ist eine Spezialität aus Stratos City. Es behebt alle Statusprobleme eines Pokémon.

    Ein Eis, das alle Statusprobleme heilt. *shrug* Klingt doch ganz nett.



    So etwas Leckeres weckt sicher jeden aus seinem Schlummer auf.


    Vielleicht sind dort bestimmte Heilstoffe enthalten, die den Körper entgiften.


    Das Eis Brandwunden kühlen kann, ist schließlich kein Geheimnis.


    Nichts beruhigt einen verwirrten Verstand so sehr wie ein köstliches Dessert.


    Und gegen Liebeskummer hilft es sicher auch.


    Und wer weiß, Paralyse funktioniert auch über Biochemie, irgendwas wird den Muskel doch schon wieder freisetzen.



    Wo mein Problem ist?
    WO MEIN PROBLEM IST?
    WO MEIN FUCKING PROBLEM IST?



    *schnauf*


    "ALLE" Statusprobleme. Ratet mal, welchen ich nicht aufgezählt habe. Na, kommt ihr drauf? Ja richtig. Eis.



    Ein Eis, das Eis heilt.
    Ja richtig, ein enteisendes Eis. Ohne Pointe, Ein Eis, das warm genug ist, um einen Eisblock zu schmelzen.
    Okay, ihr Schlaumeier aus der Physikabteilung von Nintendo, wie stellt ihr euch das vor? Um ein Eis zu werden, muss das Stratos-Eis eine Temperatur jenseits der 0°C annehmen. Ein Gegenstand dieser Temperaturskala ist maximal dazu in der Lage, einem anderen Gegenstand seine Wärmeenergie in sagen wir mal 253-273 Kelvin zuzuführen und ihn tatsächlich zu erwärmen, wenn das Objekt viel kälter ist. Aber das Stratos-Eis ist auf eine Maximaltemperatur begrenzt, die in keeeeiner Galaxie dieser unlogischen Dulliwelt ausreicht, um Eis zum tauen zu bringen.
    Nein.
    Nein.
    Nein.
    Das könnt ihr nicht bringen, Game Freak. Ein Eis, das Eis taut. Habt ihr eigentlich irgendeinen Fitzel logischen Verstand in euren Birnen? Irgendeinen, oder habt ihr den euch nach einer versauerten Kuhmuhmilch, die man ungekühlt herumschleppen kann (japanische Milch steht wie in den USA in Kühlschränken, immer, das ist anders als in Deutschland!), aus dem Leib gesch- ... gespült? Was läuft denn falsch mit euch? Ich meine, ist es so schwer zu sagen "Ja das hilft gegen alles außer Frost"? Wo ist das Problem, so häufig kommt das Statusproblem sowieso nicht vor, aber hey, Hauptsache jetzt den Arktos abschießen mit so einem grenzdebilen Stuss!


    Was kommt als nächstes? Der aufweckende Baldrian? Okay. Nein. Schlimmer als das polkappenschmelzende Stratos-Eis kann es nicht mehr werden. *klatsch* Glückwunsch, Game Freak, ihr habt es geschafft. Ein für alle Mal. Diesen Eisberg kann man nicht toppen, nicht einmal mit Eiswunder.


    Ich möchte jetzt nur noch weinen und meine gefrorenen Tränen mit einem Lavakeks schmelzen.

    Die sind doch selber schuld mit ihren Ansprüchen. PSG wurde letztes Jahr Zweiter und flog im CL-Achtelfinale raus. Emery blieb und erwischte einen guten Start. Juve war Ende 2015 im unteren Mittelfeld der Serie A - Allegri blieb und belohnt sich und sein Team im Frühjahr 2017 mit einem CL-Finale. Und Bayern geht bei immer noch guten Ausgangpositionen in allen Wettbewerben der Stift. Unruhe in der Mannschaft durch den Trainer ist der einzige vernünftige Grund, alles andere ist beschämenswert. Ein CL-Sieg ist eine Kür, keine Pflicht, wer einen solchen Anspruch stellt, der soll sich doch sein Leben lang selbst bedauern, wenn sein Team dann leider nur mal alle 5-10 Jahre eine internationale Trophäe und dann nebenbei die "blöden" Nationalen Titel gewinnt. Davon träumen Andere.



    Heute Abend darf der Letzebuerger Bouf (Bub) Jeff Strasser seinen 1. FCK gegen den Vorletzten Greuther Fürth aufs Feld führen. Ein 6-Punkte-Spiel, wo sich zeigen wird, ob die Mannschaft der Roten Teufel tatsächlich so limitiert und unbegabt ist, wie sie bisher aufgetreten war. Lautres Überlebensversicherung letztes Jahr hieß 60.
    Bonne Chance, Jeff! =)

    Kapitel XVIII - Rock and Rawr


    Über den beeindruckenden Taurosschädel, den Yomi als Helm benutzte, war ich immer noch nicht hinweg. Seinen Zweck verfehlte er allgemein gewiss nicht, doch zumindest ich blieb ohne Angst. Als ich die Forscherin dann schließlich gefragt hatte, was sie denn hier in diesem Aufzug zu suchen hatte, gestand mir die kleine gehörnte Frau aus dem wissenschaftlichen Jungbrunnen höflichst Rede und Antwort: „Was glaubst du? Dass ich hier noch besser bewaffnet erneut mit dir Kämpfe und deine Geschichte komplett beende? Coucoucou~ … ich bin nicht hier, um Ärger zu machen. Ich musste einzig und alleine mit diesem liebenswürdigen Wesen die Oberfläche erreichen, ohne meine Haupttunnel und -stollen zu zerstören. Deswegen werde ich mich nun auch wie beabsichtigt zurückziehen und weitere Vorkehrungen treffen, ma chère. Au revoir~!“ So schnell sie hier erschienen war, so schnell wies sie ihr Metagross nun auch an, ihren fragilen Körper schleunigst aus dem brennenden Dorfgelände herauszutragen und einen Unterschlupf zu finden! Was hätte ich tun sollen . Mich an das baumstammdicke Bein des Stahlungetüms klammern und sie nach weiteren Antworten ausquetschen? Natürlich war unsere Beziehung zueinander immer noch so kalt wie Nachtfrost auf jungen Kirschblüten, sodass sie nicht wirklich an einem längeren Plausch interessiert war. Yomi war höflich, charmant und formte ein niedliches Lächeln auf den Lippen, was jedoch alles wahrscheinlich nur jemand wie Kagayaku vollends genießen konnte. Doch der nächste Brandherd schloss sich unmittelbar daneben an: Charlie und Roxy hatten den mies gelaunten Dorfbewohner und sein Magmar in die Mange genommen! Etwas Rauch stieg von Charlies Yukata auf. Sein Gesicht verriet keinen Schmerz, doch seine merkwürdig gekrümmte Ohrenhaltung, außerhalb seiner eigenen Kontrollsphäre, offenbarte, dass sich der Feuerschlag bis zu seiner Haut durchgebohrt hatte.
    „Ob du vollkommen geistesgestört bist, habe ich gefragt!“, knurrte mein Bruder verächtlich, während Roxys Schweif fragezeichenförmig gekrümmt stumm nach Antworten verlangte, die ein gegen eine Holzfassade befördertes, bewusstloses Magmar nicht mehr geben konnte. So konnte man die letzten verbliebenen Holzstrukturen natürlich auch minimieren, well played, you two. Kühle Spritzer rissen mich plötzlich aus den Gedanken – begann es zu regnen? Ich blickte mich um und tatsächlich schossen gewaltige Säulen Rauchs und Wasserdampfs in den Himmel, doch dieser war bis zu diesem Moment komplett wolkenlos gewesen! Die Flegmon rufen konnte hier offenbar auch niemand, doch Gott sei Dank schien sich eine Art tierische Feuerwehr formiert zu haben, die den Großbrand mit riesiger Staffelstärke zu ersticken versuchte. Starmie, Turtok, Impergator, Jugong, Kappalores, Bojelin, Sumpex und andere starke Vertreter der aquatisch lebenden Pokémonriege verwandelten den verkohlten Ort schon bald in eine dampfende Hölle, aus der sich ein für einen Mann dieses Landes ein recht hoch gewachsener Schatten nahezu unbemerkt hinter meinen Geschwistern formieren konnte. Für einen kurzen Moment blieb mein Herz stehen, der Atem stockte mir, als ob mich eine riesige Rauchwolke umschlungen hatte, doch ich sah klar und deutlich.



    „Du schon wieder, Shintaro. Ein stadtbekannter Ausländerhasser wie du bleibt natürlich in keinem Strafregister unerwähnt, aber dass du ein Feuer legst, um unseren Gästen die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist selbst für dich ein starkes Stück. Na los, lauf. Du darfst dir aussuchen, welche Polizeiblockade du herausfordern möchtest, ich selbst kann dich schlecht festsetzen. Ich bin Politiker.“ Erleichtert atmete ich einen heißen Luftschwall aus und trippelte zu Charlie und Roxy, die von dem schlanken Mann in einem schwarzen, westlichem Anzug mitsamt Fliege überragt wurden. Kurze, glatte Haare, aufmerksam und intelligent wirkende Augen besaß er. Was mich jedoch komplett überforderte, war der mehr als nur skurril wirkende Bart des Politikers, den ich so noch nie in meinem Leben gesehen hatte, geschweige denn vor Ort. Ein Schnurrbart und ein verhältnismäßig dünner Bart am Kiefer bildeten nur Anfangs- und Endpunkt einer bis dato einmaligen Formation schwarzer Barthaare: links und rechts vom Kinn standen sie als eine Art komplett unförmiges Gebüsch ab, wurden sogar immer breiter statt schmaler, je weiter sie sich von seinem Gesicht entfernten!
    An meine Geschwister gerichtet, fuhr der Politiker fort: „Habt Dank, den Verbrecher identifiziert zu haben und verzeiht die Umstände, die er euch besorgt hat. Wir sind froh, Gäste aus dem Westen bei uns begrüßen zu dürfen und von eurer hochmodernen Technik zu lernen … vor drei Jahren, als das Verlassen des Landes noch unter Todesstrafe stand, hat unser Fürst ein Dutzend wissbegierige Samurai in den Westen geschickt, damit unser Fürstentum Shatsuna, der Stern des Südens, unserem gesamten Land die Moderne bringt. Umso mehr erschüttert mich es, wie einige Leute den Fortschritt verteufeln statt sich dankbar zu zeigen. Yoshikichi Tokuno, mein Name.“ Niemand unter uns Dreien wusste, wovon der gute Herr, in seinen Dreißigern wahrscheinlich, hier sprach. Nicht einmal von einem Fürstentum Shatsuna hatte ich gehört, bis Charlie auf seiner Landkarte mit dem Finger Weltreisen unternahm und letztlich am südlichsten Punkt des Inselreiches angekommen war.
    Es war wirklich zu leicht, wie wir nun, trotz zugegebenermaßen eher unschönen und anstrengenden Umständen, an einen ganzen Batzen Geld gekommen waren, den Tokuno uns als Lohn und Entschädigung überreichte: „Ihr seid verwundet, ich rate Euch daher umgehend, im Nachbardorf einen Arzt aufzusuchen. Dieser Obulus wird die Kosten nicht nur abdecken, sondern für weitere Erlebnisse in unserem schönen Land dienlich sein, nicht nur für den in schätzungsweise … zehn Minuten … gefassten Kriminellen, sondern auch als Wertschätzung meiner.“ Wahnsinn, sogar eine Taschenuhr trug er bei sich! Und dann sprach er noch perfekt eine Fremdsprache … bis mein Blick hinüber zu einem silbergekrönten Pokémon mit eisblau leuchtenden Augen glitt – einem Laschoking! So funktionierte also Telepathie von Mensch zu Pokémon. Und bereits ehe die beiden von dannen gezogen waren, hatten sich die Wolken über dem Dorf zusammengezogen, um dem Verbrechen endgültig ein Ende zu setzen, auch wenn vielleicht nicht mehr viel zu retten war für die Bewohner.


    „Atsu- … atsui …“, stöhnte Saki über die Hitze, während sie sich mit einem Fächer Luft zuwedelte.
    Halb im Kompliment, halb aus Belustigung sagte ich zu ihr: „Saki, deine Augen sind ja wie Schokolade! Dunkel, süß und sicher auch lecker, nyom!“ Denn ich hatte mir einen Auftrag gesetzt, nämlich Saki aus der Reserve zu locken und die junge Frau enthüllen, die sie sich innerhalb dieser selbst errichteten Aura des „Ich bin übrige böse“-Seins errichtet hatte. Irgendwas in mir sagte mir, dass ich sie öfter treffen musste, und vielleicht sogar zu mehr als einem Tässchen Tee zu schlürfen.
    Allerdings wusste sie nicht besonders gut mit Komplimenten umzugehen, errötete verlegen: „Umm … das höre ich jetzt zum ersten Mal. Das … war etwas Gutes, oder?“
    „Du weißt doch, wie verrückt ich auf Schokolade bin und wenn du mich weiter so anschaust, vernasche ich dich gleich! Dein Haar ist auch Schoki!“ Und der Boden war Lava!
    Die Miko blickte mich so erschrocken an, als fürchtete sie, tatsächlich mit Haut und Haar verspeist zu werden und stammelte: „Deine Ohren sind wie Bananen, m-mit schwarzen Schlieren. Ma-macht man sich so im Westen Komplimente?!“ Ja, fast. Close enough, Saki. Etwas desillusioniert zuckte ich mit meinen Ohren, aber es war so interessant zu sehen, wie sie hier ihr eigens kreiertes Selbstbild in unbekanntem Gefilde nicht mehr aufrecht erhalten konnte! Ich hatte es geschafft! Weniger erfolgreich war ich hingegen im Abwenden meines Blickes, denn das hübsche Schreinmädchendress übte eine ungeheure Faszination auf mich aus. Und dieser verlegen wirkende Gesichtsausdruck! Kawaiiii! Cute. Süß. „Kawaii“ war so ziemlich eines der von mir meistgenutzten Wörter der Landessprache, ohne Zweifel.
    Doch einen Moment später legte sie ihre durch mein Kommentar übergestülpte Unsicherheit ab, packte mich an der Hand und zog mich durch die fernöstliche Abenddämmerung: „ Weißt du was, Elaine? Wir werden jetzt Spaß haben!“ Spaß haben, genau, denn das stand nach der denkwürdigen Begegnung mit Neo-Tetsu-Yomi, einem Metagross, einem waschechten Rassisten und einem der einflussreichsten Politiker dieser Zeit auf meiner Agenda, und nichts Anderes! Wie ich später herausgefunden hatte, stand Yoshimichi Tokuno für eine fortschrittsgewandte Politik unter der Führung des Kaisers Munehito. Sein Fürstentum hatte unter Namikas Vorgängern viel erdulden und viele Querelen erleiden müssen. Doch sie war nicht alt genug gewesen, um diese Regeln zu ändern, geschweige denn, das Geschehene vergessen zu machen. Schritt für Schritt verstand ich mehr über die politischen Hintergründe dieses mysteriösen Landes, auch jenseits der unmittelbaren Gegenwart. Saki hatte sich indessen hinter einer Bambuskabine ein knapperes Stück Stoff um ihre Hüfte gelegt.
    „Dein Rock ist aber kurz ...“, merkte ich leise und mit einem Ohr zuckend an.
    „Ja klar ist er das. Ich will jetzt Spaß haben, verstehst du das? Yay! Und das geht nicht in einem gigantischen Fetzen, in dem ich überall hängenbleibe, Baka! Außerdem tragen das alle Mädchen hier in 100 Jahren, dafür lege ich meine Hand ins Feuer!“ Na wenn sie das sagte, war da vielleicht sogar etwas dran, wer weiß?




    Wilde und rasante Klänge wie ein Geräuschfeuerwerk heizten die Stimmung in einer geräumigen und von einfachen leuten gut gefüllten Großkneipe an, in die Saki mich am Abend entführt hatte. Ich hatte es zuvor nie für möglich gehalten, dass inzwischen der unzähligen, fast hüfthohen Sakefässer aus hellem Reisstroh solche Töne auf der improvisierten Bühne kreiert wurden. Die ortsansässigen Musikinstrumente wie Shamisen, Biwa, Koto oder Fue-Flöte waren mir bisher nur als eher gemächliche, entspannte Werkzeuge des Musizierens aufgefallen, doch diese beiden in einen silbernen und goldenen Kimono gehüllten Männer verstanden es, wirklich alles aus den Geräten herauszuholen.
    „Na, Lanie? Wie gefallen dir die Kaminari-Brüder?“, stieß Saki mich leicht mit ihrer Schulter an und begann, für uns einige Gläser aus gebranntem Ton mit verschiedenen klaren und matten Flüssigkeiten zu befüllen.
    Obligatorisches Ohrenzucken der Unsicherheit meinerseits: „Vom Aussehen her?“
    „Von der Musik her, Baka! Wir sind keine vierzehn mehr, wo wir kreischend in Ohnmacht fallen, weil mal einer eine andere Figur hat als Porentas Lauchstange“, murrte sie zurück, bevor sie sich erneut ein amüsiertes Lächeln aufsetzte, als sie mir die Tässchen reichte und vorstellte: „Bier aus deiner Heimat, klarer Sake, matter Sake, Umeshu-Pflaumenwein und zum Schluss noch ein edles Tröpfchen Shochu, einem Reisschnaps aus Shatsuna! Vertrau mir, schmeckt gut, zumindest in Maßen. Tut auch gut, zumindest in Maßen.“
    Sie kostete vor, ich nach. Das Bier überlebte nicht einmal ein paar Sekunden, der Reiswein jedoch war für mich eine neue Erfahrung, die ich bewusst genießen wollte. Die kristallklare Flüssigkeit sah aus wie Tafelwasser, schmeckte jedoch etwas schwer definierbar, jedoch mit einer leicht süßlichen Note. Nicht schlecht, nicht allzu stark. Die matte Variante hingegen … man hätte wohl einen Sakefachmann bestellen müssen, der einer Laiin wie mir ausführlich die Unterschiede zu der vorangegangenen Version aufzeigte, denn ich fand sie nicht.
    „Und wenn man es übertreibt, Saki?“
    „Dann denkt man, dass es gut tut. Bis man aufwacht … uuuh reden wir lieber etwas Schöneres. Ummm … was naschst du am liebsten?“
    „Schokolade, weißt du doch!“
    „Langweilig.“
    „Wieso das denn?“
    „Frag mich doch mal.“
    „Was naschst du denn aufregendes?“
    „Hmmm … Elaine!“
    „Wa-was?“
    „Von leckerer Schoki ummantelt bist du echt genießbar! Nein, himmlisch süß sogar!“
    „Ach was! Bin ich denn soooo süß?“
    Plötzlich lehnte Saki ihren Oberkörper leicht nach vorne, packte sanft meine langen Ohren und zog sie vorsichtig herunter. Das musste vielleicht dusselig ausgesehen haben, jedenfalls weitete ich angesichts dieser überhaupt nicht erwarteten Aktion meine Augen und blickte sie etwas hilflos an, bevor sie nach wenigen Sekunden kichernd wieder abließ: „Hahahaha! Oh Mann! Du hättest dein Gesicht sehen soll. Jup, definitiv süß.“ Sakis leicht gebräuntes Gesicht war mittlerweile selbst im Dämmerlicht der rotglimmernden Lampions in einem ähnlichen Farbton wie diese erstrahlt. Ich selbst spürte auch, wie eine angenehme Wärme mich wie eine Wolldecke einzuhüllen begann und ein paar Koordinierungsschwierigkeiten meinen Bewegungsablauf leicht beeinflussten, doch das Schreinmädchen hatte gerade definitiv nichts mehr mit dem verschlossenen Austos zu tun, das einen mit vor Nihilismus nur so triefenden, pechschwarzen Augen anstarrte.
    „Und was ist das?“, fragte ich sie, als sie mir nun den goldenen Tropfen servierte.
    Sie musste tatsächlich für einige Momente überlegen, was jedoch nicht mit ihrem Alkoholspiegel zusammenhing, sondern mit einer kreativen Verpackung ihrer Antwort: „Es schmeckt nicht nach Saki! Ich meine … es heißt Umeshu, natürlich schmeckt es nach Ume, also Pflaume. Aber es ist das Beste von dem ganzen Zeug, davon könnte ich eine ganze Karaffe in mich hereinschütten!“
    „So so, wie schmeckt denn Saki?“, witzelte ich, als ich den ersten Schluck des fast schon zuckersüßen Trunks schlürfte.
    „Ummm, vielleicht eröffnet sich dir ja mal die Gelegenheit, es zu probieren! Knackig, fruchtig, süß …!“, klärte sie mich freudestrahlend auf und legte ihren Arm um mich, bevor sie in ein Kichern überglitt, das dann wiederum sehr wohl mit ihrem Alkoholspiegel zusammenhing: „Kihihihi!“ Meine Stirn glühte, mein Herz pochte. Ich gab den Getränken die Schuld, denn sie waren es sicher auch, dass ich mich kaum satt sehen konnte an einer Saki, die so sorglos und glücklich im Takt der Musik ihren Kopf von einer Seite auf die andere und wieder zurückbewegte, während sie mit ihren Händen auf ihre bloßen Oberschenkel trommelte. Im Sitzen schien ihr dunkelblauer Rock noch kürzer zu sein, aber das schien hier niemanden groß zu kümmern, aber was erwartete ich denn schon.
    Kaum hatte ich mich umgedreht und mir einen Blick auf den eigentlich uninteressanten Teil des Etablissements gegönnt, nämlich die Wand, zerfielen all meine Sprachkenntnisse zu Asche: „W- … wi- … wa- … was-warum … wie … WAS?!“ Der Holzschnitt zeigte eine nackte Asiatin mit prachtvollem, voluminösen, schwarzem Haar, die es auf dem Rücken liegend genoss, wie sämtliche ihrer Körperöffnungen von den Tentakeln zweier Octillery untersucht wurden. Um es mal … etwas euphemistisch zu formulieren.
    „Oh“, zuckte Saki unbeeindruckt mit den Schultern: „Das Bild ist über 50 Jahre alt.“
    „Und sowas ist normal?“
    „Der Künstler war einer der Größten seiner Zeit, im ganzen Land geschätzt. Es trifft jetzt natürlich auch nicht jedermanns Geschmack, das ist völlig klar.“
    ES TRAF NICHT JEDERMANNS GESCHMACK. Wenn dieses Bild es jemals in den Westen schaffen sollte, würde die Kirche wahrscheinlich buchstäblich in ihren Grundfesten erschüttert werden. Es war beeindruckend, wie unterschiedlich mit manchen Themen in verschiedenen Kulturkreisen umgegangen wurde.


    Für das fünfte und zu unserem Besten auch zugleich letzte Getränk ließen wir uns Zeit, nahmen schweigend auf den Reisfässern Platz und lauschten den dramatisch-energiegeladenen Klängen der Kaminari-Brüder, deren kleine Aufführung sich nun auch langsam dem Ende zuneigte.
    Als wir ein paar westliche Matrosen unter den vergnügten Gästen ausmachten, fiel Saki dann doch noch etwas ein, obwohl sie genau wie ich ihren Nachtzenit überschritten hatte: „Ich will auch so frei sein! Wie im Westen! In den Westen! Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, Mann! Was glaubst du denn, wieso ich deine Sprache so gut spreche? Damit ich meinen zarten Körper an die behaarten Matrosen aus dem Okzident verkaufen kann?“
    Also ich wäre auf viele Ideen für ihre Motivationen gekommen, auf diese jedoch ganz sicher nicht.
    „Lanie, pass auf ...“, fuhr Saki fort: „Es war mir unter der Shogunatsregierung wie jedem anderen Bürger dieses Landes unter Todesstrafe verboten, das Inselreich zu verlassen! But now I gonna make it happen! … War das … richtig? Umm, also … das ist der Status Quo.“
    Ich hob meine Augenbrauen und runzelte die Stirn, denn einige Fragen ihres forschen Vorhabens standen noch komplett im Ungewissen: „Was ist mit deiner Familie? Die wird wenig darüber erfreut sein, oder?“
    Saki zuckte fast schon völlig gleichgültig mit den Schultern: „Nicht mal Shuzo weiß es, aber meine Eltern würden wohl eskalieren. Dieser Takehiro, mein Stiefschwanz, würde mir wohl wieder eine gute Tracht Prügel verleihen und jeden meiner Schritte noch penibler verfolgen. Mann, bin ich froh, dass ich abgehaut bin.“
    „Du musst ihn ja wirklich hassen.“
    Das alles andere als brave Schreinmädchen nickte: „Ich konnte ihn von Anfang an nicht riechen. Aber er wandelt immer noch gesund und munter durch die Weltgeschichte, um seinen Samuraisgeist an der verdadderten Reisbauernbevölkerung unsere alten, von Inzucht geprägten Wohnhölle in aller Glorie auszuleben. Als sein Fürst verstarb und das Shogunat das Lehen umstrukturiert hat, wurde er arbeitslos, was vielleicht sein Verhalten nicht rechtfertigt, um Amaterasus Willen, aber zumindest teilweise erklärt. Würde ich ihm jedoch auch nur den Arm brechen … das würde Mamas Herz brechen. Noch ein Grund mehr, das Pulverfass Saki weit wegzurollen, hehe~. I'm a dangerous girl, rawr~“ Und da waren wir wieder am Anfang unserer Bekanntschaft. Hallo, ich bin Saki. Ich bin übrigens sehr böse und gefährlich, vielleicht sogar tödlich. Habe ich bereits erwähnt, dass ich böse bin? Die brünette Asiatin blickte mich etwas verloren mit ihren dunklen Katzenaugen an, blinzelte ein paar mal behäbig und ließ sich leicht zur Seite fallen, um sich an mich zu lehnen. Mit einem Schlag kribbelte mein ganzer Körper, den ich selbst nach dem unfassbar starken Reisschnaps in allerbester Deutlichkeit spürte. Meine langen Blitzaohren zitterten wie Espenlaub, mein Schweif irrte ruhelos über den Boden aus gestampften Lehm. Es war an der Zeit, langsam nach Hause zu gehen.


    Zurück bei Onkelchen in der dunklen Nacht war ich zutiefst überrascht, dass genau dieser mir um diese Zeit begegnete, zirpten doch nicht einmal mehr die Ninjask, die ihren Schönheitsschlaf für die kommende Morgendämmerung nahmen. Hätte ich vor fünf Jahren noch die Hölle für meinen nächtlichen Ausflug heiß gemacht bekommen, war auch ihm völlig bewusst, dass diese Entscheidung niemandes außer meine selbst war, die einer jungen, erwachsenen Frau.
    „Hey, wie war dein Tag, Onkel?“, fragte ich unbefangen, im matten Licht seiner Handlaterne hoffentlich weniger zerzaust und angetrunken scheinend als ich es tatsächlich war.
    Und hier wurde mir klar, dass sein Fokus auf anderen Entscheidungen lag, die ich gerne nach seinem Gusto treffen sollte: „Durchwachsen. Kaiserin Kagayaku hat mich mit funkelnden Goldaugen von irgendwelchen wahnwitzigen Plänen eines 'Château de Mitour' unterrichtet, mal völlig abgesehen von dem Fakt, dass nach Entei nun auch Raikou Opfer der 'Medusa von Zappango' wurde. Wenn du diese Person zufällig totgeschlagen hast, kann mein Tag sogar noch überdurchschnittlich gut werden. Denn dann sind wir reich!“ Ich erstarrte. Mein Gehirn stellte sofort die Verknüpfung zu meiner neuen Freundin her, die mich nicht mehr aus ihrem Bann ließ, doch mein Herz wollte just in diesem Moment um Verzweiflung schreien, laut, schrill und in Furcht. Wie bestellt und nicht abgeholt schwankte ich auf den Tatamimatten von einem schwarz besockten Fuß zum Anderen, als würde mich mein Gleichgewicht jeden Moment im Stich lassen. Wenn dies die Wahrheit war, vertrug ich diese noch viel schlechter als den kräftigsten Alkohol. Ich hatte Saki viele Fragen gestellt, nur eben nicht die eine, die unangenehme – die zur Versteinerung der Pokémon. Quo vadis, Elaine?

    Hey Rusalka! Tatsächlich hast du es auf Anhieb geschafft, die ursprüngliche Intention hinter diesen ja doch eher mäßig starken Pokémon unter der Fuchtel des Kaisers zu erkennen, 100 Punkte, super!^^ Eine "Amaterasu" ist nicht im Team erhalten, aus Respekt des Kaisers vor dem Namen, auch wenn das Bronzel als der Spiegel natürlich ihr Symbol darstellt.
    Wir hatten jetzt also mal wieder ein Kapitel mit viel Kämpferei, sodass noch mehr Kämpferei ... naja, ich finde danach mal wieder ein Kapitel mit viel Sozialem besser platziert, ein Kapitel, in dem mal wieder eine Beziehung zu Elaine in den Vordergrund gerückt wird, aber man auch einige andere interessante Dinge über die japanische Kultur und den Zustand der Meiji-Restauration lernen wird - eine ihrer Figuren wird sogar eine kurze Cameo im neuen Chapter haben, vielleicht erkennst du den Guten.


    Kapitel #18 kommt gleich, aber bevor sich mein Internet nochmal schließt, bevor die Korrektur fertig ist, poste ich das jetzt schon ...


    Vielen Dank fürs Kommentieren! ^^

    Drei Paukenschläge aus Frankreich und der Türkei


    Ricardo Quaresma (Besiktas) wurde im Rahmen des türkischen Supercups von einem Konyaspor-Fan mit einem geworfenen Klappmesser anvisiert, aber verfehlt. Während das Fanlager des türkischen Meisters aus Istanbul als Erdogan-Kritikerhochburg gilt, ist Gegner Konya voll von Unterstützern für Erdogan.


    Erstligaabsteiger SC Bastia aus der Ligue 1 hatte keine Lizenz für die Ligue 2 bekommen und startete in der 3. Liga, nun meldet der Verein nach Spieltag 2 Insolvenz an. Bastia wird nun den Platz seiner 2. Mannschaft in der National 3 Corse (5. Liga) einnehmen müssen. Da nach dem 15. Juli keine Nachrücker mehr zugelassen werden, kann auch der SAS Épinal aus der Lorraine diesen Platz nicht einnehmen, sodass die 3. Liga mit 17 Teams weitergeht.


    Wesley Sneijder verlässt Galatasaray und heuert bei OGC Nice an. Lucien Favre holt für seine Adler einen erfahrenen internationalen Star, um seine Truppe weiter aufzurüsten. Nice ist mit einem 0-1 im Stade Geoffroy Guichard bei Rekordmeister Saint-Étienne in die Saison gestartet.

    Gedichte kann ich nicht kommentieren, liegt mir nicht, sorry orz
    @Obscuritas darf sich über ein Kommentar über seine Obiwan-Geschichte freuen :3


    Deswegen:


    PS: Ich soll offenbar noch ein Einzelwerk vorschlagen. Dann wähle ich die Sammlung von @Jeanne_Dark mit ihrem Magischen Wörterkabinett, wo es noch viel zu entdecken gibt.

    Star Wars und Pokemon? WAAAAAAAAAAAAAS? Wotzefak! Ok, das möchte ich mir auf jeden Fall mal ansehen.


    Eine Mischung aus echten Zitaten und echten Originalhandlungssträngen mit einigen parodistischen, fast schon in dieser Konstellation grotesk anmutenden Elementen, die aber in jedem Fall ziemlich unterhaltsam waren zusammen mit einer Übersetzung des Star Wars-Settings in eine Art PMD-Welt mit zivilisatorischen Pokémon in einer komplexen Gesellschaft. Ich muss schon sagen, dass das ziemlich einzigartig ist. Wäre ich jemals auf sowas gekommen? Vermutlich nicht, und ich bin schon auf einige überraschende Sachen gekommen.
    Ju-Gong Jinn ... Lucari-Wan ... Meister Quaxo ... Kanzler Palimpalim ... und Anakin Mewwalker? xD Von den Charakteren her finde ich die Wahl ausgezeichnet getroffen - gut, Palimpalim hat mit seiner Engelsstimme vielleicht etwas weniger mit Darth Sidious gemeinsam, aber das Intrigante kann man einem Friedhofspokémon, das einem sicherlich leicht Honig um den Mund schmieren kann, auch gut vorstellen. Andere Charakterzüge und andere Physis, die aber letztlich zum gleichen Effekt führen.
    Beim Pottrottrennen kam ich auch nicht ums Lachen herum. xD Das ergibt ja sogar Sinn, wenn man sich die Form des Pokémon zu Gemüte führt! Vielleicht hättest du ja noch erwähnen konnen, wie Ani seinen großen Rivalen Sebulbasaur in einem solchen Wettkampf besiegt hat! :D
    Dass die Liga dem Jedi-Rat bzw. der Galaktischen Demokratie entspricht, halte ich auch für sehr passend. Fast schon wie in Twitch Plays Pokémon, wo es eine Demokratie und eine Anarchie gab - und Anarchie entspräche hier wohl einer Rocket-ähnlichen Organisation, dem Team Sith? ^^
    Ein Lichtschwert ins Knie. ;w; Got it. xD
    Dittokrieger am Ende, auch sehr schön - und dann direkt dahinter das wieder vollkommen skurrile, außerhalb des eigentlichen Kontexts: suddenly Büroparty. xD
    Welche Pokémon wohl die anderen Charaktere verkörpern würden? Padmévoir? Tuskakrieger? Das schöne an deiner Geschichte ist, dass sie noch so viel Material für weitere Episoden bieten würde, war echt toll! :D


    @Obscuritas

    @Rusalka



    Heyaaaaaa Zwei Hühnerknubbel bidde, Henk!


    Tja, der Sinneswandel der kaiserlichen Regierung hat dich überrascht, nicht wahr? :D Fremdenfeindlichkeit? IT'S JUST A PRANK! Zumindest aus der Sicht der Elite, die natürlich genau weiß, dass sie von den neuen Technologien profitieren kann. Was den dummen Bauerntölpel (Zitat Kagy) angeht ... naja, dazu im neuen Kapitel mehr.
    Vor allem Kagayaku ist extrem nachtragend und sieht sich schnell "hintergangen". Es hätte sie sehr verletzt, wenn Elaine eine größere Verletzung in Kauf genommen hätte, nur um ihren Willen durchzusetzen, dass die Neugier über dem Wohl ihrer "Familie" stünde. Claudio hat es wirklich nicht leicht mit seinen drei Zöglingen, auch wenn diese sich ja in den meisten Fällen zu benehmen wissen! Gut, Roxy jetzt etwas weniger als die beiden andern, aber immerhin!


    Das neue Kapitel ist nach 2.5 Kapiteln auch endlich fertig - und zwar ohne halbgaren Kitt, den ich mit wenig Überzeugung im Wochentakt draufschaufeln könnte ... weiß nicht ... kann das nicht. Die Anzahl der auftretenden Hauptcharaktere ist leider relativ gering, weshalb ihr einige Lieblinge vielleicht weiterhin vermissen werdet. ;w;





    Kapitel: XVII: Tradition meets Future


    Mir war also die Ehre zu Teil geworden, vor dem Kaiser Munehito stehen zu dürfen. Der junge Monarch mit dem länglichen Kopf und der prunkvollen Offizierskleidung westlichen Stils kehrte mir nun jedoch den Rücken zu, während man von mir nun erwartete, mich Kagayakus Autorität zu fügen.
    „Alle weiteren internen Angelegenheiten sollen jedoch unter sechs Augen besprochen werden, und zwar ohne die junge Dame aus dem Westen. Das seht Ihr sicher auch so, nicht wahr, Herrscherin von Hexalos?“
    Die Sphinxenkaiserin hatte tatsächlich nicht das geringste Interesse daran, mich an diesem Gespräch teilhaben zu lassen, auch wenn ich das Meiste ohnehin nicht verstehen würde: „Du hast es gehört, Lanie. Warte bitte draußen ...“
    „Miss ...“, hob eine der Hofwachen etwas unschlüssig an, als er mir die Shoji-Papiertür aufschob, denn meinen Namen hatte ich noch nicht fallen gelassen.
    Mit einer Stimme, laut und selbstbewusst genug, dass alle im Raum befindlichen Menschen es hören konnte, stellte ich mich vor, bevor ich den geräumigen Palastsaal in Richtung des engen, mit Kampf- und Schmauchspuren besudelten Holzkorridor eintauschte: „Elaine. Elaine de Courtenay.“ Kagayakus goldene Bernsteinaugen blitzten auf, als sie jede meiner Bewegung mit erschlafften Mundwinkeln verfolgte. Die leicht egomanisch veranlagte Herrscherin hatte mir im Privaten bereits erklärt, dass Zeit für sie Geld war und ich ihr somit eben eine ganze Rotte an Sparschweinen entwendet hatte.


    „Elaine!“ Die flammenfarbene Abendsonne brannte auf das leicht geröstete Gras nieder, in dem ich alleine ein Picknick for One zelebriert hatte, als jemand nach mir rief.
    Es war der Übersetzer, der mit dem Kaiser an seiner Seite als dessen Sprachrohr fungierte: „Ihre Majestät wünscht einen Pokémonkampf gegen Euch.“
    „Ja, aber ich besitze doch gar keine Pokémon als Kampfpartner.“
    „Ihr sollt Euch selbst im Gefecht messen, so wie sich Menschen und Pokémon gleichermaßen im Ringkampf beweisen.“
    „Ach … so?“ Verwundert hob ich meine Augenbrauen an. Ganz abwegig war dieser Gedanke nicht, aber ein wenig befremdlich immerhin schon, auch wenn ich meine Kräfte bereits mehrere Male unfreiwillig erprobt hatte. Ein Kampf von Kaiser zu Kaiserin wäre wahrscheinlich die hierarchisch edelste Variante eines noblen Gefechts gewesen, jedoch sah ich andererseits keinen Spaß darin, sich als aufstrebender Herrscher von einer Wahnsinnigen mit halbgottähnlichen Fähigkeiten niedermähen und deklassieren zu lassen.
    Mich herauszufordern war nur der folgerichtige Schritt, weswegen ich dem Vorschlag nach kurzer Bedenkzeit zustimmte: „Sehr wohl. Ihr bestimmt die Arena.“ Nachdem sein Vasall übersetzt hatte, zeigte der Kaiser mit einer dominanten Geste seines ausgestreckten Armes wortlos in eine Richtung, die zu einer eingerahmten Rasenfläche führte. Ein brusthoher Hügelwall, bepflanzt mit rosa, weißen, roten und gelben Chrysanthemen, umspannte unser rechteckiges Kampffeld und erweckte trotz der kaiserlichen Symbolblume nicht unbedingt einen typisch japanischen Eindruck, was auch an der Symmetrie des Platzes und der schieren Masse der kokardenförmigen Blüten lag. Dieser Kaiser würde sich gen Westen richten, nicht in Richtung der traditionellen aufgehenden Sonne, so viel stand fest.
    „Der Erlauchten Majestät Munehito ist es in diesem Kampf gestattet, drei Pokémon zu benutzen. Die Herausforderin ist auf sich alleine gestellt und darf keinerlei Unterstützung anfordern. Keiner der Kontrahenten darf das Kampffeld Kikuzono, den Chrysanthemengarten, verlassen, sonst gelten er oder sie als disqualifiziert.“
    Ohrenzuckend nahm ich das mir auferlegte Regelwerk zur Kenntnis und konnte nicht verhindern, wie sich ein flaues Gefühl in meinem Magen ausbreitete. Es war zwar nur logisch, dass der Herrscher in seinem Zuhause die Regeln festlegte, aber wie fair oder willkürlich diese waren, konnte ich nicht wirklich wissen. Diesmal würde ich nicht ausweichen können … diesmal würde ich wirklich kämpfen müssen.




    Das erste , das von einem kleinen Teehäuschen aus seinen Weg aufs Kampffeld fand, trieb mir bei aller Freundschaft wenig Schweißperlen ins Gesicht. Susanoo, ein … naja … Gramokles, stellte eine Seele eines toten Kriegers da, die sich in einem Schwert manifestiert hatte. Das süffisante Grinsen und das blau glitzernde Augen erweckten zugegebenermaßen selbst am helllichten Tage im Blumenmeer einen Eindruck, der einem einen leichten Schauer über den Rücken jagte, aber es handelte sich doch nur um ein Basis-Pokémon! Ohne lang zu fackeln entlud ich meine Elektro-Attacke auf den auf mich zufliegenden Gegner und nahm relativ unaufgeregt zur Kenntnis, wie die eiserne Klinge wie ein geschossenes Porenta im Gras versank. Also das war ja wirklich zu einfach.
    „Tsukuyomi … yuke!“, wies der imperiale Herrscher seinen zweiten Mitstreiter an, mir etwas mehr Paroli zu bieten. Auch dieses Pokémon, ein Rocara, gab sich nicht gerade agil, sodass ich wieder aus der Ferne angreifen konnte, dieses Mal jedoch mit einem schmerzhaften Stein an meiner Stirn konfrontiert wurde! AU! Hastig untersuchte ich mit den Fingern meiner linken Hand die getroffene Stelle und erschrak, als eine warme, scharlachrote Flüssigkeit in zum Glück eher geringen Mengen zwischen ihnen klebte. Verärgert entlud ich mich erneut, um das robustere Pokémon ebenfalls auf den Boden der Tatsachen zu bringen. Zufrieden sah ich dem Rocara zu, wie es sich nach dem Stromstoß durch das Gras wälzte und sich mehr oder weniger freiwillig an den Rand der Arena manövrierte, wo es dann jegliche Regung verlor.


    Es … es war nicht tot, oder? Ich habe doch kein Pokémon getötet, oder?


    Eine Sekunden pochte dieser qualvolle Schmerz in meinem Herzen, doch weder der Kaiser noch sein Adjutant schienen großartig beunruhigt zu sein, weswegen ich von einem üblichen Bewusstseinsverlust ausging. Das letzte Pokémon, Teru, beeindruckte mich von allen jedoch am wenigsten. Fast schon leicht beschämt biss ich mir auf die Lippe, weil das letzte Pokémon des Kaisers ein wenig furchterregendes Bronzel war. Von allen Pokémon einen Spiegel mit Stupsnase? Offenbar hatte der Tenno ein Faible für Stahl- und Gesteinspokémon, die für eine starke Industrie standen, wie sie bei uns im Westen auf Kosten der Armen und Kinder seit Jahrzehnten florierte. Auch dieses Pokémon ließ ich gar nicht erst zum Erstschlag kommen, doch auch der merkwürdig anmutende Bronzespiegel überstand meine Attacke, umgeben von knisternden Blitzen. Offenbar hatte ich da einen Nerv getroffen, denn anstatt sich mir weiter zu nähern, hüllte das Bronzel seine gelben Augen in ein grelles, blaues Licht und starrte mich damit intensiv an. Mir war bewusst, dass ich an diesem Tag nicht viel gegessen wurde, sodass es mich wenig überraschte, etwas zu taumeln und mich plötzlich schlagartig schummrig zu fühlen. Es war warm und meine Wasseraufnahme hätte ebenfalls vorbildlicher sein können, was ich sofort bereute. Doch je länger ich in den metallisch-kühlen Blick des Stahl-Pokémon schaute, desto mehr fühlte ich mich in die Knie gezwungen … alles um mich herum drehend … schummrig … und verschwommen. Mein Körper gewann den Kampf für den Kaiser – was war ich nur für eine kümmerliche Gestalt, die schon der kleinsten schokoladigen Versuchung erlag? Keine starke Frau wie einst Sheila.


    Ich erwachte mit einem stechenden Schmerz, der meinen Kopf durchbohrte. Wie viel Zeit nach der Konfrontation mit dem Kaiser verronnen war, wusste ich nicht, doch dem Gefühl meines Körpers zufolge befand ich mich immer noch auf einer Wiese. Blinzelnd versuchte ich, mir ein Bild von meiner neuen Situation zu machen, doch geändert hatte sich eigentlich nicht viel. Der einzige Unterschied zu dem vor mir schwebenden Bronzel, den ich vorfinden konnte, war dieses nervenaufreibende Pulsieren in meinem Kopf. Der Kampf war demnach noch nicht verloren – denn ich war lediglich über eine Technik namens Hypnose kurzerhand ins Land der Träume geschickt worden, bevor mich der Gegner mit Konfusion, Traumfresser oder irgendwelchen anderen Psychospielchen peinigte. Ich hatte nicht den geringsten Schimmer, was ein unscheinbares Pokémon wie Bronzel überhaupt anwenden konnte, doch ein weiterer Stromstoß warf das schwebende Stück Metall nun endgültig aus der Bahn – der Sieg war mein, doch es fiel mir schwer, ihn zu genießen.
    Statt des Kaisers verbeugte sich der Übersetzer sehr vorsichtig bei mir und gratulierte zu meinem Sieg, während sein Herrscher sich bereits abwendete und nur noch einmal seitlich über den Rücken schaute, sodass sich unsere Blicke ein letztes Mal trafen, bevor er sich in seinen Palast zurückzog: „Die Erlauchte Majestät ist dankbar für diesen Übungskampf und wird daran wachsen, um unser Land mit der gewonnenen Erfahrung florieren zu lassen. Habt Dank und kehrt nun heim, Miss Elaine.“ Inwiefern das Inselreich von Erfahrungen eines relativ unspektakulären Pokémonkampfes profitieren würde, wussten wohl auch nur die beiden, doch mir blieb nun nur, mich auszukurieren. Das Team des Monarchen blieb den Kampf über so stumm wie er … eine mysteriöse Bande war das, so wie die meisten objektartigen Pokémon. Doch erst einmal würde ich mir ein wohlverdientes Bad mit einer warmen Tasse Tee mit Honig gönnen … ein Luxus, den ich gerne in Anspruch nahm, auch wenn mich Kagayaku für den Honig im Tee stets wie ein verschrockenes Sesokitz anblickte. Dabei genoss sie selbst beides separat voneinander.


    Das idyllische Dörfchen voller uriger Holzbauten, in das wir unsere heutige Unterkunft verlegt hatten, war von vielen matschigen Reisfeldern umgeben, wo in der Sonne hart gearbeitet wurde. Spitzen, flache Reisstrohhüte auf dem Kopf tragend, eigneten sich die Bauern einen Teint an, der fast so dunkel war wie der einer ursprünglichen Sphinx wie Kagayaku, nur mit dem Unterschied, dass diese mit Arbeit eher selten konfrontiert wurde. So bekam ich fast schon ein schlechtes Gewissen, mich nach faulenzendem Schlendern durch das Dörfchen auf einer Holzbank niederzulassen und den Arbeitenden bei ihrem anstrengenden Alltag zuzusehen – ich hatte eben eine andere Art von Arbeit zu verrichten. Der junge Mann, vielleicht 30, neben den ich mich arglos setzte, schien ebenfalls einem anderen Beruf nachzugehen. Sobald ich mich in einem luftigen, türkisen Yukata niedergelassen hatte und sorglos meine Beine baumeln ließ, richtete er sich auf, schlurfte wie ein Kingler zwei große Schritte zur Seite und setzte sich dann mit einer gehörigen Portion Abstand wieder hin. Missmutig hob ich meine Augenbrauen und suchte den Blickkontakt zu dem Kerl, doch dieser stierte relativ gedankenlos gerade aus, als wäre seine Reaktion das normalste auf der Welt. Auch meine geschwisterliche Begleitung entschloss sich, auf der kratzigen, unbequemen Holzbank in ihren eleganten Seidenkimonos Platz zu nehmen und wählte den Raum zwischen mit und dem glattrasierten Schnösel. Anders als meine Wenigkeit schafften es eine laut kichernde Roxy oder ein geräuschvoll irgendwelche Reiscracker zerbeißender Charlie es nicht, ihn zu vertreiben. Natürlich machte ich mir als blondes Elainchen da meine Gedanken. Also stand ich auf und setzte mich einfach mal auf Charlies Schoß – so gerne ich das Gesicht meines Bruders in dieser Situation betrachtet hätte, richtete ich meine Konzentration einzig und allein auf den Typen neben ihn, der wie erwartet seinen feinen Hintern von der Holzbank hob, diesmal nicht stoisch, sondern richtig verärgert. Mit gekreuzten Armen rief er laut mit einem Blick in unsere Richtung: „DAME! GAIJIN NO OKUSAN WA DAME!“
    Charlie wusste, wo er Prioritäten zu setzen hatte: „Wir sind Geschwister, keine Eheleute!“ Trottel. Das gab einen Tritt auf den Fuß.
    Roxy stand ihm in dieser unglaublichen momentanen Umnachtung in nichts nach: „Was ey? Hat der gesagt, dass ihr inzestuös veranlagt seid? Ist das nicht eher ein Problem von euch Landpomeranzen?“ Diese beiden waren eine hervorragende Hilfe gewesen und ich konnte mich bei allen Göttern dieses Landes bedanken, dass ein Oz oder eine Kagayaku für nicht noch skurrilere Reaktionen gesorgt hatten. Diesem Typen gefiel es nicht, das eine offensichtliche Ausländerin neben ihm Platz genommen hatte, und wenn sie dann noch mit dem „einheimischen“ Charlie schäkerte, war es dann ganz vorbei. Wie gerne würde ich einer solchen Person mit einem dermaßen einfältigen und niederträchtigen Charakter einen kleinen Denkzettel verpassen! Doch sämtliche Fünklein möglicher Pläne und Strategien erloschen umgehend, als die Erde plötzlich zu beben begann. Es ruckelte ungeheuerlich, sodass es uns sofort weg von den Gebäuden in die Nähe der Reisfelder zog, um vor möglichen einsturzgefährdeten Gebäuden sicher zur sein. In einer größeren Stadt wäre das ganze ungleich heikler, wenn man nicht das Glück hätte, in einer erdbebensicheren Pagode mit schwankender Säulenachse wie dem „Knofensa-Turm“ in Nura Zuflucht suchen zu können. Das, was jedoch nun vor unsere Augen trat, erschütterte mich noch viel mehr als der elende Fremdenhasser oder das bereits nachlassende Beben selbst.



    Ein markerschütternder, metallischer Schrei hallte durch das verschlafene Nest: „KOMAAAAAHAAAAHAAAA!“ Diese „Stimme“, wenn man sie so nennen konnte, war ziemlich tief und gehörte zu einem Pokémon, das in die Szenerie überhaupt nicht hineinpasste. Ein vierbeiniges, silbernes blaugraues Ungeheuer, auf dessen Stirn ein goldenes Kreuz prangte, blickte sich mit rot glühenden Augen um, die eisernen Krallen fest in den aufgewühlten Boden verankert. Wie in einem industriellen Höllenofen gegossen, versprühte der völlig deplatzierte Gast eine Aura, die die arglose Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzte. Auch ich kauerte am Boden und drückte meinen in den hübschen Yukata gehüllten Körper tief in die weiche Erde, um von diesem schillernden Metagross nicht gesehen zu werden. Wenn es das gigantische, pechschwarze Innere seines furchterregenden Mauls preisgab, liefen mir gleich drei Schauer den Rücken herunter. Doch wie die meisten nicht in Rudeln oder Herden auftretenden Vierbeiner besaß dieses groteske Pokémon einen Meister in menschlicher Gestalt … oder zumindest teilweise menschenähnlicher Gestalt. Ein ebenfalls metallisch glänzender, aber eher schmächtig wirkender Körper ritt auf einer rotierenden Zahnradplattform das Monster und hatte ein kabelartiges Zaumzeug an es angelegt, um das Metagross zu lenken und zu manövrieren. In den kleinen, weißen Todeskimono gehüllt war ein zierliches Wesen, das mit seinem Helm schockieren wollte. Dieser Helm, bestehend einzig und allein aus dem oberen Teils des Büffelschädels eines verstorbenen Tauros, schob sich nun ein Stück nach oben, wodurch enthüllt wurde, sich gerade durch die Erde nach oben gebohrt hatte um … wozu eigentlich?
    YOMI! Würdest du uns das erklären? Warst du nun bereit für deinen großen Plan, so wie du einst angekündigt hattest? Das die Zeiten überdauernde Büffelmädchen mit ihren futuristischen Körpermodifikationen jedoch hegte andere Absichten, als sich uns zu erklären.
    Yomi, Yomi, Yomi. Du kleines, ausgefuchstes Büffelmädchen – auch wenn du trotz deiner Hörner keines warst. Du, die Charlies und mein Leben beinahe beendet hätte, wäre nicht Kagayaku gewesen. So völlig unberechenbar. Nicht einmal gesehen hatte sie uns und selbstverständlich führte ihr Weg auf ihrem auf dem Metagross montierten Klikdiklak fort von den monotonen Reisfeldern ins Dorfinnere. Sofort setzten wir drei Geschwister nach, verloren Tetsu-Yomi in den engen Gassen für einige Minuten aus den Augen … bis wir sie im Geschrei Dutzender Menschen sahen – und das Dorfzentrum war in einem Ring aus Feuer entflammt, der sich erbarmungslos ausbreitete und Unterkunft für Unterkunft verschlang. „Yomi … was führst du nur im Schilde?“, hauchte ich aus noch sicherer Distanz, schockiert in Anbetracht des Infernos, das das Dorf langsam in Asche zu verwandeln drohte.
    Charlie hingegen suchte die Schuld bei einer anderen Bekanntschaft, die an der Gurgel packte und an die Hauswand drückte – unseren Ausländerfreund von eben, dessen Magmars brennende Krallen sich nun die Kleidung, wenn nicht sogar Haut meines Bruders bohrten! Roxy und ich konnten nicht tatenlos zusehen!

    Hey ihr beiden! Vielen Dank für eure Rückmeldung zur Nordkorea-Geschichte! (:


    @Rusalka Ja, eigentlich waren Lust und Laune der Anlass - ich weiß nicht, wieso jetzt genau ich zu dieser Zeit wieder verstärkt Dokus über Nordkorea geschaut habe und mir verschiedene Reiseblogs zugeführt habe, aber auf jeden Fall wollte ich die dort genannten Besonderheiten auch in meiner eigenen Welt fixieren - außerdem existiert Su als Charakter bereits seit Jahren, aber sie kam bisher nur einmal in einem Wettbewerb vor. Übrigens gibt es in Sinuiju ein Riesenrad, das sich nicht dreht - ähnlich wie das Drehrestaurant.


    @Cyndaquil Hoppla, viele dumme Fehler. xD Eher Unachtsamkeit ... Generälin, Generalin, ja, wusste nicht genau, was jetzt richtig war ... wirklich peinlich war nur "wahren", kA wie das passieren konnte. xD Pyongyang und Pyöngyang wollte ich eigentlich vereinheitlichen, eins ist international-englisch, das andere deutsch. Mein PC ist in Japan crèpiert, sodass ich mir dort einen neuen anschaffen musste ... und wo früher das M lag, findet man auf der Tastatur jetzt das Komma. ^^"
    Das mit dem Reis war ein Ergebnis einer westlichen Forschung, das nur Su bekannt war.
    "Uns fehlt es an nichts, außer an Reis. Dem Führer sei Dank! Denn wusstet ihr, dass Reis Krebs auslösen kann?" Sie MUSSTE diesen Satz anführen, um einen legitimen Grund zu haben, ihr Regime so zu kritisieren. Basically meint sie "Die Menschen verhungern hier wegen der dummen Fettsau x)". aber dafür könnte sie, vor allem in einem mehr oder weniger vollen Restaurant, gehörig Ärger bekommen x) Deswegen das Scheinargument.
    Ja stimmt, ich habe relativ viel auch im Vergleich zu anderen Geschichten recherchiert, weil ich nicht nur wahllos stereotypische Eindrücke reinbringen wollte - die sich von der Wahrheit aber dann doch nicht so sehr abhoben. xD


    Zu den Charas:
    Ich habe die auch in Kisekae dargestellt, ist vielleicht im Nachhinein ja ganz interessant. Satsuki und Fei sind beide Hauptfiguren aus einer Geschichte namens Miiiiiiiin, wie ein rebellisches japankoreanisches Punkgirl aus Osaka die moderne Gesellschaft kritisiert, herumpöbelt und mit ihrer Antihaltung ausgerechnet zur Auserwählten der Drachenlegende wird, um die größte Bedrohung Japans zu einem bestimmten Zeitpunkt aufzuhalten.
    Aber schön, dass die beiden Charaktere so rüberkamen, wie sie es auch sollten. x) Satsuki/Sazzy ist die beste Freundin der Hauptfigur, Ex-Cheerleaderin und ihr Not-so-Secret-Crush, aber obwohl Min nervig, penetrant und bisweilen sogar gerade zu ihr richtig unfreundlich sein kann, steht sie ihr immer zur Seite mit einem eher ausgeglichenen, sanften Wesen. Als Tierärztin (Pokemonärztin) vereinigt sie damit schon einige wichtige Eigenschaften. Sie ist einfach eine ganz liebe und schlau ist sie auch. Da sie in einem No-Pokémon-Wohnheim leben muss, bekommt sie erst später nach ihrem Umzug ein Pokémon, und zwar ein Ohrdoch.
    Fei ist einfach nur baka as fuck, aber sie erscheint jünger und vor allem dümmer, als sie eigentlich ist. Sie ist extrem hibbelig und immer noch maximal durchschnittlich intelligent, das darf man auch nicht vergessen, überrascht aber schon öfters mit positiven Momenten. Sie ist einfach nur ein süßes Schätzchen ohne Platz in der Gesellschaft, das von jemandem akzeptiert werden möchte, als "Mischling" mit einem etwas anstrengenden, extrovertierten Charakter und einer midasgleichen Schusseligkeit wenden sich leider viele von ihr ab. ;w; Sie besitzt ein Lin-Fu, könnte zum Zeitpunkt dieser Geschichte sogar schon ein Wie-Shu sein, dunno. Es gibt auch ein kleines Nebenformat, wo ich 108 Missgeschicke von Fei-chaaaaan;w; vorstelle, aber eher in Dialog/Dramaform.


    Merci beauoup ihr beiden :D



    4.350 Wörter, eine Nebengeschichte zu Min ohne Min (Es ist keinerlei Wissen zu dieser Geschichte erforderlich, um diese hier genießen zu können). Wer gerne etwas über Nordkorea lesen und lernen möchte, ist hier genau richtig. Wer Gesellschaftskritik mag, ist hier ebenso genau richtig. Wer wegen Pokémon kommt ... naja, sie werden erwähnt, da in dieser Galaxie Pokémon und die reale Welt verschmolzen sind, aber sie spielen eine sehr untergeordnete Rolle und werden nur kurz im Gespräch angeschnitten.


    Zusammengefasst: Es geht um eine Reise nach Nordkorea.
    Viel Spaß!



    Katze hinterm Zaun



    Ein knapp zweistündiger Flug, mit einem merkwürdig anmutenden Hamburgerverschnitt als Mahl serviert, sowie eine langatmige Einreiseprozedur lagen bereits hinter dem ungleichen Duo, als die Lektüre der englischsprachigen Pyongyang Times abrupt ihr Ende fand. Die jüngere, Fei-Fei, hatte das Glück, als Chinesin einen besonders angesehenen Ruf zu besitzen, sodass man der jungen Frau nicht allzu böse war, dass sie unbekümmert einige Kaugummiblasen formte, an ihren zwei Pferdeschwänzen spielte und ihre Hüfte aufgeregt hin- und herbewegte, um die Aufmerksamkeit noch mehr auf ihren kurzen Jeansrock zu lenken. Jeans waren in Nordkorea nämlich verboten, denn sie verkörperten den Imperialismus. Die einen Kopf größere Satsuki, Tierärztin in ihren Mittzwanzigern, war zurecht etwas angespannt wegen ihrer jüngeren Begleiterin. Besonders an Fei war, dass sie Missgeschicke wie ein Magnet regelmäßig anzog, sodass die brünette Brillenträgerin aus Japan zähneknirschend verfolgte, was sich neben ihr abspielte.
    "Vermisst du Miiiiyuuu?", fragte Fei plötzlich, ihren zuckersüßen Rehblick auf die Ältere gerichtet.
    Satsuki, deren Schultern und Saum ihres schwarzen, knapp knielangen Rocks von den kleinen Fingern ihrer Begleitung fest umklammert wurden, senkte ihren sanften Blick: "Dass Min nicht hier ist, ist das Beste, was passieren konnte. Nicht, weil die armen Nordkoreaner eine verletzende Ladung Satire abbekommen könnten, sondern weil unsere Punkmieze sich zu 100% in gefährliches Fahrwasser begeben würde ... die Chance ist bei uns bereits hoch genug." Vor allem bei Fei, dachte Satsuki sich, denn die Intelligenz der kleinen Kampfsportlerin bewegte sich in einem Bereich, der deutlich unter ihrem lag, ohne ihr mit diesem Gedankengang irgendwie zu nahe treten zu wollen. Die Zeit des unkontrollierten Smalltalks endete jedoch, als eine saphirblau uniformierte Dame in elegantem Militärdress vor ihnen erschien. Schicke Mütze mit dem typischen roten Stern, noble Abzeichen, eng sitzender Rock, genauer gesagt ein Mini, der im Vergleich zu dem von Feis nur unwesentlich länger war und Lederstiefel, die in der westlichen Welt sicher genauso begehrt gewesen wären. Bis auf die Farbe ihrer Uniform, normalerweise olivgrün, hatte die Offizierin die Vorstellung der beiden Ausländerinnen genau erfüllt. Ihre pechschwarzen Haare, die ihr zierliches, katzenartiges Gesicht einrahmten, reichten der um die 30 wirkenden Frau etwas bis über die Schultern und vermittelten damit einen besonders femininen Eindruck. Einen Lächeln verstrahlte sie jedoch nicht ... ernst starrte sie ihre beiden Gäste mit Sondergenehmigung an ... normalerweise kamen Touristen in Gruppen ins Land und wurden nicht von einer Marinegeneralin wie ihr, sondern von geschulten Fremdenführern, sehr gut die Sprache ihrer Zielgruppe beherrschend, entlang der geplanten Route manövriert. Satsuki war klar, dass sich die auf den ersten blick eitel, kühl und ernst wirkende Maschinengewehrträgerin von den gewöhnlichen Betreuern abhob, denn sie wirkte eher wie eine Polizeichefin.
    "Ni hao und konnichi wa, sehr geehrte Gäste aus unserem großen Bruderland China und ... Japan. Mein Name lautet Su und ich werde Ihre Führerin sein. Ich stamme aus Sinuiju, einer Stadt im Nordwesten unseres faszinierenden Landes. Zögern Sie nicht, uns zu unserem faszinierenden Land zu befragen", kündigte die Schwarzhaarige mit ruhigem Tonfall und einem weit überdurchschnittlich guten Englisch an, konnte ihren Blick jedoch kaum von der zappeligen Fei ablassen.
    "Befragen ... aber sicherlich nur die Fragen, die EUCH lieb sind", wagte Satsuki nicht, ihren spontanen Gedanken auch nur in einer der von ihr beherrschten Sprachen auszusprechen. Ihre beste Freundin Min, eine rebellische und teils kratzbürstige auftretende Japankoreanerin, hätte da sicherlich keinerlei Skrupel gekannt, nach dem Befinden des "Dicken" zu fragen, auch wenn sie alles andere als dumm war. Nachdem das Gepäck in einen Van eingeladen war, konnte das Abenteuer in Richtung des Hotels mit Tausend und Einem Raum beginnen!


    Wie erwartet gelang es Fei, bereits auf der Fahrt meisterhaft von einem verbalen Fettnäpfchen ins Nächste: "Suuuu-chaaaaan? Gehen wir auch Tempel gucken? Also ich will gerne mal einen nordkoreanischen Zoo sehen! Und welcher K-Pop ist eigentlich so am angesagtesten hier?" Bange blickte die japanische Veterinärin zu ihrer Freundin, bevor sie im Rückspiegel die Reaktion ihrer Tourleiterin abzulesen versuchte.
    Lustig fand "Su-chan" das Ganze weniger: "Vermeiden Sie es, Leute '-chan', 'kawaii', 'gangnam' oder sonst irgendwie zu nennen. Es gibt Genossen und drei Führer. Einen Tempel gibt es in den Bergen, um die reichhaltige Geschichte des großen Korea am Leben zu erhalten - aber der steht nicht auf dem Programm. Genauso wenig ein Zoo ... langweilt mich, ich kenne genug Gehege und Zäune. Und K-Pop? Gibt es, aber die Bands sagen Ihnen sicher nichts, auch wenn sie hier äußerst erfolgreich sind."
    "Ich mag Miss A, da gibt es auch eine Fei."
    "Toll. Sammelt die Milchzähne?", knurrte die Fremdenführerin leicht genervt, auch wenn sie trotz der auf südkoreanische Girlgroups gelenkten Konversation um eine höfliche Haltung immer noch bemüht war. Fei besaß ein erstaunliches Talent darin, Menschen zu entnerven.
    Fei schien so überrumpelt, dass sie ihre Kaugummiblase ploppen ließ: "Hä?"
    "Vergiss es ... oh und hör auf mit den Blasen, das macht mich WAHNSINNIG!"
    Besorgt beobachtete Satsuki den weiteren Gesprächsverlauf, aber Fei tat sich schwer damit, ihre eigenen Grenzen anzuerkennen: "Oh, du duzt mich! Sind wir jetzt Freunde?"
    "Ja, sind wir! Da du sonst keine zu haben scheinst, tut dir das vielleicht mal gut ...", hauchte die kleine, in Blau gekleidete Frau ausdruckslos, bevor sie einmal tief durchatmete. Fei schien hingegen zufrieden zu sein und genoss schweigsam die Fahrt ...


    Mitten im Beton- und Glasturmparadies Pyöngyang, einer zugleich futuristisch als archaisch anmutender Sozialistenhauptstadt voller von fleißigen Arbeiterhänden errichteten Alleen und Protzpromenaden, auf denen die verschiedensten Fahrzeuge umherfuhren, versorgte die aquatische Lebensader Taedong die nordkoreanische Hauptstadt und umspielte eine kleinere Insel, auf der ein über 150 Meter hoher Turm emporragte. Das anthrazitfarbene Yanggakdo International Hotel, das seine Gäste mit dem freundlichen Schriftzug "양각도국제호텔" begrüßte, diente dem Großteil der Touristen als Unterkunft.
    "Voilà. Fühlt euch wie zuhause", lud Su ihre Gäste mit einer wenig bescheidenen Geste ein. Bescheidenheit war in Pyöngyang kein Wert, den es zu bewahren galt. Das prachtvolle Lichtermeer bestimmter Sektoren war genau das, was den wenigen einreisenden Journalisten nicht nur ans Herz gelegt, sondern aktiv vor die Linse geschoben wurde. Nordkorea war schließlich das glücklichste Land der Erde und jeder, aber wirklich jeder sollte diese unumstößliche Tatsache von dem Land der Menschen so hart und lieblich zugleich, wie das Kumgangsan-Gebirge, nähergebracht bekommen. Gespeist von einem Wunsch nach einer starken und unabhängigen Autarkie, die Korea aus den Einflüssen Chinas und Japan befreite, nährte die Juche-Ideologie die konfuzianistische Grundordnung des Staates, die die Unterordnung vor dem Übervater Kim Il Sung selbstverständlich machte.
    자주 Chachu, politische Souveränität.
    자립 Charib, wirtschaftliche Selbstversorgung.
    자위 Chawi, militärische Eigenständigkeit.
    Unter dem Banner von Pinsel, Hammer und Sichel sollte eine Troika bestehend aus den Intellektuellen, den Arbeitern und den Bauern dem großen Führer eine solide Basis für die Verwirklichung der Ziele nach ursprünglich marxistisch-leninistisch orientierter Grundordnung bescheren. Der scharlachrote Flyer, den Satsuki in ihren Händen hielt und ausgiebig untersuchte, setzte wirklich alles daran, um nicht nur informativ, sondern auch äußerst meinungsbildend zu sein. Eine übermüdete und nach Kaffee dürstende Su führte Satsuki und Fei in eine helle, prächtig dekorierte Lobby mit schief absinkender Decke. Marmor ... Leder ... edles Holz ... nichts ließ das Empfangsportal vermissen, außer jemand verlangte nach lebhaften Touristenmengen, denn diese existierten nicht.
    "Gibt 'ne Bar ... im Keller findet ihr 'ne Bowlingbahn ... einen Pool, ein Drehrestaurant, ein Casino mit chinesischen Angestellten, Souvenirshops, eine Massageecke und einen Karaokeraum. Alles was das Herz begehrt", klärte die Nordkoreanerin ihre Gäste auf: "Nur keinen Mc Donald's, aber ihr hattet ja schließlich schon im Flugzeug Burger."
    Dass Su sie ausgerechnet an die verschrumpelte Speise erinnerte, gefiel der japanischen Ärztin weniger, doch Fei setzte unbeeindruckt mit ihren gewagten Aussagen fort: "Und eine mysteriöse Kammer!" Die junge Frau hatte hierbei ein unglaublich liebreizendes Strahlen und Glänzen in den Augen, das ihre Aufpasserin jedoch nicht verzaubern konnte. Dass sich Leute vorab über die verbotene fünfte Etage informiert hatten, war jedoch nicht wirklich ungewöhnlich. Wortlos schnaubend nahm Su die Zimmerschlüssel von der perfekt gestylten und dauerlächelnden Rezeptionistin entgegen und überreichte sie wortlos den beiden Touristinnen. Sobald diese die Insel verlassen wollten, stände sie wieder in der Pflicht, weshalb sie ihre wohlverdiente Ruhepause nach einer anstrengenden Fei-Emission kaum abwarten konnte!
    "Su ist eine Hübsche, aber ein Lächeln würde ihr mal wirklich gut zu Gesicht stehen", seufzte Satsuki, wohlwissend, dass andere Fremdenführer sie für die von Fei getätigten Aussagen auch genauso gut in die Pfanne hauen hätten können. Ihr Blick glitt entlang der edel, aber zugleich spartanisch silber und braun getäfelten Aufzugswände, die den beiden für einen Moment das Nordkoreagefühl nahmen. Wie bereits erwartet war von einem Knopf für die ominöse 5. Etage, in der sich Unmengen an geheimem Propagandamaterial verbergen sollten, keine Spur auszumachen.
    Fei, die sich etwas eingeschüchtert wirkend an die Ältere kuschelte und ihren Kopf an deren Schulter rieb, fühlte sich offenbar unwohl: "Sie sieht etwas aus wie Miyu, nur so ernst ... aber wie die anderen hier wohl sind?"
    "Sei einfach vorsichtig. Es kursiert das Gerücht, dass sowohl öffentliche Räume als auch die Hotelzimmer abgehört werden. Also. Nur lustigen Smalltalk, okay? Du kannst doch sonst immer so gut über Nonsense referieren ...", warnte die Medizinerin den Kopf ihrer Begleiterin liebevoll tätschelnd und rückte ihre Brille zurecht, als sie sich Zutritt zu ihrem im internationalen Stockwerk 43 liegenden Hotelzimmer verschaffte. Zurückhaltende Farbtöne dominierten den Raum, der sich unter anderem durch ein weiß gekleidetes Doppelbett, weiße Tapeten, einen beigen Vorhang, braune Sessel, einen dunkelgrauen Teppichboden, schwarze Schränke und einen ebenfalls dunklen, modernen Flachbildfernseher auszeichnete. Alles in allem war kaum ein Unterschied zu westlichen Unterkünften festzustellen, auch wenn dieses Hotel eine einsame Ausnahme in dieser Kategorie bildete, ebenso was das angenehm beheizte Wasser im Bad betraf. Auch die Betten waren im Landesvergleich überdurchschnittlich weich, sodass die beiden Reisenden nur all zu schnell ihrer verlockenden Versuchung erlagen und in einen tiefen Schlaf verfielen, bevor ein Abendessen mit ihrer Führerin anstehen würde.


    Das schicke Drehrestaurant im 47. Stock bot Satsuki und Fei am Abend einen faszinierenden Blick über das Lichtermeer der Hauptstadt - dem einzig erleuchteten Fleck des Landes. Aus Stromspargründen wurde jedoch auf das Drehen verzichtet, sodass die beiden sich mit einem simplen Panorama vergnügen mussten. Angeboten wurden neben einigen Speisen anderer asiatischer Länder natürlich auch die lokalen Kostbarkeiten wie das chilidurchtränkte, knackige Kohlgemüse Kimchi, Reis und ein gemischtes Bulgogi aus gegrilltem Schweine- und Rindfleisch, das in dünn geschnittenen Streifen zusammen mit Gemüse als Festessen serviert wurde. An Getränken standen verschiedenste Biere, Weine und koreanische Spirituosen zur Auswahl, unter denen ein Kaffeebier wohl die seltsamste Kreation darstellte. Su, ihre Marinemütze auf dem Nachbarsstuhl abgelegt, schenkte sich beherzt Hochprozentiges ein, der schon bald seinen Einfluss auf die kleine Asiatin ausüben würde.
    "Ihr mögt also auch europäisches Bier und europäische Weine, hm? Und sogar Hamburger. Ihr tut wohl wirklich alles daran, dass es eurem Volk an nichts fehlt, oder?", fragte Satsuki, als sie sich zum ersten Mal das landestypische Fleischgericht mit der Gabel in ihren Mund schob.
    "Ja, von Freizeitpark als Dank des großen Führers für sein hart arbeitendes Volk angefangen bishin zu den besten Kameratechnologien und den ausgeklügeltsten Verteidigungswaffen, kein Won wird gespart, um das Land zu beglücken! Uns fehlt es an nichts, außer an Reis. Dem Führer sei Dank! Denn wusstet ihr, dass Reis Krebs auslösen kann? Niemand hat etwas dagegen, wenn ihr aus eurer Faszination über England, Frankreich oder Italien keinen Hehl macht. Nur ... seid euch darüber im Klaren, dass im Falle von Japan, den USA oder Südkorea keiner eure Meinung teilen wird ... also spart euch diese entmutigende Enttäuschung", klärte Su die beiden auf und wies auf das Ergebnis einer westlichen Studie hin, das der große Marschall Kim Jong Un so natürlich nie angewandt hatte. Zu sagen, dass das Volk außerhalb der Elitenhauptstadt Hunger litt, war allerdings als etwas taktlos angesehen. Nicht eine Minute verging, ohne dass die in blau gekleidete Offizierin nicht zum Glas gegriffen hatte, sodass die kleinen Glühlampen an Decke schon bald eine rötliche Schattierung auf ihrem Gesicht bestrahlten.
    Das letzte Wort würde sie dank der ziellos im Essen herumstochernden, abgelenkten Fei jedoch ohnehin nicht haben, auch wenn es in nordkoreanischen Reisetouren genauso vorgesehen war: "Und wieso können dann welche etwas Japanisch, wenn sie es nicht mögen? Außerdem, gibt es verbotene Pokémon?"
    "Rate mal."
    "Ja!"
    "Also die Sprache eines Feindes oder einer interessanten Kultur zu beherrschen kann ja nie schaden. Und verbotene Rassen gibt es nicht, nur Attacken. So, wie unseren Kindern die Wurzeln des Faschismus und Imperialismus aus dem Herzen gerissen werden, werden den Pokémon die Wurzeln der schädlichen Fähigkeiten aus dem Herzen gerissen. Mehr als vier Attacken benötigen sie meistens ohnehin nicht und mit uns Menschen sehr ähnlichen Pokémon wie Kadabra oder Kirlia klappt das sehr gut. Kommunismus ist die beste Idee, die es gibt, aber Elitenbildung faschistoiden Ausmaßes ist die schlechteste Idee, die es gibt", erklärte Su mit starrem Blick auf die Weiten der nordkoreanischen Hauptstadt, in die nach Anweisung des Führers nur die Fähigsten und Treusten beordert wurden. Fei, die nun etwas Kimchi in sich hineinschaufelte, machte sich keine Gedanken über den tieferen Sinn der Erklärung, doch Satsuki vermutete, dass die genannten Beispiele einen gemeinsamen Nenner haben mussten. Typ Psycho. Intelligenz. Teleport, der ohnehin nur an vom Pokémon selbst bereisten Orten funktionierte. Währenddessen grub sie in ihrer Tasche, um ihrer Reiseleiterin das obligatorische Dankesgeschenk zu überreichen - ein Fläschen chinesischen Pflaumenwein und leckere Schokolade, die die Augen der Koreanerin schlagartig zum Glitzern brachten!
    "Wow, das ist für mich? Aaaaw, vielen Dank, das ist ja süß!", nahm sie die Geschenke mit einem ehrlichen Lächeln dankbar entgegen - das erste Lächeln, das sie seit Tagen zeigte: "ICH. LIEBE. SCHOKOLADE!" Satsuki freute sich über die niedliche Reaktion ihrer Gastgeberin immens und auch Fei gefiel es, wie sie völlig aus sich herauskam!
    Im angeheiterten Zustand war es möglich, den Reiseführern viel persönlichere und interessantere Fragen als die nordkoreanisch korrekten Standardfloskeln zu stellen, wie Fei bewies: "Suuuuuiiiii? Was ist dein Lieblingspoki? Was ist deine Lieblingsschoki? Bin ich deine Lieblingsfei?"
    "Die Seeperreihe! Seedraking ist mein ältestes Partnerpokémon, aber ich besitze mehrere, wie es sich für eine Frau in meiner Position gehört. Hmmm ... meine Lieblingsschoki ... dunkel, aber mit vielen Nüssen! Und meine Lieblings-Fei? Schätze, du bist eigentlich eine Süße, die man lieb haben muss!", stand Su der kleinen Chinesen Rede und Antwort, die sich laut quiekend freute!
    "Yaaaaaaaaaay! Lass uns ein Selfie machen, okay?" Dass Fei ausnahmsweise etwas richtig machte, nämlich die Leute vor dem Fotografieren zu fragen, zauberte Satsuki ein Lächeln aufs Gesicht ... der Abend war so viel entspannter als die beklemmende Fahrt! Su zwängte sich zwischen die beiden Touristinnen, streckte ihre beiden Arme in der Victory-Pose nach vorne, setzte ein Bein seitlich vor das andere und ließ sich selig lächelnd mit den jüngeren Frauen ablichten, einmal auch mit wild aufgewirbeltem Pony und leicht herausgestreckter Zunge, bevor sie vergnügt kichernd auf ihren Platz zurückkehrte und ihr Mahl beendete. Wenn sie Glück hatten, würde dieses fast schon fotokabinenhafte Lichtbild erfolgreich die Grenze nach China passieren, denn die Kontrollen fanden nur noch unregelmäßig an verschiedenen Orten statt, selbst Laptops und Handys war mittlerweile eine Reise in das mysteriöse Land gestattet.


    Die Neugier hielt auch am nächsten Tag Satsuki fest im Griff: "Miss Su? Werden wir auch die Statue von Kim Il Sung besuchen gehen?"
    "Also wenn ihr euch das wünscht, werde ich euch das sicher nicht abschlagen", fiel die Antwort relativ gefühlskalt aus. Normalerweise war eine solche Frage vollkommen obsolet, da ein solcher Besuch mit standesgemäßer Verbeugung und Blumenniederlegung selbstverständlich zum Tourprogramm gehörte. Vielleicht hatte Su auch einfach einen verkaterten, euphorielosen Tag erwischt.
    Fei starrte immer noch wie gebannt auf das lebhafte Foto des gestrigen Tages: "Das Bild ist so süüüüüüß, oh mein Gott, ich sterbe einen Zuckerschock, waaaah ..." Für einen kurzen Moment, als die Koreanerin ihre wachen Katzenaugen über die Kamera huschen ließ, entflammte ein Lächeln auf ihrem Gesicht, das jedoch nur wenige Augenblicke später wieder erstarb, als die Erinnerungen der Realität wichen. Ein großflächiges Friedhofsareal, symmetrischer aufgebaut als das Château de Versailles, bot sich vor den Augen der Gäste auf. Am Ende war auf einem Hügel das zu Fels gewordene Abbild einer dynamisch wehenden roten Flagge aufgebaut, während ansonsten eine Granitskulptur eines entschlossen voranstreitenden Revolutionärs- und Soldatentrupps sowie zahlreiche linear angeordnete Bronzebüsten das Bild der von niedrigen Betonmauern und darauf angepflanzten Hecken in rechteckige Segmente eingeteilten Ruhestätte bestimmten. Verwundert nahm Satsuki ihre Brille ab ... noch nie hatte sie solche perfekt getrimmten Hecken gesehen wie auf diesem "Friedhof der Revolutionshelden", dessen Schriftzug allein schon einem überzeugten vaterlandsliebenden Nordkoreaner Freudentränen in die Augen trieb: 대성산혁명렬사릉.
    Su hingegen verweigerte sich jeglichen Emotionen, als sie einen kurzen Grundriss zu der Gedenkstätte zum Besten gab: "1975 errichtet. 1985 erweitert. 30 Hektar. Hier werden die 530 wichtigsten Persönlichkeiten aus der nordkoreanischen Geschichte, beginnend im Juche-Jahr 1 mit der Geburt des großen Dynastiegründers, zur Ruhe gebettet. Genau hier findet ihr das Grab von Kim Jong Suk, 1917 bis 1949, zweiter Frau des größten Führers und Mutter des Ewigen Generalsekretärs der Partei, Kim Jong Il. Aufgewachsen als Bauerntochter erkannte sie die Leiden der armen Bevölkerung und somit die Notwendigkeit einer kommunistischen Revolution, weswegen sie sich völlig den Lehren des großen Staatsgründers unterwarf, treu bis zum Tod." Ein Musterbeispiel konfuzianischer Fügung, auf dem die Juche-Ideologie so fest fußte. Die Bronzebüste zeigte eine mit ihrem zarten und sanft gezeichneten runden Gesicht zuversichtlich, leicht gen Himmel blickende junge Frau in Sus Alter, deren knapp über der Schulter endenden Haare lockig endeten.
    "Wow, sie ist so hübsch wie du, Su!" Die Koreanerin blieb stumm, dachte sich jedoch ihren Teil dabei, dass sie als leibhaftige Person mit einer auf Perfektion getrimmten Statue verglichen wurde. Sie war wirklich eitel.
    Nach einer Verbeugung räumte die militärische Fremdenführerin den beiden Gästen noch etwas Zeit für Fotos ein, jedoch nicht ohne einen entscheidenden Hinweis mitzugeben: "Gebt euch Mühe. Wenn eine Statue oder Büste nicht komplett fotografiert wird, wird man eure Körper bald auch nicht mehr komplett fotografieren können ..."
    Entsetzte Blicke.
    "Hahaha, das habt ihr jetzt zu wörtlich genommen. Aber vertraut mir ... die Kernmessage ist die Gleiche. Es gilt als äußerst unhöflich, Statuen nicht in ihrer ganzen Würde und Schönheit abzulichten", fügte sie trocken hinzu, aber ihre beiden Schützlinge waren zu angespannt, um erleichtert aufzuatmen. Das musste sicher an der schwülen Luft liegen, die ihnen den Brustkorb zum Lachen zuschnürte.
    Fei wusste mal wieder nicht, wann die Zeit gekommen war, ihre mannigfaltigen Gedanken nicht mehr laut auszusprechen: "Ich möchte eine Statue von Su haben und sie dann in ihrer ganzen Würde und Schönheit fotografieren, yaahaaay!"
    "Wie? Willst du mich versteinern? Oder einfrieren?"
    "Jaaa ... aber so wie du gestern warst. Glücklich! Lächelnd! Lachend! Süüüüüß! Und zwar dann für viel länger als nur eine Stunde ..."
    "Äh ... ja, wieso eigentlich nicht, ich wäre sicher eine tolle Statue."
    "Du wirkst so traurig ... Fei möchte, dass Suuuu-chaaaan glücklich ist! Sie ist so süß, dass sie es verdient hat!" Su erstarrte, als würde sie tatsächlich zu einer Steinstatue werden. Diese Worte trafen sie bis ins Mark, denn für die üblichen geheuchelten Schleimereien voller Bewunderung für eine exzellente Führung durch das glorreiche Nordkorea und das adrette Aussehen der Touristenführer war Fei viel zu naiv, aber auch viel zu ehrlich. Zugegeben, es war nicht so schwer, dass Fei an einem Menschen ein Narren fraß wie bei anderen, aber das Gefühl war für Su trotzdem so fremd- und neuartig, dass es sie innerlich überwältigte, möglichst, ohne sich allzu viel anmerken zu lassen: "What. Ever. Lasst uns einfach das nächste Ziel anschauen, okay?"
    Kurz nachdem die ehrwürdige Ruhestätte verlassen wurde, brannte bereits die nächste Frage auf Feis neugierigen Lippen: "Wie sehen die Pornos bei euch aus?"
    "Stell dir vor, dass meine blaue Kleidung heißer, verruchter, von Sünden befleckter Jeansstoff ist, so wie dein Rock. So sehen die aus." Kurzum, was sich nicht auf die unausgesprochenen Gedanken beschränkte, war stand unter schwindelerregend hohen Strafen ... aber Nordkorea tat alles daran, um sich nicht als strafwütiger Kontrollfreak darzustellen - die berüchtigten Arbeitslager wurden hier als Mär vermittelt. Satsuki versuchte sich indes zu entspannen. Lieber sollte die Genossin aus China die unbequemen Fragen stellen als sie, die argwöhnisch betrachtete Kapitalistin aus dem amerikanisierten Japan.


    Während ihrer völlig staubefreiten Reise durch Städte und Landschaften begegneten Fei und Satsuki einigen Menschen mit einer klaren Meinung:
    Die glückliche Klavierlehrerin Yun-mi, 28: "Musik ist eine große Erfrischung für uns! Nach einer erquickenden Lehrstunde im Komponieren und Wiedergeben großartiger Stücke für unsere wundervollen Führer fühlt man sich wie neugeboren, mit neuer Kraft in den nächsten Tag zu gehen! Mein Herz bebt wie verrückt, wenn wir Auftritte vor den hohen Parteigenossen haben!
    Der engagierte Museumsführer Chol-hwan, 36: "Meine Arbeit ist Leidenschaft, Leidenschaft, die unser ganzes Land teilt. Durch diese Leidenschaft werden wir irgendwann auch technologisch das beste und unerreichteste Land aller Zeiten werden!
    Die lebensfrohe Reisbäuerin Sol-gum, 49: "Als vorbildliche Einheit machen wir dem großen General eine Freude, in de, wir dem unermesslichen Reistopf des Landes dienen. Unzählige Hektar Reis ernten wir für unseren Führer und unzählige Zeichen des Dankes und des Stolzes ernten wir von unserem Führer.
    Der stets gut gelaunte Gläsereimeister Myong-rok, 53 : "Die Arbeit für die Nation und den Führer lässt uns und den großen Marschall zu einer riesigen Einheit verschmelzen! Jederzeit würden wir unsere Werkzeuge ruhen lassen, um uns im Gefecht für sie zu opfern! Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen!"
    Die beiden Ausländerinnen taten gut daran, diesen Meinungen nicht zu widersprechen und auch Su machte keine Anstalten, eine unerwünschte Diskussion vom Zaun zu brechen.
    Doch sie selbst hatte ihre Definition von Glück noch gar nicht dargelegt, wie Fei mit großen Augen neugierig feststellte: "Suuuuuiiii? Lebst du eigentlich auch deinen Traum?"
    "Bin ich eine Meeresbiologin? Nein ... aber naja, ich bin jetzt Anfang 30, da muss ich auch keine Meeresbiologin mehr werden, Selbstudium reicht da", erwiderte die Koreanerin mit verschränkten Armen und hoffte darauf, dass der Wissensdurst der jungen Kung-Fu-Kämpferin gestillt wurde. Eine Markierung auf einem Schild im südlichen Teil des Landes kündigte bereits den letzten Stop an: 판문점.


    Die vier Kilometer breite, unbewohnte Demarkationslinie am 38. Breitengrad zwischen Nord- und Südkorea stellte einen weiteren Meilenstein auf dem Reiseplan der beiden Touristinnen dar. Das Besondere an der demilitarisierten Zone war, dass sie entgegen ihres Namens von Militärs bewacht wurde. Maschinengewehre trugen die an den himmelblauen Barracken stationierten Soldaten allerdings nicht direkt bei sich. Auch hier bestand die Möglichkeit, sich mit nett lächelnden jungen Männern in Uniform fotografieren zu lassen: ein Angebot, das Fei und Satsuki ohne zu Zögern wahrnahmen.
    "Sehen Sie? Da hinten sind die Südkoreaner. Sie grüßen Sie nicht ... Sie haben, im Gegensatz zu uns warmherzigen Bürgern der Demokratischen Volksrepublik Koreas, kein Interesse an Ihnen," zeigte ein stattlicher General mit kantigem Gesicht, ein Inbegriff nordkoreanischen Stolzes und nordkoreanischer Männlichkeit, seinen Gästen auf. Manche waren eben nicht so weltoffen und tolerant wie ein Volk, in dem Gastfreundlichkeit groß geschrieben wurde.
    Das Gespräch gelangte dann relativ schnell zu einer Volksgruppe, die in Nordkorea ein eher zweifelhaftes Ansehen genoss, als Satsuki ein passendes Thema dazu anschnitt: "Kommen auch viele Amerikaner zu Gast?"
    "Etwa 100. Ehrwürdige Menschen, im Zeichen des Kommunismus Abtrünnige des Kapitalistenmolochs, die aufrichtiges Interesse an unserem Land zeigen und uns die Chance aufräumen, sich ihnen offen und ehrlich zu präsentieren", führte der etwas knorrig wirkende Militär, eine starke Schulter neben der zierlichen Su, detailliert aus: "Wir lernen von klein auf, welche Schandtaten die Amerikaner in unserem friedlichen, gerade aus den Krallen der faschistischen Japaner befreiten Land anrichteten, welches Unheil sie brachten. Sie sind gierig und durchtrieben, egomanisch und größenwahnsinnig. Ein guter Koreaner verabscheut dieses dem Bösen verfallenen Land."
    "Ich hasse amerikanische Architektur. Sie ist schuld daran, dass wunderschöne traditionelle Architektur aus allen Ländern der Welt, aber insbesondere in Ostasien, Stück für Stück verschwindet. Alles wird gleich gemacht, dem Erdboden gleich gemacht", stimmte Su sofort in die USA-Kritik ein, wenn auch einen ganz anderen Schwerpunkt fokussierend, und erntete ein zustimmendes Nicken des älteren Generals. Eine wie eine Mischung aus Tempel, Schrein, Bahnhof und Rathaus anmutende Halle in anmutigem Betongrau markierte die Südseite der eigentlichen Verhandlungszonen, während drei langgestreckte, blaue Hütten mit je einem Eingang pro Landesseite die diplomatischen Konferenzräume verbargen. Das Nordgebäude im gleichen Farbton wählte den spartanischen Rathausverschnitt, damit das erarbeitete Geld der fleißig schuftenden Bevölkerung nicht in irgendwelchen protzigen Firlefanz wie schreintorartig gebogene Dachgiebel des Südpendants gesteckt wurde. Auch dieser Panmunjom genannte Ort, war, ohne eine Wertung vornehmen zu müssen, in gewisser Weise beeindruckend.
    Nicht nur wahren die Touristen an den Eigenheiten Nordkoreas interessiert, sondern auch die hervorragend belesene und gebildete Su hatte einige Fragen zu ihren so nahen und doch so fernen Nachbarländern: "Ist es eigentlich üblich, dass Leute in Japan den Vornamen des Kaisers tragen dürfen?"
    "Seit vielen Generationen tragen Prinzen Nippons einen Namen, der auf -hito endet ... sie sind nicht die häufigsten Namen, aber es gibt einige Bürgerliche, die so heißen", berichtete Satsuki ihrer Reiseführerin lächelnd von ihrer eigenen Kultur.
    "Oh ... wirklich? Das wirkt ... etwas befremdlich auf mich. Ab dem Tag der Übernahme des Parteivorsitzes ist den Volk untersagt, den Namen eines Führers ihren Söhnen zu verleihen. De facto handelt es sich, wie du sicher weißt, um drei."
    Was für Su völlig logisch war, stieß bei Fei-Fei wiederum auf Unverständnis: "Aber als es den Hitler gab, hatten die doch später auch ganz viele Adölfe ..."
    "DU KLEINES D- ...", zischte Su ungehalten, schnell in alle Himmelsrichtungen ausschauend: "Wenn du einen Vergleich mit Hitler ziehst, empfehle ich dir, das Wort 'USA' in deinen Satz einzubauen, sonst könnten Leute deine 'Suuuu-chaaaan' nicht mehr mögen!"
    Fei erschrak angesichts dieser Bemerkung, wünschte sie Su doch ehrlich das Allerbeste, sodass sie darauf bedacht war, sich den Rat sofort zu Herzen zu nehmen und ihn umzusetzen: "Dann so: Aber als es den Hitler gab, der mit den USA im Krieg war, hatten die doch später auch gan-" Diesen Satz würde sie nicht mehr beenden, da Su ihr angespannt ihre Hand auf den vorlauten Mund gepresst hatte. Min hätte das Gleiche gesagt, um so provokant aufzutreten wie immer. Fei jedoch war wirklich dem Glauben erlegen, endlich etwas richtig zu machen ... wirklich böse sein konnte die Nordkoreanerin ihr deswegen nicht, vor allem nicht, als die junge Chinesin die Marineoffizierin ganz direkt in einer liebevollen Umarmung umhüllte. Wie eine unglückliche Kätzin in einem Tierheim, die auch den nächsten Tag hinter den Zäunen verbringen musste, seufzte Su auf.
    "Suuuuu-chaaaan" ...


    Die unzähligen roten Propagandamalereien an den Mauern, die die barbarischen Taten der amerikanischen Imperialisten verteufelten und die glorreichen Taten der kommunistischen Revolutionsbewegung preisten, die allgegenwärtigen Bilder sämtlicher Staatsführer und das Szenario einer perfekten, glücklichen Welt, die sich ihnen dargeboten hatten, würden Satsuki und Fei nie vergessen. Sie hatten viele verschiedene Einwohner getroffen, doch wer es schaffte, Intelligenz und Kritisches Denken zu einen, der könnte vielleicht das warme, optimistische Lächeln, das den großen Führer Kim Il Sung auf den Bildern so sehr auszeichnete, verlernen.


    "Sazzy? Miyu? Wisst ihr, wieso ich Su gekuschelt habe?", fragte Fei ihre japanische Tierärztin beim Durchstöbern der Fotos gemeinsam mit Min, ohne eine Antwort wirklich abzuwarten: "Ich glaube, ihr war kalt ... und Leute kuscheln dort wohl nicht so gerne ... oder dürfen es nicht."

    Alles was wir von Rachel unD chloe wissen, wissen wir aus den Spielen :o Wenn du die Spiele gespielt hast, weißt du genauso viel über die beiden wie die Medien auch

    Es ging nicht um das Wissen über die Charaktere, sondern ob das Prequel der 2. Teil ist oder ob das Prequel nicht der 2. Teil ist. :o Da haben manche Seiten sich etwas unpräzise oder fehlerhaft ausgedrückt gehabt, sodass es beide Versionen gab. Daher die Verwirrung.

    Hä? xD

    NEIN, ist er nicht. Before the Storm ist ein Surprise-Prequel. Der zweite Teil (Life is Strange Season 2 basically) ist noch in der Mache und dazu ist nichts bekannt.

    Hast du aufgehört, zu lesen? oO
    Ich habe gesagt, das auf unterschiedlichen Websites unterschiedliche Sachen behauptet wurden, und zwar entweder das eine oder das andere. Das ist halt so und das ist nicht meine Schuld sondern deren. xD

    Also was diese Vorgeschichte von Rachel und Chloe jetzt genau ist - das habe ich mich die ganze Zeit gefragt, da unsere lieben Medien zwei verschieden Sachen behauptet haben, quellenabhängig.
    Before the Storm IST der 2. Teil
    Before the Storm wird von einem anderen Studio entwickelt, womit der 2. Teil etwas Anderes ist.
    Danke dafür iBlali.
    Das Studio hatte ja schließlich nur gesagt damals: "Die Geschichte von Max und Chloe ist bereits erzählt" - und da die Prequels die Geschichte zwischen RACHEL und Chloe thematisiert, behält die Aussage ja weiterhin ihre Gültigkeit, möglich ist weiterhin beides. Theoretisch. Danke jedenfalls für die Aufklärung hier :o


    Und was soll ich sagen? Die ganze Chloe-Saga war mein mit Abstand liebster Teil des Originalspiels. Thematisch war es das beste, was für mich je passieren konnte, weil ich diese ganzen Details dieser Familie und ihren Schwierigkeiten sowie die gemeinsame Vergangenheit mit Max so geliebt und aufgesaugt habe! Von den Episoden ... den Dialogen ... den Settings ... und nun muss ich wirklich sagen, dass ich mich darauf NOCH mehr freue als auf den unabhängigen zweiten Teil.

    @Sunaki Oh das mit Naruto kam dann anders rüber als gemeint. Ich habe ihn da eher als Beispiel für ein sehr beliebtes Design (von den Anteilen her, klar gibts auch Dutzende anderer wie Goku, Ash, Yugi, Inuyasha, Ranma, die Beyblades und und und und) japanischer Animehelden genommen, was jetzt nicht zwingend etwas mit dem Hauptthema zu tun hatte. Ist ja bei Sailor Moon genauso, als Usagi ist sie unglaublich tollpatschig usw., da war ich ins eigentliche Thema noch gar nicht eingestiegen. In dieser Parodie wollte ich aber nur sämtliche Extrembeispiele miteinander verketten. ^^


    @Bastet
    Und ja ich habe für meine Geschichten selbst nie das Bad End gewählt ... ich weiß nicht, die Geschichten gingen bald zwei Jahre lang und ich habe die Charaktere so lieb gewonnen, das könnte ich selbst nicht. x.x An was ich mich aber gehalten habe - dass sie auf die Hilfe anderer oder ungewöhnlicher Bedingungen/Zwischenfälle angewiesen waren, weil es sonst einfach zackenunlogisch wäre. xD


    Vor allem meine Hauptcharaktere sind extrem schwer, vorher in Stärken und Schwächen einzugliedern ... normalerweise dauert es immer bis weit in die Story hinein, bis sich ihre völlige Ausrichtung entwickelt ... je nachdem, wie die Ereignisse sie beeinflussen und ich sie auf den aktuellsten Vorfall reagieren lasse. Es ist wirklich gar nicht so einfach! (:


    Danke für eure Einwürfe und Rückmeldungen! ^^