Ich möchte einfach mal mit einem kleinen Gedankenexperiment bzw. Rollenspiel beginnen. Worauf ich damit hinaus will dürfte im Laufe des Texts klar werden.
Es ist Montagmorgen, dritte Unterrichtsstunde, denn wir befinden uns in der Karl-Valentin-Grundschule in Hintertupfingen. Wir betreten das Klassenzimmer der 3b, wir sind nämlich Frau Müller, die Mathelehrerin der 3b. Frau Müller steht kurz vor der Rente, trinkt abends gerne mal ein Gläschen Rotwein vor dem Fernseher mit dem Herrn Müller, ihrem Mann (vor sieben Jahren haben sie silberne Hochzeit gefeiert), und geht öfter mal mit Freunden wandern. Der Herr Müller kann leider nicht mit, der hatte nämlich 'nen Bandscheibenvorfall. Die Informationen der letzten beiden Sätze sind eigentlich ganz unnötig, ich habe sie lediglich für zusätzliche Immersion eingebaut. Wir teilen die Blätter für eine Klassenarbeit aus und die Schüler sind natürlich wenig begeistert, wer schreibt schon gerne montags eine Mathearbeit? Trotzdem verläuft die Stunde ruhig und als es dann zur kleinen Pause läutet sammeln wir die Arbeiten wieder ein. Der kleine Joseph hat nur seinen Namen auf das Blatt geschrieben, ansonsten steht da nur drauf, was auch vorher schon draufgedruckt war. Wir gehen eine Reihe weiter, hin zum Tisch vom kleinen Donald. Der hat nicht mal seinen Namen auf die Klassenarbeit geschrieben, dafür hat er irgendwie, ohne dass wir es bemerkt haben, einen Haufen drauf gesetzt. Jetzt kommt der Punkt, wo es wirklich wichtig ist uns in Frau Müller hineinzuversetzen, denn faktisch haben sowohl Joseph, als auch Donald eine 6 abgeliefert, aber bewerten wir beide wirklich gleich?
Ich kann dieses "die Demokraten sind auch nicht besser, als Trump" echt nicht mehr hören. Schon vor der Wahl, aber jetzt, nach einem knappen Jahr mit Trump als Präsidenten, erst recht. Ja, es gibt 'ne ganze Menge, das man an Biden, Harris, Obama und erst recht an den Clintons, um nur mal ein paar prominente Namen aufzuzählen, kritisieren kann. Aber nach dieser ganzen Shitshow, nicht, dass sie in weiten Teilen nicht so oder so ähnlich zu erwarten gewesen wäre, immer noch damit anzukommen zeugt schon von extrem harter Realitätsverweigerung oder Ignoranz.
Aber tauchen wir mal ein bisschen tiefer in die Materie ein. Selbst wenn man die Innenpolitik ignoriert, weil einem US-Amerikaner scheiß egal sind (nochmal kurz festgehalten, es sind besonders Minderheiten, die unter Trump leiden), betrifft die ja nicht nur US-Bürger. Letztes Jahr hat Trump z.B. über 'ne halbe Million Menschen abschieben lassen. Ja, auch unter Biden wurden Menschen abgeschoben, aber z.B. in 2023 waren es 142.850 Menschen (keine bessere Quelle gefunden, aber dafür kann man ihr zumindest nicht vorwerfen sie wäre pro-Biden). Man muss jetzt keine 1 in der Mathearbeit bei Frau Müller geschrieben haben, um zu erkennen, dass da ein quantitativer Unterschied besteht. Qualitativ natürlich auch, wenn man z.B. die Abschiebungen in Gefängnisse in El Salvador oder die Tatsache, dass Migranten inzwischen in Todesangst vor ICE leben bedenkt. Aber auch Entscheidungen, die man jetzt nicht wirklich auf dem Schirm hat, betreffen nicht nur die USA. Ein Beispiel hierfür ist KI. Trump hat die, ohnehin viel zu laxen, Beschränkungen von KI der Biden-Administrative aufgehoben. Hat schon seinen Grund, dass ihm die ganzen Tech-Milliardäre in den Hintern gekrochen sind. Mit den Folgen, wie den ganzen sexualisierten Deepfakes, insbesondere von Frauen und Mädchen, auf Twitter (Musk konnte sich die Plattform zwar mit seinen ganzen Milliarden kaufen, aber er kann mich nie dazu bringen sie anders zu nennen), darf man sich jetzt weltweit rumschlagen. Und wenn es eine Regierung tatsächlich wagt gegen Twitter vorgehen zu wollen, dann kommen aus dem Weißen Haus gleich Drohungen.
Kommen wir von der Innen- zur Außenpolitik und den schon erwähnten Drohnen von Obama. Ohne Zweifel ist es den Opfern von Drohnenschlag Nr. 568 oder 1.274 egal ob der jetzt von Obama oder Trump angeordnet wurde. Wohl aber denen von Nr. 1.905 oder 2.183, denn unter Obama gab es 1.878 bestätigte Drohnenangriffe, unter Trump hingegen 2.248. Wobei die Zahlen sich auf Obamas beide Amtszeiten und die erste Amtszeit von Trump beziehen. Und da ist noch nicht mal miteinbezogen, dass Trump irgendwann angeordnet hat, dass Drohnenschläge nicht mehr veröffentlicht werden müssen. Wem das jetzt zu viel Haarspalterei ist, ich hole sehr gerne die ganz großen Zahlen raus. Eine Studie, die im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht wurde, schätzt, dass die von Trump gekürzte Entwicklunsgshilfe bis 2030 bis zu 14 Millionen Menschen das Leben kosten könnte. Allerdings war das im Juli vergangenen Jahres, würde mich nicht überraschen wenn Trump die Entwicklungshilfe mittlerweile noch weiter eingeschränkt oder sogar ganz abgeschafft hat.
Ist jetzt natürlich alles nur ein Auszug, aber genug um zu zeigen, dass "die Demokraten sind auch nicht besser, als Trump" BS ist. Es macht 'nen Unterschied, ob ich auf eine heiße Herdplatte fasse oder meine Hand in 'nen Hochofen stecke.