Beiträge von Feurisson

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    Nach viel zu langer Inaktivität kommt hier das zweite Kapitel. Ich werde versuchen, das nächste Kapitel nicht so lange hinauszuzögern und ein wenig Zeit zum Schreiben zu finden.


    Kapitel 2


    Der Professor öffnete die Tür, und mein Blick fiel auf die Straße. Das erste was mir auffiel, war wie viele Männer einen Zylinder trugen. Aber eigentlich war das nichts Besonderes, schließlich geht ein wahrer Gentleman nicht ohne angemessenen Kopfbedeckung aus dem Haus.
    Hmm... wenn ich mal groß bin, möchte ich auch mal einen tragen.
    Auch sonst waren sie alle ziemlich elegant gekleidet, meist mit einer roten Fliege oder einer grauen oder blauen Krawatte zu einem schwarzen Anzug oder Sakko, unter dem sie ein weißes Hemd trugen. Einigen hatten aber auch einfachere Jacken und Mützen auf.
    Die Damen dagegen hatten ausgefallene bis zu den Füßen reichende Kleider an, in reinem Weiß oder einem schönen Dunkelblau, teils verziert mit gestickten Blumen oder Mustern.
    Überhaupt waren es ziemlich viele Menschen, vielmehr als ich es von zu Hause gewohnt war. Da kannte fast jeder jeden, mehr oder weniger.
    Diese liefen auf den Fußwegen an Gemüse- und Zeitungsläden, an Teehäusern und Restaurants entlang, in denen gerade der Morgentee serviert wurde, und auf den Straßen kamen neben schwarzen oder silberfarbenen Autos auch ein paar Pferdekutschen vorbei.
    Es war ein sonniger, aber recht kühler und nebliger Morgen. Nach einiger Zeit kamen wir an zwei Straßenmusikanten vorbei, einem Akkordeonspieler und einem Geiger. Sie spielten ein schönes, etwas melancholisches Lied.
    „Was für eine schöne Melodie!1“ rief ich aus, leise mitsummend.
    „In der Tat, Luke. Musikanten sind wirklich eine Bereicherung für London“
    Ich warf ihnen meine Hinweismünze in den Koffer, was der Akkordeonspielern mit einem Lächeln auf seinem Gesicht dankte.
    Wir setzten unseren Weg fort, und ich erblickte einen Lebensmittelladen. Leider war er geschlossen, denn es war ja Sonntag.
    So konnte ich die ganzen exotischen Früchte, lang, gebogen und gelb oder rund und rötlich lila, mit ganz vielen Kernen im Inneren, nur anschauen und mir dabei die Nase auf dem Schaufenster plattdrücken. Und dann erst der Braten! Saftig und braun, in einer Soße aus Zwiebeln und Pilzen, hatte er einen Platz auf dem Präsentierteller. Mir lief das Wasser im Mund zusammen.
    „Hast du etwa schon wieder Hunger bekommen, Luke?“
    Ich schreckte hoch, und hoffte der Professor würde nicht wütend sein. Sicherlich gehörte es sich nicht für einen Jungen wie mich, ständig nur ans Essen zu denken und durch Schaufenster zu starren.
    Ich schaute auf den Boden vor meinen Füßen und erwartete eine Zurechtweisung, aber zu meinem Erstaunen sagte er nur, in einem schmunzelnden Ton:
    „Du wirst dich noch etwas gedulden müssen. Es ist gerade mal “ – er nahm seine Taschenuhr heraus, die aus Messing zu sein schien, und warf einen Blick auf sie – „ viertel vor zehn.“
    Ich nickte nervös, und musste mir meinen Appetit wohl oder übel für später aufheben...
    „Aber diese Kartoffeln erinnern mich an ein Rätsel, das ich einst hörte.“



    ... Was? Ist denn jetzt der richtige Moment für ein Rätsel? Ich hatte ja gehört, dass Professor Layton vor allem auch für seine außerordenliche Vorliebe für Rätsel aller Art bekannt ist... Aber dass er mitten auf der Straße Rätsel erzählt, hätte ich dennoch nicht gedacht. Jetzt frage ich mich trotzdem, wie viele Kartoffeln das sein könnten... Wie von selbst griff meine Hand in meine Tasche um ein Notizbuch herauszuholen. Es hatte einen grünen Umschlag aus Leder, und ein goldfarbenes Wappen der „Gressenheller University“ war darauf zu sehen, der Name war kreisförmig um zwei gekreuzte Hämmer, unter denen ein aufgeschlagenes Buch angeordnet. „Discover the truth in seeking the ancient“ stand darunter. Ich öffnete es, und suchte eine leere Seite, um die Zahlen alle aufzuschreiben.



    „Professor, I’ve solved it!“ rutschte es mir heraus. Es war vielleicht ein wenig kindisch, aber das war mir egal. Zufrieden schaute ich zu ihm herauf.
    „Gut gemacht, Luke. Es wird ganz einfach, wenn man es sich aufzeichnet. Danach ist die Lösung nur noch eine einfache Rechenaufgabe entfernt.“
    Wie wir weitergingen, schaute ich mir die Häuser nochmal genauer an.
    Sie waren, wie ich schon aus, äh, –meinem– Zimmer sehen konnte, meist aus roten oder braunen Backziegeln gefertigt und hatten drei bis vier Stockwerke. Viele Fassaden hatten schöne Verzierungen, und man sah vielerorts Reklame für Waren aller Art.
    „Was für ein prächtiger Morgen für einen Spaziergang.“
    „Da haben Sie absolut Recht, Professor “
    Allmählich näherten wir uns dem Park, dem Regent’s Park, wie der Professor erklärte.


    Es war schön. Die Vögel zwitscherten, ich sah eine Amsel beim Nestbau und ein Eichhörnchen huschte auf den Ästen umher. Ich blieb am Wegesrand stehen und schaute ihm nach.
    „Der Frühling kommt auch jedes Mal immer früher. Das ist gut, meine Wintervorräte wurden schon knapp. ...Mal sehen, ob es hier noch ein paar schöne Zapfen gibt.“
    Ich war ziemlich verdutzt. War das eben das Eichhörnchen, das ich gehört habe?
    Klasse, grinste ich, ich wusste gar nicht, dass ich mit Tieren sprechen konnte! Ich hätte ihnen noch stundenlang fröhlich zuhören können, aber Flora zog an meinem Arm und sagte:
    „Los Luke, komm schon. Mit den Eichhörnchen kannst du dich auch noch später unterhalten“
    Etwas beleidigt ging ich weiter.
    Die Sonne schien durch die Baumwipfel und ließ alles um sie herum warm und freundlich erscheinen. Einige Minuten vergingen, bis ich etwas im Busch herumliegen sah, und so ging ich näher heran um nachzusehen. Raschelnd tastete ich im Gebüsch herum, wo ich es glaubte gesehen zu haben. Als ich es in den Händen hielt, sah ich, dass es ein kleines Kästchen aus Holz war. Ich hob den Deckel ab und rief:
    „Professor, ich glaube ich hab’ ein , äh... verstecktes Rätsel gefunden?“ Merkwürdig, dachte ich, wieso sollte jemand so etwas gerade hier verlieren?
    Ich ging zu ich ihm herüber und zeigte es ihm.
    „In der Tat. Dies ist ein traditionelles Schieberätsel, Khun Paen. Es geht darum, den Krieger Khun Paen, den großen Holzblock, von den Wachen, diesen, – er zeigte auf die mittelgroßen Klötze – umgeben aus dem Gefängnis zu befreien und nach unten zu bewegen. Sieh her, hier ist eine genauere Anleitung.“



    Oje, das sah gar nicht so einfach aus. Zögerlich begann ich die Klötze herumzuschieben, nur um immer wieder in die Ausgangslage zurückzukehren, da mich nichts der Lösung näher zu bringen schien. Ich war so versunken, dass ich beinahe eine Wurzel im Boden übersehen hätte und auf die Nase gefallen wäre, hätte Flora nicht rechtzeitig noch „Pass auf, Luke!“ gerufen.
    Als ich nach etwa einer Viertelstunde immer noch kein Stück weitergekommen war, gab ich frustriert auf und hätte es am liebsten in das nächstbeste Gebüsch geworfen (das erklärt, wie es da hingekommen war), aber ich riss mich zusammen und steckte es stattdessen nur in meine Umhängetasche.
    „Ein Rätsel von beträchtlicher Schwierigkeit, nicht?“ meinte der Professor dazu. Ich schämte mich ein wenig und murmelte nur ein „Mmh“
    Wir erreichten schon wieder den Eingang des Parks, da sagte er:
    „Mir ist gerade wieder eingefallen, mein Junge, du wolltest uns doch etwas auf deiner Violine vorspielen?“
    Ich schaute ihn nur verwundert an, ohne etwas zu sagen.
    „Hast du es etwa vergessen?“ Der freundliche Ausdruck auf seinem Gesicht war ernst geworden, mit einer Spur von Besorgnis.
    „Äh... ich meine...“ Ich wusste wirklich nicht, was ich darauf antworten sollte. Ich hatte noch nie in meinem Leben eine Geige angefasst, geschweige denn gespielt, aber ein Nein würde mich auch in Erklärungsnot bringen...
    „Nun gut, dann werde ich dich, wenn wir wieder zu Hause sind, um ein wenig Vivaldi. Es wird dir sicherlich keine Probleme bereiten.“
    Sie haben keine Ahnung, wie sehr es mir welche bereitet, dachte ich bei mir.
    Großartig, er wird schon misstrauisch. Dabei wollte ich doch mir keinen Ärger einhandeln. Was kann ich denn dafür, wenn ich ...
    Flora bereitete meinem Hadern mit dem Schicksal ein Ende, sichtlich bemüht, die angespannte Atmosphäre wieder aufzulockern.
    „I-Ich wollte heute Fisch zum Mittagessen machen. Ich hoffe, das geht in Ordnung?“
    „Ah, aber natürlich, Flora.“ antwortete der Professor, und ich fügte hinzu „Gar kein Problem“ und versuchte dabei aufmunternd zu lächeln. Ich war ihr dankbar, das Thema gewechselt zu haben.
    Auf der Rasenfläche nebenan sah ich jetzt einen Spatz, ich beobachtete, wie er ein paar Schritte ging, vielleicht auf Nahrungssuche, sich zu uns umdrehte und anschließend hinter zwei Buchenbäumen verschwand.
    Ich wäre noch gerne länger im Park geblieben, aber der Professor erklärte mit freundlicher Stimme, es sei nicht angemessen für einen Gentleman, den Tag zu vertrödeln.
    „Carpe diem – nutze den Tag – sagten bereits die römischen Philosophen.“
    „Natürlich, Professor.“ antwortete ich. Auch wenn ich keine Ahnung hatte, was römische Philosophen sind, wollte ich ihm nicht widersprechen, um ihn nicht weiter zu ärgern.
    Bald wurden wir wieder vom Straßenlärm begrüßt – hupende und ratternde Autos, das Klackern von Schuhen auf den Gehwegen und hin und wieder das Geschrei von Babys – und machten uns auf den Nachhauseweg.


    Unterwegs überlegte ich mir, wie ich um das Geigespielen herumkommen würde. Krank stellen? Viel zu auffällig, er würde es bestimmt merken. Vielleicht eine Saite durchschneiden? Aber wenn er das rausbekommt, hätte ich erst recht ein Problem...


    Ich schaute zum Himmel hinauf. In der Zwischenzeit hatten sich dunkle Wolken vor die Sonne geschoben.
    „Sieht nach Regen aus“ murmelte der Professor, der ebenfalls nach oben schaute.
    Wir hatten noch nicht ganz die Gartenpforte erreicht, da fielen auch schon die ersten Tropfen. Leise quietschend öffnete sie sich. Links und rechts waren vor den Fenstern des Erdgeschosses jeweils kleine Blumenbeete mit bläulichen Stiefmütterchen und Schlüsselblumen, vor denen sich ein gut gepflegter Rasen befand.
    Nachdem wir die Eingangshalle betraten und den Portier gegrüßt hatten, begaben wir uns zum Treppenhaus und stiegen die Stufen zum zweiten Stock herauf. Dort angekommen betraten wir die Wohnung, als gerade die Tischuhr im Flur elf Uhr schlug.
    Ich zog meine Schuhe aus und verschwand in "meinem" Zimmer, wo ich mich rückwärts auf mein Bett fielen ließ und nachdachte. Überlegte, wie ich aus der Sache mit der Geige wieder rauskommen würde. Aber da kam schon Flora in mein Zimmer und bat mich zu kommen, der Professor würde schon mit der Violine auf mich warten. Na großartig.
    Mir blieb nichts anderes übrig, als aufzustehen und dem Unheil ins Gesicht zu blicken.
    Ich konnte nur noch hoffen und mir selber Mut zusprechen.
    So schlimm wird es schon nicht sein, oder?
    Dennoch war ich so nervös, dass ich anfing zu zittern. Ich ging die paar Schritte in das nebenan gelegene Wohnzimmer, und als ich Professor Layton mit ernster Miene dort sitzend sah mit der Geige in der Hand, schluckte ich und mir rutschte, zum zweiten Mal schon heute, fast das Herz in die Hose.


    Es hatte inzwischen angefangen zu regnen, aber das Fenster war dennoch offen.
    „Spiel uns doch bitte den ersten Satz von Frühling vor – auch wenn das Wetter gerade sehr unpassend ist.“
    Er überreichte mir das Streichinstrument und stellte mir einen Notenständer hin. Ich versuchte einen Ton zu spielen, konnte der Geige aber nur einen lauten Quietscher entlocken, worauf ich ich zusammenzuckte, Flora sich die Ohren zuhielt und auch der Professor ein schmerzerfülltes Gesicht zeigte.
    „Worin liegt das Problem, Luke? Früher konntest du doch so wundervoll spielen“
    „Ähm... um ehrlich zu sein, ... habe ich seit zwei Wo-, seit über einem Monat, vielleicht sogar zwei nicht mehr geübt. Es tut mir Leid...“ Ich schaute auf dem Boden, da ich mich nicht traute in sein Gesicht zu schauen.
    „Luke. Schau mich an. Sag mir, warum nur?“
    „I-Ich weiß nicht. Ich muss faul geworden sein über die letzten Monate... Ich werd’ mich wieder anstrengen, versprochen!“
    Er sagte nichts mehr, sondern senkte nur die Krempe seines Hutes, so dass ich seine Augen nicht mehr sehen konnte.
    „Ich werde ab jetzt jeden Tag üben!“ Ich war schon den Tränen nah, und hatte schon einen Moment lang Angst, er würde mich an ein Waisenhaus abgeben wollen.
    Ich murmelte ein „Ich habe Sie enttäuscht, Professor. Es tut mir Leid.“ als ich aus dem offenen Fenster neben mir heruasschaute, die Geige auf dem Tisch abgelegt, nirgendwohin, einfach nur in die Ferne. Der Regen hatte noch nicht ganz aufgehört, aber die Sonne schien bereits wieder.
    Luke“ begann Flora.
    „mmh?“
    „Da... da ist eine Taube auf deiner Schulter.“
    Ich hatte mich schon gefragt, wieso ich diese sich so schwer anfühlte, und guckte über meine linke Schulter. Da saß sie, sie putzte sich gerade das noch nicht ganz trockene Gefieder. Dann blickte sie zu mir rüber.
    „Gru-Guru.“
    „Na ja, könnte besser sein...“
    „Guru-ru gu!“ Sie zeigte mit einem Flügel nach draußen.
    „Was? Wirklich?“ Ich schaute zum Himmel, wo sie hinzeigte.
    „Professor! Da ist ein Regenbogen!“
    Flora trat zwei Schritte an das Fenster neben mich heran und sagte:
    „Tatsächlich! Wie schön.“
    Für ein paar Momente starrten wir gebannt in seine Richtung, und vergaßen alles um uns herum. Dann begab sich die Taube wieder in die Lüfte und verabschiedete sich mit einem „Gu-ru“.
    „Wiedersehen!“ rief ich ihr winkend hinterher, und merkte nicht wie der Professor inzwischen seine Hand auf meine andere Schulter gelegt hatte.


    „Es ist schon in Ordnung, Luke. Aber bitte halte dein Versprechen und übe von nun an wieder fleißig.“
    Ich drehte meinen Kopf zu ihm hin und nickte hektisch.
    „Gut. Nun, wie wäre es mit einer Tasse Tee? Sie würde sicherlich uns allen zu etwas Beruhigung verhelfen.“
    „Was für ein Tee denn, Professor?“
    „Hmm – eine Tasse Dämmertraum wäre im Augenblick wohl das Richtige.“
    Als Wiedergutmachung, dass ich ihn vorhin so enttäuscht hatte, beschloss ich den Tee zu machen und verschwand mit einem „Alles klar“ in der Küche.
    Oder besser gesagt, ich versuchte es. Ich hatte noch nie von einem Tee mit einem solch seltsamen Namen gehört.
    Glücklicherweise fand ich eine Teeenzyklopädie und konnte dort die Zutaten nachschlagen, die jedoch nicht weniger exotisch klangen.
    Traumflaum, Frohwurzel-Klee und Pfefferkirsche.
    Da war ich froh, im hinteren Teil eine Beschreibung der Kräuter und Früchte zu finden, so dass ich dank der Abbildungen die letzten beiden Zutaten schnell beisammen hatte. Jedoch zum Traumflaum gab es nur einen kleinen Absatz.
    „Seltene Pflanze, die nur im Brahmaputra-Tal im Osten Indiens wächst. Große blassgelbe Blüte in Form eines Vollmondes mit einem sternförmigen Kranz. Der Traumflaum hat große grüne, sichelförmige Blätter. Mit seinem mildem Geschmack wirkt er in einem Tee sehr entspannend.“


    Mit dieser Beschreibung konnte ich auch diese Zutat nach einigen Suchen finden. Jedoch muss dann doch etwas schiefgegangen sein, da, nachdem ich die drei Kräuter in die Teekanne geworfen hatte und einige Momente habe ziehen lassen, das Wasser anfing Blasen zu bilden. Man konnte es schon richtig blubbern hören.
    Es schäumte immer mehr, bis es anfing aus der Kanne hervorzutreten. Auch der Deckel konnte ihn nicht mehr aufhalten, er fing schon an, bedrohlich zu klappern.
    Um jetzt ein großes Durcheinander zu verhindern, beeilte ich mich, die missglückte Mischung über den Waschbecken auszugießen und die Teekanne wieder sauberzumachen.
    Danach setzte ich neues Teewasser auf. Währenddessen überlegte ich, was schiefgelaufen sein könnte.
    Hatte ich von einer Zutat zuviel reingeschüttet? Nein, ich hatte mich genau an die Anweisungen im Buch gehalten. War eine Zutat vielleicht schlecht geworden? Ich nahm die Dosen noch einmal in die Hand. Sie rochen gut und sahen einwandfrei aus. Ich schaute mir den Traumflaum genauer an. Vielleicht hatte ich ihn mit einer anderen Pflanze verwechselt? Und tatsächlich, die Blätter waren, anders als in der Beschreibung angegeben, klein und oval.
    Dem Teelexikon zufolge war es eine Tonicblüte.
    „Beheimatet am Kap Comorin an der Südküste Indiens, hat die Tonicblüte, ähnlich wie der Traumflaum eine große blassgelbe Blüte, ihre Blätter sind jedoch viel kleiner, wie auch die gesamte Pflanze. Wird für Tee zusammen mit der Wurzel in das Wasser gegeben, da gerade dieser Teil eine krankheitsvorbeugende Wirkung haben soll. Jedoch ist ihr Geschmack recht bitter.“


    Beim nächsten Versuch gab es keine Probleme mehr, und so packte ich die Teekanne und zwei, ich meine drei Teetassen auf ein Tablett und ging in das Wohnzimmer zurück, wo ich es auf dem Tisch abstellte.
    „Ah, danke, Luke.“
    Ich setzte mich auf das Sofa neben Flora, der Professor saß mir gegenüber in einem grünem Armlehnenstuhl. Seinen Zylinder hatte er immer noch auf.
    Der Tee war zwar nicht sehr süß, tat aber trotzdem gut. Auf eine merkwürdige Art und Weise hielten sich Milde und Schärfe die Waage, mit einer zusätzlichen erdigen Note.
    Ich fühlte schon, wie alle Sorgen von mir abfielen, und verträumt ließ ich mich in das Polster sinken. Ein Räuspern des Professors erinnerte mich jedoch daran gerade zu sitzen. Ich sah ihn an. Sein Blick war auf die Tasse in seiner Hand gerichtet, und ein ebenso deutlich entspannter Ausdruck zierte sein Gesicht.


    Nach dem Teetrinken wendete sich der Professor wieder der Zeitung zu, während ich und Flora in die Küche zurückgingen. Dort spülte ich die Tassen, und sie trocknete sie mit einem Handtuch ab. Ich schaute zu ihr rüber und wollte etwas sagen, wusste aber nicht was. So konzentrierte ich mich
    wieder auf den Abwasch.
    Danach begab ich mich wieder in die Stube und setzte mich in den Sessel am Fenster. Draußen waren graue Wolken zu sehen, kein Stückchen blauer Himmel weit und breit. Neben dem Polsterstuhl lagen auf einem kleinen, runden Tisch auf einer hübsch bestickten Tischdecke ein Buch mit einem ledernen Lesezeichen und ein Heft.
    Letzteres nahm ich in die Hand. Es hieß „Rätselhafte Denkaufgaben“ und in großen Buchstaben stand auf der Titelseite: „Gewinnen Sie jetzt: Eine Reise mit der Titanic nach Amerika!“
    Ich schlug es auf und schaute mir eines der Rätsel an.



    Äh...? Ich starrte das Heft vor mir an. Wie sollte man das herausbekommen? Nicht die leiseste Ahnung hatte ich, wie ich überhaupt ansetzen sollte. Ich wollte schon umblättern, da sah ich unten noch einen Hinweis:
    „Wähle eine Aussage aus und nimm an, dass sie wahr ist. Prüfe dann durch reine Logik, ob sich mit anderen Aussagen ein Widerspruch ergibt. Ist dies der Fall, so ist die anfangs gewählte Aussage eine Lüge.“ Leider auch nicht sehr hilfreich. Na ja, versuche ich halt ein anderes...


    Die Zeit verging ruhig und friedlich, bis nach etwa einer Stunde Flora ins Zimmer schaute und ein „Essen ist fertig“ rief. Ich stand auf, auch der Professor legte raschelnd die Zeitung beiseite. Mein Magen hatte schon ein paar Mal gegrummelt, durch den Spaziergang an der frischen Luft hatte ich wieder Hunger bekommen. So betraten wir die Küche, wo mich eine große Rauchwolke begrüßte. Ein unangenehmer Gestank ließ jeden Appetit in mir schwinden.
    Flora war gerade damit beschäftigt aus einem großen, schwarzen Topf eine Art von dunkelgrüner Suppe mit rosabraunen Flecken in Teller zu gießen.
    Ich setzte mich auf den selben Stuhl, an dem ich schon heute Morgen saß. Man konnte mir vermutlich im Gesicht ansehen, dass ich mich nicht mehr sehr auf das Essen freute.
    Als sie den Suppenteller dann schließlich von mir auf den Tisch stellte, erklärte sie fröhlich, was sie heute kreiert hatte.
    „Ich wollte einmal etwas Neues ausprobieren. Immer nur dieselben Suppen zu essen ist doch langweilig, also habe ich mir einen neue ausgedacht: Dieses ist eine Birnensuppe mit Bohnen und Speck.“
    Ich schaute sie mir an. Tatsächlich konnte ich neben kleingehackten Bohnen und Speckwürfeln Birnenstücke ausmachen. Ich war erstaunt, dass so normale Zutaten dermaßen stark riechen können.
    Um sie nicht in Verlegenheit zu bringen, drehte ich mich zu ihr hin und fragte:
    „Wolltest du heute nicht Fisch machen?“
    „Natürlich. Die Suppe ist nur die Vorspeise. Hinterher gibt es noch Fisch im Teigmantel mit Gurken. Guten Appetit!“
    Dann ging sie zum Professor, der mir wieder gegenüber saß.
    Ein mehrgängiges Menü. Ich sollte mich glücklich schätzen...
    Ich nahm einen Löffel voll von Bohnen und Birnen, und führte ihn zum Mund. Aber mir wurde nicht schlecht. Es schmeckte sogar ganz gut... aber nicht zu gut. So schaffte ich es auch irgendwie den Teller zu leeren.
    Flora schien das auch fast zu wundern, aber sie freute sich gleichermaßen und servierte den Fisch mit den Worten
    „Ich hoffe, er schmeckt dir genauso gut!“
    Er sah auch ganz in Ordnung aus, wie eine große Teigtasche, aus der vorne der Kopf und hinten die Schwanzflosse herausguckte, und die mit Gurkenstücken dekoriert war. Ein ungewöhnlicher, aber kein direkt unappetitlicher Anblick.
    Ich bedankte mich, und fing an zu essen. Doch kaum hatte ich den ersten bissen herunter geschluckt, hatte ich den Eindruck als ob... als ob mein Magen mit aller Kraft versuchen würde ihn wieder herauszubefördern.
    Ich guckte zum Professor herüber. Er verzog keine Miene, fragte jedoch, ohne den Fisch angerührt zu haben:
    „Flora, Liebes, würdest du bitte so nett sein und uns sagen, wann du diesen Fisch gekauft hast?“
    „Er ist noch ganz frisch! Ich habe ihn erst Mittwoch am Markt gekauft. Es war ein Sonderangebot.“
    In dem Moment fühlte ich, wie der Fisch mit samt Birnensuppe, den Gurken und den Pfannkuchen sich in meiner Speiseröhre einen Weg nach oben bahnte, und so verließ ich fast fluchtartig die Küche, murmelte dabei nur ein kaum verständliches „Ich muss mal kurz weg...“ und suchte hastig das Badezimmer auf. Es war also der Fisch, der den Gestank verursacht hatte. Das hätte mir gleich auffallen müssen.
    Aber so war mir bis in den Abend hinein speiübel, und meine Gesichtsfarbe blieb so grün wie die Bohnen, die ich gegessen hatte.
    Den übrigen Tag musste ich im Bett verbringen, und konnte so bei einer Tasse Kamillentee (mit viel Honig) weiter darüber nachdenken, wie ich hier gelandet war. Gestern hatte ich doch noch, soweit ich mich erinnern kann, im Garten mit meinem Hund gespielt und heute wache ich in London auf, eine Stadt, in der ich noch nie in meinem Leben war, und bin zudem auch noch zwei oder drei Jahre jünger. Und Professor Layton scheint mich mit seinem Sohn Luke zu verwechseln... Aber daran werde ich mich wohl gewöhnen müssen, dachte ich und mit meinem Teddy im Arm schlief ich allmählich ein.

    Danke für den Kommentar. (Sogar dein erster Beitrag? Hast du dich echt extra dafür angemeldet? Ich fühle mich geschmeichelt...)

    Zitat

    Luke ist nicht der Sohn des Professors . Im vierten Spiel fährt ja der Professor zu seinem alten Freund Clark Triton. Dort begegnen sich Luke (Der mit Nachnamen auch Triton heißt) und Herr Layton zum ersten Mal. Ich hoffe ich hab dir jetzt nicht dein ganzes Weltbild zerstört .


    Ich weise dich gerne darauf hin, dass der Protagonist und ich nicht ein und dieselbe Person ist. Da der Charakter Professor Layton nur aus der Zeitung kennt (und es in der Welt keine Spiele über ihn gibt) ist er einfach davon ausgegangen, dass Luke sein Sohn ist, obwohl es in Wirklichkeit nicht so ist. Aber woher hätte er das wissen sollen?
    Ein weiteres Kapitel wird auch noch folgen, sobald ich fertig bin. Ich habe nur in letzter Zeit nur leider wenig Zeit zum Schreiben gefunden.

    In meinen Augen ist es doch gerade die Emanzipation (der Frau), die es erlaubt, Frauen zu sein, wie sie sein wollen.


    Volle Zustimmung. Dieses Protestplakat fasst das meiner Meinung nach noch mal schön zusammen:


    Das Wort ist eine abwertende Bezeichnung und keine verdammte Lebenseinstellung.


    Du vergisst die Leute, die ganz und gar nicht oberflächlich und dumm sind, und sich aus Trotz dennoch so nennen, zum Teil um einfach gegen Stereotype vorzugehen. Aber egal :)

    Mal ein uraltes Chatzitat von Anfang 2011. Ich fands immer noch lustig, aber wenn die Moderatoren anderer Meinung sind, kann es auch gelöscht werden.



    Deinen Beitrag muss ich wohl melden. >.<
    Bisofank


    Der FC letztes Jahr war tatsächlich deutlich aktiver,da jeder hier Spam gerne hat (außer den Mods und Bisa/o natürlich :D), aber nicht jeder mit den Wechsel von Bisasam zu Bisofank einverstanden ist. Anscheinend findet nicht jeder Bisofank so toll - kaum vorstellbar, ich weiß.
    Ha, ich wollte schon immer mal mit jemanden die vierte Wand brechen :D
    Und dank Silence ist das hier noch nicht mal mehr ein Doppelpost.

    Als ich mich hier angemeldet habe, gab es das Bisoboard noch gar nicht - das ist tatsächlich schon über fünf Jahre her. Das Bisaboard kam erst ein paar Monate später. Damals hieß das Forum noch "AnimeG" und war allgemein auf Manga und Anime ausgerichtet. Ich habe versucht, ein Team für den Duellturm in D/P bewerten zu lassen, mir wurde aber damals gesagt "daran kann man nichts verbessern", weil ich mich nicht mit der Pokemon-Theorie (EVs, DVs und so weiter) beschäftigt hatte.
    Ansonsten gab es noch den Poke-Spam :D Das war noch eine Zeit - eines der Themen war, ob Ash, Maike und Rocko auch Pokemon essen würden. Statt ernsthaften Diskussionen gab es natürlich eine Menge Blödsinns-Beiträge :D  
    In den Monaten darauf habe ich mich vor allem in der Plauderecke, die den Poke-Spam dann ersetzt hatte, rumgetrieben und hier und da einen Beitrag verfasst, zum Teil auch in den Bereich Spiele/Editionen. Richtig aktiv geworden bin ich aber nie geworden, daher habe ich in all der Zeit auch nie zum Moderator oder Forenhelfer geschafft.