Beiträge von Cresswell

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    Die Gefühle des Mädchens, Emma hieß sie, falls sein furchtbares Gedächtnis ihn nicht betrog, waren etwas merkwürdig. Es war auf jeden Fall ein großer Teil Verwirrung mit dabei, warum konnte er sich nicht genau denken. Darunter war aber noch etwas Anderes … Sorge? Keine Sorge um sich selbst, sondern um jemand anderen? War das etwa an ihn gerichtet? Warum machte sie sich Sorgen, um ihn? Der junge Mann spürte wie sein Gesicht leicht errötete. Was war nur los mit ihm? Er hatte noch nie so ein nerviges Gefühl bei sich selbst gespürt! Sollte er als Meister der Empathie nicht bessere Kontrolle über seine Emotionen haben?


    Danach mischte sich jedoch Leira in das Gespräch ein und ihre Emotionen waren mehr als eindeutig. Zum ersten Mal in dem Gespräch zeigte Laverne unveränderte Verwirrung und Verwundbarkeit. Was hatte er gemacht, um sie so gegen sich aufzubringen? Bis jetzt hatte er sich darum bemüht sich in der Gegenwart des Schildmädchens wie die personifizierte Freundlichkeit zu geben. Er hatte sogar mehrere Hinweise gegeben, dass seine echte Art nur eine Fassade war und er in Wirklichkeit eine arme Seele in Not sei. Sein Schauspiel war perfekt! Gut, gestern war sie ein wenig angenervt gewesen, aber das doch nur wegen Nic.


    Aber egal, er war ein Meister der Improvisation, er konnte auf diese Situation einsteigen. Als Gefühlsmanipulator wusste er, wie man echte Gefühle gut in falsche umwandeln konnte. Man musste sie nur in die richtige Richtung lenken. „Oh, man, ich bin so ein Idiot!“, rief er nun frustriert aus und fasste sich zur zusätzlichen Authentizität an die Stirn. „Selbst, wenn ich versuche etwas richtig zu machen, mach ich es falsch! Verdammte Axt, sicher hat sie sich voll bedrängt gefühlt. Gerade von mir sollte man doch wohl ein wenig Empathie erwarten, aber nein …“ Er seufzte und blickte traurig zu Boden, die Stimme gefüllt von Enttäuschung und Niedergeschlagenheit: „Ich glaube, dass ich nie in dieser Familie akzeptiert werde und das nur wegen meiner eigenen Unfähigkeit …“

    Lavernes freundliches, verständnisvolles Lächeln flackerte nur für den kürzesten Moment als Nic ihm antwortete. Er hatte eigentlich darauf gehofft, dass der andere noch einen Streit vom Zaun brechen würde. Das hätte seine Reputation in den Augen von Schildmädchen vollkommen zerstört und Alicia vermutlich zur Weißglut getrieben. Wie schade, er hatte eigentlich auf das unkontrollierte Temperament des anderen Jugendlichen gewettet. Nun ja, dem konnte nicht geholfen werden. Wenigstens hatte er erfolgreich das Bild des Sühnenden projizieren können. Das musste vorerst reichen.

    „Keine Sorge“
    , antwortete er, sein Ton wieder etwas seiner fröhlichen Note zurückgewinnend. „Ich bin vorsichtig genug, um mir solche Warnungen zu Herzen zu nehmen. Ich streite mich nie mit jemanden zweimal.“ Das stimmte. Normalerweise hatte er seine Feinde vor dem zweiten Mal meistens beseitigen lassen. Eine Praxis, die er sehr gewillt war, fortzusetzen.


    Das Gespräch nahm danach jedoch eine Wendung zu Gefilden, die Laverne eigentlich unkommentiert lassen wollte. Offenbar war seine Manipulation von dem Biest nicht potent genug gewesen und der Spinner hatte irgendwie von ihr herausgefunden, dass er ihr einen kleinen Besuch abgestattet hatte. Und was hieß hier „sehr“ nahe gekommen? Er hatte sie sanft am Handgelenk berührt! Wenn ihr irgendwer auf die Pelle gerückt war, dann doch wohl der Märchenmensch, Ray oder Shay oder wie auch immer sein Spitzname lautete. Den würde er auch gleich in seine Ausrede mit einbinden. Zum Glück war er gut im Improvisieren. Wenn er dabei war, konnte er auch gleich den shy-cute-style beibehalten.


    Wieder blickte der Schwarzhaarige auf den Boden und biss sich auf die Unterlippe. Als er anfing zu sprechen, stockte seine Stimme ein wenig: „Eigentlich hatte … hatte ich gehofft dich persönlich im Zimmer anzutreffen. Gleich nach unserem … meiner Unhöflichkeit hatte ich es schon bereut. Diese Anstalt bietet uns eine neue Chance … auf eine Familie, die uns so akzeptiert, wie wir sind. Eine Chance, die ich mit Füßen getreten habe. Gestern wollte ich den ersten Schritt machen, um das zu ändern.“ Er hielt kurz inne, um seine herzerwärmenden Worte einwirken zu lassen. Innerlich war er gleichermaßen begeistert von seiner umwerfenden Performance als auch am Kotzen. Wenn er noch eine Variation von „Ohana heißt Familie“ von sich geben musste, würde er jemanden erwürgen.

    „Stattdessen war dort Marika und sie sah ziemlich neben der Spur aus. Ich wollte das nutzen, um endlich ein wenig Wiedergutmachen zu leisten. Marika und ich, wir hatten einen … unglücklichen Start, ähnlich wie wir beide. Ich wollte mich bei ihr entschuldigen und … und …“
    , er stockte, fast als würden ihm seine Worte im Hals stecken bleiben. Sein Blick war weiterhin auf den Boden gerichtet, voller Scham. „Ich wollte ihr nur sagen, dass sie immer noch zu uns gehört und … dass es ihr niemand vorwirft, dass sie das geheim gehalten hat. Jeder hat ein Geheimnis, dass er nicht preisgeben will, weil … weil man Angst hat, dass man nicht akzeptiert wird.“


    Es war einfach perfekt. Der junge Dieb wusste genau, was er tat. Wenn man diese Loser nur dort berührte, wo es wehtat, wären sie sofort von ihm begeistert. Sein Blick verdüsterte sich nun und etwas Sorge mischte sich in seine Züge: „Dann war da dieser merkwürdige Typ. Ich weiß nicht mehr genau, als wer er sich vorgestellt hatte. Aber der ist Marika sehr nah gekommen, unangenehm nah möchte ich sagen. Er scheint eine ziemliche Obsession mit ihr zu haben. Ich sag dir das, weil ich weiß, dass du dich um Marika kümmerst. Nicht, dass sie Schutz bräuchte, aber trotzdem … Die Gefühle dieses Jungen waren äußerst … besorgniserregend. Um nicht zu sagen furchteinflößend. Nic!“ Jetzt blickte er dem anderen Erleuchteten voller Ernst ins Gesicht. „Pass bitte auf, dass Marika nichts passiert. Dieser Typ ist gefährlich. Ich will nicht, dass diese Familie jetzt schon wegen dem Egoismus einer einzigen Person auseinandergerissen wird …“

    Doch kaum hatte er geendet, wurde seine Aufmerksamkeit schon auf etwas anderes gezogen. Oben im Baum saß jemand und nicht nur irgendjemand. Es war das Mädchen, dem Laverne am Abend ihrer „Rekrutierung“ geholfen hatte. Aus irgendeinem Grund spürte er, wie sein Herz kurz aussetzte. Was war dieses nervige Gefühl, dass ihn so plötzlich durcheinander brachte? Hatte es mit dem Mädchen zu tun? „Was machst du da oben? Brauchst du Hilfe?“

    Zu Lavernes größter Enttäuschung war die Dame des Hauses leider nicht in ihrem Zimmer anzufinden. Allzu schade, er hatte sich schon so auf ein Gespräch mit der zweiten Marienerscheinung gefreut, um sich ewiglange Tiraden über solch überholten Konzepte wie Familie, Respekt oder gar Nächstenliebe anzuhören. Aber egal, was tat man nicht für ein wenig Taschengeld. Dennoch, es war überraschend sie so früh morgens nicht vorzufinden. War sie etwa beim Frühstück? Aber dann hätte er sie doch auf dem Weg hätte bemerken sollen, oder? Egal, wie dem auch war, er würde später noch genug Gelegenheiten zu haben mit ihr zu palavern.


    Da sein Zimmergenosse nicht da war – hatte Laverne ihn eigentlich jemals getroffen? – konnte der schwarzhaarige Junge die Gelegenheit ausnutzen, seine Musik so laut wie er wollte durch das Wohnhaus plärren zu lassen. Während nun also Lavernes Lieblingssängerin Cessy Whitetrash im Hintergrund computerverzerrt über einen äußerst enervierenden Techno-Beat stöhnte, betrachtete der selbstverliebte Erleuchtete sich nun abermals in seinem Spiegel. Mit seinen goldenen Sneakers, seiner im Schottenstil karierten Skinnyjeans, seinem kanariengelben T-Shirt mit der neongrünen Inschrift SWAG und seiner knallroten, riesigen Plastikbrille war er schon ein Anblick, der seinesgleichen suchte. Aber so sollte es ja auch sein.


    Inzwischen sollte schon ein paar andere Erleuchtete aufgestanden sein. Zeit, sich ein wenig beliebt zu machen. Schließlich wollte er ja bald Alicias Goldjunge sein. Da fiel ihm ein, dass er auch unbedingt mal mit dem kleinen Nervbolzen der Anstaltsleitung, Simon, konversieren musste. Jemand mit seinen Fähigkeiten durfte auf keinen Fall außer Acht gelassen werden.
    Als er etwas über das Gelände schlenderte, fiel sein Blick schon bald auf ein Schauspiel, das sein Interesse auf sich zog. Schildmädchen Leira und Super-Psycho Nic standen neben einem Baum und unterhielten sich. Unter normalen Umständen hätte der Schwarzhaarige sofort einen gewaltigen Bogen um den Verrückten gemacht, vor allem nach gestern. Aber so? Eine viel zu perfekte Gelegenheit. Zwei Fliegen, eine Klappe, bereit zum Zuschlagen.

    „Hey!“
    Sein fröhlichstes, freundlichstes Lächeln aufgesetzt rannte er auf die beiden zu, gut gelaunt winkend fast wie einem kitschigen Anime. Als er angekommen war, begann er auch schon sofort, so freundlich als ob sie sich schon seit Jahren kennen würden, eine seichte Konversation vom Zaun zu schlagen. „Guten Morgen. Ich hoffe, ihr hattet einen guten Schlaf. An einem so schönen Tag schlecht gelaunt zu sein, wäre ein Verbrechen.“
    Er hielt kurz inne, um sich selbst eine kleine Pause zu geben und dem Gespräch das Gefühl eines natürlichen Redeflusses zu verleihen. Er schenkte Leira kurz ein weiteres, freundliches Lächeln, bevor er sich an Nic wandte. Das würde sein Meisterstück werden, er wusste es. Zwar fiel es ihm, das, was er vorhatte, auszusprechen, aber das verlieh ihm nur noch mehr Authenzität.
    Die Züge des Schwarzhaarigen wurden ernster und so etwas wie Schuld und Scham mischten sich in seinen Gesichtsausdruck. „Nic, ich …“, fing er an, den Kopf gesenkt, fast als wäre er schüchtern, „ … ich wollte mich entschuldigen … für das, was gestern passiert ist.“ Er blickte wieder auf, ein verlegendes Lächeln auf den Lippen. „Ich hätte es gestern nicht so ausarten lassen dürfen. Das, was ich gesagt habe, war … sehr gemein und unfair dir gegenüber. Ich hab mich daneben benommen und du hast dich um Marikas Wohlergehen gesorgt. Es stand mir nicht zu, eure Freundschaft in Frage zu stellen. Ich bin manchmal einfach unausstehlich …“
    Er seufzte kurz auf und biss sich schamvoll auf die Unterlippe. Innerlich war er natürlich am Feiern. Hoffentlich war Marikas Reaktion gestern genau so verlaufen, wie er es beabsichtigt hatte. Das würde noch extra wehtun.
    „Es ist schwierig eine Fassade abzulegen, wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat, sie jedem vorzuspielen. Doch das ist keine Rechtfertigung. Ich frage nicht nach einer zweiten Chance, ich will nur, dass du weißt, dass es mir wirklich leid tut.“


    OT: Ich hoffe, das stört nicht :>

    "Mein Ziel?", fragte Wyatt ein wenig verwundert nach, nachdem er zurück in die Normalität geschritten war. Plötzlich hörte Wyatt etwas, was ihn ein wenig irritierte: Was war sein Ziel und was... war... sein... Preis? Wyatt konnte diese Frage nur ein wenig belächeln, trotzdem antwortete er seinem Gegenüber. Wyatt war stets ein fairer und ehrlicher Mensch gewesen und wenn er gelogen hat, dann sollte es nur so sein, weil ihm das Schicksal es befohlen hatte. "Mein Ziel, Bruder?", er stoppt noch einmal kurz und dachte nach. Schnell riss er sich den Fedora vom Kopf und stocherte in diesem herum, bevor er ihn sich wieder aufsetzte. "Weißt du? Jeder Mensch... jedes Wesen sucht in seinem Leben nach etwas, einen Preis gibt es dabei nicht. Ich würde jeden Preis eingehen, um an das zu kommen, was ich will. Und das was ich will, lässt sich durch kein Geld der Welt kaufen und durch keinen Preis bestimmen, mein Freund. Was ich will, wird eine lange und breite Blutspur mit sich ziehen und der Preis dabei... nun, den gibt es nicht. Es ist meine Bestimmung und nichts wird mich von meinem Vorhaben abbringen. Keine Macht der Welt, kann Bray Wyatt stoppen", philosophierte er vor dem Schwarzhaarigen herum, wie als wäre er ein Filmstar, der gerade eine dramatische aber auch sehr spezielle Szene aufnahm. Seine Gestik und Mimik veränderten sich bei jedem neuen Satz und jedes Wort wurde mit Elan ausgesprochen, so als wäre er der Sprecher vor einer riesigen Menschenmenge. Er wandte sich wieder Lewis zu: "Einen Preis gibt es nicht. Es gibt nur ein Ziel, ein Ziel, welches einem vorgegeben und schon in die Kinderstube gelegt wird und das Schicksal... das Schicksal, mein Freund, das wird dich geleiten, bis du an deinem Ziel angekommen bist und so geht es mir gerade auch", erzählte er seinem Gegenüber mit ruhiger und rauchiger Stimme. "Wer sich mir in den Weg stellt...", er stoppte und ließ an der rechten Hand noch einmal seine Krallen entstehen, "... wird aus dem Weg geräumt. Aber wer sich mir anschließen will, der wird mit einem Lächeln und einer warmen Umarmung empfangen. Wer sich mir anschließt, wird Teil der Wyatt Family und wird irgendwann zusammen mit mir - und meiner restlichen Familie - die Welt regieren und jeden kleinen, intoleranten, schleimigen Menschen auf dieser Welt ausradieren... sodass es nur noch die Erleuchteten gibt und die Wesen, die die Natur geschaffen hat - die Tiere", beendete er seine Ansprache vor Lewis und entgegnete sofort mit einer Gegenfrage. Sein Zustand schien wieder das monotone und normale erreicht zu haben... "Was ist dein Ziel? Und... was ist dein Preis, Bruder?", stellte er Schulter zuckend die selben Fragen wie Lewis, nur als Gegenfragen.


    Bray war offenbar kein Mann kurzer Gedanken. Statt einer einfachen Antwort präsentierte er Laverne dafür wieder eine ganze philosophische Abhandlung, der der Schwarzhaarige nur halb lauschte. Was interessierte ihn der ganze Weltherrschaftskrams? Es war zwar gut zu wissen, dass der andere ein Größenwahnsinniger war, aber dies brachte ihn dennoch nicht näher an die von ihm verlangte Information. Aber gut, wenn der andere auf große Konzepte stand, dann würde sich halt unterwerfen müssen. Mal kurz so mitspielen als ob. Bartmann musste ja nicht wissen, dass er ihn nur als einfachen Schläger gegen mögliche Nics missbrauchen wollte. Sollte sich der Profit erschöpft haben, konnte er ihn immer noch unter den Bus werfen.
    „Meine Aspirationen sind leider nicht ganz so … grandios“, gab Laverne nun mit einem Hauch von Amüsement in der Stimme zu, den Blick immer noch fest auf das Gesicht des Gegenübers fixiert. „Doch nachdem, was du mir erzählt hast, muss ich wohl hoffen, nicht einer derjenigen zu sein, die dir im Weg stehen. Meine Ziele sind viele, hauptsächlich ein paar freundliche Gesichter zu finden, ein paar Allianzen zu schließen. Mein Preis ist nicht hoch und kommt sogar mit Kundenkarte, ganz nach dem Motto eine Hand wäscht die andere. Zurzeit suche ich nach jemandem, der bereit ist, nach etwas Größerem für mich zu streben, der bereit ist, mich zu schützen. Im Gegenzug gibt es natürlich auch Leistungen, die ich anbieten kann. Wie gesagt, mein Preis ist nicht hoch und meine Talente sind breit gefächert. Glaubst du vielleicht, dass du die Person bist, nach der ich suche?“

    Nachdem der schwarzhaarige Junge von seinen Talenten gesprochen hatte, wurde Wyatt aufmerksam. "Welche Talente besitzt du denn?", fragte Wyatt sein Gegenüber schließlich, jedoch warf er dazu noch etwas in den Raum. "Und bevor du sie zur Schau stellst: Demonstriere es bloß nicht an mir, solltest du es jedoch versuchen, reiße ich dir die Kehle heraus...", er stoppte kurz und präsentierte seine Zähne, "... und zwar mit meinen Zähnen", fügte er hinzu und blickte dem Schwarzhaar nun direkt in die Augen.


    Lavernes Lächeln rutschte nun etwas in die gezwungene Kategorie. Bray war zwar noch der umgänglichste der Psychopathen, was aber leider nicht viel hieß. Der Kommentar mit dem Kehle herausreißen erschien ein wenig too much. Dennoch wollte der Schwarzhaarige jetzt endlich mal einen Erfolg vermelden, weswegen er die offensichtliche Antwort darauf erst einmal außer Acht ließ. „Keine Sorge, meine Fähigkeiten bedürfen einiger … prerequisites. Außerhalb davon verstehe ich mich auf die Überzeugungskunst. Ich bin ziemlich empathisch, musst du wissen, und ich habe ein Talent dafür mir ein paar nützliche Freundeszirkel aufzubauen. Außerdem kann ich wunderbar money managen.“

    "Das einzige, was ich von dir will, ist, ob du weißt, ob es einen Plan von dem ganzen Gebiet gibt"
    , entgegnete Wyatt, ohne auf das eben gesagte einzugehen. Bray ließ seine Fähigkeit wieder verschwinden und wollte nun doch ein wenig darauf eingehen, da der Typ ja doch eine interessante Ader hatte. "Weißt du, Bruder? Du hast mein Interesse geweckt", sprach er. Unterdessen wackelte er wissend mit dem Finger und blickte in der Gegend umher, bevor er seinen rechten Arm auf dem linken abstützte und mit der rechten Hand sein Kinn hielt. "Bring mir, was ich von dir verlange, dann bin ich dein Alliierter, einverstanden?", bot er seinem schwarzhaarigen Gegenüber nun an und er fügte noch in etwas erhöhter Stimmlage hinzu: "Aber ganze Zeit in der Gegenwart sein, kann ich mir nicht leisten - sonst würde ich mein Ziel außer Acht lassen und wie du weißt: Ein Mann mit einem Ziel ist ein Mann, der alles in Kauf nehmen würde, um dieses zu erreichen und darum fällt es mir schwer an deinem Rockzipfel zu hängen und Bodyguard zu spielen. Dein Feind, bin ich nicht, das kannst du mir glauben, solltest du es aber darauf anlegen, können wir die Situation gerne ändern." Den letzteren Teil sprach er mit einem boshaften Grinsen im Gesicht.


    Lavernes falsches Lächeln wich nicht von seinem Gesicht als Bray verkündete, dass die Möglichkeit bestand, einander zu unterstützen. Sehr gut, jetzt hatte er wenigstens einen Offensivspieler, auch wenn jener etwas … unzuverlässig wirkte. Aber egal, man nahm, was man bekam. Der junge Dieb war in diesen Dingen noch nie besonders wählerisch gewesen.
    „Ob es eine offizielle Karte gibt, weiß ich nicht. Allerdings könnte ich dir einen Plan des Geländes skizzieren, wenn du möchtest.“
    Der junge Dieb zog ein Stück Papier und einen Stift aus seiner Tasche, welche er immer für den Fall von Kontaktaustausch dabei hatte, und begann eine recht akkurate Wiedergabe der Anstalt zu zeichnen. Gut, es war kein Meisterwerk, aber zum Orientieren sollte es voll und ganz ausreichen. Während er also ein wenig an den Details feilte, ging er auf den Rest von Brays Aussage ein: „Keine Sorge, Twentyfour-Seven aneinander zu hängen würde unserer Freundschaft glaube ich sowieso nicht gut tun. Solange wir nur wissen, wann wir von Nutzen sind, sollte alles glatt laufen.“


    Während sein Vordermann gerade an einer Zeichnung skizzierte, dachte Wyatt nach, wo seine Suche anfangen würde, bis sein Gegenüber plötzlich wieder das Wort erhob und das Interesse daran sowieso nicht teilte, dass beide die ganze Zeit zusammen unterwegs sein sollten. - Wyatt selber versuchte schon zu identifizieren, was der Typ dort gerade zeichnete, jedoch konnte er darauf noch kaum etwas erkennen. "Solange du mir nicht in den Rücken fällst, falle ich dir nicht in den Rücken. Mehr muss man über die andere Person nicht wissen", gab Wyatt überraschend kühl von sich, ohne sich irgendwie zusätzlich zu bewegen. Erwartungsvoll starrte er weiterhin auf das Blatt Papier in Lewis' Händen.


    Nachdem der Schwarzhaarige geendet hatte, überreichte er seinem neuen Partner die Karte: „So, dass sollte hoffentlich ausreichen. Hier sind alle wichtigen Räume und Plätze und so weiter verzeichnet. Hoffe du kannst mit meiner Schrift etwas anfangen. In der Cafeteria gibt es gerade Frühstück. Wenn du Hunger hast, solltest du dich also dahin begeben.“ Er schenkte Bray noch einmal ein breites Grinsen, während er seinen Stift wieder in seine Tasche steckte: „Und keine Sorge, ich bin für meine Loyalität bekannt.“
    Frag nur mal Florence …


    Bray nahm die Karte schließlich an und versuchte sich schon einmal ein wenig zu orientieren, während er abwechselnd zur Karte als auch in der Gegend herum schaute. Im Grunde hörte er nur noch halbwegs zu, was sein Gegenüber sagte, da er schon darüber nachdachte, wo sich der Schatz befinden könnte. "Hmm... sehr gut, die wird mir wohl weiterhelfen", sprach Wyatt zufrieden, während er das Blatt ein wenig faltete und sich schließlich in seine Hosentasche steckte. "Schön mit dir Geschäfte zu machen. Wir sehen uns im nächsten Leben, Bruder", entgegnete der bärtige Mann seinem Gegenüber noch, bevor er an ihm vorbeiging. Sein Schritt schien direkt in Richtung Cafeteria zu gehen.


    Lavernes Lächeln wich nicht von seinem Gesicht, während er dem Erleuchteten hinterher sah. Das war ein weiteres nützliches Werkzeug. Er hatte schon befürchtet, sich überhaupt nicht mehr um Nic und Marika herum zeigen zu können. Aber wenigstens war das jetzt abgedeckt. Jetzt fehlten nur noch das Schildmädchen und Tomomi, damit er endlich weitermachen konnte. Zum Glück hatte er einen Ersatz für Monster-Mädchen gefunden. Wirklich schade, dass er sie ihm keinen Profit gemacht hatte.
    Langsam bewegte er sich in Richtung Wohnhaus. Er hatte keine große Lust mehr Zeit in der Cafeteria zu verbringen als nötig. Außerdem musste er sich noch mit Arti über ihr weiteres Verfahren absprechen. Und wer weiß, vielleicht finde ich sogar Alicia für ein nettes Gespräch an ...


    OT: Und Teil 2 :>

    Als Laverne im Speisesaal ankam, waren die meisten Leute bereits weg. Stattdessen wurde er von dem wunderschönen Ästhetik-Duo Olga und Tonja begrüßt, die Erste mit dem Gesichtsausdruck eines tausendjährigen Winters, die Zweite wie gewohnt Kaugummi kauend. Sofort setzte der Schwarzhaarige sein Trademark Zahnpasta-Grinsen auf und begann in einem unglaublich falschen freudigen Ton: „So, dann mal frisch ans Werk. Kitchen time equals fun time!“
    Tonja zog eine Augenbraue hoch, sagte jedoch nichts, während das bärenartige Gesicht des Küchenmonsters nicht einmal den Hauch einer Veränderung zeigte, während sie ihm eine rosa Küchenschürze und einen Lappen zu warf. Fröhlich pfeifend machte sich der junge Mann sofort daran die Cafeteria-Tische zu schrubben, während er innerlich angewidert die Nase verzog. Wenn er noch einen weiteren Tag Putzhilfe für diesen Schweinestall von Anstalt spielen musste, würde er sich brennend vom Dach stürzen. Aber was blieb ihm anderes übrig! Das Gespräch mit Monster-Girl hatte ihm klar aufgezeigt, dass eine Verhandlung mit den mythischen Wesen nicht nach seinen Vorstellungen ablaufen würde. Das hieß, dass er zu seinem ursprünglichen Plan zurückkehren musste: Sich bei Alicia einschleimen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Solange er keinen Verhandlungszugang mit der Bruderschaft oder den Mafiosi hatte, war sie seine sicherste Wette. Hoffentlich beeilte sich Florence, um ein paar erpressenswerte Informationen zu beschaffen. Das würde den Prozess weitaus zeiteffizienter machen. Aber gut, solange er hier beschäftigt war, konnte er ja an ein paar anderen Beziehungen arbeiten.
    Die grazile Küchenfee hatte sich nach hinten verzogen, sodass Laverne mit der schmatzenden Tonja nun alleine im Raum war. Unauffällig war der junge Dieb immer näher an sie heran gerückt, weiterhin die Tische schrubbend, wenn auch nur äußerst oberflächlich. Aus der Nähe war sie nicht schöner als von Weitem, immer noch gleich nagetierartig. Aber dennoch ein nicht zu ignorierender Faktor.
    „Und Tonja, wie war dein Tag so?“, begann Laverne, ganz offensichtlich nicht daran interessiert, wie Tonjas Tag so gewesen war. Er brauchte nur einen kleinen Eisbrecher. Zu seiner Erleichterung war das Mädchen ebenfalls nicht auf Smalltalk aus: „Was willst du?“
    „Weißt du, Tonja, ich glaube wir beide haben einen schlechten Start miteinander gehabt. Bad luck, bad blood, du verstehst. Aber ich glaube, dass wir beide sehr voneinander profitieren könnten.“
    „Ich bin ganz Ohr.“ Lavernes Lächeln verbreitete sich. Er hätte nicht gedacht, dass es so einfach werden würde. Das Mädchen war zwar nicht der angenehmste Umgang, aber in seiner Position lohnte es sich nicht wählerisch zu sein.
    „Also, es ist ganz einfach. Du veränderst die Wahrheit ein wenig für mich und ich bin dafür in deiner Schuld. Und du solltest wissen, dass ich immer meine Schulden begleiche.“
    Tonja zog eine Augenbraue hoch. Sie schien nicht überzeugt. Doch der Schwarzhaarige ließ nicht locker: „Guck mal, mit meinen Fähigkeiten kann ich dir so manchen Vorteil verschaffen. Verkäufer schmeißen mit teuren Produkten um sich, Leute schenken dir ihre Brieftaschen, nervige Menschen werden davon überzeugt, alles zu tun, was ich ihnen sage. Es ist nur Profit für dich drin. Komm schon, ein paar Mal ein wenig die Wahrheit modifizieren und schon winkt dir Luxus pur.“
    Ein leichtes Lächeln schlich sich auf das Gesicht des Mädchens. In einem Ton, der Laverne genau sagte, dass sie das Spielchen gerne noch ein wenig weiterspielen würde, meinte sie nun: „Ich weiß noch nicht ob mich das wirklich überzeugt, meine moralischen Grundsätze über Bord zu werfen …“
    Sofort setzte der Schwarzhaarige sein breitestes, falschestes Grinsen auf. Jeder hatte seinen Preis und sie schien nicht sonderlich teuer zu sein: „Nimm dir alle Zeit der Welt. Aber dennoch rate ich dir, dich schnell zu entscheiden. This is a limited time offer.“


    Laverne beendete den Küchendienst kurz bevor es wieder zum Frühstück. Da der junge Dieb keine Lust auf das furchtbare Anstaltsessen hatte, begab er sich stattdessen lieber nach draußen. Auf dem Weg begegnete er dankenswerterweise keinem Erleuchteten, den er um den Finger hätte wickeln müssen. Nachdem er seinen vierten Kaffee ausgeschlürft hatte, begab er sich auch schon wieder geschwind nach draußen, Smartphone in der Hand. Es wurde Zeit, dass Florence einen Statusbericht abgab.
    Nach einem kurzen Klingeln wurde auch schon abgenommen und ein äußerst übelgelaunter Florence beantwortete den Anruf: „Weißt du wie spät es ist?!“
    „Zu spät, um noch im Bett zu liegen!“, entgegnete Laverne fröhlich, während er etwas über das Gelände spazierte. „Ich wollte nur wissen, wie die Jam-Session gestern gelaufen ist. Hast du irgendwelche neuen, musikalischen Talente finden können?“
    Auf der anderen Seite der Leitung war es kurz still. Die Frage nach der „Jam-Session“ war ein Code, den Laverne und Florence während ihrer gemeinsamen Zeit in Ventana ausgemacht hatten. Er bedeutete, dass ihr Gespräch vielleicht abgehört wurde. Die Frage nach neuen Talenten war natürlich die Frage nach neuen Informationen. Zum Glück schien der Hacker das nicht vergessen zu haben: „Noch nicht, aber sobald die Band wieder zusammenkommt, kann ich dir vielleicht mehr erzählen.“
    Ah, er wollte also warten, bis seine anderen Hacker-Freunde sich meldeten.
    „Und wann genau kann ich damit rechnen?“
    „In ein paar Tagen vielleicht. Du weißt, wir haben viele Gigs …“

    „Natürlich“, meinte Laverne zuckersüß. „Aber vergiss bitte nicht, wo unsere Prioritäten liegen.“
    „Bien sûr!“
    „Schön. Ich schick dir gleich mal ein paar Szenen für das Musikvideo von The Key
    , fuhr der Schwarzhaarige fort, immer noch unerträglich fröhlich. „Safekeeping only, no leaking! Lass die Fans noch ein wenig warten, kay?“
    Das Video der sich verwandelnden Marika wäre bei Florence bestens aufgehoben. Sein Sicherheitssystem gehörte zu den besten in Amruo, vielleicht sogar auf der Welt. Dort würde es niemand zu Gesicht zu bekommen, solange Laverne noch nicht alle nötigen Vorbereitungen getroffen hatte. Kurz ließ er seine Videodatei durch ein Verschlüsselungsprogramm laufen, bevor er es an Florence schickte. Damit wäre das auch erledigt.


    EDIT: Hat sich geklärt, Laverne hat jetzt einen Gesprächspartner :>

    Lavernes Lächeln wurde breiter als er sah wie leicht es war, sie zu manipulieren. Er hatte sie noch nicht mal mit Medikamenten benebeln müssen, wie er es ursprünglich geplant hatte. Zum Glück hatte die Verwandlung so ziemlich alles aus ihr herausgeholt und machte sie zur leichten Beute. Ihre Antwort war leider nicht das, was er hatte wissen wollen, aber das lag vermutlich daran, dass er sich nicht allzu genau ausgedrückt hatte. Er wollte sie schließlich nicht töten, er wollte sie verkaufen und dazu musste er sie schwächen. Außerdem wäre er ohnehin nicht in der Lage lang genug zu Überleben, um so ein Biest umzubringen. „Nein, ich meine etwas, das sie schwächt, was sie langsam und einfach zu fangen macht. Etwas, das es ihnen nicht möglich macht zu fliehen, so wie Kryptonit bei Superman oder so. Falls wir irgendwelche Spione aushorchen wollen.“


    Marika runzelte leicht die Stirn. "Direkt etwas einfallen tut mir nicht. In menschlicher Gestalt kann man sie natürlich mit Betäubungsmitteln und der Gleichen ruhig stellen, wie einen Menschen auch, aber ich bezweifle dass die praktikabel in der Monstergestalt wirken. Wahrscheinlich müsste man dann die zum Gewicht entsprechende Menge nehmen und nachdem ich schon Dwouchsé gesehen hab, die Fässerweise Wein oder Wodka gesoffen haben, daher glaube ich, die reine Menge hierfür dürfte schon ein Problem darstellen“, überlegte sie, „Am einfachsten kann man einen wohl durch einen anderen ‚ruhig stellen‘ wobei das meist sehr blutig ausgeht. Allerdings glaube ich auch nicht, dass schon einmal jemand auf die Idee kam, einen Alpha betäuben zu wollen, schon allein wegen dem Transport. Aushorchen und alles klappt wohl am besten, wenn man sie in Menschengestalt erwischt und an einen Ort wie diesen bringt, wo eine Verwandlung an sich nicht Möglich ist. Oder man zwingt sie dazu die Zeit, die sie verwandelt bleiben können, voll auszureizen. Was dabei herauskommt, sieht man ja… aber dazu müsste man die genaue Zeit wissen, die die andere Gestalt halten können und es gibt durchaus Exemplare, die das mehrere Monate oder ein halbes Jahr aushalten."


    Laverne schürzte schmollend die Lippen. Aber gut, damit hatte er rechnen müssen, es war nie so einfach wie in den Märchen und Geschichten. Trotzdem war es enttäuschend, für den unermesslichen Profit hatte er sogar mit Zwiebelringen oder so nach den Monstern geworfen für die geringe Chance, dass es sie betäuben würde. Aber gut, man konnte ja immer mehrspurig fahren: „Gut, lass uns jetzt mal über die Monster selbst reden. Du meintest, dass sie in Menschengestalt meist größer und kräftiger gebaut sind als der Durchschnittsmensch. Gibt es sonst irgendwelche Erkennungsmerkmale? So etwas wie bei Erleuchteten die leuchtenden Male? In welchen gesellschaftlichen Schichten bewegen sich die Alphas in Menschengestalt? Kennst du vielleicht die Identität von einem? Damit wir, die Anstalt, wissen, wo wir besonders vorsichtig sein müssen.“

    Leichter Ärger durchzog für einen Moment Marika. Hörte dieser Typ denn nie zu, oder warum musste man ihm alles doppelt und dreifach erklären? Aber so schnell wie sie aufgekommen war, war die Regung auch wieder verschwunden.
    „Hab ich auch schon erklärt: helle Haare, meist Blond und eben diese Augen. Die Augen können jede Farbe haben, wobei Krouchugs meist rote oder orangene Augen haben, aber der Blick ist immer der eines Raubtieres und um die Pupille liegt ein stechend gelber Ring. Ich glaube dieser wird auch ‚Eclipse‘ genannt“
    , antwortete sie folgsam, „Ich weiß nicht genau, aber da sie sich für was Besseres als Menschen halten und diese für sie nur Futter sind, würde ich sagen eher in den gehobenen Kreisen. Allerdings bin ich seit fünfzehn Jahren auf der Flucht und werde selten zur Teeparty eingeladen. Mir ist die Identität von einem bekannt. Ich kenn auch von anderen die menschlichen Gesichter, aber von den wenigsten die menschlichen Namen.“

    Okay, damit konnte er etwas anfangen. Hatte sie das wirklich schon mal erwähnt? Er hatte so ein schlechtes Gedächtnis. Aber egal, wenigstens hatte er jetzt etwas Konkretes. Auch überraschte es ihn, dass sie es schaffte, ihre ursprünglichen Emotionen trotz seiner künstlichen zu fühlen. War das vielleicht aufgrund ihres Monsterstatus? „Und wie heißt dieses Monster in Menschengestalt? Sind die Alphas überhaupt dazu bereit mit Erleuchteten zu verhandeln? Gibt es vielleicht andere wie dich, die Erleuchteten freundlich gesinnt sind? Und wenn ja, was wären dann gute Punkte, um sie von der eigenen Loyalität zu überzeugen. Wenn die Anstalt einen Doppelagenten in die Reihen der Monster einschleusen will, wäre das gut zu wissen.“

    „Sein menschlicher Name ist Jimmy Colman. Er scheint die anderen zu hassen, vertrauen würde ich ihm aber trotzdem nicht.“
    , murmelte die Streunerin, „Würdest du mit dem Hasen, der morgen als Braten auf den Tisch kommt verhandeln? Das sind Menschen für sie: Futter, sonst nichts. Sie werden weder verhandeln, noch einen von uns am Leben lassen, wenn sie die Gelegenheit bekommen. Ein Doppelagent ist reiner Selbstmord. Wir haben keinen, der ihre Gestalt annehmen kann und nicht gerade auf ihrer Abschussliste steht. Und Menschen sind für sie etwas niederes, was nicht wert ist, am Leben gelassen zu werden. Ich würde fast behaupten, sie hassen Menschen für die Arroganz sich als herrschende Rasse der Welt aufzuspielen, obwohl dieser Titel in ihren Augen den Alphas gehört.“


    OT: Gemeinschaftspost mit Sheewa Teil 1 :>

    Die Meisten hätten aus Marikas Reaktion eines von zweien Dingen geschlossen: Entweder sie spielte dumm, da sie nicht mit der Wahrheit konfrontiert werden wollte oder sie hatte dem Schwarzhaarigen aus purer Antipathie nicht wirklich zugehört. Doch Laverne wusste es besser. Schließlich konnte er Emotionen anderer spüren und er wusste somit, dass die Blonde ihn zu einhundert Prozent nicht verstanden hatte. Allerdings machte ihn diese Szene nicht unbedingt glücklicher. Eher das Gegenteil.
    „Goddamn, aus was für einem backwater Kuhkaff kommt dieses Mädchen?! Als mythisches Wesen der geheimen Weltherrschaft sollte sie doch zumindest ein wenig sprachenbewandert sein!“ Aber nein, er musste sich mit der Waffe zufrieden geben, die nicht mal die Hälfte von seinen Gedanken verstehen würde. Er hatte weder die Zeit noch die Geduld grammatikalisch korrekte, im perfekten Wejau formulierte Sätze zu bilden. Das war solche Zeitverschwendung. Er war ohnehin nur hier, um sie über Infos über die Monster auszuquetschen und jetzt musste ihm alles im Weg stehen. Aber egal, er wollte Ergebnisse, wenn schon nicht die Genugtuung ihre Freundschaft mit dem Psycho zu zerstören. Der Neue war in diesem Moment egal, er hatte schließlich keine Ahnung über seine … empathischen Anlagen. Das rief nach etwas drastischeren Maßnahmen.


    Genau in diesem Moment schien sich Ray jedoch wieder einmischen zu wollen und das dazu noch auf die gröbste Weise, die ihm in den Sinn gekommen war. Er stieß Laverne einfach so zur Seite und begann abermals auf Marika mit seinem Märchenzeug einzureden. Jeder gute Wille, den er bei Laverne einmal gehabt hatte verpuffte augenblicklich in eine Wolke aus Irritation und allgemeiner Frustration. Der Schwarzhaarige war sehr kurz davor sich einem Wutanfall hinzugeben, etwas, das er das letzte Mal mit sieben Jahren gemacht hatte, als sein Onkel ihm nicht einen neuen Fernseher zum Geburtstag gekauft hatte. Doch er beherrschte sich … gerade noch so.


    Mit einem Lächeln, das man bestenfalls noch als sehr gezwungen bezeichnen konnte, bewegte er sich, innerlich in Hysterie verfallend, wieder auf das Bett zu. Shay zur Seite schubsend meinte er so zuckrig-süß wie vergifteter Honig: „Jetzt bedränge die arme Marika doch nicht so, sie kriegt ja kaum Luft bei all deiner Aufmerksamkeit!“
    So schnell, dass er von sich selbst überrascht war, ergriff er Marikas Handgelenk und tat so, als würde er ihren Puls fühlen: „Ihr Herzschlag ist vollkommen durcheinander, sie weiß gar nicht, was sie mit dir tun soll. Aber zum Glück entspannt sie sich jetzt. Langsam, aber sicher wird sie ruhiger.“ Die Gefühle, die er ihr einpflanzte waren die Üblichen: Vertrauen, Zufriedenheit, Ruhe, alles, was sie fühlen musste, um ihm zu sagen, was er hören wollte. Diesmal gab er sich jedoch viel Mühe, einfach, um sicherzustellen, dass sie auch vollkommen auf seine Suggestionen hören würde. Er wusste schließlich nicht, inwieweit sie als Monster gegen ihn immun war.
    „Also Marika, jetzt lass uns mal zum Wohle der Anstalt über deine … Verwünschung reden“
    , er beugte sich zu ihr vor und flüsterte so laut, dass er sich sicher war, dass der Andere ihn hören konnte: „Wir nennen es jetzt einfach mal so, damit er zufrieden ist. Also, diese Monster, haben die irgendwelche Schwachstellen. Sowas wie Werwölfe und Silber oder Vampire und Knoblauch oder so?“

    Laverne war sehr dazu versucht seine Fassade fallen zu lassen. Marika würde ihm ohnehin nie abkaufen, dass er in Wirklichkeit nur ein verängstigter Vogel auf der Suche nach einer wahren Familie gewesen war, warum sollte er das Ganze noch weiter fortführen. Aber er hatte nichts gegen sie in der Hand, um sicherzustellen, dass sie nichts über seine wahren Intentionen verraten würde. Also weiterhin so tun als ob. Aber zumindest ein wenig finer adjustments würde er machen müssen.
    „Tut mir leid, dich enttäuschen zu müssen …“, begann er nun und der Sarkasmus sowie die schlecht versteckte Schadenfreude waren kaum zu überhören. „As you know I aim to please, aber in diesem Fall bleiben mir wohl nur die hard, cold facts. Dein Freund mit den Tic-Tacs, dieser labile Psychopath mit den vielen Narben, hat dich eingekleidet und dich true white knight-style zurück zur Anstalt getragen. My, my, what a scene, direkt aus dem Märchenbuch.“


    Er beugte sich etwas zu Marika vor. Er wollte sichergehen, dass der Andere dem Gespräch nicht folgen konnte. Schließlich war das eine persönliche Angelegenheit. „Ich glaube, dass … jemand wie du keine Angst um sein Leben haben muss, vor allem, wenn es sich um einen solchen Typen handelt. Dennoch möchte ich eine kleine Warnung aussprechen, weil ich dich inzwischen ganz gut leiden kann, auch wenn das nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Die Gefühle, die ich von deinem Tic-Tac-Prinz aufgenommen habe, sind … erschreckend, um es mal nett auszudrücken. Ein solch labiler Geist ist ein nicht einschätzbares Risiko. Und er scheint eindeutig ein mehr als zweifelhaftes Interesse an dir zu haben.“


    Der Schwarzhaarige beugte sich wieder zurück, versuchend seine blasierte Freude zu versteckend. Hoffentlich würde das einen Keil zwischen Marika und diesen Idioten treiben. Es waren diese kleinen Dinge, die das Leben so viel süßer machten. Wieder etwas lauter fügte er nun hinzu: „Und dein judgment call bezüglich deiner Gesundheit scheint mir etwas overestimated zu sein, wenn du verstehst. Just my humble opinion, aber mir kommt es vor, als wäre etwas Medizin gar keine schlechte Idee …“

    Zu einer Antwort kam es nicht, da nun auch Marika in das Reich der Lebenden zurückgekehrt zu sein schien. Wie schade, er hätte nur allzu gerne einen Verbündeten gewonnen. Aber gut, was nicht zu ändern war, musste man halt so hinnehmen. Jetzt hatte er wenigstens die Gelegenheit, die brauchte, um bisschen personal business abzuhandeln.
    Die eher harsche Begrüßung der Blondine ignorierend, verwandelte sich das Gesicht des Brillenträgers sofort in die Personifikation von schlecht versteckter Sorge: „Geht es dir wieder besser? Alicia bat mich, nach dir zu sehen.“
    Dann begann der andere Junge zu sprechen. Laverne war sich absolut nicht sicher wie er reagieren sollte. Der Junge schien auch ziemlich wirr zu sein, aber irgendwie war er anders als dieser labile Psychopath von davor. Der junge Dieb wusste nicht wieso, aber aus unerfindlichen Gründen war er ihm sofort sympathisch. Vielleicht lag es daran, dass er ihn zwar „Flummy-Lewis“ nannte, aber im selben Atemzug meinte, dass man ihm auch Spitznamen geben konnte. Ein Angebot, dem Laverne liebend gern nachgehen würde, da sein Name Scheherazade so gut wie unaussprechlich war. Vielleicht nannte er ihn Shay … oder Razzy-Berry. Das musste er sich noch überlegen. Zudem war dies ein Modestatement hinter dem er stehen konnte. Schwarze Haare mit Brille sieht immer zum Sterben gut aus, ich muss es wissen. Die Kleidung ist auch in Ordnung, zwar nicht mein Stil, aber wenigstens etwas mit einer Idee dahinter.
    Ein Problem bestand natürlich. Wie viel wusste er über Marika? War er mit dabei gewesen? Weil falls nicht, wollte Laverne vermeiden zu viel zu verraten. Die Frage klärte sich jedoch innerhalb von Sekunden, als Razzy-Berry anfing von irgendeiner verwunschenen Prinzessin zu reden, womit er augenscheinlich Marikas „Situation“ meinte. Gut, vielleicht ist er etwas merkwürdig, aber in dieser Freakshow nimmt man, was man kriegen kann.
    Den Anderen ignorierend wandte sich Laverne nun wieder an Marika. „Falls du irgendwelche Medizin brauchst, sag einfach. Schehe … ähm … Shay over here, könnte vielleicht welche besorgen. Die Anderen waren ziemlich aufgebracht. Aber keine Sorge, wir haben Alicia noch nichts gesagt, zumindest als ich noch da war. Ist aber nur eine Frage der Zeit bis sie es herausfindet …“

    Leiras Antwort war ungefähr das, was er erwartet hatte. Dennoch frustrierte es ihn immens, dass sie sich nicht sofort gefügig machen konnte. Hätte diese Tonja doch bloß den Mund gehalten, hätte er jetzt vermutlich leichtes Spiel. Aber nun konnte er das sowieso nicht mehr ändern. Er hasste es, wenn Sachen nicht schnell gingen.
    „Keine Sorge, ich bin demnächst vorsichtiger“
    , antwortete Laverne ihr nun, wobei er spielerisch zwinkerte. Zeit zu gehen. Es war noch zu früh, um persönlich zu werden. „Naja, ich geh dann mal in die Küche. Du weißt ja, Küchendienst und so. Vielleicht sehen wir uns ja noch.“
    Er winkte dem Mädchen kurz zum Abschied, bevor er sich in Richtung des Hauses begab. Sobald er sich sicher war, dass er außer Sichtweite war, machte er sich jedoch sofort auf in Richtung seines Zimmers. Sollte Olga doch sehen, wo sie blieb. Vielleicht konnte er diese Prozedur ja morgen nachholen. Jetzt musste er sich erst einmal umziehen. Dieses Outfit konnte direkt in den Müll wandern.


    Kurze Zeit später betrat Laverne wieder den dunklen Gang des Wohnheims, vollkommen neu eingekleidet. Eine schwarze Skinnyjeans, seine typischen schwarzen Stiefel, ein schwarzes Hemd und ein sehr extravagant aussehender, aus lackiertem Leder bestehender Gehrock, verziert mit einigen Gürteln und silbernen Ketten. Er war nicht in der Stimmung für viele Farben. Eher für Begräbnis und Tod.
    Aus dem Augenwinkel erkannte er, dass eine Tür offen stand. Für einen kurzen Moment von seiner schlechten Laune abgelenkt, steckte er den Kopf hinein, um nach zusehen, wer darin vorzufinden war. Was er sah überraschte ihn. Es war Monster-Girl, immer noch k.o. auf dem Bett. Ihr gegenüber saß ein anderer Junge. Zum Glück war es nicht der Psycho. Dieser sah anders aus, weniger … labil. Sofort formulierte sich ein Plan innerhalb des Kopfes des Schwarzhaarigen. Dies war die perfekte Gelegenheit, um ein paar Fundamente zu legen.
    „Hey“, flüsterte er leise während er eintrat, fast als wollte er die Schlafende nicht wecken. „Hat Miss Alicia dich auch damit beauftragt nach Marika zu sehen?“ Langsam bewegte er sich auf den Anderen ein schüchternes Lächeln auf den Lippen. Ihm war dieser Typ nicht bekannt, weshalb er hoffte, dass jener ihn auch nicht kannte. Vielleicht doch noch etwas Glück an diesem Tag. „Ich glaube nicht, dass wir uns schon begegnet sind. Ich bin Lewis, schön dich kennen zu lernen.“

    Laverne liebte es Recht zu haben. Er fand sogar, dass er sehr gut darin war. Selbst wenn ihm seine manipulatorischen Vorzüge nicht zur Verfügung standen, wusste er dennoch wie man die Normen der Gesellschaft ein wenig zu seinen Gunsten zurechtbiegen konnte. Natürlich waren seine Worte sehr harsch gewesen und hatten ihn vermutlich nicht in einem unschuldigen Licht erscheinen lassen, aber ein physischer Angriff ließ dies jedoch erblassen. Hoffentlich hatte Alicia eine nette Strafe für den Anderen in petto. Nicht, dass es ihn sonderlich interessierte. Er würde selbst noch genug Gelegenheiten dazu haben, sich zu revanchieren. Nicht, dass er nachtragend war. Höchstens ein wenig gehässig. Aber, hey, wer ist das nicht?


    Während Alicia die Erleuchteten nach drinnen bugsierte, fiel Laverne seine Beschützerin ins Auge. Leila schien nicht gewillt zu sein, sich zum Abendessen zu begeben, jetzt noch nicht zumindest. Stattdessen spaltete sie sich von der Gruppe ab und begab sich Richtung Schulgelände. Was wollte sie dort? Ein kleines, erpressungswürdiges Geheimnis, vielleicht? Eine Möglichkeit, die nervigen Nettigkeiten zu überspringen? Das war eindeutig untersuchendwürdig. Seine bezaubernde Küchenfee würde sich sicher noch einige Minuten gedulden können.
    Zu Lavernes großer Enttäuschung war der Grund für den nächtlichen Spaziergang nicht besonders skandalös. Anscheinend hatte sie nur etwas am Pool vergessen. Egal, dann hatte er wenigstens eine Gelegenheit, ein wenig zu „socializen“.


    „A little late-night-swim, huh?“, rief er fröhlich, während er sich leichtfüßig auf Leira zu bewegte, so, als ob er nur rein zufällig hier vorbeigekommen wäre. „Normalerweise tut man sowas doch nur in RomComs oder Slasher-Filmen, oder? Du kannst froh sein, dass ich nicht der Typ von vorhin bin.“
    Mit einem diesmal ehrlich-wirkenden freundlichen Lächeln blieb er vor ihr stehen, seine blauen Augen ihre fixierend. Seine Pose strahlte Entspannung und Offenheit aus, er wollte schließlich nicht, dass sie sich bedrängt vorkam. „Ich wollte mich nur für gerade eben bedanken. Ich …“, er hielt inne, ein wenig Nervosität heuchelnd, die Augen nun auf seinen Schuhen, „… ich hätte nicht soweit gehen sollen. Du hattest recht, das war dumm von mir. Also, ähm, …“ er schenkte ihr ein sanftes Lächeln und seine Stimme wurde etwas leiser, „… Danke. Dass du mich beschützt hast.“

    Laverne wusste, was kommen würde. Er erahnte es an der Gangart des Anderen, an den wilden Emotionen, die er aufschnappen konnte. Langsam bewegte er sich ein wenig zurück. Sicher hatte er Angst, aber das war nicht der Hauptgrund. Normalerweise hätte er nun geschmeichelt und manipuliert, aber er wusste, dass das ihn diesmal nicht retten würde. Der Schlag war so gut wie unausweichlich, außer er würde jetzt weinend in die Gruppe laufen. Aber das würde er nicht tun, sein Stolz verbat es ihm. Zudem war es dieser Schlag auf den gehofft hatte. Ein eindeutiger Beweis, dass er diese Konfrontation gewonnen hatte. Sein Gegenüber wusste sich nicht mehr mit Worten zu helfen, musste seiner Impulsivität nachgeben. Und er, Laverne, trat zurück, damit Alicia genau sehen würde, was geschah.
    Doch nichts geschah. Als sein Gegenüber ausholte, um zuzuschlagen, traf seine Faust nicht die Nase des anderen Jugendlichen, sondern eine unsichtbare Wand. Laverne war genauso überrascht wie sein Angreifer, dass es nicht zum Schlag kam. Er hatte sich damit abgefunden, bereits Pläne für seine Rache geschmiedet. Aber trotzdem war es doch irgendwie erleichternd keine gebrochene Nase zu haben. Das würde nicht gut aussehen und Blut geht schlecht aus der Kleidung. Als es dem jungen Mann dämmerte, was passiert war, konnte er nicht umhin ein erleichtertes als auch selbstzufriedenes Lächeln aufzusetzen. Score One für Freunde und Unterstützer!


    Es war die Schilderschafferin, Leira! erinnerte er sich, die eingegriffen hatte. Ob nun aus Sympathie zu ihm oder weil sie Konflikt vermeiden wollte, war egal. Wichtig war, dass er keine Wunden von diesem Kampf davontragen würde.
    Während das Mädchen nun also ziemlich angenervt es nicht versäumte, das zu tun, was die Anstaltsleitung vor fünf Minuten schon hätte tun sollen, bewegte sich Laverne zu ebenjener. Was interessierte es ihn, dass ihm Leira keine große Sympathie entgegenbrachte. So oder so würde er ihr später danken, sobald er sich eine zu Tränen rührende Hintergrundgeschichte für sich ausgedacht hatte. Stattdessen wollte er sich nun mit Alicia befassen. Als er sie ansprach redete er leise, so dass nur sie und er seinen Worten lauschen konnten, was nicht nötig war, da die Aufmerksamkeit ohnehin noch immer auf der Schilderschafferin lag. Sein Ton war wieder von dieser falschen Freundlichkeit: „Ich mache das, was ich will? Es scheint, als würde jemand die Anstaltsordnung nicht sonderlich ernst nehmen. Oder ist es hier Alltag, dass man Konfrontationen mit den Fäusten klärt und die Anstaltsleiterin tatenlos zusieht?“

    Beim Lachen des Anderen, verfestigte sich das gewollt freundliche Lächeln, welches nur schwer die Blasiertheit dahinter verstecken konnte. Egal, ob dieser Freak ihn nun ernst nahm oder nicht, mit jedem weiteren plötzlichen Gefühlsausbruch schoss er sich nur selbst ins Knie. Keiner der anderen Erleuchteten würde mit ihm sympathisieren, diesmal nicht. Laverne hatte noch genug Gelegenheiten, sich als Jedermanns Freund zu etablieren. Diese wandelnde Witzfigur nicht so sehr. Dennoch sollte er jetzt vermutlich doch stoppen. Er hatte schon zu viel Antagonismus offenbart. Wenn er weitermachte, würde es ihm nur noch schwerer fallen, mit den Anderen eine Vertrauensbasis aufzubauen. Aber ein letzter kleiner Seitenhieb würde ihm wohl noch erlaubt sein, oder?


    Immer noch so zuckersüß und betont höflich wie eh und je, erwiderte er den Blick des Anderen: „Oh, welch große Angst ich doch empfinde. Der Mann, der beinahe geweint hätte, nur weil seine Freundin seinen Traubenzucker abgelehnt hat. Wirklich furchteinflößend.“
    Sein nächster Kommentar war etwas leiser, aber immer noch so laut, dass er gut hören war. Der Ton seiner Stimme freundlicher denn je: „Aber ich muss dir zustimmen, ich schaffe es nicht alleine zu überleben. Ganz ohne Freunde oder Unterstützer. Aber du schaffst das, wie schön. Marika wird sich sicher freuen, dass zu hören. Vielleicht rennst du ihr dann nicht mehr überall hinterher wie ein Hund seinem Meister. Ihre Emotionen dazu waren ja mehr als offensichtlich …“


    OT: Keine Sorge, Laverne ist da schon ganz Anderes gewohnt :>

    Lavernes falsches Lächeln fror auf seinem Gesicht ein. Er hatte nicht damit gerechnet, dass ihn irgendjemand noch heute sympathisch finden würde. Er hatte noch nicht einmal damit gerechnet, dass irgendjemand außer Alicia ihm Beachtung schenken würde. Aber dennoch ...
    Eine Stimme in seinem Kopf sagte ihm, er solle es nicht tun, nicht die Fassade fallen lassen. Sein neues Lebensmotto war schließlich „Ohana heißt Familie“. Aber aus irgendeinem Grund wollte er diesmal nicht hören. Warum auch? Schließlich würde er nicht wirklich alleine dastehen.
    „Weißt du, was amüsant ist …“, rief er dem Jungen hinterher und obwohl er seine Stimme erhoben hatte, war sein Tonfall erstaunlich ruhig, beinahe schon etwas zu freundlich. „All die Gefühle, die du mir entgegenbringst, bringen die anderen Erleuchteten dir entgegen. Allen voran deine verehrte Marika. Es ist schon erstaunlich, ich habe drei Tage gebraucht, um mir diese Reputation einzuhandeln, du hast es in gerade mal sechs Stunden geschafft. Respekt.“
    Das Lächeln, das das Gesicht des Brillenträgers zierte, hatte nun eine äußerst gehässige Note angenommen, doch sein Tonfall war weiterhin überraschend neutral. „Ich frage mich, was Marika sagen wird, wenn sie aufwacht. Sie scheint deine Gefühle nicht wirklich zu erwidern und in der Nähe eines labilen Psychopathen zu sein, wird ihr sicher nicht gefallen. Ein kleiner Tipp von mir, wenn du das nächste Mal versuchst jemanden so … fragwürdig zu umschmeicheln, solltest du nicht ganz so viele von den bunten Pillen nehmen, die bekommen dir nicht so gut.“


    OT: Sorry, zeev, dass ich deinen Abgang ein wenig schmälere, aber mit dem "schlechten Modegeschmack"-Kommentar hast du Laverne wirklich getroffen xD Hoffentlich ist es nicht zu schlimm :>

    Genervt spielte Laverne mit seinem Smartphone herum, während er den Konversationen mit Marika nur wenig Gehör schenkte. Gut, dann blieben sie halt hier und warteten darauf, dass irgendeine andere Bestie ihnen seine ungewollte Aufmerksamkeit schenkte. Was machte das schon? Sollte es hart auf hart kommen, besaß er immer noch genug menschliche Schilde, um es sicher zurück zur Anstalt zur schaffen. Sollten die Anderen doch sehen, wo sie blieben. Außer das Schildmädchen vielleicht. Sie war nützlich.
    Plötzlich wurde die Aufmerksamkeit des Schwarzhaarigen jedoch wieder von seinem Flappy-Bird-Spiel (Rekord: 1) zur derzeitigen Situation gezogen. Offenbar begann das Monster eine erneute Verwandlung, diesmal zurück zum menschlichen Mädchen. Das Herz des Brillenträgers begann zu rasen und er begann hektisch nach seinen Video-Tools zu suchen. Das wäre seine Gelegenheit Bildmaterial zu sammeln. Schien zwar nicht der appetitlichste oder angenehmste Prozess zu sein, aber was kümmerte es ihn. Hatte er erst einmal Beweise für seine Behauptungen, eröffneten sich ihm vollkommen neue Wege der Profitgewinnung. Erpressung, Verkauf, Publikation. Alles Wörter, die er liebend gern in den Mund nahm.


    Als die Verwandlung geendet hatte, beendete er schnell die Aufnahme und tat so, als hätte er durch seine Nachrichten gescrollt. Zwar stand der junge Mann ziemlich am Rand der Gruppe, aber man konnte ja nie wissen. Er wollte einen weiteren Streit mit dem Technophob vermeiden.
    Eine kurze Zeit später setzte sich die Gruppe wieder in Bewegung, diesmal zurück zur Anstalt. Genervt seufzte Laverne auf. Er brauchte unbedingt wieder einen Kaffee, seine Kopfschmerzen würden ihn noch umbringen. „Na endlich, ich dachte schon wir wollten hier Mondschein-Picknick spielen. Worst Campingtrip Ever!“
    Sofort beeilte sich Laverne an der Spitze der Gruppe zu laufen. Er wollte keine Sekunde länger als nötig mit diesen Freaks in der freien Natur verbringen. Auf Smalltalk hatte er gerade auch keine Lust, er hatte schon viel zu lange zu nett sein müssen. Normalerweise reservierte er sich falsche Freundlichkeit für die High-Society, nicht für den Abschaum der Gesellschaft. Wenn er an diesem Tag noch einmal eine Variation von „Ohana heißt Familie!“ von sich geben musste, würde er kotzen. Außerdem wollte er sich umziehen. Dieses Outfit war so müllreif.
    Begrüßt wurde die Gruppe von einer sehr besorgt wirkenden Alicia. Der Schwarzhaarige war dazu verlockt die Augen zu verdrehen. Natürlich hatte sie sich Sorgen gemacht. Jeder wäre besorgt, wenn sich auf einmal seine Waffenkammer leeren würde. Aber egal, Antipathie herunterschlucken. Jetzt hatte er die Chance ein Fundament für später zu legen. Aber er musste subtil sein. Sehr subtil.

    „Naja, Marika hat sich dazu entschlossen, einen kleinen Ausflug zu unternehmen“
    , meinte der Brillenträger, eine nicht sehr überzeugende Fassade der Arroganz aufsetzend. Hier begann seine Charakterentwicklung. „Die Crew ist ihr nachgerannt, weil Familie und so, Sie verstehen. Ich natürlich nicht …“, fügte er schnell hinzu, seine Stimme einen leicht defensiven Ton annehmend. Der „Jerk with a heart of gold“-Trick. Uralt, aber effektiv. Jetzt musste er die Wahrheit nur überzeugend als Lüge verkaufend. „Mir war das Ganze völlig egal. Ich ... ich hab mir keine Sorgen gemacht. Ich bin nur mitgegangen, weil mir… langweilig war!“ Hinter der herablassenden Fassade war eindeutig die von ihm beabsichtigte Unsicherheit herauszuhören. Ich bin ein so nuancierter Schauspieler!

    „Was genau passiert ist, sollten wir aber vielleicht nicht hier draußen besprechen. Manche sind sicher etwas erschöpft …“

    Er hatte kein Interesse daran, Alicia von Marikas Verwandlung zu erzählen. Sollten das die Anderen übernehmen, wenn sie wollten. Schließlich musste er immer noch die Fassade einer Fassade aufrecht erhalten.


    OT: Endlich wieder posten :> Schön, dass es weitergeht.

    Lavernes Einwurf wurde gekonnt übergangen, als stattdessen ein junger Mann, von dem der Schwarzhaarige wusste, dass er nicht mit dem Bus gekommen war, sich an die Bestie wandte. Die Interaktion, die folgte, war so bizarr und gewollt kitschig, dass der junge Dieb für einen kurzen Moment sine Fassade fallen lassen und angewidert das Gesicht verziehen musste. „Was ein Freak! I think I’m gonna throw up!“


    Zum ersten Mal schien Marika mit seinem Sentiment übereinzustimmen, denn auch sie schien nicht besonders begeistert von, was auch immer der wirre Typ mit ihr machte, zu sein. Zumindest wirkte der Ton des Monsters noch angenervter als es sonst der Fall war. Laverne lauschte sehr genau als sie, nach einem kurzen Seitenhieb gegen die anderen, ihre Situation erklärte. Tatsächlich schien sie offenbar ebenfalls eine der Bestien zu sein, die, so Marika, alle die Fähigkeit besaßen, menschliche Form anzunehmen. Dies war äußerst interessant für den jungen Dieb. Wenn sie normal unter Menschen leben konnten, dann ließe sich sicher auch mit ihnen verhandeln. Was wäre ein lockenderes Angebot als eine ganze Anstalt voller nichtsahnender Erleuchteter? Sollten seine anderen Optionen ins Nichts führen, bliebe ihm wenigstens noch diese Möglichkeit. „Und wer weiß, manchmal lohnt es sich ja auch mehrspurig zu fahren.“


    Als das Monster erwähnte, dass sie nun von anderen Bestien gespürt werden konnte, gingen bei Laverne jedoch sofort die Alarmglocken an. Eine weitere Konfrontation wollte er auf jeden Fall vermeiden, schließlich hatte er keine Lust als jemandes Abendessen zu enden. Außerdem befanden sich hier so viele valuable assets, die er ungern aufs Spiel setzen wollen würde. Zeit, sich wieder gut zu inszenieren.
    So trat er etwas nach vorne und hob etwas seine Stimme, darauf bedacht nicht zu kommandierend, sondern lieber eindringlich zu wirken. „Wenn das, was das Bi-- äh, Marika sagt, wahr ist, sollten wir schleunigst back to the basis, wenn ihr versteht. Ich glaube, keiner von uns hat große Lust auf noch eine confrontation solange Alicia nicht in der Nähe ist und wie bereits gesagt, gibt es einige unter uns, denen es nicht so gut geht, if you catch my drift", vielsagender Blick Richtung Tomomi, "Marika kann ja ebenfalls zur Anstalt zurückkehren, sobald sie sich zurück transformed hat, aber gerade jetzt ist es, glaube ich, wichtiger, dass wir für die Sicherheit der Gruppe – vor allem meine – sorgen! Any objections?“

    Laverne begann nervös an seinen Fingernägeln zu knabbern. Vielleicht war dieser Plan doch nicht so gut durchgeplant gewesen, wie er zuerst gedacht hatte. Er hatte zwar ein paar menschliche Schilde, aber auch diese würden nur eine gewisse Zeit halten können und wer wusste ob und wann Marika sich wieder zurückverwandeln würde. Noch hoffte er darauf, dass eines der Freakkinder vielleicht eine Fähigkeit besaß, um das Biest lange genug in Schach zu halten, doch die Chancen standen schlecht. Auch seine Manipulationen würden ihm hier nicht viel weiterhelfen. Zwar konnte er Tiere sehr gut dressieren und gefügig machen, jedoch bezweifelte er stark, dass er erstens überhaupt so nah an das Monster herankam beziehungsweise herankommen wollte und zweitens, dass es überhaupt Wirkung zeigen würde. Mythische Wesen fielen normalerweise nicht in seinen Wirkungsbereich.
    Aber einiges Gutes hatte sich bereits aus dieser Sache ergeben. Falls er dies überleben sollte, ein Fakt der fest eingeplant war, dann konnte er der Schilderschafferin wenigstens schon mal ein Gesicht zuordnen. Ihre Fähigkeiten würde sich sicher noch als nützlich für ihn erweisen, vor allem wenn es daran ging mit einigen weniger freundlichen Individuen zu verhandeln. Jetzt musste er sie nur noch vollkommen einlullen, aber das würde vermutlich nicht allzu schwer werden. Schließlich war er darauf spezialisiert.


    Sie schienen der Stelle, an der Marika zum Monster mutiert war, schon sehr nahe gekommen zu sein, denn die hitzigen Diskussionen der Anwesenden drangen bereits an Lavernes Ohren. Er bedeutete Leira kurz leise zu sein und flüsterte: „Lass uns die Situation erst überblicken, bevor wir voreilig handeln …“
    Aus dem Lauf der Diskussion konnte der Schwarzhaarige entnehmen, dass Marika obgleich körperlicher Metamorphose wohl trotzallem noch im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte zu sein schien. Zumindest schien sie sprechen zu können, bis Tomomi höchst selbst ihr den Mund verbat. Eine Mischung aus Amüsement und Überraschung schlich sich in Lavernes Züge. Dass gerade Miss Happy-Pappy-Family Junior so eine aggressive Vorgehensweise an den Tag legen würde, hatte er nicht erwartet. Es gab dennoch ein unterhaltsames Bild ab.
    Doch bevor der Brillenträger über sein weiteres Vorgehen nachdenken konnte, riss ihn ein plötzliches Gefühl des Schmerzes aus seinem Gedankenfluss. Er hatte es schon mal gespürt, in der Gegenwart des Mumienmädchens. Schon damals war es unangenehm für ihn gewesen, doch dieses Mal war es so gut wie unerträglich. „W-was ist das?“, keuchte er, während er aufgrund der Emotion seinen schmerzenden Kopf hielt. „So … schmerzhaft!“

    Leira nickte nur, als ihr Begleiter vorschlug, erstmal stehen zu bleiben, um die Situation zu überblicken. Sie hatte ebenfalls nicht vorgehabt, einfach so zurück auf die Lichtung zu rennen ohne zu wissen, was sie erwartete.


    Es brauchte keine besonderen Fähigkeiten um dem Stimmengewirr zu entnehmen, dass eine ziemlich aggressive Grundstimmung unter den Erleuchteten herrschte. Fast so als würden sie gleich aufeinander losgehen. Bevor es jedoch dazu kommen konnte, erhob sich eine neue Stimme: „Ich bin kein Krouchug! Vergleiche mich nicht mit diesen Missgeburten!“
    Leiras Augen weiteten sich überrascht bei diesem halbwegs vertrauten Klang. Das… konnte doch nicht sein, oder? Wie konnte sie sprechen? Eine Welle von Erleichterung erfasste sie, als Marika noch weitere Sätze sprach. Jedoch… wurde dies gleich wieder gemindert, als sie sah, dass der Militärheini ja immer noch auf Marikas Rücken saß und nun die anderen mit einer Waffe bedrohte. Waren denn alle vollkommen durchgedreht? Dann hätten sie lieber auch wegrennen sollen, das verursachte den wenigsten Schaden.


    Sie wäre ja gern zurück zu den anderen gegangen, vor allem aus Mitgefühl mit dem Marika-Drachen, der ständig befohlen wurde wie ein Hund Platz zu machen, und dass obwohl es doch offensichtlich war dass die Verwandlung in die Bestie nur äußerlicher Natur war - jedoch schien Lewis plötzlich irgendeine Art Anfall zu bekommen. “Ähm, ist alles in Ordnung mit dir?”, fragte Leira. Eigentlich eine dumme Frage, natürlich war etwas nicht in Ordnung, aber sie wusste nicht was sie sonst sagen oder wie sie helfen sollte.


    Lavernes Kopf schien einen kurzen Moment taub zu sein. Er hörte, wie seine Begleiterin ihn ansprach, doch richtig verstehen konnte er sie nicht. Das schmerzhafte Gefühl überdeckte alles andere. Er musste es sofort zurückdrängen, wenn er nicht zusammenklappen wollte wie eine Sonnenliege.
    Zu seinem Glück schwächte sich die Emotion kurz darauf ab, sodass er etwas Kontrolle zurückerlangen konnte. „Es ist nichts … nur ein unangenehmes Gefühl“, antwortete er etwas gequält seiner Begleiterin, bevor er nach der Quelle dieser Ablenkung Ausschau hielt. Es überraschte ihn wenig, als er die Gefühlsschwingungen zu Tomomi zurückverfolgen konnte. Er hatte jetzt zwar absolut keinen Nerv dafür, aber wenn er von der Situation einen Vorteil ziehen konnte und sich gut inszenierte, könnte er seinem Ziel etwas näher kommen. Er musste diese Chance nutzen. „Tomomi geht es absolut nicht gut, wir müssen etwas tun. Die Gefahr scheint sich aufgelöst zu haben, also brauchen wir uns nicht mehr zu verstecken, oder? Ich denke Tomomis Wohl ist jetzt wichtiger …“


    Leira glaubte Lewis kein Wort. Er hatte ausgesehen als hätte er grad nen Migräneanfall oder schlimmeres und dann behauptete er es wäre "ein schlechtes Gefühl" gewesen? Das konnte er sonstwem erzählen. Dennoch bohrte sie erstmal nicht weiter nach, da er sich ja offenbar wieder erholt hatte. Aber vielleicht sollte er besser mal zu nem Arzt gehen und sich mal durchchecken lassen. Normal war das nicht.


    Auch bei Lewis' nächstem Satz zögerte Leira. Tomomi schien es zwar in der Tat nicht gut zu gehen, jedoch kümmerte sich der Beschwörer offensichtlich bereits um sie. Und sie wusste absolut nicht wie sie jetzt noch weiter helfen sollte. Vermutlich wärs am besten für sie wenn sie alle erstmal ne Weile in Ruhe lassen... Außerdem... seit wann sorgte sich Lewis so um alle? Gestern Abend war er noch der Erste gewesen, der nach Tomomis letztem Anfall gleich weiter zur Tagesordnung übergegangen war. Irgendwie kaufte sie ihm die um alle besorgte "wir sind doch eine Familie"-Nummer nicht so ganz ab. Aber sie ließ sich nichts anmerken.


    Inzwischen war die sprechende Bestie damit fortgefahren, sie alle zu beschimpfen, wobei sie eigentlich nur die Bezeichnungen bestätigte, die Zanza bereits vorgeschlagen hatte. Außerdem bekam Leira noch mit, dass Marika Dinge behauptete, die den Schluss nahe legten, dass die Bestie ihre wahre Gestalt war. Wobei das etwas war, das gerade noch nicht in Leiras Kopf rein ging. Für sie war Marika immer noch ein Mädchen, das sich in eine Bestie verwandeln konnte und nicht umgekehrt.
    Besonders seltsam fand sie allerdings, dass Nic plötzlich den Drachen umarmte, keine paar Minuten nachdem er noch auf sie hatte los gehen wollen. Was für ein plötzlicher radikaler Sinneswandel. Da konnte sie nur den Kopf schütteln. Lewis' Vorschlag, Tomomi zu helfen, ignorierte sie erstmal - sollte er doch machen was er wollte - und wandte sich stattdessen an den Drachen, vor dem sie nun keine Angst mehr hatte. Und das obwohl sie langsam begann, Lewis' Einfluss abzuschütteln. Eigentlich war sie mittlerweile sogar ein wenig ärgerlich auf Marika, wegen dieser ganzen Aufmerksamkeit heischenden Aktion, erst durch das ganze Gelände zu rennen, dann eine 20 Meter hohe Wand hochzuklettern, und dann auch noch die Dreistheit zu besitzen, sich aufzuregen weil ihr alle nachrennen. Und jetzt schmollen und in Ruhe gelassen werden wollen! Das konnte sie mal schön vergessen, Bestie hin oder her.
    "Und was sollte diese ganze lächerliche Fluchtaktion? Hättest du uns nicht einfach rechtzeitig die Wahrheit sagen können, bevor du als fertiger Drache da sitzt und die meisten nur noch die Aufschrift "Feind" über deinem Kopf leuchten sehen?"
    , fragte sie mit einer Spur Verärgerung. Oder einfach auf eine ETWAS weniger auffällige Art das Gelände verlassen können...
    Sie hielt sich immer noch gut außer Reichweite des Drachens, auch wenn sie sich nicht mehr versteckte. Zwar glaubte sie nicht, dass Marika vorhatte, sie zu fressen, aber ein wenig Vorsicht konnte nicht schaden. "Warum hast du dich überhaupt verwandelt? Und jetzt sag nicht das ist so ne Vollmond-Sache, das wär jetzt echt abgedroschen." Mal davon abgesehen dass Vollmond erst in 2 Tagen oder so ist..., korrigierte sie sich selbst. "Wie lange hast du eigentlich vor jetzt so zu bleiben? Ich fürchte in der Gestalt passt du durch keine Tür mehr. Außerdem ist sie ziemlich auffällig, nimms nicht persönlich", fügte sie ein wenig spöttisch an.


    Zusammen mit seiner Begleiterin betrat Laverne nun ungewohnt ruhig die Lichtung. Ohne dem Mädchen weiter Beachtung zu schenken, bewegte er sich nun schnellen Schrittes auf Tomomi zu. Jetzt galt es wieder seine "Nice guy"-Fassade überzeugend rübergehend. Da er Angst hatte, dass das Mumienmädchen negativ auf eine Berührung reagieren könnte, wandte er sich zuerst mit Worten an sie. Das unangenehme Gefühl war nun vollkommen abgeebbt. Stattdessen hatte Tomomi nun angefangen unkontrolliert zu schluchzen und sich einem Heulanfall hingegeben. Unter normalen Umständen hätte Laverne ihr seinen üblichen Satz - "Life's a bxxch, deal with it!" - an den Kopf geschmettert, aber jetzt musste er Empathie und Taktgefühl beweisen. Egal wie nervig es auch war.


    "Hey, Tomomi", flüsterte er sanft, während er sich zu ihr kniete immer noch davon Abstand nehmend, sie anzufassen. "Tomomi, ganz ruhig bleiben. Ich bin's, Lewis. Es gibt keinen Grund zu weinen. Wir verstehen, dass du Angst hattest, niemand wird dir das vorhalten. Du hast genau das Richtige getan. Du wolltest deine Familie beschützen. Du konntest nicht wissen, dass Marika keine Gefahr darstellen würde. Du hast das Richtige getan. Es gibt keinen Grund zu weinen."
    Er hörte, wie seine vorherige Begleiterin sich nach den genauen Umständen von Marikas Verwandlung erkundigte. Das wurde interessant, jetzt kamen vielleicht Details, die er später nutzen konnte. Aber trotzdem sollte er sich seiner derzeitigen Position bewusst sein, seine Rolle überzeugend spielen. "Ähm, ich will ja nicht stören, aber sollten wir nicht vielleicht Alicia benachrichtigen oder so? Sie könnte Tomomi vielleicht etwas beruhigen ..."


    OT: Nun sind auch Leira und Laverne auch wieder Teil der Action. In Zusammenarbeit mit Espeon entstanden :>

    Noch bevor Laverne irgendwie eine Entscheidung bezüglich seiner Lage treffen konnte, wurde er durch eine plötzlich aufblitzende Emotion aus dem Konzept gebracht. Es war ein ziemlich unkoordiniertes Rasen gepaart mit einer Art kühlem Stechen. Ihm fiel die Ähnlichkeit zu der merkwürdigen Emotion, die er bei der letzten Monster-Attacke wahrgenommen hatte, auf, doch irgendwie war es dieses Mal auch ein wenig anders. Wie die gleiche Sorte Kaffee von verschiedenen Marken. Merkwürdig. Wem konnte dies gehören?


    Seine Frage wurde auch sogleich beantwortet als eines der Anstaltsmädchen aus dem Waldstück stolperte und den Abhang runter kletterte, sodass sie in die Periphervision des Brillenträgers gelangte. Er konnte nicht wirklich einen Namen zuordnen, schließlich hatte er ein ohnehin schlechtes Gedächtnis, aber ihm fiel nicht ein, jemals mit ihr gesprochen zu haben. Noch war sie ihm jemals aufgefallen. Jetzt, wo sie jedoch seine ungeteilte Aufmerksamkeit hatte, fiel ihm auf, dass sie, im Vergleich mit den restlichen Schreckschrauben in der Anstalt, recht hübsch war. Allerdings hatte auch sie keinen Mode-Geschmack. „Vielleicht sollte ich ihr mal helfen, ein Fashion-Statement abzugeben …“


    Ohne dem Schwarzhaarigen jedoch auch nur eine Sekunde zu geben, um eine adäquate Begrüßung zu geben, begann das Mädchen auch schon irgendeine konfuse Story über Marika und einen Drachen zu erzählen. Laverne war überrascht, dass sie bei ihrem Gefühlschaos überhaupt noch sprechen konnte. Ihre Emotionen wirkten vollkommen aufgelöst und dennoch ließ sie sich das äußerlich nicht wirklich anmerken. Ziemlich bewundernswert.
    „Okay, okay, stop, gimme a second. Du sagt mir also, dass das blonde Biest sich in ein … nunja, Biest verwandelt hat? Also ich hab‘ mit vielem gerechnet, aber nicht damit, talk about beastiality, ich mein‘, oh my gosh, was ist sie, so eine Art Wer- … Drache, oder was? Freaky!“


    Sofort begannen die Räder im Kopf des jungen Diebes sich zu drehen. Sein erster Gedanke ging in die Richtung von: Okay, ein Problem weniger für mich, time to go home and throw a partey! Doch danach kam sofort der Verbrecherteil in ihm zum Vorschein: Wie konnte er daraus Profit schlagen? Diese Monster waren doch unzerstörbare Kampfmaschinen des Gemetzels. Was wäre, wenn sie eins einfangen würden. Wie viel würde man ihm dafür wohl bieten? Er wollte sich die Summen lieber erst gar nicht ausmalen? Aber das Ganze war ziemlich gefährlich und er wusste nicht genau, wo das Monster sich befand. Er brauchte einen Navigator und eine Ablenkung. Zum Glück wusste er genau, wer dafür in Frage kam. „Man muss nie schneller sein als der Bär. Nur schneller als der langsamste in der Gruppe.“

    Ein besorgter Ausdruck im Gesicht näherte er sich nun langsam dem Mädchen, die Stirn in Sorgenfalten. „Hey, geht’s dir gut? Du siehst nicht so fresh aus. Du wurdest nicht angegriffen, oder? Du musst dich erst mal beruhigen, es ist wirklich wichtig jetzt cool zu bleiben. Das Bi- … ähm, Marika wird uns hier nicht finden. Wir müssen ruhig bleiben.“
    Inzwischen war er ihr näher gekommen, langsam und mit vorsichtigen Bewegungen, um sie nicht zu verschrecken. Das Mädchen zitterte stark und hatte die Hände vors Gesicht geschlagen, jetzt ihrem inneren Tumult nachgebend. Lavernes Stimme hatte inzwischen ihren schrillen, lauten Klang verloren und war beruhigender und langsamer geworden. Zudem ließ er ein äußerst kalkuliertes Maß an Mitgefühl mitschwingen. Hier bot sich die Gelegenheit, einen weiteren Freak für sich zu gewinnen.

    „Es muss ziemlich furchtbar gewesen sein, oder? Die Verwandlung selbst mitzuerleben, von jemandem, der einem so merkwürdig vertraut vorkommt. Aber wir müssen jetzt ruhig bleiben. Wenn wir panisch werden, dann hilft das niemanden, nicht uns und nicht den Anderen. Es ist wichtig, ruhig zu sein … und … und mutig.“
    Die Stimme des Schwarzhaarigen gewann eine leicht verlegene Komponente. Schließlich hatte er sich bisher in einem anderen Licht präsentiert, seine Veränderung musste überzeugend rüberkommen. Ein leichtes Zittern in seinem Ton half hier perfekt.

    „Ich weiß, es hört sich merkwürdig an, wenn es von mir kommt, aber … nun ja … diese Erleuchteten sind wie wir … sie … sie sind die Einzigen, die uns jemals so akzeptieren werden wie wir sind. Am Anfang wehrt man sich dagegen, man … man denkt sie würden einen ausstoßen, so wie alle Anderen … aber dann begreift man langsam, dass man nie so jemanden hatte. Leute, die da sind wie eine Art … Familie. Irgendwann bereut man es, sich hinter einer Maske versteckt zu haben, sich … abgeschottet zu haben. Aber mir ist klargeworden, dass wir sie nicht im Stich lassen dürfen. Wir müssen ihnen helfen. Bitte!“

    Lavernes Ton war nun beinahe flehentlich geworden. Seine Hände, die zuerst auf der Schulter des Mädchens geruht hatten, lagen nun um die Ihre. Er wusste, dass sie es zulassen würde. Ihre Emotionen waren zu durcheinander, um sich zu fokussieren. Sie würde auf ihn hören. Da war er sich sicher.


    Lewis war zunächst genauso aufgeregt wie Leira selbst, was sie vollkommen verstehen konnte. Immerhin schien er ihr nach anfänglichen Zweifeln zu glauben. Jedoch machte er keine Anstalten wegzurennen, was sie ein wenig verwunderte. Wegen ihrem fast-Zusammenbruch hatte sie allerdings nicht wirklich Kapazitäten frei um darüber nachzudenken. Sie bemerkte nach einer Weile nur, dass der bunte Typ ruhiger geworden zu sein schien und nun auf sie einredete, irgendwas von ruhig bleiben. Ich kann nicht ruhig bleiben..., protestierte sie in Gedanken, während ihr Herz weiter raste als wollte es ihr gleich aus der Brust springen. Und du wärst auch nicht so ruhig wenn du gesehen hättest was ich gesehen hab... Oh Gott, hoffentlich ist noch keiner gestorben!

    In einer anderen Situation wäre sie wesentlich wachsamer gewesen, schließlich wusste sie doch um Lewis Fähigkeiten. Im Moment aber war ihr das völlig entfallen und so registrierte sie die leichte Berührung an ihrer Schulter zunächst kaum. Jedoch verschob sich ihre Aufmerksamkeit ab diesem Moment ziemlich schnell auf das, was ihr gesagt wurde und weg von den schrecklichen Bildern und Ängsten in ihrem Kopf. Sie spürte, wie sich ihr Herzschlag beruhigte und ihr Körper sich entspannte. Beinahe hätte sie vor Erleichterung geseufzt. Plötzlich verstand sie gar nicht mehr warum sie so eine Abneigung gegen ihn gehabt hatte. Nur weil er sich komisch anzog und eine seltsame Art zu sprechen hatte? Die jetzt seltsamerweise vollkommen verschwunden war... Stattdessen klang alles was er sagte, äußerst überlegt und sehr vernünftig. Eigentlich schien er sogar ziemlich nett zu sein.

    „Ich weiß, es hört sich merkwürdig an, wenn es von mir kommt, aber … nun ja … diese Erleuchteten sind wie wir … sie … sie sind die Einzigen, die und jemals so akzeptieren werden wie wir sind."
    Sie nickte, während sich Tränen in ihren Augen sammlten. "Am Anfang wehrt man sich dagegen, man … man denkt sie würden einen ausstoßen, so wie alle Anderen … aber dann begreift man langsam, dass man nie so jemanden hatte. Leute, die da sind wie eine Art … Familie." "Das stimmt." Sie schniefte leicht. Er hatte wirklich recht, und auf einmal war sie total gerührt. Die Angst vor der Bestie, die sie von den anderen weggetrieben hatte, schien in weite Ferne gerückt zu sein. Sie war völlig unbedeutend geworden, wie die ferne Erinnerung an einen Alptraum.
    "Irgendwann bereut man es, sich hinter einer Maske versteckt zu haben, sich … abgeschottet zu haben"
    , fuhr er fort. "Aber mir ist klargeworden, dass wir sie nicht im Stich lassen dürfen. Wir müssen ihnen helfen. Bitte!“ Seine Hände lagen mittlerweile um ihre eigenen. Eine beruhigende Wärme ging von ihnen aus und Leira fühlte sich plötzlich wieder warm und sicher, so wie vorhin als sie noch am Pool gelegen hatte. Beinahe zögerlich löste sie die Hände aus seinem Griff, um sich die Tränen aus den Augenwinkeln zu wischen. "Du hast Recht", sagte sie, wobei ihre Stimme wieder etwas fester klang. "Wir müssen ihnen helfen! Ich war total panisch vor Angst, aber jetzt weiß ich wieder dass es wichtigeres gibt. Und dass man seine Ängste überwinden muss. Danke, dass du mir das gesagt hast... Ich schätze, wir sollten uns beeilen."


    OT: In Zusammenarbeit mit Espeon entstanden :>

    „You wanna live fancy? Live in a big mansion? Party with friends? U betta Work Bxxch!“


    Laverne stand immer noch an der Kletterpartie, ungeduldig an seinen Fingernägeln knabbernd. Die anderen waren schon ein paar Minuten weg und der Schwarzhaarige besaß eine sehr kurz bemessene Geduld. Außerdem hatte er schon seit längerem keinen Kaffee mehr getrunken und langsam wurde er etwas „giddy“ wie er es gerne nannte. Auch der laut-wummernde Techno-Beat half ihm da nur begrenzt weiter.


    Wie lange würde er hier noch warten müssen? War es so schwer irgendeinen, entlaufenden Freak wieder einzufangen? Und was war mit der Anstalt, hatten die kein Personal für so was? Wenn sie schon eine Gefahr für die Gesellschaft zusammenbrachten, sollten sie dann nicht wenigstens anständige Wachmänner haben? „Aber nein, hier pflegen ja die Irren die Bekloppten!“


    Um sich ein wenig abzulenken und die immer stärker werdenden Kopfschmerzen aufgrund einer unglücklichen Kombination aus Schlafmangel und Koffeinentzug zu ignorieren, checkte der Brillenträger die Nachrichten in seinen sozialen Netzwerken. Auf Facebook war nicht viel los, seine Bekannte Angelique Ashley veranstaltete eine Pool-Party und hatte ihn eingeladen, auf Twitter folgte ihm nun eine @rosepetal_princess und ein Online-Ad schlug ihm vor einen Promifriseur zu besuchen. „Hmm, ich sollte mir mal wirklich einen neue Style zulegen, Fringe ist ja inzwischen super out, Quiff soll inzwischen der go-to-hairstyle sein, seit Justin sich einen zugelegt hat, naturlich, aber würde ich damit gut aussehen? Oh, so indecisive!“


    Doch Laverne große Problemerörterung wurde urplötzlich durch ein ohrenbetäubendes und ihm sehr bekanntes Brüllen unterbrochen. Ein paar aufgescheuchte Vögel flatterten über dem Waldgebiet vor dem er stand auf. Dort, wo die Erleuchteten-Gruppe hingerannt war. Der Schwarzhaarige biss sich genervt auf die Unterlippe und warf einen nervösen Blick nach oben. „Gut, dann weiß ich ja jetzt, wo ich definitiv nicht hingehen werde! Aber das muss ein neuer Rekord sein, das waren, like what, zwei Viecher in vier Stunden? Blondie scheint die Dinger ja förmlich magisch anzuziehen! Ich frag mich, ob ich mich vielleicht zur Anstalt zurückbegeben sollte, ich hab schließlich keine Lust von irgendeinem hässlichen Unicorn angegriffen zu werden, wirklich so wie die Dinger aussehen kann ich nur sagen: U-G-L-Y! Aber andererseits … naja, es gibt nicht wirklich ein Andererseits … aber trotzdem … oh, so indecisive!“


    „Baby Love! It should be easy, it shouldn’t be complicated …“