Beiträge von Tungsten.

Die Insel der Rüstung erwartet euch!


Alle Informationen zum ersten Teil des Erweiterungspasses "Die Insel der Rüstung" findet ihr bei uns auf Bisafans:

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    Anscheinend war er ein bisschen sehr spät gekommen, denn nun stand keine Dreiergruppe mehr zur Verfügung. Resigniert seufzte Bert und schlurfte hinüber zum Empfangsschalter. "Können Sie nicht eine Ausnahme machen? Ich find jetzt keinen mehr und brauche dringend ein Zimmer..."
    Die Dame am Schalter wies ihn höflich, aber bestimmt zurück. "Keine Ausnahmen, tut mir Leid. Es könnte immer sein, dass noch jemand dringend ein freies Zimmer braucht, und für den Fall müssen wir vorsorgen. Vielleicht findest du ja noch jemanden."
    Ich hab's versucht. Mit diesem Gedanken machte er kehrt und steuerte ein Sofa in der Eingangshalle an, wo er zuerst Billy ablegte und sich dann neben ihm auf den Leinenbezug warf - wenn er schon kein Zimmer fand, konnte er ihnen wenigstens das Mobiliar volltropfen. Verzweifelt reckte er den Hals in die Höhe und warf Blicke durch die gesamte Eingangshalle - war denn wirklich niemand hier, der das gleiche Problem hatte wie er?


    Plötzlich kam ein Mädchen auf ihn zu, dass er noch nie zuvor gesehen hatte.
    "Nirgendwo mehr eine Gruppe, zu denen ich mit auf's Zimmer kann.", schimpfte sie vor sich hin.
    Da fiel ihr Blick auf Bert. "Hast wenigstens du ein Zimmer gefunden?"


    Bert hob den Kopf. "Nein, noch nicht. Leider..." Er blinzelte. "Warte. Suchst du noch jemanden?" Sofort sprang er vom Sofa auf und lief zu ihr herüber. "Großartig! Ich hatte schon befürchtet, die Nacht auf der Couch schlafen zu müssen." Er wandte sich um und klaubte sein von der plötzlichen Reaktion geschocktes Voltobal vom Sofa auf. "Hast du gehört, Billy? Wir kriegen doch noch ein Zimmer!"
    Das Pokémon erwiderte seinen Ausbruch mit einem Blick freundlichen Unverständnisses, doch anstatt auf diese Reaktion einzugehen, kehrte Bert wieder zu dem Mädchen, das ihn angesprochen hatte, zurück. "Ich hole gleich die Schlüssel, und... warte. Wir kennen uns noch nicht, oder?" Er streckte seine freie Hand aus. "Ich bin Bert."


    Und ich heiße Anna." Sie nahm seine ausgestreckte Hand entgegen. Dabei musterte sie ihn. Er machte einen sehr sympathischen Eindruck auf sie.
    Sie war richtig erleichtert, nun doch noch jemanden gefunden zu haben.
    "Freut mich, dich kennen zu lernen. Und ganz besonders in dieser Situation. Meine Mutter wäre ausgerastet, hätte ich draußen schlafen müssen. Dann hätte sie mich wahrscheinlich persönlich abgeholt und nie wieder auf eine Pokémonreise gehen lassen."
    Bert nickte und machte sich auf dem Weg zum Empfangsschalter, um die Schlüssel abzuholen.
    Anna wartete in der Zwischenzeit auf dem Flur, wo sich die Zimmer befanden.
    "Welche Zimmernummer haben wir?", fragte sie.


    Mit Billy unter dem Arm kehrte Bert zum Empfangsschalter zurück. "Sieht so aus, als hätte ich jetzt eine Zimmerpartnerin. Kriege ich die Schlüssel?"
    Die Dame am Tresen überlegte kurz und zog dann einen Schlüssel mit einem glänzenden Schlüsselanhänger unter eben diesem hervor. "Wenn ihr zu zweit seid, will ich es durchgehen lassen. Sollte allerdings noch jemand ein Zimmer benötigen, müsst ihr ihn oder sie reinlassen. Verstanden?"
    Hastig nickte Bert und nahm den Schlüssel an, bedankte sich und verschwand auf den Flur. Ein Blick auf den Anhänger zeigte, dass ihm damit offenbar Zimmer 5 offen stand.
    Auf dem Flur wartete allerdings auch Anna bereits auf ihn. "Wir nehmen Zimmer 5." flötete er ihr zu und steckte den Schlüssel gleichzeitig im Schlüsselloch. Mit einem Ruck war die Tür offen.


    Anna ließ sich auf eines der Betten fallen.
    "Gott sei Dank hat alles gut geklappt. Hast du was dagegen, wenn ich meine beiden Pokemon rauslasse?"
    Ohne eine Antwort abzuwarten, ließ Anna Pichu und Dratini aus ihren Pokebällen.
    "So, meine beiden Süßen... Wir haben nun doch noch eine Unterkunft für die Nacht gefunden. Übrigens: das ist Bert, ihm haben wir es zu verdanken, dass wir nicht draußen schlafen müssen. Und Bert... Das sind Pichu und Dratini, meine besten Freunde. Bei Spitznamen bin ich immer total unkreativ, deshalb benenne ich meine Pokemon auch nicht um. Hat dein Voltobal denn einen Spitznamen?"


    Bert blieb erst einmal in der offenen Tür stehen. Trügten ihn seine Augen? Ein einzelnes Doppelbett. Das konnte doch... das hieß... Nein, tief durchatmen. Wenn er sich recht entsann, hatte sie ihm eine Frage gestellt, und nun, wo er auf das Pokémon in seinen Armen blickte, fiel ihm wieder ein, welche das war.
    "Oh, ja, das hier ist Billy. Ich habe übrigens noch einen anderen Partner - " er zupfte den Netzball vom Gürtel - "Jon hier." Er setzte Billy und Jons Ball vorsichtig auf dem Fußboden ab und richtete sich wieder auf. "Übrigens, können wir mit den weiteren Gesprächen noch warten? Es war ziemlich nass auf dem Weg hierher, und ich würde gern vorher duschen." Zur Betonung strich er sich mit einer Hand durch die nassen Haare.
    "Kann ich die beiden hier lassen? Billy hat noch keinen eigenen Ball, andernfalls würde ich ihn jetzt zurücknehmen, aber du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Er bleibt eh lieber für sich." Bert beugte sich zu dem lebendigen Pokéball hinunter und stich ihm sanft über den... Kopf, in Mangel eines besseren Begriffes. "Ich bin gleich wieder da. Mach dir keine Sorgen, ja?"


    "Jo, lass sie ruhig hier.", sagte Anna. "Wir werden uns schon nicht gegenseitig grillen."
    Sie spielte locker, doch erst jetzt wurde ihr bewusst, warum Bert so auf das Bett gestarrt hatte.
    Notfalls nehme ich das Schlafsofa. Ich kann ja nicht einfach zwei Betten besetzen, ohne ihn gefragt zu haben.
    Sie schämte sich ein bisschen, und wurde vermutlich knallrot.
    Gut, dass er meine Tomate jetzt nicht sieht., dachte sie. Irgendwie habe ich immer das beneidenswerte Talent, mich vor Fremden zu blamieren. Na ja... Einmal am Tag muss man sich peinlich benehmen- das steigert das Selbstvertrauen. Aber ich glaube nicht so recht an diese Theorie. Sonst würde ich vor Selbstbewusstsein wahrscheinlich platzen.
    Sie versorgte Pichu und Dratini, gab ihnen etwas Pokemonfutter und holte zwei Extradecken für die beiden. "Ruht euch aus, wenn das Wetter morgen besser ist, ziehen wir weiter.", sagte Anna.
    Anschließend stand sie im Zimmer. Sie wusste nicht, wo sie schlafen würde, das wollte sie mit Bert absprechen, deshalb traute sie sich nicht, das Doppelbett noch einmal zu besetzen oder sogar das Schlafsofa noch zusätzlich unordentlich zu machen.
    Anna ging zum Fenster und sah nach draußen.
    Das Unwetter wollte und wollte nicht aufhören.


    Off Topic: Well, here I go again. Die entsetzliche Verzögerung tut mir Leid, aber nun haben auch Bert und Anna ihr Zimmer bezogen. Ein Fortsetzungspost sollte bald folgen.

    Die Suche nach "Geisterschiff Olivania City" und "verschwindendes Schiff Olivania City" zeigten keinerlei Ergebnisse, und so langsam kam es Bert in den Sinn, dass das Internet dieses eine Mal keine Antworten bereit hielt. Enttäuschend. Auf der Suche nach einem anderen Suchbegriff, mit dem er den PC füttern konnte, trommelte er mit den Fingern auf der Tastatur herum und ließ den Blick durch das Pokémon-Center schweifen. Um die Uhrzeit und bei dem Wetter blieben die meisten Leute zu Hause und dementsprechend war das Center auch beinahe leer...


    Wait a sec. Wo waren die anderen?


    Sofort schloss er den Internetbrowser und sprang vom Hocker, den er sich zur gemütlicheren Benutzung des Rechners dazugezogen hatte, ab. Er war bereits den halben Weg zur Tür gelaufen, als ihm dann doch aufging, dass er etwas sehr wichtiges beinahe schon wieder vergessen hatte - doch da schloss Billy mit ihm auf. Bert nahm die kleine Kugel hoch und nahm sie in den Arm. "Komm, wir suchen die Anderen."


    Draußen im Regen sah sich Bert suchend um. Sollte er nach ihnen rufen? Doch halt, da waren sie doch, gerade im Begriff, ein als Pension ausgeschildertes Haus zu betreten. Sofort joggte er durch das miserable Wetter und flitzte durch die Tür, ehe sie zu fallen konnte. Offenbar war die Gruppe gerade dabei, sich einen Platz für die Nacht zu suchen. Aber ohne ihn? Hoffentlich war noch ein Zimmer mit einer der Damen frei.


    Tropfend stellte er sich zur Gruppe der noch über die Raumaufteilung diskutierenden. "Tut mir Leid, dass ich mich verspätet habe," fing er an. "Hat noch jemand Platz in seinem Raum für eine Zuspätkommer?"


    Oft Topic: Tja, wer zu spät kommt... Wer hat denn eigentlich noch freien Platz im Zimmer?

    Artemis hatte gerade einen gewissen Abstand zwischen sich und den Rest gebracht, als er den Schrei hörte. Sofort bremste er ab und überlegte. Dies war nicht der Schrei eines Menschen oder eines normalen Tieres. Dies war ein Geräusch, das sich aus dem Rachen einer Bestie gelöst hatte, an deren er bis vor zwei Tagen nicht geglaubt hatte. Und nun das.


    Möglicherweise hatte der Krouchug ihm ja die Aufgabe, Marika loszuwerden, abgenommen. Wie nett und nützlich. An diesem Punkt sollte er wie die anderen kehrt ma...
    Seine Überlegung wurde rasch gestört, als sich herausstellte, dass die Gruppe auf keinen Fall kehrt machte. Ganz im Gegenteil, nun kamen sie an ihm vorbeigestürmt, ihrerseits alarmiert von dem Geräusch. Und niemand schenkte ihm auch nur ein bisschen Aufmerksamkeit.


    Nun erst realisierte er, dass er allein mit offenem Mund im Wald stand, und schloss ihn. Was denn? Waren die Viecher wirklich so interessant, dass man sie sich von nächster Nähe angucken musste? Sehnsüchtig warf er einen Blick hinter sich. Vielleicht sollte ich einfach... Warte. Wieso eigentlich vielleicht? Wieso hatte er das Gefühl, umbedingt anwesend sein zu müssen? Das war Blödsinn, sagte er sich. Pure Idiotie, die zu einem vorzeitigen Ende führen könnte... Er folgte ihnen.


    Schließlich fand er die Erleuchteten um den zusammengebrochenen, jedoch offenbar nicht toten Körper eines Krouchugs. In dem Bewusstsein, dass er trotz aller Neugierde noch einige Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten hatte, versteckte er sich hinter einem Baum und wohnte im Verborgenen dem "Gespräch" bei. Denn tatsächlich, es sprach. Und es war sogar eine Bekannte.


    Im Verlauf der nächsten Viertelstunde dröselte sich langsam aber sicher das gesamte Verhältnis zwischen dem Monster und Marika auf. Art sackte hinter seinem Baum zusammen und massierte stöhnend seinen schmerzenden Skalp. Also nochmal... sie ist ein Monster, das sich als Mensch tarnt, aber ihre menschliche Tarnung hat das Licht, und wir haben ihren Biorhytmus auseinandergebracht... Was sollte er damit anfangen? Was war sie nun? Freund, Feind, Gehilfin, Verbündete, Bedrohung?


    Letzten Endes musste er das selbst herausfinden. Mit einem Ächzen schob er sich am Baumstamm hoch, schnappte kurz nach Luft und schritt dann betont nonchalant um den Baum herum. Stumm durchschritt er die Menge und setzte sich schließlich direkt vor Marikas schmerzverzerrter Monsterfratze hin. "Das mit der Angst um dein Leben nehm ich dir nicht ab. Ohne deine direkte Anleitung könnte das Team kein dreibeiniges Zwergmonster erledigen, geschweige denn dich. Aber da stellt sich die Frage... Kümmert es dich, was mit uns geschieht? Ob uns die Feindlichen finden und durch den Wolf drehen, meine ich?"

    Art legte das Buch zur Seite. My, my. Eine durch und durch ununterhaltsame Geschichte, in welcher Archäologen eine unterirdische Armee perfekt erhalterner Golems finden und die daraus resultierenden Ergebisse für die Weltwirtschaft, wenn sowohl die Staaten als auch Privatunternehmen versuchen, diese in Besitz zu nehmen. An sich ein interessanter Ansatz, jedoch viel zu theoretisch. Anstatt Verfolgungsjagden und Duellen drehte sich der Hauptteil des Buches nur um einflussreiche Leute in Anzügen, die die Situation diskutierten, und obwohl Artemis wusste, dass diese ruhigen Gespräche die Welt mehr bewegten als jeder Zweikampf auf dem Dach einer verlassenen Fabrik es jemals vermögen könnte, waren sie doch, in Buchform, nicht das unterhaltsamste Thema.


    Desinteressiert warf er einen Blick aus dem zentralen Fenster der Bibliothek. Draußen erwiderte der weitläufige Garten seinen Blick, der Streichelzoo, die Steilwand - an der sich jemand hochzog. Klar war - wer auch immer sich zu einer solchen Tat ohne Haltegurt veranlasst sah, war auf jeden Fall eine nähere Untersuchung wert. Und war es nicht seine Aufgabe, die Labilen herauszupicken und näher unter die Lupe zu nehmen?


    Artemis stützte sich mit beiden Händen auf den Fensterrahmen und vergrößerte die kletternde Figur. Nicht dass sie sonderlich schwer zu erkennen war - es handelte sich offensichtlich um diese entsetzliche Person von Marika, die beschlossen hatte, sie vorzeitig zu verlassen. Zwar hätte sie das auch durch das Haupttor hätte tun können, aber vielleicht war sie ja ein Fan großer Auftritte. Er konnte so etwas nachvollziehen.


    Spaß beiseite, das war definitiv nicht normal. Außerdem sammelten sich unten die anderen Erleuchteten, also war es in seinem besten Interesse, ihr zu folgen. Tja. Wenn er sich angestrengt hätte, hätte er vielleicht noch ein gutes Buch gefunden, aber anscheinend sah seine Tagesplanung anders aus. Begleitet von finsteren Gedanken über seinen verschwendeten Vormittag verließ er erst die Bilbliothek und wenig später das Gebäude, wo ihm die aufbrechende Gruppe bereits entgegenkam. Anstatt etwas zu sagen, beschloss er einfach, sich stumm hintendran zu hängen.


    Den Marschgesprächen der anderen zu urteilen, wollten sie offenbar Marika davon abbringen, die Anstalt zu verlassen und sich selbst in unabschätzbare Gefahr für Leib und Leben zu stürzen. Wollen wir, hm? überlegte Art. Will ich das? Wie er es auch drehte und wendete, Marika war stur und ließ sich sehr schwer von anderen beeinflussen, so viel stand fest. Eine solche Person dabeizuhaben war ein schwer kalkulierbares Risiko. Vielleicht... Vielleicht sollte ich versuchen, mit ihr ein Gespräch unter vier Augen zu führen.


    Schließlich, nach einer kurzen Kletterpartie, die Art als einer der letzten überwand, kamen sie oben an. Unverwandt beobachtete er, wie der Rest Simon hochhievte und darauf wartete, dass er wieder zu Kräften kam. War das nicht ein guter Moment, um sich abzusetzen und einen Vorsprung aufzubauen? Gerade wollte er sich umwenden und vorangehen, als er Simons Stimme hinter sich hörte: „Es ist weg! Einfach verschwunden … das Licht… gerade war es noch da, jetzt weg… wie ausgeknipst.“ Damit hat sich die Sache doch schon erledigt. Gerade wollte er etwas ähnliches einbringen, da fiel ihm etwas nicht allzu weit entferntes in die Augen. Das ist doch nicht... Unglücklicherweise war er nicht der einzige, dem Marikas Bürste auffiel, und dieser Jemand, wies auch noch den Rest darauf hin.


    Cor blimey. Jetzt musste er sofort handeln, wenn er nicht wollte, dass ihm die anderen zuvorkamen. Mit einem Satz sprang er in die Einkerbung im Waldboden, die, obwohl nicht tief, trotzdem bei der Landung in den Knien schmerzte. Anstatt darauf zu reagieren, krallte er sich jedoch an der gegenüberliegenden, niedrigen Wand fest und zog sich grunzend hinauf. Auf der anderen Seite der Klinge keuchte er kurz - Ich bin entweder zu alt für so etwas oder trage die falsche Kleidung - und joggte dann los, entschlossen, vor den andern anzukommen und mit Marika sprechen zu können.

    Geris Kommentare konnten Bert nicht die Laune verderben. Dass Serena sich ihm allerdings sofort widmete, schon. Mit einem Gesichtsausdruck, der klar machte, dass er seinen Ärger darüber, nicht Zentrum der Aufmerksamkeit zu sein, nur halbherzig verbarg, lehnte er sich an eine der Seitenwände. Von dort beobachtete er mit wachsender Zufriedenheit, dass sogar Serena seine Attitüde nach einer Weile satt hatte, seine Entschuldigung aber dann doch akzeptierte.


    Das Knistern seines Voltobals zog seine Aufmerksamkeit auf sich - Billy hatte sich gedreht und sah ihn aus großen Augen an. "Jede Menge Probleme, nicht wahr? Menschen können sich so sehr auf die Nerven gehen..." Gerade in diesem Moment ertönte ein dumpfes Krachen, während das Schiff an die Kaimauer rammte; Bert verlor beinahe das Gleichgewicht, konnte dann aber sich und sein Pokémon gerade eben noch so auf den Füßen halten. "Wir sind da, Billy", rief er gegen das Prasseln des Regens an und machte sich auf den Weg nach draußen.


    Auf Deck erkannte Bert als erstes die sanften Konturen vertrauter Zivilisation jenseits der Reling. Endlich. Er stolperte an den anderen und dem Käpt'n vorbei, welchem er ein unbestimmtes "Danke" hinterließ. Schließlich brachte er die Planke hinter sich und stand versuchte, wenigstens am Kai stehen zu bleiben - obwohl er sich vorgemacht hatte, dass das Geschaukel bald aufhören würde, tat es das ganz im Gegenteil nicht. Es wurde sogar noch schlimmer.


    Schließlich setzte er sich auf den nassen Kies des Fußbodens, unbeeinflusst von dem, was die anderen wohl denken mochten. Nun erst hörte das Schaukeln endgültig auf, im Tausch gegen ein nasses Gesäß. Ein geringer Preis. Serena rief etwas von "Zum Pokémon-Center", was Bert wie eine völlig vernünftige Idee erschien - er rappelte sich auf und drehte sich noch ein letztes Mal zur Mantax um - die nicht mehr da war.


    Es waren Momente wie diese, die Bert manchmal an seinem gesunden Menschenverstand zweifeln ließen.


    Anstatt sich wie eine vernünftige Person ins Center zu flüchten, stakste er unsicher wieder zum Wasser heran und blickte hinein. Nichts. Keine Fässer, keine Kisten, kein wassertretendes Machollo. Entweder war die Mantax in der letzten Minute mit Mann und Minun untergegangen, oder... er hatte das alles halluziniert. Aber wie war er dann in Anemonia angekommen? Und was hatte der Rest gesehen, während er mit einem historischen Kahn über einen verschwindend geringen Teil der sieben Weltmeere gekreuzt war?


    Etwas war hier gewesen, kein Zweifel. Die Seite des Docks zeigte leichte Spuren davon, dass etwas hier mit mittlerer Geschwindigkeit angestoßen war. Then again, das hätte genauso gut vor einem Jahrzehnt gewesen sein können. Stein ändert sich in dieser Zeit selten. Was ist mit der Planke?


    Obwohl er sich Mühe gab, konnte er beim besten Willen nicht die Stelle finden, wo die Planke in den nassen Kies eingesunken war. Und es hätte eindeutig einen Abdruck hinterlassen, der noch halbwegs sichtbar war. Was um alles... Ein kurzes, schnelles Geräusch in seinen Armen erinnerte ihn daran, dass er nicht nur sich selbst, sondern auch sein Pokémon um einen trockenen Raum und möglicherweise eine Dusche brachte. Bert machte sofort kehrt und betrat die eigentliche Stadt Anemonias.


    Einige Sekunden später öffnete sich die automatische Tür des Pokémon-Centers und ließ Bert sowie das absolute Maximum an Wasser, das seine Kleidung und Haare halten konnten, hinein. Er warf einmal kurz "'sup" in die Runde, setzte dann Billy ab und hockte sich vor den PC an der hinteren Wand des Pokémon Centers.


    Off Topic: Was für ein entsetzlicher Post das hier doch ist. Dass Bert keine belegbaren Spuren vom Schiff findet, ist mit Sheewa abgesprochen.

    Was auch immer da drinnen war, es mochte offensichtlich keine fremden Menschen und beantwortete die Annäherungsversuche mit einer schwachen Aquaknarre, die den gesamten Raum zwar nicht unter Wasser setzte, aber auf jeden Fall für ein feuchteres Klima sorgte. Das Signal war ziemlich eindeutig, also verließ Bert den Raum und ging zurück in den Regen - es war ja nicht so, als würde er noch viel nasser werden können. Und eine Jacke trug er auch, also, was solls?


    Offenbar war er nicht der Einzige, dem es in dem Raum unten langsam zu unangenehm wurde, denn auch einige andere waren draußen, darunter Serena und Geri. Für einen Moment überlegte er, ob er sich nicht dazugesellen wollte, dann jedoch hörte er, dass sie offenbar einen Kampf planten. Unsicher schielte er auf Billy herab. War der Kleine wirklich schon bereit für so was? Oder, besser gesagt, bereit für so etwas hier? Dies war nicht umbedingt das seetüchtigste Schiff von allen, und sein Voltobal war bereits mehrere Male im Verlauf des letzten Tages explodiert. Nicht umbedingt die beste Kombination.


    Also zog er sich stattdessen mit seinen Pokémon auf die andere Seite des Schiffes zurück, wo er Billy ablegte und Jon aus dem Ball ließ. Die Krabbe blickte seinen Trainer aus großen Augen an und beschloss dann automatisch so viel Abstand zwischen sich und das Voltobal zu bringen wie nur irgend möglich. Also mir soll's recht sein..., dachte sich Bert. Wenn die beiden sich nicht riechen können, muss ich auch irgendwie was dagegen tun. Aber wie? Und wann? Er setzte sich auf ein Fass an einer wind- und regengeschützten Stelle und ließ das beruhigende Rauschen des Wassers auf sich einwirken. Zwei Pokémon sind eine Menge Arbeit...


    Eine nicht allzu lange Zeit später erwachte er. Wo bin ich? Dann fiel ihm etwas Wichtigeres ein. Wo sind Billy und Jon? Sein Blick fiel in Richtung des Bugs, wo beide Pokémon sich aus einer respektvollen Entfernung gegenseitig anfunkelten. "Leute?" fragte Bert. "Was macht ihr?" Unbeirrt von seinen Worten hob Krabby seine Scheren und ließ sie zweimal zuschnappen, wobei es anfing, langsam nach rechts zu gehen und das Voltobal zu umkreisen. Billy widerum knisterte eine Antwort zurück und setzte sich seinerseits in Bewegung, wodurch sich nun beide über den morschen Fußboden drehten. Und plötzlich war Bert klar, was sie vor hatten.


    In dem Moment stürzten beide aufeinander zu. Sekundenbruchteile jedoch bevor sie sich erreichen konnten holte Bert seinen Netzball aus der Tasche und holte Krabby zurück, was dazu führte, dass Billy ins Leere rollte und gegen die Reling knallte. Bert beugte sich zu ihm hinunter. "Na? Abreagiert?" Er nahm die knisternde Kugel auf den Arm. "Kommt, wir gehen wieder unter Deck." Innerlich rollte er mit den Augen - das wird vielleicht was.


    Mit seinen Pokémon bei sich trampelte er die Treppe runter und verfehlte den dort sitzenden Geri um Haaresbreite - "Vorsicht, Vorsicht, coming through, coming through." Die letzten beiden Stufen übersprang er aus Gewohnheit und landete mit einem Krachen breitbeinig auf dem Holzboden. "Heya, partners," rief er in die Runde. "Wie lief der Kampf? Ich hab ihn leider nicht mitverfolgen können."

    Bert war ihnen einfach zum Schiff gefolgt, welches durch und durch ungewöhnlich war. Für's Erste war es nicht gerade neu, aber wenn Serena es als ungefährlich einstufte, war ihm das auch Recht. Genau das gleiche galt für die Besatzung - eine Besatzung aus Pokémon, um genau zu sein. Auch hier war er sich zuerst nicht sicher, aber es war der einzige Weg, nach Olivania zu kommen. Und überhaupt - bloß weil es ihm seltsam vorkam, musste es das noch lange nicht sein. Bei der Ahnung, die er von Pokémon hatte, konnte es sein, dass das auch einfach nur an ihm vorbeigegangen war, wie so vieles. Und der Kapitän schien sich auch noch für sie einzusetzen, also, was solls? Der Kapitän selbst war dabei übrigens auch eine Erwähnung wert - eine Erscheinung wie ein Pirat, aber wie ein vergleichsweise harmloser.


    Kurz nachdem alle an Bord waren, legte der Kahn auch bereits ab und setzte sich in Bewegung in eine Richtung, in der hoffentlich Olivania lag. Schaukelnde Wellen und Sturmwolken zu betrachten war nun allerdings nicht seine Welt, also begab er sich in den unter Deck, setzte Billy ab und sich selbst auf eine hochkant stehende Holzkiste. In diesem Moment bereute er es doch sehr, dass er keinen Pokéball für seinen Poképartner gekauft hatte. Im Moment schien der Kleine das Geschaukel ja noch zu genießen - er rollte von der einen Seite des Raums zur anderen, jedoch nicht mit einem besorgniserregenden Ausdruck puren Terrors in seinen minimalistischen Gesichtszügen, sondern dem eines kleinen Kindes, das gerade einen Weg gefunden hatte, sich für die nächste Stunde zu unterhalten. Trotzdem - ein unglückliches Manöver und das panische Voltobal würde trotz seiner geringen Sprengladung ein massives Loch in das mürbe Holz reißen. Am besten gar nicht daran denken. Damit die Zeit nicht ungenutzt verstrich, öffnete er seine Tasche und zog nach kurzer Überlegung seinen DS sowie Final Fantasy III hinaus.


    Nach einem gewissen Zeitraum - er konnte nicht besonders lange gewesen sein, denn Bert hatte in dieser Zeit nichts Nennenswertes erreicht - bemerkte er, dass Billy nicht mehr rollte. Stattdessen stützte er sich gegen Berts Bein und rieb sein Gesicht an dessen Wade. "Das ist..." fing Bert an, aber bevor er den Satz zu Ende bringen konnte, reagierte das Ball-Pokémon auf diese Zurschaustellung von Aufmerksamkeit mit einem aufgeregten Knistern und rollte in Richtung der anderen. Stimmt, er war jetzt ein Pokémon-Trainer. Und als solcher hatte er die Wünsche seines Partners über die Rettung des Schwebenden Kontinents zu setzen, nicht wahr? Also beendete er das Spiel, packte alles ein, griff sich sein Pokémon und stellte sich zu den anderen.


    Diese widerum hatten sich fast alle an einem Haufen Kisten versammelt - ein Mädchen hatte sich davor gesetzt und beobachtete anscheinend etwas dahinter. Was war denn hier los? Er bückte sich und versuchte, einen Blick zwischen die Kisten zu erhaschen - dort glitzerte irgendetwas Unbestimmtes in einem leichten Grün. Bert richtete sich wieder auf - mal sehen, wie sich diese Sache entwickelte.


    Off Topic: Nach längerer Abwesenheit wieder im Rennen. Ich habe kein persönliches Interesse an Azurill, aber wenn jemand Hilfe bei einem Gemeinschaftspost braucht oder ähnliches, kann er/sie ruhig fragen.

    Art setzte sich im Bus auf und blickte sich um - niemand schien ihnen besondere Aufmerksamkeit zu verschenken. "Ich würde das lieber etwas verschieben. Do you mind?" Er senkte die Stimme noch etwas weiter. "Das gehört nicht umbedingt zu den Sachen, die man in der Öffentlichkeit bespricht, und ein voller Bus zählt für mich als Öffentlichkeit." Mit diesen Worten lehnte er sich zurück und wartete das Ende der Fahrt ab.


    Als der Bus wieder auf den Hof der Anstalt rollte, fiel ihm auf, dass er sich noch keinen vernünftigen Treffpunkt überlegt hatte. Sein Zimmer schied aus - Hong war nicht mitgekommen, also war sie vermutlich immer noch dort, und selbst wenn nicht, so war doch damit zu rechnen, dass sie zu einem ungünstigen Punkt hineinplatzte. Abwesend drückte er Bruno seine Waffe in die Hand und blickte dann zum großen Fenster im ersten Obergeschoss des Schulgebäudes herauf. Die Bibliothek. Perfekt.


    Zuerst folgte er allerdings dem Strom der Gruppe, welcher offenbar zur Mensa führte. Dort waren verschiedene Kuchen aufgebaut; Artemis entschied sich schließlich für einen einfachen Marmorkuchen, von dem er zwei Scheiben verdrückte. Er stand auf und verließ den Raum, jedoch nicht ohne Laverne vorher "Bibliothek" zuzuzischen.


    Eine Viertelstunde später waren beide am Treffpunkt - ein Korridor aus Regalen, dessen Inhalt nicht vom Eingang aus sichtbar war - das Öffnen der Türen jedoch von diesem Ort auf jeden Fall hörbar. Art hatte zwei der für alle zugänglichen Sitzkissen in den Korridor gezerrt und machte es sich nun auf einem bequem. "So here's the rundown," begann er. "Sie bezeichnet Alicia als 'Mama' und vergöttert sie nahezu. Alicia widerum versucht anscheinend, ihnen das Konzept eines Selbstwertgefühls nahezubringen, sich nicht ausnutzen zu lassen und all das. Hätte ich noch weitergemacht, wäre wahrscheinlich jemand misstrauisch geworden, also war's das für's Erste. Vielleicht versuchst du es mal."


    Er schüttelte den Kopf. "And that's not even our biggest worry right now."


    Der Bus hielt auf dem Platz der Anstalt und die Gruppe stieg aus. Da Laverne nicht genau wusste, wo Artemis ihn weiter aufklären wollte, folgte er dem anderen Jungendlichen erst einmal zur Mensa. Nachdem er mit Olga einige Blicke der gegenseitigen Verachtung ausgetauscht hatte und sich einen Starbucks-Kaffee öffnete, die Kuchen ignorierte er, bemerkte er eine merkwürdige Emotion. Sie wirkte aufgewühlt, war für ihn aber undefinierbar, da sie von überall und nirgends zu kommen schien. Es war wie ein überspanntes Gummiband, ein schmerzhaft hoher Ton, der einem nervig in den Ohren lag. Der Schwarzhaarige verzog genervt den Mund. Manchmal war seine Fähigkeit nicht wünschenswert. Aber dennoch, irgendetwas an diesem Gefühl kam ihm bekannt vor. Wo hatte er es schon einmal gespürt?


    Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Artemis ihm ihren nächsten Treffpunkt zuraunte: Die Bibliothek. „Weitaus diskreter. In einem vollkommen stillen Raum wird man uns sicherlich niemals belauschen können …“
    Dennoch sagte Laverne nichts dagegen. Wenigstens musste er jetzt nicht mehr in diesem überfüllten Schuhkarton sitzen und so tun als würde er die Gesellschaft dieser Freaks „enjoyen“. So hatte er genügend Zeit sich noch einmal umzuziehen.


    Eine Viertelstunde später hatten sich die beiden Jugendlichen in der Bibliothek versammelt. Laverne saß am Fenster und spielte gelangweilt mit einem der zahlreichen, neonfarbenden Reißverschlüsse, die die schwarze Jacke zierten, die er trug. Dazu hatte er sich für ein weißes Hemd und seine golden glitzernde Paillettenweste entschieden. In Kombination mit seinen neongrünen Superskinny-Jeans und seinen knallroten Stiefeln ergab dies wie immer ein netzhautzerfetzendes Gesamtbild. Artemis klärte ihn gerade über seine Erkenntnisse bezüglich Tomomis auf.


    „Also bleibt alles wieder an mir hängen, as always“, seufzte der Brillenträger genervt auf und murmelte etwas, das man wohlwollend als „surrounded by incompetence“ hätte verstehen könnte. „Ich werde mal sehen, wie weit ich bei dem Mumienvieh komme. Sollte nicht zu schwer, diese Freaks hungern doch geradezu nach emotionaler Zuneigung. Du, mein liebster Arti, könntest inzwischen nach anderen labilen Persönlichkeiten Ausschau halten, die man vielleicht als valuable assets bezeichnen könnte. Got it?“
    Ohne eine Antwort abzuwarten, da er nun nicht mehr besonders viel Wert auf falsche Höflichkeit legte, fuhr fort, dass Lächeln auf seinen Lippen weitaus herablassender als sonst und mit einem Ton als würde er mit einem Kleinkind sprechen: „Schön, das sollte sogar dir gelingen. Und was war das mit not our biggest worry? Care to be a bit precise about it?“



    "Whuzzat?" Art legte theatralisch seine rechte Hand ans Ohr. "My, man könnte glatt meinen, deinen Worten sei leichte Aufmümpfigkeit zu entnehmen. Well, wenn du darauf bestehst..." Er stand auf und drehte sich zu dem Regal hinter ihnen, in welchem er gedankenverloren über die Buchrücken strich. "In dem Fall, viel Glück mit deinen Plänen. Ich bin mir sicher, du kommst früher oder später von selbst drauf. Oder du schlägst einen anderen Ton an. In dem Fall wäre ich nämlich bereit, darüber hinwegzusehen."


    Immer noch von Laverne abgewandt wechselte Art die Reihe, über die er mit seinem Finger strich. Der Gedanke, dass der andere tatsächlich nicht auf ihn angewiesen sein könnte, kam ihm gar nicht. "Unser Problem ist nicht Tomomi, sondern Alicia - und das nicht nur, weil sie die Zügel in der Hand hält. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass du es auch gemerkt hast, worauf ich anspiele, oder? Auch wenn du nicht im Raum warst..."


    Laverne setzte das breiteste, falscheste Lächeln auf, das ihm physisch möglich war, und legte dem anderen Jugendlichen freundschaftlich die Hand auf die Schulter. „Arti, weißt du, in unserem kleinen Team, das wir hier haben, gibt es so etwas wie Aufmüpfigkeit überhaupt nicht. Aufmüpfigkeit impliziert schließlich eine Rangordnung und da so etwas nicht existiert, nützt es auch nichts, so zu sprechen als ob, n’est pas?“
    Der Brillenträger wusste, dass es sich als schwierig erweisen würde, Artemis irgendwelche Emotionen einzupflanzen, die nicht seinem typischen Gefühlsbild entsprachen. Sein bereits vorhandenes Misstrauen jedoch noch zu verstärken erschien dem jungen Mann jedoch als amüsanter Zeitvertreib.


    „Verstehst du, Arti? Wenn ich sage, dass du die Effizienz einer Kartoffel besitzt, dann ist das nur als Evaluation unter besten Freunden gemeint, nichts weiter“, fuhr Laverne fort, das Grinsen wie fest getackert. Dann gab er dem anderen Jugendlichen jedoch einen leichten Klaps auf die Schulter und löste sich wieder, um sich dem Ausgang zu zuwenden. „Wegen Alicia sollten wir uns keine Sorgen machen: Was die Gute nicht weiß, macht sie nicht heiß. Solange wir das Ganze also diskret gestalten, wird sie sich wohl kaum einmischen. Nullos Problemos.“
    Er warf Artemis noch einen letzten, belustigten Blick zu, bevor er die Tür öffnete: „Ich geh‘ jetzt mal ein wenig mit Mummy-Kid konversieren. Du kennst deine Aufgabe ja. See ya later!“


    Ohne Laverne noch einen Blick zu schenken, strich Artemis weiter über die Buchrücken im Regal. Er kannte seine Aufgabe? Nun, er hatte Zeit. Mit dem Zeigefinger blieb er an einem mittelschweren Science-Fiction-Roman hängen. Er hatte sehr viel Zeit, wenn er es sich recht überlegte.


    Mit dem Buch setzte er sich an den Platz gegenüber von dem, an dem Laverne eben gehockt hatte. Und wer konnte schon sagen, was ihn erwartete? Vielleicht tauchten die Labilen von ganz allein hier auf, wenn er nur lange genug wartete.


    Off Topic: Und Teil zwei, mit einer gewissen Verzögerung. Ich wünsche in meinem und TheSnobs Namen übrigens ein frohes neues Jahr.

    Bert blickte seine Gesprächspartnerin wortlos an. Das musste ja irgendwann mal passieren, und es war auch später geschehen, als er erwartet hatte, aber trotzdem. First great mess-up of the project, kommentierte er im Kopf. Er senkte den Blick auf das Ball-Pokémon in seinen Armen. "Ich bin kein Pokémon-Trainer," meinte er betrübt. "Pokémon-Trainer sind Leute, die tatsächlich Ahnung von Pokémon haben. Ich habe erst seit gut vier Tagen Pokémon, und ich kann mich immer noch nicht daran gewöhnen." Das Voltobal in seinen Armen knisterte leise. "Ich meine, ich habe die Beiden im Pokémon-Center vergessen. Unverzeihlich. Ich habe allerdings auch nicht damit gerechnet, von Anfang an gut mit Pokémon umgehen zu können."


    Hinoki hörte ihm aufmerksam zu. Offensichtlich war er ein Anfänger, das hätte ihr auch an seinen Pokemon auffallen müssen: beide sehr klein und kaum trainiert. Als sie dann das Ball-Pokemon in seinen Armen betrachtete, musste sie sich aber doch wundern: "Erst seit vier Tagen, tatsächlich? Und da trägst du dieses hochexplosive Voltoball schon so locker mit dir herum? Es scheint dir auch gar nicht böse zu sein wegen vorhin." Tatsächlich lies es nur ein statisches Knistern von sich hören. Hinoki dachte darüber nach, was Bert (das war sein Name gewesen!) gerade gesagt hatte und fügte dann nach kurzem Zögern hinzu: "Ich würde sagen, Pokemon-Trainer sind Leute, denen ihre Pokemon vertrauen und dafür hast du, wie es scheint, schon einen ganz guten Anfang gemacht."


    Bert schmunzelte. "Findest du?" Er hob Billy mit beiden Händen so weit hoch, dass er ihm ins Gesicht blicken konnte. "Bist du mir denn nicht böse?" Es schien tatsächlich nicht so, als wäre sein Voltobal besonders wütend; nein, es freute sich einfach nur, ihn zu sehen. Und auch Jon hatte nicht sonderlich wütend gewirkt. Zufrieden drehte er sich zu der jungen Frau um. "Oh, Billy hier ist nicht ganz so hochexplosiv, wie die Leute denken. Er ist mir zwar schon ein- oder zweimal explodiert, aber nur, wenn ihn etwas erschreckt hat. Und besonders schlimm waren die Explosionen auch nicht. Sieh ihn dir an. Rund und gesund.


    "Dann hast du ja doppelt Glück mit dem Kleinen, gutmütig und handzahm", lachte Hinoki. Wo hatte er das Voltoball wohl her? Für ein wildes Pokemon erschienen ihr diese Eigenschaften relativ ungewöhnlich, wenn man mal von ihrem Stollunior absah. Dabei fiel ihr auf, dass sie noch gar keine Gelegenheit gehabt hatte, sich richtig mit ihrem Neuzugang zu befassen. Während der Überfahrt nach Anemonia wäre dafür sicher Zeit, falls ihr ihre Seekrankheit nicht in die Quere kam. Ansonsten würde das besonders in Gegenwart der Gruppe ein noch größerer Spaß werden...


    Schließlich kamen sie am Hafen an, wo Serena vorschlug, dass sie sich aufteilten und jemanden auftrieben, der bereit war, sie mitzunehmen auf große Fahrt. Bert selbst spürte bei diesem Vorschlag eine leichte Brise von der Seite - Wind? Er war sich nicht ganz sicher, ob das in der Seefahrt etwas Gutes war, aber man konnte ja nie wissen. Mit einem Lächeln auf dem Lippen drehte er sich zu der anderen um - "Sollen wir uns zusammen umgucken?"


    Auf die Frage, ob sie sich zusammen nach einer Mitfahrgelegenheit nach Anemonia umsehen sollten, stimmte sie Bert zu und zusammen steuerten sie auf einen in der Nähe vertäuten Lastkahn mit dem schönen Namen "Rose" zu. Auf Deck konnten sie einige Mitglieder der Mannschaft ausmachen, die mit Seilen und Planen an der Ladung herumwerkelten. Hinoki wollte das Gespräch auf dem Weg dorthin nicht abreißen lassen. Bei Leuten die sie nicht gut kannte, viel es ihr immer schwer einzuschätzen, ob der oder diejenige wirklich schweigen wollte, oder nur kein passendes Gesprächsthema fand. Ihr fiel ihr Gedanke von vorhin wieder ein und sie fragte: "Wie hast du dein Voltoball eigentlich bekommen? Aus einem Ei?"
    Inzwischen fielen einzelne Regentropfen vom zunehmend dunkler werdenden Himmel über ihnen.


    Off Topic: Erster Teil eines Gemeinschaftsposts von KuroiNeco und mir.

    Bevor irgendwer ihm helfen konnte, schob sich ein Zobiris durch den Fußboden nach oben, wobei es ein schauerliches Lachen von sich gab. Hatte einer der Trainer es losgeschickt, um ihm zu helfen? Der kleine Zombie schien auf jeden Fall dazu in der Lage.
    Nate klopfte mit dem Zeigefinger zweimal gegen die Platte. "Hier bitte, mate. Mach es auf, und ich kümmere mich um den Rest." Immer noch kichernd hüpfte das Pokémon zu der Maschine und begann, mit einem Affenzahn die Schrauben aufzupfriemeln, die es achtlos fallen ließ. Schließlich war es so weit - mit einem Ruck zog der Trainer die nun lose Metallplatte aus der Verankerung und lehnte sie an die Seite des Geräts. "Gute Arbeit," brummte er in die Richtung des Zobiris und beugte sich in das metallische Ungetüm hinein.


    Da war ein Funksender, tatsächlich. Nate blickte die Kabelkonstruktion an und fand schließlich eine Lösung, die den Funksender weiterlaufen ließ, ohne dass er bei einer Kurskorrektur Alarm schlug. Langsam, bedacht, sich nicht den Kopf zu stoßen. zog der Junge ebendiesen aus dem Innenleben der Apparatur heraus und drehte sich zu den anderen Trainern herüber. "Der schwierige Teil ist erledigt. Jetzt heißt es umprogrammieren."


    Mit einem Knopfdruck brach er den Suchvorgang ab und ließ sich ins Suchmenü zurückbringen, wo ihm die letzten Spezifikationen entgegenstrahlten. "Größe zwischen 1,90 und 2,15; Gewicht zwischen 55 und 65 kg, Typ Feuer, Körperform Avianoid -" Er schüttelte den Kopf. "Was für ein Monsterviech wollen die eigentlich finden? Ach, nevermind." Schließlich stellte er es auf etwas ein, was es definitiv nicht all zu häufig im näheren Umkreis gab - einen vogelähnlichen Drachen mit für einen Drachen unvorstellbar geringer Größe und Gewicht - dann begann er die Suche wieder. Schließlich stellte er den alten Schaltkreis wieder her und setzte die Metallplatte wieder ein, in die er mit seinen steifen Fingern die Schrauben lose wieder hineindrehte.


    Sich die Hände an der geliehenen Jacke abwischend kehrte er wieder zu den anderen zurück. "So, fertig. Können wir jetzt gehen?"

    Eben so schnell, wie sich der kleine Pulk gebildet hatte, löste er sich auch schon wieder auf; die Katze ließ sich von einer vorbeiwuselnden Maus ablenken und verschwand in Richtung des Lagers, während Senshi den Ritter ohne Gesicht ablenkte und in ein Gespräch verwickelte. Niemand schien sich noch um die Maineh kümmern zu wollen, und da ihm diese grazilen Wesen völlig fremd waren und sie anscheinend auch keinen näheren Einfluss auf die Aktivität der Rebellen zu haben schien, beschloss Al-Cid, sie einfach in Ruhe zu lassen.


    Um diese Zeit sollte sich vermutlich auch die Vorhut zusammenfinden; nach einigem Suchen fand Al-Cid sie schließlich ausserhalb des Lagers, kurz vor dem Aufbruch. Er sah sich als erstes das Gepäck an - kleine Zelte und Verpflegung, beides spärlich bemessen und daher für einen großen Mann wie ihn wohl kaum ausreichend, aber das war halt ein beständiges Problem in der Armee. Einen Rückzieher würde er jetzt trotzdem nicht machen; also setzte Cid sich auf den Erdboden und wartete darauf, dass jemand den Startschuss für den Aufbruch gab.

    Eine Art kleinerer Aufruhr schien am Rand des Erdwalls vonstatten zu gehen, aber das interessierte Nate herzlich wenig. Ein Trainer kam spontan an ihm vorbeigeflogen, aber das war nicht umbedingt ein Grund, sich Sorgen zu machen. Ein älterer Trainer fragte ihn allerdings, was er genau brauchte, was bei ihm schon eher auf offene Ohren stieß.
    "Ein Schraubenzieher wär' nett," rief er zu dem anderen hinauf. "Was den Rest angeht - wer weiß? Ich vermute mal nichts weiteres. Die Leitungen in den Dingern sind meist durch simple Steckkontakte verbunden, für die man keine Hilfsmittel braucht."
    Selbst mit Jacke begann Nate zu zittern - wenn er nicht schnell fertig wurde, froren ihm die Finger ab. Nicht, dass er versucht gewesen wäre, sich an einem Feuer-Pokémon aufzuwärmen; aber trotzdem. Sobald er nach dem Sender gesehen hatte, würde er das hier schnell abschließen.

    Tatsächlich war seine Hilfe gefragt, und zwar sehr. Bloß die Art und Weise, wie danach gefragt wurde, war ihm bei einigen Fragenden etwas zuwider. Die vermeintliche Anführerin der Gruppe war die Hauptschuldige in diesem Fall, aber Nathaniel war in dem Moment nicht gewillt, Widerworte zu geben. Das wäre ungesund gewesen. Ungesund war anscheinend auch sein Kleidungsstil, denn einer von ihnen riss sich bei seinem bloßen Anblick die Jacke vom Leib und drückte sie ihm in die Arme. Langsam, noch etwas durcheinander von der plötzlichen Kleidungsspende, fing er an, sich anzukleiden. "Danke," brummte er und schloss die Jacke. "Ich weiss, dass das höchst ungesund ist, aber es war ein Notfa..."


    Bei dem Wort "Notfall" fiel ihm die Wortführerin der Gruppe ins Auge, und plötzlich fiel ihm ein, dass er ja noch was zu tun hatte. "Notfall, richtig. Also dann..." Er kletterte auf den Rand der Mulde, sprang und glitt mit beiden Füßen über den feuchten Schnee. In der Theorie sah es so aus, dass er bis zum tiefsten Punkt der Mulde glitt und punktgenau vor der Maschine hielt - tatsächlich aber stieß er mit dem rechten Fuß gegen einen Stein und fiel längs in den Schnee.
    Nachdem er sich aufgerappelt und seinen schmerzenden Fuß ausgeschüttelt hatte, stapte er durch den tieferen Schnee bis zu der Maschine im Zentrum, die mit ihrem Verbrennungsmotor dabei war, den Schnee ringsum schon zu schmelzen und den Boden ringsum in Matsch zu verwandeln.


    Nathaniel blickte kurz auf den an der Seite angebrachten Monitor, auf dem die Worte "Search in Progress" aufleuchteten. Nicht sonderlich hilfreich. Weiter unten widerum war eine Platte, hinter der sich sicherlich ein Zugriff auf das Innenleben der Maschinerie verbarg. Das Problem war allerdings, dass diese mit sechs dicken Schrauben befestigt war. Ebenfalls nicht sonderlich hilfreich. Nate blickte zum Rand der Mulde und winkte die anderen Trainer zu sich heran. "Habt ihr Werkzeug dabei?" fragte er.


    Off Topic: Verzeihung, wenn das den Handlungsschritt unnötig verlängert, aber das ist ein nachvollziehbares Problem. Im Notfall kann Nate immer noch erfinderisch mit seinen Pokémon werden.

    Die Gruppe schickte sich an, mit Professor Eich das Labor zu verlassen und sich draußen den Elementen entgegenzustellen. Viel Spaß. Glücklicherweise ging niemand auf seine Anmerkung näher ein, also hielt er für den Rest der Diskussion den Mund und wartete, bis sie gegangen waren. Gut. Tja, wenn er schon mal hier war, konnte er auch gleich seine Pokémon rauslassen. Sturgeon landete mit einem Krachen auf dem Fußboden und machte keine Anwandlungen, sich irgendwie zu bewegen; Tetsuya kauerte sich zusammen, um den eisigen Temperaturen, die ebenfalls im Labor, wenn auch nicht so ausgeprägt wie draußen, herrschten, zu entkommen. Marleen drehte sich, sobald sie den Ball verlassen hatte, einmal um die eigene Achse - und fing bereits an, durch das Labor zu hüpfen. Nun, ihm sollte es recht sein. Hauptsache, sie machte nichts Blödes...


    Er vertrieb sich die nächsten fünf Minuten mit dem Lesen von alten Ausgaben des Vertania Pokémon-Journals, die auf einem Beistelltisch lagen, bis ihn ein wissenschaftlicher Assistent ansprach. "Ähm... gehört dir das Kirlia?"
    Nate seufzte und klappte das Heft zu. "Was hat sie angestellt?"
    Der Assistent kratzte sich am Hinterkopf: "Nichts, nichts. Nur... es hat gerade die Tür aufgemacht und ist in den Schnee gerannt."


    Der Jugendliche sprang sofort auf. "Was?" Mit einer flinken Bewegung zog er zwei Pokébälle von seinem Gürtel und holte die beiden Pokémon zurück. "Tut mir leid, euch unterbrechen zu müssen, Jungs, aber eure Freundin ist gerade dabei, sich etwas abzufrieren." Ohne sich vorher eine Jacke 'auszuleihen' stürzte er nach draußen, auf der Suche nach seinem Kirlia.
    Für eine Suche in einem dichten Schneesturm und ohne Suchhilfe verlief diese Suche ganz gut. Bereits fünf Minuten später hatte er das zitternde Pokémon jenseits eines kaputten Maschendrahtzauns gefunden und hob es auf den Arm. "Was sollte denn diese Aktio..." Nun bemerkte er auch die anderen Trainer. Hatten sie etwa etwas gefunden? Wortlos holte er sein Pokémon zurück in den Pokéball und ging hinüber zu den anderen.


    Sie standen am Rand einer Mulde, in der eine summende Maschine schwarze Rauchwolken in die Luft stieß - ein unangebrachter Touch, wie Nathaniel fand. Es war nicht umbedingt notwendig, jeden im näheren Umkreis wissen zu lassen, dass hier etwas verboten Verbotenes geschah. Eine vorher im Hauptquartier aufgeladene Energiezelle war normalerweise genug für drei Stunden, und so lange brauchten die meisten Aufträge nicht. Wer hier etwas aufstellte, hatte anscheinend einen längeren Zeitraum eingeplant. "Hast du eine Ahnung von Maschinen?" fragte jemand hinter ihm.
    My land. Versuchen sie etwa..? Ja, offensichtlich hatten sie vor, die Maschine auszuschalten oder sonst irgendwie zu blockieren. Natürlich war er dazu in der Lage, aber... Wenn er jetzt damit anfing, was würde das für ihn bedeuten? Wollte er jetzt wieder damit anfangen, mit Geräten herumzuspielen, die selbst mit Waffenschein illegal waren? Er hatte schon mal damit gearbeitet, und sein Arm war immer noch nicht ganz wieder in Ordnung. Andererseits, dieses Mal war wenigstens nicht er es, der etwas Illegales tat.


    "Ich könnte etwas mit dem Gerät anfangen," antwortete er langsam. "Irgendwelche näheren Vorschläge, was wir mit dem Ding machen sollten?"


    Off Topic: Das Management bittet um Verzeihung für die Verzögerung.

    Der letzte Schuss verhallte, und zeitgleich mit Alicias "Amen" kehrte wieder kalkulierender Verstand in Artemis' Schädel zurück. Was hatte er da gerade getan? Ja, natürlich, er hatte ein Monster getötet, das mit ihm das gleiche vorgehabt hatte, aber abgesehen davon?
    Er hatte sich gehen gelassen. Einfach das Gehirn ausgeschaltet, nur weil die Heimleiterin eine Beschwörungsformel gemurmelt hatte.
    Das. Durfte. Nicht. Noch. Einmal. Vorkommen.


    Irritiert blickte er auf die Pistole in seiner Hand. Es war nicht seine. Er hasste Pistolen. Und doch war er eben - ohne nachzudenken - auf dieses Monster zugetreten und hatte auf es geschossen. Na klar, es schien keine echte Gefahr zu bestehen, aber... er konnte es nicht fassen. Er hatte nicht nachgedacht, sondern einfach gehandelt. Aber wenn er nicht gedacht hatte, wer hatte dann für ihn gedacht? Alicia? Der Stern? Irgendetwas? Und wie viel Macht hatte diese Entität über ihn?
    Langsam schritt er von dem leblosen Körper des Krouchug davon, ohne auf die ihn umringenden Toten zu achten - er wich ihnen instinktiv mit seinen Schritten aus. Wie konnte er sich weiterhin sicher sein, dass er seine eigenen Aktionen kontrollierte? Früher hätte er das auf sein Unterbewusstsein geschoben, das ihn mit seiner Weisheit durch die Weltgeschichte lenkte - doch nun, wo er hier war, verlor er immer mehr die Sicherheit, dass er es war, der seine Aktionen steuerte.


    Und es machte ihn zornig, oh, so zornig. Ohne wirklich darauf zu achten, ließ er die Pistole fallen und ballte die Hand zur Faust. Was dachte diese mysteriöse Entität, wer sie war? Glaubte sie, dass sie ihn kontrollieren konnte? Er war die ultimative Lebensform, goddamnit!
    Der Schmerz, den seine Fingernägel in seiner Handfläche verursachten, brachte ihn wieder zurück. Es war einmal passiert, aber es musste nicht wieder geschehen. Fürs nächste Mal... sorgte er vor. Er fand schon einen Weg.


    Eine andere Neuigkeit war, dass Jimmy Colman offenbar wieder so weit genesen war, dass er sich mit den anderen verständigen konnte. I call bullshit. Der Mann sah aus wie geschnitten Brot. Aber nein, als Art näher heran ging, stellte er fest, dass Jim nicht nur am Leben war, er amüsierte sich prächtig - und kannte Marika anscheinend. Er hätte zwar gerne mehr darüber erfahren, aber die Streunerin fuhr ihm immer wieder über den Mund, weshalb Art beschloss, den ehemaligen Star später auszufragen.
    Natürlich hatte Colman auch eine zufriedenstellende Erklärung dafür, wie er hierher gekommen war und was genau geschehen war. So nett, so passend, so annehmbar... vielleicht war es doch besser, wenn der Scharfschütze selber erst mal selber darüber nachdachte, was hier los gewesen sein könnte, bevor er das hier akzeptierte. Aber das hatte Zeit.
    Das dritte Thema war nun seine Regenerationsfähigkeit - offenbar hatten auch die finsteren Bestien Menschen mit besonderen Fähigkeiten auf ihrer Seite. Nicht, dass Art sich deswegen Sorgen machte. Sie hatten zwar besondere Fähigkeiten, aber waren letzen Endes nur Menschen - und mir daher unterlegen. Auch hier - später konnte er sich ja mal die Mühe machen, ein Gespräch mit Jimmy Colman unter vier Augen zu führen.


    Gelangweilt schweifte sein Blick im Raum umher... und blieb an etwas Grünem haften. Hm? Artemis wandte sich von dem Gespräch ab und ging hinüber zu den Roulettetrümmern, in denen ein Körper im smaragdgrünen Anzug lag. Art überprüfte mit seinem Zoomobjektiv den Rest des Raumes - vereinzelt grüne Kleidung, aber keine so sehr in Jimmys Nähe wie die hier. Und sagte er nicht, er wäre angegriffen worden, als er sich unterhielt? Selbst wenn er es nicht gesagt hatte, der Mann war hier, und neben ihm...
    Artemis ging in die Knie und hob einen verzierten und definitiv antik wirkenden Dolch auf. Es war die Art von Dolch, die man in der Hand eines Druiden während eines recht blutigen Wintersonnenwendenrituals erwartete, und obwohl ihm der distinktive Perlmuttschimmer fehlte, wirkte dieses Messer doch in dieser Umgebung fehl am Platz. Er überlegte, ob er das Messer austesten sollte... aber so stumpf, wie es war, wäre das wohl nutzlos. Tja, es gab wohl nur einen Weg, festzustellen, ob das hier das gesuchte antike Deathblade war.
    Mit dem Messer in der Hand stand der Teenager auf und ging hinüber zu Jimmys Körper, wo er das Messer so hielt, dass alle einen guten Blick darauf bekamen, aber trotzdem fest genug, dass ihm niemand das vermeintliche Deathblade einfach so aus der Hand reißen konnte. "Heya, Jimbo." begrüßte er den ehemaligen Auftragskiller - das heißt, nach eigener Aussage ehemaligen Auftragskiller. "Ist das hier das Messer, das Greensleeves dir gezeigt hat?"


    Off Topic - der Fund ist natürlich mit Sheewa abgesprochen.

    Eine schwere, vierspännige Kutsche rumpelte durch die Straßen Jayuuisawons, und die Menschen, die auf diesen ihr Tagwerk verrichteten oder anderweitig anwesend waren, machten ihr Platz. Nun war das natürlich völlig normal und sinnvoll, aber den Ausweichenden stand eine gewisse Ehrfurcht ins Gesicht geschrieben, oder zumindest denjenigen, die wussten, womit sie es zu tun hatten. Eine solche Kutsche kam einmal im Jahr, wenn es Zeit für die Zeremonie der Raben war. Die Ritterakademie von Yonghan schickte eine solche Kutsche aus, um diejenigen, die in sämtlichen relevanten Fächern Bestleistungen erzielt hatten, zu ihrer Verabredung mit ihrem Schicksal zu bringen. Ganz egal ob sie Rabenwächter wurden oder nicht (und das wurden sie immer), hinter diesen dicken Vorhängen befand sich jemand, der oder die in der Lage war, übermenschliches zustande zu bringen, wenn er oder sie diese Absicht verfolgte.


    So sah zumindest die Theorie aus. Tatsächlich saß aber hinter diesen dicken Vorhängen ein kleiner, schmächtiger, dunkelblonder Jugendlicher, den im Idealfall noch zwei Jahre von einer tatsächlichen Graduation getrennt hätten - nein, er sollte sich nichts vormachen. Er hätte nie graduiert. Nun, er war fast da, also sollte er vielleicht seinen Helm wieder aufsetzen; es wäre sicherlich am besten, wenn der Kutscher nicht erführe, dass er den falschen Jungen all den Weg in die Hauptstadt Kkamagwis kutschiert hatte.
    Nachdem er die blecherne, gesichtsverdeckende Haube wieder befestigt hatte, rutschte er unsicher auf der gepoltsterten Bank in dem stickigen Raum umher. Was für ein Ort war Jayuuisawon eigentlich? Es konnte nicht schaden, einen Blick nach draußen zu werfen. Mit einem behandschuhten Finger strich er den Vorhang ein wenig zur Seite und betrachtete das, woran die Kutsche eigentlich vorbeirumpelte - mehrstöckige, eng aneinander stehende Häuser in einer Stadt, in der das Leben anscheinend nur so vorbeiwischte; zumindest taten das die Leute, abgesehen von denen, die die Kutsche betrachteten. All diese Blicke in die Richtung der Öffnung, durch die er herausblickte, diese Bewunderung, diese Freude...


    Er konnte sich das nicht länger antun. Schnell zog er den Vorhang wieder zu und vergrub den Helm in den Handschuhen. Was habe ich getan. Die Welt war kein friedlicher Ort, und davon könnte er ein Lied singen, würde er es sich denn zutrauen, in der Öffentlichkeit zu singen. Die Kleinen, die Schwachen, die Hilflosen - für sie war die Ort ein Jammertal. Und was waren diese Leute da draußen anderes? Er konnte nicht mit Waffen umgehen, aber ihm hatte man es zumindest herangetragen, und er war definitiv besser mit Waffen als damals, als er an die Akademie geschickt wurde. Diese Leute hingegen? Sie hatten kein Training, kein gar nichts. Ihre einzige Hoffnung waren die Rabenwächter, die hier ausgebildet werden - und diese Kutsche hätte ihnen einen solchen gebracht. Und was kriegten sie stattdessen? Einen nutzlosen Wurm, der sich nur hier verkroch.


    Drizzle wagte es, noch einen Blick hinauszuwerfen - doch nun hatten sie die Stadt verlassen und hielten auf ein riesiges Gebäude mit religiösem Anhauch zu. Der Rabentempel? Schockiert schloss er den Vorhang und lehnte sich zurück. Das hatte er nicht erwartet - sofort an diesen hehren Hallen anzukommen. Wie sollte er so davonkommen?
    Der Kutscher ließ den Vierspänner vor dem Haupttor anhalten und stieg vom Kutschbock. Der bullige Mann räusperte sich eben und klopfte gegen die Tür: "Öffne die Tür, Derrick. Wir sind angekommen." Sechs Sekunden später öffnete sich die Tür, und die imposante Gestalt von Derrick Bartholdi stolperte unsicher aus der Kutsche hinaus. Er ging eine breitbeinige Schritte, wobei seine auf einmal viel zu groß wirkende Rüstung wie verrückt klapperte, und drehte sich dann halb zu dem Kutscher um. "Hm?"
    Derricks Chauffeur schüttelte den Kopf, stieg auf die Kutsche und hievte mit einem Ruck den gesamten Reisekoffer von dem Dach des Gefährts. "Hast du das Empfehlungsschreiben?"
    Anstatt einer Antwort griff Derrick in seine Umhängetasche und zog einen Umschlag mit dem Siegel der Ritterakademie heraus. "Gut, gut. Dann viel Erfolg," meinte der Kutscher noch, bevor er sich wieder auf dem Kutschbock platzierte und die Peitsche knallen ließ. "Hüah!" Derrick sah der davonrumpelnden Kutsche nach...


    ...und Drizzle drehte sich um zu dem Rabentempel. Dies wäre ein guter Grund gewesen, zu verschwinden - wäre da nicht die Tatsache, dass bereits einige Leute vor dem Tempel warteten, von denen manche ihn bereits interessiert ansahen. Ach, Bockmist. Das war es dann. Zeit, die Segel zu streichen - abhauen konnte er jetzt eh nicht mehr, ohne lästige Fragen zu provozieren. Da bleiben konnte er ohne das eigentlich auch nicht mehr, aber es sah so aus, als müsse er die Sache bis zu Ende durchstehen. Drizzle fragte sich an diesem Punkt, ob sein Vater wegen dieser Einstellung stolz oder wütend wäre.


    Da er irgendwie reagieren musste, begrüßte er die anderen mit einer kurzen Handgeste und setzte sich dann auf seinen Reisekoffer. Nun war es Zeit, dem Schicksal ins Auge zu blicken. Hoffentlich konnte irgendjemand im Rabentempel die Situation lösen.


    Off Topic - auf ein gutes RPG, alle miteinander. Dass einige Leute Drizzle wegen seiner Ankunft anstarren, habe ich jetzt einfach mal vorweg genommen^^.

    Bert drehte sich zu der - wie sich herausstellte - gutaussehenden jungen Trainerin um, die ihn wegen der Glocke angesprochen hatte. Das hieß nicht, dass er extra stehen blieb; stattdessen setzte er seinen Weg rückwärts laufend fort. "Heya. Was meintest du?" Stimmt, sie gehörte doch zu der Gruppe. Oder doch nicht? Sie kannte die Glocke schließlich nicht. "Kennen wir uns eigentlich?" fragte er. "Das heißt, ich habe nichts dagegen, dich näher kennen zu lernen."


    Er wirbelte herum und verlangsamte sein Schritttempo, so dass er nun mit der jungen Frau gleichauf war. "Das Glöckchen... Da kann ich dir nicht so viel zu sagen, ich war nicht dabei, als Serena es bekommen hat. Es scheint aber..."


    Weiter kam er nicht, da in diesem Moment zwei kleine, rötliche Körper zu ihm aufschlossen. "Hey!" Bert beugte sich zu seinen Pokémon herunter, die er in einem Anfall von Zerstreutheit anscheinend im Pokémon Center vergessen hatte. Die beiden sahen im Moment allerdings nicht wütend aus; then again, sie waren viel zu abgekämpft, um überhaupt irgendwie auszusehen. Schnell zog er seinen Netzball aus der Hosentasche und holte Jon wieder zurück ins tragbare Format; Billy nahm er einfach auf den Arm. Kurz überlegte er, ob er zurückgehen und die Näpfe holen sollte; nein, er konnte ja neue kaufen. Das Pokémon Center konnte die zwei Näpfe behalten.


    Jetzt rückte seine Gesprächspartnerin wieder ins Zentrum seiner Aufmerksamkeit. "Wo war ich? Ach ja, das Glöckchen." Er nickte in Richtung Serena, die sich gerade mit dem Kittelträger an einem Zeitschriftenkiosk unterhielt. "Sie hat das Ding in Teak City gefunden oder geschenkt gekriegt - ich war nicht dabei, also weiß ich es nicht. Ich bin auf Route 39 dazugekommen, wo wir einem rasenden Miltank begegnet sind - was übrigens viel weniger komisch ist, als es sich anhört." Er schüttelte den Kopf, als versuche er, die Erinnerung daran loszuwerden. "Sie hat das Miltank mit der Glocke beruhigt, anscheinend ohne zu wissen, was sie tat. Tja, und jetzt versuchen wir herauszufinden, was das für eine Glocke ist und wie genau sie funktioniert."

    Bert warf einen Blick auf die neuerdings gestreifte Glocke, und tatsächlich, ein weißer Streifen, welcher am Vortag noch nicht da gewesen war. Da war nur eine Sache - woher sollte er das wissen? Er hatte das Ding doch nicht ein einziges Mal näher zu Gesicht bekommen und generell weniger auf Serenas Hände und was sie hielten geachtet. Also konnte er dazu leider nichts sagen.
    Serena hingegen faszinierte das Konzept farbwechselnden Metalls jedoch so sehr, dass sie einen erneuten Versuch wagte, das Glöckchen zum Läuten zu bringen; jedoch nicht durch klassisches Läuten, sondern durch Hinlegen und Rumkommandieren. Und gerade das schien zu wirken. Das kleine Instrument ließ einen hellen, klaren Ton erschallen, der durch den Raum wehte und jeden Trainer sowie jedes Pokémon dazu brachte, ihre momentane Handlung abzubrechen und sich zu ihnen umzudrehen.


    Der Traineranfänger brauchte etwas länger, um aus dem Reich dieses Klanges in die Wirklichkeit zurückzufinden; als er es tat, bemerkte er als erstes, dass Serena sich hinter ihn und Geri duckte, in der Hoffnung, dass niemand sie bemerkte und mit dem plötzlichen Geräusch in Verbindung brachte. Offenbar hatte sich auch an dem Verursacher des Geräusches etwas getan: „Schaut mal, der Strich ist ja weg.“ Bert war immer noch nicht wieder ganz im Betriebsmodus, daher kam ihm Samuel mit einer Reaktion zuvor, indem er sich aus dem Halbschlaf aufrichtete und sie fragte, wie sie das getan habe.


    Bevor sie allerdings ihm genauer antworten konnte - falls sie die Antwort überhaupt wusste - schaltete sich auch schon Schwester Joy ein, die mehr über das Glöckchen und seine heilenden Kräfte wissen wollte - das scheintote Blumenmonster in ihren Armen war auf jeden Fall wieder voll dabei. Die Vorstellung von einem Pokémoncentertresen mit einem dieser Glöckchen hinter Glas, mit dem Vermerk "Im Notfall einschlagen und Glocke läuten", ließ ihn unwillkürlich schmunzeln. Serena schien auf jeden Fall trotzdem noch den Geheimtrank holen zu wollen, weshalb sie schnell ihr Frühstück beendete und dann bereits vorschlug, zum Hafen zu gehen. Dabei kam ihm sein Bekannter von gestern Abend zuvor; Kyle schien auch zu wissen, wo Olivanias Hafen war, und da wollte Bert es ihm nicht nehmen, sie hinzuführen.


    Draußen vor dem Center versammelten sie sich und setzten sich in Bewegung; Bert lief weit vorne, da er auf den Wegweiser eigentlich nicht angewiesen war. Vielleicht konnte er nun besser die Gedanken ordnen, die gerade zu seinen bereits vorhandenen dazugekommen waren. Eine weiße Linie, die nach einer Benutzung des Glöckchens verschwindet? Kam ihm mehr als bekannt vor, auch wenn man so etwas an nichtelektronischen Geräten eher selten sah; er war jedoch mehr als gewillt, eine Verbindung zwischen Statusanzeigen in Videospielen und dieser Markierung zu ziehen. Einmal läuten verbraucht einen Strich, und nun waren keine mehr da. Hieß das, die Glocke war vollends aufgebraucht? Wenn allerdings gestern kein Ring da gewesen war... vielleicht hatte die Glocke dann Auto-Refill? Die Frage war nur... was löste es aus? Vielleicht sollte er Serena auf dem Schiff darauf ansprechen...


    Off Topic: Entsetzlicher Post ist entsetzlich. Dear me, ich kann heute einfach nicht vernünftig schreiben.