Beiträge von Alaiya

    https://www.dw.com/en/germany-…accine-patents/a-57453453


    Nachdem die USA sich tatsächlich entschieden haben, zuzustimmen die Patente für die Impfstoffe freizugeben, war das nun gestern auch in Deutschland Diskussion im Bundestag dazu und Deutschland hat es ... natürlich abgelehnt. Mit der glorreichen Begründung, dass Patente die Grundlage für Innovation sind.


    Und allein diese Begründung ist absolute Pferdekacke ... Patente sind nicht Grundlage für Innovation, sie verlangsamen Innovation ins unermessliche und sind nebenbei auch häufig nicht angebracht, weil viele wissenschaftliche Fortschritte mit öffentlichen Geldern in öffentlichen Einrichtungen passieren.


    Dazu kommt, dass es halt unter der aktuellen Bedingung einfach nur unmoralisch ist, diese Patente zu horten.

    Ich sehe es halt problematisch, weil viele von den ersten 3 Prioritätsgruppen noch gar keine Impfung bekommen haben.

    Ich sehe es nicht als problematisch, weil der Grund eben war, dass viele, die hätten AZ bekommen sollen, halt eben komplett auf den Impftermin verzichtet haben, weil sie so viel Angst vor dem Impfstoff haben. Also ist es besser, AZ an die Leute zu verimpfen, denen egal ist, was sie bekommen und die bereit sind, sich auch mit AZ impfen zu lassen. Das Beschleunigt den Impfprozess letzten Endes, weil weniger Impfdosen weggeschmissen werden.

    Dieser "Lockerungen für Geimpfte"-Aufreger kommt ja eigentlich nur aus dem rechten Lager, um für Unzufriedenheit bei den Leuten zu besorgen. Zumindest bei uns und die Leute beißen brav an.

    Also meine durchweg linke Bubble regt sich auch darüber auf, einfach aus dem Grund, dass noch nicht allen das Impfangebot gemacht werden konnte und das es schlicht und ergreifend unfair macht. Davon abgesehen macht es einigen Leuten bauchschmerzen, dass halt da Gesundheitsausweise (in Form der Impfausweise) mit sich herumgetragen werden müssen, was halt auch unschöne Assoziationen mit sich bringt.


    Es ist eine Diskussion, so alt wie das moderne Internet selbst: Was ist ein Spoiler? Wann ist es ein Spoiler? Ab wann kann man darüber sprechen?


    Der Begriff Spoiler kommt aus dem englischen und leitet sich vom Begriff "to spoil" ab, was so viel bedeutet wie "verderben". Er beschreibt das verraten von einem Plottwist oder einer späteren Plotentwicklung von einem Film, einer Serie oder einer anderen Form von Geschichte. Damit impliziert der Begriff also, dass das verraten von diesen Ploteigenschaften die Geschichte für jemanden, der sie noch nicht konsumiert hat, "verdierbt".


    Es ist nicht ganz klar, wie der Begriff zustande kam. Was wir wissen ist, dass eine der ersten Verwendungen des Begriffs in der April 1971 Ausgabe der amerikanischen Zeitschrift National Lampoon vorkam in der Autor Doug Kennedy die Enden verschiedener bekannter Filme verriet.


    Wirklich in Mode kam der Begriff allerdings erst mit dem Aufleben des Internets. Denn sobald sich eine Online-Diskussionskultur entwickelte, wurde auch über Filme, Fernsehserien und Bücher diskutiert und in diesem Zusammenhang entwickelte es sich schnell zur üblichen Nettiquette, dass man das Ende von solchen Medien nicht verraten sollte - jedenfalls nicht ohne vorher eine Spoiler-Warnung zu geben. Der Spoiler Alert vor Artikeln oder Beiträgen, die solche Dinge in irgendeiner Form besprachen, bürgerte sich schnell ein.


    Seither ist jedoch auch die Diskussion groß, was einen Spoiler eigentlich ausmacht. Sind schon Dinge, die am Anfang eines Films geschehen oder die bereits aus den Trailern ersichtlich sind, überhaupt Spoiler? Darum entbrennen sehr schnell Diskussionen. Dies ist auch etwas, dass sich im Verlauf der Zeit verschlimmert hat.


    Angestachelt wird diese Diskussion oft von großen Medienhäusern wie Disney. Diese haben schnell gelernt, dass sie von der Spoiler-Kultur profitieren können, vor allem im Bereich der Filme. Denn für diese ist vor allem die Eröffnungswoche wichtig in Bezug auf die Finanzen des Studios. Die enge Spoiler-Kultur bietet dabei für sie zwei Vorteile: Zum einen wollen viele Leute den Film so schnell wie möglich sehen, damit sie nicht gespoilert werden können, zum anderen lesen viele Zuschauer*innen deswegen oft keine Rezensionen, aus Angst dadurch gespoilert zu werden. Damit haben negative Kritiken für schlechte Filme kaum eine Wirkung, da sie die Entscheidung einen Film zu schauen nicht mehr beeinflussen.


    2011 führten die beiden Psychologen Nicholas Christenfeld und Jonathan Leavitt der UC San Diego ein Experiment zum Thema Spoiler durch. Sie ließen zwei Testgruppen ein paar ausgewählte Filme zum ersten Mal schauen. Vorauswahlkriterium dabei war, dass die Teilnehmer*innen den Film noch nicht kannten. Die eine Gruppe wurde vor dem Film gespoilert, die zweite nicht. Das Experiment fand heraus, dass die gespoilerte Gruppe die Filme im Schnitt besser bewertete und mehr Spaß beim Konsum des Films hatte, da sie der Handlung aufmerksamer folgen konnten.


    Jetzt zu euch:

    Stört ihr euch an Spoilern?

    Wo fängt für euch der Spoiler an?

    Ab wann ist es in Ordnung ohne Spoilerwarnung über die Handlung einer Geschichte zu diskutieren?

    Hat euch schon einmal ein Spoiler einen Film/eine Serie/ein Buch verdorben?

    Ich habe noch dieses Video gefunden (nein, fragt nicht, wie viel Zeit ich auf YouTube verbringe), was über Section 28 und die Auswirkungen auf LGBTQ*-Repräsentation speziell in britischen Medien hatte. Zur Info, für diejenigen, die das Video nicht schauen können/wollen: Section 28 war ein Gesetz in dem effektiv gesagt wurde, dass man Kindern gegenüber Homosexualität nicht positiv darstellen dürfe, damit man Kinder nicht dazu "verführt". Deswegen waren gerade in den UK Medien für lange Zeit alles queere komplett rausgeschnitten/verboten, weil es könnten ja Kinder sehen. Und wie einige Leute sicher wissen: Die UK Fassung von Steven Universe ist sogar stärker geschnitten in Bezug auf die queerness, als die russische Fassung.


    Jedenfalls ein interessantes Video.


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    Heute gibt es gleich sehr viele, dafür sehr kurze Szenen :)


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    [21.08.2011 – D29 – Entschluss]


    Als Pakhet zu sich kam, lag sie in einem weichen Bett. Es roch klinisch rein. Sie brauchte nicht lange, um den Zusammenhang zu finden. Sie war im Krankenhaus. Recht sicher Heidensteins Krankenhaus.

    Sie lag auf ihrer linken Seite. Ihr Armstumpf war unter ihr. Er musste die Prothese abgenommen haben.

    Zu deutlich spürte sie ihren Herzschlang. Ihr Herz schlug unnatürlich schwer, langsam. Es musste das Gift sein. Die Schlange. Dämon. Die Kinder. Sie hatten sie zurück gelassen. Sie hatten sie zurücklassen müssen. Heidenstein hatte sie rausgebracht und sie hatte die Wachen erschossen, die oben gewesen waren. Das war so ziemlich das letzte, woran sie sich erinnern konnte.

    War die Schlange wieder da gewesen?

    Sie glaubte es. Sie war sich beinahe sicher. Sie glaubte. Dann hatte die Granate sie nicht umgebracht? Oder war es nur ein Traum, eine Halluzination gewesen …

    Sie spürte eine warme Hand, die nach ihrem Handgelenk griff, sie nahm, den Puls fühlte.

    Heidenstein. Sie wusste es, auch ohne die Augen zu öffnen.

    Dennoch zwang sie sich dazu. Sie öffnete die Augen, sah ihn an.

    Erleichterung zeigte sich auf seinem Gesicht. „Du bist endlich wach.“

    Sie nickte. Ihr Hals brannte, war trocken. Sie konnte nicht sprechen.

    „Wie fühlst du dich?“ Wieder klang Besorgnis aus seiner Stimme.

    Sie nickte nur.

    Es war seltsam. Der Blick auf ihrem rechten Auge war verschwommen, ihr linkes Auge sah klar. Es musste an dem Zauber liegen.

    Sie sammelte ihre Kraft, legte sich auf den Rücken. Sie schmeckte Säure in ihrem Mund. Wahrscheinlich hatte sie sich übergeben. Deswegen hatte er sie in die Seitenlage gebracht. Jetzt aber spürte sie keine Übelkeit, kaum Schmerz. Ihre Schulter brannte leicht, doch alles in allem hätte es schlimmer sein können.

    Heidenstein reichte ihr ein halbvolles Glas Wasser.

    Ihr Blick glitt durch ihre Umgebung. Sie lag in einem normalen Krankenhauszimmer – nicht dem Zimmer unten in der Straßenklinik. Ein Tropf war an ihren Arm angeschlossen, nicht, dass es sie überraschte.

    Sie nahm das Glas, trank, schloss die Augen, versuchte sich zu entspannen. Sie ließ das Wasser langsam ihre Kehle hinabrinnen und räusperte sich dann. Noch immer brannte ihre Kehle, aber sie konnte sprechen.

    Sie wusste, dass sie ein Problem hatte.

    Sie fixierte Heidenstein, der am Rand des Bettes saß. „Mein Blut“, flüsterte sie.

    „Ich habe aufgepasst“, erwiderte er. Er zeigte ihr seinen Arm. Ein Verband war darum gewickelt.

    Sie verstand. Blut war für gezielte Zauber nicht zu gebrauchen, wenn es mit dem Blut einer anderen Person gemischt war. „Verfickter Idiot“, murmelte sie und senkte den Blick. „Danke.“

    Er lächelte. „Pass das nächste Mal auf, wenn du dich mit einem übergroßen Schlangendämon anlegst.“ Vielleicht sollte es ein Scherz sein, es klang aber nicht so.

    „Ist das Ding wiedergekommen?“

    Er nickte. Also hatte sie nicht halluziniert.

    „Wir müssen zurück“, murmelte sie. Sie machte Anstalten aufzustehen, doch er drückte sie zurück. Nicht, dass sie damit nicht gerechnet hatte.

    „Pakhet, du hast noch immer etwas von dem Gift in deinem System“, erwiderte er. „Du musst hier bleiben.“ Er zögerte. „Warum rufst du nicht einfach Michael an und  …“

    Sie schüttelte den Kopf. „Nein.“ Etwas war da noch immer. Ein konkreter Verdacht, der doch irgendwie außerhalb ihres Bewusstseins zu schweben schien. Gerade nicht für sie zu erreichen. Was ist, wenn Tutu die Jugendlichen wollte? Oder was ist, wenn er die Dämonen wollte? Er sollte eigentlich nicht dagegen ankommen können. Aber was, wenn es etwas gab  … Ein Artefakt. Was wenn ein Artefakt sie kontrollierte?

    Oder er nichts davon wollte und einfach  …

    Eigentlich hatte Tutu einen besseren Ruf. Klar, immer noch Zuhälter, immer noch ein Gangster, jedoch einer mit Ehrencodex und diesen Dingen. Aber was … wenn der Auftrag gar nicht von ihm kam? Denn noch immer konnte sie sich aus dem trotz allem hohen Preis wenig Reim machen.

    Ach, ihre Gedanken machten keinen Sinn. Sie hatten das Mädchen nicht retten können. Hatten Dené nicht retten können. Aber sie mussten. Sie musste!

    Was, wenn die Schlange die Jugendlichen gefressen hatte?

    „Pakhet“, flüsterte Heidenstein.

    Sie schloss die Augen und sah zur Decke über ihr. Deckenplatten. Krankenhausdecke.

    „Ich werde diese Jugendlichen da rausholen“, flüsterte sie, ihre Stimme krächzig. „Ich weiß nicht, was es mit dem Scheiß auf sich hat. Aber ich  …“ Sie hustete. Ihr Hals war zu trocken.

    Er nahm das Glas, eilte in ein anliegendes Zimmer. Wahrscheinlich ein Badezimmer. Dann kehrte er mit dem Glas zurück, gab es ihr.

    Wieder trank sie. Noch immer verstand sie nicht, was da vor sich ging. Sie verkauften die Jugendlichen online. Es war Menschenhandel, oder? Aber warum die Dämonen? „Was auch immer das für Leute sind“, hauchte sie schließlich, „ich werde sie zerstören.“

    Heidenstein nickte. Sein Blick war seltsam. Er nahm ihre Hand, locker, als dass sie sie hätte wegziehen können. Er sagte nichts. Doch sie verstand. Er würde ihr helfen. Er war ein Idiot.


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    [21.08.2011 – S06 – Hilferuf]


    „Was ist?“, fragte Smiths tiefe Stimme am anderen Ende der Leitung.

    „Bist du gerade in der Zentrale?“ Pakhet war zögerlich. Sie konnte nicht riskieren, dass Michael etwas davon mitbekam.

    „Ja“, erwiderte Smith. Er machte eine kurze Pause. „Moment. Ich gehe mal kurz frische Luft schnappen.“ Er hatte ihre Anspannung bemerkt. Den Geräuschen im Hintergrund nach, verließ er wohl wirklich sein Büro. Eine Tür wurde geöffnet. Er entschuldigte sich kurz bei jemanden. Stilles Rauschen am anderen Ende der Leitung, das Ping eines Aufzugs, Schritte, Stille, ein weiteres Ping, dann noch eine Tür, dann das Rauschen von draußen. Smith atmete tief ein und aus.

    „Danke“, flüsterte Pakhet. Sie wusste, dass sie sich auf Smiths verlassen konnte. Sie hoffte es zumindest.

    „Was ist los?“

    „Ich brauche Hilfe“, antwortete sie ruhig. „Du weißt von dem Auftrag, den Michael mir gegeben hat?“

    Ein Klopfen an der Tür erklang noch vor Smiths Antwort. Derjenige, der draußen war, wartete nicht, kam einfach rein, sah sie an. Murphy. „Pakhet. Was ist genau passiert. Ich dachte ihr  …“

    Sie hob eine Hand, um ihn zum Schweigen zu bringen. „Smith? Du musst mir versprechen, dass Michael hiervon nichts erfährt.“

    Verwirrt sah Murphy sie an. Smith zögerte für eine Weile.

    „Versprochen“, sagte er dann langsam, vorsichtig. „Worum geht es?“

    Murphy gestikulierte, um seiner Verwirrung und wohl auch seiner Empörung, dass sie und Heidenstein in die „Höhle des Löwen“ gegangen waren, ohne auf ihn zu warten, Ausdruck zu verleihen. Er machte weitläufige Armbewegungen, bewegte den Mund, war jedoch leise. Wieder hatte er die Gestalt des schwarzhaarigen, weißen Jugendlichen.

    „Michael hat mir gestern einen Auftrag gegeben. Ich sollte für jemanden, angeblich Tutu ein Mädchen finden, das offenbar von Menschenhändlern entführt wurde. Wir haben sie gefunden, haben den Stützpunkt – oder zumindest einen davon – gefunden“, erklärte Pakhet rasch und mit leiser Stimme. Sie war noch immer im Krankenzimmer, waren doch kaum zwei Stunden vergangen, seit sie aufgewacht war. Ihr war wieder schlecht. Sie war noch immer schwach. Dennoch hatte sie keine Zeit zu verlieren. „Und der Ort  … Smith, es war höllisch. Nicht nur, dass sie fast nur Jugendliche haben, sie  … Ich weiß nicht genau, was sie da machen. Sie vergewaltigen sie, aber da ist etwas anderes. Dämonen. Da waren Dämonen. Haben sie bewacht. Und ich bin nicht sicher, was sie damit zu tun haben.“

    Verwirrt sah Murphy sie an, während Smith schwieg.

    „Dämonen?“, fragte er schließlich.

    „Ja“, antwortete sie. „Ein Schakal. Eine große Schlange.“

    Wieder schwieg Smith, während Murphy weiter gestikulierte. Er schien nicht zu verstehen. Offenbar hatte Heidenstein noch nicht mit ihm gesprochen.

    „Okay“, sagte Smith. „Was ist es, was du von mir willst.“

    „Ich werde diese Jugendlichen befreien, aber ich brauche Hilfe. Magier. Noch jemanden, der kämpfen kann. Idealerweise Leute, Verstärkung. Und etwas, um Dämonen zu bannen.“

    „Wir könnten“, begann Smith, doch Pakhet ahnte bereits, was er sagen wollte.

    „Wir können niemanden aus der Firma nehmen“, antwortete sie. „Michael darf davon nichts erfahren. Ich glaube, er wollte, dass ich so reagiere.“

    „Wieso?“ Smith Stimme war leise, doch eine gewisse Verwirrung war aus ihr zu hören.

    „Weil Michael ein Arsch ist“, zischte sie. Seufzte dann aber. Sie würde es erklären müssen. „Michael und ich haben seit einiger Zeit  … Probleme.“ Besser konnte sie es nicht ausdrücken. „Er will mir mit der Sache eine Lektion erteilen. Ich bin mir sicher, er wusste, dass ich so reagieren würde. Er will, dass ich eine Dummheit mache.“

    „Wie zu versuchen, die Jugendlichen zu befreien“, schloss Smith.

    „Ja“, antwortete sie. „Ich glaube, er will, dass ich gegen meinen Auftrag gehe.“

    „Was du tust.“

    Murphy schenkte ihr einen empörten Blick. Er schüttelte leicht den Kopf, fixierte sie, versuchte ihr in die Augen zu sehen, doch sie redete weiterhin mit Smith. Sie konnte ihm alles erklären, wenn sie aufgelegt hatte.

    „Ja, das tue ich“, erwiderte sie.

    Schweigen. Dann: „Wo bist du gerade?“

    Pakhet zögerte. Noch immer war sie sich nicht sicher, ob sie ihm trauen konnte. Doch sie hielt Smith für einen guten Mann – einen besseren Mann, als Michael. „Im Anderson Hospital.“ Sie hasste es, das Risiko einzugehen, doch blieb ihr kaum eine Wahl. Sie brauchte Hilfe dabei.

    „Okay. Ich schaue, was ich tun kann“, meinte Smith mit einem tiefen Seufzen. Er schien mit sich selbst zu kämpfen. „Ich werde zusehen, dass ich jemanden finde. Aber ich kann dir nichts garantieren. Wie viel Zeit habe ich?“

    Pakhet schürzte die Lippen. „Nicht mehr als eine Woche.“ Denn sie würden schnell handeln müssen. Wenn sie ihre Gegner zuerst ziehen ließen, dann wären diese verschwunden – oder sie tot. „Und ich brauche Hilfe, die Location zu überwachen. Ich denke nicht, dass sie dort bleiben und viel Zeit haben wir nicht.“

    Murphy musterte sie. „Die Hilfe hast du schon“, sagte er mit düsterem Blick. „Die Adresse, die uns der Scout gestern gegeben hat?“

    Sie sah ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen an, nickte aber.

    Auch er nickte, ging zum Fenster und öffnete es. Warme, staubige Luft wehte herein. Ohne ein weiteres Wort verwandelte der Junge sich in einen Raben und flog hinaus, ließ nur seine Kleidung zurück.

    Pakhet schaute ihm hinterher. Genau das hatte sie eigentlich nicht gewollt. Sie könnte es sich nicht verzeihen, wenn dem Jungen etwas geschah. Doch was sollte sie tun? Sie konnte ihn nicht fangen.

    „Was ist passiert?“, fragte Smith.

    „Murphy ist auf dem Weg zur Location“, erklärte sie. Sie schloss die Augen, um sich zu sammeln. „Wir werden Verstärkung brauchen. Jemand der ihn ablösen kann.“

    „Ich sehe, was ich tun kann“, antwortete Smith und seufzte. „Ich sehe, was ich tun kann  …“


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    [21.08.2011 – D30 – Fürsorge]


    Die Nacht brach herein. Pakhet hatte mit Crash geredet, ihm erklärt, wo Murphy abgeblieben war, da dessen Handy zusammen mit seiner Kleidung auf dem Krankenhausboden verblieben war. Crash hatte gebrummt, wie er es immer tat, und am Ende gemurmelt: „Wenn du noch Hilfe brauchst, sag mir Bescheid.“

    Pakhet hatte ihm mit einem Brummen geantwortet. Sie konnte ihn nicht mit hineinziehen, oder? Er war aus dem Feld raus und es war besser, wenn er sich von diesen Dingen fern hielt.

    Am Ende war es wohl seine Entscheidung.

    Sie seufzte und sah zu den Deckenplatten über sich. Noch immer konnte sie die Dinge, die sie dort gesehen hatte, nicht vergessen. Sie hatte das Mädchen nicht retten können. Zur Hölle, sie selbst wäre gestorben, wäre Heidenstein nicht bei ihr gewesen. Auch wenn er so tat, als wäre es selbstverständlich gewesen – was es führ ihn wahrscheinlich auch war.

    Ein Klopfen an der Tür. Stille. Es musste Heidenstein sein.

    „Ja?“, fragte sie halblaut.

    Er kam herein, brachte ein Tablett mit sich. Kein normales Krankenhaustablett – hatte er überhaupt eine Küche? – sondern ein einfaches Holztablett mit Geschirr, dass sie als das eine erkannte. „Ich dachte, ich bringe dir etwas zu essen.“

    Sie musterte ihn mit einem matten Lächeln. „Du hast deinen Angestellten nichts von mir gesagt, oder?“ Ihr war die Abwesenheit einer normalen Schwester aufgefallen.

    Er zuckte mit den Schultern. „Nein“, gab er zu. „Ich dachte, es wäre dir unangenehm, wenn zu viel gefragt wird.“

    Sie nickte. „Danke.“

    Seit dem Frühstück hatte sie nichts mehr gegessen. Ihr war noch immer schlecht und sie wusste, dass noch immer Gift durch ihre Adern floss, auch wenn der größte Teil von Heidensteins Gegengift unschädlich gemacht worden war, wie es schien. Dennoch wusste sie, dass sie zumindest etwas essen sollte.

    „Hast du schon was von Murphy gehört?“, fragte Heidenstein und stellte das Tablett auf dem Tisch neben ihrem Bett ab.

    Sie sah zum Fenster, schüttelte den Kopf. „Nein.“

    Heidenstein folgte ihrem Blick. „Ich hoffe ihm ist nichts passiert.“

    Pakhet nickte. Sie hielt das Fenster angelehnt, damit Murphy zurück rein konnte, sollte er hierher zurückkehren. Der Junge konnte nicht die Nacht durchmachen, oder? Sie hoffte nicht.

    „Komm, iss etwas“, forderte Heidenstein sie auf. „Versuch es zumindest.“

    Sie nickte. Er hatte Recht, selbst wenn er sie vorrangig ablenken wollte. Dennoch nahm sie eine Brotscheibe und führte sie zu ihrem Mund. Vorsichtig kaute sie, schluckte, kämpfte gegen die Übelkeit an.

    Heidenstein setzte sich neben sie. „Geht es?“

    Sie nickte. „Es muss.“ Sie holte Luft, streckte ihre Hand nach dem Wasser aus. „Ich hoffe Smith findet jemanden.“

    Heidenstein wartete, schürzte die Lippen. „Was ist mit der Polizei?“

    „Die haben doch kaum jemanden.“ Sie wich seinem Blick aus. Was sie sagte, stimmte. Letztes Jahr wäre es etwas anderes gewesen, während der Fußball-WM war das Budget und Personal der Polizei aufgestockt worden, nur um dieses Jahr direkt wieder zu schwinden. Doch ihr Grund war ein anderer: Sie bemühte sich den Behörden, inklusive der Polizei aus dem Weg zu gehen. Sie misstraute ihnen, hatte es schon immer, aber umso mehr, seit sie die Army verlassen hatte.

    „Wir könnten es versuchen“, meinte Heidenstein. „Ich meine, wenn wir es wirklich versuchen  … Sie haben garantiert mehr Leute, als wir uns leisten können.“

    Sie schwieg. Sie hatte einiges Geld auf der hohen Kante. Dennoch hatte er Recht. Sie würde ein paar Leute bezahlen können, doch vor allem Tränke zum Bannen der Dämonen würden teuer werden. Magische Artefakte der Art waren selten und selbst Tränke kosteten. Ein spezialisierter Magier, ein Söldner, würde jedoch mehr kosten.

    Schließlich seufzte Pakhet. „Ja, wir müssen es wohl irgendwie versuchen. Aber lass uns erst auf Smith warten.“

    Heidenstein nickte. „Okay.“


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    [22.08.2011 – S07 – Kontakte]


    Die Nacht wäre schlaflos gewesen, hätte sie es nicht geschafft, von Heidenstein ein starkes Schmerzmittel, vermeintlich wegen ihrer Wunden, zu bekommen. Das Mittel hatte auch eine schlaffördernde Wirkung und erlaubte es ihr zumindest sechs Stunden unruhigen Schlafs zu finden, ehe ihr Handy sie kurz nach sieben mit einem Klingeln aufweckte.

    Es war eine Nachricht von Smith. Sie enthielt eine Nummer und eine kurze Notiz: „Sein Name ist Jack. Er hilft bei solchen Sachen. Er wird es verstehen. Ich komme später vorbei. Jetzt keine Zeit. Smith.“

    Pakhet seufzte. Ihr Mund war trocken. Eine Nebenwirkung des Medikaments.

    Sie trank einen Schluck des über Nachts abgestandenen Wassers, leckte mit der Zunge über die Innenseiten ihrer Wangen, die sich rau anfühlten und bitter schmeckten. Dann blickte sie wieder auf das Handy.

    Jack? Nun, was hatte sie für eine Wahl?

    Konnte sie ihn jetzt bereits anrufen? Smith hatte ihr die Nachricht erst gerade geschrieben. Vielleicht hatte er mit ihm geredet. Vielleicht hatte er auch nur selbst eine Nachricht bekommen.

    Dennoch. Sie musste es versuchen. Sie hatten kaum Zeit.

    Also tabte sie auf die Nummer, wählte sie aus ließ das Handy sie wählen.

    Freizeichen. Gut. Besser als direkt die Mailbox zu erreichen. Zwei Mal tutete es, dann ein Knistern. „Wer ist da?“, fragte eine jung klingende, aber angespannte Männerstimme.

    „Mein Name ist Pakhet“, erwiderte sie. „Spreche ich mit Jack? Mr Smith hat mich an sie verwiesen.“

    „Ah.“ Ein kurzes Schweigen. „Sie sind die Frau, die sich mit den Menschenhändlern angelegt hat?“ Seine Stimme entspannte sich. Er wirkte ruhiger.

    „Ja. Das bin ich wohl.“ Sie seufzte. „Smith sagte, Sie könnten mir helfen.“

    „Vielleicht, ja“, erwiderte er. „Aber ich würde bevorzugen, das ganze von Auge zu Auge zu besprechen. Persönlicher, wissen sie?“ Er schien seine Stimme charmant klingen lassen zu wollen.

    „Ja.“ War es eine Falle? Vielleicht. Doch für den Moment wollte sie Smith vertrauen.

    „Hätten Sie heute Abend Zeit?“, fragte er.

    „Ja“, erwiderte sie wieder. „Wo wollen wir uns treffen?“

    „Kennen Sie den Salty Ferryman?“

    Ja, sie kannte den Ferryman. Eine Bar nahe des Hafen. Vor allem von Touristen besucht. Sie war schon öfter dort gewesen. „Ja. Gegen neun?“ Das würde ihr noch Zeit geben, weitere Pläne zu schmieden.

    „Gerne.“ Ein Lächeln schwang in seiner Stimme mit. „Dann bis heute Abend.“

    „Ja.“ Sie wiederholte sich.

    Ein kurzes Lachen, dann legte er auf.


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    [22.08.2011 – D31 – Frühstück]


    „Du solltest im Bett sein“, murmelte Heidenstein und sah sie an, als sie in seine Küche kam.

    „Ich brauche meinen Kaffee“, erwiderte sie.

    Er musterte sie, schüttelte den Kopf. „Kannst du nicht noch einen Tag liegen bleiben?“

    „Nein.“ Sie fixierte die bereits laufende Kaffeemaschine, streckte sich dann, um ihre Tasse aus dem Schrank zu nehmen. Sie zuckte zusammen. Die Wunde schmerzte noch immer.

    Heidenstein trat zu ihr, nahm die Tasse und reichte sie ihr. „Pakhet.“ Er sah sie an.

    Sie schüttelte energisch den Kopf. „Bitte, Doc. Ich kann nicht liegen bleiben.“

    Seine Augen waren auf ihre Schulter fixiert. Unter ihrem Tanktop sah man die großen Pflaster deutlich, da sie auch die Schulter bedeckten.

    Bisher trug sie auch ihre Prothese nicht. Sie war bisher nicht dazu gekommen, sie zu holen, vermutete sie aber in ihrem Zimmer. Immerhin hatte Heidenstein sie ihr abgenommen. Vielleicht war es auch besser, wenn sie es heute bei der realistischen Prothese blieb. Sie würde diese ohnehin für den Abend brauchen.

    „Pass auf dich auf, ja?“, meinte Heidestein schließlich und legte ihr sanft eine Hand auf den Oberarm. „Du kannst niemanden helfen, wenn du dich selbst umbringst.“

    Die Kaffeemaschine zischte. Sie war offenbar durchgelaufen. Gut.

    Pakhet wandte sich von ihm ab und ging zur Kaffeemaschine. Sie füllte sich etwas von der noch brühend heißen, schwarzen Flüssigkeit in ihren Becher. Sie seufzte. „Ich habe nicht vor zu sterben“, sagte sie leise. Sie hob die Tasse und roch daran. Allein das Aroma sorgte dafür, dass sie sich lebendiger fühlte. Sie wusste, dass ihre Worte nicht viel sagten. Sie hatte nur bis zu einem gewissen Maß Kontrolle darüber, ob sie starb oder nicht. Sie beschloss, das Thema zu wechseln. „Ich habe vorhin mit einem Mann namens Jack gesprochen. Smith hat ihn mir empfohlen. Ich werde mich heute Abend mit ihm im Salty Ferryman treffen. Und Smith wird nachher herkommen.“

    Heidenstein schwieg zwei oder drei Sekunden lang. Dann atmete er in einem halben Seufzen aus. „Okay.“

    „Was?“, fragte sie.

    „Nichts“, erwiderte er. „Du weißt. Ich mache mir Sorgen.“

    Sie musterte ihn und lächelte beinahe. Es war so seltsam. Bisher war es nur Robert gewesen, der sich immer und immer wieder Sorgen um sie gemacht hatte. Nur Robert  …

    Sie schüttelte den Kopf. „Du machst dir zu viel Sorgen, Doc. Ich passe auf mich auf.“

    Er sah sie mit einem traurigen Lächeln an, nickte dann aber. „Ich weiß. Aber ein zweites Paar Augen, dass auf dich aufpasst wird nicht schaden.“

    Sie nickte. Seufzte. „Was ist mit dem Krankenhaus?“

    Überrascht schaute er auf. „Wie?“

    „Musst du nicht arbeiten?“

    Nun war es er, der den Kopf schüttelte. „Ich habe dir gesagt, dass ich helfe. Ich werde helfen. Hier  …“ Er seufzte. Es schien ihm schwerzufallen. „Hier ist ohnehin nicht so viel los. Also nutze ich es, dass ich mein eigener Chef bin. Sag mir einfach, was ich tun kann, um dir zu helfen.“

    Sie nickte. „Danke, Doc“, flüsterte sie und meinte es wirklich. Sie wusste, dass ihre Entscheidung dumm, übereilig war. Er hätte jedes Recht gehabt, auf sie einzureden, zu versuchen sie davon zu überzeugen, es sein zu lassen. Doch er tat es nicht. Er half sie. Sie war nicht allein. „Wirklich. Danke.“

    Sein Blick verharrte auf ihrem Gesicht. Für einen Moment sah es so aus, als würde er sich zu ihr herüberbeugen wollen, doch er beherrschte sich. „Dafür bin ich da.“


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    [22.08.2011 – M19 – Anruf]


    Pakhet konnte nicht sagen, wie erleichtert sie war, als Murphy sie zwei Stunden später anrief. Der Nummer nach von einem weiteren Handy. Wahrscheinlich hatte er davon mehrere auf Vorrat, da er sicher mehr als eins verloren hatte, als er sich in einen Vogel verwandelt hatte.

    „Hey, Pakhet.“ Es folgte ein Gähnen, auch wenn er versuchte, so aufgeweckt und engagiert wie immer zu klingen.

    „Hey, Kid.“ Sie zögerte. „Alles okay?“

    „Ja, bestens.“ Noch ein Gähnen. „Sag mal. Wann kann jemand anderes für mich übernehmen? Ich habe aktuell einen Freund gefragt, aber ich kann bei ihm nicht zu viel Schulden machen.“

    „Smith kommt in einer Stunde zum Krankenhaus“, erklärte sie. „Er sagte, er bringt jemanden mit.“

    „Super“, gähnte Murphy. „Das heißt, dann ist große Besprechung oder wie?“

    „Na ja, Smith ist da“, antwortete sie. Immerhin wusste sie nicht mehr, als was Smith ihr gesagt oder viel eher geschrieben hatte. Und das war, dass er in seiner Mittagspause sich mit einer Magierin treffen wollte, die eventuell helfen konnte und – wenn alles stimmte – mit ihr herkommen würde. Sie hatte es schon mit Heidenstein besprochen: Sie würden sich in der Straßenklinik treffen.

    „Ich komme auch“, sagte Murphy. Er schien zu überlegen. „Glaubst du, Alice könnte helfen?“

    „Alice?“ Natürlich erinnerte sie sich. Crashs kleine, mysteriöse Schwester, beziehungsweise Cousine, die sie nie kennen gelernt hatte. „Wieso?“

    „Sagen wir es einmal so: Du wirst niemanden finden, der dir besser Informationen aus dem Dark Net besorgen kann, als sie. Eins A, wirklich.“ Ein vielsagender Ton klang in Murphys Stimme mit. „Und wenn ich mal ruhig mit ihr rede, dann hilft sie. Sie langweilt sich ohnehin, weißt du? Und sie ist echt super, Pakhet, glaub mir.“

    „Wieso reicht allein dein 'glaub mir', um mir Zweifel zu geben?“, fragte sie. Doch sie wusste, dass er Recht hatte: Sie brauchten jemand, der Daten besorgen konnte. Immerhin wusste sie, dass die Sache, die sie hier gesehen hatten, wohl nur ein kleiner Bestandteil der Organisation – oder was auch immer es war – war, der dahinter stand. Speziell, wenn sie wissen wollten, was es mit den Dämonen auf sich hatte, mussten sie mehr über die Organisation wissen.

    Pakhet konnte sich nicht vorstellen, dass eine Organisation zuließ, dass ihr Magier einen Teil ihrer „Ware“ an ein paar Dämonen verfütterte. Heck, Magier waren selten. Kaum jemand wusste, dass Magie und Dämonen real waren und in welchem Ausmaß es so war, selbst wenn man in der Unterwelt immer wieder Gerüchte hörte. Sicher, die Mafias hatten davon gehört, aber es war für viele doch eher ein Gerücht. Und der Magier, den sie dort gesehen hatte, der Schamane, der vermeintlich die Schlange und den Schakal kontrolliert hatte, war mächtig gewesen. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass ein Menschenhandelsring einfach so, rein zufällig, einen mächtigen Magier hatte, der ihre „Ware“ unter Kontrolle hielt. Nein, dahinter stand mehr. Sie wusste nur nicht was.

    „Okay“, sagte sie und hoffte, dass Crash sie dafür nicht umbringen würde. „Was ist mit dem großen?“

    „Der wird sicher auch helfen wollen“, erwiderte Murphy. „Aber er hat Training.“

    Sie nickte zu sich selbst, brummte für Murphy eine Bestätigung, dass sie verstanden hatte. Fuck, sie wollte eigentlich nicht sie alle mit hineinziehen, doch was sollte sie tun? Und zumindest ein Teil, zumindest ein kleiner Teil von ihr, war froh, ja, gerührt, dass sie sich auch um sie scherten.

    Man vergisst gelegentlich, dass die Story Magie enthält.

    Ja, ich weiß. Aber die Geschichte wird in ihrem Verlauf noch deutlich magischer. Vor allem Teil 4 (Götter) wird noch sehr hoch magisch werden ;) Das ist mehr oder weniger eine Exponentialkurve, mit der Magie in dieser Geschichte.


    Dene, warum machte man sich die Mühe sie zurückhaben zu wollen? Vielleicht war sie magisch und demnach wertvolles Material?

    Vielleicht ist die eigentliche Frage auch, ob sie wirklich jemand zurückhaben will oder ob jemand dort andere Motivationen hat, die Pakhet aktuell verschwiegen werden ...


    Wer weiß wie viele Leute nichts über Magie wissen und dabei latentes Potenzial besitzen?

    Das ist eine schwierige Frage. Also Magie ist relativ selten, im Sinne von ca 0,1% der Bevölkerung. Aber es ist sehr schwer als Nicht-Magier latentes Potential festzustellen.


    Die Opfer scheinen allerdings eher Tribute zu sein. Um einen Schlangendämon zu nähren? Ist der Priester eine andere Form dieser Schlange, ihr Meister, oder betet er sie an? Schwierig.

    Es sei auch noch mal deutlich gesagt: Es stimmt weiterhin, dass viele dieser Jugendlichen tatsächlich auch verkauft werden. Das war keine Lüge. Nur ein Teil wird verfüttert.


    Also, das Kapitel war ... heftig. Zunächst einmal natürlich wieder sehr viel Action, und diesmal auch wieder mit ein bisschen mehr Magie, was mir beides sehr gefallen hat. Ansonsten sieht man ja, was mit den Jugendlichen passiert und ... uff. Ich weiß jetzt nicht, ob es "nur" Blutopfer sind oder noch mehr dahintersteckt. Ich meine, ich dachte jetzt ein bisschen an die Story von Sterling Manor, wo ja Leuten auch Dämonen eingepflanzt wurden. Aber es muss nicht darauf hinauslaufen (und bisher haben wir "nur" zwei Dämonen gesehen). Blutopfer reicht grundsätzlich jedenfalls auch schon aus als Motiv.

    Ich hatte ganz vergessen, dass du tatsächlich Sterling Manor gelesen hast. Ups. ^^"

    Aber ja, es ist vom Prinzip her kein unähnliches Szenario, selbst wenn Motivationen und Hintergründe sehr, sehr anders sind. Aber viel mehr sage ich dazu erst einmal nicht ;)


    Ansonsten die Frage mal wieder mit Michaels Plan - also, einerseits natürlich die Gefahr, in die Pakhet dabei gelangt ist. Wieder einmal steckte da Magie hinter, was vorher nicht bekannt war und es hat Pakhet dabei wieder übel erwischt (wobei "übel erwischt" eigentlich ein Euphemismus ist, wenn ich an das denke, was ihr schon passiert ist). Da Pakhet zudem auch sieht, dass da ein Mädchen vergewaltigt wird, wird sie aber eigentlich auch unmittelbar mit ihren vergangenen traumatischen Erfahrungen konfrontiert - ich frage mich hier, ob ihr Zögern, dem Mädchen zu helfen, damit zusammenhängt?

    Das ist zumindest die richtige Frage. Also die Frage danach, was Michaels Plan ist.

    Natürlich, so viel kann ich dir verraten, ist die Grundmotivation von ihm sehr ähnlich, wie sie auch in Kontrolle war. Er hat nur eine gewisse Sache nicht richtig vorausgesehen.


    Na ja, und dann - also, ich gehe davon aus, dass Pakhet da - wieder einmal auch dank ihres Willens - jetzt schon lebend rausgekommen sein wird (sie ist ja die Protagonistin) aber es kann gut sein, dass eben für den Doc keine Möglichkeit blieb, um Dené da auch noch herauszuholen. Heißt, dass nicht ganz klar ist, ob man die da jetzt später immer noch findet. Das könnte Michael auch einen Anlass geben, um Pakhet als unprofessionell hinzustellen, also nach dem Motto "Du solltest nur rausfinden, wo sie ist, aber du musstest ja die Heldin spielen und jetzt ist der Auftrag gescheitert und du hast außerdem niemanden retten können, wie doof".

    Dazu kommen wir dann in den nächsten Kapiteln. (Es geht heute Abend noch weiter!)


    Vollkommen andere Sache noch: Manchmal vergesse ich ja, dass Murphy immer noch recht jung ist - bin tbh auch froh, dass er nicht dabei sein bzw. das nicht sehen musste. Gleichzeitig zeigt diese kurze Bemerkung eben auch mal wieder, dass Pakhet sich dahingehend schon Gedanken um ihn macht.

    Ja, genau. Murphy ist gerade erst einmal so 15/16. Genau weiß er es nicht, da er seinen eigenen Geburtstag gar nicht kennt.

    Ich habe nun gestern meine erste Impfung erhalten :) Soweit habe ich auch keine großen Probleme mit Nebenwirkungen. Mein Arm tut weh und ich habe auch ein wenig Muskelkater am Rücken (oder Muskelschmerzen, aber fühlt sich an wie Muskelkater). Also alles in allem ist das mit der Impfung gut gelaufen :)

    Der YouTube-Kanal eines indischstämmigen YouTubers, der auch Arzt ist, hat ein längeres Video darüber gemacht, was in Indien eigentlich schief gegangen ist. Fand ich recht interessant und räumt auch mit dem Vorurteil auf, dass es alles mit der Religion zu tun hätte.


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    Ich wollte diesen Thread einmal wieder hochholen, da ich diese wunderbare Video gerade gesehen habe:


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    In dem Video (von einem Channel, den ich übrigens allgemein sehr empfehlen möchte), wird über die Geschichte von weiblichen Regisseurinnen in Hollywood geredet. Darüber, wie ursprünglich Frauen durchaus häufiger Regie geführt haben, dies sich aber mit dem Ende des Stummfilms änderte, weil auf einmal viel Geld in Filmen lag und man Frauen nicht mit diesem Geld vertraut hat. Entsprechend hat sich die Academy eben als diese Gruppe rein aus weißen Männern entwickelt (weil natürlich hat man BI_PoC auch nicht mit dem Geld vertraut). Dadurch haben sich eben auch die Erwartungen in Bezug auf oscarwürdige Filme entwickelt. Eben, dass dies meistens sehr maskuline Filme sind (und sich meistens auch um weiße Maskulinität drehen). Das zieht sich auch bei den paar wenigen Regisseurinnen durch, die Oscarnominierungen erhalten haben: Diese haben häufig eher einen maskulinen Blick auf eher gesellschaftlich maskulin konnotierte Filme und distanzieren sich häufig vom Feminismus. Gleichzeitig werden Schwarze Regisseurinnen übrigens praktisch nie geehrt, selbst wenn tendenziell schon eher PoC-Regisseure gewinnen, als bspw. PoC-Schauspieler*innen. Entsprechend ist es eine enorme Abwechselung, das Chloé Zhao als WoC Regisseurin dieses Jahr den Oscar gewonnen hat.

    Die Frage ist nur, ob das eine neue Richtung für die Academy andeutet oder einfach nur eine Ausnahme war.


    Was denkt ihr?

    Btw, weil ich dauernd von Indien lese: Mich ärgert, dass die Pharmafirmen auf ihren Patenten hocken, während Menschen auf offener Straße ersticken. Hurray, Kapitalismus.

    :rolleyes: aber die Hoffnung, dass die jeweils zu Liebe von Menschenleben und des wissenschaftlichen Fortschritts abtreten werden, braucht man sich gar nicht erst zu machen.

    Der große Witz dabei ist ja auch, dass die Pharmafirmen da ihre Patente für behalten, obwohl die ganzen Medikamente (nicht nur der Impfstoff) mit öffentlichen Mitteln erforscht wurden. Also ich meine, klar, dass sind amerikanische öffentliche Mittel (oder deutsche oder britische), aber es sind öffentliche Mittel und dennoch sind die ganzen Medikamente dann auf einzelne Pharmafirmen patentiert, die nur einen Bruchteil der Forschung selbst finanziert haben. Und dann geht es in den USA noch soweit, dass die alle paar Jahre minimale, nicht wirkungsrelevante Änderungen an den Medikamenten vornehmen, damit sie das Patent nicht verlieren und kein billiges Generikum hergestellt werden kann. (Das geht so zum Glück in Deutschland nicht ohne weiteres.) Deswegen sind in den USA die Medikamente auch einfach bis ins Lächerliche Überteuert. Dort zahlen die Leute ja bspw. für Insulin das 9-fache von dem, was wir hier zahlen. Es ist einfach nur so hirnverbrannt.


    Toll fand ich übrigens auch etwas, das ich in einem Artikel gelesen habe. Laut einem Washington-Insider haben die Lobbyisten der Pharmafirmen zum Thema Aufhebung der Patente für den Corona-Impfstoff gesagt: "Ja, aber wenn wir das machen, dann erhalten die anderen Länder ja auch diese Technologien und dann könnten die sonst was damit machen. Zum Beispiel andere Impfstoffe erfinden oder eine Heilung für Krebs oder Herzleiden finden." Was auch ... Wie durch muss man eigentlich sein, das als etwas Negatives darzustellen?!

    Letzte Nacht war die Oscarverleihung. Das hier sind die Gewinner:


    Best Picture: Nomadland

    Best Director: Chloé Zhao – Nomadland

    Best Actor: Anthony Hopkins – The Father

    Best Actress: Frances McDormand – Nomadland

    Best Supporting Actor: Daniel Kaluuya – Judas and the Black Messiah

    Best Supporting Actress: Youn Yuh-jung – Minari

    Best Original Screenplay: Promising Young Woman

    Best Adapted Screenplay: The Father

    Best Animated Feature Film: Soul

    Best Animated Short Film: If Anything Happens I Love You

    Best International Feature Film: Another Round

    Best Documentary Feature: My Octopus Teacher

    Best Documentary Short Subject: Colette

    Best Live Action Short Film: Two Distant Strangers

    Best Original Score: Soul

    Best Original Song: "Fight for You" from Judas and the Black Messiah

    Best Sound: Sound of Metal

    Best Production Design: Mank

    Best Cinematography: Mank

    Best Makeup and Hairstyling: Ma Rainey's Black Bottom

    Best Costume Design: Ma Rainey's Black Bottom

    Best Film Editing: Sound of Metal

    Best Visual Effects: Tenet


    Ich bin positiv überrascht, dass Nomadland Best Picture gewonnen hat. Es war definitiv einer der besten Filme, die nominiert waren, aber ich hatte halt wirklich mit Mank gerechnet, weil der Film so viel typischer für die Academy gewesen ist. Entsprechend gönne ich Chloé Zhao auch so sehr den Oscar für beste Regie.


    In welcher Kategorie ich sehr enttäuscht bin, ist Best Actor. Ich habe The Father wie gesagt nicht gesehen, aber ... Meh, alter weißer Schauspieler, der eh schon mehrere Oscars gewonnen hat ... Meh.


    Was auch auffällt: Es haben zwei Nicht-Weiße Schauspieler*innen gewonnen, aber natürlich nur in Supporting Roles. Ist ein Mixed Bag.

    So, hier kommt das neue Kapitel.


    CN: Vergewaltigung, Tod


    ______________________________


    [21.08.2011 – D28 – Casino]


    Der nächste Tag war extrem trocken und für die Jahreszeit ungewöhnlich warm. Hitzeschlieren bildeten sich in der Ferne über der Straße, als sie mit dem Transporter in die Richtung fuhren, die ihr singender Freund ihnen gesagt hatte. Was auch immer es mit dem „Casino“ auf sich hatte … irgendwie glaubte sie nicht, dass sie eine Glücksspielhalle vorfinden würden.

    Sie waren zu zweit. Murphy hatte erst später Zeit und Pakhet war dankbar dafür. Sie war sich nicht sicher, was sie finden würden, doch ging sie jede Wette ein, dass der Junge es nicht unbedingt sehen sollte.

    Sie hatten den Transporter genommen, da er weniger auffiel. Nicht zuletzt, da er schon wieder mit Sand verklebt war und verdreckt wirkte.

    Mit Blick auf das Navi, stupste sie Heidenstein an. Er fuhr. „Such dir hier etwas zum Parken“, wies sie ihn an.

    Sie wollte nicht zu Nahe an das Gebäude heran.

    Er nickte stumm. Seine Miene war für ihn ausgesprochen grimmig. Er war nicht begeistert von der Aussicht, hatte aber drauf bestanden mitzukommen. Etwas, wofür sie dankbar war.

    Letzten Endes hielt er den Wagen hinter der noch genutzten Ruine eines der frühen Wohnungsbauprojekte, die zu Beginn der Apartheit errichtet worden waren. Ein altes Gebäude aus roten, unversiegelten Ziegeln, das heruntergekommen wirkte, wahrscheinlich aber noch von irgendeinem armen Schlucker bewohnt wurde..

    Sie waren am südostöstlichen Ende der Flats. Es lag nicht viel zwischen ihnen und dem Farmland.

    „Wollen wir?“, fragte sie Heidenstein.

    Er öffnete die Wagentür, seufzte. „Ja. Lass uns.“

    Sie tat es ihm gleich, sprang auf die Straße und sah sich um. Niemand war in der Nähe – was gut war, denn ihr Plan involvierte nicht zuletzt die Armreife, die Heidenstein geschaffen hatte. Es wäre für die meisten normalen Menschen auffällig, sie einfach verschwinden zu sehen.

    Pakhet umrundete den Wagen, da er mit der rechten Seite am Haus stand, gesellte sich zu Heidenstein.

    Er seufzte noch einmal. Er hatte eine Kamera dabei. Eine von diesen Action-Cams, die in letzter Zeit mehr und mehr genutzt wurden. Die Hoffnung war, dass sie sich eine Übersicht über den Aufbau des Gebäudes verschaffen konnten.

    „Wenn wir sie finden“, begann Heidenstein vorsichtig und sprach dabei fraglos über Dené, „reicht es eigentlich, wenn wir die Adresse an diesen Tutu weitergeben, oder?“

    Auch Pakhet hatte darüber nachgedacht. Ihre Aufgabe war eigentlich nur, herauszufinden, wo Dené war. Natürlich war impliziert, dass sie sie zu Tutu bringen sollten, oder? Eigentlich reichte es, herauszufinden, wo sie war. Sie könnten Bescheid sagen, es die Gangs regeln lassen, die fraglos für Tutu arbeiteten. Immerhin war er bekannt für seine „Security“.

    Eigentlich hätte es gereicht, ihm zu sagen, was sie nun wussten. Doch Pakhet hasste es, auf die Worte des Scouts zu vertrauen. Sie wollte Bestätigung. Denn auch, wenn er nicht gelogen hatte, wenn er Dené wirklich dahin gebracht hatte, so hieß das noch lange nicht, dass sie sich auch jetzt dort befand.

    Sie hasste es darüber nachzudenken.

    „Ja“, murmelte sie matt, schluckte. Ein ungutes Gefühl breitete sich in ihrer Magengegend aus.

    Noch immer gab es vieles, was ihr an der Sache nicht gefiel. Der Auftrag selbst war ein Teil davon. Sicher, Tutu war dafür bekannt, einer der respektvolleren Pimps zu sein. Seine Mädchen waren sicher, seine Mädchen wurden bezahlt. Aber es waren auch vorher Mädchen verschwunden, das hatte man ihr erzählt, warum also die Bezahlung für Dené? Warum war sie so besonders? Es war eine Menge Geld, um ein einzelnes Mädchen wiederzufinden, wenn er doch andere hatte, die für ihn arbeiteten.

    Hatte Dené eine besondere Verbindung zu ihm oder hatte er Hintergedanken?

    Dann war da die Sache, dass sie nicht sicher sein konnten, was sie an dem Casino finden würden. Sie wusste zu wenig über die Leute, hatte kaum Möglichkeiten, mehr herauszufinden. Informationen kosteten Geld – oder sehr viel Aufwand und Zeit. Sie hatte nichts davon. Gut, sie hatte Geld, doch Geld ausgeben, um einen Auftrag, für den sie bezahlt wurde, auszuführen, war widersprüchlich.

    Und dann war da noch eine Sache: Heidenstein hatte ihr gesagt, dass die Scouts nach aktueller Beweislage nur vierundzwanzig Stunden lang festgehalten würden. Nicht genug. Und dann? Dann konnte das ganze viel komplizierter werden, vor allem nachdem ihr Singvogel sie erkannt hatte. Es wäre wahrscheinlich einfacher gewesen, sie zu töten.

    „Pakhet?“ Heidensteins fragende Stimme riss sie aus ihren Gedanken.

    Sie holte tief Luft, nickte. „Lass uns gehen“, murmelte sie. Sie konnten es nicht länger verschieben.

    Er musterte sie besorgt, nickte selbst und aktivierte den Zauber. Er verschwand.

    Auch sie berührte den Armreif, wurde unsichtbar.

    Für einen Moment stand sie so dort, dann bemerkte sie Heidensteins Hand, die nach der ihren tastete.

    Instinktiv wollte sie die Hand wegziehen, beherrschte sich aber. Sie wusste, dass es klug war, um sich unsichtbar nicht zu verlieren. Da die Artefakte den Zauber hielten, würde es nicht leicht sein, den anderen wiederzufinden, selbst wenn er ausgeknockt wurde. Also erlaubte sie es ihm, nach dem Gelenk ihrer Prothese zu greifen.

    Sie atmete durch, roch den Sand und Staub der Straße. Dann machte sie die ersten Schritte, spürte, wie Heidenstein ihr folgte. Sie waren knapp vierhundert Meter von dem Gebäude entfernt, das laut GoogleMaps ein etwas älterer, langgezogener Bau war. Sie vermutete nach den Satellitenbildern, dass es ebenfalls eins jener Reihenhäuser war, die man überall in den Flats gebaut hatte. Eventuell ein altes Obdachlosenheim. Straßenaufnahmen von vor dem Gebäude hatte sie nicht gefunden.

    Während sie unsichtbar die Straße entlangschlichen, sahen sie kaum jemanden. Ein einzelner Straßenjunge – dreizehn oder vierzehn Jahre alt – stahl sich über die Straße, darauf bedacht im Schatten der Gebäude zu bleiben. Sonst war da niemand. Keine Wagen. Nichts. Es war, als wäre dieser Teil des Ghettos komplett verlassen.

    Sie gingen weiter, bogen rechts ab.

    Das Gebäude – es musste das Gebäude sein – kam in einiger Entfernung in ihr Blickfeld.

    Sie hatte sich geirrt. Das Gebäude war keine der Standartunterbringungen, sondern wirkte viel eher, wie eine längliche Lagerhalle mit weißmetallenen Flachdach. Die Wände waren geweißt, doch die Farbe blätterte ab. Es hätte genau so gut verlassen sein können, wären da nicht die vier Wagen gestanden, die auf der freien, steinigen Fläche vor dem Eingang standen.

    Das Haus stand etwas Abseits von den anderen Häusern – nicht das es ungewöhnlich war. Die Häuser hier waren mal in unregelmäßigen Abständen errichtet. Ungewöhnlich war jedoch, dass in knapp fünf Metern Entfernung zum Gebäude ein zweieinhalb Meter hoher Maschendrahzaun in die Höhe wuchs.

    „Da ist jemand paranoid“, flüsterte sie.

    Heidenstein murmelte eine Zustimmung. Seine Stimme klang belegt. Seine Hand griff die ihr Handgelenk fester.

    Wie kamen sie rein?

    Sie hatte keinen Zweifel daran, dass ihre Sprungkraft sie über den Zaun bringen würde. Allerdings saß da ein vielleicht dreißigjähriger Schwarzer vor dem Haus, rauchte. Wenn sie nicht irrte, war der längliche Gegenstand neben ihm ein Gewehr.

    „Lass uns ums Haus herum laufen“, flüsterte sie.

    Das Gebäude hatte einmal Fenster gehabt. Mittlerweile waren diese mit Brettern vernagelt. Das ganze wirkte von außen bereits zwielichtig.

    „Wie kommen wir rein?“, hauchte Heidenstein.

    „Eher: Wie kommst du rein“, murmelte sie. „Ich kann über den Zaun springen.“

    Er schwieg. Dann: „Es muss ein Tor geben.“

    Natürlich hatte er damit recht. Wie kamen sie sonst selbst rein, mit ihren Wagen?

    „Also weiter.“ Sie schlich den Zaun entlang und stellte schnell fest, dass Heidenstein Recht hatte: Es gab ein Tor auf der Rückseite, von wo eine Schotterstraße zur M9 führte.

    So sicher die Anlage mit dem Zaun auch wirkte, so lächerlich war das Tor: Es war ein einfaches, leicht angerostetes Tor aus weiß bemaltem Stahlrohr, wie es oft auf Schafsweiden verwendet wurde.

    „Kommst du da rüber?“, fragte sie.

    „Ja“, erwiderte er. Beinahe war eine Spur Beleidigung aus seiner Stimme zu hören.

    Sie sagte nichts, sondern zog, damit er die Prothese losließ. Dann nahm sie Anlauf, sprang, setzte einfach über das Tor hinweg und wartete.

    Sie hörte nichts und das verunsicherte sie. Wenn sie hier Leute gefangen hielten, sollte man nicht etwas hören?

    Das Klappern des Tores ließ sie zusammenzucken. Einen Moment später hörte sie ein Flüstern in ihrer Nähe. „Pakhet?“

    Still ging sie in die Richtung, tastete, bekam Heidensteins Hand zu fassen und zog ihn in den Schatten des Gebäudes. Sie wusste zu gut, dass man den Zauber im hellen Licht leichter durchschauen konnte.

    Schritte.

    Jemand kam um das Gebäude herum. Der Typ, der vorne gesessen war. Er ließ seinen Blick den Zaun entlang schweifen. Wahrscheinlich hatte er das Klappern gehört. Dank des Zaubers entdeckte er sie nicht, schüttelte schließlich den Kopf und setzte seinen Weg um das Gebäude herum fort.

    Pakhet zog Heidenstein in die andere Richtung um das Gebäude herum. Sie wollte zur Vordertür, die sie zuvor gesehen hatte.

    Was auch immer das Gebäude einmal gewesen war, sie war sich recht sicher, dass sich diese Typen erst später hier einquartiert hatten. Deswegen war auch das Tor nicht in Richtung der Fronttür des Gebäudes.

    Sie kamen kurz vor dem Typen – war er eine Wache? – an der Vorderseite an, wo er sich wieder hinhockte.

    Er beachtete sie nicht und die Tür war halb offen. Sie müssten vorsichtig sein, doch sie sollte weit genug offen sein, als dass sie sich durchquetschen konnten, ohne die Tür zu bewegen.

    Vorsichtig schlich sie nach vorne, zog Heidenstein mit sich.

    Seine Anspannung war deutlich zu spüren.

    Sie hatten die Tür kaum erreicht, als zwei Leute rauskamen. Ein Mann und eine Frau. Er offenbar indischer Abstammung, sie mit schwarzer Haut und muskulös gebaut.

    Sie redeten in einer Sprache, die Pakhet nicht verstand, schienen alles in allem in gelassener Stimmung zu sein. Sie hatte eine Flasche Alkohol in der Hand – billiger Rum. Es hatte keinen Sinn, sie zu belauschen – aber sie ließen die Tür weiter offen und verwickelten den Mann vorne ebenfalls in ein Gespräch. Sie verfielen in Afrikaans.

    Kurz zögerte Pakhet, dann aber ging sie zur Tür und schlich hindurch.

    Der Flur dahinter war mit Fliesen belegt. Diese waren einmal weiß gewesen, wirkten nun aber braun und versifft, viele von ihnen zeigten deutliche Risse. Der Flur bog nach zwei Metern um eine Ecke nach rechts. Auf der linken Seite war eine Tür.

    Pakhet folgte dem Flur. Hier waren diverse Türen. Was auch immer das Gebäude einmal gewesen war.

    Eine Tür führte dem Geruch nach fraglos zu einer lang nicht geputzte Toilette. Sie hielt den Atem an, ging weiter, spähte durch eine Angelehnte Tür aus altem, gammeligen Holz.

    Dahinter lag ein zierdeloser Raum. Kein Bodenbelag, keine gestrichenen oder tapezierten Wände. Nur brauner Beton. Hier lagen einige Matratzen, die offenbar als notdürftige Nachtlager dienten.

    Hinter einer geschlossenen Tür hörten sie Stimmen. Ein Gespräch in Afrikaans. „Nach Durban“, schnappte Pakhet auf.

    „Ich sag den Ninern Bescheid.“

    „Das Arsch verbraucht sie auch.“ Ein verächtlicher Laut. Eine der beiden Stimmen war eine tiefe Frauenstimme.

    Gerne hätte Pakhet einen Blick mit Heidenstein getauscht, doch sie konnte ihn nicht sehen. Also blieb ihr nichts, als selbst eine Entscheidung zu treffen. Sie konnte aus keinem der Zimmer Laute hören, die auf Gefangene hindeuteten. Sie war sich dennoch sicher, dass das Gebäude etwas damit zu tun hatte. Oder war es einfach nur eine Drogenküche?

    Ein Gespräch von draußen. Schritte.

    Pakhet packte Heidenstein, drückte ihn mit sich selbst an die Wand des Flurs. Doch umsonst: Die beiden, die sie vorher hatten rausgehen sehen, kamen rein. Der Mann ging zur Tür, die Pakhet dem Geruch nach, als Toilette identifiziert hatte, die Frau zur ersten Tür, rechts vom Eingang.

    „Gib Mongo 'nen Tritt“, scherzte der Mann, halb in der Toilettentür stehend.

    „Mach ich“, erwiderte die Frau. „Wetten, dass er schon wieder eine fickt.“

    „Irgendwann bringt Jaco ihn um.“ Der Mann lachte, verzog sich dann in die Toilette, schloss die Tür.

    Pakhet drückte Heidensteins Schulter und er griff nach ihrer Hand, machte einen leisen Laut, um zu zeigen, dass er verstand.

    So schnell und leise wie möglich gingen sie zur Tür, durch die die Frau verschwunden war. Sie hatte sie wieder geschlossen, doch sie hatten keine Wahl.

    Kurz drückte Pakhet ihr Ohr an die Tür, lauschte. Als sie keine Schritt hörte, öffnete sie die Tür weit genug, um hindurchschauen zu können. Dahinter lag ein leerer Raum, jedenfalls war nicht mehr durch den Spalt zu sehen.

    Es schien ein Lagerraum zu sein. Noch immer lagen da Säcke. Säcke mit was? Es war auch egal.

    Sie öffnete die Tür etwas weiter, schlich hindurch und fand den Raum verlassen vor. Was ging hier vor?

    Doch als ihr Blick durch den Raum glitt, verstand sie. Die paar Säcke, die noch hier lagen, waren nur Teil von anderen Baumaterialien. Wahrscheinlich nicht, was ursprünglich in dem gute fünf mal fünf Meter großen Raum gelagert worden war. Doch im Betonboden, der erneut unversiegelt war, lag die Antwort auf die Fragen, die durch ihren Kopf kreisten:

    Eine metallene Falttür.

    Natürlich. Sie hatten ihre Opfer unter dem Haus versteckt. So verhinderten sie auch, dass man Schreie zu weit hörte. Es machte absolut Sinn. Und auf dem Video, das Michael ihr geschickt hatte, hatte es keine Fenster gegeben.

    „Fuck“, flüsterte sie, als sie zur Tür hinüberschlich.

    Metall, bereits etwas älter. Es würde sie nicht wundern, wenn die Tür quietschte. Sie blickte sich um.

    „Was sollen wir jetzt machen?“, fragte Heidenstein.

    „Gute Frage“, erwiderte sie leise. Sollten sie es riskieren? Hatten sie überhaupt eine Wahl?

    Sie holte tief Luft. „Wir gehen jetzt. Bevor der andere Idiot zurückkommt. So glauben sie vielleicht es ist er. Du gehst zuerst. Ich halte die Tür.“ Sie würden da unten gefangen sein, wenn sie nicht aufpassten.

    „Okay.“ Er klang unsicher, diskutierte aber nicht.

    Das mochte sie an Heidenstein. Er wusste, wann die Zeit war, über Dinge zu sprechen, und wann man schnell handeln musste.

    Pakhet lauschte. Soweit hörte sie keine weiteren Schritte. Wenn jemand unter der Falttür stand, hatten sie ein Problem. Doch sie mussten einfach hoffen.

    Also hob sie die Falttür an. Weit genug, als das Heidenstein hindurchpassen sollte. Sie war vorsichtig, hatte Glück. Es erklang ein Quietschen, aber es war nur leise.

    Sie versuchte es positiv zu sehen. Wenn sie richtig lag, waren nicht mehr als sechs Wachen hier: Der eine Typ draußen, die beiden in der Küche, die beiden, die sie gesehen hatten und dieser Mongo.

    „Okay“, hauchte Heidenstein.

    Pakhet glitt durch die Tür, ließ sie hinter sich zufallen.

    Sie hockte auf einer metallenen Treppe und kam sich vor, als wäre sie in einem anderen Haus.

    Der Gang, der vor ihr lag, hatte sie gar nichts von dem heruntergekommenen Haus oben.

    Die erste Assoziation, die sie hatte, war ein Krankenhaus. Der Gang knapp eineinhalb Meter breit, mit Linoleum ausgelegt. Die Wand war mit einer glatten Farbe weiß gemalt. Einzig die groben, mit Drahtabdeckung verhängten Kellerlampen an der Decke widersprachen diesem Eindruck.

    Hier waren auch Geräusche zu hören.

    Ihr Magen verkrampfte sich. Da war ein Stöhnen und unterdrückte, erstickte Laute. Die Geräusche von Sex. Aber auch andere Geräusche. Weinen, Wimmern.

    Der Gang war zwischen zehn und zwölf Meter lang. Auf jeder Seite gingen drei Türen ab, eine weitere war am Ende.

    Eine Tür stand auf und ein Licht von einer anderen, helleren Farbe als das gilblichen Kellerlampen fiel auf den Gang. Jemand – die Frau, die sie zuvor gesehen hatten – sah in den Flur. „Nkulo?“ Sie runzelte die Stirn, wandte sich wieder in den Raum. „Hast du das auch gehört?“

    Ein Keuchen war die Antwort.

    Pakhets Hand fand Heidensteins Arm. Sie griff ihn, hielt ihn fest. Sie wollte etwas tun. Wenn es nur sechs Leute waren, dann wäre es ein leichtes für sie, die Wachen zu überwältigen. Sie könnte wen auch immer sie hier festhielten, befreien.

    „Ruhig“, presste Heidenstein hervor.

    Sie nickte. Sie wusste selbst, dass vorschnelles Handeln zu Fehlern führte.

    Sie machte die ersten Schritte auf den Gang, vorsichtig Geräusche zu vermeiden. Ihre Hand hielt Heidensteins Arm umklammert.

    Da öffnete sich die Falltür über ihnen. Natürlich. Nkulo kam nach.

    Fuck. Hier im gut erleuchteten Gang würde er sie sehen, wenn sie stehen blieben. Also eilte sie so leise wie möglich nach vorne. Wo sollten sie hin? Gerade als sie vor dem Zimmer mit der offenen Tür waren, schaute die Frau heraus. „Nkulo?“ Sie runzelte die Stirn, ihre Augen folgten Pakhet und Heidenstein. „Bist du erst jetzt gekommen?“ Sie schaute weiterhin in ihre Richtung.

    Pakhet konnte nur einen kurzen Blick in das Zimmer werfen. Darin lag ein Mädchen, ein dunkelhäutiges Mädchen, nicht älter als achtzehn, aber wahrscheinlich jünger, mit hinter dem Rücken gefesselten Armen auf einem Tisch. Sie trug nichts weiter, als ein loses T-Shirt, das verschlissen und viel zu groß für sie war, während ein Mann sie vergewaltigte.

    Sie konnte die Frau einfach ausschalten, dann die beiden Typen, sagte sie sich. Dann konnte sie dem Mädchen helfen. Sie wollte dem Mädchen helfen. Warum tat sie es nicht?

    „Glaubst du es ist einer der Geister?“, fragte Nkulo, während er zu ihnen kam. Er schaute in den Gang, seine Augen jedoch unfokusiert. Er hatte sie nicht gesehen. Noch nicht.

    Geister? Sie wussten von Geistern?

    „Du kannst ihn fragen“, zischte die Frau. Wie sie das „ihn“ aussprach, suggerierte, dass es jemand besonderes war. Also noch eine Wache? „Ich glaube eher, wir haben Eindringlinge.“

    „Fuck“, kam es von hinter ihr.

    Arschlöcher.

    Und jetzt?

    Was konnten sie tun?

    Es war Heidenstein, der nach ihrem Arm griff, sie festhielt. Er sagte nichts, durfte nicht reden, jemand würde sie hören, zog sie jedoch weiter an sich heran. Dann flog etwas durch die Luft. Sie konnte nicht sehen, was es war, doch es landete knapp unterhalb der Treppe, und löste ein fallendes Geräusch aus. Die Klappe bewegte sich.

    „Sieh nach“, befahl die Frau, fuhr zur Falltür herum.

    „Fick dich“, murmelte Nkulo. Er schien von der Situation alles andere als überzeugt.

    Pakhet verstand. Was Heidenstein geworfen hatte, musste ein Trank gewesen sein. Ein schwaches Artefakt. Dergleichen gab es an einigen Orten zu kaufen, wenn man nur wusste wo. Vielleicht hatte er es auch selbst hergestellt, wie die Armbänder. Sie wusste immer noch nicht, wie umfassend seine Kräfte waren. Für den Moment war es nicht wichtig.

    Während Nkulo zur Treppe ging, eine Waffe vom Bund seiner Hose zog – eine Browning, wenn Pakhet nicht irrte – sah die Frau ihm hinterher.

    Heidenstein nutzte die Gelegenheit, um die ihnen nächste Tür, an der linken Seite des Flurs, zu öffnen, dagegen zu drücken und Pakhet mit sich in den Raum zu zerren.

    Sie schloss die Tür hinter ihnen, blickte sich um.

    Es war dunkel im Raum, doch der Zauber auf ihrem linken Auge erlaubte es ihr, zumindest Umrisse, dann Gestalten auszumachen. Und was sie sah, gefiel ihr gar nicht.

    Auch hier lagen Matratzen auf dem Boden, doch auf ihnen lagen Jugendliche. Pakhet zählte vierzehn von ihnen. Allesamt gefesselt und schlimmer noch: Wie Hunde mit Halsbändern und Ketten an Ringe in der Wand gebunden. Einige von ihnen wimmerten, weinten, doch schien keiner von ihnen wirklich bei Bewusstsein zu sein. Sie schienen in einem seltsamen Wachschlaf gefangen.

    Sie hörte ein Knurren.

    „Pakhet“, hauchte Heidenstein. „Wir müssen hier heraus.“

    „Was? Was ist los?“, zischte sie. Sie fuhr herum. Sie konnte nichts erkennen, doch ihre Instinkte schrien. Was war hier los? Irgendetwas Magisches. Aber was?

    „Astralraum“, antwortete Heidenstein. „Irgendetwas. Geist. Dämon. Raus!“

    Sie verstand. Wenn die Frage „menschliche Wachen oder Dämon“ lautete, dann nahm sie die menschlichen Wachen. Fuck.

    Es war vielleicht ein Fehler gewesen, hier herunter zu gehen. Sie saßen in der Falle.

    Nein, es gab keinen Grund panisch zu werden. Selbst wenn diese Truppe von Magie wusste, selbst wenn sie einen Schamanen oder vergleichbares bei sich hatten, so hieß das noch lange nicht, dass dieser mächtig genug war, um wirklich gefährliche Wesen aus der Anderswelt oder von der Astralebene zu beschwören. Wahrscheinlich waren es nur einfache Geister, simple Elementare, niedere Dämonen. Nichts, mit dem man nicht klar kam, sobald man selbst im Astralraum oder der Dämon materialisiert war.

    Ihre Hand tastete nach der Tür, während sie die Jugendlichen ansah. Sie konnte Dené nicht unter ihnen erkennen, sah jedoch kaum genug Kontrast, um sicher ausschließen zu können, dass sie unter ihnen war.

    Pakhet öffnete die Tür, quetschte sich heraus, sah sich um. Die Falltür war offen, die Frau stand davor. Ein anderer Mann kam aus der noch immer offenen Tür, machte seine Hose zu und zog dann die Waffe, während ein leises Weinen aus dem Raum zu hören war.

    Er blockierte ihnen den Weg. Großartig.

    Verdammt. Was jetzt? Was?

    Das Knurren erklang hinter der Tür, durch die sie gerade gekommen waren, ließ auch die Frau und Nkulo herumfahren.

    „Ich wusste doch, dass jemand hier ist!“, rief die Frau aus und dann fokussierten sich ihre Augen auf ihre Schatten.

    Ach, verflucht. Es hatte keinen Sinn.

    Pakhet zog die Pfeilpistole. Zielen war schwer, wenn man die eigene Hand, die eigene Pistole nicht sah, da sie für sie genau so unsichtbar war, wie für alle anderen. Doch sie schoss. Zwei Pfeile. Nach Gefühl. Einer endete im Nacken Nkulos, der sich mit der Hand hinfuhr.

    „Was zum  …“, keuchte er, zog den Pfeil aus dem Nacken hervor.

    Die Frau zog ihre Pistole, kam langsam auf sie zu.

    „Was?“, fragte Heidensteins Stimme leise.

    „Lass mich“, erwiderte sie. Sie versuchte auf die Frau zu zielen, während diese versuchte, dasselbe umgekehrt zu tun.

    Sie durfte sie auf keinen Fall Treffen. Wenn es hier einen Magier gab, durfte er ihr Blut nicht in die Finger bekommen. Magier, die das eigene Blut hatten, war ein ziemlich sicherer Weg, den Tod zu finden.

    Sie schoss. Drei Pfeile, ob der Entfernung. Eine Überdosis würde die Frau töten, doch im Moment war es Pakhet egal.

    Nkulo fiel um, während sich der Finger der Frau anspannte. Sie fluchte, machte mit der linken eine Bewegung. Dann schoss sie.

    Instinktiv sprang Pakhet nach vorn, verschwand durch die genüberliegende Tür und fand sich in einem ihr bekannten Raum wieder. Der Raum, in dem das Video, das sie gesehen hatte, gedreht worden war. Er war leer.

    Heidenstein war hinter ihr. Er keuchte.

    „Alles okay?“, fragte Pakhet.

    „Ja, bisher“, erwiderte er. Er hielt inne, sah sich wahrscheinlich seinerseits um, fluchte.

    Neben dem Sofa, auf dem das Video gedreht worden war, fanden sich hier tatsächlich drei Kameraständer. Sie schienen solche Videos häufiger zu drehen. Übliche Verkaufsstrategie? Der Gedanke ließ Übelkeit in ihr aufkommen.

    Das Geräusch eines fallenden Körpers, dann ein Ruf, Schritte auf der Treppe.

    Heidenstein bewegte sich. Er ging zur Tür. Das leise Zischen seiner Dartgun war zu hören und ein wütender Aufschrei.

    Schüsse erklangen im Flur, doch Heidenstein war schon wieder bei ihr.

    Sie warteten, während die Schritte näher kamen. Dann fiel auch der dritte Typ, wohl Mongo, um.

    „Du ahnst gar nicht, wie dankbar ich für das Zeug bin“, hauchte Pakhet. Im Moment war es ihr wirklich egal, ob sie tötete – es ihr nur darum, wie viel sauberer die Dartgun war. Das Gift wirkte, die Leute fielen um. Nicht vollkommen ohnmächtig, aber unfähig noch was zu tun und vor allem ohne viel Krach zu machen.

    „Was jetzt?“, fragte Heidenstein.

    „Wir schauen uns um“, antwortete Pakhet, „verschaffen uns eine Übersicht. Dann sehen wir zu, dass wir zumindest das Mädchen herausholen.“

    „Okay.“ Seine Hand suchte nach der ihren. Als sie ihm entgegen kam, merkte sie, dass er die Kamera in der Hand hatte. „Ich kümmer mich um das Mädchen, du siehst dich um.“

    „Okay.“

    Sie nahm die Kamera. Sie hatte keine Zeit, sie sich umzubinden, hielt sie stattdessen vor sich und ging aus dem Zimmer heraus. Sie war im letzten Zimmer auf der rechten Seite. Das Zimmer, in dem sie zuvor gewesen waren, war das letzte auf der linken gewesen. Das Zimmer am Ende des Raumes, war das naheliegendste.

    Sie streckte ihre Hand nach der Türklinke aus, hielt dann aber inne. Ein ungutes Gefühl überkam sie.

    Was zur Hölle?

    Sie konnte erst die anderen Zimmer überprüfen.

    Also ging sie: Das mittlere Zimmer auf der rechten Seite war das, in dem ein nun sichtbarer Heidenstein auf das Mädchen zuging. Sie sah ihn angsterfüllt an, während er sanft auf sie einredete. „Alles in Ordnung. Ich bin hier um dir zu helfen.“ Er sprach mit der Stimme eines Arztes, sprach in Afrikaans. „Verstehst du mich?“

    Pakhet nahm die Tür gegenüber, machte das Licht hier an.

    Dasselbe wie im Nachbarraum, nur weniger Jugendliche – und es waren ausnahmslos Jugendliche. Keiner von ihnen war Älter als vielleicht einundzwanzig, maximal dreiundzwanzig.

    Auch sie in einem Wachkoma gefangen, auch sie einem gefangen.

    Ihr fiel auf, dass knapp die Drittel der Jugendlichen weiß waren. Entweder sie suchten speziell danach oder es sagte etwas darüber aus, von wo sie die Jugendlichen einsammelten.

    Einer der dunkelhäutigen Jungen – Pakhet schätzte ihn auf nicht älter als sechszehn – der Nahe an der Tür lag, rührte sich anders als die anderen nicht. Er weinte nicht, wimmerte nicht, zitterte nicht. Seine Augen waren glasig.

    Unwillkürlich ging Pakhet zu ihm hinüber, kniete sich neben ihn, tastete nach seinem Puls. Da war nichts. Seine Haut war kalt.

    Verdammt, was machten sie mit diesen Jugendlichen? Wieso waren sie ohnmächtig?

    Pakhets Augen glitten über die Gruppe und sie erkannte schließlich einen braunen Schopf.

    „Dené“, hauchte sie, stand auf, ging zur ihr hinüber.

    Das Mädchen zitterte, wimmerte, wie die anderen.

    Pakhet schüttelte sie. „Dené?“ Sie ahnte, dass es keinen Sinn hatte. Dennoch versuchte sie es.

    Dann ein Knurren. Natürlich. Was hatte sie erwartet?

    Sie schaute gerade rechtzeitig auf, um zu sehen, wie eine Bestie auf sie zusprang.

    Das Wesen war gute zweieinhalb Meter groß, erinnerte an einen Schakal, nur das es kein Fell hatte, das Maul unnatürlich in die Länge gezogen war und seine beinahe schwarze Haut so eng an den Knochen lag, dass es wirkte, als wäre sie über das Skelett gezogen. Die Augen des Wesens glühten wie rote Kohlen.

    Pakhet sprang zur Seite. Zu spät erkannte sie, dass das Ungeheuer, aus dessen Pfoten lange Klauen ragte, die Jugendlichen automatisch zerreißen würde.

    Doch nichts dergleichen geschah. In der Luft stieß sich die Bestie von einer unsichtbaren Wand ab und schnappte nach Pakhet.

    Sie duckte sie, spürte aber, wie die Fänge über ihre Weste glitten. Wäre das Leder nicht verzaubert, wären sie zu ihrer Haut durchgedrungen.

    Pakhet rollte sich über den Boden, zog ihr Messer aus der Schneide an ihrem Bein, machte derweil die Kamera an ihrem Gürtel fest, in der Hoffnung, dass sie den Kampf überlebte. Sie deaktivierte den Armreif, wohl wissend, dass er gegen die Bestie eh nutzlos war. Das Wesen knurrte sie an. Zu ihrer Überraschung schwang Sprache in dem Knurren mit – auch wenn sie die Sprache nicht verstand. „Chetem!“

    „Lass diese Kinder in Ruhe!“, erwiderte sie. Wahrscheinlich verstand das Wesen genau so wenig, wie sie.

    Einige der Jugendlichen rührten sich. Also war es die Magie dieses Wesens, dass sie gefangen hielt? Was sollte sie tun? Was konnte sie tun?

    Sie musste das Ungeheuer umbringen. Vielleicht konnte sie die Jugendlichen so wecken!

    Der Schakal machte sich zum Sprung bereit, sprang auf sie zu – sofern man von in dem kleinen Raum von einem Sprung reden konnte. Sie duckte sich, leitete Energie in ihre Beine und sprang nach vorne. Sie rollte unter den Schakal, hackte mit dem Messer nach seinen Beinen. Wenn sie die Sehen durchtrennte, würde der Kampf einfacher werden.

    Der Kopf des Wesens wandte sich nach unten. Zwei lange, zähnebesetzte Kiefer schnappten nach ihr, aber sie war schneller. Ihr Messer schnitt durch die Sehnen an den Hinterbeinen, brachte es zu Fall.

    Es würde heilen, doch so lange würde sie ihm keine Zeit lassen. Sie sprang auf den Rücken der Kreatur, die versuchte, sich zu drehen. Pakhet schaffte es dennoch das Gleichgewicht zu halten, als die Kiefer wieder in ihrem Weg waren.

    Sie musste ausweichen, schaffte es jedoch mit dem Messer einen Schnitt über die Nase zu versetzen. Verdammt.

    Die Kiefer würden sie erwischen, wenn sie vorging, wie sie es vorhatte. Also ein anderer Plan.

    Sie wich zurück, während der erste Jugendliche zu schreien begann. Es war ein Schrei des blanken Horrors. Kam es mit dem Erwachen?

    Sie musste sich später darum kümmern.

    Erst einmal andere Prioritäten.

    Sie wich zurück, durch die Tür, auf den Flur. Sie hielt das Messer vor sich. Sie hatte auch noch eine normale Pistole im Holster. Wenn sie von den Jugendlichen weg war.

    Mit hochgezogenen Lechzen folgte das Ungeheuer ihr, schnappte mehrfach nach ihr, die glühende Augen auf ihr Messer fixiert.

    Das Holster war an ihrer linken Seite, so dass sie mit ihrer Prothese nach der Pistole greifen musste. Sie brauchte länger, als mit ihrer normalen Hand, das Holster zu öffnen.

    „Pakhet, was  …“, fragte Heidenstein, der das Mädchen stützte.

    „Bring sie zurück.“ Sie sah ihn nicht an. Dafür hatte sie keine Zeit. Sie wollte den Schakal keine Sekunde aus den Augen lassen.

    Sie beschleunigte ihren Rückwärtsgang, brachte etwas Abstand zwischen sich und das Ungeheuer. Sie hatte jetzt die Pistole in der Prothese, hob sie, griff sie mit der Rechten, hielt sie zusammen mit dem Messer, als das Ungeheuer zu ihr sprang.

    Sie schoss. Ein Mal. Zwei Mal. Drei Mal. Vier Mal  … Sie entleerte das gesamte Magazin in Kopf und Brustkorb des Ungeheuers, das zurückstolperte, ehe seine Augen verloschen.

    In einem Moment tropfte schwarzes Blut zu Boden, im nächsten Moment löste sich das Monster in schwarzen Dampf auf, der innerhalb von fünf Sekunden verschwand.

    „Doc!“, bellte Pakhet. „Bring sie raus. Ich hole Dené.“

    Heidenstein nickte. Er nahm das Mädchen. „Wir müssen gehen. Ich bringe dich hier weg.“ Sanft schob er sie auf den Flur, während Pakhet zurück zur Tür lief, aus der nun mehrere Schreie erklangen. Die anderen Jugendlichen mussten erwacht sein.

    Was sollte sie mit ihnen machen? Sie hatte keine Möglichkeit sie wegzubringen. Aber sie konnte sie auch nicht einfach hier lassen. Und wenn sie etwas über Wachgeister wusste, dann, dass es meistens einen Schamanen gab, der wusste, wenn seine Kreatur kämpfte.

    Sie war auf halben Weg zur Tür, als ein Geräusch dafür sorgte, dass sie sich umdrehte. Wie hatte sie es überhaupt über die Schreie gehört?

    Sie schaute sich um und stellte fest, dass sich die Tür am Ende des Ganges geöffnet hatte. Das Licht einer Flamme war darin zu sehen. Dann erschlug der Gestank sie förmlich, der faulige Geruch des Todes.

    „Was  …“, würgte sie, als ein Schatten aus dem Zimmer glitt. Sie brauchte eine Sekunde, um zu begreifen. „Doc!“, rief sie. Doch es war zu spät. Sie konnte nicht schnell genug reagieren.

    Ein dunkler Kopf schnellte vor, ignorierte sie, fasste nach etwas anderem. Pakhet schlug mit dem Messer zu, jagte die Klinge tief in den Rücken der Schlange, deren Körper so breit, wie ihr Unterarm lang war.

    Das Mädchen schrie und zu spät erkannte Pakhet, dass die Schlange ihre Zähne tief in der Hüfte des Mädchens vergraben hatte.

    Erneut schlug sie mit dem Messer zu, durchtrennte mit drei kräftigen Hieben den Körper der Schlange bis auf ein letztes Stückchen Sehnen und Haut.

    Der Kopf ließ locker, löste sich auf – auch die Schlange war ein Dämon. Natürlich. Blut floss aus der Wunde hervor. Das Ungeheuer musste eine Arterie erwischt haben. Nein.

    Heidenstein fing das Mädchen, ließ sie zu Boden gleiten, drückte seine Hand gegen die Wunden. Er schloss seine Augen, machte sich wahrscheinlich bereit zu zaubern.

    Derweil lag der Körper der Schlange immer noch da, spannte sich an und dann schoss – umgeben von einem seltsamen gräulichen Schleim – ein neuer Kopf aus dem Hals der Schlange hervor, schnellte auf Heidenstein zu.

    Pakhet hieb erneut zu. Sie dachte darüber nicht nach. Ihr Instinkt befahl ihr, zu versuchen, die Schlange mit dem Messer festzuhalten. Sie wusste, dass sie anders nicht gegen die Bestie ankam.

    Es funktionierte. Irgendwie. Der Kopf der Riesenschlange ruckte, fuhr dann zu Pakhet herum. Sie zischte, versuchte nach ihr zu schnappen und Pakhet schaffte es nur knapp ihr auszuweichen.

    Fuck. Was hatte es mit diesen Dämonen auf sich? Sie hatte nichts hier, um einen Dämon zu versiegeln und wie dieses Biest aussah, auch nichts, um es zu zerstören. Es sei denn …

    Sie sah zu Heidenstein, der sich um das Mädchen kümmerte.

    Es gab einen Weg. Sie hatte zwei Granaten dabei. Wie immer. Sie mochte Granaten nicht, aber sie waren eine Lösung für diverse Notfälle. Dämonen gehörten zu den Notfällen. Dämonen gehörten definitiv dazu.

    Sie musste nur aufpassen, die Jugendlichen nicht zu verletzen oder diesen verfluchten Keller einstürzen zu lassen.

    Sicher, sie rechnete damit, dass im zweiten Raum – vielleicht auch in einem dritten – noch ein Schakal war. Mit den Schakalen kam sie klar, da sie offenbar ihre physische Gestalt verloren, wenn man tat, was normale Tiere getötet hätte. Diese Schlange war anders. Ein mächtigerer Dämon. Sie hasste die Monsterjagd, hatte es aber zwei oder drei Mal mit einem ähnlichen Biest aufgenommen. Sie regenerierten, aber Explosionen und Feuer löschten sie zumeist aus.

    Heidenstein würde einige Minuten brauchen. Sie musste sie ihm verschaffen.

    Als die Schlange erneut nach ihr schnappte, stieß sie das Messer durch das Maul des Biests, um so die Kiefer zu blockieren. Sie malte sich aus, dass es eine bessere Möglichkeit war, als den Kopf erneut abzuschlagen. Selbst wenn der Schlange irgendwann die Energie zur Regeneration ausgehen würde.

    Sie wich weiter zurück, während die gelblichen Augen der Schlange ihr folgten. War es Hass, der in ihnen funkelte? Vielleicht bildete sie es sich nur ein, aber Pakhet wich zurück.

    Sie stolperte fast über den langen Körper der Schlange, der den ganzen Flur auszufüllen schien. Wie lang war das Untier? Sie war länger als der Flur, lag doch noch immer ein Teil von ihr in dem Zimmer am Ende.

    Das Zimmer! Wenn sie darin die Granate hochgehen ließ   … Vielleicht. Es konnte funktionieren. Sie hasste es Risiken der Größenordnung einzugehen, hatte im Moment allerdings kaum eine Wahl.

    Also lief sie. Sie hatte die nun offene Tür innerhalb weniger Sekunden erreicht, zwang sich, weiterzulaufen, auch als der Gestank unerträglich wurde. Der Kopf der Schlange folgte ihr, als das übergroße Reptil sich wandte, um sie zu verfolgen. So waren zumindest Heidenstein und das Mädchen sicher.

    Sie war an der Tür.

    Fackeln erhellten den Raum dahinter, der zu Pakhets Überraschung rund, nicht eckig war. Er war wie ein Dom aufgebaut. Ein Radius von knapp sechs Metern. Die Wände waren mit Zeichen bemalt, die Pakhet nicht erkannte. Sie hatte auch nicht genug Zeit ihnen zu viel Aufmerksamkeit zu schenken.

    Das Feuer der Fackeln wirkte unnatürlich. Magie?

    Und der Gestank! Der Gestank  …

    Pakhet sprang über den Körper der Schlange, landete im Zimmer, hörte ein trockenes Knacken, wie ein großer Ast. Der Boden war klebrig, nass.

    Sie blickte zu Boden, bereits ahnend, was sie sehen würde. Überreste. Man konnte nicht einmal mehr von einer Leiche sprechen. Überreste. Menschliche Überreste. Knochen. Vermodertes Fleisch.

    Und etwas, das in der Luft hing. Etwas  …

    Sie sah sich um. Die Tür wirkte viel weiter weg. Das hier musste eine Taschendimsion sein! Eine Falle! Ein  …

    Sie hörte eine Stimme. Die Stimme eines Mannes. Er sprach, sang fast, auch wenn sie ihn nicht verstehen konnte. Und da war er, in der Mitte des Raums, ein abgemagerte Mann, dessen Alter sie nicht hätte schätzen können. Er war glatzköpfig, hatte glühende Augen – wie die Schlange.

    Er fixierte sie, ehe einen Augenblick später eine unsichtbare Hand nach ihr zu greifen schien. Sie konnte sich nicht bewegen. Aber sie musste. Sie musste.

    Schmerz.

    Sie merkte, wie Blut von ihrer Schulter tropfte.

    Erst dann wurde ihr bewusst, dass die Zähne der Schlange ihre Haut durchdrungen hatten. Wie?

    Es musste ein Zauber sein, der sie festhielt. Es brannte. Die Zähne der Schlange brannten.

    Ein Schrei wollte ihrer Kehle entrinnen, doch sie beherrschte sich. Sie konnte ihren linken Arm bewegen, die Prothese, die nicht unter dem Zauber zu liegen schien. Also bewegte sie sie, griff an den Gürtel, in die kleine Tasche, in der die Granaten lagen. Und jetzt? Wollte sie sich selbst mit dem Biest in die Luft sprengen? Nein. Wollte sie nicht.

    Sie musste hier heraus. Sie musste hier heraus. Die Zähne der Schlange waren giftig und sie musste hier heraus, bevor das Gift sie übermannte. Dann würde sie enden wie die kläglichen menschlichen Überreste auf dem Boden. Waren das auch einmal Jugendliche gewesen? War ein Teil von ihnen dieser Schlange geopfert worden?

    Blutopfer machten Dämonen stärker  …

    Sie konnte ihre rechte Hand etwas bewegen. Genug um die Granate zu halten, die sie mit der Prothese in die Hand legte.

    Sie schloss die Augen, sammelte ihre Energie. Zauber übermannten den Geist, nicht den Körper. Ihr Wille würde den Zauber abschütteln, nicht ihr Körper. Also legte sie ihre Energie darein, in ihren Willen, versuchte die unsichtbaren Ketten des Zaubers zu durchbrechen. Fuck. Es war ein mächtiger Zauber. Ein Zauber wie unsichtbarer Stahl. Doch sie konnte hier nicht sterben. Sie durfte nicht!

    Hatte Michael davon gewusst? War das eine Falle gewesen? Hatte er gewollt, das sie starb? Hätte er sie dann nicht vor sieben Jahren sterben lassen können?

    Sie spürte die Wut, als sie an Michaels Worte dachte, an seine Art. Nein. Sie würde nicht hier sterben. Das würde sie ihm nicht geben.

    Sie konnte ihren Arm bewegen, schaffte es das Maul der Schlange zu packen. Sie erinnerte sich an den Reflex der Schlangen loszulassen, wenn Druck auf ihren Kiefer kam. Galt es auch für Dämonenschlangen? Vielleicht war das der Moment es herauszufinden. Also schlug sie zu und spürte, wie sich der Kiefer der Schlange lockerte. Nun packte sie die Granate, löste die Sicherung, zündete sie und steckte sie in das Maul der Schlange. Dann lief sie.

    Nein, eigentlich hinkte sie mehr zu der Tür, die jetzt viel weiter weg schien. Sie musste hier heraus.

    Blut lief über ihre Weste, ihren Arm, tropfte an ihr zu Boden.

    Der Boden war mit menschlichen Überresten übersät. Hier würde ihr Blut verunreinigt werden, verunreinigt mit den Überresten anderer Menschen. Es würde nichts bringen, aber im Flur.

    Sie musste hieraus, ehe die Granate hochging. Sie musste  …

    „Pakhet!“, erklang Heidensteins Stimme.

    Er war an der Tür. Was war mit dem Mädchen? Es war bleich.

    Irgendwie erreichte sie die Tür, schob ihn in den Flur, schlug die Tür zu. „Granate.“

    „Was ist mit dir passiert?“, fragte er.

    „Schlange“, erklärte sie. Sie wusste, dass sie nicht lange mehr würde stehen können. „Das Mädchen?“

    Er schüttelte den Kopf.

    Der ferne Klang einer Explosion. Ein Schrei. Die Schreie der Jugendlichen waren verklungen. War es vorbei?

    Pakhet sank halb gegen Heidenstein. Sie merkte, wie er etwas gegen ihre Wunde drückte. Fuck. Sie musste hier weg. Sie musste  …

    „Pakhet“, hörte sie Heidensteins Stimme. Sie meinte Schmerz aus der Stimme zu hören, aber auch Panik. Er zog sie hoch. „Pakhet?“

    Sie presste die Augen zusammen, öffnete sie dann. Das Bild vor ihren Augen war verschwommen. Verdammt. Sie musste  … Sie musste hier heraus.

    Ich antworte mal auf die ganzen Kommentare. Danke euch. Ich freue mich total! :3


    Jedenfalls, mir hat besonders die Actionszene im zweiten Kapitel gefallen. Man sieht hier wieder Pakhets Erfahrung, weil sie die Situation schon direkt analysiert und sich überlegt, wie sie dann taktisch vorgeht. Und die Darstellung des tatsächlichen Kampfes danach fand ich dann auch sehr gelungen, weil es so ein plausible Kampfszene war - außerdem hatte es etwas sehr Zufriedenstellendes, zu lesen, wie Pakhet die Typen mit relativer Leichtigkeit aufmischt und Murphy dann am Ende auch noch ein bisschen was tut. Das war eine echt coole Szene.

    Danke dir. Das freut mich. Auf jeden Fall ist es halt wirklich so, dass in vielen der Kämpfen zu diesem Zeitpunkt es halt wirklich so ist, dass Pakhet einfach deutlich mehr Erfahrung hat, als die meisten Streetthugs. Vor allem hat sie wirklich Kampfausbildung genossen und macht halt bewusst auch Kampfsport.


    Ansonsten ... Ach, der Doc. Irgendwie tut er mir auch leid, dann wiederum ... Wenn es halt für Pakhet so ist, dass sie dem nicht viel Bedetung beimisst, well, dann ist das so. Aber grundsätzlich merkt man eben, dass der Doc schon ein gutes Herz hat, nur ... Er passt irgendwie nicht dort hinein, oder? Nun ja.

    Das ist irgendwie das Motto der heutigen Kommentare. Haha. Ja, der Doc ist eigentlich zu gut für die Welt, in der er lebt. Wobei auch er schon getötet hat, aber anders als Pakhet steckt er das nicht so einfach weg. Und ja, auch was Sexualität angeht, hat sie halt eine andere Bewertung der Sachen.


    Ach ja, apropos Doc: Neue vollkommen unbegründete Hypothese ist, dass die Sache irgendwas mit dem "Umfeld" vom Doc zu tun hat, womit Pakhet und er quasi auf gegnerischen Seiten stünden - und vielleicht würde das dann sogar Zweifel an der Gutmütigkeit vom Doc streuen. Aber ja, wie gesagt, komplett unbegründet. Es wäre dann halt ein besonders hinterhältiger Schachzug von Michael, um Pakhet (wieder) zu isolieren, aber ... Ja. Null Beweise von meiner Seite. Blubb.

    Ich verrate mal nichts. Wobei, eine Sache: Es dauert ein wenig, bis ihr Victor kennenlernt.


    Ja, die Kampfszene war recht gelungen.

    Danke dir :3


    Die Frage ist natürlich was man mit denen macht. Scheinbar hat sie die ja liegen lassen.

    Ja, haben sie. Sie haben halt nicht wirklich die Möglichkeit, sie irgendwie mitzunehmen. Sie sind ja nur mit dem Auto da.


    Dann gäbe es noch die Möglichkeit, dass Dene einfach ein Scout ist, die Anderen bessere Plätze verspricht und nun einfach die Stadt wechselt.

    Weil sie sich als kompetent erwiesen hat und nun fest angestellt mitspielen darf, oder weil sie auffviel und man nicht wusste ob sie identifiziert werden kann, oder vielleicht weil sie selbstständig werden wollte, was natürlich recht krass ihren Eltern gegenüber wäre.

    Selbst falls sie ein Scout wäre, Menschen haben in der Regel echte Beziehungen und vollziehen Schreckliches durch Dehumanisation.


    Oder die aller einfachste Sache, Michael weiß dass sie schon tot ist und will Pakhet damit mental verletzen.

    Morgen gibt es dann das nächste Kapitel. Das wird zumindest ein paar wichtige Informationen.


    was macht man um halbvier abends

    "Abends" ... So kann man 3:40 auch nennen.


    Ich hab nun überlegt, ob ich wieder zu jedem einzelnen Kapitel einen Kommentar schreiben, aber ehrlich gesagt wäre mir das dann doch etwas too much. Wollte mich da auch lieber auf den Inhalt an sich konzentrieren und nicht dauernd zum Kommentar rüberspringen. Daher denke ich, ist es das Beste, wenn ich meine Gedanken mal zusammenfasse.

    Das ist schon in Ordnung. Ich freue mich über jeden Kommentar :P


    Punkto Anderswelt: Wenn es in der "normalen" Welt Geisterzüge mit Zombies und Hexen gibt, scheint die Anderswelt gar nicht so viel außergewöhnlicher zu sein? xD

    Oh, glaub mir, die Anderswelt ist wirklich sehr anders. Weil die folgt halt wirklich eigenen Regeln. Zombies und vor allem Hexen sind jetzt erst einmal nicht so ungewöhnlich. Die Folgen noch immer grob unseren Regeln.


    Was sich über die gesamte Story von Mosaik hinwegzieht, dass das Chaosteam Pakhet wichtig wird und sie auch mehr emotionale und menschliche Nähe durch Heidenstein zulässt, gefällt mir glaube ich am meisten an Mosaik. Also neben deinem Setting und allem, aber ein interessantes Setting alleine trägt ja bekanntlich auch nicht unbedingt eine Story.

    Das freut mich. Das ist auch in meinen Augen halt das Herz der Geschichte. Für mich ist das ganze Drumherum letzten Endes Extra und das Herz ist wirklich Pakhet und ihr Chaotenhaufen :P



    Normalerweise würde mir ein (weiblicher) Hauptcharakter wie Pakhet auch wohl kaum zusagen, aber du schreibst sie um einiges reflektierter als diese Protagonistinnen sonst so sind und weißt darum, dass sie sich nach außen unnahbar gibt, weil ihr schwerfällt Nähe zuzulassen und sie sich in Wahrheit um ihr Team und Heidenstein kümmert. So gerät sie ja auch immer in Situationen, in denen sie selbst hinterfragt wie sie da hineingelangt ist, nur weil sie jemanden beschützt. Pakhet ist mir überraschenderweise sympathsicher als ich anfangs gedacht hätte, oder als diese Protagonistinnen es sonst so sind.

    Ob das zwischen ihr und Heidenstein wirklich nur Sex war (also aus ihrer Sicht)? Das wird sich noch zeigen, denke ich, aber ich kann mir vorstellen, dass die Situation natürlich awkward af für beide ist. Das ist auch sehr natürlich wie beide darauf reagieren und dass Pakhet ihm ein wenig aus den Weg geht.

    Ich freue mich natürlich sehr, dass dir das gefällt, obwohl ich weiß, dass du die Art von Charakter normal eigentlich nicht magst.

    Und für sie ... nun, es ist halt kompliziert. Sie hat halt wirklich keinen großen Wert an Sex, aber es ist halt einfach auch so, dass sie normal wirklich nicht mit Leuten schläft, mit denen sie irgendwie enger etwas zu tun hat. Das macht es halt schon zu einer anderen Sache.


    Mein Favorit aus Mosaik ist aber soweit (und ich nehme mal an, dass wird auch so bleiben, wenn er mich nicht richtig, richtig enttäuscht) Murphy. xD

    Murphy: "Natürlich bin ich das!" :P


    Was könnte denn da groß schief gehen.

    Quasi nichts ;)


    Ansonsten mochte ich den (mehr oder weniger) Schlagabtausch zwischen Pakhet und den Doc ganz gerne. Und ich fand die Herleitung von Heidensteins Namen ziemlich cool. Wäre von selbst bestimmt nicht darauf gekommen, dass Hyde ein Bestandteil davon ist, haha.

    Dafür kann ich ja keinen Credit einnehmen, weil der Name ja vonn meinem Exfreund erfunden.


    Und gut die Konversation zwischen Pakhet und Michael kann ich wahrscheinlich mit einen Satz zusammenfassen:

    Kann mal jemand bitte diesen Typen in die Fresse schlagen, lol.

    Das wird leider eine ganze Weile dauern ...

    Eine Frauenquote bedeutet nur, dass solange die Quote nicht erfüllt ist, bei gleicher Qualifikation der weibliche Kandidat eingestellt werden muss

    Das ist allerdings nur eine Möglichkeit, was unter einer Frauenquote zu verstehen ist. Es gibt z.B. auch die Möglichkeit einer starren Quote oder einer Quote mit Mindestanforderungen.

    Das ist nicht "eine Möglichkeit", das ist tatsächlich die Regelung, die sich dahinter verbirgt. Das andere ist ein Missverständnis, was bei Leuten aufkommt, die sich damit nicht beschäftigt haben.

    Ich weiß auch dass man irgendwo ansetzen muss, aber für eine feste Quote zu stehen und damit Unternehmen zu "zwingen" (bitte nicht falsch verstehen, mir ist grad kein anderes Wort eingefallen) so und so viele Frauen einzustellen, obwohl sie Kandidaten gehabt hätten die von der Leistung oder den Fähigkeiten her besser gepasst hätten ist in meinen Augen halt nicht der richtige Weg.

    Das ist nicht was eine Frauenquote bedeutet. Eine Frauenquote bedeutet nur, dass solange die Quote nicht erfüllt ist, bei gleicher Qualifikation der weibliche Kandidat eingestellt werden muss, weil halt eben ohne eine solche Quote bei gleicher Qualifikation immer wieder der Mann eingestellt/befördert wird.