Beiträge von Eagle

    Noch ein wenig von mir und frei von der Leber weg zum Spiel:


    Im Moment halten sich viele Bewertungen für das Spiel im oberen 6er Bereich und im unteren 7er Bereich auf (von maximal zehn Punkten). Ich sehe immer noch viel Hass und viel falschen Hype um das Spiel, also Leute, die mit Null- oder Zehn-Bewertungen um sich rumschmeißen wie es ihnen gerade lieb ist. Klar sein sollte, dass ein funktionierendes Spiel niemals eine null bekommen kann. Denn eine Null-Bewertung heißt, dass ein nicht-funktionierendes Produkt gekauft wurde. Fast dasselbe kann man von einer Eins- oder Zwei-Bewertung sagen. Hier müssen schwerwiegende Fehler das Spielvergnügen unterbrechen oder das Spiel fast unspielbar machen. Eine drei heißt in etwa, dass das Spiel zwar funktioniert, aber nicht so, wie es sollte. Typisches Beispiel: keine Kollisionsabfrage mit Objekten, Ausrüstung funktioniert nicht, kaputte künstliche Intelligenz und so weiter. Ab vier fängt das Bewerten eines funktionierenden Produkts richtig an und endet bei zehn. Wobei eine zehn nicht mit "das beste Spiel aller Zeiten" interpretiert werden soll, sondern einfach ein unglaublich gutes Produkt, das trotz kleinerer Mäkel alles richtig macht und noch mehr. Biomutant hat dieses Siegel nicht verdient. Denn ein Rollenspiel mit durchwachsener Geschichte hat ein Problem. Deshalb akzeptiere ich alle Bewertungen, die bei einer Bewertung von fünf (für durchschnittlich) von zehn Punkten anfangen und bei acht aufhören. Alles darüber oder darunter wird dem Spiel und dem, was es bietet, nicht gerecht.


    Für viele ist der Preis ein Grund, sich von dem Spiel zu distanzieren. Denn der Hersteller will 60 € haben. Das entspricht dem, was die Triple A Hersteller für ihr Produkt haben wollen. Manch einem ist der Preis zu gesalzen. Das kann ich verstehen. Gleichzeitig muss man betonen, dass das Spiel vier, fünf Jahre entwickelt und wurde und eine Menge Herzblut hineinfloss. Große offene Welt, viel zu tun, Anpassung der Spielfigur, Beute, Story … Auch wenn Biomutant das Rad nicht neu erfindet und man oft auf Wiederholungen stößt (Rätsel sind beispielsweise wenig einfallsreich oder die typischen "Fetch-Quests") kam ich vollständig auf meine Kosten. Und ich freue mich darauf, das Spiel in einem Jahr oder so mit einem neuen Charakter, geänderten Entscheidungen und Spielstil neu zu entdecken.


    Wie bereits gesagt, hat es seine Stärken und Schwächen. Weil es sich um ein junges Entwicklerstudio handelt und es ihr erstes Produkt ist, gehe ich weniger streng mit dem Produkt ins Gericht. Das sollte berücksichtigt werden. Gut ist, dass sie sich ihrer eigenen Fehler bewusst sind und im Moment kräftig nachliefern. Es gibt natürlich Dinge, die sich nicht oder kaum ändern lassen. Meine Endbewertung ging aufgrund der wenig epischen Geschichte und Art, wie diese erzählt wird, in die Knie. Mir war von Anfang an bewusst, dass es sich bei Biomutant nicht um etwas wie Chrono Trigger oder Final Fantasy handelt. Was aber nicht heißt, dass ich nicht einige Erwartungen in das Produkt lege. Die wurden in Bezug auf die Geschichte leider nicht erfüllt.


    Ja, es gibt Entscheidungen. Und ja, Entscheidungen beeinflussen das Spielerlebnis. Doch leider nicht in einer Form und Menge, wie ich es mir gerne gewünscht hätte. Es gibt einige Dinge, die ich gerne gesehen hätte, die sich wunderbar in das Karma-System integriert hätten und ein wirkliches Dilemma erzeugt hätten. Darunter zum Beispiel wirklich interessante Side-Quests, bei denen ich im Laufe des Quests vor die Wahl gestellt würde, ob ich lieber einen völlig anderen Weg einschlagen würde, quasi mein ursprüngliches Ziel verraten oder sogar für einen anderen NPC gehandelt hätte. Für besseren Loot, Geld oder eine völlig neue Geschichte. Solche Interessenskonflikte fehlen und würden das Karma-System wunderbar ergänzen.


    "Show, not tell" ist etwas, was man in Bezug auf Geschichten immer wieder zu hören bekommt. Übersetzt heißt das, dass man auch wirklich zeigen soll, das etwas passiert, statt nur darauf hinzuweisen. Biomutant hat das, glaube ich, lediglich zweimal in meinen 40 Stunden gemacht. Beispielsweise, als ein Dorf von Banditen angegriffen und gebrandschatzt wurde. Statt also zu einem NPC zu gehen, damit dieser mir dieses Quest erst gibt, habe ich das das Geschehen bereits von Weitem erblickt. Solche Dinge fehlen zuhauf. Dieses typische Quest-System, bei dem ich zu einem NPC gehen, das Ziel erfüllen und dann wieder zurückgehen muss, ist überholt und öde. Vor allem, wenn es am Ende keinen wirklich interessanten Dialog/eine interessante Geschichte und nur eine magere Belohnung gibt. Eine große offene Welt wie in Biomutant würde sehr von zufälligen Geschehnissen (random events) profitieren. Dinge passieren. Sie passieren, weil sie passieren, und nicht weil mir das jemand sagt. Wie ich in meinem Review gesagt habe, sind es die eigenen Limitierungen, die das Spiel leider zurückhalten.


    Tl:dr: Wer eine epische Story erleben möchte, wird von Biomutant leider enttäuscht. Wer auf Erforschung, Loot und Kämpfe steht und die Story eher nebensächlich ist (typisch Looter Shooter eben), der wird mit dem Spiel wahrscheinlich eine gute Zeit haben. Im Moment liefert der Entwickler mit Updates kräftig nach. So wurde beispielsweise das Tutorial interessanter gemacht und bessere Optionen bei den Dialogen (einer meiner Kritikpunkte mit dem langsamen Unterhaltungen) geschaffen. Wer mit den 60 € hadert, sollte sich am besten das ein oder andere Let's play vorher anschauen. Ansonsten kann es sich auch lohnen, auf einen Rabatt zu warten.

    Biomutant



    Allgemeines


    Entwickler: Experiment 101

    Publisher: THQ Nordic

    Website: https://www.biomutant.com/en

    Veröffentlichung: 25. Mai 2021

    Plattform: PC, Playstation 4, XBox One (Playstation 5 und XBox Series X ausstehend)

    Genre: Action, Rollenspiel

    Altersfreigabe: 12

    Steuerung: Tastatur, Maus, Controller

    Spielmodus: Einzelspieler



    Die Mutanten kommen - endlich


    Biomutant befand sich seit Mai 2016 in Entwicklung. Erstes anschauliches Material wurde im August 2017 veröffentlicht. Von diesem Zeitpunkt an schaffte es der erste Titel des Entwicklers, die Spieler sowohl zu überraschen als auch zu faszinieren. Immer mehr Ideen und neue Perspektiven kamen zusammen, und das Projekt wuchs von Tag für Tag. Das Studio entschied sich aber dafür, sein Entwicklerteam klein und überschaubar zu halten. „Nicht mit vielen Entwicklern arbeiten, sondern mit den richtigen arbeiten“, lautete das Motto. So wurden aus ursprünglich vier Leuten rund 20. Und dabei blieb es. Durch das nur kleine Team und das stetig wachsende Projekt brauchte es einige weitere Jahre bis zur Fertigstellung des Spiels. Doch jetzt sind die Mutanten endlich hier …



    Das Land braucht einen neuen Helden


    Die Geschichte von Biomutant spielt in einer allmählich sterbenden postapokalyptischen Zukunft. Nach etlichen Jahren der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und der Verschmutzung des Planeten sind die einstigen die Metropolen und die Infrastruktur zu Ruinen zerfallen. Von den Verursachern dieses Unglücks, den Toxanol, wie sie genannt werden, ist niemand mehr übrig. Stattdessen hat sich die Tierwelt zu einer funktionierenden Gesellschaft etabliert, die tagtäglich um das Überleben bangt. Denn der Baum des Lebens, der den Bewohnern bislang Mut und Kraft gespendet hat, wird tagtäglich schwächer. Außerdem haben Streitigkeiten über den richtigen Umgang mit der Krise die Gesellschaft in sechs verschiedene Stämme gespalten. Von Einigkeit und Einsicht fehlt jede Spur. Stattdessen herrscht Krieg. Und nur der Spieler allein kann dies alles beenden.


    Biomutant räumt viele Freiheiten bei der Erstellung seiner Spielfigur ein. Neben optischen Anpassungen wie Größe, Fellfarbe und Körperumfang stehen auch exotische Optionen wie Spezies oder Resistenzen gegen Umwelteinflüsse wie Kälte und Hitze zur Auswahl. Eine weitere Besonderheit ist, dass sich die Figur entsprechend den Kriterien des Spielers formt. Während Attributspunkte auf das Stärkekonto die Figur immer weiter in die Breite wachsen lassen, schwillt der Kopf eines intelligenten Avatars immer weiter an.



    Neben für Rollenspiele typischen Begriffen wie Vitalität oder Stärke tauchen auch Exoten wie Resistenzen oder Mutationen auf.


    Auch eine Klassenwahl steht bei der Erstellung der Spielfigur zur Auswahl. Saboteure sind schnelle, trickreiche Kämpfer, die den Umgang mit zwei Nahkampfwaffen verstehen. Psi-Freaks hingegen verpönen den direkten Zweikampf und verlassen sich stattdessen auf eine Art von Magie und Mutation, um ihrem Gegner den Garaus zu machen. Weitere Klassen stehen zur Auswahl. Doch selbst wenn man sich hier einen Fehltritt erlaubt, so kann dieser im Laufe des Spiels durch die Vergabe von Attributspunkten und durch die breite Palette an Waffen und Fähigkeiten korrigiert werden. Überhaupt räumt Biomutant dem Spieler eine unglaubliche Vielzahl an, die Figur nach seinem Willen durch neue Kleidung, Fertigkeiten und Waffen zu formen.



    Entscheidungen, Entscheidungen …


    Bevor es in die große, offene, asiatisch angehauchte Spielwelt geht, beginnt der Spieler in einem überschaubaren Gelände. Neben einem löchrigen Gedächtnis, unter dem die die Spielfigur leidet und dem Drang, die eigene Vergangenheit zu erforschen, sorgen außerdem noch unter eine Vielzahl von Entscheidungen für Kopfzerbrechen. Die erste muss bereits nach weniger als einer Minute Spielzeit getroffen werden. Denn der Weg gabelt sich. Jetzt nach rechts abbiegen? Oder besser nach links? Durch das Karma-System, das jede Entscheidung in eine Gut- oder Böse-Kategorie kategorisiert, triezt Biomutant den Spieler regelmäßig, auch ja die richtige Entscheidung zu treffen. „Richtig“, das heißt: richtig für den persönlichen Stil des Spielers. Denn will ich statt des üblichen Helden in glänzender Rüstung lieber einen raffgierigen Schurken spielen, der den Untergang der Welt herbeisehnt, so kann ich das auch tun.



    Engelchen und Teufelchen animieren den Spieler regelmäßig, die „richtige“ Wahl zu treffen. Aber was ist schon richtig oder falsch?


    Auch Dialog-Optionen nehmen Einfluss darauf, wie sich die Spielfigur moralisch formt. NPC’s reagieren auf den Helden anders, je nachdem welche Entscheidungen er getroffen hat. Sich einem bestimmten Stamm anzuschließen, erregt den Ärger eines anderen. Auch andere Spielfiguren äußern sich manchmal positiv, manchmal negativ darüber, welchen Weg der Held eingeschlagen hat. Durch diese Fülle an Möglichkeiten und der Klassenwahl hat das Spiel einen gerne gesehenen Wiederspielwert.



    Manchmal blitzschnell, manchmal ermüdend langsam


    Das Hauptaugenmerk von Biomutant liegt auf den rasanten Kämpfen gegen Monster oder rivalisierte Stämme. Im direkten Zweikampf gegen übermächtige Gegner oder allein gegen eine Vielzahl von Feinden greift die Spielfigur auf eine üppige Auswahl an Haushaltsgegenständen und Werkzeugen zurück, die nun zu tödlichen Waffen werden. Diese kommen in allerlei Form: Schwerter, Pistolen, Schrotflinten, Stäbe und viele, viele mehr. Jede Waffenart besitzt ein Sortiment an Fertigkeiten, auf die der Spieler zurückgreifen kann. Hinzu kommen Basiskommandos wie springen, parieren und ausweichen, aber auch scheinbar magische Kräfte durch Mutationen.



    Mit purer Waffengewalt oder Mutationskräfte werden auch übermächtige Feinde bezwungen.


    Leidet das Spiel anfangs noch unter einer sehr überschaubaren Anzahl an Möglichkeiten, so wächst die Figur nach und nach und kann sich immer tiefer in die Spielwelt wagen. Dort gibt es auch immer bessere Ausrüstung zu finden, Handwerksmaterialien, neue Quests und vieles mehr. In einer großen, offenen Spielwelt besteht aber selbstverständlich immer wieder die Gefahr, auf einen Feind oder auf ein Hindernis zu stoßen, dem man im Moment nicht gewappnet ist. Schafft man es dann letztendlich doch, das Problem mit Geschick, Schläue und Hartnäckigkeit zu lösen, ist das Gefühl überragend.


    Im schrillen Kontrast zu dem rasanten Kampfsystem stehen hingegen die deutlich langsameren Dialoge. Text und Audio sind in Sprachen wie Deutsch, Englisch und Französisch übersetzt. Doch braucht es einen Erzähler, das das unverständliche Geplapper der meisten Figuren übersetzt. Nicht nur das zieht Dialoge in fast doppelte Länge. Auch, dass die NPC’s inhaltlich nicht viel zum eigentlichen Thema beisteuern, sondern oft in Plattitüden reden, bevor sie zum Punkt kommen, wird mit zunehmender Spieldauer immer ermüdender.



    Was wollte ich gerade tun …? Oh, ein Baum!


    Biomutant brilliert vor allem, wenn es um das Erkunden der offenen Spielwelt geht oder beim Bekämpfen von Feinden. Das Entwicklerstudio scheut sich nicht davor, seine Inspiration an Spielen wie The Legend of Zelda – Breath of the wild oder Devil May Cry zu vertuschen. Das sieht und spürt man deutlich. Zu Fuß oder auf einem Reittier geht es durch die post-apokalyptische Welt. Man streunt durch weite Graslandschaften, arbeitet sich steile Klippen hinauf oder durchforstet die zerfallenen Ruinen der Toxanol. Kleinere Rätsel wie Stromkästen kurzschließen oder eine Mikrowelle wieder zum Laufen bringen werden regelmäßig mit Beute honoriert. Das sorgt selbst nach fortschreitender Spieldauer immer wieder für Glücksgefühle, macht Spaß und sieht dabei noch gut aus.


    Überhaupt fällt es schwer, eine Pause einzulegen. Viel zu verlockend ist das, was möglicherweise hinter dem nächsten Hügel wartet: Eine neue Ruine zum Auskundschaften, eine neue Quelle für Handwerksmaterialien, eine unbekannte Siedlung mit neuen Quests und vieles mehr. Gerade in solchen Momenten ertappt sich der Spieler, von dem vorgegebenen Weg abzukommen. Das, was er die ganze Zeit eigentlich tun wollte, wird plötzlich ganz beiläufig.



    Ein Land der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten. Wohin geht es als Nächstes?


    Doch manchmal wirkt es erschreckend ruhig in Biomutant. Dann fragt man sich: „Ist die Welt vielleicht doch etwas zu groß?“ In Momenten wie diesen wünscht man sich eine Begegnung mit einem neuen Monster herbei oder wartet auf ein zufälliges Ereignis, wie es andere Spiele tun. Hier leidet Biomutant dummerweise unter den Limitierungen, die sich das Spiel selbst gesetzt hat. Zwar sieht man hin und wieder einige NPC’s, doch fehlt es an Interaktion oder Dialog miteinander. Es fehlt der Konflikt, die Emotion. Jeder Bewohner der Welt scheint nur mit sich selbst beschäftigt zu sein. Unterhaltungen finden nur zwischen der eigenen Spielfigur und einem einzigen NPC statt. Und die sind, wie bereits gesagt, oft einfach nur ermüdend. „Show, not tell“ sucht man in Biomutant leider oft vergeblich.



    Viel Mittelmäßigkeit


    Biomutant ist ein Hansdampf in allen Gassen. Es will viel. Und das, was es macht, macht es meistens auch ordentlich. Die Ideen, die beispielsweise in das Kampfsystem eingeflossen sind, bringen den Spieler regelmäßig zum Schmunzeln. Durch Mutationskräfte wird der Boden gefroren und Gegner ins Rutschen gebracht. Die offenen Beine großer Gegner laden dazu ein, durch sie hindurch zu rutschen und im Anschluss dem unachtsamen Tölpel einen vernichtenden Schlag in das Wadenbein versetzen. Wann immer der Bildschirm mit bunten Zahlen und Kommentaren wie „Pow!“ oder „Ka-Booom!“ übersäht wird, macht das Spiel besonders großen Spaß. Mangelnde Möglichkeiten bei der Kameraführung wie eine fehlende Möglichkeit, das Kampffeld durch herauszommen besser überblicken zu können, schmecken besonders dann bitter, wenn ein Feind einem in den Rücken fällt.



    Durch Mutationskräfte wird ein Hüpfpilz zu einer Todesfalle für den Feind. Jetzt ist er hilflos und kann unter Beschuss genommen werden.


    Tiefgreifende Elemente wie das Kampfsystem sucht man andernorts leider vergeblich. Klingt die Musik anfangs noch lieblich oder heroisch, leidet dieses Medium unter der stark überschaubaren Anzahl an Musikstücken. Durch die Art und Weise, wie Biomutant seine Geschichte abseits den Kämpfen erzählt, nämlich meist mit Dialogen zwischen Held und einem einzigen NPC, wirkt die ganze Erzählung für ein Rollenspiel überraschend unepisch. Es fehlen die Überraschungsmomente, die unerwarteten Wendungen, die dramatischen Cliffhanger, die wirklich interessanten Nebenquests, welche eine weitere, große Geschichte neben der Haupthandlung erzählen. Was Biomutant macht, ist nicht außerordentlich schlecht, aber auch nicht außerordentlich gut. Es ist eben nur mittelmäßig. Das Potenzial ist auf jeden Fall da.



    Fazit:


    Biomutant erfindet das Rad nicht neu. Es zieht Inspiration aus unterschiedlichen Spielen und kreiert eine bunte, explosive Mischung. Das Kämpfen und Erkunden bereitet großen Spaß, ist unterhaltsam und belohnend. Eine epische Erzählung mit wirklich interessanten Figuren, Quests und Ereignissen sucht man hier vergeblich. Stattdessen ist man einfach nur froh, wenn man sich wieder in die große, offene Spielwelt stürzen kann.


    Grafik: 9/10

    Musik: 6/10

    Geschichte/Charaktere: 5/10

    Spielspaß: 8/10


    Wertung insgesamt: 70 %



    Weitere Bilder:



    Die Spielserie wirkt optisch modern, ist aber, meiner Meinung, in vielerlei Hinsicht in der Vergangenheit gefangen.

    Wenn dir Dragon Quest XI keinen Spaß bereitet hat, werden wohl insbesondere ältere Teile auch nicht deinen Geschmack treffen. Die Reihe ist insgesamt sehr klassisch geblieben und benötigt oft lange, um sich die Gepflogenheiten anderer, modernerer Rollenspiele anzueignen. Im Umkehrschluss kannst du aber auch bei jedem Teil eine bestimmte Grundhaltung annehmen, da gewisse Spiel- oder Story-Elemente immer wieder vorkommen können.

    Den Einstieg hatte ich mit dem Remaster beziehungsweise Port von Dragon Quest 8 von der Playstation 2 auf den Nintendo 3 DS und hatte eine sehr gute Zeit mit dem Spiel. Dementsprechend hatte ich mich auf den Teil für die Switch gefreut, wurde aber in vielerlei Hinsicht enttäuscht, weil ich mir eine Steigerung gewünscht hatte. Wie gesagt: Teil 11 bombardierte mich mit mehr als fragwürdigen Elementen, die mir das Spiel ruiniert hatten. Mein Urteil über diesen Teil wäre ein wenig besser gewesen, hätte ich das Spiel das erste Mal, als der Abspann rollte, zur Seite gelegt.


    Dragon Quest bedient sich vieler klassischen Rollenspiel-Tropen, für die ich eine Hassliebe empfinde. JRPG-Story/-Charaktere, rundenbasiertes Kampfsystem, Charakter-Progression … Ich habe jedoch bis dahin nie ein Rollenspiel gespielt, bei dem ich mich massiv gegen die Motivation des Helden/der Truppe gestellt habe. Die Geschichte wurde damit für mich zu einer Qual. Und ein Rollenspiel mit einer – für mich – schlechten Geschichte ist wie eine versalzene Suppe: Sie stillt den Hunger, doch braucht es etliche Überwindung, sie herunterzuwürgen.

    Ich mag klassisch aussehende Rollenspiele, die etwas aufpoliert wurden. Aber ich weiß nicht, ob ich mir noch einmal ein "Dragon Quest"-Spiel kaufe. Dragon Quest 12 hat mich mir mit seinen fragwürdigen Entscheidungen, dem ewig-stummen Protagonisten und dem exzessiven Gebrauch von Klischees an den Rand der Verzweiflung gebracht. Die Spielserie wirkt optisch modern, ist aber, meiner Meinung, in vielerlei Hinsicht in der Vergangenheit gefangen.

    Pokémon könnte so viel mehr, wenn man sich einfach Zeit nehmen und die Liebe auch ins Detail investieren würde. Aber Pokémon verkauft sich eh, weil es Pokémon ist. Und wenn ich dann lese, dass das Release natürlich so früh wie möglich im Januar sein soll, dann erwarte ich da nichts Hochqualitatives. Wie gesagt lasse ich mich gern eines Besseren belehren, weil ich es mir einfach selber so sehr wünschen würde.


    Das ist meine größte Angst. "It prints money", wie man im Internet gerne sagt. Solange der Name "Pokémon" draufsteht, verkauft sich das Produkt wie warme Semmeln. Das hat man bei der umstrittenen achten Generation deutlich gesehen, die bereits im Vorfeld für einen enormen Disput gesorgt hat und die Spielgemeinschaft gespalten hat wie nie zuvor.


    Ich werde das Ganze weiterhin beobachten. Aber aus meinem vorsichtigen Optimismus für das Spiel und das gesamte Pokémon-Franchise ist mit diesem – für meinen Geschmack – verfrühten Veröffentlichungsdatum eine beklemmende Sorge geworden. Vorbestellen werde ich mir das Spiel nicht. Aber das hatte ich ohnehin nicht vor.

    "Was heute nicht richtig ist, kann morgen schon falsch sein." Es gab in der Vergangenheit bei anderen Produkten in der Videospielbranche bereits Missmut und Verärgerung, wenn ein Remake das Preisschild eines vollwertigen neuen Spiels aufgedrückt bekam, obwohl bei der Entwicklung an allerlei Aufwand und Kosten gespart wurde. Die komplette Handlung wurde bereits geschrieben -> es wurde an den Autoren gespart. 99 % des Dialogs wurde aus dem Vorspiel genommen -> an der Lokalisierung gespart. Es wird die Engine, die künstliche Intelligenz und Modellierungen von einem anderen Spiel derselben Serie zurückgegriffen -> an allen Ecken und Enden gespart. Dass diese Ersparnis nicht an die Kunden weitergegeben wird, kann mit Gier und Ausbeutung interpretiert werden.

    Ich habe in letzter Zeit wiederholt von Leuten gehört, die tatsächlich sehr lange auf der Toilette mit Lesestoff sitzen. Zuvor dachte ich, das Bild von dem Mann, der die Zeitung auf dem Lokus liest, sei lediglich ein Hirngespinst aus Comics und Zeichentrick. Aber die Tendenz steigt. Nicht gerade ein delikates Thema. Früher waren es die Zeitungen, heute ist's verstärkt das Handy. Nur, dass die Zeitung im Anschluss nicht an die Backe gequetscht wird. Aber was die Leute letztendlich auf dem Lokus lesen, ist mir ehrlich gesagt wurst. Ich frage da gar nicht erst nach …

    Frag das mal die Leute, die sich 'ne halbe Stunde aufwärts mit dem Handy auf dem Klo einsperren. Twitter auf dem Shitter sozusagen.


    Ich für meinen Teil denke (und da stimme ich dir zu), es macht einen Unterschied aus, ob man nun klassisches Papier oder seine Technik abends im Bett in der Hand hält, aber der Unterschied hält sich meiner Meinung nach in Grenzen und wird sich in der nächsten Zeit mehr und mehr abschwächen.