Beiträge von Eagle

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    meine Vermutung ist sie werden keine Lehren daraus ziehen.

    Ganz einfach weil es super lief. Gibt zwar negative Kritik aber solange das Geld kommt ist das denen doch egal...


    Apropos ich habe mitbekommen GF hätte eingeräumt gelogen zu haben? Stimmt das oder ist das wieder so Internet Hetze? Wenn kein Fake hat jemand nen Linkzum Original Interview oder einer ansatzweise guten Übersetzung?


    Müsste das hier sein:


    Ich habe vor Jahren die Firma Kern damit beauftragt, einen Brief von mir vom Deutschen ins Japanische zu übersetzen, den ich Game Freak habe zukommen lassen. Dem folgte dann noch einer als Reaktion auf das Fernbleiben einer Antwort, welcher auch unbeantwortet blieb. Die 700 € hätte ich auch sinnvoller anlegen können. Vergebliche Liebesmühe.

    Part 9: Geheimnisse im Wald


    Ray brauchte sein ganzes diplomatisches Talent, um Sonja zum Mitgehen zu bewegen. Bei Eagle biss er dagegen auf Granit. So setzte sich die Nachtwanderung auch dieses Jahr mit Ray und Sheinux, Sonja und Evoli, Jake und Samurzel sowie Lisa und Sandan in überschaubarer Runde zusammen. Mr. Figo verspätete sich derweil um eine gute halbe Stunde, was insbesondere der nicht begehbaren Brücke geschuldet war. Als der Hausmeister auf seiner landwirtschaftlichen Maschine das Lager erreichte, stand ein ungewöhnlich bleicher Mond bereits hoch oben an Johtos sternengetränkten Nachthimmel.

    Es war kalt geworden; so kalt, dass der Atem im Taschenlampenlicht gespenstische Schemen formte. Weitaus unheimlicher und zugleich faszinierender war aber Dian, dessen Ober- und Unterkörper sowie die Extremitäten in ein strahlendes Neongrün gehüllt war und in einer Reichweite von etwa einem Meter den Weg erhellte. Es handelte sich hierbei um keine Biolumineszenz, wie Professor Armadis auf Sonjas Frage antwortete, sondern die Fertigkeit Blitz.

    Ray näherte sich dem Pflanzen-Pokémon vorsichtig mit seiner Hand. Es ging keine zusätzliche Wärme von Dian aus. „Kann das jedes Pokémon lernen?“, fragte er.

    „Nein, nicht jedes“, antwortete der Hauslehrer. „Evoli und Sandan können es beispielsweise nicht lernen. Aber Sheinux und Samurzel schon. Blitz wird in Auseinandersetzungen primär eingesetzt, um den Widersacher zu blenden. Außerdem ist die Fertigkeit bei Wanderungen ein unverzichtbares Utensil – zum Beispiel in Höhlen oder eben wie hier in der Nacht.“

    Ray sah nachdenklich zu Sheinux herab. Zur Abwechslung reagierte der Vierbeiner nicht auf den Blick seines Partners, sondern taxierte stattdessen Dian interessiert.

    „Die Umgebung zu erhellen, ist schon was Praktisches“, fand Sonja, „aber kann Blitz wirklich jemanden blenden? Ich kann Dian problemlos anschauen.“

    Das Pflanzen-Pokémon neigte den Kopf in Sonjas Richtung. Wie schon am Lagerfeuer zuvor war sein Blick schwer zu deuten. Ray aber vermutete insgeheim, dass Dian insgeheim durch Sonjas Skepsis etwas gekränkt fühlte.

    „Dian läuft gerade auf Sparflamme – 30 oder 40 Prozent. Da geht noch mehr“, sagte Professor Armadis.

    „Volle Pulle! Volle Pulle!“, skandierte Ray. Professor Armadis aber winkte lächelnd ab.

    „Wir sind zu Besuch hier und wollen niemanden belästigen. – Also, wollen wir?“


    Nach fünfminütigem Fußmarsch hatte der Wald die Sicht auf das Camp und alle Geräusche daraus verschluckt. Mit Dian an der Spitze folgten die Camper der Traktorspur, die Mr. Figo auf dem Hinweg in dem aufgeweichten Waldboden hinterlassen hatte. Ray bemerkte, dass ihm nun, da er Schuhe trug, die Wanderung bei Weitem nicht mehr so großen Spaß bereitete, als der Hinweg. Eine Pfütze war nun zu einem Hindernis geworden, und bei einem unvorsichtigen Schritt sogar ein Ärgernis, welches ihm eiskaltes Brackwasser in die Turnschuhe trieb. Jeder versuchte, sich möglichst mittig auf dem Pfad zu halten, um eine besonders unangenehme Berührung mit dornigen Sträuchern oder wild wuchernden Brennnesseln zu vermeiden. Weil sie nur langsam vorankamen, musste man nun außerdem penibel darauf achten, nicht versehentlich seinem Vordermann in die Fersen oder – noch schlimmer – einem Pokémon auf den Schwanz zu treten.

    Nach weiteren zehn Minuten kamen sie an eine Weggabelung. Mr. Figos Reifenspur führte nach links, von wo auch das entfernte Rauschen von Wasser zu vernehmen war. Die Wanderer aber schlugen einen Pfad nach rechts ein. Die Nadelbäume standen mittlerweile so eng und wuchsen so hoch, dass kaum noch das fahle Mondlicht den Waldboden berührte. Dians neongrünes Licht, die Taschenlampen in fröstelnden Händen und Professor Armadis’ Ortskenntnis waren zu unersetzbaren Utensilien geworden.

    „Vielleicht sollte ich Professor Armadis fragen, ob er Sheinux Blitz beibringen kann. Was meinst du?“, flüsterte Ray Sonja zu.

    „Du willst irgendwann Pokémon-Trainer werden, richtig? Dann wäre das schon praktisch. In einer Situation wie dieser hier würde mir nur ungern der Saft in meiner Taschenlampe ausgehen.“ Sonjas Augen wanderten zu ihrer Taschenlampe hinunter. Sie funktionierte einwandfrei. Dennoch machten sich sorgenvolle Schatten auf ihren Gesichtszügen breit.

    „Gell? Finde ich auch. Sheinux, versuch’s mal. Blitz!“

    Sheinux schaute irritiert zu Ray hinauf. Dieser nickte ihm zuversichtlich zu, er solle es probieren. Sheinux schloss daraufhin die Augen. Sein Fell richtete sich auf, ein paar vereinzelte Funken lösten sich in den Haarspitzen. Seine Schwanzspitze flackerte schwach.

    Flatsch!

    Sheinux stolperte durch eine Pfütze, die selbst einem Menschen über den Fußknöchel reichte. Wieder schaute das Elektro-Pokémon nach oben – diesmal sogar ein wenig vorwurfsvoll.

    Peinlich berührt rieb sich Ray über den Nacken. „Sorry, ich bin ein Idiot. Ich mache das morgen wieder gut …“

    Im selben Moment prallte Ray beinahe mit Jake zusammen, der es seinem Lehrer gleichgetan hatte und stehen geblieben war. Professor Armadis gebot mit hochgehobener Hand zum Stillstand auf. Mit der anderen zeigte er auf einen Baum, von wo zwei starre, rote Augen die Wanderer fixiert hielten.

    „Keine Taschenlampen“, mahnte er seine Schüler.

    Ray spürte seinen Herzschlag schneller schlagen, und auch Sonja neben ihm klammerte sich regelrecht an ihrer Taschenlampe fest. Dians mattes Licht fiel auf ein Vogel-Pokémon, dessen hell- bis dunkelbraunes Gefieder fast vollkommen mit dem Gehölz verschwamm. Über seinen krallenbewehrten Füßen thronte ein schlanker Oberkörper. Der starre, durchdringende Blick vermittelte etwas Unheimliches, während die breiten, beigefarbenen Augenbrauen, die in einer V-Pose sogar über den Kopf hinaus ragten, gleichzeitig etwas Uraltes und Weises ausstrahlten. Seit der Blickkontakt hergestellt wurde, hatte der Vogel nicht eine einzige Feder gerührt oder gar geblinzelt. Die Reaktionen der Partner-Pokémon konnten unterschiedlicher nicht sein. Während Sheinux mit sträubendem Fell, gesenktem Vorderkörper und steilem Schwanz eine frontale Abwehrhaltung einnahm, schmiegte sich Evoli ängstlich dicht an Sonjas Beinen. Samurzel hatte die kurzen Beine eingezogen und sich in einer deutlich defensiveren Position als Sheinux verhärtet, hingegen Sandan die Pause nutzte, um gleichmütig im Boden nach Regenwürmern zu scharren.

    Professor Armadis trat zur Seite, um seinen Schülern einen besseren Blick auf den Vogel zu gewähren.

    „Wer kann mir den Namen dieses Nachtschwärmers nennen? Irgendwer?“

    Unter Rays bebender Brust setzte mehr und mehr Ruhe ein. Erinnerungen lösten die anfängliche Panik ab; lebhafte Erinnerungen an eine Wanderung durch den Steineichenwald in seinem zweiten Schuljahr. Er war acht Jahre gewesen. Eine kühle Brise an einem warmen Sommertag. Licht, das wie Wasser durch einen löchrigen Sieb seinen Weg durch die gewaltigen Baumkronen bahnte. Ein ähnlicher Vogel formte sich vor seinem inneren Auge. Dieser aber war größer und hatte beide Augen geschlossen. Er schlief. Noch am selben Abend hatte Ray das Pokémon gezeichnet. Es war keine gelungene Zeichnung gewesen, aber dafür eine der wenigen Hausaufgaben, die er mit viel Enthusiasmus angefertigt hatte. Unter dem Bild hatte er den Namen in großen Blockbuchstaben geschrieben.

    „Noc…tuh“, murmelte Ray mit fragendem Unterton.

    Professor Armadis strahlte mit Dians Lichtschein um die Wette.

    „Sehr gut“, verkündete er. „Noctuh sind nachtaktive Flug-Pokémon und für ihr herausragendes Sehvermögen bekannt. Sie nutzen ihren fast lautlosen Flug für die Jagd, vorliebsam in Wäldern, Wiesen und Feldern, selten auch in Küstennähe. Auf ihrem Speiseplan stehen insbesondere Insekten und kleinere Käfer-Pokémon. Wir fallen also nicht unter das Beuteschema“, sagte Professor Armadis, wobei er speziell in Sonjas Richtung lächelte. Diese reagierte nur mäßig beruhigt und erlitt einen gewaltigen Schreck, als Noctuh plötzlich den Kopf fast um 180 Grad im Uhrzeigersinn drehte. Sogar Ray, Jake und Lisa erschraken merklich bei diesem obskuren Anblick.

    Professor Armadis senkte die Hand als Zeichen, dass keine Gefahr drohte. „Ein normales Verhalten und ein Zeichen dafür, dass es gerade nachdenkt.“

    „Haben sie sonst noch etwas vergessen?“, hauchte Sonja. Ihr stand Kreidenbleiche im Gesicht.

    „Nur, dass es auch mir unangenehm wäre, wenn man mich die ganze Zeit anschaut. Gehen wir weiter.“


    Selbst nach fünf weiteren schweigsamen Minuten ertappte sich Ray noch immer dabei, wie er flüchtige Blicke über die Schulter warf. Nach der Begegnung mit Noctuh löste jedes Rascheln und jedes Zweigknacken ein Gefühl von Gänsehaut aus. Zwischenzeitlich waren sie an zwei weiteren Weggabelungen vorbeigekommen und hatten beide Male einen anderen Weg eingeschlagen. Der Pfad verwilderte zunehmend. Lisa verfing sich zweimal am selben Hagebuttenstrauch und Sonja konnte sich nach einem unvorsichtigen Schritt nur mit rudernden Armen auf den Beinen halten.

    Atemringend fasste sie sich an die Brust.

    „Ich überlebe das nicht …“

    „Brauchst du ’ne Pause?“, fragte Ray.

    „Könnte mir angenehmere Orte für eine Pause vorstellen“, seufzte Sonja. Sie tätschelte Sheinux, der sie mit großen, mitfühlenden Bernsteinaugen ansah.

    Auch der Rest der Wanderer stoppte.

    „Es gibt nichts gegen eine Pause einzuwenden – hatte ich ohnehin gleich vor“, stimmte Professor Armadis überein. „Nur noch ein kleines Stückchen, dann erreichen wir ein ideales Plätzchen. Das dürfte insbesondere Sie interessieren, Sonja.“

    Die Schülerin blinzelte verständnislos. „Warum mich?“

    Der Hauslehrer lächelte geheimnisvoll. „Sehen wir gleich:“

    Einige ereignislose Minuten schleppten sich dahin. Um Professor Armadis’ angekündigten Rastplatz zu erreichen, mussten sie erstmals den Weg verlassen. Sie kletterten über knochige Baumwurzeln und schlugen sich durch ein dichtes Netz aus widerborstigen Zweigen, Tannennadeln und -zapfen hindurch. Die Mühe aber lohnte sich. Aus sprachlosen Mündern löste sich ein ehrfürchtiges Seufzen.


    Mitten in diesem fast undurchdringlichen Geäst fanden die Wanderer eine in sanftem Gras gebettete Lichtung. Es war einen Hauch wärmer als im restlichen Wald, was im Grunde schon ungewöhnlich genug war. Die Mixtur aus sternenklaren Nachthimmel, frischem Gras und dem Harz der angrenzenden Nadelbäume glich einem aromatischen Kräuterbad. Hier und da buckelten sich Findlinge aus dem Waldboden. Ein besonders stattliches Exemplar, ein mannshoher Felsbrocken, trug einen Schopf aus frischem Moos auf seiner rundlichen Oberfläche. Am Rande der Lichtung hatte scheinbar die Zeit selbst einen einzelnen alten Baumstumpf zurückgelassen. Schlaksige, gelbe weiße und braune Pilze sprossen auf dem Rand des ausgehöhlten, moosbewachsenen Stumpfes, in dessen Hohlraum sich das klarste und reinste Regenwasser, das man sich nur vorstellen konnte, angesammelt hatte. Über all dem schwebte der bleiche Vollmond, dessen fahles Licht wie die silbrige Locken der Nachtgöttin persönlich war. Auf der Lichtung war es gerade so hell genug, dass Dian für kein weiteres Licht sorgen musste.

    „Ich muss euch bitten, eure Schuhe auszuziehen.“Ein selten zu vernehmender Nachdruck ummantelte Professor Armadis’ Stimme, dem selbst Sonjas „Muss-das-wirklich-sein“-Gesichtsausdruck nichts entgegenzusetzen hatte. Anders als bei ihrer Wanderung von der Celebi-High zum Wald, bei der der Hauslehrer diese Erfahrung angeboten hatte, stand dieses Mal ein Nein nicht zur Debatte. Es war ein Gebot, keine Option, fast so, als ob man einer Personifizierung des Waldes aufrichtig seine Demut zeigen musste.

    „Bitte lasst nichts zurück außer euren Fußabdrücken. Nehmt nichts mit außer euren Erinnerungen. Und keine Löcher!“, betonte Professor Armadis mit nachdrücklich in Sandans Richtung, denn das Boden-Pokémon hatte bereits mit einer seiner Klauen neugierig im Waldboden gestochert.

    Das Gras war feucht, nicht nass. Das anfängliche Gefühl, über einen eisigen Scherbenhaufen zu wandern, verschwand nach nur kurzer Dauer und wurde durch einen Gang wie über Engelswolken abgelöst.

    Professor Armadis hatte darauf bestanden, zusammen mit Sonja, Dian und Evoli vorauszugehen. Unmittelbar dahinter folgte der Rest. Während sich Ray noch den Kopf über das plötzliche Interesse seines Hauslehrers an Sonja zerbrach, neigte Lisa etwas den Kopf in seine und Jakes Richtung und flüsterte: „Sieht so aus, als ob noch jemand was zurückgelassen hat.“

    Mit ihrer Taschenlampe folgte sie einer Spur auf dem Gras. Das zusätzliche Licht machte deutlich, dass an manchen Stellen das Gras auffällig eingedrückt war; viel zu regelmäßig, als dass es ein bloßer Zufall sein konnte. Hatte jemand den Ort vor ihnen betreten? Ray suchte die Lichtung ab, als glaubte er, dass sich jeden Moment eine weitere barfüßige Gestalt aus der Umgebung schälen würde. Doch da war niemand. Nichts.

    „Ein Pokémon vielleicht?“, meinte Ray, wobei er aber selbst nicht überzeugt war.

    Professor Armadis folgend, machten sie einen auffällig weiten Bogen um den großen moosbewachsenen Felsen. Als sie stoppten, legte er seine rechte Hand auf Sonjas linke Schulter. Schülerin und Lehrer tauschten Blicke. Sonja zitterte ein wenig. Vielleicht vor Kälte, vielleicht auch, weil ihr die Berührung nicht behagte, vielleicht auch beides.

    „Wissen Sie, was das ist, Sonja?“, wollte Professor Armadis wissen.

    „Ein … Stein … nehme ich an …“ Es sah ihr nicht ähnlich, eine Antwort hinauszuzögern, und schon gar nicht, mit einem fragenden Unterton zu antworten. Gar wirkte sie etwas gekränkt darüber, dass wahrscheinlich jedes Kindergartenkind schneller auf genau dasselbe Ergebnis gekommen wäre.

    Professor Armadis zog ein „Mhhmm“ in die Länge. Dann lächelte er. „Ja, das ist richtig. Können Sie sich vorstellen, warum das gerade für Sie interessant sein könnte? Oder für Evoli?“

    Ohhh!“, machte Sonja nach kurzer Pause. Die Furchen der Verzweiflung auf ihrer Stirn verschwanden. Zurück blieb ein strahlendes Gefühl der Erkenntnis.

    „Mach’s nicht so spannend“, brummelte Jake.

    „Ja, sag’ an“, forderte Ray.

    Sonja schmunzelte ihren Klassenkameraden zu. Dann wandte sie sich direkt an Ray. „Erinnerst du dich noch an den Tag, als wir unsere Partner bekamen? Linsey war doch so aufgedreht damals. Und Pam. Und Kathrin. Und …“

    „Wir alle waren ziemlich aufgedreht. War ein besonderer Tag“, sagte Ray und ging auf in die Hocke, um Sheinux am Nacken zu kraulen. Ray lächelte breit, als er an den Tag zurückdachte, als ihm Sheinux als Partner zugeteilt worden war. Er versuchte es gar nicht erst, einen glücklicheren Tag in seinem Leben zu finden – es gab keinen. Aber … ja, er erinnerte sich auch, dass auch viele seiner Mitschüler ausgerechnet wegen Sonja aus dem Häuschen waren. „Du meinst, wegen Evoli?“, schlussfolgerte er schließlich.

    „Richtig“, nickte Sonja. „Ich wusste am Anfang gar nicht, was alle von mir wollten, oder von Evoli. Fakt aber ist, dass Evoli eine kleine Sensation ist. Ich habe noch in derselben Woche etwas wegen dieser Sache recherchiert … Und da gab es auch noch neulich diesen interessanten Artikel in der Johtos Tägliche über Entwicklung als eine Form der Epigenetik…

    „Oh! Ist das dann einer dieser Entwicklungssteine?“, fragte Lisa an Professor Armadis gerichtet. Dieser nickte.

    „Was ist mit dem Stein? Bin ich hier der Einzige, der auf dem Schlauch steht?“, fragte Ray. Er suchte diesmal Jakes Blick. Der antwortete mit einem langen „Ähm …“

    „Ich will es Ihnen erklären. Ihnen allen“, sagte Professor Armadis. „Wie Sie vielleicht alle wissen, besitzen Pokémon – manche Pokémon – die Veranlagung, sich weiterzuentwickeln. Einfach ausgedrückt, ist es nur ein weiteres Stadium ihres Lebens, so wie bei uns die Reife vom Kind zum Erwachsenen. Aber ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht.“ Es lag ein Seufzen in der Stimme des Lehrers, als er den Satz beendete. Nach kurzer Pause fuhr er fort. „Bei der Weiterentwicklung durchleben Pokémon sprunghaft eine massive Veränderung. Größe, Aussehen, ja sogar die Stimme und manchmal der komplette Körperbau. Ihnen erschließen sich ab diesem Moment ganz neue Möglichkeiten. Sie lernen schwimmen oder fliegen, spüren gewaltige Körperkräfte in sich aufkeimen oder fangen an, ihre kognitiven Kräfte zu begreifen. Manchmal erlernen sie den aufrechten Gang oder tauschen diesen stattdessen für den Rausch der Geschwindigkeit ein. Die Entwicklung gehört wohl zu den größten und aufregendsten Geheimnissen. Menschen und Pokémon leben mittlerweile schon so lange zusammen – tausende von Jahren. Und trotzdem gibt es noch so viel, was wir nicht wissen, so viel, was wir voneinander lernen können.“ Mit seiner rechten Hand auf Sonjas Schulter und der linken auf Dians wirkte Professor wie eine fleischgewordene Verbindung beider Spezies. Beiden lächelte er zu, dann ließ er von ihnen ab. „Wenn Pokémon heranwachsen, kann eine Weiterentwicklung eintreten – oder auch nicht. Manchmal bedarf es Lebenserfahrung, manchmal auch die Bewältigung großer körperlicher Anstrengungen, und manchmal“ – der Lehrer betrachtete den moosbewachsenen Felsen – „auch eine besondere Umwelt. In dieser Beziehung ist Evoli etwas ganz Besonderes. Je nach Umwelteinfluss kann eine spezifische Reaktion in Evolis Körper ausgelöst werden, die zu einer Weiterentwicklung führt. Und davon gibt es eine Menge. Doch wie viele sind es? Und warum ist Evoli so außergewöhnlich? Sind Evoli vielleicht sogar der Schlüssel, um das Rätsel der Entwicklung zu knacken? Selbst heute noch, vielleicht gerade in dieser Sekunde, werden ganz neue Entwicklungszweige entdeckt. Ihr könnt euch deshalb sicher vorstellen, dass Evoli nur noch selten in natürlicher Umgebung und dafür mehr und mehr zu Forschungszwecken in Käfigen angetroffen werden. Berühmtheit hat einen scheußlichen Beigeschmack.“

    Ray erschauderte bei dem Gedanken daran, wie vielleicht gerade in diesem Augenblick Evolis Artgenossen in einer mit Käfigen vollgestapelten Halle zusammengepfercht wurden. Jedes ungewöhnliche Wimpernzucken, jedes ausgefallene Härchen, jedes Muskelzucken und jedes gegebene Leben, das im Namen der Wissenschaft dokumentiert wurde, widerte ihn regelrecht an. Das bedrückende Schweigen seiner restlichen Klassenkameraden sprach Bände. Das Schicksal ihrer Artgenossen ging auch an Evoli nicht spurlos vorbei. Ihr flauschiger Schwanz, die spitzen Ohren und ihre großen, braunen Kulleraugen hingen allesamt in schwermütigen Tiefen.

    „Und dieser Stein löst in Evoli eine Entwicklung aus?“, fragte Jake, der unter seinen Klassenkameraden als Erstes seine Stimme wiederfand.

    „Er kann bewirken, dass sich Evoli zu Folipurba weiterentwickelt, ein Pflanzen-Pokémon mit sowohl offensiven als auch defensiven Eigenschaften“, nickte Professor Armadis.

    „Ist das erlaubt? Ich meine … Darf … also …“, stotterte Sonja verlegen.

    „Wir alle wachsen an unseren Herausforderungen und lernen aus jeder neuen Erfahrung. Es ist Teil unserer Existenz“, erklärte Professor Armadis. „Lehrer wie Professor Cenra, Finch oder ich können unseren Schülern Entscheidungen nicht abnehmen, noch können wir ihnen Ketten anlegen oder sie zwingen. Denn es ist nicht an uns, darüber zu richten, welchen Weg Sie alle hier und Ihre Klassenkameraden einschlagen. Wir stellen lediglich die Weichen und helfen Ihnen, Ihren Weg zu gehen.“

    „Stärker zu werden, ist schon cool. Aber ich würde nicht über Sheinux’ Kopf hinweg bestimmen.“ Ray und Sheinux tauschten Blicke. „Das ist keine Entscheidung, die einer allein treffen sollte, finde ich.“

    „Sehe ich ähnlich“, pflichtete Jake bei. Lisa nickte. Nur Sonja verharrte in nachdenklichem Schweigen.

    Professor Armadis quittierte die Antwort seiner Schüler mit einem anerkennenden Nicken. „Das ist eine sehr reife Einstellung von Ihnen. Die Wahrheit ist, dass es Trainer vorziehen, ihre Pokémon weiterzuentwickeln, und auch deren Pokémon streben in aller Regel nach der nächsten Entwicklungsstufe, insbesondere, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden. In der Wildnis dagegen sind weiterentwickelte Pokémon seltener. Man mutmaßt, dass der höhere Energiebedarf ein Kriterium sein könnte. Schließlich sind Pokémon in freier Wildbahn Selbstversorger. Revierverhalten könnte als Erklärung dienen, warum mancherorts mehr ausgewachsene Pokémon anzutreffen sind als anderenorts. Das alles ist aber bloß Theorie.“ Er legte eine kurze Atempause ein. „Wir machen zehn Minuten Pause und gehen dann zurück. Denken Sie einfach darüber nach, Sonja, und sprechen miteinander. Wie Sie sich auch entscheiden mögen: Ich bin sicher, Sie bleiben Ihren Idealen treu – Sie beide.“

    Professor Armadis entfernte sich ein wenig von der restlichen Gruppe und setzte sich zu Dian ins flache Gras. Seine Schüler und deren Partner blieben zurück. Ehrfürchtig. Schweigsam. Nachdenklich.

    „Was wirst du tun“, fragte Ray nach einiger Zeit.

    „Ich weiß es nicht“, gestand Sonja offen und ehrlich. Sie schaute hinab. Im gleichen Moment schaute Evoli hinauf. Als sich ihre Blicke kreuzten, lächelten sie einander sacht zu. „Aber egal, wie wir uns entscheiden: Ich bin sehr froh, mitgegangen zu sein, um diesen Ort zu sehen.“

    Nintendo ist nicht die Wohlfahrt. Nintendo ist ein Unternehmen, das Geld verdienen will. Und als ein solches Unternehmen behält den Markt im Auge. Wenn eine Sache besser funktioniert als eine andere und sich auch gleichzeitig noch mit minimalem Einsatz betreiben lässt, wäre man - auf gut Deutsch gesagt - bescheuert, Ressourcen in der weniger rentablen Geschäftsidee zu verbraten. Als gewinnorientiertes Unternehmen machen sie mit Öffentlichkeitsaktionen auf sich aufmerksam (z. B. Nintendo Direct - und ich kenne ehrlich gesagt keinen Konsolenhersteller, der so viel auf solche Aktionen setzt) oder ruft sich mit Aktionen wie den bevorstehenden Download in US/UM auf sich aufmerksam (nein, auch das ist kein wohltätige Aktion, sondern eine Möglichkeit, Spieler aka Konsumenten wachzurütteln).


    Was die Umsätze betrifft, hast du recht. Pokémon Go generiert enorme Umsätze. SilphSpectre hat dies in seinem Video dargestellt. Um es kurz darzustellen, ohne das Video zu schauen: Fünf Prozent des Gesamtumsatzes der letzten 20 Jahre der Pokémonmarke (Merchandise, Filme, Karten, Spiele …) erwirtschaftete Pokémon Go. Pokémon Go gibt es aber erst seit rund drei Jahren. Das ist enorm!

    Pokémon Go erwirtschaftet mehr Umsatz als alle anderen Pokémon-Marken. Nintendo hat kein Interesse, Go-Spieler von Go wegzulocken. Es dürfte Gegenteiliges der Fall sein, nämlich, mehr Spieler auf das Medium aufmerksam zu machen.


    Wie viel Druck Nintendo als Anteilinhaber auf Game Freak ausübt, ist nicht bekannt, auch nicht die genauen Anteilszahlen. Es ist aber davon auszugehen, dass Nintendo, zusammen mit weiteren an Nintendo gebundene Unternehmen, den Löwenanteil besitzt.

    - https://www.quora.com/How-much-of-the-Pokémon-Company-does-Nintendo-own

    - https://www.nintendo-insider.c…answers-the-big-question/

    Wenn die Verkaufszahlen der "Hauptspiele" (man beachte die Anführungszeichen) nicht das wiedergeben, was Mobile Games erwirtschaften, werden Letztere die tatsächlichen Hauptspiele werden. Sprich: Mehr Mobile Games, weniger für die Konsolen. Ich würde mir als Konsument daher zweimal überlegen, den ewig hungrigen Rachen eines Mobile Games mit Mikro-Transaktionen vollzustopfen. Man sieht schon jetzt, dass in den Pokémonteilen an allen Ecken gespart und geknausert wird (Animationen, mangelnde Innovation etc.)


    Wir sehen dies mittlerweile verstärkt in allen möglichen Bereichen - EA mit beispielsweise einem copy-paste des Vorjahres-FIFA, Activision mit Mikrotransaktionen in Crash Team Racing, Nintendo mit Mobile-Trash-Games wie Doctor Mario oder Mario Kart oder 2K, welcher mit NBA2K20 aus einem Basketballspiel ein Casino macht. Es ist nicht nur "Kaufen, um zu spielen", sondern "Kaufen - spielen - kaufen - spielen …" (Stichwort eben angesprochene Mikro-Transaktionen, Lootboxen/"Surprice Mechanics" etc.). Und je erfolgreicher solche Praktiken sind, umso mehr werden auf den fahrenden Zug aufspringen.

    Ja, mit den ganzen "Terrence Hill und Bud Spencer"-Filmen kann man schon fast von einer Gemeinheit sprechen, wenn man nach dem expliziten Titel fragt. Soll auch nicht wieder vorkommen.


    Die rechte und die linke Hand des Teufels zählt - meines Erachtens - zu einem, wenn nicht sogar zu dem besten Film. Dein vorheriger Tipp war auch sehr heiß, weil es sich hierbei um eine Fortsetzung handelt und Joe - anfangs - auch wieder auf seiner Pritsche unterwegs ist.



    Gucky darf somit weitermachen.