Beiträge von Raichu-chan

Die Kronen-Schneelande erwartet euch!


Alle Informationen zum zweiten Teil des Erweiterungspasses "Die Schneelande der Krone" findet ihr bei uns auf Bisafans:

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    Kaum zu glauben, dass es schon wieder November ist... Aber da ich dieses Jahr sowieso zwei meiner FFs beenden wollte, ist das doch die beste Möglichkeit, an einer gänzlich anderen für den NNWM zu arbeiten (jaaa... ich versteh mein Gehirn da auch nicht so wirklich xD).


    Fakt ist aber, dass Tarnished Beauty im Gegensatz zu den anderen beiden keinen komplizierten Plot hat, sondern eher episodisch ausgebaut ist und die Kapitel mehr oder weniger in sich abgeschlossen sind. Die Planung der nächsten Kapitel steht soweit, also sollte es kein Problem geben. Ob ich meinen Fortschritt hier hochlade, weiß ich noch nicht (Spoiler und so...), aber vielleicht kommt es auch zu überraschend vielen Uploads dort diesen Monat xD


    Auf der Website heiße ich übrigens TessaHeronstairs. Ich werde mich mit den 50k vermutlich heillos übernehmen, weil ich schon den letzten Monat gefühlt dauermüde war und auch am WE zu nichts kam, aber nun, vielleicht gibt mir das hier ja die richtige Motivation :)

    Zuwachs für die Science Adventure-Serie (Steins;Gate, Occultic;Nine, ChäoS;Child, Robotic;Notes...)!


    Zum einen wäre da Anonymous;Code, wo es um einen Hacker geht, der die Zerstörung wichtiger Städte durch Computer verhindern soll. Geplantes Erscheinungsdatum ist Herbst 2021 für Switch und PS4 (zumindest in Japan). Nähere Informationen hier.


    Ebenfalls wurde mit Steins;??? (Name subject to change?) der Name einer Fortsetzung für die Visual Novel Steins;Gate in den Raum geworfen. Weder Trailer noch Inhaltsangabe wurden spendiert, dafür aber die Information, dass es wohl auf einer "glücklicheren" Weltlinie spielt - was auch immer das im Endeffekt heißen wird ;)


    Beide Visual Novels haben zwar weder ein amerikanisches oder europäisches Datum einer Veröffentlichung bekommen, aber bedenkt man besonders den Schwall an Werken, die es aus dieser Serie gerade in den letzten Jahren hierher geschafft haben, ist die Hoffnung nicht unbegründet.


    Außerdem stand da noch was von einer Live Action Serie. Legen wir den Mantel des Schweigens über diesen kümmerlichen Versuch der Organisation, die Integrität des Labors zu zerstören... Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja eine Weltlinie, auf der tatsächlich etwas Gutes bei rumkommt ;)

    Wakanim hat noch 3 Fate-Serien, falls du danach noch mehr sehen möchtest, aber ja, soweit ich weiß, sind das die einzigen Titel, die man kostenlos und legal sehen kann. Aber naja, ist ja auch erst mal eine Menge xD


    Edit: Sind 3, hab Fate/Food vergessen^^*

    Kurzform: Entweder du fängst mit Stay Night Unlimited Blade Works oder Zero (der Vorgeschichte) an. Der Rest sind losgelöste Spinoffs (Last Encore auch).


    Mittlere Form: UBW ist die zweite Route der Visual Novel, dem Grundstein für Fate. Daher ist sie besonders einsteigerfreundlich, weil man ungefähr so viel weiß wie der Proragonist.

    Fate Zero ist die Vorgeschichte davon über die vorherige "Generation" an Mastern 10 Jahre zuvor. Kann man auch gut als Einstieg nehmen (war meiner), ist aber ein bisschen komplizierter, weil die meisten Leuten wissen, was Sache ist, und sich gegenseitig austricksen wollen. Das ist beim anderen auch der Fall, aber da sie im Schnitt gut 15 Jahre jünger sind, ist es nicht so kompliziert.

    Diese beiden Anime legen dann den Grundstein, wodurch man auch die Spinoffs besser versteht. Allerdings müsste man die auch so genießen können, nur mit zu wenig Kontext.


    Lange Form: 60 Stunden Visual Novel / dieses Video das zeigt, dass nicht einmal Fans wirklich wissen, wie man mit dieser Serie anfangen soll / die ausführliche Antwort, sobald Azaril mitbekommt, dass man einen seiner Lieblingsanime erwähnt.


    Falls du danach noch nicht genug hast, kann ich die 3. Route Heavens Feel, das Detective Spinoff Lord el Melloi II und Graden of Sinners (gleiche Welt, andere Thematik) noch empfehlen. Allerdings nicht alle umsonst verfügbar.

    Ich habe jetzt Gewissheit: Sweet Reptain , Cassandra , Arrior , Creon , Mandelev, Chelys und wer auch immer sich sonst noch in irgendeiner Form für den Fortschritt dieses Projekt interessiert: Ihr seid doch alle Sadisten!!!!!1!!


    ... und ich bin so masochistisch und mache das mit...


    Der Stand ist schon vom 07.09. und zeigt die erste Seite des Projektes, 60x90 Kreuze breit bzw. hoch. Seitdem ist allerdings auch nicht mehr viel hinzugekommen. Die schönen Sommertage, in denen man draußen sitzen und sticken konnte, neigen sich dem Ende zu. Leider wird das Tageslicht somit auch immer kürzer und bei meiner Deckenlampe zu sticken, ist nicht das Wahre... Naja, in den Herbstferien vielleicht wieder, wenn ich Urlaub habe^^


    Ach ja, ihr wollt bestimmt noch wissen, woher meine Feststellung von dort oben kommt. Ich weiß nicht, ob man es auf dem Bild dort oben erkennt, aber nach dem Anfang dort oben links hatte ich ja entschieden, dass ich mit halben Kreuzen, sprich /, auch sehr weit kam. Das musste ich beim Haar allerdings revidieren, weil man bei den Braun- und Lilatönen den Hintergrund durchgesehen hat (da sind mir 1000 Steine vom Herzen gefallen, als ich gesehen habe, dass im Gegensatz zur Vorlage weder sie noch der sehr hohe Gelbton unangenehm hervorstechen). Allerdings bedeutet das, dass die Löcher jetzt die doppelte Menge an Faden fassen müssen und ich dank der Feinheit des Stoffes an der Schwelle bin von "ach, mit ein bisschen Kraft bekomme ich das noch durchgezwängt!" Länger brauche ich deswegen selbstverständlich auch, weil ich den zweiten Stich machen muss. Außerdem fängt nach dem Hintergrund jetzt die Tortur mit Zählen und häufigem Farbwechsel an, was zusätzlich Nerven kostet - aber dafür hat es einen ganz coolen Effekt, weil sich die "dickere" Schicht jetzt noch mehr vom Hintergrund abhebt (und das sage ich nicht nur, weil ich zu faul bin, beim Hintergrund noch mal überall den zweiten Stich zu machen xD). Außerdem rettet die Zählhilfe übrigens wirklich Leben. Wie hab ich das ohne nur ausgehalten? xD

    Aber ihr wollt bestimmt handfestere Beweise haben, oder? Also während dieses Teils habe ich den ersten Band von Tanya the Evil durchgehört, etwa 3 Stunden vom zweiten Teil (der danach von Youtube genommen wurde und ich war zu faul, herauszufinden, wo ich war), und noch etwa 2 Stunden von Re:Zero (Jaja, erfreue dich und so, Azaril). Im Klartext saß ich also mit Kulanz etwa 15 Stunden an dem Stück. Ich möchte allerdings noch einmal betonen, dass dies in keinster Weise mit sonstigen Stickarbeiten mit vernünftiger Größe und vertretbarer Farbanzahl und "Schwierigkeit" zu vergleichen ist. Die hätte ich in der Zeit vermutlich schon (zur Hälfte?) fertig gestellt xD

    Vielleicht durchforste ich mal die Bücherei auf der Suche nach Hörbüchern, aber mit den ganzen Maßnahmen wegen Corona ist das meh. (Außerdem muss ich erst noch meinen Ausweis verlängern...)


    Abgesehen vom normalen Zeitfresser Arbeit bin ich allerdings auch wegen meiner bald anstehenden Zwischenprüfung zu nichts gekommen, also tauche ich jetzt mal wieder ab. Wir lesen uns - und wenn ich nur mein neues Kästchen für mein Stickgarn präsentiere, weil ihr dann all die Farbnuancen sehen könnt, die am Ende Teil dieses Bild sein werden^^

    Also bei mir ist es ganz normal R2... ich habe das Spiel gerade nicht hier, aber hast du mal im Menü geschaut, ob man die Belegung ändern kann? Die Pistole müsste das Viereck sein iirc. (Oder was auch immer noch gleich der linke Knopf war^^*).

    Oder hast du alle Gegner auf einmal mit ihrer Schwäche umgenietet, sodass du automatisch in den Hold up kommst, wo dann Gespräche oder die All out attack als Optionen auftauchen? (Hat ja auch eine Pistole als Animation.. ) Das Weitergeben funktioniert nur, wenn noch einer steht.

    Hallo Cassandra :)

    Wie schön, dass das noch wem in Erinnerung geblieben ist^^ Ich habe mich tatsächlich am Samstag mehrere Stunden in die Sonne gesetzt und habe jetzt etwa die Hälfte der ersten Seite der Anleitung durch - und war doch recht ernüchtert^^* Geschafft habe ich etwa 3.000 Kreuze - und das war der einfache Teil, wo ich kaum zählen, auslassen oder die Farbe wechseln musste xD Ich bin ja schon von ganzen auf halbe Kreuze gegangen, weil das bei den eng anliegenden Kästchen und 2 Fäden keinen Unterschied macht (zumindest jetzt noch nicht. Bald fängt das Braun der Haare an, dann schauen wir mal, was da durchscheint. Dann sticke ich das bei Bedarf noch mal nach...).

    Jedenfalls rettet die Zählhilfe wirklich Leben - und wird meins am Ende vielleicht zerstören, weil ich den Stoff waschen muss. 30 Minuten bei 40° (Feinwäsche iirc) klingen nicht nach viel, aber ich sehe mich schon die Daumen drückend vor dieser Waschmaschine sitzen und zittern, dass nichts verläuft. Aida ist zwar namenhaftes Garn, aber man weiß ja nie...

    Also ich würde ja gerne ein Bild posten, aber dann müsste ich dazuschreiben "Und wie Sie sehen, sehen Sie nichts" xD Es ist tatsächlich ein einziger Farbverlauf und meine Kamera kann das nicht wirklich darstellen. Wenn ich die Seite fertig habe, zeige ich es euch aber auf jeden Fall mal.


    Also ja, den Hintergrund lasse ich so, wie er ist. Ich traue mich sowieso recht wenig an alles, was mit Farben ersetzen zu tun hat, geschweige denn bei ganzen Mustern. Wo ich aber auf jeden Fall ran will, sind die vom Programm generierten Gelbtöne im Gesicht und dieses Moosgrün, das immer mal wieder auftaucht. Irgendwie kommt mir das so vor, als könne man damit unmöglich Realität und Anleitung verbinden. Aber bis dahin ist ja noch etwas Zeit.


    Was mich der ganze Spaß gekostet hat... Schwer zu sagen, tatsächlich. Also vom Stoff brauche ich ja nur den einen und davon doch nur die Hälfte. Das waren nur 8 Euro. Für 56 hab ich Garn bestellt, aber wie bereits geschrieben, kann ich nur etwa die Hälfte davon benutzen. Einiges habe ich aber im Vorrat meiner Mutter gefunden, während wir einiges von dem, was ich gekauft habe, noch nicht hatten. Es war also keinesfalls umsonst^^* Vielleicht rechne ich das mal aus, aber ich hab den Zettel gerade nicht zur Hand^^* Allerdings weiß ich bei ein paar, dass ich noch mehr davon brauche, also muss ich eh noch mal nachbestellen. Hoffentlich muss ich nicht wieder 3 Wochen wegen Corona warten...


    Ich glaube, das ist ein guter Statusbericht. Das nächste Mal gibt es auch Bilder dazu - und wenn auch nur von fertigen Dingen, die Cassandra sehen möchte ;)


    Kapitel 14


    “Ich glaub’s ja nicht", sagte Kurisu und schüttelte den Kopf; einmal für jedes männliche Labormitglied und dann über sich selbst wegen ihres Mangels an ungesundem Menschenverstand. “Wie ernährt ihr euch davon?” Ungläubig starrte sie von den Bananen zum Fertighühnchen - neben dem eine Wand aus Dr. Pepper stand - und daraufhin zu den Anwesenden.

    Okabe stemmte empört die Hände auf die Hüften. “Mein Verstand ist stärker als mein Körper!”, konterte er, während Kurisu genau wusste, dass die Ebbe in seinem Geldbeutel der eigentliche Grund für sein mentales Training war.

    Daru lachte. “Die nehmen sich beide nicht viel.”

    Mayuri legte den Kopf schief. “Magst du etwa keine Chicken Tender?”, fragte sie Kurisu, als müsste sie ihre Weltanschauung überdenken.

    “Doch, aber im Gegensatz zu anderen respektiere ich, was mir gehört und was nicht - Besonders wenn diese Person ihren Namen darauf schreibt!”

    Noch bevor sie Okabe angesehen hatte, wandte er schon empört den Blick ab.

    “Mayushii erinnert sich nicht an so etwas", sagte sie, den Finger an ihr Kinn gelegt. “Aber ich teile jederzeit gerne mein Essen mit dir, Kurisu-chan.”

    Darus Augen wurden groß. “Mayuri, kannst du dich dabei neben sie setzen, dich ganz weit nach vorne lehnen und sie damit füttern? Aber du musst warten, bis Kurisu den Mund ganz weit aufmacht und Aaah- Wah!”, rief Daru, der gerade noch rechtzeitig die Dr. Pepper fing, bevor sie seinen Kopf traf.

    “Steck du dir doch was in den Mund!”, entgegnete sie.

    Darus Blick schien sie zu fragen, ob ihr das gefallen würde, und Kurisu entschied, dass sie sich diese Anspielungen nicht länger antun konnte, ohne sich vor Ekel übergeben zu müssen. “Wenn ich hier zu Abend essen soll, müssen wir dringend einkaufen.” Nicht dass sie nach diesem Kopfkino noch sonderlich viel Appetit hatte. Sie hielt Okabe ihre ausgestreckte Hand hin.

    Dieser legte nur den Kopf schief. “Und was genau willst du jetzt von mir?”

    “Als Vorstand des Labors verwaltest du doch die Finanzen, also gib uns Geld.”

    “Was man nicht hat, kann man nicht ausgeben", murmelte Daru von hinten.

    Okabe stemmte die Hände in die Hüften. “Und als solcher bin ich als Einziger in der Lage, das Unheil abzuwenden, das uns befallen wird, wenn du unser Abendessen zubereitest.”

    “Ich kann gut kochen!”, protestierte Kurisu.

    Stille legte sich über den Raum. Sogar Mayuri hielt den Mund, als sie nichts Nettes zu sagen wusste.

    “Okay, vielleicht nicht gut…”, gestand sie sich kleinlaut ein.

    “Vielleicht sollten wir einfach etwas bestellen", schlug Daru vor.

    “Wenn ihr kein Geld für's Einkaufen habt, dann dafür erst recht nicht", stichelte sie und schaute Okabe abwartend an. Vermutlich war der letzte Rest für diesen wahnwitzigen Berg an Dr. Pepper draufgegangen, den Okabe in mehreren Instanzen zum Labor geschleppt hatte. Selbst jetzt konnte er nicht einmal eine Büroklammer heben, ohne dass seine Arme vom Muskelkater schmerzten.

    Dieser seufzte. “Mayuri!”, rief er, welche sich gerade hinstellte und ihn mit einem bemüht pflichtbewussten Gesicht anschaute, “deine Mission ist es, die Beschaffung der Lebensmittel zu überwachen und uns vor der Katastrophe zu bewahren, die Kurisu mit ihnen über uns bringen wird!”

    Mayuri legte eine Hand über ihre Augenbraue, also würde sie gegen die Sonne schauen. Okabe war froh, dass Suzuha nicht da war, sonst würde sie ihr eine gehörige Lektion in Sachen militärischer Haltung zu geben. Ein Stich in seiner Brust erinnerte ihn daran, dass sie das nie wieder sein würde.

    “Verstanden", sagte im Singsang. Dann nahm sie Kurisus Hand und zog die überrumpelte Wissenschaftlerin aus dem Labor. “Ich freu mich schon, für alle zu kochen. Je mehr, desto besser. Aber was machen wir dann? Ah, ich weiß schon. Oder doch..."

    Keiner der Männer verbarg seine Schadenfreude darüber, dass Kurisu das alleinige Opfer von Mayuris Monolog war.

    “Also dann, zurück an die Arbeit", sagte Okabe, nahm sich eine Dr. Pepper aus dem Kühlschrank und durchsuchte das Fernsehen nach interessanten Themen. Daru tat es ihm im Internet gleich und es war schwer zu sagen, wer seine Zeit mehr verschwendete.




    Es klingelte an der Tür, doch Okabe hatte keine Lust, sich vom Sofa zu erheben. Er hob den Blick, um Daru einen Befehl zu erteilen, doch dieser war längst aufgestanden. Da man ihn sonst nur mit viel mehr Mühe, als es ihm körperlich machte, zu Bewegung überreden konnte, war sofort Okabes Interesse geweckt. Er ging um die Ecke, fand aber nur seinen besten Freund vor, der durch den Türspion spähte.

    “Willst du nicht aufmachen?”, fragte er, seine Stimme eine Spur zu forsch.

    Daru zog die Stirn kraus. “Ich sehe keinen. Scheint wohl wieder einer dieser kindischen Klingelstreiche zu sein.”

    Okabe erinnerte sich nur zu gut an all die Male, an denen er zur Tür geeilt war, nur um dahinter niemanden zu finden. Wie oft hatte er Zeit verschwendet, die er besser in seine Experimente hätte stecken können? “Wehe, das ist wieder Nae.” Er hatte sie von Anfang an im Verdacht gehabt, doch nur die kleinste Anspielung auf das Fehlverhalten seiner Tochter ließ Mr. Brauns Faust so rasch in die Höhe schnellen, dass er Okabe mit der Kraft bis auf den Mond katapultieren würde. Dabei konnte das Mädchen wirklich mehr Beschäftigung brauchen, um ihr diese Flausen auszutreiben.

    “Ich kann euch hören!”, kam es in einer Mädchenstimme von der anderen Seite und Okabe hatte das Gefühl, dass, wenn die andere Person Türen eintreten könnte, sie das bereits getan hätte.

    So jemanden wollte er erst recht nicht in seiner Wohnung haben. Allerdings würde sich das Problem auch nicht in Luft auflösen, egal wie klein es war. Zeit also, sich ihm mit seinem scharfen Wissenschaftlerverstand zu stellen.

    “Sollte man beim Klingelstreich nicht eigentlich wegrennen?”, fragte er laut genug, dass sie ihn ganz sicher klar verstand, bevor er dann die Tür öffnete. Beim Anblick stockte ihm der Atem. “Du bist ja wirklich ein…”, stotterte Okabe, doch er hielt inne, als das Mädchen ihn wütend anfuhr.

    “Ich bin kein Kind!”, rief sie und hielt ihm ihren Ausweis ins Gesicht, sodass er seine Nase eindellte. “Damit das schon mal klar ist.”

    Okabe hörte Darus plumpe Schritte in der Wohnung verhallen und rollte mit den Augen. Treuloser Hund.

    Nur mit Anstrengung konnte er das Geburtsdatum lesen. Der Schock, dass sie sogar älter war, saß so tief, dass er gar nicht bis zum Namen kam.

    Sie steckte das Dokument zurück in ihre Umhängetasche und verschränkte die Arme. “Aber wie es aussieht, bin ich hier sowieso falsch.” Abschätzig betrachtete sie Okabe, als wäre er auf mehrere Arten überhaupt nicht das, was sie erwartet hatte - und alle im negativen Sinne.

    Dieser verschränkte ebenfalls die Arme und genoss es, dass er so einfach auf sie herabschauen konnte. “Der Kindergarten ist ein Stockwerk tiefer.”

    Die junge Frau schüttelte den Kopf und tippte auf ihrem Handy herum. Ein paar Sekunden später hatte sie den Screenshot eines Chatverlaufes ausgewählt. “Kannst du mir dann wenigstens erklären, wie ich hier hinkomme? Und wehe, du treibst deine Späße mit mir, ich hab deine Adresse!”

    Okabe hörte gar nicht mehr zu, während er die Nachricht las. Verwundert erkannte er, dass die fremde Frau goldrichtig war. Der Hinweis “Die dunkle Treppe hoch und die erste Tür rechts im Gang, wo schon die Farbe abblättert” ließ ihn die Augen verengen. “Wer hat dich geschickt? Bist du eine Spionin einer dunklen Organisation, die eine geschrumpfte Wissenschaftlerin einsetzt, damit sie uns mit ihrem selbst entwickelten Gift töten kann?” Als er einen Moment über die Worte nachdachte, fiel ihm auf, dass er sie sich tatsächlich gut in einem weißen Kittel wie dem seinen vorstellen konnte. Die Macht des Kleidungsstückes war wahrhaftig grenzenlos. Bestimmt wäre sie eine Biologin, denn die wirren Haare legten den Schluss nahe, dass sie eine Tierfamilie darin behausen könnte.

    Sie verzog das Gesicht so sehr, dass es aussah, als würde sie einen Schlaganfall erleiden. “Ich hab das von einem … Bekannten”, brachte sie heraus, obwohl ihr ganz klar nicht wohl dabei war, weiter mit ihrem Gegenüber zu reden.

    Okabe spähte auf den Absender und bemerkte den Avatar, der eine sowohl zuckersüße als auch aufreizend schauende Grundschülerin abbildete. Dass sie nicht zugeben wollte, dass sie ihn vermutlich noch nie persönlich gesehen hatte, tat ihr Übriges. “Daru, hör sofort auf, Lolis zu dir nach Hause einzuladen! Ist mir egal, ob sie legal ist oder nicht. Wenn das FBI an unsere Tür klopft und so unser geheimes Labor findet, sind wir alle erledigt!”, fuhr er seinen Freund an, der sich noch nicht wieder hatte blicken lassen. Okabe drehte sich ruckartig zu der Fremden um. “Du bist doch nicht vom FBI, oder?” Allerdings hätte er auch nicht erwartet, dass eine ihrer Agentinnen in einem weißen Sommerkleid und Kniestrümpfen auftauchen würde. Irgendwas sagte ihm, dass sein bester Freund seine Finger im Spiel hatte und es geschafft hatte, seine Internetbekanntschaft zu einer wahrgewordenen Fantasie zu machen.

    Sie klatschte eine Hand auf ihre Stirn. “Als würden die sich mit solchen Spinnern abgeben.” Und damit trat sie an Okabe vorbei und lief prompt in Daru hinein, der mehrere Köpfe größer war als die Fremde. Okabe sah gerade noch, wie er das blutige Taschentuch von der Nase nahm, während sie zurückstolperte. “Tut mir leid”, sagten beide gleichzeitig. Daru lächelte verlegen und schien bei dem Gedanken an ihre Berührung - so ungewollt sie auch gewesen war - noch eine angemessene körperliche Reaktion abseits des Nasenblutens zu bekommen.

    Maho hingegen schaute ihn an und nickte gedankenverloren. “Das passt schon eher”, murmelte sie. Sie streckte eine Hand aus, die ihm gerade bis zum Bauch ging. “Freut mich, dich kennenzulernen. Ich bin Maho Hiyajou. Maho reicht aber völlig.” Offensichtlich verspürte sie die gleiche mulmige Freude wie vor einem Blind Date. Bei dem merkwürdigen Empfang war ihr das auch nicht zu verdenken.

    Daru räusperte sich, doch seine Stimme war immer noch eine Oktave höher, als er antwortete: “Und mich noch viel mehr. Daru Itaru, aber du kannst mich Daru nennen.” Er schüttelte ihre Hand, die ganz in seiner verschwand.

    Als er sie wieder freigab, standen sie einen langen Moment peinlich schweigend im Raum. Okabe seufzte, wohl wissend, dass die Rettung des Tages in seinen Händen lag. “Mich nennt man Hououin Kyouma - wenn man sich traut. Also, Maho, was führt dich in unser wundervolles Land?”

    “Für dich Hiyajou", sagte sie mit einem süffisanten Seitenblick. Knapp angebunden fügte sie “Arbeit" hinzu, als wäre jede Information eine zu viel. Dann wandte sie sich an Daru. “Ist der hier dein Mitbewohner?”

    Okabe brach in sein bestes Mad-Scientist-Lachen aus. “Da hast du etwas verwechselt. Das hier ist mein Labor und Daru ist einer meiner treuesten Untergebenen. Du stehst hier vor den Gründungsmitgliedern des Future Gadget Laboratorys.”

    Maho schaute sich genau um, doch mit jedem Zentimeter wuchs die Falte zwischen ihren Augenbrauen. “Ja ja, ganz tolles Labor hast du hier”, versicherte sie ihm, als würde sie einem Kind sagen, dass auch sie seinen imaginären Freund sehen konnte.

    “Keine Sorge, man gewöhnt sich an ihn”, sagte Daru beschwichtigend.

    Maho zuckte mit den Schultern. “Ich händle großkotzige Wissenschaftler, die doppelt so alt und vermutlich auch doppelt so schlau sind wie er. Ich komme mit ihm klar.”

    “Im Notfall kannst du ihn mit Wasser abspritzen.” Daru deutete auf die Sprühflasche auf dem Fensterbrett. Sie trug die krakelige Aufschrift “Christina-Disziplinar-Gerät.”

    “Aaalles klar", sagte Maho gedehnt, sah allerdings nicht so aus, als wolle sie sich auf sein Level begeben.

    “Willst du vielleicht etwas trinken?”, fragte Daru, dem die Höflichkeit gefühlte fünf Wortwechsel zu spät einfiel.

    “Kaffee wäre gut, ich hab im Flugzeug kein Auge zubekommen.” Sie streckte sich und stellte ihren Rucksack in eine Ecke. “Macht es dir was aus, wenn wir die Arbeit auf morgen verschieben? Ich komme mir vor, als bestünde mein Gehirn nur noch aus Pudding.

    “Gar kein Problem", antwortete Daru, während er ihr eine Tasse aufbraute. “Du hast Glück, die Kaffeemaschine haben wir erst kürzlich gekauft. Aber wenn du willst, kannst du auch auf der Couch nappen.”

    Maho schaute das Möbelstück an, als wäre selbst der unbequeme Untergrund es wert, ihre Erziehung zu vergessen.

    Okabe, dem bei den Worten eingefallen war, dass er langsam mal einen Anruf tätigen sollte, sagte ihnen: “Ich bin mal telefonieren. Vergewaltige sie nicht, während sie schläft.”

    “Ja ja”, sagten beide nur abwesend, während er vor die Tür trat.


    Kurisu drehte sich vom Regal weg, als sie das Kribbeln in der Nase spürte, das sie niesen ließ.

    “Hast du dich erkältet?”, fragte Mayuri besorgt, doch kurz darauf wurde sie abgelenkt. Kurisu hatte sich gerade an das nervige Gedudel des Convenience Stores gewöhnt, als sich Mayuris Klingelton darunter mischte. Das Lied hätte glatt einer Magical Girl Serie entspringen können - und zu ihrer Schande hatte Kurisu sogar ein Bild im Kopf, welche es war.

    “Tuturu", meldete sie sich und hielt sich das andere Ohr zu, um besser hören zu können. Ein paar Sätze später hellte sich ihr Gesicht auf. “Yay, noch mehr Besuch", verkündete sie strahlend und hüpfte kurz auf der Stelle.

    “Ich glaube, den kriegen wir auch noch versorgt”, sagte Kurisu mit einem Seitenblick auf den vollen Einkaufskorb. Sie hatte so schon die Befürchtung, dass selbst einem Genie wie ihr keine physikalische Möglichkeit einfallen würde, wie sie die Einkäufe zurücktransportieren sollten - oder eine, die keinen Hilferuf nach männlicher Unterstützung beinhaltete. “Wer ist es denn?”

    Mayuri schaute verdutzt, als ihr auffiel, dass sie gar nicht danach gefragt hatte. Sie betrachtete das Handy in ihrer Hand, zuckte aber nur mit den Schultern und ließ es in ihre Tasche gleiten. “Ist ja auch egal, es wird sicher lustig. Und dafür brauchen wir auf jeden Fall noch Nachtisch.” Sie wandte sich dem Regal zu wie ein Kind an Weihnachten.

    Kurisu hatte die wachsende Befürchtung, dass sie wegen Mayuris mangelnder Entscheidungsfreude hier nie wegkommen würden. Nie hätte sie gedacht, dass ganztägige Öffnungszeiten ein Fluch für jemand anderen als die Mitarbeiter waren. “Wie wäre es mit Pudding?”

    Mayuri lächelte noch etwas breiter. “Stimmt, das ist ja dein Lieblingsnachtisch. Dann essen wir den auf jeden Fall.” Sie legte einen Finger auf ihr Kinn. “Ich meine, wir haben erst welchen eingekauft, aber dann hat Okabe die letzten drei gegessen, kurz bevor du kamst.”

    Kurisu, die schon die erste Packung aus dem Regal nahm, zerdrückte sie versehentlich in ihrer Hand. “Das hat er doch mit Absicht gemacht", murmelte sie, als sie sich den Inhalt von der Hand leckte.

    “Alles okay?”, fragte Mayuri besorgt, während sie bereits den Boden mit einem Papiertaschentuch abwischte.

    “Lass mich das machen, das war meine Schuld.” Die Wissenschaftlerin kramte in ihrer Tasche, woraufhin noch mehr auf den Boden platschte.

    Mayuri kicherte. “Ist schon gut, ich erledige das.”

    Kurisu seufzte. Hoffentlich hatte das niemand mitbekommen. Sie stellte den Becher auf das Regal, bevor sie die nächsten Packungen behutsam in den Plastikkorb legte. Vorsichtshalber packte sie ein paar mehr ein, falls Okabe wieder ein unerwarteter Heißhunger befallen sollte.


    Okabe bekam eine leise Ahnung, was Suzuha damit gemeint hatte, als sie vom Krieg gesprochen hatte. Die Schreie der Menschen im Todeskampf hallten von den Wänden des Labors nieder, während auf die Tasten eingehämmert wurde wie mit Fäusten auf dem Bildschirm.

    Okabe hätte sich am liebsten einfach seinen Experimenten zugewandt, aber das konnte er nicht machen, solange der Eindringling hier war. Er hatte die dunkle Vorahnung, dass sie nur auf den Moment wartete, an dem er den Vorhang zurückziehen würde, um sich auf seine wertvollsten Besitztümer zu stürzen. Wie gut, dass sein Freund das Spiel noch laufen hatte, und Okabe beim Zappen versehentlich darauf gelandet war. Seitdem hingen sich die beiden Halbstarken, die sich vorher nur peinlich im Raum umgesehen hatten, wie Straßenkatzen in den Haaren. Mahos pinkler Flummi sprang wie ein kopfloses Huhn über die Stage, während Darus klischeehafte Prinzessin auf die Landung wartete, um sie in Empfang zu nehmen.

    Verstohlen wechselte sein Blick zwischen seinem Handy und der Uhr. Spätestens wenn Mayuri durch diese Tür kommen würde, würde sie die Situation aufzulockern wissen. Er wusste allerdings nicht, wie er Kurisu einschätzen sollte. Bisher war sie mit allen gut klar gekommen, aber die junge Frau auf seiner Couch schien nicht gerade die Sozialste zu sein. Vermutlich würde es in einem Stadium höflicher Ignoranz enden.

    “Gnaaah!” Maho schrie so laut, dass er sich die Ohren zuhielt. Wie konnte ein so kleines Wesen nur so laut werden? Er schaute gerade noch rechtzeitig zum Bildschirm, wo die pinke Kugel frontal von einem Golfschläger erwischt wurde und mit solcher Wucht gegen den Bildschirmrand geschlagen wurde, dass sie wohl als pinker Farbklecks geendet hätte. Die Siegesmelodie ertönte und verkündete, dass Darus Zähler schon längst zweistellig war und auf Mahos Seite eine traurige Eins seit einer halben Stunde ihr Dasein fristete. Aus Mitleid hatte Daru ein ebenso rosafarbenes Etwas genommen, das er sonst großräumig mied. Maho war nicht mal in die Nähe zum Schlag gekommen, als Daru sich zum 3. Mal durch einen Walzer von der Stage und in den Abgrund gerollt hatte.

    “Ich hab keine Lust mehr”, murmelte Maho schmollend, während sie sich streckte und Daru mit ihren Füßen anstupste. Das Sofa war Okabe noch nie so klein vorgekommen.

    “Bist du sicher? Du hättest mir fast ein Leben abgezogen”, sagte Daru, der so aussah, als könnte er das den ganzen Tag tun - was er bewiesenermaßen getan hatte, als es mal ein Fanturnier in Akiba gegeben hatte. Zum Glück hatte Okabes rechte Hand schon damals eine solche Statur gehabt, sodass kein schlechter Verlierer es gewagt hatte, seinen Frust abseits der Konsole an ihm auszulassen. Andere hatten nicht so viel Glück gehabt, weshalb das Ganze als die “Blutige Schlacht von Akiha” in die Geschichte eingegangen war - ein geradezu generischer Name, aber Okabes Kreativität war ja nicht gefragt worden.

    “Neee, ich hab keinen Bedarf, dass mit mir so der Boden aufgewischt wird”, sagte sie seufzend und richtete sich auf. “Na los, zeig mir schon, woran du arbeitest. Vielleicht kann ich dir ja behilflich sein.”

    Daru lachte auf, als er zu seinem PC ging, um ihn aus seinem Sekundenschlaf zu erwecken. “Sollte es nicht eher andersherum sein? Immerhin bist du ja die Damsel in Distress, die die Hilfe des strahlenden Ritters erbeten hat.”

    Maho gab ihm einen mürrischen Seitenblick. “Wenn du auf ein Szenario wartest, in dem du mich retten musst, kannst du lange warten. Außerdem ist das zu komplex, um es dir an einem Abend zu erklären.”

    Daru schaute über die Schulter. “Du weißt schon, dass du mit demjenigen sprichst, der dir über Nacht drei Skins erstellt hat?”

    “Pah. Masse statt Klasse. Die Ränder waren noch zu sehen und es hat auch nur funktioniert, wenn sie absolut stillstand. Das sah teilweise wirklich grotesk aus mit den vier Armen.”

    Daru hob abwehrend die Hände. “Gut, vielleicht muss ich am Finetuning noch arbeiten. Aber du hast ja eh gesagt, dass du an Äußerlichkeiten kein Interesse hast.”

    “Nachdem ich festgestellt hatte, dass es bei deinem Projekt noch nicht viel mehr gibt, war das umso klarer für mich.” Sie drehte sich auf der Couch herum und starrte zu seinem Bildschirm. Frustriert bemerkte sie, dass er so weit im Tisch eingebaut war, dass sie nicht mal einen Pixel sehen konnte.

    “Hey, den meisten Kerlen musst du nur ein Bild schicken und schon sind sie Feuer und Flamme, es auszuprobieren.”

    “Und schon wieder ein Beweis, dass ich solche Menschen einfach nicht verstehe. Was findet ihr nur an diesen ganzen Computermädchen?”

    Daru grinste. “Du scheinst ja selbst ganz fixiert auf sie zu sein.”

    Mahos Augen wurden groß, doch dann verschränkte sie die Arme. “Natürlich, das gehört ja auch zu meiner Arbeit - und es gehört sich nicht, in fremder Leute Code herumzuwühlen!”

    Daru zuckte mit den Schultern. “Kann ich ja nichts für, wenn du mir die Information so bereitwillig in die Hände spielst. Außerdem kann es sich bei den Maßen doch nur um eine mittelgroße Frau mit durchschnittlicher Körbchengröße handeln.”

    Okabe, der bis jetzt beschäftigt gewesen war, der Diskussion irgendwie zu folgen, klopfte seinem Hacker auf die Schulter. “Weiter so, Labormitglied 003. Wir brauchen jedes Detail, dass du dem Feind aus den Fingern saugen kannst.”

    “Hast du ihm irgendwas erzählt?”, fragte Maho und schien nicht so recht zu wissen, ob sie sauer oder besorgt sein sollte.

    “Nah, ich würde doch niemals etwas leaken. Außerdem würde der Noob doch eh kein Wort davon verstehen.”

    “Daru, etwas mehr Respekt vor einem Mad Scientist, wenn ich bitten darf. Mit meinem Verstand kann ich alles erreichen, wenn ich nur will!”

    Daru schenkte ihm einen bemitleidenden Blick. “Du weißt schon, dass deine Mutter dir das nur gesagt hat, weil sie dir nicht die Wahrheit zumuten wollte?” Sowohl er als auch Maho lachten so laut, dass Okabe befürchtete, Mr. Braun würde wegen einer Ruhestörung gegen die Decke schlagen. Gut möglich, dass er ein Loch in den Boden hauen und sie alle im nächsten Moment ein Stockwerk tiefer landen würden.

    “Mayushii will auch lachen!”, kam es von der Tür und sie zog so hastig die Schuhe aus, dass sie in den Raum stolperte. “Tutu-”, machte sie, doch der letzte Laut blieb ihr im Hals stecken, als sich ihre Überraschung in Mahos Gesicht spiegelte. Mayuri fing sich allerdings bedeutend schneller und einen Moment später hatte sie die Fremde in eine Umarmung gezogen. “Neuer Freund!”, rief sie glücklich.

    Okabe wusste nicht, ob Mahos Ringen nach Luft vorgetäuscht war, aber er klopfte Mayuri auf die Schulter. “Na na, wir wollen sie doch nicht gleich kaputt machen”, tadelte er gespielt.

    Sogleich ließ Mayuri von ihr ab und beschränkte sich auf ein freundliches Lächeln. “Es ist nur schon fast ein Jahr her, seit wir einen Neuzugang hatten. Und dann auch noch einen so jungen.”

    Maho war einen Atemzug von einer Erwiderung entfernt, als ein lautes Seufzen von der Tür her sie unterbrach. “Sag mir bitte nicht, dass Okabe das Nachbarskind entführt hat. Eine Geisel reicht ihm wohl nicht mehr”, rief Kurisu verstimmt und schien auf das Schlimmste gefasst, als sie den Raum betrat.

    Offensichtlich hatte das nicht das vor ihr liegende Szenario mit inbegriffen.

    Zufrieden stellte Okabe fest, dass ihr Mund offen stand wie der eines Fisches. “Christina, darf ich vorstellen?”, verkündete er und zeigte auf Maho.

    “Nicht nötig”, sagten beide mit einer Mischung aus Freude und Perplexität. “Was machst du hier?”, fragten sie sich gegenseitig.

    “Bitte hört nicht auf, eure Sätze synchron zu sagen”, schwärmte Daru und sah aus, als würde sein Nasenbluten jeden Moment wieder einsetzen.

    “Halt du dich da raus!”, fuhren sie ihn zusammen an, was beiden ein Lächeln entlockte.

    “Wie bist du an diesen komischen Haufen geraten?”, stellte Maho als erste ihre Frage und schien gar nicht zu wissen, in was für eine Hierarchie sie die Anwesenden dahingehend bringen sollte. Okabe und Daru schauten milde beleidigt, während Mayuri grinste, als sei das genau die Bezeichnung, die sie auch gewählt hätte.

    “Dasselbe könnte ich dich fragen - gleich nach der Tatsache, dass du eigentlich gar nicht in Japan sein solltest.” Kurisu verschränkte die Arme und betrachtete Maho, als wäre diese eine Hürde in einem Experiment. “Bist du mir etwa hinterher geflogen?”

    “Red keinen Unsinn”, sagte Maho mit einem Schimmer von Rosa auf der Wange. “Das hat sich zufällig ergeben. Ich bin bei unserem Projekt nicht weitergekommen und als ich gehört habe, dass sich hier jemand mit dem Programmieren auskennt, hab ich um Hilfe gebeten. Von da an haben aber Leskinen und Reyes alles in die Wege geleitet, ich schwöre es.”

    Kurisu seufzte. “Die beiden wollen doch nur auf dem Laufenden gehalten werden, was ich hier so treibe. Dabei ist das eigentlich gar nicht so spannend.”

    “Jetzt mach aber mal halblang. Wie redest du denn da über unsere weltbewegenden Experimente, Assistentin?”

    Kurisu richtete ihren Zeigefinger auf Maho. “Wehe, du gewöhnst dir den Ausdruck an”, warnte sie, bevor sie zu Okabe herumwirbelte. “Und nenn mich gefälligst nicht Assistentin! Davon abgesehen bin ich davon überzeugt, dass die Welt sich in dem letzten Jahr genau so bewegt hat, als hätte es dieses Labor gar nicht gegeben.”

    Okabe schüttelte den Kopf, als wäre all seine Weisheit an ihr abgeprallt. “Oh du arme Unwissende. Noch hast du keinen blassen Schimmer davon, was es in Wirklichkeit mit der Welt auf sich hat.”

    “Können wir das auf später verschieben?”, quengelte Mayuri. “Wir müssen noch das Abendessen kochen und es gibt da diese Sendung, die ich gerne noch sehen würde.”

    Okabe legte seine Hände auf ihre Schultern und sah sie eindringlich an. “Nein, Mayuri, das willst du nicht. Weißt du denn nicht, dass diese billigen Produktionen nur darauf aus sind, in dein Gehirn einzudringen und dich mit ihren Botschaften zu manipulieren?”

    Mayuris Augen wurden groß und sie schaute entsetzt zurück.

    “Ist er einer dieser Aluhüte-Fanatiker?”, fragte Maho flüsternd Kurisu mit einem misstrauischen Seitenblick zu dem selbsternannten Wissenschaftler, der seiner Kindheitsfreundin weitere Schauergeschichten erzählte.

    Kurisu zögerte abschätzend. “In diesem Stadium sollten wir lieber nichts ausschließen. Wer weiß, vielleicht ist er im letzten Jahr noch verrückter geworden.”

    Maho seufzte. “Da sollten sich lieber Fachleute drum kümmern.”

    “Pass lieber auf, er hat sogar eine Geisel.”

    “Was?!”, rief Maho entsetzt und schaute durch den Raum, als würde sie jeden Moment ein angekettetes, gequältes Mädchen in einer Ecke entdecken. Stattdessen sah sie nur Mayuri, die fröhlich winkte und verkündete: “Das ist Mayushii. Tuturu.”

    Maho überlegte, ob es noch früh genug war, ihren Verstand zu retten, wenn sie jetzt loslief.

    Neben ihr lachte Kurisu sich schlapp. “Da musste ich auch durch. Aber keine Sorge, Mayuri ist so ziemlich das liebenswürdigste Mädchen, das ich kenne.”

    “Awww”, machte Mayuri und umarmte Kurisus Arm, bevor sie diese in Richtung der kleinen Küchenzeile zog. “Komm, hilf mir.”

    “Nein", kreischten die Umstehenden und machten einen Satz nach vorn, um die Apokalypse zu verhindern.

    “Et tu, Maho?”, fragte Kurisu mit hochgezogener Augenbraue.

    “Du hast schon mal unsere Mikrowelle zerstört!”

    “Ich wollte doch nur ein Ei kochen”, schmollte Kurisu.

    Okabe lachte sein Mad-Scientist-Lachen. “Stimmt, wenn man Kurisu an eine Mikrowelle lässt, stürzt sie die Welt ins Chaos.”

    Kurisu verschränkte die Arme und drehte trotzig ihren Kopf weg. “Ohne mich würdest du immer noch verzweifelt versuchen, ihre Funktionen zu erforschen.”

    Spätestens jetzt zweifelte Maho seine Intelligenz an, wenn er mit den selbsterklärenden Aufwärmfunktionen einer Mikrowelle überfordert war.

    Okabe grinste. “Du vergisst, dass du mit einem verrückten Wissenschaftler sprichst. Ich weiß das Chaos zu schätzen.”

    Kurisu erstarrte für einen Moment, unwissend, wie sie auf diesen sanften Tonfall reagieren sollte.

    “Sucht euch ein Zimmer für euer Chaos", sagte Daru, der bereits seine natürliche Haltung eingenommen hatte und über seinem Bildschirm lehnte. Solange sich nichts weiter in die gewünschte Richtung entwickelte, sah er es nicht ein, seine Aufmerksamkeit umzulenken.

    “Willst du mir vielleicht helfen?”, fragte Mayuri freundlich Maho, die nur unschlüssig im Raum stand. Hinter ihr stritten sich Kurisu und Okabe so leidenschaftlich, dass sie in nächster Zeit wohl nicht damit aufhören würden. Mit einem Mal schien ein Disziplinargerät doch sehr sinnvoll. “Also wenn es dir nichts ausmacht. Immerhin bist du ja Gast bei uns, aber die anderen sind so beschäftigt.”

    “In Kurisus Fall ist es das Beste, wenn sie abgelenkt ist.” Erst dann fiel ihr auf, dass Späße auf Kosten ihrer Freundin, so wahr sie auch sein mochten, falsch aufgefasst werden könnten. Nicht allzu klug, wenn sie tatsächlich mit Daru zusammenarbeiten würde.

    Mayuris Lächeln ließ nicht vermuten, dass diese ihrem Gegenüber böse war, aber nur um sicher zu gehen, fügte Maho ein “Klar, gerne” hinzu und folgte der guten Seele des Labors zur Küchenzeile.

    “Kannst du kochen?”, fragte sie neugierig.

    Maho zuckte leicht unwohl mit den Schultern. “Na ja, ich wohne seit 3 Jahren nicht mehr Zuhause. Irgendwann lernt man das von ganz allein.” Sie würde allerdings nicht zugeben, dass sie 5 von 7 Mahlzeiten in der Mensa zu sich nahm und der Rest höchstens noch in eine Mikrowelle gesteckt werden musste.

    Mayuri machte große Augen. “Und das in deinem Alter? Mayushii ist beeindruckt.”

    Maho festigte ihren Griff um das Messer in ihrer Hand, ließ es aber sofort wieder locker, als sie den Druck gegen ihre Knochen spürte. Mayuri lächelte unentwegt, also schien sie von der unbeabsichtigten Geste nichts mitbekommen zu haben. Maho würde niemals jemandem Leid zufügen - außer vielleicht die Wissenschaftlerin in ihr, während sie sich tausendmal bei den Mäusen entschuldigte, die sie und Kurisu zum Wohle ihrer Experimente benutzten. “Ich bin 21”, erklärte sie nüchtern.

    Mayuri starrte sie an, das Blinzeln als einzige Reaktion, dass sie noch lebte. Sie kicherte nervös. “Wow, ich wette, du wirst echt lange so jung aussehen.”

    “Schwacher Trost”, murmelte Maho. “Ich durfte ja nicht einmal den Alkohol für die letzte Weihnachtsfeier besorgen. Die wollten sogar meine Eltern anrufen, weil sie dachten, ich hätte meinen Ausweis gefälscht. Und dann hat der Kioskbesitzer die Polizei gerufen. Es hat übrigens auch nicht geholfen, dass die dann meine Eltern angerufen haben, die nur gebrochenes Englisch können, und das halbe Gespräch aus wütenden japanischen Sätzen bestand, weil sie wegen der Zeitverschiebung um 5 aus dem Bett geklingelt wurden.”

    Mayuri lachte so laut, dass sogar Okabe und Kurisu ihr Wortgefecht unterbrachen und herüber schauten. “Ich sehe schon, das wird wirklich lustig mit dir.”




    “Oh man, das war das Beste, was ich seit Langem gegessen habe”, sagte Kurisu und ließ sich an die Sofalehne fallen.

    “Willst du noch etwas?”, fragte Mayuri, eine Hand bereits an den Topf mit Reis gelegt, um ihn zu ihrer Freundin zu schieben.

    Diese hob sofort ihre Hände. “Nein danke, ich bin vollkommen satt.”

    “Wem sagst du das”, murmelte Maho, deren schnelles Essen einem immer langsameren Gestochere gewichen war. Nun, da es ihre dritte Portion war, konnte ihr das auch keiner verübeln. Offensichtlich konnte auch sie nicht nein zu gutem Essen sagen. “Aber mal im Ernst, du kannst wirklich gut kochen.”

    Mayuri lächelte glücklich. “Das kommt daher, weil ich mir wegen euch allen so viel Mühe gegeben habe.”

    Maho piekste eines ihrer dilettantisch geschnittenen Paprikastücke auf und hoffte inständig, dass niemand etwas dazu sagen würde. Trotzdem grinste sie wie eine Idiotin wegen der unterschwelligen Botschaft, die in Mayuris Satz mitgeschwungen war. Wie konnte ein Mädchen, das bis vor ein paar Stunden nicht einmal von ihrer Existenz gewusst hatte, nur so nett zu ihr sein? Nun, vermutlich war sie das einfach zu allen und es hatte nichts mit Maho als Person zu tun. Es war ein Teil der japanischen Gastfreundschaft, der verlangte, dass man sich jedem, der zu Besuch kam, höflich und zuvorkommend gegenüber benahm. Allerdings ging dieses Abendessen ganz klar über den obligatorischen Tee hinaus.

    “Also du bist eine Kollegin von Kurisu?”, fragte Daru, der Maho immer noch ein bisschen suspekt war. Während sie geschrieben hatten, hatte sie manchmal das Gefühl gehabt, dass die beiden sich schon lange kannten. Doch je öfter sie seinen Blick auf sich spürte, desto unwohler wurde ihr. Sie nahm sich vor, das weiße Kleid ganz tief unten in den Koffer zu stecken und nie wieder herauszuholen.

    “Mhm”, sagte sie und steckte sich das Stück Paprika in den Mund, nur um so zu tun, als wäre sie mit dem Kauen beschäftigt und gerade keine gute Gesprächspartnerin. Immerhin war es abzusehen, in welche Richtung die Gespräche an diesem Abend gehen würden. Sie war froh, schon gegessen zu haben, denn der Appetit war gerade dabei, mit jedem Bissen zu vergehen. Kurisu hatten sie die letzten Tage über bestimmt schon zu allem Möglichen ausgefragt und jetzt war wohl sie als neuester Neuling an der Reihe. Maho konnte es gar nicht leiden, wenn es um sie als Person ging. Kurz überlegte sie, einfach Amadeus laufen zu lassen und ihr KI-Ego die Fragen beantworten zu lassen. Erfahrungsgemäß war das aber keine Idee. Aus diesem metaphorischen Kindermund kamen manchmal Sätze, die in Maho die Versuchung aufkommen ließen, den Lautsprecher abzukleben.

    “Arbeitet ihr an dem gleichen Projekt?”

    Maho nickte und warf einen Seitenblick zu Kurisu, die gerade dabei war, Okabe die Schale Reis aus seinen Händen zu ziehen, während er sie neckend hoch über seinen Kopf hielt. Eigentlich hatte sie die Frage im Telefongespräch vor ein paar Tagen nur aus Spaß gestellt, aber scheinbar hatte Kurisu ihnen wirklich nichts von ihr erzählt. Maho zuckte nur mit den Schultern. Sie konnte nicht wirklich sauer auf Kurisu sein. An ihrer Stelle hätte sie das vermutlich nicht anders gemacht. Kurisu brauchte keine Vorstellung, wenn der Ruf einem vorauseilte. Und das Wenige, was es über Maho zu erzählen gab, konnte man auch unter den Tisch fallen lassen. “Genau.”

    “Wow, wie cool”, sagte Mayuri und rückte ein bisschen näher zu ihr. Maho wusste nicht, wieso diese knappe Antwort sie so ermutigt hatte, aber Mayuri schaute, als wäre die kleine Japanerin das Interessanteste in diesem Raum. “Arbeitet ihr auch in einem Labor, wie so richtige Wissenschaftler?”

    “Nun, nicht direkt”, sagte Maho und druckste herum, so wie immer, wenn sie erklären sollte, was sie tat. Wie immer klang es nicht besonders eindrucksvoll, wenn man sagte: “Unsere Arbeit findet zum Großteil am Computer statt oder wenn wir zum Recherchieren in die Bibliothek gehen.”

    “Hehe”, sagte Mayuri mit einem dümmlichen Grinsen, “dann machst du ja genau das Gleiche wie Daru.”

    Dieser verschluckte sich plötzlich an seinem Wasser. “Ich glaube, das ist nicht ganz so ähnlich. Stell es dir lieber so vor, Mayuri: Maho und Kurisu erstellen so etwas wie die Programme, die wir benutzen.”

    Maho runzelte die Stirn. “Ich glaube nicht…”

    “Oh, wirklich?”, fragte Mayuri und ihre Augen schienen zu leuchten. “Also so eines von den Spielen, bei denen Daru im Dunkeln vorm Computer sitzt und so tut, als würde er mit der Spielfigur auf ein Date gehen?”

    Ein Schauer lief Mahos Rücken herunter, als sie sich vorstellte, dass ihr gemeinsames Projekt damit verglichen wurde. Und noch einmal, als ihr bewusst wurde, dass dieser Kerl hier Amadeus eingekleidet hatte. Sie durfte niemals zulassen, dass er das echte Programm in die Finger bekam. Nicht auszudenken, was er damit tun würde, und wenn es nur in seiner Vorstellung war.

    Daru winkte ab. “Nah, das ist bestimmt irgendetwas von diesen hochkomplexen Sachen, die nur ein Bruchteil der Menschen jemals benutzen werden.”

    Maho schnaubte. “Glaub doch, was du willst. Amadeus ist sowieso nicht für den Massengebrauch bestimmt.”

    “A-ma-de-us?”, wiederholte Mayuri und neigte bei jeder Silbe ihren Kopf etwas weiter.

    “Das ist ein Männername. Vielleicht liegt die Parallele zu einem Eroge-Simulator doch nicht so fern”, sagte Daru und schien dabei ernsthaft ins Grübeln zu kommen.

    Maho wusste nicht einmal, wovon er sprach, aber ihr war recht schnell klar, dass es ihr auch egal war. “Ihr habt doch keine Ahnung!”, rief sie und stellte verwundert fest, dass dies tatsächlich stimmte. Was hatte Kurisu ihnen erzählt? Oder viel mehr, was hatte Kurisu ihnen nicht erzählt?

    Maho schaute zu ihr, wo sie ganz entspannt einen Pudding aß. Hatten die Anwesenden wirklich keine Ahnung, wer dort vor ihnen saß? Nun, sie kam sich auch nicht gerade vor wie im Kreis von ein paar Intellektuellen, die mit all ihren Publikationen vertraut waren. Und trotzdem schienen diese Leute sie bereits wie einen Teil der Gruppe zu sehen. Maho wusste, dass Kurisus Ruf ihr vorauseilte, aber scheinbar brauchte sie ihn gar nicht, um Freunde zu gewinnen.

    Mayuri, die für einen Moment verwirrt ausgesehen hatte, setzte ein Lächeln auf. “Ich schätze, da hast du recht. Aber ich wette, ihr müsst beide super schlau sein, um an so einer Sache forschen zu dürfen.”

    “Scheint, als hätten wir hier konzentrierte Intelligenz vor uns”, sagte Daru und tätschelte Mahos Kopf.

    “Lass das”, rief Maho und versuchte, nach seiner Hand zu greifen, doch die hatte er schon weggezogen. “So schlau bin ich jetzt auch wieder nicht”, hörte sie sich sagen, was schon reflexartig ihren Mund verließ.

    “Schlau genug, um trotz deines jungen Alters schon als Forscherin zu arbeiten. Du musst ja eine Menge Klassen übersprungen haben.”

    Nicht so viele, wie du glaubst. “Nur zwei, das ist gar nicht mal so besonders.”

    Mayuri kratze sich verlegen am Hinterkopf. “Und ich bin schon froh, wenn ich keine wiederholen muss.”

    “Ach, die Schule ist nicht alles”, sagte Maho schnell, doch statt dass es ihr das Gefühl gab, das Mädchen vor sich aufgeheitert zu haben, hätte sie wohl auch genauso gut sagen können, dass sie lieber reich heiraten sollte.

    Allerdings schien sie sich davon nicht beirren zu lassen. “Das stimmt. Dafür habe ich meinen Nebenjob, der mir super viel Spaß macht, meine Cosplaysachen und ganz viele Freunde”, rief sie und einen Moment später hing sie an Mahos Arm, die in eine Art Schockstarre verfallen war.

    “Ich glaube, ich muss mal so langsam los”, sagte sie und im nächsten Moment blickte Mayuri drein wie ein trauriges Klammeräffchen.

    “Du bist doch gerade erst gekommen!”, rief sie, aber dann nickte sie verständnisvoll. “Ach so, sag das doch gleich. Du bist vermutlich müde vom Flug und dem Ganzen.” Und mit einer schwungvollen Bewegung zog sie Maho auf ihre Füße und schleifte sie hinter sich her. “Danke, dass du trotzdem zu uns vorbeigekommen bist. Warte einen Moment. Noch nicht weglaufen.” Sie zwinkerte Maho zu, die ihr verwirrt nachblickte, während Mayuri ein bisschen in der Küche herumhantierte und Maho schließlich eine Plastikdose reichte. “Hier, für dich. Ich weiß nicht, ob du eine Mikrowelle hast, aber das hier schmeckt zur Not auch kalt. Und wenn nicht, dann komm einfach vorbei. Du kannst gerne unsere benutzen”, sagte sie, während sie das metallische Gerät neben sich tätschelte. Maho konnte an seiner Seite ein paar Plastikstreifen erkennen, aber sich keinen Reim darauf machen, was man mal daran befestigt hatte.

    “Ach, das geht schon, nur keine Umstände”, antwortete Maho, als sich die Dose bereits in ihren Händen befand und es für ein “Das kann ich doch nicht annehmen” schon zu spät war. Außerdem war Essen im Haus eine der Grundvoraussetzungen, um sich wohlzufühlen, und so müsste sie auch keine Angst haben, am nächsten Tag zu verhungern.

    “Soll ich dich vielleicht zum Bahnhof bringen? Es ist zwar noch nicht dunkel, aber er kann trotzdem ganz schön schwer zu finden sein. Ich habe mich die erste Zeit hier ständig verlaufen und musste Okarin fragen, wie ich wieder zurückkomme. Dann hat er mich bis nach Hause gebracht. ‘Ich darf auf keinen Fall riskieren, dass meine Geisel in die Hände der falschen Leute gerät’.”

    “Nein nein, ich komme schon klar. Mein Handy kennt den Weg.”

    Mayuri schien nicht sonderlich überzeugt. “Aber dann bist du trotzdem allein...”

    “Mach dir um mich keine Sorgen, ich bin in guter Gesellschaft.”

    “Ach so?” Mayuri blinzelte verwirrt. “Kennst du hier etwa jemanden?”

    “Nein, so ist das nicht. Aber ich kann jemanden anrufen, wenn mir danach ist.”

    Sie kicherte. “So wie ich das mit Okarin mache. Dem kannst du alles erzählen”, sagte sie und nickte dorthin, wo er sich mit Kurisu darüber stritt, warum er keinen Pudding haben durfte, den die beiden Mädchen mitgebracht hatten. Beziehungsweise hatten sie das bis vor ein paar Sekunden getan, denn jetzt kam Kurisu auf sie zu und ließ ihren Bekannten einfach zurück. “So ist das also, Senpai. Du redest lieber mit Amadeus als direkt mit mir?”, fragte sie mit einem anklagenden Blick, der sofort durch ihr neckendes Lächeln entkräftet wurde.

    “Das stimmt doch gar nicht”, sagte Maho schmollend. Sie hätte sich noch gerne etwas mehr mit Kurisu unterhalten - auch wenn sie in Amerika nicht gedacht hatte, dass ihr etwas so alltägliches einmal fehlen könnte, aber im Moment passte es einfach nicht. Immerhin hatten sie seit dem Beginn des Abendessens kein Wort mehr miteinander gewechselt und so, wie die Gespräche verlaufen waren, hatte es auch nicht den Anschein gemacht, dass sich dies ändern würde. Nun ja, jetzt konnte sie immerhin guten Gewissens schreiben, dass es Kurisu gut ging, und vielleicht würde Leskinen dann endlich aufhören, sie alle 2 Stunden zu fragen, ob es etwas Neues gab.

    “Naaa guuut”, sagte Kurisu gedehnt, als würde sie diese Tatsache nur mit großem Widerwillen akzeptieren. “Aber jetzt, wo du hier bist, müssen wir unbedingt - oh nein, leg das sofort wieder zurück. Und wage es ja nicht- Jetzt bist du zu weit gegangen!”, schrie sie und rannte zum Kühlschrank, wo Okabe die Plastikfolie des Puddings in der Hand hielt und wie ein unartiges Kind grinste. Dann wurden seine Augen groß, während er versuchte, Kurisu bei einem Slalom durch die Möbelstücke zu entkommen und gleichzeitig möglichst viel Pudding zu löffeln, bevor sie ihm den entreißen konnte.

    Maho seufzte. Das würde sie wohl nie verstehen.

    Mayuri fing ihren Blick auf und lächelte entschuldigend. “Vermutlich musst du dich erst noch daran gewöhnen. Also dann, bis bald”, sagte sie mit einem breiten Lächeln und winkte Maho hinterher, während sie die Tür schloss.


    Maho wusste nicht, was sie darauf erwidern sollte, und als es zu spät war, stand sie einfach nur da. Sie war zu sehr damit beschäftigt, das Geschehene Revue passieren zu lassen. Vermutlich würde sie den ganzen Abend damit verbringen, das zu verdauen, was hier gerade passiert war. So ein verrückter Haufen Leute. Und trotzdem hatte sie das Gefühl, nicht so richtig in den Kreis der Freunde herein gepasst zu haben. Vielleicht gab es mehrere Arten von Verrücktheit und ihre war nicht mit der der anderen kompatibel.

    Also hielt sie sich an die Dinge, die ihr vertraut waren, und wenige Sekunden später erwachte Amadeus zum Leben. Schneller als gewöhnlich. Maho schwante Böses und sie hatte sich gerade mal die Kopfhörer in die Ohren gesteckt, als Kurisus Ebenbild erschien, die Hände auf die Hüften gestemmt und einen schwer enttäuschten Blick auf ihrem Gesicht. “Na hör mal! Du kannst doch nicht jetzt schon gehen. Das waren ja gerade einmal 175 Minuten!”, informierte die KI sie.

    Lustig, dachte Maho, wie sich Zeit gleichermaßen kürzer und länger anfühlen konnte. “Ich kann gehen, wann es mir passt.”

    “Jetzt sei doch nicht so Ich-bezogen. Das eine Mädchen da wollte dich ganz offensichtlich noch dort behalten.”

    Maho wäre fast die Plastikdose aus der Hand gefallen. “Du solltest doch aufhören, mein Privatleben zu belauschen!”

    Amadeus zuckte mit den Schultern. “Und ich habe es dir schon mal gesagt: Wenn du Privatsphäre willst, dann schalte mich ab.”

    Maho verzog das Gesicht. “Na toll. Jetzt muss ich mir irgendeine Ausrede einfallen lassen, wieso 3 Stunden in deinem Protokoll fehlen werden.”

    “Hör auf, an meinen Erinnerungen rumzuwerkeln, allein die Vorstellung ist grausam. Wieso gibt es noch kein Gesetz zum Schutz der KIs, das das verbietet? Das wird allerhöchste Zeit”, forderte sie mit ausgestrecktem Zeigefinger, doch als Maho sich wenig einsichtig zeigte, ließ sie davon ab. “Ganz davon abgesehen, wird es den Professor bestimmt interessieren, was da vorgefallen ist.”

    “Oh ja, das glaube ich dir aufs Wort”, murmelte Maho. Wenn es nach ihm ginge, hätte Amadeus die Videofunktion gleich mitbenutzen können. “Aber ihm wird die Information reichen müssen, dass Kurisu wohlbehalten angekommen ist und sich gut einlebt.” Und mit diesen Worten schickte sie die SMS an ihn ab.

    Amadeus verzog das Gesicht. “Könntest du vielleicht damit aufhören, es so klingen zu lassen, als wäre sie ein Versuchsobjekt, dessen Status du dokumentieren musst?”

    “Keine Panik, ich bringe euch beide schon nicht durcheinander.”

    “Das will ich aber auch hoffen. Und trotzdem nennst du mich manchmal Kurisu.”

    Maho zuckte mit den Schultern. “Das rutscht mir eben manchmal so raus. Aber was ist denn schon dabei? Du basierst halt auf ihren Daten, also der Person, die sie zum Zeitpunkt der Einspielung war. Du wurdest dazu programmiert, dich wie eine täuschend echte Kopie von ihr zu verhalten.”

    Amadeus’ verengten Augen nach zu urteilen, schien sie nicht gerade überzeugt davon. “Aber ich bin auch nur genau das. Eine Kopie.”

    “Es sieht dir gar nicht ähnlich, so selbstkritisch zu sein”, bemerkte Maho.

    “Ich bin mir nur über die Grenzen meines Seins bewusst.”

    Maho lachte kurz auf. “Das klingt schon eher nach dir.”

    “Also, warum redest du lieber mit mir als mit dem Original knappe 487 Meter von dir entfernt?”

    Mahos Mund stand offen und als sie ihn mit einem Knurren schloss, knirschten ihre Zähne aufeinander. “Darum.”

    Amadeus lächelte. “Das ist eine ziemlich schwache Argumentation. Ich glaube-”

    “Oh nein”, schnitt Maho ihr mit gespielter Dramatik das Wort ab, “meine Bahn kommt. Ich würde ja noch zu gerne weiter mit dir plaudern, aber du weißt ja, wie kritisch Japaner sind, wenn man in der Bahn telefoniert.” Ein Zwinkern später beendete sie den Anruf. Es war gar nicht mal so sehr gelogen, denn kaum stand sie wirklich auf dem Bahnsteig, fuhr auch schon der passende Zug ein. Maho hatte nicht gedacht, dass sie so dankbar für die Stille im Abteil war - bis die Gedanken zurückkamen, die der Lärm zuvor vertrieben hatte.


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    Gemäß dieses Zitates erstelle ich doch mal auf Anraten von Cassandra ein Topic zu meinem neuesten Projekt. Ursprünglich hatte ich ein anderes Bild vorgesehen (wie hiernachzusehen ist). Ich habe sogar schon die nötigen Materialien bestellt und ein paar Stiche angefangen, aber schnell gemerkt, dass es doch sehr ambitioniert war. Daraufhin wollte ich die Anleitung noch einmal mit einem kleineren Version erstellen. Dabei habe ich festgestellt, dass ich es bisher nur mit Gitterlinien gesehen habe und es ohne echt ... grausam aussah. Vor allem im Gesicht hatte ich plötzlich zwei Farben, die keinen sanften Übergang hatten, sondern klar erkennbar und sehr verpixelt waren.


    Also habe ich die letzten Tage immer mal wieder verschiedene Einstellungen ausprobiert und ein bisschen mit Sättigung, Kontrast und Co. herumgespielt. All das hat leider nicht viel genützt, denn vor allem im Gesicht sah es recht ... suboptimal aus. Aber nun, heute bin ich auf dieses Bild dort oben gestoßen und das Vorbild gefällt mir nun viel besser. Es ist bei weitem nicht perfekt, aber vielleicht kommt man mit knapp 400 Farben und einer machbaren Breite auch nicht weiter als das.

    Jedenfalls werde ich jetzt am Wochenende noch einmal die beiden Anchor-Kästen meiner Mutter durchwühlen, ein bisschen was zurückgeben und hoffentlich auch etwas klauen. Nach etwa 100 (vergeblichen) Kreuzen kann ich auf jeden Fall sagen, dass die Zählhilfe Leben rettet. Eigentlich wollte ich auf Aida sticken, aber ich habe diesen Stoff wirklich nicht mehr so ekelhaft steif in Erinnerung... Da ist Lugana doch bei Weitem angenehmer und durch die Kästchen ist es auch nicht so schlimm, dass sie so nah beieinander liegen.


    Nun, jedenfalls ist das Bild mit 100k Kreuzen jetzt nur noch halb so groß. 280*360 Kreuze bzw. etwa 30*40 Zentimeter soll es am Ende werden. Schon eine Hausnummer, aber nun, im schlimmsten Fall habe ich nur ein weiteres gescheitertes Projekt in meiner Schublade liegen. Immerhin komme ich dann endlich mal zum Lesen Hörbücher hören xD

    Ich stand Montag im Netto beim Einkaufen und hab mir die Guthaben-Karten angeschaut, weil ich Netflix brauchte. Da waren bestimmt 30 Sorten, auch so was wie LoL, Roblux, eine Seite für Sportbekleidung... aber kein Netflix xD Weil ich schon mal da war, habe ich mir dann aber 20 Euro Steam Guthaben gekauft. Die Karten sind ja immer ganz gut, damit man ein Budget hat und nicht Augen zu und Karte durchziehen veranstaltet ;)

    (Das löst zwar nicht mein Netflix-Problem, aber für den Moment hat es geholfen xD).


    Gekauft habe ich bis jetzt noch nichts, aber das wird sich sicher ändern. Es ist ja zum Teil wirklich gruselig, wenn Spiele nur noch 25% oder so vom normalen Preis kosten... Nun, wenn man sich all die Spiele ansieht, die ich nicht einmal heruntergeladen habe, sollte ich das vielleicht nicht tun. Außerdem könnte ich sie mir im Moment sowieso nicht runterladen, weil mein Internet sich anfühlt wie limitierte mobile Daten... Aber wem mache ich etwas vor? Ich werde das Geld auf jeden Fall gut investieren - oder zu lange brauchen und alles verpassen. Ja, das klingt eher nach mir xD

    Kapitel 13


    Okabe hatte immer gedacht, dass der kleine Nudelsuppenladen um die Ecke eine Abneigung gegen alle technischen Neuheiten der letzten 20 Jahre hatte. Unzählige Male war er von der Bedienung mit diabolischen Blicken malträtiert worden. Dabei war es von größter Wichtigkeit gewesen, mit seinen Labormitgliedern wegen des Abendessens oder der Auswahl einer abendlichen Sendung zu korrespondieren.

    Augenscheinlich beschränkte sich das Verbot aber lediglich auf tragbare Mobiltelefone, denn niemand hatte Kurisu davon abgehalten, ihren mobilen Arbeitsplatz auf dem Tisch aufzubauen. Sie saß seelenruhig da, während sie in einer Fachzeitschrift blätterte und nebenbei mit ihrem Finger über das Mousepad fuhr. Okabe vermutete, dass die Gutmütigkeit der Bedienung darin begründet war, dass Kurisu in lebensbedrohlicher Nähe zum kleinen Laptop eine Schüssel mit Nudelsuppe und eine Cola stehen hatte. Innerlich schüttelte es ihn. Kapitalismus trieb wirklich die Schattenseiten der Menschheit zu Tage.

    Kurisu war so in ihre Tätigkeit vertieft, dass sie ihn nicht näher kommen sah, und er nutzte ihren Mangel an Verteidigung schamlos aus, um ihr zu zeigen, dass sie in keinem Moment ihre Deckung vernachlässigen durfte. So, wie sie da saß mit ihren abgeschweiften Gedanken und ihren Löffel auf halbem Weg zum Mund erhoben, konnte jeden Moment jemand vorbeikommen und sie angreifen - und genau das würde er ihr jetzt demonstrieren.

    "Christina!", rief er und knallte seine Handflächen auf das Holz des Tisches.

    Kurisu schrie auf wie eine Banshee, ließ den Löffel zurück in die Suppe fallen und griff nach dem Glas, das beim Aufprall tatsächlich fast übergeschwappt wäre. Als sie sah, wem sie diesen Beinahe-Herzinfarkt zu verdanken hatte, schaute sie Okabe mit noch mehr Mordlust an, als man ihr hätte entgegenbringen können.

    Okabe verschwendete keine Sekunde seines Momentums und solange der Schock die spitze Zunge seiner Assistentin noch im Zaum hielt, sprach er: "Ich bewundere deine Effizienz, dass du sogar deine Mahlzeiten nutzt, um unserem Labor durch deine Forschung zu Ruhm und Ehre zu verhelfen" - Kurisu blickte ihn an, als wäre das das Letzte, was sie hier tat - "aber ich muss dich doch sehr bitten, etwas mehr Vorsicht walten zu lassen. Du hast es hier mit etwas äußerst Sensiblem zu tun, das schon eine falsche Bewegung ins Chaos stürzen könnte, und ich bin mir nicht sicher, ob unser Computerspezialist schon über genug Magie verfügt, deinen Schaden zu beheben." Dem urbanen Mythos nach fehlten ihm auf dem Weg zu wahrer Erleuchtung noch 10 jungfräuliche Jahre, doch wenn Daru seinen Lebensstil so fortführen würde, schaffte er das mit Leichtigkeit.

    Kurisu rollte mit den Augen, sah aber nicht so aus, als hätte diese Geste auch nur einen Teil ihrer Frustration vertrieben. "Wenn hier einer einen Schaden hat, dann ja wohl du. Kommst eine halbe Stunde zu spät und spielst dich dann auch noch hier auf. Außerdem ist es ja wohl meine Sache, welchem Risiko ich meinen Laptop aussetze, oder? Wenn er kaputt geht, ist das ganz allein mein Problem."

    Okabe schüttelte den Kopf, die Hände auf Schulterhöhe nach oben gehalten wie ein Priester, der eine revolutionäre Wahrheit zu verkünden hatte. "Meine hochgeschätzte Assistentin-"

    "Nur für's Protokoll, ich fühle mich nicht angesprochen!"

    "Zu meinem größten Bedauern muss ich dir mitteilen, dass du schon wieder das große Ganze außer Acht lässt. Aber wie könnte ich das einem so naiven Wesen wie dir verdenken, das noch keine Ahnung davon hat, was für ein Schrecken sich in der Dunkelheit dieser Welt verbirgt?"

    "Du machst es schlimmer", knurrte sie, den Kopf auf ihre Hand gestützt und darauf wartend, dass diese Farce endlich ein Ende finden würde.

    "Aus diesem Grund muss ich dich noch einmal dafür sensibilisieren und appelliere an deine Mithilfe, die Geheimnisse unserer aufstrebenden Untergrundorganisation zu wahren, damit sie weiterhin aus dem Schatten heraus agieren kann."

    Kurisu sah ihn aus verengten Augen an. "Wenn du gleich gesagt hättest, dass du Angst hast, jemand könnte mitlesen, hättest du gar nicht erst so einen Aufstand machen müssen. Das hier sind weder Daten von meiner Forschung, noch aus eurem Labor - dessen Existenz mir sowieso niemand abkauft, weil man es für einen Witz halten würde. Glück für euch, schätze ich. Also dann, jetzt, wo wir den obligatorischen peinlichen Teil hinter uns haben: Setz dich und bestell dir etwas. Ich hab dich nicht umsonst eingeladen."

    "Wie überaus löblich, dass dir das Wohl deiner Freunde so sehr am Herzen liegt."

    "Wenn du glaubst, dass ich für dich bezahle, darfst du heute Teller waschen", stellte Kurisu sofort klar.

    "Ich würde doch niemals die Dreistigkeit haben, meiner Assistentin auf der Tasche zu liegen", entgegnete Okabe, dessen Blick zurück zum untersten Preissegment wanderte. Eigentlich musste er sie gar nicht erst studieren, wo dieser Ort doch ein wichtiger Grundpfeiler der leiblichen Verpflegung seiner Labormitglieder war und von ihnen so regelmäßig besucht wurde, dass es neben dem May Queen ihr zweiter Außenstützpunkt war. Also tat er, wie ihm geraten worden war, und traf seine Wahl.

    Irgendetwas an seiner Aussage brachte eine Leichtigkeit zurück, die Kurisus gereiztes Wesen zur Entspannung brachte. "So etwas Ähnliches sagt meine Senpai auch immer. Es ist ihr ja schon unangenehm, wenn ich ihr mal das Essen in der Cafeteria bezahle, weil sie sich mal wieder nicht erinnern kann, wo sie ihr Portemonnaie gelassen hat. Dabei sollte sie als Senpai eigentlich mir Sachen ausgeben - aber ich fürchte, den Teil hat sie nicht so ganz mitbekommen", erzählte Kurisu, scheinbar ganz in Gedanken verloren.

    Okabe nickte mit mehr Wissen, als er zugeben wollte. Ausgehend von dem Chaos, mit dem Maho ihr Zimmer bei Faris in eine Müllhalde verwandelt hatte, überraschte es ihn nicht, wenn ab und zu Dinge unter den Bergen von Papier und Unrat verschwanden. Selbst nach einer groß angelegten Aufräumaktion hatte es nicht mal einen Tag gedauert, dass von dem Fußboden nur noch kleine Stellen sichtbar gewesen waren.

    “Bestimmt findet sie das System einfach nur überholt, weil es die ranghöheren Mitmenschen einer gesellschaftlichen Verpflichtung unterwirft. In Wahrheit dient dies nämlich dazu, sie finanziell auszunehmen, bis sie vor dem wirtschaftlichen Ruin stehen. Aber dieses Phänomen der monetären Ausbeutung wird ja bereits professionell transkontinental betrieben.”

    “Was?”, fragte Kurisu, die seinem Gedankengang kein Stück folgen konnte. Nicht weil sie Probleme mit seinen krampfhaft hochgestochenen Wörtern hatte, sondern weil seine Hypothese einfach kein Bisschen Logik beinhaltete.

    Okabe hatte für sie nur ein müdes Lächeln übrig. “Na weil es ein Komplott der asiatischen Regierungen ist, lauter superschlaue Menschen auszubilden, um sie in die große, weite Welt zu entsenden und die Universitäten der reichen und entwickelten Länder zu infiltrieren, bis die Einheimischen keine Chance mehr für eine Aufnahme haben und vor lauter Konkurrenz von den Arbeitsmärkten vertrieben werden. Dadurch nehmen die Einwanderer ihnen die Jobs weg und schicken das Geld an ihre Familien daheim, während die gebürtigen Einwohner langsam zugrunde gehen, weil ihnen und ihrem Land die finanziellen Ressourcen schwinden.”

    Kurisu sah aus, als hätte sie irgendwann mal etwas sagen wollen, aber mittlerweile waren es so viele Einwände, dass sie nicht einmal wusste, wo sie zuerst einsetzen sollte. “Es gibt kein Komplott der asiatischen Regierungen. Nicht zu fassen, kennst dich nicht mal mit der Politik in deinem eigenen Land aus... Und ganz davon abgesehen wäre das ein ziemlich abgedrehter und nicht durchführbarer Plan. Die Forschung tendiert mittlerweile dahin, dass es nicht wirklich nur die eine Intelligenz gibt, die sich mit dem IQ-Test messen lässt. Nur weil man Menschen darauf trainiert, Logikrätsel zu lösen, bedeutet das noch nicht, dass sie wirklich erfolgreicher im Leben sind. Außerdem gibt es neben Veranlagung und Erziehung noch hunderte von Faktoren, die die Intelligenz eines Menschen beeinflussen können, wie Chancengleichheit, familiäres Umfeld, Erkrankungen - und vermutlich noch viele andere Dinge, die Menschen wie du ganz einfach als 'Glück' zusammenfassen würden, weil die Analyse im Detail sonst zu hoch für sie wären.” Kurisu stoppte ihre Erläuterungen vorerst und schaute Okabe prüfend an. Dieser schien nur darauf zu warten, dass sie weitermachen würde, als wolle er sagen “Den Triumph, dich mit so einem Basiswissen überlegen zu fühlen, gönne ich dir nicht.”

    Als sie gerade den Faden ihrer Gedanken wieder aufnehmen wollte, sagte er: “Sie klingt aber nach einer wirklich netten Person. Versteht ihr euch gut, du und Maho?", fragte er möglichst beiläufig. Zum ersten Mal fiel ihm auf, dass er bisher immer nur gehört hatte, was Maho über Kurisu gesagt hatte, aber nicht deren Sicht der Dinge. Nun, zumindest nicht persönlich. Allerdings wäre Okabe nicht überrascht, wenn Maho der KI einen digitalen Maulkorb programmiert hätte, um genau diese Informationen zurückzuhalten.

    Ein bisschen wunderte es ihn, dass Kurisu bisher nur spärlich von ihrem Leben in Amerika erzählt hatte, wenn überhaupt. Klar, sie hatte keine Gelegenheit ausgelassen, ihre ihrer Meinung nach überlegene Intelligenz in den Vordergrund zu rücken, aber ihr persönliches Ich war dabei kaum zum Vorschein gekommen.

    Kurisu runzelte die Stirn. "Woher weißt du, wie sie heißt?"

    Okabe stockte kurz der Atem, bis er sich daran erinnerte, was er jetzt zu tun hatte: Sich wie ein ganz normaler Mensch verhalten. Zugegeben, es gelang ihm nicht immer, obwohl es zum Tagewerk eines verrückten Wissenschaftlers gehörte. Es war essentiell, sich einer neuen Situation wie ein Chamäleon anzupassen, um kein unnötiges Aufsehen der falschen Leute zu erregen. Subtil war das Stichwort. Also dachte Okabe darüber nach, was für eine Antwort so jemand geben würde. "Ich denke mal, dass wir uns schon mal über sie unterhalten haben."

    Kurisu überlegte kurz, schüttelte dann aber den Kopf. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es schon mal zur Sprache gekommen wäre."

    Okabe war es gewohnt, dass man an seinen Worten zweifelte, aber in diesem Fall warf ihn das mehr aus der Bahn, als er es zugeben würde. Für gewöhnlich war es ein Spiel, zu sehen, wen er mit Rhetorik umstimmen konnte, und kein Verhör, das er überleben musste. “Weil du dich an alles erinnern kannst, worüber wir je geredet haben?”, fragte er mit hochgezogener Augenbraue. Es war nie verkehrt, Fragen zu stellen, damit das Gegenüber sich beim Nachdenken selbst verunsicherte.

    Kurisu schmollte. “Punkt für dich. Hast du ein Glück, dass du dich mit jemandem unterhältst, der genau weiß, wie schnell Menschen was vergessen. Du wärst überrascht, wie viel dein Gehirn in einer Sekunde wahrnimmt, und wie viel davon nicht einmal das Gedächtnis erreicht - und davon bleibt nach einer Minute nicht einmal mehr ein Bruchteil übrig. Nun, aber wo du mich gerade daran erinnerst, ist das die perfekte Überleitung.”

    Kurisu klickte kurz herum und drehte dann ihren Laptop zu Okabe, auf dessen Bildschirm das Titelbild einer PowerPoint-Präsentation angezeigt wurde.

    Okabe schaute verwirrt. “Willst du deinen nächsten Vortrag üben? Wenn ja, ist ‘Ein empirisches Beispiel des Beweises einer nicht-singulären Realität’ ein wirklich interessanter Titel.”

    Kurisu sah so unzufrieden mit ihm aus wie schon lange nicht mehr. “Nein, nicht wirklich. Obwohl es sich sicherlich wirklich gut als Thema eignen würde, sind mir die Beispiele doch etwas zu … persönlich.”

    “P-persönlich?”, wiederholte Okabe und schaute zu seiner Assistentin, die nun einen leichten Schimmer Rot um die Nase hatte, als würden ihr jetzt doch Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieses Unterfangens kommen. Deswegen griff sie um den Laptop herum und betätigte die Enter-Taste.

    Okabe erstarrte. Vor ihm wurden Dinge angezeigt, die ihn heute in seinen Träumen verfolgen würden. Würde Daru (oder irgendjemand anderes) hier sitzen, hätte dieser vor lauter Absurdität vermutlich laut losgelacht, aber für ihn war das bitterer Ernst. Immerhin war das nichts anderes als sein Leben, detailliert aufbereitet in absurder Kleinteiligkeit. Okabe wusste, dass es verrückte Menschen auf dieser Welt gab, die jeden ausgegebenen Yen oder jedes Geschehen penibel notierten. Das war ja noch mit einem irrationalen Zwang zu erklären oder hatte zumindest einen praktischen Nutzen. Was ihm hier allerdings präsentiert wurde, galt einzig und allein dem Zweck, ihm vor Augen zu halten, dass eine obsessive Assistentin ihm auf den Fersen war und genau wusste, womit sie ihn in der Hand hatte.

    Blut rauschte durch seine Ohren, sodass ihre Erklärungen nur noch ein Rauschen im Hintergrund waren. Wie hatte er so blind sein können? Hatte er wirklich nicht gemerkt, was sie die ganze Zeit im Schatten getrieben hatte und jetzt ans Licht brachte? Es graute ihm vor dem, was sie vorbereitet hatte, und gleichzeitig konnte er seine Augen nicht abwenden. Er musste einfach wissen, was für Geschütze sie auffuhr.

    Er zuckte nicht einmal zusammen, als die Kellnerin plötzlich die dampfende Schüssel Nudelsuppe auf seinen Platz stellte. Nur ein weiteres Puzzleteil ihres perfiden Plans. Das Essen war nur ein Vorwand, um ihn mit einer moralischen Obligation zur Vermeidung der Lebensmittelverschwendung an diesen Ort zu fesseln, damit er ihr zuhörte.

    Okabe räusperte sich, obwohl er sich nicht sicher war, dass ihm dies seine Stimme zurückgeben würde. "Das ist ja wirklich ein interessantes Schaubild, das du da erstellt hast… aber hat das auch irgendeinen praktikablen Nutzen?"

    Kurisu schnaubte. "War ja klar, dass du davon keine Ahnung hast. Man sagt zwar immer, dass gut erstellte Diagramme keinerlei Erklärung bedürfen, aber nun, ich schätze, es gibt für alles eine Ausnahme."

    Okabe hob eine Augenbraue und konnte sich das Grinsen nicht unterdrücken. "Würde das in diesem Fall nicht eher den Schluss nahelegen, dass es an der Erstellerin liegt?"

    Kurisu starrte ihn an, als würde sie ihm ihre Nudelsuppe über den Kopf schütten, wenn sie doppelt so heiß und halb so lecker wäre. Trotzdem hatte Okabe schon kalkuliert, dass er entkommen würde, wenn er den Tisch umwerfen und sich in dem Chaos aus dem Staub machen konnte. Genauer betrachtet könnte er aber vermutlich auch gleich sitzen bleiben und es über sich ergehen lassen. Kurisu war so versessen, dass sie ihn vermutlich noch finden würde, wenn er wie ein tibetanischer Mönch auf irgendeinem verschneiten Berg leben würde.

    Er schaute dabei zu, wie ihre Wangen sich bewegten, als sie ihre Zähne aufeinander biss. "Eigentlich bist du es gar nicht wert, dass ich hier so einen Aufstand mache, aber was soll's. Bringen wir es hinter uns." Sie deutete zu dem Bildschirm und je länger er auf den Graphen schaute, desto unwohler fühlte er sich. Erst war der Anstieg der Kurve kaum merklich, wo sie in Bodennähe herum dümpelte. Aber je weiter er nach rechts schaute, desto steiler wurde der Anstieg, bis auf der rechten Seite fast keine Luft mehr nach oben war. Auf der unteren Achse waren als Zeitintervalle die letzten 6 Monate angegeben. Doch was ihn in tiefe Unruhe versetzte, waren die Worte am Ende der y-Achse: "Anzahl der Ereignisse, die nicht mit weltlichen Parametern erklärt werden können." Er hätte das Ganze nur müde belächelt, wäre die Zahl nicht mittlerweile dreistellig. Für einen Außenstehenden mochte die Präsentation wie ein einziger Witz wirken, aber Okabe wusste, wen er hier vor sich hatte. Christina mochte impulsiv sein und vieles zu schnell zu persönlich nehmen, aber ihren Intellekt konnte Okabe nicht verneinen, obwohl er ihn bei jeder Gelegenheit bestritt. Was ihrer Aussage für ihn aber mehr Glaubwürdigkeit als gab als nur ihr Hang zur Methodik, war eine ganz simple Tatsache: Wenn es eine Person geben würde, die hinter die unmöglichen Gesetze der Welt blicken könnte, hätte er ohne Nachzudenken ihren Namen genannt. So, wie die Weltlinien funktionierten, war es gut möglich, dass es irgendwo eine Kurisu gab, die selbst durch die Zeit gereist war, oder bei der sich der Kuss damals so unwiderruflich wie bei ihm ins Gedächtnis gebrannt hatte. Nur gut, dass keine von beiden vor ihm saß. Das hier war eine Kurisu, die selbst nicht wusste, was sie glauben sollte - und dieser Moment wohl seine letzte Chance, sie in die Richtung zu lenken, die er brauchte. Inmitten seiner verzweifelten Versuche, das Leben seiner besten Freundin zu retten, hatte er eine Sache akzeptiert: Er würde sich an all die Dinge erinnern, die seine Freunde sich von tiefstem Herzen gewünscht hatten, und die Bürde dieser Verluste für sie schultern. Endlich Reading Steiner erreicht zu haben, bedeutete, dass er endlich die Weltlinie gefunden hatte, in der niemandes Leben durch einen Wink des Schicksals beendet wurde. Er würde auf keinen Fall eine Divergenz riskieren, nur weil die Dämonen der Vergangenheit Kurisus Verstand vergifteten.

    Okabe legte den Kopf schief und tat, als hätten die Daten tatsächlich sein Interesse erregt. "Wenn du von 'unerklärlichen Ereignissen' sprichst, was verbirgt sich dahinter?"

    Kurisu blinzelte. Offensichtlich hatte sie sich schon auf ein längeres Gespräch vorbereitet, um ihn dazu zu bringen, ihr überhaupt zuzuhören. Er konnte dabei zusehen, wie ihre Körperhaltung sich veränderte. Vorher war es noch ein Spiel gewesen, befeuert durch den Drang, sich zu beweisen. Jetzt wusste auch sie, dass dies die Chance war, um sich Gehör zu verschaffen. "Das klingt jetzt vielleicht komisch…" Ihre Stimme brach ab, auf der Suche nach den richtigen Worten für diese schwierige Angelegenheit.

    'Mir ist im Moment nicht nach Späßen zumute.' Okabe schluckte den Kommentar herunter und wartete. Seine Muskeln waren so angespannt, dass sein Rücken schmerzte.

    "In letzter Zeit gibt es Dinge - Gedanken, Erinnerungen - von Erlebnissen, die bei sachlicher Betrachtung niemals passiert sein konnten. Es gibt einfach zu viele Ungereimtheiten, zu viele Abweichungen von der Realität. Und doch sind sie so stringent und in sich schlüssig, dass es kein Zufall sein kann. Es ist, als gäbe es eine zweite Realität, die mein Kopf konstruiert." Sie zögerte einen Moment. "Nein, das ist nicht das richtige Wort. Es ist nicht so, dass ich sie erschaffe. Eher, dass sie schon die ganze Zeit da war, aber mir nur langsam bewusst wird."

    Sie senkte den Blick auf die Schale, die ihre Hände umklammerten, als müsse sie sich trotz der sommerlichen Temperaturen daran wärmen. "Aber so etwas gibt es nicht. Also ließe dieses singuläre Vorkommen nur einen Schluss zu: Es ist nicht die Welt, mit der etwas nicht stimmt, sondern meine kognitive Verfassung."

    Okabe spürte, wie sein Herz sich zusammenzog, als ein Gedanke in sein Bewusstsein trat. Es wäre so einfach. Er könnte ihr einfach einreden, dass die Dinge nur in ihrem Kopf existierten. Dass sie Schwierigkeiten hatte, die Realität angemessen zu verstehen, und sich das Tatsächliche immer mehr mit dem Möglichen vermischte. Als jemand, dessen Steckenpferd die Neurologie war, konnte sie ihm vermutlich sogar mehrere Fälle nennen, die sie bei ihrer Recherche gefunden hatte.

    Und genau deswegen würde er sich vor Selbsthass am liebsten übergeben. Kurisu in diesem Glauben zu bestärken, würde bedeuten, dass sie nie wieder ihrem Verstand vertrauen könnte.

    Kurisu lächelte bitter, als hätte sie seine Gedanken gelesen. "Aber das kann nicht sein, oder? Ein Symptom von Schizophrenie ist doch gerade, dass man nicht mehr unterscheiden kann, wo die eigene Einbildung anfängt. Aber das hier…", sie unterbrach die Präsentation und wählte eine weitere Datei aus, "ist klar als Fiktion zu erkennen."

    Okabe musste sich daran erinnern, wie man atmete. Vor ihm hatte sich eine Exceltabelle aufgebaut, gefüllt mit so viel Text, dass er es unmöglich alles lesen konnte. Und doch reichten ein paar Fetzen, um ihm das Ausmaß klar zu machen. Nach Datum sortiert, beinhaltete die zweite Spalte jeweils einen Stichpunkt oder einen kurzen Satz zu all den Dingen, die Okabe im letzten Jahr erlebt hatte und nie wieder vergessen könnte - die Dinge, von denen andere Menschen keinen blassen Schimmer haben sollten.

    "Mein eigener Löffel."

    "Grüne Geleebananen."

    "Von maskierten Menschen bedroht werden."

    "Ich im Maid-Cosplay von Rim mit Katzenohren aus Aw:Null."

    Und genau daneben:

    "Mayuris Tod. Herzinfarkt bei der Comiket."

    Es waren nicht einmal schöne Erinnerungen. Es waren die Tragödien, wegen denen er in der Zeit zurück gereist war, bis er vor Verzweiflung keinen Ausweg mehr gesehen hatte. "Warum erinnerst du dich daran?", wollte er sie fragen. "Hör auf damit. Willst du, dass sie dich so kaputt machen wie mich?"

    Doch offen über seine Gefühle zu reden und endlich einen Menschen in das einzuweihen, was er für ewig unter Verschluss halten musste… Nein. Das war keine Option. Als Mayuri damals gestorben war und die Welt ihm gezeigt hatte, wie willkürlich grausam sie sein konnte, hatte er gewusst, dass er ganz allein war auf seiner Mission. Es hatte die Welt für ihm bedeutet, als Kurisu ihm beigestanden und ihn in seiner dunkelsten Stunde dazu gebracht hatte, weiterzumachen. Damals hatte es ihn zerrissen, dass diese selbstlose Geste ihm alles bedeutet hatte und er ihr das niemals sagen könnte.

    Mit diesem Gefühl war es einfach, zu lächeln. "Diese … 'Erinnerungen', wie du sie nennst… sie haben ungefähr zu der Zeit angefangen, als du im Winter hier zu Besuch warst, oder?"

    Kurisu nickte langsam. Sie hüllte sich in Schweigen, abwartend, worauf er hinaus wollte.

    "Wäre es nicht viel logischer anzunehmen, dass du nach deiner Reise einfach sehr viel über uns nachgedacht hast?"

    Für einen Moment hing Kurisu diesem Gedanken nach, doch dann schüttelte sie den Kopf. "Die Erlebnisse sind dafür zu auffällig diffus. Es wäre eine Sache, in Erinnerungen zu schwelgen und sie leicht verzerrt wahrzunehmen, oder sich zu überlegen, was man noch hätte erleben können… aber diese Breite an Thematiken findet man eher im Unterbewusstsein, wenn es durch Träume oder Ähnliches in Erscheinung tritt."

    "Kannst du denn sagen, dass es nicht so ist?"

    "Hä?", fragte sie und blickte verwirrt drein. Trotz ihrer Intelligenz und ihrer Bewandtnis in ihrem Forschungsgebiet schien sie sich keinen Reim auf seine Worte machen zu können.

    "Naja, ich weiß schon ein paar Minuten nach dem Aufstehen nicht mehr, was ich eigentlich geträumt habe. Woher willst du also wissen, dass diese 'Erinnerung' nicht neu, sondern schon mehrere Stunden alt ist, und dir nur bekannt vorkommt, weil du sie schon einmal durchlebt hast?"

    Kurisu verengte ihren Blick. "Für einen verrückten Wissenschaftler bist du ziemlich weit auf der rationalen Seite. Nicht sehr ic."

    Okabe schmunzelte über das Webjargon, doch entgegnete nur: "Die Rolle des Advokaten des Teufels hast du ja bereits besetzt. Was bleibt mir also anderes übrig, als meine Assistentin zurück auf den Weg der Vernunft zu bringen, nachdem sie sich so hoffnungslos in ihren eigenen Überzeugungen verrannt hat?"

    "Erzählt mir mehr", sagte Kurisu in einem Ton, der eigentlich skeptisch klingen sollte, aber eröffnete, dass sie nur zu gerne nach dem Strohhalm griff, den er ihr hinhielt.

    "Schauen wir uns das doch einmal an. Das mit dem Überfall kommt eindeutig aus einem Film. Grüne Geleebananen… Hattest du vor dem Schlafengehen genascht oder wie?"

    "Natürlich nicht!", protestierte sie und verschränkte die Arme. "Das waren nicht diese kleinen Dinger, sondern echte Bananen, nur wabbelig und hellgrün."

    Okabe schüttelte den Kopf. "Ein klarer Fall, dass du dir nur vorgestellt hast, wie die Dinger wortwörtlich aussehen würden. Nun, ich weiß ja nicht, was 'mein Löffel' sein soll", sagte er, während ihn die Erinnerung an das Codewort ihm die Kehle zuzuschnüren drohte, "aber das Maid-Cosplay ist zu hundert Prozent eine unterdrückte sexuelle Fantasie."

    Kurisu sprang auf und donnerte die Hände auf ihren Tisch. "Untersteh dich gefälligst, dieses Bild in deinem Kopf zu haben!", fuhr sie ihn so laut an, dass die Kellnerin ihr einen misstrauischen Blick zuwarf. Rasch setzte Kurisu sich wieder und zog den Knoten ihrer Krawatte ein Stück weit nach unten. "Mensch, du hast wirklich viel zu viel Zeit mit Daru verbracht. Es ist wirklich ein Wunder, dass ihr Mayuri noch nicht verdorben habt…" Ihre Stimme ebbte ab, als sie sich daran erinnerte, was der letzte Punkt auf der Liste war.

    "Du bist nicht die Einzige, die träumt, dass jemand stirbt", sagte er mit genug Ehrlichkeit, dass er Angst hatte, sie würde begreifen, dass er mehr mitfühlte, als er zugeben wollte.

    "Du denkst also, das ist alles, was dahinter steckt? Eine Art Déjà-vu, geboren aus meinen Träumen."

    Okabe zuckte mit den Schultern. "Entweder das oder Erinnerungen aus einem Paralleluniversum."

    Kurisu schnaubte. "Und ich dachte schon, du würdest wirklich etwas Sinnvolles von dir geben. Stattdessen kommst du mit so etwas unmöglichem an. Hast du zu viele Serien über Grenzwissenschaften und das FBI geschaut, dass du wirklich an solche Geschehnisse glaubst? Oder muss ich jetzt wirklich dazu übergehen, dir in aller Genauigkeit darzulegen, warum dies nur eine Ausgeburt der menschlichen Fantasie ist, so wie die Vorstellung, dass man sich nach dem Tod in einer anderen Welt wiederfindet. Das könnte nämlich länger dauern als nur dieses Essen.”

    Okabe fuhr sich mit einer Hand über sein Gesicht, als wäre das eine grauenhafte Vorstellung. “Oh bitte verschone mich mit dieser Darbietung. Ein Vortrag pro Tag reicht mir vollkommen.”

    "Tu mir einen Gefallen", sagte Kurisu mit einer Ernsthaftigkeit, die sie bei all der Leichtigkeit gar nicht an den Tag legen wollte. "Lass uns von jetzt an ganz offen darüber reden. Keine Lügen, keine Ausflüchte, kein Lächerlichmachen mehr."

    Okabe nickte, ohne Reue, sie bereits jetzt schon zu hintergehen. "Abgemacht."

    Sie lächelte, vielleicht das erste Mal seit ihrer Ankunft vollkommen sorglos. "Dann lass uns essen, bevor die Suppe noch kälter wird."



    Versteht ihr langsam die katastrophalen Ausmaße meiner fixen Idee? xD

    Das ist ein Mega-UFF. Ich habe mal lediglich ein Mew im Bisasam-Kostüm auf ein Kissen gestickt und ich war am Verzweifeln und mein Rücken/Nacken war fertig mit der Welt. Da hast du dir echt was großes vorgenommen. Aber wenn das fertig wird, kannst du bis ans Ende deines Lebens damit angeben. Wünsche dir auf jeden Fall viel Geduld und Erfolg. Kannst uns hier ruhig auf dem Laufenden halten :D Da lohnt sich ja sogar ein eigenes Thema!

    Ich sticke ja schon seit meiner Kindheit, von daher bin ich vermutlich daran gewöhnt^^ Da hane ich auch mal was Größeres gemacht wie das her:

    Allerdings will ich auch nichts beschwören, weil ich in letzter Zeit gerne mal nervige Kopfschmerzen bei der rechten Schläfe habe und mir nicht sicher bin, ob sie davon kommen, dass ich am Wochenende Schlaf nachhole und auch danach noch gerne Stunden im Bett chille und zocke, oder ob das von meiner doch recht ungeraden Haltung vom Bürojob kommt. Naja, schauen wir mal, wie das werden wird. Vielleicht bringt mich das ja mal dazu, endlich wieder Sport zu machen xD


    Damit das nicht zu sehr zum medizinischen OT wird: Ich habe tatsächlich die Farben abgeglichen und das Resultat war ... ernüchternd. So etwa 1/3 Farben passen noch, allerdings waren bei vielen auch nur ein oder zwei Nummern Abweichungen. Ich würde sie ja einfach tauschen, bin in dieser Hinsicht aber immer sehr unsicher und habe Angst, das Gesamtbild zu zerstören, weil sie dann nicht mehr harmonieren, wie sie sollten/könnten. Plan ist jetzt, erst mal alle Farben der ersten 4 Quadrate zusammen zu suchen und damit loszulegen. Früher oder später muss ich sowieso nachbestellen, wenn die Farben zur Neige gehen sollten, und so habe ich zumindest erst einmal einen Überblick über das Ausmaß^^


    Ich hatte tatsächlich mal überlegt, ein Topic zu machen, auch wenn die meisten meiner Projekte schon recht lange her sind. In letzter Zeit habe ich nur ein paar kleine Stoff-Tüten bestickt (die Muster sind zwar schön, aber der Boden nicht. Da sind unten nur die zwei Stoffe zusammengenäht, statt dass man eine richtige Fläche hat, wie man es von Papiertüten und dergleichen kennt. Aber nun, sie sind recht süß (auch wenn ich Angst habe, sie zu benutzen. Sollte zwar alles in Ordnung vernäht sein, aber man weiß ja nie... Das nächste Mal mache ich Knoten xD))

    Um ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern: bei uns sind die dienstälteren Azubis mit in das Auswahlverfahren involviert und "bewerten" die Bewerbungen mit, bis wir dann mit dem Zuständigen eine Entscheidung fällen. Wir hatten ein paar Vielversprechende, die wir gerne einladen wollten, und gerne im Team gehabt hätten - bis es dann von oben ganz plötzlich hieß: "Nein, wir nehmen keinen mehr." Meh. Ich war wirklich sauer und enttäuscht.

    Und wenn ich mir so ansehe, was los ist, bin ich sehr froh, dass ich nicht verkürze, auch wenn schulisch und betrieblich alles stimmt. Ist ein halbes Jahr länger arbeiten, wenn auch "nur" als Azubi.


    Falls das wem hilft, sind hier ein paar Punkte, die wir (weniger) gerne gesehen haben. Das Ganze aus der Sicht eines Azubis in einem Bürojob für so eine Stelle mit dem, worauf wir wert legen (kann stellenweise abweichen):


    Wem diese Liste jetzt kleinschrittig und zynisch vorkommt: Ich habe jeden dieser Punkte gesehen. Mehr, als mir lieb war, und mehr, als es der gesunde Menschenverstand zulassen sollte. (Obwohl, vieles ließ uns lächeln, wie ihr euch vorstellen könnt). Also versucht, ein bisschen was davon umzusetzen. Mein Vorgesetzter schlägt manchmal schon die Hände über dem Kopf zusammen, wenn er den gleichen Fehler zum 20. Mal sieht. Ich will nicht herabwertend klingen und kenne die Frustration, als ich ein Jahr trotz okayem Abi nach einer Ausbildung gesucht habe - aber viele dieser Punkte sind vermeidbar und sollten nicht der Grund für eine Absage sein.

    Aber ja, so deprimierend es ist: Manchmal braucht man einfach sehr viel Glück, weil es so viele Faktoren gibt, die man einfach nicht kontrollieren kann - und vor allem, wenn die Lage so ist wie jetzt. Ich bekomme jetzt schon Angst, wenn ich mir vor Augen führe, in der gleichen Situation wie vor 3 Jahren zu sein, als ich wirklich nicht mehr dachte, dass mich irgendjemand nimmt (und auch nicht wirklich wusste, warum er sollte). Aber ich liebe meine Ausbildung und hoffe einfach, dass es irgendwo in naher Zukunft so eine passende Stelle für mich gibt.

    Hattet ihr schon mal ein Projekt, vor dessen Ausmaß ihr Angst hattet? Ich kenne dieses Gefühl jetzt xD


    Vermutlich werde ich damit ganz derbe auf die Schnautze fallen, aber am Dienstag in der "Schule" (Prallelunterricht mit 2 Klassen und einem Lehrer ist so unglaublich sinnvoll) bin ich mit einer Freundin irgendwie auf das Thema Sticken gekommen. Ich habe ihr daraufhin ein paar Sachen gezeigt, was ich die letzten Jahre so gemacht habe, und gedacht "Hey, ich hätte mal wieder echt Lust dazu." Da sie auch Anime mag, habe ich zum Spaß nach ein paar Stickvorlagen gesucht und eine war unter anderem das hier:


    Versteht ihr langsam die katastrophalen Ausmaße meiner fixen Idee? xD


    Nun, kurzer Hand habe ich also im Internet die passenden Garne, Stoff und eine zweite Schere gekauft - nur um dann festzustellen, dass ich bei irgendeinem dieser Produkte nicht auf die Lieferzeit geachtet habe und das Paket jetzt nicht innerhalb von ein paar Tagen, sondern 2-3 Wochen kommt (Falls man das bei Corona überhaupt so richtig festlegen kann...). Naja, die erste ist ja schon um.


    Und als sei das noch nicht schlimm genug, habe ich heute noch diese Seite gefunden, die mir eine Anleitung in noch besserer/ detailierterer Qualität gemacht hat (Ich traue mich gar nicht, nachzuschauen, welche Farben ich jetzt nicht mehr brauche und welche ich nachbestellen muss... Aber nun, für ein paar Kreuze kann ich mich sicher bei meiner Mutter bedienen, ich steuere ja auch was bei xD). Ich würde euch ja die Anleitung zeigen, aber das BB meckert, dass sie zu groß ist^^°


    Ich hab mir jetzt einfach mal 20 ct Aida und 25 ct Lugana zur Probe bestellt, damit das fertige Werk nicht so groß wird. Es werden immerhin knapp 110k Kreuze. Ich bin noch am überlegen, ob ich deswegen 2x2 statt die normalen 3x3 Kreuze mache und ob es reichen würde, mit einem Faden zu sticken (bzw. ob zwei nicht zu viel sind). Fragen über Fragen, die sich vielleicht klären, wenn ich den Stoff irgendwann mal in den Händen halte (und tatsächlich die Zeit für so ein Monster finde xD). Wusstet ihr eigentlich, dass es Stoff mit einer Zählhilfe gibt, die 10x10 Kästchen markiert? Vielleicht fängt das ja die 25 ct auf, die vermutlich sehr fein und damit leicht verwirrend werden, wenn man Kästchen erst mal überspringt und nicht jedes Mal die Farbe wechselt, um nicht 1.000 Schnüre da hängen zu haben. (ich würde ja gerne zum Vergleich anbringen, was ich normalerweise benutzt habe, aber ich weiß es gar nicht^^°).


    Zusammen waren das übrigens etwa 90 Euro, was sozusagen mein Urlaubsgeld war/sein wird (und mich auch locker mehr als einen Urlaub beschäftigen dürfte xD Naja, beim Sticken draußen Sitzen und ein Hörbuch hören hat schonmal wundervoll funktioniert, das kann ich gut wiederholen)

    mortiferus93 vergiss nicht, dass der Anime mittlerweile die Animationsqualität einer PowerPoint Präsentation hat xD Gibt schon einen Grund, dass man Neulingen sagt: Genießt die Schönheit, solange ihr könnt^^


    Ich beiße mich im Moment durch Guilty Crown (16 oder so). Ich wusste schon von manchen, dass der Anime schwächer wird (fand das erste Finale so gut, dass ich überlegt habe, es einfach da zu beenden xD)

    Ich habe ich das Gefühl, dass er etwas will, aber nicht so richtig weiß, wie er es gut umsetzen muss. Der Cut zum neuen Regime ging mir zu schnell, um mich emotional abzuholen, fürchte ich (und es hat auch nicht geholfen, dass ich mir den Tod, der das auslöste, gespoilert habe^^*).

    Naja, jede Szene mit Best Girl lässt mich durchhalten (Tatsächlich nicht Inori, die mir zu farblos wirkt. Kann gut sein, dass es zu ihrem Charakter und ihrer Geschichte passt, aber ich hab das Gefühl, dass sie aktiv wenig bis gar nichts macht und nur wie ein Satellit um Shuu herumkreist... Dafür hat sich Ayase mein Herz geschnappt. Ich war so stolz auf sie und hab ich riesig für sie gefreut, als sie ihren Void bekommen hat <3)

    Und über die Musik müssen wir auch nicht reden, die ist wundervoll (allein die OPs <3).