Beiträge von Raichu-chan

Die Kronen-Schneelande erwartet euch!


Alle Informationen zum zweiten Teil des Erweiterungspasses "Die Schneelande der Krone" findet ihr bei uns auf Bisafans:

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    Alaiya Same. Meine Eltern bequatschen mich schon damit, seit ich 18 bin, aber ich hab einfach immer vor Augen, dass ich eine wandelnde Katastrophe wäre, wenn ich tatsächlich fahren täte. So viel, auf das man gleichzeitig achten muss und damit auch so viel, dass man übersehen kann. So Sprüche wie "Andere haben auch Bremsen" von meinem Vater helfen da nur bedingt >.<

    Ja, rational gesehen weiß ich, dass so viel Angst davor irrational ist und ich vielleicht gerade wegen diesem "Problembewusstsein" ganz okay Auto fahren würde, aber noch ist das eine Überwindung. Nicht, dass ich nicht schon mal gefahren wäre. Ich war sogar so weit, dass ich schon erste Nachtfahrten gesammelt habe... Aber dann hab ich das so lange schleifen lassen, dass das jetzt auch schon wieder 2 Jahre her ist. Gut, man könnte jetzt sagen, dass ich wegen der Ausbildung nur echt wenig Zeit habe (hab etwa je eine Stunde Weg zur Arbeit, das schlaucht ganz schön und mindert natürlich die Zeit, die ich für Fahrstunden hätte...) aaaber, wie es ja so schön heißt: "Wenn es für dich wichtig ist, findest du einen Weg. Wenn nicht, findest du eine Ausrede."^^*

    Naja, jetzt werde ich aus den gleichen Gründen dazu gezwungen wie du. Wenn ich in den nächsten Monaten meine mündliche Prüfung habe, werde ich leider nicht übernommen, muss mir deswegen eine neue Arbeit suchen (sind super zufrieden, aber genug Leute^^*) und kenne die Frage nach dem Führerschein schon von meinem alten Vorstellungsgespräch. Ist für einen Bürojob zwar nicht sooo notwendig, aber wird in der heutigen Zeit ja schon irgendwie vorausgesetzt. Noch dazu will ich über kurz oder lang zu meinem Freund ziehen (3-4 Stunden entfernt) und da wäre es auch gut, nen Führerschein zu haben, um Sachen zu transportieren und einfach einen Job in dem Gebiet zu finden (bzw. einfacher/schneller/flexibler hinzukommen als jedes Mal mit der Deutschen Bahn, die ja nicht immer pünklich ist...).

    Naja, also Kopf hoch, du bist nicht allein mit der Panik, die dir das macht. Sehen wir das einfach als extrinsische Motivation xD

    Würde es dir vielleicht helfen, eine Fahrschule mit einem Fahrsimulator zu nehmen? Kostet zwar etwas mehr, aber dafür kann man das halt in Ruhe üben, bis man sich sicher für die Straße fühlt.


    Und um selber kurz zu ranten: Ich schreib nächste Woche zwei Klassenarbeiten und bin so froh, dass ich wenigstens die Themen der einen bei mir im Betrieb mache. Gefühlt ist nichts hängen geblieben im Onlineunterricht .-. (Naja, zum Teil bin ich selber Schuld. Da liegen Switch und Tablet und das Bett ist so bequem). Naja, danach noch eine Arbeit, das Projekt für Projektmanagement in der Gruppe fertig stellen, die schriftliche Abschlussprüfung im Mai, die mündliche Prüfungen irgendwann danach (Wo mich mein Ausbilder noch ausgiebig foltern muss, damit ich da nicht durchdrehe und den Druck einigermaßen gewohnt bin), was dann auch meine Ausbildung beendet, im besten Fall davor noch eine Anstellung finden (von den Noten her läuft das, aber verkaufen kann ich mich 0 xD) und den Führerschein machen (App sagt theoretisch prüfungsbereit. Jetzt nur noch Theoriestunden sammeln (hab ne andere Fahrschule), Fahrstunden machen, Tests bestehen (und dafür Urlaub nehmen .-.)) - und die ganzen letzten beiden Sachen während Corona .-.

    Naja, wenigstens habe ich ein paar neue Spiele, auf die ich mich freue - die vermutlich alles nur noch schlimmer machen, weil ich doch lernen sollte xD

    Wollen wir doch mal^^ Ich habe früher recht viel über Pokémon geschrieben, vor allem in den Anfängen, als die Geschichten noch nur Stichpunkte auf einem Block waren - und, wahrscheinlich zum Glück, das auch geblieben sind xD Aber seit April sitze ich wieder recht regelmäßig an einer und ich bin wirklich überrascht, wie viel Spaß mir diese Welt immer noch macht :)


    1 Findet ihr, Pokémon als Thema eignet sich tatsächlich noch für Reise-Geschichten? Kann man im Jahr 2021 noch eine Reise-Geschichte anfangen? Was ist mit den oben genannten theoretischen Problemen, bzw. wie würdet ihr die angehen? Die Geschichte kürzer halten? Euch nur auf die Sport-Geschichte konzentrieren?

    Ich habe damals auch mit dieser klassischen "OC geht auf Reisen"-Geschichte angefangen, muss aber sagen, dass das heute nicht mehr mein Fall wäre - sowohl als Leser, als auch als Schreiber. Diese Geschichten werden ja von Natur aus sehr lang und es braucht natürlich auch einiges an Innovation, um einen als Leser oder Autor bei der Stange zu halten - eine reine Nacherzählung ist zwar einfach zu schreiben, liest sich aber recht langweilig und mir als Autor wäre es irgendwann auch zu ... simpel, einfach das zu verschriftlichen, was in den Spielen passiert. Natürlich kann man noch seine eigene Note einbringen, aber mir wäre der Rahmen "Ich klappere alle 8 Arenen ab und meistere die Liga" schlichtweg zu eng, als dass mir genug Innovation einfallen würde. Natürlich könnte man das auf die Arenen und wichtige Schlüsselmomente kürzen, aber schwierig meiner Meinung nach... Aber nun, vielleicht gibt es ja genug FFs, deren Autoren das Gegenteil beweisen^^


    2 Welche „Genres“ passen eurer Einschätzung nach gut zur Pokemon-Welt?

    Fantasy oder Science-Fiction? Irgendwas ganz Verrücktes?

    Naja, Pokémon ist ja per se Fantasy ;) Ein paar der Einträge basieren ja tatsächlich auf "echten" Legenden und es handelt sich um erdachte Wesen. Von daher gibt es da sicherlich noch hunderte von Ideen, die man auskosten kann^^

    Ich schreibe im Moment an einer FF über Wettbewerbe und über Charaktere, die mir von Lesern geschickt wurden. Die Wettbewerbe bzw. Showcases waren irgendwann die einzigen Folgen, die ich überhaupt noch geschaut habe, und es macht mir mega viel Spaß, einfach diesen Aspekt herauszugreifen und mir zu überlegen, was man alles aus diesen Pokémon herausholen kann. Von daher würde ich mich gar nicht auf einzelne Genres beschränken bzw. würde ich diese ganzen "Randideen" viel interessanter finden, die eben nicht in Reise, Shipping oder Spinoffs fallen würden. Soetwas wie ein Café-Setting, in dem sich die unterschiedlichsten Charaktere treffen oder nur ganz allein ihren Gedanken nachhängen. Oder was für Geschichten ein Wald erzählen könnte. Oder was die Arenaleiter in ihrer Freizeit so treiben. Eben diese ganze Individualität und Tiefe, die man aus der Welt herausholen kann, und die hinter die Welt der Spiele blicken lässt. Das macht ja auch den Anime aus, dass er so viel mehr über die Region erzählt mit seinen kleinen Geschichten.


    3 Welche Themen passen wohl weniger gut? Glaubt ihr, dass man zum Beispiel eine Horror-Geschichte in der Pokémon-Welt verfassen kann? Das clasht ja mit der üblichen Zielgruppe für Pokémon-Storys, weshalb es dann an mangelnder Leserschaft scheitern könnte.

    Gab es nicht mal eine Zeit, in der Creepypasta, besonders zu Lavandia, echt beliebt waren? Ich glaube, Pokémon hat sich sowieso immer weiter von der üblichen Zielgruppe entfernt und spricht nicht mehr (nur) die 10-Jährigen an, wie uns der Anime weißmachen will. Es geht ja sogar so weit, dass die Eltern der derzeitigen Kindergeneration selber Spieler sind/waren. Wenn man Menschen nimmt, die zum Release der ersten Gen 10 waren, sind die jetzt 35 und vielleicht immer noch begeistert. Die Mutti aus meiner Berufsschulklasse hat sich auch total über die Lets Go Sticker gefreut. "Oh, Misty und Rocko, wie cool. Den einen Bogen behalte ich, mein Kleinen bekommt dann die anderen ;) ".

    Klar, irgendwann schwächt das vermutlich ab und man findet andere Aspekte cool, aber ich finde es ganz angenehm, wenn erwachsenere Themen behandelt werden. Meine mit Abstand liebsten Spiele sind Colosseum und XD, wo die Antagonisten die Herzen der Pokémon versiegeln und so zu rücksichtslosen Kampfmaschinen machen. Wenn es nicht die Nintendo-Zielgruppe wäre, stell dir mal vor, was für ein Potential für Drama, Horror und Gore das beinhalten würde ;)


    4 Wie viel Vorwissen setzt ihr bei eurer potentiellen Leserschaft über Pokémon voraus? Sowohl allgemein als auch im Bisaboard speziell? Besonders interessant finde ich in dem Zusammenhang: Wie beschreibt ihr die Pokémon? Einfach nur den Namen nennen, denn die Leser kennen das betreffende Pokémon bestimmt? Oder so beschreiben, als ob die Person noch nie von Pokémon gehört hat?


    Irgendwo dazwischen, würde ich sagen. Also ich kenne die Pokémon aus Alola aufwärts auch nicht mehr so wirklich innig, einfach weil ich die Spiele nicht mehr so intensiv gespielt habe wie früher. Deswegen versuche ich, die Beschreibungen so zu wählen, dass man die markanten Merkmale im Kopf hat und durch das Aussehen zumindest auf das Bild kommt, dass man beim Spielen vermutlich irgendwo gesehen hat. Zur Not kann das ja bei Nennung des Namens noch gegooglet werden, wenn es einem noch gar nicht untergekommen ist.

    Noch wichtiger ist es mir aber, ein gewisses Gefühl zu vermitteln - Sprich ich könnte einfach sagen "Der hat ein Onix dabei" oder von einer massiven Steinraupe sprechen, bei der der Charakter den Kopf in den Nacken legen muss und wo die Erde unter dem Gewicht weggedrückt wird. Im Grunde genommen sowas wie einen Eindruck durchs Aussehen zu vermitteln, wenn das Sinn ergibt. Beschreibungen sind halt einfach ein super Mittel, um den Pokémon noch mal einen ganz lebhafteren/"realeren" Eindruck zu geben und sich ein Stück weit auch die Welt zu eigen zu machen.

    Uff, ich habe viel zu wenig Anime geschaut dieses Jahr, da muss ich erst mal nachsehen, was überhaupt rauskam^^*


    Beste Optik
    - Sleepy Princess in Demon Castle (war halt mal was anderes^^)


    Bestes Opening
    - Railgun T (Final Phase - fripSide)

    - Railgun T (Dual Existence - fripSide)

    - Bofuri (Kyuukyoku Unbalance - Junjou no Afilia)

    Sorry not sorry, Railgun war einfach zu viel Hype^^*


    Bestes Ending
    - Talentless Nana (Bakemono to Yobarete - Chiai Fujikawa)


    Bester Soundtrack
    Hab ich nichts im Kopf, sorry^^*


    Mister Bisaboard
    - Jin Tachibana (Talentless Nana)



    Miss Bisaboard
    - Maple (Bofuri)
    - Katarina Claes (My Next Life as a Villainess)
    - Michiru Inukai (Talentless Nana)


    Bester Anime-Film

    Keinen aktuellen gesehen .-.

    Größte Überraschung
    - Science Fell in Love, so I tried to prove it
    - My Next Life as a Villainess
    - Talentless Nana

    Honorable Mentions: Bofuri, Sleepy Princess in Demon Castle


    Größte Enttäuschung
    - Magia Record: Puella Magi Madoka Side Story (also nicht schlecht, aber so, wie der Hauptanime vorgelegt hat, kommt man da einfach nicht ran).
    - Japan sinkt 2020 (ab Folge 3 ging es nur noch bergab...)
    - Food Wars 5


    Meisterwarteter Anime 2021
    - The Promised Neverland 2

    Beste Fortsetzung
    - Railgun T


    Bisaboard Anime of the Year
    - Bofuri

    - My Next Life as a Villaines

    - Science Fell in Love
    Also so gefühlt fast alles, was ich gesehen habe, mochte und was mir noch präsent ist xD


    Gesamtnote für das Jahr 2020
    - 7,5 weil das meiste, was ich gesehen habe, mich sehr gut bis in Ordnung unterhalten hat^^

    So, mit geringer Verzögerung *hust* habe ich jetzt auch meinen Wichtel-Anime beendet. Danke an Letarking für die Empfehlung (ich hatte echt keinen Plan, wer mir das hätte schenken können, deshalb habe ich auch nicht geraten^^*).

    Um ein kurzes Resümee zu ziehen:


    Revy goes pew-pew ^-^


    Okay, kommen wir zum ernsten Teil ;) Gewöhnungsbedürftig war er tatsächlich am Anfang (siehe mein erster Eindruck nach 2 Folgen^^*), aber er hat mir sehr viel besser gefallen, als ich erwartet hatte. Ironischerweise erinnert es mich ein wenig daran, wie wir den Film Lucy an Weihnachten gesehen haben, dem ich nicht wirklich was abgewinnen konnte. Im Grunde genommen sind beide gewissermaßen von zwei Dingen abhängig: Rule of Cool und Suspension of Disbelieve. Während ich bei dem Film immer mehr dachte "Ja, neee, kauf ich euch nicht ab", hatte ich bei Black Lagoon immer mehr Spaß daran, Leuten dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig abgeschossen haben xD Ich kann zwar nicht beurteilen, wie viele Gedanken sich um Realismus gemacht wurde, aber die waren wirklich kreativ und deswegen war mir das irgendwann auch egal und ich hab es einfach genossen^^ Ich habe zwar nicht immer ganz verstanden, wer gerade mit wem und warum im Clinch lag, aber das liegt nicht am Anime (falls du mal Fate/Zero geschaut hast: Ich hab ewig gebraucht, um zu verstehen, wer jetzt mit wem zusammenhängt - und noch mal 3 Folgen mehr, um Kirei und Kiritsugu auseinander zu halten. Ich bin manchmal einfach stumpf^^*).

    Ich glaube, es gab wenig Charaktere, die ich nicht mochte (meistens die Gegenspieler, wenn sie zu generisch waren), aber alle, die wiederkehrend waren, haben mir echt gefallen - die Frauen weitaus mehr als die Männer, was aber wohl auch der Zielgruppe geschuldet sein dürfte ;) Special Shoutouts gehen raus an Balalaika, Fabiola und Roberta, sowie Revy und Eda (besonders die beiden im Zusammenspiel, Himmel hab ich gelacht, wenn die sich gegenseitig hochgeschaukelt haben xD).

    Beste Szene war übrigens eine aus dem Japan-Arc (den ich gar nicht mal soo gut fand, tatsächlich, aber wie gesagt, da wird viel an Machtkampf an mir vorbeigegangen sein...), wo Revy den Kindern mal gezeigt hat, wie man richtig schießt. Erst lacht man sich wegen der Heldenverehrung schlapp und denkt, dass sie eine echt coole Tante wäre - und dann zeigt sie ihnen, wie man stirbt, und dass das Leben manchmal echt schnell echt scheiße werden kann...


    Alles in allem hatte ich viel Spaß mit einem Anime, den ich so überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, weil ich dachte, der wäre nichts für mich (war nicht mal in meiner Netflix-Liste, die gefühlt 75% der Anime dort beeinhaltet...). Vielen Dank noch einmal, Letarking


    Und weil Hibari wegen dem Dub gefragt hatte: Tatsächlich hab ich den Anime in allen 3 Sprachen geschaut xD Die ersten 10 Minuten auf Deutsch, weil es noch so eingestellt war, dann bis Folge 2 auf japanisch und dann auf deinen Vorschlag hin bis zum Ende auf englisch mit deutschen Subs (einfach weil es manchmal ganz lustig ist, die beiden abzugleichen). Der Dub war echt gut gemacht, vor allem sowas wie mit "Chinglish"^^


    Und wo wir gerade bei komischem Englisch sind: Ich feiere das Opening immer noch. Es hat einfach genau das richtige Feeling^^

    Ich weiß nicht, ob ich glücklich oder traurig darüber bin, dass ich viele dieser Serien mit Fortsetzungen nicht gesehen oder nicht aufgeholt habe, aber nun. Komme ja schon mit alten Anime nicht hinterher xD

    Aber zu einer Sache kann ich etwas sagen, weil ich das gerade in Eigeninteresse nachgeschaut habe:

    Yakusoku no Neverland S2: Ich weiß noch nicht, was ich hiervon halten soll. Der kommende Arc ist der, an dem ich mich am wenigsten erinnern kann, und die erste Folge war sehr verwirrend, da diese wohl sehr gerushed ward. Die zweite Folge war besser, aber immer noch nicht auf der Höhe der ersten Staffel. Und zum nächsten, guten Arc (Goldy Pound) kommen wir diese Season wohl leider nicht mehr.

    Ich hab mich bis jetzt geweigert, Goldy Pond abzuschreiben, weil ich mich mega drauf gefreut habe, seit ich den Manga damals weiter gelesen habe, und ich glaube, dass das durchaus noch in der 2. Staffel vorkommen wird.

    Also vom Manga her hat die erste Folge der 2. Staffel jetzt alles bis Kapitel 45 (Rest Band 5, Anfang Band 6) abgedeckt.

    Was übersprungen wurde, war die Szene mit

    Deshalb schien der Wald auch so kurz und zu schnell und "einfach" überstanden. Ich kann es aber unter dem Aspekt verstehen, dass Mujikas Auftauchen (mit dem Band 5 endete) nicht so effektvoll ist wie aufzuwachen mit der Frage "Wo sind unsere Kinder?!" Von daher würde ich da noch mal ein Auge zudrücken.


    Was mich aber dazu bringt, zu glauben, dass Goldy Pond zumindest begonnen wird:

    Ich hab Folge 2 noch nicht gesehen, aber nach Folge 1 hab ich ein wenig Angst, ob der Preis für Goldy Pond der ist, dass noch mehr übersprungen/gehetzt wird... und das kann man diesem coolen Charakter nicht antun, der im nächsten Arc kommt. Ich hab den so gefeiert, wenn sie dem nicht genug Tiefgang geben, zerbricht mir das das Herz xD

    Argh, was machen die denn auch nur 11 Folgen, das schreit doch geradezu nach zu viel Stoff in zu kurzer Zeit .-.

    So, nachdem Azaril mich mit seinem Anime-Kalender auf ein Weihnachtsgeschenk für mich und meinen Freund gebracht hat, weshalb ich Stunden meines Lebens und ganze Feierabende damit verbracht habe, Bilder rauszusuchen. Deshalb will ich die fragwürdige Kombination hier doch auch mal teilen. Da ich wegen Corona jetzt doch nicht zu meinem Freund fahren sollte, durfte Chelys gestern raten, was für Fandoms er hat (was länger gedauert hat, als einer von uns beiden jetzt zugeben wird :* ). Da kann ich sie jetzt auch hier noch mal gesammelt hochladen.

    Nachdem meiner eher so etwas wie ein Versuchskaninchen war mit dem Gedanken "muss ja nicht so perfekt werden", bin ich sehr froh, dass ich danach noch genug Nerven hatte, um einen zweiten zu erstellen. Und dann war ich neidisch, weil ich ihn besser fand...

    Falls die Seiten Spoiler enthalten, steht das im Titel^^ Und verzeiht mir die Qualität, Screenshots von einer Vorschau halt...

    Alles in allem bin ich wirklich zufrieden mit dem, wie sich das Projekt entwickelt hat, und es ist auch ein schönes Geschenk bei rumgekommen (Das ich noch weiterschicken muss, weil persönlich überbringen bei einer Fernbeziehung mit ÖPNV ... im Moment nicht ratsam ist^^° Danke, Corona...).

    Wenn wir nächstes Jahr noch Lust haben, machen wir das noch mal für den jeweils anderen. Dann teile ich das hier auch noch mal (Und wenn nicht, mach ich den nur für mich, ich finde die wirklich cool, obwohl ich Kalender immer sträflich vernachlässige... Aber der hier ist ja mit Liebe erstellt^^)

    Ich habe gestern schon mal die ersten beiden Folgen Black Lagoon begonnen... Also das Opening ist echt super, hab ich schon mehrmals gehört <3


    Mit dem Rest muss ich noch ein wenig warm werden, um ehrlich zu sein. So viel Realismus in Thematik und Zeichenstil bin ich ja gar nicht mehr gewöhnt. Dass der Büroangestellte da unwillig mit reinrutscht, wirkte auf mich ein wenig zu viel wie ein Self Insert des Erschaffers - und das mit mir als einem Zuschauer, der 1.000 mal lieber den sterbenslangweiligen Bürojob behalten hätte, als sich in Gefahr zu begeben^^*

    Aber ich bin mal gespannt, worauf das alles noch hinauslaufen wird. Es scheint sich ja alles um das namensgebene Piratenschiff zu drehen, was für mich jetzt nahelegen würde, dass es eher episodisch wird. Die Charaktere finde ich übrigens echt cool bis jetzt, auch dass man sich traut, solche Makel einzubringen wie bei der Frau mit der verbrannten Haut.

    Ob ich alle Folgen bis Weihnachten schaffe, kann ich noch nicht versprechen, aber die erste Staffel auf jeden Fall (ich hab ja nicht umsonst mein Abo erhöht, damit ich das mit meinem Freund zusammen schauen kann auf Entfernung^^).


    Kapitel 16


    "Träumen Androiden von elektrischen Schafen?"

    Vor über 40 Jahren hatte der US-amerikanische Schriftsteller Philip K. Dick diese Frage gestellt, doch noch immer hatte Kurisu keine Antwort darauf gefunden. Als sie das erste Mal den Titel dieses Buches im Regal ihres Vaters gesehen hatte, war sie fasziniert von der Metapher gewesen. Vor dem Schlafengehen hatte sie zu ihrem Tamagotchi geschaut, das im Stand-By auf ihrem Nachttisch geschlummert hatte, und sich genau diese Frage gestellt. Selbstverständlich wusste sie mittlerweile, dass dieses doch recht einfach gestrickte Spielzeug nichts weiter als eine Reaktion auf die Programmierung war, die man vorgenommen hatte. Wirkliche Androiden gingen in ihrer Konstruktion weitaus weiter. So war es doch das Ziel ihrer Erschaffer, mit maschinellen Körpern so nah an die Existenz des Menschen heranreichen, dass eine Verwechslung nicht nur ein Missgeschick, sondern der goldene Standard war.

    An jenem Abend hatte sie wachgelegen und dabei zugesehen, wie die kleinen Zs über dem schlafenden Pixel-Körper in die Luft stiegen, und sich gefragt, wovon es wohl träumen mochte. Es war ihr kleines Baby, geschlüpft und großgezogen in diesem kleinen Gerät. Es war die einzige Welt, die es kannte. Sein Kontakt zur Außenwelt beschränkte sich auf die Auswirkungen von Kurisus Eingaben. Indem das Mädchen ein paar Knöpfe drückte, veränderten sich seine Parameter, weg von hungrig, dreckig, gelangweilt und müde, hin zu einem Status, der ihr ein "glückliches" Wesen suggerieren sollte.

    Die Erkenntnis hatte sie damals mit tiefer Trauer erfüllt. Egal, wie lange sie sich bemühen und für es sorgen würde, es würde nie mehr kennenlernen als die Realität, mit denen seine Erschaffer es ausgestattet hatte. Kurisu brauchte nur von dem kleinen Ei hochzuschauen oder einen abwegigen Gedanken in den Kopf zu bekommen und schon war ihre Realität so viel größer als das, was ihrem Schützling vorherbestimmt war.

    Bestimmt hatte man ihm nicht einmal einprogrammiert, was ein Schaf überhaupt war.

    Manchmal fragte Kurisu sich, ob sie gerade auch in diesem Dilemma steckte. Ob es eine Realität gab, welche womöglich sogar noch viel mehr Aspekte beinhaltete, die einfach außerhalb ihrer kognitiven Reichweite lagen. Es waren diese Momente, die ihr ins Gedächtnis riefen, dass jeder Mensch auf der Erde seine eigene Wahrnehmung von der Welt hatte, die nur begrenzt mit der der anderen übereinstimmte, wie ein kognitiver Fingerabdruck. Dabei musste man gar nicht so weit gehen und an die schwer beeinträchtigten Menschen denken, deren Sicht auf die Welt so verzerrt war, dass es nur mit Medikamenten behandeln konnte (von denen man einem gewissen Jemand vielleicht mal welche abgeben sollte). Es reichte schon, wenn man sich Bilder von Menschen mit Farbenblindheit oder ähnlichen Sehstörungen vor Augen führte. Auch nach Jahren des Studiums der Neurowissenschaften fiel Kurisu es immer noch schwer, sich nicht von vorschnellen Annahmen und Vorurteilen leiten zu lassen. Wie viel der eigenen Wahrnehmung musste man in Frage stellen, wie viel verändern, um die Welt durch die Augen des Gegenübers zu sehen?

    Allein wenn sie Mayuri und Daru vor sich beobachtete, deren Wesen so fundamental anders als ihres war, konnte sie nur Hypothesen aufstellen. Bei Daru reichten diese begrenzten Überlegungen schon aus, um sich ganz sicher zu sein, dass sie nicht in seinem Kopf leben wollte. Aber Mayuri… Ihre kindliche Art bereitete Kurisu manchmal Bauchschmerzen, weil die Wissenschaftlerin wusste, dass diese heile Welt irgendwann um sie herum zusammenbrechen würde. Auch Kurisu wäre gerne für immer mit der Unbeschwertheit eines Kindes durch die Welt gegangen, doch früher oder später zwang sie einen dazu, erwachsen zu werden. Es war nicht so, dass Kurisu ihrer Freundin nicht zutraute, alleine klarzukommen. Sie sah nur so viel Gutes in der Welt, dass es Kurisu jedes Mal einen Stich ins Herz versetzte, wenn man diesen Glauben erschütterte.

    Kurisu schüttelte den Kopf, als ihr Lächeln nicht verschwinden wollte. Auch jetzt saß Mayuri da, während sie irgendeine fröhliche Melodie summte und den Saum ihres Cosplay-Kleides mit Spitze ausstattete.

    “Also deine Fingerfertigkeit möchte ich haben”, sprach Kurisu aus, was ihr durch den Kopf ging. Wenn sie das versuchen würde, würde alles krumm und schief werden, und der Stoff würde sich rot färben von all den Malen, wo sie sich versehentlich mit der Nadel in den Finger stechen würde.

    “Tehehe”, lachte Mayuri und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. “Mayushii hat ja auch schon echt viel Übung. Vorher hat das auch nicht klappen wollen, aber dann ist sie immer besser geworden.”

    Daru nickte zustimmend. “Oh ja. Ich sehe immer weniger Cosplayer, die es mit dir aufnehmen können. Sag mal, hättest du nicht Lust, dich an etwas Verwegenerem zu versuchen? Wie wäre es mit-”

    “Daru!”, schrie Kurisu ihn so vehement an, dass Mayuri fast der Stickrahmen aus der Hand gefallen wäre. “Wage es nicht, Mayuris Unschuld mit soetwas zu beschmutzen.”

    “Hmpf”, machte Daru und verschränkte seine Arme. “Daran hätte ich gar kein Interesse. Ein Gentleman-Perverser kennt die Grenzen des guten Geschmacks.”

    Kurisu schüttelte es bei dem Gedanken. Das konnte er doch nicht ernst meinen. Das war doch ein Widerspruch in sich. “Sollte es mir Sorgen machen, dass du ein Oxymoron nicht als solches identifizierst?”, fragte sie ihn also. Damit er nicht auf die Idee kam, auf diese rhetorische Frage zu antworten, wandte sie sich ganz schnell wieder Mayuri zu: “Das wird dir wirklich ausgezeichnet stehen.”

    Wieder lachte sie, auch wenn Kurisu sich nicht vorstellen konnte, was an diesem Kommentar so lustig gewesen war. “Das ist gar nicht für mich. Ich mache es für Ruka. Oh, ich kann es gar nicht erwarten, bis er es anprobiert”, sagte sie und hüpfte vom Sofa auf. “Tatsächlich ist das eine bessere Version von dem Cosplay, das ich damals gemacht habe. Es war zwar auch schön, aber in der Zwischenzeit hat Rakusa die Geranium-Form erreicht und jetzt ist ihr Outfit noch tausendmal schöner!” Mayuri strahlte begeistert, während sie sich durch ihren Schrank wühlte. “Mal sehen, es muss doch hier irgendwo sein. Wo habe ich es denn…”, murmelte sie im Singsang vor sich hin, während sie die Kleiderbügel vor und zurück schob oder die zusammengefalteten Stücke im oberen und unteren Bereich prüfend anhob.

    Seit die Tür des Kleiderschrankes geöffnet worden war, hatte Kurisu das Gefühl, dass sie in eine andere Welt blickte. Kaum erblickte sie eines der Kleidungsstücke, versuchte sie angestrengt zu erraten, ob ihr dieses nicht von irgendwoher bekannt vorkam. Ihre Hände verkrallten sich im Polster des Sofas, als sie dem Drang widerstand, aufzustehen und jedes davon in die Hand zu nehmen, um es aufzufalten und genauer zu inspizieren. Am liebsten würde sie Mayuri fragen, welche Größe ihre Werke hatten, um herauszufinden, ob ihr diese passen könnten.

    Vielleicht wäre Kurisu so mutig gewesen, zu ihrer Neugier zu stehen - doch dann rief sie sich ins Gedächtnis, dass sie sich nie im Leben in einem 100 Meter Radius von Daru ausziehen würde, wenn nicht mindestens 3 abgeschlossene Türen zwischen ihnen liegen würden.

    Trotz dieser Gefahr konnte sie sich irgendwann nicht mehr auf dem Platz halten. “Soll ich dir suchen helfen?”, fragte sie und lief zu den selbstgemachten Cosplays.

    Mayuri schüttelte betrübt den Kopf. “Es pink, mit einer roten Schleife am Dekolletee.”

    “Hm”, machte Kurisu und durchforstete ihrerseits noch einmal die Stofflagen, wohl bedacht, ihren Blick nicht verräterisch lange auf einzelnen Stücken liegen zu lassen. Doch auch sie kam zu dem gleichen Ergebnis. Ein paar der Stücke hatten zwar die gleiche Farbe oder große Schleifen an der Brust, aber das war dann auch die einzige Gemeinsamkeit. “Vielleicht hast du es bei dir Zuhause?”

    Mayuri schüttelte entschieden den Kopf. “Nein, alle meine Cosplay-Sachen sind hier. Manchmal nehme ich etwas zu meinen Freundinnen mit, weil wir zusammen nähen wollen oder uns helfen, aber die fertigen Stücke hängen alle hier.” Sie seufzte. “Es war zwar nicht besonders schön, aber es hat wirklich Spaß gemacht, es herzustellen. Und Ruka sah wirklich süß darin aus.”

    Daru drehte sich abrupt auf seinem Schreibtischstuhl um. "Du hast Ruka in ein Cosplay bekommen und ich habe es nicht gesehen? Nicht fair!", rief er außer sich und verschränkte die Arme.

    Kurisu hob eine Augenbraue. "Du warst doch dabei." Sie hatte immer noch den unangebrachten Kommentar im Kopf, für den sie ihn schon damals gerne aus dem Raum geschmissen hätte. Kaum zu glauben, dass er so etwas vergessen hatte. Selbst Kurisu wusste noch, wie Ruka damals damit vor versammelter Mannschaft im Labor gestanden hatte - wenn auch nur, weil sie sich glasklar daran erinnerte, wie unsicher der Junge in diesem Moment ausgesehen hatte. Wenn sich plötzlich ein Erdloch aufgetan hätte, wäre Ruka ohne zu zögern hineingesprungen.

    “Wirklich schade”, sagte Mayuri seufzend. “Ich finde nicht einmal die Tasche, die ich dazu angefertigt habe”, sagte sie und schob die Box mit allerlei Accessoires zurück, die sie unten aus dem Kleiderschrank gezogen hatte.

    “Hehehehe”, kam es von hinter ihnen und mit einem unguten Gefühl drehte Kurisu sich zu dem Hacker herum. Dieser hatte sich über seinen Bildschirm gebeugt. Das Licht seines Monitors ließ seine Gesichtszüge scharfkantig hervortreten und mit seinem breiten Grinsen machte er jeder Comic-Hexe Konkurrenz. “Ich habe da genau das Richtige für euch.”

    “Hast du genug Geld, um die Therapie zu bezahlen, die ich danach brauchen werde?”

    “Die Welt versteht einfach nicht Kunst, selbst wenn sie ihr ins Gesicht springen würde”, beklagte Daru und fasste sich ans Herz, während er mit der Maus hastig durch einen Pfad an Ordnern klickte, dessen Verlauf schon bald zu lang für die Leiste wurde. Kurisu hatte mehrere Wochen gebraucht, um bei ihrer Arbeit zu wissen, wo welche Sachen verborgen waren. Sie war drauf und dran, Daru nach seinem Geheimnis der Organisation zu fragen, erkannte dann aber, dass man besser schlief, wenn man manche Dinge nicht wusste - oder überhaupt nicht mehr schlafen könnte, sobald man sie erfahren hatte.

    “Erinnerst du dich etwa nicht an die Daten, die ich damals von deinem kaputten Handy gerettet habe?”, fragte Daru und warf Mayuri einen Blick zu, der sie daran erinnern sollte, dass er sie mit dieser selbstlosen Meisterleistung vor schlimmen Schaden bewahrt hatte - und dass er dafür mindestens ein Tätscheln, wenn nicht sogar einen Keks verdient hatte.

    Sofort hellte sich Mayuris Gesicht auf und sie eilte zum Computer wie Hänsel und Gretel zum Lebkuchenhaus, unwissend, was für schreckliche Dinge sich darin befanden.

    “Stimmt, du hast ja noch alle meine Cosplayfotos, die ich damals gemacht habe”, sagte sie, den Kopf so nah am Bildschirm, dass ihre Nase ihn fast berührte. “Kurisu-chan, komm her, die muss ich dir zeigen.”

    Kurisu hatte Glück, dass die beiden nur Augen für die Fotos hatten, sodass keiner von ihnen gesehen hatte, wie schnell Kurisus Beine sich in Bewegung gesetzt haben. “Das ist wirklich cool”, sagte sie, während Daru durch die Bilder scrollte.

    “Ich habe damals bei jedem Cosplay ein Foto gemacht, als es fertig war, um sie allen zu zeigen. Das war wirklich schade, als mein Handy kaputt gegangen ist, aber Daru hat es ja retten können. Das war wirklich schön, wegen der ganzen Erinnerungen. Aber es hat auch etwas Gutes: meine Kamera ist viel besser als damals.”

    Daru, der ebenso fasziniert war wie die Fotografin, räusperte sich und sagte: “Wie dem auch sei, hier können wir ganz einfach nachschauen, was für ein Cosplay das gewesen sein soll. Weißt du noch, wann du das Foto gemacht hast, Mayuri?”

    “Da muss Mayushii ganz dolle überlegen”, sagte sie, einen Finger an ihr Kinn gelegt.

    “August letzten Jahres. Beim Datum bin ich mir nicht ganz sicher, aber es muss um den zehnten herum gewesen sein.”

    Beide schauten Kurisu ehrfürchtig an, doch diese zuckte nur mit den Schultern. “Was denn? Das war der Zeitpunkt, als ich in Japan war. Ich war dabei, schon vergessen?”

    Daru nickte, sortierte die Bilder nach ihrem Entstehungsdatum und scrollte weiter nach unten. Er klickte ein paar der Bilder an, die in Frage kamen, aber keines davon traf auf Mayuris Beschreibung zu.

    “Hm...”, machte Daru, lehnte sich nach vorn und stützte seinen Kopf auf seinen Arm. "Bist du wirklich sicher, dass du so eines gemacht hast?"

    “Vielleicht hat es sich irgendwo versteckt?”, fragte Mayuri, während sich ihr Freund bereits durch ein paar andere Verzeichnisse klickte. Seinem Gesichtsausdruck nach machte er sich da nicht allzu viel Hoffnung.

    “Nicht auszuschließen, dass ich etwas verkehrt verschoben habe”, sagte er, als wäre es ebenso wahrscheinlich, dass er den Namen einer seiner Waifus vergessen hätte.

    “Ach, wenn nicht, ist auch nicht so schlimm”, sagte Mayuri und massierte seine Schultern. “Vielleicht sind ein paar verloren gegangen. Mayushii macht einfach Neue.”

    Kurisus Stirn lag bereits in Falten, als sie sich über noch eine weitere Sache Gedanken machte. “Dafür müsstest du aber erst einmal das Cosplay wiederfinden”, gab sie zu bedenken.

    Mayuri lächelte nur. “Ach, vielleicht hat Mayushii es bei einer Freundin vergessen, die es sich ansehen wollte. Außerdem ist sie sich gar nicht mehr sicher, ob sie es nicht verwechselt. Gut möglich, dass es ein anderes Magical Girl aus der Serie war. Weißt du, was? Der Designer hat extra daran gedacht, jedem Charakter eine kleine Tasche zu geben, damit Cosplayer darin ihre Sachen aufbewahren können. Ist das nicht super-duper nett?”

    “Wenn das so ist, sollten wir vielleicht einmal schauen, von wie vielen Cosplays dir sonst noch Fotos fehlen. Vielleicht können wir es darüber einschränken, was Ruka damals getragen hat”, überlegte Kurisu laut.

    “Easy. Wir müssen nur mit etwas mit einer Kapuze und Bommeln dran suchen. In Schwarz, wenn ich mich recht erinnere. Das hat er auf jeden Fall mal getragen.”

    Mayuri hatte erneut ihren Finger an ihr Kinn gelegt. “Vielleicht war es auch gar kein Magical Girl. Faris und er hatten auch mal etwas im Militär-Stil an. Das wäre auf jeden Fall auch ein Kämpfer für die Gerechtigkeit”, sagte Mayuri kichernd, als würde sie vergessen, dass diese nicht mit Glitzer Monster zum Verschwinden brachten, sondern mit ihren Waffen ein Blutbad anrichteten. “Wo wir gerade bei Faris sind - hatte sie es nicht auch mal geschafft, ihn in ein Maid-Outfit zu stecken? Das hat sie ihm sogar geschenkt, weil es ihm so gut stand!”

    “Daran erinnerte ich mich überhaupt nicht”, sagte Kurisu mit verschränkten Armen. Sie konnte sich weder an seinen Anblick in diesem aufreizenden Outfit erinnern, noch an die Eifersucht, die sie gespürt hätte, wenn er eines hätte und sie nicht. Dabei wollte sie schon immer mal eines anziehen. Also nicht offiziell. Wobei ihr das in ihrem Traum gar nicht schlecht gefallen hatte - zumindest bis sie schweißgebadet davon aufgewacht war. Auf keinen Fall würde sie jemals so etwas tragen und währenddessen einem gewissen selbsternannten Wissenschaftler ein Reisomelett servieren!

    “Hey, hey!”, hörte sie Mayuri sagen, die ganz eifrig an der Bluse ihrer Freundin zog, “wenn wir sowieso meinen ganzen Schrank durchsuchen müssen, hast du dann vielleicht Lust, für die Fotos Modell zu stehen? Angezogen sehen sie sicher noch besser aus. Ich mache meine Cosplays sowieso immer ein kleines bisschen zu groß, falls ich noch wachse. Ein paar könnten dir also passen”, fuhr das Mädchen fröhlich fort.

    Kurisu blickte wie versteinert auf sie herab. Passierte das hier gerade wirklich? Durfte sie endlich mal ein echtes Cosplay anziehen, statt dieser gekauften Imitate, die sie nur zu Halloween oder heimlich in ihrem Zimmer tragen konnte?

    “Ich mache die Fotos!”, rief Daru.

    “Nie im Leben!”, fuhr Kurisu ihn an. Allein der Gedanke, dass er sie dabei sehen konnte, und dass dieser Anblick von ihr auf seinem Handy gespeichert wurde... Nicht auszudenken, was dann passieren könnte. In nur Sekunden könnte sie damit im Netz landen, was ihren guten Ruf als strebsame Wissenschaftlerin ruinieren würde. Noch schneller wäre es nur bei der einen Person gelandet, die sie so auf keinen Fall sehen durfte!

    “Das ist schon in Ordnung!”, ließ Mayuri sie wissen, welche schon eine Armladung Kleidung zum Sofa trug, um sie dort auszubreiten. “Daru ist wirklich gut im Fotos machen. Er hat davon total viel Ahnung und Erfahrung.”

    “Ja. Sicher doch”, murmelte Kurisu verächtlich. “Aber dann nehmen wir mein Handy.” Nicht umsonst hatte sie ihren Vertrag vor ihrer Abreise gekündigt, damit sie nicht Zuhause eine Internetrechnung erwarten würde, die teurer war als ihre ganze Reise. Außerdem würde er ohne ihre Pin sowieso nicht weiter kommen als bis zur Kamerafunktion. “Wehe dir, wenn das irgendwie verbreitet wird”, sagte sie mit einem drohenden Blick, der Daru tatsächlich zurückweichen ließ - allerdings schauderte sie es bei dem Anblick, dass ihm die Vorstellung nicht nur Angst machte. Nun, sie wusste sich zu wehren, wenn er ihr zu nahe kommen sollte. Ebenso, wenn die Kameralinse tiefer wandern würde als ihre Taille. Gentleman-Perverser hin oder her, bei so einem Verrückten konnte man nicht vorsichtig genug sein.

    Als sie ihr Handy aus der Tasche zog, schaute sie kurz auf das Display und fand eine neue Textnachricht vor.


    [Ich hab da mal ne Frage. Schreib zurück, wenn du Zeit hast]


    Sie kam von ihrer Kollegin, mit diversen anderen Nachrichten darunter. Kurisu war versucht, das erst anzugehen, doch sie wusste, dass schon eine Antwort an Maho länger dauern konnte - vor allem, wenn sich in dem Gespräch aus einer Antwort drei neue Fragen entwickelten. Schnell wischte sie die Nachrichten weg, bevor Daru sie sehen würde. Besser, sie würde sich die Zeit dafür nehmen, wenn sie diese wirklich hatten. Außerdem hatte Maho eh etwas anderes vor. Es war doch jetzt Zeit für ihr gemeinsames Treffen mit Okabe. Er hatte es ja nicht einmal für nötig gehalten, vorher hier aufzutauchen, wie sie beiläufig von Mayuri erfahren hatte. Nicht, dass Kurisu gefragt hatte. Sie hatte sich rein zufällig gewundert, warum nicht alle paar Sekunden jemand absurd große Bekundungen in den Raum schrie. Diesen Angriff auf ihr Trommelfell vermisste sie keineswegs.

    Kurisu wischte diesen Gedanken an ihn beiseite. Jetzt musste erst einmal der Fall des verschwundenen Cosplays gelöst werden!




    [Hey du solltest schnell vorbeikommen das musst du sehen! *-*]


    [Geht nicht. Er sollte jeden Moment da sein...]


    [Ach stimmt ja das geht vor auch wenn das hier echt cool ist]


    [Vielleicht komme ich doch vorbei. Das wird doch nichts. Ich hab Wichtigeres zu tun. Arbeiten. Oder was auch immer du da machst. .-.]


    [Tldr glhf]


    [Echt jetzt?! ÒvÓ]


    Mahos Blick machte dem ihres Smileys Konkurrenz, als sie wütend das Handy niederstarrte. In einem Gespräch hätte sie damit sicher ihr Ziel erreicht, doch nun passierte nichts weiter, als dass ihr Gesicht sich im Display ihres Handys spiegelte. Und das führte zu nichts mehr als der Erkenntnis, wie doof sie aussah, während sie darauf wartete, dass eine neue Textnachricht am unteren Rand auftauchen würde. Doch als das einzige, was sich bewegte, die Minuten der Uhr waren, gab sie entnervt auf und knallte ihr Handy neben sich auf die Bank.

    Das war doch nicht auszuhalten. Erst wurde sie allen Anschein nach von dem Typen versetzt, der sie gestern noch so unbedingt hatte treffen wollen. Dabei hatte er extra noch vorgeschlagen, sich direkt in der Stadt zu treffen. Und damit nicht genug, jetzt ließ sie auch noch dessen bester Freund ganz allein sitzen. Naja, wenigstens hatte dieser sich überhaupt gemeldet.

    Schmollend verschränkte sie die Arme und sackte zusammen. Ihr gelangweilter Blick glitt über die Passanten. An ihr ging gerade ein Ehepaar vorbei, bei dem die Frau lächelte, als hätte sie etwas wirklich Niedliches gesehen. Maho warf einen schnellen Blick zur Seite, ob irgendwo eine streunende Katze oder ein flauschiger Hund war, doch weit und breit kein solches Tier. Als sie erneut zu den beiden schaute, wandte die Frau wie ertappt den Blick ab und drehte auffällig unauffällig ihren Kopf weg.

    Mahos Ärger wurde noch größer. Sie war doch kein Kind, das Erwachsene mit einem lächerlichen Trotzanfall zum Lachen brachte. Sie war eine gestandene Wissenschaftlerin. Gut, immer noch in ihrem Studium. Und zugegeben sah sie mit ihrer Größe und ihren unkämmbaren Haaren nicht sonderlich erwachsen aus. Aber das gab ihnen noch lange nicht das Recht, sie auf den ersten Blick so zu verurteilen!

    “Du siehst ja auch, als würdest du jemanden umbringen wollen, Hiyajosephine”, hörte sie aus der Entfernung und wünschte sich tatsächlich ein wenig, bereits gegangen zu sein. “Da bekommt man es ja wirklich mit der Angst zu tun.” Trotz seiner Worte kam der verrückte Wissenschaftler äußerst gelassen auf sie zu. “Sag, welche universelle Ungerechtigkeit hat dich so erzürnt? Sprich nur ihren Namen laut aus und ich werde dafür sorgen, dass sie das Licht des neuen Tages nicht mehr erblicken wird - wobei, so, wie du dreinschaust, bedarf es dazu keiner weiteren Hilfe, nehme ich an.”

    Maho zwang sich, tief durchzuatmen. Es war ein Krampf, ihre Gefühle zu unterdrücken, wenn dieses leidige Thema ihr wie eine Achillessehne schon wieder das Leben schwer machte, aber sie konnte es sich nicht leisten, das Treffen noch schwieriger zu machen, als es sowieso sein würde. Auch wenn es nur ein paar Stunden dauern würde, brauchte sie dafür alle Kraft, die sie aufbringen konnte - vor allem, da sie so lange gezockt hatte, dass für die paar Stunden schlafen zu gehen sich fast nicht gelohnt hätte. Tatsächlich hatte sie noch ungewollt ein paar angehängt, weil sie tatsächlich eingeplant hatte, sich noch vernünftig fertig zu machen. Das meiste hätte sie noch geschafft, wenn diesem Chaoten nicht urplötzlich eingefallen wäre, dass es strategisch klüger wäre, sich direkt in der Stadt zu treffen, statt erst den ganzen Weg dorthin zu fahren. Mit Schrecken hatte Maho die Route zu dem Punkt nachgeschlagen und herausgefunden, dass diese Änderung noch mehr Umsteigen und noch mehr Fußweg bedeutete.

    Ein paar Minuten später war sie aus der Tür gestürmt mit einem der eingepackten Reisbällchen als behelfsmäßiges Frühstück, mit denen sie sich am Vortag für alle Fälle eingedeckt hatte. So, wie Menschen im Westen von Pizza nicht genug bekommen konnten, waren es bei ihr die kleinen Portionen, bei denen man sich überraschen lassen konnte, welche Sorte man in den Händen hielt, bis man den ersten Bissen tätigte.

    Leider hatte sie in der Zeit vergessen, dass man in ihrem Land noch nicht aufgegeben hatte, das Essen in der Bahn zu verbieten. Deshalb hatte sie sich den Rest in den Mund gestopft, sich mit Hamsterbacken zwischen die anderen Leute gestellt und ganz langsam gekaut, um nicht den Zorn der Umstehenden zu erwecken. Ein paar Mal hätte sie sich fast verschluckt, doch alles in allem hatte sie ihr Essen ohne größere Zwischenfälle beendet, als sie schlussendlich an der richtigen Station ausgestiegen war.

    “Ich möchte nicht darüber reden”, stellte sie gleich fest. Eigentlich wollte sie gerade überhaupt nicht reden, schon gar nicht mit noch einer Person, die sie schon wieder nicht ernst nehmen würde. Es wäre möglich gewesen, den Rest des Tages kein Wort mehr zu sprechen, doch ebenso gut könnte der Boden unter Tokyo plötzlich mit einem Erdbeben der Stärke 8 erschüttert werden.

    Okabe räusperte sich. “Nun gut, lassen wir uns von diesem unbedeutenden Intermezzo nicht den Spaß verderben. Wir sind hier zusammengekommen, um dich arme Unwissende mit dem zu bereichern, was die Stadt wirklich erst groß gemacht hat.”

    Obwohl Maho noch immer nicht überwunden hatte, was gerade passiert war, brachte sie dieser Satz zum Lachen. “Was denn? Du meinst, dass es eine Zeit gab, in der dieser Stadtteil nicht voll mit Fanartikeln war?”

    Okabe wischte sich durch’s Gesicht, als müsse er verkraften, dass die Welt nicht so laufen konnte, wie sie das seiner Meinung nach sollte. Er kramte sein Handy hervor und mit gebrochener Stimme sagte er: “Ich bin es. Es gibt tatsächlich einen Lichtschimmer am Horizont. Sie hat keinen blassen Schimmer, was sich an diesem Ort in einer seiner dunkelsten Zeiten zugetragen hat. Wenn wir Glück haben - hey, lauf doch nicht einfach weg!”, rief Okabe und mit ein paar langen Schritten setzte er Maho nach, die auf eigene Faust die Flucht ergriffen hatte. Eigentlich war sie nur ein paar Schritte gelaufen, weil sie keine Lust hatte, sich mit so einem Blödsinn aufzuhalten.

    Sie warf einen Blick über die Schulter und blickte ihn skeptisch an. “Bist du jetzt fertig? Können wir los und das so schnell wie möglich hinter uns bringen?”

    Okabe lachte laut auf. “Merk dir diese Worte, denn du wirst sie noch bitter bereuen, wenn ich mit dir fertig bin.”

    “Ich bereue schon jetzt so einiges”, murmelte Maho. Warum war sie nochmal hier? Rückblickend hätte sie schlau genug sein müssen, um zu erkennen, dass dieser Tag gar nicht anders als in diesem Desaster hätte führen können. Wäre sie doch einfach ins Labor gekommen. Die hatten da bestimmt viel mehr Spaß.

    Kurisu blickte auf, die Hände wie festgefroren auf den Knöpfen der Schuluniform-Bluse. Eine dunkle Ahnung legte sich über die unbeschwerte Atmosphäre. Schlussendlich hatte sie Mayuri doch überredet, dass Daru ganz dringend an seinem Uniprojekt arbeiten musste und sie ihn dabei nur stören würden. Daru hatte zwar nach Leibeskräften protestiert, doch gegen jemanden, der Gegenwind und Zweifler von allen Seiten gewohnt war, hatte er keine Chance, eine Debatte zu gewinnen. “Siehst du das, Mayuri?”, hatte Kurisu ihre Freundin gefragt und möglichst viel Mitleid in ihre Stimme gelegt. “Ich weiß, was er durchmachen muss. Es ist immer so, wenn man kurz vor einer Abgabefrist steht: Plötzlich wird man von allem abgelenkt, was nichts damit zu tun hat. So als würde man seine Hausaufgaben bis vor dem Schlafengehen aufschieben”, erklärte Kurisu und wie erhofft weiteten sich Mayuris Augen, als sie aus eigener Erfahrung zu erkennen begann, was für Folgeprobleme entstehen konnten. “Aus diesem Grund müssen wir ihm eine Stütze sein. Wir dürfen nicht zulassen, dass er die falschen Entscheidungen trifft.”

    “Ist gut!”, antwortete Mayuri mit einem so ernsten Gesichtsausdruck, als würde tatsächlich das Leben eines Freundes davon abhängen. “Daru, das ist nur zu deinem Besten”, sagte sie, als sie sich einen Stapel Kleidung schnappte und damit auf das Badezimmer zuhielt.

    “Hey, das könnt ihr doch nicht machen. Das ist Folter. Wer weiß, was Frauen tun, wenn sie zusammen ins Bad gehen? Das ist eine der ungelösten Fragen des Universums. Not fair!”, rief er ihnen hinterher, während ihm anzusehen war, dass sein Herz bei diesem Betrug rasend schnell schlug.

    Kurisu blickte zurück, als hätte sie einen Schlaganfall erlitten. “Wir ziehen Cosplays an. Was hast du denn gedacht, was wir da tun?”

    “Ist doch ganz naheliegend-”

    “Stopp stopp stopp. Behalt deine kranken Gedanken für dich. Ich kann dir versichern, dass nichts davon wahr werden wird. Himmel, was denken die Männer immer, was wir da tun? Wir haben meistens bloß Angst, dass wir uns verlaufen. Oder wir lästern über euch. Letzteres wäre allerdings nicht sehr ergiebig”, sagte sie.

    Daru sah erst recht zufrieden aus, bis er merkte, dass dieser Satz kein Lob enthalten hatte.

    “Untersteh dich, durch das Schlüsselloch zu schauen. Oder durch den Türspalt”, warnte sie ihn. Als Daru aber nicht im Mindesten beeindruckt aussah, versicherte sie ihm. “Ich meine es ernst. Ich werde dir die Tür so hart ins Gesicht knallen, dass du flacher bist als deine Monitore.”

    Daru zuckte mit den Schultern. “Einen Schritt näher an der 2D-Assimilation”, sagte er, doch dann gestand er sich ein, dass er auf verlorenem Posten stand, und schlurfte zurück zu seinem PC. Ob er wirklich arbeiten würde, wusste Kurisu nicht, aber es kümmerte sie auch nicht im Geringsten, was er da anstellte. Es hatte eine Zeit gegeben, da war ihr Daru wie ein fähiger Verbündeter vorgekommen, doch Kurisu konnte sich nicht mehr erinnern, was sie zu dieser Fehleinschätzung verleitet hatte.

    Generell hatte sie das Gefühl, dass ihre Erinnerung sie in letzter Zeit immer mehr im Stich ließ. Lag es an der ungewohnten Umgebung, dass sie immer mehr durcheinander brachte? Mayuri schien schon wieder vergessen zu haben, warum sie eigentlich all die Cosplays aus dem Schrank gezerrt hatten, so unbeschwert, wie sie an die Sache heranging. Sie hatte das mit Ruka mit keinem Wort mehr erwähnt, seit sie angefangen hatten.

    Auch Kurisu wäre es beinahe entfallen, wenn sie sich nicht gefragt hätte, wie es dazu gekommen war. Nur Minuten zuvor hatte sie es so glasklar durchlebt und jetzt musste sie sich wie nach einem Traum an jedem Anhaltspunkt zurück hangeln, um sich ins Gedächtnis zu rufen, was gerade abgelaufen war. Und wenn sie schon etwas vergaß, das gerade erst passiert war, wie viele wichtige Erlebnisse waren ihr bereits entfallen? Würde alles einen Sinn ergeben, wenn sie die Lücken endlich füllen könnte?

    Sie schaute Mayuri dabei zu, wie diese vor sich hin summend ihre Sachen begutachtete. Wenn der Weg zu Antworten doch auch so einfach sein würde. Aber er erforderte Mühen, die sie nicht abschätzen konnte, und ein großer Teil des Gelingens lag nicht einmal in ihrer Hand.


    [Ich muss mit dir reden. Allein. Wann und wo können wir uns treffen?]


    Sie hatte erwartet, dass dieser erste Schritt eine große Erleichterung sein würde, doch seit die Nachricht rausgegangen war, kribbelte ihr Körper in ungeduldiger Erwartung einer Antwort.



    Okabe lachte laut auf, während er sein Handy anstarrte.

    Maho erwartete halb, dass er wieder so einen bescheuerten Anruf tätigen würde. Es wäre die klügste Reaktion, wie zuvor einfach das Weite zu suchen, doch sie wusste nicht, ob sie sich noch dazu durchringen könnte. Sie konnte es selbst am wenigsten glauben, aber wenn sie ehrlich mit sich war, war sie ganz zufrieden in dieser Situation. Sie würde sogar soweit gehen, von Glücklichsein zu sprechen. Vielleicht lag es an den ganzen Einzelteilen, bei denen es sie in den Fingern juckte, sie endlich zusammenzubauen. Oder es war das unheimlich(e und) niedliche Stofftier, dessen dreifachen Wert sie an Münzen geopfert hatte, bevor Okabe es aus den Klauen des Kranspieles befreit hatte.

    Tatsächlich war es irgendwann sie gewesen, die den Einheimischen durch seine Heimatstadt geführte hatte. Intuitiv hatte sie gewusst, wohin sie wollte, und was es da für ihren Geschmack gab. Fast schon unheimlich, so ein Glück zu haben. “Du hast eben einen sechsten Sinn. Fast, als wärst du schon mal hier gewesen”, hatte Okabe gesagt, doch der Humor in seiner Stimme war nicht in seinen Augen angekommen. Scheinbar hatte er diesen Zufall ebenso unheimlich gefunden. Oder er hatte seine Zeit gebraucht, um die verstimmte Maho mit diesem Bündel an Begeisterung in Einklang zu bringen, mit dem er nun im Café saß und das genüsslich einen Eistee mit Macha-Geschmack trank.

    Je mehr Maho aufgeblüht war, desto zurückhaltender war Okabe geworden. Es war nicht nur der Kommentar, aber seit diesem Moment hatte sie gemerkt, dass sich etwas verändert hatte - auch wenn sie keinen Anhaltspunkt hatte, woran das liegen konnte. Ob etwas vorgefallen war?

    Vielleicht war sie deswegen fast schon eher erleichtert als mit einem bösen Déjà-vu erfüllt, als Okabe erneut in seine Persona verfiel. “Da hat man sich nicht einmal einen halben Tag lang nicht gesehen und schon verlangt meine Assistentin nach meiner physischen Präsenz. So sehr sie auch darauf bestehen mag, dass meine Anwesenheit ihr gänzlich egal wäre, so abhängig ist sie doch in Wirklichkeit von mir.”

    Maho bezweifelte, dass sie sich noch über die gleiche Person unterhielten, doch in diesen wenigen Tagen hier hatte sie eine wichtige Lektion gelernt: Wenn man etwas wissen wollte, musste man den verrückten Wissenschaftler nur ausreden lassen und gegebenenfalls ein wenig anstupsen. Er sagte zwar vieles, was niemand wissen wollte, verplapperte sich aber auch manchmal bei den Dingen, die man unbedingt erfahren wollte. Es würde zwar noch dauern, bis Maho gelernt hatte, nach welchen verbalen Hinweisen sie Ausschau halten musste (und sie wägte immer noch ab, ob es ihre Zeit überhaupt wert wäre), aber es war ein ganz lustiges Spiel zum Zeitvertreib.

    Trotzdem, bei seinen Worten war ihr diesmal gar nicht nach spielen zu Mute. Immerhin konnte sie schon jetzt sagen, wie sich der restliche Tag entwickeln würde. Irgendwie ironisch, dass sie genau das bekam, was sie sich zuvor gewünscht hatte. Man konnte sich so etwas wohl nicht gut genug überlegen. Nun, es war viel schöner gewesen, als sie erwartet hatte - auch wenn sie das noch etwas für sich behalten würde. “Dann solltest du sie mal nicht warten lassen.”

    Okabe schaute perplex zurück, als hätte sie ihn damit in Zugzwang gebracht. “Diese Situation erfordert allerdings einiges mehr an Fingerspitzengefühl als diese naheliegende Reaktion. Ich kann doch nicht einfach nachgeben, wenn ich gerufen werde. Beim nächsten Mal denkt sie ja, ich würde immer kommen, wenn sie in Nöten ist, und dann ruft sie mich wegen jeder Kleinigkeit. Nein, so geht das nicht. Ich muss klarstellen, wer hier nach wessen Regeln spielt.”

    Maho griff schnell nach ihrem Glas, als sie ihr Grinsen unmöglich zurückhalten konnte. Dieser junge Mann musste eine ganz schön verzerrte Wahrnehmung haben, wenn er sich etwas derart Verqueres wirklich einreden konnte. “Natürlich”, sagte sie und klang fast ein wenig, als würde sie ihm das abkaufen.

    Okabe räusperte sich. “Allerdings kann ich nicht abstreiten, dass ihr Modus Operandi höchst ungewöhnlich ist. Nicht auszuschließen, dass es sich tatsächlich um etwas handeln könnte, das meine sofortige Aufmerksamkeit verlangt.”

    Maho schluckte die Gedanken, die ihr auf der Zunge lagen, herunter. Es war immer das Gleiche, nur in anderer Form - auch wenn es dadurch nicht unbedingt einfacher zu ertragen war. “Dann sollte man lieber nichts riskieren.”

    Okabe schaute sie fragend an.

    War ihr Ton zu neutral gewesen? Hatte sie zu verbissen so getan, als würde sie keine Einwände gegen die Entscheidung haben, die er schon getroffen hatte, als er die Nachricht gesehen hatte?

    “Ist das für dich in Ordnung?”

    Jetzt war es an Maho, den Lauf der Welt nicht zu verstehen. Hatte er sie gerade wirklich nach ihrer Meinung gefragt? Vermutlich nur eine Formsache, um sich abzusichern und jeglichen Schuldgefühlen entgegen zu wirken. “Klar doch. Warum sollte es das nicht sein?”

    ‘Nicht antworten’, befahl sie ihm und ihren Gedanken. Wenn ihr auch nur ein Grund dafür einfallen sollte, würde sie nicht mehr aufhören können, darüber zu grübeln, bis sie darin ertrinken würde.

    “Ich wollte sowieso noch zu Daru”, sagte sie. Es war nicht gelogen, doch bis eben hatte sie nicht gedacht, dass sie heute noch Zeit dafür finden würde. Schon gar nicht so viel. “Ich frag ihn mal, was er so macht”, sagte sie wie beiläufig und tippte tatsächlich eine kurze Nachricht. Es war eine Art Trost, dass ihre Hände etwas zu tun hatten, was sie ablenkte.


    [Wie läuft’s?]


    “Alles klar. Wenn das für dich in Ordnung ist...”, sagte Okabe und stand langsam auf. Dann fand er seine Haltung wieder und fügte hinzu: “Aber glaub ja nicht, dass ich dich einfach so vom Haken lasse. Der Tag wird früher als gedacht kommen, an dem wir diese Reise zum Sammeln der technologisch versierten Artefakte fortsetzen, um das Kunstwerk fertigzustellen!”, versicherte er ihr mit dem Inbegriff der Überzeugung.

    “Aber sicher doch”, sagte Maho abwesend, den Blick wieder zu ihrem Handy gewandt. Vielleicht hatte sie ja Glück und er würde die Bewegung ihrer Mundwinkel Darus Antwort zuschreiben.


    [Man soll ein genie nicht hetzen!]

    [Euer romance event?]


    Maho wünschte, das nicht einmal einer Antwort würdigen zu müssen. Es dauerte einen Moment, bis sie ihm die Antwort geben konnte, die sie wollte.


    [Wenn du das 100% platonische Treffen meinst: Viel besser als erwartet]


    Sie schaute hoch, um sich zu entschuldigen, dass sie ihn kurz ignoriert hatte, doch sie sah nur noch, wie Okabe ihr hinterher winkte. Sie hatte den beleidigten Blick erst aufgesetzt, als er ihr schon wieder den Rücken zugewandt hatte. Doch dann wurde ihr klar, dass sie ihm damit vielleicht doch unrecht tat. Gut möglich, dass er sich verabschiedet, sie ihn aber nicht gehört hatte.

    Vermutlich wäre ihr dann auch aufgefallen, dass die Rechnung immer noch auf dem Tisch lag und sie beim besten Willen kein Kleingeld neben seinem leer getrunkenen Glas erkennen konnte. Vielleicht hätte sie darüber gelacht, aber diesmal funktionierte es nicht.


    [Komm vorbei. Ich brauche support. Die wollen mich nicht dabei haben. Much sad.]


    Maho biss sich auf die Lippe. Sie wusste nicht, ob es die schlauste Entscheidung war, aber der erste Impuls war ja meistens der richtige.


    [Sorry, heute wird das nichts mehr. Schaffst das auch ohne mich ;) ]


    Dann legte sie die Unterarme auf den Tisch, bettete ihren Kopf darauf, sodass ihr Schwarz vor Augen wurde, und hoffte, dass die Welt wieder besser aussehen würde, wenn sie wieder klar denken konnte.


    Uff, ich hätte fast die Deadline verpasst, dabei wollte ich dieses Jahr doch mitmachen^^*


    Gewünschte Länge: Nicht mehr als 26 Folgen, eher nur eine Staffel. Ansonsten würde ich nicht mehr dieses Jahr damit fertig werden, fürchte ich^^*


    Zu den Genres: Ich bin irgendwie so ein Mittelding, merke ich gerade. Ich shippe sehr gerne, aber der reine Fokus wie bei Toradora und Clannad war mir dann doch zu viel (es sei denn, es ist mal was anderes wie Science Fell in Love). Ich mag gut animierte Kämpfe (Ufotable), aber der Fokus darauf wäre mir dann doch zu viel. Für gute ausgearbeitete psychologische Traumata bin ich immer zu haben (Fate, Madoka), aber bitte bringt mich nicht mit sowas wie Anohana zum Weinen. Humor ist so eine Sache, aber für niedliche Dinge wie die Mumie oder Isekai/Harem mit einer guten Portion Selbstironie bin ich immer zu haben (Bofuri, Bakarina). Bonuspunkte für Girls Love, aber bei BL tue ich mich schwer^^° Fanservice übersehe ich, wenn es nicht gerade Kill la Kill ist.


    Geschaut werden kann alles mit einem Netflix-Abo, einem Gratiszugang zu Crunchyroll & Wakanim und zur Not was nicht in Deutschland lizensiert ist.


    Ich bin fertig ...

    I feel you...


    Nachdem ich noch ein paar Wörter ausgezählt hatte, die ich im Unterricht geschrieben hatte, brauchte ich nur noch knapp 2.000 heute - und obwohl mir das nach der Strecke, die ich diesen Monat schon zurückgelegt hatte, wie ein Kinderspiel hätte vorkommen müssen, hat sich das echt gezogen wie Kaugummi^^° Irgendwie wurde diese anfängliche Vorfreude und Leichtigkeit irgendwann von einer gewissen ... Alternativlosigkeit(?) abgelöst. Ich kam unweigerlich immer wieder zu den Szenen, die mir nicht so leicht von der Hand gehen würden oder bei denen ich schon vor dem Nano festgesteckt hatte (So wie ein Gespräch zwischen zwei Parteien, die sich gegenüber sehr misstrauisch sind, über komplexe, facettenreiche und deshalb schwer dazustellende Charaktere bis hin zu Texten, die eine andere Form aufweisen wie ein Textchat, der nur duch diese Nachrichten überzeugen müsste (Falls jemand mal durch "Okay, Leute, kriegt euch wieder ein" geblättert hat: So in etwa. Für alle anderen: Ich fand die Umsetzung sehr interessant, weil dieses Buch wirklich nur aus SMS, E-Mails, Blogeinträgen, einem Tagebuch und ähnlichen Textstücken besteht)).


    Zum Glück habe ich immer noch etwas gefunden, was mich begeistert hat (Auch wenn sich so durch Werke gesprungen bin, wie schon lange nicht mehr^^°). Jetzt brauche ich aber erst einmal Abstand von diesem doch recht anstrengenden Hobby *lach*


    50.859 Wörter sind es geworden und gegen Ende ging es sogar recht flott, wodurch ich tatsächlich soetwas wie eine Art Epilog erschaffen habe (bei einer Story, bei der ich im Moment im letzten Drittel festsitze. Aber vielleicht bekomme ich sie ja eines Tages fertig, wenn ich sie weiter so von beiden Seiten chippe xD). Aber auch, wenn ihr nicht das Ziel erreicht habt, dass ihr euch vorgenommen habt: Nicht traurig sein. Ihr klingt, als hättet ihr alles gegeben und das eigentliche Ziel ist doch, dass man sich endlich mal hinsetzt und all das aufschriebt, das man sonst nur vor sich herschiebt. Okay, wem mache ich etwas vor. Verglichen mit Alaiya können wir sowieso alle einpacken, so viel haben wir gerade einmal zusammengenommen geschafft xD

    Ich war mir nicht sicher, ob ich die Sache von heute posten soll, weil es a) nur runtergeschrieben ist (überarbeitet wird im Dezember xD) und b) gewissermaßen den Ton des Endes spoilert. Aber nun, nothing ventured, nothing gained, und er ist so vage, dass man sowieso nichts verstehen dürfte xD (Außer vielleicht Azaril, aber das liegt eher daran, dass das Fandom Fate ist xD). Und hochgeladen habe ich die Geschichte hier eh (noch) nicht, also was soll's ;)


    Und falls wer noch meine musikalische Inspiration des Tages hören möchte (Ist zwar zu fröhlich für die Szene, aber ich finde das Lied wirklich schön): Tir Na Nog - Celtic Woman (Nightcore-Version)


    So, ich stehe jetzt bei 47.344. Der Rest kommt dann morgen, heute bin ich zu geschafft. Kaum zu glauben, dass ich letztes Jahr sogar 2 Tage vor Schluss fertig geworden bin... So langsam fühlt sich das ein wenig wie Zwang an, aber man ist dann doch froh über das, was man geschafft hat - wie viel man davon in Zukunft verwenden kann, steht aber ja bekanntlich auf einem anderen Blatt xD Aber nun, der Dezember ist ja offiziell zum Überarbeiten da. Wobei, so sehr ich diesen Monat darauf verzichtet habe, werd ich wohl eher zocken und Anime schauen^^°

    Um schon mal ein kleines Resümee zu ziehen: Ich habe diesen Monat an 8 verschiedenen Werken gearbeitet xD (Gut, das eine war die Fortsetzung zu einem noch nicht vollendeten Werk und eine kleine Side-Story, also machen wir 6 draus xD). Zum Glück sind es nicht alles Sachen, an denen ich aktiv schreibe, und eine davon habe ich schon wieder verworfen, sonst würde ich nie im Leben einen vernünftigen Upload-Plan hinbekommen - also nicht, dass ich das jetzt tun würde^^°

    Isamu17 Oh, da sprichst du mit einem Negativbeispiel erster Klasse xD meine Sachen verlaufen sich öfter im Sand, als ich zählen kann. Das Gute am Nano ist allerdings, dass es ein klares Ziel mit einem klaren Zeitraum ist. Man muss allerdings auch wissen, worauf man sich da einlässt. Ich habe wieder mal festgestellt, dass ich, zumindest bei der MMFF, gerade mal 1k pro Stunde schaffe. Klingt vielleicht viel, aber das würde bedeuten, dass ich pro Tag mindestens 1,5h freischaufeln muss - und dann muss mir auch noch was einfallen xD


    Aber zum Glück ist das Schreiben, oder zumindest darüber nachdenken, etwas, das ich seit fast 15 Jahren mache, wenn auch hier und da mit kleinen Pausen. Irgendwann fällt es einem leichter, schnellere und längere Texte zu schreiben - wobei ich anfangs nach Alaiyas Beitrag dachte "Ich ha gerade mal die 5k, die dir noch fehlen" xD Aber gut, ich bin nicht die Zielstrebigste und leicht abzulenken *schielt zu der Unterhaltungselektronik in Reichweite*.


    Also mach dir keine Sorgen. Ein Dozent hat mal gesagt, dass es für ihn vollkommen okay wäre, wenn man eine halbe Stunde für 75% seines besten Ergenisses opfert, wenn das ausreichend ist, statt 2 Stunden für 100%, weil man am Tag eben nur eine begrenzte Anzahl an Stunden hat. Oder so in der Art. Es gibt eben so viele Dinge, die man tun will, dass man die sonst gar nicht alle unterbringen kann und sich nur selbst frustriert.^^*

    Ich hab leider insgesamt fast nichts geschafft, wenn ich glück hab komme ich auf knapp 1.000 Wörter. Und die nur für die Ausbildung.

    Naja mal sehen hab jetzt ne Woche Urlaub.


    Also ich komme in der Berufsschule manchmal wirklich wunderbar zum Schreiben *hust* Ist immerhin besser, als wenn ich andere störe, wenn ich mit Aufgaben fertig bin. Aber bitte nicht nachmachen, Kinder xD *hust*


    Aber mach dir keinen Kopf. Selbst wenn du dein Ziel nicht erreichst, wären das unter Umständen immer noch 1.000 Wörter mehr, als du sonst diesen Monat geschafft hättest (wenn ich von meinem Fortschritt die letzten Monate ausgehe, wäre ich da schon glücklich, wernn er fünfstellig gewesen wäre... Da hat dieser alljährliche Wahnsinn mir schon wirklich geholfen, mich zu disziplinieren).


    Viel Gück in deinem Urlaub, aber ehol dich auch gut. Ich hatte mir auch vorgenommen, in meinen Urlaubstagen in den Herbstferien mehr zu schreiben - und dann habe ich den halben Tag mit einer Krankenhausaufbausimulation verbracht. Es war nicht alles schlecht - nur nicht sonderlich Produktiv in der Hinsicht xD Aber nun, sonst hat man ja kaum so richtig Zeit für irgendwas.

    Mein erster Doppelpost in diesem Thema. Schade, dass es hier so leer ist ...

    Mach dir da nichts draus. Beim Camp kann man schon froh sein, wenn 1/4 der Teilnehmer in deiner Gruppe überhaupt noch antworten nach den ersten 3-4 Tagen xD Ich hab selber gemerkt, wie anstrengend es ist und wie viel einfacher es wäre, abzubrechen, aber die letzten 8 Tage stehen wir jetzt auch noch durch ;)



    Ufff... Es wird besser. In kleinen Schritten. Oder zumindest weniger extrem xD 32,3k insgesamt, macht einen Tagessoll von 2,2k. Und das bei 4 Stunden Feierabend. Uff...


    Ich war am Mittwoch so stolz auf meine 3,9k (mit denen ich tatsächlich ein Kapitel abgeschlossen hatte), vor allem, weil ich Montag und Dienstag eine totale Pause eingelegt hatte, aber Donnerstag dann schon wieder nichts (außer den Wörtern, die ich im Unterricht geschrieben habe und noch zählen bzw. abtippen muss). Freitag Nacht vor dem Schlafengehen noch 1k, gestern 3k und heute 4k. Eigentlich wollte ich mehr schaffen, aber ich habe den Fehler gemacht, erst 4 Stunden Fire Emblem zu spielen in ... suboptimaler Haltung, weshalb ich dann noch ein paar Stunden im Dunkeln wegen Kopfschmerzen gechillt habe und erst gegen 5 wieder zum Schreiben kam. Von daher eigentlich noch ganz okay. Damit wäre noch ein Kapitel fast fertig (das jetzt schon bei 7k steht xD).


    Ich bin übrigens von der einen FF zu "Anything Goes" gewechselt. Ich habe einfach unterschätzt, wie anstrengend es ist, so viele Tabs offen zu haben (Die Übersicht über Pokémon und Paarungen für Mentoren und Wettbewerbe, die Steckbriefe, das Kapitel zum Schreiben, meine dazugehörige FF, Pokéwiki... So viel Recherche schlaucht mehr als gedacht xD Aber immerhin macht es immer noch Spaß.


    Aber dank Nano könnte es sein, dass ich zumindest eine FF dieses Jahr noch fertig stelle. Noch 3 Kapitel, von denen ich eines nur noch mal überarbeiten muss, wenn ich Glück habe ^-^


    Falls noch jemand nach Musik sucht, ich habe eine schöne Zusammenstellung gefunden, die mein geistiges Befinden sehr gut beschreibt


    Mal sehen, ob ich daraus gelernt habe und diesmal unter der Woche etwas mehr Motivation und Kreativität finde^^

    Ich schätze, hinterher ist man immer schlauer. Ich könnte mich jetzt mit meiner letzten Klassenarbeit diesen Monat am Donnerstag rausreden, aber ich habe unter der Woche wirklich nur am Donnerstag geschrieben und das waren gerade einmal 339 Wörter...
    Naja, gestern während des Chattreffens sind nebenbei noch mal knapp 1,8k entstanden (War wirklich cool mit euch :) Vor allem das kurze Fangirlen xD Für die Geschichte war ich ja leider zu schnell weg^^°) und heute noch einmal etwa 5k. Ich weiß nicht, wie ich es verdient habe, dass mein benötigter Tagesschnitt noch knapp unter 2k gerutscht ist, aber immerhin ist noch nicht alles verloren xD Ich muss das mal auf der offiziellen Seite eintragen, aber man merkt deutlich, wann Wochenende war - das sind die einzigen Zahlen im grünen Bereich xD (also wirklich. Meine Exceltabelle färbt alles bis 1666 rot, alles darüber grün im Hintergrund ein <3)

    ... Aber mal ernsthaft, ich muss aufhören, das immer so aufzuschieben. .-. Vielleicht sollte ich mir so kleine Mantras an die Wand hängen: "Ich bin nicht zu müde. Meine Finger sind nicht zu kalt zum Tippen. Die Anime-Playlist, die andere Menschen übertönen soll, lenkt mich nicht zu sehr ab. Das Spiel ist nicht so verlockend, wie es scheint. Erst die Arbeit, dann das Zocken. Schlafmangel kann durch den Gratiskaffee auf der Arbeit prima kompensiert werden."

    ... und ich dachte, der Spurt am Dienstag wäre schlimm gewesen. Hat sonst noch jemand das Gefühl, dass man erst wie blockiert vor diesem Dokument sitzt, als wüsste man gar nicht, wo man anfangen soll, und je später es wird, desto besser kommen die Worte? Aber nun, wer braucht denn schon mehr als 6 Stunden Schlaf? xD


    Naja, ich hatte während der Woche ein paar Durchhänger und dementsprechend einiges aufzuholen. Das Tagesziel lag bei 6k. Am Ende wurden es aufgerundet 5,9k, womit ich vollkommen zufrieden bin. Das reicht mir aber auch für heute. Insgesamt bin ich jetzt bei 13.000. und damit fast wieder komplett im Soll. Mal sehen, ob ich daraus gelernt habe und diesmal unter der Woche etwas mehr Motivation und Kreativität finde^^


    So, wenn ihr mich jetzt entschuldigen würdet, ich gehe den Rest meines Sonntagabends damit verschwenden, ein Krankenhaus aufzubauen xD


    Kapitel 15


    Japans Hauptstadt war so voller Menschen, dass jede Individualität von der Masse verschluckt wurde, sobald man auf die Straße trat.

    Zumindest hatte Maho das bis jetzt immer angenommen. Es erinnerte sie vage an die ersten Wochen in Amerika, in denen sie sich wie der berühmte Engländer in New York gefühlt hatte. Ihre buschigen Haare, ihre asiatischen Gesichtszüge, ihre geringe Größe… Mit jedem Schritt hatte sie mehr und mehr das Gefühl gehabt, als würde sie sich wie Öl durch Wasser bewegen. “Ich passe hier doch nie im Leben rein”, hatte sie gedacht. “Die beiden Kulturen sind einfach unrettbar unterschiedlich.”

    Erst als sie ihr Studium begonnen und sich mit mehreren hundert Leuten in einen Hörsaal gequetscht hatte, war es ihr wie Schuppen von den Augen gefallen: Es interessierte niemanden. Sie war bloß ein weiterer Statist im Leben ihrer Kommilitonen, den sie als besetzten Platz oder gesichtslose Wortmeldung wahrnahmen, bevor sie ihrer Wege gingen, als wären sie sich nie begegnet. Wie viele Menschen man wohl traf, die man gar nicht richtig bemerkte?

    Tatsächlich hatte sie diese Frage so sehr interessiert, dass “Selektive Wahrnehmung und die Notwendigkeit des Vergessens” der Titel einer ihrer Hausarbeiten gewesen war. Vielleicht hätte sie in diese Richtung weiter geforscht, aber seit sie am Projekt Amadeus beteiligt war, hatte sie keine Zeit, um diesem fremdzugehen.

    Auch jetzt hatte sie das Gefühl, dass der Lauf ihres Lebens nicht mehr in ihrer Hand lag, als sie ihren drei neuen Freunden durch die Straßen Akihabaras folgte. Seit sie vor drei Stunden vom Labor aus aufgebrochen waren, streiften sie nun schon durch die Straßen von Akihabara und drückten sich die Nasen an den Schaufenstern platt. Maho war immer noch fasziniert, wie sehr man einen Kult um die japanische Animationskunst aufbauen konnte. Digitale Anzeigen, so breit wie manche Hausfassade, priesen die neuesten Serien an, während unter ihnen in den Läden allerhand Kostüme, Figuren, Spiele und Merchandise angeboten wurde, von denen Maho nie gedacht hatte, dass es einen Markt dafür gab.

    Für Mayuri waren die Straßen wie ein zweites Zuhause und obwohl sie so oft hier war, winselte sie wie ein kleiner Hund, wenn man sie von den Schaufenstern wegzog. Dass sie sich konstant darüber beklagte, zu wenig Geld in ihrem Portemonnaie zu haben, machte die Situation auch nicht besser. Mit ihrer kindlichen Art fand sie alle paar Meter etwas, das sie begeisterte.

    Kurisu tat zwar so, als würde sie nur ihrer Freundin zu Liebe hinschauen, aber Maho war schon längst aufgefallen, dass auch ihre Kollegin ihren Blick kaum von manchen Figuren lösen konnte. Ob sie Zuhause wohl auch so etwas stehen hatte? Jetzt, wo sie darüber nachdachte, konnte Maho sich nicht daran erinnern, jemals Kurisus Studentenzimmer gesehen zu haben - nun, das beruhte allerdings auf Gegenseitigkeit. Obwohl die beiden sich seit ihrer Zusammenarbeit mehr Nächte um die Ohren geschlagen hatten, als sie zählen wollten, war es immer auf einer beruflichen Ebene geblieben. Sollte dies allerdings der Fall sein, würde es Maho nicht wundern, wenn bereits ein beachtlicher Teil ihres Koffers für den Import dieser Schätze reserviert war.

    “Es ist wirklich schön, dass die beiden sich so gut verstehen, oder?”, fragte Ruka sie mit einem Lächeln. Seinen Kommentaren nach zu urteilen, konnte er den Fanartikeln allenfalls die künstlerische Schönheit abgewinnen und wusste nicht viel mehr als Maho, was den Ursprung anbelangte.

    “Ja”, sagte Maho nur, als sie die beiden jungen Frauen beobachtete, wie diese sich angeregt vor einem Schaufenster unterhielten und abwechselnd auf die verschiedensten Dinge zeigten. Ein Teil von ihr sehnte sich danach, mitreden zu können, doch die rationale Seite ihres Selbsts wusste, dass sie keinen Spaß daran hätte, wenn sie sich dazu zwingen müsste. Stattdessen versuchte sie, sich so zu akzeptieren, wie sie war - was zugegeben nicht ganz einfach war, wenn man in einer Masse von Enthusiasten durch die Straßen trieb und nur die japanische Höflichkeit einen von unerwünschtem Körperkontakt bewahrte. Um ehrlich zu sein, war Maho auch sehr froh darüber, denn bei ihrer Größe befürchtete sie schon, hinfort getrieben zu werden wie ein Stück Treibholz in einer schnellen Strömung.

    “Mayuri hat erzählt, dass du zusammen mit Kurisu in der Uni arbeitest. An was forscht ihr denn so?”

    “Künstliche Intelligenz”, antwortete Maho. Sie wollte nicht zu tief in die technische Materie eindringen, obwohl es ihr unter den Nägeln brannte und sie Ruka stundenlang davon erzählen könnte. Das hatte sie bei ihren Eltern gemacht und obwohl diese wirklich stolz auf ihre Tochter waren, hieß es immer nur “Sie macht etwas mit Computern.” Bei der gängigen Internetgeschwindigkeit im ländlichen Okinawa war es allerdings nicht verwunderlich, dass Technologie nicht der Bereich waren, für den sie sich interessierten. Außerdem gehörten sie der Generation an, die Sätze wie “Zu meiner Zeit” benutzte und der Ansicht war, dass es für sie schon längst zu spät war, sich mit den Neuerungen zu befassen. Allein schon sie von der Notwendigkeit eines Handys zu überzeugen war ein Kampf gewesen, den Maho nicht noch einmal ausfechten wollte.

    “Das klingt wirklich interessant”, sagte Ruka die Worte, die für gewöhnlich etwas wie “Ich habe keine Ahnung, was das genau bedeutet, aber ich will nicht negativ auffallen” verschwiegen. Maho musste aber zugeben, dass bisher keiner so ein freundliches Lächeln dabei getragen hatte wie er. Kein Wunder, dass Passanten sich nach ihm umdrehten und deren Freundinnen ihnen entgeisterte Blicke zuwarfen. Maho hatte mit ihm nicht einmal mehr Worte als gängige Höflichkeiten ausgetauscht und trotzdem das Gefühl gehabt, in angenehmer Gesellschaft zu sein.

    Maho zuckte mit den Schultern. “Das ist es, aber wenn man sich die ganze Zeit damit befasst, wird es recht alltäglich. Also nicht, dass es langweilig wird oder so. Es gibt nur immer etwas Neues, das man erforschen muss. So viele Dinge, die einfach nicht funktionieren wollen - und wenn man ein Problem endlich gelöst hat, hat man auf dem Weg dahin schon drei neue gefunden.”

    “Oh, ich verstehe. Das muss eine Menge Arbeit sein”, überlegte er laut.

    Maho nickte stumm. “Ja, von außen sieht es so aus, als würden wir nur eine endlose Kette an Befehlen eingeben, aber das alles zu überblicken, ist wirklich nicht ohne. Manchmal verirre ich mich regelrecht darin. Es hat Tage gegeben, da hatte ich das Gefühl, dass Amadeus - also das Programm - sich besser mit seinem eigenen Code auskennt als ich. Ihre Fehlerberichte sind wirklich sinnvoll.”

    “Wie wenn man einen Arzt als Patienten hat?”

    “Tatsächlich, ja”, sagte Maho und machte sich eine geistige Notiz, diesen Vergleich bei zukünftigen Erklärungen zu nutzen. “Schätze, wenn wir das noch ein bisschen ausbauen und die nötigen Berechtigungen verteilen, kann Amadeus sich irgendwann selbst programmieren”, sagte sie mit versuchter Selbstironie. Eigentlich war der Gedanke gar nicht einmal so weit hergeholt. Künstliche Intelligenz war noch ein sehr junges Feld, aber wenn man bedachte, wie viele Fortschritte man in den letzten Jahren damit gemacht hatte, war es gar nicht so unwahrscheinlich, dass einige Befürchtungen wahr werden würden, die man momentan noch für Science Fiction hielt. Außerdem war schon jetzt zur Genüge bekannt, dass eine KI, die man richtig programmiert hatte, im Bereich Logik einem jeden Menschen in Schnelligkeit und Genauigkeit überlegen war. Was fehlte, war einzig etwas, das Laien als Kreativität betiteln würden, aber Maho wäre nicht überrascht, wenn auch dieses Feature in den nächsten Jahrzehnten implementiert werden würde. Sie lachte tonlos, als ihr das unausweichliche Resultat einfiel: Wieso sollte man einen menschlichen Programmierer einstellen, wenn es auch eine KI tat?

    Sie merkte erst, dass sie zu lange in Gedanken versunken war, als Ruka erneut versuchte, ein Gespräch zum Laufen zu bringen. “Das hier ist einer von Mayuris Lieblingsstadtteilen. Wo gehst du gerne zum Einkaufen hin?”

    Maho war sich nicht sicher, ob der Junge ernsthaft interessiert war oder nur Konversation betreiben wollte, aber er schien wirklich ehrlich und nett zu sein. Ein bisschen wie Mayuri, die keinem Menschen etwas Böses wünschen würde, wenn auch auf eine entspanntere, vernünftigere Art und Weise.

    Maho überlegte einen Moment, bevor sie antwortete: “Eigentlich gehe ich gar nicht so oft shoppen. Unter der Woche habe ich wegen der Arbeit nicht so viel Zeit dafür und sonst sind es meistens auch nur die Dinge, die ich brauche, was Essen und Klamotten anbelangt.” Sie überlegte kurz, wann sie das letzte Mal für irgendetwas anderes Geld ausgegeben hatte, und kratzte sich verlegen am Kopf. “Aber ich fürchte, bei Videospielen werde ich vielleicht schwach. Und Bücher, aber ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal wirklich zum Lesen gekommen bin.”

    Ruka kicherte, auf diese elegante, melodische Art von ihm. “Dann kannst du dich ja bestimmt gut mit Daru unterhalten.”

    Maho hob beide Hände, als drohte man, sie zu erschießen. “Nein, ich glaube kaum, dass uns die gleichen Genres interessieren." Sie schauderte bei dem Gedanken, dahingehend mit ihm verglichen zu werden. “Was magst du denn so?”, fragte sie, wenn auch nur, um das Gespräch in eine andere Bahn zu lenken. Nach den Themen, die er beim Abendessen am Vortag angeschnitten hatte, wollte sie auf keinen Fall mit ihm in Verbindung gebracht werden.

    “Ich?”, wiederholte Ruka, so als hätte er gar nicht damit gerechnet, die Gegenfrage gestellt zu bekommen. “Also ich verbringe sehr viel Zeit damit, meinem Vater im Tempel auszuhelfen. Eigentlich gibt es da immer etwas zu tun, besonders zu den Feiertagen.”

    Maho nickte langsam. “Ja, ich erinnere mich. Meine Eltern sind an den religiösen Feiertagen jedes Mal zu den Schreinen gegangen, um zu beten. Als Kind fand ich das wirklich toll, aber irgendwann war es dann nicht mehr so spannend.”

    Kaum hatte sie die Worte ausgesprochen, verzog sie das Gesicht. Vielleicht war es nicht das Schlauste, sowas zu jemandem zu sagen, der gerade offen zugegeben hatte, wie wichtig ihm seine Religion war.

    Ruka allerdings sah nicht im Mindesten betrübt aus. Vielleicht hatte er die Fähigkeit, dass er innerlich so ruhig war, dass er tolerant gegenüber jeglichen Meinungen war, oder aber er wollte seinen Unmut nicht allzu offen zeigen. Was auch immer es war, er antwortete mit sanfter Stimme: “Ja, das höre ich oft. Abgesehen von den Feiertagen treffe ich selten Schüler aus meiner Klasse am Schrein, und selbst dann bleiben sie immer nur für ein kurzes Gebet.” Er zuckte mit den Schultern. “Aber ich schätze, so ist das einfach.”

    “Da kann man nichts machen”, pflichtete Maho ihm bei, wenn auch weniger aus Mitgefühl, sondern weil sie selbst es so handhabte. Über die Jahre hinweg war ihr Religion immer unwichtiger geworden. Sicher hatte auch ihr Studium einen großen Teil dazu beigetragen. Wenn man seine Tage umgeben von Zahlen, Daten und Fakten verbrachte, blieb wenig Raum für Übersinnliches - obwohl ihnen schon mehrmals gesagt wurde, dass die Erschaffung von Amadeus einem Wunder gleichkam.

    “Wenn du willst, kannst du gerne einmal bei uns im Tempel vorbeikommen. Ich könnte dich ein bisschen herumführen und dir alles zeigen. Gerade bei solch gutem Wetter ist es echt schön dort - auch wenn die Wärme das Stufensteigen recht anstrengend macht.”

    Ruka hatte seine Ausführungen noch nicht einmal beendet, als Maho schon wusste, was sie antworten wollte: “Nicht doch, mach dir wegen mir keine Umstände. Du hast doch schon gesagt, dass du sehr viel zu tun hast.”

    Ruka verschränkte seine Finger. “So hatte ich das nicht gemeint. Es ist nicht so, als müsste ich das alles sofort erledigen. Mein Vater ist sehr verständnisvoll, wenn ich mir dafür frei nehme. Er freut sich immer, wenn Freunde von mir zu Besuch kommen.”

    Maho hatte ein plötzliches Flashback zu den letzten Jahren, bevor sie zu ihrem Auslandsstudium aufgebrochen war. Ihre Eltern hätten jeden Freund, der sie besuchen gekommen wäre, mit offenen Armen empfangen - hätte es doch bedeutet, dass ihre Tochter endlich aus ihrem Zimmer kommen würde, das sie sonst nur für die Schule und lebenserhaltende Maßnahmen verließ. Maho hatte solche Andeutungen gekonnt ignoriert. Es war doch ihre Sache, womit sie die Zeit vertrieb. Warum mussten Eltern sich immer in alles einmischen?!

    Der Nachhall von Mahos Trauma musste sich in ihrem Gesicht abgezeichnet haben und sie wurde kurz darauf von einem “Geht es dir gut, Senpai?” aus ihren Gedanken gerissen.

    “Jaja, alles bestens”, sagte sie schnell und bemühte sich um einen neutraleren Gesichtsausdruck, den man so deuten konnte, als hätte sie tatsächlich Spaß an der ganzen Sache und würde nicht nur mitgeschleift werden.

    “Hast du vielleicht Hunger?”, fragte Mayuri und ein Knurren machte klar, dass sie lediglich ihre eigenen Gedanken projizierte. “Es wird langsam Zeit für’s Abendessen. Wollen wir irgendwo Essen gehen? Hier gibt es ganz tolle Läden”, sagte sie, und kaum dass Maho sich versah, hing Mayuri schon an ihrem Arm und versuchte, diesen mitsamt seiner Besitzerin mitzuziehen.

    Kurisu seufzte. “Ich fürchte, ich hab heute schon genug Geld ausgegeben.” Tatsächlich hingen um ihr Handgelenk zwei verdächtig aussehende Papiertüten, deren farbenfrohes Äußeres auf Merchandise schließen ließ. “Geschenke. Für Bekannte daheim. Sollte ich mitbringen”, stellte sie klar mit so einer Vehemenz, dass sie selbst unter Folter nicht zugeben würde, was ihre eigentliche Bestimmung war. Maho hätte es nicht verwerflich gefunden, wenn Kurisu offen damit umgegangen wäre (Nun, vermutlich hätte sie ein paar Späße auf Kosten der Jüngeren gemacht, aber mit einem beachtlichen Stapel an Superhelden-Comics und -figuren auf dem Dachboden ihrer Eltern war sie nicht gerade in der Position, ihre Kohai auszulachen - nicht, dass sie diese jemals in ihre geheimen Leidenschaften einweihen würde!). "Mhm", antwortete sie nur mit einem wissenden Lächeln.

    "Oh ja", sagte Mayuri und obwohl sie eben noch so energetisch gewesen war, nahm ein Blick in ihr Portemonnaie ihr den Wind aus den Segeln. "Das ist wirklich schade… Hey, ich hab's! Was wäre, wenn wir alle zusammenlegen, einkaufen gehen und dann wieder im Labor kochen. Das war so lustig gestern."

    Bisher hatte Maho angenommen, dass es den berüchtigten Welpenblick nur bei Kindern oder Freundinnen gab, aber Mayuri sah aus, als würde sie einem die Welt zu Füßen legen, wenn man ihr nur diesen Wunsch erfüllte.

    Kurisu nickte. "Klingt super."

    "Ich würde gerne mitkommen", sagte Ruka und es klang verdächtig so, als würde er sich nicht nur darüber freuen, sondern praktisch darum betteln.

    Mayuri lächelte breit. "Die Mehrheit ist dafür und damit ist es abgemacht", verkündete sie und klatschte in die Hände, woraufhin ihre eigenen Tüten raschelten.

    "Was ist mit dir, Senpai?", fragte Kurisu und Maho schaute verlegen drein.

    "Ich muss langsam mal meine Eltern anrufen", sagte sie.

    Kurisus Blick nach hätte sie ebenso das Füttern einer Katze vorschieben können. "Also nichts Dringendes", stellte sie fest und obwohl Maho unzufrieden das Gesicht verzog, konnte sie dem nichts entgegen setzen.

    Es war ja nicht so, als wenn sie das Labor nicht mögen würde. Tatsächlich hatte ihr der gestrige Abend recht gut gefallen - aber was ihre soziale Batterie anging, war er ebenso kräftezehrend gewesen wie dieser Marsch für ihre Füße. Außerdem würde man ihr bestimmt wieder alle möglichen Fragen stellen. Nicht auf die höfliche, bedachte Art wie Ruka, sondern alles, was einem in den Sinn kam.

    "Also Mayuri, was wollen wir einkaufen?", fragte Kurisu.

    Die Worte reichten aus, um ihrer Senpai und Ruka die Schweißtropfen auf die Stirn zu bringen. Obwohl sie sich in ihren Köpfen das pure Grauen vorstellten, unterhielten sich die Mädchen angeregt über diverse Möglichkeiten, bei denen ein bitterer Beigeschmack noch das kleinste Übel sein würde.

    Ruka neigte sich zu Maho. "Wir könnten schon mal losgehen und etwas mit den Sachen vorbereiten, die da sind", schlug er vor, was ein hübsch verpacktes "mit dem wir dann zumindest unser Überleben sichern können" war.

    "Klingt super", antwortete Maho gerade hörbar. Sie war überaus dankbar für die Möglichkeit, sich so einfach aus der Affäre zu ziehen, ohne dabei die Grundsatzdiskussion vom Zaun zu brechen, dass Kurisu jegliches Essen in eine Mordwaffe verwandeln konnte.

    "Wäre es in Ordnung, wenn wir schon mal vorgehen?", fragte er und hatte bereits einen 500 Yen Schein in der Hand, den er den Mädchen für seine Einkäufe reichte.

    Maho hatte nur das doppelte oder so viel Kleingeld, dass man damit ein kleines Feuer entzünden konnte. "Passt so", ließ sie die beiden wissen, als sie ihnen die umgerechnet 10 Dollar überreichte. "Ich hab ja gestern auch schon umsonst mitgegessen." Sie bezweifelte, für 5 Dollar in dieser Stadt ein vernünftiges Abendessen zu bekommen, vor allem wenn man die Reste bedachte, die man ihr noch mitgegeben hatte. Diese hatte Maho gleich zum Frühstück verspeist, nachdem sie die eigentliche Mahlzeit dieser Unterkunft verschlafen hatte. Wieso machten Videospiele auch am meisten Spaß, wenn der neue Tag schon angebrochen war?

    Mayuri schaute sie unschlüssig an, doch Kurisu steckte die Scheine ohne zu zögern in ihre Tasche. "Mach dir keine Sorgen. Die Lebensmittel kann man bestimmt irgendwie absetzen, wenn man das als Geschäftsreise deklariert."

    Maho versuchte lieber nicht, ihr zu erklären, dass Steuern so nicht funktionierten (vor allem, weil sie da auch nicht so genau durchblickte). Stattdessen verabschiedeten sie sich und gingen jeweils paarweise ihrer Wege.




    Wer noch immer anzweifelte, warum Okabe der Anführer des Future Gadget Laboratory's war, hatte wahrlich keine Ahnung, was sein Gründer alles opferte. Allein in diesem Moment balancierte er auf der schmalen Grenze zwischen Leben und Tod. Eine falsche Bewegung konnte einen verheerenden Absturz bedeuten. Trotzdem nahm er allen Mut zusammen und streckte seine Hand nach den Sternen aus. "Schau dir das an!", rief er und gestikulierte so wild, dass er tatsächlich fast den Halt verlor und sich am Fensterrahmen festhalten musste, um nicht als Matsch vor der Tür seines Vermieters zu landen.

    "Stürz dich nicht raus", murmelte Daru, während seine Maus über den Bildschirm flitzte und die Kreise im Rhythmus zur lebensfrohen Anime-Musik jagte.

    Okabe fasste sich ans Herz. Was für eine Ehre, dass seine rechte Hand solch eine Angst um sein Wohlergehen hatte!

    "Ist nicht hoch genug. Außerdem kannst du dir nicht die Miete UND die Krankenhauskosten leisten."

    Okabe murrte verstimmt, als er sich eingestehen musste, dass seine finanzielle Lage nicht so rosig aussah, wie er es gerne hätte. Allerdings konnte er es sich auch nicht leisten, sich für einen Hungerlohn von jemandem versklaven zu lassen. Er musste all seine Anstrengungen darin investieren, seinen Verstand zu schulen, um jedem seiner Widersacher überlegen zu sein!

    Okabe schüttelte theatralisch den Kopf. "Du willst es einfach nicht verstehen, oder?", fragte er, während er mit einer Hand seine Augen abschirmte und sich krümmte, als wäre er tödlich getroffen worden.

    "Niemand kann dich verstehen. Manchmal glaube ich, dass du dich nicht einmal selbst verstehst."

    "Gyahahahaha!", lachte Okabe, so laut, dass das Flügelschlagen der Krähen zu hören war, deren friedlichen Abend er damit zerstört hatte. "Oh ja, mein Verbündeter bis zum letzten Tag, du hast vollkommen recht. Seit meiner Geburt war ich zu höherem bestimmt und egal wie sehr die Mächte der Welt versuchen werden, mich einzuschränken, werde ich sie alle in meinen Schatten stellen!"

    "Ich glaube eher, du hast selber einen Schatten", entgegnete Daru, während er im letzten Höhepunkt des Liedes um sein Leben klickte, um danach die Hände in die Luft zu reißen und sich zufrieden in den Stuhl fallen zu lassen. "New High Score, Baby. Nimm das, Chú Chu-lame!", rief Daru zum Bildschirm und setzte sein bestes Bitch-Face auf, bei dem Okabe froh war, dass die Kamera überklebt war. Der Superhacka könnte gar nicht so schnell dagegen an tippen, wie es sich als Meme verbreiten würde. Okabe wollte zwar, dass sein Labor weltbekannt werden würde, aber vorzugsweise durch seine Taten und keine peinlichen Skandale.

    Gerade als er zum 6. Mal an diesem Tag darüber nachdachte, was genau er dafür tun konnte, klopfte es verhalten an der Tür. "Wer könnte das sein?", rief Okabe aus und hob seine Arme in eine verteidigende Haltung. "Etwa die Mitglieder des Kerns der Materie, die unser Versteck herausgefunden haben und uns nun zu einem Stellvertreterkampf um die Weltherrschaft herausfordern wollen?!"

    "So gerne ich auch sehen würde, wie man den Boden mit dir aufwischt, wo du dich schon sonst vor dem Putzen drückst: Böse Organisationen, die vorher klopfen? Dein Ernst?" Daru schaute zu seinem Freund, als wäre er unrettbar enttäuscht über diese Darbietung. Dann wandte er sich zur Tür. "Komm rein, ist offen."

    Okabe rannte vor ihn und breitet die Arme aus wie ein Schwan, in dessen Territorium man eingedrungen war. "Daru, bist du wahnsinnig? Du kannst doch nicht einfach das potentielle personifizierte Böse zur Tür herein lassen!", rief Okabe, doch außer dass Daru sein zugewandtes Ohr abdeckte, erreichte der verrückte Wissenschaftler damit nichts. War seinem Freund die Gefahr, in der sie sich befanden, etwa nicht bewusst? Oder war es ihm so egal, dass er sie alle bereitwillig gefährdete? Hatte er sich so in seinem besten Freund getäuscht? Oder hatten die Mächte des Bösen ihn unrettbar korrumpiert?

    Dabei hatte er Daru doch eigentlich die zahlreichen Gründe erzählt, warum es ratsamer war, die Tür abzuschließen, selbst wenn sie beide im Labor waren. Zugegeben, es mangelte vielleicht an dem letzten Fünkchen Überzeugungskraft, aber dieser war fast unmöglich aufzubringen. Die ultimative Gefahr war so einschüchternd, dass allein der Gedanke daran, sie auszusprechen, der Beschwörung dieses Dämons gleichkam. Er würde keinen Augenblick zögern und Moeka Kiryuu befallen, die von fremden Mächten verführt alles tun würde, was diese ihr befahlen, bis-

    Die Tür schwang auf.

    "Ich komme jetzt rein", hörte man es durch die kleine Wohnung hallen, obwohl die Stimme so leicht und zaghaft wie der Flug eines Schmetterlinges war. Und trotzdem gehörte sie zu einem Kerl.

    Daru hatte, was dies anging, immer von einer regelrechten Verschwendung gesprochen, doch er drehte sich trotzdem nach ihm auf seinem Bürostuhl um, als Ruka durch die Tür kam. Die beiden jungen Männer runzelten die Stirn. Für gewöhnlich folgte Ruka einer freudig durch die Tür stürmenden Mayuri oder kam erst, wenn seine Schulfreundin bereits da war. Selbstredend würden die beiden nie etwas tun, was seine körperliche Unversehrtheit oder sein reines Wesen beflecken würde, aber sie schienen nicht die tief sitzende Nervosität beseitigen zu können, die Ruka davon abhielt, die Männerrunde zu ergänzen - nicht dass sie besonderen Wert darauf legten. Die Illusion des femininen Jungen hielt leider nur einen Blick lang, bevor die Realität sie einriss.

    Dieser Tag sollte keine Ausnahme der Regel sein, denn hinter ihm betrat Kurisus Freundin das Labor. Daru und Okabe wechselten einen kurzen Blick über die freudige Wendung des Schicksales, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen. Während Daru ein Hochgefühl bei jeder weiblichen Person erlebte, die ins Labor kam, hatte Okabe sehr viel höhere Gründe für seine Vorfreude. Kaum hatte sie sich die Schuhe ausgezogen, stand der verrückte Wissenschaftler vor ihr, aufgebaut wie ein Zirkusdirektor. "Immer hereinspaziert, nur keine falsche Scheu."

    "Sagt der Typ, der sie bis vorhin noch aussperren wollte", fügte Daru von den billigen Plätzen aus hinzu.

    "Mein Freund, bitte fasse nicht solche komplexen Hintergründe in einem so leicht misszuverstehenden Satz zusammen. Ansonsten denken unsere Neuankömmlinge noch, dass sie hier nicht willkommen wären."

    Tatsächlich war Maho nur einen Schritt davon entfernt, rückwärts wieder durch die Tür zu treten, während Ruka aussah, als wolle er sich in einer Ecke unsichtbar machen, um dort still und leise auf Mayuri zu warten.

    "Tut mir wirklich leid. Es ist fast unmöglich, ihn an die Leine zu legen, nachdem er sich selbst eine Krone aufgesetzt hat", rief Daru ihnen zu und winkte sie zu sich, während er schnell ein paar Programme schloss. "Hast du Lust, dir was anzuschauen?"

    Maho streckte sich. "Willst du mich an die Arbeit erinnern, damit ich nicht noch auf die Idee komme, dass meine Auslandsreise auch Spaß beinhalten könnte?" Trotz des Sarkasmus' in ihrer Stimme lehnte sie sich über Darus Schulter, um sich den Code, den er geöffnet hatte, näher anzusehen. “Sieht ja ganz nett aus”, sagte sie vor sich hin, als sie dabei war, den Code vor sich in seine Wirkung zu übersetzen. “Sieht mir nach einem Entscheidungs- und Konsequenzen-Verlauf aus, aber das ist sehr viel komplizierter als das, was man normalerweise sieht.”

    “Kennst du diese Visual Novels und RPGs, bei denen man die Antwort für einen Dialog auswählen kann, der aber keinen Einfluss auf die Story hat? Nun, ich wollte mal etwas programmieren, wo jedes Gespräch nicht nur Auswirkungen auf die Beziehungspunkte des jeweiligen Charakters, sondern auch untereinander hat. In den meisten Spielen kann man sich während des Mainplots so nett oder antisozial sein, wie man will, die Charaktere nehmen es einem trotzdem nicht übel.”

    Maho nickte langsam. “Verstehe. Du willst also versuchen, möglichst originalgetreu die zwischenmenschlichen Interaktionen abzubilden, die normalerweise zu Gunsten der Machbarkeit stark vereinfacht dargestellt werden… Funktioniert es?"

    Daru schnaubte. "Schön wär's. Beim letzten Probespiel ist es an dieser Stelle abgestürzt."

    Okabe runzelte die Stirn über den einzigen Teil, den er verstanden hatte. Obwohl Daru mehrere Stunden am Tag vor seinem Rechner hier hockte und ab und zu tatsächlich etwas tat, das auch seinem Studium diente, hätte Okabe mehr verstanden, wenn sein bester Freund Chinesisch geschrieben hätte. Allerdings verfügte der verrückte Wissenschaftler über eine solch tiefgehende Menschenkenntnis, dass er den Widerspruch in dieser Annahme sofort aufdecken konnte: “Maho, ich-”

    “Ich kann mich nicht daran erinnern, dir erlaubt zu haben, mich mit Vornamen anzusprechen!”, kam es sofort von ihr.

    Okabe seufzte. Warum mussten Frauen immer so eigen sein? Aber nun, wenn jemand die Wichtigkeit des korrekten Namens verstand, dann doch wohl er, Hououin Kyouma! “Also gut, Hiyajosephine-”

    “Das ist ja noch schlimmer!”, rief sie ihm mit einer Mischung aus Entsetzen und Frustration entgegen.

    “Seinen Namen kann man sich nun einmal nicht aussuchen”, belehrte Okabe sie mit seiner altklugen Stimme.

    Maho rieb sich die Schläfen, als könne sie die Erinnerung daran aus ihrem Gehirn reiben, wenn sie nur fest genug dagegen drückte.

    “Wie dem auch sei”, fuhr Okabe ungerührt fort, “vermutlich ist es dir noch nicht aufgefallen, weil es erst dein zweites Mal in diesen heiligen Hallen ist und du unseren Superhacka-”

    “Superhacker!”

    Okabe räusperte sich. “Wenn ich jetzt bitte einmal ungestört diese elementare Wichtigkeit verkünden dürfte: Daru ist nur an längerwierigen sozialen Interaktionen interessiert, wenn sie mit Charakteren hinter einem Bildschirm stattfinden.”

    “Oder wenn Menschen eine 2D-Seele haben”, warf dieser ein, was seinen Ruf noch mehr festigte.

    Maho schien nicht sonderlich schockiert. “Passt zum Gesamtbild”, fasste sie nur knapp zusammen. “Kein Wunder, dass ich mir die Finger wund getippt habe, anstatt dass wir einmal miteinander gesprochen hätten.”

    “Schien dir ganz recht zu sein.”

    Sie zuckte mit den Schultern. “Tatsächlich ja. Ist einfacher. Vor allem wegen der Zeitzonen. Und dem Planen.”

    “Sag mal, Hiyajosephine”, begann Okabe und ließ den Satz bedeutungsschwer in der Luft hängen, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen.

    Keiner der beiden Computerverliebten reagierte. Sie waren nicht mal mehr in ein Gespräch vertieft, sondern hatten nur noch Augen für die Masse an kryptischen Befehlen, deren Länge es mit einer Kurzgeschichte aufnehmen konnte.

    Okabe räusperte sich. Es mochte ja sein, dass es ganz interessant war (auch wenn er sich das nicht vorstellen konnte), aber sein Unterfangen war von viel größerer Wichtigkeit. “Dürfte ich um einen kleinen Moment Ihrer Aufmerksamkeit bitten, werte Dame?”

    Maho warf den Kopf in den Nacken, erkennend, dass sie aus dieser Sache wohl nicht mehr herauskommen würde. “Was ist denn?”, fragte sie durch zusammengebissene Zähne und wandte ihren Blick gerade so lange vom Bildschirm ab, um Okabes Reaktion abzuwarten.

    Ein selbstgefälliges Grinsen trat auf sein Gesicht. Er wusste doch genau, wie er Frauen um seinen Finger wickelte - nicht, dass er mit ihren Gefühlen spielen wollte oder so. Eine so schillernde Persönlichkeit konnte sich eben nicht retten, wenn die Menschen von ihm angezogen wurden wie Motten vom Licht. “Ich habe eine Frage zu deiner Zusammenarbeit mit Christina.”

    Maho runzelte die Stirn, als sie angestrengt nachdachte, doch als sie darauf kam, dass es nur ein weiterer Spitzname war, schüttelte sie den Kopf. “Geht nicht. Ist alles klassifiziert”, antwortete sie knapp und wandte sich wieder dem vermeintlich Wichtigeren zu.

    Okabe schnaubte. Sie hatte ja nicht einmal versucht, eine Möglichkeit zu finden, ihm trotzdem Auskunft zu geben! Lag es daran, dass sie an einer streng geheimen Sache forschten? War es immer noch Amadeus oder hatten sie ein Projekt am Laufen, das man vor ihm geheim gehalten hatte?

    Plötzlich war seine Neugier geweckt, obwohl die Inhalte ihrer Arbeit eigentlich gar nicht das waren, was ihn interessiert hatte. Aber nun, er hatte sich schon immer vorgestellt, wie es sein würde, das Schachspiel gegen ein Mitglied einer anderen verdeckt arbeitenden Organisation zu führen. Er würde schon noch an die Informationen kommen, die er haben wollte. Für einen verrückten Wissenschaftler war die Kunst der Rhetorik essentiell. Wie sonst hätte er seinem Vermieter weismachen können, dass er mit der Monatsmiete nur im Verzug war, weil die Studiengebühren fällig geworden waren, und nicht, weil er sich unbedingt noch einen dritten Ventilator hatte kaufen müssen?

    “Ich würde auch aufhören, dich mit deinem Spitznamen anzusprechen”, stellte er ihr in Aussicht.

    “Wenn du nicht damit angefangen hättest, hätte ich dieses Problem gar nicht”, antwortete Maho seufzend und drehte sich zu ihm um. “Also, schieß los. Dann sind wir schneller durch”, sagte sie mit verschränkten Armen.

    Okabe ließ sich extra Zeit, um ihr die Wichtigkeit seiner Frage deutlich zu machen - und ganz sicher nicht, weil er erst noch überlegen musste, was genau er sagen wollte! “Also, da du und Christina euch sehr nahe steht, habe ich gedacht-”

    “Tun wir das?”, fragte Maho, wenn auch weniger patzig als zuvor.

    Okabe runzelte die Stirn, als könne dies selbst ein Blinder im Dunkeln sehen. “Nun, ihr arbeitet jeden Tag zusammen, unterhaltet euch viel und auch so kann man sehen, dass ihr euch sehr gut versteht.”

    Maho hatte ihre Hände so tief in ihren Taschen vergraben, dass sich die Umrisse ihrer Fäuste abzeichneten. “Ist das so?”, fragte sie, als wäre ihr dieser Gedanke nie gekommen.

    “Etwa nicht?” Es sollte neckend klingen, aber es schwang trotzdem ein Teil seiner Verunsicherung mit. Maho würde darin nicht mehr sehen als die falsche Einschätzung eines Außenstehenden, der die kleine Wissenschaftlerin erst seit 24 Stunden kannte. Sie konnte nicht ahnen, dass er sie genau vor sich sah, wie sie ihm mit Tränen der Verzweiflung von der letzten Möglichkeit erzählte, Kurisu nach ihrem Ableben wenigstens teilweise in dieser Welt zu behalten. Die Maho von damals hatte den Finger auf Pandoras Box gelegt, als sie mit dem Gedanken gespielt hatte, Kurisus Laptop entschlüsseln zu lassen. Okabe fragte sich noch heute, wie eine Weltlinie aussehen würde, in der man Darus Versteck nicht ausfindig gemacht hätte. Was auch immer durch ein Passwort geschützt worden war, es wäre für diesen Okabe und diese Maho mit all ihrer Trauer und ihrem Verlust so bedeutsam gewesen, dass es sogar die Divergenz verändert hätte.

    "Ich glaube, du bist wirklich nicht so schlau, wie du denkst", entgegnete Maho.

    Hinter ihr schüttelte Daru seine Hand, als hätte er sich an etwas verbrannt, während er sich das schadenfrohe Grinsen nicht verkniff.

    Okabe zeigte sich nicht im Mindesten angegriffen. Die Welt hatte ihm schon viel Schlimmeres entgegen geworfen, als dass er bei einer solche Bemerkung bereits einknicken würde. Seit Anbeginn der Zeit wurden geniale Wissenschaftler als verrückt abgetempelt, da ihre Denkweisen sich nicht mit denen der gemeinen Bevölkerung vereinen ließen. Er hatte sich bereitwillig diesen Deckmantel übergestreift, um seine Feinde in die Irre zu führen. Wenn sie ihn erst einmal unterschätzten, war es für ihn ein Kinderspiel, die Überhand zu gewinnen! Dass diese Scharade sogar bei seinen Verbündeten funktionierte, zeigte nur, wie nah er an der Perfektion dieser Methode dran war.

    Also warf er seinen Kopf in den Nacken und gab seine beste Imitation der bösen Lache jenes Wissenschaftlers zum Besten, mit dem damals alles begonnen hatte. "Oh du arme Unwissende, wie sehr du dich doch verschätzt. Glaube mir, ich weiß aus sicheren Quellen, dass ihr beide eine Freundschaft pflegt, die über eine bloße Zweckgemeinschaft hinaus geht."

    "Hat Kurisu dir das erzählt?", fragte Maho vorsichtig.

    Okabe musste seine Lippen zusammen pressen, um sein Grinsen zurückzuhalten. Wie einfach das doch war. Er müsste nur Ja sagen und sie würde jedem Wort lauschen, das aus seinem Mund kam.

    So verlockend diese Lüge auch war, wurde ihr potentieller Nutzen mit einer ebenso großen Gefahr aufgewogen: Wenn Kurisu rausfinden sollte, was er über ihr Privatleben erzählte, war stundenlanges auf den Knien Sitzen gerade einmal ein Vorspiel zur Folter.

    Also benutzte er die Fangfrage, die seit seiner Kindheit erprobt war: "Und wenn es so wäre?"

    Maho schnaubte. "Ich glaube dir kein Wort", sagte sie, verschränkte die Arme und drehte sich zurück zu Darus Projekt. Sie hatte ihren Kopf zum Bildschirm gedreht, doch ihr abwesender Blick verriet ihm, dass ihre Gedanken gerade überall sonst als bei der Fehlersuche waren.

    Okabe ließ sich nicht beirren. "Oh, ich wette, ihr kennt euch viel besser, als du vorgibst. Du hast sogar mal den Tee mitgebracht, den sie gerne trinkt. Jasmintee, wenn ich mich nicht irre.” Natürlich irrte er sich nicht. Okabe hatte zwar erwartet, dass all die Eindrücke der verschiedenen Weltlinien irgendwann nur noch zu einer grauen Masse in seinem Kopf verschmelzen würden, doch an viele der Details erinnerte er sich so gestochen scharf wie bei geliebten Filmszenen.

    Dabei hatte Kurisu dieses Detail einfach so bedenkenlos in den Raum geworfen wie einen weiteren wissenschaftlichen Fakt, wenn sie über ein Thema referierte, in dem sie sich auskannte. Sie konnte stundenlang über etwas erzählen, vor allem wenn sie von einem Thema zum nächsten sprang wie er über Weltlinien. Sie dachte laut über so vieles nach, was ihr noch unbekannt war, dass sie am Ende gar nicht mehr wusste, worüber sie eigentlich geredet hatte. Für gewöhnlich folgte Okabe ihren Erläuterungen mit der Intention, weil er sie gar nicht schnell genug unterbrechen konnte, doch jenes Mal hatte er neben ihr in dieser Bahn gestanden und sich nach jedem ihrer Worte verzehrt. Ein halbes Jahr war nichts im Vergleich zum bevorstehenden Rest seines Lebens ohne sie gewesen, doch diese Begegnung hatte ihm voll bittersüßem Schmerz gezeigt, was durch sein Versagen für immer darin fehlen würde.

    Ob Kurisu ebenfalls so weit gehen würde, einen wahrhaft gestörten Wissenschaftler aus seiner Verbannung zu befreien, um ein Leben zu retten? Und wenn ja, dann nur, weil sie daran glaubte, dass es mit ihrem Verstand möglich war? Oder weil sie wusste, dass sie es schon einmal getan hatte?

    Maho drehte sich schlussendlich doch zu ihm um, als wäre die Erwähnung dieses Details so etwas wie ein geheimes Codewort. “Ihr scheint ja wirklich mehr miteinander zu reden, als euch nur gegenseitig anzuschreien.”

    “Nah”, machte Daru nur. “Es vergeht keine Viertelstunde, bis die beiden sich nicht wegen irgendwas in die Haare bekommen. Erinnerst du dich an die Pudding-Sache von gestern? Stell dir das bei einer wissenschaftlichen Diskussion vor, die nicht einmal dann endet, wenn das Publikum schon lange den Raum verlassen hat.”

    Okabe stemmte die Hände auf die Hüften. “Daru, ich habe dir schon tausendmal gesagt, von was für einer immensen Bedeutung ein wissenschaftlicher Diskurs ist. So viele Erfindungen und Entdeckungen gründen darauf, dass das Gehirn im richtigen Zeitpunkt stimuliert wird und über seine normalen Begrenzungen hinaus denkt.”

    “Ihr habt euch über die potentielle Zellveränderung von Bananen in einer Mikrowelle unterhalten - und keiner von euch hat irgendwas in Richtung pflanzlicher Biologie studiert. Himmel, ich hab nicht einmal mehr etwas Zweideutiges herauslesen können, und ich habe es noch nie so ernsthaft versucht!”, winselte Daru und zum ersten Mal erntete er für seine Veranlagung tatsächlich so etwas wie Mitleid.

    “Vielleicht würde es euch helfen, wenn ihr euch einfach einmal aussprechen würdet”, kam es von Ruka, der sich den Rest des Gespräches wie ein braver Junge im Hintergrund gehalten hatte, wohl wissend, dass er nicht viel Sinnvolles zu der Situation hätte beisteuern können. “Es gibt so viele Streitereien, die auf Missverständnissen beruhen, oder weil die Leute nicht sagen, was sie wirklich denken und fühlen. Vielleicht geht es bei diesen Streitereien ja um mehr, als ihr tatsächlich aussprechen wollt.”

    Okabe setzte zu einem detaillierten Monolog der Rechtfertigung an, doch Abhilfe kam ausgerechnet in der Form einer kichernden Maho. “Oh ja. Wenn Kurisu sich erst einmal in etwas verrannt hat, dann lässt sie so schnell nicht mehr davon ab. Da kann man wirklich nur darauf warten, dass sie irgendwann müde wird und es von selbst aufgibt.”

    “Hmpf”, machte Okabe nur. “Erfahrungsgemäß verliert meine Assistentin jegliches Maß, wenn es darum geht, eine Debatte zu gewinnen. Sie kramt sogar die exotischsten Studien hervor, nur um damit anzugeben, und konstruiert dann eine hanebüchene Theorie, die man nicht entkräften kann, weil sie auf einer Materie gründet, auf der sich außer ihr vielleicht gerade einmal fünf weitere Leute auskennen!”

    “Hast du gerade zugegeben, dass du einfach nur neidisch bist, weil du auf einem dieser Gebiete nicht annähernd das Wissen hast, um ihr das Wasser zu reichen?”, fragte Daru und schaute mit ein wenig Stolz dabei zu, wie Okabes Gesichtsfarbe von Weiß zu tiefem Rot wechselte, als der Satz ihm im Hals stecken blieb und es eine Gegenwehr gekonnt verhinderte.

    “Zugegeben, sie hat wirklich ein paar interessante Fachgebiete. Ich weiß gar nicht, auf wie viele Themen wir in der Uni zufällig zu sprechen gekommen sind, zu denen sie sich stundenlang ausgelassen hat. Wir haben uns sogar mal so lange über das chinesische Zimmer unterhalten, dass Amadeus eine Identitätskrise bekommen hat.”

    “Das Chinesische Zimmer? Wie in Feng Shui?”, fragte Ruka verwirrt.

    Okabe legte den Kopf schief. “Ich wusste gar nicht, dass ihr euch so für Inneneinrichtung interessiert.”

    “Tun wir auch nicht. Das Chinesische Zimmer ist ein Gedankenexperiment, das jeder Programmierer kennen sollte. Wie hat Searle das noch mal formuliert? ‘Ich dachte, die ganze Idee der starken KI ist, dass wir nicht wissen müssen, wie das Gehirn funktioniert, um zu wissen, wie der Verstand funktioniert’. Anders ausgedrückt, es stellt die Frage, ob KIs wirklich in der Lage sind, zu verstehen, oder ob sie nur die Prinzipien befolgen, die man ihnen einprogrammiert hat.”

    “Äh, jaaa. Und was hat das Ganze jetzt mit den Chinesen zu tun? Haben sie so ein Experiment in einem Zimmer durchgeführt?”, fragte Okabe und in seinem Kopf begannen sich schon die ersten 3 Verschwörungstheorien zu bilden, was diese Nation für einen Nutzen von hoch entwickelter KI haben würde. Nicht auszuschließen, dass neben SERN und DURPA auch andere Länder in anderen Weltlinien es auf die Technologie einer Zeitmaschine oder von Amadeus abgesehen haben könnten-

    Okabe kniff die Augen zusammen und ballte die Hände so fest, dass sich Halbmonde in seinem Fleisch abzeichneten. Nicht jetzt. Nicht irgendwann. Nicht in einer Welt, wo all diese Gefahren nicht mehr real waren.

    “Das chinesische Zimmer”, fuhr Maho fort, “hat folgenden Versuchsaufbau…”


    “Halt halt halt, ich komm nicht mehr mit”, sagte Daru und fasste sich an den Kopf, als würde ihm schwindelig werden. “Du meinst also, dass diese KI die Fragen sinnvoll beantworten kann, obwohl sie die Bedeutung nicht kennt?”

    Maho nickte. “Das ist, als hättest du einfach die Antworten auf das 1x1 auswendig gelernt, ohne den Sinn einer Multiplikation verstanden zu haben. Du würdest jedes Mal die richtige Antwort geben, aber nicht, weil du weißt, wie es funktioniert.”

    “Also hat man gar keine KI programmiert, die Chinesisch kann, sondern eine, die nur so tut, als ob?”

    Okabe täuschte Entsetzen vor. “Das ist ja, als hätten wir einen Betrüger unter uns. Ist es jetzt so weit, dass wir einer nach dem anderen ermordet werden und herausfinden müssen, wer in unserer Mitte das schwarze Schaf ist?”

    Maho entglitten alle Gesichtszüge. “Wie zum Geier bist du ausgerechnet auf diese Lösung gekommen? Das hat mit dem ursprünglichen Aufbau des Gedankenexperimentes rein gar nichts zu tun!”, rief sie ihm vorwurfsvoll entgegen.

    Okabe hielt einen Zeigefinger hoch und warf ihr einen tiefen Blick zu. “Aber wäre es allzu abwegig?”, fragte er sie mit verschwörerischer Stimme.

    “Ja!”, rief sie ihm zu und verdeckte ihr Gesicht mit ihren Händen. “Wieso bin ich von solchen Idioten umgeben?”, fragte sie und warf den Kopf in den Nacken.

    “Kannst du das mal nachbauen? Ich würde das zu gerne in Aktion sehen, aber ich habe im Moment zu viel mit meinem Studium zu tun. Außerdem, habt ihr beide nicht Zugang zu einer selbst erschaffenen KI?”, fragte Daru.

    Maho fasste sich ans Kinn. “Es wäre nicht unmöglich, einen solchen Versuchsaufbau zu simulieren mit den Parametern, die wir schon haben. Allerdings würde ich gerne vermeiden, das auf meinem Rechner in der Uni zu machen. Die sehen das schon in Amerika nicht gerne, wenn wir was für private Zwecke machen, und hier in Japan werden sie einer Austauschstudentin wie mir sicher noch mehr auf die Finger schauen.”

    “Du bräuchtest einfach einen leistungsstarken PC”, schlussfolgerte Okabe und warf Daru einen fordernden Blick zu.

    “Sorry, not sorry. Der hier ist belegt”, rief er zurück und umarmte seinen Bildschirm, wo hinter dem Programm im 5-minütigen Abstand ihm immer wieder eine neue Waifu schmachtende Blicke zuwarf.

    Maho schnaubte belustigt. “Hast du gerade wirklich ‘einfach’ und leistungsstark’ in einem Satz verwendet? Du hast wohl meine Reisekasse noch nicht gesehen.”

    Okabe legte den Kopf schief. “Wart ihr nicht heute shoppen?”, fragte er und schaute sich nach etwaigen Tüten um, die sie nur zu gut versteckt hatte.

    Maho rieb ihre Füße. “Erinner mich nicht daran. Ich kann die Blasen an meinen Füßen fast schon allein durch den Schmerz zählen.”

    “Tse tse tse”, machte Okabe nur und schüttelte den Kopf. “Ich muss meiner Assistentin wirklich den Kopf waschen. Was ist das für eine Stadtrundführung, wenn man das Wichtigste vergisst?” Er wartete, bis sich die Frage klar und deutlich in Mahos Gesicht abzeichnete, bevor er ihren Standpunkt auffasste. “Deine Reisekasse hat wohl unser Technologieviertel noch nicht gesehen.”

    Dazu lachte. “In dem Fall wäre erst recht nichts mehr drin.”

    “Das kann ich bei meiner Ehre als Vorstand des Labors nicht dulden. Du darfst nicht eher aus dieser Stadt fortgehen, bevor wir dir gezeigt haben, was diesen Stadtteil erst so richtig groß gemacht hat.”

    Daru kreischte wie ein sehr männlich klingendes Fangirl. “Wir gehen ins MayQueens und besuchen Faris?!”

    “Pssst”, fuhr Okabe ihn an wie einen Hund, der nicht aufhören wollte, am Tisch zu betteln. “Dafür ist keine Zeit. Erst müssen wir Hiyajosephines technologische Misere lösen.”

    Maho lag es auf der Zunge, ihn zurechtzuweisen, doch sie wollte tatsächlich hören, worauf er hinaus wollte. “Du meinst, ich soll die paar Technikläden hier abklappern?”

    “‘Die paar’?”, wiederholte Okabe, als wäre der Ausdruck pure Blasphemie. “Meine Liebe, wenn du denkst, sie zählen zu können, hast du noch rein gar nichts gesehen. Wir treffen uns morgen früh, noch vor Sonnenaufgang-”

    “Das letzte Mal als du das gesagt hast, haben wir alle auf dich gewartet und du hast bis zum Nachmittag verschlafen!”, protestierte Daru empört.

    “Haben die Läden da überhaupt schon auf?”, versetzte Ruka ihm trotz seiner unschuldigen Weise den Todesstoß.

    “Nun gut”, gab Okabe zähneknirschend zurück. Mit normaler Stimme fragte er Maho: “Wann habt ihr euch heute getroffen?”

    Sie überlegte kurz. “So gegen Zwei müsste das gewesen sein.”

    “In Ordnung!”, verkündete Okabe seinen glorreichen Plan. “Dann werden auch wir ‘so gegen Zwei’ - ach nein, was ist denn das für eine Uhrzeit, das klingt doch nach nichts… 1402 Uhr! Ja, gegen 1402 Uhr vor dem Labor. Und sei nicht zu spät.”

    Daru runzelte die Stirn. “Machst du jetzt einen auf Militär? Das passt überhaupt nicht zu dir. Kann das nicht die süße Loli sagen? Oh, und ich hätte nichts dagegen, wenn du zwei geflochtene Zöpfe hättest. Und am besten noch so einen Blick, als würdest du nichts ernst nehmen, was ich sage, aber trotzdem wie zu einem Vater zu mir aufsehen”, schlug Daru schwer atmend vor.

    “Moment”, sagte Maho langsam, als sie sich von der abartigen Vorstellung erholt hatte, “wer ist eigentlich 'wir'?”

    Okabe fasste sich ans Herz. “Nun, ich glaube kaum, dass wir die einfältigen weiblichen Seelen dafür gewinnen können. Du hast ja gesehen, an welche Orte sie dich heute verschleppt haben. Ihr seid vom rechten Weg abgekommen. Nein, in diesem Fall müssen echte Profis ran.”

    “Neeein”, schrie Daru einen markerschütternden Schrei aus, als hätte er Wasser über seine geliebte Festplatte und die 5 Backups geschüttet. “Ich hab die Deadline für mein Projekt ganz vergessen!”

    Maho zuckte zusammen, als wäre ihr bei dieser Erwähnung ein PTSD-Schauer über den Rücken gelaufen. “Kenne ich. Wann ist sie?”

    “Morgen”, antwortete Daru mit Grabesstimme.

    “Scheint, als würde ich ohne meine rechte Hand ganz allein diese Aufgabe übernehmen müssen”, sagte Okabe theatralisch.

    “W-was?”, fragte Maho, die ebenso weiß im Gesicht aussah wie Daru.

    Vom Sofa aus war ein verhaltenes Kichern zu hören und Ruka verbarg den unteren Teil seines Gesichts für einen Moment hinter dem Shojo-Manga, den er in den Händen hielt. Es war irgendwas in Richtung Love Story, Magical Girls und Comedy - zumindest kugelte sich Mayuri beim Lesen entweder vor Lachen, zerfloss wegen des Dramas oder quietschte, weil sie die Kostüme und magischen Begleiter zuckersüß fand.

    Ruka blickte verlegen drein und schlug die Augen nieder, als er sich ertappt fühlte. Okabe wusste nicht, ob der leichte Rotschimmer auf seinen Lippen davon kam, dass es so hatte wirken können, als hätte er sie ausgelacht, oder weil er erklärte: "Mach dir keine Sorgen, Maho. Ich bin auch schon einmal mit Okabe allein durch die Stadt gegangen. Erst war es etwas komisch, aber gegen Ende hat es sehr viel Spaß gemacht." Man hätte den Inhalt als ein ganz normales Treffen zweier platonischer Freunde deuten können, aber die Art, wie Ruka davon sprach, ließ auf eine dieser Erinnerungen schließen, die man ganz tief in seinem Herzen bewahrte.

    Da Okabe es nicht erklären konnte, ohne zu erwähnen, dass eine SMS das Geschlecht eines Menschen ändern konnte, sagte er nur: "Ich habe Ruka damals einen Gefallen geschuldet. Und wenn man so etwas tut, dann muss man sich der Sache schon ganz verschreiben und darf keine halben Sachen machen!"

    Maho seufzte. "Na gut, ich gehe mit dir raus."

    Daru, der mit seinem halben Ohr nur das gehört hatte, was er hören wollte, drehte sich so schnell auf seinem Stuhl um, dass er gehörig kippelte. "Ihr wollt miteinander ausgehen?!", rief er.

    "Ihr wollt was?!", ertönte es als komisch endendes Echo von der Tür, wo Kurisu hereingestürmt kam, mit einer wie immer fröhlichen Mayuri im Schlepptau. Kurisus Gesichtszüge wechselten wild durch Schock, Wut, Entsetzen und Betrogensein, während sie versuchte, das Erlebte irgendwie einzuordnen.

    Okabe stemmte die Hände auf die Hüften. "Du lässt mir ja keine andere Wahl, Christina. Das hast du dir selbst zuzuschreiben. Wenn du einen besseren Job damit gemacht hättest, Maho die wirklich wichtigen Orte in Akiba zu zeigen, würde ich nicht meine unschätzbar wichtige Zeit dafür opfern müssen, um sie herumzuführen."

    "Ich kann auch alleine gehen", warf Maho mit verschränkten Armen ein, doch das Argument wurde überhört.

    "Wir sind eben nicht so weit gekommen, wie wir wollten!", entgegnete Kurisu und hielt geistesgegenwärtig die bunten Anime-Tüten hinter ihre Beine.

    "Als Experte für dieses Stadtviertel hätte ich dir gleich sagen können, wo es sich wirklich lohnt, hinzugehen!"

    "Vize-Experte, allenfalls", verteidigte Daru seinen Rang, doch auch für ihn hatten die beiden kein Gehör.

    "Ach so? Na dann sag es mir doch einfach. Dann kann ich das ja für dich übernehmen!", forderte Kurisu.

    Maho legte den Kopf schief. "Hast du nicht morgen ein wichtiges Gespräch an der Uni wegen deinem kommenden Semester?"

    Während Kurisu den Mund verzog, klangen die Worte wie Musik in Okabes Ohren. "Aha! Also hat Hiyajosephine gar keine andere Wahl, als meine Gesellschaft zu genießen!", verkündete Okabe die zurecht gedrehte Wahrheit, die ganz seinem Geschmack entsprach. Dass die kleine Wissenschaftlerin sich eher wie ein Spielball zwischen zwei Elternteilen fühlte, schien die beiden völlig kalt zu lassen.

    "Hör auf, schon wieder eine junge Frau als Geisel zu nehmen!", schrie Kurisu ihn an, so überzeugend, dass Okabe zum Fenster hastete und es überstürzt schloss.

    "Ach komm, sie will es doch auch. Los, sag es ihnen, Hiyajosephine!"

    Maho blickte verdutzt drein, zu überrascht, dass sie plötzlich doch sowas wie eine eigene Meinung hatte. Viel hätte sie aber sowieso nicht gezählt.

    "Hör auf, sie für deine Zwecke zu missbrauchen. Schau nur, sie ist ganz verängstigt!" Wild gestikulierend deutete Kurisu zu Maho, die sich nur bedingt angesprochen fühlte.

    "So ein Unsinn. Sie ist alt genug, um für sich selbst zu entscheiden! Also, was willst du?"

    Wäre Maho 20 Jahre jünger gewesen, hätte sie so laut losgebrüllt, dass man sich die Ohren hätte zuhalten müssen. 10 Jahre weniger und sie wäre Tür knallend auf ihr Zimmer gerannt. Doch jetzt, wo sie auf Mitte 20 zuging, zwang sie sich, eine erwachsene Reaktion zu zeigen.

    "Ist schon gut. Ich schau mal, was für eine dunkle Gasse mir der Spinner hier zeigen will."

    Kurisu blickte zurück, als wäre sie auf üble Weise hintergangen worden. "Wenn du irgendetwas mit ihr machst, das… das du nicht tun solltest, dann… dann…"

    Okabe grinste, als wäre Kurisu eine Grundschülerin, die er an der Stirn eine Armlänge von sich fern hielt, während sie verzweifelt schlagend und schreiend mit viel zu kurzen Armen nach ihm ausholte.

    "...Dann komme ich nicht mehr ins Labor!"

    Okabe entglitten jegliche Gesichtszüge, als Mayuri mit einem lauten "Neeein!" das aussprach, was er vielleicht gerade dachte.

    "Das darfst du nicht!", quengelte sie weiter. "Dann sind wir nicht mehr komplett!"

    Kurisu ginste verwegen, während sie Mayuris Kopf tätschelte. "Na, wessen Geisel ist sie jetzt?", schienen ihre Augen zu sagen.

    Okabe wusste, dass er schachmatt war, und strich sich mit einer ausladenden Geste die Haare aus dem Gesicht. "Ich verhandle nicht mit Terroristen!", stellte er klar. "Es verletzt mich nicht, dass du einem verrückten Wissenschaftler solche Wege zutraust. Aber du solltest doch wissen, wie sehr mir das Wohl meiner Verbündeten am Herzen liegt."

    Kurisu wandte sich mit verschränkten Armen von ihm ab. "Davon merkt man aber nichts!", beharrte sie, während die Wut von einer recht offensichtlichen Verletztheit überschwemmt wurde.

    "Na wenn dir so viel an uns liegt, kannst du ja prima beim Essen helfen!", verkündete Mayuri mit ihrem breiten Grinsen und warf Okabe eine Kochschürze zu, was jeglichen Streit in Luft auflöste.

    "Also wirklich", murmelte Kurisu, als sie sich zu Maho gesellte, "da lässt man euch eine halbe Stunde allein und schon versteht ihr euch, als würdet ihr euch bereits wochenlang kennen."

    "So würde ich das nicht sagen...", entgegnete Maho.

    "Ach, glaubst du etwa, er würde für jede junge Frau einen Abend opfern, um mit ihr um die Häuser zu ziehen?"

    Maho merkte nur am Rande, wie ihr der Mund aufklappte. Sie schaute empor zu ihrer Kohai, doch wo sie einen grimmigen Blick vermutet hatte, hatte diese ein Lächeln aufgesetzt.

    Noch den ganzen Abend rätselte Maho, ob sie sich die Bitterkeit dahinter nur eingebildet hatte.