Der Staat als Zentralinstanz ist ja auch nicht die einzige Alternative die es zum privaten Großinvestor gibt, es gibt auch andere, dezentralisierte Modelle (Genossenschaften, Community Land Trusts, etc.) die durchaus erfolgreich funktionieren. In Zürich z.b. sind gut 25% des Wohnraums non-profit, davon der Großteil Genossenschaften. Das sind Mechanismen, die effektiv der Macht- und Kapitalkonzentration entgegenwirken. Ist natürlich nicht perfekt, Schwächen und Lücken wird jedes System haben, aber das dürftest du als Kapitalismusliebhaber ja am besten wissen.
Ja, aber das ist doch keine Alternative zum Kapitalismus. Das sind Modelle die im Kapitalismus laufen. Niemand wird daran gehindert solche Genossenschaften oder auch andere Eigentumsmodelle zu gründen (NPOs gehören übrigens abgeschafft). Insbesondere wirkt das nur der Machtkonzentration gegen, nicht aber ggf der Bereicherung einzelner.
Als Großmodell und mit "guten" Absichten funktioniert das höchstens in Dorfgröße / in Kommunen. Ich stelle mir das im kleinen durchaus romantisch vor und hätte nichts dagegen etwas mehr back to the roots zu gehen. Weltgesellschaftlich ist das aber wohl kaum relevant.
Zitat von wanted
Absolut niemand behauptet in dieser Debatte, die Milliarden liegen einfach auf dem Konto rum, noch, dass wir diese Milliarden abheben und sie gleichmäßig in der Bevölkerung verteilen. Mal abgesehen davon, dass dieser Reichtum ja nicht nur aus Unternehmensanteilen besteht, in der Regel haben Reiche ein ganzes Portfolio (Immobilien, Aktien, Unternehmensbeteiligungen, Luxusgüter, ebenso Cash, etc. pp.), und es ist egal, in welcher Form dieses Vermögen existiert, weil Konzentration von Vermögen welcher Art auch immer, immer mit einer Konzentration von politischer Macht einhergeht. Und auch hier kann Umverteilung bzw. Vergesellschaftung einfach schon heißen, das Kapital innerhalb des Unternehmens zu verstreuen. Gewinnbeteiligung, Belegschaftsaktien, etc.
Bis auf Cash ist aber nichts relevant für eine Umverteilung und oder bereits versteuert. Wie viel bleibt von einem Elon Musk übrig, wenn seine Tesla Anteile und SpaceX weg sind? Was ist dann noch seine Entscheidungsgewalt im Unternehmen?
All diese Dinge existieren ja bereits auf freiwilliger Basis. Möchtest du das verpflichtend einführen? Der Wohlstandsgewinn der Bevölkerung ist nach wie vor gering (je nach Unternehmung), auch wenn die Absicht sicherlich gut gemeint ist. Was heißt das dann aber für den Markt?
Grundsätzlich aber egal. Ich frag anders: Was soll dieser Umverteilungseffekt bewirken? Einfach nur weniger politische Macht für diese wenigen?
Zitat von wanted
Wär natürlich auch spannend, den wirtschaftlichen Schaden zu bemessen, den Steuerhinterziehung durch Superreiche und Konzerne erzeugt. Dass die Abgabenlast der Unter- und Mittelschicht sinken sollte, da sind wir uns wie es aussieht einig. Dass wir mit deinen kapitalistischen Brüdern, die nach erhöhter Abgabenlast und konsequentem Eintreiben der Steuer wahrscheinlich immer noch Milliardäre oder hundertfache Millionäre wären, härter ins Gericht gehen sollten, da gehen unsere Meinungen aber dann scheinbar auseinander. Weil, wo soll das schon hinführen? "Da versinkt doch jedes Unternehmen in der Bedeutungslosigkeit." 
Da die Konzentration deutlich geringer ist, wage ich mal zu behaupten das es in Summe deutlich weniger ist, ich die Hinterziehung durch Konzerne und Superreiche aber ebenso problematischer ansehe als durch Arbeiter in Kooperation mit KMUs. Die Allgemeinheit und der Markt ist aber nicht auf Konzerne und Superreiche ausgelegt, weshalb der Sachbearbeiter im Niedriglohnsektor beim Einkauf nicht mit denen "Konkurriert".
In Summe: Nein unsere Meinung geht hier nicht auseinander. Ich finde nur weiterhin den Spin weg vom Kapitalismus nicht. Ganz im Gegenteil, wir scheinen uns auf vielen Ebenen vollkommen einig zu sein. Lediglich habe ich bis jetzt noch nicht verstanden, wohin ein besseres System führen soll bzw wie dieses aussehen soll. Ich sehe für mich nämlich nur deutlich radikalere Systeme als Alternative. Die kann auch ich mir schön reden - besonders im Bezug auf Ressourcenverschwendung. Das bedeutet aber halt auch radikale Einschnitte in die Freiheit jedes einzelnen.
Und ja, ich halte ein mehr an Verstaatlichung für fatal.
Zitat
Ich weiß ja nicht, wie deine Wahrnehmung zustande kommt, aber IT ist integraler Bestandteil der allermeisten Sektoren, des öffentlichen und privaten Lebens.
Meine Aussage war nicht, dass die IT kein Zentraler Aspekt in unser aller Leben hat. Meine Aussage war, dass wir die IT Ressourcen absolut bescheiden einsetzen. Ich habe bisher kein Unternehmen gesehen, dass seine IT Ressourcen (und viele weitere natürlich) effizient einsetzt. Vor 20 Jahren war das natürlich alles egal. Mit KI kann sich das natürlich radikal ändern, glaube ich aber erst wenn es so weit ist.
Generell kann ich mir vorstellen, dass viele deiner Punkte sich mit zunehmender KI Integration in Unternehmen quasi wie von selbst umsetzen. Ob das damit nun wirklich positiv auf einen großen Teil der Lebensrealitäten auswirken wird, wage ich aber nicht einzuschätzen.
Worum es mir eigentlich ging: Kapitalismus ist durch Skalierung Treiber der IT. Warum sollte das in einem anderen System genau so sein? Dafür gibt es keinen Garant.
Zitat von Bastet
Inwiefern würdest du dich als Kapitalisten bezeichnen? Für gewöhnlich lehnen (echte?) Kapitalisten ja auch Umweltregulationen und Sozialleistungen ab, weil dahinter nunmal eine Sozialdarwinistische und nur auf Profit ausgelegte Ideologie steht.
Naja, ein 100% gibt es nie, oder?
Ich sehe aber den Kapitalismus, oder auch seine Subformen als aktuell einzig funktionierendes System, ohne zu extrem in seinen Ausprägungen zu sein. Meine persönliche Einstellung zu vielen Themenbereichen hat damit ja nichts zwangsläufig etwas zu tun. Ich sehe nur keine Alternativen bei gleichem Wohlstand, Freiheit und Chancen. Die Meisten Vorschläge sind Mischformen vom Kapitalismus, Wunschdenken und erhoffen sich meist lediglich gewisse Regulatoren. Wirkliche Vorschläge kommen selten. Auch der Kapitalismus bringt von selbst ein gewisses Umdenken aber vor allem Chancen jeden vor, reinen Kapitalismus gibt es nicht.
Es gibt ja auch diverse ökonomische Beispiele zur Rationalität von handelnden Personen auf denen viel Aufbaut. Das ist in Summe genau so quatsch wie der Kapitalismus in seiner Reinform. Und das halte ich für durchaus gesund.
Mein persönliches Wunschszenario ist genau so radikal wie das des nächsten. Ich probiere lediglich meine Bias rauszuhalten. Nur meine Unzufriedenheit mit der Politik werde ich dabei nicht los - denn hier sollte die Lenkungsfunktion der Marktwirtschaft ohne zu viele Einschnitte statt finden. Das passiert aber nicht.