Einleitung
Das rastvolle Wanderkäuzchen
Geflügeltes Sonnenkind, fliege geschwind wie der gülden strahlende Himmelswind,
drück an mich dein flauschig' Federkleid, deine Sinne schwelgend in Fröhlichkeit,
umhüllt vom warmen Sonnenlicht, ganz und gar des Lebens erpicht.
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Eichenlaub raschelte im Wind des kalten Herbstes. Die Zeit der Sonne ward vergangen, jeglich Wärme verschwand im Antlitz des Kaltgesangs. Der letzte Akt des Jahres stand kurz bevor, die Heimreise des Sommers läutete die Einkehr des Eisvaters ein - und mit ihr bewegte sich die gesamte Waldung:
Baumblätter zeichneten ein Farbspiel aus Grün und Gelb.
Wurzelwände betteten sich zum Schlaf und verhärteten zu Stein.
Flussklänge verstummten in tiefster Lethargie.
- Ein luzider Wurzelgrund -
Und doch, zwischen all den Strapazen des bevorstehenden Winters, ruhte ein warmes, sanftes Licht zwischen den Wurzeln des Herbstwaldes: Eine kleine flauschige Eule, so erzählte man sich, träumte von großen Abenteuern. Ihr Name war Mibo, eine Sumpfohreule mit großer Vorliebe für Tee, flauschigen Decken und - ganz besonders - ereignisreichen Geschichten!
Tief im Traum versunken durchwanderte sie weite Wälder, unergründliche Meere, die höchsten Berge und tiefsten Höhlen. Auf seinen Traumreisen hatte Mibo bereits viel erlebt: Ob ein Karneval am Rand der Welt, ein Flug durch die Wogen der Wolkenmeere, eine Zugreise zum tiefsten Punkt des Meeres, oder sogar die Geburt eines ganzen Sternes.
Mit dabei war stets seine wachsame Begleiterin: Talya, ein Glühwürmchen, welches seine Farbe an die jeweilige Situation anpassen konnte. Talya half der kleinen Eule stets in ihren Träumen dabei, die Orientierung zu behalten und beschützte sie vor Gefahren. Das hatte einen ganz speziellen Grund, denn Mibo war taub.
Die kleine, flauschige Eule hörte nichts und war deshalb immer auf Talya angewiesen. Bei Gefahr änderte sich die leuchtend helle Farbe des Glühwürmchens in ein kräftiges Rot. Dadurch konnte sich Mibo vorsichtig in seinen Träumen voran wagen, stets den Hindernissen seiner eigenen luziden Gedankenwelt trotzend. Denn eines war sicher:
Mibo hatte nicht nur schöne Träume.