[Sinnoh-Reisen] Gewitter aus der Urzeit

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  • jo, danke für die geduld xD meine schreibpausen sind ja teilweise gigantisch!
    das mit den zeiten soll ein wenig über die hintergründe informieren, ich find die idee ganz cool um dem leser zu zeigen, wie shawn und lyra da hingekommen sind, wo sie nun sind, und was die protagonisten schon erlebt haben.ich bezieh mich ja im text doch ziemlich oft auf vergangenes O:
    hat sonst noch wer was zu der textgröße des vergangenen kapitels was zu sagen? ich behalt das nämlich sonst so bei^^
    ich komm auch ohne weitere umwege zu


    Kapitel 7: Top oder Flop?
    Oder: Die Nummer 6: Jeder ist seines Glückes Schmied!


    _Shawn_
    25.6., Route 218


    Die Meilen schrumpften unter meinen unablässig stampfenden Schuhen schnell dahin. Der erste Teil von Route 218 bestand im Wesentlichen aus einer flachen Marschlandschaft, rechts von mir bahnte sich eine, normalerweise gut befahrene, Straße ihren Weg durch das nasse Gras.
    Momentan jedoch war dort nichts los, wer ein wenig Verstand hatte, blieb bei dem Wetter zuhause.
    Ich hatte zwar Recht behalten; das Gewitter war nach Osten weitergezogen, doch genau dort wollte ich auch gerade hin!
    “Ich glaub, da hab ich mich zu früh gefreut! Wir werden jämmerlich vom Blitz erschlagen, bevor ich meinen Körper wiederhabe.”, brüllte Nico gegen den Sturm an.
    Hatte ich schon erwähnt, dass man mit einem Mädchen im Kopf keine zwei Minuten Ruhe hat?
    “Hatte ich schon erwähnt, dass es doof ist, im Kopf eines Machos festzustecken?”
    Dieses Mädchen blieb mir wirklich nichts schuldig. Ich hätte da noch einige bestimme Gesten auf Lager, aber das ist dann doch etwas kniffelig…
    “Was ist diese Lyra eigentlich für ein Mädchen? Ich seh hier dauernd Gedankenfetzen über sie, die meisten davon rosarot eingefärbt, haha”
    “Ich glaub, du besorgst dir besser eine Brille! Da gibt’s nichts rosarotes an Lyra. Wie ich erwähnt hatte, wollten wir uns in Jubelstadt treffen.”, stellte ich klar. Als ob ich jemals in Lyra verknallt wäre!
    Nico riss theatralisch die Augen auf. Im übertragenen Sinne, versteht sich.
    “Ihr trefft euch dort? Nein, wie romantisch!”, flötete sie. “Schießt dir da etwa das Blut ins Gesicht? Du wirst ja ganz rot.”
    “Das ist ausschließlich die Anstrengung und hat nichts DAMIT zu tun. Aber ich kann dich gern ein wenig aufklären, wer Lyra eigentlich ist.”
    Ich sprang über einen umgestürzten Baumstamm hinweg, direkt in eine Pfütze auf der anderes Seite. Das angestaute Regenwasser spritze mir bis zu den Schienbeinen hoch. Ein Absol starrte mir hinterher- ein unheimliches Gefühl kroch mir den bloßen Rücken hoch.
    Dann nahm ich den mentalen Dialog wieder auf: “Lyra ist meine beste Freundin, ich kenne sie mein ganzes Leben lang. Oder, zumindest kann ich mich nicht erinnern, dass sie jemals nicht meine Freundin gewesen wäre. Wir haben zusammen unsere ersten Pokemon ausgewählt, und zusammen die Johto-Region bereist. Ha, das Team Rocket mochte uns überhaupt nicht! Aber ich beschwere mich nicht, nur dank diesen Nieten haben Lyra und ich mit den Doppelkämpfen angefangen.”
    “Kämpft sie auch so gerne wie du? Das würde ja gut passen.”, lachte Nico.
    “Lyra kämpft wenn sie es muss. Aber lieber benutzt sie schützende Techniken, damit ihre Pokemon gesund bleiben. So Dinge wie Schutzschild, Reflektor und Aromakur eben. Das sind die Attacken, die sie ihren Pokemon beibringt.”
    “Und in Teamkämpfen werden auch deine Pokemon geheilt, während du weiterkämpfen kannst. Eine wirklich gute Strategie.”
    “Jep.”
    So erzählte ich ein wenig über die Johto-Region, und unserer gemeinsames Hobby, den Pokeathlon.
    Es kamen auch viele Erinnerungen wieder hoch, und ich vermisste Lyra einmal mehr. Wir waren definitiv zu lange nicht zusammengewesen.


    In der Ferne ragten bereits die großen Brückenpfeiler in die Höhe. Das bedeutete, die Hälfte der Route 218 lag hinter uns, weiter ging es auf drei Arten. Man bestieg entweder ein Boot, überquerte die Fleetbrücke oder hatte das nötige Kleingeld, um ein kleines Linienflugzeug zu chartern.
    Ich nahm meine letzten Reserven zusammen und bereitete mich auf den Endspurt vor. So lange am Stück war ich lange Zeit nicht mehr gelaufen.
    “Und ich bin lange nicht mehr geflogen. Wie siehts aus, hast du das Kleingeld?”
    “Das schon, aber hattest du nicht vorhin noch Angst vor nem Blitzschlag? Und nun willst du noch näher an die Blitze ran?”
    “Was war das gerade eben? Hast du etwa Höhenangst?” Sie kicherte. Ich hielt mir fluchend die Hand vor den Mund. “Lass das! Okay, ja. Hab ich. Hatte ich, besser gesagt. Das ist aber inzwischen dank der Bergsteigerei Geschichte.”
    Ich wischte mir ein paar Regentropfen aus dem Gesicht. Die andauernde Kälte begann, mir auf die Nerven zu gehen. Der Regen tat sein Übriges dazu. Auch wenn Gewitterwolken manchmal von einzigartiger Schönheit sind, so hält man den Blick doch lieber gesenkt, wenn der Regen zu stark wird.
    “Schön? Du meinst eher schrecklick, oder?”
    “Schön und schrecklich geht auch zur selben Zeit, hast du schon mal von Lugia gehört?” Das war ein seltenes Pokemon, das in Johto ziemliche Berühmtheit erlangt hat.
    “Das war doch das mit den Strudeln und dem Sturm, oder? Hey, kann Lugia nicht der Auslöser für all das hier sein?”
    “Eher nicht, Pokemon wie Lugia bleiben eher unter sich, und das hier ist nicht Johto..” Ich stockte. Natürlich! Es kam zu Rutschungen, in einem Gebiet das Jahrzehnte lang ruhig war, und zugleich erlebt Sinnohs Westen den schlimmsten Sturm überhaupt? Da musste ein Pokemon dahinterstecken, oder gleich mehrere.
    “Gibs zu, ich bin gut.”, sagte Nico süffisant. Und es war wirklich schwer zu widersprechen, zumal sie an vielen meiner Gedanken teil hatte.
    “Ja, du bist gut. Zufrieden? Aber wenn es kein Lugia ist, was kann es dann sein?”, überlegte ich und sofort kam mir die Antwort. Bei Gewittern kann man eigentlich auf Zapdos schließen, aber das hier war schon eine andere Liga. Ich ließ den Blick schweifen. Der Regen war wieder ein wenig stärker geworden, große kalte Tropfen klatschten mir auf Gesicht, Torso und die Schienbeine. Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen und auch die Pokemon hatten sich verkrochen. Den Hut hielt ich inzwischen mit einer Hand an seinem Platz, die in der Folge immer tauber wurde.
    “Wenn es wirklich ein Pokemon ist, dann können wir es vielleicht davon abbringen, hier so ein Kuddelmuddel zu veranstalten.”
    Ich wechselte die Hut-Hand und dachte nach. “Nun, einem Pokemon dass so ein Chaos ausbrechen lässt will ich nicht unbedingt in sein Revier folgen. Außerdem hab ich nur ein flugfähiges Pokemon, und Roy fliegt im Regen besser nicht.”
    “Für jemanden, der so viel auf effektive Angriffe gibt, hast du ne ganz schöne Wasser-Typ-Schwäche in deinem Team.”
    Das war mein großes Dilemma. Ich mochte Gestein- und Feuerpokemon gerne, aber um mit meinen Favoriten auf Reisen zu gehen, bedeutete immer ein Risiko was Wasser-Pokemontrainer betraf.
    “Aus dem Grund hab ich Roy auch Donnerzahn beigebracht, und mein Arkani kann Stromstoß. Aber die Pokemon, die ich dabeihabe, sind ja längst nicht alle.”
    “Strom-Techniken bei Feuerpokemon. Das ist wirklich gut!”, sinnierte sie anerkennend. Ich grinste und verringerte mein Tempo. Vor uns zog sich eine Felsspalte über den Weg, die sich vermutlich erst vor Kurzem geöffnet hatte. “Zeit für einen Test. Nico, hilf mir beim Springen. Konzentration ist das Wichtigste!”
    “Was soll ich machen? Schon gut ich habs in deinem Kopf gesehen.”, erwiderte sie hastig. Ich nahm Anlauf. Wie viel war das schon? Etwa vier Meter.
    Ein kurzer Antritt, wenige Schritte bis zur Kante-
    Mit einem Aufschrei verschaffte ich mir Luft, meine unsichtbare Begleiterin tat es mir gleich.
    Unter mir zog für einen Augenblick der schwarze Riss dahin, nicht preisgebend, wie weit es nach unten ging.
    Und dann standen wir sicher auf der anderen Seite, wieder ein Stück näher an Jubelstadt.
    “Puh. Für einen Augenblick dachte ich..wir schaffen das nicht.”
    Sie klang ein wenig zittrig, aber stolz darauf, dass der Sprung gelungen war. Ich schöpfte auch lieber erstmal ein wenig Atem.
    “Was wäre ich wohl für ein Freund wenn ich dich hier in einer blöden Felsspalte fallen lass?”, lachte ich. Im selben Moment wurde mir klar, was ich da eigentlich gesagt hatte. Nico lächelte innerlich und nickte.
    War sie das?, überlegte ich beim Weiterlaufen. War sie es denn nicht? Nach Alldem, was passiert war. Noch dazu, wo wir die selben Gedanken teilten. Und in einem Körper steckten.
    War Nico Blanca eine Freundin?
    “Oh, da wird aber jemand rot”, zog ich sie auf. “Guck mal, da vorne ist die Brücke!”, kam es zurück.
    “Ich seh genau dass du mich ablenken willst, an die Brücke denkst du gerade nur zweitrangig, haha!”
    Es gelang uns beiden nur schwer, das Grinsen zu unterdrucken Aber Nico hatte Recht, wir hatten endlich die Brücke erreicht. “Bei dem Sturm werden wohl keine Schiffe ablegen. Gut, dann nehmen wir den Fußweg über die Brücke. Hoffentlich ist sie nicht gesperrt..“ Vor meinem inneren Auge hatte Nico erschrocken nach Luft geschnappt. “Ich mach nur Witze! Die ist sicher nicht gesperrt.”


    25.6., Fleetbrücke
    “Tut mir sehr Leid, die Brücke ist gesperrt.”
    Mir klappte der Mund auf.
    Nico klappte ihn wieder zu. Und auf.
    “Hey! Wie sieht denn das aus?!”, schalt ich sie innerlich. “Tschuldiguuuuung!”
    “Geht es Ihnen gut?”
    Ich stand unter einem Vordach des Brückenwarthauses und redete mit einer Angestellten, die gerade ihre Schicht begonnen hatte. Sie trug die typische hellblaue Uniform und ein Schiffchen, also eine sehr schmale und hohe dunkelblaue Kopfbedeckung. Außerdem eine eher abweisende Miene.
    “Ähm, sorry. Ich bin weit gelaufen.”, sagte ich, wieder in normaler Lautstärke. “Aber wenn die Brücke gesperrt ist, wie soll ich dann hinüberkommen? Wo schon keine Flugzeuge und Schiffe die Überfahrt wagen können.”
    “Sag der Frau, dass wir da ganz dringend rüber müssen! Es geht nicht anders!” ,bettelte Nico.
    “Ich tu mein Bestes. Also, ich kann verstehen, dass Sie sich um das Wohl ihrer Mitmenschen sorgen, und daher nicht gerne sehen, wenn einer bei diesem Wetter da rüber will. Aber meinem Wohl ist am Besten gedient, wenn ich da rübergehen kann, ich werde auch über die Maßen vorsichtig sein, und niemand wird es je erfahren.” Ich hoffte, dass diese Wärterin keine von der vorschriftsbesessenen Sorte war. Was verlor sie schon dabei, mich durchzulassen?
    “Kann ich nicht machen. Ist gegen die Vorschriften. Weder Mensch noch Pokemon ist es gestattet, bei starkem Regen, Windstärken über 5 oder gefährlicher Glätte die Fleetbrücke zu überqueren.”
    Donnerwetter, das hatte sie echt auswendig gelernt. Ich schaute zu der Brückenauffahr hinüber, wo jeglicher Zugang durch vermaschte Gitter unmöglich gemacht wurde.
    “Okay,” fing ich an, und zog einen 1000er aus der Tasche. Den legte ich in die metallene Einlassung, in der normalerweise Tickets für die Bootsfahrt den Besitzer wechselten.
    Warum ich das tat? Bestechung ist nicht ehrenhaft, aber einen anderen Weg, um Nicos Körper hinterherzukommen gab es im Moment nicht. Was sollte ich sagen, ich habe seit einigen Tagen ein Mädchen im Kopf und wir müssen dringend ihrem Körper hinterher damit nichts Schlimmeres passiert?
    Unter anderen Umständen hätte ich Roy gerufen, dass er mich sicher über die Brücke brachte, aber bei dem Unwetter war daran nicht zu denken.
    Die Beamtin runzelte die Stirn. “Ich bitte Sie um nichts weiter, als das Tor etwa 5 Sekunden aufzumachen, und Sie sehen mich nie wieder. Versprochen!”, sagte ich ermunternd und strahlte sie an.
    Sie drehte das Tellerchen und der 1000er hatte einen neuen Besitzer. Dann rührte sie sich nicht mehr.
    Ich erstarrte in der Bewegung, das Tor ging nicht auf.
    “Äh, könnten Sie kurz-”
    “Weder Mensch noch Pokemon ist es gestattet, bei starkem Regen, Windstärken über 5 oder gefährlicher Glätte die Fleetbrücke zu überqueren.”
    Ich stöhnte auf. Nico war einem Schluchzer nahe: ”Ist die ein Roboter oder so was?! W-warum spult sie das ab und hilft uns nicht?”
    Ihre mühsam unterdrückte Wut kam langsam hoch, und erfasste auch mich.
    “Ich weiß nicht, aber das bereut sie gleich.” “Was hast..”
    “Rota, Roy, ihr seid dran! Brecht das Tor auf!” Mein Arkani schüttelte seine prächtige Mähne und sprintete unverzüglich auf die Metallstreben zu. Roy krächzte laut und übermütig, ließ sich erstmal von einer Böe nach oben treiben, und schoss dann seinerseits mit ausgestreckten Krallen auf das Gitter zu.
    “Das Tor zu beschädigen ist gesetzwidrig und wird bestraft!” Die Uniformierte kam aus dem Häuschen und zückte ebenfalls zwei Pokebälle.
    “Welches Tor? Ich sehe nur ein Hindernis und das ist gleich nicht mehr da. Kein Grund, sich Sorgen zu machen!” Was konnte sie mir schon entgegen setzen? Im schlimmsten Fall Wasser-Typen und ich wollte doch mal sehen, welches Wasserpokemon einer verstärkten Elektro-Attacke widerstand.
    Sie rief drei Sumpex.
    Schlagartig wurde mir wieder der Regen bewusst, das zuckende Licht der Blitze. Das war doch sonst nicht meine Art. Sich den Weg freisprengen, das machten höchstens die Typen, denen ich dann in den Hintern trat!
    Sumpex, dachte ich fassungslos. Ausgerechnet!
    “Roy, zurück. Rota, du auch. Wir sind hier fertig”, seufzte ich. Unter dem reservierten Blick der Wächterin ging ich den kleinen Pfad hinab und verließ die Brückeneinfahrt.


    “Du hattest Recht. Mein Team muss wirklich ein wenig überdacht werden.”, dachte ich.
    Ich saß am Ufer und schaute auf die windgepeitschte See. Etwa hundert Meter rechts war das Dock für die Überfahrten, wo gerade einige weiße Boote vertaut lagen.
    “Und rüber kommen wir nicht. Das war unsere letzte Hoffnung.”, meinte Nico mit spröder Stimme.
    “Tut mir Leid dass ich ausgeflippt bin. Ich wollte nicht, dass das auf dich abfärbt.”
    “Vergeben und vergessen. Mir ging diese Paragraphentante eh auf die Nerven. Wer weiß, wenn sie nicht ausgerechnet Sumpex gerufen hätte, hätte ich mir wohl jede Menge Ärger eingehandelt..”
    “Und stattdessen sitzt du jetzt am Ende der Welt, guckst zu wie eine Welle die nächste übertrifft und redest mit dir selbst.”
    Ich lachte. “Das stimmt wohl. Früher sah es wohl oft so aus wie das hier. Vor Millionen von Jahren, meine ich. Nur raue Klippen und ewig lange Sandstrände.”
    Nico grinste zustimmend. “Ohne störende Menschen. Nur Natur und Urzeitpokemon.”
    Da hatte sie Recht. Hatte ich nicht dieses Buch gehabt, vor vielen Jahren? Mir schien es Ewigkeiten her, dass ich Lyra von dem kleinen Kabuto vorgelesen hatte..damals war Aerodactyl das gefährlichste Pokemon auf der Erde gewesen. Viele andere hatten sich Schutzpanzer zugelegt, um ihm nicht hilflos ausgeliefert zu sein. Andere verließen sich auf Abschreckung oder Tarnung. Wie Liliep zum Beispiel. Oder..
    “Das ist es.”, flüsterte ich.
    “Was denn? Hast du ein Liliep?”
    “Nein, was besseres. Etwas, das uns über das Wasser bringt! Mein sechstes Pokemon.”
    Momentan hatte ich sieben Pokemon bei mir, das ging wohl weil das siebte nicht mir gehörte.
    Tornupto, Digdri, Arkani, Aerodactyl, Lichtel. Formeo von meiner Begleiterin.
    Ich stand auf. Wie konnte ich das nur vergessen? Vor mir krachte und rumorte es, blaue Blitze zuckten aus dem Himmel ins Wasser hinunter, das sich schwarz und aufgewühlt bis zum Horizont erstreckte.
    Die Schuhe zog ich aus, und band mir die Schnürsenkel an den Gürtel.
    “Armaldo, ich wähle dich! LOS!”
    “ARMALDO!!”
    Es war ein uraltes Pokemon, vermutlich noch älter als Roy, und brüllte seinen Triumph über die Zeit hinaus. Sein urzeitliches Gebrüll übertönte mühelos den heulenden Sturm.
    “Wow! Es ist riesig! Moment mal, kein Spitzname?”
    “Er ist so alt, dass er auf nichts anderes als seine wahre Natur hört. Und er ist ein guter Schwimmer. Armaldo, wir müssen nach Osten, über das Wasser!”
    “ARMAH!”, grollte es und setzte sich in Bewegung. Als er das Wasser erreichte, brachen die Wellen daran wie an einem unüberwindbaren Hindernis, das an dieser Stelle ganze drei Meter in die Höhe ragte.
    “Es gibt keine Zeit zu vertrödeln”, rief ich und schwang mich auf seinen breiten Rücken. Dabei passte ich auf, mich möglichst nicht an seinen Stacheln zu verletzen.
    Dann ging es ganz schnell, Armaldo legte sich flach ins schäumende Wasser und schoss nach einigen Bewegungen seiner Flügel davon.
    “Waaaaaah! Ich hatte nicht gewusst dass etwas so Massiges so schnell werden kann!”
    “Er ist massig, und nach der Entwicklung zu Armaldo lebt er normalerweise an Land- das tut jedoch seine Liebe zum Meer keinen Abbruch! Siehst du, mit seinen dreieckigen Flossen nimmt er Fahrt auf, mit den kleinen Zacken hier kann er die Höhe justieren.”, schrie ich begeistert zurück.
    Nico hörte gespannt zu und jubelte: unser Ziel war wieder in greifbare Nähe gerückt! Vergessen war die Verzweiflung und die Enttäuschung über die pflichtversessene Uniformträgerin
    “Wie kommt es, dass du so viele Pokemon hast, die eigentlich schon lange..” hier druckste Nico ein wenig.
    “Tot sind? Sprich es ruhig aus, das ist nicht weiter schlimm, denn der Tod gehört zum Leben.”
    Sie schnitt in meinem Kopf eine Grimasse. “Also, du kennst sicher die Technik, aus Fossilien wieder lebendige Pokemon zu machen. Vor einigen Jahren war ich in Kanto, und auf der Zinnoberinsel dort waren sie gerade alle aufgeregt über diese neue Entdeckung. Du kannst dir meine Vorfreude vorstellen, immerhin wollte ich immer ein Aerodactyl haben. Ich bot mich sofort an, ihnen Forschungsmaterial zu besorgen, in anderen Worten,”
    “Hast du ihnen Fossilien gebracht, und sie haben die zu echten Pokemon gemacht? Wahnsinn!”
    “Genau. Und seitdem ist diese Technologie immer weiter fortgeschritten. Ich bekomme einige meiner Grabungen finanziert, wenn es mal kompliziert wird, wir lernen etwas über die damalige Zeit, und entdecken immer neue.. Naja eher alte Pokemon.”
    Sie bekam vor Staunen kein Wort mehr heraus und ich genoss es richtig, mit ihr über mein größtes Hobby zu reden. Vor allem, da sie aufrichtig interessiert war!
    “Haben eigentlich legendäre Pokemon auch mit deinen Grabungen zu tun? Diese Tafel zum Beispiel, die gehörte zu einem.”
    “Ganz genau, nach urzeitlichen Pokemon zu suchen, heißt teilweise auch, sich in der Mythologie ein wenig umzugucken. Das Pokemon mit den Tafeln wird in allen bekannten Sprachen Arceus genannt.
    Die Tafeln wurden erschaffen, um es zu ehren, und seine Stellung über allen anderen Pokemon hervorzuheben. Der Legende nach entstanden sie sogar viel früher, schon zeitgleich mit dem Universum. Wer weiß, wie viele es gibt? Das wäre sicherlich auch ein Rätsel, das sich zu lösen lohnt.”
    “Wenn das eine Eisentafel war, würde ich sagen, maximal 17, oder nicht? Entsprechend der Pokemon-Typen.”
    Sie verzog angewidert das Gesicht, als ich eine Ladung Salzwasser in den Mund gespült bekam. Ich spuckte es aus, Salzwasser hat eine verheerende Wirkung im menschlichen Körper.
    “Uh. Ich würde fast behaupten, es gibt mehr als 17 Typen auf dieser Welt. Diese Klassifizierung wurde von Menschen gemacht, aber hat etwa ein außerirdisches Pokemon wie Deoxys einen Typ der hier mal eben bestimmt wurde? Oder sagen wir Arceus gibt es wirklich, ist es nicht über jede Klassifizierung erhaben?”
    “Oder die anderen mythischen Pokemon. Dialga, Palkia, und das Milleniumspokemon Jirachi. Guck nicht so verblüfft, ich habe halt auch schon viel gesehen und gehört!”
    “So war das nicht gemeint, keine Sorge. Ich bin nur verwundert, dass jemand diese Namen kennt, das sind alles Geschichten die man sich in Fachkreisen erzählt.”
    “Weil nur wenige Menschen sie bisher gesehen haben?”, fragte Nico. Ich fing einen Gedankenfetzen von ihr auf, und war verblüfft. Sie hatte tatsächlich ein Jirachi gesehen!
    “Das ist gar nicht so lange her,” sagte sie versonnen. “ich war auf einem Jahrmarkt, der zum Anlass des Milleniumskometen stattfand. Ich konnte es nicht glauben, aber vor mir in der Achterbahn fuhr ein kleiner Junge, und das Pokemon bei ihm war definitiv Jirachi. Das war wirklich Glück.”
    “Woah. Ich wollte auch immer schon ein legendäres Pokemon sehen. Vielleicht bin ich nach der Entdeckung der Eisentafel näher dran als je zuvor! Wie sagt Lyra immer, jeder ist seines Glückes Schmied. Daran glaube ich auch!”
    “Hihi, ich bringe mir selber Glück.”
    Darüber lachte ich herzhaft - sie hatte wahrhaft eine gute Lebenseinstellung!
    “Was gibt’s da zu lachen?” “Das weißt du genau, du siehst es in meinen Gedanken. Von dir werd ich mir ne Scheibe abschneiden, glaube ich!
    “Dazu müssen wir mich erst finden.”


    26.6, früher morgen, Route 218
    Armaldos Atem ging stoßweise, genau wie meiner. Die Arme waren mir schon lange lahm geworden, nur meine und Nicos Entschlossenheit hielten die Hände an ihrem Platz.
    Sie redete ermutigend auf mich ein, und das hatte ich nach den Stunden auf dem Wasser auch bitter nötig. Wir hatten tatsächlich das Meer überquert!
    Sicher, die Hauptarbeit hatte mein urzeitlicher Partner, aber der stete Sog des Wassers ließ auch mich an meine Grenzen stoßen.
    Doch es war ausgestanden. Inzwischen mochte es früher morgen sein, mein Zeitgefühl hatte mich mit meiner Kraft verlassen. Ich konnte es kaum glauben, sogar die Wolken waren vor einigen Minuten aufgerissen und gaben an einigen Stellen den Blick auf die Sterne frei, während der Rest des Himmels nach wie vor dunkelgrau verhangen war.
    In einer letzten, herkulischen Anstrengung erhob sich Armaldo aus dem kalten Wasser und stampfte die Asphaltrampe hoch. Wir waren dort angekommen, wo von diesem Ufer aus die Schiffe ins Wasser gelassen wurden.
    “ARMALDO! DOOOOOOOOOOOOOOOAH!!”
    Ich lockerte meinen Griff und ließ mich von seinem Rücken auf den Boden hinunter.
    Vom plötzlichen Gewicht überrascht, gaben meine Beine nach und ich schlug auf die Knie.
    “Shawn! Alles okay?”, hörte ich eine besorgte, helle Stimme rufen. “Alles bestens. Ich hab schon Schlimmeres mitgemacht.”, nuschelte ich zähneklappernd.
    “Armaldo! Du warst wiedermal einsame Spitze.” Der dunkle Riese schaute über die Schulter auf mich herunter und keuchte kurz. Ich sah Erschöpfung, aber auch die Unnachgiebigkeit mit der er uns diese nächtliche Sturmfahrt ermöglicht hatte. Und er war zu Recht stolz auf sich.
    “Au ja, du bist ein Superpokemon!”
    “Ich überleg mir was für dich, versprochen. Armaldo, zurück!”
    Damit verschwand Armaldo in einem roten Lichtblitz. Den Pokeball verstaute ich sorgfältig an meinem Gürtel, und zog dann meine Schuhe wieder an.
    Mühsam kam ich wieder auf die Beine.
    Nico klang jetzt wirklich besorgt. “Sicher dass du okay bist?”
    “Ja..nur hätte ich an Proviant denken sollen. Verflucht. Du spürst ja selbst wie geschafft ich bin, was hälst du von einer kleinen Pause? Nur bis ich wieder laufen kann.”, murmelte ich. Warum flackerte der Boden auf einmal?
    “SHAWN! Nein, schlaf jetzt bitte nicht ein! Nicht schlafen, hörst du?”
    “Nne kein-e Pause. Ich setz mich nu kurz hin. Und ho Luft.” Was tat man nicht alles für seine Freunde. Ich blinzelte. Da war es wieder.
    War Nico meine Freundin? Ich überlegte kurz, und widerstand dem Drang, loszuprusten.
    Ja, das war sie.
    Es wurde dunkel.