Troubled hearts - Dunkle Wolken über Johto

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  • Kapitel 29: Frei! (Silver)


    Im Center Neuborkias angekommen, gingen Clarice und ich sofort auf unser Zimmer, um vom dortigen Videotelefon aus den Boss Team Rockets zu kontaktieren. Schnell hatte ich die Nummer gewählt, welche mir von meinem Vater genannt worden war, und der Bildschirm flackerte auf. Nun war das Gesicht Giovannis zu sehen, welcher anfing zu lächeln.


    „Silver! Na also! Was habt ihr erfahren?“ Falten bildeten sich aufgrund seines Lächelns um seine Augen und um seinen Mund. Seine Haut war wie immer blass vom Leben im Untergrund. Mein Vater war sehr breitschultrig, wie mir gerade auffiel. Vielleicht lag es daran, dass der Bildschirm nur den obersten Teil seines Körpers zeigte. Im Großen und Ganzen wirkte er bestimmt nicht freundlich, trotz allen Bemühens. Ich schaute meinen Vater grimmig an und meinte: „Spar dir dein Lächeln besser für einen anderen Moment. Ich habe einige Fragen an dich, und du bekommst erst Informationen von mir, wenn du sie wahrheitsgemäß beantwortet hast.“ Meine Wut auf ihn wuchs wieder ins Unermessliche, als mir einfiel, was er mir womöglich vorenthalten hatte, und ich empfand eine gewisse Genugtuung, als mein Vater verwundert drein schaute.


    Doch dann schien sich der Boss Team Rockets wieder zu fangen und meinte: „Gut. Dann stelle deine Fragen.“ Nun kam wieder sein Tick auf und er strich seinen erneut orangefarbenen Anzug glatt. Sein braunes Haar war auch wie immer streng zurück gekämmt und mit Gel fixiert, was ihn aalglatt und verschlagen wirken ließ. Ich sah aus dem Augenwinkel, wie Clarice nervös ihr Gewicht von einem Bein aufs andere verlagerte und ihre Finger ineinander verschränkte. Sie war für meinen Vater nicht zu sehen. Wahrscheinlich machte sie sich Sorgen um mich, da ich auf dem besten Weg war, es mir mit diesem gründlich zu verderben. Und ein gewisser Teil fürchtete sicher auch um ihren Job, mit dem ja ein festes Heim und Geld verbunden waren. Vielleicht hatte sie ja auch Angst vor Giovanni selbst? Gerne hätte ich sie in meine Arme genommen oder ihre Hand gehalten, ihr ein beruhigendes Lächeln zugeworfen, irgendwas. Doch dann hätte Giovanni gewusst, dass sie da war – und dass wir tatsächlich etwas für einander empfanden. Auch wenn er es vielleicht so schon vermutet hatte, wollte ich Giovanni unser Glück aber nicht deutlich zeigen. Deshalb blieb mein Blick weiter auf dem Bildschirm und ich konzentrierte mich wieder auf das Gespräch.


    „Du hast gewusst, dass etwas passieren würde, nicht wahr? Dass mich die Gegenwart des Kristalls beeinflusst.“ Giovanni schaute erst erstaunt, dann glücklich und zuletzt meinte er: „Ich habe es nicht direkt gewusst, aber ich habe es geahnt und gehofft.“ „Und deshalb hast du die Mission mir übertragen?“ „Klar, wie hätte ich sonst testen können, ob du mit dem Kristall verbunden bist? Ist die Verbindung zum Artefakt da, dann existiert sie auch zu Lugia selbst. Es war er einzige Weg, mein Junge.“ Ich nahm das interessiert zur Kenntnis und fragte weiter: „Wie kamst du denn eigentlich auf den Gedanken, dass da eine besondere Verbindung bestehen könnte? Was hat gezeigt, dass ich besonders war?“ Da überlegte mein Vater einen Moment. „Ehrlich gesagt, war es reiner Zufall. Ich kannte die Legende, dass immer ein Mensch mit Lugia verbunden sein soll. Und einmal habe ich gehört, dass es mit Ho-Oh das Gleiche sei. Die Verbindung würde durch Artefakte verstärkt. Wir sind auf der Suche, die Person und das Artefakt passend zu Ho-Oh zu finden.“ Als ich merkte, dass er vom Thema abzuweichen drohte, warf ich ihm einen zurechtweisenden Blick zu. „Den entscheidenden Gedanken hatte ich bei einem Urlaub an den Strudelinseln. Du selbst warst noch klein. Damals hattest du einen Moment der Trance, als wir in der Ferne die Strudelinseln von einem Schiff aus sahen. Dein Blick wurde silbern und leer, du warst komplett weg. Das dauerte vielleicht zwei Minuten, und du warst höchstens acht Jahre alt. Damals war deine Mutter noch da. Wir waren sehr erstaunt, und ich ahnte, auf was es hinaus laufen könnte. Doch sicher war ich bis zum heutigen Tage nie.“ Giovanni seufzte.


    „Ich wollte dich speziell untersuchen lassen, doch weil sie mich für so skrupellos hielt, verließ deine Mutter uns. Sie meinte, es wäre die reinste Qual für dich, wenn ich meinen Willen und somit die ganzen Tests, Eingriffe und Proben durchsetzen würde. Sie würde nicht mit jemandem zusammen sein wollen, der sein Kind nicht respektierte. Am Ende habe ich doch noch interessante Ergebnisse bekommen. Forscher von Team Rocket haben eine Methode entwickelt, deine Erinnerungen an die Eingriffe zu beseitigen.“ Mein Vater hatte tatsächlich Untersuchungen über mich in Kauf genommen, nur um mich für seine Pläne missbrauchen zu können? „Meine Güte…“, sagte Giovanni und seufzte verständnislos. „Wie wehleidig deine Mutter doch war.“ Das durfte doch nicht wahr sein! So gefühlskalt war er unter seiner Maske des Verständnisses?


    „Du bezeichnest sie als wehleidig?! Hast du überhaupt einmal, nur ein einziges Mal, an mich gedacht? Ich bin dein Sohn!“ Ich warf meinem Vater einen hasserfüllten Blick zu. Und nun kam es mir schlagartig wieder in den Sinn: Damals, die steife Meeresbrise wehte mir ins Gesicht. Ich sah die Inseln, und – zack! Ich wusste nicht mehr, was ich damals geträumt hatte, aber ich war wenige Augenblicke später auf dem Deck liegend aufgewacht. Ähnlich wie im Labor! Dann kamen verschwommene Erinnerungen an einen Herbstabend auf. Rötliches Licht fiel durch das Fenster. Ich hatte in einem Krankenbett gelegen und dutzende Forscher hatten sich nicht weit entfernt beraten. Trotzdem hatte ich nur Wortbrocken verstanden. „Lugia… besonderes EEG…“ Tatsächlich konnten sie da Ergebnisse aus Untersuchungen besprochen haben! Und dieser Schimmer einer Erinnerung hatte wohl die Gehirnwäsche überstanden.


    „Du bist ein gefühlskalter Rabenvater, weißt du das?“, meinte ich nun wütender denn je. Clarice stand vor Schreck der Mund leicht offen und ihre Pupillen weiteten sich. So etwas hätte sie ihren Eltern nie entgegen geworfen. Selbst wenn diese ebenfalls schlecht zu ihren Eltern stand, die Orangehaarige würde so etwas nie in den Mund nehmen. „Fängst du jetzt auch so an? Meine Güte, du Weichei! Hast du dich denn nie gefragt, woher du deinen Spitznamen hast?“ „Ich konnte mich doch dank dir an fast nichts erinnern!“, brüllte ich zurück.


    Das war nun zu viel für mich. Ich beendete schlagartig das Gespräch, schnaubte wutentbrannt und hielt mir genervt die Hände vors Gesicht. Clarice traute sich nicht, auch nur irgendetwas zu sagen – wahrscheinlich konnte sie nicht abschätzen, wie ich reagieren würde. Für sie musste ich mich jetzt erst einmal zusammen reißen. Ich versuchte, ruhiger zu werden und erhob mich von dem Stuhl. Noch immer lastete Clarices fragender und nervöser Blick auf mir. Sie fragte stumm: „Kann ich etwas für dich tun? Was hast du nun vor?“


    „Tut mir leid, aber das gerade ging zu weit.“ Meine orangehaarige Freundin nickte verständnisvoll. Auch sie musste wissen, wie gefühlskalt manche Leute sein konnten. Ihr nun neuer Blick voller Traurigkeit zeugte davon, dass sie mein Gefühl nachempfinden konnte. Hass und Verzweiflung waren ihr bekannt. Eigentlich war sie jemand, der viel Kontakt zu anderen Menschen brauchte und nicht gern allein war. Doch manchmal war sie ebenso nachdenklich und schweigsam. Dann dachte sie wahrscheinlich über verschiedene Dinge ihres Lebens nach. Ich war meist das Gegenteil - zwar auch oft nachdenklich, doch den meisten Menschen gegenüber verschlossen. Es dauerte lange, ehe ich mich einsam fühlte. Nur bei Clarice öffnete ich mich. Wir würden uns zusammen durchschlagen. Nach dem, was eben passiert war, wollte ich meinen Vater nicht mehr sehen.


    Da kam mir eine neue Idee: „Wie wäre es, wenn ich sagen würde, dass wir Team Rocket den Rücken kehren? Wenn wir uns zu zweit in Johto aufhalten? Wir könnten nebenbei Recherchen wegen Lugia und auch wegen deiner Eltern anstellen.“ Clarices Blick wandelte sich erneut – diesmal in pures Erstaunen. „Du…du willst Team Rocket hinter dir lassen? Bist du dir da sicher?“ Ich nickte sofort. „Wir werden aber nicht in das Hauptquartier zurückkehren, unsere Sachen holen und uns dann aus dem Staub machen. Wir nehmen einfach das mit, was wir hier haben. Es sind genug Dinge in unseren Rucksäcken verstaut worden. Wärest du einverstanden?“ Nun war es Clarice, welche entschlossen und schnell nickte. Klar, sie wollte sowieso von Team Rocket weg. Und nun, da sie mich weiterhin in ihrer Nähe haben würde, hielt sie nichts mehr in der Organisation. Sicher ließ sie Dinge zurück, doch sie gingen ja nicht verloren. Ihr Zimmer gehörte immer noch ihr, es durfte nicht weiter vergeben werden.


    „Dann gehen wir es an.“ Ein Grinsen erschien auf meinem Gesicht und auch Clarice lächelte. Nun, das wusste sie, war sie wieder frei von allen Zwängen. Beide hatten wir in letzter Zeit viel Geld zusammen bekommen – ich durch meinen Status als zukünftiger Boss und Sohn eines reichen Mannes, Clarice durch ihren Lohn der letzten Monate. Bestimmt würden wir so eine Weile durchkommen. Die Siebzehnjährige atmete tief durch und nun war ihr richtiges Lächeln zu sehen. Das hatte ich sehr vermisst – die Monate bei Team Rocket hatten sie müde und traurig gemacht. Es hatte auf mich gewirkt, als hätte sie vergessen, wie man lachte. Ihre frühere Lebensfreude und Fröhlichkeit, ihr ganzer Charme war verschüttet worden und erst in diesem Moment wieder aufgetaucht. Uns beiden stand nun ein freies Leben bevor, ohne Zwänge durch Vorgesetzte. Nun durfte sie wieder sie selbst sein und wir hatten einander. Das stärkte uns beide ungemein. Ich war mir sicher, dass Clarice in diesem Moment die ganze Welt hätte umarmen können. Stattdessen aber küsste sie mich und setzte dann wieder ihr natürliches, befreites Lächeln auf. Wir würden nun erst einmal den Tag entspannt ausklingen lassen. Es war die Zeit für Entspannung gekommen, und auch die Momente dafür, das Leben zu genießen.

  • Kapitel 30: Wohin? (Clarice)


    Es waren einige Tage vergangen, nachdem Silver beschlossen hatte, Team Rocket den Rücken zu kehren. Seitdem fühlte ich mich sehr befreit, da es nun keinen nicht zu bewältigenden Grund mehr gab, bei Team Rocket zu bleiben. Zur Not konnte man auch anders Geld verdienen, nun da ich auch älter war, und Pokémon-Center nahmen gerne jeden Trainer auf. So würde es gehen, doch vorerst brauchten wir uns darum keine Gedanken zu machen. Nachwievor befanden wir uns im beschaulichen Dorf Neuborkia mit seinem frischen Wind und dem klaren See in der Nähe. Manchmal sah man auch die Mündung zu einer breiteren Wasserstraße in der Ferne, welche von Schiffen genutzt wurde, um Passagiere nach Kanto zu den Pokémon-Ligen Kantos und Johtos zu bringen. Für mich war dieses ganze Kämpfen um Orden nichts. Ein Duell würde ich meistens annehmen, aber ich wollte nicht eine lange Zeit damit verbringen, um diese Metallplättchen zu wetteifern.


    Schon bald wollten – mussten - wir weiterziehen. Ich hatte an Dukatia City gedacht, da dort die größte Polizeistation der Region Johto zu finden war. Dort würden wir dann sicher nach Informationen zu meinen Eltern suchen, selbst wenn ich dort vor meiner Zeit im neuen Team Rocket bereits ohne Erfolg geforscht hatte. Vielleicht gab es nun neue Hinweise. Auch mein Elternhaus war dort. Außerdem konnten wir über einen Abstecher in diese Stadt viele andere Orte dank des großen Hafens erreichen. Da wäre die Fortsetzung unserer Reise ein Leichtes. Damals war ich auch wegen der Suche nach meinen Eltern bei Team Rocket gewesen. Ich hatte gehofft, irgendwo Informationen zu finden, da Giovanni sie auch kannte. Außerdem war es eine gute Möglichkeit gewesen, ein wenig in der Region herum zu kommen. Doch nun war mir klar, dass ich meine Eltern so nicht finden konnte. Wenn dann hätten ich es bereits getan, wenn ich gekonnt hätte. Ich musste so suchen, die Organisation nutzte mir da auch nichts mehr.


    Silver selbst war heute Vormittag auch im Zimmer geblieben. Ich selbst hatte aus der Lobby des Centers Zeitungen besorgt. Momentan las ich eine Ausgabe der bekanntesten Tageszeitung der Region, dem „Johto Journal“. Heute war nichts Interessantes zu berichten gewesen, wie es schien. Also hatte Team Rocket noch keine weiteren Übergriffe ausgeführt. Ich hatte nur einen Artikel darüber gelesen, was damals in Rosalia City, leider auch unter meiner Anweisung, geschehen war. Klar, ich hatte notgedrungen mitgemacht, aber ich gab mir auch selbst die Schuld am Leid der Bewohner dort. Es war gut, dass Silver und ich dieser Organisation den Rücken gekehrt hatten. Ich schaute niedergeschlagen aus dem Fenster unseres Zimmers. Draußen war bester Sonnenschein und bestimmt tummelten sich nun viele Menschen im Dorfzentrum. Das Center stand etwas abseits von diesem, sodass wir einen kleinen Nadelwald sehen konnten. Sanft wiegten sich die Baumwipfel im stetigen leichten Wind, welcher im und rund um das Dorf herrschte. Auch das Wasser des Sees und der Fährstraße war zu sehen, ab und zu schipperte eine weiße Fähre gemütlich entlang. Alles in Allem war es sicher ein toller Ort für Familien mit Kindern. Doch irgendwann wäre es mir hier sicher zu ruhig.


    Dann wandte ich meinen Blick Silver zu. Generell war er sehr nachdenklich geworden und sprach nicht viel die letzte Zeit. Nicht mal zu mir. Ich fühlte mich zwar nicht zurückgewiesen, da ich seine Situation verstand, aber ich wollte, dass es bald wieder vorüber war. So in sich eingeschlossen… Ganz anders als ich, die Kontakt brauchte. Der Rothaarige schaute ebenfalls aus dem Fenster, während er auf seinem Bett saß und wieder einmal nachzudenken schien. Grübelte er noch immer über das Gespräch mit seinem Vater nach? Oder darüber, wie er mehr über seine Verbindung zu Lugia herausfinden sollte? Ich hätte ihm gern geholfen, doch wo sollten wir mit der Suche anfangen? Professor Lind hatte uns eine erste Spur geliefert, indem er uns den Kristall zeigte und uns von den Legenden erzählte. Demnach war er also eine Verbindung zu Lugia, welches tief am Meeresgrund lebte. Ich hatte mir das Meer immer als eine komplett andere Welt vorgestellt. Die Tiefen der Ozeane waren so unberührt von allen oberen Einflüssen, dass dort alles anders sein musste, als wir es gewohnt zu sein schienen. Sie hielten dutzende Wunder bereit. Vor allem die Strudelinseln mussten ein spezielles Reservoir für Meerespokémon bieten. Vielleicht war die Umgebung so außergewöhnlich, dass nur starke und große Wesen wie Lugia dort hausen konnten? Moment… Aber klar! Nun ging mir endlich ein Licht auf!


    Wieso sollten wir nicht dort mit der Suche anfangen, wo Lugia leben sollte? Sicher gab es dort mehrere Forschungsstationen, irgendetwas oder irgendjemanden, der sich mit dem Thema auskannte. In Dukatia City würden wir auch eine Fähre nach Anemonia City nehmen können - wie passend. Und ein weiterer Grund, in der Großstadt vorbei zu schauen. Am besten, ich sprach so bald wie möglich mit Silver darüber. Doch momentan wollte ich ihn nicht in seinen Gedanken stören.


    (Kotone)
    Nachdem ich vor ein paar Tagen die gute Nachricht von Schwester Joy erhalten hatte, ging es mir wieder wesentlich besser. Ich hatte sogar durchgehalten und die Anweisung der Medizinerin befolgt, noch ein paar Tage bis zu meinem nächsten Besuch zu warten. Nun konnte ich mir aber doch einen Besuch nicht verkneifen, um zu sehen, wie die Behandlung anschlug. Da kam es mir gerade Recht, dass Schwester Joy mich in meinem Zimmer abholte und zu Kishos Raum geleiten wollte. Verwundert schaute ich von meinem Bett auf, als sich die Tür meines Zimmers öffnete und die rosahaarige junge Frau den Raum betrat.


    „Schwester Joy, was machen Sie denn hier? Ist irgendetwas passiert?“ Sofort erfüllte mich die Sorge um Kisho. Hoffentlich ging es ihm gut. „Kotone, ich würde dich bitten, mir zu Kishos Zimmer zu folgen.“ „Gibt es Neuigkeiten?“ Nun war ich bereits aus meinem Bett gesprungen und eilte zur Tür. Konnte sie denn nicht endlich sagen, was Sache war? „Folge mir einfach, dann wirst du schon sehen, was ich meine.“ Also tat ich wie geheißen, schlüpfte in meine Schuhe und ging hinaus in den Gang. Den Weg kannte ich zwar selber, aber trotzdem hielt ich mich aus Höflichkeit hinter der Krankenschwester auf. Schon bald hatten wir das Zimmer erreicht und ich hielt es vor Spannung kaum noch aus. Ich traute mich kaum, durch das Glasfenster der Krankenzimmertür zu sehen.


    „Geh du nur rein. Ich werde mich dann mal wieder an meine Arbeit machen.“ Die Medizinerin zwinkerte und ging davon. Verwundert und noch immer um Unklaren öffnete ich also die Tür. Als ich den Raum betrat, hätte ich gleich Freudensprünge machen können: Kisho saß in seinem Bett, wobei er sich an die aufgestellte Oberseite seines Bettes lehnte, drehte seinen Kopf zu mir und lächelte mich an. Zwar sah er noch immer etwas geschafft aus, aber wenigstens war er wieder voll bei Bewusstsein und es ging ihm besser. Er hatte die Hände auf die weiße Bettdecke gelegt, wodurch ich sah, dass er über eine Verbindung des Tropfes zu seinem Unterarm noch immer an eine Infusion angeschlossen war. Und Blut hatten sie ihm wohl noch weitere Male abgenommen. Ein spezieller kurzer Schlauch war an Kishos Hand befestigt wurden und lieferte, sofern man es brauchte, die rote Flüssigkeit. Er war unter einem Verband eingewickelt und ersparte einen neuen Einstich bei jeder Blutabnahme. Ich kannte das schon.


    „Kisho!“ Ich lächelte und ging näher zu meinem blondhaarigen Freund. „Hey, Koto! Schön, dass du vorbei kommst, um mich zu besuchen.“ Seine Stimme klang auch noch nicht wirklich kraftvoll, aber das konnte meine Freude nicht trüben. Zumal er mir sein bezauberndes Lächeln schenkte – ihm schien es wirklich besser zu gehen! Nur seine blonden Haare hingen ihm wirr ins Gesicht und ins Sichtfeld. Ich setzte mich neben ihn auf einen Stuhl und sagte: „Tut das gut, dich wieder so munter zu sehen! Du hättest mal sehen sollen, wie du noch vor ein paar Tagen bei meinem letzten Besuch aussahst. Kreidebleich warst du da und heiß wie ein Ofen!“ Ich lachte und Kisho stimmte mit ein. Doch dann schaute der Blondhaarige mich wieder ein wenig ernster an. Vielleicht war auch eine Spur Nervosität in seinem Blick zu erkennen? „Ich habe gemerkt, dass du da warst. Ich konnte mich nur nicht melden. Aber ich habe gespürt, wie du meine Hand genommen und was du getan hast. Auch das Gespräch mit Joy habe ich mitbekommen.“ Ich wurde schlagartig tomatenrot im Gesicht. Das hatte er gehört? Oh um Himmels Willen, wieso denn das? Da hatte mich Joy direkt auf meine Gefühle für Kisho angesprochen! Das hatte er doch gar nicht hören sollen! Wieder fragte ich mich, was ich für Kisho empfand und wie ich mich verhalten sollte. Doch dann wurde ich aus meinen Gedanken gerissen.


    Der Blondhaarige ergriff meine Hand, drückte diese beruhigend und sagte in sanftem Ton: „Du hättest nicht weinen müssen.“ Ach du liebe Zeit, er hatte wirklich gemerkt, was um ihn herum passiert war! Noch röter hätte ich nun kaum noch werden können. Aber ich war einfach aufgewühlt gewesen, weil…weil Kisho mir sehr am Herzen lag. Ich beugte mich ein wenig zu Kisho vor, um ihm die blonden Haare aus dem Sichtfeld zu streichen. Sein Blick, der nun wieder besser zum Vorschein kam, schilderte, dass Kisho vitaler geworden war. Der Blondhaarige wurde etwas rot in seinem Gesicht, als sich meines so nah an diesem befand.


    Dann kam etwas, womit ich nicht gerechnet hatte: Kisho beugte seinen Kopf vor zu mir und seine Lippen berührten meine. Doch ich wich nicht zurück, nein – ich erwiderte seinen Kuss. Keine Verwunderung, keine Empörung, nichts Negatives durchströmte mich. Ich spürte seine weichen Lippen und Kishos Wärme. Es tat gut, das zu spüren - es gab mir das Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit, dass alles gut war. Kisho hatte seine Hände sanft auf meine Wangen gelegt. Alles in allem fühlte es sich gar nicht an wie unser erster Kuss. Als hätte ich diese Berührungen unserer Lippen schon immer gekannt und gemocht. Viel zu schnell war der Moment vorbei, und irgendwie trauerte ich ihm nach. Andererseits verfluchte ich ihn kurz darauf auch wieder. Jetzt war ich völlig durcheinander. Wollte er tatsächlich, dass wir mehr waren als nur Freunde? Ich wusste nichts zu sagen, denn ich konnte meine Gefühle nicht einordnen. Als ich nicht zurückgewichen war… Hatte das gezeigt, dass ich Kisho mehr als gedacht entgegen brachte? Aber mit Kisho… Das erschien mir irgendwie abstrus. Wie gesagt, ich war völlig durcheinander. Als Kisho merkte, dass ich nichts sagte, griff er besorgt meine Hand, schaute mich mit seinen hübschen, blauen Augen, umrahmt von geschmeidigen Wimpern schwarz wie Kohle, an.


    „Koto… Habe ich etwas Falsches getan?“ Er klang nervös… Und nervös war ich auch, aufgrund meiner Verwirrtheit. Kisho erwartete, dass ich etwas sagte – nur was? Ich wollte mich nicht festlegen, da ich noch keine Entscheidung getroffen hatte. Mein bester Freund war wirklich attraktiv, das musste ich zugeben. Er hatte ein hübsches Gesicht, wirkte nicht schmächtig, aber auch nicht zu muskulös, war gebildet und er kannte mich wie kein anderer. Doch falls wir es versuchen würden, konnte das auch schlecht ausgehen. Das könnte unsere Freundschaft, unsere gesamte gute Beziehung zueinander in Gefahr bringen, falls es nicht funktionierte. Dann wären wir beide an diese Zeit erinnert, die dann so böse geendet hatte, und das immer wenn wir zusammen kamen. Mindestens einer von uns würde das dann nicht wollen.


    Wohin? Ja, wohin sollte ich gehen? Ich sah mich an einer Weggabelung. Doch welchen Weg sollte ich einschlagen? An einem Weg stand mein bester Freund, der in mich verliebt war. Sollte ich den Weg zu Kisho gehen und unserer Beziehung zueinander eine neue Tür öffnen? Verbunden mit dem Risiko, dass wir irgendwann unsere gesamte Verbindung kappen mussten, falls der Weg zu steinig wurde? Oder sollte ich den anderen Weg einschlagen, bei dem ich Kisho zurückwies und auf einen anderen Jungen hoffte? Doch an dessen Ende sah ich noch kein Gesicht, keine Person, die auf mich wartete. Was würden die Wege bringen?
    Ich wusste es nicht, und so hatte ich noch keinen Schritt getan. Die Weggabelung, an der ich stand, verließ ich nicht… Wohin? Ja, wohin sollte ich gehen?


    Da holte mich Kishos traurige, erschöpft klingende Stimme aus meinen Gedanken: „Du weißt noch nicht, was du empfinden sollst, oder? Ich sehe es dir doch an. Du willst keine tiefere Beziehung.“ Da stockte mir fast der Atem. Wie gut er mich doch lesen konnte – wie ein offenes Buch. Wie Recht er doch eigentlich hatte. Und wie niedergeschlagen und erschöpft er nun wieder aussah… „Kisho… Du weißt, dass du mir viel bedeutest. Sehr viel sogar. Und unser Kuss hat mir wirklich gefallen. Auf eine ganz bestimmte Weise bist du in meinem Herzen und ich liebe dich schon… Aber ob es diese große Liebe ist, kann ich noch nicht sagen. Es tut mir wirklich leid, aber wir müssen die Zeit vergehen lassen, um zu sehen, was ist und was sein kann.“ Noch nie war es mir so schwer gefallen, Worte zu sagen. Ich wollte ihn nicht verletzen, aber noch konnte ich mir eine Beziehung mit ihm momentan nur bedingt vorstellen. Ich musste erst meine Gefühle ordnen, dann konnte sich das vielleicht ändern. Kisho seufzte niedergeschlagen und ich sah den Schmerz in seinen Augen, als er den Kopf niedergeschlagen in sein Kissen sinken ließ und an die weiße Decke starrte. Es tat weh, ihn so gekränkt und verletzt zu sehen.


    Früher, als wir noch kleiner gewesen waren, hatte er mich immer als eine Freundin gesehen, und ich ihn als meinen besten Freund. Wir hatten schnell festgestellt, dass wir Seelenverwandte waren. Ich sah ihn innerlich mit seinem bezaubernden Lächeln vor mir, wie er mir symbolisch die Hand reichte, und sanft sagte: „Komm, Koto. Es ist ganz leicht.“ Doch trotzdem kam ich nicht, sondern blieb unentschlossen. Sein echter Blick war ernst, das Lächeln verschwunden. Sein Kuss war das Zeichen gewesen - da hatte er mir die Hand gereicht. Doch ich hatte sie gerade abgeschmettert. Je länger ich mit einer Entscheidung wartete, desto mehr tat ich ihm weh. Wenn es irgendwann zu spät war, dann würde er aus meinem Leben verschwinden. Fortgehen, denn dann hatte er die Hoffnung aufgegeben, dass ich zu ihm kommen würde. Dann würde er versuchen, eine neue Liebe zu finden, die seine Gefühle erwiderte. Eigentlich konnte jedes Mädchen froh sein, ihn zu haben. Gutaussehend, klug und liebenswürdig. Doch noch brachte ich nicht den Mut auf, den entscheidenden Schritt zu tun. Erst einmal musste ich also den anderen Weg betreten, an dem kein Junge zu sehen war, und hoffen, dass da noch irgendjemand auf mich wartete. Doch wer es war, das wusste ich noch nicht. Es war noch kein Gesicht zu sehen…

  • Kapitel 31: Zusammentreffen (Kisho)


    Nach ein paar weiteren Tagen wurde ich dann schlussendlich aus meinem weißen, langweiligen Raum im Krankenflügel entlassen. Dank der Behandlung durch Schwester Joy und die anderen Pflegrinnen war ich schnell genesen. Die ersten Schritte an diesem Morgen waren zwar etwas wackelig gewesen, aber schon bald hatte ich mich wieder ans Laufen gewöhnt und fühlte mich inzwischen stark genug. Schwester Joy hatte meine Versuche überwacht und meine gute Verfassung mit einem Lächeln bestätigt. Es waren meine ersten Schritte nach dem Zwischenfall gewesen, und ich war froh, diesem weißen Zimmer entkommen zu sein. Kotone war nicht dabei gewesen, als ich mein Zimmer verlassen hatte, doch würde es für sie sicher auch eine willkommene Überraschung sein, mich außerhalb des Raumes zu sehen.


    Doch wir beide hatten nicht mehr miteinander gesprochen nachdem ich sie geküsst hatte. Nachdenklich lief ich den Gang außerhalb meines Krankenzimmers hinab. Sicher wäre es schön gewesen, wenn sie diese Gefühle, die ich besaß, auch für mich empfunden hätte. Doch wieso hatte sie meinen Kuss erwidert, wenn sie es ihrer Aussage nach mit meinen Gefühlen nicht im gleichen Maße tat? Ich konnte es nicht verstehen, doch ich würde nicht aufgeben. Vielleicht müsste man uns einfach nur mehr Zeit geben. Und schließlich hatte sie meinen Kuss erwidert, also musste sie doch mehr als nur ihren besten Freund in mir sehen. Oder? Müde fuhr ich mir mit meinen Händen durch die blonden Haare.


    Ich setzte meinen Weg über den blauen Teppich fort, sodass ich schlussendlich in der Lobby des Centers ankam. Ich fand sie recht angenehm eingerichtet. In den vielen rot gepolsterten Sitzecken des Raumes saß meistens niemand, doch konnte ich Kotone in der Menge relativ allein an einem Tisch für vier Personen sitzen sehen. Den weißen Hut hatte sie abgelegt, was sie sonst eigentlich nur sehr selten tat. Nur ihr Karnimani, welches vor ihr auf dem Tisch saß und einen Knurps verspeiste, leistete ihr Gesellschaft. Sie wirkte sehr betrübt und rührte Gedankenversunken mit einem Löffel in ihrem Tee herum. Ich vermutete, dass es Apfel war, eine ihrer Lieblingssorten. Langsam, unsicher wie ich sie nach unserem letzten Zusammentreffen ansprechen sollte, näherte ich mich meiner Freundin. Karnimani bemerkte mich zuerst und fixierte mich mit einem fragenden Quaken. Kotone hob auf den Laut hin ihren Kopf, blickte Karnimani an und folgte seinem Blick dann mit ihrem zu mir. Ihre Augen, welche gemischte Gefühle zeigten, weiteren sich und ihr stand der Mund ein wenig offen.


    „Kisho…?“, fragte sie erstaunt und stand langsam auf. „Was machst du hier? Hat man dich etwa bereits entlassen?“ Ihre Mimik zeigte deutliche ihre Ungläubigkeit, aber auch Freude. Ich nickte grinsend, während sie mir näher kam. „Jupp.“ Ein breites Lächeln zierte nun ihre Lippen, und bevor ich mich versah, hatte sie bereits ihre Arme um meine Hüfte und ihren Kopf an meine Brust gelegt. So etwas hatte ich nach unserer letzten Konversation zwar nicht erwartet, aber glücklich erwiderte ich ihre Umarmung und schloss meine Arme um ihren Oberkörper. Es tat gut, sie wieder zu sehen und ihre Wärme zu spüren. So verweilten wir einen Moment und ich wagte es, meine Augen zu schließen und meinen Kopf sanft auf ihren zu legen. Kein Zweifel, ich liebte sie, und Momente im Krankenzimmer ohne sie waren trostlos und zäh vorüber gegangen. Doch ich würde das Thema nicht ansprechen. Sie wusste es, und ich würde es erfahren, wenn sie ihre Meinung änderte. Nun war ich einfach nur glücklich, sie so innig in meinen Armen halten zu können. Dann löste sich Kotone wieder von mir und blickte mich, noch immer ein Lächeln im Gesicht, mit ihren haselnussbraunen Augen an. Ihr Hut war etwas verrutscht, was sie schnell wieder fixierte. Dann deutete sie auf die Sitze um den Tisch herum, an welchem sie eben noch gesessen hatte.


    „Als ich dich vor ein paar Tagen hergebracht habe, hätte ich nie damit gerechnet, dass du so schnell wieder auf die Beine kommen würdest. Du kannst dir kaum vorstellen, wie glücklich mich das macht!“, sagte die Braunhaarige dann und ihr Grinsen wurde noch einmal ein ganzes Stück breiter. Ich schmunzelte glücklich und meinte: „Ich habe es nur dir und den Pokémon zu verdanken, dass ich so schnell hier war und Hilfe bekam.“ Kotone erwiderte dies nur mit einem freundschaftlichen Blick und setzte sich wieder an den Tisch. Automatisch folgte ich ihrem Beispiel und setzte mich ihr gegenüber. Das Sitzpolster war angenehm weich und ich machte es mir mit Freude bequem. Karnimani grüßte mich mit einem breiten Grinsen und einem aufgeregtem Quaken. Ich antwortete mit einem Lächeln und einem Nicken zum Krokodil. Wie sehr wünschte ich mir doch, meine Pokémon wieder bei mir zu haben…


    (Kotone)
    Ich knetete nervös meine Finger. Ja, ich hatte ihn gerade freudig umarmt, doch eigentlich wusste ich nur bedingt, wie ich Kisho gegenüber auftreten sollte. Er hatte mich geküsst und wollte eine innigere Beziehung, doch ich hatte abgelehnt. Noch immer konnte ich mir selbst nicht sagen, wieso ich Kishos Kuss erwidert hatte. Wieso es sich angefühlt hatte, als wäre es schon immer so vorbestimmt gewesen… Nicht, dass er nicht attraktiv wäre, gut aussehend und klug – das musste ich zugeben. Doch ich fühlte einfach nicht mehr, oder zumindest wäre ich mir dessen nicht bewusst. Außerdem hatte ich Angst, damit unsere Freundschaft zu gefährden. Würde eine Beziehung nicht funktionieren, wie würden wir dann weiter verfahren? Vielleicht wäre es einfach zu komisch. Meine Muskeln spannten sich an. Am besten war es sicher, wenn wir einfach ganz normal weiter machten. In seinem Blick konnte ich sehen, dass er meinen studierte. Konnte er lesen, was ich dachte? Just in diesem Moment wandte er seinen Blick wieder von mir ab, und verzog einen Mundwinkel kurz, fast unmerklich, nach unten. Und das ließ mich wieder so miserabel fühlen, für das, was ich ihm damit antat, dass es kaum auszuhalten war.


    „Also…“, begann ich langsam. „Hat Schwester Joy dir noch irgendetwas gesagt, auf dass du Acht geben musst?“ „Nein, ich denke, ich bin inzwischen wieder ganz gut unterwegs.“ Kisho lächelte schwach, allerdings merkte man, dass es gequält war. „Doch meine Tage waren langweilig. Ich lag nur im Krankenzimmer. Du warst diejenige, die mehr erleben konnte. Hast du irgendetwas Interessantes in Erfahrung gebracht? Hat man Team Rocket aufgespürt?“ Ich schüttelte meinen Kopf, rührte mit dem Löffel in meinem Heißgetränk und seufzte. „Nein, man hat keines der Mitglieder, welche den Aufruhr hier verursacht haben, aufgespürt. Zu dumm, ich hatte auch selbst auf bessere Nachrichten gehofft.“ Kisho und ich blickten einander betrübt an und ich nahm einen Schluck meines Tees. „Doch ich denke nun umso mehr, dass wir uns der richtigen Sache verschrieben haben. Unser Ziel ist es, Team Rocket das Handwerk zu legen. Wenn wir es tatsächlich schaffen, dann wird das endlich ein Ende haben.“ Ich nickte bestätigend. Team Rocket musste unbedingt gestoppt werden, das war klar. Hoffentlich würde es nicht mehr so lang dauern, bis wir unser Ziel erreichten.


    „Wenigstens gibt es eine gute Nachricht, die ich für ich habe“, meinte ich mit einem Lächeln. Meine Hand glitt zu den Taschen meiner Latzhose hinab. Als sie wieder auf dem Tisch erschien, hatte ich zwei Pokébälle gegriffen. Kishos Augen weiteten sich in Erstaunen und ein ungläubiges Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Sind… Sind das etwa meine Pokémon? Feurigel und Bisasam?“ Ich grinste und hielt ihm die verkleinerten Bälle in meiner offenen Hand hin. Kisho ergriff sie schnell und fragte: „Heißt das etwa, dass Feurigel auch wieder gesund ist?“ „Ja, gestern Abend wurde es mir von Schwester Joy überreicht. Ich sollte so lange auf es Acht geben, bis du auch wieder entlassen wirst.“ Wir beide grinsten und Kishos Blick wanderte wieder zurück zu den rot-weißen Kapseln. Der Blondhaarige brachte die Bälle mit dem Knopf auf der Vorderseite wieder auf Normalgröße, dann schickte er Feurigel und Bisasam mit grellen, weißen Lichtstrahlen frei. Die Wesen blickten mich verwundert an – sie hatten eher damit gerechnet, von mir aus ihren Kapseln gerufen werden, da sie ja noch nicht wussten, dass ihr Trainer wieder gesund war. Ich lächelte und deutete hinter die Wesen. Feurigel und Bisasam drehten sich zeitgleich um und blickten Kisho an. Sofort gaben sie aufgeregte, fröhliche Laute von sich. Der Igel stieß sogar kleine dunkelgraue Rauchwolken aus, so aufgeheizt war er sofort. Kisho wieder lachen zu sehen, ließ auch mich wieder fröhlicher werden. Glücklich schloss er seine Pokémon in die Arme, und das Strahlen in seinen Augen konnte man nicht übersehen.


    Ich beugte mich zu Kisho vor und meinte: „Nun denn… Ich bin mir zwar nicht sicher, ob du dich bereits komplett erholt fühlst, aber trotzdem sollten wir eine weitere Planung machen, was unsere Reise betrifft.“ Kisho nickte und meinte: „Gut, einverstanden. Ich denke ich bin nun wieder gesund genug, um weiter zu ziehen. Hast du schon eine Idee, wohin wir als nächstes gehen sollten?“ „Nun, die nächste größere Stadt wäre Dukatia City. Ist das eine Möglichkeit?“ Kisho blickte sein Feurigel an, während er nachdachte, sagte aber wenig später wieder zu mir: „Zwar würde ich wirklich gern Professor Lind in Neuborkia besuchen, aber es wäre nur ein Umweg. Ich habe uns schon genug Tage an einem Ort gehalten, und später müssten wir wieder durch dieses Dorf wandern. Dukatia City ist unser nächstes Ziel, es macht einfach mehr Sinn.“ Sanft legte ich meine Hand auf seine. „Du kannst ruhig dagegen stimmen, wenn du wirklich nach Neuborkia möchtest. Ich habe kein Problem damit, den Weg zu laufen.“ Doch Kisho schüttelte seinen Kopf: „Nein, es ist völlig okay. Wir gehen nach Dukatia. Wie wäre es mit einer Weiterreise morgen früh?“ Nachdenklich blickte ich Kisho an. Wieso tat er das? War ihm mein Wohl etwa wichtiger als seines?


    „Kisho…“


    (Clarice)
    Silver hatte sich ebenfalls dazu bereit erklärt, nach Dukatia City zu gehen, und so hatten wir vor zwei Tagen das Center in Neuborkia verlassen. Momentan waren wir kurz davor, Rosalia City zu erreichen. Neben der Straße verliefen dutzende Grasflächen und Felder für den Ackerbau. Das Leben hier war wirklich dörflich, anders als in Teak City oder Dukatia. Ich war in Ebenholz City geboren, einer Stadt, welche großen Wert auf Traditionen in Bezug auf die Drachen-Pokémon und auf ihre Lebensweise im Einklang mit den Bergen und der Natur legte. Nach einer Weile – ich war vielleicht sieben gewesen - waren wir dann aber nach Dukatia gezogen. Wie unterschiedlich doch die einzelnen Gebiete einer Region sein konnten…


    Nach einer Weile kamen dann schlussendlich das Ortsschild und die ersten Häuser Rosalia Citys in Sicht. Mein Magen verkrampfte sich, als ich den Ort wiedersah. Mir wurde sogar ein wenig übel und meine Handflächen waren nass von Schweiß. Schnell erreichten wir die Grasfläche, auf der die Rüpel Eichs Show gestört und Verwüstung gebracht hatten. Ich fühlte mich noch heute schrecklich, wenn ich daran dachte, dass Vieles der Zerstörung unter meinem Kommando geschehen war. Alles was ich nun tun konnte, war, wie ich es tat, Team Rocket den Rücken zu kehren und das Shiggy zu pflegen, welches durch die mir unterstellten Mitglieder gestohlen worden war. Doch es würde nicht wiedergutmachen, was damals geschehen war. Nichts konnte das. Wir gingen weiter in das Dorf hinein, und meine Hand hielt den Armriemen meines Rucksackes fester. Silver blickte mich fragend an, doch ich überspielte meine wallenden Gefühle und lächelte ihm zu. Er zog die Brauen hoch, sagte aber nichts, während er mich weiter beobachtete. Die Minuten vergingen schweigsam, während die Häuser nun näher zusammen rückten und das Dorfzentrum bildeten. So kamen auch der Markt und das Pokémon-Center in Sicht. Wie viele Leute waren wohl damals in diesem Gebäude gewesen, verletzt und besorgt? Ich seufzte unmerklich.


    „Was hältst du davon, wenn wir für ein Weilchen im Center einkehren? Eine Pause und ein kühles Wasser könnten nicht schaden“, fragte Silver, als das Haus mit dem auffallend roten Dach in unmittelbarer Nähe war. Mir war zwar nicht wirklich wohl dabei, länger als nötig in diesem Ort zu bleiben, doch ich nickte und erklärte mich einverstanden. Niemand hatte mich damals gesehen, doch fühlte ich doch die Blicke der Leute auf mir lasten.


    „Das ist nur Einbildung. Nur Einbildung!“, redete ich mir selbst ein. Wieso sollten sie mich auch anstarren? Schlussendlich betraten wir dann also das Pokémon-Center. Zu dieser Stunde war nicht viel los, bei den Sitzecken waren nur wenige Personen zu sehen. Dann allerdings fiel mein Blick auf ein braunhaariges Mädchen und einen blondhaarigen Jungen. Mein Atem stockte just in dieser Sekunde. Das war doch wohl ein schlechter Witz…

  • Kapitel 32: Unerwartete Bekanntschaften (Clarice)


    Sie saßen zusammen mit je einem Feurigel, Bisasam, Karnimani und Glumanda an einem Tisch. Es waren die Gewinner von Eichs Show! Der Blonde und die Braunhaarige von damals. Sie trug wieder eine blaue Latzhose aus jeansähnlichem Material sowie ein gelbes T-Shirt, weiße, lange Strümpfe und bequeme Turnschuhe in der gleichen Farbe. Er war ebenfalls lässig gekleidet, in schwarzer Jeans, blauem T-Shirt und weißem Hemd. Wieso waren sie noch immer hier? Vor allem zusammen? Erneut verkrampfte sich mein Magen. Ich hatte nicht damit gerechnet, hier auf die Beiden zu treffen. Ich blickte zu Silver, der auch sehr angespannt schien – als fürchte er sich vor ihnen. Wieso das? Er hatte doch die Show nicht gesehen, woher sollte er sie dann also kennen? Da drehten sich der blondhaarige Junge und das braunhaarige Mädchen zu uns um. Ihre Gesichter schienen erst überrascht, dann kam ein kleines Lächeln auf die Lippen der Beiden.


    „Silver. Ich hatte nicht damit gerechnet, dich ausgerechnet in diesem verlassenen Ort wiederzusehen. Aber trotzdem eine nette Überraschung.“ Silver schmunzelte amüsiert. „Die Freude ist meinerseits, Kisho“, antwortete mein Gefährte dem Jungen am Tisch. Verblüfft blickte ich Silver an. Sie kannten sich tatsächlich? Das hatte ich nun noch weniger erwartet. Aber zu Team Rocket gehörten sie nicht, das war klar. Kannten sie seine wahre Identität und war Silver deswegen so angespannt? Meine Handflächen fühlten sich wieder nass an und ich musste mich bemühen, kein zu erstauntes Gesicht zu machen. Sie hatten mich nie gesehen, also war ich sicher vor ihren Vermutungen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Silver ihnen von Team Rocket erzählt hätte. Dann wären die Beiden nämlich Mitglieder der Organisation gewesen, und das waren sie augenscheinlich nach ihrem Verhalten während Professor Eichs Show nicht.


    „Ihr kennt euch also?“, fragte ich mit freundlich klingender Stimme. Silver nickte neben mir. „Ja, wir haben uns bereits ein paar Mal getroffen. Clarice, das sind Kisho und Kotone aus Teak City. Die Beiden sind als reisende Trainer unterwegs.“ Die Personen am Tisch warfen mir ein freundliches Lächeln zu. Nervös erwiderte ich die Geste. „Freut mich sehr“, meinte Kotone. „Warum setzt ihr euch nicht zu uns?“, meinte die Braunhaarige und klopfte auf den Sitzplatz neben sich. Silver nickte und wollte das Angebot annehmen, doch ich hielt ihn am Arm fest. Fragend blickte er mich an. „Könntet ihr uns für eine Minute entschuldigen? Dauert nicht lang“, fragte ich. Kisho und Kotone nickten nach verwundertem Zögern, und so entfernten Silver und ich uns ein wenig. Wir gingen ein Stück in einen der Seitengänge zu den Abstellräumen des Centers, einer der abgelegenen Ecken weg von der Lobby. Hier waren wir allein, und so schnell würde auch niemand kommen. Es war ein abgeschiedener, dunkler Platz, mit einem Besen auf dem Gang und außerhalb des Sichtfeldes der wenigen Leute, die im großen Raum nebenan waren. Ich lehnte mich an die Wand, und Silver hielt mich sanft aber bestimmt an den Schultern fest.


    „Clarice, was ist los?“, fragte er mich mit verwundertem Blick. „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass du die beiden auch kennen würdest.“ Daraufhin wurde der Blick des Jungen noch verdutzter. „Wieso auch?“ Ich blickte mich kurz um, ob ja wirklich niemand in der Nähe war. „Erinnerst du dich an meine Mission in Rosalia City? Damals haben wir Pokémon von Professor Eichs Show stehlen wollen. Das Shiggy, welches ich jetzt pflege, kam ja daher. Kisho und Kotone haben die Show gewonnen. Das ist der Grund, weshalb sie das Glumanda und das Bisasam bei sich haben. Es gab ein Unentschieden im Finale zwischen den Beiden. Meine Leute haben damals versucht, ihre Pokémon zu stehlen! Sie haben mich zuvor zwar nie gesehen, aber ich sie. Verstehst du nun?“ Silver blickte mich erneut mit Erstaunen an und nahm seine Hände von meinen Schultern. „So ist das… Sehr interessant.“ Silver grinste und stieß amüsiert Luft aus. „Ich lerne die Beiden kennen, dann treten sie gegeneinander im Finale der Show an. Und dort versuchen die dir unterstellten Handlanger, ihre Pokémon zu entwenden.“ Ich nickte - so sah es aus. Manchmal war das Schicksal doch verrückt. Alles was ich wollte war, dass wir beide vorsichtig waren. Doch ich glaubte, Silver hatte das bereits verstanden. Ich brauchte es nicht explizit zur Sprache zu bringen.


    „Wir beide kriegen das schon hin. Mach dir keinen Kopf.“ Der Rothaarige lächelte mich zuversichtlich an. „Aber was, wenn sie unsere Identität entdecken?“, fragte ich unsicher. „Wenn wir vorsichtig sind, wird das nicht passieren. Wie sollten sie auch auf den Gedanken kommen? Schließlich haben wir nichts Verdächtiges mit uns.“ „Bis auf meine Uniform, die noch immer in meinem Rucksack steckt und die ich nicht einfach schnell entsorgen kann. Was soll ich mit der tun?“, fiel es mir jetzt ein. Aber trotzdem hatte er Recht, denn wer würde schon mein Gepäck durchwühlen? So gingen wir also zurück zu Kisho und Kotone, welche noch immer an ihrem Tisch auf uns warteten. Während ich mich zu Kotone setzte, hielt sich Silver neben Kisho auf.


    „Also… Wo waren wir stehen geblieben?“, fragte ich. Der blondhaarige Junge mir gegenüber lachte und meinte: „Nun, ich glaube wir hatten noch nicht einmal richtig angefangen.“ Kotone nickte neben mir. Ihr Karnimani tapste über den Tisch und blickte mich mit seinen großen Augen an. Was wollte es machen? Mich ergründen? Ich wusste nicht recht, was ich erwarten sollte. Da öffnete das blaue Krokodil sein langes Maul und entblößte eine Reihe scharfer Zähne. Das jagte mir dann doch Angst ein und ich wich angespannt zurück, bis es schlussendlich seine Hände zusammen klatschte, einen fröhlichen, quakenden Laut von sich gab und mich neugierig anblickte. Das Mädchen neben mir kicherte.


    „Ich glaube, Karnimani mag dich“, erklärte Kotone lachend neben mir. Mich mögen? Nach diesen paar Minuten? Und nach dem was ich wusste, es aber nicht? Wieder einmal war gehörige Ironie am Platz. Vielleicht war ihr Pokémon einfach nur sehr vertrauensselig, ich hatte keine Ahnung. „Was macht ihr eigentlich in diesem gottverlassenen Dorf?“, fragte Silver daraufhin. Zwischen den anderen beiden Trainern wurden bedeutungsvolle Blicke ausgetauscht. Dann fing Kotone schlussendlich an, zu sprechen: „Ich weiß ja nicht, ob ihr davon gehört habt, aber… Es gab einen Zwischenfall bei Professor Eichs Show, die vor ein paar Tagen hier stattgefunden hat.“ Klar, wie hätten Silver und ich das nicht vergessen können?


    „Wir nahmen am Wettbewerb teil, doch dann kreuzte Team Rocket auf. Alles wurde hoffnungslos verwüstet. Wegen…gesundheitlichen Problemen waren wir gezwungen, ein paar weitere Tage hier zu verbringen.“ So war das also… Im Prinzip war ich also der indirekte Grund für ihren verlängerten Aufenthalt gewesen. Mein Magen verkrampfte sich erneut unangenehm. Kisho wandte sich jetzt an Silver: „Und was macht ihr beide hier?“ „Wir sind nur auf der Durchreise, unser eigentliches Ziel ist Dukatia City.“ Kotone lachte und rief aufgeregt: „Das nenne ich Zufall! Wir haben soeben beschlossen, auch dorthin zu gehen. Wieso schließen wir uns nicht zusammen?“ Nachdenklich blickte ich Silver an. Was nun? Sollten wir uns wirklich mit Kisho und Kotone zusammen tun? Es würde das Risiko erhöhen, dass unsere Identität enthüllt werden würde. Doch wenn wir vorsichtig waren, wie er gesagt hatte…


    „Okay, abgemacht.“ Verwundert blickte ich Silver an. Wie bitte? Wieso hatte er das über meinen Kopf hinweg entschieden? Er entgegnete meinem Blick mit einem bestimmten Augenausdruck. Ja, ich musste meine Reaktionen beherrschen. Aber später würde ich ihn dafür zur Rede stellen. Wie kam er dazu, das allein für uns festzulegen? Schließlich waren wir Seelengeschwister und voneinander abhängig. Wenn wir nicht als Team arbeiteten, waren wir verloren. Allerdings musste ich ihm doch bescheinigen, dass er die wahrscheinlich bessere Wahl getroffen hatte. Neue Kontakte konnten wir sicher gebrauchen. Dann waren wir nun also zu viert.


    „Morgen Vormittag wollten wir losziehen“, meinte Kisho. „Je eher, desto besser“, erwiderte ich. Rosalia City war kein Ort, an dem ich länger bleiben wollte. Die Erinnerungen verursachten mir eine Menge schlechter Gefühle. „Seid ihr auf der Jagd nach Orden oder Bändern?“, fragte ich dann, um die Konversation weiter in Gang zu halten. Vielleicht waren die Beiden ja wirklich ganz nett. Kotone war die erste die antwortete: „Nein, darauf kommt es uns nicht an. Wir erkunden nur die verschiedenen Gegenden Johtos, außerdem wollen wir Team Rocket das Handwerk legen.“ „Richtig. Wir können doch diese Schufte nicht weiter Unruhe stiften lassen!“ Auf diese Worte hin wurde ich blass, konnte förmlich das Blut entweichen spüren. Ich warf einen aufgewühlten Blick zu Silver, der diesen ermahnend erwiderte. Klar, ich musste mich in Zaum halten.


    „Clarice, alles in Ordnung?“ „Ja, Kotone… Es ist nur… Ist das nicht ein sehr großes Ziel?“, antwortete ich und fing mich wieder. Kisho nickte. „Klar ist es das. Aber die Polizei bekommt sie nicht, und wir wollen tun was wir können.“ „Verstehe“, murmelte ich. Eigentlich kam uns das ja entgegen. Silver und ich hatten Team Rocket sowieso den Rücken gekehrt. Also gut, begleiteten wir sie und sahen, was die Beiden erreichten. Oder? Sollten wir ihnen wirklich helfen? Konnte Silver am Ende wirklich gegen seinen Vater antreten, wenn es sein musste? Und wenn nicht, was sollte ich dann tun? Ich konnte mich durchaus gegen Team Rocket stellen, keine Frage. Aber ich konnte Silver nicht hintergehen.

  • zuerst einmal einen guten abend, liebe leser!


    an dieser stelle möchte ich mich für die lange wartezeit entschuldigen, die ihr habt.
    die lange verzögerung kommt dadurch, dass ich von ende märz bis anfang mai bei der kur war und somit die fs pausieren musste. diese 6 wochen über war mein internetugang leider sehr begrenzt. des weiteren habe ich seit neuestem eine betaleserin (danke an luna an dieser stelle!), die sich erst einmal durch die veröffentlichten kapitel kämpft und diese lieberweise durchcheckt. da sie aber leider nicht viel zeit hat, verzögert sich das update der betagelesenen kapitel sowie die veröffentlichung des 33. kapitels noch ein wenig.


    gomen nasai!
    wir beide beeilen uns, das nächste kapitel nicht mehr allzu lang herauszuzögern, allerdings kann es noch ein wenig dauern.
    ich danke für das verständnis und hoffe, dass ihr trotzdem spaß an der geschichte habt und haben werdet.


    lg
    harukari

  • so, nach doch ungewöhnlich langer wartezeit folgt nun schlussendlich das kapitel 33.
    zwar ist es leider noch nicht betagelesen, aber da luna leider nur sehr wenig zeit hat ließ es sich jetzt nicht groß anders einrichten, da ich euch auch nicht länger warten lassen wollte.
    ich hoffe, dass ihr trotzdem freude daran haben sowie feedback geben werdet und wünsche viel spaß beim lesen.



    Kapitel 33: Auf dem Weg nach Dukatia (Kotone)


    Am nächsten Morgen waren wir nach einem schnellen Frühstück aufgebrochen. Dukatia City lag ja schließlich weit von uns entfernt. Zuerst mussten wir von Rosalia City aus nach Norden, zurück nach Viola City. Von dort aus ging es nach Western und nach Süden, sodass wir schlussendlich in Dukatia ankamen. Ich freute mich schon darauf, die moderne Großstadt zu sehen. Teak City war zwar auch nicht klein, aber besonders modern war sie nicht, da wir sehr auf Traditionen und das Altertum achteten. Es war schön dort, aber manchmal fehlte doch ein wenig die Abwechslung. Einkaufszentren, der Radioturm, der berühmte Magnetzug, und vieles mehr erwarteten immer wieder die Besucher der Stadt, die unser Ziel war. Ich lief neben Kisho voran und warf einen Blick nach hinten. Dort liefen Silver und Clarice, Hand in Hand. Auch wenn man das schon gleich hätte vermuten können, so erschien mir so etwas nach Silvers bisherigem Auftreten eher unwahrscheinlich. Er war doch immer so verschlossen und mysteriös. Wieso hatte er dann plötzlich eine Freundin und vertraute sich ihr an?


    „Wann habt ihr euch eigentlich kennen gelernt?“, fragte ich dann neugierig nach hinten. „Oh, schon vor einer ganzen Weile“, gab Silver von sich. „Wir kennen uns seit frühesten Kindertagen“, definierte Clarice daraufhin. Daher wehte also der Wind. Die Beiden kannten sich wahrscheinlich besser als irgendjemand sonst. Es schien schon von Beginn an etwas komisch. Als hätten sie sich einander komplett anvertraut. Und sie hatten sich doch dazu entschlossen, ihre Beziehung zueinander auf ein höheres Level zu bringen. Normalerweise waren Kisho und ich auch immer ein Herz und eine Seele, aber seit letzter Zeit war uns das doch ein wenig abhandengekommen. Noch immer waren wir die besten Freunde, kein Zweifel, aber die Frage nach mehr hatte uns doch durcheinander gebracht. War es einfach nur eine Frage des Vertrauens? Vielleicht stimmte das sogar. Doch wieso sollte ich Kisho nicht vertrauen? Oder eher, dem Band, das uns festhielt? Schließlich hatte ich nicht komplett auf seine Gefühle reagiert. Ich musste noch eine Weile länger über dieses Thema nachgrübeln.


    „Trotzdem haben wir dich vorher noch nicht getroffen, Clarice. Silver hingegen schon“, führte Kisho nach meiner Gedankenpause das Gespräch fort. „Das liegt daran, dass Silver und ich uns auch erst vor kurzem wiedergetroffen haben. Wir waren lange Zeit durch…spezielle Umstände getrennt.“ „Spezielle Umstände?“, fragte ich dann nach. „Wie kam es dann, dass ihr euch wiedergesehen habt?“ „Es kam halt glücklicherweise zustande“, meinte Silver nüchtern. Ich warf ihm einen forschenden Blick zu, aber am Ende war ich eigentlich doch nicht überrascht. Erschien mir logisch, dass ihm die Fragerei gegen den Strich ging. Er mochte es nicht, mit Fragen gelöchert zu werden. Dann ließen wir das Thema halt vorerst sein.


    (Clarice)
    Nachdenklich wandte ich mich leise an Silver: „Meinst du, sie werden weiter so viel nachfragen?“ Mein Freund nickte, woraufhin ich die Brauen hochzog. Wieso tat er uns ausgerechnet so neugierigen Menschen zusammen? „Allerdings sind sie die einzigen Leute, die wir außerhalb Team Rockets kennen. Und was haben wir noch groß zu befürchten? Wir sind keine Mitglieder mehr, und ich denke, dass wir ihnen vertrauen können. Eigentlich sind sie in Ordnung.“ Deswegen hatte er also entschieden, mit Kisho und Kotone zu reisen. Nun wurde es mir auch klar: Es konnte unser Start in ein neues Leben sein. Und das war es doch, was wir Beide wollten, oder?


    *


    Wir setzten unseren Weg über die viel bereiste Route fort. Hier waren die Straßen aus solidem Asphalt gemacht und führten weitestgehend über grasbewachsene, ebene Landflächen. Ab und zu zeigte sich vielleicht ein Wiesor im Grün, oder ein Hornliu streifte durchs Gras. Nur in der Ferne konnte man ein paar bewaldete Striche ausmachen. Wann würden wir wohl in Dukatia ankommen? Bestimmt würden wir die Nacht in einem Center auf dem Weg verbringen müssen. Doch der Weg nach Viola City war nicht mehr weit, also würden wir es vor Tagesende schon passiert haben. Hoffentlich gab es noch Unterkünfte hinter der Stadt. Aber nach der Zeit in Dukatia mussten Silver und ich überlegen, was wir dann tun würden. Wir hatten uns bereits auf Anemonia City als nächsten Anlaufpunkt geeinigt, den man per Fähre anlaufen konnte. Nahe den Strudelinseln würden wir sicher mehr über Silvers Verbindung zu Lugia herausfinden können. Doch würden Kisho und Kotone uns begleiten? Eigentlich ging sie das ja nichts an, also sollten sie auch nicht dabei sein. Es würde sie eventuell nur in Gefahr bringen und zu Komplikationen führen. Trotzdem würde ich mich erst mit Silver bereden. Es ging bei so einer riesigen Angelegenheit darum, dass wir Beide mit dem Vorgehen dazu einverstanden waren. Schließlich hatten wir im Moment nur uns. Deshalb war es trotz allem besonders wichtig, engeren Kontakt zu Kisho und Kotone aufzubauen.


    Dem Rothaarigen, und nun auch mir, schienen sie halbwegs zu vertrauen, wussten aber nicht viel von uns. Gleiches galt in Bezug für die eifrigen Trainer auch für mich und meinen Freund. Wir mussten alle erst Erfahrungen miteinander sammeln. Nachdenklich ließ ich meinen Blick über die grasbewachsene Ebene streifen. Da plötzlich tauchte in einiger Entfernung eine Gestalt auf dem Weg auf. Sie war relativ klein und sehr schnell. Es schien mir, als hätte sie lange Ohren und einen buschigen Schwanz. Die dichten, längeren Haare seines Fells wirbelten sich ein wenig durcheinander, während das kleine Wesen rannte. Außerdem bewegte es sich auf vier Pfoten fort und die von ihm ausgestoßenen Laute waren hoch. Als es näher kam, und sich auch die Blicke der Anderen auf das Wesen richteten, bemerkte ich, dass es sich um ein Evoli handelte. Was hatte es denn nur hier zu suchen? Dann tauchte dahinter eine wesentlich größere Gestalt auf, ebenfalls rennend. Dabei handelte es sich eindeutig um eine Frau, vielleicht Anfang vierzig. Anscheinend war ihr das Pokémon entflohen.


    „Haltet es fest, schnell!“, rief die Unbekannte dann. Ich zögerte nicht lange und lief dem Evoli entgegen. Damit hatte es nicht gerechnet, und das zeichnete sich in seinem Blick ab. Doch es bremste nicht, sondern lief unbeirrt weiter auf mich zu. Vielleicht wollte es zwischen meinen Beinen hindurchschlüpfen. Erfahren würden wir es wohl nie, denn ich schnappte es, als wir einander erreichten, im Lauf und hielt das zappelnde Wesen fest in meinen Armen. An meinen Fingern spürte ich, wie flauschig das Fell des kleinen Wesens war. Langsam bremste ich und kam zum Stehen. Ich hockte mich auf den festgetretenen Weg und schaute das kleine Evoli an. Niedlich war es, ohne Frage. Doch zappelnd konnte es schon zu einem kleinen Ungetüm werden. Ich streichelte das kleine Kätzchen und langsam beruhigte es sich.


    „Du bist wohl ein kleiner Ausreißer, was?“, meinte ich zu dem braunen Pokémon und lächelte. Mit großen schwarz-braunen Augen blickte mich sie mich an, dann schmiegte sich die Katze fröhlich an mich. Ich war selbst total erstaunt. Noch nie hatte mich ein Pokémon so schnell so sehr gemocht, außer vielleicht Kotones Karnimani. Das zauberte mir ein Lächeln aufs Gesicht und ich drücke das kleine Pokémon liebevoll an mich. Ich hatte es sofort in mein Herz geschlossen. Sowieso liebte ich Wesen wie dieses, so ziemlich jedes Mädchen vergötterte die niedlichen Gestalten. Evoli waren eher Haustiere als Kampfpartner. Liebend gern hätte ich auch eines gehabt, doch bisher hatte sich dazu nicht die Möglichkeit ergeben. Da erblickte ich die Frau, wahrscheinlich die Besitzerin des Evoli, als sie mich gerade erreichte. Ihr zu einem Pferdeschwanz zusammen gebundenes braunes Haar wehte, während sie rannte, bevor es wieder flach auf ihren Rücken zurück viel. Sie besaß grüne Augen und war schlank. Passend zu den höheren Temperaturen trug sie ein blaues Kleid. Sie atmete tief durch und wischte sich kurz den Schweiß von der Stirn.


    „Danke für die Hilfe. Dieses junge Evoli ist mir ein weiteres Mal von der Farm entflohen. Ein quirliges Weibchen, aber trotzdem sehr liebenswürdig. Doch die Verfolgungsjagden werden lästig.“ Die Frau lachte kurz und wirkte auf den ersten Blick relativ sympathisch. „Du scheinst besonders zu sein. Erst fängst du lässig dieses Evoli ein, und dann mag es dich auch noch so schnell wie niemanden zuvor!“ Sie trat näher an mich heran und schenkte mir ein nettes Lächeln. Interessiert wanderte mein Blick wieder zu dem zierlichen Wesen in meinen Armen hinab. Es legte den Kopf schief und warf mir einen fragenden Blick zu. „Ah, bist du vielleicht süß!“, meinte ich und lachte. „Evo!“, kam es von dem Kätzchen, wobei es ebenfalls so etwas wie ein Lächeln zeigte. „Wenn ihr vier wollt, könnt ihr mich gern auf unsere Evoli-Farm begleiten. Sie ist ganz in der Nähe und sicher einen Besuch wert. Dort könnt ihr euch sämtliche Evoli ansehen, die wir haben.“ Kotone trat neben mich und nickte eifrig. Wie bereits gesagt, so ziemlich jedes Mädchen stand auf Evoli, und auch manche Jungen hielten sie in ihrer Grundform als Haustier und Gefährten. Doch die meisten der Burschen entwickelten sie, im Gegensatz zum überwiegenden Anteil der Mädchen, für Kämpfe weiter. Eine Schande bei so einem so niedlichen Wesen!


    „Also gut. Jungs, wie wär’s mit einem kleinen Ausflug? Eine Abwechslung auf der Reise könnte uns gut tun!“, meinte Kotone enthusiastisch und klatschte aufgeregt in ihre Hände. Man sah ihr ihre Vorfreude an. Zumindest in dieser Hinsicht schienen wir etwas gemeinsam zu haben, weshalb ich lachte. „Aber wo sollen wir dann schlafen? Wir müssen es heute bis nach Viola City schaffen, um ein Center zu finden, und dranbleiben, wenn wir nach einem Besuch auf der Farm bis zum Einbruch der Dunkelheit dort sein wollen“, meinte Kisho, woraufhin Silver nickte. „Wir bieten auch Schlafräume an. Manchmal gibt es Familien mit Kindern, die zu einem Ausflug herkommen und die Nacht bleiben. Sicher können meine Familie und ich so auch euch behilflich sein.“ „Würde man es dann von hier aus morgen in einem Tagesmarsch nach Dukatia schaffen?“ Kisho nickte auf diese Frage hin recht schnell. „Ja, ich denke schon. Überleg doch, wie viel Strecke wir in der Zeit zurückgelegt haben. Fast ein Drittel des Weges war das bestimmt. Es ist erst mittlerer Nachmittag und wir sind am späten Vormittag aufgebrochen. Normalerweise wären wir noch ein paar Stunden mehr gelaufen und hätten es heute nach Viola City geschafft. Um die Distanz für die Reise morgen würde ich mir keine Sorgen machen. Wir werden auch Unterschlupf für die nächste Nacht finden.“ „Na wenn das so ist… Nichts wie hin zur Farm!“, meinte ich freudig. Jemand wie Kisho kannte sich sicher aus, glauben konnte man ihm. „Wir folgen Ihnen gern!“, meinte Kotone. Die Frau lachte und antwortete: „Sehr schön! Übrigens, mein Name ist Evelyn.“

  • Also erstmal geh ich in die Ecke und schäme mich.
    Um ehrlich zu sein, hab ich deine FS und Bisafans einfach mal vergessen .. Soeben mal wieder das Passwort
    ausgegraben. (;
    Ich hab dein aktuelles Kapitel gelesen; hab aber natürlich überhaupt keinen Plan mehr, um was es in der ganzen
    Story überhaupt geht. -.-
    Deswegen kann ich dir jetzt auch nur kurzes Feedback zum Kapitel 33 geben:
    Ich finde deinen Schreibstil nach wie vor super .. Insbesondere deine Dialoge lesen sich echt locker und
    flüssig. (Deutsch? ^^) Sowas kann nicht jeder, ich tue mich auch schwer damit, deswegen bewundere
    ich das bei dir umso mehr. (:
    Beim ersten Durchlesen hab ich auch keine Grammatik- und Rechtschreibfehler gefunden, der Ausdruck stimmt auch.


    Ich hab jetzt demnächst Ferien, dann werde ich deine Story nochmal komplett und zusammenhängend lesen, damit
    ich dir auch endlich mal ausführlicheres Feedback geben kann. >.<


    ~ Bini ♥

  • hallo bini, danke, dass du dich in diesem bereich wieder gemeldet hast. :3
    schön, dass es endlich mal wieder einen kommi gibt, ich hatte mir schon sorgen gemacht, dass diese fs nach und nach einsam hier versauert.
    dabei hab ich ja auch noch ne fortsetzung geplant! ;)


    danke auch erst einmal für deine erste grobe einschätzung, freut mich auch, wenn du dir die zeit nimmst, um die fs nochmal komplett nachzuverfolgen.
    die ersten kaps stehen den neueren allerdings in bezug auf die qualität nach, schließlich sind die schon 2 jahre alt. ;)
    domo arigato, dass du mir und dieser fs die treue hältst. :)


    lg
    haru

  • Kapitel 34: Die Evoli-Farm (Silver)


    Evelyn hatte nicht gelogen: Nur etwa fünf Minuten entfernt befand sich tatsächlich besagte Evoli-Farm. An sich machte sie einen idyllischen Eindruck. Das Grundstück sah fast aus wie auf einer normalen Farm, nur fehlten die Miltank, die normalerweise auf solchem Gelände gehalten wurden. Vor uns war ein gelb gestrichenes, mittelgroßes Haus zu finden, welches zwei Etagen besaß. Die Schilder kennzeichneten es als das Haupt- und Bürogebäude der Farm, sowie als Wohnsitz der Familie. Außerdem war rechts daneben ein größeres, ebenfalls gelb gefärbtes Haus errichtet worden. Dieses besaß aber ein flaches Dach und drei Etagen. Wahrscheinlich war dieses Gebäude das Gästehaus. Etwas weiter entfernt fanden sich ein Holzanbau und eine große Grasfläche.


    „Direkt vor euch seht ihr das Hauptgebäude. Das große Bauwerk daneben ist unser Wohnhaus für die Gäste. Meistens ist es nicht besonders voll, doch immer wohnen wenigstens zwei Familien darin. Unsere Farm scheint sich doch ein wenig rumgesprochen zu haben“, meinte Evelyn lächelnd. „Wir können euch gern ein Zimmer oder zwei über die Nacht bereitstellen.“ „Ich glaube, zwei Zimmer wären Vorteilhafter“, meinte meine rotblonde Gefährtin zaghaft. „Gut, wie ihr wollt, dann bereiten wir alles vor. Wenn ihr die Evoli sehen wollt, die wir besitzen, dann schaut ruhig in das Holzgebäude dort hinten. Mein Sohn Josh sollte auch dort sein und sie gerade pflegen.“ Anscheinend war diese Farm ja ein echter Familienbetrieb. Evelyn nahm Clarice das junge Pokémon ab, begab sich in das Bürogebäude und ließ uns allein auf der Farm. Kotone und Clarice gingen kichernd voran zum Holzanbau und redeten munter miteinander. Kisho und ich warfen uns nur einen vielsagenden Blick zu, beschlossen dann aber doch, den Mädchen zu folgen. Vielleicht gab es ja auch ein paar Weiterentwicklungen zu sehen? Um uns aber nicht das Gekicher der Freundinnen anhören zu müssen, hielten wir doch ein wenig abstand. Als wir den Holzbau betraten, erkannte man mehrere kleine Boxen, sowie eine große durchgängige. Das Ganze war aufgebaut wie ein normaler Stall, in dem normalerweise Miltank lebten. Die Mädchen gingen bereits durch die Reihe und blickten aufgeregt in jede Box hinein. Kisho und ich holten schnell mit ihnen auf und standen schon bald mit den Mädchen zusammen vor einer Box. In dieser befand sich ein älteres Evoli mit einem Jungen, liegend auf Stroh.


    „Sind diese Pokémon nicht süß?“, fragte Kotone. „Klar, sicher sind sie das!“, ertönte plötzlich die Stimme eines Jungen. Verwundert drehten wir uns alle zu der Richtung, aus der die Stimme gekommen war. Sie gehörte zu einem Jungen unseren Alters, der in der großen Box stand.


    (Kotone)
    Das war wohl sicher Josh, den Evelyn erwähnt hatte. Ihr Sohn. Ein wenig Ähnlichkeit besaßen sie ja schon: Dieselbe hellbraune Haarfarbe, filigrane Hände, und das grün seiner Augen. Bei ihm waren sie allerdings mit einem Blauton gemischt - wie kleine Sprenkel tauchte manchmal ein anderer Farbtupfer inmitten des Grüns auf. Das musste wohl von seinem Vater stammen. Insgesamt hatte er eine kräftige Statur und war ungefähr so groß wie Kisho, vielleicht ein paar Zentimeter größer. Irgendwo zwischen 1,75 und 1,80 Meter. In der Hand hielt er ein kleines Evoli, jünger als das, welches Clarice auf dem Weg eingefangen hatte. Er setzte das Kätzchen ab und stieg über die Holzwand zu uns in den Gang herüber.


    „Wusste ja gar nicht nicht, dass heute neue Besucher kommen. Entschuldigung, dass ich euch erschreckt habe. Ich bin Josh.“ „Wir haben ursprünglich auch nicht daran gedacht, hier aufzuschlagen. Jedoch trafen wir deine Mutter auf dem Weg, genau wie eines eurer Evoli“, meinte Kisho. „Oh, ich wette, das war Sam“, grinste Josh. „Sam?“, fragte ich verwundert nach. Es war doch ein weibliches Evoli gewesen? „Ja, ihr eigentlicher Name ist Samantha. Ich habe sie selbst so genannt. Sie reißt ständig aus. So ein quirliges junges Evoli ist mir noch nie untergekommen.“ Da sprachen wir wohl vom selben Pokémon. Genau diese Worte hatte auch Evelyn verwendet. „Wie heißt ihr eigentlich?“, wollte der Junge wissen. Wir nannten ihm unsere Namen und erklärten ihm, dass wir ursprünglich auf der Reise nach Dukatia City waren.


    „Dann seid ihr wohl reisende Trainer?“, fragte Josh begeistert nach und verschränkte seine Finger gespannt. „So kann man es sagen“, antwortete Kisho. „Klasse! Wisst ihr, ich wäre ja auch gern einer. Ich glaube, dass ich schon bald selber losziehen werde. Aber wie soll ich diese ganzen Pokémon zurück lassen?“ Josh seufzte und ließ die Arme hängen. „In dieser großen Box hier zum Beispiel haben wir den Hauptteil unserer Evoli. Manchmal werden aber auch welche von ihnen in die kleineren Boxen gebracht, wenn sie zum Beispiel krank sind und wir sie in Ruhe behandeln müssen.“ „Ich nehme an, die Kätzchen großzuziehen ist keine leichte Aufgabe“, warf ich ein. „Das ist wahr! Die meisten Evoli sind zahm, sobald sie sich an uns gewöhnt haben, aber andere sind sehr starrköpfig. Wir versuchen, sie zu erziehen und geben sie dann teils an Interessenten weiter. Manchmal ist es wie eine Art Zucht, aber ich bin traurig um jedes Evoli, das geht. Doch natürlich können wir auch nicht allen hier ein dauerhaftes Zuhause bieten.“ Josh schaute etwas betrübt drein.


    „Also ist diese Farm eine Familienangelegenheit?“, fragte ich dann. „Ja, richtig. Schon seit Generationen betreiben wir alles. Mein Großvater hat es damals errichtet. Und irgendwann werde ich vielleicht die Leitung übernehmen. Oder mein Bruder, Mike. Er ist drei Jahre älter als ich, also 21. Ihm steht das Erbrecht eher zu als mir.“ „Dann bist du zumindest von uns mit 18 der älteste“, meinte Clarice grinsend. Der Braunhaarige schmunzelte und erwiderte: „Mag sein. Ich würde euch ja gern eine Tour anbieten, aber so viel gibt es hier nicht zu Sehen. Die Familien, die sich hier für eine Weile aufhalten, machen eher Reisen in die Umgebung. Aber unsere Evoli sind immer beliebt, und die Kinder vergöttern sie.“ „Das glaube ich. Sie sind einfach total süß!“, meinte Clarice erneut enthusiastisch, was Josh zum Lachen brachte.


    (Clarice)
    Da plötzlich stupste mich etwas an meinem rechten Bein an. Verwundert drehte ich mich um, schaute auf den Boden und erblickte Sam, welche mit ihren Zähnen an meiner Jeans zog. Wie kam sie denn schon so schnell wieder hierher? War sie extra zu mir gekommen? Die Anderen schauten nicht weniger verwundert, als sie feststellten, dass das junge Pokémon extra zu mir gekommen war. Auch Josh wusste nicht recht, was er dazu sagen sollte.


    „Hallo, Kleine!“, sagte ich und nahm das Evoli in meine Arme. Gemütlich genoss es meine Streicheleinheiten zwischen den Ohren und maunzte zufrieden. „Das eines unserer Pokémon so schnell jemanden mag, ist mir vorher noch nie untergekommen! Selbst bei meiner Familie und mir dauert es sonst immer eine Weile, bis sie sich an uns gewöhnen. Ihr kennt euch vielleicht eine Stunde und schon läuft Sam dir hinterher.“ Aufgeregt blickte ich dem Weibchen in die Augen. Stimmte das tatsächlich? War da eine besondere Verbindung zwischen uns? „Wusste gar nicht, dass Leute von Team Rocket so eine anziehende Ausstrahlung auf Pokémon haben können“, dachte ich ironisch und sah, wie Kotone neugierig zu mir herüber Blickte. In ihrem Blick konnte man förmlich ablesen, wie sie sich fragte, was da vor sich ging. Ich hatte zwar schon immer ein gutes Verhältnis zu meinen Pokémon gehabt, aber so etwas war auch mir neu.


    „Sollten wir dich jetzt Pokémonflüsterin nennen?“, lachte Kotone, woraufhin ich ihr ein kleines Grinsen schenkte. „Wer weiß, vielleicht - “ Just in diesem Moment gab es einen lauten Knall vom Hof, gefolgt von einem Schrei. Sofort eilten wir hinaus um zu sehen, was vor sich ging. Sofort als ich nach Draußen kam, erstarrte ich auch schon. „Bitte nicht… Das darf doch nicht wahr sein!“, dachte ich schockiert. Auf dem Hof standen, mit dem Rücken zu uns, mehrere Mitglieder Team Rockets, von denen drei mit ihren Mauzi gegen Evelyns Evoli kämpften.

  • Kapitel 35: Geheimnisse (Silver)


    Als ich die Rüpel sah, knirschte ich mit den Zähnen. Wenn sie uns sahen und sich verplapperten, dann war es aus für uns. Dann würden wir Gejagte sein, denn Kotone und Kisho würden bei dem Fakt, dass wir zu Team Rocket gehörten und gerade erst ausgetreten waren, sicher nicht zimperlich sein. Mich würde man erkennen, schließlich war ich der Sohn ihres Arbeitgebers und Oberhauptes. Eigentlich hätte ich der Erbe der Organisation sein sollen. Nun bereute ich, dass wir uns mit Kotone und Kisho zusammengefunden hatten. Clarice blickte mich erschrocken an und ich wusste, dass sie auch keine Lösung für unser Problem hatte. Schließlich konnten wir jetzt nicht einfach unbemerkt verschwinden, durften aber auch nicht von den Mitgliedern der Organisation erkannt werden. Was sollten wir nur tun?


    Da bemerkte ich, wie eine von Clarices Händen zu ihrem Gürtel mit Pokébällen wanderte. Ihr Blick war von Zorn geprägt. Klar, sie wollte Gerechtigkeit, schließlich hasste sie Team Rocket wie sonst nichts anderes. Doch dann hielt sie inne und schaute mich fragend an. So verharrte sie für einen Moment, die Hand noch immer an ihrem Gürtel. Doch dann begriff ich endlich. Ging es etwa darum, dass sie nicht ohne mein Einverständnis gegen Leute antreten wollte, die für meinen Vater arbeiteten, und so seine Pläne zu vereiteln? Ich hätte ihr an sich jederzeit mein Einverständnis gegeben, doch jetzt war das unpraktisch. Damit machten wir uns nur unnötig bemerkbar. Deswegen ergriff ich ihre Hand, drückte sie sanft und schüttelte den Kopf. Nicht jetzt. Im Inneren des Holzbaus sah ich Josh, der inzwischen wieder zurück zu den Pokémon gegangen war. Er trieb die Evoli zusammen und versuchte, sie zu beruhigen. Keine schlechte Idee, sonst konnten sie, wenn sie nervös waren, in ihrer großen Anzahl noch etwas anstellen. Ich ging zu ihm, gefolgt von meiner Begleiterin mit den rotblonden Haaren. Es war eine gute Möglichkeit, zu helfen sowie eine gute Ausrede, um nicht mitkämpfen zu müssen und außer Sicherweite der Rüpel zu bleiben. Glück gehabt.


    (Kisho)
    Kotone und ich waren sofort zu Evelyn geeilt, die Pokébälle schon in der Hand. Das Evoli der Leiterin der Farm keuchte bereits und hatte von den drei Mauzi der Verbrecher schwere Schläge einstecken müssen. Sein Fell war zerzaust, und es zog die linke Hinterpfote nach. Rote Striemen einer Kratzfurie machten sich überall bemerkbar. Der Anblick tat mir im Herzen weh. Entschlossen zückte ich den Ball von Feurigel, welches ich als Kampfpartner gewählt hatte. Vor meinen Füßen formierte sich sogleich der Igel, der schnell das Kampfgeschehen erfasste. Er gab einen kampfeslustigen Laut von sich, und Rauchschwaden kamen aus den Löchern auf seinem Rücken.


    „Glumanda!“, rief Kotone und warf energisch einen ihrer Pokébälle. Die rote Echse stand sogleich neben meinem Pokémon und machte sich ebenfalls zum Kampf bereit. Die Rüpel wirkten überrascht aufgrund der plötzlichen Unterstützung, denn vorher hatten sie uns nicht bemerkt. Sofort schickte einer von ihnen sein Mauzi los, damit dieses das Evoli mit einem weiteren Kratzer schädigen konnte. Der Plan war wohl, Evoli so schnell wie möglich auszuschalten, um wieder einen Vorteil für sich zu erlangen.


    „Also los, heizen wir ihnen ein! Feurigel, der Flammenwurf!“ „Glumanda, leg los mit Glut!“, hörte ich Kotones Befehl neben mir. Ein flammend roter, heißer Strahl verließ den Mund des Igels, wobei nun auch gleichzeitig zum ersten Mal Flammen aus seinem mit blauem Fell bedeckten Rücken stießen. Nun war es richtig aufgeheizt! Ummantelt wurde der Flammenwurf von dutzenden glühend heißen Geschossen, die wie kleine Meteore durch die Luft zischten. Also hatte jetzt auch Glumanda mit seinem Angriff angefangen. Insgesamt war es ein beeindruckendes Bild. Die Energie der Angriffe ließ sich mit mehreren Sinnen deutlich erfassen, denn auch die immense Wärme war für uns spürbar. Die Kombination der Attacken traf das voran stürmende Mauzi direkt, wodurch es zurück geschleudert wurde. Es war ein reiner Volltreffer, der dafür sorgte, dass sich das mit weißem Fell bedeckte Wesen überschlug und über den Boden rollte. Die Katze landete unsanft auf dem Boden und stöhnte auf. Es blieb liegen, und wurde von seinem wütenden Trainer zurück beordert. Dieser hatte gleich erkannt, dass er am Kampfgeschehen nicht mehr teilnehmen würde. Somit waren wir nun eindrucksvoll in das Kräftemessen eingestiegen.


    „Evoli, zurück zu mir!“, befahl Evelyn dann. Kotone und ich blickten augenblicklich zu der Besitzerin der Farm. „Nun, da es nur noch zwei Pokémon sind, die wir besiegen müssen, wollte ich Evoli nicht länger leiden lassen. Es geht ihm so schon schlecht genug und wir beide hätten euch sowieso nicht mehr lange helfen können. Darf ich den Rest euch anvertrauen?“ Ich nickte als Zeichen des Einverständnisses. Genau das hätte ich auch gemacht. Ein Pokémon war nicht nur irgendeine Maschine, sondern irgendwann auch am Ende. Die Pause und eine ordentliche Behandlung brauchte es dringend. „Gut, dann beenden wir die Sache! Glumanda, Schlitzer!“, rief Kotone entschlossen und deutete auf die gegnerischen Pokémon. Die Feuerechse machte sich auf den Weg, um den beiden Mauzi entgegenzutreten. „Feurigel, gib ihm Rückendeckung mit der Rauchwolke!“, gab ich sofort darauf mein Kommando. Je besser wir im Team arbeiteten, desto eher schlugen wir unsere Gegner. Neben meinem Feurigel sollte natürlich auch Kotones Glumanda so wenig Schaden wir möglich davontragen.


    „Mauzi, Finte!“, hörte ich schon den Befehl von einem der verbliebenen Rüpel, der energisch zu uns hinüber deutete. Doch die Attacke war nicht etwa auf Glumanda gerichtet, sondern auf Feurigel! Bevor mein Partner seine Aktion hatte ausführen können, wurde es schon von einer der beiden Katzen getroffen, welche sich blitzschnell über das Feld bewegt hatte. Die Finte war eine der fiesesten Attacken, die ich kannte. Ihr konnte man nicht ausweichen, wenn man erst fest im Visier des Gegners war. Der Anwender bewegte sich blitzartig über das Feld und war nicht mehr deutlich sichtbar. Feurigel raffte sich nach einem Moment unbeholfen wieder auf und ächzte. Doch es schien an sich noch okay zu sein. Währenddessen hatte das andere Mauzi ebenfalls einen Angriff gestartet: Dutzende Goldplättchen flogen wie kleine Geschosse durch die Luft. Es war leicht als der Zahltag zu erkennen, doch der Drache hatte auf die Unterstützung meines Igels gezählt, welche aber nicht kam, und so wurde er ebenfalls verletzt. Die Wucht der Aufschläge ließ ihn taumeln und schlussendlich fallen. Ein Schrei seinerseits machte deutlich, was auf das Pokémon einprasselte.


    „Verdammt, die sind gut“, dachte ich verbissen. Dann mussten wir eben mit einer besseren Taktik daher kommen. Noch einmal würde mich die Finte nicht überraschen. Ich schickte Feurigel mit dem Befehl für eine Rauchwolke los. Der Partner meiner besten Freundin postierte sich als Deckung vor ihm. Sehr gut, so konnten die Mauzi nicht meine Attacke verhindern, da die Echse Angriffe unserer Gegner abwehren konnte. Es war wichtig, dass dieses Vorhaben klappte, denn es würde unseren Feuer-Pokémon enorm weiterhelfen, wenn sie außer Sichtweite waren. Erneut folgte ein Beschuss mit dem Zahltag, hinein in den sich nun bildenden und ausbreitenden Rauch, dieses Mal ausgeführt von beiden Katzen. Ein flächendeckender Angriff war keine schlechte Idee, da man in der schwarzen Masse sowieso niemanden gezielt erkennen und attackieren konnte.


    „Los, Feuerzahn!“, befahl meine braunhaarige Freundin daraufhin. Ich konnte die Bewegungen aller Pokémon nicht mehr sehen, aber trotzdem waren wir nun im Vorteil. Unsere Pokémon hatten auch in diesen Bedingungen beste Sicht, da auch in den Vulkangebieten, aus denen diese Pokémon ursprünglich kamen, genau das herrschen konnte, was Feurigel im Moment erschuf. Vorbei an den Goldplättchen manövrierte sich Kotones Pokémon durch den Nebel. Man hörte einen Schrei aus den Schwaden und es bildete sich ein Loch in der dichten Decke des Rauches. Das Mauzi hatte seinen Schwanz eingesetzt, um die Sicht in der schwarzen Wand wiederzuerlangen. Als die Feuerechse aufgetaucht war, hatte die Katze ihr mit einer Kratzer-Attacke zu schaffen gemacht. Dies ließ sich auch gut an den Furchen in Glumandas Gesicht erkennen.


    „Gib nicht auf, Glumanda!“, rief Kotone und ihr Partner tat wie geheißen. Es ließ die Flammen erneut um seine Zähne züngeln und biss zu. Dieses Mal hatte Mauzi nicht schnell genug reagieren können, sodass es den Treffer einstecken musste. Sofort beschloss ich, ebenfalls die Chance zu nutzen und Feurigel zur Unterstützung zu schicken. Sogleich machte es sich mit einem Sternschauer bemerkbar, der auf die Kontrahenten niederregnete. Gelb leuchtende, sternenförmige Brocken regten hinab auf die Erde. Der Drache ließ von seinem Gegner ab und brachte sich vor der Attacke in Sicherheit, indem er wegrannte. Unerbittlich prasselte die Attacke meines Partners auf das andere Pokémon ein und machte ihm zu schaffen. Doch da tauchte aus den noch immer vorhandenen Rauchschwaden das zweite Mauzi auf und schleuderte Kotones weglaufendes Glumanda mit einem gewaltigen Eisenschweif zurück in die Richtung, aus der das Feuer-Pokémon gekommen war. Glumanda flog schreiend durch die Luft und prallte mit dem ersten Mauzi zusammen, gerade als Feurigels Sternschauer diese Katze getroffen hatte und verebbt war. Kotone schrie beunruhigt auf und griff angespannt meine Hand, die sie dann drückte. Auch wenn es ein wenig schmerzte, so zog ich meine Hand nicht weg. Beide Pokémon lagen regungslos auf dem Boden und atmeten durch, für einen Moment tat sich rein gar nichts. Inzwischen hatte sich der Rauch immer mehr vom Kampffeld verzogen. Doch dann erholte sich das Pokémon der Rockets eher als das von Kotone: Es sprang auf und stellte eindrucksvoll seine Krallen zur Schau. Es grinste hämisch und näherte sich dem erschöpften und somit wehrlosen Glumanda. Kotone neben mir schrie aufgeregt und bat ihr Pokémon, wieder aufzustehen, doch das tat es nicht. Stattdessen landete Mauzi mit seinen Krallen einen direkten Treffer und versetzte so seinem Gegner den entscheidenden Schlag. Glumanda, welches sich zuvor schon kaum geregt hatte, lag nun völlig ausgeknockt auf dem Boden. Meine Freundin seufzte ernüchtert und rief die Echse zurück in ihren Ball. Somit trat mein Feurigel allein gegen zwei Mauzi an. Die Katzen positionierten sich angriffsbereit und zeigte eindrucksvoll ihre langen Krallen. Wir brauchten eine flächendeckende Attacke, wenn wir sie fernhalten wollten.


    „Sternschauer, los!“ Feurigel tat wie geheißen und setzte die Attacke ein. Doch der Konter seiner Kontrahenten folgte sofort: Während das eine Mauzi den Zahltag einsetzte, um damit die sternförmigen Brocken zu zerstören und somit den Angriff meines Partners auszulöschen, machte sich das zweite auf und näherte sich uns. Feurigel wollte seinen Angriff noch in eine andere Richtung lenken, doch das klappte nicht, da weiterhin der Zahltag kam. Wäre der Sternschauer in eine andere Richtung abgelenkt worden, wären die Goldplättchen hemmungslos auf den beigefarbenen Igel eingeprasselt. Somit wurde es von Mauzis silbern glänzendem Eisenschweif getroffen und landete nach kurzem Flug direkt vor meinen Füßen unsanft auf dem Boden. Angespannt biss ich mir auf die Lippe. Wenn wir es nicht schaffen konnten, hätte Team Rocket gewonnen und würde die Evoli mitnehmen! Doch leider sah es überhaupt nicht gut für uns aus, denn als Feurigel am Boden lag wurde es sofort von zwei Zahltag-Attacken der beiden Gegner getroffen. Schnell war es sehr mitgenommen und konnte sich nur mit Mühe und Not wieder aufrappeln.


    Da leuchtete sein Körper plötzlich weiß auf und veränderte sich immer mehr. Vor Überraschung hielten auch die Katzen inne, und ich selbst merkte nur schwach, wie sich meine Mundwinkel nach oben zogen. War das etwa eine Weiterentwicklung, die da von statten ging? Auch Kotone neben mir schaute verwundert, doch grinste dann begeistert, als Feurigel wieder aufhörte, zu leuchten. Nur, dass es jetzt kein Feurigel mehr war, sondern ein Igelavar! Es besaß nun eine stürmische Flammenmähne auf seinem Kopf und Feuer züngelte um seine Beine. Die Löcher auf seinem Rücken waren verschwunden, sein Körper aerodynamischer, länger, schlanker, schneller. Ich kam nicht umhin, zu lachen. Nach all dem Training war es endlich soweit gewesen! Selbst die Mauzi schauten beeindruckt. Da ich mich mit Pokémon ausführlich befasst hatte, wusste ich auch um eine neue Attacke.


    Und mir war auch im Gedächtnis geblieben, wie sehr genau das uns jetzt helfen konnte: „Igelavar, Flammenrad!“ Sofort machte sich mein Pokémon bereit, rollte sich zusammen und ließ Flammen an seinem ganzen Körper auflodern. Als zischender Feuerball rollte es schnell auf seine Gegner zu, die dem ersten Versuch knapp mit Hechtsprüngen nach links, beziehungsweise nach rechts, ausweichen konnten. Doch mein Partner rollte sofort zurück und traf schlussendlich sein Ziel. Zufrieden jubelte ich auf. So konnte es weitergehen!


    (Clarice)
    Ich hörte Kisho lachen, während Silver, Josh und ich uns gemeinsam um die Evoli kümmerten. Der Sohn der Farmbesitzerin war dankbar für unsere Hilfe gewesen. Doch wunderte ich mich nun, wieso Kisho gelacht hatte. War der Kampf entschieden? Interessiert sprang ich auf und beschloss, nach draußen zu schauen. Silver blickte mir zusammen mit Josh verwundert hinterher. Da sprang der Rothaarige auf, um mir zu folgen. Auf dem Hof sah ich Kotone zusammen mit Evelyn etwas abseits stehen, während Kisho sein Igelavar lobte. Anscheinend hatte sich sein Feurigel weiterentwickelt! Das freute mich zwar für ihn, doch allein konnte er gegen zwei Gegner nicht bestehen. Jemand musste ihm helfen! Meine Hand wanderte zu meinen Pokébällen und ich stürmte hinaus auf den Hof.


    „Clarice, nicht!“, schrie Silver und wollte meine Hand greifen, doch bekam er mich nicht zu fassen. Diesen Kampf zu gewinnen ging im Moment vor, schließlich war damit das Wohl der Evoli verbunden! Kisho blickte mich umso erstaunter an, als ich plötzlich aus dem Holzbau gerannt kam und mich neben ihn stellte. Mein rothaariger Freund fluchte, verfolgte mich aber aufgrund seiner Bekanntheit unter den Rockets nicht nach draußen.


    „Was machst du hier?“, fragte mich der Blondhaarige verwundert, nachdem ich bei ihm angekommen war. „Ganz einfach, ich helfe dir. Allein hast du gegen die schlechte Karten.“ Daraufhin schauten Kotone und der Junge zwar nicht schlecht, hielten mich aber nicht von meinem Vorhaben ab. „Gut, wir können jede Hilfe gebrauchen“, lächelte der Blondhaarige. „Hey, was machst du denn hier? Solltest du nicht eher uns helfen?“, tönte es da von der anderen Seite des Kampffeldes herüber. Die Rockets blickten wütend drein und verschränkten die Arme. Anscheinend hatten mich die Rüpel erkannt! Mist. Erst jetzt bemerkte ich, dass sie beim Einsatz im Dorf mit in Kaitos Team gewesen waren. Daher wussten sie also, wer ich war! Aber gut, das Risiko war ich auf eigene Gefahr eingegangen. Entschlossen zückte ich einen Pokéball. „Vergesst es! Nun seid ihr dran! Endivie - “ Eigentlich hatte ich jetzt mein geliebtes Pflanzen-Pokémon in den Kampf schicken wollen, doch da postierte sich plötzlich ein ganz anderer Kampfpartner vor mir. Er, oder besser sie, war garantiert nicht von mir aus einem Pokéball gerufen worden. Das junge Evoli schrie kraftstrotzend und wollte partout nicht aus dem Weg gehen. Mitten in meiner ausladenden Armbewegung hielt ich verwundert inne und ließ meine Hand wieder sinken.


    „Sam?“