Pomaika'i ma ahi

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  • Wenn Götter über dein Leben bestimmen, fragen sie meistens nicht nach deiner Meinung. Diese Lektion hat Feila auf die harte Tour gelernt. Als auserwähltes Kind der Pele ist sie, aus Gründen, die sie selbst nicht versteht, auf eine Reise geschickt worden. Nun sitzt sie auf einem kleinen Boot, das auf der Suche nach einem Ungeheuer über den Pazifik segelt, und fragt sich, ob sie je wieder nach Hause zurückkehren kann. Die Tatsache, dass zwei ihrer Reisegefährten sich auf den Tod zu verabscheuen scheinen, macht ihre Mission dabei nicht leichter.

    Ich hatte im Topic von A Hare Among Wolves bereits angekündigt, dass ich eine weitere Geschichte hier vorstellen will, die sogar im selben Universum, allerdings absolut nichts mit Kyra und Co. zu tun hat.


    Diese Geschichte habe ich ursprünglich im Rahmen einer Wichtelaktion auf Animexx geschrieben für jemanden, der sich einmal eine etwas andere Urban Fantasy Geschichte gewünscht hat. Ich hatte eine Idee (nicht zuletzt da ich noch von Moana gehypt war) und habe gefragt, ob auch generelles Contemporary Fantasy in Ordnung sei. War es. Und so... Ist diese Geschichte entstanden.


    Der erste Teil der Idee war, eine Fantasy-Abenteuer-Geschichte zu schreiben, die zur heutigen Zeit spielt, deutlich moderne Elemente beinhaltet, aber dennoch übliche Abenteuerelemente beinhaltet. Der zweite Teil war, die Geschichte in einer Gegend und damit auch in einer Mythologie anzusiedeln, über die recht wenig Geschichten existieren: Polynesien. Sprich: Auf den pazifischen Inseln.


    Ich kann euch gar nicht sagen, wie viel Spaß die Kultur (oder das, was wir davon wissen) macht. So viele interessante Sagen, Rituale und Kreaturen. *-* Und so viele spaßige Götter, die viel häufiger einmal in Geschichten auftreten sollten. Hach ja.


    Was soll ich sonst noch sagen?


    Die Geschichte wird gesamt 10 Kapitel haben und geupdatet wird der Thread immer samstags im Verlauf des Tages. (Wobei es sein kann, dass im August ein Samstag ausfällt, weil ich nicht sicher bin, ob ich dann Zeit und Internet habe.)


    Das Threaddesign – von Cover und Footerbildern abgesehen – übrigens an polynesische Tattoodesigns, wie ihr sie vielleicht von so Leuten, wie „The Rock“ kennen könntet. :P


    Ich wünsche jedem potentiellen Leser, der hierher gefunden hat, viel Spaß!


    Kommen wir zum Genre und der Altersempfehlung und fangen vielleicht mit der wichtigsten Information an:


    Diese Geschichte ist – für mich untypisch ;) – doch recht stark im Bereich des (wie soll ich es nennen?) Young Adult Genre angesiedelt. Das heißt nicht nur, dass die Protagonistin ein Teenager ist, sondern das auch andere übliche Young Adult Themen eine größere Rolle im Verlauf der Geschichte spielen werden.


    Entsprechend ist die Geschichte auch was das Thema „jugendfrei“ angeht im selben Bereich anzuordnen, wie andere Young Adult Geschichten. Sprich: FSK 12. Jedenfalls würde man es wohl so sagen, wenn es ein Film wäre. Prinzipiell würde ich sagen, da weder Sexualität eine Rolle spielt, noch zu viel Gewalt vorkommen wird, dass man die Geschichte durchaus ab 10 Jahren lesen kann.


    Die Genre habe ich praktisch ja schon im Vorwort aufgezählt:


    Als allererstes haben wir Contemporary Fantasy – durchaus ein wenig im Stil der Rick Riordan Bücher, behaupte ich mal, davon abgesehen, dass Feila keine gleichaltrigen Begleiter hat. (Es gibt sogar ein paar Anspielungen auf griechische Mythen, obwohl die Geschichte in der polynesischen Mythologie zuhause ist. Wer die Anspielungen findet, kriegt zehn Gummipunkte. :P)


    Dann haben wir natürlich das Genre Abenteuer und zwar im klassischsten Sinne.


    Außerdem wird die Geschichte diverse Action-Sequenzen beinhalten, weshalb man dieses Genre zumindest erwähnen sollte, und natürlich werden auch einige Szenen und Thematiken, die wohl im Genre Drama am besten aufgehoben wären, vorkommen.


    Ich denke, das wäre das wichtigste.


    Feila (18). Stolze Hawaiianerin und Abkömmling einer traditionell magischen Familie. Doch während ihre Familienmitglieder Heiler, Seher oder Schamanen sind, wurde sie von der Göttin Pele auserwählt. Warum weiß sie nicht, doch hätte sie eine Karriere als Heiler bevorzugt.


    Antonio (32). Ein Schamane aus Peru. Er scheint einer der Monsterjäger zu sein, die ihre Profession erfüllen, um Menschen zu schützen, auch wenn er damit wohl eher eine Ausnahme ist. Er wurde auserwählt, Feilas vorläufiger Mentor zu sein.


    Hine (27). Eine Magierin und Gestaltwandlerin von Rapa Nui. Sie ist hübsch, mächtig, aber auch sehr stolz. Ihr Begleiter ist ihr Familiar – ein australischer Rabe namens Tui.


    Lucas (28). Ein physischer Magier aus Australien. Sein Motto scheint auf „Erst schießen, dann Fragen“ hinaus zu laufen. Er ist ein ziemlicher Dickkopf.


    Rangi (20). Feilas Bruder und bester Freund, der bei ihrer Familie auf Maui lebt. Er ist ein einfacher Heiler und Bootsbauer und – wenngleich nur über das Handy erreichbar – Feilas moralische Stütze.






  • Rangi (14:31)
    Wo seid ihr denn gerade?



    Ich (14:32)
    Irgendwo nordöstlich der Cook-Inseln


    Rangi (14:32)
    Noch immer keine Spur?



    Ich (14:32)

    Nein. Nichts.


    Sie streiten wieder


    Rangi (14:33)
    Du meinst die Krähenfrau und der Typ?



    Ich (14:34):
    Ja. Ich schaue nach, was ist.


    Bis später.



    Missmutig ließ Feila ihr Handy sinken und sah nach oben.
    Sie saß in ihrer Kajüte auf dem kleinen Motorsegler Odysse, auf dem sie bereits seit sechs Tagen unterwegs waren. Der Raum war klein – gerade groß genug, um Platz für die zwei Schlafkojen und einen Miniatur-Schreibtisch zu bieten. Nun, und dafür sich davor gerade so einmal um sich selbst drehen zu können.
    Die Wände waren Holzvertäfelt, das Licht von der alten Lampe wirkte gedämpft.
    Feila hatte zusammengekauert in der unteren, ihrer Koje gehockt, froh, dass sie dank dem Satellitenempfang des Bootes hier überhaupt noch ihr Handy nutzen konnte. Nun aber seufzte sie, schwang ihre Beine aus der Koje heraus und ging zur Tür des kleinen Raums.
    Mit einem kräftigen Ruck öffnete sie die Tür und trat auf den schmalen Flur hinaus, der ebenso wie die Kajüte holzvertäfelt war und nach vorne zur Kombüse, heckwärts jedoch zu einer kleinen Treppe führte.
    Sie hörte die streitenden Stimmen jetzt deutlicher. Sie waren definitiv auf dem Deck.
    „Es ist ja nicht so als hätten deine Methoden irgendwelche Ergebnisse gebracht, oder?“, zischte eine aufgebrachte Frauenstimme. Die Stimme war relativ tief und gehörte zu Hine, der Gestaltwandlerin und Magierin.
    Die Stimme, die ihr antwortete, gehörte einem jungen Mann. Lucas. „Und von allem was wir wissen, hat dein blöder Rabe nur eine Futterquelle gefunden.“
    „Tui ist kein einfacher Rabe und du weißt das!“
    „Alles was ich sage ist, dass wir uns weiter nordöstlich halten sollten“, erwiderte Lucas.
    Feila trat auf das das Deck, wenig überrascht Hine an der Reling lehnend zu finden, während Lucas vor ihr auf den nicht ganz zweieinhalb Metern, die er dafür hatte, auf und ab lief.
    „Und ich sage dir, die Spur des Nifoloa führt stärker östlich.“ Sie zog ihre Nase an, wie sie es immer tat, wenn sie wütend war. „Tui hat deutliche Spuren auf dem Archipel von französisch Polynesien gefunden!“
    „Meine Sinne sagen mir, dass wir uns knapp zehn Grad weiter nördlich halten sollten“, meinte Lucas nur. „Und soweit …“
    „Soweit haben uns deine Sinne immer in die Irre geführt“, grummelte Hine. „Sehen wir es doch, wie es ist: Du bist auf See absolut nutzlos. Vielleicht bist du am Land ein guter Spurenleser, aber auf See …“
    „Ja, und dein Rabe dagegen ist der perfekte Wegführer.“ Er funkelte sie an.
    „Er hat die Strecke bereits abgeflogen“, erwiderte Hine. „Er und ich orientieren uns nicht an irgendeinem vermeintlich magischen Bauchgefühl, sondern wissen, was wir gesehen haben! Also halt dein arrogantes Maul und misch dich nicht ein.“ Sie funkelte ihn an. „Du hast null Ahnung von Navigation, also halt einfach die Klappe, bis wir an Land sind und du die eine Sache machen kannst, für die du gut bist: Auf irgendwas raufballern.“
    Vielleicht war sie zu weit gegangen. Vielleicht hatte Lucas aber nur auf ein Stichwort gewartet. Er zog den Revolver aus dem Holster an seinem Gürtel und richtete es auf sie.
    Unwillkürlich sprang Feile nach vorne. „Hört verdammt noch einmal auf, ihr Idioten!“, rief sie verzweifelt und stellte sich zwischen sie.
    Lucas musterte sie.
    Er war ein sehniger, aber nicht besonders großer Australier mit kurzem, dunklen Haar und einem nicht unbedingt gepflegten Drei-Tage-Bart. Wie jeden Tag trug er ein abgenutztes, karriertes Hemd und Jeans, an deren Gürtel zwei Waffenholster angebracht waren. Der Typ liebte seine Waffen.
    „Schau an“, knurrte er. „Unsere Schülerin ist wieder da.“ Zumindest ließ er die Waffe sinken, während er sie angrinste.
    Feila funkelte ihn an. „Hört mit den verfluchten Streitereien auf.“
    Er verdrehte die Augen. „Aww. Du bist so süß, wenn du wütend bist.“
    „Lass sie“, erwiderte Hine und legte eine Hand auf Feilas Schulter. „Hey. Alles in Ordnung, Kleine. Der Idiot traut sich gar nicht, mich zu erschießen.“
    Wütend presste Feila die Zähne zusammen. „Ich bin nicht klein.“ Okay, die Antwort wirkte albern.
    Dies war natürlich nicht vollkommen korrekt, denn gegenüber Hine wirkte sie winzig. Sicher, generell war sie nicht die Größte – selbst in ihrer Familie – hatte ihr Wachstum doch ziemlich genau bei fünf Fuß und zwei Zoll geendet. Derweil war Hine für eine Frau groß gewachsen. Sie war mehr als einen halben Kopf größer als Feila und ungewöhnlich schlank für jemand pazifischer Abstammung.
    Doch Feila wusste wenig über sie, außer dass sie von Rapa Nui1 kam, aber seit langer Zeit schon auf Neuseeland lebte. Insofern konnte sie nicht sagen, wer alles Teil ihrer Ahnenlinie war.
    „Ach, es ist doch nichts dabei“, meinte Hine nur mit einem zuckrigen Lächeln, das fraglos Feila etwas verspottete.
    Schon machte sie sich bereit etwas zu erwidern, als eine weitere Stimme erklang: „Das reicht für heute.“ Schritte erklangen auf dem Deck. „Alle zusammen.“
    Antonio war ein hagerer Mann mit dunkler, faltiger Haut. Obwohl er noch nicht einmal vierzig Jahre alt war, zeigten sich bereits graue Strähnen in seinem ansonsten dunklen, kurzgeschorenen Haar. Seine hellgrauen Augen waren streng, als er die kleine Gruppe am Deck des Boots musterte.
    Sie bewegten sich noch immer, doch wahrscheinlich fuhr das Boot auf Autopilot – immerhin gab es auf dem weiten pazifischem Ozean in dieser Gegend wenig, auf das man achten musste. Sie waren zu weit von irgendwelchen Inseln entfernt, um Gefahr zu laufen, in ein Riff zu fahren, und solange kein Sturm aufzog, gäbe es kaum eine Gefahr.
    „Was ist jetzt schon wieder?“, fragte er und sah von Hine zu Lucas.
    Hine erwiderte seinen Blick kühl, die Arme verschränkt und die Lippen geschürzt.
    Derweil umspielte ein vielsagendes Lächeln Lucas' Lippen. „Wir haben nur über den Kurs geredet“, meinte er leichther. „Nur eine kleine Unstimmigkeit unter …“ Er machte eine Pause. „Teammitgliedern.“
    Hine ließ einen leisen, verächtlichen Laut hören, wandte den Blick jedoch ab.
    Aus irgendeinem Grund gab sie sich Antonio gegenüber kühl, stritt aber auch nicht in seiner Anwesenheit. Feila verstand es nicht.
    „Wieso seid ihr nicht zu mir gekommen?“, fragte Antonio nur.
    „Wir wollten dich nicht damit belästigen“, erwiderte Lucas mit einem Schulterzucken. „Es ist ja nur eine Kleinigkeit.“
    „Aha.“ Antonio sah zu Hine, die seinem Blick jedoch demonstrativ auswich, ehe er Feila anblickte. „Was hast du mitbekommen?“
    Unruhig trat Feila von einem Bein aufs andere. Antonio war ihr Lehrmeister – zumindest für den Moment – und er hatte eine deutliche pazifistische Einstellung. Mehr als einmal hatte er ihr klar gemacht, dass er es nicht gut hieß, wenn sie sich in die Streitereien der anderen beiden einmischte; immerhin sei es schon schlimm genug, dass die beiden das Streiten nicht lassen konnten.
    „Lucas hat die aktuelle Position des Nifoloa auf weiter nördlich bestimmt, als Hine“, erklärte sie. „Hine sagt, Tui hat ihn in der Nähe von der Insel Ua Huka bestimmt. Lucas sagt, er spürt ihn in nordnordöstlicher Richtung.“
    „Brave kleine Schülerin“, murmelte Lucas schnippisch und erntete einen tadelnden Blick von Antonio.
    „Ist das so?“, fragte dieser nur.
    Kurz schwiegen die beiden Streithähne, ehe von beiden ein einstimmiges und missmutiges „Ja“ zu hören war.
    Für einen Moment sah Antonio auf das Meer hinaus, dann aber schien er zu einem Beschluss zu kommen. „Feila“, sagte er und sah zu ihr, „ich möchte, dass du das Steuer für ein, zwei Stunden übernimmst. Ich werde mich mit den Geistern beraten.“
    Feila unterdrückte ein Seufzen und nickte. „Sehr wohl.“
    Dann wandte sich Antonio den anderen beiden zu: „Ihr lasst sie in Ruhe. Zieht euch zurück. Lucas, du könntest das Abendessen vorbereiten.“
    „Aye, aye, Captain“, erwiderte der Australier spöttisch und salutierte, während er deutlich hörbar den Kommentar „Jetzt bin ich also Smutje“ hören ließ.
    Feila warf ihm einen Seitenblick zu und ging dann an Antonio vorbei zur Holztreppe, die auf die Brücke des Bootes führte. Kurz wartete sie, ob Antonio noch weitere Anweisungen für sie hatte, doch als er nichts sagte, ging sie an ihm vorbei und die Treppe hinauf, ohne die anderen beiden eines weiteren Blickes zu würdigen.
    Nachdem sie die Tür zur Brücke geschlossen hatte, ließ sie sich auf den Stuhl – ein halb durchgerostetes, klappbares Modell, wie es normaler Weise von Anglern genutzt wurde – rechts vom Steuer sinken und ließ nun endlich das genervte Stöhnen hören, dass ihr schon die ganze Zeit in der Kehle steckte, hören.
    Sie wollte zurück nach Hause! Sie wollte zurück nach Wailuku2, zu ihrem Bruder, zu ihren Eltern und – wenn schon – zu Meister Loto.
    Sicher brachte Selbstmitleid sie nicht weiter, aber verdammt noch mal, sie war die ganze Sache leid. Seit einem Jahr war sie schon nicht mehr daheim gewesen. Seit einem Jahr folgte sie Antonio, nachdem Loto angeblich eine Nachricht der Götter erhalten hatte, dass sie reisen sollte. Was interessierte sie denn die Meinung der Götter?
    Nun, um genau zu sein war es eine Göttin gewesen. Die Göttin, die für all ihre Probleme verantwortlich war. Wer auch sonst?
    Tja, aber wie das Leben so spielte: Nachdem sie mit Antonio, der ursprünglich aus Peru stammte, erst in den Anden nach einem Alma3 gesucht hatte und dann mit ihm irgendwo im Gambia einen seltsamen Eulengeist gejagt hatte, war sie hier. Auf dem Meer.
    Fraglos, sie fühlte sich ihrer Heimat hier näher, als im Gambia, aber zumindest waren bei diesen anderen Monsterjagden die Reisebegleiter netter gewesen.
    In den Anden hatten sie José, ein Cousin Antonios, der wie er eine schamanische Veranlagung hatte, sowie Vanessa, eine amerikanische Jägerin und deren Mann Frank – ein Wertiger – sie begleitet. Vanessa war nett gewesen, ein wenig mütterlich. Sie hatte Feila geholfen, über ihr Heimweh hinweg zu kommen. José, der nicht viel älter als Feila war, war derweil ein lustiger Typ gewesen. Sie war gut mit ihm klar gekommen. Frank war eher ruhig, aber zumindest kein eingebildetes Arsch wie Lucas gewesen.
    Im Gambia war es schon weit weniger angenehm gewesen. Vorrangig, weil irgendwelche Monster nicht das einzige waren, wovor sie sich in Acht nehmen mussten. Aber auch hier war ihre Begleitung weit angenehmer gewesen.
    Aber jetzt saß sie auf diesem Boot fest. Auf der Suche nach irgendeinem Monster, das offenbar wie eine überdimensionierte Gottesanbeterin aussah.
    Warum hatte Meister Loto sie ausgerechnet zu Antonio schicken müssen? Warum ausgerechnet zu jemanden, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, jene Kreaturen, die aus der Anderswelt in die physische Welt kamen und zu einer Bedrohung für „die einfachen Menschen“ wurden, zu jagen, zu versiegeln und in die Anderswelt zurück zu schicken?
    Warum hatte Loto sie nicht einfach ein schottisches Magierinternat schicken können? Gut, für ein etwaiges „Hogwarts“ war sie eventuell zu alt – aber gab es nicht irgendwelche magischen Universitäten oder so etwas?
    Besser als Monsterjagd wäre es auf jeden Fall gewesen.


    Rangi (16:07)
    Was war denn jetzt?



    Ich (16:08)
    Die beiden konnten sich nicht einigen


    wo das blöde Monster jetzt ist.


    Rangi (16:08)
    Und jetzt?



    Ich (16:09)
    Antonio fragt Geister oder so.


    Rangi (16:11)
    Vielleicht antworten sie ja.



    Ich (16:11)
    Vielleicht …


    Ich (16:12)
    Ich hocke auf der Brücke.


    Mir ist langweilig.


    Rangi (16:12)
    Soll ich dir Katzenvideos schicken, Sis?



    Ich (16:12)
    Haha.


    Ich will nach Hause.


    Rangi (16:13)
    Wenn ihr dieses Monster gefangen habt …



    Ich (16:14)
    Wenn Pele4 denn der Meinung ist …


    Rangi (16:14)
    Kopf hoch!



    Das Wetter verschlechterte sich, wenngleich nicht dramatisch. Es zogen Wolken auf und ein leichter Regen begann nach einer Weile gegen die Fenster der Brücke zu prasseln.
    Feile seufzte, den Kopf auf den Radarbildschirm neben dem Steuer aufgestützt. Vielleicht sollte sie das Steuer nehmen. Aber es stürmte nicht wirklich, selbst wenn sie etwas Wellengang hatten. Aber nichts, was bedenklich war.
    Ihr Magen knurrte.
    Sie hatte am Mittag zu wenig gegessen.
    Missmutig starrte sie auf das Meer hinaus. Sie mochte das Meer, doch nach drei Tagen auf hoher See, würde sie sich freuen, wenn sie das nächste Mal Land sah.
    Die Tür öffnete sich hinter ihr, doch sie erkannte schon an dem entschlossenen Schritt erkennen, dass es Antonio war.
    „Wie sieht die Lage aus?“, fragte er.
    Sie zuckte mit den Schultern. „Bewölkt.“ Sie wandte ihren Blick wieder dem Meer zu.
    „Du weißt, dass ich das nicht meine“, erwiderte er und sie konnte ein leichtes Lächeln aus seiner Stimme hören.
    Ein weiteres Schulterzucken. Was sollte sie ihm auch sagen? Er war ja kein schlechter Kerl – aber halt ein verrückter Monsterjäger. Sie hätte sich eher einen Meister wie Loto gewünscht, wenn sie schon Loto nicht selbst haben konnte. Einen erfahrenen, ruhigen Magier, der seine Magie nur unterschwellig nutzte, um Menschen zu helfen – und vor allem nicht offensiv.
    „Lass den Kopf nicht hängen, Fetuilelagi“, meinte er und erntete dafür einen wütenden Blick von ihr.
    Sie mochte ihren vollen Namen nicht und sei es nur, weil er viel zu lang war. „Feila!“
    Er lächelte. Offenbar hatte er nur eine Reaktion provozieren wollen. Sanft legte er ihr eine Hand auf die Schulter. „Ich weiß, dass die beiden anstrengend sind, aber zeige ihnen ein wenig Geduld.“
    Feila sah ihn an. „Lucas hat Hine mit seiner Waffe bedroht.“
    Der Schamane zuckte mit den Schultern. „Es ist nicht das erste Mal und es wird auch nicht das letzte sein.“
    Zugegebener Maßen wusste Feila nicht, ob sie dies überraschen sollte oder nicht. Sie zog einen Schmollmund und zögerte für einen Moment. „Woher kennst du die beiden?“, fragte sie dann, denn in den letzten Tagen hatte sie das deutliche Gefühl bekommen, dass er beide schon seit längerem kannte.
    Antonio musterte sie und lehnte sich dann seinerseits an die Wand der Brücke. „Hine hat sich in jungen Jahren – sie war noch jünger als du es jetzt bist – sich darauf spezialisiert Kreaturen über lange Strecken, vor allem auch in unwegsamen Gelände zu jagen. Lucas ist nicht viel anders. Ich habe die beiden vor einigen Jahren einmal begleitet ...“ Seine Stimme schweifte ab, als würde er einer Erinnerung nachhängen. „Aber sie sind fähig und vor allem Hine kennt sich hier aus“, sagte er schließlich.
    Feila musterte ihn und war, für einen Moment, versucht, nachzuhaken, doch sie tat es nicht. Stattdessen fragte sie: „Und Lucas?“
    „Guter Spurenleser“, antwortete Antonio nur mit einen Schulterzucken. „Guter Kämpfer. Er stand gerade zur Verfügung.“
    Feila runzelte die Stirn. „Und du willst mir erzählen, die beiden haben schon mal zusammen gejagt?“
    „Nun …“ Antonio zeigte ein leicht amüsiertes Lächeln. „Mehrfach. Sie ergänzen sich gut. Sie sind nur Dickköpfe. Alle beide. Und haben …“ Er schien nach einem passenden Wort zu suchen, das es ordentlich beschrieb. „Sie haben beide explosive Persönlichkeiten.“
    Feila nickte, doch insgeheim kam sie nicht umher sich zu fragen, ob das wirklich alles war. Wilde Vorstellungen entsprangen ihrem Hirn. Hatten die beiden vielleicht einmal etwas gehabt? Hatte einer von beiden dem anderen einen Liebhaber weggeschnappt? Ach, wahrscheinlich hatte sie in ihrem Leben nur zu viele Seifenopern gesehen. Bei den beiden war es doch eher wahrscheinlich, dass einer dem anderen irgendein Monster weggeschnappt hatte. Den „Preis“ sozusagen.
    Sie musterte ihren vorläufigen Meister. Es gab noch eine Sache, die sie ihn fragen wollte. Eine Sache, die sie ihn schon mehrfach gefragt, auf die sie jedoch nie eine Antwort erhalten hatte: Die meisten „Jäger“, wie sie sich nannten, hatten sich auf ein Gebiet spezialisiert. Auf eine bestimmte Bergregion, auf eine bestimmte Wüste oder, wie Hine offenbar, auf die pazifischen Inseln. Sie wusste auch, dass es ein paar Jäger gab, die die Welt bereisten, auf der Suche nach Ruhm. Doch beides schien nicht auf Antonio zuzutreffen. Also warum war er nicht in seiner Heimat geblieben?
    Bisher hatte er ihr nie geantwortet.
    Gerade setzte sie zu der Frage an, als die Tür aufgerissen wurde. Lucas stand mit triumphierendem Gesichtsausdruck in der Tür, seine Kette in der Hand. Der Stein leuchtete und schlug immer wieder in eine Richtung aus.
    Er grinste. „Ich hab's!“



  • Ich sehe gerade als ich meinen Stuff aktualisiert habe dass du auch wieder was neues hast.
    Wolltest du nicht auch was zu der Mythologie raus bringen? Das wird es dann wohl sein.
    Auch wenn ich ehrlich gesagt wenig zu diese ganzen Inselmythen weiß, interessiert es mich doch mal eine Story über diesen Kulturkreis und Götterwelt zu sehen.


    Der Anfang war etwas schwierig, weil alle drei angefangen haben zu reden, aber im 2. Viertel ging es dann besser mit dem Auseinanderhalten. Das ist eigentlich jedes Mal aufs neue schwierig.
    Mir gefallen diese kurzen Funksprüche, sie haben was Logbuchartiges. Jo, passt ganz gut rein.
    Bisher gabs noch nicht viel zu sagen, aber mal sehen.

    (Es gibt sogar ein paar Anspielungen auf griechische Mythen, obwohl die Geschichte in der polynesischen Mythologie zuhause ist. Wer die Anspielungen findet, kriegt zehn Gummipunkte

    Ich nehme dich beim Wort.
    Manche Mythen sind sich aber ähnlich, deshalb kanns knifflig werden.

    ist ihr Familiar – ein australischer Rabe namens Tui.

    Ich weiß, dass das Wort nicht ganz so einfach zu übersetzen ist. Falls du nach einer besseren Übersetzung suchst, würde dir "Vertrauter" passen? Ich weiß was der Begriff meint und deshalb störe mich nicht daran das er englisch ist, ich denke mir nur vielleicht hast du nichts passendes gefunden und es deshalb nicht übersetzt gelassen.

    außer dass sie von Rapa Nui1 kam

    Ich weiß nicht, vielleicht sähe es besser mit einem Leerzeichen aus? Oder Bindestrich? Oder ausgeschrieben + Bindestrich? So siehts etwas gequetscht aus. Oder muss das so geschrieben werden?
    Bin ja kein Professor...

    Ach, wahrscheinlich hatte sie in ihrem Leben nur zu viele Seifenopern gesehen.

    Das könnte nochmal aufgegriffen werden, ich bin gespannt.

  • Wieder einmal vielen Dank für deinen Kommentar, @Sunaki.





    Ich (21:23)
    Wir gehen gleich an Land


    Rangi (21:25)
    Was? Für die Nacht?

    Ich (21:25)
    Angeblich haben wir das Monster geortet … ~.~

    Rangi (21:26)
     …


    Alles in Ordnung?

    Ich (21:27)
    Wird schon.


    Wünsch mir Glück


    Es regnete noch immer, als sie am Strand der kleinen Insel vor Anker gingen. Offenbar hatte Hine richtig gelegen – es war Ua Huka.
    Sie hatten die Insel von der mehr oder minder unbewohnten Nordseite angefahren, da nicht nur Tui hier angeblich den Nifoloa gesehen hatte, sondern auch die Geister Antonio von einer giftigen Aura, die zweifelsohne zur Kreatur gehörte, erzählt hatten.
    Es war dunkel, als sie an Land gingen und obwohl sie seit dem Nachmittag 120 Meilen zurückgelegt hatten, war ihnen der Regen offenbar gefolgt. Es regnete nicht in Strömen, doch ging ein stetiger, warmer Nieselregen unabhängig auf sie herab und blieb an ihrer Haut hängen.
    Es fühlte sich widerlich an.
    Wieder hielt Lucas seine Kette mit dem rauem Kristall vor sich, der nun rötlich zu glühen schien und die Kette immer mehr in eine Richtung zog.
    Vor ihnen lag ein rauer Steinstrand, der relativ bald in größere Felsen überging, die in der Dunkelheit komplett schwarz wirkten.
    „Feila“, hörte sie die Stimme Antonios neben sich und wusste, was er wollte.
    Sie hob die Hand und Flammen begannen diese zu umspielen, beinahe wie den Docht einer Kerze, jedoch ohne ihr zu schaden. Das war ihre Gabe – die Gabe, die sie vor zwölfzehn Jahren von Pele erhalten hatte.
    Die Flamme war nicht sonderlich hell und wurde vom fallenden Regen zusätzlich gedämpft, aber sie reichte, um vor Hindernissen gewarnt zu sein und zog, anders als ihre Taschenlampen, weniger Aufmerksamkeit auf sich.
    Der Nifoloa reagierte, wie so viele Insekten, auf Licht, und wurde, wenn man den Legenden glaubte, von diesem angezogen. Da sie das Ungeheuer überraschen wollten, wäre es nicht zuträglich, ein Leuchtsignal bei sich zu tragen. Und so blieben ihre Taschenlampen aus.
    Im Licht des Feuers schienen die vom Regen nassen Felsen zu funkeln, als sie einen Teil des Lichtes reflektierten. Das Licht offenbarte aber auch einen Weg, der zwischen den Felsen hinauf in den Dschungel, der diese Seite der Insel beinahe komplett bedeckte, führte.
    Nun, „Weg“ war vielleicht nicht das richtige Wort, doch es gab zumindest einen Durchgang zwischen den Felsen, der es ihnen erlauben über Steine und Geröll bergauf das Inland der Insel zu erreichen.
    Feila fühlte sich nicht besonders gut ausgerüstet. Sie hatte ihr dunkles Haare zu einem Knoten gebunden, damit es ihr nicht in den Weg kam und trug eine Jeansjacke über ihrem Top. Sie wusste, dass die meiste mundane Kleidung gegen die Kreaturen der Anderswelt ohnehin wenig half, doch reichte die Aussicht, noch einmal auf die riesige Mantis, die sie schon vor acht Tagen auf einer der Samoa-Inseln gesehen hatten, zu treffen, als dass sie sich etwas stärkeres, schweres gewünscht hätte.
    Außerdem hatte sie einen langen Dolch bei sich, den Antonio ihr in Peru geschenkt hatte. Ein spanischer Parierdolch, hatte er gesagt. Allerdings war sie sich recht sicher, dass der Stachel des Biestes länger war, als diese Waffe. Mit ihrem Taschenmesser brauchte sie es gar nicht probieren.
    Antonio hatte seinen Stab, in dessen Ende eine gläserne Kugel eingelassen war, bei sich. Die Kugel schien mit einem milchigen Nebel gefüllt, der sich permanent in Bewegung befand. Geister, wie sie wusste.
    Im Gegensatz zu ihr trug Hine nicht einmal eine Jacke, sondern nur ein Top. Tui, die große Maorikrähe saß auf ihrer linken Schulter und sah sich aufmerksam um. Auch trug sie ein gekrümmtes Schwert an ihrem Gürtel.
    Die meisten Waffen jedoch hatte Lucas bei sich. Neben den beiden Revolvern in seinen Gürtelholstern, hatte er sich ein Gewehr – um genau zu sein ein Automatikgewehr – auf den Rücken geschnallt und trug gleich mehrere Packen Munition bei sich. Hine hatte sich in den vergangenen Tagen mehrfach darüber lustig gemacht.
    Auch trug er eine große Machete bei sich und war in eine feste Bikerjacke gekleidet.
    Als sie den Rand des Waldes erreichten und mehr und mehr Dickicht ihnen den Weg versperrte, begann Lucas ihnen mit der Machete einen Weg zu bahnen.
    Zumindest jetzt stritten die beiden nicht. Niemand von ihnen sprach. Sie waren zu angespannt, zu vorsichtig. Der Nifoloa war zu gefährlich.
    Die verfolgten das Wesen seit nun mehr drei Wochen.
    Es war einige Jahre – laut Antonio etwa 130 Jahre genau – her, dass der Nifoloa das letzte Mal erschienen war. Damals hatte eine Gruppe von Krieger, zusammen mit einem Priester, das Biest in die Anderswelt zurück verbannt und seine physische Form zerstört. Doch wie es mit vielen dieser Wesen war, hatte dies es nicht dauerhaft davon abgehalten, in diese Welt zu kommen.
    So viel hatte Feila im vergangenen Jahr gelernt: Sowohl Geister, als auch die Wesen der Anderswelt konnten in dieser Welt nicht permanent getötet werden. Viel mehr verloren sie nur ihren Körper in dieser Welt und wurden in ihre Heimatdimension – oder was es auch immer war – zurückgeschickt. Manche Magier, im speziellen Schamanen, wie Antonio, hatten die Fähigkeit die Kreaturen dort mithilfe eines Siegels für eine Weile an einen Ort zu binden und so zu verhindern, dass sie in die physische Welt zurückkehrten. Doch die Zeit korrodierte diese Zauber und irgendwann brachen die Monster frei, und kehrten nicht selten mit Rachegedanken in diese Welt zurück.
    Feila wusste auch, dass es Magier und andere Wesen, wie einige Gestaltwandler und Naturgeister, gab, die fähig waren, in diese anderen Welten – oder war es nur eine Welt in verschiedenen Erscheinungsformen? – zu reisen und die Kreaturen dort permanent zu vernichten. Doch Antonio besaß diese Fähigkeit nicht. Er konnte, wie die meisten Magier nur in den Astralraum dieser Welt reisen.
    Vielleicht war dies besser so. Wer wusste schon, wohin sie sonst noch würde reisen müssen?
    Sie fühlte sich unwohl, als das Glühen von Lucas' Kristall sich mehr und mehr ins rötliche verfärbte.
    Die nächtliche Luft, die sie umgab, wirkte trotz des Regens schwül. Feila konnte die Pflanzen riechen und das Rascheln der Tiere hören. Immer wieder war der Wald von einzelnen Felsen oder plötzlichen Klippenanstiegen durchbrochen – einige von ihnen waren mit Rissen durchzogen, von denen manche ganze Höhlen ausbildeten. Wahrscheinlich versteckte sich die Kreatur dort.
    Der Kristall schien genau darauf zu verweisen, als er deutlich auf einen solchen Riss, der sich nach unten hin ausgeweitet hatte, um so den Eingang zu einer Höhle zu bilden.
    Feila wusste nichts über diese Insel, doch wenn sie – wie so viele der polynesischen Inseln – durch vulkanische Aktivität entstanden war, gab es sicher noch ehemalige Tunnel unterhalb. Sie wollte nicht nach da unten hinab. Das letzte was sie wollte, war dort gegen das Ungeheuer zu kämpfen.
    „Also“, flüsterte Lucas, steckte seine Machete weg und zog eine seiner Pistolen. „Wollen wir?“ Gespielt galant zeigte er auf den Höhleneingang, offenbar um Hine den Vortritt zu lassen.
    „Lucas“, zischte Antonio und warf ihm einen warnenden Blick zu.
    Der Australier zwinkerte ihm nur zu und machte Anstalten, die Höhle zu betreten, als Hine ihn zurückhielt.
    „Lass mich gehen“, sagte sie, wobei die Worte fraglos Antonio und nicht Lucas galten. Sie musterte den Schamanen. „Ich kann es rauslocken und hierher führen. Wenn wir da unten kämpfen, enden wir im Nachteil.“ Die ganze Zeit hielt sie ihre Stimme gesenkt, kaum mehr als ein Flüstern, das beinahe im Rauschen des Regens unterging.
    Für einen Augenblick schien Antonio nachzudenken. „In der Höhle können wir es einfacher vernichten. Es hat weniger Möglichkeiten zu fliehen.“
    Aber wir ebenso, dachte Feila düster.
    „Der Nifoloa hat eine größere Reichweite als irgendjemand von uns“, meinte Hine. „Wenn wir gegen ihn in einer engen Höhle kämpfen müssten, kämen wir uns nur miteinander ins Gehege.“ Sie warf Lucas einen Seitenblick zu. „Davon abgesehen, dass ich nicht riskieren will, von einem Querschläger getroffen zu werden.“ Oder einer schlecht gezielten Kugel, schien ihr Tonfall zu sagen.
    Lucas setzte schon zu einer Erwiderung an, doch Antonio brachte ihn mit einem Handzeichen zum Schweigen.
    „Du hast Recht“, gestand er dann gegenüber Hine ein. Er holte tief Luft. „Geh. Lock ihn zu den Felsen, in die Nähe des Bootes. Orientier dich an Feilas Feuer.“
    „Aber …“, setzte Feila an. Sie hatte keine Lust als Leuchtturm für das Monster zu dienen, doch auch sie wurde von Antonio mit einem Blick zum Schweigen gebracht.
    Hine warf ihr einen Blick, von dem sie nicht sicher sagen konnte, ob er beruhigend oder herablassend gemeint war, zu und wandte sich dann dem Höhleneingang zu.
    Tui stieß ein Krächzen aus und erhob sich von ihrer Schulter, um vor ihr auf den Boden zu flattern, während Hine sich für einen Moment zu sammeln schien. Sie schloss ihre Augen und eine seltsame Bewegung, fast wie eine Welle, schien durch ihr glattes Haar zu gehen, ehe dieses sich verformte: Innerhalb einer Sekunde wurde ihr Haar kürzer und verformte sich zu einem Kranz aus Federn, bevor Federn auch den Rest ihres nun deutlich geschrumpften, für eine Krähe jedoch noch immer ungewöhnlich großen Körper bedeckten. Sie war gerade klein genug, um in den Felsspalt hinein fliegen zu können. Noch einmal kurz wandte sie sich an die anderen um, ein intelligentes Glänzen in den gelblichen Rabenaugen, ehe sie losflog und schnell mit der Finsternis der Höhle verschmolz.
    „Los“, sagte Antonio nur nach einem Moment und wandte sich ab. „Zurück.“
    „Du willst sie da alleine runterfliegen lassen?“, fragte Lucas gedämpft. „Die Frau wird am Ende von dem Biest zerfetzt werden!“
    „Dann sehen wir besser zu, dass uns nicht dasselbe Schicksal gebührt“, erwiderte Antonio und lief voraus.
    Feila folgte. Sie hätte am liebsten ebenso etwas gesagt, doch sie wusste nicht was. Es war nicht der Moment zu streiten und sie wusste sehr wohl, dass sie auf Antonios Urteil vertrauen sollte, doch bei allem was ihr heilig war: Sie hatte ein ungutes Gefühl bei der Sache.
    Anders als Lucas brauchte Antonio keine Machete um durch das Unterholz zurück zu kehren.
    Feila konnte nicht sagen, ob es an seiner Verbundenheit mit den Geistern der Natur lag oder er einfach nur dem Weg folgte, den sie hergenommen hatten. Jedenfalls ging er voraus und schien auch in der Dunkelheit kein einziges Mal zu zögern.
    Wie weit war der Weg zurück überhaupt? Feila konnte es nicht sagen. Sie hatte keine Uhr und ihr Handy hatte sie am Board des Schiffes zurück gelassen. Immerhin war es ihre einzige Verbindung zu ihrer Familie. Sie konnte es sich nicht leisten, es zu verlieren.
    Mehrfach zuckte sie zusammen, als ein anderes Geräusch zwischen dem Rauschen von Regen und Meer zu hören. Ein Surren, wie das von gigantischen Flügeln. Doch immer, wenn sie genauer hinhörte, konnte sie es nicht mehr wahrnehmen. Wahrscheinlich war es nur ihre eigene Einbildung.
    Schließlich verließen sie den Wald wieder und standen auf dem von Gras und Gestrüpp überwucherten Abhang, der zu der Felsküste hinabführte.
    Antonio schien sich umzusehen und nickte dann, mehr zu sich selbst als zu ihnen. Dann ging er mit entschlossenen Schritten voraus, bis er eine relativ ebene Stelle erreicht hatte.
    „Hierher“, sagte er und sah zu ihnen hinüber, die sie etwas hinter ihm zurückgeblieben waren.
    Feila zögerte, bis Lucas sie anstupste. „Komm schon, Kleine.“
    Sie zischte. „Nenn mich nicht kleine, Arsch.“
    „Aww“, machte er lachend und ging, nun beide seine Waffen in der Hand, während der Kristall wieder um seinen Hals hing und von dort aus sein unnatürliches Licht verbreitete.
    Widerwillig folgte Feila ihr, während Antonio einen großen Kreis auf der Ebene abging. Er bereitete einen Zauber vor. Wahrscheinlich, vermutete sie, etwas, um dem Biest etwas Kraft zu entziehen oder es später an der Flucht zu hindern, bevor sie es besiegen konnten.
    Sie bezog am Rand des nun leicht im Gras schimmernden weißen Kreises Stellung und wartete, während sich Lucas in den Schatten eines Felsens zurückzog.
    „Ruhig, Mädchen“, hörte sie plötzlich die Stimme Antonios neben sich.
    Sie sah zu Boden. „Ich will nicht kämpfen“, sagte sie dann leise.
    „Ich weiß“, erwiderte der Schamane nur. „Deswegen reicht es, wenn du uns Licht spendest und den Nifoloa ablenkst. Mehr verlange ich nicht von dir. Denk an den Kikiyaon.“
    Der Kikiyaon, das Eulenbiest, das sie im Gambia bekämpft hatten, war nur gänzlich anders gewesen. Es war von Licht abgeschreckt und nicht angezogen worden.
    „Ich versuche es“, wisperte sie.
    „Gut“, erwiderte Antonio und machte einige Schritte von ihr fort. „Dann …“ Er ließ das Wort einfach ausklingen, schien sich dabei darauf zu verlassen, dass sie es verstand.
    Natürlich tat sie das.
    Aber sie mochte es nicht. Sie mochte es gar nicht.
    Auf Manu'a hatte sie gesehen, was dieses Ungeheuer mit einem Menschen machen konnte. Sie hatte die Geschichten davon gehört, wie damals, als man es dort vor 130 Jahren besiegt hatte, der Stachel des Nifoloa zurückgeblieben war und selbst nach der Verbannung des Wesens noch Leuchte vergiftet hatte.
    Das Gift des lebendigen Nifoloas, so hatte sie dort gesehen, raffte Menschen innerhalb von einer Woche mit einem hohen Fieber dahin. Sie hatte einige jener Männer und Frauen, die sich mit dem Wesen angelegt hatten, als es dort aufgetaucht war, gesehen. Sie alle waren einer von Halluzinationen geplagten Halbohnmacht verfallen gewesen. Sie alle waren mittlerweile tot.
    Laut der Erzählung der Älteren hatte selbst der Stachel des toten Ungeheuers die Menschen noch ihres Mana beraubt. Das Gift hatte sie nicht mehr zu töten vermocht, aber es hatte sie verändert, hatte sie zu einem Schatten ihrer Selbst gemacht, ihnen ein Teil ihres Lebens ausgesaugt.
    Im Vergleich erschienen ihr sowohl der Alma, als auch der Kikiyaon als relativ zahm. Zumindest waren sie nicht giftig gewesen und hatten stattdessen nur durch ihre Größe und Stärke bestochen.
    Das Krächzen eines Rabens schallte laut und deutlich Hörbar über die Insel und ließ sie zusammenzucken.
    Das mussten Hine und Tui sein.
    „Feila!“, rief Antonio aus, etwas Ungeduld in seiner Stimme.
    Sie erwiderte nichts. Stattdessen schloss sie die Augen und holte tief Luft, ehe sie sich auf die Hitze, die tief unter ihren Füßen, tief unter der Erde existierte, konzentrierte. Lava, vom Druck der Erde geschmolzenes und erhitztes Gestein. Dies war ein Teil der Gabe Peles.
    Sie konnte die Hitze spüren. Sie konnte ein Teil der Hitze zu sich befehlen. Sie konnte die Hitze zu einem Feuer formen, das nicht nur ihre Hand, sondern ihren ganzen Körper umspielte.
    Ein Zischen erklang, als der Regen um sie herum zu verdampfen begann und das Licht ihrer Flammen erhellte die umliegende Landschaft. Es zeigte Details des Waldes, ließ sie den genauen Verlauf der Felsen nachvollziehen und zeigte ihr noch etwas anderes: Während die beiden Krähen auch im Licht der Flammen nur durch ihre Bewegungen ab und an sich vom zugezogenen Nachthimmel abhoben, war die beinahe weiße Gestalt des Nifoloa deutlich sichtbar.
    Die ganze Zeit verglich Feila es mit einer Mantis, doch dies war nicht gänzlich korrekt. Während das riesige Insekt die längliche Gestalt und auch die seltsam kräftigen und mit Dornen bestückten Vorderbeine einer Gottesanbeterin hatte, so erinnerte der hintere Teil ihres Körpers viel eher an eine langgezogene Hornisse. Die Beine des Wesens wirkten etwas zu klein, auch für ein Insekt und ausgebreitet, wie sie nun waren, flimmerten die eigentlich ebenfalls hornissenartigen Flügel des Wesens in verschiedenen Farben, als sie das Licht des Feuers auffingen und zu reflektieren schienen.
    Feila wandte ihren Blick ab, auch wenn sie es hasste, das Wesen nicht im Blick zu haben. Doch sie hatte gehört, wie eine der Frauen, die den Angriff des Nifoloa auf Manu'a überlebt hatte, sie vor der hypnotisierenden Wirkung der Flügel gewarnt hatte.
    Dafür hörte sie, wie das Wesen sich abwandte und dann auf sie zukam.
    Sie zitterte und dann ließ das laute Knallen eines Schusses sie zusammenzucken.
    Lucas.
    Weitere Schüsse erklangen. Offenbar benutzte er sein Gewehr.
    Ein seltsames Krächzen, nicht wie das eines Rabens, sondern eher wie der Knirschen einer halb eingerosteten Tür, erklang, als das Ungeheuer offenbar von einigen Kugeln getroffen wurde. Dann erklang ein anderer Laut und ein Lichtblitz erhellte die Nacht für einen Moment – selbst für Feila, die weiterhin von ihren Flammen umgeben war, sichtbar.
    Ein lautes Krachen, gefolgt von einem Schlittern. Offenbar war der Nifoloa zu Boden gegangen.
    Sie wagte einen kurzen Blick und sah, wie sich der große Rabe auf das Wesen, das nun inmitten des Kreises am Boden lag hinabfallen ließ, und um Sturzflug wieder die Gestalt einer hübschen Frau mit gezogenem Schwert annahm.
    Die Schüssel verstummten für einen Moment.
    Da durchlief ein Zittern Feilas Körper. Die Hitze war so groß, schoss es ihr durch den Kopf. Dann: Nicht schon wieder.
    „Verdammt“, flüsterte sie und bemerkte, wie ihre Beine plötzlich schwach wurden. Sie verlor die Kontrolle über die Flammen, wie es ihr schon mehr als einmal passiert war. Es machte ihr keine wirklichen Probleme eine kleine Flamme, ein kleines Feuer zu kontrollieren, doch immer wenn sie versuchte – wie nun – mehr zu kontrollieren, passierte so etwas.
    Sie blinzelte.
    Konnte sie den Zauber fallen lassen? Konnte sie vielleicht die Menge der Flammen reduzieren? Sie hatte den Nifoloa hergelockt. Wie viel Licht brauchten ihre Gefährten?
    Sie biss die Zähen zusammen.
    Hine stach auf den Nifoloa ein. Ihr grünlich schimmerndes Schwert schnitt in den Unterkörper des Insektes, das einen verstörenden Laut – eine Art Fauchen – hören ließ. Vielleicht hätte diese Verletzung gereicht, um ein physisches Wesen zu töten, doch mit einem Wesen aus der Anderswelt war es nicht so einfach.
    Eines der dornenbestückten Vorderbeine des riesigen Insektes schnellte vor – schneller, als dass Hine ausweichen konnte – und traf die Frau knapp oberhalb der Brust, wo es eine blutige Spur hinterließ und ihr Top zerfetzte.
    Überrascht und in Schmerzen schrie Hine auf, schaffte es aber die zweite Klaue des Nifoloa mit ihrem Schwert abzuwehren, als diese nach ihr schnellte. Sie machte zwei Sprünge zurück, um dem Wesen zu entkommen.
    Wieder ertönten Schüsse und Feila meinte sehen zu können, wie einer das Wesen direkt zwischen den Flügeln traf, doch es schien diesen Angriff komplett zu ignorieren. Stattdessen waren die grünlichen Facettenaugen offenbar fest auf Hine gerichtet.
    Feila merkte, wie ihre Beine unter ihr nachgaben. Ihre Knie landeten im Gras und sie schaffte es gerade noch, sich abzufangen, ehe sie zur Seite gefallen wäre.
    Sie konnte nicht anders. Sie ließ einen Teil der Hitze frei.
    Wieder schlug eines der Insektenbeine nach Hine, während sich Tui auf das Monster stürzte und auf seinen Kopf einhakte, dann jedoch schnell wieder an Höhe gewann, als es mit seinen eigenen Flügeln leicht schlug, und den Raben so verjagte.
    Hine wehrte die Dornen ab und versuchte noch einmal selbst anzugreifen, kam jedoch weiter an den Nifoloa heran, der jedes kurze Zögern, jede Pause in ihren Angriffen nutzte, um selbst zu versuchen einen Treffer zu landen.
    Blut lief auf Hines Wunde und hatte bereits einen guten Teil der linken Seite ihres Tops rot gefärbt, als das Ungeheuer einen Sprung nach vorne machte und es irgendwie schaffte sie umzuwerfen und ihren Körper zwischen seinen Klauen zu fangen.
    Die junge Frau schrie vor Schmerz und Frustration und versuchte sich loszuwinden, wobei jedoch die kleineren Dornen, die aus den Vorderbeinen hervorwucherten, ihre Haut an mehreren Stellen zerrissen.
    Unsicher sah Feila zu Antonio, der sie jedoch nicht zu beachten schien.
    Er hatte die Augen geschlossen und seinen Stab in beiden Händen. Die eingelassene Kristallkugel schimmerte in weißem Licht.
    Dann war Lucas auf einmal im Kreis, dieses Mal mit seinen Revolvern in den Händen. „Hey, Mistvieh!“ Er feuerte auf die Stelle, wo der rechte Vorderarm des Insekts mit seinem Körper verbunden war und als die Kugeln trafen, explodierten sie in kleine Feuerkugeln. Verzauberte Munition.
    Es reichte nicht, um den Arm vom Körper zu trennen. Sehr wohl aber reichte es, um den Chitinpanzer – oder woraus auch immer der Körper des Monsters bestand – zum schwelen zu bringen und es zu einem erneuten Fauchen zu bringen. Es fuhr herum und für einen Moment war sein Griff offenbar locker genug für Hine zu entkommen.
    Sie fiel zu Boden, doch noch bevor sie auf dem Boden aufschlug, hatte sie wieder die Gestalt der großen Krähe angenommen und sich in die Luft erhoben.
    Wieder schnellte das Wesen herum und ließ einen seltsamen Laut hören, offenbar Missmut darüber, dass seine Beute zu entkommen suchte. Es breitete seine Flügel aus und schien hinterherfliegen zu wollen, als silbrig-weiße Fäden aus dem Boden hervorschossen und sich um die Gliedmaßen des Nifoloa wickelten und es so zurückhielten.
    „Du bleibst hier!“, rief Antonio aus, seinen Stab erhoben.
    Das riesige Insekt fauchte und begann sich zu winden.
    Und dann ging alles ganz schnell.
    Feila wusste nicht, was geschah, doch als das Insekt erneut mit den Flügeln schlug, begannen die ersten Fäden zu reißen. Es kostete Antonio eindeutig große Kraft den Zauber aufrecht zu erhalten und dann …
    Die letzten Fäden rissen und auf einmal schoss der Nifoloa auf Antonio zu.
    Feila handelte instinktiv, noch bevor sie darüber nachgedacht hatte. „Nein!“, rief sie und beschwor neues Feuer – zu viel Feuer.
    Sie spürte die Hitze durch ihren Körper fließen, sah, wie das Wesen Antonio fast erreicht hatte, sah auch, wie der Feuerschwall sich durch den Kreis ergoss und alles, was ihm in den Weg kam, versengte. Das war das letzte, was sie sah, ehe sich Dunkelheit von den Seiten ihres Blickfeldes ausbreitete und sie schließlich ganz übermannte.



  • Feila hat also die Kraft Wärme und Hitze zu steuern. Das interessanteste daran ist wohl, dass sie Hitze spüren kann.
    Das kann sehr interessant werden.
    Über das Sagentier habe ich leider nur eine Randnotiz gefunden. Dafür wurde es von dir sehr genau beschrieben.
    Der Kampf an sich war nicht so interessant wie die Ausgangslage die es schafft. Hine hat sich eindeutig schlimm verletzt, das könnte gefährlich werden und Feila hat so viel Feuer freigesetzt, das sie Hine in Gefahr bringt. Ob das tatsächlich zutreffen wird, sehen wir noch.
    Die Kontrolle und wie sie, sie verbessert wird vermutlich auch noch eine Rolle einnehmen. Das ist eine recht solide Methode um die Entwicklung des Charakters zu provozieren.



    Diese Antwort fällt wieder einmal etwas kürzer aus, da ich aktuell mit einer Gehirnerschütterung im Bett liege und daher nicht ganz geradeaus denke.

    Autsch, wünsche gute Besserung.
    Dafür das du flach liegst, ist die Antwort eigentlich schön ausführlich. Ich brauche halb so viel, um Schwierigkeiten mit der Konzentration zu bekommen.

    Ich hoffe, du siehst mir das nach!

    Ich bin sicher nicht dein einziger Leser.^^
    Wobei du antwortest ja mir, also passt es wieder. Never mind.


    Wenn das Problem mit Kyra noch aktuell ist. Der letzte Tipp den ich bekommen hatte war, sie in ein Handtuch einzuwickeln.
    Hoffe die kleine hält sich gut.

  • @Sunaki:
    Wie immer lieben Dank für deinen Kommentar!




    ANMERKUNG:
    Nächste Woche wird es wohl kein Update geben, da ich im Hotel bin und irgendwie bereits für den ganzen Tag verplant wurde! Nur dass du (und jeder, der eventuell still mitliest) bescheid weißt!




    Rangi (22:48)
    Seid ihr mittlerweile zurück?


    Rangi (23:07)
    Feila? Sis? Alles okay?


    Rangi (23:20)
    Ist etwas passiert?


    Rangi (23:31)
    Verdammt. Melde dich, wenn ihr zurück seid, ja?


    Rangi (0:02)
    Feila?


    Feila fühlte sich wie ausgetrocknet, als langsam ihre Sinne zu ihr zurückkehrten.
    Ihre Haut spannte und für eine Weile – sie konnte nicht sagen wie lange – war das alles, was sie spürte.
    Irgendwann bemerkte sie auch ein sanftes Schaukeln und schloss daraus nach einer Weile, dass sie wieder auf dem Boot war. Sie war sich nicht ganz sicher, was geschehen war. Ihre Erinnerung war verschwommen.
    Sie hatten den Nifoloa gefunden. Hine hatte ihn aus einer Höhle gelockt. Und dann?
    Feila hatte weggeschaut, aus Angst der hypnotischen Wirkung seiner Flügel zu verfallen. Aber etwas war passiert – etwas, das sehr wahrscheinlich auch dafür verantwortlich war, dass sie sich so dreckig fühlte.
    So lag sie dort. Auch wenn sie später nichts genaues mehr sagen konnte, driftete sie mehrfach in den Schlaf über, nur um eine unbestimmte Zeit später wieder aufzuwachen und dann wieder einzuschlafen.
    Auch als sie es schaffte ihre Augen wieder zu öffnen, war ihr Blick verschwommen.
    Sie hatte Durst, doch fehlte ihr die Energie aufzustehen, um sich etwas zu trinken zu holen.
    Als sie irgendwann wieder aus einem kurzen Schlummer erwachte fand sie ein schwarzes Auge auf sich gerichtet. Tui, Hines große Krähe, saß auf dem Rand des Bettes und blickte auf ihr Gesicht hinab.
    Das Tier hatte den Kopf schief gelegt und wirkte beinahe nachdenklich. Die Federn auf seinem Kopf waren leicht aufgerichtet.
    Feila blinzelte und offenbar bemerkte das Tier nun, dass sie wach war.
    Tui plusterte sich auf, legte dann aber die Federn wieder an, ehe er auf den kleinen Nachtschrank hüpfte und ein lautes Krächzen hören ließ, dann noch eins.
    Dann war das Tier wieder still und schien erneut dazu überzugehen, sie zu beobachten.
    Gerne hätte Feila etwas gesagt, schaffte es jedoch nicht die Energie dafür aufzubringen. Sie war sich ohnehin nicht sicher, ob der Vogel sie verstanden hätte.
    Eine Sache schien er jedoch zu verstehen. Er machte zwei Schritte rückwärts und pickte dann mit dem Schnabel leicht an eine Flasche Wasser, die auf dem Nachtschrank stand, und schob sie damit ein wenig nach vorne.
    Schwach nickte Feila und schaffte es schließlich die Hand danach auszustrecken.
    Nur sehr langsam öffnete sie die Flasche und schaffte es so schließlich ein paar Schluck Wasser herunter zu würgen. Es fühlte sich göttlich in ihrer ausgetrockneten Kehle an.
    Dann wurde die Tür geöffnet.
    „Ah, du bist wach“, hörte sie die Stimme Hines, noch ehe sie den Kopf weit genug aufgerichtet hatte, um sie zu sehen.
    Feila blinzelte und trank noch einen weiteren Schluck, ehe sie eine Antwort versuchte. „Ja“, krächzte sie, wobei ihre eigene Stimme etwa so rau klang, wie die des Vogels.
    Hine schien sie für eine Weile einfach zu mustern, nickte dann aber. „Gut.“
    Feila fiel auf, dass ihr linker Arm in Bandagen gehüllt war und ein großes Pflaster durch den Ausschnitt ihres Oberteils knapp oberhalb ihrer Brust zu sehen war. Verletzungen aus dem Kampf, nahm sie an.
    Hine zögerte kurz, ehe sie hinzufügte: „Wie fühlst du dich?“
    Feila brauchte etwas, um darauf zu antworten. „Trocken“, brachte sie schließlich hervor. „Ausgetrocknet.“
    „Soll ich dir noch etwas zu trinken bringen?“, fragte Hine mit Blick auf die halb geleerte Flasche in Feilas Hand.
    Stumm nickte Feila, da ihr Hals noch immer schmerzte.
    Erneut zögerte Hine. „Wasser?“, fragte sie dann.
    Feila überlegte, antwortete dann aber: „Tee. Bitte.“
    „In Ordnung.“ Hine nickte. „Ich sehe, was ich machen kann.“ Sie schenkte ihr ein sehr müdes Lächeln und verließ dann wieder den Raum, den sie sich eigentlich ohnehin mit ihr teilte.
    Wieder war Feila allein, abgesehen von dem Vogel, der noch immer auf ihrem Nachtschrank saß und sie zu beobachten schien. Sie hätte nur zu gern gewusst, wie intelligent dieser Vogel nun eigentlich war. Sie hatte gehört, dass Familiare intelligenter waren als normale Tiere, doch mehr wusste sie nicht. Sie war keine einfache Magierin, hatte nie eine schamanische Veranlagung gehabt und so kam ein Familiar für sie ohnehin nicht in Frage.
    Sie schloss die Augen und überlegte. Was war geschehen? Wie war sie in dieser Situation geendet?
    Also. Sie waren an der Höhle gewesen, wo Hine sich von ihnen getrennt hatte, um zusammen mit Tui den Nifoloa aus dem Höhlensystem zu locken. Dann waren sie an eine Stelle in der Nähe des Ufers gegangen, die Antonio ausgewählt hatte. Feila hatte mit ihren Flammen ein Signal stellen sollen. Hine war zu ihnen gekommen und ein Kampf hatte begonnen. Lucas hatte den Nifoloa unter Beschuss genommen, aber keinen nennenswerten Schaden anrichten können. Dann war Hine in die Fänge des Monsters geraten und nur knapp entkommen. Antonio hatte irgendwas gemacht, um den Nifoloa am Boden zu halten, woraufhin das Biest sich ihm zugewandt hatte und dann …? Feila wusste, dass sie selbst versucht hatte, das Ungeheuer mit Flammen zu attackieren, doch sie wusste nicht mehr, ob sie es überhaupt geschafft hatte oder bereits vorher das Bewusstsein verloren hatte.
    Und Antonio?
    Was war mit Antonio?
    Sie blickte Tui an und wünschte sich, der Rabe könne reden. Doch natürlich war alles, was er hören ließ ein Krächzen.
    Also seufzte sie und trank noch etwas Wasser, darauf wartend, dass Hine mit Tee oder was auch immer zurückkehrte.
    Das Schiff schaukelte sanft in den Wellen, die nicht besonders hoch zu sein schienen. Wer steuerte eigentlich gerade das Boot und wohin fuhren sie?
    So viele Fragen.
    Schließlich öffnete sich die Tür und Hine kam wieder herein. Sie hatte einen relativ kleinen Teepott in der einen, eine einfache Lehmtasse in der anderen Hand. Feila wusste, dass das Set ihr gehörte.
    „Kräutertee mit Honig“, sagte Hine nur, als sie beides auf dem Nachtschrank abstellte, während ihr Rabe zur Seite hüpfte um Platz zu machen. „Kannst du dich aufsetzen?“
    Feila nickte langsam und bemühte sich darum. Sie fühlte sich so unglaublich schwach. Hatte sie sich so sehr verausgabt oder war noch etwas anderes geschehen, an das sie sich nicht mehr erinnerte? Sie konnte es nicht sicher sagen.
    Schließlich, wenngleich etwas zögerlich, packte Hine sie unter der Schulter und half ihr. „Hier.“ Sie schien nicht außerordentlich freundlich, aber auch nicht ganz so kühl, wie sie es sonst zumeist war. Dann füllte sie etwas Tee in die Tasse und gab sie Feila. „Trink.“
    „Danke“, flüsterte Feila und nahm die Tasse, um sie an die Lippen zu führen. Der heiße Kräuteraufguss tat ihrer Kehle gut.
    Dann, nach zwei, drei Schluck, sah sie Hine an, die noch immer neben der Koje stand und sie zu beobachten schien. „Was ist mit Antonio?“
    Hine presste die Lippen für einen Moment zusammen. Dann seufzte sie. „Er“ – sie schien sich auf die Lippen zu beißen – „Wurde vergiftet.“
    Feila sank das Herz. Sie hätte geflucht, wenn sie mehr Energie gehabt hätte, doch stattdessen starrte sie nur auf die Tasse in ihren Händen. Das hieß, sie konnten nichts für ihn tun. Laut dem Priester auf Manu'a gab es kein Gegengift. „Lucas?“
    „Dem geht es gut genug“, erwiderte Hine ein wenig herablassend. „Keinen Kratzer, für den er nicht selbst verantwortlich wäre.“
    Feila deutete ein Nicken an. Dann fragte sie: „Was ist mit dem Nifoloa?“
    „Entkommen“, antwortete Hine. „Als er Antonio angegriffen hat, ist der Zauber, um ihn zu halten, gänzlich zerfallen. Er hätte … Nun …“ Sie schüttelte den Kopf. „Dein Feuerzauber hat ihn zumindest genug erschrocken, als dass er die Flucht ergriffen hat.“
    Noch einmal nickte Feila und überlegte. Dann sah sie die andere Frau an. „Und jetzt?“
    Hine zuckte mit den Schultern. „Wir werden sehen.“
    Wieder nickte Feila. Für einen Moment überlegte sie zu fragen, ob es nicht besser wäre eine der nächsten Inseln anzufahren. Sie hatte die Karte gesehen. Ua Huka war Teil des Französisch Polynesien Archipels, wo es ein paar größere Städte – für Inselverhältnisse – gab, in denen man auch Krankenhäuser finden würde. Doch einfache Krankenhäuser würden Antonio nichts bringen – allerhöchstens ihr selbst und Hine, wie es aussah.
    Aber was konnten sie tun?
    Verdammt.
    „Ruh' dich erst einmal aus“, sagte Hine schließlich, so sanft wie sie es offenbar bewerkstelligen konnte. „Du hast dich verausgabt.“ Sie wandte sich ab. „In zwei Stunden werde ich Abendessen vorbei bringen.“ Sie öffnete die Tür, hielt dann aber noch einmal inne und sah sich zu ihr um. „Wenn du magst, kann Tui dir Gesellschaft leisten.“
    Feila und der Vogel, der – so schien es fast – genau verstanden zu haben schien, was gesagt wurde, sahen einander an. Sie zögerte. Immerhin wusste sie, wie wichtig das Tier für Hine war. Doch aktuell war sie – zugegebener Maßen – für etwas Gesellschaft dankbar. „Danke.“
    Hine nickte nur und verließ dann die kleine Kajüte, ließ Feila allein zurück.
    Sie seufzte und trank einen weiteren Schluck Tee, ehe ihr Blick auf die Schublade des Nachtschrankes fiel, die durch einen kleinen Riegel auch bei höherem Seegang geschlossen gehalten wurde. Sie hatte, bevor sie aufgebrochen waren, ihr Handy dort gelassen und öffnete nun die Schublade, um es hervor zu holen.
    Es war bereits später Nachmittag, wie sie feststellte. Hatte sie so lang geschlafen?
    Wenig überraschend hatte sie viele – sehr viele – Nachrichten von ihrem Bruder, Rangi. Sie seufzte und lächelte zumindest etwas. Wie sehr wünschte sie sich nun bei ihm und dem Rest ihrer Familie zu sein?


    Ich (16:12)
    Tut mir leid. Konnte nicht früher antworten

    Rangi (16:18)
    Was ist los?


    Was ist passiert?

    Ich (16:18)
    War ausgeknockt.


    Rangi (16:18)
    Wieso?


    Was ist passiert? :o

    Ich (16:20)
    Lange Geschichte.


    Ist alles nicht so gut gelaufen. :(  


    Rangi (16:21)
    Erzähl.

    Ich (16:23)
    Haben das Biest aufgespürt. Kampf ist schlecht
    gelaufen. Vieh ist entkommen und ich habe mich
    selbst ausgeknockt. Antonio wurde vergiftet.

    Rangi (16:24)
    Geht es dir wieder besser?

    Ich (16:24)
    Es geht schon.


    Mach dir keine Sorgen.


    Ich (16:25)
    Habe mich nur verausgabt. Alles okay.


    Rangi (16:25)
    Gut …


    Was ist mit Antonio?

    Ich (16:26)
    Vergiftet. Wie gesagt.

    Rangi (16:26)
    Was macht ihr? Krankenhaus?

    Ich (16:26)
    Ich weiß es nicht. D:


    Die Odysse trieb weiter Richtung Osten, die Richtung in der offenbar der Nifoloa verschwunden war. Doch sie wussten nicht, wo er genau war und wenn man die Meilen um Meilen des offenen Ozeans und die tausenden Inseln bedachte, so war die Chance, dass sie noch auf ihn trafen wohl eher gering.
    Immerhin hatten sie wohl eh keine Chance, das Ungeheuer zu verbannen. Feila hatte sich selbst bisher nicht erholt. Hine war noch immer verletzt und Antonio hatte den größten Teil der vergangenen Tage in einem fiebrigen Delirium verbracht.
    Während draußen wieder ein nachmittäglicher Regenschauer über sie hinweg zog, sah Feila am Bett Antonios.
    Sie konnte sich noch immer nicht dazu bringen, von ihm als „Meister“ oder „Mentor“ zu denken. Immerhin war Loto ihr Mentor. Dennoch bedeutete es nicht, dass sie Antonio nicht leiden konnte oder bisher von ihm nichts gelernt hatte. Es war nur einfach so, dass dieses Leben – das Leben als Monsterjäger – nicht war, was sie sich gewünscht hatte, und auch nichts war, das sie für ihr ganzes Leben machen wollte.
    Da war es ihr auch egal, dass die Kräfte, die Pele ihr vermacht hatte, wie geschaffen für diese Arbeit waren. Ach, wenn sie darüber nachdachte, wurde sie wohl eher eine magische Kurtisane als eine Monsterjägerin, war Pele doch auch die Göttin der Lust.
    All das aber änderte nichts daran, dass es schwer war hier zu sitzen und zu sehen, wie das Fieber immer weiter Überhand gewann.
    Feila wusste, dass es ihn nicht sofort dahinraffen würde. Das Gift des Nifoloa wirkte zwar initiell schnell, hielt seine Opfer aber zumindest eine Woche im Fieber gefangen, ehe sie langsam verloschen.
    Das Fieber und das Delirium waren nur die physisch bemerkbaren Symptome. Eigentlich war es das Mana, dass den Opfern entzogen wurde. Nach und nach ließ das Gift das Mana aus ihrem Körper rinnen, bis am Ende nichts mehr verblieb – und ohne Mana war kein Leben möglich.
    Da würde ihm auch die Tatsache, dass er den Fluss des Manas kontrollieren konnte, nicht retten.
    Sie wischte ihm die Stirn, da sie nicht viel mehr machen konnte. Alles, was sie tun konnten, war zu versuchen sein Fieber zu senken.
    Ach, wenn es doch nur eine andere Gottheit gewesen wäre, die sie erwählt hätte. Jemand wie Laka, Haumea oder vielleicht auch noch Lono. Dann wäre sie nun nicht hier und vielleicht wären dann die Dinge nicht so geschehen. Vor allem aber, könnte sie dann heilen und Antonio helfen.
    Im Moment wäre vielleicht der Segen von jemanden wie Kamohoali'i hilfreich gewesen, da er ihnen vielleicht hätte de Weg zeigen könne. Sei es, um Hilfe zu finden oder um den Nifoloa aufzuspüren.
    Sie seufzte.
    Vielleicht war es undankbar so zu denken. Andere Menschen beteten zu den Göttern für solche Gaben, doch es war nun einmal so, dass sie – Feila – so etwas nie gewünscht hatte. Magie lag in ihrer Familie, doch sie wäre absolut damit zufrieden gewesen eine einfache Magierin, eine Heilerin oder ein Medium, zu sein. Sie war nie eine Kämpferin gewesen und nur weil Pele es anders sah …
    Ach, sie wusste ja nicht einmal, was Pele von ihr wollte. Zwölf Jahre waren vergangen, seit sie ihr diese Kräfte gegeben hatte. Zwölf Jahre und nie hatte sie ihr direkt ein Zeichen gegeben, was sie von ihr erwartete. Keine Träume, keine Zeichen, nichts … Ja, sie hatte Loto Visionen geschickt, aber nicht ihr. Nicht Feila.
    Manchmal fragte sie sich, ob das ganze nur ein Fehler gewesen war. Vielleicht hatte Pele sie ja nie auserwählen wollen. Vielleicht war es auch nur eine übereilige Entscheidung gewesen. Immerhin gab es ja mehrere Geschichten über Peles Art voreilige Entscheidungen zu treffen, oder?
    Sie zuckte zusammen, als Antonio sich rührte. Seine Hand zuckte.
    Schnell griff Feila nach der Hand und hielt sie. „Antonio?“, fragte sie leise. „Antonio?“
    Seine Hand hielt die ihre, doch es schien, als sei er nicht fähig, ihr zu antworten. Nur das Geräusch seines schweren Atems und das Rauschen von Wind und Regen draußen war zu hören.
    Feila seufzte und schloss die Augen, ihre Hände noch immer um die ihres vorübergehenden Lehrers geschlossen. Sie konnte vielleicht nicht heilen, doch vielleicht, wenn sie sich nur öffnete, konnte sie etwas erfahren; sei es von Pele, einer der anderen Gottheiten oder vielleicht einem der Geister, mit denen Antonio in Kontakt stand.
    Sie konnte meditieren und auch wenn sie hier nicht die bequemste Position hatte, so begann sie, ihren Geist in den richtigen Zustand zu versetzen. Sie verdrängte alle unnötigen Gedanken, Ängste und Fragen, die sie noch immer quälten. Einzig eine Frage behielt sie in ihrem Geist. Die Frage, auf die sie die Antwort suchte: „Wie kann ich ihm helfen?“
    Ihr Atem wurde langsamer, gleichmäßiger. Das Geräusch Antonios Atems verblasste in ihrer Wahrnehmung, während das Rauschen des Wassers gleichmäßiger zu wirken schien.
    „Wie kann ich ihm helfen?“
    Wie konnte sie ihm helfen?
    Es musste etwas geben. Eine Antwort. Es musste etwas geben, was sie tun konnte.
    Was konnte sie tun?
    Was konnte sie tun, um ihm zu helfen? Was konnte sie tun, um zu verhindern, dass der Nifoloa weitere Opfer forderte?
    Ein tiefer Atemzug folgte dem nächsten. Dann dem nächsten. Dann rief sie sich noch einmal die Frage in den Kopf. „Wie kann ich ihm helfen?“
    Trotz ihrer geschlossenen Augen sah sie ein leichtes Flimmern, wie so oft, wenn man die Augen schloss. Sie konnte das Licht in der Kapitänskajüte durch ihre geschlossenen Augenlider sehen. Es flackerte leicht.
    Trotz des Versuchs alle anderen Gedanken zu verdrängen, spürte sie Verzweiflung in sich aufsteigen.
    „Bitte“, flüsterte sie nun laut. „Wie kann ich ihm helfen?“ Sie seufzte schwer. „Bitte. Pele.“
    Keine Antwort. Keine göttliche Eingebung. Vielleicht waren sie auch zu weit von den Vulkanen entfernt.
    Vielleicht interessierte sich die Göttin auch nicht für sie.
    Eine Träne rann über Feilas Wange. Sie spürte das kalte Kribbeln.
    Es war sinnlos.
    Vielleicht, kam ihr der Gedanke, vielleicht konnte man Antonio auch nicht helfen.
    Sie wollte seine Hand loslassen, doch etwas hielt sie davon ab. Er sollte sich nicht allein fühlen. Oder? Was war es.
    „Bitte“, flüsterte sie noch einmal. „Bitte …“
    Dann keuchte sie auf. Ein Schwall von Übelkeit kam über sie, als ein kaltes Gefühl sich plötzlich in ihrer Magengegend ausbreitete. Im nächsten Moment sah sie Bilder. Eindrücke. Wie verblasste Videoaufzeichnungen.
    Kinder in einem Wald bei Regen. Kinder, die in einem See schwammen. Eine junge Frau, etwa in ihrem Alter, mit wunderschönen dunklem Haar. Eine durchsichtige Gestalt, die nur vage an einen Menschen erinnerte. Lichter, die unter einem Sternenhimmel durch die Luft zu tanzen schienen. Das Gefühl eines Kusses auf ihren Lippen. Der Geruch von Blumen. Ein nasser Bergpfad, während sich unter ihr Nebel ausbreitete. Ruinen umgeben von einem dichten Wald. Schatten in der Nacht. Blut an ihren eigenen Händen, die doch nicht die ihren waren. Schmerzen. Dann das Bild eines jungen Mannes, der einem überdimensioniertem, hässlichen Wolf ein Messer in den Nacken rammte. Der Mond. Geflüsterte Worte in einer Sprache, die sie nicht verstand.
    Dann das Bild des Nifoloa, der auf sie zukam. Der brennende Schmerz. Dann die Gestalt einer wunderschönen Frau mit dunkler Haut, umgeben von Flammen, die über ihre Haut tanzten. Hitze. Ein schimmernder Stachel in ihren Händen. Brennen.
    Feila übergab sich und als ihr Blick wieder klar wurde, lag sie auf dem Boden neben dem Kapitänsbett.
    Sie keuchte. Was war das? Eine Vision? Ja, es musste eine Vision gewesen sein. Doch was für eine Art von Vision?
    Eine Hand auf ihrer Schulter ließ sie zusammenzucken. Sie drehte sich um.
    „Alles in Ordnung?“, fragte Hine in einem für sie erstaunlich sanften Tonfall.
    Feila blinzelte. Wann war Hine reingekommen?
    Noch immer brannte ihre eigene Magensäure in ihrer Kehle, während sie versuchte ihre Stimme wieder zu finden.
    „Ich weiß nicht“, flüsterte sie.
    Hine musterte sie für einen Moment. „Was ist passiert?“
    Zur Antwort schüttelte Feila nur den Kopf. „Ich weiß nicht“, murmelte sie leise. „Ich weiß nicht.“
    Es schien, als würde Hine darüber nachdenken, sie zu bedrängen, doch dann entschied sie sich offenbar dagegen. „Ruh dich besser aus.“ Sie lächelte matt. „Ich bleibe bei ihm.“



  • Habe mittlerweile eine Methode für sie gefunden: Beerenmarmelade mit viel Zucker (und Apfelmus aus unerfindlichen Gründen). Damit hat sie es dann freudig genommen. Sie traut nur meiner Hand noch immer nicht wieder. xD"""

    Da freut sich das Volk.
    Kommt ein bisschen auf den Charakter an. Manche sind super misstrauisch und verzeihen einen nichts. Andere vergessen sowas über Nacht. Good luck.

    Bei den Kurzgeschichten im moment erst Recht...

    Ach ja, ich habe ein paar davon gelesen die ich aber nicht kommentieren wollte. Ich hatte da in den Fällen einfach nichts wichtiges zu sagen. Die Rusalka Story war im Stil einer mehr mittelalterlichen, oder post mittelalterlichen Volkslegende geschrieben und das macht sie auch ganz gut. Aber mehr konnte ich dazu nicht sagen.
    Die aktuellen Kurzgeschichten sind sauber geschrieben und einige wecken Lust auf ein zweites Kapitel, oder auf ein paar Theorien.

    „Ah, du bist wach“, hörte sie die Stimme Hines, noch ehe sie den Kopf weit genug aufgerichtet hatte, um sie zu sehen.

    Die Truppe hat ordentlich schaden genommen. Mich wundert das der letzte Angriff den Nifoloa nicht getroffen hat, aber bei einem so unkontrollierten Angriff war es reine Glückssache das Ziel zu treffen.
    Eine von ihnen ist dehydriert und total ausgelaugt. Der andere wurde vergiftet und ist dabei zu sterben und Hina hat auch was abbekommen. Sie müsste mehrere tiefe Kratzer und vermutlich Prellungen haben und ein Teil ihres Gesichts wurde verbrannt.
    Wie du in meinem Thread geschrieben hast, du hast auf realistische Folgen, Verletzungen und Heilungsdauer geachtet.
    Das wird sicher noch eine ganze Weile dauern, bis der Schaden der angerichtet wurde ganz verschwunden ist.

    Nifoloa unter Beschuss genommen

    Ich bin nicht sicher, aber ich glaube fast ich habe wirklich schonmal was von ihm gehört. So im Nachhinein.
    Nicht direkt von der Legende, aber ein anderes Medium das sich von diesem Kulturkreis inspirieren ließ, zumindest von den Namen, hatte riesige Fliegen und eine riesige Hornisse. Das könnte hinhauen. Ist aber nur eine Theorie.

    Sie schien nicht außerordentlich freundlich, aber auch nicht ganz so kühl, wie sie es sonst zumeist war.

    Merke, schroffe Menschen tauen am besten auf, wenn man ihnen das halbe Gesicht weggebrannt hat.
    Aber mir kommt sie dennoch sehr komisch vor. Sie wurde als recht schroffe Person eingeführt dir ihr Temperament nur schwer zügeln kann. Die Sache muss sie also ziemlich mitgenommen haben. Nur warum? Ist es weil er verwundet wurde? Oder war sie vielleicht überrascht, wie stark Feilas Flammenwand werden konnte und ist nun beeindruckt von ihrem Potenzial?
    Da steckt auf jedenfall was dahinter, so wie dus aufgebaut hast.


    Ach, wenn sie darüber nachdachte, wurde sie wohl eher eine magische Kurtisane als eine Monsterjägerin

    Weil sie von einer Liebesgöttin und nicht von einem Kriegsgott auserwählt wurde?

    Ja, sie hatte Loto Visionen geschickt, aber nicht ihr. Nicht Feila.

    Oder der Typ hat sie belogen. Wird vermutlich nicht zutreffen, da sie aber selbst keine Beweise hat das sie das hier tun soll, wäre es denkbar.

    Dann das Bild des Nifoloa, der auf sie zukam. Der brennende Schmerz. Dann die Gestalt einer wunderschönen Frau mit dunkler Haut, umgeben von Flammen, die über ihre Haut tanzten. Hitze. Ein schimmernder Stachel in ihren Händen. Brennen.

    Hm, die Bilder sind schwer zu deuten. Die ersten Bilder weisen auf ein früheres Leben hin, oder auf das Leben des Kranken.
    Die Frau in den Flammen wiederum könnte zwar sie sein, aber ebenfalls auch die Vorgängerin, welche die selben Kräfte bekam wie sie.
    Ja, ich denke sogar dass man das Gift zerstören kann, wenn man den Stachel in ihren Flammen verbrennt.
    Ich gehe auf jedenfall davon aus das sie deshalb diese Art von Magie geerbt hat.


  • @Sunaki:
    Vielen dank einmal wieder für den Kommentar! :3







    Rangi (11:49)
    Wie geht es dir?

    Ich (11:53)
    Besser

    Rangi (11:54)
    Wirklich?

    Ich (11:54)
    Ja


    Rangi (11:54)


    Rangi (11:55)
    Wie geht es Antonio?

    Ich (11:55)
    Nicht gut


    Er hat hohes Fieber


    Rangi (11:56)
    Kann man nichts machen?

    Ich (11:56)
    Auf Samoa habe sie in 500 Jahren nichts
    gefunden


    Ich weiß nicht.


    Rangi (11:57)
    Soll ich Loto fragen?

    Ich (11:57)
    Ja


    Frag ihn


    Frag ihn auch

    Rangi (11:59)
    Was?

    Ich (12:00)
    Nichts


    Feila seufzte und ließ das Handy sinken. Sie wollte mit ihrem Bruder über die Dinge reden, die sie bedrückten.
    Doch sie konnte nicht. Wie sollte er verstehen?
    Wieder lehnte sie sich vor und sah auf das Meer hinaus.
    Es waren vier Tage seit dem Kampf mit dem Nifoloa vergangen. Zwei Tage seit der seltsamen „Vision“ die sie an der Seite von Antonios Bett gehabt hatte. Noch immer verstand sie nicht, was es damit auf sich hatte.
    Sie hatte versucht sich die Bilder noch einmal ins Bewusstsein zu rufen. Einer Sache war sie sich recht sicher: Dies war keine Vision, die ihr Pele geschickt hatte. Sie war sich auch relativ sicher, dass es die Vision eines Geistes war, doch was genau hatte sie ihr gezeigt? Antonios Erinnerungen vielleicht? Konnte es sein?
    Sie wünschte sich, der Geist – was für ein Geist es auch immer war – möge noch einmal Kontakt mit ihr aufnehmen.
    Nun war sie wieder allein auf der Brücke, während sich Lucas um Antonio kümmerte und Hine, soweit sie wusste, schlief. Aktuell waren nur einzelne Wolken am Himmel zu sehen, jedoch nicht genug, um die helle Mittagssonne zu verdecken.
    Das Meer war etwas rau und es ging ein steifer Wind, jedoch nichts, was zu problematisch war. Im Gegenteil. So konnten sie im Moment die Segel nutzen und konnten den kostbaren Sprit sparen. Solange sich das Wetter nicht wandelte, kämen sie so gut voran. Einzig die Gefahr des stärker werdenden Windes, der es schwerer machen würde zu segeln, blieb. Etwas, das ihr Sorgen machte, da sie nur zu dritt waren, um sich um das Schiff zu kümmern.
    Sie sah auf ihr Handy und überlegte, ob sie Rangi doch antworten sollte. Er war ihr Bruder. Er würde sie doch verstehen, oder?
    Ach, sie wusste es nicht. Im Moment gab es ja doch wichtigere Dinge. Vielleicht wusste Meister Loto etwas. Vielleicht wusste ein Geist etwas. Vielleicht gab es irgendwo Informationen, die ihnen helfen konnten. Die Antonio helfen konnten.
    Ein Klopfen an der Tür riss sie aus ihren Gedanken.
    „Ja?“ Verwirrt sah sie sich um.
    Niemand trat ein.
    „Ja?“, wiederholte sie daher etwas lauter und fügte dann verwirrt hinzu: „Herein?“
    Ein weiteres Klopfen war die Antwort.
    Feila runzelte die Stirn und ging zur Tür hinüber um heraus zu sehen, wohl wissend, dass es gefährlich sein konnte. Immerhin kannte sie die Geschichten der vielen Wesen und Geister, die auf dem offenen Meer ihr Unwesen treiben konnten und so manch einen Seefahrer über Bord locken konnten.
    Solche Sorgen stellten sich jedoch schnell als unbegründet heraus, als sie die Tür öffnete und auf Tui hinab sah, der an der Schwelle der Tür saß und nun zu ihr aufsah.
    Er krächzte und hopste dann an ihr vorbei auf die Brücke, wo er sich auf dem Steuer niederließ und sich gewichtig aufplusterte, ehe er noch einmal krächzte.
    Feila seufzte und sah nach draußen, um sicher zu gehen, dass der Rabe allein hergekommen war und Hine nicht bei ihm war. Doch als sie niemanden auf dem kleinen Deck sah, schloss sie die Tür wieder.
    „Du hast mich erschreckt, Tui“, murmelte sie. Sie musterte den Vogel. „Dein Name ist aber nicht Nimmermehr, oder?“
    Der Rabe krächzte wieder, dieses Mal sehr langgezogen, und legte den Kopf leicht schief, während er sie mit einem Auge beobachtete.
    Also ging Feila auf den Stuhl, auf dem sie zuvor die ganze Zeit gesessen war, hinüber. „Wo hast du Hine gelassen?“
    Zwei kurze Krächzer waren ihre Antwort, während Tui die Federn auf seinem Kopf aufstellte, wie Vögel es häufig taten, wenn sie etwas interessierte.
    Nun wäre es wohl von Vorteil gewesen, die Sprache der Vögel zu verstehen. Sie wusste, dass es Magier gab, die diese Fähigkeit besaßen – immerhin war es Hine ja auch möglich mit Tui zu reden, auch wenn dies vielleicht ebenso daran lag, dass er ihr Familiar war. Vielleicht war er von einem seiner Ausflüge, bei denen er nach Spuren des Nifoloa suchte, zurückgekommen, während Hine noch immer bei Antonio saß.
    Feila musterte den Vogel. „Soll ich dich zu Hine bringen?“
    Der Rabe krächzte laut und flatterte etwas mit den Flügeln. War das nun Zustimmung oder ein Protest?
    „Komm“, meinte sie und hielt ihm ihren Arm hin. „Ich bring dich zu Hine.“
    Tui krächzte noch einmal. Anstatt auf ihren Arm zu steigen, flatterte er in die Luft und landete dann auf ihren Kopf.
    Die Rabenkrallen kratzten auf ihrer Kopfhaut und würden sich – da war sie sich sicher – schnell in ihrem eher krausen Haar vergangen. „Lass das, Tui!“, rief sie aus und hob die Hand, um ihn hinab zu schubsen, was ihr jedoch nur einen Pikser des Schnabels in ihre Hand einbrachte und ein nun deutlich protestierndes Krächzen.
    „Was soll das denn?“, fragte sie und seufzte.
    Der Rabe machte auf ihrem Kopf einen Schritt nach vorne und beugte dann seinen Kopf hinab, so dass sein Auge, aber auch sein Schnabel, direkt vor dem ihren war. Er krächzte wieder, dieses Mal leiser und gerade als Feila mit ihrem ersten Instinkt zurück zu weichen kämpfte, wohl wissend, dass es ihr nichts brachte, merkte sie etwas seltsames. Ein Gefühl, als würde sie in die Luft gehoben und von einem Sog erfasst, der sie mit sich zu tragen drohte.
    Sie sah das bleiche Gesicht einer fast durchsichtigen Frau mit weißen schimmernden Haaren, die von einem seltsamen Licht umspielt wurden, und hörte ein Wispern: Ihren Namen. „Fetuilelagi.“
    „Was?“, rief sie aus, unsicher, was es war, dass sie gerade sah, als eine Stimme das Wispern und Rauschen durchbrach:
    „Was machst du, Tui?“
    Der Sog ließ sie los und sie fiel schwer atmend zu Boden. Was war gerade geschehen?
    „Tui?“, fragte Hine und wieder antwortete der Raben mit einer Reihe von Krächzlauten.
    Als das Bild vor Feilas Augen wieder klar wurde, merkte sie, wie Hine sie ansah, die Augenbrauen zusammengeschoben. „Was?“, fragte sie leise.
    Hine schwieg und hockte sich vor sie, ihr fest in die Augen sehend. „Was hast du gesehen?“
    Nun runzelte auch Feila die Stirn. Wusste Hine, was passiert war? Sie zögerte. „Eine Frau“, erwiderte sie. Sie schüttelte den Kopf, als sie versuchte sich das Bild der Frau noch einmal vor ihr inneres Auge zu rufen. „Eine Frau“, wiederholte sie sich dann, ehe sie Hine ansah. „Was … War das?“
    Hine musterte sie für einen Moment und seufzte. „Wir müssen später miteinander reden“, sagte sie dann. „Nach dem Abendessen.“
    „Aber wieso können wir nicht jetzt reden?“, fragte Feila und merkte, wie ihre angesammelte Unzufriedenheit und ihre Verzweiflung über die aussichtslose Situation sich zu Wut wandelten. „Du weißt, was passiert ist, oder?“
    „Ich bin mir nicht sicher“, erwiderte Hine nur mit einer für sie ruhiger, aber auch sehr distanzierter Stimme, während sie Tui auf ihren Arm hob. „Ich brauche etwas Zeit, um mit ihm zu sprechen.“ Nun war sie es, die mit einem Seufzen den Kopf schüttelte. „Du kannst in die Kajüte gehen. Ich übernehme bis zum Abendessen.“
    „Aber …“, setzte Feila an, wurde jedoch von einem Krähen Tuis unterbrochen. Der Vogel hatte wieder die Federn an seinem Kopf und seinem Hals aufgestellt und sah sie mit leicht geöffnetem Schnabel an. Noch einmal krächzte er, als ob er wüsste, dass Feila noch einmal etwas sagen wollte.
    Sie biss sich auf ihre Zunge und stand auf, um hinaus aufs Deck zu gehen. „Gut“, sagte sie nur, ehe sie die Tür hinter sich mit vielleicht etwas zu viel Wucht zuwarf.
    Draußen blieb sie auf dem Holzdeck stehen.
    Wieso sprach denn nie jemand mit ihr? Immerhin verdiente sie doch zu wissen, wenn es etwas war, das sie betraf. Verflucht. Sie war volljährig, beinahe 20, wieso also behandelte sie hier jeder wie ein kleines Kind oder einen Teenager
    Wieder sah sie auf ihr Handy, steckte es dann aber weg. Sie wusste nicht, wie sie Rangi davon erzählen sollte. Immerhin wusste sie ja selbst nicht ganz, was gerade geschehen war.


    Ich (17:41)
    @.@


    Rangi (17:42)
    ?_? Was ist los?

    Ich (17:42)
    Es ist etwas seltsames passiert.

    Rangi (17:43)
    Was?

    Ich (17:43)
    Ich weiß es nicht


    Ich habe etwas gesehen


    Rangi (17:45)
    Wie? Gesehen?

    Ich (17:45)
    Ich weiß es nicht.


    Ich glaube es war eine Vision...


    Rangi (17:46)
    Was für eine Vision?

    Ich (17:48)
    Eine Frau...


    Eine Frau die mich gerufen hat.


    Rangi (17:49)
    Pele???

    Ich (17:49)
    Nein.


    Ich weiß nicht.


    Beim Abendessen herrschte gedrückte Stille.
    Wie immer, seit sie auf diesem Schiff waren, gab es wieder einmal aufgewärmtes Dosenfutter. Irgendwelche Spagetti mit Soße und etwas leicht angebranntes Rührei.
    Feila hatte sich schon lange daran gewöhnt.
    Ihr war aufgefallen, dass Hine und Lucas in den vergangenen Tagen seit dem Kampf nicht wieder gestritten hatten. Sie gingen einander allerdings auch aus dem Weg und wenn sie – wie nun beim Abendessen – doch im selben Raum waren, dann sahen sie einander mit kaltem Blick an.
    Noch immer wusste Feila nicht, was es genau war, das zwischen ihnen stand.
    Sie würde es wahrscheinlich auch nicht erfahren.
    Während die Teller durch das Schaukeln des kleinen Schiffs immer wieder leicht vor ihnen hin und her rutschten und sie mehrfach die Flasche Tafelwasser festhalten mussten, damit diese nicht umkippte, saß Tui auf der Lehne des Stuhls, den Antonio eigentlich immer benutzt hatte, und pickte von da aus auf etwas Spagetti herum, die Hine ihm in einer Tasse serviert hatte.
    Jedoch kam Feila nicht umher zu meinen, dass der Vogel ihr immer wieder Blicke zuwarf.
    Schließlich holte Hine tief Luft. „Wir werden heute Abend ankern“, sagte sie dann sachlich und – so glaubte Feila – vorrangig an Lucas gewandt.
    „Was?“ Der Mann sah von seinem Teller auf.
    „Wir werden heute Abend ankern“, wiederholte Hine mit Nachdruck, beinahe als glaubte sie, dass er wirklich nicht verstanden hatte, was sie sagte.
    „Wieso?“, fragte Lucas mit angespannten Tonfall.
    „Ich möchte mit Feila an Land gehen“, erwiderte sie.
    „An Land?“, echote nun Feila und sah sie an.
    „Wieso?“, fragte Lucas nur wieder.
    Hine seufzte. „Ich möchte etwas mit ihr probieren. Aber ich brauche dafür festen Boden. Wir sollten in knapp einer Stunde ein kleines Archipel erreichen. Tui hat es bereits erspäht. Dort werden wir ankern.“
    Feila sah sie verwirrt an, doch bevor sie irgendwelche Fragen stellen konnte, begann Lucas sich zu empören.
    „Und wie glaubst du, sollen wir das Biest einholen?“
    „Wir holen es gar nicht ein“, erwiderte Hine nur. Feila glaubte, sie hätte mit den Schultern gezuckt, wäre ihr Arm nicht noch immer in einer Schlinge und ihre Schulter nicht noch immer bandagiert gewesen. „Wir haben nicht einmal eine Ahnung, wo er ist.“
    „Und deswegen willst du nun aufgeben?“
    „Ich rede nicht von aufgeben.“ Hines Stimme war kühl, während sie ihn anfunkelte. „Aber solange weder Tui ihn aufspüren kann, noch dein dummes Amulett funktioniert …“
    Lucas unterbrach sie: „Es ist nicht für diese Entfernungen gedacht!“
    Natürlich ignorierte Hine diesen Einwand. „Noch dein dummes Amulett funktioniert“, wiederholte sie ihre letzten Worte, ehe sie fortfuhr, „müssen wir zusehen, ob wir eine andere Möglichkeit finden. Außerdem …“ Sie schürzte für einen Moment die Lippen. „Wir sollten versuchen eine Möglichkeit zu finden, Antonio zu heilen.“
    „Seit wann bist du so weichherzig?“, fragte Lucas zynisch.
    Hine erwiderte nichts.
    „Liegt es an Pedro?“
    Wer war Pedro?
    „Vielleicht liegt es eher daran, ein Mensch mit halbwegs Moral und Verantwortungsbewusstsein zu sein“, erwiderte sie leise.
    „Oh, ich habe Verantwortungsbewusstsein“, grummelte Lucas. „Wenn wir das Vieh nicht töten, wird es nur neue Opfer finden. Früher oder später.“
    „Dann nenne mir doch eine bessere Methode den Nifoloa zu finden, als in die grobe Richtung zu segeln, in der du zuletzt das Vieh hast fliegen sehen.“ Hine schlug mit ihrer unverletzten Hand auf den Tisch und sah ihn an. „Wir kommen so nicht weiter.“
    Die Blicke der beiden trafen sich und Feila wäre nicht verwundert gewesen, wortwörtlich Funken zwischen ihnen fliegen zu sehen. Doch nichts dergleichen geschah. Stattdessen wandte Lucas sich ab und gab einen verächtlichen Laut von sich.
    „Wie auch immer.“ Er sah zu Feila. „Und was glaubst du, kannst du mit ihr am Land machen, was du hier nicht tun kannst?“
    Dieses Mal stimmte sie ihm zu. Was genau wollte Hine von ihr? Sie sah zu der Magierin, die seufzte.
    „Ich brauche einen direkten Zugang zu einer Leyline.“
    „Und wozu?“
    Sie schüttelte den Kopf. „Wir werden sehen …“
    „Großartig“, murmelte Feila leise, noch bevor sie sich beherrschen konnte.
    Lucas ließ ein trockenes, freudloses Lachen hören. „Ich stimm' dir zu, Kleine. Ich stimm' dir zu.“




  • Leider geht es ihr dennoch wieder schlechter - trotz Antibiothika. Und wir wissen nicht warum Sie hat den Kopf in Schieflage...

    Das tut mir leid. Dabei hatte ich gehofft, sie hätte das ärgste überstanden. Du bist dir sicher, dass die Schieflage nur von dem Eiter her kommt? Das kann natürlich sein, ich habe selbst kurz auf dieser Rattenseite die ich letztens gepostet habe nachgelesen das sowas möglich ist. Aber es ist halt sehr gefährlich, oder kann gefährlich sein. http://www.rat-nose.de/ratten_krankheiten_schiefkopf.htm
    Ich wünsche ihr viel Glück damit dass es sich schnell wieder bessert. Und wenn nicht, dass es zumindest bei den Symptomen bleibt.

    „Dein Name ist aber nicht Nimmermehr, oder?“

    Ah ja der Rabe von Edgar Allan Poe. Eine schöne Anlehnung.

    Noch immer wusste Feila nicht, was es genau war, das zwischen ihnen stand.

    Das riecht ziemlich nach einem Flashback für spätere Kapitel.
    Ich denke mal, sie wurde entweder in ihrem Stolz verletzt, oder es gab einen romantischen Moment zwischen den Beiden.
    Zwei große Egos sind zwar nicht immer verträglich miteinander, aber sie haben alles in Allem viel gemeinsam.
    Und ich weiß wie sehr du auf Shipping stehst.


    Das aktuelle Kapitel wirkt auf dem ersten Blick etwas, ich will nicht sagen inhaltsleer aber es geht in Richtung Übergang.
    Dabei gibt es ziemlich viel, was passiert ist.
    Das seltsame Verhalten des Raben könnte man dadurch erklären, dass Vögel manchmal herumalbern und man sich nichts dabei denken soll. Vielleicht hatte er aber auch etwas, was er ihr sagen wollte als er sich an ihrem Kopf festgekrallt hat. Vielleicht hatte er die Vision getriggert? Nein eher nicht, denn ein Vertrauter kann eigentlich sehr gut mit seinem Herrn kommunizieren, also wäre das auf so kryptische Weise nicht nötig. Ich denke er hat nur gespielt.
    Die Vision selbst ist auch wieder so eine Sache. Nimmt Feila etwa an, dass es keine Vision von Pele sei? Sie ist sich dem Chat nach ja nicht sicher.
    Die Frau in der Vision könnte definitiv Pele sein. Aber auch eine Vorgängerin. Die Haarfarbe wurde nicht exakt benannt, sie sollen nur weiß schimmern, was heißen könnte das es eine andere Frau ist wie in der vorherigen Vision, oder die Selbe.
    Wenn die Farbe wirklich weiß sein sollten, gäbe es noch eine kleine Möglichkeit wonach es der Geist des Nifoloa ist. Möglicherweise mit einem abgespaltenem guten Teil wie in Projekt Zero? Falls du das Spiel kennst. Diese Theorie ist etwas haltlos, da bisher in der Story und bei dem wenigen was ich über ihn nachlesen konnte nichts in der Richtung steht. Ich wollte aber wirklich alles aufzählen was mir dazu einfiel.
    Dann wird noch Pedro erwähnt. Vorher wurde er soweit ich mich erinnere nicht erwähnt?
    Besondere hinter Hine scheint noch sehr viel Background zu stecken. Ob die anderen Charaktere dem Beispiel folgen? Mir scheint es so, als hättest du sehr viel Zeit damit verbracht ihre Vergangenheit und ihren Charakter auszuarbeiten, aber das kann man jetzt noch nicht sagen. Ich warte mal ab.
    Das Kapitel endet dann damit, dass Hine etwas ausprobieren möchte und erwähnt dabei die Leyline. Wikipedia sagt, das Autoren in einigen Werken Leylines als Kraftquelle benutzen. Ich meine wenn ich raten müsste, würde ich sagen sie gehen zu einem Ort, wo Feila besonders viel Kraft hat und lässt sie Dinge abfackeln, damit sie sich besser an die Kraft gewöhnen kann, ohne sich und andere in Gefahr zu bringen. Da ihre Kraft aber vielleicht im durchschnittlichen Zustand nicht immer so extrem herauskommt, dienen diese Linien als Schwimmflügel.

  • So, bevor sich jemand (also eigentlich bevor sich @Sunaki) wundert, warum am Wochenende nichts kam: Ich bin nicht dazu gekommen. :( Ich hatte Samstag zu sehr Kopfschmerzen und bin Sonntag dann nicht mehr dazu gekommen es online zu stellen. Daher warte ich jetzt bis nächsten Samstag mit dem Upload. @.@ Ich hoffe das stört niemanden (also speziell Sunaki xD")


    Antworten wollte ich dennoch einmal kurz, dann geht es am Samstag mit dem Posten auch schneller :3


    Das tut mir leid. Dabei hatte ich gehofft, sie hätte das ärgste überstanden. Du bist dir sicher, dass die Schieflage nur von dem Eiter her kommt? Das kann natürlich sein, ich habe selbst kurz auf dieser Rattenseite die ich letztens gepostet habe nachgelesen das sowas möglich ist. Aber es ist halt sehr gefährlich, oder kann gefährlich sein. rat-nose.de/ratten_krankheiten_schiefkopf.htm
    Ich wünsche ihr viel Glück damit dass es sich schnell wieder bessert. Und wenn nicht, dass es zumindest bei den Symptomen bleibt.

    Danke für deine Bemühungen. Wir waren vor einer Woche beim Tierarzt, haben ein Medikament bekommen, aber wir haben bis vorgestern gebraucht, um eine Methode zu finden, ihr das neue Medikament schmackhaft zu machen. >___< Denn das (was wohl anders schmeckte, als das, was sie vorher hatte) wollte sie mit dem Erdbeermus nicht länger futtern. *seufz* Kompliziertes Tier.



    Ah ja der Rabe von Edgar Allan Poe. Eine schöne Anlehnung.

    Danke :3 Konnte ich mir nicht verkneifen.




    ch denke mal, sie wurde entweder in ihrem Stolz verletzt, oder es gab einen romantischen Moment zwischen den Beiden.
    Zwei große Egos sind zwar nicht immer verträglich miteinander, aber sie haben alles in Allem viel gemeinsam.

    Tja, du wirst es dann sehen. Die Geschichte ist ja allgemein nicht so lang :P




    Und ich weiß wie sehr du auf Shipping stehst.

    Ich? Wie? Iiiiiich? (Ich stehe nur auf Paare, die auch eine Aufgabe im Plot haben ;) Nicht auf reine Romantik.)



    Das seltsame Verhalten des Raben könnte man dadurch erklären, dass Vögel manchmal herumalbern und man sich nichts dabei denken soll. Vielleicht hatte er aber auch etwas, was er ihr sagen wollte als er sich an ihrem Kopf festgekrallt hat. Vielleicht hatte er die Vision getriggert? Nein eher nicht, denn ein Vertrauter kann eigentlich sehr gut mit seinem Herrn kommunizieren, also wäre das auf so kryptische Weise nicht nötig. Ich denke er hat nur gespielt.

    Ich denke, dass wird sich im nächsten, bzw. eher übernächsten Kapitel schon relativ gut klären. :P
    Kek.




    Nimmt Feila etwa an, dass es keine Vision von Pele sei? Sie ist sich dem Chat nach ja nicht sicher.

    Eben das. Also sie ist nicht sehr sicher.




    Möglicherweise mit einem abgespaltenem guten Teil wie in Projekt Zero? Falls du das Spiel kennst. Diese Theorie ist etwas haltlos, da bisher in der Story und bei dem wenigen was ich über ihn nachlesen konnte nichts in der Richtung steht. Ich wollte aber wirklich alles aufzählen was mir dazu einfiel.

    Ach, ich höre gerne Theorien :P




    Dann wird noch Pedro erwähnt. Vorher wurde er soweit ich mich erinnere nicht erwähnt?

    Nope, wurde es nicht. Ist halt eben noch die Frage. Das Mystery, wenn man so möchte.




    Das Kapitel endet dann damit, dass Hine etwas ausprobieren möchte und erwähnt dabei die Leyline. Wikipedia sagt, das Autoren in einigen Werken Leylines als Kraftquelle benutzen.

    Leylines sind halt theoretische Energielinien, die von Magiern und in magischen Ritualen genutzt werden. (Wo ich hier wohne, sitze ich auf einer der Drachenlinie xD Was ich cool finde!) Bei Manmade Myths ist es auch ein zentrales Thema, dass es eben diese Linien, wo alles besonders magisch energetisch aufgeladen ist. Und diese Linien füttern halt Resservoirs. (Das ist wirklich ein Plotpunkt...)



  • Rangi (19:11)
    Mittlerweile eine Ahnung?

    Ich (19:12)
    Nein


    Werde mich in den nächsten Stunden nicht
    melden können.

    Rangi (19:12)
    Wieso?

    Ich (19:13)
    Hine will mit mir an Land gehen.

    Rangi (19:14)
    Wieso? D:

    Ich (19:14)
    Keine Ahnung. <.<


    Irgendwas mystisches wahrscheinlich ...


    Es war, wie Hine gesagt hatte. Etwa eine Stunde später hörten sie das Geschrei von Möwen, das verkündete, dass sie sich Land näherten. Wie immer kamen die weißen Vögel, deren Gefieder rötlich im Licht der untergehenden Sonne schimmerte, dem Boot nahe um zu sehen, ob sie vielleicht Essensreste abstauben konnten.
    Während Lucas noch immer alles andere als überzeugt war, hatte er – zu Feilas Überraschung – nachgegegeben und beobachtete nur von der Tür der Brücke aus, wie Hine, die ihre Arm schlinge abgelegt hatte und dafür nun einen kleine Seesack mit sich trug, über Bord in das recht flache Wasser sprang, das ihr gerade einmal bis zu den Hüften reichte, um dort zu warten.
    Tui saß noch immer auf der Reling und plusterte sich auf.
    Feila seufzte. Was auch immer. Sie wusste nicht wirklich, ob sie Hine vertrauen konnte, aber was sollte sie schon tun? Zudem war da auch ihre eigene Neugierde, selbst wenn diese noch immer von jenem unwohligen Gefühl in ihrem Magen gedämpft wurde, das sich dort breit gemacht hatte, seit sie gegen den Nifoloa gekämpft hatten. Also zog sie ihre dünnen Schuhe an und folgte Hine ins Wasser.
    Das Wasser war recht angenehm und klar. Die kleine Insel – nicht mehr als vielleicht einen knappen Kilometer im Durchmesser – sah im Sonnenuntergang wie etwas aus einem Reiseführer aus: Der Strand, der vor ihnen lag, war beinahe weiß, wenngleich einige dunkle Brocken auf ihm lagen. Wahrscheinlich war diese Insel, wie die meisten Inseln, irgendwann einmal durch einen Vulkanausbruch entstanden und einige Teile der gehärteten Lava waren noch immer an der Oberfläche. Davon einmal abgesehen wuchsen Palmbäume am Strand, sowie ein kleiner Hain im Inneren der Insel, die Landeinwärts zu einem kleinen Berg anwuchs.
    Unsicher sah Feila sich um, während einige Vögel sie zu beobachten schienen.
    „Und was machen wir jetzt?“, fragte sie, während sie Hine durchs Wasser watend folgte.
    „Wir suchen einen geeigneten Ort“, erwiderte die Magierin nur und hob ihren rechten Arm, damit Tui darauf landen konnte.
    „Wofür?“, fragte Feila, nicht ohne etwas genervt zu klingen. Sie hasste solche „Nicht-Antworten“.
    „Für ein Ritual“, antwortete Hine.
    Sollten sie wirklich dieses „Spiel“ spielen? „Was für ein Ritual?“
    „Astralreise.“
    „Was?“, fragte Feila, gerade als sie den Strand erreichten.
    „Astralreise“, wiederholte Hine nur. „Du weißt, was das ist, oder?“
    „Ja, sicher“, erwiderte Feila. „Aber ich bin kein Magier. Ich kann nicht …“
    Hine sah sie nicht einmal an, während sie zielstrebig auf den Berg in der Mitte der Insel zuging. „Tui sagt, etwas auf der anderen Seite ruft dich. Wir finden heraus, was es ist, und hoffen, dass es uns ein paar Fragen beantworten kann.“
    Feila sah zu dem Vogel, der sie aus einem Auge anzusehen schien, und immer wieder kurz die Federn aufstellte, während er leise Klicklaute mit seinem Schnabel machte.
    Sie seufzte. „Und wenn er nicht Recht hat?“
    „Dann haben wir auch nichts verloren“, erwiderte Hine. „Was soll groß passieren? Schlimmstenfalls scheiterst du und kannst nicht übergehen.“
    „Oder ich bleibe da drüben stecken!“ Feila beschleunigte ihre Schritte. Es reichte ihr. Sie wollte zumindest in Hines Gesicht sehen können, während sie über diese Dinge sprach.
    „Das wird schon nicht passieren.“ Hine sah ruhig, aber auch etwas abwesend aus. Eine seltsame Stähle lag in ihrem Blick. „Glaub mir.“
    Darauf erwiderte Feila erst einmal nichts.
    Die Wahrheit war, dass sie es nie geschafft hatte in den Astralraum zu reisen. Auch Meister Loto hatte es nicht gekonnt – jedenfalls nicht direkt. Er konnte Traumwandeln, aber nicht richtig in den Astralraum reisen. Umso mehr war sie unsicher, da sie so vieles über die anderen Welten gehört, sie aber nie gesehen hatten.
    Sie wusste, dass ihr Urgroßvater angeblich fähig gewesen war, zu reisen. Aber das bedeutete nichts. Zumal sie kein Magier war.
    Letzten Endes biss sie sich nur wieder auf die Spitze ihrer Zunge, während sie überlegte, was sie sonst sagen konnte. Sie hasste es so sehr, dass niemand sie nach ihrer Meinung fragte.
    Da fiel ihr jedoch noch etwas anderes ein: „Wer ist Pedro?“
    Nun sah Hine sie doch direkt an und für einen Moment schien beinahe so etwas wie Schreck in ihren Augen zu sein. „Was?“
    „Wer ist Pedro?“ Zumindest konnte nun auch sie einmal eine Frage wiederholen.
    Hine musterte sie für einen Moment, wandte dann aber den Blick an. „Das geht dich nichts an.“ Dabei war ihre Stimme nur distanziert, aber nicht so abwehrend, wie Feila es erwartet hätte.
    Sie sah auf den Boden und überlegte kurz, was sie erwidern sollte. „Aber“, begann sie dann langsam, ehe sie den Kopf schüttelte, um einen besseren Satzanfang zu finden. „Es hat mit Antonio zu tun, oder?“
    Hine erwiderte nichts.
    „Also hat es wirklich mit ihm zu tun“, schloss Feila. Es war also Zeit zu spekulieren. „Ist er sein Bruder?“
    Noch immer schwieg Hine, seufzte dann aber. „Nein.“ Sie seufzte. „Er war ein anderer Schüler seines Meisters.“
    War? „Oh.“ Feila schwieg kurz.
    Das hieß also dieser Pedro war tot? Aber was hatte er dann mit Hine zu tun?
    Und dann fiel ihr auf einmal etwas anderes ein. Die Bilder, die sie an der Seite von Antonios Bett gesehen hatte. Konnte es etwa sein …?
    „Oh“, murmelte sie erneut, als ihr noch etwas anderes einfiel. Die junge Frau, die sie in den Bildern gesehen hatte …
    Aber danach konnte sie nicht fragen. Hine würde nicht antworten. Sicher nicht.
    Für einen Moment blieb die ältere Frau stehen und musterte sie, doch dann wandte sie sich ab und ging weiter. Für den Rest des Weges, der – wie Feila feststellte – zur Spitze des Berges führte, schwiegen sie.
    Zumindest eine Sache, die sie sich gedacht hatte, sah sie bestätigt, als sie vor einem Krater standen, vielleicht fünfzig Meter breit, in dessen Mitte ein kleiner See lag: Die Insel war auch durch vulkanische Aktivität entstanden.
    „Gut“, murmelte Hine als sie sich umsah.
    Von hier aus konnten sie auf den Strand hinab blicken und auf das Meer, wo die Sonne gerade hinter dem Horizont verschwand.
    Wieder verfärbte der Himmel sich von Osten aus dunkel, während noch immer ein paar schwere Wolken am Himmel standen. Der kleine See schien beinahe komplett im Schatten zu liegen. Die ersten Sterne reflektierten sich auf der Oberfläche, die beinahe komplett glatt war.
    „Und jetzt?“, fragte Feila verunsichert.
    „Wir gehen ans Ufer“, erwiderte Hine und ging zu einer Stelle hinüber, wo ein Riss im Felsen eine leichtere Möglichkeit bot hinab zu klettern.
    Also folgte Feila weiter und war etwas später froh, als sie – von ein paar Kratzern abgesehen unbeschadet – unten im Krater ankam.
    Sie sah sich um und fühlte sich unwohl. Sie hatte den großen Teil in der Nähe von Vulkanen verbracht. Ach, die Göttin, die sie einst aus unerfindlichen Gründen erwählt hatte, war eine Göttin der Vulkane. Dennoch – oder vielleicht genau deswegen – fühlte sie sich in dem Krater eines erloschenen Vulkans unwohl.
    Ihr fiel etwas ein: „Sind auf Rapa Nui nicht Vulkankrater der Weg ins Jenseits?“ Sie hatte das einmal in einer Dokumentation gehört.
    „Ja“, erwiderte Hine. „So hat man es mir zumindest früher beigebracht.“ Sie sprach sachlich, während sie den Seesack, den sie mitgenommen hatte, auf dem Boden absetzte. Dann schüttelte sie den Kopf. „Geister halten sich oft in der Nähe auf. Aber …“ Sie schwieg kurz und schien zu zögern. „Viel eher sind Leylines vielerorts mit den Magmaströmen unter der Erde verbunden und Vulkane – egal ob noch aktiv oder erloschen – sind daher oft Orte großer magischer Energie.“ Dann sah sie zu Feila. „Das wird es leichter machen, überzutreten.“
    „Wieso?“, fragte Feila leise.
    „Weil die Grenzen hier verschwimmen“, antwortete Hine, wieder mit derselben sachlichen Distanz. „Außerdem haben wir eine spiegelnde Oberfläche.“
    „Und das hilft?“
    „Meistens“, erwiderte Hine.
    Feila legte die Stirn in Falten, als sie beobachtete, wie Hine einige Dinge aus dem Seesack zog und auf den Boden am Rand des Sees abstellte.
    Der Boden hier war von einer Schicht aus Sand, Asche und kleineren Steinchen überzogen, die hier im Schatten beinahe schwarz wirkten. Das machte das Gefühl, das diesen Krater erfüllte, nur noch bedrückender. Irgendetwas war hier einfach nicht gut. Nicht angenehm. Etwas stimmte einfach nicht. Jedenfalls kam es ihr so vor. Auch die silbrige Oberfläche des Sees wirkte auf sie unnatürlich. Doch vielleicht war es auch nur ihr Geist, der ihr hier einen Streich spielte. Sie mochte die Situation nicht. Sie mochte es nicht, keine Ahnung zu haben, was als nächstes geschehen würde.
    „Was machst du da?“, fragte sie, während sie beobachtete, wie Hine einige Früchte und eine Kokosnuss zusammen mit einigen Muscheln auslegte und in der Mitte eine Feuerstelle aus getrockneten Blättern aufzubauen schien.
    „Ein Ritual vorbereiten“, antwortete Hine mit ruhiger, konzentrierter Stimme, als sie ein Zündholz hervorholte.
    Feila hätte gerne erwidert, dass sie dies auch sehen konnte, doch sie schwieg. Und was sollte dieses Ritual dann machen?
    Tui krächzte und landete auf der Kokusnus, die von Hine etwas in die Asche-Sand-Mischung gedrückt worden war. Er breitete die Flügel leicht aus, wie es Vögel manchmal machten, wenn ihnen zu heiß war, und schien worauf zu warten.
    Schließlich, als eine kleine Glut zwischen den Blättern schwelte, wandte Hine sich Feila zu. „Du hast gelernt zu meditieren, nicht?“
    „Sicher“, erwiderte Feila.
    „Und Haka1?“
    Feila schüttelte nur den Kopf. Alles in allem war Meister Loto was diese Dinge angeht nicht besonders traditionell gewesen.
    Hine zuckte mit den Schultern. „Dann meditiere.“
    Während Feila in die Knie ging, um eine bessere Position zur Meditation zu finden, begann Hine sich ihrer Kleidung zu entledigen. Sie zog ihr Oberteil, den BH, aber auch Hose und Unterhose aus, wobei sie ein ganzes Labyrinth von Tattoos zeigte, die sich von ihren Knien an über ihre Oberschenkel, ihren Hintern, den Rücken und die Schultern erstreckten.
    Was tat sie da?, schoss es Feila durch den Kopf, obwohl sie eigentlich wusste, dass es auf diversen der Inseln üblich war, sich für Rituale zu entkleiden. Loto hatte ihr gesagt, dass es auch auf Hawai'i bis vor einigen Jahren nicht anders war, doch der zunehmende Einfluss vom Festland hatte viele dahingehend zurückhaltender gemacht.
    Doch auch das Wissen hielt sie nicht davon ab, zu erröten, als ihre Augen ganz automatisch über die Tattoos wanderten. Sie erkannte einige der Muster: Echsen, Menschen, Wellen, Vögel, die Sonne, Schildkröten und ein Rabe mit ausgebreiteten Flügeln zwischen ihren Schultern.
    Dann aber legte Hine auch den Verband ab und zeigte damit den recht langen Schnitt, den der Nifoloa knapp über ihrer linken Brust neben mehreren kleinen Kratzern durch seine Dornen hinterlassen hatte.
    Als Hine ihr einen Blick zuwarf, senkte sie hastig den Blick.
    „Vielleicht solltest du dich aus ausziehen“, hörte sie die Stimme der Magierin, während der Vogel beinahe so etwas wie ein Lachen hören ließ. „Du kannst deine Kleidung ohnehin nicht mit in den Astralraum nehmen. Jedenfalls nicht ohne sie vorher an dich zu binden.“
    Feila errötete. Sie hatte davon gehört. Meister Loto hatte es ihr schon einmal erzählt, als sie es zusammen mit ihm versucht hatte. Doch die Vorstellung gefiel ihr absolut nicht. Sollte sie wirklich ohne Kleidung im Reich der Geister erscheinen? Das hieß natürlich, wenn sie überhaupt übertraten.
    „Es ist niemand hier, um dich zu beobachten, Kleine“, meinte Hine, ehe sie sich – zumindest den Geräuschen nach, da Feila es nicht wagte, sie noch einmal anzusehen – selbst hinkniete.
    Feila sah sich um, zugebend, dass sie Recht hatte. Niemand war hier außer ihnen beiden. Hine hatte sie schon vorher nackt gesehen und hatte sie – so nahm sie an – auch versorgt und gewaschen, als sie ohnmächtig gewesen war.
    Es fiel ihr dennoch schwer. Allein die Vorstellung so verwundbar zu sein.
    „Deine Entscheidung“, meinte Hine, die offenbar ihre Unsicherheit bemerkt hatte. „Ich sage nur wie es ist: Du kannst deine Kleidung nicht mitnehmen.“
    Genervt seufzte Feila auf. „Schon gut.“ Damit stand sie noch einmal auf, um zumindest ihr Shirt und ihre Hose, die nur bis knapp über ihre Knie reichte, auszuziehen. Die Unterwäsche wollte sie anbehalten. Es gab einfach keinen vernünftigen Grund sich vollkommen zu entkleiden, selbst wenn was sie sagte stimmte.
    Trotz der recht warmen Nachtluft leicht frösteln, ließ Feila sich wieder in den feinen Sand sinken, und versuchte ihre Gedanken zu ordnen. Wieder vertrieb sie die Gedanken, was nur umso schwerer durch die ganze Situation wurde. Sie wollte nicht hier sein. Sie wollte dieses komische Ritual nicht machen.
    Auch Hine, die nun irgendetwas zu machen schien – Feila hörte ein Knistern und ein Geräusch, das einen Mörser erinnerte, ehe Hine einen fremd und gleichzeitig vertraut klingenden Singsang anstimmte. Sie hörte Schritte, die wahrscheinlich Hine gehörten, und verdrängte all das dann wieder aus ihrer Wahrnehmung. Sie musste ihre Gedanken leeren.
    Schwer atmete sie aus, dann langsam und sehr bewusst wieder ein. Sie wurde sich ihres eigenen Körpers bewusst: Ihrer Beine, die auf dem kühlen, aber angenehm weichen Sand knieten; ihrer Haut, die vom Mondlicht beschienen und von einem seichten Wind umspielt wurde; ihrer Arme, die entspannt auf ihren Oberschenkeln lagen. Immer wieder atmete sie ein und aus. Langsam. Bewusst. Und schließlich merkte sie, wie die Flut der Gedanken ein wenig verebbte.
    Sie begann die Wärme, die tief in der Erde unter ihr gespeichert war, zu spüren. Sie spürte die Bewegung der Erdmassen und die Hitze der Lava, die hier noch immer nahe an der Oberfläche war.
    Auch spürte sie etwas anderes: Ein seltsames Ziehen. Dasselbe Ziehen, dass sie auch gemerkt hatte, als Tui ihr in die Augen gesehen hatte.
    Sie musste sich wieder konzentrieren, um ihren Atem davon abzuhalten, sich wieder zu beschleunigen. Was war es nur, dass ihren Geist fortziehen wollte – denn genau so fühlte es sich an. Als würde etwas ihren Geist aus ihrem Körper ziehen wollen.
    „Trink das“, hörte sie auf einmal Hines Stimme, dieses Mal sanfter, als sie sie je zuvor gehört hatte.
    Langsam öffnete Feila die Augen, bedacht darauf, ihre Gedanken und Gefühle weiter unter Kontrolle zu halten.
    Hine hielt ihr die Hälfte einer Kokosnuss hin, die mit einer seltsam süßlich-frisch riechenden Flüssigkeit gefüllt war, die im Dämmerlicht gräulich wirkte.
    Sie schluckte, nahm jedoch das improvisierte Gefäß an und trank die Flüssigkeit, wie es offenbar von ihr erwartet wurde, in einem Zug leer. Es war offenbar aus irgendwelchen Kräutern und der Milch der Kokosnuss angemischt worden und hinterließ ein seltsam taubes Gefühl in ihrem Mund.
    Dann hörte sie etwas. Ein fernes Rauschen, das jedoch nicht von den Bäumen oder dem Meer zu kommen schien, sondern viel eher aus dem See vor ihr.
    Sie blinzelte, als sie ein Schimmern auf der Oberfläche sah. Das waren nur die ersten Sterne, oder?
    Hine kniete sich noch einmal vor ihr kleines, beinahe schon ausgebranntes Feuer, und trank selbst etwas aus einer Kokosnuss, wobei Feila nicht sagen konnte, ob es dasselbe Getränk war. Dann leerte sie den Rest über dem Feuer aus, woraufhin sich eine plötzliche Dunkelheit im Krater ausbreitete, nur gebrochen, von dem Licht, das der See zu reflektieren schien.
    „Spürst du es?“, fragte Hine leise.
    Was, hätte Feila beinahe gesagt, doch dann verstand sie. Ja, sie merkte es. Viel eher hörte und sah sie es. Das Licht schien aus dem See selbst zu kommen, genau so, wie das Rauschen. Es zog sie an.
    Was sollte sie machen?
    Langsam stand sie auf und machte einen Schritt nach vorn. Da Hine sie nicht aufhielt, schien sie genau dies zu erwarten.
    Also machte Feila einen weiteren Schritt auf den See zu, dann noch einen, dann einen weiteren. Dann traf ihr Fuß auf das Wasser – nur dass es sich nicht ganz wie Wasser anfühlte.
    Sie setzte den zweiten Fuß nach und dann – auf einmal – fiel sie.



    https://imgur.com/ijDG7Au.png



    ________________


    Vorwarnung: Nächstes Kapitel kommt wieder erst in 2 Wochen, weil Unikram.

  • Ein bisschen Worldbuilding kommt vor. Das Kapitel setzt sich etwas mit der Insel und dem Ritual auseinander.
    Man bekommt auch ein paar schwache Hints darauf, wer Petro sein könnte. Ihr Bruder, oder Freund möglicherweise.
    Außerdem könnte die Junge Frau Hine sein.
    Der Höhepunkt war das Ritual. Du hast es sehr authentisch dargestellt und die Atmosphäre kam gut rüber.
    Sehr schöner Blick auf die Kultur. Vielleicht auch ein bisschen Ecchi, das drängt sich aber nicht auf, ist also OK so.