Braucht man Gefühle?

  • Schon Säugetiere mit weniger komplexem Gehirn haben nur im Ansatz ähnliche Gefühle wie Menschen. Mikroorganismen haben jedoch sicherlich keine. Ein Gefühl ist eine Handlungsaufforderung: Schmerz bedeutet Finger Zurückziehen. Ekel bedeutet Ausspucken. Liebe bedeutet Fürsorge und Vermehrung. Das ist jetzt ein bisschen vereinfacht, aber so ungefähr könnte man es beschreiben.Diese Gefühle haben sich in der Entwicklung des menschlichen Lebens als sinnvoll erwiesen und deshalb haben wir sie immer noch.

    Nicht nur Säugetiere. Viele Vögel besitzen hochkomplexe Gehirne und gerade Raben sind sehr empathische und mitfühlende Tiere. ;)  
    Empathie und Trauer waren zuerst nur etwas, das man dem Menschen zusprach.
    Dann erkannte man es Menschenaffen zu, irgendwann Elefanten und Delfinen, später war die Einstellung "naja, es könnte auch bei anderen Säugetieren so sein", bis man schließlich auch anfing Raben- und Papageivögel für voll zu nehmen.


    Wie es in Reptilien aussieht kann man einem wohl nicht so genau sagen xP
    Aber auch Reptilien besitzen die Fähigkeit sich ein wenig zu merken und primitive Gefühle wie Zorn oder Angst wahrscheinlich auch empfinden.


    Empathie oder Verliebtheit und Liebe sind deshalb nur bei "höher entwickelten" Tieren anzutreffen, weil es die Vorraussetzung abverlangt, dass man nicht alles nur auf sich selbst bezieht und eine Theory of Mind hat, das Wissen darum, dass es sich bei meinem Gegenüber um ein Lebewesen handelt, das ebenfalls wahrnimmt, fühlt und denkt.
    Das bringt natürlich auch eine Menge Vorteile. Wenn mein Konkurrent hersieht, versteck ich nicht gerade in dieser Sekunde mein Futter. Ich kann ihn auch täuschen und anlügen, was auch einige Tiere sehr gerne tun. X)


    Empathie ist nicht automatisch Mitgefühl, denn zB. Rabenvögel leben oft in einer lebenslangen, monogamen Ehe, bei der sie besonders mit ihrem Partner mitleiden und tatsächlich versuchen ihn zu trösten oder ihm nach Streitigkeiten mit anderen Raben und anderen Tieren beizustehen.


    Das ist eine ganz wichtige Sache, warum Empathie und soziale (und emotionale!) Beziehungen bisher so erfolgreich waren: Empathie ist natürlich nicht nur zum Täuschen da.
    In der Evolutionsgeschichte hat es sich wohl als sehr nützlich erwiesen, dass sich nicht jeder in der Gruppe nur um sich selbst und sein eigenes Wohl kümmert. X) Dazu gehört nicht nur eine gemeinsame Jagd und Arbeitsteilung oder vielleicht auch Jungtierkindergärten, sondern dass jedes Individuum besser damit fährt, wenn es auch auf die Emotionen und die Gesundheit anderer Rücksicht nimmt.
    Schon alleine deshalb, weil es für das einzelne Tier gesünder ist zB. die Wut eines anderen wahrzunehmen xD
    Es ist aber auch tatsächlich so, dass ein enger Gruppenzusammenhalt wieder jedem einzelnen Individuum zu Gute kommt und sein Aufwachsen als Jungtier und sein Überleben als erwachsenes Tier begünstigt. So wie es in den Wald ruft... ;)


    Was mir persönlich missfällt ist, dass Katzen manchmal als die "sozial unverträglichen Psychopathen" unter den Säugetieren dargestellt werden.
    1. Katzen sind KEINE Einzelgänger, sie jagen nur alleine und 2. lecken auch sie andere befreundete Katzen oder ihre Menschen ab, wenn diese Schmerzen haben und versuchen sie mit ihrem Schnurren zu beruhigen.
    Es bringt der Katze selbst überhaupt keine Vorteile, wenn sie sich schnurrend zu einem kranken Tier / Menschen legt, außer vielleicht, dass man sich auch um sie kümmern wird, wenn sie krank ist, was den meisten Haustieren ohnehin klar ist, dass ihre Menschen das tun. Viele Katzen verziehen sich, wenn sie sich nicht wohlfühlen, viele andere suchen aber so etwas wie Trost oder vll. auch Hilfe bei ihrem Besitzer.
    (Als meine Katze krank geworden ist, hat mein Kater sie nicht mehr angesprungen und war auch sonst ungewöhnlich sanft oder vorsichtig im Umgang mit ihr, weil er ihre Krankheit gespürt / gesehen hat.)



    Ach ja, zuletzt muss man sagen, dass nicht jede Handlungsaufforderung auch ein Gefühl ist.
    Auch Einzeller erhalten alle möglichen komplexen chemischen Signalen, um einen Ort zu verlassen, haben aber natürlich ohne Gehirn auch keine Angst.


    Und eine Qualle besitzt ganz bestimmt keine Gefühle xD
    Die hat ein wirklich sehr primitives Nerven"system".