Aquarellfarben für Einsteiger

  • Willkommen bei meinem Aquarell-Tutorial!


    Es richtet sich vor allem an diejenigen unter euch, die mit dieser Art zu zeichnen beginnen wollen, aber vielleicht findet ja auch die eine oder andere erfahrenere Person etwas Neues :).
    Beachtet bitte, dass ich hier lediglich meine eigene Methode zum Zeichnen mit Aquarellfarben vorstellen werde. Es gibt viele andere Verwendungsmöglichkeiten, die ich leider nicht alle abdecken kann und will, zumal dies einem Einsteiger wohl auch eher weniger entgegenkommen würde.


    Voraussetzungen:
    Natürlich müsst ihr keine Profis sein, um mit Aquarellfarben zu arbeiten, jedoch solltet ihr schon ein wenig Erfahrung im Zeichnen besitzen. Dies ist zum Beispiel wichtig, da ihr ein gewisses Gefühl für den Bleistift benötigt, damit ihr bei der Skizze nicht zu stark aufdrückt – aber auch, weil Aquarellfarben meiner Meinung nach nicht ganz so einfach handzuhaben sind wie etwa Buntstifte. Etwas Übung im Umgang mit anderen traditionellen Medien ist daher sinnvoll und erleichtert euch den Einstieg.


    Inhalt:
    1. Materialvorstellung
    2. Kleine Übung vorweg
    3. Einschub: Referenzen
    4. Von der Skizze zum Bild
    5. Tipps und Tricks




    1. Das Material



    Lasst euch von den ganzen Dingen auf diesem Foto bitte nicht erschlagen! Ich habe im Laufe der Zeit einiges angesammelt, aber zum Einsteigen braucht ihr gar nicht so viel. Materialien, die mit einem Stern markiert sind, sind nur mögliche Erweiterungen für euer Repertoire.
    Empfehlenswerte Marken kann ich euch leider gar nicht nennen, weil ich selbst kaum einen Teil meiner Aquarell-Materialien gekauft habe, sondern einfach die meiner Mutter nutze, bei denen die Herkunft schon längst vergessen ist ;/.

    • Aquarellfarben gibt es fest in kleinen Näpfchen oder als Paste in Tuben, wobei ich mit Letzterem leider keine Erfahrung habe. Wenn man feste Farben verwendet, bietet es sich an, diese gleich in einem Farbkasten zu kaufen (gibt es auch in klein und für Einsteiger), bei dem häufig sogar eine Palette im Deckel enthalten ist. Falls man Tuben nutzt, braucht man dazu auch eine Palette, auf die man die Farben tun und mischen kann (gut, ein Teller geht notfalls bestimmt auch, aber na ja^^“). Da sich Aquarellfarben besonders gut mischen lassen, braucht man zu Beginn gar nicht so viele verschiedene Farbtöne (Ich besitze auch einen kleinen Kasten mit zwölf verschiedenen Farben, mit dem man ebenfalls sehr weit kommt). Die Primärfarben (Gelb, Cyanblau, Magentarot) und Schwarz und Weiß sollte man auf jeden Fall besitzen, dazu vielleicht noch ein paar schlecht zu mischende Töne (besonders reine Farben). Farbkästen sollten eigentlich immer eine sinnvolle Farbwahl enthalten, ansonsten kann man sich ja auch an den Wasserfarbkästen für die Schule orientieren. Vor Kurzem habe ich außerdem ein richtiges Einsteiger-Set an Materialien gesehen, wobei ich damit leider keine Erfahrung habe.
    • Aquarellpinsel sind wichtig, denn sie sind fester als normale Pinsel. Deshalb lässt sich die Farbe mit ihnen präziser, einfacher und gleichmäßiger auftragen. Auch Details sind entsprechend leichter zu zeichnen. Daher bezeichne ich sie hier als absolute Pflicht! Ich selbst benutze normalerweise nur zwei bis drei verschiedene Pinsel – je einen der Dicke 2, 6 und 12. Jeder Pinsel sollte eine solche Nummer auf den Stiel aufgedruckt haben, ihr könnt euch also kaum vertun.
    • Aquarellpapier: Zum Malen mit Aquarellfarben benötigt man spezielles Papier. Dieses ist fester als normales Papier und wellt daher nicht so leicht, wenn es feucht wird. Außerdem trocknen die Aquarellfarben darauf nicht so schnell und zieht nicht so stark ein (es ist also weniger saugfähig), was wichtig für saubere Farbübergänge und allgemein ein ordentliche Kolorierung ist. Es gibt verschiedene Sorten Aquarellblöcke. Sie unterscheiden sich einerseits darin, wie rau das Papier ist (je rauer, desto langsamer zieht die Farbe ein) und wie der Rand geleimt ist. Bei normalen Zeichenblöcken ist das Papier ja nur an einer der schmalen Seiten befestigt, bei vielen Aquarellblöcken sind die Bögen jedoch rundherum geleimt (nur an den Ecken gibt es schmale Spalten, durch die man nach dem Zeichnen ein Messer zum Ablösen des Papiers schieben kann). Dadurch wird verhindert, dass sich das Papier zu stark wellt. Es gibt aber auch Blöcke, bei denen die Bögen wie bei normalen Zeichenblöcken befestigt sind. Die rundherum geleimten Blöcke sind natürlich etwas praktischer, weil man das Papier nicht mehr auf einem extra Stück Pappe befestigen muss. Ich besitze beide Sorten und sehe ansonsten keine Unterschiede.
    • Wasser(-glas) – benötigt man natürlich für alle Wasserfarben :).
    • Küchenpapier (oder anderes saugfähiges Material), um kleine Fehler oder Tropfen schnell wieder vom Papier zu tupfen. Das funktioniert aber nur, solange die Farbe noch ganz feucht ist.
    • Bleistift(e) und Radiergummi für die Vorzeichnung. Verwendet auf Aquarellpapier keine zu weichen Bleistifte, wenn ihr noch radieren wollt, denn darauf werden sie beim Radieren sehr leicht verschmiert. Arbeitet also möglichst vorsichtig und vermeidet die Nutzung von Bleistiften, die weicher als 2B sind – es sei denn, ihr werdet ohnehin nicht radieren.
    • Ein Schmierblatt oder ein kleines Kärtchen Aquarellpapier, auf dem ihr beim Malen Farben ausprobieren könnt, um euch unangenehme Überraschungen auf eurem Bild zu ersparen.
    • Maskiergummi (auch Rubbelkrepp)*, mit dem man Flächen auf dem Papier abdeckt, damit keine Farbe darauf kommt. Nach dem Malen oder wenn man die abgedeckte Fläche ausmalen will, rubbelt man das Gummi einfach wieder ab.
    • Bunt-/Aquarellstifte* oder ein weißer Gelstift* für Details und Ergänzungen.
    • Gegebenenfalls Zeitung als Unterlage.



    2. Eine kleine Übung vorweg



    Um einen ersten Einblick in die Verwendungsmöglichkeiten der Aquarellfarben zu bekommen, habe ich hier eine kleine Übung vorbereitet, die auch ich schon ein paar Mal in der Schule machen musste:


    Teilt einen Bogen Aquarellpapier in acht möglichst gleich große Kästchen ein. Da das hier nur eine Übung ist, muss es nicht unbedingt perfekt aussehen. Die entstandenen Felder bearbeitet ihr nun wie folgt:

    • Kästchen 1: Sucht euch eine Farbe aus und tragt diese, wie auf dem Bild zu sehen, so ordentlich wie möglich in drei Kreisen auf das trockene Papier auf. Bei einem Kreis solltet ihr relativ viel Wasser und eher wenig Farbe nehmen, beim zweiten etwas weniger Wasser und etwas mehr Farbe und beim dritten sehr wenig Wasser und sehr viel Farbe. Bei allen Wasserfarben sorgt das Verhältnis zwischen Farbe und Wasser für große Unterschiede bei einem einzigen Farbton. Wenn die Farbe getrocknet ist, nehmt einen feinen, feuchten (nicht nassen!) Pinsel und „reibt“ damit an einer Stelle die Farbe wieder vom Papier. Tupft die restliche Feuchtigkeit direkt danach mit einem Küchentuch wieder ab. Wie ihr seht, sind Aquarellfarben auch nach dem Trocknen noch gut wasserlöslich (das gilt nur auf Aquarellpapier!) und lassen sich auswaschen.
    • Kästchen 2: Feuchtet das Papier mit einem dicken Pinsel gleichmäßig an – macht es nicht klitschnass! – und tragt dann eine Farbe auf. Dies nennt sich Nass-in-Nass-Technik.
    • Kästchen 3: Malt etwas einfarbig auf euer Papier (es kann auch eine simple Form sein, z.B. ein Quadrat) und lasst die Farbe trocknen. Zeichnet danach mit einer zweiten Farbe (die leicht wässrig ist, wie in Kästchen 1) ein Muster darüber. Diese Methode heißt Schichtmaltechnik, bzw. wenn die Farbschichten transparent aufgetragen werden „Lasurtechnik“.
    • Kästchen 4: Feuchtet das Papier wieder an und setzt in zwei gegenüberliegende Ecken zwei verschiedene Farben, die ihr dann in der Mitte ineinander übergehen lasst. Dies ist eine kleine Übung, um erste Farbübergänge zu schaffen, wobei ich persönlich finde, dass das am richtigen Motiv meist besser klappt ;).
    • Kästchen 5: Geht vor wie in Kästchen 2, aber bevor die Farbe komplett getrocknet ist, sollt ihr dieses Mal Salz darauf streuen. Je nachdem, wie feucht die Farbe noch ist, entstehen leicht unterschiedliche Muster. Hierbei müsst ihr allerdings aufpassen, dass die Farbe beim Salz streuen weder zu trocken noch zu nass ist, denn in solchen Fällen funktioniert die Technik nicht richtig.
    • Kästchen 6: Tragt etwas Maskiergummi auf oder deckt eine Fläche mit weißer Wachsmalkreide ab. Dann geht mit Aquarellfarbe darüber (erst wenn das Gummi getrocknet ist!). Nach dem Trocknen der Farbe könnt ihr das Maskergummi entfernen. Ihr könnt auch etwas anderes ausprobieren und das Papier bei der getrockneten Farbe einem Messer einritzen. Das hier sind Techniken für besondere Effekte, bei denen das Weiß des Papiers zum Vorschein kommt. Aus Gründen der Anschaulichkeit habe ich alle drei verwendet, ihr könnt einfach das aussuchen, was ihr selbst zur Verfügung habt. Falls ihr noch jünger seid, fragt aber gegebenenfalls eure Eltern, ob ihr ein Messer benutzen dürft! Achtet darauf, dass ihr die Wachsmalkreide im Gegensatz zum Maskiergummi nicht mehr vom Papier bekommt und dieses mit dem Messer beschädigt, weshalb man Letzteres nur ganz zum Schluss verwenden sollte.
    • Kästchen 7: Feuchtet das Papier an und setzt einzelne Farbtropfen oder Striche hinein und beobachtet, was passiert. Auch hier hängt das Ergebnis vom Verhältnis zwischen Wasser und Farbe ab.
    • Kästchen 8: Skizziert mit Bleistift ein für euch einfaches Motiv und übt daran eine oder mehrere der neuen Techniken. Bei meinem Bild habe ich die Lasurtechnik und ein Messer verwendet, da ich diese beiden Methoden bisher fast noch nie genutzt habe.



    3. Bevor es weitergeht..



    ..Werde ich euch erst einmal etwas zu Referenzen erzählen!
    Natürlich hat das nicht nur mit Aquarellfarben zu tun, aber ich halte es dennoch für sehr wichtig. Wenn ihr etwas zeichnen wollt, dann verzichtet – wenn möglich – auf keinen Fall auf Vorlagen! Wenn ihr sie am PC bevorzugt, sind Seiten wie DeviantArt (hier auch besonders die Kategorie „References & Stock Images“) oder Bildersuchmaschinen natürlich besonders gut geeignet. Ich persönlich habe meine Referenzen lieber direkt vor mir und verwende dafür normalerweise Bildbände. Ihr müsst sie nicht einmal selbst besitzen, auch in Bibliotheken findet sich Einiges – sofern ihr beim Malen aufpasst und die Bücher nicht beschädigt ;). Wer Pokémon zeichnen will und X oder Y besitzt, kann auch gut den Pokédex verwenden, weil man die Monster dort ja von allen Seiten betrachten kann.
    Warum ich euch das hier vorsetze? Ganz einfach – Aquarellpapier ist gutes Papier und man sollte sich nicht erst darauf sein Bild ausdenken. Rillen, die durch zu starkes Aufdrücken mit dem Stift entstehen, sorgen beim Ausmalen für dunkle Stellen und Radieren funktioniert auf dem Papier auch nicht so gut, wie ich bereits beim Material erwähnte. Das liegt daran, dass das Radiergummi den Bleistift darauf eher verschmiert als entfernt und solche Stellen sehen später nicht gut aus. Erarbeitet euch euer Motiv also auf einem Schmierblatt, indem ihr den Bildaufbau grob skizziert und die wichtigsten Objekte mithilfe der Referenzen übt, bis ihr sie einigermaßen sicher beherrscht. Da man bei Aquarellfarben manchmal schnell sein muss (bevor sie trocknen) ist es sinnvoll, die Vorlagen auch beim Kolorieren immer zur Hand zu haben.



    4. Von der Skizze zum Bild
    Nun, da ihr euch im Klaren darüber seid, wie euer Bild aussehen soll und euer Motiv auch ein wenig geübt habt, wird es endlich Zeit, das Ganze auf das Aquarellpapier zu übertragen :). Ich werde das hier am Beispiel eines Bildes für das Pokédex-Projekt vorführen.
    Bei der Vorzeichnung des Motivs gibt es ein paar Dinge zu beachten. Erst einmal solltet ihr natürlich aufpassen, dafür keine wasserlöslichen Stifte zu verwenden. Sicher kann man damit auch mal experimentieren, aber grundsätzlich möchte wohl kaum einer verlaufende Farben nutzen. Wenn ihr mit Outlines zeichnen wollt, solltet ihr entsprechend auf Fineliner und Filzstifte verzichten oder die Linien erst nach der Kolorierung auftragen, wenn das Papier wieder trocken ist. Gute Erfahrungen hingegen habe ich mit Bleistiften gemacht, die in Kombination mit Aquarellfarben wirklich gut aussehen können, aber auch Kugelschreiber sollte funktionieren. Wie es mit Tusche aussieht, weiß ich nicht, aber in getrocknetem Zustand sollte sie ja wasserfest sein und ich meine, sie auch bei Aquarellbildern gesehen zu haben.
    Wenn ihr ohne Outlines malt oder diese erst ganz zum Schluss zeichnen wollt, sollte die Vorzeichnung sehr blass mit einem eher harten Bleistift erfolgen (also H-Bleistifte), denn weiche Bleistifte sind dunkler. Drückt auf keinen Fall zu sehr auf, da die Aquarellfarben bei den meisten Techniken recht transparent sind und dunkle Striche somit hindurch scheinen.


    Wenn ihr mit der Vorzeichnung fertig seid, müsst ihr – sofern ihr keinen komplett geleimten Aquarellblock verwendet – das Papier auf einer festen Unterlage fixieren (bestenfalls auf Pappe o.Ä., aber auch der Tisch ist geeignet, mit dem Nachteil, dass ihr das Bild nicht mehr drehen könnt). Ich habe hier mal mein Skizzenbuch zweckentfremdet ;D. Verwendet dabei ruhig Tesafilm, denn von Aquarellpapier lässt es sich normalerweise problemlos wieder abziehen. Bedenkt aber, dass dabei ein schmaler Rand entsteht, den ich persönlich allerdings ganz schön finde. Ihr solltet es hier bitte nicht so wie ich machen (Tesafilm war knapp..), sondern wirklich den ganzen Rand mit Tesafilm fixieren. Erstens wellt sich das Papier sonst und zweitens sieht es so besser aus als wenn man nur an manchen Stellen weiße Ränder hat.
    Stellt euch euer Material und eventuelle Referenzen bereit und vergesst bloß nicht das Küchenpapier! Wenn ihr es erst holt, sobald ihr es auch wirklich braucht, ist die Farbe wahrscheinlich schon getrocknet und ihr könnt den Fehler nicht mehr ausbessern.


    Bevor ihr mit dem Anmalen beginnt, könnt ihr nun Maskiergummi auftragen (dann müsst ihr warten, bis es getrocknet ist) oder andere abdeckende Materialien – wie ihr bei der Übung schon gelernt habt.


    Jetzt kommt endlich Farbe ins Spiel! Dafür gibt es zwei Faustregeln – 1: Beginnt zunächst mit dem Hintergrund und arbeitet euch von hinten nach vorne vor, um weiße Ränder um Vordergrundmotive zu vermeiden. 2: Helle Farben sollten vor dunklen Farben aufgetragen werden, damit ihr z.B. Gelb nicht durch Dunkelblau verdreckt. Aquarellfarben sind nämlich auch nach dem Trocknen auf dem Bild noch wasserlöslich.
    Ich selbst arbeite häufig in mehreren Schichten. Auch hierbei gilt, dass ich erst den Hintergrund vollständig koloriere und dann zum Vordergrund (bzw. erst zum Mittelgrund) übergehe.
    Als erstes habe ich bei diesem Bild also den Himmel angemalt. Dabei habe ich die Nass-in-Nass-Technik verwendet – Farbe auf das feuchte Papier – und dann Salz darüber gestreut. Bevor ich zu den Bergspitzen übergegangen bin, habe ich nach dem Trocknen der Farbe die Ränder, an denen der Himmel durch die Berge begrenzt wird, ein bisschen ordentlicher gemacht, indem ich mit einem feuchten Pinsel Farbe ausgewaschen habe, wo ich übergemalt hatte. So sehen die Ränder anschließend ordentlicher aus als vorher und die Grenze zwischen Bergen und Himmel ist klarer erkennbar. Ich habe nach auch das Maskiergummi über den Leuchtkugeln entfernt und diese etwas weiter ausgearbeitet.
    Als nächstes kamen die Schattierungen hinzu. Da es sich um Schnee handelt und es keine direkte Lichtquelle gibt (der Himmel ist trüb, entsprechend kommt das Licht vom gesamten Himmel und nicht nur von dort, wo die Sonne steht), sind diese Schattierungen eher schwach. Der Vordergrund bleibt noch unbearbeitet.


    Nun zeichnete ich aus dem Schnee herausragende Felsen ein (Hierbei hatte ich ein Foto einer schneebedeckten Bergspitze als Referenz vor mir). Als erstes habe ich mit dem Pinsel einfarbig grau einzelne, dicht beieinander liegende, ungleichmäßige Flecken gemalt, wie man es bei dem vorderen linken Berg noch gut erkennt. Dann habe ich unterhalb dieser Felsen die Schatten gesetzt, die gemäß meiner Vorlage etwas tiefer und klarer begrenzt sind als die anderen Schatten, weil das Licht dort richtig abgeschirmt wird. Zuletzt habe ich meinen weißen Gelstift genommen (deckend aufgetragene weiße Aquarellfarbe wäre auch möglich gewesen) und feine Ritzen und Spalten gezeichnet, in die etwas Schnee gedrungen ist. Je weiter hinten sich die Bergspitzen im Bild befinden, desto mehr habe ich auf Details verzichtet, damit ein gewisser Eindruck von Tiefe entsteht. Mit meiner dunkleren Schattenfarbe habe ich Fußspuren in den Schnee gemalt, durch den die Schneppke(-s; klingt beides doof :/) gelaufen sind. Weil mir der Himmel zu unruhig war, bin ich mit einem feuchten Pinsel darübergegangen und habe so die stärksten Hell-Dunkel-Kontraste ausgewaschen. Bei den Leuchtkugeln habe ich auch noch mit dem Gelstift gearbeitet. Zuletzt habe ich noch im Vordergrund die Schatten im Schnee gesetzt.


    Da die Landschaft somit weitgehend fertig war, bin ich zur den Pokémon übergegangen. Zuerst habe ich alle Flächen grundiert, was auch noch gar nicht so ordentlich aussehen muss. Weil Schneppkes Gesicht/Haut schwarz ist, werde ich diese aus den zu Beginn genannten Gründen erst nach dem „Mantel“ ausmalen. Weil mir die Leuchtkugeln einfach nicht gefallen wollten, habe ich sie mit dem Pinsel „ausgewaschen“ und am Himmel mit einer weiteren Schicht Farbe (wieder per Nass-in-Nass-Technik) bedeckt. So etwas funktioniert zwar als Notfall-Lösung, sollte aber möglichst vermieden werden, weil das Papier durch zu viel Bearbeitung beschädigt wird. Bei meinem Beispiel lässt sich diese beginnende Schädigung schon erkennen. Ich zeige die nächsten Schritte nun erst einmal nur an dem Shiny Schneppke, weil es so einfacher nachzuvollziehen sein sollte. Die übrigen Pokémon habe ich nacheinander aber nach demselben Prinzip koloriert.


    Anschließend habe ich das Ganze schattiert, indem ich mit einem dunkleren Blauton die Schatten auftrug und anschließend mit einem feuchten Pinsel die Farbübergänge schuf. Hierbei muss man ein wenig aufpassen, keine Farbe auszuwaschen.


    Da nun nur noch Details kommen, konnte ich den gelben Rand auch ausmalen, ohne Angst haben zu müssen, das Gelb durch das Blau zu verschmutzen. Mit meinem feinsten Pinsel (Dicke: 2) zeichnete ich ein paar Details ein. Schneppke ist, so musste ich merken, wohl nicht das beste Beispiel, weil es ziemlich simpel gehalten ist.. Aber es sollte erkennbar sein, dass ich bei den Details mit Licht und Schatten gearbeitet habe.


    Dann wurden die besagten Details noch mit Buntstiften verfeinert und die Kolorierung durch diese ordentlicher gemacht, indem ich die Schatten mit einem blauen Stift übermalte und mit einem weißen Stift darüberging, um Ungleichmäßigkeiten zu retuschieren.


    Auf die gleiche Art kamen nun Haut, Augen und Zähne dran – Grundierung, Schatten, Details, Ausarbeitung mit Buntstift. Bei den Zähnen kam zum Schluss auch noch der weiße Gelstift hinzu, den ich dann auch noch bei den Rändern des Mantels verwendete. Letzte Makel wurden beseitigt. Wie man solche Augen wie bei Schneppke koloriert, könnt ihr unter „Tipps und Tricks“ auch noch in einer Schritt-für-Schritt-Anleitung nachschauen.


    So bin ich nun auch noch bei den übrigen Pokémon vorgegangen. Je weiter weg sich ein Schneppke befand, desto weniger Details habe ich ausgearbeitet. Außerdem habe ich die Fußspuren gezeichnet, indem ich sie erst komplett mit einem hellen, transparenten Graublau ausmalte und dann die inneren Ränder mit etwas dunklerer Farbe hervorhob.
    Schließlich habe ich das Bild noch einmal betrachtet und ihm den letzten Schliff verpasst, zum Beispiel habe ich die Berge mithilfe meiner Buntstifte ein bisschen stärker vom Himmel abgehoben.
    Nun das Tesafilm entfernen, Unterschrift drauf – fertig! ;)  


    Im Nachhinein fällt mir auf, dass ich die hinteren Berge ruhig etwas dunkler hätte machen können, um eine bessere Tiefenwirkung zu erreichen. Den Gedanken wollte ich euch nicht vorenthalten, weil ich eben selbst noch lägst nicht perfekt malen kann und ihr euch hier nichts Falsches abschauen sollt.



    5. Tipps und Tricks
    Manche Hinweise, die ich hier nenne, sind so ähnlich schon in der Anleitung „Von der Skizze zum Bild“ enthalten. Weil ihr in dieser Liste aber auch leicht Dinge nachlesen können sollt, ohne lange suchen zu müssen, zähle ich sie hier ebenfalls auf.


    • Dunkle Ränder und Unregelmäßigkeiten lassen sich zu einem gewissen Maß retuschieren: Dies kann man machen, indem man mit einem feuchten Pinsel über die Farbe geht, wodurch die dunklen Stellen leicht ausgewaschen werden. Allerdings erfordert dies recht viel Gefühl, da es leicht passiert, dass man die Farbe stattdessen stark auswäscht, sodass störende helle Stellen entstehen. Es geht also auch manchmal in die Hose (jedenfalls bei mir) und ist eher für kleinere Flächen eine Lösung.
    • Wenn man irgendwo übermalt, tropft oder ein falsches Detail zeichnet, kann man die feuchte Farbe mit einem Küchentuch wieder vom Papier tupfen und zurückgebliebene Farbreste nach dem Trocknen mit einem feuchten Pinsel wieder auswaschen.
    • Aquarellfarben lassen sich auch gut mit anderen Zeichenmaterialien kombinieren. Mir persönlich gefällt es zum Beispiel, zusätzlich Blei-, Kohle- oder Buntstifte zu verwenden. Ihr solltet nur aufpassen, ob eure Materialien wasserlöslich sind – falls ja, benutzt sie erst ganz zum Schluss, wenn ihr nicht wollt, dass sie gelöst werden.
    • Gelstifte sind deckender als weiße Aquarellfarbe, aber (zumindest meiner) trotzdem wasserlöslich. Auf diese Art lässt sich auch bei ihnen ein schöner Übergang zu den anderen Farben schaffen. Allerdings ist das nicht ganz so einfach und sollte erst einmal auf einem Schmierblatt geübt werden.
    • Kugelschreiber, Blei- oder Kohlestift eignen sich als Ersatz für die durch Wasser verlaufenden Fineliner, wenn man Outlines vor der Kolorierung zeichnen will.
    • Aquarellfarben lassen sich auch sehr gut zum schnellen Kolorieren kleiner Skizzen verwenden, so wie auf dem Bild.



    • Zum Schluss noch eine kleine Anleitung, wie man mit Aquarellfarben Augen ausmalen kann (Diese Methode stammt nicht von mir! Ich habe sie aus einem Buch über die Aquarellmalerei entnommen!**):
      Grundiert das Auge zunächst mit der Farbe, die die Iris haben soll. Dann bedeckt die Grundierung mit der dunkelsten Farbe, die später vorhanden sein soll (z.B. Braun, Dunkelblau oder Schwarz). Als nächstes wird die obere Schicht mit einem feuchten Pinsel so wieder ausgewaschen, dass die Pupille und ein dunkler Rand erhalten bleiben. Zum Schluss könnt ihr noch Glanzlichter und evtl. Schatten und Farbakzente setzen.



    So, nun seid ihr am Ende meines Tutorials angekommen! Ich hoffe sehr, dass es euch weiterhelfen konnte und nachvollziehbar war. Falls ihr etwas nicht versteht, weitergehende Fragen oder irgendwelche Anmerkungen habt, könnt ihr sie gerne hier posten! Wenn ihr wollt, könnt ihr mir eure Ergebnisse auch zeigen :).
    Ach ja, falls euer Computer die ganzen Bilder nicht laden kann, werde ich das Bildmaterial ein wenig kürzen und stattdessen größtenteils verlinken. Gebt mir einfach Bescheid!


    LG, Roque Lugia




    ** Bodo Meier: Tiere in Aquarell (Christophorus, 2009)