Serendipity

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  • (n) finding something good without looking for it



    In einer Welt, in der Menschen Gaben wie Gedankenlesen oder Telekinese haben, scheint Aotos Fähigkeit, Visionen von alltäglichen Geschehnissen zu erhalten, nutzlos und er selber macht sich auch nicht viel aus seinen Visionen. Zumindest bis er seinen eigenen Tod in einer Vision erlebt. Angetrieben von der Angst, zu sterben, macht er sich auf die Suche nach einer Möglichkeit, das Vorhergesagte zu umgehen und trifft dabei auf eine ganz besondere Person.



    Vorwort

    Hi, ich hab mich tatsächlich nochmal in diesen Bereich des Forums verwirrt und da ich eh schon mal hier war, wollte ich die Chance auch gleich nutzen, hier nochmal eine FanFiction zu veröffentlichen. Serendipity basiert auf einem RPG zwischen einer Freundin und mir; die Idee stammt also nicht nur von mir und Hyeon ist auch nicht mein Charakter, sondern ihrer. Dementsprechend fokusiert sich die Story natürlich vorallem auf unsere beiden Charaktere und ihre Beziehung zu einander; wobei die Story natürlich nicht vernachlässigt wird!


    Genres

    Fantasy, Sci-Fi, Mystery, Romantik


    Welt

    Die Story spielt in England in einem Steampunk-Setting. Viele der Menschen besitzen Gaben, die sehr unterschiedlich ausfallen; von Telekinese über das Lesen von Gedanken bis zur überdurchschnittlichen Intelligenz. Woher diese Fähigkeiten stammen ist unbekannt, aber viele glauben, dass sie mit sogenannten "Mystischen Gegenständen" zusammenhängen, das ist jedoch nicht bewiesen.


    Kapitelübersicht

    Teil 1: Die Augen des Fremden

  • Teil 1: Die Augen des Fremden

    Der Himmel war grau – er war immer grau, egal ob bei Tag oder bei Nacht. Die Menschen hier kannten ihn höchstwahrscheinlich nicht in einer anderen Farbe als grau; wer wusste schon, ob sie überhaupt eine andere Farbe als grau kannten, denn das schien die einzige Farbe zu sein, die es in dieser Stadt hab. Grauer Himmel über graue Straßen auf denen graue Menschen gingen. Die Gesichter trüb, als wäre ihnen noch nie etwas Gutes im Leben passiert. War ihnen vielleicht auch nicht.

    Aoto war auch nie etwas wirklich Gutes im Leben passiert; er war genauso grau wie die Menschen um ihn herum und obwohl es ihm half, unterzutauchen, konnte er sich in dieser Stadt nicht zuhause fühlen. Es war durchaus verwunderlich, wenn man bedachte, dass die Stadt, in der er aufgewachsen war, sich gar nicht so sehr von London unterschied; die gleichen Gesichtsausdrücke, die gleichen dunklen Gassen, der gleiche trübe Himmel.

    Andererseits hatte Aoto sich dort auch nie wohl gefühlt. Wohlfühlen war ein Luxus, der Menschen wie ihm nicht zugänglich war. Menschen, die nicht mal auf die grauen Straßen der Stadt gehörten, sondern in den Gassen lebten, wo sich keine der Ratten der Straße hin traute. Und wer es tat, der wurde von den Raben gefressen.

    Dafür verließen die Raben ihre Gassen auch nicht; für sie gab es keinen Platz auf den helleren Straßen; jeder blieb dort, wo er seinen Platz hatte. Allerdings könnte es Aoto nicht weniger scheren können, wo sein Platz laut irgendwelchen ungeschriebenen Gesetzen war. Er war in den Schatten aufgewachsen, aber lief nun zwischen normalen Menschen auf den Straßen Londons als wäre er schon immer einen von ihnen gewesen. Keiner bemerkte ihn, keiner schenkte ihm einen zweiten Blick. Er war so grau wie diese Stadt und ihre Bewohner.


    Aoto hatte sich für seinen Aufenthalt in London für ein Pub entschieden, welches nicht zu weit vom Zentrum entfernt war und mit seinen niedrigen Preisen warb. Die Lage der etwas ruhigeren Seitenstraße kam ihm ebenfalls gelegen, desto weniger ihn sahen umso besser. Er wollte in London wie in jeder anderen Stadt vorgehen: Rein, suchen und wenn er fertig war, die Stadt ohne Spuren wieder verlassen. Vor allem ohne Spuren in den Gedächtnissen der Menschen; am besten erreichte man dies, wenn man sich unauffällig verhielt und wenig Gespräche führte. Keiner erinnerte sich an einen schwarzhaarigen Jungen in schwarzer Kleidung, der irgendwann im Laufe des Tages mal neben einem gelaufen war.

    „Da würde ich nicht reingehen.“ Aoto beäugte die behandschuhte Hand, die plötzlich auf seiner Schulter lag, ehe er den Blick hob um in die Augen des anderen zu schauen. Nun, damit war das Verbot der Konversationen schon mal vom Tisch. Der Fremde schien das komplette Gegenteil von Aoto zu sein; die Haare in einem intensiven Blau gefärbt und mit stechend orangen Augen, dass er mehr von einer Eidechse als einem Menschen hatte.

    Eigentlich war ihm die Qualität der Unterkunft egal. Ihm war ziemlich viel egal, wenn es sein Ziel nicht direkt betraf, aber es wäre auffälliger sich gegen den Ratschlag zu wehren, als ihn einfach höflich anzunehmen. Sicher redete dieser Mann täglich mit vielen Menschen, da würde ihm der eine, dem er einen Ratschlag gegeben hatte, sicher nicht in Erinnerung bleiben. Um dennoch ein gesundes Maß an Misstrauen zu zeigen erkundigte er sich: „Warum nicht?“

    „Du bist noch nicht lange in London.“ Es war keine Frage, sondern eine Feststellung und Aoto war erstaunt, wie gut sein Gegenüber ihn scheinbar lesen konnte.

    „Die Kunden werden schrecklich behandelt, es ist unhygienisch und vom Besitzer will ich gar nicht erst anfangen“, fuhr sein Gegenüber fort, „es gibt weitaus bessere Pubs in London. Darf ich dir ein paar empfehlen?“ Er nahm nun auch endlich wieder seine Hand von Aotos Schulter.

    Aoto betrachtete das Gebäude zu seiner Linken, wo er eigentlich geplant hatte, seine Nächte zu verbringen, aber nun musste er mit dem Gespräch gehen. Er nickte also und erwiderte: „Gerne.“

    Er bekam ein Schmunzeln von dem Fremden. „Gute Entscheidung“, wobei Aoto den Blick nicht von seinen Händen abwenden konnte, da der andere trotz der Wärme der Stadt Handschuhe trug und nun an diesen zupfte, als würde es ihm unter den Nägeln brennen, sie auszuziehen, aber er behielt sie an.

    "White Lion und Royal gehören zu meinen Favoriten. Sie sind beide nur etwa fünfzehn Minuten von hier entfernt, allerdings kann man in der Menge ziemlich leicht die Orientierung verlieren", erzählte er weiter, was Aotos Aufmerksamkeit wieder mehr auf sein Gesicht zog, schien jedoch mehr mit sich selber als mit Aoto zu reden. Nach einer kurzen Überlegung bot er Aoto dann an, ihn hinzuführen.

    So langsam wurde Aoto das Gespräch lästig. Auch wenn es nur nett gemeint war, ging diese Konversation bereits viel zu lang und sicher würde ihn zumindest dieser junge Mann in Erinnerung behalten, was ihm absolut nicht gefiel. Andererseits wollte er auch nicht orientierungslos durch die Stadt irren, um irgendein neues Pub zu suchen, also würde er dieses Spiel wohl oder übel bis zum Ende mitspielen müssen. Er versuchte also in seinem freundlichsten Tonfall zu antworten. „Ja, das wäre sehr freundlich.“

    Der hilfsbereite Fremde schien sich in den vollen Straßen Londons bestens zurechtzufinden, denn er bahnte sich problemlos einen Weg durch die Massen und – ganz wie er versprochen hatte – nach einem kurzen Fußmarsch erreichten die beiden besagten Pub. Er sah durchaus luxuriöser als Aotos erste Wahl aus, war dafür aber auch in einer belebteren Straße und mit Sicherheit nicht schonend zu seinem Geldbeutel, aber wenn Aotos eines wusste, dann wie man an Geld kam. Auch wenn seine Methoden dafür vielleicht nicht immer moralisch korrekt waren.

    „Wir sind da“, verkündete sein kurzfristiger Führer unnötigerweise, die Hände auf das Pub richtend als wöllte er es präsentieren. „Ich nehme an, du kommst ab alleine klar?“

    Aoto nickte. „Danke“, sagte er kurz angebunden, hatte dann aber das Gefühl, noch etwas sagen zu müssen. „Ich… gehe dann mal nach einem Zimmer fragen. Auf Wiedersehen und nochmal Danke.“ Er ließ dem anderen nicht wirklich eine Chance, noch etwas zu erwidern, denn kaum hatte er fertig gesprochen, drückte er auch schon die Tür auf und verschwand im Inneren des Pubs.


    Tatsächlich bot das White Lion gemütliche Zimmer mit weichen Betten und sogar einem kleinen Schreibtisch; selbst das Abendessen war recht lecker gewesen, alles im allem ein wirklicher Glückstreffer. Wobei, wenn man es genau nahm, hatte er Glück gehabt, den freundlichen Fremden getroffen zu haben, sonst hätte er höchstwahrscheinlich ein steinhartes Bett gehabt. Es passierte nicht alle Tage, dass ihm jemand Nettes über den Weg lief; die meisten schenkten Aoto einfach keine Beachtung; was für einen Kleinkriminellen wie ihn ein Segen war. Sein Blick wanderte zu dem kleinen Beutel auf dem Tisch; er hatte ihn gestern mitgehen lassen und einen weiteren Glückstreffer gelandet: das Geld reichte, um eine Woche über die Runden zu kommen. Eine Woche war zwar nicht genug Zeit, um ganz London zu durchsuchen, aber definitiv lang genug, um einen Job zu finden, der ihn auf längere Sicht ernähren würde.

    Er zog sich sein gemustertes, schwarzes Hemd über die Schultern und begann, es zuzuknüpfen. Seine komplette Kleidung war schwarz und er besaß nur wenige elegante Stücke; dieses Hemd war eines der wenigen. Ein Geschenk von einer Mutter, die ihm gegen Unterstützung auf dem Feld eine Unterkunft geboten hatte; sie hatte ihm abends oft von ihrem Sohn erzählt, der einer Krankheit zum Opfer gefallen war und ihm am Ende seines Aufenthalts dieses Hemd, das einst ihrem Sohn gehört hatte, mit den Worten „wäre ja schade, wenn es keiner mehr tragen würde“ geschenkt.

    Er hatte es seitdem noch nie getragen; in den Dörfern, in denen er seitdem gewesen war, wäre ein solch elegantes Hemd aufgefallen, aber für London war es perfekt geeignet. Er entschied sich gegen einen Mantel; aufgrund des über der Stadt hängenden Smogs war es recht warm obwohl in anderen Orten Schnee den Boden bedeckte; außerdem würde er den Look zerstören.

    Fertig gekleidet betrat er wieder die Straßen Londons, die ihm den exakt gleichen Anblick wie am vorherigen Tag boten: Graue Menschen auf grauen Straßen.

    Es war ihm gleichgültig wie die Stadt oder ihre Bewohner waren, es gab nur eines, das ihn interessierte: eine Kur gegen sein scheinbar unvermeidliches Schicksal. Und diese würde er vielleicht hier finden. Vielleicht war es aber auch nur ein weiterer Fleck Erde, der ihn enttäuschen würde.

    Plötzlich verschwamm seine Sicht und aus den Pflastersteinen zu seinen Füßen wurde ein einziges graues Loch; die Menschen um ihn herum wurden zu schemenhaften Gestalten, doch diese Erfahrung war nichts Neues für ihn. Vorsichtig, aber mir doch etwas Kraft, schob er sich an ein paar der Gestalten vorbei, mit den Händen nach einer Wand tastend, die er nach ein paar Schritten fand. Er lehnte sich gegen diese, um sicher zu gehen, dass sie ihm genug Halt bot, ehe er die Augen schloss, um zu sehen, was auch immer seine Vision für ihn bereithielt.

    Seine Gefühle wurden stumpf; die Stimmen der Menschen verstummten, die Kühle der Wand bohrte sich nicht mehr durch sein Oberteil und der selbst der Gestank war verschwunden. Der einzige Sinn, der noch zu funktionieren schien, war sein Sehsinn, doch er sah nur eines: Augen. Doch keine gewöhnlichen Augen; sie waren so stechend orange, dass sie mehr von einer Eidechse als von einem Menschen hatten.

    So plötzlich wie seine Vision begonnen hatte, so plötzlich war sie auch wieder vorbei und die auf ihn eindringenden Eindrücke Londons schienen ihn im ersten Moment fast zu erschlagen. Der Lärm ließ seine Ohren klingeln, die Mischung aus schwüler Luft und der kalten Wand machte ihn schwindelig und er musste sich zurückhalten, um nicht plötzlich aufgrund des Gestanks zu erbrechen. Es dauerte ein paar Sekunden, ehe er sich gefangen hatte und seinen Beinen wieder vertraute, ihn zu tragen. Visionen per se waren für ihn nichts Ungewöhnliches; manche Menschen wurden mit besonderen Fähigkeiten wie dieser geboren. Im Volksmund sagte man, dass sie von magischen Gegenständen, die enorme Kräfte hatten, stammten, aber keiner schien jemals einen dieser Gegenstände wirklich gesehen zu haben.

    Manchmal hatte Aoto wochenlang täglich Visionen, manchmal monatelang gar keine; sie beeinflussten sein Leben auch nicht weiter. Meistens sah er unbedeutende Ereignisse; einen Hund, der eine Mülltonne durchsuchte, eine Mutter, die ihr Kind durch die Straßen zog oder Kutschenpferde, die Wasser tranken. Alltäglichkeiten, die er irgendwann im Laufe des Tages, der Woche oder des Monats sah. Aber diese war anders gewesen… intensiver und zugleich unklarer; er sah gewöhnlich klare Ereignisse, doch dieses Mal waren es nur Augen gewesen. Die Augen des Fremden.