Welche Modelliermasse ist die richtige für mein Projekt?

  • Hallo liebe KüHe,


    In diesem Bericht möchte ich die verschiedenen Vor- und Nachteile diverser Modelliermassen aufzeigen. Jedes Produkt hat seine spezifischen Eigenschaften, die für unterschiedliche Zwecke geeigneter sind als andere. Vorweg sei gesagt, dass diese Liste sicher noch nicht vollständig ist, da ich noch nicht alle verfügbaren Massen austesten konnte. Nach und nach bekommt dieser Bericht sicher aber neue Kandidaten hinzu.



    Ofenhärtend VS Lufttrocknend


    Eine wichtige Entscheidung ist die Frage nach der Verarbeitungsart der Modelliermasse. Während einige an der Luft von selbst trocknen, müssen andere noch zusätzlich erhitzt werden, bis sie ein fertiges Ergebnis aus hartem Material darstellen.


    Im Ofen aushärtende Materialien haben den Vorteil, dass die Bearbeitung zeitlich unbegrenzt stattfinden kann. Auch nach Tagen, Wochen und sogar Monaten kann eine angefangene Figur noch weitergeführt werden, solange sie noch nicht gebacken wurde. So lassen sich vor allem besonders aufwändige Arbeiten problemlos auf längere Zeit verteilen, ohne dass die bereits verarbeitete Masse schon hart geworden ist. An sich lassen sich auch Arbeiten aus lufthärtender Masse später weiterführen, aber was dann bereits verarbeitet ist, bleibt verarbeitet und lässt sich nicht mehr verändern.
    Das erforderliche Backen nach dem Modellieren birgt jedoch einen weiteren Schritt, der (zumindest meiner Erfahrung nach) anfälliger für eventuell auftretende Risse durch das Aushärten im Kunstwerk ist. Zwar lassen sich durch die richtige Technik (langsame Temperaturunterschiede erzeugen) derartige Beschädigungen gut reduzieren, dennoch auftretende Fehler können danach allerdings deutlich schwerer ausgebessert werden. Während bei den lufthärtenden Massen (mehr oder weniger) einfach Risse mit neuer Masse aufgefüllt und erneut getrocknet werden können, müssen die auf Hitze reagierenden Figuren ausgebessert und erneut gebacken werden, was problematisch werden kann, wenn dadurch einige Teile eventuell zu lange backen müssen. So ist es ratsam, derartige Fehler hinterher eher durch optisch ähnliche, aber luftrocknende Masse auszubessern.
    Das Trocknen an der Luft kostet dagegen natürlich mehr Zeit. Man solte mit dem Bemalen immer warten, bis die Figur vollständig ausgehärtet ist, damit der Farbauftrag gut funktioniert und die Figur nicht doch noch beschädigt wird. Die Backzeit jedoch ist selbst mit dem Abkühlen danach vergleichsweise kurz. Sofern man keiner Deadline bei einer Aktion entgegenfiebert und schnell fertig werden muss, ist dieser Punkt aber zu vernachlässigen... Es sei denn, man ist eine sehr ungeduldige Person :D


    Viel relevanter dürfte dagegen die Frage sein, wie viele Details die Masse halten können muss. Die Produkte, die sich am detailiertesten Verarbeiten lassen und schon während der Bearbeitung am stabilsten agieren, sind ofenhärtende Massen. Für "High-End-Detail"-Werke wird man also zwangsweise auf die eine Richtung setzen, was aber auch allein schon durch die begrenzte Zeit der Verarbeitung bei lufttrocknenden Materialien erforderlich sein dürfte. Allerdings lassen sich bereits mit zum Beispiel FIMO Air Figuren mit einer beachtlichen Menge an Details versehen, die für viele Projekte mehr als ausreichend ist.



    Die lufttrocknenden Massen


    Mein persönlicher Favorit in dieser Kategorie ist Fimo Air (siehe Bild rechts). Mit seinem günstigen Preis (unter 8€/kg in weiß, unter 5€/kg in terrakotta) kann man ohne schlechtes Gewissen damit herumexperimentieren und es lässt sich hervorragend verarbeiten. Es ist formfester als herkömmlicher Ton, sodass sich eine Menge Details in ein Werk einbringen lassen. Dennoch ist es eine sehr sanfte Masse, die mit ein wenig Übung zu einer wunderbar ebenen, glatten Fläche verarbeitet werden kann.


    Zwar ist Ton dagegen noch einmal günstiger als Fimo Air, jedoch lohnt sich in meinen Augen eindeutig, dieses Geld auszugeben. 1 kg Modelliermasse reicht für eine Menge kleiner bis mittelgroßer Arbeiten und hat mir durch seine bessere Beschaffenheit deutlich mehr Spaß beim Modellieren bereitet, da es angenehmer zu verarbeiten ist. Die Masse bleibt einfacher so in Form, wie ich es mir wünsche und die Oberfläche lässt sich besser bearbeiten.


    Ein weiterer Kandidat, der preislich zwischen den beiden vorherigen Produkten liegt, ist DAS lufthärtende Modelliermasse. Nach meiner Erfahrung liegt diese auch von ihren Eigenschaften irgendwo dazwischen. Im Vergleich zu Ton hat es die gleichen besseren Eigenschaften wie FIMO Air, diese sind jedoch nicht ganz so stark ausgeprägt. DAS fühlte sich außerdem etwas schwerer und dichter an, jedoch nicht in dem Sinne, dass es so Details besser halten kann, sondern dass es in seiner Form etwas schwergängiger ist.


    Alle Produkte haben jedoch gleichermaßen den Nachteil, dass sie den Arbeitsplatz ziemlich verschmutzen. Eine entsprechende Unterlage sollte also immer dabei sein.



    Die ofenhärtenden Massen


    Beginnen wir hier mit FIMO soft (siehe Bild links). Dieses Produkt lässt sich von seiner Beschaffenheit her am besten mit Knete vergleichen. Erst sehr hart muss die Masse ein wenig in den Händen gehalten werden, damit sie weicher wird und man damit arbeiten kann. Ist sie allerdings erst einmal weich, bleibt sie in diesem Zustand auch recht lange, jedoch nimmt das Produkt dann leider nur wenig Details auf, bleibt aber trotzdem recht gut in seiner Form, sodass, wie bei dem Tangela links zu sehen, sogar die einzelnen Ranken selbstständig in dem geformten Schwung bleiben. Ähnlich wie mit herkömlicher Knete lassen sich damit vor allem gut Figuren erstellen, die aus verschiedenen Stücken zusammengesetzt werden. Skulpturen, die durch Abtragung von Material entstehen, sind damit eher schwer möglich.
    Anders als alle anderen bisherigen und folgenden Massen ist FIMO soft bereits in verschiedensten Farben erhältlich. Dies ist gleichzeitig Vor- und Nachteil. So muss man zwar einerseits keine Farben, Pinsel und sonstiges Equipment zum Färben seiner Figur mehr nutzen, ist andererseits aber darauf angewiesen, die richtige Farbe parat zu haben. Die Farben lassen sich auch untereinander mischen, allerdings dauert es lange, bis die Masse so gut bearbeitet und durchmischt ist, dass eine neue, gleichmäßige Farbe entsteht. Die gelieferten Farben sind aber wunderbar leuchtend und durch die vorherige Färbung natürlich auch sehr sauber voneinander getrennt, wie man es bei nachträglichem Einfärben kaum schaffen könnte, da es kein Übermalen mit dem Pinsel mehr gibt.
    Dafür schlägt FIMO soft auch mit einem ordentlichen Preis zu Buche. Ein Set aus 24 Farben (=600g) kostet mehr als 20 Euro, was einen Kilopreis von mehr als 33 Euro ergibt. Hier wäre es dann empfehlenswert, gebrauchte Sets zu kaufen, aus denen nur wenige Farben entnommen wurden und eine eventuell fehlende Farbe einzeln nachzukaufen. So lassen sich deutlich günstigere Preise erzielen. Alternativ lassen sich auch einfach weniger Farben kaufen. Zwar zahlt man so natürlich einen höheren Kilopreis, aber vor allem für das Testen des Materials kann man auch einzelne kleine Farbblöcke kaufen, um erst einmal zu erkunden, ob dieses Produkt das richtige für einen ist, ohne direkt ein komplettes Set kaufen zu müssen.


    Als nächstes folgt Super Sculpey. Das einzige, was Super Sculpey mit FIMO soft gemein hat, ist seine Aushärtungsart. Ansonsten ähnelt es von der Verarbeitung eher FIMO Air. Es ist zuerst einfarbig und kann mit einer erstaunlichen Menge an Details versehen werden. So eignet es sich für sehr detaillierte Skulpturen, die realistisch anmuten können. Super Sculpey gibt es in der ofenhärtenden Version in drei verschiedenen Arten: Original, Medium Blend und Firm. Firm ist dabei die härteste Version. Sie ist so zwar schwerfälliger zu verarbeiten, kann aber dafür Details am besten halten. Medium ist dementsprechend dazwischen; weich genug für einfaches Verarbeiten, aber hart genug für besseres Detailreichtum als die Standardversion. Die Sorten lassen sich (trotz ihrer Farbunterschiede von rosa zu grau) auch gut miteinander kombinieren, sodass man in der Basis mit Original arbeitet, aber für besonders kleinteilige Regionen, wie zum Beispiel den Kopf, die Firm-Masse verwendet.
    Die Verbindung verschiedener Sorten ist jedoch besonders für noch nicht so fortgeschrittene Modellierer gar nicht nötig. Zum Einstieg in detailreiches Arbeiten mit ofenhärtender Masse dürfte sich Super Sculpey Original am besten eignen, bereits dort sind sehr viele Details möglich (Beispiel), ohne dass das Modellieren dabei zu anstregend wird.
    Preislich ist man mit etwa 15 Euro pro Pfund dabei, also einem recht happigen Kilopreis von über 30 Euro. Besonders bei aufwändigeren, detaillierteren Arbeiten ist es aber empfehlenswert, mit einem Drahtgestell und Polstern aus Alufolie zu arbeiten, um gute Stabilität zu bekommen. So ist es möglich, die benötigte Menge der Masse etwas zu reduzieren, sodass mit einem Block je nach Größe sogar mehrere Figuren erstellt werden können. Wer nicht so viele Details verarbeiten möchte und keine Prtobleme mit lufttrocknender Masse hat, kann als deutlich günstigere Alternative am ehesten auf FIMO Air zurückgreifen.


    Nun noch zu meinem erst sehr kürzlich getesteten Produkt boesner Künstler-Modelliermasse (siehe Bild rechts). An sich die gleichen Eigenschaften wie Super Sculpey und sehr ähnliches Modellierverhalten, ist jedoch ein wenig klebriger. Was sich für mich erst nicht so gut anfühlte, stellte sich aber als deutlich angenehmer in der Verarbeitung heraus. Zwei einzelne Objekte lassen sich mit dieser Masse noch einfacher zusammenfügen und bringt insgesamt mehr Stabilität, was sogar noch einfachere und genauere Detailarbeit ermöglicht. Sie nimmt Farbe allerdings nicht ganz so einfach auf wie andere Materialien. Das lässt sich jedoch mit einem deckenden Grundton leicht überbrücken.
    Die Modelliermasse gibt es in Grau und Elfenbein, was sogar ohne Bemalung einen sehr hübschen Eindruck macht. 400 g gibt es für 12,99 Euro, was also ebenfalls einem Kilopreis von über 32 Euro entspricht. Außerdem ist dieses Produkt nur bei boesner selbst erhältlich. Dennoch dürfte sich diese Masse zu meinem neuen Favoriten aufgeschwungen haben, da es in der Verarbeitung bisher das beste Ergebnis gezeigt hat und es sich preislich sehr stark an Super Sculpey, meinem bisherigen Favoriten bei den ofenhärtenden Massen, orientiert.




    Fazit


    Welche Modelliermasse die richtige für mein Projekt ist, ist davon abhängig, wie sich mein Projekt und mein Budget dafür gestaltet. Für fortgeschrittene Benutzer, die ein möglichst hohes Maß an Details in ihre Arbeit einfließen lassen wollen, würde ich die boesner Modelliermasse empfehlen. Für Künstler, die neu in detailliertere Gestaltungsweisen einsteigen, aber zuvor schon anderweitig modelliert haben, dürfte aufgrund seiner etwas weicheren Beschaffenheit Super Sculpey Original die beste Wahl sein, da man an ihr den Umgang mit den neuen Möglichkeiten in meinen Augen am besten erfahren kann.
    Für Projekte, die keine so immense Menge an Details benötigen und/oder den Geldbeutel schonen sollen, oder auch für Trainingszwecke und als Reparaturmittel für im Ofen ausgehärtete Werke ist meine klare Empfehlung FIMO Air. Es ist einfach zu verwenden und es lassen sich damit sowohl große, wunderbar glatte Flächen als auch kleine, etwas aufwändigere Detailarbeiten ermöglichen.


    Am besten ist es jedoch, die verschiedenen Möglichkeiten einmal selbst zu testen, um einen Eindruck davon zu bekommen, welche Arbeitsweise einem selbst am besten liegt und welches Material den persönlichen Präferenzen und den Erwartungen am ehesten entspricht. Das führt nicht nur zu dem für sich selbst am besten geeigneten Produkt, sondern gibt zusätzlich noch ein Gefühl für die unterschiedlichen Materialien. Und das fördert die Skills :thumbup:



    Ich hoffe, dass dem einen oder anderen dieser Bericht eine Hilfestellung in der Wahl der richtigen Modelliermasse bietet und einen Überblick über die Möglichkeiten und Eigenschaften der verschiedenen Produkte verschaffen kann :3 Sobald ich wieder etwas Neues testen konnte, werde ich die Ergebnisse selbstverständlich ergänzen.


    Viele Grüße,
    Effi | Mad Max