Das Modellieren von Kreaturen mit Fell

  • Hallo o/


    in diesem Tutorial möchte ich euch meine Technik für das Modellieren von pelzigen Tierchen vorstellen. Ich habe für meine Arbeit boesner Modelliermasse benutzt, die Techniken lassen sich aber auch auf andere Produkte anwenden, sofern sie ordentlich Details halten können. Außerdem werde ich nicht näher auf die allgemeine Planung und Fertigung einer Skulptur eingehen, sondern mich auf die Parts beschränken, die für die Oberflächenstruktur relevant sind.





    Für dieses Tutorial benötigt ihr:

    • Geeignete Modelliermasse
    • Ein schmales, blattförmiges Spachtelwerkzeug
    • Eine Modelliernadel (Keine Nähnadel)
    • Einen kleinen Rehfuß-Gummipinsel
    • Einen kleinen, weichen Borstenpinsel
    • Alkohol zum Reingen/Desinfektionsmittel



    Die Grundform als Basis


    Zunächst solltet ihr die Grundform für eure gewünschte Kreatur erstellen. Für die einzelnen, genaueren Formen eurer Figur könnt ihr kleine Röllchen formen, diese passend anlegen und dann in die Basis einarbeiten. An den Stellen mit mehr Fell, wie auf diesem links Bild an den Wangen erkennbar, könnt ihr die angearbeiteten Stücke ruhig etwas grober festmachen, da dort ohnehin später eine Fellstruktur erkennbar sein wird. Wo aber nur Kurzhaar oder sogar Haut sein wird, solltet ihr die angebrachten Stücke vorsichtig festformen und gleichmäßig glätten, damit das Endergebnis ebenfalls die gewünschte glatte Struktur erhalten kann. Wie das anschließend aussehen könnte, seht ihr auf dem Bild auf der rechten Seite. Ich habe die Stücke auf der Schnauze gleichmäßig eingefügt und den Rest eher grob miteinander verbunden. Für die groben Stellen eignet sich ein kleines, spachtelartiges Werkzeug, für die sanften Verbindungen habe ich einen Color Shaper (Pinsel mit Gummispitze) mit Rehfußform verwendet. Dieser eignet sich gut für das Ausüben von Druck auf die Stellen, kann aber gleichzeitig sehr kontrolliert verwendet werden. Im folgenden Spoiler seht ihr einmal die beiden von mir verwendeten Werkzeuge.






    Einzelne und große Haarpartien


    Anschließend geht es an die weiteren Details. Fügt fehlende Grundformen wie die Ohren an. In den Ohren selbst zum Beispiel haben wir sehr feine Härchen, die wir so kaum modellieren können. Sofern man also nicht jedes Haar einzeln machen möchte, kann man sich behelfen, indem man ein kleines Röllchen formt, das die Länge der Fläche hat, die wir mit den Haaren versehen wollen. Auf der einen Seite drücken wir das Röllchen flach und fransen es mithilfe eines Werkzeuges aus. Hier kann man verschiedene Stärken und Werkzeuge austesten, bis man zu einem Ergebnis kommt, das etwa der gewünschten Feinheit entspricht. Ich habe bei meinem Beispiel zuerst das oben schon gezeigte schmale Spachtelwerkzeug und dann eine Modelliernadel für noch kleinere Details verwendet.


    Dieses Röllchen arbeitet ihr dann an der nicht bearbeiteten Seite an zum Beispiel euer Ohr an. Je nachdem, wie fein das Stück ist, an dem ihr den Haarstreifen anbringen wollt, müsst ihr sehr vorsichtig vorgehen, um die Basisform, in diesem Falle das Ohr, nicht zu beschädigen. Geht dabei Stück für Stück in mehreren Durchgängen vor, versucht es von vorne und auch auf der Rückseite des Streifens, sofern dieses erreichbar ist, immer ein wenig mehr festdrücken und mit der Basisform verschmelzen. Nach einer Weile sollte euer Haarstück halten.


    Für größere Haarkränze mit mittellangem Fell, zum Beispiel auf dem Rücken des Wolfes, bietet es sich an, mehrere Ringe anzubringen und diese miteinander zu verbinden. Dies bewirkt, dass ihr hinterher keine ganz ebene Haarfläche habt, sondern eine gewisse Wellung erzeugt wird, die natürlicher wirkt, da normalerweise das Haar auch nicht komplett glatt aufliegt, wenn es etwas länger ist. Eine kleine Fotostrecke dazu findet ihr in dem folgendem Spoiler. Eine weitere Technik für langes Fell folgt weiter unten.






    Die Wuchsrichtung der Haare festlegen


    Diese Haare müssen noch nicht ordentlich aussehen, sollten aber bereits fest miteinander verbunden sein, damit keine Lücken mehr auftreten. Sobald es nämlich an die Detailarbeit geht, sind solche Freiräume schwerer zu überbrücken, ohne bereits geformte Details wieder zu zerstören. Nun geht es aber zunächst einmal an die Basisdetails wie Augen und Nase in ihrer groberen Form. Augen lassen sich gut aus einer Kugel formen, wie anhand des Bildes links zu sehen. Um die Nase ist das Fell im Regelfall sehr kurz, um die Augen dagegen finden sich oft auch etwas längere Haare und Wirbel in verschiedene Richtungen. Da ihr in diesem Schritt die Wuchsrichtung eurer Haare bestimmen müsstet, solltet ihr für euch festgelegt haben, wo die Haare in welche Richtungen gehen. Dafür ist es sehr hilfreich, wenn ihr euch einige Bilder eures gefertigten Tieres anschaut (oder im Falle von Pokémon Tieren, die artverwandt sein könnten) und die Wuchsrichtung der Haare skizziert, wie rechts zu sehen. Beachtet dabei, dass kurzes und mittellanges Fell oft entgegengesetzt wachsende Haarkränze bildet und nicht "steif" immer in eine Richtung wächst. Dieses Spiel mit der Ausrichtung der Härchen wird später für ein viel lebendigeres Ergebnis sorgen. Lange Haare dagegen sind meist zu schwer, als dass sie noch Wirbel erzeugen und hängen folglich eher nach unten (bzw. werden in die Richtung des Windes/der Bewegung gelenkt).
    Anhand des hier erstellten Planes solltet ihr nun grob die Haare darstellen. Dazu einfach wieder das Rehfuß-Tool benutzen und in die passende Richtung streichen. Mit der Kante des Pinsels erzeugt ihr tiefe, schmale Linien, mit dem Rücken eher breitere Schneisen. Für ein realistisches, abwechslungsreiches Fellmuster nutzt am besten beides verteilt über die Fläche. Das Austesten auf eurem Übungsblock kann hier eventuell ebenfalls helfen.


    Nach diesem Schritt solltet ihr euer Werk am besten direkt auf einem feuerfesten, beweglichen Untergrund platzieren! Wenn ihr die Details angebracht habt und die Figur dann erneut anfasst, werdet ihr diese wieder zerstören. Um das zu vermeiden, bringt das Werk direkt auf eure Backform. Ich habe dazu einfach eine umgedrehte Auflaufform genutzt.




    Jedes Haar zählt


    Nun geht es an den finalen Schritt, für dessen Ausführung eure Figur etwa den links sichtbaren Detailgrad haben sollte. Alle Formen sollten nun stimmen und alle Lücken verschlossen sein, denn danach wird das Ausbessern schwierig.


    Nehmt dazu nun ein Nadel-Tool (keine Standard-Nähnadel, diese sind zu dünn und verdrängen nicht genug Masse, siehe Spoiler) und beginnt ganz vorsichtig, jedes einzelne Härchen in der richtigen Wuchsrichtung "einzuzeichnen", damit es so aussieht wie auf den Beispiel rechts zu sehen. Verwendet besonders feine und nur ganz kurze Linien in den Bereichen, wo die Haare sehr kurz sind (zum Beispiel um die Nase) und zeichnet lange, tiefere Linien dort, wo viel Haarmasse vorhanden sein soll. Sollte euch das Ergebnis an einer Stelle nicht gefallen, verblendet das Ganze einfach noch einmal sanft mit einem Gummipinsel oder eurem Finger zu einer ebenen Fläche. Wenn ihr euch vorher einen Plan der Wuchsrichtung gemacht habt und euch jetzt an die Vorgaben haltet, die ihr euch selbst im vorherigen Schritt schon grob gemacht habt, solltet ihr ein stimmiges, realistisches Gesamtbild bekommen. Wichtig ist, dass ihr die Frequenz eurer Haare immer in etwa gleich haltet und wirklich jeden Punkt gründlich bearbeitet. Nur wenn tatsächlich überall kleine Härchen erkennbar sind, wird die Oberfläche hinterher nach vielen, kleinen Härchen aussehen und so einen toll ausehenden Pelz formen. Da ich an meiner Figur keine sehr langen Haare angebracht habe, werde ich euch im folgenden noch anhand einer kurzen Bilderstrecke das Formen dieser an meinem Testblock zeigen. Diese Länge eignet sich beispielsweise für Mähnen.





    Exkurs: Lange Haare


    Die Bilder zu den hier beschriebenen Schritten findet ihr im Spoiler unten, das angestrebte finale Ergebnis ist rechts zu sehen.
    Zunächst formt ihr kleine Tropfen, die ihr wie Dachziegel immer versetzt zueinander über die Fläche legt, die lange Haare bekommen soll (Bild 1). Diese müssen nicht ordentlich sein, denn die Haare sitzen in der Natur auch nicht immer in einer perfekten Reihe. Nun verschmelzt ihr die einzelnen "Ziegel" mit einem Gummipinsel miteinander. Brecht dabei die Umrisse der einzelnen Formen überall etwas auf, damit das Ganze hinterher wie eine Menge aus Haaren, nicht nur wie einzelne Haarbüschel aussieht. Das sollte anschließend etwa Bild 3 entsprechen. Bringt nun mit der Modelliernadel und/oder anderen Werkzeugen weitere Linien auf, um mehr Varianz und mehr Details in den Haarwuchs zu bringen (Bild 4). Diesen dann wieder mit einem Gummipinsel verblenden (Bild 5).
    Hierauf folgt bereits der finale Schritt. Mit der Nadel fügt ihr nun nicht so tiefe, grobe Linien wie im vorherigen Schritt hinzu, sondern macht viele kleine, feine Linien, die ihr nach Bedarf an vereinzelten Stellen auch noch etwas verschmelzen könnt, aber nur sehr vereinzelt, damit ihr im Gesamtbild viele kleine Härchen erzeugt.


    An eurer Figur solltet ihr zudem auch beachten, dass diese Technik eine Menge Masse erzeugt. Auf meinem Testblock ist die Fellstelle etwa einen halben Zentimeter dick, das solltet ihr bei der Planung eurer Figur beachten, da sie ansonsten womöglich hinterher etwas zu dick wird und die Proportionen nicht mehr stimmen.





    Im Falle kleiner, nerviger "Späne"...


    ...solltet ihr die Stelle mit Alkohol überpinseln. Das entfernt nach dem Kerben der Linien kleine Späne, die beim Arbeiten entstehen. Besonders bei so vielen, kleinen Linien, wie es beim Modellieren von Fell der Fall ist, entsteht viel derartiger Überschuss. Wenn ihr die kritische Stelle schon vorher behandelt, könnt ihr das Anfallen dieser kleinen Überreste auch schon vorher zumindest ein wenig eindämmen. Gebt dazu ein wenig Alkohol (ich benutze immer Sterillium) auf einen sehr weichen, feinen Borstenpinsel und entfernt mit einem sanften Pinselstrich die Reste. Nehmt dabei nicht zu viel Flüssigkeit, da sich die Masse sonst ein wenig Aufweichen kann. Außerdem solltet ihr vielleicht vorher zur Sicherheit auf einem kleinen Teststück ausprobieren, ob eure Modelliermasse irgendwie darauf reagiert und wie viel Flüssigkeit ihr etwa verwenden solltet.




    Ich hoffe, dass dieses Tutorial ein bisschen bei dem Modellieren von Haaren hilft und die Schritte nachvollziehbar sind. Im Falle von Unklarheiten oder Fragen stellt diese einfach, da das mein erstes Tutorial dieser Art war, habe ich vielleicht auch den einen oder anderen Punkt nicht deutlich genug gezeigt :3


    Viele Grüße,
    Effi | Mad Max