Rainbow Squad

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  • Rainbow Squad


    Heeeeeeeeeeeeey what's up guys? Es ist mal wieder der Zeitpunkt gekommen, an dem ich eine spontane Idee in eine Geschichte umsetze.


    Das, meine Lieben, ist meine Antwort auf die Trillionen von Akademie- und Schulgeschichten im Pokémonfandom. Fuffzigtausend Stück gibt es von denen, viele kaum auseinanderzuahteln. Aber es gibt noch mehr Genres aus der Animesparte! Von den typischen Magical-Girl-Serien haben nämlich zumindest alle mal gehört. Manche vielleicht auch gesehen und geliebt. Eine Gruppe jugendlicher Mädchen, die ihre Stadt vor einem Haufen unterschiedlichster Bösleute schützen, und genau das mache ich in dieser Geschichte auch, nur eben etwas anders. Teilweise ist das Ganze eine parodistische, ironische Sichtweise auf einige Gegebenheiten dieses Genres und natürlich auch um die Welt drum herum, sei es die echte Welt, wie hier hauptsächlich das moderne Japan (wobei einige Episoden auch im Ausland spielen könnten und Bezug zu anderen Kulturen bringen) oder eben die Pokémonwelt, die ich gleichgesetzt habe. Die Städte bleiben bei ihrem realen Vorbild (zum Beispiel Dukatia City als Osaka), nur eben mit Pokémon. Diese Welt ist selbst voller unlogischer Dinge, die ich ebenfalls gerne auf die Schippe nehme. Inspiration bei Sailor Moon, Pretty Cure, Totally Spies und Co.? Kann gut sein!


    Wer Interesse an einem dieser Berührungspunkte (siehe Tags) hat oder sich einfach etwas komplett Unbekanntes anschauen möchte, ist gerne dazu eingeladen, einen Blick hinein zu werfen. Es wird keine große Geschichte mit 20+ Kapiteln, sondern etwas unregelmäßiges, fast schon Episodenhaftes, wo immer wieder ein neues Malheur verhindert werden muss - deswegen auch kein Prolog, denn diesen findet man in Serien nicht. Kann auch sein, dass eine Episode aus mehreren Kapiteln bestehen muss, das hängt von der Wortzahl ab. Ansonsten wünsche ich viel Spaß, Leser, Likes und vielleicht sogar Ansichten und Kommentare würden mich sehr freuen~ ^_^




    Episode 1-1 How to be a Rainbow


    28-3. Achtundzwanzig zu Drei führten die Atlanta Falcons kurz nach der Halbzeit gegen den Favoriten, die New England Patriots. Dies war der Beginn eines unvergessenen Moments, der mein Leben völlig auf den Kopf stellen würde. An und für sich war es mir relativ egal, dass der 51. Super Bowl, das Finale der American Football-Saison, nach Verlängerung letztlich dank einer irren Aufholjagd doch an die Pats ging, wäre da nicht … ja wäre da nicht unser jugendlicher, fast schon naiver Übermut gewesen.
    „Oh Mann, wenn die Falcons das noch verlieren, dann lassen wir uns die Haare kunterbunt färben und gehen als Magical Girls auf Verbrecherjagd! Süße Outfits mit Röckchen und Schleifchen natürlich inklusive! Bis zum nächsten Super Bowl! Naaa, wer wettet dagegen?”, johlte Mara laut im Stimmungsrausch der atmosphärischen kleinen Party im Hause meiner Eltern, auf unsere Zustimmung wartend. Niemand wäre bei diesem klaren Spielstand auf die Idee gekommen, sich mit einer gegenteiligen Meinung zu isolieren und ein Jahr lang das Kreuz des Verlierers durch die Gegend tragen zu müssen.
    Ganz ohne Proteste und Kritik blieb der Vorschlag allerdings nicht: „Was? Sag, mal, ist das dein Ernst? Schleifchen? Never ever Schleifchen, okay? Mit allem anderen könnte ich leben! Auch wenn so ein bisschen Individualität nice wäre ...” Yuzu strich sich energisch durch ihre grün gefärbte Haarsträhne, als sie ihren Unmut über die Schleifchen zum Ausdruck brachte. Immerhin waren wir bereits alle zwanzig Jahre alt und auch wenn das Mysterium des „Kawaii”, der ultimativen Niedlichkeit, in Japan ganz sicher keine wirkliche Grenze besaß, so war dies nicht unbedingt der Stil einer Nietenträgerin.
    „Thehe, klingt doch nach einem fairen Kompromiss”, entgegnete Cheerleaderin Nanako, deren Herz in erster Linie für Baseball schlug, als sie vergnügt mit ihren Beinen wippte. Auch ich nickte zustimmend und hatte nicht einen Gedanken an einen anderen Spielausgang als vermutet verschwendet. Warum auch? Pappteller mit Knabbergebäck, Mais, Hotdogs und Corndogs, eine ganze Armada an Coca-Cola-Flaschen und zum krönenden Abschluss hausgemachte Burger, Popcorn und Zuckerwatte sorgten für einen unvergleichlichen Montag Morgen in Japan. Wir alle waren im Stars and Stripes-Fieber, und ich natürlich ganz besonders, was nicht auch zuletzt an meinem amerikanischem Vater lag. Um das Organisatorische hatten sich meine Eltern bereits im Vorfeld gekümmert, sodass wir uns voll und ganz zurück lehnen konnten … bis das Spiel kippte … und kippte … und kippte … und die Verlängerung erreichte.
    Als der Ausgleich fiel, blieb uns allen fast das leckere Essen im Halse stecken, lediglich Sakura fand ein paar Worte zur Situation: „Das darf nicht wahr sein! Wenn die noch gewinnen, dann ist unsere Wette … ähm … umm …” Plötzlich stotterte sie, nach Worten ringend, unfähig, den Satz zu Ende zu führen. Wenn sie dies vielleicht gar nicht erst erwähnt hätte, hätte jede von uns sich wahrscheinlich gedrückt und die „Strafe” vor sich hergeschoben, schulterzuckend, als ob nie etwas vorgefallen wäre. Wer würde in einem solchen Moment nicht daran denken? Aber es kam, wie es kommen musste. Das spannendste Spiel der Super Bowl-Geschichte ging an die Mannschaft von der Ostküste und wir?
    „W-wann ist denn der nächste Super Bowl?”, fragte uns Aoi, ungläubig blinzelnd: „Mikan, du weißt das doch. Sicher in einem halben Jahr, oder?” Sie war zu intelligent, um diese Frage aus wirklichem Unwissen heraus zu stellen. Viel mehr klammerte sie sich an die latente Hoffnung, dass dem so wäre – warum auch immer solche Events halbjährlich stattfinden sollten. Immer noch unter Schock stehend schüttelte ich den Kopf. Es würde ein ganzes Jahr dauern.


    „Tja, und dann habe ich gesagt: ‚Entweder wir ziehen das alle gemeinsam durch oder wir lassen es unter den Tisch fallen.’ Vielleicht war unser persönliches Ehrgefühl selbst für unseren Beruf etwas zuuuu ausgeprägt?”, versuchte Mara unserem Chef und Ausbilder irgendwie diese Situation zu erklären. Sechs junge Frauen an einer Akademie für Spezialermittlung und Verbrecherjagd, Agentinnen sozusagen, deren dunkle Haarfarbe in Schwarz- und Brauntönen sich vorher kaum voneinander unterschied, mussten sich nun vor ihrem Boss verantworten – jede von uns hatte sich ein Färbemittel in verschiedenen Regenbogenfarben ausgesucht, denn uns schwebten ein paar schicke Strähnen vor. Unsere Halb-Uruguayerin Yuzu, die bereits welche besaß, würde sich in einer anderen Farben weitere ergänzen lassen müssen. Das war so weit unser Plan, den wir unserem Chef gemeinsam erläuterten. Sakura spielte nervös an ihren Fingern, ich biss mir auf die Lippe, Nanakos Blick huschte aufgeregt hin und her, Mara wippte mit mit ihrem Fuß, Aoi kam zu spät und lediglich Yuzu saß noch relativ locker in ihrem schwarzen Ledersessel.
    „Strähnen … ihr seid alle verrückt in euer Kopf … damit ihr aussieht wie so ein Blaudagei. Solche Dummköpfe seid ihr, ey!”, entgegnete der Chef, den wir nur unter seinem Codenamen Floyd kannten, kopfschüttelnd und mit verschränkten Armen: „Du tuscht genau was ich sage und lässt den Scheiß mit den Strähnen, hasch du mich verstanden?” Ein leichter Hauch von Erleichterung lag in der Luft, trotz des herablassenden Tonfalls, den unser Boss insbesondere Mara entgegenbrachte. Von einem Mann Stylingkritik anzunehmen, der gerne Jogginganzüge trug und sich seinen Schnurrbart blondiert hatte, weil er diesen Stil bei irgendeinem Z-Promi abgekupfert hatte, war beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Ich hatte gar nicht erst so weit gedacht, dass er uns die Wette durchkreuzen könne, aber wer immer diese Idee vorgebracht hatte … Hut ab. Einfach zu Floyd gehen, er würde uns schon die Suppe versalzen.
    Unser stark gebräunter Ausbilder sorgte in seinem nicht immer leicht verständlichen Dialekt aus irgendeinem südjapanischen Kuhkaff jedoch nicht nur dafür, dass er sie versalzte, sondern dass wir sie statt auszuschütten komplett selbst auslöffeln mussten: „Aber hey! Hey! Ich hab’ eine andere Idee. Ihr färbt euch die ganz. Mit euer Uniform. Jede in ein andere Farbe. Ich hab da nämlich an etwas gedacht, des fand ich lustig. Euer Namen sind fast wie die von Obscht oder Gemüse. Stell dir vor … stell dir mal vor, hey … du heisch Sakura, des heisch Kirsche. Du nimmsch also Rot.” Das Vorurteil, dass Sakura ein für japanische Mädchen besonders häufiger Name war, stimmte so nicht ganz. Auf die Jüngsten mochte das zutreffen, aber ansonsten waren es vor allem Katzen, die diesen Namen trugen.
    Floyd fuhr ohne mit der Wimper zu zucken fort und richtete nun den Blick auf mich: „Mikan? Du bisch so ein Art Orange, also nimmsch du Orange.”
    „W-was?”, stammelte ich mit geweiteten Augen, nachdem ich erst einmal kräftig geschluckt hatte – ich hieß wirklich mehr oder weniger wie diese Frucht, aber … orange als Haarfarbe? Wenn ich Halb-Niederländerin gewesen wäre, ja gut, meinetwegen, aber so?
    „Du hälsch dein Schnauze. Yuzu, du bisch ein Zitrone, also nimmsch du Gelb!”
    „Ich hasse Gelb, Gelb ist absolut kacke!”, tobte unsere leicht aufbrausende Freundin, die ihren Oberkörper energisch mit den Armen nach vorne zog und unseren Boss wütend anfunkelte.
    Der jedoch ließ sich von seinem Plan nicht abbringen: „Du hälsch auch dein Schnauze, sonscht machst du Hundertdaosend Klimmzüge, hasch du des kapiert? Nanako, du heißt fascht wie Banane, also nimmsch du Grün.”
    „Bananen sind aber Gelb”, intervenierte Aoi etwas zu gutgläubig, ihr Fingerchen leicht hebend. Je länger der Blick Floyds jedoch auf der dürren Stange Haut und Knochen lastete, desto mehr knickte sie ein. Eine beachtliche Entwicklung des Respekts, die er mit seinem Wesen bis zum heutigen Zeitpunkt in die Wege geleitet hatte, denn anfangs hatten wir ihn aufgrund seines Dialekts kein bisschen ernst genommen. Dass dies ein Fehler gewesen war, wussten wir damals nicht.
    „Du lässcht mich ausreden! Die isch grün weil die ein unreife Banane isch! … Okay wartet, Nanako nimmt jetzt gelb und Yuzu grün, dafür schuldet ihr mir dann was. Aoi, du bisch ein Blaubeere. Mara, du heisch wie ein Maracuja, also nimmsch du violett! Jetzt könnt ihr alle Regenbogen scheißen.”
    Lautes Gekicher.
    Floyd schaffte es, die Attribute „autoritär” und „kompromissbereite Vaterfigur” immer wieder irgendwie zu vereinigen, so grotesk es auch sein mochte.
    Schulterzuckend entfuhr Aoi, deren Name wortwörtlich „Blau” bedeutete, ein tiefer Seufzer: „Oh Gott, ich habe schon gedacht, dass Sie das ernst meinten! Da bin ich ja erleichtert.” Zurücklehnen. Den Rücken im Leder versinken lassen. Aufatmen, Mikan, aufatmen.
    Auch Floyd begann zu lachen, doch je länger er lachte, desto überheblicher und falscher wurde es: „Hahaha! Des isch lustig. Ja, ich hab euch immer gesagt, ich sei ein witziger Typ. Ihr seid solche Dummköpfe, ey.” Plötzlich verzog er keine Miene mehr, und auch unsere Gesichtszüge erstarrten augenblicklich.
    „Ich mein des ernscht. Ihr macht des, des isch ein Befehl, sonst werf’ ich euch von der Akademie. Hört gut zu, denn jetzt erklär’ ich euch den Sinn dahinter”, holte unser Boss nun aus: „In letschter Zeit werden immer wieder neue Agenten enttarnt, abgehört und keine Ahnung was noch alles. Die Verbrecher haben die fescht im Blick – und da kommt ihr ins Spiel. Ihr färbt eure Haare bunt, spielt Sailor Moon und sorgt für Furore, sodess die ganzen Idioten ihre Aufmerksamkeit auf euch richten. Die Verbrecher. Die Medien. Team Rocket und andere Yakuza-Banden. Von mir aus auch die Kinder, die sind auch alle dumm. Währenddessen werden die voll ausgebildeten Agenten besser infiltrieren und aufdecken können als je zuvor.”
    Sakura war geschockt: „Wir sollen die Köder spielen? Und was sollte uns dazu bewegen, diesem Plan zuzustimmen?” Keine von uns konnte abschätzen, wie durchdacht dieser Plan war.
    Die Antwort war denkbar einfach, lag sie doch wie für so viele Fragen im Berufsleben auf der Hand: „Ihr bekommt des Doppelte an Kohle. Ihr seid ja schließlich wie Töchter für mich.” Natürlich.
    „Und wenn ihr des nicht macht, schmeiß ich euch raus”, ergänzte er, als wäre es das Normalste auf der Welt: „Ihr tut so als wärt ihr unabhängig von allem, dass ihr das ganz für euch selbscht macht. Ihr müsst komplett ohne die auskommen. Und wenn einer nach mir fragt – ich bin euer Sotschel Meddia Agent.”
    Social Media.
    Wusste mal wieder keiner.
    Und so war unser fruchtiges Schicksal für die nächsten 12 Monate besiegelt.


    In und um Osaka herum gab es immer viel zu tun für die Gesetzeshüter und ihre Verbündeten, denn der Statistik nach zu Folge war dies der gefährlichste Ort Japans. Einige dubiose Personen waren ganz besonders skurrile Gestalten, wie zum Beispiel ein anderer Halb-Amerikaner namens Frank. Blondierte, dichte Haare, großkotziges Auftreten und skandalöse Aussagen am laufenden Band sorgten unter anderem dafür, dass kaum noch eine Eigenschaft des reichen Geschäftsmanns mit Japan zu tun hatte. Wenn man nur noch seine zusammengekniffenen Augen betrachtete, dann kam das völlig unabhängig seiner Gene denen eines Sumoringers schon nahe, reichte aber nicht aus. Zwei Meister der Flucht waren Slot Machine und Roulette. Diese bekannten Verbrecher liebten den Nervenkitzel und ließen immer den Zufall über ihre Ziele und Angriffsarten entscheiden, waren reich an Pokémon und waren bis auf Aussehen und Geschlecht somit absolut identisch. Wer wen abgekupfert hatte, war unbekannt, aber zwei miteinander verfeindete Antagonisten mit dem gleichen Theme, die dem anderen nicht das Schwarze unter dem Fingernagel gönnten, waren nur der Gipfel einfallsloser Kriminalität im Jahre 2017. Dass sich an dieser Lage nichts änderte, wenn eine Bande Mädels mit bunten Haaren und hübschen Kostümchen aufkreuzte, war den meisten von uns bewusst, nur Floyd nicht. Wir alle kannten und liebten Sailor Moon und auch ähnliche Shows mit teils noch jüngeren Protagonistinnen waren uns nicht unbekannt – aber wie stellte er sich vor, wie wir sechs angehenden Agentinnen nun das Böse zu Fall und seine Handlanger hinter Schloss und Riegel bringen sollten? Mit der Kraft von Liebe und Freundschaft? Was that a real thing?
    Außerhalb der süß-bunten Glitzerwelt unter Zuckerwattewölkchen geschah dies mit Energiestrahlen, metallischen Waffen, körperlicher Gewalt und ein kleines bisschen die Macht des Kawaii – zum Bezirzen und Ablenken. Eiskalte Fakten, denn schließlich waren wir keine naiven 14 mehr wie jedes andere x-beliebige Magical Girl.
    Wer hatte das gewusst? Mal wieder keiner.
    Mein Blick im Spiegel war mehr als gewöhnungsbedürftig. Orangene Haare … eine Mikan mit orangenen Haaren … und wie sah das denn überhaupt aus? Meine fünf Freundinnen, die rote Sakura, die blonde Nanako, die grüne Yuzu, die blaue Aoi und die lila Mara, traf es nicht weniger kurios. Trotzdem – mein Hobby, den hawaiianischen Hulatanz vor dem großen Spiegelschrank einzuüben, konfrontierte mich öfter als mir lieb war minutenlang ohne Pause mit meinem neuen Erscheinungsbild. Nanako, passionierte Anhängerin des gelb-schwarz gestreiften, ansässigen Baseballteams Hanshin Tigers, teilte als Cheerleaderin mein Schicksal, während wir zusammen bei mir zuhause übten. Ihre Bewegungen waren schnell, energisch und wild, während meine gemächlich, sanft und wellenartig wie die bequeme Ruhe eines hawaiianischen Strandes waren, an dem man unter Palmen seinen leckeren, bunten Cocktail schlürfen konnte. Ich musste einfach optimistisch sein: Dass auch Tänzerinnen gute Pokémon-Trainer sein konnten, hatten die Kimono-Girls und allen voran die junge Geisha Touka Fujiwara, die sogar zum Champ der Johto-Region aufgestiegen war, schon lange bewiesen. Auch wenn ein Curelei zum Hula besser gepasst hätte, hatte ich ein pflanzenähnliches Pokémon an meiner Seiten, nämlich ein kleines Irrbis mit süßen, kleinen Vampirzähnchen. Nanako hingegen besaß passend zu ihrem Tanzstil ein Cheer-Choreogel, bei dem sie den Mangel an schwarzen Farbbestandteilen monierte. Fast schon stereotypisch trainierte Sakura das Kirsch-Pokémon Kikugi, Mara gehorchte die züngelnde Schlange Rettan und Aoi war Besitzerin eines flauschigen Vulpix aus der Alola-Region, das sich durch sein weiß-blaues Fell und seine Liebe zu Eis und Kälte von den einheimischen Füchsen abhob. Yuzu jedenfalls kümmerte sich um die schüchterne Mahiru, ein Trasla, das in der Obhut der selbstbewussten jungen Frau immer mehr aufgetaut war.
    „Weißt du, Mikan, was ich am wenigsten verstehe, wenn ich über diese Roulette und diesen Slot Machine nachdenke?”, fragte mich Nanako aus heiterem Himmel, während wir uns mit einem kühlen Erfrischungsgetränk eine kleine Pause gönnten. Immerhin warteten wir auch noch darauf, dass unsere Uniformen endlich fertig genäht wurden!
    Nach einem großen Schluck erfrischender Zitronenlimonade versuchte ich mich an der Raterei: „Wieso die beiden Witzfiguren noch nicht geschnappt wurden?”
    „Nein! Ich meine ja, das teilweise auch, aber ich wundere mich über die Leute, die so überrascht sind, dass ein Trainer mehr als ein Pokémon hat!”
    „Sind die das?”
    „Ja! Dabei ist es relativ einfach: ins hohe Gras gehen und so viele Pokémon fangen wie man möchte. Als Verbrecher muss man sich wegen Pokébälle klauen oder Vernachlässigung zu vieler seiner neuen Haustiere keinen allzu großen Kopf machen. Aber die meisten finden die Idee, mehr als sechs Pokémon zu besitzen, absurd. Dabei ist das ja eigentlich nur eine Frage des Geldes und des Wohnraumes, Futter zum Beispiel, wie bei uns … ein Verbrecher mit nur einem einzigen Nagelotz oder Rattfratz ist nicht besser wie ein Bankräuber, der mit einer Gabel bewaffnet ist!”
    Das stimmte natürlich, aber trotzdem hatte ich jetzt einfach Lust, Nanako zu necken: „Oder die Tigers, die nur gute Fans, aber keine guten Spieler haben!”
    „Hey! Wie fies! Na warte!”, rief die Neu-Blondine, als sie aufstand, um mir eine Kopfnuss zu verpassen. Ich flitzte schnell weg, sodass sie gnadenlos scheiterte, doch das nahm ein jähes Ende, als wir durch das Fenster Mara, Aoi, Yuzu und Sakura angetrottet sahen. Halb-Italienerin Mara zog einen hölzernen Bollerwagen hinter sich her, in der ganz offensichtlich unsere neue „Dienstkleidung” untergebracht war. Als wir den Außenbereich des Hauses meiner Eltern erreichten, sah ich, wie Yuzu genervt das „SMOKE FREE ENVIRONMENT”-Schild an unserer Holzveranda anstarrte, ihre eigene Zigarette beinahe zerbeißend. Wie ein Rudel gieriger Magnayen stürzten wir uns auf die Kleidung, die noch keine der anderen Mädchen anprobiert hatte – wir wollten das gleichzeitig erleben! Das Oberteil bestand aus einer Art Mischung zwischen Top und Brustpanzer wie in Sailor Moon oder Wedding Peach, nur mit unsichtbar integrierter schusssicherer Weste in der jeweiligen Haarfarbe sowie zu kleineren Teilen Silber. An den Seiten gab es keine Puffärmelchen, sondern zugespitzte Schulterklappen in Regenbogenstil, die eher an eine Kapitäns- oder Offiziersuniform erinnerten. Für den Unterkörper gab es ein Duo aus kurzer Hose und einem knappen Faltenrock, unter dem ein noch kürzeres, aber flauschiges Stufenminiröckchen namens Petticoat, ebenfalls in Silber, versteckt war. Während wir Haarschmuck, Ohrschmuck, Socken und Schuhwerk beziehungsweise Bestiefelung bis auf die Farbwahl unabhängig davon auswählen konnten, war uns Sechsen doch ein ausreichend zufriedenstellender Kompromiss zwischen mädchenhaft und cool gelungen.


    „Wuhu, ich kann es kaum erwarten!”, sprang Sakura vor Freude in die Luft, während Aoi mit einem Glitzern in den Augen stillschweigend unsere neuen Kostüme bewunderten. Privat war das natürlich noch eine ganz andere Situation, als in der Öffentlichkeit skeptische Blicke zu ernten, zumindest solange, bis wir genügend Beliebtheit gewonnen hatten. Dafür würden wir mit unseren Pokémon-Partnern sorgen müssen. Die Uniformen saßen zumindest perfekt, als wir sie und auch uns selbst vor der großen Spiegelwand gegenseitig bewunderten.
    „Und ein Name? Wir brauchen einen Namen! Für jedes Mitglied! Wir haben ja schon mal etwas mit Regenbogen!”, drängte die blauhaarige Aoi, die eine kleine Piourette drehte.
    Mara, unsere Violette, konnte die Hektik gar nicht verstehen: „Mach mal halb lang, du Kraut. Wir haben ja schon mal Rainbow Irgendwas. Zum Beispiel 'Squad', das erinnert jeden an eine Art Polizei.” Aoi, deren Mutter aus Deutschland kam, schmollte bei dieser eigentlich mir vorbehaltenen Bemerkung. Aber da wir alle ein ausländisches Elternteil hatten, war das Ganze sowieso eher scherzhaft unter Freundinnen gemeint.
    Sakura erinnerte uns derweil an Floyds Worte, während sie ihre Haare um ihren Zeigefinger wickelte: „Überlegt mal, was haben wir alle gemeinsam? Zumindest teilweise eine Referenz nach Früchten. Wir können uns jetzt den Kopf zerbrechen und krampfhaft nach etwas suchen, zu dem mindestens eine von uns keinen Bezug hat. Aber ich denke da an Rainbow Cherry für mich, Orange für Mikan, Banana für Ba-nanako, Lemon für Yuzu, Blueberry für Aoi-berry und Passion für Mara … die Passionsfrucht oder Maracuja eben.”
    „Rainbow Steak wäre mein Favorit, aber Lemon ist auch okay ...”, entgegnete die in das weiche Sofa versunkene Yuzu etwas unmotiviert, während sie an ihrem Nietenarmband herumspielte: „Ich meine, was haben wir für Alternativen? Mit meinen Girls von der Band habe ich Jahrhunderte nach einem passenden Namen gesucht, und das, obwohl wir alle mehr oder weniger einen ähnlichen Geschmack hatten. Und die ganzen anderen Magical Girlies tragen jetzt auch nicht viel kreativere Namen.” Da war natürlich eine gewisse Wahrheit nicht zu verleugnen.
    Ich versuchte, das Thema schnell zu einem Abschluss zu bringen: „So lange uns noch niemand kennt, ist es ja sowieso nicht in Stein gemeißelt, oder?” Alle nickten zustimmend. Wir kannten das Gefühl, im Visier von Schurken zu sein, nicht. Weder als Opfer und schon gar nicht als ebenbürtige Gegnerinnen, die wir mit unseren unterentwickelten Pokémon momentan gewiss nicht waren. Aber man brauchte uns – so hieß es zumindest. Super Sandro war Fiktion, die Powerpuff Girls ebenso. Aber wir, wir wollten eine wirkliche Bedrohung für die niederträchtigen Schufte werden. Je mehr ich darüber nachdachte, dass uns diese Art der praktischen Ausbildung lästiges Büffeln für Klausuren, nervenaufreibende Referate und nie enden wollende Seminararbeiten ersparte, desto mehr Gefallen fand ich an meiner neuen Rolle als Rainbow Orange.






    Zwei Halb-Nationalitäten sind mit Absicht noch nicht enthüllt worden - irgendwo muss ich cliffhangern. Der Dialekt ist so gewollt, vielleicht erkennt ihn jemand. :3 Ciao Kakao~!
    PS: Eventuell füge ich für die Hauptcharaktere Kurze Steckbriefe in Spoilern ein, nur für Farbe, Name, Herkunft, Hobbies, Größe und Pokémon, der Übersicht halber.

  • Hallo Neru,


    so irrsinnig die Idee am Anfang klingt, so witzig ist sie am Ende auch und erinnert nicht selten an die Trashigkeit der Power Rangers. Wobei hier halt eher Magical Girls im Vordergrund stehen, aber der Grundgedanke bleibt derselbe: Verrückte japanische Live-Action-Serien.
    Was haben wir hier also: Unfreiwillige Superheldinnen, die mit Witz und Humor ihre Namen ausarbeiten, welche noch dazu rein zufällig an Farben angelehnt sind. Ja, so oder ähnlich kann ich mir auch den Entstehungsprozess bei diversen Schreibern vorstellen, die einfach irgendwelche gut klingenden Namen benötigen, die man sich auch merken kann. Und dabei ist das nur die Spitze, denn in den Dialogen entfaltet sich noch deutlich mehr Wortwitz, der nicht selten die Inspirationen und auch die alltäglichen Geschehnisse unter Beschuss nimmt. Ich möchte nur hoffen, dass die Begleiter-Pokémon auf Dauer nicht nur Statisten sind, sondern dass sie auch aktiv in die Geschichte miteingebunden werden. Immerhin lässt sich da viel daraus machen, von persönlichen Dramen mal abgesehen. Aber den Anfang find ich bisher sehr witzig.


    Wir lesen uns!

  • @Rusalka Vielen Dank, schön, dass es dir gefällt! ^_^ Ich habe deinen Wunsch berücksichtigt, sodass im kommenden Kapitel auch die Pokémon etwas mehr mit eingebunden werden. Noch nicht soooo sehr, aber immerhin ein bisschen. Es ist leider schon so lang genug geworden. xD


    Und wann es kommt?


    Na jetzt!


    Aber vorher noch ein zuckersüßes Gruppenfoto unserer Heldinnen. :*




    Episode 1-2: How to debut


    Als ich den Grundriss meines ersten richtigen Auftrags in digitaler Form vorliegen hatte, zitterte ich am ganzen Körper. Aufgeregt schnellten meine Augen über den Bildschirm und scannten jedes einzelne Detail der Mail, die auch meine fünf Freundinnen erhalten hatten. Natürlich war eine mündliche Einweisung via Videokonferenz ein völlig anderes und wahrscheinlich auch unterhaltsameres Erlebnis, aber dafür konnten wir sicher gehen, dass in dem virtuellen Schriftstück auch wirklich alles ernst gemeint war. Je mehr Information ich aufsaugte, desto hibbeliger wurde ich letztendlich. Wir würden eine Geisha beschützen sollen - die legendären Meisterinnen traditioneller japanischer Tanz und Musizierkunst, die aber auch in anderen Disziplinen wie Teezeremonie, Konversation oder Kalligraphie brillierten. Die Künstlerinnen waren gefragte, aber auch nicht besonders preiswerte Gäste auf allerlei Banketten und Veranstaltungen, sodass es eine umso größere Ehre war, anderen, aber professionellen Tänzerinnen bei ihren Vorführungen beiwohnen zu dürfen. Das Herz der kleinen Hula-Tänzerin Mikan schlug ungleich höher!
    Am Ende der Mail war sogar noch eine explizite Warnung an Yuzu angegeben, dass unsere Aufgabe als unscheinbare Bodyguards einer Geisha – von unseren knalligen Haarfarben jetzt mal abgesehen – eine besondere Höflichkeit erforderte. Letztlich wurden wie aufgrund sich verdichtender Gerüchte über eine falsche Geisha beordert, da bei diesem Treffen verschiedene Geishahäuser einige ihrer Künstlerinnen entsendeten. Jene falsche Geisha war eine nicht mal für Kidnapping und Körperverletzung zurückschreckende, berüchtigte Diebin, die uns ins Netz gehen sollte. Mit professionellem Personenschutz würde man zwar die Anwesenden sicher schützen, aber die unter ihrem echten Namen Kaho Okura bekannte Verbrecherin auch nie in die Falle locken können. Niemals würde ich mir es verzeihen, diesen ersten Auftrag zu vergeigen.



    „Kabu-chan, bist du bereit?”, rief ich meinem kleinen Gemüsemonster zu, als ich mir mein süßes Magical Girl-Outfit überstreifte. Es war zwar noch etwas sehr frisch im März, aber die Jahreszeiten hatten nicht allzu viel Einfluss auf die Hüft- und Beinbekleidung hier. Das kleine Irrbis strahlte und hüpfte auf meinem Bett herum, als sei es fast genauso aufgeregt wie ich selbst! Wir sollten uns den Geishas gegenüber als eine Art Girlgroup ausgeben, was bei den schrillen Outfits insbesondere in Japan oder Korea als eine ziemlich glaubwürdige Lüge schien, zur Not konnte immerhin Yuzu etwas Gesangliches zum Besten geben. Die Location des Tages war ein übergroßes Teehaus, das neben einigen mit Reisstrohmatten ausgerichteten Tatamizimmern auch modern eingerichtete Säle und Kammern besaß – perfekt für eine leicht chaotische Großveranstaltung. Unsere Klientin trug den Namen Fukumomo, einst als ein ganz normales Schulmädchen als Natsumi bekannt und würde sich an ihrem Schildpattkamm zu erkennen geben, auch wenn wir nun wirklich alles andere als leicht zu übersehen waren. Ein bisschen skurril wirkte unser Outfit schon zwischen Kimonos, Anzügen und Kleidern, aber für uns als „Girlgroup” galten eben besondere Regeln. Für die junge Geisha war es nicht schwer, uns zu erkennen, sodass sie uns in einen der privaten Räume winkte, sodass wir „Künstlerinnen” ganz unter uns waren. Sie gehörte zum Geishahaus Nishikido, während die Okiya Aikawa mit den „Kimono-Girls” zweifellos das bekannteste Ensemble stellte. Während die Nishikidos vor allem mit dem Trubel rund um ihre dämonisch besessene Schülerin Touka, später Champ des Indigo Plateaus, aufhorchen ließ und im Zuge dessen sogar ihre Chefin Yukisango durch einen tödlichen Zwischenfall verlor, taten sich die anderen vierzehn Häuser Gion Kobus weniger im Pokémon-Wettstreit hervor. Dafür galt allerdings die junge Satsuki aus dem Hause Tsurui als der schillerndste Stern am Geisha-Himmel dieser Dekade.
    „Yo, Fukumomo, bist du’s?”, wollte sich Yuzu der richtigen Person versichern. Fukumomo, in unserem Alter, verbeugte sich einmal respektvoll , bevor sie sich auf einer der gepolsterten Bänke niederließ. Sie trug einen rosa, mit Pflaumenblüten verzierten Kimono, passend zur Jahreszeit.
    Der „Glückspfirsich”, so ihr von der einstigen Chefin des Geishahauses verliehener Name, entgegnete erwartungsgemäß höflich auf die Frage unseres grünen Mitglieds: „Sehr wohl. Miss Yuzu, freut mich, Euch kennen zu lernen. Mein Name lautet Fukumomo Nishikido. Jedoch bin ich unbekannt im Vergleich zu meiner schillernden Mentorin Touka. Es dauert nicht mehr lange, bis ich meine Ausbildung zur Geiko abgeschlossen haben werde!”
    „Was will diese Kriminelle denn eigentlich von dir?”, fragte Aoi, zusammen mit Nanako die Kleinste der Gruppe, unsere Klientin. Fukumomo schien nur wegen ihrer Geta genannten Holzsandalen größer, wirkte trotz Kimono ansonsten jedoch genauso zierlich und zerbrechlich. Ein Griff unter ihren breiten Gürtel sagte letztlich mehr als tausend Worte, seien sie noch so archaisch und elegant wie der Gion-Dialekt formuliert. Normale Mauzi sahen wir zur Genüge, doch dieses hier trug nicht nur ein indigoblaues Fellkleid, sondern auch einen irgendwie verführerischer wirkenden Blick als die japanischen Miezekatzen.
    „Ein Shiny Alola-Mauzi. Ihr könnt euch selbst ausmalen, wie selten ein solches Pokémon hier ist”, lieferte uns Fukumomo nachträglich die Erklärung: „Hinzu kommt, dass meine Leila die Tochter von Shotoku ist – dem Snobilikat, das einst unserer Meisterin Yukisango gehörte und später mit Touka den Drachenmeister niedergerungen hat.” Das ergab natürlich Sinn. Die junge Geisha warf uns während des Schweigen des Staunens ein niedliches Lächeln zu, als ich den Blick über all diese wunderschönen Ornamente schweifen ließ. Rote Papierlampions, nostalgische Reisstrohmatten, elegante Schiebetüren, kunstvoll dekorierte Ikebana-Blumengestecke und sorgfältig arrangierte Kakejiku-Bildrollen in den Nischen vermittelten eine faszinierende Atmosphäre einer vergangenen Ära, nicht nzuletzt trug dazu sicher auch die aufwändige, aber wunderschöne Kostümierung Fukumomos und der anderen Tänzerinnen bei. Goldhaarnadeln, Jadekämme und Blumenketten zierten die zu mehreren verschieden geformten Dutts gebundenen Haare, die im krassen Kontrast zu der schneeweißen Gesichtsbepuderung und den blutroten Lippen der Schönheiten standen.
    „Darf ich fragen, wer Eure Anführerin ist?”, erhallte plötzlich eine diesmal an uns gerichtete Frage aus dem Nichts, was uns alle in eine unglaubliche Verlegenheit manövrierte. Rot anlaufen, betreten die Füße anheben, peinlich berührt zu Boden schauen … nicht lange dauerte es, bis sich diese Verlegenheit auch auf die Verursacherin der Frage übertrug. Für eine Geisha war dieses Gesicht verlieren aufgrund einer unbedachten Aktion ein fataler Fauxpas, sodass ich für diesen Auftrag, den ich so gerne perfekt ausführen wollte, bereits jetzt in arge Bedrängnis geriet. Nicht einen Gedanken hatten wir daran verschwendet, eine Anführerin zu bestimmen, und das aus gutem Grund.
    Zwar gelang es Sakura, den Moment zumindest für die traditionelle Künstlerin mehr oder weniger mit einem stolzen Fingerzeig auf ihre eigene Nase zu retten: „Oh, das dürfte dann ich sein. Sakura – oder auch Rainbow Cherry!”
    „Miss Sakura! Ihr tragt den gleichen wunderschönen Namen wie mein Kikugi!”, freute sich Fukumomo in diesem etwas gestelzt klingend wirkenden Dialekt, den ihre Professionalität ihr abverlangte, doch hinter den Kulissen brodelte es fortan gewaltig, auch wenn unsere Halb-Belgierin nun als Mitbesitzerin eines der Kirsch-Pokémon eine angeregte Unterhaltung führen konnte und verständlicherweise auch den Pokéball mit Leila zugesteckt bekam, nur in dem Fall, jemand würde die Maiko direkt überrumpeln wollen.


    Sayaka, Toyomatsu, Mamezuru, Fumino, Saehina, Kogiku, Yukizono oder Kiyoha stellten sich uns vor, um nur ein paar weitere Namen der traditionellen Schönheiten aus Gion erwähnt zu haben. Ein köstliches Bankett war vor der hölzernen Theaterbühne, auf die eine üppige Kiefer ganz im klassischen Stile aufgemalt war, aufgebaut worden und ließ mir bereits jetzt schon das Wasser im Munde verlaufen.
    „Wieso kommst du Knalltüte denn auf die Idee, dass du plötzlich unsere Anführerin bist? Ich dachte, es wäre gemeinschaftlicher Konsens, dass wir alle auf gleicher Stufe stehen”, fauchte Yuzu unseren Rotschopf energisch mit verschränkten Armen, glücklicherweise etwas Abseits von den anderen Gästen.
    Sakura verbat sich diesen Ton und rammte ihre Arme verärgert in die Hüften, um sich zur Wehr u setzen: „Du Taubsihirn wärst nie auf die Idee gekommen, der Kleinen aus der Patsche zu helfen! Demnach bin ich zurecht eine geeignetere Anführerin als DU, Yuzu-Schätzchen!”
    „Leute, hört auf, das gehört hier doch nicht hin – lasst uns das wenn überhaupt zuhause klären!”, versuchte die eher etwas zurückhaltende Aoi die beiden temperamentvolleren Mitglieder zu beruhigen, doch auch wenn sie in ihrer Freizeit gerne Zaubershows aufführte, verpuffte ihre Magie hier wirkungslos. Zerrte sie zu Anfang noch vergeblich noch an der fast einen Kopf größeren Punkerin, stellte sie dieses ohne jegliche Beachtung schnell wieder ein und ließ sich frustriert in einen Sessel plumpsen. Ob Nanako, die mich plötzlich von hinten packte und völlig unvorhergesehen umarmte, den Ernst der Lage gar nicht mitbekommen hatte oder absichtlich nicht darauf einging, war mir unklar, aber dass unsere Violette Mara sich von einem jungen Mann zum Buffet führen ließ, half uns auch nicht weiter. Sie schien viel Spaß zu haben, kicherte immer wieder und verdeckte mit der Hand ihren Mund, bis der junge Anzugträger mit Meckifrisur ein Häppchen in ihren Mund führte. Somit lag es an mir, zwischen die beiden zu gehen und Sakura von Yuzu wegzudrücken, denn ehrlich gesagt traute ich mich nicht, die Grünhaarige in dieser geladenen Atmosphäre zu schubsen. Von meiner Freundin eingeschüchtert zu sein war ja eine tolle Eigenschaft für eine Heldin, mit denen sich die Idole unserer Kindheit nie herumplagen mussten. Das verächtliche Schnaufen, dass ich von unserer Kirsche erntete, war es mir allemal wert, doch Fukumomo hatten wir derweil aus den Augen verloren. Ich beachtete die Streithennen nicht weiter und ignorierte Sakuras motziges „Ey, lass das!”, sondern folgte stattdessen einer davoneilenden Nanako, die mich letztlich zu unserer Klientin und einer erfahreneren Geisha um die 30 herum führte.
    Diese Frau hatte Fukumomo an die Wand gepresst und zischte ihr irgendwelchen scharfen Worte zu, die alles andere als höflich formuliert waren: „Du wirst ja noch sehen, was du davon hast!” Ihre Hände umklammerten die der kleineren Tänzerin wie Taubosskrallen und allein ihr Gesicht verriet mir, dass sie Hilfe bedurfte. Es bedurfte keiner Worte mit Nanako, um gemeinsam auf die relativ große Geisha zuzulaufen, sie anzuspringen und in ihrem schillernden Kimono zu Boden zu drücken! Kurzerhand, perfekter hätte es nicht laufen können!
    „So, du bleibst schön da, wo du jetzt bist und dann bringen wir dich zur Polizei!”, rief ich resolut, während ich ihren Oberkörper mit Leibeskräften am Boden hielt, während die Halb-Thai mit Mühe und Not den strammen Tritten der Verbrecherin ausweichen musste. Fukumomo hielt sich vor Entsetzen die Hände vors Gesicht, während ich mich triumphierend auf dem Rücken der Gestürzten niedergelassen hatte.
    Es dauerte eine Weile, bis die junge Geisha wieder zu Worten fand, wenn auch stammelnd: „D-d-das … das ist nicht die Kriminelle. Das ist T-toyomatsu! Wir gehören zur gleichen Okiya! Unser Verhältnis i-ist … nicht das Beste, daher … das Ganze.” Verwundert blinzelte ich, ließ den Blick immer wieder zu den beiden Tänzerinnen hoch und runter gleiten, nun selbst unfähig, mich auszudrücken. Ups. Und plötzlich war es für diese Toyomatsu ein Leichtes, uns beiden wie nasse Reissäcke auf ihr sitzenden Magical Girls magically herunterzustoßen. Die attackierte Künstlerin richtete sich auf, klopfte sich den Staub von ihrem saphirblauen Kimono und zog verächtlich schnaubend von dannen. Nicht nur Fukumomo war der Schock ins Gesicht geschrieben, sondern auch uns, als von einem anderen Ort Lärm ertönte. Trotz unseres Misserfolgs zögerten wir nicht lange, um nachzuschauen, was jetzt vorgefallen war.


    „Du entkommst uns ganz sicher nicht! Los, Chérise, gib es ihr!”, schrie Sakura, die eine der Geishas draußen wagemutig attackierte: „Oh und übrigens, ‚Saehina’ oder wie auch immer ich dich nennen soll - mich würde ja schon interessieren, wieso du das Pokémon sofort bei mir vermutet hast?” Ihr Kikugi hatte eine der Tänzerinnen, in einen scharlachroten Kimono mit goldenem Gürtel gehüllt, mit Egelsamen mehr oder weniger fest im Griff. Dass Pokémon auch Menschen direkt angriffen war durchaus normal, sofern es notwendig war, schließlich war dies kein normaler Wettkampf um der Pokémon willen.
    Saehina lachte arrogant auf, als auch sie einen Pokéball zückte: „Jede von euch Gören trägt einen Pokéball an ihrem Gürtel, du jedoch zwei. Wieso solltest du denn hervorstechen? Es war mir nur klar, dass Fukumomo auf Großevents vorsichtiger agieren muss, weil ich bereits, wenn auch maskiert und wortlos, einmal gescheitert war!”
    „Na weil ich die Anführerin des Rainbow Squads bin!”, protestierte unsere Rote, während ich gleichzeitig meine süße Kabu-chan aus ihrem Ball befreite.
    „DU? Wer würde denn auf dich kommen! Also ich hätte da ja jemand anderes ins Auge gefasst!”
    In Anbetracht der Wahl Saehinas, einem Ibitak, sah das ganze nicht so gut aus für mich, aber mit einem Pokémon hatte ich keine große Auswahl. Glücklicherweise erhielten wir schnell Unterstützung der anderen Mädchen – gerade Aois Vulpix könnte uns entscheidend weiterhelfen! Ansonsten standen noch ein Trasla, ein Choreogel in seiner Cheerleader-Form und ein Rettan auf unserer Seite, was vielleicht nicht allzu furchteinflößend aussah.
    Nun war ich an der Reihe, meinem Pokémon einen Befehl zu geben, als ich es behutsam auf den Boden absetzte: „Kabu-chan, Konfusstrahl! Setzen wir sie schachmatt! Immerhin sind wir jetzt sowas wie kleine Heldinnen, nicht wahr? Lasst uns für Fukumomo gewinnen!”
    „Für Fukumomo also, ja? Wie süß. Schätze das arme Ding hat ja sonst nichts, wenn sie schon nicht an den Glanz einer Urara, Satori oder Touka herankommt. Selbst in ihrem eigenen Geishahaus ist sie nichts weiteres als die Nummer Vier, Fünf oder Zehn und soll jetzt durch ihr Special-Snowflake-Miezchen an Reputation gewinnen. Finde ich ja lächerlich, genau wie euch süßen Schätzchen! Bakuhatsuru, Triplette!” Tri- … -plette? Wenn überhaupt konnte das nur eine Zuchtattacke sein. Die süße Maiko, die uns nachgetrippelt kam, blickte beschämt auf den Boden, als sei etwas Wahres dran gewesen, aber Aoi versuchte, sie irgendwie aufzumuntern: „Du bist hübsch und wundervoll! Nimm dir das doch nicht so zu Herzen!”
    „Ich weiß, dass ich das bin, aber das sind die meisten Geikos. Ausnahmeschönheiten hingegen sind etwas ganz Anderes ...”, klagte Fukumomo, die sich regelrecht bemühte, die Tränen in ihren warmen Augen zurückzuhalten. Saehinas Blick war hingegen berechnend und mittlerweile zugegebenermaßen auch schmerzverzerrt, da der Egelsamen seine Wirkung nicht verfehlte, doch mit der Triplette waren wir erst einmal mit einem anderen Problem konfrontiert. Beschweren, dass sie nicht nur unsere kleinen Pokémon sondern auch uns angriff, konnten wir uns nicht, da Sakura das „Foul Play” sozusagen eröffnet hatte. Der Konfusstrahl, den Kabu-chan abgefeuert hatte, war leider wie eigentlich geplant auf die Trainerin gerichtet, sodass der Greifvogel selbst freie Bahn hatte und unsere Pokémon ohne Widerstand attackieren konnte. Ob unser lebhaftes Cheergirl Nanako das kommen sah, war mir nicht ganz klar, denn bis zum Ende tanzte sie, um ihr Pokémon anzufeuern, selbst als es am Boden lag. Nicht ein Einziges unserer kleinen Pokémon stand nach dem wuchtigen Einschlag, was bei einem gut trainierten Ibitak auch nichts Ungewöhnliches war, wenn wir uns das mal ehrlich eingestanden. Immerhin wurden wir ja nicht plötzlich mit Superkräften überschüttet. Als sich die Egelsamen Nach Cherises Blackout auflösten, hatte Saehina ihr Ziel erreicht und erkletterte etwas ungeschickt den Rücken ihres Vogels, doch nicht, ohne uns ein Abschiedsgeschenk dazulassen: Eine weitere Triplette, die nun uns selbst galt, inklusive der kleinen Geisha, die an Aois Seite stand. Der Einschlug schleuderte meine geliebte Südseeblüte aus meinem schulterlangen, orange gefärbten Haar, sodass ich unmittelbar mit ansehen konnte, wie sie von Frost überzogen in all ihrer Schönheit konserviert wurde, bis eine ansonsten unvorhergesehene Kälte auch mich packte, mit ihren furchterregenden Krallen in meiner Haut nicht mehr los ließ, in einer eisigen Umarmung einschloss und gefrieren ließ.


    „Ein Kuchen mit heißen Kirschen, Einmal Orangeneis, einmal Bananensplit und dann noch einen Pfannkuchen mit gefrorenen Blaubeeren … ja, das klingt gut. Nehme ich~”, notierte sich Yuzu auf einem Notizblock, den sie auf einem Klemmbrett befestigt hatte und starrte mich mit ernster, nachdenklicher Miene an: „Ich esse aber zuerst das leckere Mi-Kan-Chan-Eis, hehe~” Die Größte unserer Gruppe fuhr mir neckisch mit ihrem Finger über meine eisige Wange, während mein ganzer Oberkörper zitterte – die untere Hälfte war immer noch in einem Eisblock ein geschlossen. Aoi und Nanako hatte das gleiche Schicksal ereilt, während Nana-chan sogar im Sprung und einem süßen Lächeln im Gesicht schockgefroren wurde. Als nächstes glitt mein Blick zu einer fast schon seelenlos die Wand anstarrenden Sakura in einem rosa T-Shirt und Jeans, deren nicht mehr vorhandene Uniform sowie die Pflaster und Verbände im Gesicht und an den Armen von schmerzhaften Verbrennungen zeugten. Wir befanden uns in dem verlassenen Hauptsaal des Teehauses.
    „Mikan-chan, tutto bene?”, erkundigte sich eine gequält dreinschauende Mara, die immer wieder zusammenzuckte und in ihren Bewegungen völlig steif wirkte. Als Yuzu mir durch die Haare wuscheln wollte, wurde mir klar, dass auch sie unter elektrischer Paralyse litt. Immerhin waren alle Pokémon ebenfalls wieder auf den Beinen, doch die größte Überraschung erlebten wir mit Fukumomo. Die junge Geisha sah nicht so mitgenommen aus wie Sakura, doch ihren Kimono hatte sie ebenfalls gegen ein blaues Sweatshirt und einen langen schwarzen Rock eintauschen müssen. Von uns allen wirkte ausgerechnet sie am traurigsten, wusste ich doch um den Wert jedes einzelnen Kimonos als Kunstwerk recht gut Bescheid. Yuzu hatte es derweil geschafft, mir eine große Wolldecke um meinen ruhelosen Körper zu legen, während mein Po eine unvergleichlich angenehme Wärme erfuhr, bevor das immer noch eisige Schmelzwasser mein Röckchen beinahe wieder an meinen Beinen festfrieren ließ. Ein Blick hinter mir verriet, dass mir ein schneeweißes, großes Vulnona mit wunderschön funkelnden, intelligenten Rubinaugen aus der Patsche half.
    Yuzu konnte die Niederlage von uns wohl noch am Besten wegstecken, denn zum Sticheln war sie sich nicht zu schade: „Hey, Sakura! Ob die Olle mich gemeint hat? Als geeignete Anführerin? Immerhin bin ich die Coolste, nicht wahr, mein kleines Hula-Schätzchen? Und hey … wir hatten keine Chance gegen die, Kopf hoch, ich möchte dich lächeln sehen. Ich bin nicht nur die Coolste, sondern auch die zur Lizenz zur schlechten Laune, Dios Mio!” Arme, arme Yuzu. Das hätte sie nicht sagen dürfen. Gerade, als sie mir ein fast unwiderstehliches Grinsen zuwarf, nahm Aois kleines Vulpix sie beim Wort und verwandelte sie mit Pulverschnee ebenfalls in einen wunderschönen Eiskristall – es konnte Streit nicht ausstehen und kühlte stattdessen lieber Gemüter ab. Als köstliches Zitroneneis war sie nun wirklich mindestens so cool wie wir alle! Nachdem auch der letzte Teil meines Gefängnisses weggesprengt war und der große Kitsune zu Nana-chan und Aoi-chan - oder wie ich sie auch gerne wegen ihres Namens und ihrer Lieblingsfarbe nannte - Blue-chan trottete, sank ich zitternd auf meine Knie und umschloss meinen Brustkorb. Sofort eilte Fukumomo mit klitzekleinen Schritten, wie sie es als Kimonoträgerin gut genug beherrschte, heran, um die heruntergefallene Decke wieder um mich zu legen. Trotzdem – ich war am Boden und selbst die Fürsorge meiner Freunde oder das aufmunternde Gequieke meines zuckersüßen Irrbis vermochten mich zu erheitern.
    In jeder Magical Girl-Folge obsiegte stets das Gute, um den naiven kleinen Mädchen vor den Bildschirmen Hoffnung zu schenken. Und wir? Wir waren nicht als Hauptfiguren geeignet, sondern höchstens als Lachfiguren, über die sich selbst die dümmsten Team Rocket Rüpel nun beeumeln konnten. Versagt, und das vor meinen Idolen, den Geishas.
    „Tut mir leid wegen Leila … I’m so sorry … wir haben das versaut. Und dein Kimono? Verbrannt”, versuchte ich mich kleinlaut zu entschuldigen, um ehrlich zu sein, den Tränen sehr nahe.
    Fukumomo betrachtete mich mit einem herzzerreißenden Blick, als sie plötzlich etwas orangenes aufhob und hochkonzentriert in mein Haar steckte: „Deine Blume ist wieder aufgetaut. Du kannst sie wieder tragen, sie steht dir! Der Kimono ist zerstört und so nicht mehr ersetzbar, aber Leila? Ich gebe sie nicht auf. Und bitte mach’ dir keine Vorwürfe, denn das habe ich auch Sakura gesagt: Ihr hättet nichts tun können. Dieses Ibitak hat bereits Trainer auseinandergenommen, die den Drachenorden erringen können, nur mal so. Und das mit Toyomatsu? Gut, die mag euch nicht mehr, das kann ich euch versichern, aber ich schätze den Gedanken!” Von dem hochtrabenden Gion-Dialekt war von Casual Fukumomo nichts mehr zu hören. Mittlerweile war endlich Aoi befreit und wurde von Mara liebevoll umsorgt.
    „Wiedergutmachen geht wohl schlecht?”
    „Kann man wohl sagen. Aber ich habe eine Bitte an euch.”
    „Lass hören”, hauchte ich etwas kraftlos und sah zu, wie endlich auch Nanako geholfen wurde.
    Ich merkte, dass es der jungen Geisha nicht leicht viel, ihre Bitte vorzutragen, doch sie erwies sich als eine bessere Kämpferin als wir alle zusammen: „Also … i-ich … ich würde euch gerne besser kennen lernen wollen. Als ihr alle sechs vor mir gestanden gehabt, bereit, diese böse Frau aufzuhalten und diese Schmerzen in Kauf genommen gehabt … das hat mich davon überzeugt, dass ich nicht nur zu euch aufsehe, weil euer Kostüm so ultrasüß und -cool und knuuufiiiig ist!” Eine Geisha. Fangirlte. Wegen UNS?
    „Naja also wenn das in Ordnung ist, klar, gerne!”, nickte ich zustimmend, traute mich aber immer noch nicht, diese junge Frau aus einer so ganz anderen obwohl nahen Welt zu umarmen.
    Sie wirkte sogar etwas gekränkt: „Wieso sollte es das nicht? Geiko ist ein Beruf, außerhalb sind wir ganz normale Frauen in Jeans, Röcken, Kleidern und manchmal auch im Kapuzenpulli – zumindest, wenn uns die Leute nicht als Geiko wiedererkennen und gewisse Erwartungen an uns haben. Wissen komischerweise nicht alle, obwohl das doch eigentlich nur logisch ist! Aber ich möchte euch nicht als Gäste haben, sondern als Freunde. Touka, meine Mentorin, ist an Einsamkeit beinahe zerbrochen.” Eine Antwort meinerseits wartete sie nicht ab und trippelte nun zu den anderen Mädchen, während der weiß bepelzte Schneeball nun die immer noch vor mir erstarrte Yuzu zu pflegen begann. Für einen kurzen Moment wurde mein Herz dank der kleinen Geisha von Wärme ergriffen, bevor die eisige Kälte trotz Decke und Heizung in meinen Körper zurückkehrte.
    Wir hatten unseren ersten Auftrag in den Sand gesetzt, wie es schlimmer nicht hätte gehen können. Nicht nur, dass wie unsere Klientin und ihr Pokémon nicht verteidigen konnten – sie wurde verletzt, ein Kimono wurde zerstört und ihre Kollegin würde sich nun im ganzen Geishaviertel über uns Sailor Fails auslassen. WE. SUCK. Niedergeschlagen ging ich mir durch die Haare und spürte den riesigen Mochi-Reiskloß in meinem Bauch, denn schließlich mussten wir Floyd darüber in Kenntnis setzen. Nur eine fühlte sich wohl noch schlechter, und das war Sakura, die für diesen Moment sicherlich ausgiebig über ihre Eignung nicht nur als Rainbow Girl, sondern auch als potentielle Anführerin ausgiebig nachdachte.

  • Hey Neru,


    nun kommt also der erste große Auftrag als Rainbow Squad und ehrlich gesagt weiß ich gar nicht so recht, was ich erwartet habe. Anhand der bunten Truppe, die bereits im ersten Kapitel vorgestellte wurde, war es fast abzusehen, dass der Auftrag schief gehen wird und sie sich eher in die Haare bekommen, wie auch noch einige Probleme zu lösen haben. Zumindest sind nicht alle so temperamentvoll und wollen sich um den Titel als Anführerin streiten (ich habe die Befürchtung, das könnte in Zukunft noch ein Running Gag werden) und daher gab es durch einige interessante Situationen auch die nötige Abkühlung. Gerade die Konservierung war witzig in Szene gesetzt und da zeigte sich dein Talent, Ernst und Witz in wenigen Worten zu vereinen. Die Pokémon haben's an einigen Stellen möglich gemacht und die Einbindung fand ich teils schon recht gut. Darauf kannst du ja in Folgekapiteln aufbauen.
    Was bleibt nun also? Zuerst einmal finde ich den Auftrag, eine Geisha zu beschützen, interessant und mutig, auf der anderen Seite konsequent und richtig, da wir uns ja auch in Japan befinden. Insofern war es zwingend notwendig, sich über die traditionellen Bräuche und Einrichtungen sowie das Verhalten der Geisha zu informieren und die Vermittlung all dieser Informationen im Fließtext ist dir gut gelungen. Auch dass Fukumomo durchaus ihre Fassung verlieren kann, zeigt, dass sie eben im Hintergrund auch sehr menschlich ist und nicht einfach nur ihre Rolle spielen kann. Ich bin schon gespannt, was sie zur Truppe beiträgt und ob man von ihr noch mehr hören wird. Potential besteht da nämlich durchaus noch viel.


    Wir lesen uns!