A Tell-Tale Story

  • A Tell-Tale Story



    Du findest bald einen blauen See
    umringt von Trauerweiden;
    hier weinst du aus dein kleines Weh
    und deine engen Leiden.


    Wenn du den steilen Berg ersteigst,
    wirst du beträchtlich ächzen;
    doch wenn du den felsigen Gipfel erreichst,
    hörst du die Adler krächzen.


    ~Heinrich Heine, Wandere






    Einleitung



    Ein paar knappe Worte vorweg. Dies ist die erste Geschichte, die ich hier auf diesem Forum veröffentliche. Logischerweise habe ich von der Formatierung hier leider noch wenig bis gar keine Ahnung, weswegen ich die Geschichte noch nicht so visualisieren kann, wie ich es eigentlich wollen würde. Daher würde ich mich nicht nur über Rückmeldungen über den Text freuen, sondern auch über Tipps oder Vorschläge zur Formatierung. Vielen Dank im Voraus!















    Prolog




    "Mina, es wird Zeit für dich."
    "Mama... nein, bitte! Mama... ich kann nicht..."
    "Kein Aber. Kleine... es tut mir leid. Aber du musst."
    "Nein! Das kann ich nicht glauben! Wieso, Mama? Wieso? Ich kann das nicht... was soll ich denn machen..."
    "Die Welt will es so. Also wirst du dich fügen müssen."


    Eine Gasse im Regen. Das fahle Licht aus der Hintertür bringt herzlich wenig Hoffnung in die Dunkelheit der Nacht.
    Zerrissene, dreckige Kleider zeichnen die rastlosen Gestalten, deren Heimat die Monotonie der Verachtung geworden war. Das Mädchen ballt frustvoll ihre Hände zusammen. Der Blick der Mutter bohrt sich mit einer Kühle und einer Sorge in ihr Herz, die den tiefen inneren Konflikt über das Schicksal ihrer Tochter zum Ausdruck bringt. Andere, umherlaufende Gestalten werfen dem Mädchen gedankenlose Blicke zu; sie selbst waren bereits zu Opfern der Moral geworden.
    Der gnadenlose Niederschlag hält wie eine Wand gegen das Mädchen, zerrt beinahe an ihrem Körper, als wolle er sie mit sich nehmen. Immer wieder wird sie zurückgeworfen. Immer wieder sind es die beiden Magnayen, welche sie anknurren. Immer wieder versucht sie, zurückzukehren. Immer wieder werden ihre Tränen vom prasselnden Regen weggespült. Niemand interessiert sich für sie, denn sie war genau so wie die anderen. Sie ist ein Nichtskönner. Sie belastet die Gesellschaft durch ihre bloße Existenz, genau so wie alle, die sie kennt. Sie ist wertlos im Auge der Menschen.


    Mina wuchs in Vapydro City auf. Sie war die Tochter zweier Arbeitsloser, die nach ihrer Obdachlosigkeit kriminell wurden und sich dadurch mit anderen Obdachlosen zusammen eine Art kleines Heim sichern konnten. Ein Dach über dem Kopf, welches sie zwar vor Wind und Wetter, aber nicht vor Spott, Hohn, Hass und Hunger schützen würde. Viele von ihnen hatten Angst vor den "normalen" Menschen, die immer auf sie herunter blickten. Keiner von ihnen hatte eine Bildung oder etwas, was ihm einen Beruf sichern könnte. Sie waren alle chancenlose Versager. Oftmals mussten sie um ihr Leben kämpfen, um nicht zu verhungern oder im Winter nicht zu erfrieren. Hilfe von außerhalb gab es dabei nie. Keiner von ihnen hatte besondere Talente. Keiner hatte eigene Pokémon oder konnte mit Pokémon umgehen. Zwei Magnayen hatten sie auf der Straße ausgesetzt gefunden, das war jedoch alles.
    Doch Mina sollte hier eine Ausnahme bilden. Obwohl sie wie alle anderen nie wirklichen Kontakt zu Pokémon hatte und auch keinerlei Bildung bekam, war sie stets diejenige, die mit den beiden Magnayen am besten umgehen konnte. Umso härter verspürte sie nun auch die Ablehnung der beiden Pokémon.
    Mina hatte Angst vor den Menschen, so wie viele ihrer Bekannten auch. Doch sie wusste nicht, dass sie vielleicht die letzte Hoffnung für ihre Familie wäre, wieder ein besseres Leben führen zu können.
    Und so sollte Mina schließlich von ihrem "Zuhause" vertrieben werden, um ihre Karriere als Pokémon-Trainerin zu beginnen. Sie sollte ihre Angst bekämpfen, ihr Talent nutzen und die Werte in der Welt verbreiten, die sie in ihren 14 Jahren als Obdachlose gelernt hat. Für ihre Familie und für so viele andere, die wegen anderen Menschen so oft auf der Schwelle des Todes stehen und dies durch ihren Wahnsinn nicht mal mehr merken. Mina konnte dies selbst nicht einsehen, doch vielleicht würde sie im Laufe der Zeit noch realisieren, dass ihre Familie all dies nur aus Liebe zu ihr tat.


    Mina flieht. Sie rennt und rennt. Die Lichter der Stadt und die Gesichter der Menschen dringen durch die dichte Regenwand zu ihr hindurch und lassen ihren Puls rasen. Sie will nie wieder jemanden sehen. Nie wieder will sie Kontakt zu Menschen haben. Zu sehr wurde sie dafür verletzt und enttäuscht. Sie blendet alles aus, sodass der Regen mit den Straßenlichtern zu einem einzigen, fließenden Schein verläuft. Sie rennt weiter, unbewusst wo sie überhaupt hinrannte, sich nicht darüber scherend. Ziellos.
    Ein lautes Hupen zerrt Mina kurz aus ihrer Gedankenödnis, als etwas sie bei Seite zieht. Sie hört, wie jemand zu ihr spricht, aber alles, was sie wahrnimmt, sind stumpfe und sinnlose Laute. Sie reißt sich vom fremden Griff los und läuft weiter, bis sie nichts mehr hören kann außer dem Wind in den Blättern der kargen Birken und dem stetigen Prasseln, das nie mehr aufzuhören scheint.


    Nach einer ganzen Weile öffnet sie erneut ihre Augen. Die Finsternis um sie herum überwältigt Mina für einen kurzen Moment, doch je länger sie auf der Stelle verharrt und verloren in die Schwärze blickt, desto wohler fühlte sie sich mit einem Mal. Noch immer weiß sie nicht genau, wohin sie geht. Die Schemen der nächtlichen Umgebung geben ihr den Hinweis, dass sie sich vor einer Höhle befinden muss, doch mehr kann sie auch nicht erkennen. Eine Höhle würde vielleicht einen guten Unterschlupf bieten. Außerhalb der Stadt, alleine in der Dunkelheit, scheint Mina wieder klarere Gedanken fassen zu können.
    Sie betritt die Höhle, durch welche die Geräusche von Wind und Regen hallen. Für diese Nacht würden sie Mina wohl nicht mehr alleine lassen, doch das scheint sie nicht wirklich zu stören. Die Emotionen abschütteln, um zu überleben.
    So tappt sie verlassen durch die kalte Höhle und wird durch ihre Klamotten fast eins mit dem dunklen Gestein. Sie geht weiter und weiter, und schien nicht zu erwarten, dass diese Höhle bewohnt sein würde. Nach einiger Zeit wurde sie jedoch auf ein Geräusch aufmerksam, das das leiser werdende Geräusch des Regens übertönt. Ein kaum zu hörendes Schluchzen, welches tiefer aus der Höhle kommt. Mina konnte dieses Geräusch nicht überhören... doch wieso bewegt es sie so sehr?


    Nichtsdestotrotz läuft sie weiter und ihre nackten, kalten Füße werden vom rauen Höhlenboden langsam blutig. Nach einer Weile, als sich ihre Augen immer mehr an die Dunkelheit gewöhnt haben, erblickte sie etwas. Ein kleines, zitterndes Wesen, welches sich alleine in einer Ecke zusammenkauert. Als habe es Angst vor Mina, die sofort stehenblieb. Obwohl ihr Herz erst vor kurzer Zeit zerbrochen worden war, schien es in ihr doch sofort aufzugehen, als sie das Pokémon sah.
    Sehr langsam und vorsichtig tut Mina Schritt für Schritt in Richtung des Pokémon, dessen Augen wie Diamanten aufblitzen, als wolle es Mina warnen, nicht näher zu kommen. Mina gibt jedoch nicht auf und so kommt sie dem Pokémon auf einen Meter nahe, das sich an die Wand presst und ängstlich die Klauen nach ihr ausgestreckt. Sie hockte sich vor das Pokémon und begann, es zu zähmen. Sofort wusste Mina, dass dieses Pokémon nicht nur irgendein Pokémon ist. Sie hatte es von Anfang an gespürt. Dieses Pokémon wusste, was Mina fühlt, und Mina wusste, was das Pokémon fühlt. Als wäre dort eine Art Spiegel zwischen ihr und dem Pokémon. Mina holte einen Ohrring hervor, den sie vor einiger Zeit geklaut hatte. Der Ohrring war aus einem wunderschönen, hochwertigen Rubin geformt. Das Pokémon blickt sehr lange auf den Ohrring, ohne etwas zu tun. Als Mina dem Pokémon den Ohrring geben will, schnappt es sich diesen aus Minas Hand. Der erste Kontakt war vollbracht.
    Es dauert nicht lange, bis Mina das Vertrauen des Pokémon gewonnen hat, welches kurz darauf schluchzend in ihren Armen lag. Offenbar war es genau so einsam und verletzt wie sie selbst. Doch eines war Mina sofort klar. Dies ist der Anfang eines lebenslangen Bundes. Und so machte sie sich mit ihrem neuen Gefährten langsam auf die Reise ins Ungewisse.






    Kapitel 1



    Erneut wache ich auf. Doch dieses Mal ist alles ganz anders, als das Mal zuvor. Ich bin erleichtert, als ich sehe, wie das Orangerot, welches die Strahlen der Morgensonne in die große Baumhöhle wirft, sanft und warm in das dunkle Grün übergeht. Der Gesang der Vögel kombiniert sich mit dem Geräusch der wenigen Blätter im Wind zu einem kleinen, aber doch wirksamen Morgenkonzert und irgendwie habe ich schon fast wieder vergessen, was gerade geschehen war. Für einen Traum kam es mir nur allzu real vor.
    Gerade will ich aufstehen, als ich merke, dass es sich jemand auf meinem Schoß in meinen Armen gemütlich gemacht hat, während ich mich an die innere Baumrinde angelehnt habe und eingeschlafen war. Dieses Zobiris ist unglaublich. Ich kann nicht mal genau sagen, warum, aber es fasziniert mich einfach. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass wir so viel gemeinsam haben. Ich habe es im Gefühl.
    Vielleicht schläft es auch gar nicht wirklich? Seine Augen sind so weit, so offen und so wunderhübsch wie immer. Es ist ein seltsames Pokémon, viele würden es vielleicht sogar als gruselig bezeichnen. Ich schüttle wiederholt den Kopf. Dieses Pokémon braucht meine Liebe.
    Seufzend schaue ich für einen Moment an Zobiris vorbei auf den Boden. Zumindest kann ich sagen, dass wir beide Menschen hassen wie keine andere Spezies auf dieser Welt. Genau deswegen muss ich Zobiris umso mehr Zuneigung geben. Wir beide wurden verlassen. Wir beide wurden vertrieben. Wir beide wurden enttäuscht.
    Wirklich, es mag albern klingen, aber so fühle ich. Und ich vertraue meinem Gefühl. Ich vertraue Zobiris und Zobiris vertraut mir. Glaube ich zumindest. Als ich meinen Blick wieder auf Zobiris richte und es sich langsam regt, mit Händen und Füßen gegen meinen Bauch stupst während es sich streckt, und mich mit einem Lächeln anblickt (wobei es dies eigentlich ständig tut), kann ich nicht anders, als zurück zu lächeln und es für eine Weile zu streicheln.
    Es war sehr verwunderlich, wie schnell dieses Zobiris Zutrauen zu mir gewonnen hatte. Die paar wenigen Zobiris, die ich kennenlernen durfte, waren immer scheu und menschenverachtend. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich selbst nicht mehr als Mensch ansehe.
    Ich mache mir zu viele Gedanken, dabei sollte ich viel mehr meine Gesellschaft genießen.
    Langsam stehe ich auf und lasse Zobiris von meinem Schoß, welches sich sogleich aufrichtet und forsch mit den Krallen im Boden umher wühlt. Obwohl ich seit knapp zwei Tagen nichts gegessen habe, so überkommt mich doch kein Hungersgefühl. Ich war es gewohnt, viel länger ohne Nahrung auszuhalten. Nur Zobiris scheint sich etwas zu Essen zu wünschen. Es scharrt im Boden und sucht dort wahrscheinlich nach Edelsteinen. Mir wurde gesagt, dass Zobiris sich von Steinen ernähren, daher habe ich ihm meinen Ohrring angeboten, welchen es seit jeher bei sich trägt. Mir bedeutet dieser Ohrring nichts mehr, also war es mir egal.
    Vielleicht sollten wir los gehen, um ein paar Beeren zu sammeln? Zobiris reagiert eher empfindlich auf Licht, weswegen es nicht gerne tagsüber und schon gar nicht an der Oberfläche umher läuft... ich kann das verstehen, aber daran wird es sich gewöhnen müssen. Ich will es nicht alleine lassen, aber ich kann nicht ewig in Höhlen oder Baumhöhlen leben. Es wäre schön, wenn man sich sein ganzes Leben lang nur verstecken könnte. Aber was erzähle ich da, es nützt ja eh nichts, denn wer hört schon auf mich außer vielleicht Zobiris? In den wenigen Wochen, welche wir zusammen gelebt haben, fragte ich mich immer wieder, ob es mich überhaupt verstehen kann. Doch jetzt bin ich überzeugt davon, dass es das tut. Ich fühle es einfach, dass wir zwei durch irgendetwas verbunden sind.
    Während ich hier stehe und nachdenklich zu Zobiris schaue, bemerke ich gar nicht, wie sehr mein Magen knurrt. Kurz kicher ich, als Zobiris verwirrt zu mir schaut und den Kopf schief legt. Ich muss wohl doch mehr Hunger haben, als ich dachte.
    Ich krieche aus dem Eingang zur Baumhöhle hinaus in den Wald, dessen Zinnober im späten Herbst nach und nach einem kargeren, aber für mich keinesfalls tristeren Grau weicht. Ich schaue zu Zobiris zurück, welches sich in der dunklen Baumhöhle befindet und mich von dort an zögernd mit seinen Augen zu blitzt. Es war mir klar, dass es eine Weile brauchen würde, Zobiris an das Tageslicht zu gewöhnen. Doch ich spüre bereits, dass es das auf jeden Fall wert sein wird. Für jemanden, der genau so gelitten haben muss wie ich, bin ich bereit, noch viel mehr zu tun.
    Nach einer Weile habe ich es durch Zuspruch und Motivation endlich geschafft, Zobiris aus der Höhle in den Wald zu locken, wenngleich es sehr kleine Schritte macht und etwas verkrampft scheint. Tut das Licht ihm etwa einfach nicht gut? Ich wünschte, ich wüsste mehr über Zobiris, wie beispielsweise seinen Typen, vielleicht könnte ich es dann besser verstehen...
    Nach dem die ersten Schritte getan sind, machen wir uns auf Beerensuche. Zobiris scharrt ab und an im Boden und bleibt oft einfach stehen, doch ich schaue immer wieder zu ihm zurück und warte auf es. Wahrscheinlich ist dies für Zobiris der blanke Horror, doch ich denke nicht daran, es wieder zurück zu der Höhle zu bringen, wo ihm grausame Dinge von anderen Pokémon angetan wurden. Bei mir bist du sicher. Das versuche ich, ihm zu vermitteln.



    Wir gehen also weiter durch den Wald, auch wenn wir durch Zobiris' Angst nur langsam voran kommen, welches stets das Licht der Morgensonne meidet und versucht, in den Schatten zu laufen.
    Und schon finden wir einen echten Glückstreffer; an einer kleinen Lichtung stehen zwei Tsitru-Sträucher, die niemandem zu gehören scheinen. Ich bleibe stehen und bücke mich zu Zobiris, zeige auf die Sträucher und erkläre ihm, dass es sich dabei um sehr leckere Beeren handelt, die wir gleich essen werden. Zobiris wirkt verständlicherweise etwas verwirrt, denn Beeren stehen wohl eher nicht auf seinem Speiseplan. Aber auch daran wird er sich gewöhnen müssen.
    Ich gehe vor an die Lichtung und pflücke einige der Tsitrubeeren, aber auch nur so viele, wie wir zwei zusammen essen würden. Der Duft der Beeren und das Aroma der Blätter hängen in der Luft und werfen mich kurz in Zeiten zurück, in denen meine Mutter ein Glas Tsitru-Marmelade gekauft hatte, da sie mir so gut schmeckt. Obwohl es einer der besten Tage meines Lebens war, schüttle ich den Kopf schnell, um diesen Gedanken loszuwerden. Mit Menschen hatte ich nichts mehr zu tun.
    Wie aus dem Nichts ertönt plötzlich eine harsche Stimme, die mich zusammenschrecken lässt. Sofort lasse ich alle Beeren fallen und begebe mich instinktiv auf die Flucht. Ich schalte alle Gedanken ab und denke nur noch daran, zu entkommen, ohne erwischt zu werden. Ich muss rennen, doch ich komme nicht weit, als vor mir ein Mann steht, der mindestens zwei Köpfe größer ist, als ich. Ich schließe die Augen und will fast schreien, falle kurz zu Boden und drehe mich dann um, um in die andere Richtung zu laufen. Und was ich nun sehe, lässt mein Herz bis in die Hose rutschen. Vor mir steht ein massiges, großes Pokémon, welches mich anstarrt und bedrohlich die Pranken in die Luft gehoben hat. Der große, gelbe Ring an seinem Torso wird unförmig, als es sich brüstet und leise schnaubt. Der Mann sagt irgendetwas, doch ich verstehe kein Wort. Alles, was ich von ihm hören kann, sind irgendwelche Laute, die mir fremd vorkommen.
    Ich laufe langsam nach hinten weg, obwohl mein Puls rast und ich am liebsten wieder rennen würde.
    Der Mann stellt sich neben sein Pokémon und ruft mir irgendetwas zu, das ich nicht wahrnehme. Doch als ich einen Blick auf Zobiris werfe, merke ich plötzlich, wie es aggressiv die Klauen wetzt und mit den Augen funkelt, als es sich zwischen mich und das andere Pokémon stellt, als wüsste Zobiris genau, was es tun müsse. Erst dann wurde mir klar, dass es zu einem Pokemon-Kampf kommen würde.



    Hier stehe ich nun also. Hinter dem Pokémon, welches ich in wenigen Wochen so sehr ins Herz geschlossen hatte wie keine andere Person oder kein anderes Pokémon in solch kurzer Zeit. Ich starre auf das Bären-Pokémon, welches sich vor Zobiris auftürmt und locker vier mal so groß ist, wie es. Der Farmer steht wütend neben seinem Pokémon, welches sich plötzlich einfach nach vorne stürzt und mit der rechten Pranke nach Zobiris ausholt.
    Schockiert schließe ich die Augen und schreie leise auf, während ich einen Schritt zurück mache und mir die Hände verzweifelt vor das Gesicht halte. Ich kann hören, wie die Pranken des Pokémon durch die Luft zischen und würde am liebsten laut Stop rufen, doch ich bringe kein Wort heraus. Ich stehe hilflos da, als sich Zobiris wegen mir in Gefahr begibt...
    Während ich die Augen geschlossen halte, höre ich Zobiris kurz fauchen und ich spüre, wie eine Pranke sich in den Boden rammt. Das Bären-Pokémon knurrt bedrohlich und kommt Zobiris und mir immer näher. Als ich schließlich zwischen meinen Fingern hindurch schaue, erkenne ich, dass Zobiris dem Schlag ausgewichen ist und hinterhältig mit den Augen funkelte. Es erscheint mir schon fast seltsam, doch ich kann Zobiris Kampfgeist förmlich spüren. Und irgendwie überträgt sich dieser Kampfgeist auf mich, sobald ich meinen Partner sehe, der sein eigenes Leben dafür opfert, mich zu beschützen... ich nehme langsam die Hände vor dem Gesicht weg und entferne mich etwas mehr von dem Geschehen. Ich weiß zwar nicht, wieso der Farmer auf einen Pokémon Kampf bestand... aber der Gedanke, dass Zobiris etwas geschehen könnte, bereitet mir zu große Angst. Untätig stehe ich auf der Lichtung und bedecke schnell wieder meine Augen.


    Unentschlossen und zitternd blicke ich dem Farmer und seinem Pokémon durch meine Finger entgegen, als dieses erneut zu einem Hieb ansetzt.
    Dann fällt mein Blick erstaunt auf Zobiris, welches wie aus dem Nichts um sich herum einige blaue Flammen erscheinen lässt, die es spöttisch und tänzelnd auf das angreifende Pokémon schießt. Das Pokémon brüllt laut auf und unterbricht seinen Angriff, wobei seine Pranken Zobiris einfach zu durchdringen scheinen, als wäre es gar nicht da. Der Farmer ist genau so erstaunt wie ich, und jetzt erinnere ich mich wieder! Zobiris war ein Geist-Pokémon! Also wird dieses Pokémon vom Typ Normal sein... ich weiß zwar nicht vieles über Pokémon-Kämpfe, aber auf der Straße hört man nun mal so einiges. Ich schüttle den Kopf. Nein, Ich will nicht mehr an meine Vergangenheit denken.
    Dennoch es wundert mich, wie geschickt Zobiris im Kampf diese Attacken anwendet und wie es mich so gezielt beschützen kann. Es muss schreckliche Angst vor den Menschen haben, und dennoch liebt es mich so sehr, dass es sich für mich in den Kampf stürzt.
    Während ich nachdenke, bemerke ich gar nicht, wie das Pokémon bereits seinen nächsten Angriff tätigt. Wieder holt es mit seiner Pranke aus, doch dieses Mal scheint es Zobiris nicht zu bemerken. Zobiris hüllt sich in eine dunkle Kraft, die es umgibt und schwarz wie die Nacht ist. Kurz bevor das Pokémon Zobiris treffen konnte, brülle ich Zobiris einen Warnruf zu. Die ersten Worte, die ich seit Wochen spreche, gehen mir schwer und voller Angst über die Lippen.



    "Zobiris, pass auf!!!"


    Sofort wird Zobiris auf den Angriff aufmerksam. Seine Augen blitzen erneut auf, als es faucht und aus der Kraft um sich herum eine schwarze Welle auf das angreifende Pokémon des Farmers schießt. Ich spüre, dass ich langsam mehr und mehr vom Kampfgeist erfasst werde... ich weiß nicht, ob mir das gefallen soll. Zobiris könnte verletzt werden und das kann ich nicht zulassen. Aber wenn ich es sehe, wie es so entschlossen vor mir steht und gegen den Gegner kämpft, dann scheint es mir schon fast so, als würde Zobiris es nicht anders kennen und es sogar wollen.
    Zobiris schafft es, mit seinem Angriff den Angriff des gegnerischen Pokémons abzuwehren und wird dabei etwas über den Boden zurück geschlittert, sodass es nun etwa einen Meter vor mir steht. Es dreht sich zu mir um und ich kann spüren, wie unsere Blicke sich kreuzen. Und ehe das gegnerische Pokémon angreifen kann, schießt Zobiris eine weitere Welle auf es, während es sich gerade wieder aufrichtet und durch den vorherigen Angriff beträchtlichen Schaden genommen hatte. Ich bin erstaunt von Zobiris' Stärke... es scheint sich mehr als ausreichend wehren zu können... aber wieso war es dann so alleine und niedergeschlagen, als ich es fand? Das werde ihn wohl noch herausfinden müssen.
    Zobiris greift nun zum dritten und scheinbar auch letzten Mal das gegnerische Pokémon mit seiner Attacke an, wodurch dieses zurücktaumelt und zu Boden geht. Ein seltsames Gefühl macht sich in mir breit, als ich sehe, wie der Farmer sein verletztes Pokemon zurück in einen Pokeball holt.
    Ich gehe ein Stück vor und bücke mich langsam zu Zobiris, als dieses Gefühl, welches Zobiris Aura mir gegeben hatte, langsam einem Schuldgefühl und einer Traurigkeit weicht. Behutsam hebe ich es hoch, woraufhin Zobiris verwirrt den Kopf zu mir dreht. Es ist noch ganz heiß vom Kampf...
    Ich höre, wie der Farmer mir etwas sagen will, doch ich höre ihm nicht zu. So schnell es geht sammle ich die gepflückten Tsitrubeeren wieder auf und renne dann mit Zobiris auf dem Arm vor dem Farmer weg. Ich weiß nicht, was er wollte, doch es interessiert mich auch nicht. Durch meine Schuld wurde seinem Pokémon und auch Zobiris Schaden zugefügt. Zobiris hat, obwohl es die Angriffe abwehren konnte, einige Kratzer durch diesen Kampf bekommen. Es war alles meine Schuld.


    Mit Tränen in den Augen laufe ich weiter durch den Wald und kann den Farmer irgendwann nicht mehr hören. Zobiris liegt still in meinen Armen und schaut mich die ganze Zeit über an. Obwohl sein Blick so starr und neutral wie immer aussieht, spüre ich sehr deutlich, dass Zobiris mir etwas sagen will. Durch diesen Kampf hat es mir seine Treue geschworen. Mir, einer Person, für die sich sonst niemand auf dieser Welt interessiert. Mir, einem obdachlosen, dummen Mädchen, welches für nichts zu gebrauchen war... und auch ich entschließe mich, immer für Zobiris da zu sein. Mit ihm durch die schwierigsten Kämpfe zu gehen und mehr über es zu lernen. Es nicht im Stich zu lassen.


    Eine Träne kullert meine Wange herunter und tropft auf Zobiris' Gesicht, welches reglos wie immer ist. Sie spiegelt meine Freude und mein Leid zugleich wider, als ich mit meinem verletzten Partner nach einer Stadt mit einem Pokémon Center suche und meinen Menschenhass für einen Moment zu vergessen scheine.




    Ich lasse dich nicht allein. Niemals, Zobiris. Ich verspreche es dir.

    Even though it has no name, let's sing this song, it's the wings of the dream we painted together~~~

  • Hallo kyoun,


    freut mich, dass du in den Fanfiction-Bereich gefunden hast! Der Start ist auch schon mal ganz ordentlich, aber vorher vielleicht noch ein paar Dinge zu den Formatierungen. Grundsätzlich würde ich dir empfehlen, nicht zu viele Codes zu verwenden, da vieles eh recht ersichtlich wird. Farbe und Schriftgröße gehen okay, die Fettmarkierungen könnten aber beispielsweise wegfallen, da wichtige Überschriften schon unterstrichen werden. Die Ausrichtung ist dir ja schon bewusst und ansonsten kann ich noch den Trennstrich empfehlen, den du mit [hr][/hr] machst. Das ist einfach eine Linie vom linken zum rechten Rand des Posts, womit bessere Abgrenzungen erfolgen können.
    Da du auch einige Leerzeilen drin hast, kannst du den Code auch bearbeiten, wenn du links über dem Post bei der Bearbeitung auf das Kästchen klickst. Meist entstehen Code"abfälle", die an sich nicht notwendig sind und die man dort problemlos löschen kann, weil sie auch direkt angezeigt werden. Vieles ist bei den Codes aber learning by doing und du hast den Dreh schon raus.


    Zur Geschichte: Ich mag den Prolog bis auf eine Sache wirklich gern. Du stellst Mina als Charakter noch nicht zu ausführlich dar, sondern konzentrierst dich erst mal auf ihren bisherigen Werdegang, der zu dem Zeitpunkt auch erklärt, warum sie eigentlich draußen im Regen ist. An der Stelle passt das deswegen gut, weil es zum einen relevant ist und zum anderen auch symbolisch dafür steht, dass sie eigentlich mit allem abgeschlossen hat. Das einzige, was da wohl noch interessant gewesen wäre, ist zu erfahren, warum sie ausgesetzt wurde. Es wird zwar die Pokémon-Reise erwähnt, aber dem entgegen stehen dann so Dinge wie dass die Familie sie nicht unterstützt und dass die Welt es so will. Das klingt mehr nach irgendeiner Prophezeiung, die bisher noch nicht erwähnt wurde als nach dem Wunsch, dass sie auf eine Reise geht und etwas aus sich macht. Der forcierte Rauswurf hat auf jeden Fall für das genaue Gegenteil gesorgt, was schließlich auch den Grundstein für die folgende Geschichte legt.
    Zobiris ist übrigens eine sehr interessante Wahl für das erste Pokémon. Ich find's eh ziemlich unterrepräsentiert und begrüße die Entscheidung daher auf jeden Fall. Die Einleitung, bei der sich Mina um Zobiris kümmert, ist auch sehr angenehm zu lesen. Man merkt, dass die beiden in der kurzen Zeit, die sie zusammen sind, schon ein Herz und eine Seele geworden sind und dass sie aufeinander Acht geben. Das merkt man zum einen, als Mina mit Zobiris ins Tageslicht rausgehen will und zum anderen auch, als es zum Kampf gegen den Farmer kam. Die Frage ist hier halt nur, ob er das wirklich wollte oder nur so wütend war. Eigentlich hätte es für Mina ja kein Verständnisproblem geben dürfen, selbst wenn sie schon einige Zeit nicht mehr mit Menschen zusammen war. Dass sie in der Zwischenzeit nichts gesprochen hat, ist ebenfalls erstaunlich.
    Eine Sache noch: Das Ende des ersten Kapitels ist sehr stark geworden. Obwohl Zobiris gewonnen hat, ist Mina mehr darum besorgt, dass zwei Pokémon verletzt wurden. Damit festigt sich auch ihr gefühlvoller und behutsamer Charakter, der am liebsten niemandem etwas zuleide tun würde. Ich bin mal gespannt, wie es weiter geht und was sie mit Zobiris noch erleben wird. Noch ist alles offen und es kann sich in jede Richtung entwickeln.


    Bis dahin: Wir lesen uns!

  • Vielen Dank für das Feedback! Was die Sache mit den Formatierungen anbelangt werde ich vermutlich einfach ein bisschen ausprobieren müssen.


    Das einzige, was da wohl noch interessant gewesen wäre, ist zu erfahren, warum sie ausgesetzt wurde. Es wird zwar die Pokémon-Reise erwähnt, aber dem entgegen stehen dann so Dinge wie dass die Familie sie nicht unterstützt und dass die Welt es so will. Das klingt mehr nach irgendeiner Prophezeiung[...]

    Das ist eine gute Frage, die ich nicht beantworten kann/will. :D  
    Im Endeffekt hören sich die Formulierungen der Mutter, auf die du dich denke ich beziehst, auch viel ominöser an, als sie es eigentlich sind. Aber wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wirst du wohl leider weiterlesen müssen.




    Die Frage ist hier halt nur, ob er das wirklich wollte oder nur so wütend war. Eigentlich hätte es für Mina ja kein Verständnisproblem geben dürfen, selbst wenn sie schon einige Zeit nicht mehr mit Menschen zusammen war. Dass sie in der Zwischenzeit nichts gesprochen hat, ist ebenfalls erstaunlich.

    Der Fokus ist an dieser Stelle absichtlich vom Farmer abgelenkt, da es besonders in dieser Szene um die Beziehung zwischen Mina und Zobiris gehen soll. Wahrscheinlich war er einfach nur sehr wütend, was im Endeffekt aber komplett unwichtig sein soll. Und zu der Sache mit dem Verständnisproblem: das war auch in der Situation so, als der Mann sie vor dem Autounfall bewahrt hat. Sie versteht schon, was die Leute zu ihr sagen, aber ihre Unverständnis ist hier eher ein Symbol für die konsequente Ablehnung von Menschen. Und genau damit hängt auch ihre lange Stummheit zusammen. Für sie ist es wichtiger, auf nonverbaler Ebene mit Zobiris zu kommunizieren. Nur in einem Moment, in dem ihr Gefährte in Not war, konnte sie diese "innere Barriere" für einen Moment durchbrechen. Wie sich das ganze verhält wird wohl eher in den kommenden Kapiteln deutlich. Also auch hier: Tut mir leid, aber da wirst du wohl leider weiterlesen müssen. :ugly:



    Danke natürlich auch für die positiven Anmerkungen! Ich selbst bin eigentlich mit der Schreibweise an einigen Stellen noch nicht ganz zu frieden, da ich das ganze gestern (bzw heute) im Halbschlaf hochgeladen habe. Ich denke, ich werde da vielleicht noch mal was überarbeiten. Ansonsten setze ich mich dann heute an das zweite Kapitel.

    Even though it has no name, let's sing this song, it's the wings of the dream we painted together~~~