Wege des Wandels

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  • Wege des Wandels


    Vorwort
    Heute leben Menschen und Pokemon friedlich miteinander. Doch das war nicht immer so. Über 3000 Jahre in der Vergangenheit, noch bevor der König von Kalos seine ultimative Waffe einsetzte, lebte in der Kanto-Region in der Nähe von Orania ein Vulpix namens Sina, das auf brutale Weise in Ereignisse verstrickt wurde, die die Welt für immer veränderten.



    Und damit herzlich willkommen zu meiner neuen FF-Story nach langer Pause. Ich hoffe sie gefällt euch. Ich glaube, ich kann einfach keine Startposts erstellen.


    Genre: Pokemon
    Regionen: Kanto, Alola, Kalos
    Copyright: Das geistige Eigentum an Pokemon gehört Gamefreak.
    Warnung: Es wird Blut fließen und auch Tote geben.




    Prolog



    Es war früher Abend, als Sina sich ins Gras setzte und neugierig zum Himmel blickte. Noch war der gelbe Feuerball über dem Wald zu sehen, doch in wenigen Minuten, würde er die Spitze der Bäume erreichen, welche bereits lange Schatten auf die grasbewachsene Lichtung warfen, in der Sina sich jeden Tag austobte. Schon bald würde der Himmel in den verschiedensten Rottönen glühen und die Sonne würde hinter den Bäumen verschwinden. Ein gelblicher Schein würde wie so oft durch die Baumstämme ragen, während der Himmel über ihr immer dunkler werden würde. Plötzlich hörte sina hinter sich die Stimme ihrer Mutter Shanara.
    "Sina, komm in den Bau, schnell." Ihre Stimme war angespannt. Sina drehte sich um und sah, das Shanara sich hektisch umsah.
    "Was ist los", fragte Sina, immer noch im Gras sitzend. Als nächstes hörte sie ein knurren. Ihr Vater Meran war mit erhobenem Schweif zum Rand der Lichtung geschlichen und sah konzentriert in den Wald. Plötzlich hörte Sina ein zischen und nahm aus den Augenwinkeln haraus wahr, wie ein Pfeil an ihr vorbeiflog.
    "Sina lauf", schrie Shanara und rannte auf sie zu.
    Sina löste sich aus ihrer Starre und rannte ihr entgegen. Als Sina den Eingang des Baus erreicht hatte, schlüpfte sie hinein und sah zum Wald. Pötzlich hörte sie Schreie und ein Flammenstrahl schoss zwischen den Bäumen hindurch. Dann sah sie die Jäger, welche auf die Lichtung rannten, um Merans Feuer auszuweichen. Dieser sprang ebenfalls hinter einem Busch hervor rannte einem Jäger entgegen, der nur mit Pfeil und Bogen ausgestattet war. Feuer sammelte sich in seinem Mund, doch ehe er die Flammen ausspucken konnte, sprang ein weiterer Jäger vor ihn und blockierte den Flammenwurf mit einem großen Schild.
    In der anderen Hand hielt der Jäger ein Schwert, mit welchem er sogleich ausholte und auf Meran zustürmte.
    Doch Meran wich ihm geschickt aus, drehte sich auf der Stelle und traf mit einem weiteren Flammenwurf seinen Rücken.
    Während dieser schreiend zu Boden ging und sich im Gras wälzte, hörte Meran ein leises zischen. Doch ehe er sich der Quelle des Geräusches zuwenden konnte, wurde er von einem Pfeil getroffen und fiel zur Seite. Er schrie laut auf, als dieser sich in sein Bein bohrte.
    Stöhnend erhob er sich und humpelte an dem Jäger vorbei, der immer noch in Flammen stand und wie am Spieß schrie. Meran wandte sich von ihm ab und sah drei weitere Jäger, die wutentbrannt auf ihn zustürmten.
    "Shanara, ich brauche deine Hilfe", rief er und raste zur Seite, um den Jägern auszuweichen. Doch plötzlich nahm er neben sich eine Bewegung war. Ehe Meran reagieren konnte, sprang ein Jäger aus dem Gebüsch und traf ihn mit einem Speer. Schreiend ging Meran zu Boden. Sina rannte verzweifelt aus dem Bau heraus, wurde aber direkt von ihrer Mutter gestoppt.
    "Versteck dich im Bau und komm nicht mehr heraus, bis es hell wird", knurrte sie. In ihrem Blick lagen Verzweiflung und Zorn.
    So wütend hatte Sina Shanara noch nie gesehen. Shanara stieß Sina mit ihrem Fuß von sich, während die Jäger mit wutentbrannten Gesichtern auf sie zurannten. Während Sina in den Bau fiel, stieß ihre Mutter ein wahres Flammeninferno aus.
    Als Sina auf dem Boden aufkam, prallte sie mit dem Kopf gegen einen Stein. Während sie das Bewusstsein verlor, hörte sie laute Schreie.
    Das letzte was sie sah, war ein Speer, der über ihrem Bau durch das Flammenmeer zischte.
    Dann wurde alles um sie herum schwarz.

  • Kapitel 1 - Asche


    Als Sina erwachte, schien die Sonne bereits in den Bau. Geblendet öffnete sie die Augen und spürte einen stechenden Schmerz am Hinterkopf, wo sie auf den Stein geprallt war. Stöhnend richtete sie sich auf und bemerkte einen ungewöhnlichen Geruch.
    Doch es roch nicht wie sonst nach gerösteten Beeren, die ihre Eltern oft zum Frühstück machten, sondern nach verbrannter Erde.
    Als Sina aus ihrem Bau herausblickte, war dort nicht wie sonst das saftig grüne Gras, in dem Sina sich gerne ausgetobt hatte, sondern nur noch schwarze Asche.
    Sie trat ins vorsichtig ins Freie, um zu sehen, ob ihre Eltern dort waren, doch es war niemand zu sehen.
    Sowohl ihre Eltern, als auch die Jäger waren verschwunden. Als sie das realisierte, fülltenTränen ihre Augen und sie begann zu weinen. Eine Weile lag Sina in der Asche, bis ihr Magen zu knurren begann.
    Sie wischte sich mit ihrer Pfote die Tränen aus dem Gesicht und erhob sich aus der Asche. Der Eingang zum Bau welcher eigentlich von hohem Gras umgeben war, lag nun frei, wie ein dunkles Loch, inmitten der schwarzen Asche. Vor wenigen Tagen erst, als sie noch glücklich durch das saftig grüne Gras huschen konnte, hatte sie noch Probleme gehabt, den Bau zwischen all dem Gras zu sehen und manchmal stolperte sie hinein, wenn sie nicht aufpasste.
    Das hohe Gras ging ihr bis zu den Schultern, doch nun war es verbrannt.
    "Ich muss jetzt stark sein", dachte sie und ging langsam in das Loch, welches so groß war, das ein Vulnona gerade so hineinpasste, um nach Essen zu suchen. Der Gang führte nur wenige Meter schräg nach unten, bis er in einem größeren Raum endete. Die Wände waren voller Kratzspuren von ihr, ihren Eltern und ihren Geschwistern.
    Sina war die jüngste im Rudel. Ihre drei Geschwister waren bereits ausgezogen um selbst eine eigene Familie zu gründen. An der Decke hingen einzelne kleine Wurzeln, an denen Sina ab und zu Zielübungen angestellt hatte.
    Jedoch hatte sie bisher noch nicht mehr als eine paar Funken herausgebracht, die leider nur selten überhaupt die Decke erreichten.
    Die meisten waren bereits vorher verglüht.
    Der Boden des Raumes war mit trockenem Gras gepolstert. Manchmal waren ein paar ihrer Funken im Gras gelandet, jedoch hatte es nie gerreicht, um es in Brand zu setzen. In einer Ecke war eine kleine Grube in die Wand eingelassen, wo noch Beeren lagen, die gestern übrig geblieben sind. Gerne hätte sie diese geröstet, jedoch brachte sie im Moment nicht genug Energie für ein paar Funken auf. Also breitete sie die Beeren auf dem trockenen Gras aus und aß sie roh.
    "Und jetzt?" Normalerweise wäre sie jetzt mit ihren Eltern auf Futtersuche gegangen. Dann hätten sie im Wald Feuer spucken trainiert. Dort wurde dann der Boden von laub befreit, damit nicht versehentlich etwas in Brand gesetzt wurde. Die Flammen der beiden Vulnona waren groß und heiß.
    Sina hoffte, das sie irgedwann auch solch gewaltige Flammen würde erzeugen können.
    Doch heute war die Lichtung leer. Sie stapfte durch die Asche und ging auf den Rand der Lichtung zu, wo das Sonnenlicht durch die Blätter der Bäume schien. Sie blickte zurück auf den schwarzen Fleck, der ihr zuhause gewesen war. Shanara war ein starkes Vulnona. In ihrem Zorn hatte sie die ganze vom Wald umgebende Lichtung verbrannt.
    Selbst an den umliegenden Bäumen war Asche. Als sie sich wieder dem Wald zuwandte, entdeckte sie zwei gleichmäßige Rillen, die tiefer in den Wald hineinführten. Dazwischen waren einzelne Fußabdrücke der Jäger zu erkennen. Da Sina nicht wusste, wohin sie gehen sollte, beschloss sie, den Spuren zu folgen.
    Sie waren teilweise nur schwach in der trockenen Erde auszumachen, dennoch gelang es Sina, ihnen zu folgen. Sie ging an riesigen Bäumen mit gewaltigen Stämmen vorbei, die aussahen, als würden sie bis in den Himmel ragen. Neben ihr waren lauter kleine Büscheund wenn Sina genau hinhörte, hörte sie es hier und da leise rascheln. Irgendwo hoch über ihr pfiffen Vögel. Ein kühler Wind strich über den Boden. Und brachte deutlich angenehmere Gerüche, als die von verbrannter Erde und verbranntem Gras. Sina war schon oft mit ihren Eltern im Wald, doch alleine durfte sie noch nie.
    "Zu gefährlich", sagten ihre Eltern immer. Sie hatten schaurige Geschichten über die Jäger erzählt. Es hieß, sie hätten einen großen Hass auf alle Wesen des Waldes. Und ihre Jagd würde erst enden, wenn sie auch das letzte vernichtet hätten. Sie sollen Waffen aus Metall und sie sollen in riesigen Häusern wohnen, wogegen ihr Bau nichtmal die Größe eines Rattfratzbaus hätte. Doch Sina hatte die geschichten für Märchen gehalten, bis gestern Nacht.
    Sina hielt kurz inne, als sie daran dachte, doch sie zwang sich dazu, den Gedanken zu verscheuchen. Langsam setzte Sina ihren weg durch den Wald fort. Nach einiger Zeit endete der Pfad vor mehrereneingetretenen Büschen. Dahinter lag ein breiterer Weg, der nach links und rechts führte.
    Der breite Weg war voller Fußabdrücke, doch die Rillen, die Sina entdeckt hatte, führten nach rechts. Während Sina weiter den Spuren folgte, schien sich der Abstand zwischen den Bäumen zu vergrößern.
    Sie musste bald den Rand des Waldes erreicht haben. Ihre Eltern hatten sie stets gewarnt, nie über den Waldrand hinauszugehen, und sie waren auch nie weiter als bis zum Waldrand gegangen, dennoch war Sina neugierig auf das, was dahinter lag.
    Plötzlich hörte sie hinter sich ein lautes Klappern.
    Sie versteckte sich hinter einem Busch am Wegesrand und schaute in die Richtung, aus der sie gekommen war. Dort sah sie zuerst nur aufgewirbelten Staub, bis plötzlich eine große hölzerne Kutsche auftauchte, welche von zwei Pampross gezogen wurde.
    Auf der Kutsche saß ein Mensch, welcher einen Speer auf dem Rücken und grüne Kleidung trug. Vielleicht war es einer der Jäger von gestern. Sina duckte sich ängstlich tiefer hinter den Busch und wartete, bis die Kutsche vorbeigefahren war.
    Auf der Ladefläche der Kutsche lag ein großer Haufen Holz, der offenbar irgendwohin transportiert wurde. Sina hatte so eine Kutsche bisher nur ein paar mal aus der Ferne gesehen, doch nie hatte sie eine von nahem gesehen. Selbst die Räder der Kutsche waren größer als sie selbst. Erstaunt blickte sie an den beiden Pampross hoch, welche mit ihren orangenen Hufen breite Spuren in der Erde hinterließen. Um ihren Hals waren dicke Seile gespannt, die zur Kutsche führten.
    Der Mensch auf der Bank der Kutsche ließ kurz eine lange Peitsche knallen und trieb die Pampross zur Eile an. Sina erschreckte sich, als sie den Knall hörte und duckte auf den Boden. Sie hörte, wie die Pampross einen kurzen Schrei ausstießen.
    Als sie wieder aufblickte, sah sie nur noch eine Staubwolke vor sich. Die Kutsche war bereits vorbeigefahren. Nachdem sich der Staub gelegt hatte, trat Sina wieder auf den Weg.
    "Sollte ich wirklich weitergehen?" Sina war sich unsicher, ob sie nicht lieber zurückgehen sollte, doch dort war niemand mehr, der auf sie wartete. Andererseits waren die Menschen riesig und ihre Kutschen ebenso.
    Selbst ihre Eltern reichten nur zur Hälfte an sie heran. Aber der Gedanke daran, das ihre Eltern bielleicht noch leben könnten, ließ ihr keine Ruhe. Sie beschloss daher, der Spur weiter zu folgen.
    Als Sina die Grenze des Waldes erreicht hastte, atmete sie tief durch. Ab hier wurde es gefährlicher. In beide Richtungen endete der Wald abrupt an einer hohen Grasfläche. Zwischen dem Gras und den letzten Bäumen wuchsen dichte Büsche. Der Weg aber führte unbeirrt aus dem Wald heraus ins Grasland, als gäbe es gar keine Grenze. Sina folgte dem Weg weiter und näherte sich irgendwann einer kleinen Siedlung mit mehreren Holzhäusern.
    Um die Häuser herum waren mehrere kleine Felder angelegt, auf denen verschiedene Pflanzen wuchsen. Sina erkannte mehrere Beerenarten, doch manche Pflanzen hatte sie noch nie gesehen.
    Plötzlich knurrte ihr Magen. Sie war schon seit Stunden unterwegs und musste dringend etwas essen. Sie sprang in das hohe Gras und schlich sich vorsichtig an eines der Felder heran, auf dem mehrere Büsche mit blauen Beeren wuchsen. Nachdem sie sich sattgefressen hatte und wieder ins hohe Gras zurückwollte, bemerkte sie plötzlich aus den Augenwinkeln eine Bewegung. Ehe sie sich umdrehen konnte, huschte ein riesiger Schatten über sie.

  • Kapitel 2 - Heimkehr


    Die Sonne hatte bereits den Horizont erreicht, als Taro mit den anderen Jägern die Stadt Orania erreichte. Während sie von den Torwachen begrüßt wurden, blickte Taro zurück auf den Wald, welcher nun komplett im dunkeln lag. Tagsüber wirkte er harmlos, doch er wusste, das all die Geschichten über die Dämonen des Waldes wahr waren.
    Als er den Jägern beitrat, hatte er insgeheim gehofft, das die Geschichten nur Geschichten wären. Doch vor zwei Tag hatte er sie selbst gesehen. Blutrünstige Bestien, die mit Feuer um sich warfen. Die fuchsartigen Wesen hatten ein wahres Flammeninferno entfesselt. Es wirkte, als hätten sie die Tore zur Hölle geöffnet. Und vielleicht hatten sie das sogar.
    Sie betraten die Stadt, während sich das Tor hinter ihnen schloss. Die Straßen waren bereits leergefegt. Nachts ging niemand hinaus, wen es nicht unbedingt nötig war, da ab und zu Geister durch die dunklen Straßen zogen. Manchmal hörte man Gelächter, manchmal tanzten blaue Flammen in der Luft. Tagsüber verkrochen sich die Geister in den dunkelsten Winkeln von Orania, aber nachts kamen sie heraus, um für Unheil zu sorgen.
    "Wir hätten früher zurückkehren sollen", dachte Taro und sah sich um. Im Schein der Fackeln konnte er geschlossene Fensterläden sehen. Früher hatte er in seinem Zimmer hinter den geschlossenen Fensterläden gesessen und war manchmal versucht sie zu öffnen, obwohl seine Eltern ihm strengstens verboten hatten, die Fenster nachts zu öffnen. Einmal hatte er tatsächlich das Fenster einen Spalt weit geöffnet und sah blaue Flammen, die sich rasch näherten, als würden sie von ihm angezogen. Als nächstes war über den Flammen diese grinsende Fratze aufgetaucht.
    Schnell hatte er das Fenster geschlossen und lange zitternd unter seiner Bettdecke gehockt, bis er eingeschlafen war. Taro wandte seinen blick von den Fenstern ab und blickte zum Wagen, welcher von einem Pampross gezogen wurde. Diese Wesen gehörten zu den wenigen, die nicht besonders aggressiv und somit leicht zu zähmen waren.
    Dort lagen sie, die beiden Feuerdämonen, welche mehreren Jägern das Leben genommen hatten. Ihre Schreie waren entsetzlich gewesen und würden Taro wohl bis in seine Träume verfolgen. Ansonsten hatten sie heute noch ein paar lebendige Pflanzen erwischt, welche mit rasiermesserscharfen Blättern um sich geworfen hatten.
    Taro war von einem Blatt am Arm gestreift worden, als er hinter seinem Schild in Deckung gehen wollte. Das Blatt hatte eine tiefe Wunde hinterlassen, weswegen er an der Stelle nun einen Verband trug.
    Hinter dem ersten Karren war ein zweiter, in dem die toten Jäger lagen. Die meisten waren bis zur Unerkenntlichkeit verbrannt. Insgesamt hatten sie heute sechs Jäger verloren. Einer war Jim, der zu den neuen Jägern gehörte. Eine der Bestien hatte ihm den Rücken verbrannt. Die anderen waren im Flammeninferno des zweiten Dämons gestorben.
    Vier konnten sich nicht rechtzeitig hinter ihren Schilden in Sicherheit bringen und Lee, der fünfte, hatte seinen Schild im Kampf gegen die Pflanzen verloren, weswegen er ungeschützt war. Taro hatte jeden einzelnen gekannt. Die Ausbildung war lang und hart gewesen, daher empfand er es als hoher Preis, bei der ersten Jagd zu sterben. Andererseits war er froh, das er und fünfzehn seiner Kameraden mit dem Leben davongekommen waren. Schließlich erreichten sie die Kaserne der Jäger. Taro gehörte zu den Waldläufern und ging daher auf ein Gebäude mit einem grünen Wappen zu.
    Auf dem Wappen waren ein Baum und zwei gekreuzte Pfeile zu sehen. Neben seinem Haus gab es noch die Geisterjäger, die meistens in der Stadt blieben und nachts durch die Straßen patroullierten, die Drachenjäger, welche oft lange fort blieben um in den fernen Bergen zu jagen und die Seefahrer, welche am Hafen und entlang der Handelsrouten jagten. Die vier Häuser lagen alle am Rande eines großen Platzes, auf dem sich die Jäger versammeln konnten.
    Insgesamt schätzte Taro die Zahl der Jäger auf etwa 500. Auf der anderen Seite des Platzes lag ein großes Gebäude, welches mit mehreren hohen Türmen bestückt war. Das Gebäude war Teil des Königspalastes und durfte weder von den Jägern, noch vom Rest der Bevölkerung betreten werden. Die einzige Ausnahme waren die Gebetsräume, in denen die Priester vom Orden der heiligen Flamme predigten. Das Gebäude war ein heiliger Ort.
    Es hieß, das unter dem Gebäude ein uralter Schrein verborgen lag, an dem den Menschen die heilige Flamme geschenkt wurde, um die Welt vom Bösen zu reinigen. Ob das stimmte, wussten nur die Priester, und wie jeder in der Stadt, glaubte auch Taro daran. Er hatte dem Bösen schließlich schon mehrfach in die Augen geblickt. Die Toten und die Beute wurden den Priestern übergeben, welche die Körper der Dämonen in der heiligen Flamme verbrannten und die toten Jäger zur Ruhe betteten. Als Taro im Haus der Waldläufer ankam, folgte er den anderen Jägern stillschweigend bis zu einem Gebetsraum, wo sie sich auf mehreren hlözernen Bänken niederließen, um für die Toten zu beten.
    An der Wand hing in der Mitte das Bild einer großen Flamme daneben prankte auf beiden Seiten das Wappen der Waldläufer. Darunter befand sich eine Feuerschale, welche von ihrem Anführer Bromar entzündet wurde.
    Der Krieger hatte eine Glatze und einen dicken Bart. Seine Narben zeugten von den vielen Kämpfen, die er bereits ausgetragen hatte. Taro hatte großen Respekt vor Bromar. Er hatte bereits viele Monster erlegt und war aufgrund seiner Erfahrung ein sehr guter Lehrer im Schwertkampf. Es gab keinen Übungskampf, den Taro gegen Bromar jemals gewonnen hatte. Von ihm konnte er immer etwas lernen. In der Taverne gab er immer lautstark seine Geschichten zum Besten.
    Doch heute war er still. So still, wie nach jeder Jagd. Ohne ein Wort zu sagen, setzte er sich auf eine Bank und betete. Nach wenigen Minuten stand er auf und ging. Taro und die anderen Jäger folgten ihm still durch den Flur. Alle waren müde und erschöpft. Taro ging eine Treppe hoch ins obere Stockwerk und betrat sein Zimmer. Zuerst legte er seine Waffen ab. Die Jäger waren fast immer bewaffnet, um im Falle eines Angriffs bereit zu sein.
    Er hatte ein Schwert, einen Schild und einen Bogen. Die perfekten Waffen für die Jagd. Speere hatten sie immer ein paar im Wagen liegen, für den Fall, das sie welche brauchten. Erschöpft ließ Taro sich in sein Bett fallen und schlief ein. Morgen würde er erneut auf die Jagd gehen. Am Abend würde die wöchentliche Zeremonie stattfinden, in der die Jäger für ihren Einsatz gewürdigt wurden.

  • Kapitel 3 - Aufbruch


    Sina schrie laut auf, als jemand sie packte und in einen Käfig steckte. Plötzlich tauchte ein großes, rundes Gesicht vor ihr auf.
    "Hab ich dich, kleiner Dämon", sagte der Mann und grinste. Sina fauchte. Doch der Mann ließ sich davon nicht beirren und brachte Sina ins Haus. "Hey Jungs, ich habe einen Feuerdämon gefangen. Er lungerte draußen auf dem Feld herum." Im Haus saßen drei Männer an einem Tisch und spielten Karten. Nun hoben sie ihre Köpfe und starrten sie an. "Ich dachte, du wolltest Bier holen?" "Habe ich auch, aber auf dem Rückweg sah ich etwas rotes durchs Gebüsch huschen und fand das hier. Er stellte Sina und mehrere Flaschen Bier auf dem Tisch ab und setzte sich.
    "Ben, jedes Mal wenn man dich für ein paar Minuten aus den Augen lässt, schleppst du irgendein Zeug an." "Ivan, ich bin zum Jäger geboren." Die Männer lachten. "Du? Du gewinnst nichtmal einen Übungskampf."
    "Mach ich noch, ihr werdet sehen. Ab jetzt geht es bergauf." Die Männer lachten erneut. "Was kann das Vieh", fragte Ivan. "Feuer machen", erklärte Ben und griff in den Käfig. Er drückte ein wenig auf Sinas Hals herum, bis sie eine kleine Flamme hustete. Sie schrie auf und knurrte. "Seht ihr?"
    "Wow, ich bin beeindruckt. Ein feuerspeiender Winzling", sagte Ivan mit ironischem Ton und klatschte. "Ihr werdet schon sehen", rief Ben laut,"ich gehe damit in die Stadt und werde Jäger."
    "Viel Glück, du wirst es brauchen", prustete Ivan. "Ihr werdet sehen", sagte Ben bestimmt. Nachdem sie einige Runden Karten gespielt hatten, standen sie auf und machten sich fertig zum gehen.
    "Bis nächstes mal", sagte Ben und verabschiedete sich von seinen Freunden. Er schnappte sich den Käfig und verließ das Haus. "Ich werde Jäger und du wirst mir dabei helfen", sagte er leise. Dann ging er den plattgetretenden Weg entlang, welcher zwischen mehreren Häusern hindurchführte. Am Ende der Straße stand ein kleines Haus, welches er betrat.
    Es bestand aus einem Essraum und einem Schlafraum. Nicht viel, aber für Ben reichte es. Er war vor einem Jahr aus seinem Elternhaus ausgezogen, da er sich für zu alt hielt, um noch zuhause zu wohnen. Ben schnappte sich sein Holzschwert und zog saubere Kleidung an, welche für den Stadtbesuch geeigneter war. Gerne würde er selbst in der Stadt wohnen, doch wie seine Eltern war er nur ein Bauer und hatte daher nicht genug Geld für eine Wohnung in der Stadt.
    Als er fertig war, verließ er das Haus und sattelte sein Pampross, welches neben dem Haus in einem Stall stand. Den Käfig hängte er an die Seite des Sattels. Dann stieg er auf und zog die Zügel an. Langsam setzte sich das Pampross in Bewegung und folgte der Straße. Der Käfig baumelte vor und zurück, sodass Sina Schwierigkeiten hatte, sich auf den Beinen zu halten. Sie betrachtete das Pampross. Irgendetwas stimmte damit nicht. Sein Blick wirkte irgendwie leer.
    Sina bekam eine Gänsehaut, obwohl sie nicht genau wusste, warum. War es der Blick? Oder doch etwas anderes? Plötzlich rief ben etwas und das Pampross begann zu rennen. Da der Käfig nun noch mehr wackelte, fiel Sina zur Seite und rutschte über den Boden. Ben trieb das Pampross an schneller zu reiten. Plötzlich sah er etwas weiter vorne mehrere Reiter in Rüstungen, die ihm entgegenkamen. Ben verließ die Straße und versteckte sich mit dem Pampross hinter einem Busch. Es war eine Wachpatrouille, welche ihn nur unnötig aufhalten würde, wenn sie ihn sähe. Außerdem könnten sie ihm den Feuerdämon abnehmen und mit seinem Holzschwert hatte er gegen echte Stahlschwerter keine Chance. Ben wartete, bis die Patrouille vorbeigeritten war und setzte seinen Weg fort.
    "Puh, das war knapp", seufzte er, "du bleibst besser versteckt." Ben nahm ein Stück Leder und legte es über den Käfig. Schließlich erreichte er das Stadttor. Dort wurde er von einem Wachmann aufgehalten. "Halt! Wer seid ihr?"
    "Ich bin Bauer und möchte in die Stadt." "Was ist euer Anliegen?" "Ich möchte mich bei den Jägern anmelden."
    "Du, ein Bauernjunge?" Der Wachmann lachte. Anschließend öffnete er das Tor. "Nun gut, versuch dein Glück. Aber mach keinen Ärger." "Klar", antwortete Ben und ritt in die Stadt. Es war viel los auf der Straße.
    Ben sah einen Wagen, der mit Gemüse beladen war, welcher sich seinen Weg durch die Menschenmenge suchte. Etwas weiter hinten sah er Stände, auf der Händler ihre Waren verkauften. Meistens waren es Lebensmittel, doch Ben entdeckte auch einen Werkzeugschmied und jemanden, der Schmuck verkaufte. Ein paar Kinder liefen lachend durch die Straße, bis sie schließlich in einer Seitengasse verschwanden. Überall herrschte reges Treiben, während Ben durch die Straßen ritt.
    Schließlich stand er vor einer großen, langen Treppe, welche zum Tempel und zum Palast führte. Ben war oft zum beten im Tempel, doch im Palast war er noch nie.
    Vielleicht war das aber auch besser so. Ben hatte gehört, das der König unter einem Fluch stünde und sich dieser auch auf den Palast auswirken soll. Allerdings waren dies nur Gerüchte, welche vom Tempel stehts geleugnet wurden. Da der Eingang zu den Kasernen woaders lag, lenkte Ben sein Pampross von der Treppe weg und bog nach rechts ab. Es gab zwar auch einen Zugang zur Kaserne neben dem Tempel, jedoch war dieser nicht für jeden zugänglich.
    Der Weg den Ben folgte, führte an mehreren zweistöckigen Gebäuden und stieg steil an. Er hatte allerdings keine Stufen und war so problemlos auch mit breiten Karren befahrbar. Als er an der Spitze des Hügels angekommen war, konnte er die ganze Stadt überblicken. Es wahr ein atemberaubender Anblick, der Ben imm er wieder aufs neue ins Staunen versetzte. Etwas weiter vor ihm war ein breites hölzernes Tor, welches auf beiden Seiten in einer Steinmauer endete. Ben stieg von seinem Pampross ab und klopfte ans Tor. Es öffnete sich und jemand trat heraus. Die Person trug dieselbe Rüstung, wie die Wache am Stadttor. "Was wollt ihr?" "Ich möchte Jäger werden", antwortete Ben. "Heute ist Zeremonientag, kommt morgen wieder."
    Ohne ein weiteres Wort zu sagen verschwand die Wache wieder und schloss das Tor.
    "Stimmt", sagte Ben und schlug sich vor die Stirn,"das habe ich ja total vergessen." er beschloss umzukehren und sich in einer Taverne ein Zimmer zu nehmen. Er bestieg wieder das Pampross und ritt den Hügel hinab. Als er wieder vor der großen Treppe stand, sah er sich um. Ben stieg ab und sah die Straße hinunter.
    "Wo finde ich eine Taverne?" Er drehte sich um und sah zur Treppe, wo gerade eine Frau herunterkam. "Entschuldigt, wissen sie, wo ich die nächste Taverne finde? Ich bin Reisender und suche eine Unterkunft." "Wegen dem Zeremonientag, nehme ich an", fragte die Frau, "einfach dort links und dann die zweite Straße rechts."
    "Danke", sagte Ben und verabschiedete sich. Bei der Taverne handelte es sich um ein zweistöckiges Haus mit spitz zulaufendem Dach. Aus dem Inneren stieg ben der Geruch von Bier und Fleisch entgegen. Ben lief das Wasser im Munde zusammen, jedoch musste er aufpassen, das sein Geld auch reichte. Er hatte alles mitgenommen, was er hatte.
    Dies kam ihm jedoch nicht sonderlich viel vor. Er stellte sein Pampross neben dem Haus an einem Wassertrog ab, wo bereits zwei weitere Pampross standen und tranken. Dann nahm er den Käfig, ließ das Leder aber absichtlich darüber, damit niemand seinen Fang sehen konnte. Als er den Käfig vom Sattel löste, fiel ihm auf, das dieser sich irgendwie leichter anfühlte war als vorher. Er hob das Leder an und starrte entsetzt auf das Loch im Boden des Käfigs.

  • Kapitel 4 - Der König der Nacht


    Mondlicht schien durch die großen Fenster des Thronsaals und hinterließ lange Schatten auf dem Boden. Neben den Fenster hingen lange rote Vorhänge, die bis zum Boden reichten. Kronleuchter mit erloschenen Kerzen hingen von der Decke. Das Wachs hatte bereits vor Stunden aufgehört zu schmelzen und an den Kerzen herunterzulaufen. Die große Tür, welche in den Tronsaal führte, war geschlossen. Stille erfüllte den Raum. Nichts bewegte sich in der Dunkelheit.
    Bis auf den schwarzen Schatten, der langsam aus dem steinernden Thron hervorkroch. Zwei schwarze Spitzen erschienen aus dem Sitz, gefolgt von blutroten Augen und einem breiten Grinsen. Der Schatten blickte durch die Leere des Saals und huschte kurz darauf nach oben, wo er langsam in der Decke verschwand. Nun befand der Schatten sich unter einem Bett, in dem der könig der Menschen schlief. Eine schwarze Kralle schoss aus dem Dunkeln hervor und bohrte sich von unten durch das bett hindurch. Der König krümmte sich mit schmerzverzerrtem Gesicht und wälzte sich von einer Seite auf die andere.
    Solange, bis er einen lauten Schrei ausstieß und schweißgebadet aufrecht im Bett saß. Der König atmete mehrmals tief durch und erhob sich. Er ging ans Fenster und blickte über seine Stadt. Ein Diener trat herein und erkundigte sich nach dem Befinden des Königs, doch dieser schickte ihn weg. Der König ging quer durch den Raum und zündete mehrere Kerzen an.
    Er warf einen Blick in seinen Schrank und unter sein Bett, doch wie immer fand er dort nichts besonderes. Nach ein paar Minuten legte er sich wieder hin und versuchte erneut zu schlafen. Während der König versuchte, einzuschlafen, saß unten auf dem Thron erneut der grinsende Schatten. Erneut krümmte sich der König unter eingebildeten Schmerzen und erwachte wieder mit einem lauten Schrei. Diesmal lag Zorn in seinen Augen. Er erhob sich und rannte aus seinem Zimmer. Der König lief durch mehrere dunkle Gänge, die nur vom Mondlicht erhellt wurden, bis er an der Tempelbrücke angekommen war.
    Hierbei handelte es sich um einen schmalen Flur, welcher den Palast mit dem Tempel der heiligen Flamme verband. Mehrfach klopfte der könig an die Tür, bis jemand öffnete. "Schickt die Geisterjäger in meinen Palast", befahl er, "sie sollen jeden Raum durchsuchen. Ich will, das sie die Geister finden, die mich schon so lange plagen."
    Anschließend begab sich der König wieder in sein Gemach. Auf dem Thron saß weiterhin der dunkle Schatten. Sein Grinsen wurde noch breiter. Als er aus dem Fenster blickte, sah er ein hochgewachsenes Silvarro auf einer der Turmspitzen des Tempels. Mehrere Lichtel kamen aus dem Boden und tauchten den Thronsaals in lilanes Licht. Während die Schatten ihrer Flammen über die Wände tanzten, blieb der Schatten weiterhin regungslos auf dem Thron sitzen und wartete.
    Plötzlich wackelten die Kronleuchter und färbten sich schwarz. Während die Schwärze über das vergoldete Metall des Kronleuchters strich, entflammten die Kerzen im lilanen Licht. Aus einem Nebenraum erklang plötzlich ein leises klimpern. Nur Sekunden später schossen mehrere Schwerter in den Thronsaal und platzierten sich in mehreren Reihen vor dem Thron. Dort schwebten sie auf der Stelle, bis der Schatten neue Befehle geben würde. Doch dieser rührte sich immer noch nicht. Draußen auf den Tempeltürmen erschienen weitere Silvarro. Große Eulen, welche im Dunkeln kaum zu erkennen waren und Pfeile auf die Fenster des Thronsaals richteten. Plötzlich waren vor dem Thronsaal Geräusche zu hören.
    Der Schatten wusste, das sich die Geisterjäger dort sammelten und jeden Augenblick durch die Tür stürmen würden. "Ich könnte sie töten. Jeden einzelnen", dachte er und lachte. "Aber wo bliebe da der Spaß?" Die Tür flog auf und mehrere gerüstete Soldaten traten ein. Der Schatten hob eine seiner dunklen Klauen und sogleich saußten mehrere Pfeile durch die Fenster ohne sie zu beschädigen. Die Soldaten rissen ihre Schilde hoch und wehrten sie Pfeile ab.
    "Sie haben dazugelernt", bemerkte der Schatten anerkennend. Dann hob er seine zweite Klaue und die Gramokles, welche immer noch vor ihm schwebten, saußten voran. Die Soldaten zogen ihre Schwerter und droschen auf die Gramokles ein. Nach wenigen Minuten waren die ersten Soldaten erschöpft. Schreiend gingen die ersten zu Boden und hielten sich ihre Wunden. Nach wenigen Minuten krümmte sich ein ganzer Trupp Geisterjäger auf dem Boden.
    Die Körper der Soldaten waren mit Schnittverletzungen übersät. Der Schatten klatsche einmal in seine Hände und die Schwerter verschwanden. Genauso wie die Kerzen und Kronleuchter. Die Silvarro auf den Turmspitzen flogen davon. Zurück blieb nur der leere Thronsaal und ein Haufen blutender Soldaten auf dem Boden.
    Der Schatten beobachtete die Geisterjäger eine Weile. Er ließ sie leiden. Aber töten ließ er sie nie. Während der König erneut schreiend aus einem Alptraum erwachte, verschwand der Schatten im Boden und der Spuk war vorbei. Zurück blieben nur die blutenden Soldaten und ein König, der wieder schweißgebadet aufrecht im Bett saß.
    Nach kurzer Zeit wurden die Soldaten hinausgebracht und mehrere Diener reinigten den Saal von den roten Pfützen, die sich auf dem weißen Marmorboden ausgebreitet hatten. Anschließend versank der Thronsaal wieder in Dunkelheit und nur der Mond schien herein und verteilte sein schwaches weißes Licht im Raum.


    Als die ersten Sonnenstrahlen durch die Fenster des Schlosses fielen, erwachte der König aus seinem unruhigen Schlaf. Dunkle Augenringe zeugten von Schlaflosigkeit. Er stapfte müde durch die Gänge und fühlte sich wie jeden Morgen, seit er von diesem Fluch, so nannte er es, betroffen war, schlapp und ausgelaugt. Nach dem Frühstück erfuhr der König von der erneuten erfolglosen Geisterjagd. Er war würend, aber gleichzeitig viel zu lustlos, um sich aufzuregen.
    Er ließ sich auf seinem Thron nieder, wo in der Nacht der Schatten Platz genommen hatte und nickte ein. Er hielt sich die Hand vor die Augen, als die Sonne ihn blendete. Als der König die roten Vorhänge vorziehen ließ, versank der Thronsaal im Zwielicht. Kurz vor Mittag erhob er sich und ging und verließ den Thronsaal.
    Ein Schatten, der aussah, als würde er lachen huschte über den weißen Boden. Kurz war er in einem schmalen Spalt zu sehen, wo Licht zwischen Vorhang und Wand hindurchfiel. Doch der König war bereits im Flur. Er verließ den Palast und betrat einen großen Platz, an dem eine Treppe hinunter in die Stadt führte. Der Palast und der danebenliegende Tempel lagen auf einem großen Hügel. Von außen sah es aus, als wenn beide Gebäude eins wären, jedoch war der Tempel vom Palast aus nur über die Tempelbrücke zu erreichen. Der Tempel bestand zum großen Teil auf weißem Marmor.
    Die große Eingangstür besaß goldene Verzierungen. Dahinter lag der Gebetsraum, in dem mehrere Reihen hölzerner Bänke aufgereit waren. Hinter dem Altar stand die heilige Flamme. Die Wand hinter dem Feuer bildete einen Halbkreis, sodass von drei Seiten aus durch große Fenster Sonnenlicht auf die Flamme fiel. Das besondere an dem Feuer war, das es nie erlosch. Die priester hatten eigene Arbeitskräfte, welche jeden Tag mehrere Karren Holz brachten.
    Leider starben oft Arbeiter im Wald, weil der Sonnengott sie jeden Tag aufs neue mit wilden Bestien auf die Probe stellte. Daher hatte er die Jägerorden gegründet, deren Aufgabe es war, dieser Monsterplage Herr zu werden. Der König ließ sich auf einer Bank nieder und betete. Er betete für sein Volk, aber auch, das der Schatten seinen Palast verlassen möge. Er schwor sich, das er den Schatten vernichten würde. Und alle Bestien, die sein Reich bedrohten.
    "Gott der Sonne, möge dein Feuer auf ewig brennen. Mögest du den Schatten vertreiben und mich zurück ins Licht führen." Der König trat an die Flamme und warf einen Holzscheit hinein, welcher neben dem Feuer auf einem Haufen lag. Dann wandte er sich ab und ging Richtung Ausgang. Doch nach wenigen Schritten hielt er inne.
    War da gerade ein Geräusch? Es hatte geklungen wie ein weit entferntes Brüllen. Nicht lauter als das Knistern des Feuers hinter ihm. Kurz huschte ein Lächeln über sein Gesicht. "Danke", flüsterte er und verließ den Tempel.

  • Kapitel 5 - Der Orden der heiligen Flamme


    Entsetzt schaute Ben sich um. Doch der Feuerdämon blieb spurlos verschwunden. Er fragte sich, wo er ihm wohl entkommen sein mag. Nach ein paar Minuten gab Ben die Suche auf. Der Dämon konnte überall sein. Er betrat die Taverne, welche bereits voll mit Menschen war. "Hoffentlich ist noch ein Zimmer frei", dachte Ben. Zum Zeremonientag kamen immer viele Menschen, doch Ben und seine Eltern waren früher immer nach der Veranstaltung zurückgekehrt und Ben hatte meistens auf der Ladefläche der Kutsche, wo sonst Lebensmittel transportiert wurden, gesessen und den Sonnenuntergang genossen. Da er aber morgen wieder in der Stadt sein musste, wollte Ben heute hier übernachten. Er trat an die Theke. Der Wirt war ein breiterer, älterer Herr, der gerade ein Bierglas mit einem Lappen polierte. "Ich hätte gerne ein Zimmer für eine Nacht", sagte Ben.
    "Du hast glück, es ist noch was frei", antwortete der Wirt, "das macht 50 Silberlinge." "50", fragte Ben erstaunt. "Es ist viel los im Moment", entgegnete der Wirt. Ben dachte nach. Das war sein halbes erspartes. Andererseits, wollte er morgen den Jägern beitreten."Ja, ich nehme es", sagte Ben und überreichte die Silberlinge. "Außerdem hätte ich gerne etwas Fleisch und Bier." "Macht zwanzig Silberlinge. Sucht euch einen Tisch", sagte der Wirt und stellte das Bierglas, das er gerade poliert hatte, in den Schrank, ehe er sich einem neuen widmete. Ben musste eine Weile nach einem freien Platz suchen. Schließlich setzte er sich zu einer Frau mit langen schwarzen Haaren und einer grünen Rüstung.
    "Ist hier noch frei?" "Ja, setz dich ruhig," antwortete die Frau und trank etwas Bier. "Bist du Jägerin", fragte Ben neugierig. ""Ja, ich bin Ann und jage mit den Waldläufern. Nicht die angesehendste, aber dafür die größte Gruppe." "Ich bin Ben, ich habe vor mich morgen bei den Jägern zu bewerben." "Du hast gar kein Beutetier", stellte Ann überrascht fest. "Es ist mir entkommen", seufzte Ben. Ann lachte kurz und wurde dann wieder ernst.
    "Du bringst einen Dämon lebendig in die Stadt und lässt ihn entkommen?" "Ich dachte nicht..." "Natürlich nicht, deswegen tötet man sie ja auch vorher. Damit so ein Problem gar nicht erst auftaucht. Was für eins ist es?" "Ein kleiner Feuerdämon." "Na toll", schimpfte die Jägerin und stand auf. "Wegen euch dummen Bauern wird noch die ganze Stadt brennen." "Woher weißt du das ich ein Bauer bin?" "Das sieht doch jeder. Und fang das Vieh ein bevor es die Stadt abfackelt, vorher brauchst du bei den Jägern gar nicht erst aufzukreuzen." Dann verließ sie die Taverne.
    "Das fängt ja gut an", seufzte Ben, während er sein Essen bekam. Als er fertig war, verließ Ben ebenfalls die Taverne. Inzwischen war es in der Stadt noch voller geworden. Vom Tempel erklang eine Glocke, die bedeutete, das die Zeremonie begonnen hatte.An den Rändern der Straße vor der großen Treppe standen nun viele Menschen. Dazwischen schritten die Jäger mit ihren unterschiedlichen Bannern, die kennzeichneten, zu welcher Gruppe sie gehörten. Auf der Treppe stand eine Gruppe in langen weißen Gewändern mit goldenen flammenartigen Verzierungen, die von einer goldenen Sonne auf der Brust ausgingen. Dies waren die Priester des Ordens der heiligen Flamme. Die Jäger verneigten sich vor ihnen, ehe alle die Treppe hinaufgingen. Ann war in der Gruppe der Waldläufer nicht zu sehen. Es waren auch nicht sonderlich viele. Vermutlich gingen nie alle Jäger zur Zeremonie. Als die Priester begleitet vom vom Jubel der Menschenmenge die Spitze der Treppe erreichten, folgten ihnen die Jäger.
    Erst als diese oben waren, durfte die Stadtbevölkerung folgen. Dann betraten sie den Tempel, wobei wie immer einige Menschen draußen stehen bleiben mussten, da im Inneren nicht genug Platz war. Die Priester und Jäger versammelten sich vorne. Wie immer wurde zuerst den Toten gedacht. Nach einem Gebet wurde neben dem Altar eine Tür geöffnet, durch die ein Karren kam. Ben erstarrte. Auf dem Karren lagen zwei große gelbe Feuerdämonen, die seinem ähnelten. Der Hohepriester trat vor und beschrieb, wie diese Bestien die Tore zur Hölle geöffnet hatten und einen ganzen Wald in Brand setzten. Dann beteten sie für die Toten, die von diesen grausamen Wesen aus dem Hinterhalt heraus in Stücke gerissen wollte.
    Ben schluckte, als ihm bewusst wurde, was für ein Wesen er wirklich gefangen hatte. "An hatte recht. Ich hätte es direkt töten sollen. Und nun bedroht es die Stadt." Ben sah sich panisch um und sah nach einem Ausgang, doch leider war der Tempel so voller Menschen, das es kein durchkommen gab. Nachdem die Feuerdämonen in die Flamme geworfen waren, holte der Hohepriester mehrere pflanzenartige Wesen hervor, welche mit rasiermesserscharfen Blättern um sich schossen und damit sogar Bäume fällen konnten. Schließlich war die Zeremonie vorbei und Ben ließ sich von der Menschenmasse aus dem Tempel drängen. Er musste den Dämon finden, bevor er Schaden anrichten konnte.
    Doch wo sollte er anfangen zu suchen? Während sich die Menschen am Fuße der Treppe verteilten, dachte Ben nach. Er war bisher immer nur kurz in der Stadt und hatte sich nie großartig umgesehen. Er ging den Weg zur Kaserne hoch und blickte erneut über die Stadt. Plötzlich fiel ihm ein Fleck verbranntes Gras auf, vor dem etwas Asche lag.
    Offenbar hatte die Asche das Gras in Brand gesetzt. "Ist es mir hier oben entkommen", fragte sich Ben. Er blickte die den Grashang hinunter, doch dort war keine weitere Asche zu sehen. Am unteren Ende des Hangs war eine Hauswand. Neben dem Haus war jeweils ein Weg. Vorsichtig kletterte Ben den Hang hinunter und trat vor das Haus. Doch war sollte die Bewohner fragen. Ob sie einen Feuerdämon gesehen hatten? Sie würden ihn auslachen. Ben schaute vorsichtig durch die Fenster. Eines war offen und es schien niemand da zu sein. Neben dem Fenster befand sich ein Tisch, auf dem ein angebissenes Stück Fleisch war. Eine Milchkanne lag ausgelaufen auf dem Boden. "Er war hier", dachte Ben und stieg durch das Fenster.
    Doch er fand keine weiteren Spuren. Vermutlich hatte sich der Dämon nur am Fleisch und der Milch bedient. Ben kletterte vorsichtig wieder durch das Fenster und ging zurück zum Weg. Er folgte diesm ein Stück und sah, das dieser in einer Kreuzung mümdete. Ben seufzte. "Bis ich den Dämon finde ist es wahrscheinlich schon zu spät."

  • Hallo Phoenum,


    freut mich, dass du dich wieder an eine Fanfiction gewagt hast und der erste Eindruck kann sich auf jeden Fall sehen lassen. So ganz unabhängig von gewohnten Konventionen lässt sich in einer Art Mittelalter der Pokémon-Welt einiges anstellen, darunter eben auch, dass Pokémon vorwiegend wild sind und Menschen sie kaum halten. Das zeigst du bereits im Prolog gut und wird in späteren Kapiteln immer wieder eingeworfen, um das zu verdeutlichen und auch, um teils den Einfluss des Ordens der Stadt zu zeigen. Besonders ironisch fand ich dabei die Bemerkung, dass die Feuerdämonen die Jäger aus dem Hinterhalt angegriffen haben, aber gut, irgendwie müssen die ja als böse dargestellt werden, damit es einen Grund für die Jäger gibt weiterzumachen.
    Zu gute kommt dir dabei, dass du aus verschiedenen Blickwinkeln erzählst und dadurch mehrere Geschichten zur gleichen Zeit ablaufen. Das macht es spannend und vor allem abwechslungsreich, aber ohne allzu kompliziert zu werden. Am bisher erzählten kann ich entsprechend auch nichts aussetzen, da ich es sehr gelungen finde. Die Frage ist halt nur, ob Ben wieder zu Vulpix findet und falls ja, wie das dann bei den Jägern abläuft. Nachdem sie die Pokémon eigentlich jagen, wird es sicher ein Prozedere geben, wenn Ben da mit dem lebenden Vulpix auftaucht. Ich bin gespannt.


    Wir lesen uns!

  • Kapitel 6 - Dämonen der Finsternis


    Nachdem sie sich gestärkt hatte, rannte Sina durch die Straßen der Stadt. Nun war sie an dem Ort, an den sie wollte. Zumindestens vermutete sie, das dies der Ort war, an den ihre Eltern gebracht worden waren. Zum Glück hatte ihr Entführer nicht bemerkt, wie sie mit vielen kleinen Flammen den Holzboden des Käfigs zum glühen gebracht hatte, sodass sie ihn durchtreten konnte. Dann war sie mit der glühenden Asche im Gras gelandet und einen Hügel heruntergerollt.
    In einem Haus hatte sie etwas zum essen und trinken gefunden. Obwohl der Himmel noch hell war, schien die Stadt bereits in Düsternis versunken zu sein. Große Häuser versperrten den Blick auf die Sonne und warfen lange Schatten. Langsam wurde es kühler und Sina fühlte sich immer erschöpfter.
    Sie war schon lange unterwegs gewesen und wollte sich etwas ausruhen. Sie legte sich in eine enge Gasse an eine Wand, welche bereits vom Schatten verdunkelt war. Sie war nun in deer Stadt, in die sie wollte. Ihre Eltern hatten sie immer davor gewarnt, den Menschen zu nahe zu kommen und nun war sie hier. Alleine lag sie nun in einer dunklen Gasse und begann langsam zu frieren. Sie spuckte ein paar Glutbrocken aus um sich zu wärmen. Jedoch erloschen diese nach kurzer Zeit wieder. Da es immer kälter wurde, beschloss Sina weiterzulaufen. Müde erhob sie sich und schleppte sich vorwärts. Inzwischen war die Sonne so tief, das alle Farben um sie herum langsam verblassten. Als Vulpix konnte Sina sehr gut im Dunkeln sehen. Der Himmel hatte inzwischen einen sehr dunklen blauen Farbton angenommen.
    "Ich muss weiter", dachte Sina und bemerkte im nächsten Augenblick, das ihr Körper zu zittern begann.
    "Warum ist es hier so kalt?" So kalt wie hier war es im Wald erst im Herbst. Inzwischen hatte sich der Himmel schwarz gefärbt. Sina lief schneller. "Irgendetwas stimmt hier nicht", bemerkte sie und spitzte die Ohren. Plötzlich hörte sie in der Ferne leise Geräusche. Aus allen Richtungen hörte sie leiser jaulen und heulen. Ab und zu war auch ein kichern zu vernehmen. Manche Geräusche klangen wie heulender Wind, manche waren seltsam grotesk.
    "Die Stadt ist voller Geister", stellte Sina fest. Sie hatte früher oft dem Gesang der Waldgeister gelauscht. Es war ein angenehmer Klang, der sie ab und zu in einen ruhigen Schlaf gewogen hatte. Es war allerdings nur selten vorgekommen, das ein Geist über ihren Bau hinweggeflogen war. Sina hatte die Geister auch noch nie gesehen, da ihre Eltern immer vor dem Eingang lagen, sodass sie und ihre Geschwister nachts nicht rauskamen. Sie seufzte kurz als sie an ihre Familie dachte und wurde langsamer. Sie blickte sich vorsichtig um und lauschte weiter den Geistern. Früher hatten sie angenehm geklungen, doch hier verursachten die Geräusche ihr unbehagen. Einige wirkten klagend, andere bedrohlich.
    Dazu kam diese unnatürliche Kälte, welche immer beißender wurde. Sina begann stärker zu zittern und ihr schwanden langsam die Kräfte. Plötzlich bemerkte sie eine kleine Lücke in der hölzernen Wand. Sina schlüpfte hindurch und landete in einem großen Raum. Sie sah mehrere Kisten und Säcke. Es roch nach Weizen und verschiedenem Gemüse, wie Äpfeln, Salat und Möhren. Offenbar handelte es sich bei diesem Raum um ein Lager. Sina schlüpfte unter mehrere leere säcke und stellte fest, das es hier drunter einigermaßen warm war. Sie rollte sich zusammen und schlief sofort ein.



    Die Sonne war bereits untergegangen, als Ben die Taverne erreichte. Aufgrund der zunehmenden Dunkelheit hatte er sich aus einem breiten Stock und etwas Leder eine Fackel gebastelt. Mit dieser betrat er nun die Taverne. Im Inneren war alles dunkel. Nur der Schein der fackel erhellte den Raum. Ben sah mehrere umgekippte Stühle und ein paar einzelne Biergläser, die noch auf den hölzernen Tischen standen. Als er gerade durch den Raum gehen wollte, spürte er plötzlich etwas an seinem Hals.
    "Was machst du so spät noch draußen", zischte ihn eine Stimme von der Seite an. Mit schreckgeweiteten Augen blickte Ben vorsichtig nach rechts und sah einen schlanken Mann in schwarzer Rüstung, welcher ein Schwert auf ihn gerichtet hielt. Er trug eines der Wappen auf seiner Brust, welche Ben bei der Zeremonie schon oft gesehen hatte. Das Wappen der Geisterjäger. Ben trat vorsichtig einen Schritt zurück und bemerkte seltsame Runen auf der Klinge. Der Jäger folgte ihm mit seinem Schwert.
    "Mach ja keine Dummheiten, hörst du?" Ben überlegte, was er dem Jäger sagen könnte, da er nicht schon wieder einen Jäger verärgern wollte. Besonders dann nicht, wenn dieser ihm eine Klinge an den Hals hielt.
    "Ich, ähm...habe etwas gehört und wollte nachsehen...""Du bist nicht von hier, oder", fragte der Jäger und beobachtete ihn unentwegt, während sein Blick alle paar Sekunden durch den Raum wanderte, als würde er dort etwas suchen. "Nein, ich bin nur ein Bauer und wegen der Zeremonie hier", log Ben.
    "Dann ab auf dein Zimmer Bauer. Es wird hier gleich gefährlich", blaffte der Jäger Ben an und schubste ihn durch den Raum, sodass er gegen einen Tisch prallte. Ben fluchte leise und stolperte Richtung Treppe. "Und pass auf, das du mit der Fackel nicht die Taverne abfackelst." Als der Jäger den Satz beendet hatte, huschte Ben plötzlich ein kalter Wind den Rücken herunter, sodass er erschauderte. Die Farbe seiner Fackel färbte sich plötzlich Lila und die Temperatur sank spürbar. "Du bist gar kein Bauer, oder", fragte der Jäger hinter ihm. Ben hörte Schritte, die schnell näher kamen und drehte sich um. Er sah den Jäger mit erhobenem Schwert auf ihn zurennen. "Du bist nicht mal ein Mensch!"
    "Nein, warte...", rief Ben und ließ die Fackel fallen. Diese lag nun zwischen den Tischen und begann stärker zu glühen, sodass sie den ganzen Raum erhellte. Die Möbel warfen bizarre Schatten an die Wände. "Das ist also deine Macht", bemerkte der Jäger und schlug zu. Ben wich dem Schwerthieb aus und stolperte über einen Stuhl. Nachdem er sich ächzend erhoben hatte, griff er einen Holzstuhl und warf ihn den Jäger entgegen. Dieser stieß den Stuhl mit seinem Schwert beiseite und kam zügig näher. Ben rannte um einen Tisch herum und rief: "Ich bin kein Geist!"
    "Unsinn", rief der Jäger,"kein Mensch würde sich nachts auf die Straße wagen, wo es von Geistern nur so wimmelt." Der Jäger schlug mit seinem Schwert auf den Tisch und brach ihn entzwei. Dann sprang er vor und schwang die Klinge erneut. Ben schaffte es gerade noch zur seite zu springen, nach einem Stuhlbein zu greifen und das Stück Holz zwischen sich und die Klinge zu bringen. Das Schwert verkantete sich im Holz und ehe der Jäger es herausziehen konnte, war Ben bereits zur Tür gerannt und rüttelte daran. Doch sie ließ sich nicht öffnen. "Versuchst du zu fliehen, Geist?"
    "Was ist das hier für ein Alptraum", rief Ben und rannte panisch zur Seite, als der Jäger erneut auf ihn zustürmte. Er stolperte über einen Stuhl, welcher am Boden lag und landete auf dem Rücken. Er wollte sich gerade erheben, als das Schwert auf ihn zuraste und auf seinen Hals traf. Ben schrie laut auf. Bis ihm auffiel, das er gar keine Schmerzen spürte. Fühlte sich so der Tod an? Ben sah an sich herab und bemerkte, wie die Runen des Schwertes glühten. Außerdem sah er eine rote Kette an seinem Hals, welche sich langsam auflöste. Nach wenigen Sekunden war der Spuk vorbei und die Runen erloschen.
    Das Feuer der Fackel wurde wieder normal und der Raum verdunkelte sich wieder bis auf den bereich, der vom Feuer erhellt wurde. Der Jäger senkte seine Klinge und Ben erhob sich. "Tut mir leid, das ich dich erschreckt habe, aber diese Traunfugil erwischt man nur, wenn man ihr Spielchen mitspielt."
    "Traunfugil?" "Der Geist, der beinahe von dir Besitz ergriffen hätte."
    "Oh, ähm...ich danke euch", sagte Ben, noch immer schwer atmend.
    "Ich bin Vincent", sagte der Jäger und schüttelte ihm kurz die Hand. "Du bist gar nicht schlecht für einen Bauer. Die meisten bleiben beim ersten Umfallen liegen und flehen um Gnade." Vincent lachte. Ben viel die lange Narbe auf, welche sich durch sein Gesicht zog. Außerdem schien der Jäger nicht viel älter zu sein, als er selbst. "
    Bist du schon lange Geisterjäger?" "Seit zwei Jahren. Aber leider ist es bei uns recht leer, da die meisten Angst vor Geistern haben. Falls du Lust hast, komm vorbei. Ist gleich auf dem Hügel neben dem Tempel. "Brauche ich dafür nicht ein Beutetier?" Vincent grinste. "Nein, das ist nur eine Tradition bei den Waldläufern. Kein Wunder, bei ihnen wollen die meisten mitmachen. Wir haben so wenig Bewerber, das wir uns das gar nicht erlauben könnten."
    "Sag der Wache morgen einfach, das du nicht zu den Waldläufern möchtest und du kommst rein. Dann solltest du aber auch nicht zu den Waldläufern gehen. Die sind überlaufen und mögen es nicht, wenn man ohne Beutetier bei ihnen aufkreuzt." Nachdem Vincent sich verabschiedete hatte, ging Ben auf sein Zimmer und überlegte, ob er weiter nach dem Feuerdämon suchen, oder einer anderen Gemeinschaft beitreten wollte.
    Die Geisterjäger waren die kleinste Gruppe und schienen deshalb keine Aufnahmebedingung zu haben. Für die Waldläufer brauchte man ein Beutetier und zu den Drachenjägern kamen wie Ben gehört hatte nur erfahrene Jäger. Eine weitere Option währen die Seefahrer. Doch Ben widerstrebte es, monatelang auf einem Schiff durch die Weltmeere zu reisen. Daher hatte er genau zwei Möglichkeiten. Entweder die Geisterjäger, oder er fing den Feuerdämon wieder ein. Gedankenversunken schlief Ben ein.

  • Kapitel 7 - Die Jagd beginnt


    Die Sonne war gerade erst auf der Höhe des Tempelturmes, als Bromar, der Anführer der Waldläufer auf dem Kampfplatz hinter ihrem Haus traf. Dieser bestand auf einer großen erdigen Fläche, welche auf der einen Seite an das Haus und an der anderen an einen Zaun endete, hinter dem es steil bergab ging. Die Jäger standen in Reih und Glied an der Hauswand und warteten. Manche untergielten sich leise. "Glaubt ihr, ich würde euer flüstern nicht hören", fragte Bromar laut und jegliche Konversation verstummte augenblicklich.
    "Taro, zeig mir, was du gelernt hast." Ein kleiner Jäger mit braunen Haaren trat aus der Mitte heraus und zog sein Schwert. Bromar zog seines ebenfalls und ging auf den Jungen zu. Dieser rannte zur Seite und schlug von dort aus zu.
    "Viel zu langsam", bemerkte Bromar und parierte den Schlag mühelos. Er seufzte.
    "Und du musst härter zuschlagen." Bromar wandte sich den anderen Jägern zu. "Wenn ihr diese Monster erwischen wollt, dann müsst ihr schnell und hart zuschlagen, habt ihr verstanden?" "Ja, Sir", antworteten die Jäger. Plötzlich hörte Bromar hinter sich einen Aufschrei.
    Er wand sich um und parierte Taros Klinge, ehe sie ihn erreichte. Diesmal war der Schlag um einiges härter und Bromar hatte mehr Mühe damit, ihn abzuwehren. Er schubste Taro zurück in die Jägergruppe.
    "Das war schon besser", sagte er und grinste. "Ihr habt alle eure Ausbildung abgeschlossen, und trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, ihr seid noch genauso unerfahren, wie am Anfang. Und Taro, nächstes mal bitte nicht schreien. Du verrätst dich damit nur." Taro nickte. Bromar ging ein paar Schritte zurück und überblickte die Gruppe. Schließlich fiel sein Blick auf Ann. "Ann hat mir gestern berichtet, das ein Bauer sich bewerben wollte und sein Beutetier hat entkommen lassen. Wisst ihr, was es war?"
    "Nein, Sir", riefen die Jäger. "Ein Vulpix, ein verdammter Feuerdämon. Wie die beiden Vulnona, die wir vor ein paar Tagen erlegt hatten. Daher lautet eure heutige Aufgabe, dieses Vieh zu suchen, bevor es sich zu einer Gefahr für die Stadt entwickelt. Durchsucht die Straßen nach ihm. Lasst es nicht entwischen."Ja, Sir!" "Dann los, wegtreten!"



    Ben hatte die Taverne direkt nach dem Essen verlassen und lief durch die Straßen der Stadt. Er hatte sich vorgenommen, zuerst noch eine Weile nach dem Feuerdämon zu suchen, da dieser eine Gefahr für die Stadt darstellte und Ben nicht als Versager darstehen wollte. Er sah mehrere Waldläufer, welche mit suchendem Blick durch die Straßen marschierten.
    Offenbar waren sie bereits alamiert. Ben beschloss, ihnen aus dem Weg zu gehen und selbst zu suchen. Er huschte durch mehrere dunkle Gassen, fand aber nichts verdächtiges. Dieses Vieh konnte überall sein.



    Taro mit mehreren Kollegen eine breite Straße entlang. Das Bromar ihn eben so vorgeführt hatte, machte ihn wütend. Er versuchte seine Wut zu verbergen und konzentrierte sich stattdessen auf seine Aufgabe.
    Seine Gruppe hatte sich für den Markt entschieden, da selbst Dämonen etwas essen mussten. Also liefen sie durch die Menschenmenge, während die Leute um sie herum respektvoll zurückwichen. Leider war es auf dem Markt sehr voll, sodass das Monster sich leicht verbergen konnte. Gerne hätte Taro herumgefragt, aber er wollte die Menschen nicht in Panik versetzen.
    Sie verließen den Marktplatz nach ein paar Minuten wieder und wandten sich den kleineren Straßen zu.



    Als die ersten Sonnenstrahlen in das Lagerhaus schienen, war Sina bereits auf den Beinen. Sie wollte verschwunden sein, bevor Menschen hier auftauchten. Nachdem sie sich sattgegessen hatte, verließ sie das Lagerhaus durch den Spalt, durch den sie gekommen war. Während Sina langsam durch die Gasse ging, fragte sie sich, wohin sie gehen sollte. Da ihre Eltern wahrscheinlich längst tot waren, beschloss sie, nicht länger nach ihnen zu suchen und die Stadt zu verlassen. Ihre drei Geschwister wussten wahrscheinlich noch nicht, das etwas passiert war, daher wollte Sina versuchen, sie zu finden. Doch in welche Richtung ging es hinaus? Sina blickte die Gasse entlang, welche an einem breiteren Weg endete.
    Als sie dort ankam, sah sie viele Menschen und mehrere Kutschen, welche von Pampross gezogen wurden. Der Weg führte einen Hügel hinauf zu einem großen Tempel. "Den habe ich doch gestern schonmal gesehen", stellte Sina fest, "ich muss im Kreis gelaufen sein." Die breite Straße führte vom Tempel weg zu einem großen Tor, welches in einer riesigen Mauer stand. "Ich muss da irgendwie hin", dachte Sina. Sie beschloss sich die Richtung zu merken und verschwand wieder in der Gasse. Sie hätte zwar lieber die breite Straße genommen, allerdings wollte sie nicht entdeckt werden.



    Nach einer Weile war Ben auf die breite Straße getreten und hatte sich einen Metallkäfig gekauft. Dieses mal wollte er nicht denselben Fehler machen. Als er den Weg überqueren wollte, sah er in einer Gasse kurz etwas rotes. Ist es das", fragte er sich. Bens Laune besserte sich spürbar und er musste den drang unterdrücken, nicht über den Weg zu rennen und nicht mit anderen Menschen oder einer Kutsche zusammenzustoßen. In der Gasse angekommen, verlangsamte er seine Schritte und setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Nach wenigen Metern führte ein Weg nach links und rechts hinter den Häusern vorbei. Links sah er das Wesen tatsächlich in einiger Entfernung. Es hatte sechs rote Schweife, welche hochgestreckt waren und zwei spitze Ohren, welche ab und zu hin und her zuckten. "Vermutlich lauscht es", dachte Ben, "ich muss vorsichtig sein."
    Vorsichtig setzte er einen Fuß in die Gasse. Noch wanderte der Dämon von ihm weg. "Wo wollte er hin?" Ein paar schritte später wandte das rote Wesen plötzlich seinen Kopf nach rechts und starrte ihn an. Die runden braunen Augen wurden groß und keinen Augenblick später rannte es los. Ben fluchte und rannte hinterher. Doch der Dämon war schneller. Er verschwand in einer Seitengasse. Ben hechtete hinterher. Dort angekommen sah er das Wesen um eine weitere Ecke flitzen.
    Als Ben an der Ecke ankam, sah er das Wesen dort stehen. Es starrte ihn mit einem wütenden Ausdruck im Gesicht an und knurrte. "Sackgasse", freute sich Ben und lächelte. Tatsächlich war hinter dem Dämon eine hohe Wand aus Holz. Ben öffnete den Käfig und rannte los. Der Dämon flitzte ebenfalls los. Ben griff zu, doch das Wesen wich aus und lief zwischen seinen Beinen durch. Ben fuhr herum und stieß mit seinem Kopf gegen etwas großes. Er schrie auf und taumelte ein paar Schritte zurück. Dann sah er vor sich zwei Männer in voller Rüstung, welche beide ein Schwert zogen.
    "Die Stadtwache", dachte Ben und verfluchte sich selbst. Er hatte ohne sich umzusehen die breite Straße überquert und war dabei wohl gesehen worden. Eine Wache zog eine Schriftrolle hervor. "Das ist er, oder?" Die andere nickte. Dann wurde ben von den beiden gepackt. Als er sich zu wehren versuchte, hielten ihm die Wachen die Schwerter an die Kehle. "Was wollt ihr von mir", fragte Ben. "Ihr habt einen Dämon freigelassen und damit die Stadt in Gefahr gebracht." "Ich hätte ihn beinahe wieder eingefangen", protestierte Ben. "Erzählt das dem König", sagte eine der Wachen und band Ben die Hände auf dem Rücken fest. Wütend versuchte er sich zu befreien, doch die Fesseln waren zu fest.



    Hechelnd rannte Sina die Gasse entlang, der sie gestern Abend schonmal gefolgt war. Zum Glück hatten die beiden Menschen die hinter ihrem Verfolger aufgetaucht waren sie nicht bemerkt. Es war derjenige, der sie gestern in die Stadt gebracht hatte. "Ich muss mich beeilen", dachte Sina. Entschlossen rannte sie in eine Seitengasse und erreichte die breite Straße. Sie raste zwischen den Menschen hindurch, welche erschrocken zur Seite wichen. Einige schrien auf.
    Ein paar versuchten sich ihr in den Weg zu stellen, doch Sina wich ihnen aus. Doch die meisten Menschen hielten Abstand zu ihr und blickten sie an, als wäre sie ein Monster. Ein paar wichen zurück, als sie auf sie zurannte. Mehrere schrien durcheinander. Plötzlich teilte sich die Menge und Sina sah eine Gruppe Menschen in grün-braunen Lederrüstungen. Alte Erinnerungen schossen hoch. Genau solche hatten den Bau angegriffen. Sina schüttelte kurz den Kopf und rannte weiter.
    "Ich habe keine Zeit. Ich muss hier weg", dachte sie und beschleunigte. Aufkommende Panik gab ihr einen zusätzlichen Schub.



    Als Taro laute Schreie aus der Richtung der Hauptstraße hörte, waren er und seine Gruppe sofort hingerannt. Dort war bereits eine weitere Gruppe Jäger und das Vulpix, welches Richtung Tor raste. Die Jäger folgten dem Dämon und die anderen Menschen machten bereitwillig Platz. Zum Glück waren er und seine Truppe bereits näher am Tor und konnten somit dem Dämon den Weg versperren. Dieser bremste ab und raste auf eine Seitenstraße zu. Taro nahm ein Netzt mit schweren Metallkugeln an mehreren Enden und warf es. Doch das Vulpix war schneller. Taro rannte los, schnappte sich das Netz im Lauf und warf es erneut. Diesmal traf er. Er schnappte das Wesen, welches wild zappelte. Taro musste aufpassen, das es ihn nicht biss.
    "Ich brauche einen Käfig", rief er. Nachdem das Vulpix im Käfig war, trat Taro wieder auf die Hauptstraße und erblickte eine jubelnde Menschenmenge. "Sollen wir ihn direkt töten?" Ann war neben ihm aufgetaucht. "Lass das Bromar entscheiden", antwortete Taro. Dann bahnten sich die Jäger einen Weg durch die Menge. "Soviel zum Thema unauffällig", murmelte Taro. Weiter vorne sah er zwei Soldaten der Stadtwache, welche einen Bauer die große Treppe hinaufführten.

  • Kapitel 8 - Gefangen


    Ben war erschöpft, als er in den Thronsaal gebracht wurde. Er hatte mehrfach versucht sich zur Wehr zu setzen, doch die Wachen hatten ihm keine Chance gelassen. Dann die Treppe mit den vielen Stufen hinauf, bei dem Ben sich gefragt hatte, wie die Wachen diesen in ihrer schweren Rüstung so einfach bewältigen konnten. Nun blickte er in die düstere Halle. Die Vorhänge waren zugezogen und hinteren Ende des Saals saß eine zusammengesunkene Gestalt auf dem Thron. König Richard hatte ein zusammengefallenes gesicht und dunkle Augenringe, wie jemand, der schon lange nicht mehr richtig geschlafen hatte. Die langen schwarz-grauen Haare hingen ihm teilweise ins Gesicht, was ihn aber nicht zu stören schien. Insgesamt wirkte der König sehr ungeflegt und Ben nahm einen schwachen Gestank wahr. Er rümpfte die Nase. Dann war er vor der zusammengesunkenen Gestalt angekommen. König Richard blickte ihn müde und desinteressiert an. Seine Augen schienen jeden Augenblick zuzufallen.
    "Mylord, wir haben den Bauer gefasst, der den Dämon hat entkommen lassen", sagte eine der Wachen, die Ben festhielten. Der König hob langsam seinen Kopf. "Gut", brummte er, "dann sperrt ihn weg."
    "Jawohl, Sir", antworteten die Wachen. "wartet, ihr könnt mich doch nicht einfach so einsperren", entgegnete Ben. "Geht mir aus den Augen", schrie der König plötzlich. Er packte sich an den Kopf und beugte sich nach vorne. "Mylord, ich wollte nur den Jägern beitreten", rief Ben. Der König schrie erneut auf und und rieb seinen Kopf. "Mit eurem Geschrei bereitet ihr dem König Kopfschmerzen. "Geht weiter", befahl eine der Wachen und stieß Ben nach vorne. Ben seufzte und fluchte leise. Es war offenbar sinnlos, mit dem König zu sprechen. Die Wachen führten ihn in einen Seitengang, welcher nach wenigen Metern vor einer Treppe endete. Am unteren Ende ging es durch eine Gittertür zu den Zellen. Es gab viele belegte, aber auch viele unbelegte Zellen. Die Gefangenen begannen sofort zu rufen, als die die Wachen sahen, doch diese ignorierten das Geschrei.
    Viele wollten essen, oder wissen, warum sie eingesperrt worden waren. Offenbar saßen hier viele Menschen, ohne ein Verfahren bekommen zu haben. Beim Zustand des Königs war das aber auch kein Wunder. Ben wude in eine leere Zelle geschubst, welche aus einem Eimer und einem Haufen Stroh bestand. Es war dunkel, da das Licht der Fackeln im Flur kaum in die Zellen reichte. Nachdem die Wachen die Tür abgeschlossen hatten, verschwanden sie wieder. Erschöpft ließ sich Ben auf dem Strohhaufen nieder und fluchte laut. Daraufhin begann jemand in einer anderen Zellen zu lachen.
    "Was hast du angestellt, Neuling", rief jemand. Doch Ben ignorierte ihn. "Neuling, sag schon." Plötzlich hörte Ben einen Knall. "Ruhe", befahl ein Wachposten. "Ist ja gut", knurrte der Gefangene. Ben starrte frustriert auf die gegenüberliegende Wand. Er war gekommen, um sich bei den Jägern zu bewerben und nun saß er hier. Hätte er den Dämon doch nur direkt getötet.
    Was hatte er sich nur dabei gedacht, ihn am Leben zu lassen. Wahrscheinlich töten ihn die Jäger eh, oder haben es schon getan. Erschöpft legte sich Ben hin und versuchte zu schlafen. Der Strohhaufen war unbequem, aber besser als nichts.



    Sina knurrte und versuchte durch die Gitterstäbe die Hand ihres Entführers mit ihren Krallen zu erwischen. Doch die Hand war zu hoch. Außerdem trug der Jäger einen Metallhandschuh, wodurch Feuerspucken auch nichts bringen würde. Plötzlich kamen sie wieder an dem Tor an, an dem sie zuletzt entkommen war. Die Asche lag sogar noch am Wegesrand. Nur war der Käfig diesmal vollständig aus Metall. Sie durchschritten das Tor und gingen auf einen Tempel zu.



    Vor dem Tempel warteten Bromar und ein Priester des Ordens. Taro übergab den Käfig an Bromar, der ihn wiederum dem Priester übergab. "Was sollen wir mit ihm machen", fragte Taro. "Offenbar haben die Priester Verwendung für ihn", antwortete Bromar, "komm, das war gute Arbeit. Du musst dich ausruhen, morgen früh gehen wir wieder in den Wald."
    "Verstehe", sagte Taro, ohne einen weiteren Gedanken an das Vulpix zu verschwenden. Was die Priester taten war geheim. Es war verboten darüber zu sprechen. Was Taro aber wusste war, das die Priester dazu in der Lage waren, Pampross zu zähmen. Normalerweise war es schwer diese Dämonen auch nur einzufangen, doch wenn sie den Tempel verließen, waren sie zahm.



    Es mussten bereits mehrere Stunden vergangen sein, als Ben durch ein Klopfen geweckt wurde. Jemand stand im Halbdunkel an seiner Zellentür. Das Gesicht der person war nur schwer zu erkennen, doch Ben sah eine lange Narbe, welche quer über sein Gesicht lief. "Vincent", fragte er leise.
    "Oh, du erinnerst dich an mich? Das ist gut", sagte die Gestalt und lächelte. "Was willst du?" Ben richtete sich schlaftrunken auf. Sein Rücken schmerzte wegen seiner unbequemen Schlafposition. "Ich bin hier um dich rauszuholen."
    "Wie", fragte Ben. "Ann hat mir von dir erzählt. Du wolltest Jäger werden. Ich mache dir ein Angebot."
    "Was für ein Angebot", fragte Ben und erhob sich. "Ich habe mit dem König gesprochen. Er begnadigt dich, wenn du deine Schuld im Dienst der Geisterjäger tilgst." "Der König ist doch gar nicht richtig ansprechbar", entgegnete Ben. "Wenn man leise spricht geht es. Also, was sagst du?"
    "Alles ist besser als in dieser Zelle zu sitzen", antwortete Ben. "Freut mich", sagte Vincent und lächelte. Er ließ eine Wache die Tür aufschließen und führte Ben zum Quartier der Geisterjäger.
    "Such dir ein Zimmer aus. Die meisten sind frei." Ben nahm ging in eines hinein und sah einen kleinen Raum mit einem Bett, einem Schrank und einem Tisch. Aus dem Fenster neben dem Bett konnte man einen Übungsplatz sehen. Dort waren mehrere Zielscheiben und Holzpuppen aufgebaut. "Dahinten trainieren die Waldläufer", erklärte Vincent. Sie verließen das Zimmer und folgten einem breiten Gang. Plötzlich bemerkte Ben eine dünne Blutspur und erschrak.
    Vincent schien sie ebenfalls bemerkt zu haben. "Keine Sorge, das ist das Krankenzimmer. Wir hatten letzte Nacht wieder mehrere Verletzte und noch nicht sauber gemacht. Gegenüber liegt der Gebetsraum." Vincent deutete auf eine offene Tür, hinter der sich ein paar Bänke und ein Podest mit einer Feuerschale befanden.
    "Die Küche ist am Ende des Ganges. Dort wird auch gegessen. Etwas wichtiges muss ich dir aber noch zeigen." Vincent führte Ben eine Treppe hinunter in einen Keller. Dort befand sich ein Podest mit einem etwa faustgroßen Stein darauf. Der Stein war von einem Gitter umschlossen. "Das ist ein Spiritkern", erklärte Vincent, "die Geister die wir mit den Schwertern aufsaugen sammeln wir hier." Plötzlich bemerkte Ben einen geisterhaften Schemen über dem Spiritkern. "Oh, es hat uns bemerkt", stellte Vincent fest, "dieses Wesen ist die Fusion aller gefangenen Geister. Wir nennen es Kryppuk."
    "Verstehe", meinte Ben, "und wann beginnen wir mit dem Training?"
    "Für viel Training haben wir leider keine Zeit und zu wenig Leute. Daher wirst du alles in der Praxis von mir lernen", erklärte Vincent. "Was ist eigentlich mit dem König", fiel Ben ein, "es heißt er sei verflucht."
    "König Richard ist von einem bösen Geist besessen", erklärte Vincent, "wir vermuten, das dieser Geist mit den anderen Geistern in dieser Stadt im Zusammenhang steht."
    "Wenn wir also den Geist des Königs töten, verschwinden auch alle anderen Geister", fragte Ben. Vincent lachte. "Schön, wenn das so einfach wäre." Er deutete auf sein Gesicht. Diese Narbe ist von einem seiner Lakaien. Er scheint andere Geister befehligen zu können." "Was für ein Geist?"
    "Ob du es glaubst oder nicht, es war ein lebendig gewordenes Schwert."
    "Du bist doch ein guter Schwertkämpfer", bemerkte Ben. "Ja, aber kämpf mal gegen eine Waffe ohne Halter. Du kannst nur blocken, da es kein Ziel gibt, das die Waffe führt. Und an den Anführer der Geister lässt das Schwert einen nicht heran."
    "Der Geist von dem der König besessen ist, herrscht über die Geister?" "Wir gehen davon aus. Wir nennen ihn übrigens Gengar." "Interessanter Name." "Ein seltsamer Schemen mit leuchtend roten Augen und einem breiten Grinsen darunter." "Er grinst", fragte Ben erstaunt. "Ja, tut er. Die ganze Zeit."
    "Also versuchen wir gegen diesen grinsenden Geist zu kämpfen?"
    "Wir haben damit aufgehört ihn direkt zu bekämpfen, außer wenn der König es verlangt. Wir konzentrieren uns im Moment auf die Geister in der Stadt, da wir hoffen, das wir Gengar so schwächen können. Heute Nacht werden wir ebenfalls durch die Straßen laufen. Am besten ruhst du dich noch etwas länger aus."
    Dann verließen Ben und Vincent den Keller. Zurück blieb nur der Spiritkern, über dem sich der schemen nun, da die Menschen gegangen waren zu einer kreisförmigen Fratze formte. "Kryppuk! Kryppuk!" Plötzlich kam schwarzer Rauch aus der Wand und formte sich zu einem Gesicht mit glühend roten Augen und einem breiten Grinsen.
    "Bald ist es soweit mein König", flüsterte der Geist über dem Spiritkern. "Noch ein paar und wir können die Ketten brechen. Wir werden frei sein." "Ihr werdet mir gehorchen", entgegnete Gengar. "Natürlich. Wir werden euch untertan sein.", antwortete der Geist über dem Spiritkern. Dann zog er sich zurück. Auch Gengar verschwand wieder in der Wand und zurück blieb nur ein seltsam geformter Stein, welcher von Rissen übersäht war, in denen die Geisterjäger die Spitzen ihrer Schwerter steckten um dem Stein Geister hinzuzufügen. Doch würde man den Stein genauer betrachten, könnte man sehen, das die Risse wuchsen. Langsam, aber stetig.


    Das letzte an das Sina sich erinnern konnte war, als sie durch die Tür des Tempels gebracht wurde. Als nächstes war sie hier erwacht. Da sie nicht geschlafen hatte und auch nicht müde gewesen war, musste definitiv etwas passiert sein.
    Außerdem stellte sie fest, das sie ihren Körper nicht mehr spürte. Sieh sah, das sie sich in einem Metallkäfig in einem hölzernen Raum mit vielen Kisten befand. Ähnlich wie das Lager, in dem sie übernachtet hatte.
    Nur schwankte der Raum etwas und es roch nach Meerwasser. Sieh aß gerade einen Fisch. Oder besser gesagt, ihr Körper aß den Fisch, ohne das sie selbst diese Entscheidung getroffen hatte. Sie selbst hatte die Kontrolle über ihren Körper verloren und konnte ihn auch nicht mehr spüren. Sie war in ihrem Körper, der ihr nicht gehorchte, gefangen. Sina dachte, das sie in Panik geraten müsste, doch irgendwie war sie gar nicht dazu in der Lage. Sie konnte nur warten und beobachten.

  • Hier ist nun mein inzwischen neuntes Kapitel. Es ist außerdem das bislang längste. Ich finde es ein bisschen schade, das meine bisherigen Kapitel immer so kurz waren. Hat jemand eine Idee, was ich noch verbessern könnte? Über weitere Kommentare würde ich mich jedenfalls freuen.


    Kapitel 9 - Dämonen der See


    Mit schnellen aber präzisen Handgriffen befestigte Seefahrer Ryan mit ein paar anderen Matrosen die letzten Vorratskisten unter Deck. Sie mussten sich beeilen, da der Anker bereits eingeholt wurde und sie als nächstes die Segel ausrollen mussten. "Was ist das", fragte ein Matrose und deutete auf einen Käfig mit einem roten Wesen darin.
    "Ein Vulpix", erklärte Ryan. "Das brauchen wir für kalte Nächte. Wirf einen Fisch in den Käfig und komm an Deck." Ryan ging zügig voran und machte sich sofort daran, die Strickleiter, die den Mast hinauf führte, zu erklimmen. Er genoss es wieder aufs Meer hinaus zu fahren. Den kühlen salzigen Wind einzuatmen und die Gischt auf seiner Haut zu spüren. Nachdem die Segel ausgerollt waren, nahm das Schiff Fahrt auf. Insgesamt hatte es drei Segel. Ein großes in der Mitte und jeweils ein kleines vorne und ein kleines hinten. Neben ihrem Schiff fuhren zwei kleinere Schiffe mit nur einem Segel mit. Der Dreimaster war das Hauptschiff, in dem die Beute gelagert wurde.
    Es hatte allerdings auch ein paar Kanonen, um sich im Notfall ebenfalls verteidigen zu können. Die beiden kleinen Schiffe waren Jagdboote. Mit Harpunen gewappnet würden sie auf diesen Booten jagen, da sie schneller und wendiger als das große Schiff waren. Beide Boote waren mit Seilen mit dem großen Schif verbunden. Ryan blickte über den Hafen, welchen er in den nächsten zwei Wochen nicht sehen würde. An den Stegen waren noch zwei weitere Schiffe der Jäger vertäut.
    Überall herrschte reges treiben. Waren wurden be- und entladen. Etwas abseits der Jägerschiffe lag ein Handelsschiff aus Hoenn vor Anker. Auf der anderen Seite des Hafens, am Privathafen des Tempels war ebenfalls ein Schiff, auf dessen Segel eine große gelbe Sonne prankte. Von diesen Schiffen kam nur einmal im Momat eines an. Ryan hatte daher Glück, eines zu sehen zu bekommen. Er fragte sich, was es für Schiffe waren. Jedesmal wurden sie mit sehr großen Kisten beladen, über dessen Inhalt es nur Vermutungen gab. Auch woher das Schiff kam und wohin es fuhr war unbekannt. Ryan verstand nicht, warum die Priester daraus so ein Geheimnis machten.
    "Hey Ryan, hast du schon vom Kapitän gehört, der ein lilanes Wailord jagt", rief plötzlich jemand. Ryan drehte sich um und sah mehreren Matrosen entgegen.
    "Nein, wer erzählt so einen Seemansgarn?" Ryan ging auf die Gruppe zu, ohne das Ordensschiff weiter zu beachten. "Tom hat in der Taverne einen alten Knacker getroffen, der was von nem lilanen Wailord faselte."
    "Der mit der Augenklappe und dem fehlenden Bein", fragte ein anderer Matrose, "der ist doch nicht ganz dicht." Die Männer lachten. "Sollen wir runter gehen und schauen, ob wir etwas Rum finden", fragte jemand.
    "Lass mal, ich möchte nicht schon am ersten Tag vom Kapitän ein`s auf den Deckel bekommen", antwortete Ryan. Während die Matrosen an Deck ihrer Arbeit nachgingen, stand Pedro hoch oben auf dem Masten des Schiffes und sah auf das Meer hinaus. Etwas über ihm ließ sich ein Wingull vom Wind treiben. Es flog mehrfach im Kreis, ehe es sich davonmachte und schließlich in der Ferne verschwand. Plötzlich bemerkte er in der Richtung, in die der Vogel verschwunden war einen Schatten im Wasser. Er war langezogen und ähnelte einer riesigen Schlange.
    Pedro fluchte und rief: „Garados, Steuerboard!“ Dann schnappte er sich ein Seil und rutschte daran hinunter. Am oberen Ende des Seils war eine kleine Glocke befestigt, welche nun zu läuten begann.
    „Garados Steuerboard“, rief er erneut. Plötzlich ging die Kapitänskajüte auf und Rosbart, der Anführer der Jagdgemeinschaft trat hinaus. „Zoro, klingt als gäbe es etwas für uns zu tun.“ Rosbart trug eine schwarze Jacke, auf dessen Rückseite eine rote Sonne prankte.
    Dazu trug er einen Dreispitz und hatte zu einem Zopf geflochtenes Haar. Er grinste und zog ein Fernrohr aus seinem Mantel. Im nächsten Augenblick brüllte jemand und hinter dem Kapitän tauchte ein menschenähnliches Wesen auf. Es war ein Maschock das etwas größer war als Rosbart und sehr breit und muskulös. Brüllend rannte es am Kapitän vorbei, doch dieser gab sich davon unbeeindruckt. Durch das Fernrohr sah er auf den sich nähernden Schatten.
    „Ich wollte schon lange mal wieder eine Seeschlange jagen“, meinte er, „zu den Waffen!“ Dann brach das Monster aus dem Wasser. Brüllend riss es sein Maul auf und schoss auf das Schiff zu.
    „Los Zoro“, rief Rosbart, „der Rest geht mit den Harpunen in Stellung!“ Dann zog Rosbart seinen Säbel und ging zur Seite des Schiffes. Während sich im Mund der Seeschlange Wasser sammelte, sprang das Maschock vom Steg ab und schoss dem nahenden Garados entgegen. Doch kurz bevor es den Kopf des Monsters erreichte, spie es einen Wasserstrahl aus, welcher Zoro über das Schiff hinwegschleuderte. Er landete im Wasser und ging unter.
    Doch zum Glück war das Maschock ein guter Schwimmer. Er ruderte mit dem Armen und schwomm unter dem Schiff hinweg. Auf der anderen Seite sah er den langen blauen Körper der Seeschlange, welcher an der Unterseite beigefarben war. Unterdessen rammte das Garados seinen Schweif auf das Schiff. Das Holz knirschte, doch es hielt dem Angriff stand. Rosbart sprang nach vorne und rammte seinen Säbel in das Fleisch. Das Seemonster brüllte und riss seinen Schweif hoch. Rosbart konnte gerade noch ausweichen, um nicht mitgerissen zu werden. Das Garados warf sich zur Seite und tauchte unter.
    „Lasst es nicht entkommen“, rief Rosbart. Mehrere Matrosen warfen ihre Harpunen, welche an metallenen Stangen befestigt waren, die ein Metallskelett um das ganze Schiff herum bildeten. Von außen war das Skelett mit Holz verkleidet, sodass man die Stangen nur am Reling sehen konnte. Durch diese Konstruktion konnte sich das Garados nicht so leicht losreißen. Die Seile spannten sich und ein Ruck ging durch das Schiff, welcher die Matrosen beinahe zu Fall gebracht hätten. doch diese waren darauf vorbereitet und hatten sich entsprechend in Stellung gebracht. Brüllend tauchte das Garados wieder auf. diesmal mit Zoro im Schlepptau, welcher von der Seeschlange absprang und ihr seine Faust ins Gesicht schmetterte.
    Garados fiel durch die Wucht des Aufpralls zur Seite und klatschte auf die Wasseroberfläche.
    „Jetzt“, rief Rosbart und weitere Harpunen flogen auf das Garados zu. „Zieht!“ Während das Garados zappelte, sprang Zoro an Board, schnappte sich mehrere Seile und zog, bis das Garados an der Schiffswand hing. Brüllend zappelte die Seeschlange und stieß mehrere Wasserfontänen, welche ins Leere gingen. „Fesselt es und fixiert den Kopf“, befahl der Kapitän. Anschließend wickelten die Matrosen Seile um das zappelnde Wesen und banden es an der wand des Schiffes fest. Der Kopf des Wesens wurde von Zoro geschlossen und mit einem Maulkorb gefesselt, sodass Garados keine Wasserfontänen mehr spucken konnte.
    „Gute Arbeit Matrosen“, lobte Rosbart und streckte seinen Säbel in die Höhe. Unter lautem Jubel verschwand er wieder in der kajüte, wo er sich direkt auf einen Stuhl fallen ließ. Der Baum bestand aus einem kleinen Bett, einem Kartentisch und einem Schrank, in dem sich mehrere Bücher und Karten befanden. Durch ein großes Fenster konnte man auf das Meer hinaus sehen. Es war allerdings vergittert, um Angriffen von Seemonstern besser standhalten zu können. "Das war gute Arbeit", bemerkte er.
    "Ja, das war eine gute Jagd, Leon", bestätigte Zoro und setzte sich ebenfalls auf einen Stuhl. "Wenn wir mit der Beute wieder zurück sind und auf das Ordensschiff kommen, musst du sehr vorsichtig sein, Zoro."
    "Darüber haben wir bereits gesprochen." "Ich mache mir nur Sorgen." "Du machst dir immer Sorgen. "Zoro grinste breit. "Ich weiß, das du gerne mit dem Kopf durch die Wand läufst, aber diese Ordenssleute sind ein anderes Kaliber", meinte Leon. "Gibs zu, du hälst mich für einen hirnlosen Dämon", stichelte Zoro. Dann lachten sie beide. Plötzlich wurde ihre Unterhaltung vom klang eines Horns unterbrochen. "Schon wieder ein Monster", wunderte sich Leon und stand auf. Plötzlich ging ein Ruck durch das Schiff, welcher den Kapitän beinahe den Boden unter den Füßen weggerissen hätte. "Surmfront", rief plötzlich jemand. Leon Rosbart verließ die Kajüte und sah die große Wolkenfront, welche mit unnatürlicher Geschwindigkeit auf sie zuraste. Der Wind wurde stärker und es begann zu regnen. "Weniger Segel", rief Rosbart, während ein weiterer ruck durch das Schiff ging.
    Mehrere Matrosen kletterten die Strickleitern hoch und versuchten die Segel einzurollen. Da der Wind allerdings weiter an Stärke gewann, war dies ein schwieriges Unterfangen. Auch der Wellengang nahm spürbar zu, was es den Matrosen zusätzlich erschwerte, ihre Arbeit zu verrichten. Die Wolken verdunkelten die Sonne und die Sicht verschlechterte sich. Wind und Regen peitschten über das Deck. Plötzlich war ein lautes zorniges Brüllen zu hören. "Zu den Waffen!" Leon versuchte gegen den Wind anzuschreien. Plötzlich tauchte neben ihnen die erste große Welle auf und schwappte über das Deck. "Leon schaffte es gerade so "In Deckung!" zu rufen, als das Wasser ihn mitriss. Es gelang ihm, sich am Reling festzukrallen, um nicht vom Schiff befördert zu werden. Während das Schiff bedrohlich schwankte, liefen ein paar Matrosen unter Deck.
    "Bleibt hier ihr Feiglinge", rief Rosbart und zog seinen Säbel, "was immer uns angreift, wird versuchen das Schiff zu zerstören. Dann rannte er nach vorne zur Spitze des Schiffs und starrte in die Wellen hinaus. Er war vom Regen durchnässt und der kalte Wind zerrte an ihm. Hinter Rosbart tauchte das Maschock Zoro auf. "Dort", rief er und zeigte auf das Meer hinaus. Dort schoss etwas aus dem Wasser heraus. Ein Monster mit einem schlanken Körper und fetzenartigen Auswüchsen. "Tandrak", schrie Leon plötzlich und rannte über das Deck.
    "Holt Harpunen und Netze", befahl er, "und die schweren Schilde, die mit dem ätzenden Gift länger trotzen können!" Unterdessen schoss das Tandrak auf das Schiff zu und feuerte mehrere giftige Kugeln ab, welche sofort begannen, sich durch das Holz zu fressen, als sie auf das Deck trafen. Leon rannte auf seine Kajüte zu, während weitere Wellen das Schiff rammten und ihm das Laufen erschwerten. Unterdessen stellte sich das Maschock in die Mitte des Schiffs und fokussierte das Tandrak. Bei diesem Wellengang war es zu gefährlich das Schiff zu verlassen, daher konzentrierte sich Zoro auf einen Fokusstoß.
    Er formte in seinen Händen eine gelbliche Kugel, welche er sogleich abfeuerte. Die Kugel flog dem Tandrak entgegen, doch dieses wich durch eine geschickte Drehung aus. Weitere giftige Geschosse prasselten auf das Deck. Zoro wich einigen aus, während die ersten Matrosen auf ihn zukamen. Das Tandrak landete auf dem Deck. Zoro sprang auf das Monster zu, doch dieses machte einen Rückwärtssalto und landete im Wasser. Doch nur Sekunden später tauchte es wieder auf und schoss erneut giftige Kugeln ab, welche sofort begannen, sichdurch das Holz zu fressen. Mehrere Matrosen mit Schilden rannte voraus und stellten ihre Schilde auf. "Werft", befahl Leon, welcher ebenfalls mit einem schweren Schild bewaffnet war. Die Matrosen warfen mehrere Speere, welchen das tandrak geschickt ausweichen konnte. Außerdem wurden die Speere durch den Sturm abgelenkt, was zielen und treffen beinahe unmöglich machte. Der Dämon landete erneut auf dem Deck und sprang erneut mit einem Rückwärtssalto ins Wasser. Plötzlich schoss eine große Welle über das Deck, welche viele Matrosen von den Füßen riss. Mehrere flogen schreiend von Board auf und verschwanden im tobenden Meer. Plötzlich war ein lautes Brüllen zu hören. Leon blickte zur Seite und sah mehrere Seile, welche im Wind flatterten. Seine Augen weiteten sich vor Ensetzen.
    "Das hat uns gerade noch gefehlt.", zischte er, "Garados ist ausgebrochen!" Nach einem weiteren Brüllen schoss die Seeschlange auch schon aus dem Wasser und feuerte eine Fontäne ab. "Schilde!" Rosbart riss seinen Schild hoch und versuchte sich gegen die Wucht der Wassermassen zu stemmen. Als das Schild ihn Richtung Boden drückte, kam Zoro ihm zu Hilfe und drückte das Schild wieder hoch. An der Schiffsfront tauchte wieder das Tandrak auf und feuerte weitere giftige Kugeln auf das Schiff ab. Diesmal wurden die meisten von Schilden abgewehrt, doch auch an diesen hinterließ die ätzende Flüssigkeit Spuren.
    Tandrak landete auf einem Schild und nutze dieses als Sprungbrett, um hinter die Matrosen zu gelangen. Während diese sich überrascht umdrehten, feuerte Tandrak eine Wasserfontäne ab, welche eine die Jäger zur Seite rammte und ein großes Loch im Deck an der Stelle hinterließ, wo das säureartige Gift bereits Vorarbeit geleistet hatte. Die Jäger erhoben sich und warfen mit Speeren, denen das Tandrak allerdings mit einem kräftigen Sprung nach oben auswich. Plötzlich tauchte neben ihm das Maschock auf, welches den Dämon einen schlag verpasste. Tandrak ging zu Boden, wo es zappelnd auf der Seite liegen blieb.
    "Springen kannst du", meinte Zoro, "aber sobald du umfällst, war es das." Der Dämon versuchte sich mit seinen fetzenartigen Flossen aufzurichten, doch Zoro drückte ihn zu Boden. Plötzlich sprang erneut das Garados aus den Wellen und rammte das Schiff mit seinem gesamten Körpergewicht. Das holz knirschte und knackte hörbar, doch dank dem Metallskelett hielt es. Zoro sprang zur Seite, doch das Tandrak entglitt ihm dabei. Tandrak flog gegen Garados und sprang von ihm ab nach oben, wo es direkt mehrere giftige Kugeln auf das Maschock feuerte. Maschock wich aus, lud einen Fokußstoß und traf diesmal das Tandrak, welches von dem Geschoss davongeschleudert wurde und im Meer landete. Unterdessen richtete sich das Garados auf und schickte eine Wasserfontäne ins Schiffsinnere. Zoro fluchte und sprang auf die Seeschlange zu.
    Er rammte den Dämon mit seiner Schulter. Dieser brüllte auf und kippte nach hinten. Bevor das Garados aber umfiel, sprang Zoro ab und landete wieder an Deck. Dort versammelten sich bereits die Jäger und feuerten mit ihren Harpunen auf das riesige Ungeheuer. Mehrere trafen und zoro zog sofort an ihnen. Doch dieses Mal gelang es dem Garados, die Seile durchzubeißen und unter der Wasseroberfläche zu verschwinden. Unterdessen tauchte das Tandrak wieder auf und feuerte seine giftige Substanz in das Loch, wo es auf das Wasser von Garados Fontäne und den Schiffsboden traf.
    "Verdammt", fluchte Rosbart laut und warf seinen Schild. Mehrere Giftbälle prallten daran ab und verschwanden mit dem Schild im Meer. Im nächsten Augenblick schoss das Garados erneut aus dem Wasser und rammte das Schiff erneut mit seinem ganzen Gewicht. Diesmal war ein lautes Krachen zu hören und das durch die Säure geschwächte Metallskelett brach. Anschließend stürtzten alle Anwesenden ins Meer.

  • Kapitel 10 - Ein neuer Plan


    In den letzten Tagen hatte Ben viel über die Geisterjäger gelernt. Sie waren nicht nur die kleinste Gruppe, sondern auch die einzige, die nicht hirarchisch organisiert war. Sie hatten keinen Anführer, sondern planten ihre Patrouillen durch die Stadt gemeinsam. Manchmal, wenn sie vom König gerufen wurden, kämpften sie direkt gegen Gengars Schergen, auch wenn es sinnlos zu sein schien. Neben Ben und Vincent hatten sie noch zehn weitere Mitglieder. Im Moment war Ben in der Bibliothek, wo alle bekannten Dämonen aufgeführt waren. Nicht nur Geister, sondern auch Wesen des Meeres, des Waldes und Drachen. Vor zwei Nächten hatte Ben selbst Gengars schwebenden Schwertern gegenübergestanden. Es war ein furchterregender Anblick und Ben hatte Glück, das er nur einen langen Kratzer am Arm hatte. Viele hatten deutlich mehr Kratzspuren erlitten. Ben hatte allerdings auch nicht an vorderster Front gekämpft, sondern sich eher im Hintergrund gehalten. Während Ben ein paar Bücher durchwühlte, trat Vincent ein. Er humpelte etwas, da sein Bein erwischt wurde und er hatte eine kleine Wunde im Gesicht. "Was suchst du", fragte Vincent. "Nach einem weg, Gengar zu besiegen", erklärte Ben. Vincent lachte. "Ich bin gespannt, ob du etwas findest, was wir nicht schon gefunden haben." "Ich habe mich mal etwas mit den verschiedenen Dämonen beschäftigt. Feuer, Wasser, Pflanze, Drache, Geist und so weiter. Ich stellte fest, das die Elemente Feuer, Wasser und Pflanze effektiv gegeneinander sind." "Wie meinst du das ", fragte Vincent. "Naja, mit Wasser löscht man Feuer, Pflanzen trinken Wasser und Feuer verbrennt Wasser." "Pflanzen trinken Wasser?" "Wie auch immer, worauf ich hinausmöchte ist, das es somit vielleicht auch etwas effektives gegen Geister gibt." "Du meinst Dämonen?" "Genau." Ben schlug mit seiner Faust auf den Tisch. ""Hmm...", Vincent beugte sich mit nachdenklichem Blick über die Bücher. "Dämonen mit Dämonen bekämpfen, warum nicht. Es gibt aber nur die Klassifikationen Feuer, Wasser, Pflanze, Geist, Drache und Eis." "Eis?" "Ja, in den Bergen haben die Drachenjäger Eismonster entdeckt. Die müssten auch in irgendeinem Buch sein." "Was, wenn es noch mehr gäbe?" Ben holte weitere Bücher. "Du machst alles durcheinander", bemerkte Vincent. Ben ging nicht darauf ein. "Bei den Pflanzen zum Beispiel gibt es auch Käfer. Und warum ist Pampross auch dort?" Das sind die Bücher der Waldläufer", erklärte Vincent, "die sind für alles, was im Wald lebt." "Mal sehen, was wir hier haben", murmelte Ben. Er blätterte durch das Buch und hielt plötzlich inne. Auf der Seite war ein schwarzer Hund zu sehen, auf dessen Stirn etwas war, das einer Totenmaske ähnelte. Daneben war ein bild eines größeren schwarzen Hundes zu sehen, welcher Hörner auf dem Kopf trug."Diesen Dämon habe ich noch nie gesehen. Hier steht es sei ein Feuerdämon." "Das ist der Todesbote, der den Wald durchstreift", erklärte Vincent erführchtig. Selbst die Waldläufer fliehen, wenn sie sein Gebrüll vernehmen." "Interessant, das er nachts jagt, wo doch die meisten Feuerdämonen am Tag unterwegs sind und nachts schlafen." "Vielleicht ist er eine Art Feuergeist", schlug Vincent vor. "Oder er hat einen zweiten nicht klassifizierten Typ. Nämlich Nacht, oder besser Unlicht." "Du willst den Wächter der Hölle in die Stadt bringen um Gengar zu besiegen", fragte Vincent erstaunt, "das kann nicht dein Ernst sein!" "Es scheint nicht so, als hätten wir eine Wahl", entgegnete Ben. Vincent sah ihn entsetzt an. "Und wenn es nicht funktioniert, brennt er die ganze Stadt nieder." "Das hat das Vulpix auch nicht", meinte Ben. "Das Vieh ist stärker als ein Vulpix. Wahrscheinlich ist es sogar stärker als ein Vulnona." "Ich nehme an, das Vulpix etwa auf die Stärke des kleineren Dämons Hunduster kommt. Und Vulnona auf die Stärke von Hundemon, dem großen Dämon. Tag und Nacht, es scheint zu passen." "Hörst du mir eigentlich zu? Das ist Irrsinn. Du bringst die ganze Stadt in Gefahr, wenn du die Hölle herein lässt, rief Vincent wütend." "Die Hölle spukt doch schon da draußen herum", gab Ben zurück. "Das ist nicht der richtige Weg", rief Vincent und wandte sich ab,"schlag dir die Spinnereien aus dem Kopf und bereite dich lieber auf die nächste Nacht vor." "Es wird ewig so weitergehen, Vincent." "Dann verkriech dich doch in deinem verdammten Dorf!" "Nein, du verkriechst dich aus Angst. Wir können nicht ewig so weitermachen. Gengar spielt doch nur mit uns." "Wir haben schon über dreitausend Geister verbannt. Seine Armee schwindet. Noch ein paar Wochen und es ist nur noch er selbst." "Ich habe eher das Gefühl, auf jeden Geist kommen zwei neue", entgegnete Ben. "Bitte, dann versuch doch die Waldläufer von deinem aberwitzigen Vorschlag zu überzeugen. Ich gehe jetzt und mache meine Arbeit." Vincent verließ den Raum und knallte die Tür zu. Ben seufzte. Er befürchtete, das ihm bei den Waldläufern ein ähnliches Gespräch bevorstand. Ben machte sich ein paar Notizen und verließ die Bibliothek. Die Sonne ging bereits unter und der Tempel warf einen großen Schatten auf die Jägerhäuser. Die Waldläufer waren am Morgen losgezogen und müssten bald zurückkehren. Ben ging die große Treppe hinab und folgte der breiten Straße bis zum Tor. Es waren nur noch wenige Menschen unterwegs. Ein paar Gestalten huschten hier und da durch die Gassen. Aber die große Straße war weitgehend leer. Am Tor standen zwei Wachposten, welche mit müdem Blick an Ben vorbeischauten und ihn nicht weiter beachteten. Vermutlich wegen seiner Rüstung. Ben setzte sich auf eine Bank am Rande der großen Straße und wartete. Kurz nachdem die Sonne am Horizont verschwunden war, hörte er plötzlich Hufgeklapper. Die Wachen bewegten sich und öffneten das Tor. Dann traten zehn Waldläufer angeführt von Bromar und mit einem Karren im Schlepptau durch das Tor. Ben näherte sich vorsichtig dem Anführer der Waldläufer und ging neben ihm her. "Was gibt es", brummte dieser. "Ich möchte, das ihr etwas für mich jagt." Bromar schaute ihn überrascht an. "Vergiss es, wir haben genug zu tun." "Es gibt einen Dämon, der die Stadt von Geistern befreien kann." "Ich dachte, das macht ihr", bemerkte Bromar und lachte. "Aber..." "Nein!" "Dann sagt mir wenigstens, wo ich diesen Dämon finde." Ben zeigte Bromar seine Notizen. "Diesen findet man am Silberberg. Ein großer Berg weit im Westen. Bis dahin ist es zu Fuß etwa zwei Tage. Mit dem Schiff einer." "Danke für den Hinweis", sagte Ben und ließ die Jäger vorbei. Am nächsten Tag packte Ben seine Sachen und ging entschlossen zum Hafen. Vincent hatte er seit ihrem Streit nicht mehr gesehen. Er fand ein kleines Handelsschiff, welches unterwegs in die Johto-Region war und das mit allerlei Nahrungsmitteln beladen wurde. Der Kapitän hatte sich bereit erklärt, Ben in der Nähe des Berges abzusetzen. Jedoch würde er schwimmen müssen, da es für das Schiff zu gefährlich war, nahe an die Küste zu fahren. Während der Fahrt schärfte Ben sein schwert und überlegte, wie er diesen Dämonen alleine einfangen sollte. Er hatte ein paar Gläser mit einer Flüssigkeit gekauft, welche jemanden in den Schlaf schicken konnten. Dann blieb immer noch das Problem mit dem Transport. Ben würde den Dämon wohl kaum bis in die Stadt ziehen können. Wie Ben mitbekommen hatte, soll es in der Nähe ein kleines Dorf geben, in dem sich die Drachenjäger des öfteren aufhielten, wenn sie in der Gegend jagten. Leider lag das Dorf im Wald und nicht an der Küste, sodass es keinen Steg hatte, an dem man hätte anlegen können. Als die Sonne sich am Abend langsam dem Horizont näherte, sprang Ben über den Reling und landete kopfüber in den Wellen. Nach wenigen Minuten erreichte er den Strand. Seine Kleidung hatte er in einem Lederbeutel verstaut, damit sie nicht nass wurde. Nachdem er sich angezogen hatte, ging er in den Wald. Ben zog sein schwert und blickte sich vorsichtig um. Im Wald war es dunkler als am Meer und Ben hörte des öfteren Geräusche. Ben blickte sich um und hielt sein Schwert erhoben. Er wollte das Dorf erreichen, bevor die Sonne untergegangen war. Irgendwann stieg der Weg an und das gehen wurde schwieriger. Schließlich gelangte Ben an einen schmalen Pfad, welcher einen Hügel hinaufführte. Vor ihm erhob sich der Silberberg, welcher seinem Namen alle ehre machte, da er tatsächlich im Sonnenlicht silbern glänzte. Schließlich erreichte Ben das Dorf. Es bestand aus acht kleinen Häusern, welche im Kreis um einen kleinen Platz angeordnet waren. Der Platz bestand aus zertretender Erde, genau wie der Weg, auf dem er ging. Die Häuser waren aus Holz und erinnerten Ben an die Häuser aus seinem Dorf. Am hinteren Ende des Platzes stand ein etwas größeres Haus, welches irgendwie wichtig aussah. Ben ging darauf zu und klopfte an. Ein älterer Herr öffnete. "Oh, ein Reisender zu einer so späten Stunde. Seid ihr Jäger?" "Ja, ich komme im Auftrag des Königs", log Ben. "Ihr seid kein Drachenjäger, oder?" "Stimmt, die sind woanders beschäftigt. Kann ich bei euch übernachten?" "Sicher, in dem Haus dort drüben übernachten die Jäger immer.", antwortete der Mann und wies auf ein Haus. "Habt Dank", sagte Ben und verabschiedete sich. Am nächsten Morgen machte Ben sich auf den Weg. Die Bewohner waren sehr gastfreundlich und hatten ihm reichlich zu Essen mitgegeben. Sie hatten ihn vor den Gefahren gewarnt, die in den Höhlen im Berg lauerten und das sie diesen Ort mieden. Aber anscheinend hatten die Drachenjäger den Berg schon mehrmals bestiegen. Als Ben den Wald betrat, hörte er vereinzelt Geräusche und fragte sich, von was für Wesen sie wohl stammen mochten. Der Weg wurde immer steiler und nach einer Stunde war Ben bereits erschöpft. Er hatte gerade den Wald hinter sich gelassen, als er sich auf einem Stein niederließ und sich ausruhte. Vor ihm streckte sich der riesige Berg in die Höhe. "Irgendwo müssen die Höhlen sein", dachte Ben. Plötzlich bewegte sich der Stein auf dem Ben saß und er sprang auf. Der Stein hatte plötzlich zwei Arme und stieß sich mit ihnen vom Boden ab. Ben sah, das der Stein ein Gesicht hatte, welches ihn böse anblickte. Ben sprang überrascht nach hinten, sodass der Stein auf dem Boden landete. Doch dieser packte nach seinem Bein und riss Ben zu Boden. Ben wollte sich losreißen, aber die steinernde Faust war zu fest. Er nahm sein Schwert und schlug zu. Der stein sprang hoch, doch Ben bekam ihn mit der anderen Hand zu packen und schleuderte ihn mit aller Kraft in den Wald, wo er hinter einem Busch verschwand. "Was war das", fragte Ben sich erschrocken. Er setzte seinen Weg fort und folgte einem steinigen Pfad den Berg hinauf. Plötzlich wurde der Pfad flacher und mündete vor einer steilen Wand, in der sich ein riesiges Loch befand. "Das muss es ein", vermutete Ben. Er zog sein Schwert und entzündete eine Fackel, die er mitgenommen hatte. Dann betrat er die finstere Höhle.

  • Hallo Phoenum,


    da du fragst, was du verbessern kannst: Weniger Verschachtelungen in Sätze. Beziehungsweise Nebensätze mit "welcher" weniger oft verwenden. In Kapitel 9 hatte ich eine Stelle, an der das dreimal hintereinander der Fall war und das fällt dann schon etwas auf, besonders weil diese Sätze eleganter gelöst werden könnten. Ich nehm mal ein Beispiel:

    Zitat

    Unterdessen schoss das Tandrak auf das Schiff zu und feuerte mehrere giftige Kugeln ab, welche sofort begannen, sich durch das Holz zu fressen, als sie auf das Deck trafen.

    Der Satz könnte etwa aussehen wie "und feuerte mehrere giftige Kugeln ab, die sich sofort durch das Holz fraßen, als sie auf das Deck trafen". Somit ist eine Verschachtelung weniger drin und auch die Beschreibung, dass das Holz löchrig wird, ist etwas eleganter gelöst worden. Ich kann dir nur empfehlen, da in Zukunft etwas drauf zu achten, aber das ist beim Geschriebenen eine Sache, die mir aufgefallen ist.


    Ansonsten hab ich noch ein kleines Problem damit, in welche Richtung diese Geschichte eigentlich gehen soll. Mit Ben, den Leuten auf See, Vulpix und Gengar sind jetzt schon mindestens vier verschiedene Plotpunkte vorhanden, die aber noch nicht richtig ineinandergreifen wollen. Besonders jetzt, wo noch Hundemon dazukommen soll. Wobei das natürlich auch einen guten Spannungsbogen aufbringt, um wen es als nächstes geht und was passieren wird. Dass noch nicht mal alle Pokémon-Typen klassifiziert sind, finde ich eine interessante Idee, da auf diese Weise mehrere Überraschungen entstehen können. Man merkt, dass das eben doch eine harte Zeit ist.
    Das Kapitel auf See fand ich sehr abenteuerlich gestaltet und hat mir auch entsprechend gut gefallen. Garados und Tandrak sind ja nun keine leichten Gegner und inmitten eines Sturms hat da eine Crew schon ganz schön zu kämpfen. Interessant fand ich hier vor allem, dass Zoro reden konnte. Könnte also zukünftig auch auf mehrere humanoide Pokémon zutreffen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weiter geht.


    Wir lesen uns!

  • Kapitel 11 - Drachenjagd


    Leon Rosbart erstarrte kurz, als er im kalten Wasser landete. Dann sah er plötzlich unter sich einen Käfig, in dem etwas zappelte. Leon tauchte hinab und griff nach den Stäben. Dann schwamm er nach oben und sah ein großes Holzstück auf sich zukommen. Er schwamm zur Seite, war aber zu langsam und wurde von dem Holzstück in die Tiefe gerissen. Er wedelte mit den Händen und versuchte sich zu befreien, doch der Sog war zu stark. Plötzlich packte ihn jemand und rammte das Hozstück zur Seite. Leon erkannte Zoro, welcher ihn nach oben zog. Nach wenigen sekunden durchbrachen sie die Wasseroberfläche. Das Meer war immer noch aufgewühlt. Eine große Welle brach über sie herein, worauf sie sofort wieder untertauchten. Unter ihnen sah Leon Garados. Panisch schwamm er nach oben, während das Maschock hinabtauchte und zu einem sinkenden Mast schwamm. Er schnappte sich ein Seil, welches zum Segel gehört hatte und schwamm auf das näherkommende Garados zu. Die Seeschlange griff mit offenem Maul an und versuchte Zoro zu beißen. Dieser wich dem Kopf aus und wickelte das Seil darum. Garados schoss wütend nach oben. Als es die wellen durchbrach, griff Zoro nach Leon und zog ihn mit sich. Nun stand das Maschock auf dem Garados und ritt mit ihm durch die Wellen. Inzwischen brachen die dunklen Wolken auseinander und die Sonne kam durch. Der Regen ließ nach und die See beruhigte sich langsam. Das Garados aber raste immer noch zornig brüllend durch die Wellen. Es bremste plötzlich abrupt ab, wodurch Zoro nach vorne flog.
    Dann richtete die seeschlange sich zu voller Größe auf und schoss eine mächtige Wasserfontäne auf das Maschock ab. Zoro und Leon, der immer noch den kleinen Käfig in der Hand hielt, flogen weit davon und landeten schließlich im Wasser. Als sie auftauchten, hatte sich das Wasser wieder beruhigt und alles wirkte, als hätte es den Sturm nie gegeben. Die Sonne schien warm vom blauen Himmel und der Wellengang war schwach. Nun betrachtete Leon genauer und sah ein Vulpix darin liegen.
    "Wir müssen an Land", sagte er. "Das ist einfacher gesagt als getan", erwiderte das Maschock, "ich habe immer noch dieses Seil. Vielleicht können wir erneut etwas fangen." Zoro tauchte kurz unter und entdeckte ein großes blaues Wesen mit vielen spitzen Zähnen. "Oh, das wird lustig", bemerkte Zoro.
    "Was ist es?" "Ein Tohaido." Das Maschock lächelte.
    "Du bist verrückt", entgegnete Leon und grinste. Dann umklammerte er Zoros Rücken. Dieser tauchte hinab und näherte sich langsam dem großen Hai. Dieser registrierte ihn und schwamm neugierig näher. Als Zoro blitzschnell nach ihm Griff und das Seil um das Tohaido schlang, raste es los. Es schoss aus den Wellen und tauchte wieder hinab. Leon hatte sichtlich Mühe, nicht von Zoros Rücken gerissen zu werden. Der Wasserdruck war stark. So stark, das er ihn irgendwann doch wegriss. Zoro ließ das Seil los und tauchte mit Leon auf. Plötzlich sahen sie in der Nähe eine ungewöhnliche Insel.
    Sie schwammen darauf zu und landeten an einem breiten Strand. Erschöpft blieben sie eine Weile liegen. Als Leon sich erhob, sah er seltsame Bäume, welche nur aus einem schmalen Stamm und ein paar wenigen sehr großen Blättern bestanden. Weiter hinten ragte ein großer Berg in den Himmel hinauf.
    "Wo sind wir", fragte er sich. "Ich weiß nicht", antwortete das Maschock und ging durch den Sand. "Sehen wir uns mal um." Leon lief Zoro hinterher. Nach einer Weile sahen sie in der Ferne plötzlich ein Schiff, auf dem eine große Sonne prankte. "Das sieht aus wie ein Ordensschiff", bemerkte Leon.
    "Nein, nicht ganz", entgegnete Zoro, "der schwarze Drachenkopf in der Mitte der Sonne, das sind die Drachenjäger." "Ich dachte, wir treffen auf Einwohner, wenn überhaupt. Aber ausgerechnet sie", fluchte Leon, "die Elitejäger des Ordens." als sie näher kamen erkannte Leon Kuman. Er war breit gebaut und trug eine große Axt auf seinem Rücken. Vor wenigen Jahren gehörte er noch zu den Seefahrern. Aus dieser Zeit stammte auch sein Schiff. Die anderen Jäger waren Logan, Mira, Lian und Terna. Die ersten drei waren ehemalige Waldläufer. Terna war bis vor etwa einem Jahr Geisterjägerin. "Warum landen wir auf einer einsamen Insel und stoßen augerechnet auf sie", stöhnte Leon.
    "Komm, wir haben keine andere Wahl", entgegnete Zoro. "Nein, ich habe ein bessere Idee", erwiderte Leon, "wir folgen ihnen und schauen, was sie hier wollen." "bestimmt jagen sie einen Drachen", vermutete Zoro. "Ja, aber mich interessiert, was der Orden mit ihm vorhat. Schauen wir uns das Schiff mal an, wenn sie weg sind." Sie versteckten sich im Wald und sahen, wie die Drachenjäger sich auf den Weg in Richtung des Berges machten. Als sie weg waren, schlichen Leon und Zoro an Board. Sofort liefen sie in Kumans Kajüte, wo sie ein paar große Pergamente auf dem Tisch fanden.
    "Mal sehen", begann Leon, "ihr Auftrag ist ähnlich wie unserer. Dämonen einschläfern und dem Orden bringen. Und vor allem nicht töten." "Das wissen wir schon", bemerkte Maschock, "ähnlich, wie sie es auch bei mir versucht haben." "Aber warum sollen wir sie nicht töten. Und wohin bringen sie die Wesen?"
    Leon durchwühlte die Pergamente, doch er fand nichts besonderes.
    "Verdammt", fluchte er und ging zur Tür zurück. Als er sie öffnete, stand plötzlich ein großer breiter Mann vor ihnen.
    "Leon Rosbart, sieh an. Hast du wirklich geglaubt, du könntest dich mit einem Maschock im Busch verstecken, ohne gesehen zu werden?" "Ich bin schiffsbrüchig und suche etwas zu essen", sagte Leon und hob die Hände. "Ihr lügt, wo ist euer Schiff?" Kuman trat ein und schob Leon zur Seite. Zoro trat vor und Kuman hielt ihm seine Axt an den Hals.
    "Wag es ja nicht mich anzugreifen, Dämon! Bringt ihn unter Kontrolle, Leon!" "Maschock, setz dich", befahl Leon und Zoro gehorchte. "Ein Schiffsbrüchiger würde sich nicht vor seinen Rettern verstecken und sich dann auf sein Schiff schleichen", meinte Kuman. "Ich war nicht sicher, ob ihr es wirklich seid", entgegnete Leon. Kuman lachte.
    "Fesselt ihn und sperrt ihn ein. Das Maschock nehmen wir mit. Und...Oh, du hast ja sogar ein Vulpix dabei. Sehr praktisch gegen die Kälte auf dem Berg." "Lass dir nichts anmerken", hauchte Leon Zoro zu, während zwei Drachenjäger ihn fesselten und unter Deck brachten. Dann ging Kuman nach draußen und Maschock folgte ihm.
    "Lasst uns gehen. Keine Ahnung, wie er hergekommen ist, aber ich glaube nicht, das hier noch mehr Menschen sind." Dann brach die Gruppe mit Maschock und Vulpix auf. Mit ihren Schwertern hackten sie sich durch das Gestrüpp. Überall waren fremdartige Pflanzen, die die Jäger in Kanto noch nie gesehen hatten. Die Seeleute auf dem Schiff schienen weniger erstaunt über diese Welt gewesen zu sein. Während die Drachenjäger es kaum erwarten konnten, die Insel zu betreten, hatten die Matrosen ihr Schiff nicht einmal verlassen. Kuman vermutete, das es daran lag, das die Seeleute schon öfters hier gewesen sind. Langsam machte sich Erschöpfung breit, doch er ließ sich nichts anmerken.
    Er zerteilte weiterhin Büsche und Äste und setzte seinen Weg fort. Hin und wieder huschten seltsame Wesen durch das Gebüsch, die aussahen wie kleine Menschen mit Fell. Aber Kuman entdeckte auch viele Insekten. Manche sahen sogar denen in Kanto ähnlich. Am Abend erreichten sie den Fuß des Berges.
    "Hier rasten wir", schlug Kuman vor. Mira und Lian, ihr sammelt Holz. Logan und Terna, wir machen das Lager fertig." Nach etwa einer Stunde hatten sie mehrere Holzdächer und Liegen aus Gras und Blättern gebaut. Der Rand des Lagers war mit spitzen Ästen gesäumt, welche mit der Spitze nach außen ragten. In der Mitte des Lagers befand sich ein Haufen Äste, welcher entzündet werden sollte. "Logan, probiere das Vulpix mal aus", befahl Kuman. "Wie bringe ich es zum Feuer spucken", fragte Logan. "Am Hals sitzt das entsprechende Organ", erklärte Terna und drückte den Hals des Wesens kurz zusammen. Dieses begann plötzlich kleine Flammen zu husten. Die Flammen erreichten das Holz und brachten es zum brennen.
    "Lian übernimmt die erste Wache, danach Mira", schlug Kuman vor, "seht zu, das ihr morgen fit seid, der Aufstieg wird anstrengend." "Wie kommen wir am besten hoch", fragte Mira. "Laut der Eingeborenen gibt es in der Nähe einen Pfad. Den suchen wir morgen früh", erklärte Kuman. Die nacht verlief ereignislos, sodass die sich die Gruppe am nächsten morgen einigermaßen ausgeruht auf den Weg machte. Nach etwa einer Stunde Fußmarsch fanden sie den Pfad und begannen mit der Besteigung des Berges. Der steinernde Weg führte nach ein paar Metern recht steil nach oben, fiel allerdings später wieder etwas ab. Nach einiger zeit durchquerten sie eine Höhle, um am Ende wieder einem steilen Weg nach oben zu folgen. Als es schließlich kälter wurde, zogen die Jäger sich ihre dicken Rüstungen an, die sie vorher auf dem Rücken getragen hatten.
    "Hier oben ist es ziemlich still", stellte Mira fest, "nur der Wind heult ab und zu." "Kein Vergleich zu Dschungel", stimmte Logan zu. "Bald nähern wir uns dem Gipfel", bemerkte Kamun, als sie den ersten Schnee auf dem Pfad entdeckten. Schließlich, nach einem langen und anstrengenden Marsch, erreichten sie eine größere schneebedeckte Fläche, welche in einer Höhle endete. Inzwischen waren Wolken am Himmel und es hatte zu schneien begonnen.
    "Das muss es sein", meinte Kuman und zog sein Schwert. Er betrat die Höhle als erste und ließ das Vulpix Feuer spucken. "Keine Ahnung, wie lange das hält", murmelte er, "und besonders viel Licht bringt es auch nicht. Doch die Höhle endete schon nach kurzer Zeit. Am Ende saß ein etwa menschengroßes Wesen im Schneidersitz und sah sie an. Das Wesen erhob sich und rasselte mit seinem Schuppenpanzer. "Das ist es", meinte Kuman, "ein Grandiras."
    Plötzlich spie der Drache blaue Flammen aus. Kuman riss seinen Schild hoch und stürmte voran. Der Drache sprang hoch und schmetterte seine Faust gegen den Schild. Kuman sprang zur Seite und Logan sprang mit erhobenen Schwert an ihm vorbei. Das Grandiras drehte sich und traf Logan mit dem Schweif in die Seite. Dieser klatschte daraufhin gegen die steinernde Wand. "Das Netz", schrie Kuman und rannte auf den Drachen zu.
    Während dieser Kumans Schwerthieb abwehrte, kamen Lian und Terna von hinten mit dem Netz. Das Grandiras bemerkte sie, sprang zu Seite und schickte blaue Flammen in ihre Richtung. Im nächsten Augenblick tauchte Mira neben dem Drachen auf und rammte ihm das Schwert gegen den Rücken. Dort prallte es allerdings vom Brustpanzer ab. Das Grandiras streckte seinen Arm aus und traf Miras Brustpanzer. Diese krümmte sich und taumelte ein paar schritte zurück. Von der anderen Seite kamen Logan und Kuman. Der Drache drehte sich um die eigene Achse und peitschte beide Jäger mit dem Schwanz von sich weg. Den Augenblick nutzten Lian und Terna, um das Netz über den Drachen zu werfen, bevor dieser die Drehung vollendet hatte. Sie trafen und das Grandiras verhedderte sich im Netz. "Gut gemacht, Leute", lobte Kuman, "dann wollen wir es mal ruhigstellen."
    Er holte einen Trank aus seinem Beutel und flößte ihm dem Wesen ein. Dieses wurde langsam ruhiger und schlief ein. "Wir übernachten hier", meinte Kuman, "morgen früh müssen wir es vor dem Abstieg erneut einschläfern, das Zeug hält ja leider nicht ewig." "Es wird kälter", stellte Mira fest, "da kommt ein Schneesturm auf uns zu."
    "Wie kann das sein", fragte Logan, "diese Gegend ist viel zu warm für Schneestürme." "Wir müssen Feuer machen", bemerkte Lian und rannte zu dem Käfig, welcher in einer Ecke lag. Doch plötzlich fuhr ihm ein extrem kalter Wind durch die Glieder und ließ ihn erstarren. Terna, die etwas abseits stand, sah plötzlich etwas am Eingang. Ein großer blauer Vogel, von dem der eisige Wind auszugehen schien. "Beim Gott der Sonne", entfuhr es ihr, bevor auch sie erstarrte.


    Sina spürte einen kalten Schmerz in ihren Körper eindringen. Sie sah sich selbst zittern. Sie versuchte die Kontrolle zu übernehmen und Feuer zu spucken, doch es gelang ihr nicht. Sie hatte in den letzten tagen oft versucht, aus ihrem inneren Gefängnis auszubrechen, doch nie war es ihr auch nur ansatzweise gelungen. Und nun war ihr Körper dabei zu erfrieren. Sie spürte, wie die Kälte an ihr nagte und die Flamme, die in ihr loderte langsam schwächer wurde. Sina versuchte mit aller Kraft dagegen anzukämpfen. Auch ihr Körper wehrte sich gegen das Eindringen der Kälte.
    Ein eisig kalter Wind schnitt durch ihr Fell, bis sich ihre Haut taub anfühlte. Nach einiger Zeit hörte sie auf irgendetwas zu spüren und verlor das Bewusstsein. Die Flamme in ihr wurde immer kleiner. Sie wehrte sich gegen die Kälte, doch sie wahr zu schwach. Schließlich erlosch die Flamme und der blaue Vogel erhob sich mit einem lauten Schrei.
    Dann wurde es still. Sehr still. Der Schneesturm leget sich und der eisige Wind verschwand. Doch die Flamme blieb erloschen. An ihre Stelle trat etwas neues. Sina öffnete ihre Augen und bemerkte, das sie sich bewegen konnte. Doch etwas war anders als vorher. Ihr war nicht mehr kalt. Sie erhob sich und sah, das ihr Fell eine weiße Farbe angenommen hatte. Sie versuchte Feuer zu spucken, doch heraus kam ein kalter Hauch. Eiskristalle bildeten sich auf den Gitterstäben des Käfigs, die von der kalten Luft berührt wurden.
    "Was ist passiert", fragte sie sich. Unterdessen lösten sich auch die Jäger aus ihrer Starre. Einer nach dem anderen sank schlotternd zu Boden und fror. Das Grandiras setzte sich unter dem Netz langsam auf und sah sich um. Plötzlich sah Sina neben sich einen leuchtend blauen Stein aus der Wand ragen.
    Er erinnerte an Eis, hatte aber ein blaues Leuchten, wie ein Saphir. Sina betrachtete den merkwürdigen Stein und ging näher heran. Sie streckte eine Pfote nach ihm aus. Der Stein strahlte Kälte aus, doch irgendwie empfand sie diese als angenehm. Sie berührte den Stein und spürte plötzlich einen eiskalten Schock durch ihren Körper rasen. Wie vom Blitz getroffen wich sie zurück. Ihr Körper begann zu leuchten und sie spürte, wie sie mit Energie geflutet wurde. Plötzlich stieß sie mit den Gitterstäben zusammen. Es fühlte sich an, als würden diese sie zerquetschen, bis der Käfig nachgab und brach. Sina wuchs weiter. Ihre Beine wurden länger und auf ihrem Kopf wuchs eine lange weiße Mähne. Ihr gesamtes weißes Fell bekam einen bläulichen Glanz. Sina sah den Jägern entgegen, welche mit erhobenen Schwertern zurückwichen.
    Entsetzen stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Plötzlich wallte Zorn in ihr auf. Ein glühender Hass überkam sie. Sina ließ erneut eisige Winde durch die Höhle peitschen. "Schnappt euch den Dämon", rief plötzlich Kuman. Die Jäger setzen sich urplötzlich in Bewegung und rasten auf Sina zu. Mit ihren Schilden schützen sie sich gegen den eisigen Wind. Sina versuchte über sie hinwegzuspringen, prallte aber gegen ein schild und ging zu Boden.
    Mehrere Jäger drückten sie zu Boden und fesselten sie in einem weiteren Netz. Unterdessen lag das Grandiras zitternd im anderen Netz. Es fror stark und die graue farbe der haut war blass. Die Jäger zogen sie beide aus der Höhle hinaus durch den Schnee. Sina wollte erneut Eis spucken, doch jemand fesselte ihren Mund. Plötzlich sah sie ein Maschock, welches offenbar außerhalb der Höhle gewartet hatte. Es trat hinter zwei Jäger und schmetterte ihre Köpfe urplötzlich gegeneinander. Beide brachen sofort zusammen. Ehe die anderen drei Jäger sich umdrehten konnten, rammte das Maschock schon die nächsten beiden in den Schnee und warf sie anschließend gegen eine Wand. Kuman zog seine Axt und sprang nach hinten. "Wieso bist du nicht hypnotisiert", fragte er erschrocken. Zoro grinste. Er rannte zur Seite und schnappte sich die Schwerter von zwei Jägern, welche mit gebrochenen Knochen am Boden lagen. "Fehlt nur noch ein drittes für den Mund", bemerkte Zoro und lachte. Überrascht riss Kuman die Augen weit auf. "Du kannst sprechen?" "Schluss mit dem Unsinn", rief Zoro und rannte auf den Anführer der Drachenjäger zu.
    Kuman schwang seine Axt, doch geschwächt vom letzten Kampf hatte er keine Chance gegen Zoros Angriff. Als Kuman zu Boden ging, nahm er sich zwei Schwertscheiden und trug nun zwei Schwerter an der Seite. Anschließend befreite er das weiße Vulnona und das Grandiras. "Danke, das du mich befreit hast", begann das Grandiras, "wo kamst du plötzlich her?" "Das ist eine lange Geschichte", meinte Zoro, "wer bist du?" "Ich bin Turak, ich lebe auf dieser Insel. Vor Tagen kam ich hierher, um zu meditieren und um mich zu stärken. Plötzlich richtete sich Sina neben ihnen auf.
    "Oh, mein Kopf", stöhnte sie. Die Ordenspriester haben einen Dämon nahmens Simsala in ihrem Tempel, das dich hypnotisiert hat", erklärte Zoro, "wie so viele andere." "Ich weiß leider nicht wovon du redest", meinte Turak. "Ich erkläre es dir auf dem Weg", sagte Zoro und ging voran. "Warum bist du mit den Menschen zusamen", fragte Sina. "Ich und Leon, wir haben uns als Kinder im Wald kennengelernt. Seitdem sind wir Freunde." Nach langen Marsch kamen sie schließlich wieder am Strand an. "Und jetzt wollt ihr zurück nach Kanto segeln", fragte Turak. "Ja, ich habe vor meine Geschwister zu finden", erklärte Sina. "ich möchte mitkommen", meinte Turak, "setzt schonmal Segel, ich komme nach."
    "Wie...", begann Zoro, als Turak auch schon losrannte. "Ok", sagte Zoro und ging an Deck dort befreite er Zoro und erklärte ihm, was passiert war. Anschließend setzte er Segel und das Schiff verließ den die Bucht, in der es gestanden hatte. Während das Schiff Richtung offenes Meer segelte, sah Zoro die Küste entlang.
    Zwischen ein paar Felsen entdeckte er ein Loch, in das Wasser hineinfloss. Plötzlich schoss genau dort etwas hinaus. Zoro sah Turak auf einem käferartigen Wesen hocken, welches mit hoher Geschwindigkeit durch das Wasser sauste und schließlich im hohen Bogen an Board des Schiffes sprang.
    "Das ist Mek", erklärte Turak", er ist ein Tectass und kennt sich im Meer bestens aus." "Freut mich, euch kennenzulernen", sagte Mek. "Was ist das", fragte Leon verwundert. "Ein Tectass", erklärte Zoro, "es möchte mit uns kommen." "Okay, offenbar bin ich jetzt derjenige, der niemanden versteht", stellte Leon fest. Zoro lachte.
    "Jetzt merkst du mal, wie das ist, wenn man mit niemandem sprechen kann.", bemerkte er. Anschließend stellte sich Kapitän Leon Rosbart ans Steuer des Schiffes und nahm Kurs auf die Kanto-Region.

  • Kapitel 12 - Dämonen vom Silberberg


    Wie bei jeder Zeremonie saß Taro mit seinen Jagdgefährten in der ersten Reihe des Tempels, während die Dämonen den Flammen übergeben. Die Dämonen wurden von den Jägern eingeschläfert und bei lebendigem Leib verbrennen. So sollte sichergestellt werden, das die Seele des Dämons ebenfalls ausgelöscht wird. Das eigentliche Feuer war unter dem Tempel, nur ein Teil des Feuers war auf dem Altar zu sehen. So sahen die Zuschauer das Verbrennen der Dämonen nicht. Dadurch war die Veranstaltung auch für Kinder geeignet, welche von der Verbrennung Albträume kriegen könnte. Und in dieser von Geistern geplagten Stadt, wollte man für soviel Frieden wie nur möglich sorgen. Nach einer Weile traf der Priester ein. Während die ersten Dämonen auf den Altar gebracht und zur Schau gestellt wurden, hob er die Arme und startete die Zeremonie.


    Vorsichtig wagte sich Ben tiefer ins Innere der Höhle. Sein Schatten huschte im Schein der Fackel über die Wände. Der Gang in dem er sich befand stieg leicht an und führte offenbar tief in den Berg hinein. Ab und zu begegnete Ben ein paar Zubat, aber ansonsten schien es hier ruhig zu sein. Von den hunduster und Hundemon war bislang nichts zu sehen. Nach einer Weile erreichte Ben den Ausgang der Höhle. Er befand sich nun auf einem Plateau, einige Meter über den Bäumen.

    Von hier aus konnte man den ganzen Wald überblicken. Am Horizont entdeckte Ben Konturen von Häusern. Es musste irgendeine Stadt in Johto sein. Ben setzte seinen weg fort. Ein schmaler Pfad führte vom Plateau weg den Berg hinauf. Der Pfad war so steil, das Ben klettern musste. Nach einer Stunde erreichte er ein weiteres Plateau und blieb dort erschöpft liegen. Er atmete tief ein und aus und spürte die warme Sonne auf seinem Körper.

    Etwas weiter oben konnte Ben einen weiteren Eingang erkennen. Nach einer kurzen Pause kletterte Ben hinauf und betrat die zweite Höhle. Doch diese endete nach kurzer Zeit in einer Sackgasse. Ben fluchte und ging zurück ans Tageslicht. Er sah den riesigen Berg hinauf und machte sich an den Aufstieg. "Oben sehe ich bestimmt besser", dachte er sich. Der Fels führte relativ steil nach oben und Ben musste aufpassen wo er hintrat, um nicht abzurutschen. Nach einiger Zeit kam er auf einer großen Plattform an. Am Ende der riesigen Plattform, wo der Berg sich fortsetzte, lag der Eingang einer Höhle. Doch etwas stimmte nicht. Vor der Höhle lagen einzelne Knochen herum. "Das muss es sein", dachte Ben und zog sein Schwert.

    Er ging näher heran, wobei ihm ein fauliger Geruch entgegenschlug. Ben hielt sich die Nase zu und trat näher an den Eingang heran. "Was sind das für Knochen", fragte er sich. Als Ben die Höhle betrat, hörte er plötzlich ein Geräusch. Kurz darauf vibrierte der Boden. "Etwas kommt", stellte Ben fest. Das Geräusch klang wie ein lautes Stampfen und wurde immer lauter. Ben warf die Fackel in die Höhle, um zu sehen, was dort war. Als die Fackel gelandet war, entblößte ihr Licht ein Gesicht mit scharfen Reißzähne und langen gekrümmten Hörnern.


    "Gott der Sonne. Geheiligt seist du, der du uns gerettet hast, vor dem ewigen Krieg. Geheiligt seist du, der du uns hergeschickt hast, um im Frieden zu leben. Mögen alle Wesen die unseren Frieden stören von deinen Flammen vernichtet werden." Der Priester hob feierlich die Hände, während hinter ihm die ersten Dämonen durch das brennende Loch gestoßen wurden.


    "Hundemon", hauchte Ben. Das Wesen fauchte. Plötzlich hörte Ben wieder das stampfende Geräusch und ihm wurde bewusst, das es gar nicht aus der Höhle kam, sondern von hinten. Als er sich gerade umdrehen wollte, stürmte das hundemon auf ihn zu. Ben konnte nur mit einem beherzten Sprung zur seite den Fangzähnen des Dämons ausweichen. "Ich dachte, das Vieh schläft", knurrte Ben und stellte fest, das er seinen Schild vergessen hatte. Ehe er sich dafür verfluchen konnte, spuckte das Wesen Feuer. Ben wich dem Feuerstrahl aus und rannte nach draußen. Dort erwartete ihn ein riesiger grüner Dämon, dessen Rücken von gezackten Spitzen gesäumt war.

    "Verdammt", schrie Ben erschrocken und rannte zur Seite. Auch das Hundemon schien überrascht zu sein und stoppte am Höhleneingang. Der grüne Dämon sammelte plötzlich leuchtend gelbe Energie in seinem Mund und spuckte brüllend einen Strahl, welcher die Felsen über der Höhle wegsprengte.

    Aus der darauffolgenden Staubwolke sprang das Hundemon heraus und biss dem riesigen Wesen in den Arm. Während Ben Abstand zu dem Wesen nahm, dachte er an die Bücher, die er gelesen hatte. Er erinnerte sich an den Dämon. Es war ein Despotar. Ein Dämon, der höchstens von erfahrenen Drachenjägern gejagt wurde, wenn überhaupt. Inzwischen war das Hundemon wieder auf dem Boden gelandet und wich mehreren fliegenden Steinen aus, welche von Despotar durch die Luft geworfen wurden. Ben versteckte sich hinter einem Felsen und sah den Kampf mit an. Das Hundemon spuckte Feuer, doch das schien dem grünen Dämon nichts auszumachen. Es brüllte laut und plötzlich kamen überall Steinsäulen aus dem Boden.

    Das Hundemon war schnell und konnte ihnen ausweichen. "Es bringt mir nichts, wenn der Dämon tot ist ", stellte Ben fest. Unterdessen sprang das Hundemon an einer Säule hoch und flog auf das Despotar zu. Dieses erzeugte erneut einen gelben Energiestrahl und schoss den Feuerdämon damit zu Boden. Dieser jaulte laut auf und kam hechelnd auf die Beine. Despotar ließ erneut Felsen schweben und auf das Hundemon zurasen. Dieses war zwar immer noch schnell, allerdings erschöpfter als zuvor, sodass es schließlich von einem Felsen getroffen wurde. Das Hundemon ging zu Boden und schrie erneut auf. Es blutete an der Seite und humpelte etwas, als es sich aufrichtete. "Warum kämpfen diese Dämonen miteinander", fragte sich Ben.


    "Hiermit gedenken wir all unseren gefallenen Brüdern und Schwestern, die im Kampf gegen die Ausgeburten der Hölle ihr Leben gaben. Mögen wir sie auf ewig in Erinnerung behalten."


    Das Hundemon brüllte und wich erneut mehreren Felsen aus. Es sprang nach oben und spuckte Feuer. Doch erneut kümmerte dies das Despotar wenig. Es schmetterte das Hundemon weg, welches laut klatschend auf dem boden aufkam und dort liegenblieb. Plötzlich sah es Ben mit flehendem Blick direkt in die Augen, während das Despotar auf den Feuerdämon zustürmte.

    Das Hundemon versuchte sich aufzurichten, doch es brach zusammen.


    "Gesegnet seid ihr, tapfere Krieger. Ohne euch und eure Heldentaten hätte uns längst eine Armee dieser Monster überrollt. Denn diese kennen nichts als Krieg und Vernichtung."


    Der Feuerdämon blickte Ben erneut flehend an, während das Despotar brüllend näher kam. Das Hundemon jaulte laut auf, während es von einem Felsen getroffen wurde. Plötzlich sprang Ben aus seinem Versteck und rannte mit erhobenem Schwert auf den riesigen Dämon zu. Er zielte auf den Bauch, doch kurz bevor er dort ankam, traf ihn der Arm des Wesens. Ben blieb die Luft weg, als er durch die Luft flog und mit dem Rücken gegen einen Felsen krachte. Er stöhnte auf und rannte erneut auf den Dämon zu. Dieser warf mehrere große Steine, welchen Ben gerade so ausweichen konnte.


    "Die ewige Schlacht ist uns in die neue Welt gefolgt. Doch diesmal werden wir nicht fliehen. Diesmal schlagen wir zurück."


    "Ich muss höher", stellte Ben fest und rannte um Despotar herum. Dieses drehte sich, doch Ben bekam gerade so eine der Spitzen am Rücken zu fassen. Schnell kletterte er hinauf. Das riesige wesen versuchte ihn mit seinen Armen zu fassen, doch diese waren zu kurz. Als Ben beinahe den Kopf erreicht hatte, warf sich das Despotar nach hinten. Kurz bevor es auf dem Boden aufkam, sprang Ben ab und landete unsanft auf dem Boden. Er sah in einiger Entfernung das Hundemon unter dem Felsen liegen. Daneben stand eine weitere schwarze Gestalt, welche an dem regungslosen Körper des Hundemons schnupperte. "Ein Hunduster", stellte Ben fest. Plötzlich bebte die Erde und Ben sah, wie das Despotar sich aufrichtete. Ben rannte auf den kleinen Dämon zu und hörte ihn leise wimmern.


    "Heute feiern wir erneut eine Gruppe Helden, die ihr Leben geben, um für den Frieden zu kämpfen."


    Das Hunduster bemerkte Ben und begann zu knurren. Plötzlich bemerkte Ben aus den Augenwinkeln einen blendend hellen Energiestrahl. Er schnappte sich das Hunduster und wurde kurz darauf davongeschleudert. Es gab einen lauten Knall und Ben fand sich fliegend in einer riesigen Staubwolke wieder. Unsanft kam er auf dem harten Stein auf und schrie auf, als ihm spitze Steine in den Rücken schnitten. Ben rappelte sich auf und lief los, das zappelnde Hunduster in den Armen. In der Staubwolke konnte er den Schatten des riesigen Despotar erkennen. Er wandte seinen Blick von dem Despotar ab und blickte auf das Wesen in seinen Armen. Es biss ihm plötzlich in den Arm und Ben ließ schreiend los. Dann rannten beide den Weg entlang, über den das Despotar gekommen sein musste.


    "Denn sie sind die Jäger, welche diesen gefühlsllosen Bestien den Garauß machen."


    Schließlich erreichten sie einen Wald und huschten zwischen den Bäumen hindurch. Das Despotar schien ihnen nicht gefolgt zu sein. Es war vermutlich auch zu langsam. Schließlich kamen sie auf einer Lichtung an, wo beide erschöpft im Gras liegen blieben. Ben sah das Hunduster an. Seine Brust hob und senkte sich schnell. Ben betrachtete das schwarze Fell des Wesens und sah den traurigen Blick im seinem Gesicht. Das waren also die gefährlichen Wesen, die er jagen wollte. Das eine war wahrscheinlich tot und das andere lag mit ihm zusammen erschöpft im Gras. Er blieb eine Weile im Gras liegen und starrte die Sonne an, welche hoch über ihm stand.


    "Betet, das sie Erfolg haben. Denn sonst wird unsere Welt von Blut und Tod überzogen."


    Plötzlich fühlte Ben etwas an seinem Arm. Er erschrak und verspürte das Bedürfnis den Arm wegzuziegen, als er sah, dass das Hunduster darauf lag. Doch er tat es nicht. Ben streichelte das schwarze Fell des Hundusters mit seiner anderen Hand. Es war warm und weich. Die grauen Knochen, welche seinen Rücken überspannten fühlten sich hart an. Aber auch sie waren warm. "Was mache ich hier", fragte sich Ben, während das Hunduster sich näher an ihn kuschelte. Ben dachte, das er Panik bekommen müsste, bei diesem Dämon an seinem Körper, doch dies war nicht der Fall.

    Er wurde ruhiger und auch das Hunduster entspannte sich langsam. Nach einer Weile begann Bens Magen zu knurren und er setzte sich auf und holte einen Laib Brot aus seinem Rucksack. Das hunduster richtete sich ebenfalls auf und blickte ihn neugierig an. "Hier", sagte Ben und warf dem Wesen ein stück Brot hin. Das Hunduster aß das Brot sofort.

    "Du hast wohl auch Hunger, was", bemerkte Ben und aus irgendeinem Grund musste er lachen. Da saß er hier mit einem Wesen, das genauso wie er erschöpft und hungrig war. Ben holte noch mehr aus seinem Rucksack und aß gemeinsam mit dem Wesen, welches eigentlich als gefährlicher Dämon galt. Plötzlich musste Ben an das Vulpix denken. Das Wesen hatte ihn auch so angesehen wie Hunduster. Und angegriffen hatte es ihn auch nicht.

    "Ich glaube langsam, diese Welt ist wesentlich komplexer, als die Priester denken." Überrascht und neugierig sah das Hunduster ihn an. "Du verstehst nicht was ich sage, oder?" Ben lächelte. Daraufhin sprang das Hunduster ihn an und leckte ihm über das Gesicht. "Hey!" Ben schob das Wesen zur Seite. "Du bist kein bösartiger Dämon, oder?"


    Während der Priester auf dem Altar seine Rede hielt, wurden unter ihm die Dämonen aus den Flammen gezogen und in Käfige gesperrt. Dann wurden sie zu einem dürren gelben Wesen gebracht, welches mit Eisenketten an einer Wand gefesselt war. Simsala nannten die Priester es. Als das gelbe Wesen den Dämonen ihren Willen nahm, brüllte weiter unten eine sehr alte Kreatur.


    Das Hunduster setzte sich ins Gras und wedelte mit dem Schwanz. "Ich muss zurück nach Orania", stellte Ben fest. Als er losging, merkte er, das Hunduster ihm folgte.

    "Ich möchte dich nicht einsperren", sagte Ben, "andererseits brauche ich deine Hilfe." Das Hunduster bellte freudig und lief zwischen seinen Beinen hin und her. Als Ben weiterging, folgte es ihm. "Na gut, dann ist es entschieden", meinte Ben, "reisen wir gemeinsam. Wir müssten jetzt wieder auf der Kantoseite sein. Das heißt, wenn wir Richtung Abendsonne gehen, stoßen wir irgendwann auf das Meer", stellte Ben fest. Am Abend baute Ben ein kleines Zelt aus Ästen und das Hunduster machte etwas Feuer. Als der nächste Tag anbrach, gingen sie weiter. Gestern ging es die meiste Zeit steil bergab, doch inzwischen nicht mehr.

    Überall um sie herum waren große Bäume, zwischen denen Vögel umherflogen. Es waren immer noch dieselben Geräusche zu hören wie bei seiner Ankunft, doch irgendwie war Ben weniger misstrauisch als vor zwei Tagen. Er hatte seid ihrer Flucht nicht einmal sein Schwert gezogen. Es dauerte einen weiteren tag, bis sie das Meer erreichten. Und bis zum Mittag des darauffolgenden, bis sie die Stadtmauer von Orania sehen konnten. Erstaunt blickte Hunduster auf das offene Meer hinaus und wich bei jeder ankommenden Welle ein Stück zurück. "Dort ist der Hafen", bemerkte Ben und zeigte auf die Schiffe.

    Hunduster lief neugierig voraus. "Warte", rief Ben und holte das Wesen ein. Er holte ein Seil aus seinem Rucksack und griff nach Hunduster. Dieses knurrte und wich zurück. "Ich weiß, das gefällt dir nicht, aber es muss sein", entgegnete Ben. Er versuchte erneut, das Seil um Hunduster zu wickeln, doch dieses spuckte plötzlich Feuer und setzte das Seil in Brand. Ben ließ es vor Schreck fallen und seufzte. "Na schön. Und was jetzt?" Ben setzte sich in den Sand und sah auf das Meer hinaus.

    Unterdessen flitzte Hunduster um ihn herum und spielte im Sand. Ben beobachtete das spielende Wesen und fragte sich, wie man so etwas als Dämon bezeichnen konnte. Vor ein paar Tagen wäre ernoch mit einem Schwert auf Wesen wie dieses losgegangen, doch nun konnte er es nicht mehr. Der Kampf gegen Despotar hatte etwas in ihm verändert.

    "Es gibt so viel, was wir noch nicht verstehen", stellte er fest, "und dennoch glauben wir alles beherrschen zu können und unterwerfen es unser eigenen Wahrheit." Ben dachte an Gengar. Als er ihm und den schwebenden Schwertern gegenüberstand, war er sicher sicher, einen Dämon vor sich zu haben. Aber seit dem Kampf auf dem Berg kamen ihm Zweifel. Dann fasste er einen Entschluss. "Gengar und die Geister quälen die Menschen in der Stadt. Aus welchem Grund auch immer. Sie müssen vertrieben werden!"

  • Hey Phoenum,


    jetzt beginnt es langsam interessant zu werden. Nachdem Vulpix letztens eine doppelte Transformation durchgemacht hat, war schon abzusehen, dass es für Ben nicht mehr relevant sein wird, sollte er seinen Job erledigen wollen. Hundemon wurde schon etwas vorweggenommen, aber sein Auftauchen war überraschend. Der Kampf mit Despotar ebenfalls, dessen Übermacht du gut zur Schau gestellt hast. Wie aber auch am Ende des Kapitels angemerkt, passiert jetzt diese Veränderung, auf die du schon mehr oder minder seit Beginn der Geschichte hinarbeitest. Zu einem Teil war das schon mit Vulpix zu beobachten, aber nun mit dem geretteten Hunduster kommt das Ganze richtig in Fahrt und wer weiß, wie die anderen Jäger darauf reagieren werden. So ein Umbruch geht ja nicht von heute auf morgen und die Kirche wird ebenfalls noch ein Wörtchen mitzureden haben. Es bleibt spannend.


    Interessant ist übrigens auch, die Messe, die der Priester abgehalten hat. Es wäre nicht abwegig, wenn nun etwas Unvorhergesehenes passiert. Entweder mit dieser alten Kreatur oder Gengar wird befreit, was wohl ebenfalls nicht mehr lange dauern wird.


    Wir lesen uns!

  • Hier kommt nun mein bisher längstes Kapitel. Ab hier wird die Geschichte allerdings auch etwas brutaler. Funfact: Ben war eigentlich als Nebencharakter geplant. Er war ursprünglich nur dazu da, um Sina in die Stadt zu bringen. Eigentlich sollte der Waldläufer Taro seine jetztige Rolle spielen. Aber so war es irgendwie besser. Und jetzt viel Spaß mit dem nächsten Kapitel:



    Kapitel 13 - Der Sonnengott


    Ben und Hunduster hatten den ganzen Tag in der Nähe von Orania verbracht. Im Wald hatte das Wesen gezeigt, das es nicht nur Feuer, sondern auch seltsame schwarz-rote Wellen abfeuern konnte. Als die Nacht anbrach, schlichen sie durch den Hafen in die Stadt. Schnell liefen sie die große Treppe hinauf. Während Ben sich besorgt umsah, begutachtete Hunduster neugierig die Umgebung und kläffte mehrfach freudig. Zum Glück schien es aber niemand gehört zu haben. Sie liefen am Tempel vorbei und dann Richtung Jägerhaus.

    "Wo kommst du denn plötzlich her", rief plötzlich jemand, "und was ist das?"

    Ben sah sich um und erkannte Vincent, welcher mit gezogenem Schwert auf ihn zu ging. "Ich habe es geschafft. Ich habe ein Hunduster", rief Ben. "Das Vieh wird die ganze Stadt ins Verderben stürzen", entgegnete Vincent und kam schnell näher. Hunduster knurrte und stellte sich vor Ben. "Siehst du, es macht sich kampfbereit", bemerkte Vincent. Ben zog ebenfalls sein Schwert.

    "Das würde ich auch, wenn jemand versucht, mich zu töten", entgegnete Ben. "Stehst du jetzt auf deren Seite?" "Ich stehe auf meiner eigenen Seite." Vincent griff Ben an. Dieser blockte und konterte. "Was soll der Blödsinn? Bin ich schon wieder von einem Geist besessen, oder was?" "Diesmal von einem anderen Dämon, wie es scheint."

    Vincent holte erneut zum Schlag aus. Ben schlug ebenfalls zu, doch Vincent parierte. "Ich versuche mit ihm Geister zu töten", entgegnete Ben und blockte einen weiteren Schlag, ehe er erneut zuschlug. "Wir benutzen keine Dämonen. Wir kämpfen selber." "Und was ist mit den Pampross?" "Sie dienen dem Orden."

    Plötzlich begann Hunduster zu bellen. Im selben Augenblick kam ein Geisterjäger angerannt. "Der Kern! Etwas ist mit dem Kern", rief er. "Was ist mit ihm", fragte Vincent und rannte los. Ben folgte ihm. "Er wird rissig und glüht", rief der Jäger, während er auf sie zu lief.


    Es war dunkel im Thronsaal und an einem der Fenster stand eine einzelne dunkle Gestalt mir leuchtend roten Augen und einem breiten Grinsen. Gengar sah über die Stadt hinaus in den Wald. Früher hatten hier nur Bäume gestanden. Damals war Gengar diese Welt langweilig vorgekommen, doch seit die Menschen hier ihre Stadt errichtet hatten, war es viel interessanter. Hinter ihren dicken Mauern fühlten sich die Menschen sicher und dennoch war er hier und raubte ihnen den Schlaf.

    Es waren fünfhundert Jahre seid der Ankunft vergangen. Fünfhundert Jahre, in denen sie sich in dieser Welt ausgebreitet und Machtzentren errichtet hatten. Machtzentren wie diese Stadt. Die Sonne war schon fast am Horizont verschwunden. Etwa ein drittel war noch zu sehen. "Gleich ist es soweit", dachte er. Die Geisterjäger hatten über dreitausend Geister eingesperrt in einen Stein. Doch wie Wasser in einem Becher läuft alles irgendwann über. Die Sonne verschwand am Horizont und Gengars Grinsen wurde noch breiter. "Es beginnt!"


    Als die Jäger den Keller erreichten erstrahlte der Raum bereits im lilafarbenen Licht. Das Licht kam aus den Ritzen des Spiritkerns, welche immer weiter wuchsen. "Raus hier", schrie Vincent plötzlich, "das Ding fliegt uns gleich wahrscheinlich um die Ohren!" Die Jäger waren gerade durch die Tür ins Freie hinausgetreten, als es plötzlich knallte und ein breiter Strahl durch das Dach des Hauses brach und in den Himmel hinausschoss.

    "Was ist das" rief Ben und blickte hinauf. "Dreitausend Geister nehme ich an", entgegnete Vincent, "offenbar haben wir zu viele Geister in das Gefäß gebannt!" Plötzlich teilte sich der Strahl auf und überall tauchten einzelne Geister auf. "Kryppuk", riefen sie. "Was haben wir getan", hauchte Vincent und starrte hinauf. Die Geisterjäger zogen ihre Schwerter, als mehrere Geister auf sie zuhielten. Die restlichen Geister sausten in alle Richtungen in die Nacht hinaus.

    Manche hielten auf die Häuser zu und schossen durch die Gassen und manche flogen in die Wälder und verschwanden in der Tiefe der hereinbrechenden Nacht. Inzwischen kamen auch die Waldläufer aus ihren Häusern und beobachteten entsetzt, was sich im Himmel abspielte. In der Stadt waren erste Schreie zu hören.

    "Komm", rief Ben, "es wird Zeit, Gengar zu besiegen!" "Ja, wenn wir es jetzt nicht schaffen, können wir ohnehin von vorne beginnen." Plötzlich kam Bromar auf sie zu "Was ist hier los", fragte er. "Das wissen wir noch nicht genau", erklärte Vincent. Fest steht, das Gengar dahinterstecken muss. Wenn wir ihn heute nicht töten, war alles umsonst." "Verstehe, wir begleiten euch diesmal", antwortete Bromar. Anschließend liefen die Geiserjäger und die Waldläufer zum Palast. Bromar trat die Tür ein. "Wir haben keine Zeit zum anklopfen", erklärte er. Dann rannten die Jäger zum Thronsaal. Ben und Hunduster liefen hinterher. Als sie die Doppeltür öffneten, sahen sie die schwebenden Schwerter, sogenannte Gramokles, vor sich.

    Der Thronsaal wurde von geisterhaften Flammen erhellt, welche an der Decke und den Wänden hingen. Hinten saß Gengar auf dem Thron und grinste zufrieden. Die Waldläufer, welche diese Geister zum ersten Mal sahen, wichen erschrocken zurück. "Ganz ruhig, Leute", mahnte Bromar und betrat vorsichtig den Raum.

    Noch standen die Schwerter starr und unbewegt in der Luft. "Schilde", rief plötzlich Vincent, als plötzlich geisterhafte Pfeile auf sie zuschossen. Draußen vor dem Fenster waren wieder die Silvarro postiert.

    Die Pfeile trafen einige überraschte Waldläufer und bromar wich überrascht zurück, als die Pfeile an ihm vorbeisausten. "Zum Angriff", rief er und rannte los. Jetzt lösten sich die Gramokles aus ihrer Starre und griffen ihrerseits an. Ben und Hunduster umrundeten die Kämpfenden und griffen von der Seite aus an.

    "Hunduster, Flammenwurf", rief er und das schwarze wesen gehorchte aufs Wort. Flammen schossen aus seinem Maul und die schwebenden Schwerter schwebten zur Seite. Erschrocken starrten die Jäger das Hunduster an. "Keine Sorge, es ist auf unserer Seite", meinte Ben. "Jetzt, Finsteraura!" Während die Gramokles sich zum Angriff sammelten, sandte Hunduster mehrere schwarze Wellen aus, welche auf die Geister trafen und sie durch den Raum wirbelten.

    Damit hatten sie offensichtlich nicht gerechnet. Ben rannte an Hunduster vorbei und trat nun Gengar gegenüber. Die Miene des Geistes verfinsterte sich. Während die Gramokles sich aufrappelten, erhob sich Gengar und erzeugte einen schwarzen Ball. Ehe Ben ausweichen konnte, flog der Spukball auf ihn zu. Doch plötzlich schoss ein Feuerstrahl an ihm vorbei und lenkte Gengars Attacke ab. Hunduster sprang vor Ben und knurrte. Unterdessen griffen die Jäger die Gramokles an, welche sich bereits wieder sammelten. Plötzlich schossen weitere Pfeile durch das Fenster und trafen mehrere Jäger. "Hunduster, Finsteraura", rief Ben.

    Hunduster stieß erneut Wellen aus, doch Gengar wich nach oben aus und verschwand urplötzlich.

    Plötzlich vernahm Ben etwas kaltes hinter sich. Er zog sein Schwert und schnellte herum. Doch das Gengar verschwand erneut und Ben hörte einen Schrei. Er sah, wie Gengar Hunduster durch den Raum schleuderte.

    Als dieses auf dem Boden aufkam, rappelte es sich direkt wieder auf und stieß Flammen aus. Gengar wich ihnen geschickt aus und spuckte dieses Mal eine große Ladung Gift.

    "Vorsicht Hunduster", schrie Ben, als die riesige Matschbombe auf den Boden auftraf. Hunduster konnte gerade noch zur Seite springen und traf Gengar im nächsten Augenblick mit einer Finsteraura.

    Der Geist wich zurück und Ben schnellte mit seinem Schwert vor. Doch er traf ins Leere, da Gengar sich sofort wegteleportierte und über dem Thron wieder auftauchte. Plötzlich huschten mehrere Gramokles an den Jägern vorbei und schossen auf Ben zu. Dieser parierte und sprang zur Seite. Dabei traf er eines der Schwerter am Auge, welches sich am Schwertgriff befand. Daraufhin verwandelte sich das Gramokles in einen Schemen und verschwand in seinem Schwert.

    "Jäger, zielt auf die Augen", schrie Ben und konzentrierte sich auf zwei weitere Gramokles. Eines parierte er mit seinem Schwert, das andere wurde von Hundusters Flammenwurf getroffen und ging zu Boden.

    Ben verbannte es, riss sein Schwert hoch und traf mit der Spitze das Auge des zweiten Gramokles. Plötzlich schoss Gengar auf ihn zu. Hundusters schwarz-roten Wellen wich es gekonnt aus und spuckte einen schwarzen Ball aus. Ben wehrte ihn mit seinem Schwert ab. Plötzlich verschwand Gengar und tauchte direkt hinter ihm wieder auf. Dort stieß es Ben seine eiskalte Faust in den Rücken. Ben schrie auf und ging zu Boden. Hundurus sprang über ihn hinweg und biss gengar mit den Zähnen. Dieses zischte und teleportierte sich weg. Dann kam plötzlich von oben eine riesige Matschbombe. Ben sprang auf, schnappte sich Hunduster und rannte zur Seite. Dann warf er das Wesen hoch. "Jetzt Hunduster, Finsteraura!" Die schwarz-roten Wellen trafen Gengar und warfen ihn zu Boden. Ben machte einen Satz nach vorne und rammte sein Schwert in den Geist hinein.

    Dieser schrie laut auf und wurde anschließend vom Schwert eingesogen. "Endlich", dachte Ben und wandte sich den anderen Jägern zu. Die Gramokles hatten die Jäger in Bedrängnis gebracht.

    Viele lagen bereits verletzt am Boden. Ob sie noch lebten konnte Ben nicht erkennen. Schnell lief er zu den Fenstern und griff die fliegenden Schwerter von hinten an. Er erwischte zwei am Auge und verbannte sie, ehe die anderen Geister auf ihn aufmerksam wurden. Von draußen erklang plötzlich ein Geräusch. Aus den Augenwinkeln heraus bemerkte Ben einen Pfeil auf sich zurasen. Im nächsten Augenblick schoss ein heller Feuerstrahl aus dem Fenster nach draußen und traf ein Silvarro, welches schreiend davonflatterte. Dann sah Ben, das Hunduster sich zwischen ihn und den Pfeil geworfen hatte und zu Boden ging. Der Pfeil löste sich auf, als das Wesen auf dem Boden aufprallte.

    An seinem Bein wo der Pfeil aufgeprallt war klaffte nun eine kleine Wunde, welche das Hunduster allerdings nicht allzu sehr zu stören schien. Es sprang auf, brach allerdings sofort wieder zusammen.

    Knurrend richtete es sich erneut auf und humpelte auf Ben zu. Dieser parierte gerade ein fliegendes Schwert, welches nur Seku nden später von Vincent verbannt wurde, welcher plötzlich aufgetaucht war. "Gengar ist besiegt", rief Ben. Vincent richtete ihm sein Schwert entgegen. "Nein, Dämonenfreund. Du hast es in deinem Schwert und könntest es jederzeit freilassen." "Das ist doch Unsinn", entgegnete Ben. Während die letzten Gramokles verbannt wurden und die Silvarro verschwanden, tauchte plötzlich König Richard im Thronsaal auf. Sein überraschter Blick fiel auf das schwarze Wesen, welches Vincent anknurrte. "Was ist das für ein Dämon?" "Dieses Wesen hat geholfen, Gengar zu besiegen", erklärte Ben.

    "Tötet es", befahl der König mit kühler Stimme, "genauso wie jedes andere, das es wagt, uns zu quälen. " "Es quält niemanden", entgegnete Ben. "Wer seid ihr, dass ihr das beurteilen könnt", sagte der König nun lauter und mit Zorn in der Stimme. "Er ist ein Freund der Dämonen", meinte Vincent, "er hat dieses Ding dort in die Stadt gebracht." "Du hast schon wieder einen Dämon in unsere Stadt gebracht", fragte der König entzürnt. "Was bezweckst du damit? Warum strebst du unsere Vernichtung an? Tötet ihn ebenfalls. Und ich möchte keine lebendigen Dämonen mehr in meiner Stadt sehen." "Mylord, dieses Wesen hat Gengar besiegt", entgegnete Ben. "Es ist nicht tot. Es ist nur in deinem Schwert. Im Schwert eines Verräters", rief König Richard, "schnappt ihn!" Ben sprang rückwärts von Vincents Klinge weg.

    Eher dieser nachsetzen konnte, schnappte Ben sich Hunduster und lief los. Er rannte am König vorbei Richtung Ausgang, doch dort waren berewits mehrere Palastwachen aufgetaucht. Ben machte eine Kehrtwende und rannte am Thronsaal vorbei einen hohen Gang entlang. Einzelne Fackeln erhellten die weißen Wände. Hinter ihm rief Vincent ihm etwas entgegen. Er und mehrere Jäger waren ihm auf den Fersen. Vor Ben lag eine Treppe, die nach oben führte.

    Er rannte hinauf. Oben angekommen konnte er auf einer Seite hinter großen Fenstern den Tempel sehen. Doch er hatte keine Zeit zum verschnaufen, da die Jäger bereits hinter ihm auftauchten. "Bleib stehen, Ben! Das hat doch keinen Sinn", rief Vincent hinter ihm. Plötzlich warf jemand einen Speer, dem Ben mit eine m Sprung zur Seite ausweichen konnte. Ein Jäger holte einen weiteren Speer hervor. Bevor dieser ihn jedoch werfen konnte, hechtete Ben in einen Seitengang. Auf beiden Seiten waren Fenster. Der Gang führte offenbar vom Palast zum Tempel. Am Ende des Ganges war eine hölzerne Tür. "Sackgasse", fluchte Ben und warf sich dagegen. Doch die Tür hielt stand. "Hier endet es also", bemerkte Vincent, welcher mit erhobenen Schwert auf ihn zuging. Ben zog ebenfalls sein Schwert. Im Dunkeln waren sie beide schlecht zu sehen.

    Nur die Jäger hinter Vincent standen noch komplett im Fackellicht. Plötzlich öffnete sich die Tür hinter Ben und ein Priester trat heraus. Im gang hinter ihm flackerte das Feuer einer Fackel. Während Ben herumfuhr, huschte der Priester wieder zurück und versuchte, die Tür wieder zu schließen. Doch er war zu langsam. Ben war sich vor die Tür und stolperte in den Gang dahinter. Der Priester schrie auf, als er von der Tür beiseitegestoßen wurde.

    "Es ist verboten, diesen Bereich zu betreten", rief er Ben nach. Die Jäger wollten ihm folgen, doch der Priester hielt sie auf. "Auch für euch ist dieser Bereich tabu." "Er steht mit den Dämonen im Bunde", entgegnete Vincent. "Keine Sorge, Jäger", meinte der Priester. Unsere Wachen werden sich um ihn kümmern. Ihr habt gute Arbeit geleistet. Nun geht." Die Jäger verneigten sich kurz. "Möge der Sonnengott euch helfen", sagte Vincent.

    Dann schloss der Priester die Tür und schlug Alarm. Aus mehreren Räumen schossen schwarze Gestalten mit langen metallenen Armen und einer dicken Panzerung. Kaum hörbar liefen sie durch die nachtschwarzen Gänge. Ben hatte sich eine Fackel geschnappt und mit Hundusters Hilfe entzündet. Das Fell des Wesens fühlte sich warm und weich an, während es auf seinem Arm lag. An der Schusswunde hatte sich bereits eine Kruste gebildet. "Die Verletzung heilt schnell", stellte Ben fest.

    Er lief durch mehrere Gänge un ein paar treppen hinab, als Hunduster plötzlich unruhig wurde. "Was ist los", fragte Ben, als das Wesen plötzlich von seinem Arm sprang und in die Dunkelheit des Ganges hineinbellte. Plötzlich traf Ben etwas hartes in der Seite. Er schrie laut auf, während er gegen die Wand flog und stöhnend zu Boden ging. Die Fackel fiel ihm aus der Hand und rollte über den Boden. Ben sah sich um, doch er sah niemanden außer Hunduster, welcher plötzlich einen Flammenstrahl den Gang entlang schickte. Dann sah er sie. Zwei graue metallene Krieger mit einer Art rotem Helm und Stahlklingen statt Hände. Doch als die Flamme erlosch, verschwanden sie wieder in der Dunkelheit. Im nächsten Augenblick schoss ein drittes Wesen hervor.

    Doch diesmal konnte Ben es an den Armen packen und starrte geradewegs in die leer wirkenden Augen des Wesens. Er stieß es beiseite, schnappte sich die am Boden liegende Fackel und rannte los. "Lauf", rief er Hunduster entgegen. Dieses rannte ebenfalls los und hielt die grauen Metallkrieger mit Feuer auf Abstand.

    Sie rannten eine weitere Treppe hinab, welche in den Keller führte. Hunduster hechelte und seine Flammen wurden kleiner. Dies nutzten die Metallkrieger, um näher zu ihnen aufzuschließen. Der steinernde Gang endete in einem großen Runden Raum, in dem viele verschiedene Dämonen in Käfigen standen und wie die metallenen Wesen ausdruckslos vor sich hin starrten. "Was geht hier vor", fragte sich Ben. Doch viel Zeit zum Nachdenken blieb nicht. Ben zog sein Schwert und parierte den Arm eines metallenen Dämons. Er rannte weiter, bis plötzlich mehrere Wellen auf ihn zu schoss.

    Hunduster konterte sie mit seiner eigenen Finsteraura. "Sind da auch Unlichtwesen", fragte sich Ben. Die drei Krieger sprangen nun zu dritt auf ihn zu. Ben parierte erneut einen Arm, wurde aber von einem weiteren getroffen und flog gegen eine halboffene Tür. Ächzend erhob er sich und erblickte ein gefesseltes gelbes Wesen, welches unentwegt zwei Löffel anstarrte, die es vor sich hielt. Plötzlich bauten sich die drei Krieger vor ihm auf. "Ich habe keine andere Wahl", dachte Ben und aktivierte die Runen seines Schwertes.

    Mit einem lauten Schrei schoss Gengar aus dem Schwert und prallte gegen die drei Wesen, welche erschrocken nach hinten prallten. Ben nutzte den Moment und rannte durch den Raum. Er endete vor einem großen Tor, welches von mehreren dicken Holzbalken gestützt wurde und ziemlich stabil aussah. Ben fluchte und rannte auf das gelbe Wesen zu. Er befreite seine Fesseln und das Wesen erhob sich schreiend aus seiner Starre. Dann blickte es sich panisch um und rammte Ben.

    Noch wären er nach hinten flog, trübte sich sein Blick. Nach nichtmal einer Sekunde war alles schwarz. Als Ben wieder etwas sehen konnte, bemerkte er, das er auf dem Boden lag. Vor ihm war wieder das schwere Tor.

    Aber etwas stimmte nicht. Die Holzbalken fehlten. Ben erhob sich und erblickte einen runden mit Fackeln erleuchteten Raum In der mit lag ein riesiges weißes Wesen, welches von schweren Fesseln am Boden gehalten wurde. Als Ben das gesicht des Wesens sah, erschrak er und glaubte seinen Augen nicht zu trauen. "Solgaleo", hauchte er, "Gott der Sonne!" Neben Solgaleo stand das gelbe Wesen und sah Ben erwartungsvoll an. "Ich verstehe das nicht", stammelte Ben. "Wie ist das möglich?"

    Plötzlich hörte Ben eine Stimme in seinem Kopf. "Er hat euch hierher gebracht, als ihr aus eurer vom Krieg zerstörten Welt geflohen seid. Doch jene die nach Macht gieren, haben ihn verraten. Befreit ihn." "Wer bist du", fragte Ben. "Das ist nicht relevant", entgegnete die Stimme in seinem Kopf. Ihr könnt froh sein, das ich euch nicht einfach töte." "Ich habe euch befreit", entgegnete Ben. Das gelbe Wesen grinste. "Ihr hattet keine andere Wahl. Missversteht mich nicht. Ich bin euch dankbar für die Befreiung, aber dennoch habe ich sehr unter euresgleichen gelitten." "Ich verstehe", sagte Ben und sah sich um.

    "Wie löst man die Fesseln", fragte Ben. "Das entzieht sich meinem Wissen", antwortete das gelbe Wesen. "Vielleicht kann Hunduster sie schmelzen", vermutete Ben. "Ich hole es", sagte das gelbe Wesen und verschwand. Plötzlich erwachte Solgaleo und blickte Ben flehend an. "Keine Sorge, es wird alles gut", meinte er. Das Wesen erwiderte nichts, sondern sah ihn weiterhin an. Das gelbe Wesen tauchte wieder auf und legte einen schwarzen Haufen ab, welcher sich als Hunduster entpuppte.

    "Hunduster, geht es dir gut", rief Ben und rannte zu ihm. "Es ist offenbar sehr erschöpft", stellte das gelbe Wesen fest. "Weiter hinten waren Käfige", meinte Ben, "vielleicht sind dort noch mehr Feuerwesen." Das gelbe Wesen verschwand und kehrte kurz darauf mit zwei Vulnona zurück. Sie sind von mir hypnotisiert worden, wie viele andere auch."

    "Warum", fragte Ben. "Ich weiß es nicht", antwortete das gelbe Wesen, "aber wir können ihnen Befehle geben, auch wenn es mir wiederstrebt. Ihre Namen sind übrigens Lana und Marian." "Sie tragen Namen", fragte Ben. "Du doch auch", bemerkte das gelbe Wesen. "Das Hunduster heißt Toran." Nach einiger Zeit hatten die Vulnona die Ketten geschmolzen, doch das Solgaleo bewegte sich immer noch nicht. Es versuchte sich zu bewegen, doch es wirkte kraftlos.

    "Irgendetwas stimmt noch nicht", bemerkte Ben und ging um das weiße Wesen herum. Dann entdeckte er plötzlich etwas unter dem Wesen. "Da ist etwas drunter", meinte er. Das gelbe Wesen richtete sich auf und ließ Solgaleo schweben. "Erstaunlich", hauchte Ben und wagte sich langsam und vorsichtig unter Solgaleo. Dort war ein leuchtender Kristall, der einem Spiritkern ähnelte. "Vermutlich stielt dieser Stein Energie", mutmaßte ben. Er zog sein Schwert und zertrümmerte den Kristall. Die darauffolgende Explosion warf ihn zurück und er prallte gegen die Wand. Während helles Lichtihm die Sicht raubte, hörte er Solgaleo brüllen.

    Als das blendende Licht verblasste, sah Ben Solgaleo in Flammen stehen. "Wir müssen hier raus", hörte Ben die Stimme des gelben Wesens. Ben rannte los, schnappte sich das Hunduster Toran und ereichte nur kurze zeit später das gelbe Wesen, welches sich bereits aufgerichtet hatte. Die beiden Vulnona saßen neben ihm. Plötzlich stieg die Raumtemperatur stark an. Die Sicht verschwamm wie beim letzten Teleport vor Bens Augen, während sich der Raum in Flammen hüllte.

    Nur wenige Augenblicke später Ben an einem anderen Ort. Über sich sah er den Mond und die Sterne. Vor sich war die Stadtmauer, auf der noch vereinzelt geisterhafte Lichter tanzten. Pötzlich spürte Ben ein lautes Beben. Danach gab es einen ohrenbetäubenden Knall, auf den ein Feuerstrahl folgte, welcher wie ein Blitz zum Himmel hinaufschoss.

    An der Spitze des Strahls war Solgaleo. Am Himmel öffnete sich plötzlich ein seltsames Portal, in dem das Wesen verschwand. Nachdem sich das Portal in Luft aufgelöst hatte, wurde es wieder still und Ben sah auf die brennenden Stadt. "Was habe ich getan?"

  • Kapitel 14 - Schmerz und Hass


    Es war früher morgen, als Vincent durch die Trümmer des Tempels lief. Er hätte Ben doch folgen sollen. Oder besser, ihn nie befreien dürfen. Sie waren gerade dabei Geister in der Stadt zu bekämpfen, als es passierte. Ein gigantischer Feuerstrahl sprengte den Tempel in Stücke und riesige brennende Trümmerteile regneten auf die Stadt hinab. Sie zerstörten Häuser und setzten die umstehenden in Brand. Seit Stunden waren die meisten mit löschen beschäftigt gewesen. Inzwischen waren die letzten Flammen gelöscht und es wurde fieberhaft nach Überlebenden gesucht. Auf der Straße waren bereits mehrere Karren mit Leichen. Vincent hatte sich von all dem dem Leid entfernt und war zum Tempel gegangen. Nichts als schwarze Trümmer waren von ihm übrig geblieben. Der Palast und die Häuser der Jäger lagen ebenfalls in Schutt und Asche.

    "Was hast du getan, Ben", fragte sich Vincent. Während Vincent durch die Asche schritt, näherten sich Taro und Ann. "Komm, Vincent, wir begraben die Leichen vor der Stadt", sagte Taro. "Ich möchte lieber nicht dabei sein", entgegnete Vincent. "Wer möchte das schon", seufzte Ann, "du gibst dir selbst die Schuld, oder? Du konntest es nicht wissen."

    "Ich habe ihn ausgebildet", meinte Vincent und ließ sich auf einen Stein fallen. "Was er getan hat war unverzeilich, aber wir müssen jetzt nach vorne schauen", sagte Taro. Vincent erhob sich wieder. "Wenn er noch lebt, bringe ich ihn um!"

    "Er liegt wahrscheinlich unter den Trümmern begraben bemerkte Ann. "Ich bin nicht sicher", meinte Taro, "dann hätte die Tat doch wenig Sinn gemacht." "Vielleicht haben die Dämonen ihm nur etwas vorgespielt", vermutete Ann. "Wenn, dann geschieht es ihm recht", meinte Vincent. Sie verließen die Trümmer des Tempels und stiegen die große Treppe hinab. Auf der breiten Straße folgten sie dem zug der Trauernden. "All die Leichen", bemerkte Ann, "wie kann man nur derart grausam sein." "Wir müssen die Dämonen endlich vernichten", meinte Taro. "Das war ein Schlag ins Herz der Stadt", sagte Vincent und ballte seine Fäuste, "doch wir werden zurückschlagen und siegen. Möge der Zorn des Sonnengottes auf die Dämonen niederfahren!"

    Sie verließen das Stadttor und gingen an der Außenmauer entlang, bis sie an der Küste ankamen. Von dort aus ging es durch ein kleineres Tor zurück in die Stadt. Hier befand sich eine kleine Kapelle und ein Friedhof, wo bereits neue Gräber ausgehoben wurden. Man hätte diesen Ort zwar auch auf anderem Weg erreichen können, allerdings war dieser von Trümmern versperrt.

    Vincent sah, das viele Menschen Verletzungen davongetragen hatten. Viele trugen Verbände, oder liefen mithilfe von Krücken oder wurden von anderen gestützt. Auf einem Hügel standen die Priester, die in der Kapelle arbeiteten und sprachen ein Gebet. Alle anderen Priester hatten sich im Tempel aufgehalten und waren tot.

    Ebenso die verletzten Jäger, die nach dem Kampf gegen Gengar und seinen Schergen im Palast versorgt wurden. Die Leiche von König Richard wurde vo wenigen Stunden auf dem Dach eines Hauses gefunden. Nach der Trauerzeremonie gingen die übriggebliebenden Jäger zur großen Treppe und diskutierten miteinander. In der Stadt wurde es jetzt zunehmend lauter. Niemand wusste so recht, wie es jetzt weiter gehen sollte und ob sie überhaupt noch eine Chance gegen die Dämonen hatten.

    "Wir müssen das Vertrauen der Menschen in uns wiederherstellen", meinte Bromar, der Anführer der Waldläufer. "Vertrauen in was", fragte Vincent, "Der Tempel wurde zerstört und die meisten Waldläufer und Geisterjäger sind tot. Der König auch. Wir haben nichts mehr." Plötzlich versammelten sie die Bewohner der Stadt hinter ihnen.

    "Die Menschen wollen Antworten", bemerkte Taro. "Und sie werden sie bekommen", sagte Bromar und trat aus der Jägergruppe heraus. "Bewohner von Orania", rief Bromar, "letzte Nacht hat der Feind einen Dolch ins Herz unserer Stadt gerammt. Doch wir werden nicht aufgeben. Denn der Sonnengott kämpft mit uns." Bromar hob seine Faust, doch der Jubel blieb aus.

    Die Menschen sahen ihn mit traurigen und hoffnungslosen Blicken an. Schon lange lebten sie nachts in Furcht vor den Geistern und jetzt war die Stadt zum Teil zerstört. Das meiste, was nicht von den Trümmern getroffen worden war, war in Flammen aufgegangen. Die Dämonen hatten ihnen alles genommen. Zu stark schien nun die Bedrohung, welcher sie sich gegenübersahen.

    "Was sollen wir tun", fragte jemand. "Zuerst räumen wir auf", schlug Bromar vor, "und dann brennen wir die Wälder nieder in denen sie sich verstecken und treiben sie aus ihren Löchern heraus. Sie mögen uns einen Schlag versetzt haben, doch besiegt sind wir noch lange nicht!"


    Das gelbe Wesen musste eine Weile suchen, bis es die Höhle hoch oben am Silberberg fand. Das Wesen, das von den Menschen später als Simsala bezeichnet werden würde, hatte eine kleine Verletzung, welche es bei der Rettung von Hunduster von den metallenen Kriegern zugefügt bekommen hatte, die man später als Caesurio bezeichnen würde.

    Das Simsala betrat die Höhle. Die Finsternis, die ihm entgegenschlug, machte ihm nichts aus, da es ihm dunkeln sehen konnte. Tief im inneren ließ Simsala sich nieder und begann zu meditieren und Kraft zu sammeln.

    Nach Jahrhunderten in Gefangenschaft war es endlich wieder zu klaren Gedanken fähig. Was war nur aus der Welt geworden, die für den Frieden geschaffen worden war, nicht für den Krieg. Simsala konzentrierte sich und ließ seinen Blick in die Zukunft schweifen. Was es sah war wie immer sehr unscharf und nur schwer zu deuten. Doch eine Erkenntnis wuchs in dem Wesen heran. Es würde alles noch viel schlimmer werden.


    Das gelbe Wesen war verschwunden. Die beiden Vulnona, welche aus ihrer Hypnose erlöst worden waren, waren ebenfalls weg. Sie hatten ihn kurz neugierig gemustert, ehe sie im Wald verschwunden waren. Seit Stunden saß Ben mit Toran im Gras und beobachtete die dicken Rauchsäulen über der Stadt. Mehrfach war er eingeschlafen, doch Albträume von Feuer und schreienden Menschen hatten ihn wieder geweckt. "Was machen wir jetzt", fragte er.

    Das Hunduster schaute ihn neugierig an. "Eigentlich wollte ich sie überzeugen, doch das dürfte jetzt wohl nicht mehr möglich sein." Ben seufzte. "Wenn sie mir nur zugehört hätten. Vielleicht hätte ich das Wesen nicht befreien sollen. Vielleicht war ich zu egoistisch." Toran senkte seine Ohren. "Aber ich wollte nicht, das sie dich töten.

    Ich wollte allen helfen, doch das habe ich nicht gewollt." Tränen liefen ihm über die Wangen. Taron leckte ihm über das Gesicht. "Lass das", sagte Ben und schob ihn zur Seite. "Ich hätte dich nicht herbringen sollen. Es war naiv zu glauben, das ich mit Gengars Verbannung alles ändern könnte." Plötzlich wurde es kalt und eine wachsende Wolke verdunkelte den Himmel über ihm. Erste Hagelkörner fielen herab. "Was ist das", fragte Ben und erhob sich.


    Verwundert sah Kapitän Leon Rosbart auf den Hafen der Stadt. Vor ihm war ein riesiger Trümmerberg. "Was ist hier passiert", fragte er. Im Wasser waren überall Hölzer und Waren von zerstörten Schiffen zu sehen. Offenbar wurden sie von großen Trümmern getroffen. "Hier können wir nicht anlegen", stellte er fest, unter Wasser sind wahrscheinlich lauter spitzer Trümmer. Das ist viel zu gefährlich. Zoro, lenke das Schiff in eine Bucht außerhalb der Stadt." Ein paar Minuten später verließen sie das Schiff und gingen durch den Wald. Als sie den Waldrand erreichten, wurde das weiße Vulnona plötzlich unruhig. Als es losrannte, bemerkte Leon eine einzelne gestalt, welche in sich zusammengesunken im Gras saß. "Was ist los", fragte Leon. "Offenbar hat Sina noch eine Rechnung offen", antwortete Zoro.


    Als er sich umsah, entdeckte Ben ein weißes Vulnona, welches auf ihn zurannte. Toran sprang von seinem Arm und begann zu knurren. Hinter dem Vulnona tauchten ein Mensch, ein Maschock und zwei weitere Kreaturen auf, welche Ben noch nie gesehen hatte. Plötzlich schoss ein eisiger Strahl auf Ben zu. Er sprang zur Seite, während Toran mit einem Flammenwurf konterte. Damit hatte das Vulnona offenbar nicht gerechnet. Es geradewegs in das Feuer hinein und warf sich fauchend zur Seite.

    Es richtete sich auf und hob seinen großen Schweif. Ein eisiger Wind kam auf und Ben wurde von harten Eissplittern getroffen, welche Kratzer auf seiner Haut hinterließen. Ben schrie auf und hielt sich die Hände schützend vor das Gesicht. Dann sah er erneut einen dünnen Eisstrahl auf sich zurasen. "Was soll das", rief er und sprang zur Seite.

    Das Hunduster antwortete mit einem Feuerstoß, doch diesmal hatte das weiße Vulnona damit gerechnet und wich aus. Es sprang zur Seite und machte dann einen großen Satz nach vorne. Das Wesen schnappte sich Toran mit dem Maul und schleuderte ihn weg. Dann rannte es fauchend auf Ben zu und ließ erneut einen Blizzard auf ihn niedergehen.

    Zitternd und mit schmerzverzerrtem Gesicht ging dieser zu Boden. Ehe das Vulnona ihn beißen konnte, landete plötzlich das Maschock auf dem Wesen und drückte es zu Boden. Das Vulnona fauchte mehrfach und versuchte sich aus Maschocks Griff zu befreien, doch schließlich gab es sich geschlagen und wurde ruhig. Zitternd setzte Ben sich auf und sah, das sein Körper von Schnittwunden übersät war. "Was sollte das", fragte er. Plötzlich tauchte ein Mann, der der Kleidung nach zu urteilen Seefahrer sein musste, vor ihm auf. "Das kann ich dir erklären, wenn du mir sagst, was hier los war", sagte dieser ruhig.


    Nachdem sich alle auf den neuesten Stand gebracht hatten, wandte sich Sina dem Wald zu.

    "Sie waren also hier", dachte sie. Ben kam mit einem mitleidigem Blick auf sie zu. Zorn loderte in ihr auf, doch sie hielt sich zurück. Fauchend wandte sie sich ab. "Ich gehe meine Geschwister suchen. Ich kann mir denken, wo sie sind", sagte sie zu den anderen. Ben rief irgendetwas, doch sie ignorierte ihn. "Wir kommen mit", sagte Zoro. Daraufhin rannte Sina los. Sie war schneller als die anderen und kannte sich im Wald besser aus, sodass die anderen sie schnell aus den Augen verloren. Doch das war ihr gleich. Sina war zwar dankbar dafür, das sie gerettet wurde, aber dennoch hatte sich etwas in ihr verändert.

    Die Wärme in ihrem Herzen hatte kaltem Hass Platz gemacht. Nach ein paar Minuten erreichte sie die Lichtung, welche noch genauso aussah, wie zu dem Zeitpunkt, als sie sie verlassen hatte. Als sie die schwarze Asche sah, brodelte es erneut in ihr. Eine dunkle Wolke bildete sich über ihr und Hagelkörner fielen zu heraus. Schlagartig sank die Umgebungstemperatur und Sina pustete einen gewaltigen Blizzard über die Lichtung, welcher die Asche davonwirbelte und sowohl den Boden, als auch die umliegenden Bäume weiß färbte. Dann schrie sie laut auf. Der Schrei klang nach Zorn und Verzweiflung, doch er gab ihr Kraft. Plötzlich schritten zwei große Wesen auf die eisige Lichtung und sahen sie verwundert an. "Lana, Marian", fragte Sina.

    "Sina", fragte Lana, "was ist hier passiert?" "Du hast dich stark verändert", stellte Marian fest. "Das ist eine lange Geschichte", begann Sina und erzählte, was vorgefallen war. Stillschweigend hörten ihre Geschwister ihr zu. Dann erzählten sie, wie sie getrennt auf der Suche nach einem eigenen Rudel waren und einander vor ein paar Tagen zufällig in der Nähe begegneten. Dort wurden sie von einer Gruppe Jäger überrascht. Eigentlich hatte Sina noch einen weiteren Bruder, doch dieser lebte schon seit Jahren tief in den Bergen im Norden und hatte längst ein eigenes Rudel. "Und was machst du jetzt", fragte Marian. "Ich werde unsere Eltern finden, wenn sie noch leben", erklärte Sina. "Lass dich nicht vom Hass blind machen", mahnte Lana, "er wird dich zerfressen, wenn du nicht aufpasst." "Du wirst dich nicht besser fühlen, wenn du sie getötet hast", stimmte Marian zu. "Ich muss es trotzdem tun", entgegnete Sina, "außerdem sind es auch eure Eltern. Ihr könntet mir helfen."

    "Es bringt Unglück, sich dem Hass hinzugeben, Sina", meinte Lana. "Da kommt wer", bemerkte Marian plötzlich und erhob sich. "Das werden die sein, von denen ich euch erzählte", sagte Sina. "Lasst uns trotzdem vorsichtig sein", schlug Marian vor. Plötzlich raste eine Wassersäule mit hohem Tempo aus dem Gebüsch. Mit hohem Tempo schoss etwas wie eine Kanonenkugel an ihnen vorbei und blieb schließlich hinter den Vulnona stehen. "Endlich habe ich dich gefunden", rief Mek erschöpft. Kurze Zeit später tauchte auch der Rest auf. "Wer ist das", fragte Zoro. "Meine Geschwister", stellte Sina vor, "vielleicht kommen sie mit."

    "Nein, Sina", entgegnete Lana, "und du solltest es auch nicht tun." "Die Welt ist größer als dein Hass", meinte Marian, "geh und kämpfe, wenn du das für richtig hältst. Aber verlasse diesen Pfad, solange es noch möglich ist. Denn je länger du ihn gehst, desto schmerzvoller wird er." Dann wandte er sich ab und ging langsam zum Waldrand.

    "Wollt ihr, das sie uns alle töten", rief Sina ihnen zu. Marian hielt kurz inne. "Auch ich vermisse unsere Eltern, doch jene die sie entführten sind unseren Hass nicht wert. Denn Hass führt nur zu noch mehr Toten."

    "Sie werden weiter jagen", entgegnete Sina. Doch die beiden waren bereits verschwunden. "Seltsam, das sie ihre Eltern nicht finden wollen", bemerkte Mek. "Ich habe gehört, viele Vulnona kapseln sich mit der Zeit von ihrer Familie ab", merkte Zoro an, "außerdem sind sie sehr einzelgängerisch und leben lieber alleine."

    "Haltet die Klappe", schnauzte Sina sie an, "sie haben nur versucht uns zu beeindrucken. In Wahrheit verkriechen sie sich offenbar lieber wie Feiglinge im Wald." "Wütend werden können sie aber offenbar auch", flüsterte Mek. Zoro nickte kurz. "Sinas Geschwister haben nicht unrecht. Wir dürfen nicht blind angreifen", sagte er. aufklären, was hier passiert ist? Wer waren diese Vulnona und warum ist hier alles voller Eis?"

    Zoro legte ihm einen Arm auf die Schulter und verließ mit ihm den Kreis. "Ich erzähle dir alles auf dem Weg nach Orania. Komm, das Ordensschiff kommt bald." "Wir kommen niemals alle auf dieses Schiff", meinte Leon. "Doch, ich denke schon." Das Maschock grinste. "Wir werden uns nicht da durch kämpfen", merkte Ben an.

    "Natürlich nicht. Wir nähern uns vom Meer aus und geben uns als Jäger aus", erklärte Zoro. Kurz bevor die Gruppe Orania erreichte, bemerkten sie plötzlich Rauch am Himmel. Als sie näher kamen, spürten sie die Hitz der Flammen, welche sich durch die Bäume fraßen. "Jetzt sind die Jäger offenbar durchgedreht", stellte Leon fest.

    Das Feuer breitete sich schnell aus und sie sahen bereits einige Wesen an ihnen vorbeiflüchten. Von überall kamen laute Schreie. Inmitten der Flammen kamen die schwergepanzerten Jäger und schlugen auf alles ein, was nicht schnell genug davonrannte. Sie ritten auf laut wiehernden Pampross, welche den Boden zum Beben brachten.

    Aus der Erde schossen Steinsäulen hervor, welche brennende Bäume samt Wurzeln aus dem Boden rissen. Die Bäume flogen wie Flammengeschosse durch die Luft und entzündeten beim Aufprall weitere Bäume. "Ich glaube, wir sollten lieber doch kämpfen", stellte Sina fest und machte sich bereit.

  • Tut mir leid, das sich das nächste Kapitel etwas verzögert hat, aber ich war etwas unzufrieden, mit dem genauen Verlauf der weiteren Handlung und musste das nächste Kapitel mehrfach neu schreiben. Aber jetzt ist es endlich fertig. Ich bin nur nicht sicher, ob ich den Waldbrand überzeugend hinbekommen habe. Ich habe noch nie über Waldbrände geschrieben, daher kann es sein, das ich ihn vielleicht nicht ganz realistisch dargestellt habe. Wie auch immer, hier ist das nächste Kapitel:


    Kapitel 15 - Kampf in Flammen


    Die Flammenwalze kam rasend schnell näher. Bäume flogen durch die Luft und zwischen demknistern der Flammern war Hufgetrampel und das Jagdgebrüll der Jäger zu hören. "Die Jagd hat begonnen", sagte Kapitän Rosbart und zog sein Schwert. Ben zog seines ebenfalls und ließ Hunduster vor sich stehen. "Ich wünschte, ich hätte sie überzeugen können", seufzte er. Zoro tauchte mit zwei Schwertern in den Händen neben ihm auf. "Sie hätten eh nicht auf dich gehört." das Turak begann mit seinen Schuppen zu rasseln, während Mek Wasser um sich herum sammelte. Sina sprang vor und erzeugte dunkle Wolken am Himmel, welche sich rasch ausbreiteten und einen Hagelschauer auslösten. Die Rufe der Jäger verstummten, als sie den Hagel bemerkten.

    "Dämonen", rief jemand. Dann sank die Temperatur in der Umgebung und ein kalter Wind wehte durch die vom Feuer zerstörten Bäume. Kurz bevor die Jäger die gruppe erreichten, schoss Mek zur Seite, machte einen Bogen und stürmte mit einem ordentlichen Wasserschwall von der Seite in die Menschenmenge hinein.

    "Schilde", rief jemand. Mehrere Jäger vielen vom Pferd, als sie von Mek gerammt wurden. Kurz vor einem verbrannten Baum machte er kehrt und rannte auf die nächsten Reiter zu. Unterdessen löste Sina einen Blizzard aus. Mehrere Pampross heulten auf und rannten zur Seite, wo sie weitere Pampross rammten und ins stolpern brachten. Während Leon und Ben gegen zu Boden gefallene Jäger kämpften, sprang Toran auf ein Pampross auf und biss einen Jäger in den Rücken. Doch dieser war gepanzert, sodass seine Zähne nicht durchdringen konnten. Der Jäger drehte sich um und schwang sein Schwert.

    Das Hunduster wich durch einen Sprung nach hinten aus und spuckte Feuer, welches den Jäger dazu brachte, von seinem Pampross zu springen. Dieses trat plötzlich nach hinten aus und rammte Toran. Das Hunduster flog im hohen Bogen über das Kampffeld, wo es von Turag gefangen und auf den Boden gesetzt wurde.

    Der Drache schlug seine Fäuste zusammen und peitschte mit seinem Schwanz um sich. Seine schuppen erzeugten einen beinahe ohrenbetäubenden Lärm, welcher mehrere Jäger dazu brachte ihren Schild fallen zu lassen und sich die Ohren zuzuhalten. Diesen Augenblick nutzte Turak, um die Jäger mit seinem Drachenatem in Brand zu setzen. Die Jäger schrien laut auf und wälzten sich am Boden. Sina wich mehreren Jägern aus und ging in Deckung vor einem Pampross, welches auf sie zuraste. Das wesen schrie auf, als es von ihrem Eisstrahl getroffen wurde.

    Es schleuderte im Fall mehrere Felsbrocken hoch, denen Sina gekonnt auswich. Plötzlich bebte die Erde und Sina verlor das Gleichgewicht. Sie sah mehrere Pampross auf den Boden stampfen, in denen sich Risse bildeten. Plötzlich fiel neben sina ein brennender Baum um. Sie versuchte auszuweichen, doch der Baum traf sie und drückte sie zu Boden. Sina fauchte und versuchte panisch sich zu befreien, bevor das feuer sie erreichte. Doch der Baum war zu schwer. "Zoro", rief sie.Doch das Maschock war an anderer Stelle gerade damit beschäftigt die Schwerthiebe von vier Jägern beinahe gleichzeitig abzuwehren. Etwas weiter vor Sina stand Ben, der seinen Blick auf einen bestimmten Reiter fixiert hatte.

    Dieser verließ sein Ross und ging auf ihn zu.

    "Ich wünschte, ich könnte dich überzeugen", sagte Ben mit trauriger Stimme. "Niemals", rief Vincent und lief mit erhobenem Schwert auf ihn zu. Ben parierte seinen Hieb. "Dann stirbt", entgegnete er und schlug zu. Vincent parierte erneut und sprang anschließend nach hinten, um im nächsten Augenblick mit einer Serie von Schwerthieben erneut anzugreifen. Da Vincent mehr Erfahrung mit dem Schwert hatte als er, hatte Ben Mühe, die Schläge abzuwehren.

    Er stolperte über einen Ast und sah für einen Augenblick das loderne Feuer um ihn herum, welches hoch in den Himmel ragte. Der Rauch wurde dichter und Ben spürte den beißenden Qualm in seinem Rachen. Er hustete und rollte sich zur Seite, als Vincent auf ihn zu sprang. "Wir müssen hier weg", ächzte er und rannte los.

    Er hielt sich die Hand vor den Mund und lief durch das Flammenmeer. Er zwang sich den Atem anzuhalten und hielt sich mit einer Hand den Mund zu. Mit der anderen Hand wehrte er die Schläge seines Verfolgers ab. Vincent trug ein Tuch um seinen Mund, sodass er mit beiden Händen zuschlagen konnte. Dadurch waren seine Schläge stärker, sodass Ben beinahe sein Schwert verloren hätte. "Ist Gengar immer noch da drin", rief Vincent ihm zu.

    Er schlug kräftig zu und Ben fiel erneut zu Boden. Durch eine Rolle zur Seite wich er einem weiteren Schwerthieb aus. Ben sprang auf und trat Vincent, ehe dieser nachsetzen konnte. Der Jäger prallte gegen einen Baum, während Ben davonlief. Nach ein paar Schritten waren der Rauch und das Feuer plötzlich weg. Ben sah nur eine riesige schwarze Fläche voller verkohlter Bäume. Iun der Ferne war die Stadtmauer zu sehen. An den Grenzen der schwarzen Schneise war die Feuerwand, welche sich weiter durch den Wald fraß. Plötzlich tauchte Vincent ebenfalls aus dem Rauch auf und sah sich um.

    "Was habt ihr getan", schrie Ben wütend. "Was hast du getan", brüllte Vincent. "Ich habe die stadt nicht zerstört, sondern etwas, das die Priester gefangen hielten", erklärte Ben. "Und was?" "Solgaleo!" "Das glaubst du doch selber nicht!" die Schwerter der beiden Kontrahenten prallten erneut aufeinander. Unterdessen war Zoro bei Sina angekommen und befreite sie von dem Baum. Im nächsten Augenblick stürzte er sich schon auf die nächsten Jäger. Turak kam ihm mit Nahkampfangriffen zu Hilfe. Mek war inzwischen etwas abseits des Kampffeldes und raste an der Feuerfront wie eine Kanonenkugel aus Wasser durch mehrere Bäume und versuchte eine Schneise zwischen den brennenden Bäumen und dem Rest des Waldes zu legen, sodass das Feuer sich nicht weiter ausbreiten konnte. Unterdessen erledigten Zoro und Turak die restlichen Jäger.

    Sie trugen beide viele Schnittverletzungen davon, doch gegen Zoros Doppelschwertangriffen und Turaks Kombo aus Schuppenrasseln und Nahkampfangriffen hatten die Jäger keine Chance. Die Pampross waren längst davongerannt, oder lagen am Boden. Nach dem Kampf rannten die beiden durch das Feuer und versuchten herauszukommen. Mek schoss an ihnen vorbei und wies ihnen den Weg aus den Flammen hinaus. Sina pustete kalten Wind durch den Wald und löschte damit die Flammen. Der Hagelschauer verstärkte diesen Effekt, sodass Teile des Waldes sowohl von Asche, als auch von Schnee und Eis bedeckt waren.

    Unterdessen kämpfte Ben weiterhin gegen Vincent in der schwarzen Asche. Nach einem Schwerthieb huschte Ben an seinem kontrahenten vorbei und trat ihm in die Seite. Vincent stolperte und fiel über einen Ast. Er landete mit seinem Kopf auf einem Stein und wurde bewusstlos. Ben atmete schwer und bedrohte ihn mit seinem Schwert.

    Er wollte zuschlagen, doch er konnte es nicht. "Irgendwann wirst du es vielleicht verstehen", sagte er und ließ den Geisterjäger liegen. In der Nähe sah er einen eisigen Pfad, welcher durch das Feuer führte. "Das ist der Weg zum Strand", dachte Ben, "ich muss mich beeilen, bevor das Feuer wieder Überhand gewonnen hat.

    Er rannte zurück in den brennenden Wald hinein, doch das Eis schmolz bereits. Nach kurzer Zeit war er auf beiden Seiten von Flammen umgeben. Auch der Rauch nahm wieder zu. Ben hielt sich erneut eine Hand vor den Mund. In der Ferne sah er Sina rennen. Doch sie war ihm weit voraus. Ein brennender Baum stürzte um und verfehlte Ben nur knapp. Ein Ast streifte ihn und hinterließ eine lange Wunde auf seinem Rücken. Es fühlte sich an wie ein Peitschenhieb.

    Das Feuer kam immer näher und das Atem fiel ihm deutlich schwerer, doch er rannte weiter. Schließlich erreichte er den Strand und fiel erschöpft ins flache Wasser. Als er sich erhob, sah er hinter sich den brennenden Wald. Dicke schwarze Rauchwolken stiegen zum Himmel auf. Zum Glück kam der Wind vom Meer aus, sodass der Rauch Richtung Wald gepustet wurde und somit am Strand nicht allzu stark war. "Was haben sie nur getan", rief er. Leon und die anderen hatten ebenfalls den Strand erreicht und starrten fassungslos auf den Wald. Laut krachend fielen mehrere Bäume um. Knisternd lechzten die Flammen am Holz.

    "Ins Wasser", rief Leon, "der Strand ist zu schmal, hier können wir nicht bleiben." Als ein Baum neben Ben im Sand landete, löste er sich aus seiner Starre und rannte los. Er sprang ins Wasser und schwamm los. "Toran", dachte er plötzlich und sah sich um. Doch der kleine schwarze Dämon war nirgends zu sehen. Ben wollte gerade zurück zum Strand schwimmen, als er ihn aus dem Wald rennen sah. "Komm her", rief Ben. Doch Toran wich ängstlich vor den Wellen zurück und begann zu bellen. "Komm schon Toran!" "Vielleicht kann er nicht schwimmen", vermutete Leon. Ben begann zurück zum Strand zu schwimmen.

    "Ben, die Bäume. Das ist lebensgefährlich", rief Leon. Er sah Ben hinterher und warf dann einen Blick auf das Meer hinaus, wo plötzlich neben dem Drachenjägerschiff ein weiteres auftauchte. "Der Orden", fluchte Leon, "als wenn wir nicht schon genug Probleme hätten. Zwischen den Schiffen lag eine Planke. Offenbar begutachteten die Seeleute gerade das verlassene Schiff. "Wir können nicht an Land", rief Leon, "das wäre Selbstmord. Wir müssen angreifen." Ein weiterer brennender Baum klatschte auf die Wasseroberfläche. Während Ben den Strand erreichte, schwammen Turak, Zoro, Sina und Leon zum Schiff.

    Mek raste zum Strand und sammelte Ben und Toran ein. Plötzlich bildeten sich dicke Wolken am Himmel und es begann zu hageln. Auf der wasseroberfläche entstand eine schmale Eisspur, auf der Sina lief. Kurz bevor sie das Schiff erreichten, ertönte ein Horn. Zoro, der Leon auf seinem Rücken trug, war als erster am Schiff. Er kletterte an der Schiffswand hoch und sprang an Deck. Die überraschten Seeleute starrten ihn an, als hätten sie noch nie ein Maschock gesehen.

    Unterdessen schwamm Turak um das Schiff herum. Mek überholte Sina und landete als Zweiter an Board des Schiffes. Leon ging auf die Seeleute zu, als plötzlich ein alter Mann mit weißem Bart aus der Kajüte auftauchte. "Was macht ihr auf meinem Schiff? Und was hat dieser Brand zu bedeuten?" "Käpt`n Enkdarr", stellte Leon fest, "lange nicht mehr gesehen." Er verneigte sich grinsend. "Ihr seid der Trickser, der mich um 1000 Mäuse betrogen hat", zischte Enkdarr, "also sagt mir endlich was hier los ist, bevor ich die Geduld verliere." "Ich habe fair gewonnen", entgegnete Ben.

    "Jedes Wort von euch ist eine Lüge!"

    Enkdarr zog seinen Säbel. Sina landete auf dem Schiff. "Ganz wie ihr wünscht", sagte Leon und zog lächelnd seinen Säbel. Plötzlich schoss etwas von hinten auf das Schiff. Turak landete inmitten der Seeleute und schlug um sich. Diejenigen, die nicht getroffen worden waren, rannten schreiend auseinander. Turak rasselte mit seinen Schuppen und peitschte seinen harten Schweif durch die Menschenmenge. Als nächstes entfesselte Sina einen Blizzard und hinderte die übrigebliebenen Seeleute an der Flucht, indem sie diese einfror. Da sie allerdings direkt wieder zu tauen begannen, gingen Zuoro und Mek auf sie los. Schließlich blieb nur noch der verdutzte Kapitän übrig. Er rannte zurück in seine Kajüte und stieß die Tür hinter sich zu.

    Leon ging ruhig auf die Tür zu und öffnete sie. Inmitten des raumes stand der verängstigte Kapitän und richtete sein Schwert auf ihn. "Käpt`n, wir hätte da mal ein paar Fragen." Leon lächelte und streckte sein Schwert hoch.

    "Und dafür hetzt du Dämonen auf mich?" "Tut mir leid, es ging nicht anders." "Was auch immer hier vor sich geht, ich werde garantiert nicht kampflos aufgeben!" Enkdarr schnellte vor und schlug mit seinem Schwert zu. Leon parierte und trat den Kapitän mit einem kräftigen Tritt in den Bauch. Enkdarr fiel nach hinten und landete mit dem Rücken auf dem Boden. Er wollte mit dem Schwert zuschlagen, doch Leon war schneller. Er trat auf den Arm, sodass Enkdarr aufschrie und sein Schwert fallenließ. Dann hielt Leon ihm sein Schwert an die Kehle. "Die Dämonen, wohin bringt ihr sie", fragte Leon laut. Panik machte sich auf dem Gesicht des alten Kapitäns breit. "Ich werde euch gar nichts sagen", zischte er.

    "Na schön. Zoro, sperr ihn unter Deck ein", rief Leon. Das Maschock kam hereingestürmt und packte Enkdarr. "Das wird euch noch leidtun", rief dieser und wand sich in Zoros Griff. "Das werdet ihr bereuen, hört ihr!" Leon ignorierte ihn und nahm mehrere Schriftrollen aus einem Regal. Er breitete sie auf einem Schiff aus und fand zwischen mehreren Pergamenten eine große Seekarte. Leon erkannte die Königreiche von Johto, Kanto, Sinnoh, Hoenn und Kalos.

    Doch am anderen Ende der Karte war ebenfalls Festland eingezeichnet. Auf etwa halber Strecke befand sich die unbewohnte Inselgruppe, auf der sie die Drachenjäger getroffen hatten. Er hatte das Festland am anderen Ende der Karte noch nie gesehen, da die bekannten Seekarten nicht mal ansatzweise so weit reichten.

    "Einalia, die neue Welt" stand dort. "Da sind sie also", dachte Leon, "aber was machen sie dort?" Er las mehrere Blätter und fand schließlich, was er gesucht hatte. "Beim Gott der Sonne", hauchte er und ließ die Pergamente auf den Tisch fallen. Auf einem anderen Blatt fand er noch etwas interessantes.

    "Die nächsten Dämonen sollten offenbar nicht nach Einalia gebracht werden, sondern ... nach Kalos?" Plötzlich hörte Leon etwas an Deck und rannte hinaus. Inzwischen hatte sich das Feuer an Land mehrere kleinere Brände aufgeteilt und überall graue Flecken voller Asche hinterlassen. Sina hatte das Schiff bereits verlassen und rannte auf einer dünnen Eisfläche Richtung Strand. Turak schoss auf Mek hinterher. "Sie ließen sich nicht aufhalten", rief Ben.

    "Was haben sie vor", fragte Leon. "Das weiß ich nicht, Zoro ist gerade erst aufgetaucht und konnte noch nicht fragen." Leon fluchte. "Gut, dann eben ohne sie. Wir müssen nach Johto. Es wird Krieg geben."

    "Was ist los", fragte Zoro.

    "Das erkläre ich später", antwortete Leon gehetzt, "setzt die Segel! Wir haben wahrscheinlich nicht mehr viel Zeit!"

  • Hey Phoenum,


    ehrlich gesagt hab ich jetzt den Überblick verloren, wer gegen wen aller Krieg führt. Ab dem Zeitpunkt, als Solgaleo befreit wurde, haben sich die Ereignisse regelrecht überschlagen und jetzt haben sich mehr oder weniger ein paar Allianzen gebildet, die aber doch nie recht lange hielten. Nachvollziehbar ist das nach dem Flammenmeer auf die Stadt schon, weil einigen Anwesenden durchaus bewusst war, dass Ben mit einem Feuer-Pokémon zurück kam. Man kann das also vielleicht als eine Art Staatsstreich sehen, von dem noch keiner weiß, was eigentlich genau passiert ist und die Übermacht der Kirche, oder in diesem Fall der Priester, kennt man ja. Irgendeine Bedeutung wird Solgaleo jedenfalls sicher haben.

    Übrigens mag ich diese kurzen Kampfszenen, die du immer wieder einstreust. Dadurch wird Hektik verbreitet und auch wenn der Ausgang meistens absehbar ist, kommt Spannung auf.


    Wir lesen uns!