Kognitive Dissonanz [Steins;Gate]


  • (Quelle: Steins;Gate Opening)


    Kognitive Dissonanz


    Ein Jahr, nachdem Okabe WW3 erfolgreich abgewendet hat, hat die Gruppe wieder zur Normalität zurückgefunden. Genau der passende Zeitpunkt, findet Kurisu, um Japan mal wieder einen Besuch abzustatten.

    Eigentlich ist dies genau das, was Okabe die ganze Zeit wollte. Allerdings lässt ihre Anwesenheit ihn erkennen, dass er seine Erlebnisse noch lange nicht hinter sich gelassen hat - vor allem, als eine weitere Person auftaucht, die schmerzlich verdrängte Erinnerungen aufwühlt.

    Dabei drehen sich Mahos Gedanken nur um ihr Forschungsprojekt und ihre Kollegin, während das Konstrukt von Weltlinien und Zeitreisen ihr völlig fremd ist. Da hilft es auch nicht, dass Okabe ihr das um jeden Preis verheimlichen will.


    Vorwort

    Ungefähr ein Jahr ist es auch her, seit der Anime&Manga-Bereich hier im BB die tolle Idee hatte, eine Bisawatch zu starten. 24 Folgen in 24 Tagen in lockerer, ungezwungener Runde. Wie viel mehr daraus entstehen könnte, hatte sich wohl keiner der Beteiligten gedacht - Na gut, ich gebe zu, es war abzusehen, als ich mir damals schon die Finger wundgetippt habe XD Nicht einmal die Fortsetzung, der manche zweifelhafte Qualität bescheinigt hatten, hat mich davon abhalten können, noch viel mehr Worte über diesen verrückten Haufen und ihre Abenteuer zu verschwenden. Und wenn man eine FF-Autorin für etwas begeistert, gibt es nur eine logische Konsequenz: Alles an sich reißen und es dem eigenen Willen unterwerfen! Also hab ich mir den Tag des Tanabata-Festes zum Anlass genommen, die FF nun auch hier hochzuladen (und wo ich gerade diesen Feiertag erwähne: Ihr kennt den Drill: Try not to cry, lie down, ... ;) ).

    In diesem Sinne, viel Spaß beim Lesen.

    Danken möchte ich an dieser Stelle auch noch meinem Freund / Betaleser / Kummerkasten für all die Geduld, mir wieder und wieder das Prinzip von Zeitlinien zu erklären (nicht dass ich es inzwischen verstanden hätte^^°) und sich meine kryptischen Andeutungen anzuhören, was ich mit den armen Charakteren hier vorhabe. Fühl dich so doll geknuddelt wie Mayushiis Upa-Kissen ;)


    Hinweise

    | Romanze, Sci-Fi, Slice of Life, Hurt&Comfort | Empfohlen ab 16 | Dub-Con | LGBTQ-Themen |

    Steins;Gate gehört natürlich seinen rechtmäßigen Besitzern. Wie sein Bezugsmaterial ist dieses Werk vollkommen fiktiv und erhebt keinen Anspruch, canon zu sein oder mir einen finanziellen Erlös einzubringen.




    Kapitel 1


    „Wie wir an diesem Scanergebnis sehen, ist das menschliche Gehirn im Kleinkindalter noch sehr gut darin, erlittenen Schaden zu kompensieren. Im Alter allerdings…“

    „Wow!“, rief Mayuri begeistert. „Das ist ja doppelt so groß. Ist Mayushiis Gehirn auch so viel gewachsen?“, fragte sie und strich sich über die Haare, als befürchtete sie, dass ihr Kopf zu groß für ihren restlichen Körper geworden war.

    „Wende deine Augen ab, Mayuri, das ist nichts für eine so zart besaitete Seele wie deine.“ Als seine Kindheitsfreundin fragend den Kopf zur Seite neigte, seufzte er, als würde sie ihn zu einer widerwilligen Erklärung zwingen. Also brachte er sich in Position, streckte seinen Zeigefinger in Richtung der Scans und rief anklagend: „Da ist die Schandtat!“ Er fuhr an der rechten Außenseite des Kleinkindgehirns entlang, auf dessen Rand beim anderen die Mittellinie der Hälften verlief. „Sie zeigen uns die abartigen Machenschaften ihrer verwerflichen Experimente an lebenden Menschen. Ohne Zweifel haben sie diesem armen Wesen einen Teil seines Gehirns entfernt, um zu sehen, wie weit sie gehen können.“

    „Das nennt sich ‚Hemisphärektomie‘ und ist eine medizinisch anerkannte Praxis“, steuerte Daru bei, während seine Augen von Makises Vortrag und dem Wittypedia-Artikel hin und her sprangen wie zwei Tischtennisbälle. „Und überhaupt, setz dich wieder hin, das ist ja peinlich a f.“

    „Gut, dass Kurisu-chan sich davon nicht stören lässt. Sie ist wirklich eine total coole Wissenschaftlerin.”

    Okabe machte einen Schritt zurück und umklammerte mit der Hand seine Schulter, als hätte er einen schweren Stoß erlitten. „Überdenke die Prioritäten deiner Loyalität, Labormitglied 002! Vor dir steht der verrückte Wissenschaftler Hououin Kyouma, der als Koryphäe mit seinem Wissen alle anderen in seinen Schatten stellt!“

    Mayuri lachte nur, während sie ihre Beine vom absichtlich zu hoch gestellten Stuhl baumeln ließ. „Und deswegen ist Okabe-kun der coolste verrückte Wissenschaftler und Kurisu-chan die coolste Wissenschaftlerin.“

    Okabe nickte selbstzufrieden, während sich hinter dem Grinsen eine Überzeugung manifestierte. „Wohl gesprochen, Labormitglied 002. Du hast die Situation erfasst. Sie ist mein Gegenstück, meine Antagonistin, der Kain zu meinem Abel.“

    Daru zog eine Augenbraue hoch. „Ihr seid weder verwandt, noch will sie dich umbringen“, murmelte er, doch Okabe war schon zu tief abgetaucht.

    „Sie vollbringt den vergeblichen Versuch, Ordnung in mein Chaos bringen zu wollen. Ein törichtes Unterfangen. Versteht sie denn nicht, wie viel Geistesreichtum hinter meinem Wirken steckt? Hach, der Tag des jüngsten Gerichtes ist nicht mehr fern, an dem die Menschen erkennen werden, was sich im Verborgenen zusammenbraut. Ich spüre es.“

    Wäre Mayuri wie die Anime-Charaktere, die sie cosplayte, würde sie statt Augen wohl funkelnde Sterne haben. Voller Bewunderung starrte sie Okabe an, der die Arme auf die Hüften gesetzt hatte und sein Kinn nach oben reckte, als würde er auf die ganze Welt heruntersehen können.

    „Ja ja“, sagte Daru und bewegte seine flache Hand auf und ab. „Und jetzt stfu, ich kann Kurisu kaum verstehen.“

    „Daru, hör gefälligst lieber dem Kopf dieser Organisation zu!“

    Mayuri kicherte. „Macht euch nichts draus, wenn ihr was verpasst. Ihr könnt sie ja fragen, wenn sie bald zu uns kommt.“

    Einen Herzschlag später war der Bildschirm nur noch Nebensache und die beiden jungen Männer hatten Mayuri mit ihren neugierigen Blicken anvisiert.

    „Was meinst du damit, Mayuri?“

    „Na in ein paar Wochen kommt sie doch nach Japan, um hier ein Semester zu studieren, schon verg- Oh!“, rief sie und setzte ihr albernes Grinsen auf. „Hat sie euch noch gar nichts davon erzählt?“

    Daru zuckte mit den Schultern. „Bei mir überrascht mich das nicht, wir haben nicht sonderlich viel miteinander zu tun.“ Es folgte ein bedeutungsschwerer Blick zu dem Laborkittelträger neben ihm. „Aber Okabe wird sie es sicherlich gesagt haben.“

    Okabe war plötzlich schwer damit beschäftigt, den Kragen seines T-Shirts zurecht zu ziehen. „Celeb-17 scheint sich wohl für zu besonders zu halten, um anständig Bescheid zu sagen.“

    „Hätten wir uns denken können, dass ihr nicht miteinander redet. Ansonsten hätten wir uns wohl auch nicht in den unieigenen Livestream hacken müssen, bis Mayuri sie gefragt hat, ob wir mit in den Link-Verteiler aufgenommen werden.“

    „Ihr habt dem Feind unsere Email-Adresse bereitwillig in die Hände gespielt? Daru, das sind qualifizierte Informationen!“

    „Was raget du hier so rum? Von ‚Chuunibyou4869‘ wird man wohl kaum auf unsere Existenzen kommen - nun, allenfalls auf deine, aber es würde mich nicht wundern, wenn du auf der ganzen Uni schon questionable fame hättest. Allerdings haben wir da nie etwas anderes als die Mails ihrer Assistentin bekommen. Die größte Enttäuschung seit EAs Lootboxen.“

    Mayuri legte den Kopf schief, ihren Zeigefinger an ihr Kinn gelegt. “Und dabei schien sie so aufgeregt gewesen zu sein.“ Sie zückte ihr Handy und scrollte durch den Rine-Verlauf. „Hier, schaut mal.“


    Yay, Kurisu-chan kommt uns besuchen. Tuturu :3


    Ja, das letzte Mal ist ja schon echt lange her.

    Steht das Labor überhaupt noch? ;)

    Klar. Ich sag Okabe, dass er endlich mal aufräumen soll. Sowas kann man einem Mädchen nicht zumuten! Obwohl, wo sollen dann die armen Staubmäuschen leben…?


    Okabe knurrte und setzte zu einem Kommentar an, doch Daru scrollte nur mit seinem dicken Zeigefinger ein paar Nachrichten weiter.


    Also dann, bis zum 15. =)

    Ich kann es kaum noch erwarten *freu* ^-^


    In einer vagen Ahnung scrollte Daru ein Stückchen hoch und prompt erschien das Datum der Textnachricht oben auf dem Bildschirm.

    „05.06.“, las Okabe vor. Ruckartig drehte er sich um und hastete zum Kalender, an dem Mayuri mit ihrem Upa-Stempel die vergangenen Tage markiert hatte. Sein Mund blieb offen stehen, als er pink auf türkis sah, wie seine Tage gezählt waren.


    It is not the critic who counts, not the man who points out how the strong man stumbles, or where the doer of deeds could have done them better. The credit belongs to the one who is actually in the arena - Theodore Roosevelt


    "Life is simply unfair," thought the snail and continued down the path to cause the death of 6 billion people (ZE: ZTD)


    Are we heroes keeping peace? Or are we weapons pointed at the enemy so someone else can claim the victory? (RWBY OP2)

  • Kurisu starrte über ihren Monitor hinweg, als würde sie die Person am anderen Ende des Tisches nie wieder für voll nehmen können. Als sie merkte, dass sie ihre Kollegin bei dem Winkel gar nicht sehen konnte, stand sie sogar auf. “Was hast du da mit Amadeus angestellt?!”

    Maho tat gar nicht erst so, als würde sie nicht zum offensichtlichsten Kreis der Verdächtigen gehören. “Ich habe sie nur etwas aufgehübscht. Gefällt es dir etwa nicht?”, fragte sie mit einem Unschuldsgrinsen.

    Kurisu ließ sich entnervt auf den Stuhl fallen, das Gesicht hinter ihrer Hand verborgen. “Ich sehe aus wie die Fantasie eines Otakus.”

    Maho runzelte die Stirn, aber es gab Wichtigeres, als diesen Begriff zu klären. “Wolltest du nicht immer schon mal wissen, wie du in einer japanischen Schuluniform aussiehst?”

    “Das ist noch lange kein Grund, die KI dafür zu missbrauchen. Wir haben Regeln, Maho. Sie ist kein Spielzeug.”

    “Also ihr gefällt es", hielt Maho dagegen, während Amadeus nicht aufhören konnte, an der Schleife vor ihrer Brust und dem viel zu kurzen Rock zu ziehen. Ersteres aus Faszination, Letzteres, um wenigstens einen angemessenen Bereich ihrer Beine zu bedecken.

    Kurisu schüttelte den Kopf und durchforstete den Code, um herauszufinden, wo Maho diesen Skin versteckt hatte. “Wo hast du den überhaupt her?", fragte sie abwesend, während ihre Augen die Zeilen des Codes überflogen.

    “Den hab ich übers Internet gefunden. Irgendsoein Typ namens ‘Dash’ hat was Passendes entwickelt.”

    Kurisu schreckte aus ihrer Konzentration hoch, doch nach einer kurzen Überlegung schüttelte sie den Kopf. Die Welt war ja wohl größer als ein Stadtteil. “Du kannst doch nicht einfach so Sachen aus dem Netz ziehen. Was, wenn das ein verborgener Angriff eines feindlichen Landes war, das uns ein Gratisgeschenk einschleust und damit unser System von Innen heraus infiltrieren will?”

    Maho klopfte mit ihren dünnen Fingern auf ihre Maus, während sie das Ende der Ansprache ihrer Kollegin abwartete. Aus unerklärlichen Gründen hatte diese, trotz ihrer alles überschattenden Intelligenz, seit etwa einem Jahr eine Schwäche für pathetische Apokalypse-Szenarien entwickelt, die mal amüsant, mal komplett abstrus waren. “Kannst du nicht einfach mit dem Wort ‘Trojaner’ herumschmeißen wie jeder andere Technik-Noob auch? Aber keine Sorge, ich habe das durch alle Virenscanner laufen lassen, die mir einfielen, inklusive dem Null-Toleranz-Ding unserer Uni. Dann hab ich seinen Code noch mal in ‘ner abgesicherten Umgebung durchforstet.” Ein kurzer Blick über den Bildschirmrand ließ sie sehen, wie Kurisus Kopf sich vor Ratlosigkeit immer weiter zur Seite neigte, weshalb sie schnell abkürzte: “Und dieser ganze Aufwand, obwohl die japanischen Unis ihre Schuluniformen schon längst abgeschafft haben - und jetzt freust du dich nicht mal!”
    Maho schaute genüsslich dabei zu, wie sich Kurisus Gesichtsausdruck vor ihren Augen veränderte. Verständnislosigkeit wechselte zu Überraschung, zu Ungläubigkeit und zu vorsichtiger Vorfreude. “Meinst du gerade das, was ich denke?”, fragte sie zaghaft, so als könne sie ihren eigenen Schlussfolgerungen nicht glauben.

    Einen Moment lang genoss Maho dieses sonst nie auftretende Phänomen. “Hattest du da etwa Zweifel? Keine Universität, die noch halbwegs richtig tickt, würde dir ein Auslandssemester verwehren.” Einen Mausklick später präsentierte Amadeus ihrem Ebenbild das entsprechende Schreiben mit ihrem besten Gewinnspiel-Lächeln.

    “Oh mein Gott!”, rief Kurisu und sprang so eilig auf, dass der Stuhl hinter ihr zu Boden fiel. “Das ist ja der Wahnsinn!”

    Maho legte sich demonstrativ eine Hand auf ihr überstrapaziertes Ohr. “Ich wusste ja gar nicht, dass du dich so darauf freust, wieder von hier wegzukommen.”

    Maho kam es noch wie gestern vor, dass Kurisu von ihrer ersten Auslandsreise zurückgekommen war. Die ersten zwei Wochen hatte sie sich eine Auszeit bei ihrer Mutter gegönnt. Nach den erschütternden und verwirrenden Nachrichten, die sich nach dem Vorfall im Radiogebäude verbreitet hatten, konnte Maho das gut verstehen.
    Als Kurisu dann später überraschend im Labor aufgetaucht war, hatte das Gehirn ihrer kleinen Freundin erst wieder angefangen zu funktionieren, als sie das Genie in einer festen Umklammerung gefangen gehalten hatte. Maho hatte nicht gedacht, dass ein Wiedersehen so emotional sein würde, aber die Vorstellung, Kurisu nie mehr wiederzusehen, hatte ihr noch immer in den Knochen gesteckt.

    “Das ist es doch gar nicht", verteidigte Kurisu sich nun zögernd.

    Maho winkte ab. “Ich weiß schon, woran es liegt", sagte sie mit einem listigen Grinsen. Immerhin hatte Kurisu sich nur ein paar Wochen, nachdem sie wieder gearbeitet hatte, gleich wieder freigenommen. Da ergab ihr Grund “ein paar Bekannten das Land zeigen” von damals doch gleich viel mehr Sinn. “Zu schade, dass du uns deine neuen Freunde nicht vorgestellt hast. Das scheinen ja ein paar ganz besondere Leute zu sein.”

    Kurisus sanftes Lächeln wegen der Erinnerung wurde schnell durch ein professionelles “Ich sollte mit Professor Leskinen reden" ersetzt.

    “Der ist in seinem Büro. Vermutlich weint er sich gerade die Augen aus, dass er dich wieder gehen lassen muss. Wie gewonnen, so zerronnen.” Maho zuckte mit den Schultern.

    Kurisu seufzte. “Ich werde versuchen, besonders einfühlsam zu sein - Und wenn ich wieder zurück bin, hast du Amadeus gefälligst dieses Ding da ausgezogen!”

    Maho betrachtete den Bildschirm und runzelte die Stirn. “Schwierig. Ich weiß nicht mehr genau, wo ich das eingebaut habe…”

    “Oder ich ziehe meine Einwilligung zur Zusammenarbeit zurück.”

    Maho schaute ihr nur mit einem müden Lächeln hinterher. Bei der Begeisterung, die Kurisu bei jeder kleinen Errungenschaft hatte, würde das wohl nur in einem Zustand vollkommener Unzurechnungsfähigkeit eintreten. Und selbst dann war ihrer nicht der einzige Datensatz im System.

    “Tja, Amadeus, du hast sie gehört. Das war es dann wohl mit deinem Ausflug in die Welt der ausländischen Mode.”

    Die KI machte große Augen und verschränkte die Arme, als könnte sie Maho so daran hindern, ihr die Kleider gewaltsam vom Leib zu reißen. “Aber du hast dir doch all die Mühe gemacht…”, versuchte sie das anzubehalten, was man als Außenstehender wohl als ‘Nicht geeignet für den Arbeitsplatz’ bezeichnen würde.

    Maho konnte das Grinsen nur schwer zurückhalten. “Was Kurisu nicht weiß...” Sie ließ den Satz wie ein verschwörerisches Angebot im Raum hängen, während sie implementierte, was sie das ‘Kleiderschrank’-Add-on getauft hatte.
    Die Augen der KI wurden groß, als sie mit dem Äquivalent von Gedanken ihre neuen Optionen durchsuchte. Nicht mal eine Minute später wusste Maho, wie Kurisu im verspielten Rüschenbikini, als Magical Girl, in Rüstung mit hochgesteckter Flechtfrisur oder als Soldatin aussah. Jetzt bedauerte sie zutiefst, dass Amadeus merkte, wenn man Screenshots anfertigte.

    Maho spürte eine seltene Art von Erleichterung, als sie dabei zusah, wie entzückt Amadeus sich von allen Seiten betrachtete. “Gut zu wissen, dass du genauso verrückt sein kannst wie wir anderen auch. Manchmal vergesse ich das.”

    Amadeus, noch ganz fasziniert von ihrem neuen Erscheinungsbild, hob fragend den Kopf, als sie den Stimmeninput bemerkte. Sie öffnete den Mund, dessen Winkel sich gleich nach unten bewegte, als die Maus zum rechten oberen Rand des Programmes fuhr. “Wir sehen uns dann morgen”, verabschiedete Maho sich wie an jedem anderen Tag und wie jedes Mal hob Kurisus Ebenbild eine Hand zu einem kurzen Abschiedswinken, bevor der Bildschirm schwarz wurde.

    Erfahrungsgemäß durfte man der KI dabei nicht zu viel Zeit geben, denn sie verhandelte besser als ein Kind, das noch nicht ins Bett wollte. Manchmal kam es Maho so vor, als müsste sie noch einmal extra die Überzeugung einprogrammieren, dass es wirklich nur ein paar Stunden sein würden, bis das Programm wieder aktiviert werden würde. Ob nun für die Arbeit oder aus Faszination über ihr Schaffen, konnte Maho sich nicht erinnern, das Programm einen Tag lang mal nicht gestartet zu haben.
    Einmal hatte sie es sogar an einem regnerischen Sonntag auf der Couch in ihrer löchrigen Jogginghose und mit fettigem Haaransatz geöffnet, nur um einen Rat zu bekommen, was sie an diesem langweiligen Tag anstellen sollte. Als statt einer Antwort nur schallendes Gelächter aus dem Lautsprecher gekommen war, war das Programm länger hochgefahren, als es gelaufen war.

    Sie hörte die vertraute Lüftung des PCs sterben und betrachtete einen Moment ihr Spiegelbild in der Schwärze des Monitors. “Dummkopf. Es ist doch kein Abschied für immer”, murmelte sie vor sich hin, schnappte sich ihre Tasche und stand auf. Sie warf einen Blick zum Büro des Professors, durch dessen Tür Kurisu vorher verschwunden war. Ihr Gespräch war durch die Tür zu hören, aber zu gedämpft, als dass Maho mehr als ein paar Wörter verstehen konnte. Sie schob den Gedanken, sie zu stören, beiseite, bevor er sich richtig manifestiert hatte. Es kam ihr so falsch vor, ihnen einfach wie immer “Bis morgen” zu sagen, wenn da drinnen gerade die Vorbereitungen getroffen wurden, die das bald ändern würden. Also schnappte sie sich nur ihre Tasche, legte den Lichtschalter um und verschwand aus dem Gebäude.


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    Einmal editiert, zuletzt von Raichu-chan ()

  • Kapitel 3

    Okabe saß auf dem Sofa, den Körper nach vorne gebeugt, während er auf die Tischplatte starrt, als würde er im nächsten Moment mit einem Laserblick ein Loch hineinbrennen. Daru hatte ihn selten so konzentriert gesehen. Für gewöhnlich lief er beim Brianstorming wie ein aufgeschrecktes Huhn durch die Gegend (laut eigener Aussage würde es ihm beim Denken helfen, aber Daru war überzeugt, dass seinem besten Freund stattdessen jede Ablenkung in den Kram passte, die ihn darüber hinwegtäuschen konnte, dass er in diesem Moment keinerlei wissenschaftlichen Fortschritt bei seinen Experimenten hatte). Das Bild, was sich ihm jetzt bot, war deswegen um einiges beängstigender. Okabe wirkte, als wäre er tatsächlich auf dem Weg zu einem wissenschaftlichen Durchbruch - oder als ob er zumindest mit allen Kräften daran arbeitete.
    „Kann man dir helfen?“, fragte Daru - nicht dass er das vorgehabt hätte. Es erschien ihm nur wie der beste Weg, um Informationen aus ihm rauszubekommen. Auch wenn er sich dahingehend eigentlich keine Sorgen machen musste. Obwohl Okabe sich aufführte, als wäre er auf dem besten Weg, die Welt mit Hilfe seiner verrückten Experimente zu unterjochen, war er erstaunlich freizügig, was seine Informationen über laufende Projekte anbelangte. Als Okabe jedoch nur langsam aus seiner Starre erwachte und wie in Trance hochschaute, war Daru deshalb drauf und dran, einen Polizei- oder Krankenwagen zu rufen, weil er ein ernsthaftes Problem vermutete. Obwohl, wenn er bedachte, wie staatliche Autoritäten reagierten, wenn sie auf ihn trafen, war das vermutlich doch keine so gute Idee. Ansonsten könnten sie ihn wohl nur noch zu festgelegten Zeiten zwischen seinen Therapien besuchen.
    Also durchsuchte Daru schon einmal sein Adressbuch, um die Nummer von Okabes Mutter zu wählen, als dieser mit unheilverkündender Stimme sprach: „Daru, bereite dich darauf vor, dass die Welt, wie wir sie kannten, in ihren Grundfesten erschüttert werden wird.“
    An sich war diese Verheißung nichts Neues, wo er sie mindestens einmal in der Woche aussprach, aber für gewöhnlich folgte das Lachen eines Mad Scientists und nicht das Seufzen eines Sad Scientists darauf. War dieses Mal etwa wirklich etwas dran? Daru schluckte. Wenn dem so war, war das eine Nummer zu groß für ihn. Und wenn es um das Ende der Welt ging, gab es sowieso nur eine Person, die es mit Okabe auf einem Level aufnehmen konnte. „Das heißt, ich darf Faris anrufen und ihr sagen, dass es ein Notfall ist und sie sofort herkommen muss wegen … ach, das ist doch nebensächlich.“ Breit grinsend drückte er schon die Kurzwahl der Maid, doch Okabe schüttelte seinen hängenden Kopf.
    „Ich fürchte, sie ist Teil des Problems. Die ehrenwerte Nachfahrin von Anubis wurde von der dunklen Seite korrumpiert und hat sich mit unseren Widersachern verschworen.“
    „Hm, wenn Dunkelheit unser Gegner ist… Vielleicht kann Magical Girl Mayuri-"
    „Nein, Lab 002 unterliegt einer schwerwiegenden Sinnestäuschung und wurde von der Herrin der Finsternis manipuliert, damit diese in unser Land einreisen kann und Zugriff zu unseren Forschungsmethoden bekommt, um uns alle zu unterjochen.“
    Daru rollte mit den Augen. So langsam dämmerte es ihm, welches drohende Unheil Okabe in diesen Zustand versetzt hatte, und es wurde ihm mit einem Schlag peinlich, dass er es auch nur eine Sekunde lang ernst genommen hatte. „Jetzt macht doch nicht so einen Aufstand, nur weil wir Besuch kommen. Kurisu ist doch echt nett und ihr habt euch letzten Sommer super verstanden - was echt merkwürdig war, weil sie das einzige weibliche Wesen seit Langem ist, das nicht schreiend vor dir wegläuft.“
    „Ich habe viele ‚weibliche Wesen‘ in meinem Gefolge, Daru.“
    „Nun, technisch gesehen ja, aber das ist nichts, worauf man stolz sein kann. Eine davon musstest du als Geisel nehmen, eine andere sieht dich vermutlich nur als ihr Katzenspielzeug, die andere könnte dich mit einem Blick auf die Bretter schicken und ist vermutlich eher eine Stalkerin, die du nie wieder los wirst“, Daru machte eine kurze Pause und schickte ein Stoßgebet zum Anime-Papst, dass es sich dabei nicht um eine Yandere handelte, „und die letzte ist eine Trap. Okay, eine verdammt heiße Trap, aber das zählt nicht. Und sag Ruka nicht, dass ich das gesagt habe. Obwohl, außer ich kriege zu sehen, wie er wegen des Kompliments rot anläuft. Es ist immerhin nicht gay, wenn man ‚no homo‘ sagt.“
    „Daru, das Problem ist hier nicht mein Gefolge-“
    „Du meinst wohl deinen Harem“, korrigierte Daru und verschränkte die Arme. Was fanden alle nur an einem hageren Möchtegern-Wissenschaftler, wenn sie einen Mann haben konnten, der in der Kunst geschult war, jedem Typ Frau das Gefühl der Wertschätzung zu geben, das sie so sehr überwältigte, dass es früher oder später zu körperlichen Aktivitäten von allen erdenklichen Punkten des Spektrums kam? Andererseits hatten 3D-Mädchen bekanntlich die Eigenschaft, dass sie neidisch auf ihre pixelige Konkurrenz wurden und ihnen die so dringend benötigte Zuwendung nicht gönnten. Und da Daru wusste, wie sehr seine Waifus seine Aufmerksamkeit brauchten, die jede einzelne von ihnen verdient hatte, musste er wohl oder übel akzeptieren, dass Erfüllung im RL wohl wirklich nur ein Mythos war, egal wie viele Isekais man durchstreifen würde.
    „-Sondern dass mir nur noch zwei Tage bleiben, um eine bestmögliche Strategie zu entwickeln, wie ich der Lage Herr werden kann. Wenn der Feind in mein Territorium kommt und ich ihm nichts entgegen zu setzen habe, werde ich gnadenlos von ihm überrannt werden. Scheinbar hat sie schon Labormitglied 002, 006 und 007 auf ihre Seite gezogen.“
    Daru brauchte einen Moment, um den Code zu entziffern, und nach einer Schrecksekunde rief er atemlos: „Nein, alles nur nicht meine Neko-Göttin!“ Dann fiel ihm ein, wen er gerade über die Planke hatte laufen lassen, und er fügte hinzu: „Und unser Genki Girl und die Trap, schätze ich.“
    „Doch, mein treuer Freund. Ich sage dir, uns stehen wahrlich schwere Zeiten bevor. Vielleicht können wir unsere Freunde noch retten, aber uns bleibt nicht mehr viel Zeit. Wenn sie erst einmal völlig von dem Charisma umgepolt worden sind, haben wir kaum noch eine Chance, zu ihnen durchzudringen. Dann bleibt uns nichts mehr übrig, als sie zu unserer eigenen Rettung für immer aus diesem Refugium zu verbannen.“
    Daru schluckte. „So etwas dürfen wir auf keinen Fall zulassen.“
    „Du hast es erkannt. Deswegen schlage ich vor, wir entwerfen gemeinsam einen Schlachtplan. Also, was schlägst du vor?“
    Daru runzelte die Stirn. „Wieso denn ich?“
    Okabe blinzelte und mit einem Mal hatte sich sein Feuereifer in Rauch verwandelt. „Na weil… Du kennst dich doch mit dem anderen Geschlecht aus! Also nutze dein unendlich sinnloses Wissen der verschwendeten Stunden zum Schutz unseres Labors!“
    Daru verschränkte die Arme. „Was soll das denn jetzt heißen? Außerdem hab ich kp, wenn sie versuchen, mich umbringen zu wollen - wenn überhaupt würden sie eher alle anderen außer mich umbringen.“
    Okabe schloss die Augen. „Lass uns hoffe, dass Mord nur im äußersten Notfall ein Mittel zum Zweck sein muss.“
    Einen Moment schwiegen die beiden, verschreckt von der Tragweite dieser Worte. Dann fragte Daru langsam: „Okay, noch mal auf Anfang. Was genau befürchten wir, was passieren wird?“
    Okabes Blick wurde finster. „Dass Kurisu Makise mich als rechtmäßigen Herrscher unseres Labors stürzen wird.“
    Daru machte große Augen. „Warum hast du das nicht gleich gesagt? Wann genau ist es so weit?“
    „Morgen Abend wird sie am Flughafen ankommen und von ihrer persönlichen Eskorte in Empfang genommen werden.“
    Daru reckte die Arme gegen Himmel. „Hentai-Genius-Boss ftw“, rief er. „Meinst du, sie bleibt dann für immer, wenn sie ihr eigenes Labor bekommen hat?“
    Okabe vergrub den Kopf in seinen Händen. Dann löste er eine, kramte sein Handy hervor und hielt es sich ans Ohr. „Ich bin es. Scheinbar ist nun auch mein engster Verbündeter zum Feind übergelaufen … Nein, ich kann jetzt nicht aufgeben. Ich muss mich dieser Infektion entgegen stellen, die 'The Zombie' auf uns wirkt. Ein wahrlich grauenhaftes Schicksal, zu einer ihrer willenlosen Marionette zu werden, die ihr bei ihrem Verlangen nach menschlichen Gehirnen helfen … Ja, das Schicksal der Welt liegt nun in meinen Händen. Es wird Zeit, dass Hououin Kyouma sich erneut aus der Asche erhebt und die Welt vor ihrem Untergang bewahrt. El. Psy. Kongroo.”



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