*Pflicht und Ehre*

  • Part 4: Hornissennest


    Wie passierten das letzte auf der Straße leerstehende Auto, ließen die stetig kleiner werdenden Wohnhäuser Laubwechselfelds wieder hinter uns. Warum auch immer, hatte es Colin plötzlich sehr eilig, seine Heimatstadt zu verlassen. Nie zuvor hätte ich es mir träumen lassen, dass ich Colin einmal dazu aufforderte, zu reden.
    „Ich knall dir gleich einen von diesen Steinen gegen den Hinterkopf, wenn du nicht gleich sagst, was Sache ist!“, rief ich Colin nach.
    Wir hechteten über die klobigen Felder, die hinter Laubwechselfeld lagen. Der Ascheregen hatte längst aufgehört, das von unzähligen Füßen und Autoreifen plattgewalzte Gras verfärbte sich mit jedem weiteren Schritt und nahm wieder ein halbwegs gesundes Grün an, dafür aber verunstalteten unförmige Gesteinsbrocken in allen Größen – manche faustgroß, andere wie ein Autoreifen gewachsen – das ohnehin pervertierte Landschaftsbild.
    „Das sind keine einfachen Steine - das sind Meteoriten.“
    „Meteoriten ...?“ Ich zermürbte mir Schädel. „Da war doch was ...“
    „Deoxys war damals aus einem Meteoriten gekommen. Den Meteorit, den ihr zerdeppert habt, du erinnerst dich?“, sagte Colin.
    „Stan hat ihn zerlegt und in Stücke geschlagen, nicht ich, aber ja, ich erinnere mich natürlich ...“, erwiderte ich. Stan fiepte auf meine Wort hin empört auf. Ich wandte mich noch im Weiterrennen ihm zu. „Beweis mir das Gegenteil, kleiner Mann.“ Ein knisternder Funke aus seinem Fell verfehlte nur knapp mein rechtes Ohr. „Ja, schon gut ... Ich war vielleicht auch nicht ganz unschuldig“, brummte ich einsichtig mit den Bildern im Kopf, wie ich in den Armen meines Trainers wild um mich herum geschlagen und ihn so – unbeabsichtigt natürlich – zu Fall gebracht hatte. „Aber was heißt das, was will es hier?“, lenkte ich das Gespräch wieder auf die richtige Bahn.
    „Ich nehme an, Deoxys fühlt sich von Meteoriten magnetisch angezogen und wie du siehst, gibt es davon eine Menge hier“, meinte Colin.
    „Deoxys ist also nicht in der Stadt“, schlussfolgerte ich, „sondern irgendwo hier! Wo?“ Einem fieberhaften Wahn gleich, warf ich Blicke in alle Richtungen, auch in den Himmel empor.
    „Wahrscheinlich nicht hier; lass mich ausreden!“, fiel mir Colin jäh ins Wort, als ich bereits entrüstet den Mund aufgemacht hatte. „Die höchste Konzentration von Meteoriten gibt es in einer Höhle in der Nähe - sie ist berühmt.“
    Dem Knirschen des Sandes unter unseren Füßen schloss sich ein schnell wachsendes Stimmengewirr an. Es kam einem aufgebrachten Bienenschwarm gleich. Etwas wartete hinter der Bergkuppe auf uns ...
    „Und dahin sind wir unterwegs?“, wollte ich wissen.
    „Genau, da vorne ist sie gleich ... Oh, verdammt ...!“
    Wir meisterten nach kurzem Aufstieg den vor uns liegenden Hügel – und erstarrten noch auf der Spitze des Bergrückens regelrecht zu Salzsäulen.


    Kein Wunder, dass Laubwechselfeld fast ausgestorben hinter uns lag. Wer sich nicht in den Mauern seines Hauses verbarrikadiert hatte, war hier als einer von hunderten – oder waren es tausende? – vorzufinden; ein Albtraum für mich, selbst noch dann, obwohl ich nicht mehr ganz so menschenabgeneigt war, wie einst. Noch nie zuvor hatte ich einer solchen Armee von Menschen gegenübergestanden, die obendrein noch an einem Ort versammelt waren. Junge wie auch alte; Frauen und Männer; von strebsamen Müllmännern bis hin zu arbeitsfaulen Schreibstuhlhockern – hier war einfach alles vertreten. Und hinter all dem; hinter einem ganzen Fuhrpark an Metallkarosserien; hinter den Heerscharen von Zweibeinern, hinter blinkenden Absperrungen, hinter denen noch weitere wichtigtuerische, uniformierte Menschen standen, war sie, die Höhle.
    „Wir müssen da rein!“, sagte ich, schaffte es aber nicht, die Verunsicherung in meiner Stimme zu unterdrücken. Ebenso auch Colin.
    „Ich weiß ...“, murmelte er. „Lass aber erstmal schauen, was eigentlich Sache ist.“
    Wir kämpften uns den Hügel herab und fanden uns schnell inmitten des Farbenmeers von Colins Artgenossen wieder. Ein wenig des alten Stans, wie ich ihn auch kannte, rückte wieder ans Tageslicht. Mit einem leichten Anstubsen und dem dazu passenden leidigen Ausdruck auf seinem Gesicht signalisierte er mir unmissverständlich, dass er keine sonderlich große Lust verspürte, sich pausenlos auf Schwanz und Pfoten treten zu lassen – woher kannte ich das bloß ...?


    Ich hatte es mir bereits aus der sicheren Distanz schrecklich vorgestellt, Teil dieses gigantischen Schwarms zu sein. Nun aber, im Zentrum des Stocks, wurde mir erst richtig Klarheit verschafft, wie schrecklich es in Realität war. Stimmen, abertausende von ihnen, sie redeten unaufhörlich, kannten kein Erbarmen; sie summten und brummten. Es war eng, ich kämpfte mich ellebogenrudernd durch die Masse hindurch. Es war heiß, klebriger Schweiß rann mir in Strömen an Kinn Armen und Hintern hinab, unbeabsichtigt streifte ich ihn von meinen Gliedern zu meinem Nachbar, andere wieder an mir. Es war die Hölle, ich musste hier raus, drückte Stan ganz dicht an meinen Leib, nur seine Anwesenheit – war er auch noch so stumm und war er selbst ebenso eingeschüchtert, als ich es auch war – half mir dabei, nicht den Verstand zu verlieren und halbwegs einen kühlen Kopf zu bewahren, während ich auf meinem Streifzug durch die Menschenmassen scharenweise böse und missbilligende Blicke erntete.


    „Das sind sie! Mum! Dad! – Entschuldigung, darf ich mal bitte ...?“
    Wie es Colin in diesem Getümmel gelang, seine Eltern ausfindig zu machen, war mir ein Rätsel. Ich arbeitete mich ebenfalls nach vorne durch – nicht ohne reichlichen Einsatz meiner Ellenbogen zu machen. Endlich wurde mir Klarheit verschafft, wem Colin seinen Vorgartenzwergenwuchs zu verdanken hatte: Mr. und Mrs. Knox waren beide kaum größer, als es mein Leihkörper war.
    „Colin! Schatz!“ Mrs. Knox schloss ihren Sohn zärtlich in ihre Arme. „Du bist wieder da.“
    „Hallo, Colin!“, grüßte Mr. Knox seinen Sohn zufrieden lächelnd. Colin war ihm sehr ähnlich – Augen, Gesichtszüge, der Kurzhaarschnitt, nur die kastanienbraune Haarfarbe, die hatte er von seiner Mutter vererbt bekommen. „Wie war es? Haben sich deine Großeltern gefreut? Sie sehen dich ja sonst nur so selten.“
    Colin löste sich aus der Umarmung seiner Mutter. „War schön, und die Reise erst ...“ Colin fing meinen missbilligenden Blick auf. Er räusperte sich. „Äh, was ist hier eigentlich los?“
    „Hast du es nicht mitbekommen? Hier hat sich gestern Nacht ein seltenes Pokémon niedergelassen. Es ist aus dem Raumfahrtzentrum in Moosbach City ausgebrochen. So etwas sieht man ja nicht alle Tage“, meinte Mrs. Knox.
    Colin und ich tauschten Blicke, dann sah ich Stan an. Mein Puls raste. Deoxys war tatsächlich da. (*4)


    Angetrieben von dem überirdischen Verlangen, diesem Albtraum endlich ein Ende zu bereiten, kämpfte ich mich immer weiter nach vorne durch, ließ meinen spitzen Ellenbogen sprechen, wenn man mir keinen Platz verschaffen wollte und unterbrach dabei alberne und sinnfreie Gespräche von Dosenravioli bis hin zu den aktuellen Pokémon-Meisterschaften auf dem Indigo-Plateau. Alberne Menschen ... Konnten sie nicht woanders tratschen? Mussten sie mir hier im Weg stehen? Hier ging es um mehr, um viel mehr. Und nichts konnte mich von meinem Vorhaben abhalten, auch nicht diese wackelige Absperrung. Viel zu lange hatte es gedauert ...
    „Augenblick, junger Mann!“
    Ich war bereits unter dem lächerlichen Hindernis hindurchgeklettert, welches die Menschenscharen von der Höhle trennten, als sich plötzlich ein schwarz uniformierter Mann zwischen mich schob und kraftvoll seine Hand auf meine Schulter legte.
    „Was ist los?!“, fuhr ich ihn unwirsch an.
    „Zurück hinter die Barrikade!“
    „Warum?“
    „Zu deinem Schutz. Jetzt mach schon.“
    „Danke, mir geht es auch ohne deine Hilfe sehr gut.
    „Schluss jetzt!“
    „Geh mir aus dem Weg!“
    „Mach, dass du zurückkommst!“
    „Ich denk ja nicht dran!“
    Ich hatte bereits die Fäuste geballt, auch wenn mir insgeheim klar war, dass ich gegen diesen muskulösen Mann wohl keinen Sieg erringen konnte. Doch sich jetzt einfach geschlagen zu geben, kam gar nicht in Frage. Ich röntgte die Sicherheitskraft, hatte nur Augen für eines – die Höhle. Zwei weitere Männer, in denselben Farben gehüllt wie auch die Nervensäge vor mir, stießen zu mir und drängten mich nun mit Gewalt hinter die Absperrung zurück. Ich protestierte lautstark, ohne aber Erfolg zu verzeichnen. Ich war stocksauer. Ich musste da rein, wenn es sein musste, auch mit Gewalt.


    „Das kannst du vergessen. Das wird nichts.“ Colin hatte zu mir eingefunden. „Meine Eltern meinen, die wollen mit einem Sondereinsatzkommando anrücken, die Höhle versiegeln und zum Sperrgebiet erklären. Da kommt dann nichts mehr rein und auch nichts mehr raus.“
    „Du glaubst doch nicht, dass ich jetzt einfach abziehe?!“, rief ich unter schnell steigenden Blutdruck. „Ich geh da rein, und wenn hier erst Köpfe rollen müssen!“
    Abermals stahl ich mich unter der Absperrung hindurch – wieder wurde ich grob zurückgedrängt.
    „Die Leute gucken schon ...“, zischte Colin, nachdem man mich zum zweiten Mal auf meinen Platz verwiesen hatte. Ich ignorierte ihn.
    „Ich lasse dich gleich gewaltsam entfernen, wenn du weiter Ärger machst! – Letzte Warnung!“, mahnte der Sicherheitsbeamte, der mich nun drei Mal in Folge zurückgeschoben hatte. Ungeheurer Nachdruck lag in seiner Stimme.
    „Komm runter“, zischte mir Colin zu.
    „Ich muss da rein, verdammt!“, tobte ich.
    „Ich weiß ...“
    „Lenk sie ab, mach was!“
    „Und wie?“
    „Mir doch egal! Mach ’nen Handstand, jonglier mit Mülltonnen, sag, du hättest ’nen Wachstumsschub – nur mach was!“
    „Das sagst du so leicht ...“
    „Du bist auch für nix ...“
    „Weinst du?“ Colin wirkte erstaunt. Die Frust hatte mir tatsächlich Tränen in die Augen getrieben, mein Herz lag in Trümmern, die Hoffnung war in Scherben geschlagen. Eiligst fuhr ich mir mit dem Arm über das Gesicht.
    „Natürlich nicht!“, entgegnete ich. „Ich hab nur Dreck im Auge - spielt ja keine Rolle. Ich muss da rein“, wiederholte ich abermals.
    Colin hüllte sich in Schweigen. Ich lehnte mich begierig über die Absperrung hinweg. Niemand beobachtete mich gerade. Wenn ich mich beeilte, dann vielleicht ...“
    „Warte! Ich glaub ... ich hab da was ....“ Colin hatte mir seine Hand auf die Schulter gelegt. Auch wenn ich nicht glaubte, dass Colin etwas Besonderes aus seinem mickrigen Ärmel schütteln konnte, kehrte doch ein Funken Hoffnung wieder zurück.
    „Danke“, sagte ich.
    „Bedank dich nicht so früh ... Such dir lieber erst einmal ein schattiges Plätzchen, ich muss weg.“
    „Ein schattiges Plätzchen?“ Verwirrt sah ich Colin nach, wie er schnell in den Menschenmassen hinter mir unterging. Wo wollte er hin, was hatte er vor? Wie sollte er überhaupt so viel Unruhe stiften? Das war unmöglich ...


    Die Minuten verstrichen. Kein Colin und auch kein von ihm heraufbeschworenes Wunder. Rastlos patrouillierte das Wachpersonal vor meinen Augen auf und ab, warfen mir immer und immer wieder argwöhnische Blicke zu, verwiesen andere Störenfriede auf ihren angemessenen Platz. Ich vergrub die Fingernägel meiner Hand, die nicht Stan umklammert hielt, in das Metall der Absperrung. Dieses lächerliche Stück Schrott. Wie konnte ich mich nur so zum Narren halten? Stan und ich tauschten Blicke. Ich seufzte, er sah mich ratlos an.
    „Was tun ...?“, flüsterte ich ihm leise zu.
    Stan verzog nachdenklich das Gesicht, antwortete aber nicht.
    Wie lange sollte ich noch warten? Ich hasste es. Abermals schwenkte mein Blick an der Absperrung vorbei in Richtung der Höhle. Sie lag keine zweihundert Meter von mit entfernt. Es war so lächerlich ...
    Stan begann plötzlich in meinem Arm heftig zu zittern, sein Schweif vibrierte bedrohlich. Ich sah zu ihm hinab. Sein Fell stand ihm zu Berge.
    „Was ist los?“
    Unruhe breitete sich hinter meinem Rücken aus, das Stimmengewirr hatte eine ganz neue Tonlage angenommen, ängstliche und panische Schreie lagen in der Luft; ein Windstoß fuhr mir über den Kopf, heulte bedrohlich; die Kleider an meinem Leib und auch bei meinen Nachbarn begannen heftig zu flattern, abermillionen Staubkörner wirbelten ziellos umher; ich schluckte Sand, musste kräftig husten.
    „Ein Sandsturm!“, hörte ich aus dem undeutlichen Stimmengewirr heraus. „Auf den Boden!“ (*5)
    Nun hatte ich tatsächlich Sand in den Augen. Der Druck von Schulter an Schulter stehenden Menschen löste sich immer mehr. Mit zugekniffenen Augen warf ich einen Blick über die Schulter. Wer sich nicht schützend auf den Boden geworfen hatte, der rannte Hals über Kopf zu seinem parkenden Auto und suchte dort Schutz. Ich blickte nach vorne - ich hatte freie Bahn. Colin hatte es geschafft ... irgendwie.

  • Gut, nach einmal Schulweg hin und retour plus eine Freistunde, kann ich endlich mal wieder ein Kommi hier abgeben. Höchste Zeit, immerhin bin jetzt schon 8 Parts im Rückstand^^;


    Zu Fehlern kann ich gerade nichts vermelden, da hab ich keinen gefunden, der so grob gewesen wäre, dass er den Lesefluss gestört hätte. Also gehe ich wie gewohnt gleich weiter zum Inhalt:


    Der Boss ist also ein Flamara… ich erinner mich noch daran wie du mir erzählt hast, dass du zwischen Flamara und Sheinux schwankst. Damals hab ich dir noch Flamara empfohlen… aber wie ich sehe war deine Wahl eindeutig die bessere XD
    Da ich aber aus irgendeinem Grund in meinem Kopf so eigene Vorstellungen von einem Flamara habe, hat es etwas gedauert bis ich mich an das Boss-Flamara gewöhnt habe. Doch trotzallem ein ziemlich cooler Charakter(harr harr!) obwohl er der Herrscher dieser Bande ist, zeigt er sich von einer sympathischen Seite. Aber der arme Stan, der es ja bekanntlich schwer mit sozialen Aktivitäten hat, ist am Anfang mit der Situation vollkommen überfordert. Versteht anfangs nicht das sie einfach über jeden seiner Wortspiele lachen und ihm nicht auslachten (Auch wenn es im Leben oft leider umgekehrt ist; Man glaubt das sie über irgendeinen Witz lachen, in Wirklichkeit lachen sie einen aus, das kenn ich eher…)
    Stan teilt scheinbar eine Vorliebe mit Sheinux: Methapern und Wortspiele. Diese bringen mich immer wieder zum Lachen, ein Lob an den Herrn Autor^^
    Und siehe da, einen Part später hat sich Stan schon sehr gut in die Gemeinschaft „eingelebt“ und reißt einen Witz nach dem anderen. Kein Wunder das sie gerne so einen Komödianten und Lebensretter gerne in der Bande hätte. Ein verführerisches Angebot, insbesondere wenn man zuvor immer nur Ablehnung von anderen bekommen hatte. Endlich mal selbst zu sein, da wäre es wohl nicht mal das größte Problem ein Pokemon zu bleiben… aber seine Schuldgefühle wegen Sheinux lassen ihn Zögern (gut so)


    Und endlich erinnert er sich wieder dran, dass er eigentlich Sheinux einmal das Leben gerettet hat… nämlich gleich zwei Mal und ihm deswegen der Ehren Kodex eigentlich verpflichtet bei Stan zu bleiben. Als er sich so von den anderen verabschiedet, hab ich schon fast vermutet, dass Fukano mit ihm mit kommen muss. Wäre bestimmt eine lustige Wendung gewesen, wenn der Arme mit Stan hätte mitkommen müssen aber so ist es vielleicht besser. Für Fukano.


    Zitat

    „Fukano, der Lebensretter“, schniefte Flamara gekünstelt. „Das ich das noch erleben darf ... Unser Fukano wird erwachsen, wie rührselig. Reicht mir doch mal bitte ’nen Putzlappen – ich glaube, mein Zinken tropft.“


    Richtig rührend! Einfach nur zum Tod lachen XD


    Nun die Welt nicht mehr so negativ sehend, schleicht er sich wieder –voller Zweifel und Hoffnungen- ins Krankenhaus und kabum: Das Zimmer ist leer. Mein erster Gedanke war: Was ist Sheinux tatsächlich ohne Stan aufgebrochen?! Wie soll das alles noch in 1 ¼ Kapitel schaffbar sein?
    Nun aber bemerkt Stan das Sheinux Sachen noch da waren (vom Namensschild mal ganz abgesehen) und da wurde mir schon klar wo er sein musste.


    Die anschließende Verfolgung hätte sogar Sheinux vor Neid erblassen lassen können.
    Gejagt von einer Horde Ärzte, Krankenschwestern und was da noch alles so in einem Krankenhaus arbeitet aber durch Zufall genau in Sheinux Arme geführt. Ein wirklich herzliches und Tränenreiches Wiedersehen, wirklich rührend und emotional^^ Ich persönlich war wirklich glücklich darüber, dass sie sich wieder versöhnt und verziehen haben, da können auch die paar Ärzte nichts ändern. Die bekommen ohnehin von Sheinux eins (Verbal) über die Rübe.


    Und damit fängt auch schon das letzte Kapitel von Buch 2 an, wieder zurück in gewohnter Sheinux-Perspektive, der auch wieder ganz so ist, wie wir ihm kennen. Vom depressiven Sheinux ist keine Spur zurück geblieben und dass darf besonders wieder Colin zu spüren bekommen, da Sheinux einfach seine Erklärungen wie gewohnt ignoriert. Ach ja, der Ascheregen, als ich das erste Mal Pokemon Smaragd durchgespielt habe, dachte ich anfangs auch, dass das Zeug Schnee sei…
    Fand auch gut, dass du einen Bezug zur Aschen Verwendung in Landwirtschaft eingebaut hast, solche Details machen einfach die ganze Welt um einiges lebendiger, find ich jedenfalls.
    Abgesehen dass sie in die etwas angespannte Stadt kommen passiert aber noch nicht sonderlich viel, ganz einfach weil bis jetzt nur die ersten 3 Parts online sind… das hätte ich gesagt, wenn ich mein Kommi früher abgeschickt hätte XD
    Also sag ich auch noch was zum Part Hornissennest. Mein erster Gedanke war ein Schwarm Bibor aber schnell kapiert man, was damit gemeint ist: Die Masse der Menschen, zahlreich wie in einem Bienen/Hornissennest. Das Sheinux mit dieser Größenordnung nicht ganz klarkommt war nicht wirklich überraschen aber immerhin steckte er noch immer im Körper eines Menschen und musste sich nicht fürchten zertreten zu werden. Kurzes Treffen mit Colins Eltern (denen scheinbar egal war, wer Colins Begleiter war) und dann geht’s gleich mit einer weiteren Runde „mit dem Kopf durch die Wand“ Sheinux Versuche, an den Wachen vorbei in die Höhle zu kommen, waren sehr unterhaltsam, auch wenn’s für ihm ziemlich frustrierend ist. Als Colin seine Hilfe angeboten hat, war ich persönlich so neugierig wie Sheinux, was er wohl machen würde. Aber ehrlich, einen Sandsturm hätte ich nicht erwartet… ich nehm mal an, da war Sandan tätig : D


    Kaum zu glauben dass wir schon fast am Ende von Buch 2 sind, kann mich noch sehr gut an das Kapitel mit der geniale Wendung erinnern… Jetzt ist die Frage: Wie wird die Begegnung mit Deoxsys ablaufen, was wird alles noch in den Meteorfällen geschehen? Ich lass mich da mal überraschen : D


    Das war’s wiedermal meinerseits und wie ich seit neuestem zu sagen pflege:


    Auf baldiges weiter lesen,
    Toby^^

  • Part 5: Alleingestellt


    Stans und meine Schritte hallten von den massiven Felswänden wider, ein intensives Duftgemisch aus Kalk und quellfrischem Wasser lag in der Luft, das Dröhnen des Sandsturms war verebbt. Wir hatten es geschafft, wir waren ungesehen ins Höhleninnere eingedrungen. Hier irgendwo – mein Blick schweifte bereits zum wiederholten Male umher – wartete Deoxys auf uns. Ich stolperte über einen Stein – ein Meteorit, genau wie Colin gesagt hatte. Der vernarbte Boden dieses Ortes war regelrecht von ihnen gepflastert. Überall lagen sie achtlos verstreut; Staub tanzte in dem trüben Licht, das sich seinen Weg gewaltsam durch die durchlöcherte, küchensiebgleiche Höhlendecke bahnte; kleinere und auch größere trichterförmige Einschlagskrater pflügten den Boden und bereiteten achtlosen Wanderern Herzsprünge vor Schreck. Stan und ich tauschten Blicke, nickten einander stumm zu.


    Wir gelangten zu einer Gabelung. Welchen Weg sollten wir nehmen? Abermals sahen wir uns an, Stan zuckte ahnungslos die Schultern. Wir gingen nach rechts. Der Weg verschmälerte sich – Sackgasse. Wir gingen zurück, schlugen den linken Pfad ein. Vielleicht hundert Meter – abermals eine Weggabelung. Wir marschierten einfach weiter. Fünf ereignislose Minuten zogen dahin. Der Weg war völlig ausgestorben, nichts regte sich, überall Meteoriten. Schweigend gingen wir voran. In der Ferne kündigte ein Rauschen die erste Ablenkung an – ein unterirdischer Fluss schlängelte sich quer durch das Höhleninnere, nicht wild, aber auch nicht gerade ein stehendes Gewässer. Ich konnte den Boden durch das kristallklare Wasser sehen, es war nicht sonderlich tief. Ich nahm Stan in die Arme, watete mit nackten Füßen in das Wasser, es reichte mir bis zu den Waden. Ich erschauderte, es war eiskalt; die wenigen Haare an meinen Gliedern richteten sich entrüstet auf.
    Wir hatten wieder festes Land unter den Füßen. Stan hüpfte entschlossen von meinen Armen, ich streifte mir wieder Socken und Schuhe über die tauben Füße.

    Das Rauschen des Flusses verebbte langsam. Abermals spaltete sich der Weg in zwei verschiedene Richtungen. Wir gingen nach rechts, bahnten uns unseren Weg über dutzende durchlöcherte Meteoriten – Sackgasse. Und noch immer nichts von Deoxys zu sehen. Zweifel kamen langsam in mir auf, ich bekam es mit der Angst zu tun. Was wenn Deoxys gar nicht da war? Als ob er wusste, was in mir vorging, sah mich Stan an. Er nickte mir zu, gab mir neue Kraft. Wir marschierten zurück, nahmen den anderen Weg. Zwei Minuten gingen wir weiter, als plötzlich Stan und Augenblicke später auch ich erstarrte. Ein Dumpfes Dröhnen hallte uns entgegen, der Boden und Wände vibrierten, feiner Staub rieselte von der Decke herab, ein schriller Schrei ...
    Mein Herz hämmerte, ich beschleunigte meine Schritte. Abermals zitterte die Erde. Jetzt rannte ich, Stan ebenfalls. Was ging da vor? Eine Weggabelung. Abermals ein durch Mark und Bein gehendes Gebrüll – es kam von links.
    Nur noch unserer Schritte waren plötzlich zu hören, alle anderen Geräusche um uns herum waren verstummt. Wir schlugen um eine scharfkantige Höhlenwand; eine Minute lang schnurgeradeaus. Fremde Geräusche gesellten sich auf einmal wieder zu dem kontinuierlichen Hallen unsere Schritte. Eine Stimme, sie klang zufrieden. Ein Knick in dem Weg. Ich erstarrte. Ein Mensch stand mit dem Rücken zu mir, schmal mittelgroß, etwa in meinem Alter, schwarzweiße Kleidung, eine rücklings aufgezogene Kappe. Er drehte sich um, verzog das Gesicht, die smaragdgrünen Augen verengten sich zu Schlitzen.

  • Part 6: Der Adler erhebt sich


    „Du!“
    „Ja, ich.“ Der Sand unter Eagles Füßen knirschte auf, regelrecht gelangweilt fuhr er sich über die Stirn und schob die wenigen grauen Strähnen, die ihm im Gesicht lagen, beiseite. Wie bei unserer letzten Begegnung blinzelte er kaum, sein Blick lag starr und kalt auf mir.
    „Was willst du hier?“, blaffte ich ihn an, Stan dagegen knurrte.
    „Dasselbe könnte ich dich fragen“, entgegnete er.
    Ein schriller Schrei dröhnte in meinen Ohren. Sky, das Pokémon, mit dem es Fiffyen bei unserer ersten Konfrontation zu tun bekommen hatte, schwebte in dem kreisrunden Raum auf etwa fünf Meter Höhe auf einer Stelle. Sein rassiermesserscharfer Schnabel blitzte auf, ebenso seine vernichtenden Klauen und die scharfkantigen, scheinbar aus Eisen gegossenen Federn. Er war hinter seinem Trainer, und da war noch was. Ein gigantischer Meteorit, viel größer als alle, die ich jemals gesehen hatte. Größer als ein Mensch, größer als Sky, größer als ein ausgewachsenes Automobil – und genau am Fuße des Felsbrockens ... Mir fiel das Herz in die Hose, Speichel tropfte mir ungewollt aus dem Mund.
    „Nein!“
    Deoxys starres weißes Augenpaar stierte mir entgegen, die tentakelartigen Glieder hingen schlaff auf dem Boden, der sonst so makellos geschliffene Körper war durch etliche Kratzer, Beulen und Flecken völlig entstellt – Skys Handschrift. Mit dem Rücken zu dem Meteor lag Deoxys dort, etwas Flehentliches lag in seinem Blick. Hätte dieses Pokémon einen Mund besessen – es hätte sicherlich vor Schmerzen geschrieen.
    „Du Drecksack!“ Ich ballte die Fäuste, vergrub die Fingernägel tief in das darunterliegende Fleisch, ich zitterte am ganzen Leib. Er hatte es getan, er hatte Deoxys ausgemerzt. Keine Rechtfertigung für dieses Handeln wollte mir in den Sinn kommen, keine Strafe wollte mir dafür einfallen, keine Worte waren in der Lage, meine Gefühle zu beschreiben.
    „Spar dir die Komplimente. Noch ist es nicht soweit“, sagte Eagle. „Ich muss noch den Abfall wegräumen, bevor der Lufthoheit endlich genüge getan ist.“
    „Es lebt?“
    Schlagartig fixierte ich Deoxys. Tatsächlich! Schwaches Leben regte sich in seinen Gliedern, es lebte – noch. Erholte es sich gerade oder sickerte wohlmöglich immer mehr seiner Kraft aus seinem Körper, während wir uns unterhielten?
    „Ja, es lebt. Die Siegesfeier lässt also noch etwas auf sich warten“, antwortete Eagle gelangweilt.
    Mein Blick ruhte auf Deoxys. Es sah mich an. Diese Augen ... So lange hatten sie mich in meinen Albträumen verfolgt, doch waren es nicht die gleichen. Sie hatten nicht mehr die Verachtung für mich übrig, auch nicht die Häme, wie ich es ihnen stets nachgesagt hatte. Sie flehten mich an, bettelten um Hilfe.
    „Wenn es dir also nichts ausmacht“, sagte Eagle, „dann wisch ich hier noch den Boden auf.“
    „Oh, und ob es mir etwas ausmacht!“, entgegnete ich scharf und tat einen bestimmenden Schritt in die richtige Richtung – nach vorne.
    Eagle verzog das Gesicht zu einer hämischen Grimasse und wedelte mit der Hand vor seiner Nase, als wollte er ein lästiges Insekt verscheuchen. „Puh!“, sagte er. „Komm mir nicht zu nahe. Der Gestank des Versagens liegt plötzlich in der Luft.“
    „Musst ’nen ganz schön verstopften Zinken haben, wenn du erst jetzt merkst, wie du eigentlich stinkst. Aber keine Sorge, es gibt noch Hoffnung: Semmelbrösel in den Socken, hält den ärgsten Käsefuß trocken“, entgegnete ich und näherte mich ihm weiter.“
    Das noch vor Sekunden von Spott überquellende Gesicht verfinsterte sich wieder, die Smaragde in seinen Augen waren schärfer als jemals zuvor geschliffen. „Du willst tatsächlich noch einmal die Klingen mit mir kreuzen?“ Es war nicht mehr als ein Flüstern, dennoch verstand ich jedes seiner Worte.
    „Klingen kreuzen? In deinen verwöhnten und arroganten Arsch treten werde ich dir, wenn du mir nicht gleich von der Pelle rückst!“
    Jetzt marschierte ich erst richtig los, Stan unmittelbar an meiner Seite, peilte genau den Menschen vor mir an. Ich hatte die Fäuste geballt, bereit, ihm alles entgegenzuschleudern, was dieser kümmerliche Körper für ihn bereit hielt.
    Ich hatte mich ihm auf wenige Meter genähert. Eagle hatte sich keinen Millimeter gerührt, mit verschränkten Armen stand er da. Auf was wartete er? Die Antwort traf mich wie ein Schlag ins Gesicht. Ein Meer aus messerscharfen Federn und Klauen hatte sich schlagartig zwischen mir und Eagle aufgebaut. Sky war aus der Höhe herabgeschnellt und hatte sich schützend zwischen seinem Trainer und mir geschoben. Stan und ich strauchelten einige Schritte zurück, ich verlor das Gleichgewicht, fiel rücklings auf den Boden und schrammte mir dabei die Hände auf. Skys ohrenbetäubender Schrei trieb mir Tränen in die Augen, das Auf- und Abschlagen seiner Flügel fächerte den Dreck auf und verstrubbelte Stans Fell. Die gelben Augen des Flug-Pokémons durchbohrten mich förmlich, sagten ganz klar: Bis hierher und nicht weiter, mein Freund! Und hinter dieser monströsen fliegenden Festung – Eagles Stimme. Sie klang vergnügt.
    „Tztz! Wer wird denn gleich ...“ Sky schwebte wieder etwas höher, sodass sein Trainer wieder Blickkontakt mit mir herstellen konnte. „Aber so gefällst du mir, wenn du vor mir im Dreck kriechst“, höhnte er herablassend.
    „Du magst also Dreck?“, sagte ich leise und vergrub die Hand im Boden. „Dann nimm!“ Ich pfefferte ihm eine Ladung Sand ins Gesicht. Fluchend stolperte er zurück und vergrub sein Gesicht in den Händen. Eiligst rappelte ich mich auf und nahm schnellstmöglich Abstand ein. Sky schnellte aus der Luft wieder herab, er brüllte mir entgegen. Ich zückte einen Pokéball von dem Gürtel an meinem Leib. Das war es also ...

  • Part 7: Mit dem Mut der Verzweiflung ...


    Noch während die Druckwellen über den Boden fegten, die Höhlenwände vibrieren ließen und der Sand in Strömen von der Decke regnete, feuerte Feurigel seinem übermächtigen Feind eine neue Salve Feuerbälle entgegen. Die mächtigen, stahlgespickten Schwingen trugen Sky abermals empor, ließen die fliegende Festung dem Angriff ein weiteres Mal entgehen.
    Ein kampfhungriges Brüllen kündigte Skys erneuten Angriff an. Im Sturzflug peilte er mit ausgefahrenen Krallen seinen winzigen Gegner an. Feurigel wich aus, rollte sich auf die Seite ab. Die hell lodernden Flammen auf seinem Rücken speiste die Intensität des Feuerstrahls, der plötzlich pausenlos seinem Rachen entging. Das Flammenmeer verfolgte das kreiseziehende Flug-Pokémon, schwärzte Decke und Wände. Die Luft kochte, der Raum, noch vor wenigen Minuten kühl und erfrischend, hatte sich in seinen sengenden Hochofen verwandelt. Unter kochendem Puls wusch ich mir den Schweiß vom Gesicht, erlaubte es mir, für einen kurzen Moment durch das Kampfgetümmel hindurchzublicken. Eagles Gesicht war schwer zu deuten. Mit verschränkten Armen stand er da, beobachtete das erbitterte Gefecht. Seine sonst so grünen Augen waren von dem Dreck, welchen ich ihm entgegengefeuert hatte, rot geschwollen. Er blinzelte jetzt öfters, was ihm mehr Menschlichkeit verlieh. Etwas Spott war ich von seiner Seite nicht entgangen, da ich Feurigel regelrecht anflehen musste, dass er für mich kämpfen sollte. Es war mir egal. Ich wusste, dass Feurigel keinen großen Gefallen am Kämpfen fand, doch wusste ich auch, dass unter seinem ruhigen und zurückhaltenden Pelz ein rechtschaffenes Herz schlug. Er war bereit, für mich, seinen Freund, zu kämpfen, aber auch für Stan, der ihn pausenlos anfeuerte; all das beobachtet von Deoxys. Geschwächt lag es an dem gigantischen Meteor gelehnt, beobachtete das Geschehen mit ausdrucksloser Miene. Was es wohl dachte ...?


    Eine Explosion jagte durch die Höhle; trüber Rauch stieg auf, vernebelte die Sicht; Gesteins-Schrapnelle wirbelten durch die Luft. Schützend hielt ich mir die Arme vor das Gesicht. Ein großer Felsbrocken war einem von Feurigels missglückten Geschossen zum Opfer gefallen, ein großer Teil seiner Oberfläche war weggesprengt worden, schroff gezackte Ecken und Kanten standen an dem nun unförmigen Gebilde auf und ab. Sky zog wieder seine kreisförmigen Bahnen direkt über Feurigel. Sein starrer Blick fixierte seinen winzigen Gegner. Er öffnete den Schnabel und präsentierte dabei eine Reihe von vernichtenden, spitzen Zähnen. Hundertfach verstärkt echote Skys Kampfschrei durch die Höhle, schmerzverzerrt schlug ich die Hände auf die Ohren und kniff die Augen fest zusammen. Als ich sie wieder öffnete, sah ich Feurigel zittrig auf dem Boden kauern. Langsam und stark taumelnd rappelte er sich wieder auf und rollte sich im letzten Augenblick auf die Seite, gerade noch rechtzeitig, um einem energiegeladenen Hieb von Skys rechtem Flügel zu entgehen, der eine tiefe Furche in den Boden schlug. Von der brachialen Wucht dieses Angriffs abermals aufgewirbelte Felssplitter flogen kreuz und quer umher. Eines traf mich am Handgelenk, sofort sickerte rötliches Blut aus der frischen Wunde heraus. Ich kniff die Augen zusammen, schluckte den Schmerz stumm herunter. Feurigels plötzliches qualvolles Quicken ließ mich mein kleines Elend sofort gänzlich vergessen. Auch an ihm war der letzte Angriff nicht spurlos vorrübergegangen – sein zartgelbes Fell verzeichnete tiefe Schürfungen, die Flamme auf seinem Rücken hatte erheblich an Stärke verloren. Zähneknirschend blickte er zu seinem Gegner hinauf, der sekundenschnell an Höhe gewann und schnabelbleckend wieder seinen erbitterten Widersacher fixierte.


    Ich feuerte Feurigel an, hoffte auf ein Wunder. Die Kraft und der Glaube hatten mich aber schon fast gänzlich verlassen. Von meinen Worten angespornt, richtete sich Feurigel mit zitternden Knien wieder auf. Statt einem Feuerstrahl entrann seinem Maul diesmal ein Sperrfeuer sternenförmiger Geschosse. Sky tat es ihm gleich. Ein Großteil der beiden Kräfte prallte mit einem hässlichen Klirren in der Luft aufeinander, fehlgeleitete schlugen mit demselben Geräusch auf Boden und Wände ein; etwa ein halbes Dutzend traf Skys entblößten Bug – er verzog nicht einmal eine Miene, feuerte einfach weiter. Das Prasseln der Geschosse verebbte nicht, immer weitere entrannen den Rachen der beiden Kontrahenten. Feurigel stoppte jäh, versuchte einen Augenblick zu verschnaufen – ein Fehler. Die nicht enden wollende Sinnflut an sternenförmigen Dolchen aus Skys Kehle hämmerte auf Feurigel ein. Die unglaubliche Gewalt des Angriffs ließ ihn einknicken, unter klagenden Schreien ging er zu Boden. Weitere unbarmherzige Geschosse kamen aus Skys Richtung entgegengeschleudert, ich konnte nicht mehr ... Ich zückte den Pokéball, der rote Strahl erfasste Feurigel, Skys Angriff verfehlte sein Ziel; dieser Kampf aber war vorbei ...

  • Part 8: Wer kriecht, kann nicht stolpern


    Schwer atmend betrachtete ich den Pokéball, den mein Hand umklammert hielt, meine Fingernägel kratzten wütend über die blanke Oberfläche. Feurigel hatte verloren, nicht einmal den Hauch einer Chance hatte er gegen diese monströse fliegende Festung besessen, keine Delle hatte er an seinem stählernen Brustpanzer hinterlassen. Noch immer sickerte das kleine Rinnsal an meinem Handgelenk unaufhörlich aus der Wunde, ein Tropfen perlte direkt auf Feurigels Pokéball ab, vermischte sich mit dem Rot auf der Kugel. So kurz vor dem Ziel und doch so fern ...
    „Wann siehst du es endlich ein, dass du mir nicht das Wasser reichen kannst?“
    Mit malmenden Kiefern wandte ich mich von dem Ball in meinen Händen ab, musste mich regelrecht dazu zwingen, in die kalten Augen vor mir zu sehen. „Wenn ich – wenn ich anderen das Wasser reichen wollte, wäre ich Kellner geworden.“ Selbst in den eigenen Ohren klang meine sonst so schlagfertige Antwort selten schwach, gar armselig. Falsche Arroganz konnte ich mir einfach nicht leisten. Eagle hatte einmal wieder sämtliche Fäden in der Hand und so sehr mir dieser Gedanken auch Unbehagen bereitete: er war einfach stärker – und ich hasste ihn dafür; einfach alles hasste ich an ihm, aber am meisten immer noch meine eigene Machtlosigkeit ...


    „Du und dein kleines Flak – ihr wollt es einfach nicht lernen, oder?“
    Die Augen, die ich krampfhaft für etwa eine halbe Minute zugekniffen hatte, öffneten sich wieder. Ich starrte direkt auf Stan. Er hatte sich zwischen mich und Sky geschoben.
    „Stan ...“
    Er wandte sich zu mir um, seine Augen leuchteten mir entschlossen entgegen. Er nickte mir zu, sprach mich an. Ich verstand ihn nicht - und irgendwie aber doch.
    „Willst du das wirklich?“, flüsterte ich ihm zu. Er nickte abermals und drehte sich wieder seinem Gegner zu.
    „Mut habt ihr, das muss man euch lassen“, sagte Eagle. „Aber mit Mut allein werdet ihr hier auf Granit beißen.“
    Auch ich wandte mich wieder unserem Widersacher zu. „Wir werden sehen ...“, entgegnete ich.
    Eagle schüttelte abweisend den Kopf. „Mein Team und ich – wir verstehen uns blind.“ Er sah zu seinem Pokémon empor. Wie auf Geheiß stieg Sky plötzlich langsam zu ihm herab, seine Krallen berührten den Boden. Eagle tätschelte seinem auf einmal zum handzahm bekehrten Pokémon zärtlich den glattgeschliffenen Kopf. Sky schloss die Augen, genoss es offenbar sehr. „Und das ist der Grund, warum du niemals gewinnen kannst – sieh es ein. Wir haben ein Band, das du niemals haben wirst.“
    Spöttisch stieß ich die Luft aus der Nase. „Ein Band? Verbunden mit deinen Pokémon?“ Jetzt war ich es, der skeptisch den Kopf schüttelte. „Du hast keine Ahnung ... Im Vergleich zu uns, wirkst du regelrecht armselig.“ Natürlich konnte er nicht wissen, was ich meinte. Doch war es mir gleich. Stan und ich, und das war das Entscheidende, - wir wussten es besser.
    „So?“ Eine Augenbraue wurde von seinem Besitzer fragend hochgezogen. „Denk von dir,
    was auch immer du willst – es ändert nichts.“ Eagle ließ die Hand von Sky ab. Gleichzeitig kam wieder der bekannte Kampfeswille seines Pokémons ans Tageslicht. Mit einigen wenigen, dafür aber umso kräftigeren Flügelschlägen stieß er sich vom Boden ab und schwebte langsam auf einen Meter Höhe empor.
    „Und ob ich das tue – und es wird sich etwas ändern!“, brüllte ich. „Und das werden wir dir jetzt beweisen! Zeig ihm doch mal den Blecheimerknacker!“ (*6)
    „Den was?!“
    Sky und Eagle reagierten beide nicht. Verdutzt sah der Mensch mir entgegen, Sky blickte fragend über die Schulter, direkt zu seinem Trainer. Stan dagegen hatte sich schlagartig in Bewegung gesetzt und hechtete direkt auf Skys entblößten Torso zu. Staub wirbelte auf, seine Pfoten stießen sich vom Boden ab, mit einem dumpfen Geräusch rammte er seinen Körper direkt in die Brust seines Gegners. Stan prallte ab und fiel rücklings auf den Boden, rappelte sich aber schlagartig wieder auf. Der Boden zitterte - die vom Himmel gefegte Festung brachte ihn zum Beben.
    „Hoch, Sky!“ Furcht lag in Eagles Stimme und Furcht war es, durch die ich schlagartig neue Hoffnung schöpfte
    „Vergiss es! Bring ihm die längst überfällige Stromrechnung, Stan!“
    Stans Kiefer bohrten sich in Skys Nacken. Prasselnde Blitze entwichen seinem Maul, Sky heulte vor Schmerz, zuckte noch im Senkrechtflug wild hin und her. Mit ruckartigen Bewegungen versuchte er, den kleinen Wicht, der ihm nun an der Kehle hing, mit aller Gewalt abzuschütteln – ohne Erfolg. Die Kraft verließ ihn, sickerte immer mehr aus seinem zermalmten Körper. Eine Druckwelle jagte über den Boden, zentnerschwer Stahl prallte auf die Erde. So, wie ich damals auf der Überfahrt zwischen Oliviana City und Moosbach City einen lästigen Piepmatz zu Fall gebracht hatte, hatte es Stan mir nun gleich getan. Die uneinnehmbare Festung lag in Trümmern.

  • Part 9: Was die Zukunft bringen mag ...


    Skys Kopf lag regungslos im Dreck. Seine Schreckensherrschaft hatte durch Stans unerwarteten Angriff ein jähes Ende gefunden. Der unüberwindbare Brustpanzer war gesprengt, seine Grenzen waren erreicht - die uneinnehmbare Festung war eingenommen worden.
    Der Ausdruck in dem Gesicht von Skys Trainer kam dem eines zum Tode verurteilten gleich, dem man soeben einen spitzen Dolch zwischen die Rippen gerammt hätte. Ungläubig starrte er auf den von Stan fabrizierten Metallhaufen. Das Entsetzen war ihm regelrecht ins Gesicht gemeißelt. Das hatte er sich sicherlich nicht träumen lassen. Seinem übertriebenen Ego wurde erstmals seit unserer Bekanntschaft einen heftigen Dämpfer verpasst. Doch ahnte ich auch, dass wir nur diese Schlacht für uns gewonnen hatten – der eigentliche Kampf war noch lange nicht beendet und ging weiter. Kannte der sich kontinuierlich aufstauende Zorn, ebenso wie die Aufgeblasenheit in dem Kopf unseres Feindes, keine Grenzen, so würde uns noch ein schwerer Sturm entgegenstehen. Und dennoch konnte ich strahlen. Das kleine, schlagende Ding unter meiner Brust hämmerte hoffnungsvoll und schwoll vor Stolz zu einer nie da gewesenen Größe an. Stan war - milde ausgesagt - eine Wucht. Worte waren zu schwach - ganze Chorsänge wären nötig gewesen, um das ganze Ausmaß seiner ruhmreichen Taten gebührend zu besingen. Schwer atmend grinste er mir entgegen. Er war wohl teilweise sogar selbst von sich überrascht, was mein eigenes stolzes Grinsen noch weiter in die Länge zog. Gleichzeitig wagte ich einen kurzen Blick zu Deoxys. Unsere beiden Blicke kreuzten sich. Meine Hoffnung traf auf die weiße, starre Ausdruckslosigkeit in seinen Augen.
    „Du – du!“
    Nur kurz erhaschte ich noch das Bild von dem rasch kleiner werdenden und in einem Pokéball verschwindenden Altmetall. Eagle hatte sich wieder gefasst, seine Augen blitzten auf. Er war bereit, bereit, seine Wut für unsere ungehobelte Dreistigkeit, sich ihm zu widersetzen, auszulassen.
    „Du!“ Die Stimme aus seiner Kehle kam einem wütenden Krächzen gleich, sein besohlter Fuß hämmerte rasend auf den Boden, die sonst so schmalen Augen waren vor blankem Hass weit aufgerissen. „Das lass’ ich nicht auf mir sitzen!“
    Es hatte nicht die übliche Eleganz, wie er einen Pokéball vom Gürtel zupfte und ihn in den Kampfring schleuderte. Wir hatten ihn provoziert und durften nun das ganze Ausmaß seiner Wut kosten, ob wir nun wollten oder nicht.


    Das, was langsam in dem gleißenden Licht des Pokéballs Gestalt annahm, gefiel mir ganz und gar nicht. Schneller als es mir lieb war, holte mich abermals das Gefühl der Hoffnungslosigkeit ein. Der ohnehin reichlich schwache Glaube an einen Sieg wurde von den beiden gewaltigen scherenartigen Gliedmaßen an dem Körper dieses Pokémons wieder in abertausende Stücke geschlagen; der unnatürlich azurblaufarbene Körper, die stechenden topasfarbenen und gleichzeitig irgendwie leicht gehemmten Augen, die schwarzen Gleitschwingen, die blanken Reißzähne und der stachelgespickte Schwanz riefen bei mir üble Erinnerungen an einen aussichtslosen Kampf wach, und gleichzeitig den Namen dieses Ungetüms – Scorpio. Bei unserer ersten Konfrontation war ich ihm deutlich unterlegen, was maßlos untertrieben war. Ausgeliefert, das war ich gewesen. Ich hatte bei unserer damaligen Begegnung nicht einmal den Hauch einer Chance besessen. Wie sollte dann Stan mit ihm fertig werden, ja, wie nur ...?
    „Angst? Die solltest du auch haben!“ Der Ausdruck des Entsetzens war mir wohl anzusehen. Eagle war bereit, Stan und mich büßen zu lassen. Ihm ging es nicht mehr um Deoxys – das hatte er offenbar längst vergessen. Sein persönlicher Rachefeldzug, das einzig und allein interessierte ihn.
    „Sorgen wir erst einmal für den nötigen Durchzug. Guillotine!“, hämmerte seine Stimme.
    Scorpios Scheren blitzten auf, Stan stand bereits in den Startlöchern, der ersten und sicherlich verheerenden Attacke auszuweichen. Scorpio bewegte sich - nicht aber dorthin, wo ich es vermutete.
    Völlig anders als anfangs erwartet, hatten Scorpios Scheren mit voller Wucht auf die ihm seitlich gelegene Höhlenwand eingehämmert. Einige Sekunden geschah nichts, dann aber ... ein Riss tat sich auf. Mit einem hässlichen Knirschen zog er langsam an der Höhlenwand empor, kleinere Gesteinsfragmente rieselten herab – dann eine ohrenbetäubende Lawine; kratzender Staub stieg auf, legte sich wie ein Nebelschleier auf den Raum und auf meine Lunge; ich musste husten. Schützend schirmte ich mein Gesicht mit den Händen ab, doch so schnell wie der Tumult ausgebrochen war, so schnell legte er sich wieder. Ich öffnete die Augen einen Spalt weit. Noch immer lag ein Staubvorhang in der Luft, trübte die Sicht – doch dann, ein schwacher Windstoß fegte mir ins Gesicht, Tageslicht durchflutete den Raum: Scorpio hatte eine Kluft in die Wand geschlagen. (*7)


    Ein unverhofftes Übel, ausgerechnet einen Menschen zum Gegner zu haben, der genau wusste, was er tat. Die wenigen kümmerlichen Luftwogen, die durch die Kluft ins Innere der Höhle strömten, genügten vollauf, Scorpios hauchdünne Gleitschwingen genügend zu speisen, um in unerreichbare Höhen zu reiten. Der Schauplatz war zwar ein anderer und auch in dem Kopf des einen wohnte die Seele eines anderen, doch schien sich die Geschichte zu wiederholen. Die Luft war erfüllt von dem Kampfgeschrei der beiden Kontrahenten; Blitze peitschten gegen die Wände und rissen Gesteinsbrocken aus selbigen oder prallten an Scorpios scheinbar unverwundbaren Brustpanzer schlichtweg ab; Scherenhände hämmerten mit brachialer Wut auf alles ein, was sich bewegte. Ein weiteres Mal ging Scorpio in den Sturzflug über, die Luft unter Scorpios Flügel-Membranen heulte auf. Stan sah seinen Gegner kommen – sprang zur Seite. Scorpio fing einen neuen Luftsog auf und ließ sich wieder in die Höhe tragen. Ein Funkenstrom entlud sich aus Stans Fell, erfasste seinen Gegner und hüllte ihn in ein gleißendes Gelb ein – ohne Wirkung. Abermals stürzte Scorpio herab, seine rechte Schere glühte in einem dunkelvioletten Glanz, peilte genau seinen vierbeinigen Gegner an. Stan rollte sich zur Seite ab. Eine Explosion dröhnte über den Kampfschauplatz, kleine Gesteinsfragmente flogen ziellos durch den Raum - dann zischte es. Stans, wie auch mein Blick, blieben an dem Felsbrocken verharren, den Feurigel bei seinem Kampf halb weggesprengt hatte. Eine violettfarbene Substanz lag auf ihm, Qualm stieg von dem kläglichen Rest des Geröllklumpens auf, brannte sekundenschnell Löcher hinein, er schrumpfte zusammen. Bei dem Anblick breitete sich ein speiübles Gefühl in meiner Magengegend aus, die toxischen Gase brannten mir selbst aus der großen Distanz in der Nase - und doch ging der Kampf weiter.
    Ein einzelner kraftvoller Funke schoss direkt auf Scorpio zu, traf ihn genau zwischen die Augen. Er blinzelte einige Male schnell hintereinander, ich vernahm ein leichtes Stöhnen, doch setzte er seinen Sturzflug unbeirrt fort. Stan klappte seine Beine ein, ließ sich einfach auf den Bauch fallen. Der Luftsog von Scorpios freiem Fall jagte ihm durch das Fell, doch die Schere hatte abermals sein eigentliches Ziel verfehlt und jagte zwischen Stans Ohren, seiner Wirbelsäule und seinem Schwanz vorbei. Stan rappelte sich wieder auf, seine Beine zitterten. Sein Fell stand ihm plötzlich steil zu Berge, er schrie aus Leibeskräften, sein ganzer Körper bebte. Ein wahres Gewitter entlud sich ihm. Blitze schwirrten ziellos durch den Raum, Dreck und Gesteinssplitter rieselten von Decke und Wände herab, ein Funke traf mein rechtes Bein, es war sofort taub, ich knickte ein. Drei-, viermal hintereinander schlugen die Blitze auf Scorpios Kopf, Schwanz und Torso ein – mehr, als dass sie ihn aber etwas aus der Flugbahn brachten, war nicht zu sehen. Mit Stans abklingender Stimme endete der Gewittersturm und begann Scorpios nächster Angriff. Wie schon sooft, schnellte er auf Stan herab, bremste dann aber im freien Fall plötzlich abrupt ab und vollführte einen Looping. In seiner vermeintlichen Absicht, ein weiteres Mal ausweichen zu wollen, hatte Stan einen rettenden Satz zur Seite gemacht. Scorpio beendete aber erst jetzt seinem Looping und gewann neue Geschwindigkeit. Eine Schere blitzte auf und traf Stan direkt in die Hüfte. Stan riss es schlagartig von den Beinen. Von der Wucht des Angriffs getroffen, schrammte sein Körper meterweit über den Boden. Er wimmerte vor Schmerz. Staub wirbelte auf und legte sich wie eine Decke auf seinen ramponierten Leib. Ich erstarrte zu Eis, die Kraft sickerte mir aus Armen und den halbtauben Beinen.
    „Nein!“
    „Wir sind noch nicht fertig! Lass jetzt nicht nach, Scorpio!“
    „Weich aus, Stan!“
    Stan riss die Augen auf, blickte schlagartig schräg nach oben und somit direkt in das bedrohliche Antlitz des fliegenden Ungetüms, das sich ihm abermals mit erhobener Schere näherte. Stan rollte sich zur Seite ab – und zuckte plötzlich blitzschnell zusammen. Ein Schmerzensschrei entfuhr ihm. Ich fluchte. Er war direkt in die restliche Lake von Scorpios toxischen Angriffs gerollt, die den Fels inzwischen gänzlich aufgefressen hatte und nun kleine Löcher in den Boden ätzte – aber auch in das Knie von Stans linkem Hinterbein. Nackte, sich schnell wundfärbende Haut entblößte die Stelle, die noch vor Augenblicken mit dichtem Fell überwuchert war. Stan heulte vor Schmerz auf, wälzte sich eiligst wieder in die andere Richtung, immer wieder seine klagenden Rufe ...


    „Es reicht!“ Panisch humpelte ich über das Kampffeld. Wenige Schritte trennten mich noch von meinem kleinen Freund, ich rutschte auf die Knie, schloss ihn zittrig in die Arme und kniff bereits die Augen fest zusammen. Das Sausen des Windes kam näher – er kam näher ...
    „Stopp, Scorpio!“
    Kein brutaler Schmerz, das Geräusch von durchschneidender Luft erstarb jäh. Zitternd riss ich die Augen auf. Scorpio war keine drei Meter von mir entfernt gelandet, er blickte Stan und mir entgegen, wandte sich dann aber mit leidigem Gesichtsausdruck seinem Trainer zu. Irgendwie ... Es war nur eine Vermutung, aber Scorpio erweckte den Anschein, als wäre er selbst froh darüber gewesen, den letzten Angriff nicht vollendet zu haben.
    „Ich hoffe, ihr habt endlich begriffen, wer hier das Sagen hat.“
    Ich ignorierte Eagles Stimme. Er konnte mich mal ... Bebend vor Wut aber auch vor Gewissensbissen fuhr ich Stan über den Kopf. Er hatte die Augen geschlossen, das Herz unter seiner Brust schlug regelmäßig, aber langsamer als sonst, sein Atem war flach und merkwürdig kalt. Ich erschauderte bei jedem seiner Atemzüge regelrecht.
    „Es war noch nie eine gute Idee, sich mit uns anzulegen, das müsstet ihr eigentlich wissen.“
    „Stan ...“
    „Aber diese eure Niederlage meißelt es nun in den Fels der Ewigkeit ...“
    „Stan, wach auf ... Schau mich an ...“
    „Auf dass ihr es nie vergessen werdet ...“
    Unter Stans geschlossenen Pupillen regte sich schwaches Leben. Er öffnete sie. Ich atmete erleichtert aus. Dann – er riss sie plötzlich mit aller Gewalt auf. Mir entfuhr ein Entsetzensschrei. Das markante Gelb in den Pupillen war verschwunden: die Augen funkelten in einem hellen Lichtblau; die Augen - sie wirkten böse. Seinem malenden Kiefer entwich ein hässliches, unaufhörliches Knirschen.
    „Was ist das?!“
    Stan zappelte, entglitt meinem ohnehin schwachen Griff. Seine Hinterläufe stießen sich kraftvoll von meiner Brust ab, keuchend taumelte ich einige Meter zurück. Dann – ein Schrei. Scorpio schrie, schrie aus Leibeskräften. Stan hatte sich mit Zähnen und Krallen direkt an seine Kehle geklammert. Er wollte sich bewegen, Stan abschütteln, er konnte es nicht. Sein ganzer Körper bebte. Eagle brüllte, Stan solle von seinem Pokémon ablassen – Stan ignorierte es, grub seine Zähne nur noch tiefer in den Hals seines Opfers. Ein dunkelblauer Fleck breitete sich aus den Einschlagslöchern von Stans Kiefern mit rasender Geschwindigkeit aus. Das Azur auf Scorpios Körper verfärbte sich dunkelblau. Weißer, eiskalter Dunst zischte auf. Zitternd und mit hoch erhobenen Scheren krachte Scorpio frontal auf den Boden. Die Kraft war seinem Körper entfleucht, hatte ihn endgültig verlassen; auch die von Stan. Rücklings fiel er auf den Boden – und blieb regungslos liegen.


    Stille. Der Kampf hatte sein Ende gefunden. Beide Kontrahenten lagen in unmittelbarer Nähe zueinander. Beide waren unter den Strapazen ihres Gefechts zusammengebrochen. Nur noch die Menschen waren übrig. Wie die skeptischen Überlebenden einer blutigen Schlacht betrachteten sie das Trümmerfeld vor ihnen. Stan – er lag auf der Seite, es wirkte fast so, als schliefe er. Scorpio – mit dem Gesicht voran lag er im Dreck, der dunkelblaue Fleck an seinem Hals verleibte sich immer mehr von dem Körper seines Wirtes ein, noch immer stieg weißer Dunst über ihm aus. Nur ein kräftiger Hieb und Scorpio wäre sicherlich klirrend in tausende Einzelteile verfallen, so starr schien er mir.
    „Du ...!“
    Erschrocken fuhr ich auf, sah direkt in das Antlitz meines menschlichen Widersachers, er hatte etwas abgrundtief Vernichtendes für mich übrig.
    „Das war nicht fair, hörst du, nicht fair!“ Er bebte vor Zorn.
    Zitternd fuhr seine Hand an seinen Gürtel. Das zu einer leblosen Säule transformierte Häufchen verschwand in dem rosaroten Lichtstrahl seines Pokéballs. Ein Wahn blitzte plötzlich in seinen Augen.
    „Es ist noch nicht vorbei.“
    Ich sah es genau: Seine Hand peilte fieberhaft einen von zwei übrigen Pokébällen an seinem Gürtel genau an. Ich mobilisierte meine letzten Kräfte. Das durfte nicht geschehen!
    „Und ob es das ist!“
    „Was willst du?! Verfatz dich oder ...“
    Wamm!
    Dieser Schlag - er tat so gut, hatte etwas Befriedigendes. Meine Faust pulsierte, brüllte vor Schmerz regelrecht auf, doch das war es wert gewesen. Wie schon in Baumhausen City, war Eagle, von meinem Schlag getroffen, einige wenige Schritte zurückgetaumelt. Seine rechte Gesichtshälfte lag unter einer seiner Hände bedeckt. Ich wusste genau, was unter der Handfläche auf mich wartete, welche Wut in ihm köchelte, aber auch, was gleich auf mich wartete. Die Hand wurde augenblicklich vom Gesicht gezogen, sie ballte sich, steuerte zorngespeist direkt auf mich zu. Blitzartig tauchte ich ab, Eagle sah mich entgeistert an, dann ...
    Wamm!
    Ein weiterer Schlag von mir hatte sein Ziel treffsicher gefunden. Etwas Endgültiges lag darin, wie der gefällte Mensch plötzlich seitlich auf den Boden krachte. Wieder diese Stille ...
    Ich massierte mir die pochende Hand, bewunderte noch einmal selbstzufrieden mein Werk. Er war erledigt.
    „V-Vögel, die am Morgen singen, die holt am Abend die Katz!“

  • Part 10: Wünsch dir was


    Benommen schlurfte ich durch den Raum, zog mit meinen Füßen eine Schneise in die vernarbte Erde. Kein Gefühl war mehr in meinem rechten Bein, durch das einer von Stans Blitzen gejagt war; meine rechte Hand pulsierte unter den zwei kräftigen Schlägen, mit denen ich Eagles Gesicht zertrümmert hatte; noch immer sickerte das kleine, rote Rinnsal aus meinem Handgelenk, das ich einem ziellosen Splitter zu verdanken hatte. Ich erreichte Stan. Er lag regungslos vor mir. Unter argen Gleichgewichtsproblemen warf ich mich vor ihn in den Staub, schloss ihn wieder in meine Arme.
    „S-Stan ...“
    Meine Hand strich ihm sanft über das schweißnasse Gesicht, kehrte das überflüssige Haar vor seinen Augen zur Seite. Speichel tropfte ihm aus dem Mund direkt auf die Schürfwunde an meinem Handgelenk. Es brannte und doch ertrug ich es.
    Stan – er öffnete langsam die Augen. Sie hatten wieder den alten Glanz, die lichtblaue Farbe hatte sie verlassen. Mit schwächlicher, kratzender Stimme piepte er mir etwas entgegen. Ich lächelte.
    „Ja, wir ... nein, du, du hast es geschafft ...“ Eine Träne perlte mir von der Wange, tropfte direkt auf Stans Stirn. Ich presste ihn an mich, sein leises Schnurren entspannte Herz und die geplagte Seele.


    Mit zitternden Knien erhob ich mich, schwenkte um – in die Richtung unseres stummen Beobachters. Noch immer saß Deoxys mit dem Rücken an dem gigantischen Meteoriten angelehnt. Die Spuren des Kampfes hatten schwere Schneisen in den Felsbrocken hineingebrannt; Deoxys selbst schien allerdings unverletzt, sah man natürlich von den bereits vorhandenen Schrammen und Flecken ab, die es Sky zu verdanken hatte. Deoxys blinzelte nicht. Seine starren, weißen Augen verfolgten mich, während ich mich ihm langsam näherte. Wir sahen einander an. Mein Herz hämmerte pausenlos. Wie lange hatte ich diesem Augenblick entgegengefiebert, wie viel Leid hatten Stan und ich auf uns genommen nur für diesen winzigen Augenblick – ein Wimpernschlag der Zeit, nicht mehr.
    Ich hatte Deoxys erreicht. Noch immer hatte es keinen Muskel bewegt. Ausdruckslos sah es mich an. Einmal wieder wandte ich mich an meinen kleinen Freund, der in meinen Armen lag.
    „Stan ...“, bettelte ich. „Einmal noch ... Einmal muss ich dich noch um einen Gefallen bitten, hörst du? Du weißt, was zu tun ist, oder?“
    Mit trüben und müden Augen starrte mir Stan entgegen. Er nickte schwach. Dann – er drehte seinen Kopf in Deoxys Richtung, begann leise zu flüstern. Deoxys sah ihn an. Noch immer war kein Ausdruck auf seinem Gesicht zu sehen. Konnte es Stan überhaupt verstehen? Wusste es überhaupt, was es damals getan hatte? Was es beabsichtigt gewesen oder nur ein Unfall? Was wenn nicht? Was, wenn Deoxys sich schlichtweg weigerte?
    Stan redete noch immer. Deoxys weißes Augenpaar erfasste mich, dann wieder Stan. Und wieder die Frage: Verstand Deoxys unser Anliegen? Und was, wenn es sich weigerte? Wie sollten wir unser weiteres Leben verbringen, Stan und ich?
    Stan stoppte, er hatte aufgehört zu reden. Mit unbändigem Verlangen starrte ich auf den Besucher aus dem All, den wir über den halben Kontinent gejagt hatten. Deoxys schwieg, kein Ausdruck der Emotion oder des Verständnisses huschte ihm über das Gesicht. Es war einfach unmöglich, seine Züge zu deuten. Zum wiederholten Male an diesem Tag spürte ich die Hoffnung aus meinem Körper sickern. Es war vergebens, alles war vergebens. Deoxys verstand uns nicht ... Es ... blinzelte ...


    Das Gefühl wurde mir schlagartig aus dem Körper gesogen, ein unsichtbarer Strick legte sich um meine Lungen, etwas hämmerte unaufhörlich auf meinen Schädel ein, mein Trommelfell wollte es zerreisen. Ich hatte den Boden unter den Füßen verloren, lag zappelnd und vor Schmerzen krümmend im Dreck. Etwas schien an mir zu ziehen, mich gewaltsam entzwei zu reißen. Die Besinnung wurde mir geraubt, das Bild von Deoxys und dem Raum verschwamm, ich stürzte in eine bodenlose Leere ...


    Mein Magen rotierte. Ich spürte einen Luftzug im Gesicht, das leise Tosen des Windes - das aber war schon alles. Mein Körper schien zermalmt, nur noch eine innere Leere. Arme und Beine – ich spürte nichts mehr. Ich hustete – meine Kehle war staubtrocken, es tat weh. Meine Augen – ich versuchte sie zu öffnen; sie wogen Tonnen, doch ich schaffte es. Es gelang mir, sie einen winzigen Spalt zu öffnen. Die verschwommen Bilder vor mir wurden langsam schärfer, rotierende Farben wurden klar. Ein auffälliger Kalkgeruch kroch mir in die Nase. Ich war noch immer in der Höhle. Wo war Deoxys? Langsam bewegte ich meinen Kopf zu der Stelle, an der ich es zum letzten Mal gesehen hatte – zu dem gigantischen Meteoriten. Deoxys war nicht zu sehen, es war weg ...
    Am Boden zerstört ließ ich meinen Kopf auf den Boden krachen. Der Aufprall bereitete mir keinen Schmerz, mein Kopf schien taub und unfähig, etwas anderes als Frustration und Enttäuschung zu verspüren. Wir hatten versagt ...


    Ein schabendes Geräusch drang mir in die Ohren, etwas bewegte sich. Unter dem Leid meines gebrochenen und in Stücke geschlagenen Herzens, wandte ich mich der Geräuschquelle zu.
    Da war ich ... Ich meine, da war irgendwie ich ... Ich bewegte mich. Ich sah meine Finger, sie kratzten über den Boden. Jetzt – jetzt stützte sich meine Hand ab und hievte den gewaltigen Körper ein Stück weit nach oben. Ich blickte mir selbst entgegen, wirkte völlig bestürzt. Jetzt öffnete ich ganz langsam den Mund: „S-Sheinux?“
    Sheinux? Das war mein Name, aber wie ...?
    Jetzt realisierte ich es. Ich sah nicht mich selbst, sondern ich Stan! Ich sah Stan und er sah mich! Ich ließ meinen eigenen Kopf fallen, blickte fassungslos auf himmelblaues Fell an meinen Beinen – mein himmelblaues Fell! Ich hatte es wieder, mein Fell und auch meinen Körper! Der Albtraum war endlich ausgeträumt.
    Eine Woge des Glücks trieb mich auf. Ich versuchte, aufzustehen. Stan tat es mir gleich. Wir beide, Stan und ich stolperten und purzelten einander entgegen. Er, erst auf allen vieren, ich, anfangs nur auf zwei Beinen. Wir lachten einander für unser beider Ungeschick aus. Mit jedem Atemholen wurde mir schwärzer um die Augen. Der eben noch betäubte Schmerz holte mich ein. Die Bilder verblassten wieder, ich versank in einem stürmischen Meer abgrundtiefer Dunkelheit ...


    Ich schlug die Augen wieder auf, starrte direkt auf eine hölzerne Dielen-Zimmerdecke. Weicher Flaum bedeckte meinen geschundenen Körper, der Kalkgeruch der Höhle war verschwunden, ebenso die Schmerzen, die meinen Körper fast gänzlich verlassen hatten.
    „Wo ...?“
    „Er ist wach!“
    „Was ...?“
    Ein Kopf tauchte vor mir auf – es war ...
    „Colin ...?“
    „Er ist wieder bei Bewusstsein, tatsächlich!“
    „Mach dich dünn!“
    Eine Stimme, ich kannte sie ... Colin wurde brutal zur Seite gestoßen – dann tauchte Stans Gesicht über mir auf. Er strahlte mir entgegen.
    „Sheinux!“
    Er ging auf die Knie, senkte seinen eigenen Kopf um den seinen an meinen zärtlich zu schmiegen. Es tat mir gut – ich fühlte mich gut.
    „S-Stan ...“
    Ruckartig stoppte Stan, wisch von mir ab.
    Was sollte das? Was war plötzlich los? Warum hörte er auf? Er sah mich plötzlich ganz bestürzt an.
    „Stimmt etwas nicht?“, hörte ich Colins Stimme fragen.
    „N-nein, alles okay, denke ich ...“, stammelte Stan.
    „D-du bist immer noch ein schlechter Lügner“, flüsterte ich leise.
    Stan antwortete nicht, sah mich noch immer mit merkwürdiger Fassungslosigkeit an.
    „Du hältst an deinen Plänen fest?“, schaltete sich Colins Stimme wieder ein. „Ernsthaft?“
    Der Ausdruck in dem Gesicht meines wieder zum Menschen gewordenen Trainers verschwand – zumindest fast vollständig. Er wandte sich erst zu Colin, dann wieder zu mir. „Ja ...“, sagte er. „Es wird Zeit ...“ Er schluckte, etwas schien ihn zu bedrücken, und doch schaffte er es, wieder ein Lächeln aufzulegen. „Zeit, Sheinux nach Hause zu bringen.“



    Ende Buch 2


    Powered by Jens Häßel, alias Eagle

  • Huhu Eagle ^_^
    Entschuldige, dass ich dir so lange keinen Kommentar mehr verfasst habe, aber du bist ziemlich flott. Ich kam, da ich viel Stress hatte, an manchen Stellen schon gar nicht mit dem Lesen hinterher. Aus diesem Grund werde ich mich mehr zu den einzelnen Ereignissen aussprechen, die mir noch im Gedächtnis ruhen und mich somit beschäftigt haben. Ich hoffe doch mal, dass ist in Ordnung.


    Mein letztes Geschreibsel liegt schon eine Weile zurück, aber es war nahe der Stelle, wo Sheinux sich von Stan verraten fühlt. Grund dafür ist, dass sein pelziger Freund es nicht geschafft hat, mit Deoxys zu reden. An der Stelle war ich wirklich am Rätseln, auf wessen Seite ich springen sollte. Einerseits klar, Sheinux will seinen eigenen Körper zurück und so bestimmt auch Stan, nur die Schüchternheit, die der Trainer in ‚Kleinformat‘ mit sich trägt, kann ich sehr gut nachempfinden. Es ist wirklich, als würde sich urplötzlich ein Wall aufbauen, von dem man umgeben ist und bringt kein Wort mehr raus. Gerade bei so einem fremden „Ungetüm“, was einen überhaupt in ein derartiges Schlamassel geritten hat, ist das wohl ziemlich schwierig. Daher lieber Stan, ich kann dich verstehen. Sheinux hat darauf ja einen ganz schönen Gefühlsausbruch, was mich einerseits verwundert hat, ich aber auch irgendwie reizend fand. Daraufhin treffen sie auch dieses mysteriöse Mädchen und schon kann das Abenteuer in der Wüste starten.
    Erst kam es mir ungewöhnlich vor, dass die drei allein wegen so einer Geschichte durch die Wüste streifen, die ja schnell den Tod bedeuten kann, wenn man sich verirrt. Aber gut, wenn es die einzige Hoffnung ist, die man hat, ist das sicherlich verständlich. Dass Sheinux sich übernimmt, hätte man wohl voraussehen können, da er – selbst wenn er schon einiges erlebt hat – ja nicht an seinen Körper und an dessen Resistenz in solchen Temperaturen gewöhnt ist. Stan scheint da deutlich weniger Probleme zu haben und auch Colin kommt wohl irgendwie klar. Als Sheinux dann zusammenbricht, man ihn darauf im Krankenhaus wiederfindet, wundert es mich ein bisschen, dass die anderen beiden völlig ungeschadet davon gekommen sind. Selbst ein Sonnenstich oder ähnliches kann ja schon viel bewirken. Aber gut, mag auch sein, dass ich es mir da wieder zu dramatisch vorgestellt habe. Den Wutausbruch des ‚Patienten‘ mochte ich definitiv. Einerseits frage ich mich, ob es aufgrund der Einwirkung von Medizin oder Ähnlichem erst dazu kam oder ob er vollständig selbst gearbeitet hat. Klar, von sich aus würde er das wohl sagen, aber bestimmt können auch ‚Nebenwirkungen‘ zu Aggressionen führen. An der Stelle dachte ich dann wirklich, es ist aus mit den beiden. So viele Abenteuer durchlebt und dennoch ist plötzlich einfach Schluss. War irgendwie kaum vorstellbar und dennoch… dennoch irgendwie eine Befürchtung.


    Yay, endlich ging das in Erfüllung, was ich mir schon lange erhofft habe: man bekommt mehr Einblick in Stans Welt, der auch sogleich – verträumt wie er ja ist – von einem Fahrrad angefahren ist. Hier an der Stelle hat mich dann doch einiges gejuckt. Klar, du möchtest das Pokémon wohl kaum an dem Reifen kleben haben, aber wenn man als Mensch durch das Anfahren von einem Fahrrad schon gehörigen Schaden nehmen kann, dann so eine kleine Kreatur doch erst recht. Stan wurde ja sogar schon bewusstlos, was für mich deutlich aussagt, dass es eine Reaktion des Körpers ist, da zu viele Schmerzen bzw. ein zu heftiger Schlag auf den Kopf da war. Als er dann aber aufwacht, wurde auf Schmerzempfindungen gänzlich verzichtet, wenn ich mich recht entsinnen kann. Dabei würden bei so einem Körper bestimmt mit Leichtigkeit ein paar Knochen gebrochen, auch wenn ich jetzt nicht aufheizen will, dass Stan zugegipst in einem Kinderbett aufwachen soll. Nur kam mir hier die Frage auf, wie du mit Verletzungen bei Menschen und bei Pokémon umgehst. Während Zweites an manchen Stellen schon von Verletzungen gesprochen wurde (Feurigel), wurde es hier wohl eher außen vor gelassen. Hat mich in dem Sinne nur etwas gestört und ich wollte es nur kurz ansprechen.
    Seine Denkweise und sein Handeln hast du ansonsten aber wirklich überzeugend dargestellt, auch wenn mir diese schnelle Änderung seines Gemüts nicht gefällt. Besonders in dem Haus der Fremden hat man ja gemerkt, wie schlau Stan eigentlich ist, aber dennoch zweifelt er immer an sich. Ein besseres Selbstbewusstsein wäre wohl nicht schlecht. Das passiert ja auch reichlich schnell, als er den fremden Pokémon begegnet. Da fand ich es recht spannend zu lesen, über was sich so ein Pokémon alles unterhält. ;> Das Stan mit seinem Gedanken aber fast stetig bei Sheinux ist, zeigt ja, wie viel ihm an seinem Freund liegt. Noch schöner ist es natürlich zu sehen, dass es Sheinux nicht anders geht. Beide haben ein schlechtes Gewissen wie es scheint, reizend.


    Aha, da wird also nochmal der Kodex angesprochen, von dem schon lange geschwiegen wurde, der aber wohl eine wichtige Rolle spielt. Auch Colin weiß also Bescheid und mir scheint es auch, als wird er immer mehr integriert von Sheinux, was er ja auch stellenweise selbst sagt, wenn ich mich nicht irre. Während er also langsam wieder gesund wird, sich ständig Vorwürfe macht, tigert Stan durch die Gegend, den Gedanken im Kopf, wieder zu seinem Freund zu gehen, selbst wenn er mit etlichen Gegenständen beworfen wurde. Da zeigt sich, was für eine treue Seele er ist. Ich glaube, ich würde nicht so ‚gleichgültig‘ damit umgehen, wenn mein bester Freund mich bewirft und bespuckt, aber verzeihen ist eben wichtig. Als sich beide dann auch wieder in den Armen (bzw. Pfoten) haben, ist das irgendwie erleichternd. Die Suche nach Deoxys kann also weitergehen.



    Huch, da bin ich emsig am Schreiben und plötzlich kommt der letzte Part des zweiten Buches raus. Du bist wirklich fleißig. Da kenne ich keinen sonst, der so schnell so viele Kapitel rausbringt. Also Hut ab. Besonders auch die letzten Parts haben mich unglaublich gefesselt. Deine Beschreibungen sind wirklich genau und auch sehr fesselnd, sodass für die nötige Spannung garantiert ist. Während ich bei vergangenen Parts oft dachte, dass sie ermüdend wirken, war hier nicht die Rede davon. Jeden weiteren Verlauf der Geschichte habe ich mit Spannung abgewartet, wobei man bei deiner Schnelligkeit ja auch gar nicht lange warten braucht. Ohne aber weiter Honig ums Maul schmieren zu wollen, möchte ich noch kurz auf die neusten Ereignisse aufgehen.
    Eagle… so gerne ich den Vogel auch habe, hier in der Story sagt mir der Charakter so gar nicht zu. Genau die Sorte Mensch, die ich nicht leiden kann. Als man dann auch noch zu lesen bekommt, dass er Deoxys aus reiner Lust heraus verwundet hat, stieg in mir wohl die gleiche Wut auf wie in Sheinux und Stan. Wirklich unschön. Aber daraus wächst wohl auch diese Kraft, die beide aufbringen. Während Sky ja erst unbesiegbar erscheint, wird hier also sichtbar, wie sehr Stan gewachsen ist. Dass er auch diese fiese Kampfart einsetzt wie auch Sheinux in den früheren Kämpfen, möchte ich zwar nicht bevorzugen, doch ist das kleine Kraftpaket doch eine willkommene Wendung. Der stählerne Vogel geht schneller zu Boden als man erwartet und dann kommt auch noch Scorpio an die Reihe. Während ich hier teilweise wegen der Attackenbeschreibung und ihrer Auswirkung verwirrt war, kommt aber der Kampfgeist sehr gut zum Vorschein. Besonders an der Stelle, wo Stan von den blauen Augen gezeichnet ist. Ist das eine besondere Attacke oder was genau ist passiert? An der Stelle hätte ich mir erhofft, dass man der Sache noch bisschen auf dem Grund geht.


    Als auch Scorpio und Eagle schließlich geschlagen sind, liegen die beiden Helden ‚kraftlos‘ im Staub. Da habe ich irgendwie ein interessantes Bild vor Augen. Schließlich haben sie ihr Ziel, was so oft außer Reichweite zu sein schien, erreicht und dennoch verlässt Sheinux für einen Augenblick wieder die Hoffnung. Wenn ich dann daran denke, was für ein widerspenstiges Bündel er anfangs war, dann hat sich hier doch einiges getan. Mir scheint es fast so, als hätte Stan einige seiner Eigenschaften übernommen – und da auch nicht zu wenige - ,während auch Sheinux von seinem eigentlichen Trainer sehr geprägt wurde. Die Veränderungen, die du ja zeitweise angekündigt hast, werden also auch am Ende noch deutlich. Gut eingebaut.
    Als dann schließlich Deoxys die erlösenden Schmerzen – klingt irgendwie paradox – über die beiden ergehen lässt, habe ich mir schon gedacht, was dann kommt. Aber dennoch ging es mir etwas zu schnell. Das geschwächte Pokémon setzt mal hier nichts dir nichts den Zauberfinger ein? In einer gewissen Weise fraglich, ob es dazu überhaupt im Stande war und wenn wie? Aber gut, dass wird man wohl nicht mehr in Erfahrung bringen können. Schließlich haben beide ihren alten Körper wieder und nach einem holprigen Start – hier hätte ich mir irgendwie noch mehr erhofft , als nur die Anmerkung, dass Sheinux erst auf zwei und Stan erst auf vier Beinen geht – scheint alles perfekt. Irgendwie dann traurig zu lesen, dass Stan – der mir zunehmend fremd wirkt – seinen Freund wieder zurück nach Hause bringen möchte. Klar, es ist ein lieber Gedanke, aber nach alledem, was passiert ist, ist es irgendwie schwer vorstellbar. Dennoch ist es ja das, was Sheinux sich lange gewünscht hat und vermutlich wird es auch das Richtige sein. Nur habe ich mich direkt zu Anfang gefragt, woher Stan wissen will, wo Sheinux herkommt. Er hat ihn ja nur irgendwo aufgegabelt, wo er aber nicht ursprünglich herkommt. Und die meiste Zeit steckte Sheinux ja in einem Pokéball, als er noch bei seinem ersten Besitzer war, daher mal schauen, wie sie den Weg finden wollen. Es scheint mir aber, als würde uns Leser – auch wenn nun erst mal die Spannung etwas abgeklungen ist – noch einiges erwarten und ich bin schon sehr auf das kommende Buch gespannt. Hoffen wir mal, dass deine Sucht dir weiterhin so treu bleibt. (;

    Liebe Grüße~

  • ...


    Huhu,


    ehrlich, ich hätte nicht geglaubt, dass man von mir erwartet, noch mehr zu be- und umschreiben^^. Gewisse Dinge, bei denen ich glaubte, einfach zuviel zu beschreiben, hättest du gerne noch weiter ausgeschmückt zu sehen. Respekt, ganz ehrlich.


    Deoxys wollte ich ehrlich gesagt gar nicht so schwächlich wirken lassen. Er sollte eher einen faszinierten Eindruck machen, weswegen er sich am Ende gar nicht erst von der Stelle rührte. Gleichzeitig wurde Deoxys ja auch von der Kraftquelle hinter seinem Rücken (der Meteorit) gespeist. Das war meine eigentliche Absicht; wohl aber etwas zu schlicht erklärt. Dafür habe ich aber ja das dritte Buch :D.


    Die Szene in der Wüste ... Ich wollte eigentlich zum größten Teil darauf hinaus, dass Sheinux seinem eigenen Ego unterlag. Diese boshafte innere Stimme, der wie ein Parasit von seinen Gedanken lebte. Er war ja bereits böse angeknackst und noch längst nicht über die Schlappe des Vortages drüber weg. Eben diese Gefühle können dich in ein ganz schön finsteres Loch zerren - ich spreche da aus Erfahrung.


    Ein Pokémon-Körper scheint in vielerlei Hinsicht gestählter als der eines Menschen zu sein. Ich wollte einfach nicht, dass Stan krankenhausreif endet. Sieh die Fahrradszene vielmehr als solche an, dass er gerammt wurde und mit dem Kopf gegen den Boden schlug (gebremmst hatte der Junge schließlich).


    Eagle ... Ja, er ist schon ein Vogel. Er besitzt eben eine übertriebene Selbstsicherheit, die ihn zum typischen Hasscharakter macht. Gleichzeitig möchte ich ihn aber auch so darstellen, dass er sehr wohl ein Herz besitzt (siehe die Szene, bei der er Scorpios Attacke gebremmst hatte). Übrigens wischt er nicht aus Jux und Tollerei mit Deoxys den Boden auf, sondern aus Überzeugung. Ich glaube, das ist ein Unterschied.
    Dummerweise werden sich die Leute wohl oder übel an ihn gewöhnen müssen. Er wird in Buch drei wieder auftauchen und gewissermaßen sogar einen Platz einnehmen ...


    Was ich jetzt nicht so richtig verstehe, ist, dass du durch die Attackenbeschreibung verwirrt warst. Gerade da habe ich mir sehr große Mühe gegeben. Ich bevorzuge da neuerdings einen etwas unüblichen Stil, nämlich ohne dass ständig Zwischenrufe der Trainer kommen. Es wirkt nicht unbedingt pokémonüblich, dafür aber umso interessanter. Bei dem Kampf Stan vs. Scorpio ging es eigentlich immer hin und her. Sturzflüge, ausweichen und Angriffe. Dabei wurden hauptsächlich Stromstöße (Donnerblitz, Funkensprung und Ladungsstoß), wie auch Scherenangriffe (Kreuzschere, Gifthieb, Tiefschlag/Abschlag, Akkrobatik) eingesetzt. Stan rollte sich dabei versehentlich in die Giftlakeund versengte sich dort den Pelz. Am Schluss beendete er den Kampf mit Eiszahn. Ich machte bereits Andeutungen, dass sein Atem kalt war und die lichtblaue Farbe in seinen Augen sollte es ebenfalls klarstellen.


    Das Ende ... Ich ließ Stan wieder etwas stammeln, was seine Frustration über diese Entscheidung verdeutlichen soll. Aber keine Sorge: Es zu verdeutlichen, wie schwer ihm das fällt, darüber geht es in dem ganzen dritten Band, ebenso wie die Gefühle Sheinux'.


    Wo Sheinux eigentlich herkommt? Von ihm persönlich hat es Stan nicht erfahren, aber vielleicht von Colin (Szene im Krankenhaus, als Sheinux Colin sein Herz ausschüttete)?


    Zu guter Letzt muss ich sagen, dass ich doch leicht grinsen musste, da du offenbar ein besonderes Detail noch nicht entdeckt hast, welches von tragender Bedeutung für das letzte Buch ist. Gerade, wenn ich diesen Satz noch einmal lese:


    Zitat

    Nur habe ich mich direkt zu Anfang gefragt, woher Stan wissen will, wo Sheinux herkommt.


    Hm, dann ist die Überraschung bei meinem ersten Part vielleicht umso größer :D

  • [tabmenu]
    [tab=Die Saga geht weiter ...]



    *Pflicht und Ehre* Band 3




    Zum dritten und letzten Mal heiße ich euch, meine geneigten Leser, willkommen. Angetrieben von Ideen, die das dritte Buch betreffen, verspürte ich den ungeheuren Drang, endlich das zweite Buch zu beenden, was meinen letztwöchigen Schreibwahn wohl erklärt. Erstaunliche 100.000 Wörter misst das zweite Buch der Saga, deutlich größer als der erste Teil. Zwar glaube ich nicht, dass es mir möglich ist, diesen Rekord mit dem dritten und letzten Buch zu knacken, doch bin ich zuversichtlich, auch hier wieder für den ein oder anderen Lacher und spannende Unterhaltung sorgen zu können.


    Band 3, Heimkehr, nimmt direkten Bezug auf wichtige Ereignisse der vergangenen Bücher. Weiterhin wird die Geschichte direkt aus Sheinux' Sichtperspektive erzählt und tritt unmittelbar nach dem Zeitpunkt seiner Rückverwandlung (siehe Buch 2) ein. Er und Stan haben auf ihrem Trip viel gemeinsam durchgestanden und sind über sich beide hinausgewachsen. So manches hat sich aber durch ihre gemeinsamen Erlebnnisse verändert - dazu aber in der eigentlichen Geschichte mehr. Alles wird aber zum größten Teil so versucht zu erzählen, dass selbst Leser, die nicht die ersten beiden Bücher gelesen haben, leicht an der Geschichte Gefallen finden werden.


    An dieser Stelle möchte ich persönlich bereits abschließen, gebe das Wort wieder an Sheinux ab und wünsche euch lediglich das Beste - nämlich viel Spaß!




    [tab=Was bisher geschah]


    Prolog


    Buch 3: Heimkehr


    Einst nannte ich, Sheinux, einen Großbezirk des Nationalparks mein Heim. Ich war verehrt und gefürchtet zugleich; meine Beutezüge galten in den Mündern meiner Bewunderer als legendär; die Kraft, die in mir wohnte, wurde nur von meinem messerscharfen Verstand übertroffen; ich hatte einfach alles, was man sich erträumen konnte - es konnte nicht schöner sein. Das alles aber wurde eines schönen Tages jäh auf dem Kopf gestellt und ich gleichzeitig mit der Tatsache konfrontiert, dass alles schöne im Leben irgendwann mal vorbei sein muss. Gezwungenermaßen begab ich mich auf eine Reise, eine Reise, die durch ein wenig Boshaftigkeit meinerseits, aber auch durch die Ignoranz eines Menschen ein schnelles Ende fand. Letztendlich geriet ich aber nach kurzer Zeit der Freiheit wieder in die Fänge eines pelzlosen Zweifüßlers. Und er tat etwas ... etwas, was ich ihm anfangs nicht verzeihen konnte ... Er rettete mir das Leben - und sein Name war Stan.


    An den Kodex gebunden, der besagt, dass ich erst wieder ein ehrenhaftes Leben fortführen könnte, wenn ich ihm seine ruhmreiche Tat mit gleicher Münze abbezahlen könnte, begab ich mich mit Stan auf eine Reise. Mit jedem Tag, mit jeder Stunde, mit jeder Minute lernte ich den kümmerlichen Mensch, der sich selbst als mein Trainer bezeichnete, immer mehr zu schätzen. Ich fing an, ihn zu mögen. Unsere Freundschaft wurde einige Male auf die Probe gestellt, wuchs aber an den Herausforderungen unserer Abenteuer. Die Beziehung zwischen uns erreichte durch den unerwarteten Tausch unserer Körper den Höhepunkt. Eine Woche lebte ein jeder von uns das Leben des anderen. Wir meisterten diese Hürde, standen es gemeinsam durch. Und unsere Freundschaft nahm eine nie erwartetet Intentsität an.


    Zwei Kontinente, über Berge und Ozeane, hallen nun die Rufe meiner Taten. Und doch ist die Zeit des Abschieds gekommen. Auf eine letzte Reise sollte ich mich nun begeben. Eine Reise, die mich wieder in meine alte und mir vertraute Heimat zurückbringen sollte. Obwohl diese Idee überhaupt von Stan ins Leben gerufen wurde, erweckt es den Glauben, dass er selbst keine große Freude an diesem Gedanken hegt, ja scheint sich sogar in seinem tiefsten Inneren erbittert dagegen zu sträuben. Was aber vielleicht wichtiger ist - ich selbst habe meine Zweifel. Stan verlassen? In meine Heimat zurückkehren? Ich werde vor dir Wahl gestellt. Doch wie, wie soll ich mich entscheiden?


    [tab=Die Protagonisten]


    Die Protagonisten


    Name: Sheinux, Sohn des Sechsten Hauses, unangefochtener Champion und Revierherrscher des westlichen Nationalparks, großmeisterlicher Mülltonnendurchwühler, mit dem blechernen Bierdeckel ausgezeichneter Meisterlangfinger, legendärer Voltensobezwinger, unverzagter Hüter der Reisekasse, Lebensretter zweiter Klasse, ... (hat jemand mal einen Schluck Wasser und vielleicht ein paar neue Adjektive?) bewanderter Menschenkenner und sagenhafter Piepmatz-Fäller, zu euren Diensten.
    Alter: Sieben Jahre der Erfahrung und der Weisheit ruhen auf diesen meinen Schultern. Tja, da staunt ihr, was?
    Herkunft: Der Nationalpark. Ein Paradies in Grün, welches mir tagaus, tagein im Traum erscheint.
    Merkmale: Viele kleinen Facetten machen mich letztendlich zu dem Pokémon, das ich schließlich auch bin. Womit fangen wir an ...? Zumindest vor meiner Verwandlung war ich für mein glänzendes himmelblaues Fell landesweit bekannt. Dank Stans Desinteresse der Fellpflege allerdings, habe ich eine Menge diesbezügich nachzuholen. Okay, weiter im Text: Ich bin überaus bescheidener Natur und gebe mich einzig und allein mit den einfachsten Dingen zufrieden - nämlich dem Besten, klar? Nach zahllosen gewonnen Schlachten habe ich die ein oder andere Kriegsnarbe unter meinem Fell vorzuweisen und auf jede einzelne blicke ich stolz zurück.
    Charakter: Die typischen Erkennungsmerkmale eines ehemaligen Revier-Herrschers: Stolz, ehrgeizig, pflichtbewusst, impulsiv, einen Draht zum Sarkastischen, leicht bissiger Humor und gelegentlich auch mal leicht anmaßend. In gewissen Fällen - insbesondere dann, wenn ich meinen einfachen Willen nicht bekomme, - reagiere ich leicht streitsüchtig und lasse mich um ein Wortgefecht nicht lange bitten. Wer glaubt, er könnte mir ungeschoren auf der Nase herumtanzen, wird bei mir sein blaues Wunder erleben.
    Ich bin neugieriger Natur, was zur Folge hat, dass ich meinen Zinken in vielen Fällen nicht aus Angelegenheiten heraushalten kann, die mich eigentlich nichts angehen (gibts das eigentlich? Ich dachte, die Welt dreht sich ohnehin um mich ... Naja, egal).
    Verhalten, das gegen den Kodex und das Gesetz der Straße steht, ist mir zu wider. Betrug und Hinterlist gehören unter anderem dazu. Man tut sich selbst keinen Fallen damit, mich mit diesen Dingen zu provozieren. Dagegen habe ich einen starken Drang zur Tugend. Tugend, falls ihr euch das fragt, sind natürlich alles Dinge, die ich für mich und mein unmittelbares Umfeld als wichtig erachte.
    Ich würde ja Fehler zugeben – wenn ich welche hätte. Naja, vielleicht bin ich etwas zurückhaltender, wenn eine Dame im Spiel ist. Zu ein paar schönen Augen kann ich in der Regel schlecht Nein sagen ...
    Übrigens gelte ich unter meinen Freunden und Bekannten als Sprücheklopfer.
    Pokémon: Sheinux, Sohn des Sechsten Hauses, unangefochtener Champion und Revierherrscher des ... Wie, das kennt ihr schon?!



    Name: Stan Leonheart
    Alter: Doppelt so alt wie ich. Überfordert? 14 ... Soll ich es euch noch buchstabieren? Moment ... V-i-e... öhm, ja ...
    Herkunft: Ich habe es zwar noch nie mit eigenen Augen gesehen, folglich könnte es auch an den Haaren herbeigezogen sein, aber Stan behauptet felsenfest, aus einem Ort namens Azalea City zu stammen.
    Merkmale: Merkmale eines Menschen ... Was wollt ihr hören? Das Übliche eben. Kein Fell, dafür aber jede Menge nackte Haut, die unbedingt mit Stofffetzen verhüllt werden muss, will er sich keine Frostbeulen holen. Mittelgroß, mittelschwer, mittelllos (seit ich mich an seinem Geldbeutel zu schaffen gemacht hatte) und trägt immer einen Rucksack auf seinem Rücken.
    Charakter: Seit seiner Rückverwandlung hat sich Stans Charakter deutlich zum Positiven gewandelt. Hatte er damals noch arge Komplexe was den Kontakt mit seinen Artgenossen betrifft, tritt er neuerdings etwas standhafter auf. Bei dem ersten Zugehen wirkt er noch etwas ängstlich, kann sich aber schnell anpassen, insbesondere dann, wenn er glaubt, von ihnen herzlich willkommen zu sein. Nichtsdestotrotz gehört Stan eher zu den ruhigen und gemächlichen seiner Spezies an. Man bekommt ihn eigentlich nur selten aus der Ruhe. Selten bedeutet, dass ich mich diesbezüglich einfach noch zu wenig ins Zeug gelegt habe.
    Stan hat einen Draht zur Planung. Er philosophiert gerne über seine nächsten Schritte, was sich natürlich etwas mit meiner spontanen Art beißt. Lässt man ihn die Dinge anpacken, kann man sich derweil in der Regel den Wecker stellen. Folglich nehme ich mich seiner Probleme oft an.
    Stan besitzt mindere Kenntnisse über die technischen Spielereien seiner Art. Gleichzeitig hat natürlich daher er ein Faible für alles, was diese Dinge für ihn symbolisiert. Seien es nun hirnzellenzerstörende Videospiele bis hin zu einem auf Gleisen fahrenden Automobil.
    Durch einen glücken Zufall (oder sollte ich besser Unfall sagen?) besitzt Stan neuerdings die Gabe, sich mit mir und anderen meiner Art zu unterhalten, was ihn wohl gewissermaßen einmalig macht.
    Pokémon: Auf unserer gemeinsamen Reise konnte sich Stan mit einigen meiner Artgenossen anfreunden.


    - Sheinux: Da staunt ihr, was? Stan und ich sind mehr als nur Pokémon und Mensch - wir sind Freunde. Aber deswegen seid ihr ja jetzt nicht hier. Also, was wollt ihr hören? Einen Schwank aus meinem Leben? Die Geschichte, wie ich meine erste Mülltonne geknackt hatte? Später vielleicht, meint ihr? Okay, gehen wir dann mal noch etwas auf mich und meine Art, meinem Gegenüber meinen Willen aufzudrängen, ein. Auch wenn ich vielleicht durch meine einwöchige Mensch-Sein-Phase etwas eingerostet bin, pflege ich einen recht rasanten Kampfstil, halte mich dabei aber stets an den Kodex, kämpfe also loyal und ehrenvoll. Dass ich auf billige Tricks zurückgreifen muss, darauf werdet ihr lange warten müssen. Zu meinen absoluten Spezialitäten gehören die haarsträubendsten Elektro-Angriffe, die bislang noch fast jedes Ziel zu Fall gebracht haben. Hinter meinem vielleicht süßen Aussehen verbirgt sich aber seit Neustem auch die ein oder andere eiskalte Überraschung (hierbei ein flüchtiges Dankeschön an Stan).
    - Feurigel:Wie lässt sich dieser Charakter wohl am treffendsten beschreiben? Drei Schlagworte: Klein, faul und verfressen. Aber seien wir ehrlich: Man muss Feurigel einfach lieben. Unter seinem verschlafenen Aussehen, ruht ein loyaler Kern. Wenn er also nicht gerade dabei ist, meine und Stans Vorräte zu vertilgen oder zu ratzen, kann man sich auf Feurigel stets verlassen.
    Feurigel hält wenig vom Kämpfen; ihn unterschätzen ist aber eine sehr schlechte Idee. In Rage schafft es mein kleiner Freund sogar auf Platz Nr. zwei. Platz eins belege ich natürlich.
    - Fiffyen: Fiffyen scheint einen Narren an mir gefressen zu haben. Sie ist wie ich ein Kind der Straße und ist daher sehr wohl mit dem Kodex vertraut. Dummerweise hat sie deshalb einen besonders heißen Draht zu mir. Ihre besonders stürmige Art der Zuneigung bekam ich schon oftmals am eigenen Leib zu spüren.
    Fiffyen hat nur sonderlich wenig für Stan, ihren Trainer, übrig. Selten sind sie einer Meinung.
    Wie auch Feurigel hält sie nicht sonderlich viel vom Kämpfen, beherrscht es auch ganz und gar nicht. Wittert sie allerdings weibliche Konkurrenz, wird sie nicht selten zur Furie und weiß sich dann sehr wohl mit Zähnen und Krallen zur Wehr zu setzen.



    Name: Malcom Granger, aka Vogel, aka Eagle
    Alter: In Vogeljahren? Was guckt ihr so grimmig? Er ist 16, zufrieden?
    Herkunft: Mir hat er mal gezwitchert, er käme aus Baumhausen City.
    Merkmale: Ein Specht scheint er nicht zu sein, denn von bunten Farben hält er reichlich wenig. Ich habe ihn bislang nur in einheitlichen Farben, das heißt schwarz und weiß gesehen. Andere Klamotten scheint er nicht zu kennen. Ebenso wie Stan trägt er eine Mütze auf dem Kopf - die Farben könnt ihr euch denken. An seinem Hals sieht man einen kleinen aus Eisen gegossene Götzen in Form eines Vogels (nein, ehrlich!)
    Charakter: Diesen Typen möchte ich nicht als Freund wissen, ehrlich! Er ist arrogant, übertrieben selbstgefällig und besitzt ein übermenschliches Selbstbewusstsein. Der einzige Grund seiner Lebensexistenz scheint nur darin zu bestehen, anderen - insbesondere mir - auf die Nerven zu gehen.
    Wie auch Stan ein Einzelgänger durch seine zurückhaltende und schüchterne Art war (oder teilweise noch ist), ist Eagle ebenfalls ein einsames Leben gewohnt. Kein Wunder, wenn ihr mich fragt. Wer hält es schon lange bei einem aus, der einem permanent Vorträge hält, wie viel besser er eigentlich ist.
    Er scheint einen starken Draht zur Freiheit zu besitzen, weswegen er sich von niemandem abhängig machen will. Schwäche zu zeigen, oder gar zu verlieren, endet meist in einem katastrophalen Wutausbruch seinerseits.
    Hoch anzurechnen ist ihm allerdings, dass er sehr wohl einen gewissen Funken von Ehre zu kennen scheint, auch wenn er eine merkwürdige Art hat, es zu zeigen. Unter seiner Brust schlägt also sehr wohl ein gerechter Kern - gerecht in seinen Augen, versteht sich.
    Sieht er seine Überlegenheit, die er übrigens immer und immer wieder unter Beweis stellen muss, klar vor Augen, sieht er kaum einen Grund, Zeit zu verschwenden.
    Eagle schwingt gerne hochtrabende Reden und bedient sich merkwürdiger Floskeln und - wie nennt ihr Menschen es doch gleich ...? - Metaphern. Auch spricht er gerne von sich und seinem Gegenüber in der dritten Person.
    Gegen mich scheint er allerdings eine besondere Abneigung zu verspüren und lässt kaum eine Gelegenheit aus, mich in irgendeiner Form zu kränken oder zu beleidigen.
    Ein letztes noch: Er scheint eine gewisse Schwäche für alles zu haben, was fliegt.
    Pokémon: Recht einseitig, wenn ihr mich fragt ...


    Panzaeron, aka Sky: Sky, die fliegende Festung wie ich ihn gerne nenne, versteckt unter seinem zentimeterdicken metallenen Federkleid einen äußert boshaften Charakter. Er scheint nur das Kämpfen und das Siegen zu kennen; andere Dinge wirken auf ihn uninteressant. Seiner Auffassung nach verdienen die Schwachen keine Gnade. Glücklicherweise hat er ein wenig Respekt vor mir, da Stan ihn, in Vertretung für mich, ordentlich die Leviten gelesen hat.
    Skorgro, aka Scorpio: Wie man bekanntlich sagt, ist der erste Eindruck meist der richtige: Sieht man Scorpio aus der Distanz, wird man wohl schnell von seiner grotesken Erscheinung eingeschüchtert. Scorpio selbst ist allerdings derjenige, der merkwürdig scheu ist. Unter seiner Art scheint der fliegende Skorpion etwas Besonderes zu sein, weshalb er lange Zeit als Ausgestoßener lebte, bis ihn Eagle unter die Fittiche nahm.
    Scorpio ist wortkarg und ähnelt somit sehr Stan zu Beginn unserer Reise. Trotz ungeheurer Stärke besitzt er nur wenig Selbstbewusstsein.
    Staravia, aka Sora: Das Ebenbild ihres Trainers: Ebenso wie Eagle ist Sora unglaublich überheblich, zynisch und platzt fast vor Selbstbewusstsein. Gleichzeitig ist sie eine begeisterte Kämpferin und nutzt jede Gelegenheit, ihre Überlegenheit zur Schau zu stellen. Ihr Blick ist tödlich, Krallen und Schnabel messerscharf, ihre Art durch die Luft zu reiten ohnegleichen. Mit ihren spitzen Bemerkungen stiehlt sie selbst ihrem Kollegen Sky leicht die Schau.
    Tropius, aka Gaia: Unter all diesen Miesepetern in Eagles Reihen ist mir Gaia noch die liebste Gesellschaft. Sie ist ruhig, gelassen und eine gute Zuhörerin. Ihr liegt nicht sonderlich viel am Kämpfen und ihr Trainer scheint das zu wissen. Obwohl sie sich beide kaum ähneln, verbindet diese beiden unterschiedlichen Seelen etwas Besonderes.
    Liegt schlechte oder betroffene Stimmung in der Luft, verblüfft Gaia mit aromatischen aufbauenden Stoffen, die die Gemüter aller Beteiligten beruhigen.


    [tab=Inhaltsverzeichnis]


    Inhaltsverzeichnis


    Kapitel 1: Abschied
    Part 1: Stan, der Pokémonflüsterer
    Part 2: Schlafende Vögel soll man nicht wecken
    Part 3: Die Zeit des Abschieds ...


    Kapitel 2: Der Weg führt zurück
    Part 1: Colins merkwürdiger Sinn für ein Abschiedsgeschenk
    Part 2: Ein Geschenk – eine Gabe – ein Albtraum?
    Kennst du das Gefühl ...?


    Kapitel 3: Habe die Ehre?
    Part 1: Das etwas andere Erwachen
    Part 2: Lustiges Rätselraten gefällig?
    Part 3: Vier Pokémon und ein Mensch - die Katastrophe nehme seinen Lauf
    Part 4: Unverhofft kommt oft


    Kapitel 4: Zwischenstopp - Malvenfroh City
    Part 1: Der Menschen größtes Laster
    Part 2: Rückkehr
    Part 3: Mit dem gebührenden Respekt
    Part 4: Sheinux im Außendienst


    Kapitel 5: Alte Liebe rostet nicht
    Part 1: Über das Mannsein
    Part 2: Die Ruhe vor dem Sturm
    Part 3: Von Jäger und Beute
    Part 4: Tod und Wiedergeburt
    Part 5: Gegensätze ziehen sich an
    Part 6: Shaymin
    Part 7: Eine Prinzessin packt aus
    Part 8: Auf Tuchfühlung mit dem Feind


    Kapitel 6: Gemeinsam einsam
    Part 1: Nostalgie
    Part 2: Ohne Wenn und Aber
    Part 3: Der Zweck heilgt die Mittel
    Part 4: Ausgeraubt!
    Part 5: Die Katze und das Miststück
    Part 6: Graphitport City - das Tor zur Welt


    Kapitel 7: Im Geisterzug
    Part 1: Geheimnisse im Dunkeln
    Part 2: Die Zurückgebliebenen
    Part 3: Intermezzo der Gefühle
    Part 4: Ungewissheit
    Part 5: Wohin?


    Kapitel 8: Die Villa
    Part 1: Kein Zurück
    Part 2: Die Villa von Blakewater
    Part 3: Zeit zum Aufatmen
    Part 4: Aus dem Bett
    Part 5: Räume
    Part 6: Auf der Suche nach der Wahrheit


    Kapitel 9: Der Hort der Angst
    Part 1: Ränkeschmied
    Part 2: Der Limbus
    Part 3: Darkrai
    Part 4: Die Dornen einer Rose
    Part 5: Gegen die Finsternis
    Part 6: Schocksamen
    Part 7: Das Ende des Albtraums


    Kapitel 10: Heimkehr
    Part 1: Nachbesprechung
    Part 2: Aufbruch
    Part 3: Racheengel


    [tab=Trivia]


    In Trivia werden interessante Hintergrundinformationen zu der Entstehung und dem Ablauf der Geschichte erzählt. Meist geht es dabei um besondere Textstellen in der Geschichte. Diese werden in den Kapiteln durch ein Sternchen (*) gekennzeichnet und hier Stellung dazu bezogen.


    Die Protagonisten:


    • Sheinux' Titel ist etwas an der Anrede von Lwaxana Troi aus dem Star Trek-Universum angelehnt. Im ersten Buch war er jedoch noch etwas kürzer.
    • Tugendhaftigkeit, eine Eigenschaft von Sheinux, ist eine Eigenschaft, mit der ich mich selbst gerne identifiziere.
    • Die Figur des Stan ist in vielerlei Hinsicht an meine Person angelehnt. Dazu zählen insbesondere die Vorliebe für Videospiele, die Faszination von Luftschiffen und seine frühere Schüchternheit, die - ebenso wie meine - zum größten Teil überwunden ist.
    • Stan plötzlich zu einem Pokémon-Flüsterer zu machen war einer der Hauptgründe, die mich dazu bewegt haben, schnellstmöglich das dritte Buch zu schreiben. Tatsache an diesem Punkt ist, dass ich lange (und damit meine ich wirklich lange!) überlegt habe, wie ich es nun letztendlich handhaben soll. Folgende Optionen standen für mich zur Wahl und haben lange innerlich Konflikt mit mir geführt:
      a.) Stan versteht nur Sheinux
      b.) Stan versteht sämtliche Pokémon, mit denen er Kontakt hatte
      c.) Stan versteht sämtliche Pokémon
      Die erste Variante hielt sich lange Zeit im Vordergrund. Da ich allerdings gewisse Szenen im Kopf habe, die durch dieses und das zweite Prinzip leiden würden, ging ich auf die dritte Variante über. Gerne würde ich hier noch aus dem Nähkästchen plaudern, aber das spare ich mir mal für ein anderes Mal auf.
    • Der Charakter sowie einige Züge des Malcom Granger (Eagle) entsammen persönlichen Merkmalen von mir. Dazu gehören unter anderem sein Draht zur Arroganz (bei mir meist innerlich versteckt und kaum bemerkbar), seinen Einzelgänger-Trieb, den Drang, in der dritten Person zu reden, die Liebe für die Luft und die Freiheit. Weiterhin sind sämtliche seiner Pokémon nach meinen Pendants benannt.
    • Obwohl Shaymin in den Spielen ganz klar als ein geschlechtsloses Pokémon deklariert wird, erhält sie in meiner Geschichte ein eindeutiges Geschlecht, nämlich weiblich.


    Kapitel 1:

    • Der O’matic sechstausend wird von mir oft für allerlei Zwecke missbraucht. Meist handelt es sich um ganz banale Dinge. Vom Abspül-O’matic sechstausend, über den Abtrocken-O’matic sechstausend, zum Wisch-O’matic sechstausend, hinzu zu dem Staubsaug-O’matic sechstausend im Reallife. Im Viertuellen greife ich gerne zum Schnitzel-O’matic sechstausend oder zum Bomb-O’matic sechstausend. Wieso sechstausend? Keine Ahnung. Hat sich so ergeben. Bitte auch nicht die Erdbeer-O-Matic sechstausend vergessen :D  
    • Die Phrase "Ja, ja", ist natürlich ein Tribut an den Comic-Zeichner Rötger Feldmann, aka Brösel, dem Schaffer der Werner-Figur, was auch Stans Kommentar hierzu (besser nicht ...) erklärt (ja, ja heißt, leck mich am Allerwertesten).
    • Auch hier mal wieder zum wiederholten Male mein Standpunkt zu dem Wörtchen "es", wenn das Geschlecht ganz klar bekannt ist.
    • Rosenkohl ist ein Gemüse, welches ich persönlich nicht einmal auf zehn Meter an mich heran kommen lasse.
    • Dieser Konversation habe ich lange entgegengefiebert. Auch ein Grund, weshalb ich das dritte Buch unbedingt beginnen wollte.
    • In meiner ersten Fassung hatte ich diese Szene völlig vergessen, obwohl sie bereits seit knapp vier Kapiteln fest geplant war. Sie wurde einige Stunden nach Veröffentlichung dieses Parts hinzugefügt.


    Kapitel 2:

    • An dieser Stelle greife ich wunschgemäß (von vielen Lesern erbittet) ein Thema auf, das für sie wohl etwas zu schnell ging. Da dies auch noch starken Bezug zu diesem Buch nimmt, vielleicht auch nicht verkehrt.


    Kapitel 3:

    • Die Konfrontation zwischen Shaymin, Stan und Sheinux war einer der besonderen Beweggründe, die mich dazu veranlasst haben, endlich das zweite Buch zu beenden.
    • Dies ist meine zweite Schlammschlacht, die ich jemals schrieb. Ich für meinen Teil finde, sie ist mir ganz beachtlich gelungen.
    • Eine ähnliche Szene war zwar geplant, aber die von mir verfasste Durchsetzung der Ereignisse ist grundgenommen meiner Schwester zu verdanken, die das Cover-Bild des dritten Buches entwarf.
    • Einmal wieder eine Anspielung auf die Tatsache, wie verrückt ich nach Erdbeeren bin.


    Kapitel 4:

    • Das Bild zum vierten Part wurde von meiner Schwester in London geschossen. Doch auch ohne dieses wäre die Geschehnisse so eingetreten, wie von mir beschrieben.
    • Das sind traditionelle Tischgespräche bei uns daheim: Essen, Wetter, Familie und Handtücher.
    • Es gab einige Möglichkeiten, wie der letzte Part hätte verlaufen können; sogar die Option, dass Sheinux und Fukano gemeinsam die Straßen von Malvenfroh City unsicher machen würden. Da diese Möglichkeit allerdings für die geschichtliche Fortfolge ohne Belang gewesen wäre, entschied ich mich für dieses kurze Zwiegespräch.
    • Das exakte Geschehen in dem Pokémon-Center bleibt bis zum Ende der Geschichte ungelüftet. Ich plane diesem Ereignis ein Sonderkapitel bei Ende des Buches zu widmen.


    Kapitel 5:

    • Das Bild, das den ersten Part dieses Kapitels schmückt, wurde von meiner Schwester gezeichnet und findet sich 1:1 in meinem Notizbuch wieder. Es ist eine Adaption an "Den Denker"
    • Wandelnder Gemüsegarten entspringt dem Geiste von Pheonomenon, einem meiner Stammleser
    • Sheinux' erste Auffassung des Ohrenziehens ist eine Referenz zu dem Asterix-Band "Asterix in Spanien"
    • Im letzten Part beschimpft Sora zweimal Sheinux samt Kameraden als Grundlinge. Dieses Wort entstammt aus "Guild Wars 2" und wird ausnahmslos von Harpyien als Bezeichnung für flugunfähige, niedere Spezies verwendet.

    Kapitel 6:

    • Der Name dieses Kapitels entstand erst, nachdem ich den ersten Part unlängst zuende gestellt hatte.
    • Die Charaktere Yulm und Jodd sind natürlich nicht meiner Phantasie entsprungen sondern sind Nebencharaktere aus Guild Wars 2. Eine Questreihe, in der diese beiden Charaktere auftreten, gehört zu meiner Lieblingsaufgabe. Wie nun aber tatsächlich das Labor in die Luft geflogen ist, bleibt leider ungelöst. Ich habe versucht, ein oft typisches Verhalten zwischen Meister und Lehrling an den Tag zu bringen und hoffe, dass es mir gelungen ist.
    • Die mysteriöse Tür ist natürlich eine weitere Anspielung auf die beiden Charaktere Yulm und Jodd und dem schrägen Humor der Asura. Der Leser soll aber nie herausfinden, was tatsächlich hinter dieser Tür liegt.
    • In der ursprünglichen Fassung von Part vier beteiligte sich Sheinux nicht in dem kleinen Streit zwischen Igelavar, Shaymin und Fiffyen. Da ich allerdings sehr unzufrieden damit war, ihn manchmal völlig außen vor zu lassen, ergänzte ich die Unterhaltung durch einen sehr witzigen Zwischenkommentar, der mir völlig spontan eingefallen ist und fortan zu meinen Lieblingsbemerkungen zählt.
    • Mauzis Charakter entlehnt sich sehr stark an den in Guild Wars 2 heimischen Skritt. Ich habe mich dabei allerdings bemüht, den Lieblingsausdruck der Skritt durch Synonyme zu vermeiden, nämlich "Glänziges". Ein-, zweimal tat ich es dann doch.
    • Auch schon vorher stand der Ablauf dieses Parts in etwa fest, wobei für Mauzi sogar anfangs Vulpix vorgesehen war. In diesem Fall wäre es weniger darauf hinausgelaufen, dass der Charakter des Diebes als so infantil dargestellt würde, sondern mehr heimtückisch und liebreizend (Sheinux hätte sich in diesem Fall tatsächlich verliebt. Gestrichenes Originalzitat: "Gott! Ich glaube, ich bin verliebt!"). Der Ausgang wäre wohl sehr ähnlich gewesen.
    • Der Spruch "Beweisstück A in Mülltonne B" stammt tatsächlich von aus, nämlich einer Begebenheit aus dem Leben gegriffen. Dabei stand die Frage im Raum, wer wohl die erst vor kurzem gekaufte Tüte Chips verputzt hatte. Ich fand die leere Tüte in dem Mülleimer von einem Mitglied der Familie. Der Spruch war geboren.
    • In der ersten (gedanklichen) Fassung sollte Fiffyen eigentlich gar nicht ihren Willen bekommen und Rache üben dürfen. Als ich aber bemerkte, wie passend es doch ist, dass Mauzi nach noch mehr fordert, und der Part leider schon sehr groß ist, schrieb ich diese Fassung.
    • Weiterhin war geplant, dass Sora auftaucht. Auch hier musste ich kürzen, da der Part einfach schon zu voll war. Evt. werde ich aber, wenn die ganze Geschichte ihr Ende gefunden hat, ein "Was-wäre-wen"-Sonderkapitel einbauen. In diesem Fall würde Vulpix statt Mauzi auf den Plan treten wie auch Sora einen Auftritt bekommen.

    Kapitel 7:

    • Das Cover dieses Kapitels lässt es bereits vermuten: Ich orientierte mich ein wenig an den "Phantom Train" aus Final Fantasy 6. Sehr stark sieht man das natürlich an Kevins Auftritt mit "K-E-I-N E-N-T-R-I-N-N-E-N", was eine direkte Anspielung auf No escape! ist.
    • Aus Furcht davor, dass Eagle rassistisch wirken könnte, ließ ich von Beleidigungen gegen Kevin ab, die man auch nur irgendwie mit dunkler Hautfarbe verbinden könnte.
    • Dass ich einen dunkelhäutigen Jungen in die Geschichte einbaue, war lange Zeit geplant, ebenso, dass einige Mädchen eine tiefer greifende Rolle spielen sollen. Eine weitere "Minderheit" wird im nächsten Part hinzustoßen.
    • Simons Äußerungen zu den Außerirdischen ist auf die Kultur der Ferengi gerichtet, einer Spezies aus Gene Roddenberrys Star-Trek-Universum. Ich bin ein sehr großer Fan seiner Werke.
    • Mit "Höre alles, glaube nichts" zitiert Simon die einhundertneunzigste Erwerbsregel der Ferengi. Der eigentlcih Kontext ist natürlich ein anderer und daher verfälscht.
    • Leider ist das Gerade über das Abstimmen über das Abstimmen gewissermaßen aus den Asterix-Comics geliehen. Das fiel mir aber erst ein, nachdem ich diesen Abschnitt bereits geschrieben hatte.
    • Die Idee des Eisenbahnfriedhofs ist dem Spiel Final Fantasy 7 entlehnt. Ich empfand diesen Ort beim ersten Betreten als sehr unheimlich. Und wenn ich mir vorstelle, ich wäre in dieser Situation ... Unheimlich.
    • Das Erlebnis mit der Lok war ursprünglich nicht geplant. Ich stand jedoch vor zwei Problemen: 1.) Ohne dieses Ereignis hätte ich den ganzen Weg zur Villa detailreich beschreiben müssen. 2.) Ich empfand den Part als nicht gruselig genug. Als mir dann diese Idee einfiel, bekam ich es selbst mit der Angst zu tun. Gerade deswegen ... Außerdem konnte ich Stan endlich als das outen, was seine Beschreibung bereits von Anfang an ihm erzählte: Dass er ein kleiner Techno-Freak ist.
    • Wie so ziemlich alles in meinen Geschichten wird nichts dem Zufall überlassen. Die Bezeichnung der Lok sowie die Zahlen auf der Plakette sind eine Referenz zu ... Na, neugierig? Versuch es doch selbst zu lösen. Google könnte auch helfen. Euch testen, ob ihr die richtige Antwort gefunden habt, könnt ihr, wenn ihr die weiße Schrift rechts schwärzt: -> Die Zahlenfolge 27 - 7 - 79 ist ein Datum, und zwar der 27.07.1979. Das allein genügt eigentlich schon, um darauf zu kommen, auf was ich anspiele. Jedoch weiter im Text: No. 6 ist genau das, was es aussagt, nämlich Nummer 6. Verbindet man diese zwei Zahlenkombinationen nun, hat man des Rätsels Lösung. Fügt man jedoch noch das die Buchstaben-Kombination HTH hinzu, wird es offensichtlich: Am 27.07.1979 veröffentlichte ACDC ihr 6. Album: Highway to hell. Die Plakette trägt natürlich silberne Farbe, silber wie Platin.

    Kapitel 8:

    • Das Villabild wurde von meiner Schwester erstellt. Neben ihren eigenen Vorstellungen und meinen etwaigen Angaben ließ sie sich auch von dem Herrenhaus aus der Residient-Evil-Reihe inspirieren.
    • Ich denke, man erkennt gewisse Parallelen zu dem eben genannten Survival-Horror-Game, was die Beschreibung des Foyers betrifft - und ja, es stimmt. Ich orientierte mich etwas daran, wobei ich mich sehr bemühe, eigene Ideen einfliesen zu lassen. Ich komme allerdings nicht drum herum, in zukünftigen Kapiteln weitere Gemeinsamkeiten aufzuzählen, da es sich einfach nicht vermeiden lässt.
    • Die Namen sind insbesondere keltisch angelehnt. Es gibt außerdem eine kleine Referenz zu meiner Geschichte "Die Zeitkrise".
    • Das Argtho-Plateau ist an eine Landschaft in Guild Wars 2 angelehnt, in der ich zum Zeitpunkt des zweiten Parts unterwegs war, und lautet auch auf einen ähnlichen Namen, nämlich Orgath-Hochland
    • Die Ohrfeige gegen Eagle war ursprünglich nicht geplant, sondern ergab sich von allein. Es ist die vermutlich sinnigste/glaubwürdigste Antwort auf sein aufmüpfiges Verhalten und leitete außerdem einen schönen Übergang ein.
    • Die Idee, dass sich Lindsay einen Scotch wünschte, kam auch zu einem etwas späteren Zeitpunkt. Im Gegensatz zu der Ohrfeige steckt in dieser Handlung jedoch eine tiefere Bedeutung.
    • Ein insgeheimer Aufruf ist in diesem Part versteckt, die Finger von schwarz-glänzenden Handhelds zu lassen: Freunde, die Fingerabdrücke sind ein Graus!
    • Ich esse meine Lachsbrötchen stets mit eingelegten Gurken.
    • Auch hier finden sich einige Referenzen zu Mystery Dungeon 2 (die Bilder).
    • Zu der Geschicklichkeit des Butlers an der Bar zwei Videos: Video 1 und Video 2.
    • Als Grundlage für "Das Versiegen der Zeit" dient Salvador Dalis "The Persistence of Memory".
    • Weiterhin anzumerken ist, dass der ganze Grundbaustein, die Bilder - wie sich später noch herausstellen soll -, erst recht spät ihren Einmarsch in das gesamte Kapitel machten.
    • Ich spielte einige Zeit mit dem Gedanken, dass Stan Claire für ihre Courage danken sollte. Da Sheinux aber einfach wortgewandter ist - und ohnehin kaum ein Blatt vor den Mund nimmt -, kam ihm diese Ehre zu Teil.
    • Claire war von Anfang an vorgesehen, die Rolle des Rätsellösers zu übernehmen. Ihr Name entstammt daher der Protagonistin aus einigen "Resident Evil"-Spielen.


    Kapitel 9:


    • Claires Angst vor dem Verlust eines Familienmitglieds gehört zu einer meiner größten Ängste.
    • Eagles zweite gezeigte Angst ist ebenfalls eine meiner größten Ängste: die Angst vor Abhängigkeit.
    • Beim Verfassen der letzten beiden Kapitel habe ich eine große Parallele zu Syboks ("Star Trek V - Am Rande des Universums") Fähigkeit feststellen müssen. Er konfrontiert seine Opfer mit ihrem "Schmerz", was ähnlich wirkt wie mit den Ängsten konfrontiert zu werden. Ich habe mich daher bemüht, deutlich zu machen, dass es Unterschiede gibt. Der deutlichste: Die Angst muss nicht aus einer erlebten Begebenheit herrühren (siehe Eagle im Rollstuhl).
    • Es ist wahrscheinlich bereits vergessen: Im Zug wurde erwähnt, dass zwei Pokémon der Zurückgebliebenen verschwunden waren: Elektek (Lindsay) und Muntier (Simon). Beide Pokémon besitzen bzw. können die Fähigkeit "Munterkeit", was sie immun gegen Darkrais Einfluss macht.
    • Das Mädchen Eagles Illusion spielt eine Nebenrolle in meiner Fanfiction "Leben und lernen - Die Celebi High". Das gezeigte Ereignis bietet einen kurzen Einblick auf ein Kapitel am Ende der Geschichte. Sie ist Soras Namensgeberin.
    • Ich haderte eine Zeit lang mit dem Gedanken, in welcher Reihenfolge ich die Ereignisse eintreten lassen sollte. Mir war klar, nur Shaymin konnte das Ende herbeiführen. Fiffyens Entwicklung an dieser Stelle war eine Zeit lang geplant. Eher spontan kam dagegen die Idee, Sora mitwirken zu lassen. Ich befürchtete, wenn Sora am Ende auftaucht, würde sie und Eagle zu sehr in den Vordergrund geschoben, deshalb hielt ich den Auftritt nur kurz. Es gab noch ein fixer Gedanken, auch Sky und Scorpio einen weiteren Auftritt zu widmen, doch wollte ich - wie bereits erwähnt - die eigentlichen Nebendarsteller nicht zu sehr in den Vordergrund rücken.
    • In einer ursprünglich geplanten Fassung sollte Stan bei Fiffyens Entwicklung mit dem Gedanken spielen, seinen Pokédex zu benutzen, was von Sheinux - angesichts der widrigen Umstände - verwerflich kommentiert worden wäre. Die Szene fiel dann letztendlich dem Umstand zum Opfer, dass Stan zu diesem Zeitpunkt bereits ausgenockt war.
    • Gaias Mitwirkung dagegen war von langer Sicht aus geplant. Doch auch hier überlegte ich, wie sie überhaupt auf den Plan gerufen werden konnte. Ursprünglich geplant war, dass Eagle lediglich mit einem Pokémon gegen Darkrai antritt, was dann aber hinsichtlich der zukünftigen Ereignisse (Gaias Eingreifen) Schwierigkeiten gebracht hätte. Gleichzeitig wollte ich allerdings nicht, dass Eagle mit Gaia als Phalanx in die Schlacht zieht - das hätte ihm nämlich nicht ähnlich gesehen. Also entschloss ich mich für einen Kompromis und ließ Eagle mit allen Pokémon antreten, was angesichts der misslichen Lage auch die sinnigste Variante scheint.
    • Der Kampf gegen Darkrai ist ein Tribut an den Song Zero World von Overclocked Remix, der, wie ich finde, perfekt das stetige Hin und Her bei einem zeitgleich wirkenden Gefühl von Darkrais Überlegenheit ausdrückt.
    • Eigentlich wäre der Punkt, als Stan und Claire getrennte Wege gehen, ein wirklich guter Zeitpunkt, das Buch zu beenden. Das jedenfalls meine ich, nachdem ich so das Geschehen so Revue passieren lasse. Es gibt noch ein paar Kleinigkeiten, aber letztendlich könnte man tatsächlich das Buch jetzt zuklappen: das neutrale von drei möglichen Abschlüssen dieses Buches.
    • Dass Eagle die Gruppe an diesem Punkt verlässt, war von langer Hand geplant. Ich musste aber tatsächlich noch einmal zurückblättern und den genauen Umstand seiner Handlungsweise (Shaymin) nachlesen.


    Kapitel 10:

    • In den ersten beiden Parts versuche ich noch einmal, den Witz, der insbesondere im ersten Buch allgegenwärtig war, noch einmal zu betonen.
    • Shaymins Vermutung, Darkrai sei ein Gefangener der Zeit, ist eine Referenz zu meiner Fanfiction "Die Zeitkrise".
    • Stans flüchtiger Kommentar ("Simon"), als Shaymin meinte, sie ordne ihr Wohl unter das Wohl der Anderen, ist eine Anspielung auf "Star Trek II - Der Zorn des Kahn". Stan antwortet mit Simon, da er weiß, dass Simon ein Science-Fiction-Fan ist.



    [tab=Danksagungen]


    An dieser Stelle möchte ich ganz herzlich meiner Schwester danken, die mir auch für das dritte Buch ein tolles Bild gemalt hat.


    Natürlich gebührt auch bei dem dritten Buch ein besonderer Dank an Blackdraco, aka Toby, der mit seiner ganz eigenen Erzählung mich zu dieser Geschichte inspiriert hat.


    Weiterhin danke ich bereits jetzt allen Leserinnen und Lesern, die sich hier in diesem Thread verewigt haben und sich noch verewigen werden.


    [tab=PN-Benachrichtigungen]


    [tab=Urheberrecht]Das geistige Eigentum an Pokémon und an der fiktiven Welt, in der diese Geschichte spielt, gehört Gamefreak. Die hier vorgestellten Figuren ihre von mir eingehauchte Seele und die Geschichte ist mein Werk und darf als solches nicht von Dritten nach außen ohne meine Zustimmung präsentiert werden. Urheberrechtsverletzung ist ein Delikt und verstößt gegen das Urheberrechtsgesetz gemäß Paragraph 106 und kann zivilrechtliche Klagen zur Folge haben.


    [/tabmenu]

  • Guten Abend –oder Blubb wie du zu sagen pflegst- Eagle^^


    Wow, kann‘s noch immer nicht ganz fassen, wir sind wirklich am Ende von Buch 2 angelangt…
    Aber wie ich sehe hast du schon unbeirrt den Startpost für Buch 3 gepostet, also noch immer Motiviert für weiteres, schön zu sehen^^ Hättest aber ruhig auf mich warten können : P
    Egal, so wie soll ich jetzt am besten anfangen? Ich denke mal, ich mach’s wie letztes Mal, erst einmal ein „Feedback“ zum jetzigen Kapitel und dann eine allgemein Zusammenfassung vom ganzen Buch 2. Ach und bevor ich anfange, ich hab am Ende vom Kommi eine kleine Überraschung für dich, also erst brave durch lesen und dann erst nachschauen^^
    Also fang ich mal an:


    Sheinux und Stan haben es ja -ich erinnere mich- in die Höhle geschafft und irren ein Weilchen darin herum. Der kleine Fluss, die verwinkelten Wege und vor allem die Meteoriten und die dazugehörigen Krater… ach ja es ist immer schön von Sheinux an einen Ort geführt zu werden, an dem man schon lang nicht mehr war. Die kleine Wanderszene hat aber recht schnelles Ende, was im Prinzip nicht sonderlich schlimm ist, da es immerhin hier um den finalen Kampf geht aber dennoch… Ich hatte eher das Gefühl gehabt, dass du hier so schnell wie möglich drüber kommst, damit du endlich mit dem Grandfinale anfangen kannst, hat sich nicht ganz nach deiner Schreibart gefühlt. Persönlich hätte ich da noch etwas mehr geschrieben, vielleicht noch etwas die Spannung aufgebaut aber nun gut. Das trifft eher auf den Part 5 und auch 6 zu, ab dann kommt ohne hin mehr Spannung als genug dazu.


    Endlich, der Adler erhebt sich wieder in die Lufte! Für mich war es klar (und wahrscheinlich den meisten anderen Lesern auch), dass sie ihm hier begegnen würden, immerhin hat er es ja selbst angedeutet aber trotzdem hab ich in mir gefühlt, wie sich mein Herzschlag beschleunigt hat, den man weiß, jetzt kommt die Entscheidung, auf die man seit dem Rivalen ersten Auftritt wartet. Jetzt wird es Zeit es diesem Kerl zu zeigen! Ich kann nur wieder sagen, ich bin froh das du Eagle in die Handlung eingebaut hast, der ist eine wirkliche Bereicherung für die Story.
    Tja und dann kommt das mit dem ich nicht ganz so gerechnet hatte: Eagle hatte Deoxys schon ziemlich besiegt. „Wie zum Hundemon konnte er das Ding besiegen?!“, war mein erster Gedanke. Mein zweiter Gedanken war „Wie zum Hundemon soll Sheinux und Stand diesen Typen besiegen?!“
    Nach einige Beleidigungen und „Dreck-“ Schlachten ist es soweit, der Kampf beginnt. Lustig, erst heute dachte ich mir, dass der gute Feurigel mal auch wieder einen Auftritt bekommen sollte und siehe da, er hatte ja hier einen. Ach ja, hab schon fast verdrängt das er eigentlich, trotz seines faulen Charakters, ein fantastischer Kämpfer ist und wie er damals das Turnier lange Zeit für sich entschieden hat. Der jetzige Kampf ist aber wohl schlecht hin sein schwerster, zwar sind seine Feuerattacken eigentlich effektiv gegen den Stahlvogel, doch dieser ist eben sehr wendig und unbarmherzig. Bei jedem Angriff, bei jedem Ausweichmanöver hab ich innig gehofft, dass Feurigel es schaffen und Sky besiegen würde. Als der wackere Kämpfer nach dem ersten verehrenden Gesteinsangriff wieder aufsteht hatte ich jedenfalls noch so meine Hoffnung, doch die hast du mir schnell zunichte gemacht, als er schließlich beim Sternschauer-Feuerduell unterliegt. Die Szene mit den zerberstenden Felsen, fliegenden Trümmern, aufsteigenden Flammen und herabstoßenden Sterndolchen kann ich mir recht gut in meinem geistigen Auge vorstellen. So kann es aber natürlich nicht enden, jetzt kommt der Kampf dem ich persönlich entgegen fieberte: Stan in Sheinux Körper gegen Eagel’s Pokemon. Musste ziemlich grinsen, als Eagle meinte, dass er ein viel größeres Band zu seinen Pokemon hatte als Sheinux und Stan. Kann mir durchaus vorstellen das ihm seine Pokemon sehr respektieren aber ein Band wie Stan und Sheinux… so etwas kann er nicht bekommen, dazu müsste er Deoxys höfflich bitten XD


    Und da bekommen wir ein Wiedersehen mit Sheinux „Blecheimerknacker“ (den ich ehrlichgesagt schon vergessen hatte^^; ) und beweist damit schon mal er tolle Bindung, den Stan wusste einfach schon was damit gemeint war. Verwunderlich das Eagle so erstaunt auf das reagiert…
    Dieser Kampf findet ein recht schnelles Ende (die Stromrechnung wurde geliefert) und wäre das der Endkampf gewesen, ich hätte lautstark protestiert und mehr verlangt. Glücklicherweise haben wir ja noch Eagles Scorpio, gegen welches Sheinux verloren hat, weil er es hinterhältig spontan ausgewechselt hat. Wie sollte er das fliegende Bodenpokemon besiegen?
    Tja, dass Windproblem hast du ja gut gelöst (auch wenn ich nicht genaue Ahnung hab, wie das mit Guillotine genau möglich ist, für mich ist das eher eine Köpfattacke^^; )ehrlich gesagt hätte ich selbst gar nicht Mal an dieses Problem gedacht. Dann geht’s eh wieder Schlag auf Schlag, Stans Blitze jagen durch den Raum, Felsstücke fetzen durch die Gegend und sogar Gift/Säure, welche ihm ja etwa szum Verhängnis wird, kommt ins Spiel! Szene die gut in eine Hollywood Aktionszene gepasst hätten.
    Emotionen hätte ich vielleicht etwas mehr gehabt, da bin ich schon von so manchem Kapitel mehr gewohnt. Besonders, als Sheinux zu Stan rennt und ihm an sich drückt, bzw. wie er schließlich Eagle wieder eine Verpasst. Mag sein, dass dies schon vorgekommen ist, trotzdem wäre es hier nicht schlecht gewesen^^


    Was mir persönlich aber sehr gut gefallen hat, war die Stelle, an dem Sheinux wieder langsam erkennt, dass er wieder ein Pokemon ist. Erinnert mich wieder etwas an den Anfang, wo Sheinux erkennt in welchem Körper er gelandet war und nun ist es umgekehrt. Noch immer der Meinung ein Mensch zu sein, sieht er Stand, den er noch immer für sich selbst hält gegenüber stehen und erkennt dann erst, dass er wieder er war.


    Zitat

    „Zeit, Sheinux nach Hause zu bringen.“


    Der perfekte Satz um dieses Buch zu enden… Immer wenn ich diesen Satz lese bekomm ich irgendwie eine Gänsehaut. Will Stan tatsächlich seinem Freund diesen Gefallen tun und ihm heim bringen? Kann er das überhaupt noch, nachdem sie so viel durchlebt hatten… oh man, gerade nicht dass ich an diesen Gefühlen zerreiße, es macht mich nur noch neugieriger, was uns nun in Buch 3 genauer erwarten wird..



    Uff ist es spät geworden, schon fast 1 Uhr… egal ich muss diese Kommi einfach weiter schreiben^^


    Jetzt will ich noch kurz etwas zum Gesamten Buch 2 sagen:
    Ich muss ehrlich sagen, den Verlauf, wie sich die Handlung in Buch 2 weiter entwickeln würde hätte ich nie vorher gesehen. Am Anfang hat es für mich einfach ausgesehen, als würdest du das bewährte Prinzip fortsetzen und die Helden über ganz Hoenn schicken und was passiert ab Kapitel 4? Du stellst alles auf den Kopf. Du glaubst gar nicht, wie begeistert ich über diese Wendung war, ich war schlecht hin Feuer und Flamme (Auch wenn ich mit dem Kommi schreiben später etwas langsam war^^; )
    Natürlich hatte diese Wendung einige Risiken aber ehrlich muss ich sagen, du hast viel mehr gewonnen, als verloren (wenn überhaupt). Hört sich vielleicht etwas schmeicherlerisch an aber glaub mir, das ist mein völliger Ernst. Die ganze Handlung, anfangs mit der Begegnung Eagles, dann die Verwandlung, Sheinux Problem beim Lernen, ein Mensch zu sein, die Schiffsfahrt mit Deprission, Baumhausen City, die Rose der Wüste, Streit und Trennung, Versöhnung und nun der Epic Showdown. Da wünscht ich mir doch, dass es doch noch etwas weiter gegangen wäre… aber wofür haben wir denn bitte Buche 3 : D


    Insgesamt kann ich nur positiv über dieses Buch sprechen, Buch eins war schon genial genug aber hier wurde man eher mit einem roten Faden durch die eigentliche Handlung geführt. Einzig beim Ende muss ich zugeben, dass mir das Ende vom Buch eins doch etwas mehr gefallen hat, was wohl an den stärkeren Emotionen gelegen ist. Diese Ende kam mir etwas in Sachen Emotionbeschreibung etwas kurz. Auch bin ich mir noch nicht sicher, wieso Deoxys überhaupt zu den Meteoritenfällen gereist ist, werden wir diesem Pokemon später noch einmal begegnen, oder wird hier eine Stelle offen gelassen? Naja, dass wären meine einzigen Kritik zu dem Buch, ansonsten kann ich dich nur Loben^^
    So, damit bin ich am Ende von meinem „Feedback“ und auch Buch 2 angelangt. Das nächste Buch „Heimkehr“ (Gänsehaut) steht ja auch schon in den Startlöchern und macht mich neugierig auf weiteres. Wie wird Sheinux und Stans gemeinsame Reise weiter gehen, wird sie wirklich zu Ende gehen? Fragen über Fragen…
    Eine Frage erklärt sich aber damit von selbst: Ich bin natürlich auch weiterhin dabei, mich als treuen Leser wirst du also behalten. Deswegen auch für den nächsten Teil eine PN-Benachrichtigung bitte^^


    Naja, wie letztes Mal sag ich: Gratulation zum fertigen Buch 2!


    Auf baldiges weiterlesen,
    Toby


    Ps: Jetzt muss ich aber wirklich bei meinen Fs aufs Gas treten XD
    Ps2.: Persönlichen Kommi-Rekord gebrochen, oh yeah! :sekt:
    Ps3.: Im Kommi können einige Fehler sein, zu müde um alles nochmals durchzulesen -_-
    Ps4.: Die kleine Überraschung? Hab ich nicht vergessen, die ist immerhin Schuld dass ich jetzt noch um 1 Uhr am Pc sitze XD

  • Kapitel 1: Abschied



    [size=8][font='Georgia, Times New Roman, Times, serif']Part 1: Stan, der Pokémonflüsterer


    „Sheinux-Fritzel-O’matic sechstausend* aktiviert! Jetzt hat es sich ausgezirpt! Jaah! Extra knusprig, so mag ich das.“
    Die Luft war erfüllt von dem Knistern unzähliger Blitze und dem Geruch von langsam zu Asche zerfallenden Insekten. Der frischgefallene Ruß des Schlotberges bedeckte das Gras des ordentlich gepflegten Vorgartens, inmitten sich ein längst überfälliges Szeneratio abspielte. Pokémon versus schäbige Krabbelkäfer. In der Hauptrolle natürlich ich. Gestatten? Sheinux, Sohn des Sechsten Hauses, unangefochtener Champion und Revierherrscher des westlichen Nationalparks, großmeisterlicher Mülltonnendurchwühler, mit dem blechernen Bierdeckel ausgezeichneter Meisterlangfinger, legendärer Voltensobezwinger, ... unverzagter Hüter der Reisekasse, Lebensretter zweiter Klasse, bewanderter Menschenkenner und sagenhafter Piepmatz-Fäller.
    Puh! Die Liste meiner Ruhmestaten kennt keine Grenzen, meine Ära scheint unbegrenzt, die Legende lebt weiter. Nach einer mir schier endlos vorkommenden Zeit, hatte ich endlich wieder Besitz von meinem schon fast verloren geglaubten Körper ergriffen, den ich bei einem unglücklichen Zufall ungewollterweise an meinen pelzlosen Menschenfreund Stan abgedrückt hatte. Ja, ihr habt richtig gehört. Pokémon und Mensch hatten Körper getauscht. Doch dies liegt nun zurück und verdient keinerlei Beachtung mehr. Wichtig ist, dass alles wieder seinen gewohnten Lauf nahm. Stan und ich sollten bald schon auf eine neue Reise aufbrechen. Aber bis dahin ...
    „Wie war das, ihr wollt noch mehr? Bitteschön!“
    Munteres Gezirpe erstarb jäh. Ein etwas unglücklich meinem Fell entronnener Blitz krachte gegen den hölzernen Gartenzaun und hinterließ dort einen schwarzen Rußfleck. Lefzenkräuselnd betrachtete ich mein Werk. Ich war etwas aus der Übung, musste Altes erst wieder neu erlernen, was natürlich kein Problem für jemanden wie mich darstellte ...


    „Sheinux?“
    Ich warf einen flüchtigen Blick über die Schulter, widmete mich dann aber schnell wieder meinem Werk. Das war mein Freund und Trainer. Gestatten? Stan. Er und ich waren bei Colin Knox, einer flüchtigen Reisebekanntschaft untergekommen – und ja, er war derjenige, mit dem ich Körper getauscht hatte. Können wir das nicht endlich lassen ...?
    „Hm?“, brummte ich.
    „Magst du zu uns rein kommen? Ich wollte noch etwas mit den anderen plauschen und die weitere Reise mit dir besprechen. Es wäre ... ähm, nett, wenn du uns Gesellschaft leisten würdest.“
    „Ja, ja* ... Ich komme gleich“, seufzte ich.
    Der sich unter dem Gras befindende Sand knirschte verräterisch auf, als Stan kehrt machte, die Geräusche nahmen ab, er entfernte sich. „Besser nicht ...“, nuschelte er noch leise, bevor er wieder verschwand.
    Ich seufzte. Stan hatte mich gern um sich, das wusste ich. Er schien seit unserer Rückverwandlung wesentlich mehr Selbstvertrauen und Mut zu besitzen. Doch seine ersten Kontaktaufnahmen kamen noch immer die eines unbeholfenen und schüchternen Kleinkindes gleich, weswegen ich ihm immer noch Händchen halten musste; zumindest bis das Eis gebrochen war. Dann schon ist er kaum noch zu bringen.
    Ein letzter Stromstoß löste sich aus meinem Fell, die letzten zirpenden Gesänge in der Luft erstarben. „Den Rest könnt ihr behalten“, sagte ich mit einem selbstzufriedenen Grinsen im Gesicht und schlug denselben Pfad wie mein menschlicher Freund ein. „Die Rechnung bring’ ich euch später.“


    In dem mit Fernseher, Stereoanlage, Bücherregale, die vor lauter Lesestoff schon fast ächzten und stöhnten, Schränken, einer braunen, gewundenen Couch und zwei kleinen Sesseln prunkvoll ausgestattete Wohnzimmer hatten sich bereits vier Menschen versammelt. Zwei von ihnen kannte ich natürlich besonders gut. Da war Stan, über den wir ja bereits ausgiebig gesprochen haben, und Colin, eine Bekanntschaft, mit der wir, Stan und ich, halb Hoenn durchquert hatten – eine ganz schöne Nervensäge, aber im Grunde ein guter Kerl. Jedoch schaffte es Colin immer wieder, dass man durch ihn erst die Stille richtig zu schätzen lernt. Seine Eltern, Mr. und Mrs. Knox, die ebenfalls im Raum waren, kannte ich nur vom Sehen und sie logischerweise mich ebenfalls nur flüchtig.
    Sämtliche Augen folgten mir, als ich den bronzegekachelten Raum durchquerte, mit einem gewaltigen Satz das Sofa erklomm und mich neben Stan niederließ.
    „Dann wären wir ja komplett.“ Das war Colin. Natürlich war er es, der wieder das Wort an sich reißen musste. Wenn er vieles nicht konnte, das eine aber schaffte er immer – nämlich unaufhörlich zu reden.
    „Mum, Dad – das ist Sheinux.“
    Mr. und Mrs. Knox tauschten verwirrt Blicke. Colins Vater zog eine Augenbraue in die Höhe. „Wir haben auf es gewartet?“ Er blickte mir verständnislos entgegen. „Das ist alles?“
    „Es ist ein er und er ist kein es*“, sagte Stan mit fester Stimme.
    Na, sagte ich es nicht? Kaum war ich bei ihm, schon hatte er ein wesentlich standfesteres Auftreten.
    „Genau!“, rief ich empört. Ich erhaschte einen kurzen Moment der Aufmerksamkeit von meinem Nachbar. Wieder dieser fassungslose Blick. Stan schaute mich an. Ich verstand es nicht.
    „Öhm, also gut ...“, sagte Mr. Knox, klang allerdings noch immer leicht abweisend.


    Es folgte eine unangenehme Stille im Raum. Mir stellte sich die Frage, warum ich überhaupt hier war. Um hier an einem Stillsitzwettbewerb teilzunehmen? Danke, kein Interesse. Den hatte Stan schon längst in der Tasche ... Warum also war ich hier?
    „Wollen wir dann?“, fragte Colin. Er sah zu Stan herüber – ich ebenfalls. Stan wirkte plötzlich sehr peinlich berührt. Seine gefalteten Finger schabten ineinander, kamen kaum zur Ruhe. Ich glaubte endlich zu verstehen, was hier vorging. Colin, die Quasselstrippe, hatte natürlich nicht den Mund halten können. Stan sollte wohl von unseren Erlebnissen berichten.
    „Ähm ...“, stammelte er. „Also ...“ Er sah wieder zu mir, suchte wohl verzweifelt einen Ausweg aus dieser diffizilen Affäre. „Ähm, Colin? Würde es dir etwas ausmachen, mal eines deiner Pokémon zu rufen?“
    Wie Colin plötzlich die Augenbraue hinaufzog, besaß er eine unglaubliche Ähnlichkeit mit seinem Vater. Ratlos zuckte er die Schultern. „Öhm, warum? Aber okay, von mir aus. Moment ...“
    Ein simpler Knopfdruck öffnete den Pokéball in Colins Händen. In dem gleißenden Lichtstrahl nahm, neben ihm auf der Couch, ein kleines, gelbes Wesen mit zackigem Schwanz, spitzen Ohren und roten Backentaschen Gestalt an.
    Pikachus Blick schweifte aufgeregt umher, traf mich, dann Stan, Colins Eltern und dann seinen Trainer. Ich rümpfte sofort die Nase.
    „Hallo, Maus“, höhnte ich mit herablassendem Unterton.
    Pikachu sah erst zu Stan, bemerkte dann allerdings, dass nicht er, sondern ich zu ihm gesprochen hatte. Er tat es mir gleich und rümpfte seine Nase. „Oh ...“, sagte er buttrig. „Du bist wieder der Alte ...“ Er verzog amüsiert das Gesicht. „Dann mal ein herzliches Hallo an alle, die nicht Sheinux heißen.“
    „Darf ich mein erstes Magengeschwür nach dir benennen?“, entgegnete ich ihm hämisch.
    „Und jetzt?“, fragte Colin und schnitt Pikachu dabei ins Wort, als er bereits zu einer mir wohl fast ebenbürtigen Antwort ansetzen wollte. Seine Frage richtete sich an Stan. „Was bezweckst du damit?“
    Ich spürte erneut Stans Blick auf mir haften. Jetzt sah er zu Pikachu herüber. Was war bloß los? Selbst für seine Verhältnisse war das mehr als merkwürdig.
    „Kann es sein, dass du und Pikachu euch nicht leiden könnt?“, fragte er mich.
    „Wie kommst du nur auf den Gedanken?“, gluckste ich. „Wir beide verstehen uns prächtig, sofern eine Mausefalle zwischen uns steht.“
    „Ich geb’ dir gleich Mausefalle!“, zischte Pikachu.
    „Ja, das erweckt den Anschein ...“, sagte Stan.
    „Sag mal ... Hättest du vielleicht mal die Güte, hier Klartext zu sprechen. Was ist hier los?“, rief Colin und klang bereits leicht verärgert.
    „Würde ich auch sehr begrüßen“, fügte Mr. Knox zu.
    „Also – ähm ...“, stammelte Stan und starrte dabei Löcher in seine Hosen.
    „Nur keine falsche scheu, Stan“, lächelte Mrs. Knox. Eine Geste, die Stan wohl neuen Mut machte.
    „Ob ihr es mir jetzt glaubt oder nicht, aber ich höre, was sie sagen ... Nein, das ist irgendwie schlecht ... Also, ich kann die beiden verstehen.“


    Wieder lag dieses unangenehme Schweigen im Raum. Sämtliche Blicke waren auf Stan gerichtet – auch meiner. War das ein Witz? Nein, wohl kaum, ausgeschlossen, nie und nimmer, völlig unmöglich. Stan und Witze? Das passt irgendwie nicht zusammen. Aber das andere klang auch nicht sonderlich viel besser.
    „Du verstehst, was ich sage?“, fragte ich skeptisch.
    „Du verstehst, was er sagt?“, fragte Colin.
    „Ja“, Stan lächelte zu mir herab, „und ja.“ Stan schaute zu Colin herüber.
    Mr. und Mrs. Knox tauschten skeptisch Blicke. Mir aber, mir fehlten zum ersten Mal seit langem die Worte – Colin natürlich nicht. „Du verarscht mich doch gerade, oder?“
    Stan schüttelte den Kopf. „Um ehrlich zu sein, habe ich schon vorhin mit Feurigel gesprochen. Er redet aber die ganze Zeit nur vom Essen – er lobt übrigens die Dame des Hauses. Guter Kuchen, meinte er.“
    Mrs. Knox lief rot an.
    „Krass!“, rief Colin. Der Zweifel schien von ihm gebrochen. „Das ist ja stark, absolut verrückt ... Aber, warum eigentlich?“
    Stan zuckte die Schultern. „Keine Ahnung ... Deoxys hat da wohl irgendwie“, Stan suchte die passenden Worte, „Mist gebaut.“
    „Mist?“, wiederholte Colin. „Mist? Das ist eine Gabe! Einzigartig. Das ist ... so was von stark, ehrlich. Frag doch mal Pikachu, was er von mir hält, und dann Sandan und auch Marill, ja?“
    Das wollte mir irgendwie noch nicht richtig in den Schädel. Stan, ein Pokémonflüsterer? Aber gewisse Vorteile hatte es ja schon. Unsere Reise würde sicherlich weniger problematisch werden, wenn ich ihm nun die einfachsten Dinge leicht eintrichtern könnte. Irgendwie konnte ich mich recht schnell an den Gedanken gewöhnen, auch wenn ich auf einige Dinge dann natürlich dummerweise verzichten musste.
    „Jetzt kann ich ja nicht mehr hinter deinem Rücken über dich herziehen ...“, maulte ich.
    „Du beleidigst mich hinter dem Rücken?“, fragte Stan erstaunt.
    Jetzt war auch mein letzter Zweifel gebrochen, nicht, dass ich noch großartig gezweifelt hätte. Stan war schon immer ein schlechter und leicht durchschaubarer Lügner gewesen; ganz im Gegensatz zu mir.
    „Nööh“, log ich. „Natürlich nicht.“
    „Also ...“ Mr. Knox meldete sich zu Wort. Die Tonlage seiner Stimme verriet mir schnell, dass er an den Worten meines Freundes noch zweifelte, was mich allerdings nicht sonderlich verwunderte. „Lassen wir das Thema jetzt mal ruhen. Mich würde interessieren, was ihr eigentlich mit Deoxys zu schaffen hattet. Wärt ihr so nett?“
    „Ähm ...“, stammelte Stan.
    „Jetzt mach schon“, zischte ich ihm zu. „Wird dir schon keiner den Kopf abreißen – und wenn doch, kleb ich ihn dir wieder dran, versprochen.“


    Mit Stans Erzählung erwachten die Bilder in meinem Kopf zu neuem Leben. Er erzählte alles, ließ kaum ein Detail aus. Angefangen natürlich, wie er, ich und Colin uns kennen lernten; den heiklen Ereignissen, als wir in dem brennenden Wald von dem wilden Pokémon-Rudel in die Enge getrieben wurden (bis dahin schienen uns Colins Eltern noch alles zu glauben und an den richtigen Stellen spürte ich ihre anerkennenden Blicke auf mir ruhen); und natürlich auch von der haarsträubenden Deoxys-Affäre - der Transformation vom Pokémon zum Menschen und umgekehrt. Colin fuhr Stan einige Male scharf ins Wort, wollte er noch auf kleinere Lappalien eingehen, die es seiner Ansicht nach verdient hatten, erwähnt zu werden.
    Ich musste zugeben, dass ich, wäre ich in der Lage von Mr. oder Mrs. Knox gewesen, wohl selbst meine ärgsten Zweifel an der Geschichte gehabt hätte. Es klang doch sehr unglaubwürdig. Doch natürlich wussten wir es besser.
    Für mich besonders interessant war natürlich der Teil, als sich Stans und meine Wege für kurze Zeit trennten. War ich schon von seiner Leistung im Kampf gegen die fliegenden Monster am Vortag beeindruckt, wurde dies nur noch mehr durch seine alleingestellten Erlebnisse in Malvenfroh City überschattet.
    „Du hast dem Kind einen qualmenden Haufen als Abschiedsgeschenk hinterlassen?“, grinste ich halb beeindruckt, halb amüsiert. Stan hatte wollen dieses Szenario überspringen. Nach einigen Sticheleien von Colin und von mir war er aber notgedrungen darauf eingegangen. „Das hätte ich selbst kaum besser gekonnt, Respekt!“, lachte ich.
    Stan wirkte peinlich berührt, fasste sich aber schnell wieder. „Auch nicht sonderlich besser, sich in einem Wartezimmer in einer Blumenvase zu erleichtern“, zwinkerte er.
    Wie Stan daraufhin erzählte, wusste er inzwischen auch über den Kodex Bescheid, den Kodex, der mich an ihn bindet, bis meine Schuld ihm gegenüber abgegolten ist. Auch hatte er von Colin unlängst erfahren, was während seiner Abwesenheit zwischen mir und Colin im Krankenhaus noch vorgefallen war. Wir standen also wieder auf einer Wellenlänge, er und ich.
    Selbst auf das kleinste Detail, die kleinste Unachtsamkeit, den winzigsten Krümel ging Stan ein, als er von dem abschließenden Kampf gegen seine ihm überlegenen Gegner berichtete. Irgendwie war ich neidisch. Diese Kämpfe – ich hätte sie gern für mich selbst gefochten. Doch verspürte ich auch Stolz. Stan hatte mir in fast keiner Beziehung nachgestanden, hatte er schließlich auch nur von dem Besten gelernt – von mir.


    „Würde mich jetzt nur interessieren, was mit Deoxys ist. Ich meine, wo ist es abgeblieben?“ Stan hatte seine Erzählung beendet. Nur Sekunden nachdem er den Mund geschlossen hatte und sich einen kräftigen Schluck Wasser gönnte, riss Colin wieder das Wort an sich. Seine Eltern hatten beide lange Zeit geschwiegen und taten es noch immer. „Du sagtest, es sei nicht mehr da gewesen, als ihr aufgewacht seid?“
    „Richtig, es war weg, einfach so“, antwortete Stan.
    „Jedenfalls“, sagte Mr. Knox, „sind die Meteorfälle für die nächste Zeit zum absoluten Sperrgebiet erklärt worden. Es wird noch nach Deoxys oder nach Spuren über seinen Verbleib gesucht. Bis dahin ist dieses Gebiet unpassierbar – und Colin! Keine Sandstürme mehr.“
    Colin grinste falsch. „Sag es nicht mir, sondern Sandan, diesem ungezogenen Kerl. Ich sag ihm doch immer: Sandan, keine Sandstürme, hast du gehört? Brav.“
    Stan und ich glucksten. Es war Colin zu verdanken gewesen, dass wir es ungesehen in die Höhle geschafft hatten und dafür war ich ihm richtig dankbar.
    „Wenn du uns wirklich schon verlassen willst, Stan, musst du wohl oder übel den gleichen Weg zurück, den du gekommen bist“, sagte Mrs. Knox freundlich.
    „Ich bin für alles offen“, antwortete Stan schulterzuckend.
    „Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein ...“, kicherte ich leise.
    „Hey, das habe ich gehört!“, rief Stan.
    „Ach, Mist!“
    „Was? Was hat er gesagt?“, fragte Colin neugierig.
    Stan schaute mich an, antwortete nicht.
    „Sag ihm, ich hätte gesagt, er sei ein Vorgartenzwerg“, lachte ich.
    „Ähm – Sheinux meint ... er wäre auch für alles offen.“
    „Alter Lügner ...“, murmelte ich.
    Mit leidigem Gesichtsausdruck fing Stan meinen Blick auf.
    Ich seufzte. „Okay, für mich reicht es erstmal. Macht ihr das unter euch aus. Ich habe draußen noch eine Verabredung mit einem langhalsigen und prallgefüllten Freund.“ Unter den neugierigen Blicken aller Beteiligten sprang ich von der Couch.
    „Mülltonne?“, hörte ich Stan hinter meinem Rücken fragen.
    „Mülltonne“, bestätigte ich, ohne langsamer zu werden.
    „Was, Mülltonne?“, fragten Colins Eltern im Chor.
    Vor verschlossenem Ausgang kam ich zum Stillstand. Die Tür, die vom Wohnzimmer in den Garten führte, war zugefallen. Ich blickte an ihr hinauf. Die goldene Türklinke ragte in schier unerreichbaren Höhen. Ich warf einen Blick über die Schultern. „Soll ich mich hier verrenken oder muss ich mir erst ein Bein ausreißen, damit mir jemand die Tür aufmacht?!“
    Ein leises Quietschen hinter meinem Rücken machte mir klar, dass sich Stan endlich in Bewegung gesetzt hatte. „Ja, entschuldige. Das haben wir gleich – so.“
    „Danke.“
    Die Tür flog in ihre Angeln. Noch einmal vernahm ich Colins Stimme: „Das ist verrückt.“

  • Part 2: Schlafende Vögel soll man nicht wecken


    Abfallsondierung ... Ihr glaubt gar nicht, wie ich das vermisst hatte. Die bereits ausgekundschaftete Mülltonne war schnell wieder entdeckt, schnell zu Fall gebracht und noch schneller erlegt. Ich wühlte mich eifrig durch den Unrat, trennte dabei aber sorgfältig die Spreu vom Weizen und tastete mich umso behutsamer und dankbarer an die besonderen Leckerbissen heran. Eine wahre Schatzkammer. Dagegen sahen alle Dinge, die mir Stan und Colin auf unserer gemeinsamen Reise bislang vorgesetzt hatten, recht kläglich aus. Nichts über deftige Hausmannskost. Die kümmerlichen Reste des gestrigen Abends? Her damit! Ein im Kühlschrank vergessenes, vor Fett triefendes Schnitzel? Nehm’ ich! Dich will ich hier nicht mehr sehen, Kaffeefilter! Eins, zwei, drei ... sieben Bällchen Gemüse mit der Konsistenz vom Gummi? Ne, lass mal ... Bestimmend gab ich den grünen Gemüsekugeln rücklings einen kräftigen Tritt und beförderte sie aus meinem Blickfeld – direkt an Stans Schädel, der wohl im selben Moment, dem falschen Moment, angekommen sein musste.
    „Igitt! Pass doch auf. - Oh, du magst auch keinen Rosenkohl?*“
    „Allein bei dem Namen wird mir schon speiübel ...“, sagte ich und tapste einige Schritte zurück, um meine Ausbeute etwas besser im Überblick zu haben. Stolz warf ich einen Blick über die Schulter, meinem Freund hinauf. „Gut, was? Du glaubst gar nicht, was die Knoxes hier alles so wegwerfen. Verschwendung, wenn du mich fragst.“
    „Ich glaub’, das will ich gar nicht wissen“, nuschelte Stan leicht angewidert.
    „Wenn du mich freundlich bittest, gebe ich dir vielleicht ein Häppchen ab, was meinst du?“
    „Ne, lass mal ...“
    „Umso besser! Bleibt mehr für mich.“ Mit diesen Worten vergrub ich meine Zähne in das Schnitzel. Kalt, viele Sehnen, aber trotzdem äußerst schmackhaft.
    „Das erinnert mich irgendwie an die Zeit in Malvenfroh City. Fukano und du – ihr hättet euch sicher gut verstanden.“
    „Kann sein ...“, schmatzte ich leicht uninteressiert und den Mund voller Fleisch.


    „Bist du eigentlich nur hier, um mir beim Essen zuzusehen?“
    Wir hatten uns etwa zwei geschlagene Minuten angeschwiegen. Nach unablässigem Kauen und Schlucken hatte sich das Schnitzel vor meinen Augen verflüchtigt und ein großer Teil der anderen brauchbaren Überreste hatten bereits dran glauben müssen.
    „Also um ehrlich zu sein ... nein.“
    „Dachte ich mir“, seufzte ich.“ „Also, was ist?“
    Stan schabte nervös mit dem Fuß. „Ich wollte mal nach Eagle schauen. Kommst du mit?“
    Zum ersten Mal konnte ich den Blick von den Herrlichkeiten vor mir abwenden. Anklagend sah ich in das Gesicht über mir hinauf. „Ich kann immer noch nicht glauben, dass ihr diesen Psycho ins Haus gelassen habt!“, schnaubte ich verächtlich. „Hast du vergessen, dass wir wegen dem beinahe unser kleines Rollenspiel weiter hätten führen können? Die Lufthoheit bewahren ... Der ist doch nicht mehr ganz sauber im Kopf!“
    „Ich weiß ...“, antwortete Stan kleinlaut. „Aber weißt du ... ich habe irgendwie ...“
    „Mitleid“, beendete ich seufzend den Satz für meinen Freund.
    Stan nickte.
    „Du bist irgendwie viel zu weich, Stan. Das gefällt mir so an dir.“ Ich seufzte schwer, warf wehmütig einen Blick auf die letzten Leckerbissen vor mir. Bei dem Gedanken allerdings, dass ich gleich mich wieder diesem Ekelpaket stellen würde, verlor ich meinen Appetit. „Also gut, ich bin hier eh fertig“, willigte ich ein.
    Auf Stans Gesicht verzeichnete sich ein zufriedenes Lächeln. „Danke!“ Dann aber verzog er noch einmal das Gesicht. „Ach, tu mir aber noch den Gefallen und wasch dir die Pfoten, okay?“
    „Erzähl du mir nichts vom Waschen, mein Lieber!“, gab ich Stan eine Standpauke. „Eine Woche lang keine Fellpflege – kommt dir das bekannt vor, hm? Und jetzt? Schau mich an!“
    „Siehst aus wie sau und dreckig bist du auch noch“, grinste Stan, entschuldigte sich aber dann doch. „Ja, sorry, tut mir Leid. Ich habe es nicht so mit der Fellpflege gehalten, das stimmt ...“
    Provokant und ohne auch nur ansatzweise versucht, das schlürfende Geräusch einer durch das Fell gleitenden Zunge zu drosseln, leckte ich meine Pfoten ab und linste bei dem gesamten Vorgang verschlagen Stan entgegen. „So, das muss reichen“, antwortete ich.
    Stan seufzte und ließ leidig seinen Kopf baumeln.


    Es ging wieder ins Hausinnere, genau genommen in das Gästezimmer der Familie Knox. Dort nämlich hatten sie – ohne mich natürlich um meine Meinung zu beten - einen besonders lästigen Typen einquartiert: Eagle, sofern das sein richtiger Name war, hatte seine ganz eigene Vorstellung von einer gerechten Welt, weswegen er alles daran gesetzt hatte, Deoxys aus der Erdumlaufbahn zu fegen, was sich natürlich ziemlich mit Stans und meinen Plänen gebissen hatte, versteht sich. Das Ende vom Lied war, dass sich seine Pokémon und Stan einen verbissenen Kampf geliefert hatten, den Stan mit letzter Kraft und dem Einsatz seines Lebens für sich hatte entscheiden können. Am Ende hatte ich selbst aber dann mit Eagle auf selber Augenhöhe abgerechnet und ihn auf meine ganz persönliche Art auf den Boden der Tatsachen gebracht.
    „Das Veilchen da ... Woher ist das?“
    „Da staunst du, was? Erkennst wohl deine eigene Handschrift nicht. Ich an deiner Stelle würde ich mich für die nächste Zeit auf Distanz üben.“
    Ich hatte einen Tisch erklommen, um die Lage besser zu überblicken. Als ob er kein Wässerchen trüben könnte, lag Eagle schlafend in dem Bett. Es war überaus zuvorkommend von Colins Eltern gewesen, sich seiner anzunehmen, obwohl er unwissentlich fast Stans und meine Rückverwandlung vereitelt hatte. Doch niemand außer mir wusste natürlich, was ihn letztendlich von den Beinen gefegt hatte.
    „Willst du sagen, du hast ihm eine gescheuert?“ Entsetzt und mit weit aufgerissenen Augen starrte mich Stan an.
    „Lass mich überlegen ... das war jetzt bereits das dritte Mal“, antwortete ich nachdenklich. „Einmal in Baumhausen City und zweimal gerade gestern.“
    „Dreimal?!“ Stan schlug die Hände über den Kopf zusammen. „Um Gottes Willen!“
    Breit grinsend sah ich Stan an und fuhr mir stolz gegen die Brust. „Sagenhafter Piepmatz-Fäller.“


    Wir schwiegen einander an. Eagle schlief noch immer, zog sich einmal instinktiv die Decke etwas weiter hinauf – das war auch schon das Interessanteste, was er tat.
    „Und jetzt?“, fragte ich.
    Stan antwortete nicht.
    „Wollen wir ihn rupfen?“
    „Ihn rupfen?“ Stan verdrehte fragend den Kopf.
    „Er ist ein Vogel, und das weißt du!“
    „Quatsch!“
    „Wir könnten ihn auch grillen.“
    „Lassen wir ihn schlafen ...“
    „Ich mag meinen Vogel gut durch, und du?“ Ein schwacher Funke löste sich aus meinem Fell, verpuffte aber in der Luft.
    „Hör auf! Lass es bleiben, Sheinux!“
    „Du gönnst mir nicht mal den Dreck unter den Krallen, weißt du das?“
    Stan schnaubte, sagte aber nichts.
    „Du könntest ihm ja auch ’nen Käfig bauen und ihm jeden Tag ein paar Körner geben. Bei dieser artgerechten Haltung legt er dir vielleicht jeden Tag ein Ei.“
    „Du spinnst ja ...“
    „Einer spinnt immer, bei zweien wird’s aber schlimmer.*“
    Schlurfende Schritte kamen näher. Colin schob sich zu uns ins Zimmer. „Na, ist Dornröschen schon aufgewacht?“
    „Eure Redewendung von dem frühe Vogel greift bei dem wohl nicht, oder habe ich das missverstanden?“, fragte ich.
    „Och, Sheinux, ehrlich ...“
    „Ist ja gut ...“
    „Was? Was hat er gesagt?“, fragte Colin.
    „Nicht so wichtig ...“, antwortete Stan.
    Colin begutachtete aus der Distanz seinen bettlegerischen Artgenossen. „Hübsches Veilchen“, stellte er grinsend fest. „Von dir?“ Er sah mich an.
    „Japp!“, antwortete ich stolz.
    Colin sah zu Stan, seinem persönlichen Übersetzer. „Ja ...“, murmelte er.
    „Cool.“
    „Ich finde das ehrlich gesagt gar nicht cool“, meinte Stan. „Der reißt mir den Kopf ab.“
    „Ich sagte doch, dass ich ihn dir wieder dran klebe“, meinte ich.
    „Was hat er gesagt?“
    „Das wird mir langsam echt zu blöd!“
    „Wie, das hat er gesagt?“
    „Nein! Mir wird’s ...“
    „Was ist hier ...? Wo bin ...? Du!“
    Drei Augenpaare, Stans, Colins und meins, huschten zu dem Bett herüber. Der bettlegerische Mensch war wach. Seine grünen, smaragdgleichen Augen erfassten uns, huschten immer wieder hin und her – dann griff er sich an die Wange, tastete den violetten Fleck ab, den ich ihm verpasst hatte. Im Angesicht der leise köchelnden Wut vor uns, gab keiner einen Ton von sich. Stan, wie ich bemerkte, machte sich kleiner als er war, um sich, so gut es ihm möglich war, hinter Colin zu verbergen.
    Eagle warf die Decke beiseite, sprang auf. Seine Augen suchten den Boden ab – er fand seine Schuhe, schlüpfte eiligst hinein.
    „Meine Tasche – wo?“
    Mit seinem Daumen machte Colin stumm eine Geste an die Wand, wo seine Mutter Eagles Rucksack sorgfältig abgestellt hatte. Eagle grabschte den Rucksack ruckartig vom Boden auf und stampfte in unsere Richtung. Stan schrumpfte noch weiter zusammen, erreichte fast die richtige Größe, um hinter seinem Freund gänzlich zu verschwinden. Aber eben nur fast.
    Colin und somit auch Stan schoben sich etwas zur Seite, um ihren Artgenossen Platz zu schaffen. An der Türschwelle verharrte Eagle noch einmal, blicke über die Schulter, erfasste Stan. Seine hasserfüllten Augen verengten sich. „Wir sind noch nicht miteinander fertig, hörst du?“ Mit dem Zeigefinger deutete er auf sein Veilchen. „Das nächste Mal ...“ Er stapfte davon.


    Colin, Stan und ich – wir schwiegen lange Zeit. Es war Colin, der schließlich die Augen verdrehte und seufzte.
    „Der weiß, wie man einen Abflug macht ...“
    „Hab ich da Abflug gehört?“, fragte ich grinsend. Ich hatte eigentlich erwartet, dass Stan erneut Laut geben und er mir zänkisch ins Wort greifen würde. Nichts dergleichen geschah allerdings. Stan war kreidebleich, die Fassungslosigkeit stand ihm ins Gesicht geschrieben. Mit gesenktem Kopf und gequälten Gesichtsausdruck betrachtete er seine Schuhe. Colin übernahm für mich den abschließenden Kommentar.
    „Na, da habt ihr wohl einen bleibenden Eindruck hinterlassen.“

  • Part 3: Die Zeit des Abschieds ...


    Zumindest wenn es nach Colin und mir ginge, waren die Erlebnisse um den getürmten vogelpokémonliebenden Spinner schnell wieder vergessen. Stan allerdings kam anfangs nicht wirklich drüber hinweg, was zwischen mir, das heißt, ihm und Eagle vorgefallen war. Wenn ihr mich fragt, dann machte sich der Junge einfach zu viel Gedanken, aber das war einfach der Stan, wie ich ihn eben auch seit jeher kannte. Ein wenig fühlte ich vielleicht sogar mit ihm, auch wenn ich mit ihm seine innersten Gedanken und Gefühle nicht teilen konnte. Doch tat es mir irgendwie Leid, ihn so zu sehen. Vielleicht war es dieser Grund, warum ich mich für den Rest des Tages sehr am Riemen hielt – ja, sogar mein Abendessen mit dem Rest der Clique stillschweigend am Boden aus einer Schüssel gefuttert habe, was man mir sehr hoch anrechnen sollte!


    Als dann die Nacht endgültig den Tag verdrängt hatte, die Sterne ihren angestammten Platz am Firmament einnahmen und der für diese Gegend übliche Ascheregen einsetzte, hatten wir, Stan und ich, uns in dem Gästezimmer des Hauses eingefunden. Das Bett und der ganze Raum – sie rochen noch äußerst penetrant nach Eagle. Ich mochte das nicht, nahm es allerdings für meinen pelzlosen Freund, neben dem ich lag, gern in Kauf.
    Es war schon ein merkwürdiges Gefühl. Etwa eine Woche lang war es eben diese Szene, Stan und ich. Nur ruhte noch zu besagter Zeit die Seele des einen im Körper des anderen. Und jetzt, jetzt, wo wir beide unter uns waren, jeder Geist wieder im richtigen Leib wohnte, wir uns durch Stans neu gewonnene Gabe noch näher als jemals zuvor waren ... es wirkte irgendwie seltsam fremd, fast so, als wäre es nicht real. Gleichzeitig waren diese kleinen und doch eigentlich für mich so wichtigen Details, dass ich beispielsweise wieder auf dem Bauch und nicht auf dem Rücken lag, der Flaum eines Bettes sich viel weicher und angenehmer anfühlte, ich jedes Knacken und jedes Ächzen im Haus mit meinen sensiblen Sinnen wahrnahm für mich plötzlich völlig uninteressant. Nur Stan und ich – das war wichtig.
    „An was denkst du?“, fragte ich und brach nach Stunden das Schweigen zwischen uns.
    Bereits seit geraumer Zeit hatte Stan nur so dagelegen und mit verschränkten Armen Löcher in die Decke gestarrt. Gelegentlich hatte er besonders kräftig Luft ausgestoßen, fast schon geseufzt.
    „Hm?“
    „An was du denkst?“, wiederholte ich.
    Wieder seufzte Stan. „An ... nichts ...“, sagte er.
    „Ich hab dir doch schon einmal gesagt, dass du ein schlechter Lügner bist. Also, was ist?“
    Er antwortete erst nicht, starrte unentwegt an die Decke. „Es – es schneit wohl. Wir haben morgen bestimmt drei Zentimeter“, sagte er, ohne aber aus dem Fenster zu schauen.
    „Das ist kein Schnee, sondern Asche, das weißt du doch ...“
    „Oh, ja, richtig, Asche ... Natürlich ...“
    Dass Stan manchmal etwas verpeilt war, das war für mich nichts Neues. Das hier aber – nein, Stan konnte mir nichts vormachen. Ich spürte es ganz deutlich: er verheimlichte mir etwas.


    „Sag mal, Sheinux ...“
    „Hm?“
    Wie lange hatten wir uns angeschwiegen? Waren es fünf, vielleicht sogar zehn Minuten gewesen? Ich konnte es nicht sagen.
    „Freust – freust du dich schon? Ich meine, wieder nachhause zu kommen? Du weißt ja, dass Colin mir von eurem Gespräch im Krankenhaus erzählt hat. Er meinte, wie viel es dir doch bedeuten würde ...“ Das mir wohlbekannte Zittern wohnte wieder in der Stimme meines Freundes. Erstmalig hatte er sich an der Zimmerdecke genug satt gesehen und hatte mir den Kopf zugewandt. Ich sah mein eigenes Abbild in seinen Augen reflektieren – und ich sah verunsichert aus. Sprechen und das Ordnen der Gedanken fiel mir angesichts dieser doch eigentlich völlig banalen Frage plötzlich merkwürdig schwer.
    „Oh, ja ...“, antwortete ich. „Sehr sogar ...“ Natürlich freute ich mich, oder etwa nicht? Ich meine: Meine Heimat, meine Freunde, meine vertraute Umgebung ... Der Ort, an dem ich groß geworden bin, dem Ort, an dem so viele glücklichen Erinnerungen hängen, der Ort, den ich stets in meinen Träumen besuchte. Wer konnte da angesichts dieser Tatsache nicht froh sein? Also warum war ich es dann insgeheim nicht?
    „Okay, alles klar. Gute Nacht dann.“
    Für Stan schien das Gespräch beendet. Die Lichter gingen aus. Zurück blieben nur noch ich, mein schlechtes Gewissen, Stan nicht ganz die Wahrheit gesagt zu haben, und natürlich der leise Ascheregen vor unserem kleinen Fenster.

    „Du willst wirklich schon gehen?“
    „Es wird Zeit ...“
    „Ich weiß, ich wiederhole mich, aber du siehst blass aus. Fühlst du dich wohl?“
    „Ich bin immer blass ...“
    Stan überraschte, nein, vielmehr schockte er gleich nach dem Frühstück seine Gastgeber damit, aufbrechen zu wollen. Insbesondere Colin war durch diese doch sehr plötzliche Entscheidung Stans alles andere als angetan – das sah man ihm deutlich an.
    Alle waren da. Colin, Marill, Sandan, sogar Pikachu – wohl notgedrungen -, und natürlich auch Colins Eltern. Wir hatten uns vor dem Haus versammelt. Eine Hand lag auf Stans Schulter – Colins Hand. Bedrückt sah er seinem Freund entgegen.
    „War ne echt schöne Zeit mit euch beiden“, sagte er schwermütig. Sein Blick schwankte immer wieder von Stan zu mir herunter. „Gerade jetzt ... Stan, deine Gabe ... Das ist so cool.“
    So gut wie es ihm möglich war, mied Stan den Blick seines Freundes. Abschied nehmen gehörte offensichtlich auch nicht gerade zu seinen Stärken. Ein jäher Funke jagte aus meinem Fell, peitschte auf Stans Hinterteil. Er zuckte, hob erschrocken den Kopf und stellte endlich wieder Sichtkontakt mit Colin her, was ich natürlich damit beabsichtigt hatte.
    „Ja, das ist besser, danke, Sheinux“, kicherte Colin.
    „Stan, ich finde, du solltest dich ausruhen. Du machst nicht den fittesten Eindruck auf mich“, stellte Mrs. Knox zum wiederholten Male fest.
    „Habe die Nacht nur nicht allzu gut geschlafen, das ist alles“, schulterzuckte Stan, was auch voll der Wahrheit entsprach. Immer und immer wieder war er in der Nacht im Bett herumgewälzt, hatte einfach keine Ruhe gefunden und mich dabei natürlich regelmäßig ungewollt platt gewalzt. „Bin wohl einfach nicht mehr ein so schönes Bett gewohnt.“ Der Anflug eines Lächelns huschte ihm über das Gesicht. Vielleicht vermochte er damit, seine Artgenossen zu täuschen, mir aber, mir konnte er nichts vormachen. Er verbarg etwas.
    „Komm uns irgendwann mal besuchen, hörst du?“ Colin hatte endlich von Stans Schulter abgelassen. Ohne den Blick von seinem Freund abzuwenden, stolperte er einige Schritte zurück.
    „Ja, bestimmt“, antwortete Stan, diesmal selbst für meine Ohren wahrheitsgemäß klingend.
    „Ach, bevor du gehst ... Ich hab' da noch was für dich. Ein Erinnerungsstück an Hoenn und auch an mich“, sagte Colin. Er winkte seine Mutter heran. Sie hielt etwas in den Händen, lächelte sanft. Sofern ich das von meiner Position begutachten konnte, war es in ein blaues Tuch eingewickelt.
    „Das ist ...“ Vorsichtig faltete Stan das Tuch auseinander, verdrehte daraufhin skeptisch den Kopf.
    „Was ist es? Zeig doch mal!“, beschwerte ich mich.
    Stan schwieg, verharrte regungslos. Schließlich nahm er es in die Hand.
    „Zeig, verdammt! Ich will das sehen!“
    Stumm und ausdruckslos ging Stan in die Knie, hielt mir das Bündel vor die Augen. Ich spürte, wie sich die Spannung in meinem Körper augenblicklich in Langeweile verwandelte. Ich wandt mich desinteressiert ab. Dreck, nichts weiter ...
    „Das - das ist die Rose der Wüste?“, stellte Stan fest und erhob sich wieder.*
    „Ein Erinnerungsgeschenk. Sie ist offenbar unglaublich widerstandsfähig. Du wirst deinen Spaß wohl noch lange Zeit an ihr haben“, lächelte Colin. „Vergiss uns nicht und komm uns irgendwann besuchen. Und du, Sheinux: Pass auf ihn auf, okay?“
    „Pass besser auf dich auf und wachs noch ein Stück“, entgegnete ich.
    Stan übersetzte nicht, war vielleicht auch besser so. Mit einem zufriedenen Lächeln auf Colins Gesicht fiel es mir leichter, ihn hinter mir zu lassen, ebenso wie die quirlige Marill („Mach es gut, Süße!“), den wortkargen Sandan („Tschüss, Sandan, alter Haudegen!“) und natürlich die Nervensäge Pikachu („Tschau, Maus!“).


    Abschied nehmen, seinen Freunden in die zu Augen sehen und Lebewohl zu sagen, gehört seit dem Anbeginn der Zeit zum Leben dazu. Es ist der Lauf der Dinge. Wie die Gestirne ihren unermüdlichen Kampf am Firmament führen, so schließen wir neue Freundschaften und reichen uns die Hand zum Abschied. Wir wachsen an diese Dingen. Sie helfen uns am Morgen aus dem Bett, begleiten uns über Stock und Stein und decken uns am Abend wieder zu. Sie spenden uns Trost, wenn wir traurig sind, sind uns eine Stütze, wenn wir Schwäche verspüren. Und doch ... nur ein Abschied. Aber muss ein Abschied immer endgültig sein; ist es denn nicht vielmehr ein Neubeginn? Stan und ich – unsere Reise soll weiter gehen, unsere gemeinsame Geschichte noch viele Seiten in dem Buch des Lebens füllen.
    Eine Reise beginnt mit dem ersten Schritt, ein Buch mit dem ersten Wort. Jeder Schritt, jedes Wort, jeder Augenblick – sie spenden uns Kraft. Kraft, die Seiten unserer Geschichte zu füllen. Ein Abschied, ein Ende und doch ein neuer Anfang ...

  • *hechel* Hoffe ich bin nicht zu spät für mein Kommi.^^"
    Hätte da so einiges nachzuholen, seit meinem letztem Kommi hier, mal sehen was draus wird.
    Also, wo war ich das letzte Mal stehengeblieben? Ach ja, Ende Kapitel 6


    Lange Zeit im sechsten Kapitel gingst du auf die verletzten und gebrochene Gefühle von Sheinux ein. Man fühlt wirklich mit ihm mit, als wäre man schon fast mit ihm in der derselben Lage. Mit dieser Haltung blieb er auch ein Weilchen, was wohl verständlich ist. Reagiert auch dementsprechend auf gewisse Situationen, aber glücklicherweise bliebst du nicht ewig auf der traurigen Schiene, sonst hätte es nach der Zeit uninteressant werden können. Die gesamte Fahrt mit dem Taxi war einfach göttlich.;D Das Sheinux die Fahrzeuge für lebende Metallmonster hält, ist einfach urkomisch. Dann noch diese Panik beim MItfahren und auch noch der genervte Taxifahrer, da vergisst man schon voll und ganz was für ein Ziel die Drei doch eigentlich haben. Kaum zu glauben wie amüsant so eine Autofahrt mit Sheinux sein kann. Diese Art von Part hat die Geschichte gut gebraucht.
    In der Stadt blieben sie nicht lange, was mir persönlich nur recht war. Die hatten wir ja schon oft genug fürs erste. Mit mehr oder weniger geselligen Konversationen ging es nach, wie der Kapitelname schon verrät, nach Westen. Baumhausen City, irgendwie hatte ich schon das beschleichende Gefühl, dass man dort auf einen guten Bekannten treffen würde.:).
    Der Part "Plausch unter Freunden" hat einen interessanten Namen. Man stellt sich dabei ein gemütliches Gespräch untereinander vor, aber bei denen Umständen gelang man nur wieder in eine fast schon depressive Stimmung zurück. Ab da schien der kurze Spaß wieder aufzuhören und es wieder ernst zu werden. Die inneren Gedanken und Gefühle treten wieder in den Vordergrund. Wieder sehr authentisch hinbekommen.
    Nach einer beschwerlichen Reise über die heißen Hochebenen gelang das Trio doch endlich an Baumhausen City an. Hätte erwartet das das wieder eine kleine Durchreise sein wird, um dann eiligst nach Laubwechselfeld aufzubrechen, dem war aber nicht so. Die Begegnung mit Eagle war diesmal ein klein wenig anders. Beim ersten Zusammenstoßen war er mir deutlich lieber. Da merkte man damals auch, welchen Groll er gegen Elektro-Pokemon hegt. Dieses Mal kümmert ihn das sonderlich wenig; hat die beiden wohl als absolute Versager abgestempelt. Das "Angebot" war eine schwierige Sache. Er weiß ja nicht das Stan und Sheinux die Körper getauscht haben, und selbst, wenn man es zu erzählen versuchen würde...
    Die Einwilligung ließ die Spannung wieder aufs höchste ansteigen. Stan, im Körper eines Pokemons, mit kaum Erfahrung mit seinem neuen Körpers, soll gegen einen erfahrenden fliegenden Kämpfer antreten?! Das versprach von Anfang an nicht gut auszugehen, und das geschah dementsprechend auch. Eagle scheint in Kämpfen richtig gnadenlos zu sein. Hegt keinen Gedanken daran aufzuhören, bis sein Gegenüber völlig in den Boden gestampft wurde. Unerwartet war aber Stans Gefühlsausbruch. (Armer Colin *hust*) Der überwältigende Angriff schenkte Hoffnung, welche aber leider nicht allzu lange anhielt. Der Kampf endete fatal und auch für Sheinux. Ab diesem Moment konnte ich Eagle fast schon richtig hassen. Die Konfrontation war mal was anderes, ja schon einzigartig. Man beschränkte sich nicht nur auf die unmittelbaren Pokemon, sondern auch auf die Trainer, also die Menschen. Der Part war richtig super. Habe förmlich am Bildschirm geklebt.


    Das Kapitel Stimmungstief verrät schon, wie es ungefähr voranschreiten wird. Nach solch einer Begegnung und mit gebrochenem Stolz weiter zu machen tut sicher weh. Man hätte erwarten können, dass Stan Sheinux die Sache mit dem Kampf aufs bitterste übel nehmen würde. Wieder herrschte eine tiefe Stimmung, welche aber nach kurzer Zeit von Deoxys unterbrochen wurde. Erneut quellte Hoffnung aus. Deoxys ist schon ein merkwürdiges Wesen, irgendwie geheimnisvoll und faszinierend zugleich, so wie es rüber gebracht wird. Naja, das schien den dreien sonderlich wenig zu interessieren. Viel mehr bestand die Chance dazu wieder die Körper zu tauschen. Doch irgendwie wäre das doch zu einfach gewesen, wenn Deoxys so einfach die beiden kurieren würde, trotzdem glaubte man ein wenig auf ein Wunder. Alles blieb an Stan hängen, doch er versagte. Diese Verzweiflung, dieser Hass, sie war richtig intensiv von Sheinux. Man fühlte erneut mit. Nur schien mir das kleine Mädchen, welches urplötzlich aufgetaucht ist, zunächst ein klein wenig fehl am Platz. Wirkte fast schon etwas zwielichtig, dennoch freundlich gesinnt. Miriam...den Namen zu jemanden an sich habe ich noch nie gehört, aber von irgendwo her kenne ich ihn. Hat es vielleicht eine tiefere Bedeutung oder so?
    Die Rose der Wüste, eine schöne Geschichte, hätte nicht erwartet, dass sie sogar noch so lang wird.(Woher nimmst du nur all diese Ideen?) Sie wirkte so unscheinbar, doch gegen Ende verstand man, was Miriam dem Trio sagen wollte. Auch wenn es fragwürdig ist, ob man tatsächlich in der Wüste nach einer Blume suchen sollte, so schien das die einzigste Lösung zu sein, an der man sich krampfhaft festhielt. Noch immer hielt die Verzweiflung an.
    Schien ein Fehler zu sein. Sheinux hat sich so sehr davon versprochen, dann wieder eine Niederlage einzustecken gab ihm sicher noch den endgültige Schlag, zudem noch die quälenden vergangenen Ereignisse... Er hatte sich wohl verausgabt.
    Wie die Drei in ein Krankenhaus gekommen sind, ist mir ein kleines Rätsel. Colin hollte Hilfe, aber woher sollte man auf die Schnelle Hilfe in einer Wüste bekommen?(Kann sein das mir was entfallen ist)
    However, die innere Stimme von Sheinux war eine super Idee! Das würde auch mehr oder weniger erklären, wieso er so ausrastet und einen solchen Groll gegen jenem hatte. Der eigene Zwist. Stan tat mir schon irgendwie leid. Gefühle und Situationen zu beschreiben kannst du verdammt gut.
    Nach diesem Ereignis schien eine Schneise zwischen den beiden gezogen zu sein, eine größere Wende kam auf.
    Sheinux verspürte nach seinem erneutem Gefühlsausbruch unermessliche Reue. Eine Stimmung machte sich wie im Part "Ohne Worte" auf. Selbst mit Colin geriet er mal auf eine Wellenlänge. Nur stellte sich mir damals eine Frage: Was jetzt? Wo soll man nun nach Stan suchen, nachdem er sich aus dem Staub gemacht hat? Das machte einfach Lust nach mehr. Soweit ist Stimmungstief dein emotionalstes Kapitel, wenn ich das beurteilen kann.
    Das neunte Kapitel hat mich etwas überrascht, da es mal ausnahmsweise mal aus der Sicht von Stan verlief. Ein schüchterner kleiner Stan, der sich nicht richtig zu wehren weiß, stolziert innerlich verletzt durch eine Stadt? Das geht nicht gut. Du hast dich doch wirklich gut in Stan hineinversetzen können. Schuldgefühle und Selbstmitleid wirken sehr gut. Erinnert mich aber ein wenig an das Ende vom ersten Buch, als Sheinux von Stan weggerannt ist, zumindest erscheint es ein klein wenig ähnlich. Was mir aber zu denken gibt, ist das das Farrad erstaunlich wenig Schaden an Stan angerichtet hat, so scheint es. Auch wenn das Fahrrad sicher deutlich kleiner als eines Erwachsenen ist und der Junge auf Bremse getreten ist, so könnte es sicher mehr als nur Schmerzen verursacht haben. Wie auch immer, das Kind nervt richtig. So unschuldig seine Absichten auch sind, der Junge ist richtig lästig, und gerade das macht die Situation wieder komisch.x) Der Part ist wirklich unterhaltsam, wirkte aber viel mehr wie ein Filler im Ganzen.
    Beim nächsten Part musste ich ordentlich grinsen. Ein Fukano in deiner Geschichte? Ich wusste sofort an welche Geschichte das wieder angelehnt war.^^ Jedenfalls zog das Hunde-Pokemon Stan in die Sache ungewollt mit rein. Der Metzger war aber ein klein wenig wütend. Mit einem Messer rumfuchtelnd durch die Gegend nach zwei Pokemon zu jagen, das sieht man sicher nicht alle Tage.^^ Jedenfalls, du hast die endgültige Begegnung mit dem Metzger gekonnt beendet.
    Hmm, ich dachte der Kodex wäre nur Sheinux oder zumindest nur seiner Umgebung vertraut. Offenbar kennen es so manche andere Pokemon auch. Das Stan wirklich dagegen ankämpfen musste, das Stück Fleisch zu essen, war mir klar, aber musstest du es so tief beschreiben? Mir ist etwas der Hunger vergangen.^^"

    Zitat


    „Musstest du es so zusabbern?“, würgte ich mit vollem Mund. Fukano grinste mich an. „Ich finde, es verleiht einer Mahlzeit das gewisse Etwas.

    ...


    Jedenfalls scheinen die Schuldgefühle beinahe ausgestorben, als Stan Fukano kennenlernt. Für den Leser ist es auch was angenehmes was neues in deiner Geschichte zu sehen.
    DIe Bande ist ja lustiger, bunter Haufen. Nach jede Menge Unbehagen hat sich Stan mit den Pokemon doch sehr angefreundet, fast schon verwunderlich, so wie er sich oftmals benimmt. Aber mit den Sprüchen, die er gebracht hat, welche die Pokemon um ihn herum skurril und belustigend fanden, konnte er nur Punkten. Trotz der sehr ungünstige Situation tut es gut, dass man lachen kann. Wie man auch später merkt, hat diese Begegnung Stans Charakter deutlich gestärkt. So findet man halt wahre Freunde. Part 3 bis 6 von Kapitel 9 waren sehr, sehr schön. Habe es genossen.:)
    Die Zusammenkunft zwischen Sheinux und Stan war sehr rührend, nur kündigte dies das Ende des Kapitels an...


    Man muss sich wieder an Sheinux' Perspektive gewöhnen... Man merkt doch, wie sehr sich Stans und Sheinux' Perspektiven unterscheiden. Nur langsam schrittst du dem Ende entgegen; Asche kosten, mit einem alten Mann sprechen. Alles gern gesehende Details, nur will man schnellstmöglich den Showdown erleben.:D
    Wer hätte erwartet das ein unbekanntes Pokemon für so viel Aufruhr sorgen würde? Verlassene Stadt, aufgewühlte Menschenmenge, Absperrungen. Was mir wirklich äußerst gefallen hat, ist das Sheinux in der Menschenmenge beinahe schon Panik bekommen hatte. Das wirkt wirklich sehr realitätsnah und gibt dem Charakter noch einen dicken Schuss Seele.
    Das Sheinux unbedingt in die Höhle will, ist ja klar, nur schien es unmöglich zu sein. Verzweifelt wollte man sich da durch kämpfen, erfolglos. Dann aber fiel ein Satz von Sheinux, bei dem ich wirklich lachen musste, als Colin irgendwie für Ablenkung sorgen sollte.

    Zitat

    „Mir doch egal! Mach ’nen Handstand, jonglier mit Mülltonnen, sag, du hättest ’nen Wachstumsschub – nur mach was!“

    Wachstumsschub! xD Das ist göttlich! Oh man ist das diskriminierend. Typisch Sheinux.^^
    Der Sandsturm war eine gute Idee für eine Ablenkung. Hätte damit nicht gerechnet.
    Nur so nebenbei, in Part fünf findest du schon beim zweitem Wort im ersten Satz ein Fehlerchen. Wie auch immer, mal wieder eine gute Ortsbeschreibung, die Höhle. Wie sonst auch gut vorstellbar. Vielleicht hätte man auch die Ausmaße der Höhle rar beschreiben können; also wie hoch sie ist und so, den erst mit der Konfrontation mit Eagle habe ich mir erst dazugedacht, wie groß die Höhle sein könnte.(wegen des Flugraums und so) Apropos Eagle, würde mich interessieren, wie er es dort hin geschafft hat.
    Die gesamte Konfrontation hielt mich am Bildschirm. Es wird Dreck rumgeschmissen, Feuersalven abgefeuert, unzählige Sternchen fliegen, Blitze abgefeuert, und und und. Selbst die Umgebung wird sehr ins Geschehen mit einbezogen. Selbst Gesteinsplitter, welches an Sheinux' Handgelenk eine blutige Spur hinterließ kam vor. Auch die Wendungen, welche einem nicht in Langeweile versinken ließen, waren gut; besonders unerwartet war Stans Gegenangriff, ich schätze mal Eiszahn. Dann noch die abschließenden zwei Hiebe. Einfach super und detailliert!
    Die Ausdruckslosigkeit Deoxys' ist mir fast schon unheimlich, den bringst du auf eine besondere Art und Weise gut rüber. Kann mich noch gut an das Aussehen im Anime von Deoxys erinnern. Da hatte er auch immer diesem Blick gehabt. Diese stets offenen weißen Augen, die keine Anstalten machten irgendwelche Deutungen zu machen. Ohne dem Mund kann man seine Absichten auch ohnehin schlecht deuten.
    Mit einem passendem Satz beendest du auch das zweite Buch.


    Wer hätte gedacht, dass die Verwandlung solch ein Ausmaß nehmen würde, dass sie gleich den ganzen Strang im Buch bestimmen würde? Seit dem Anfang hatte ich gar keine Ahnung, wie die beiden je wieder ihre Körper zurückbekommen würden. Das du so viel improvisiert hast, erstaunt mich. Während sich das zweite Buch an was sehr außergewöhnlichem angelehnt hatte, erscheint das erste Buch fast so, als wäre es überschatten worden. Wirklich klasse dein Werk.;D Was mir aber hin und wieder ein wenig gefehlt hat, sind die anderen Pokemon von Stan und Colin. Besonders Fiffyen scheint allein gelassen, dabei spielte sie am Ende des ersten Buches keine so unwichtige Rolle. Fehler sind im Text vorhanden, aber davon nur kleine vereinzelnde in manchen Parts.
    Schade das das dritte Buch auch das Letzte ist. Macht mich schon ein wenig melancholisch, aber alles hat ein Ende.
    Mal sehen was du uns noch so hübsches hinzauberst.;)


    Uff, die drei weiteren Parts schaffe ich nicht mehr zu kommentieren. Hoffe du nimmst mir das nicht übel.^^"


    ~Nuke

  • Kapitel 2: Der Weg führt zurück



    Part 1: Colins merkwürdiger Sinn für ein Abschiedsgeschenk


    Laubwechselfeld – viele Erinnerungen ranken sich um diesen winzigen Fleck auf der Landkarte. Erinnerungen, die ich bewahrte, heute noch bewahre und für alle Zeit bewahren werde. Hier endete ein großes Kapitel meiner persönlichen Lebensgeschichte. So skurril, so unglaublich, dass ich meinen eigenen Worten wohl kaum Glauben schenken würde, hätte ich all dies nicht mit diesen meinen Augen gesehen.


    Stan und ich ließen die letzten Häuser Laubwechselfelds hinter uns und erklommen den steilen Pass, der uns zu der Aussichtsplattform am Stadtrand brachte. Der gesternabendliche Ascheregen hatte nachgelassen und doch war die Luft noch erfüllt von seinem Geruch. Knapp zwei Zentimeter des gräulichen Niederschlags haftete auf allem, was keine Deckung gefunden hatte, bedeckte winzige Blumen bis hin zu gigantische Baumriesen Der Boden war federweich, die Asche kitzelte unter meinen Pfoten. Ein sehr angenehmes Gefühl.


    Leicht verträumt lehnte sich Stan an die Balustrade und starrte unentwegt zu der Stadt herab. Die Stadt, die auch sein Leben maßgebend beeinflusst hatte. Und er ließ etwas zurück. Es hatte etwas Trauriges. Abschied – ihm schien es tatsächlich nicht leicht zu fallen ...
    „Es ist schön, nicht?“, seufzte er.
    „Ein Kilo Erdbeereis ist auch schön.“ Ich hatte mich neben ihm eingefunden und starrte unter dem viel zu kleinen und somit pokémonfeindlichen Zaun auf Laubwechselfeld herab. „Aber, ja ... Irgendwie ist es schon schön – auch wenn sich über Geschmack bekanntlich streiten lässt ...“
    Stan seufzte.
    „Ach, Stan ... Kopf hoch! Das Leben geht weiter.“
    Abermals seufzte Stan.
    „Du hast mich!“, stellte ich mit überzeugter Stimme fest. „Was willst du mehr?“
    Stan gluckste heftig, ließ endlich von dem Zaun und dem fesselnden Blick Laubwechselfelds ab. Er grinste. „Ja, du hast Recht.“
    Ich verzog missmutig das Gesicht. Noch immer hielt Stan die in dem blauen Tuch eingewickelte Blume in seiner Hand. Die Pleite unserer Reise. „Was hat sich Colin dabei nur gedacht, dir dieses Ding zu schenken?“, sagte ich mit tiefster Verächtlichkeit in meiner Stimme.
    „Ich finde es eher bemerkenswert, dass er überhaupt die Zeit gefunden hatte, sie zu pflücken. Ich meine, als du ohnmächtig geworden bist, da ...“
    „Reden wir nicht mehr darüber ...“, unterbrach ich Stan kopfschütteln. „Weißt du, das sind solche Dinge, die ich gerne vergessen würde, wenn ich nur könnte.“
    Stan faltete erneut das Tuch auseinander. Er begutachtete das Stück, roch an ihr. Selbst ich konnte den intensiven Geruch wahrnehmen, der unaufhörlich von ihr ausging. Ein angenehmer Duft, aromatisch, entspannend, und doch zugleich verräterisch, lügnerisch und falsch. Für nichts und wieder nichts hatten wir für dieses Stück Kompost unser aller Leben riskiert. Und warum? Wegen einem Ammenmärchen, mit dem man kleine Kinder wohl die typischen Lektionen verklickern will: Träume werden wahr; wenn man hart an sich arbeitet, kann man in seinem Leben alles erreichen; man muss nur an die Dinge glauben; und so weiter. Der Verfasser dieser Geschichte hätte es sich wohl niemals zu Träumen gewagt, dass jemand seinen Schund tatsächlich für bare Münze halten würde. Entweder fraßen ihn, sollte jemals der Ruf meiner Geschichte an sein Ohr gelangen, seine hoffentlich grauenvollen Gewissensbisse innerlich auf oder er amüsierte sich köstlich über unsere Blödheit – wahrscheinlich aber eher Letzteres.
    Behutsam faltete Stan die Blume wieder in das Tuch und verstaute sie überaus sorgfältig in seinem Rucksack. Zumindest war sie Stan ein Trost und das respektierte ich. Vielleicht, aber auch nur vielleicht, war dies das vielleicht Wertvollste, was Colin zu unserer Reise beigetragen hatte.

  • Part 2: Ein Geschenk – eine Gabe – ein Albtraum?


    Je mehr Abstand wir zwischen Laubwechselfeld und dem nahe gelegenen Schlotberg gewannen, desto mehr nahm die Natur wieder ihre gewohnten Farben an. Asche tauschte seinen Platz mit kahler Erde, kränklich wirkendes Gelb verfärbte sich wieder in gesundes Grün. Stan verfiel angesichts seines bereits in weiter Ferne zurückliegenden Freundes in neue Depression. Er tat also gewissermaßen das, was er am besten konnte, nämlich zu schweigen und sich ganz seinen unsichtbaren Gedanken hinzugeben. Er lag an mir, hier irgendwie Stimmung hineinzubringen.
    „Wie plant denn der Herr, wie unsere Reise weiter geht?“
    Wie üblich, wenn man Stan ansprach und dabei die Dreistigkeit besaß, die Stille zu durchbrechen, schreckte er leicht auf. Recht schnell konnte er sich dann aber fassen. „Also, da Plan sieht wie folgt aus: Von hier wieder zurück nach Malvenfroh City ...“ Stan ignorierte mein verächtliches Schnauben, „... von dort geht es dann nach Graphitport City, wo wir uns dann verschiffen“
    „Eine andere Reiseroute?“, bemerkte ich. „Warum?“
    Stan zuckte die Schultern. „Mal etwas anderes“, meinte er kurz angebunden.


    Und wieder – Schweigen. Stan stand echt auf dem Schlauch. Ihn aus der Reserve zu locken, war eine Lebensaufgabe, die sich seinesgleichen suchte. Ich wollte mit ihm reden. Endlich hatten wir die Gelegenheit dazu – und ich spreche natürlich jetzt gerade nicht von Colin, der einem andauernd in den Satz fuhr.
    „Sag mal, Stan? Darf ich dir mal eine persönliche Frage stellen?“
    „Öhm, frag ruhig.“
    „Warum bist du eigentlich auf der Reise? Was treibt dich an?“
    Es war zum Verrückt werden. Sekundenschnell lief mein Menschenfreund rot an, machte jeder Tomate erbitterte Konkurrenz. Nervös kratzte er sich am Hinterkopf und starrte in der Landschaft umher, nur um mir nicht in die Augen zu sehen. „Also, das klingt jetzt wahrscheinlich etwas blöd, aber ...“
    „Aber?“
    „Es ist kompliziert, weißt du?“
    „Sag schon!“
    „Das verstehst du sicherlich nicht.“
    „Spuks aus!“
    Stan seufzte schwer. Jetzt kratzte er sich nervös am Arm. „Also, ich hatte eigentlich beabsichtigt, neue Leute kennen zu lernen.“
    Abgesehen von dem unaufhörlichen Kirschen des Sandes unter unseren Füßen, trat eine peinliche Stille ein.
    „Und?“, hakte ich nach.
    „Und was?“
    „Ja, und weiter?“
    „Nichts ... Ich wollte einfach nur Leute kennen lernen. Leute, die vielleicht so sind, wie ich. Leute, die meine Interessen teilen, die mich so nehmen, wie ich bin, mit denen ich eben reden kann. Das verstehst du sicherlich nicht ...“
    Ich verdrehte die Augen. Das war es? Darum machte Stan diese Reise? Ein überaus lächerlicher Beweggrund. Im Nachhinein hätte ich mir diese Frage dann doch lieber verkniffen. „Da hast du Recht, das verstehe ich tatsächlich nicht.“
    Stan schmunzelte. „Ja, das dachte ich mir.“


    Kurze Stille setzte ein, die ich abermals unterbrach.
    „Und?“
    „Was und?“
    Angestrengt stöhnte ich. „Bist du fündig geworden?“
    Nachdenklich starrte Stan in den Himmel. „Hm“, sagte er, „ich denke schon. Colin und du natürlich.“
    „Ein Anfang ...“, seufzte ich bereits leicht resignierend. „Aber, man Stan! Dann komm doch verflucht noch mal aus deiner Eigenbrödler-Nummer raus. Wie, wenn nicht so, willst du sonst Leute kennen lernen?“
    „Das sagst du so leicht ...“
    „Was soll daran schwer sein?“
    Stan hüllte sich in Schweigen und mied weiterhin meinen Blick.
    „Fang doch gleich damit an“, sagte ich laut.
    „Äh, wie meinst du das?“
    „Man, stehst du wieder auf dem Schlauch! Sieh mich doch mal genau an.“
    Stans Augen ließen vom Himmel ab. Sein Blick schweifte verzagend zu mir herunter. Er begutachtete mich aus allen Augenrichtungen skeptisch, wusste offensichtlich nicht, worauf ich eigentlich hinaus wollte. „Äh ...“
    „Genauer ...“
    Stan verschränkte fragend seinen Kopf. „Öhm ...“
    „Noch genauer ...“
    „...“
    „Boah! Mit dir hat man es echt nicht leicht! Eine einzigartige Begabung – klingelt es da jetzt vielleicht bei dir?“
    „Du meinst ...?“
    Schwerfällig atmete ich aus. „Ganz ruhig, Sheinux, ganz ruhig“, redete ich mir selbst mit geschlossenen Augen zu, richtete mich dann wieder an Stan und betonte die kommenden Worte besonders sorgfältig. „Also, Stan, mein Lieber: Kannst du mit Pokémon reden oder nicht?“, brachte ich es endlich auf den Punkt.
    Ein letzter Schritt tat er noch, dann kam mein großer Freund jäh zum Stillstand; so auch ich. Wir sahen einander an. Er mich mit fragend in die Höhe gezogener Augenbraue, ich mit provozierend gekräuselten Lefzen. Stan zuckte die Schultern.
    „Ja, und?“
    „Probier es doch mal aus.“
    Stan seufzte tief. „Wenn du meinst ...“


    Ein Pokéball segelte durch die Luft, teilte sich inmitten seines bodenlosen Fluges entzwei.
    Plopp!
    In dem gleißenden Lichtblitz nahm mein kleiner, nimmersatter Freund Feurigel langsam Gestalt an. Er schien sich von dem gestrigen Kampf sehr gut erholt zu haben. Herzhaft gähnend streckte er sich in die Länge, gab sich und sein gelbes Fell ganz dem wolkenlosen Himmel hin und präsentierte dabei seine kleinen Zähnchen, mit denen er bislang noch die widerspenstigste Mahlzeit klein bekommen hatte.
    „Hallo, Feurigel“, lächelte Stan.
    Fast schon desinteressiert wandte sich Feurigel an seinen Trainer. „Kuchen ...“, sagte er knapp.
    „Häh?“
    „Kuchen ...“, wiederholte Feurigel.
    Angestrengt kratzte sich Stan am Hinterkopf. Dann – ein Licht ging ihm auf. Er zerrte sich den Rucksack vom Rücken, ein Reisverschluss wurde gezogen, ein in Papier eingewickeltes, schokoladenüberzogenes Stück Kuchen kam zum Vorschein – wohl ein weiteres Abschiedsgeschenk von Colins Mum. Er reichte es Feurigel. Gierig machte er sich gleich darüber her.
    „Wie sagt man?“, fragte ich, der die ganze Unterhaltung von der Seitenlinie aus beobachtet hatte.
    Feurigel ignorierte mich erst. Als ob er davor fürchtete, dass ihm jemand seine Mahlzeit abspenstig machen würde, schlang er das Gebäck eiligst in sich rein. Stan wirkte ratlos, sagte nichts.
    „Na? Wie sagt man?“, wiederholte ich noch lauter.
    „Mehr ...“, grunzte Feurigel.
    „Zugegeben, der ist gut, muss ich mir merken. Hätte auch von mir sein können ...“, murmelte ich passend zu Stans schweren Seufzen sehr amüsiert.
    Erst jetzt bemerkte Feurigel mich. Mit schokoladenverschmiertem Gesicht sah er mir entgegen. „Oh, Sheinux! Wieder der Alte, wie ich höre?“, fragte er, klang aber irgendwie nicht so, als ob es ihn reichlich kümmerte.
    „Japp!“, antwortete ich zufrieden.
    „Hat dir Stan auch schon Kuchen gegeben?“ Das gewohnte Verlangen lag wieder in seiner Stimme, während er mit mir sprach.
    „Nein.“
    „Kannichihndannhaben?“ Die in Feurigels Worten liegende übersprudelnde Gier verlangte alles von mir ab, seine Frage nach reichlicher Überlegung überhaupt zu entschlüsseln.
    „Sicher ...“, sagte ich, wenn auch mit leichter Reue in meiner Stimme.
    Stan reichte Feurigel ein weiteres Stück Kuchen – mein Stück Kuchen. Er hatte bereits ein gewaltiges Stück des süßen Teigs herausgerissen, als ich abermals meine Stimme drohend erhob.
    „Wie sagt man?“, fragte ich zum dritten Mal.
    „Me...“ Feurigel hustete heftig, hatte sich wohl verschluckt. Dann: „Danke, Stan und Sheinux.“
    Stan strahlte mir entgegen, auf dass die Sonne vor Neid fast hätte verblassen müssen.
    „Siehst du? Geht doch“, sagte ich zu Stan.
    „Mit Feurigel hatte ich schon vorher gesprochen.“ Stan zuckte die Schultern. „Er scheint nicht sonderlich anspruchsvoll zu sein, was das Reden anbelangt.“
    „Das hab’ ich gehört“, grunzte Feurigel.
    Stan und ich tauschten amüsiert Blicke.
    „Vielleicht“, begann Stan dann ein wenig zögerlich, „sollte ich es mal mit Fiffyen versuchen.“
    Meine Miene versteinerte sich binnen Sekunden, ein Schreck wie ein Stich jagte mir durch den Körper bis hinauf in den Kopf. „W-warte einen Augenbl...“


    Doch die von Stan provozierte Katastrophe nahm bereits seinen Lauf. Vier asphaltgraue Pfoten hatten bereits den Boden berührt, eine rote Nase und die dazu passenden roten Augen suchten fragend das Terrain ab. Sie erfassten mich, dann Stan, dann – völlig unvorhergesehen wandte sie sich ruckartig und beleidigt dreinblickend ab. Alles schien für die Schnute ziehende Fiffyen interessanter zu sein, als Stan oder ich.
    Erleichtert atmete ich aus, Herz und Puls normalisierten sich wieder. Fiffyen hatte seit unserer ersten Begegnung einen Narren an mir gefressen. Sie nutzte jede Gelegenheit, um mit mir zu liebkosen - äußerst peinlich, kann ich euch sagen. Seit dem Zeitpunkt der Transformation allerdings, als Stan und ich „Körper wechsel dich“ gespielt hatten, wirkte sie nur noch sehr zerknirscht auf mich und zeigte mir stets die eiskalte Schulter. Zugegeben: Ich konnte sie schon gut leiden, aber ihre aufdringliche Art war selbst für mich, der sonst viel wegstecken konnte, sehr kräftezehrend. Stans und Fiffyens erste richtige Begegnung, als er in meinem Körper Fiffyen auf eine Unterhaltung einlud, hatte ich noch gut vor Augen: Sie endete in einer deftigen Backpfeife für Stan, die er damals recht solide weggesteckt hatte.
    Jedenfalls schien sie immer noch in dem Glauben zu sein, nicht mich, sondern Stan vor sich zu haben. Wie lange noch, war natürlich angesichts der wieder zur Normalität eingekehrten Zustände fraglich.
    „Hallo, Fiffyen. Wie geht’s?“, grüßte Stan freundlich.
    Fiffyen wich gekonnt Stans Blick aus. Sie war im Grunde noch nie sehr gut auf Stan zu sprechen gewesen, denn war es natürlich Stan zu verdanken, dass sie sich ungewollt auf diese Reise begeben musste. Trost hatte Fiffyen bislang immer darin gefunden, dass ich bei ihr war.
    „Pfff!“, schnaubte sie.
    Flehentlich sah Stan zu mir. Still formte ich mit meinem Mund die Worte: „Halt bloß die Klappe!“
    „Fiffyen? Hast du schon von Stan Kuchen bekommen?“
    Ich fluchte leise. Feurigel, dieser Idiot. Konnte man ihm nicht einmal das Maul stopfen?
    Fiffyen wandte sich an Feurigel. „Nein, ich pfeif’ auch ehrlich gesagt auf seinen Kuchen!“
    „Kann ich ihn dann haben?“, fragte Feurigel mit gewohnter Gier.
    „Mir doch Schnurz. Bedien dich.“
    Sterne glitzerten in Feurigels Augen. „Kuchen, Stan, Kuchen“, sang er.
    Stan fuhr sich missgestimmt über das Gesicht, das Rot unter seinen Augen kam zum Vorschein. „Also gut“, brummte er.
    Mir schwante bereits das Unheil, als Fiffyen erst Stan und dann mich erfasste. Man konnte sie regelrecht in ihrem Kopf eins und eins zusammenzählen sehen. Mit Feurigels letztem „Danke, Stan!“ war dann natürlich alles klar – und somit wieder alles beim Alten ...


    Schlagartig wurde ich von den Beinen gefegt, zwei asphaltgraue Pfoten drückten mich rücklings auf den Boden, Fiffyens heißer Atem stand mir im Gesicht. Ihre erdrückende Zuneigung hatte mich, unvorbereitet wie ich war, regelrecht überwältigt.
    „Sheinux! Du bist wieder da!“
    „Hallo, Fiffyen ...“, keuchte ich. „Ich war eigentlich nie ... Bäh! Lass das!“
    Eine raue, klebrige Zunge suchte jeden Winkel auf ihrem liebesdürstenden Hungerzug über mein Gesicht ab. Ich versuchte mich verbissen zu wehren, doch das bloße Gewicht von Fiffyens wildnisgeformten Körper erdrückte mich schon fast.
    „Du wirst ja ganz rot. Da wird sich doch wohl einer nicht genieren, oder?“, sang Fiffyen und schmiegte nun ihr Gesicht an das meinige solange auf und ab, dass mir bereits die Wangen kochten.
    Atemringend rief ich verzweifelt Stan beim Namen, Hilfe war aber von seiner Seite aus nicht in Sicht. Mit letzter Kraft drückte ich endlich das gewaltige Stück Pelz vor mir zur Seite und rappelte mich keuchend auf. Fiffyens wildgewordener Schwanz konnte jedem elektrisch angetriebenen Ventilator das Wasser reichen, als sie sich wieder an meine Schulter schmiegte – und wieder die übereifrige Zunge. Eiligst wandte ich mich von ihr ab. Kurz fing ich den teils amüsierten, teils ratlosen Blick von Stan auf, bevor wieder Fiffyen und ihre Zunge vor mir auftauchten.
    „Kannst du das nicht mal lassen? Ich habe doch erst ... Stan, wann hab’ ich dich zum letzten Mal gebadet?“, fragte ich und tauchte unter Fiffyens Beinen hindurch.
    „Warte mal – das müssten jetzt knapp zwei Wochen ... Hey! Du mich?!“
    Zum ersten Mal bremste Fiffyen und brach ihre Verfolgung ab. Griesgrämig zog sie die übelgelaunteste Schnute, die ich jemals gesehen hatte. „Seit wann kann der uns verstehen?“ Sie machte einen verächtlichen Wink in die Richtung, wo Stan wie angewurzelt stand.
    Kurz klärte ich sie auf, wirklich zu interessieren schien sie die Geschichte allerdings nicht.
    „Aber jetzt bist du wieder du“, stellte sie überflüssigerweise noch einmal fest. „Willst du mir nicht auch mal etwas von deiner Liebe schenken?“
    „Äh ...“ Nein, das war nicht Stan. Das war tatsächlich ich. Für mich somit das Startsignal, mich schleunigst aus dem Staub zu machen.
    „Ist das da drüben eine Mülltonne?“ Und weg war ich.
    „Welche Mülltonne? Sheinux, wo willst du hin? Warte!“ Die Ablenkung hatte nur kurz gefruchtet und mir einen lächerlichen Vorsprung zwischen dem fröhlich kläffenden und wild schwanzwedelnden grauen Ungetüm von Frau eingebracht. Der Wind peitschte mir ins Gesicht, während meine Pfoten über die Erde trommelten; dabei scharfe Haken schlug, bei denen das Gras regelrecht aus dem Boden gerissen und durch die Luft gewirbelt wurde; dabei beständig weiteren Umarmungsversuchen Fiffyens auswich und ihr heißer Atem mir im Nacken brannte. Immer wieder erhaschte ich flüchtig Stans Blick, der uns in seiner ganzen menschlichen Machtlosigkeit hinterher sah.
    „Stan“, hörte ich Feurigels Stimme rülpsen, „bekomm ich dein Stückchen Kuchen auch noch?“
    Missmutig ließ sich Stan einfach auf sein Hinterteil fallen und vertiefte stöhnend sein Gesicht in den Händen, während ich weiterhin hilfeschreiend um ihn und Feurigel meine Bahnen zog. Ich und meine vorlaute Klappe ...

  • Hallo Eagle, Hallo Buch 3!


    Eigentlich wollte ich schon am Sonntag die Parts lesen und mein Kommentar dazu abgegeben aber gut, dafür hatte ich wieder eine tolle Unterhaltung auf der Zugfahrt gehabt^^ Einziger Nachteil, ich kann nicht laut los lachen(ohne blöd angeschaut zu werden)… das hätte ich nämlich einige Male bei diesen 1 ¼ Kapitel gemacht. Aber gut, fang ich lieber mal Chronologisch an.


    Sheinux vs Krabbelkäfer. Das Comeback für unsere lieb gewonnen Protagonisten, Sheinux (Sohn des Sechsten Hauses, unangefochtener Champion und Revierherrscher des westlichen Nationalparks,…) in seiner gewohnten Hülle! Klasse Anfang um das neue Buch anzufangen, ich kann da nicht meckern.
    Fürs erste scheint ja alles wieder ganz beim alten zu sein, Stan ist wieder ein Mensch und Sheinux ein Sheinux. Aber dann bei dem Gespräch kommt plötzlich die Überraschung: Stan versteht die Pokemonsprache. Man hab ich mich über diese Wendung gefreut. Um ehrlich zu sein, hatte ich bei dem Gedanken, dass nun Stan wieder Sehinux nicht mehr verstehen kann, ein leicht verklemmtes Gefühl. Und plötzlich kommst du mit dieser Wendung daher, also ich freu mich ungemein darüber! Interessant wie die ganze Handlung der einzelnen Bücher abläuft, zuerst kann Stan Sheinux nicht verstehen, dann ist es umgekehrt und nun können sie sich gegenseitig verstehen. Also du weißt wie man Abwechslung in die Handlung bringt. Freu mich schon zu sehen, wie du dieses neue Potenzial zu verwenden weist : D


    Tja Sehinux ist scheinbar ebenfalls sehr überrascht darüber, auch wenn lang nicht so wie Colins Eltern über die Deoxys Geschichte. Jedenfalls akzeptiert er diese Veränderung recht schnell, was aber sehr verständlich ist. Wenn man einmal durch einen Alien den Körper mit jemand anderen tauscht, schockiert einem wohl nichts mehr so schnell.

    Zitat

    „Jetzt kann ich ja nicht mehr hinter deinem Rücken über dich herziehen ...“, maulte ich.
    „Du beleidigst mich hinter dem Rücken?“, fragte Stan erstaunt.


    Mehr muss ich wohl nicht dazu sagen, als das ich mich freue noch mehr von dem zu sehen XD


    Nach einer schon lang vermissten Müll Szene (Rosenkohl, echt widerliches Zeug, stimme den Protagonisten völlig bei) , die wir echt schon seit ewigen Zeiten nicht mehr hatten kommen wir zu unserem Herrn Rivalen. Um ehrlich zu sein, hatte ich gar nicht darüber nachgedacht, was mit ihm passiert war, nachdem er von Sheinux einen deftigen Schlag ins Gesicht bekommen hatte. Wieso Stan sich etwas Schuldig fühlt (abgesehen davon, dass sein Körper ihm K.O. geschlagen hat)… Naja, du hast ja mal etwas angedeutet, also werde ich gespannt warten und sehen wie sich diese „Rivalität“ weiterentwickelt. Und da gleich die nächste Szene wo ich fast herzhaft zu lachen angefangen hätte: Sheinux Ideen, wie man einen Adler zubereiten kann XD Tja am Ende macht der Vogel zwar einen Abflug aber ich fand die Stelle allen in allem echt genial!


    Der nächste Part ist dafür wieder etwas Emotionaler. Abschied, dieses Wort allein würde reichen den folgenden Abschnitt zu beschreiben. Ich gehöre zu den Menschen, die bei Abschieden und Trennungen besonders emotional werde (also in meinem Inneren, räusper). Besser gesagt ich liebe und hasse Abschiede in Geschichten gleichermaßen…
    Es doch schwer sich von Colin zu trennen, jetzt wo er die Gruppe so lang begleitet hat, nachdem was sie alles durch gemacht haben. Aber ja, er ist nun wieder zuhause und Sheinux und Stan selbst wollen nach Hause zurück kehren. Ehrlich ich werde den Kerl vermissen.
    Aber wie du trefflich in den letzten Zeilen des Kapitel schreibst, jeder Abschied ist ein Neubeginn.


    Tja aber genug der Trauer, es geht immer weiter, jetzt mit der Rose der Wüste in der Hand ist ja nur eine Frage der Zeit, bis „sie“ auftaucht (nehme ich mal an)
    Ab dem zweiten Part war ohne hin von Trauer keine Spur mehr, jedenfalls nicht bei mir. Auf das hab ich nur gewartet, Stan, Sheinux, Feurigel und… Fiffyen! Man ich hätte mich tot lachen können… wenn ich nicht im Zug gesessen wäre. Feurigel mit seinem Kuchenwahn und dann wieder Fiffyen, die langsam kapiert das Sheinux wieder der Alte geworden ist, ich sag nur: Das ist was ich "Einseitige Liebe" nenne, viel Spaß Sheinux XD
    Ich hab mir die ganze Szene perfekt Bildlich vorstellen können, wie Sheinux von seiner grauen Geliebten davon rennt, in der Mitte Stan und das gefräßige Feuerpokemon (hab ich schon erwähnt das ich dieses Feurigel liebe^^)
    So, das wär es wieder von mir. Inhaltlich kann ich nicht wirklich etwas kritisieren, Fehler selbst hab ich auch nicht entdecken können
    Ach übrigens so am Rande, ich vermisse etwas die Zahlen bei den * beim Trivia. Ich schau immer gern am Ende über dieses drüber aber ohne Zahlen weiß ich oft nicht mehr, was zu was gehört^^; Also ich persönlich würde mich über eine wieder Einführung freuen.


    Allen in allen, wirklich witzige Parts, hab mich köstlich Unterhalten! Freu mich schon mehr zu sehen^^


    Auf weiterlesen,
    Toby

  • Part 3: Kennst du das Gefühl ...?


    Zugegeben: Ich hatte wahrlich schon bessere Einfälle. Feurigel, dem nur der Sinn nach einer deftigen Mahlzeit und einem Dach über dem Kopf stand, und Fiffyen, die mich für ein lebendes, knuddeliges Stofftier hielt, hatten sich als lausige Gesprächspartner für Stan erwiesen. Vielleicht hätte man ja Feurigel und Fiffyen statt meiner verkuppeln sollen? Ich meine, Liebe geht durch den Magen, oder nicht?
    Puh! Letztendlich hätte ich wohl besser meine große Klappe gehalten ... Das Ende vom Lied waren blank liegende Nerven, zwei um atemringende und ein pappsattes Pokémon wie auch ein stark abgenommener Reiseproviant. Beste Voraussetzungen für die weitere Reise. Fiffyen wurde kurzerhand – und natürlich gegen ihren Willen - als mir gerade noch mit den Worten drohte, „Ich spreche jetzt mit dir so lange, bis du mit dir reden lässt!“, in ihren Pokéball gesperrt. Ganz anders Feurigel, dem man die Wahl gelassen hatte. Eine Wahl, deren Ergebnis im Grunde genommen bereits im Voraus festgestanden hatte („Ich soll laufen? – Pokéball, aber flott!“).


    Noch immer glitzerte der Schweiß auf meinem Gesicht, während wir uns mit weiter südwärts bewegten. Stans niedergeschlagen hängender Kopf und mein nur langsam zur Normalität einkehrender Herzschlag konfrontierten mich, wie schlecht unsere Reise eigentlich verlief – und das bereits am ersten Tag. Hier jemandem aber die Schuld zuweisen wollte ich nicht – zumindest noch nicht. Für das Erste freundete ich mich mit dem Gedanken an, nach Stans Pfeife zu tanzen, auch wenn dies bedeutete, dass vielleicht eine ermüdende Zeit der Langeweile auf mich wartete.


    Der Mittag kam und der Nachmittag rückte unaufhaltsam näher. Stan rastete mehrmals zwischen dieser Zeit, genoss es, einfach Zeit mit Nichtstun totzuschlagen - zumindest kam es mir so vor. Sicher, er verwöhnte mich mit Streicheleinheiten und wir redeten etwas, aber als wirklich sinnvoll konnte man dies in meinen Augen nicht wirklich bezeichnen (hab’ ich gesagt, du sollst aufhören? Ja, genau da, das tut gut ...).
    Bei unserer Weiterreise stellte ich fest, dass Stan immer mehr vom eigentlichen Weg abkam. Der Weg, der uns irgendwann nach Malvenfroh City gebracht hätte. Stan aber schlug immer weiter gen Osten ein.
    „Sag mal, wo willst du eigentlich hin?“, konfrontierte ich Stan schließlich. Das Gras war in der Zwischenzeit immer mehr vergilbt, das Landschaftsbild zerklüftet, öde und trocken geworden. „Das ist doch nicht der richtige Weg?“
    Stan wandte sich an mich, spitze anerkennend seine Lippen. „Richtig. Du, ich dachte, wir könnten einen kleinen Abstecher bei Miriam und ihrer Großmutter einlegen – vielleicht lassen sie uns ja sogar noch einmal bei ihnen übernachten. Was hältst du davon?“
    Mit solcher Wucht stieß ich die Luft aus meiner Nase aus, dass zwei uns neugierig beobachtende Artgenossen Sandans sich erschrocken in ihren Erdbau zurückzogen. Diese Frage war schon fast eine Beleidigung für mein Ohr. Miriam und ihre Großmutter ... Wären Lügen heiß – ganze Ozeane müssten unter ihnen verdursten; wären Lügen kalt – die Sonne würde unter der bitterkalten Last erstarren und zerbersten. Ihre Ammenmärchen hatten Stan und mich in einem albernen Glauben versetzt. Einem Glauben, der fast mein Leben gekostet hätte, wobei dies nicht ganz richtig war ...* Aber sie trugen beide einen gewaltigen Teil dazu bei! Sie und ihre Geschichte über diese alberne Blume.
    „Du – du siehst nicht so wirklich glücklich aus?“, stellte Stan fest.
    „Habe ich eine Wahl?“, fragte ich.
    „Natürlich!“, antwortete Stan mit seltener Ernsthaftigkeit in seiner Stimme. „Ich meine, wenn du nicht willst, dann ...“
    „Wenn dir so viel daran liegt“, unterbrach ich ihn seufzend. „Dann gehen wir sie eben besuchen – dir zuliebe. Aber müssen wir dazu wieder durch die Wüste?“ Leichtes Bangen haftete in meiner Stimme.
    Stan schüttelte den Kopf. „Wir gehen einfach drum herum. Vielleicht zwei Stunden Umweg.“
    „Gut“, sagte ich kurz angebunden.


    Kaum hatten wir uns wieder in Bewegung gesetzt, ergriff Stan wieder das Wort.
    „Du magst keine Hitze, habe ich Recht?“
    „Wie kommst du darauf?“
    „Ich weiß, du willst nicht darüber sprechen, aber ... dein Ohnmachtsanfall ...“
    Bilder tauchten vor mir auf. Ich erinnerte mich lebhaft an die sengende Hitze, an den heißen Wüstensand, der damals in den von mir getragenen Schuhen leise vor sich hin köchelte, den Schweiß auf meiner Stirn, aber auch an sie – die Stimme in meinem Kopf. Eine Stimme, so boshaft, als wäre sie nicht von dieser Welt gewesen. Seit Tagen hatte sie mich schon innerlich aufgefressen. Mal war sie stärker, mal schwächer gewesen. Doch mit jedem Tag meines Menschseins war sie immer lauter geworden. In der Wüste dann, als ich die Blätter der Wüstenrose berührt hatte, da ... So böse ... Anfangs trogen mich meine Erinnerungen. Ich wusste einfach nicht mehr, was geschehen war. Doch nach ein, zwei Tagen dann hatten mich die schrecklichen Ereignisse wieder eingeholt. Eine Woge des puren Hasses hatte mich damals meines Verstandes beraubt, wie ein tödliches Toxin meine Seele vergiftet und mich in den Wahnsinn getrieben. Ihr und nicht den Aussetzungen der Wüste war ich schließlich unterlegen. Und erst als ich mich mit Stan nach heftigem Streit wieder versöhnt hatte, schwieg sie und hatte sich seit diesem Zeitpunkt nicht mehr wieder bei mir gemeldet.
    „Böse ...“, sagte ich leise.
    „Hm?“, meinte Stan.
    „Es war nicht die Wüste“, antwortete ich kopfschüttelnd und schwer in Gedanken verharrend. „Es war ...“
    Stan runzelte neugierig die Stirn. Gerne wollte ich seine Frage beantworten, doch konnte ich es irgendwie nicht.
    „Hattest du schon einmal eine Stimme in deinem Kopf, eine wirklich böse Stimme?“, fragte ich schließlich.
    „Eine böse Stimme?“, wiederholte Stan nachdenklich. Er schwieg einige Sekunden, schüttelte dann leicht zaghaft den Kopf. „Nein, nicht das ich mich erinnere. Was soll damit sein?“
    „Sie – sie“, begann ich langsam, „sie flüsterte mir immer wieder abartige Dinge zu, meinte zu mir, ich sei ohne dich besser dran.“ Es kribbelte mich innerlich und die Haare stellten sich mir zu Berge, als ich mir den bloßen Ton der Stimme in Erinnerung rief. Sie hatte den meinen Klang besessen und doch war sie mir völlig fremd. Und das, was ich Stan sagte, war milde ausgedrückt, besser gesagt, lächerlich harmlos. Doch konnte ich ihm nicht die Wahrheit sagen. Sie war zu grausam, als dass ich sie in verständliche Worte hätte fassen können. Die eigentliche Stimme war heimtückisch, arglistig, hatte kein Erbarmen gekannt. Wie ein unsichtbares Messer hatte sie immer und immer wieder erbarmungslos auf meine Seele eingestochen und dabei tiefe Narben hinterlassen. Ein Gefühl, bei dem man glaubt, innerlich entzwei gerissen zu werden. Haarscharf war es ihr sogar gelungen, selbst mich und Stan auseinanderzureisen und die unsichtbare Verbindung zwischen uns beiden durch bloße Worte zu kappen. Niemand aber wusste, wie sehr mich dies doch alles belastet hatte.
    „Klingt ja übel“, meinte Stan mitfühlend.
    „War es auch, glaub mir.“
    „Und jetzt? Redet sie immer noch zu dir?“, wollte Stan wissen.
    Ich schüttelte den Kopf.
    Stan seufzte nachdenklich, was das Thema dann schließlich auch beendete.


    Über Stock und Stein führte uns die von Stan ausgemachte Reiseroute – eine vernarbte Unwirtlichkeit am Rande der Wüste. Sehnsüchtig schweifte mein Blick immer wieder zurück, doch das herzhafte Grün war bereits in unerreichbare Weiten gerückt. Sonderlich viel besser als die Wüste, kam mir das auch nicht vor. Meine Krallen wetzten über das raue Pflaster, dürre Äste knackten resignierend und spärliches vom Wind hergetragenes Laub verwandelte sich unter unserem Gewicht zu körnigem Staub. Fehlten eigentlich nur Tonnen von Sand und hier und da ein paar in alle Richtungen irreführend weisende Kakteen und die Wüste, deren wir so verbissen auszuweichen versuchten, hätte uns wieder in ihrem unbarmherzigen Bann gefangen. Glücklicherweise war die unerbittliche Sonne ausnahmsweise mal auf unserer Seite. Der Tag bereitete sich zunehmend auf seine Nachtruhe vor, die ersten blinkenden Sterne tauchten an dem zartrosaroten Abendhimmel auf. Eine sanfte Brise erfasste mich, wehte mir einladend um die Ohren und kündigte das vorhersehbare baldige Ende des Ödlands an.


    Was einmal gelb und trostlos gewirkt hatte, nahm mit zunehmendem Rückenwind wieder eine gesunde Farbe an. Auch das grüne Gras, welches seinen standhaften und unermüdlichen Eroberungszug gen Osten fortsetzte, hatten wir bald wieder eingeholt. Jetzt, nach dieser langen und rastlosen Wanderschaft, hatte ich wirklich nichts mehr gegen das weiche und einladende Bett von Miriams Großmutter einzuwenden. Ich vermochte sogar meinen Groll, den ich gegen sie hegte, fast gänzlich zu vergessen - aber eben nur fast.
    Es ging wieder nordwärts, dem Sonnenuntergang entgegen. Es wurde zunehmend frischer. Eine laue Sommernacht stand uns bevor.


    „Sag mal, müssten wir nicht eigentlich langsam da sein?“
    Ich sprach als erstes die Worte aus, die uns, Stan und mich, wohl beide insgeheim innerlich belasteten. Das Haus, das Miriam und ihre Großmutter bewohnten, stand irgendwo auf einem ebenen, weiten Flachland. Nicht sehr viel Bäume, die einem die Sicht versperren konnten und auch keine sonderlichen Sehenswürdigkeiten gab es dort. Wir waren nun aber bereits ein ganzes Stück gewandert und nichts, aber auch rein gar nichts, rückte in Sichtweite. Unlängst waren sowohl Stans als auch mein Schatten verschwunden und der schneeweiße, sichelförmige Mond stellvertretend für seine pausbäckige Kontrahentin ans Firmament gerückt. Selbst mit meinen messerscharfen Augen konnte ich nur noch vage die Umrisse meines großen Reisegefährten wahrnehmen und orientierte mich stattdessen mit feiner Nase und sensiblem Gehör.
    „Das gibt’s doch nicht ...“ Selbst unter dem kontinuierlichen Rascheln des Grases konnte ich Stans Kiefer leise malmen hören. Er war wohl mit seinem Latein bereits am Ende.
    Auf- und abwärts führte Stans Irrezug – das Ergebnis, dasselbe. Keine Blockhütte in Sicht, keine leuchtend blauen Augen, die Miriam gehörten, und auch keine betagte, geschichtenerzählende Großmutter. Dagegen schwor ich darauf, dass ich diesen frechen Stein, über den ich gerade fluchend gestolpert war, bereits vor einer halben Stunde gesehen hatte.
    „Stan“, sagte ich schließlich, „das ist doch sinnlos ...“
    „Wo ist sie denn? Das kann doch nicht sein ...“, grummelte Stan leise.
    „Lass uns schlafen gehen“, schlug ich vor.
    Stans leises Gefluche ging weiter. Fünf Minuten, zehn Minuten, ... Nach weiteren fünfzehn Minuten hielt ich es dann nicht mehr aus. Mittlerweile war es stockfinster und nur das spärliche Licht von Sternen und des mageren Mondes spendete uns noch Licht. „Stan, bei aller Liebe: ich rühre mich jetzt nicht mehr vom Fleck!“ Meine Pfoten waren wundgelaufen, mein Blick gläsern vor Müdigkeit. Für einen Tag war es wahrlich genug.
    Mit einem entsagenden Seufzer streifte Stan schließlich seinen Rucksack ab und warf ihn achtlos zu Boden; Schuhe taten es ihm gleich. Mit krampfhaften Gesichtsausdruck massierte er sich seine Füße.
    „Jetzt machen wir die Augen zu. Dann sehen wir weiter,“ gluckste ich mit mir selbst sehr zufrieden.


    Recht schnell wogen mich das sanfte Knacken unseres warmen Lagerfeuers und Stans leiser Herzschlag, den ich mit ihm in seinem Schlafsack teilte, an jenem Abend in den Schlaf. Die an diesem Tag durchlebten Ereignisse beendeten unsere erste neue Reiseetappe. Der Abschied von Colin; Stans erste Gehversuche in Pokémon-Konversation; mein Rückblick auf einen unsichtbaren Feind; die vergebliche Suche nach einem Ort, den ich eigentlich bis zu meinem Lebensende meiden wollte; und das seltsame Gefühl, beobachtet zu werden ...