Versunkene Welt[Uptade 6. Januar)

  • Versunkene Welt



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    In einer versunkenen Welt der Toten und Träumer liegt das Herrschaftsgebiet des Todes.
    Dorthin verirrt sich niemand, jedenfalls keiner, der noch am Leben hängt.
    Dort liegt ein uraltes Geheimnis verborgen, dessen Enthüllung die Geschichte verändern könnte.
    Und das Leben zweier Mädchen, die sich im Spiel herrschender Mächte als entscheidende Kräfte entpuppen.


    Vorwort
    Elisabeth, Kaiserin von Österreich-Ungarn, getötet bei einem Attentat des italienischen Anarchisten Luigi Lucheni. Er wird verurteilt; bei Gericht wird er aussagen, er sei wahrhaft stolz auf seine Tat und würde sie ohne Zögern erneut begehen. Einen Monat später begeht er in der Haft Selbstmord.
    Wirft diese Geschichte nicht Fragen auf, unsinnig vielleicht und dennoch voller Wahrheit?
    Fragt man sich nicht, ob dies der Grund dafür war, dass Lucheni Selbstmord beging?
    Weil er später nicht mehr genügend Aufmerksamkeit für seinen abscheulichen Mord bekam?
    Für einige Leute ist dies nicht der Grund.
    Die beiden weiblichen Hauptcharaktere denken ähnlich, allem voran Clara, sechzehn Jahre alt. Isabelle, ihre Freundin, ist im Zweifel, doch auch sie glaubt nicht an die „offizielle Version“.
    Seid Ihr derselben Meinung oder war Euch bis vor wenige Minuten noch nichts über Luigi Lucheni bekannt?
    Es ist gleichgültig.
    Wenn Ihr bereit seid, in eine Geschichte hineingerissen zu werden, in der alles möglich scheint und in der der Tod seine Finger im Spiel hat, dann folgt Clara und Isabelle auf ihrem steinigen Weg, die Wahrheit ans Licht zu bringen.


    Inhalt
    Ich schreibe über zwei Mädchen, die mit einem Mal vor dem Abenteuer ihres Lebens stehen. Ein Abenteuer, in welchem alles möglich scheint und der sich Gut und Böse vermischen. In dem irgendwann nicht mehr klar scheint, wer auf wessen Seite steht.
    Die Geschichte des Luigi Luchenis steht im Mittelpunkt, ein Mord aus dem Jahre 1898 und über die Wahrheit, die sich nicht in jedem Fall auf Anhieb benennen lässt.
    Über die Kraft der Freundschaft, die selbst ängstliche Menschen über sich hinauswachsen lässt.
    Und über Liebe, die keinen Halt macht- selbst nicht vor dem Tod.


    Entstehung
    Diese auf den ersten Blick ungewöhnliche Story entstand an einem ganz gewöhnlichen Nachmittag. Ich chatte im BB mit meiner Freundin Knight_Venus und hörte nebenbei einige Lieder aus dem Musical „Elisabeth“. Da schoss mir plötzlich eine Idee in den Kopf, die mir erst völlig abwegig erschien, dann jedoch mehr und mehr Gestalt annahm.
    Am Abend setzte ich mich an den Klappentext und an den Prolog, am nächsten Abend diskutierte ich mit meiner Freundin darüber, ob ich sie aufschreiben sollte. Wir kamen beide zu dem Schluss, es wäre pure Verschwendung, sie nicht festzuhalten.
    Es machte mir Spaß, so eine Geschichte zu verfassen; es war etwas völlig Neues für mich. Normalerweise kann ich historische Romane nicht schreiben, doch dieser ist nicht Historisch.


    Widmung
    Für Victoria Line, die beste Elisabeth-Historikerin in ihrem zarten Alter<3 Dank dir habe ich den Mut gefunden, diese Story niederzuschreiben und auch einzustellen. Und ohne dich hätte ich wohl nie Luigi Lucheni kennen gelernt. Ich habe dich lieb.
    Knight_Venus, ohne die diese Geschichte vielleicht nie zustande gekommen wäre. Dein Glaube an mein Talent, deine Begeisterung und dein Feedback sind manchmal wie Wasser in der Wüste- Rettung in letzter Sekunde.
    Für Lynn, die sich als FS-Lehrerin als Erstes diese Geschichte durchlesen durfte und die begeistert war. Selbst heute noch mag ich gar nicht glauben, dass dir bisher alle meine Stories gefielen und danke dir hier mit meinem ganzen Herzen.


    Ich danke all diesen Menschen, dafür, dass sie einfach da sind, wenn man um Hilfe ruft. Selbst, wenn es noch so unpassend ist.


    Gerne
    Drama, Historisches, Romantik, Abenteuer, Komödie…usw. Eigentlich beinhaltet diese Geschichte für jeden Leser etwas, wenn auch nicht in jedem Kapitel. Aber genau festlegen will ich mich nicht.


    Charaktere
    Ich habe lange mit dem Gedanken gespielt, den Lesern eine kurze, aber informative Charakterbeschreibung zu geben. Doch ich entscheide mich dagegen.
    Meine Personen handeln so, wie ich glaube, in derselben Situation zu handeln. Sie sind nicht festzulegen und ich möchte, dass man sie einfach, ohne vorherige Informationen, kennen lernt. Ihr sollt euch selbst denken, wie sie vielleicht aussehen.


    Schreibform
    Wie man vielleicht beim ersten Kapitel merken wird, schreibe ich abwechselnd aus zwei verschiedenen Sichtweisen: Einmal aus der von Clara und dann aus der von Isabelle. Ich denke mir, dass man so auch auf Dinge aufmerksam wird, die man zuvor noch nicht entdeckt hatte und außerdem liebe ich es, neue Dinge beim Schreiben auszuprobieren.
    Natürlich hoffe ich, dass es mir gelingen wird, euch mit meiner Geschichte mitzureißen.


    Benachrichtigungen
    Per GB: Knight_Venus, Kagari-Chan


    Per PN: Lauriel


    Kapitelverzeichnis
    Prologue- Deadline


    Chapter One- Live before the overthrow
    Chapter Two - Lifesaver
    Chapter Three - Irritated
    Chapter Four - The murder


    Prologue
    Deadline


    Wien im Jahre 1898
    Er sah sich mit schreckgeweiteten Augen um, die Hände brutal auf den Rücken gefesselt und nahm all den Hass, der ihm wie eine Welle entgegenschlug, mit allen Fasern seiner Sinne wahr. Die Menschenmenge, die sich vor dem abrissfähigen Gerichtsgebäude gebildet hatte, brodelte beinah über vor Hass und Zorn. Er sah Gesichter, verzerrt zu grimmigen Masken und keines von ihnen blickte ihn an wie einen normalen Menschen.
    Er gehörte nicht länger zu ihnen, begriff er, seltsam ruhig mit einem Mal.
    Vielleicht noch vor einiger Zeit, doch diese war nun unüberwindbar überschritten. Seine Zeit war abgelaufen und die der Menschen begann gerade erst.
    „Mörder, Elender!“, brüllte es ihm entgegen aus hunderten von Kehlen. Rau klangen die Stimmen, ebenso wie die seiner Wärter, welche ihn nun grob weiterzerrten. Ohne ihren Gefangenen auch nur anzusehen, stießen sie ihn vorwärts.
    „Los, beeil dich!“, knurrte der Größte von ihnen und schenkte ihm nun doch einen Blick. Doch auf diesen hätte er ebenso gut verzichten können- er wirkte nicht weniger angewidert als die der Menge.
    Er senkte die Augen gen Boden. Er versuchte, völlig unbeteiligt zu wirken, als sei dies nur ein Traum, aus dem man schließlich wieder erwacht mit einem steifen Nacken und einem schalen Geschmack im Mund. Doch sosehr er es sich auch einredete, wirklich dran glauben konnte er nicht. Nicht mehr.
    Der Richter hatte es ihm gesagt, nach der Verhandlung. Er hatte noch geglaubt, man müsse seine Unschuld endlich erkennen, dass er nichts weiter als ein unschuldiges Opfer war und der wahre Täter immer noch auf freiem Fuß stand.
    Doch alle diese Hoffnungen wurden mit einem Schlag zunichte gemacht.
    „Der Anarchist Luigi Lucheni wird zu dem Mord an der Kaiserin von Österreich-Ungarn zum Tode durch Erhängen verurteilt. Diese grausame Tat ist unverzeihlich, zudem der Mörder sich nicht zu seiner Tat bekennen will.“
    „Aber ich bin unschuldig!“, schrie er in den totenstillen Gerichtssaal. Totenstill- wie viele Wörter so unbedacht dahergesagt werden konnten.
    „Ich habe diesen Mord nicht begangen, ich schwöre es! Der Täter ist frei, warum begreift das niemand? Ich bin unschuldig!“
    Er brüllte es noch einmal, doch niemand schenkte seinen Worten Beachtung.
    Sie zogen ihn, schleiften ihn eher aus dem Saal, während er seinen Blick unverwandt auf dem Richter ruhen ließ, der sich abwendete. Seine alte, gebeugte Gestalt verschwindet schließlich aus seinem Gesichtsfeld, doch bis zur letzten Minute hoffte er darauf, dass sich das Geschehene drehen würde. Er schrie, bis seine Kehle heiser war, doch niemand beachtete ihn.
    Es war zu spät.

    Ab heut
    nur noch die wichtigen Dinge
    Ab heut
    nur noch die wichtigen Dinge
    Ab heut
    nur noch die wichtigen Dinge
    Ab heut
    nur noch leichtes Gepäck

    8 Mal editiert, zuletzt von Cassia ()

  • Soul! Wie kannst du nur eine neues Projekt starten, ohne mir Bescheid zu sagen?D; Ich bin zutiefst verletzt, aber auch sehr erfreut und geert, dass du mich in deiner Widmung erwähnt hats. Das hätte ich wirklich nie erwartet, zum ersten Mal werde ich in eine Widmung erwähnt!^^Das ist einfach zu süß von dir. Egal wie viele Fanstorys du anfängst, ich werde jede einzelne davon kommentieren und durchlesen. Darauf kannst du Gift nehmen!


    Versunkene Welt..Was für ein atemberaubender Titel du gewählt hast. Er klingt mysteriös, auregend und nach einer riesen Portion Drama, dein Element, was ich schnell bemerkt habe. Der Titel verrät nicht zu viel ,aber vorallem auch nciht zu wenig. Ich reime mir gerade etwas, was wohl alles passieren wird. Sofrt als ich den sah und besonders dein Nickname, habe ich draugeklicklickt ,was bestimmt viele andere auch tun werden. Er regt einem zum Nachdenken. Dein Startpost ist wirklich schön gestaltet. Der wunderschöne Header ist wunderbar , sowie den kleinen Spruch darunter, denn du dir sicherlich ausgedacht hast und der sagt schon etwas über den Inhalt. Alle Rubriken und auch noch sehr schön auseinander gehalten hast und alles ausfürhlich geschrieben hast. Bis jetzt war beinahe immer der Startpost dein Problem gewesen und jetzt hast du es in den Griff bekommen. Kaum zu fassen das du mich auch in deiner Enstehung erwähnt hast. Wie ahnungslos ich doch war! Alles wissenswerde hast du geschrieben, ich finde wirklich nichts was fehlt oder du etwas ausbauen könntest.Auch die kleine Erwähnung, dass du aus zwei verschiedenen Sichtweisen schreibst.
    Wie immer hast du einen Makelosen Schreibstyl. Ich habe nicht über diesen Mord erfahren, in der Schule hatten wir bisher nicht über die "Neuzeit"gesprochen, vllt. mal kurz einen grobben Überblick, doch nciht sehr ausführlich. Eigentlich sind auch Prolog-Namen überflüssig, aber ich lege darauf etwas wert, weil es ebenso die kreativität des Autor's widergespiegelt wird. Du hast es alles wunderbar beschrieben, daran habe ich nichst auszusetzen, absolut garnichts! Zu Anfangs musste ich mich erst einfinden, um was es genau handelt, dacht das du wie immer, den Prolog in der Zukunft geschrieben hast und später auftauscht, oder ist es wieder so? Aber ich ahbe mich relativ schnell "Orientiren" können. Früher waren die Menschen auch so, dass sie nie auf Beweise geachtet haben ,sondern eher diese Pseudo-Zeugen mehr Glauben geschenkt haben. Das zeigt wie grausam die Menschen doch sein können und du hast es zur Geltung gebracht. Ich habe auch gemerkt, dass das du auf diesen Mord , der sich zugespielt hat, baust, was du ja auch beim Inhalt erwähnt hast. Ich hätte gerne eine Benachrichtigung. Ich möchte dich gerne bei deinem vierten Projekt begleiten, außerdem bin ich diesmal auch von Anfang an dabei und schrieb dir deinen ersten Kommi, was mich sehr Glücklich macht. Was ich aber in deinem Prolog nicht gut fand war, dass du sehr wenige Beschreibungen des Gerichtraumes und der Gesichter der Menschen nciht gemacht hast. Deswegen konnte ich mir nicht wirklich ein Bild von den Menschen machen und besonders von dem angeblichen Mörder.

    Zitat

    „Mörder, Elender!“, brüllte es ihm entgegen aus hunderten von Kehlen. Rau klangen die Stimmen, ebenso wie die seiner Wörter, welche ihn nun grob weiterzerrten.

  • Liebe Soul - San
    Endlich ist deine neue Fs da, und ich komme auch mal zu meinem Kommentar dazu. Gut, dass du auch bereits den Klappentext eingereicht hast - ich hoffe, du ziehst einige neue Leser an land, Venus und mich hast du ja auf Sicher ;3


    Startpost
    Ich liebe deinen Header, aber die Bildquelle solltest du eigentlich als Link angeben, trotzdem gut, dass da wenigstens etwas steht, schliesslich sollte der Künstler auch geehrt werden. In Sachen Startpost bist du so oder so eine ganz Grosse, hast ja auch Übung. Ich muss wirklich sagen, dass mir dieser hier bisher am besten gefällt! Aber, kleines Fehlerchen zu bemöngeln: Bitte verlink alle Kapitel ab jetzt, auch den Prolog. Ich helfe dir, wenn du nicht weisst, wie es geht. Noch ist deine FS jung und man bracht nicht viel runter zu scrollen, aber glaub mi, das kommt noch (hoffe ich ja, dass du viele Kommis bekommst).
    Du erwähnst alles Wichtige, wenn du willst kannst du auch in deinem Startpost den Klappentext einfügen! Musst du aber nicht. Du hast sogar eine Widmung, und an dieser Stelle danke ich dir, dass ich erwähnt werde. Ich hoffe nun natürlich, dass auch bei anderen Lesern deine Ideen ankommen (du hast es dir verdient, bist sehr ehrgeizig und das mag ich) und du viel Feedback bekommst, welches genauso positiv ist.


    Prolog
    Wie ich dir per Pn bereits sagte, hast du dich im Vergleich zu früher in meinen Augen sehr gesteigert. Dine Wortwahl ist eine andere, sie hat sich deutlich verfeinert, du gehtst mehr in die Tiefe. Wenn auch hier wieder mehr Beschreibung rein gekonnt hätte und dein prolog auch etwas kurz geraten ist, sollte man trotzdem auf die Qualität achten, und die gefällt mir. Warum ich so streng mit dir bin? Ich möchte dich bald im Profi Bereich sehen, aber damit dich jemand vorschlägt musst du noch etwas an dir feilen und wirklich nochmal mehr rausholen. Es sei denn, du möchtest gar nicht dahin, das verstehe ich natürlich auch, es soll ja Spass machen, in erster Linie. Aber schliesslich willst du deine Bücher auch veröffentlichen, und damit dein Traum wahr wird, möchte ich dir helfen.
    Der Titel Untergang ist natürlich sehr passend, schliesslich stirbt dabei ein Mensch. Es ist ein eindrückliches Thema welches du da gewählt hast, du beeindruckst damit sicher viele.


    Stil
    Du schreibst, wie du selber weisst, an sich sehr flüssig und auch bildlich. Es gefällt mir, dass du wichtige Worte kursiv machst, um sie hervorzuheben und zu betonen, das macht deinen Text auch einzigartig. Achte wie erwähnt darauf, eine Balance zu haben, zu beschreiben und trotzdem die wichtigen Details nicht zu vergessen, deinen Charas so viel Gesicht,Leben und Seele wie möglich zu geben und dann könnte man schon fast anmerken, dass du bereits einen ganz eigenen Stil entwickelt hast.

    Fehler
    Meiner Meinung und meines Wissens nach ist der Fehler, den Venus genannt hat keiner! Ich kann mich irren, denn auch ich bin ja nur ein Mensch, aber ich würd mal meinen, dass "Kehle" schliesslich das Nomen im Satz ist und "hunderte" kleingeschrieben wird, in diesem Fall. Ansonsten : Sosehr schreibt man imo auch auseinander. Sieht einfach besser aus.
    Bitte
    benachrichtige mich per PN, Gb Einträge gehen so schnell unter bei mir. ich freue mich aufs nächste Kapitel, wenn du noch keine Beta hast biete ich mich an, ansonsten, schreib einfach schnell weiter, ich will lesen ^^
    Lg

  • Hallo!
    Da wundere ich mich, dass schon drei Leute auf der Benachrichtigungsliste stehen! Finde ich ja toll, aber natürlich auch mehr Arbeit....*grübel*
    Nein, keine Sorge, ich fühle mich geehrt<3 Komme zu meinen Kommis.


    Lauriel


    @Knight

    Soul! Wie kannst du nur eine neues Projekt starten, ohne mir Bescheid zu sagen?D; Ich bin zutiefst verletzt, aber auch sehr erfreut und geert, dass du mich in deiner Widmung erwähnt hats. Das hätte ich wirklich nie erwartet, zum ersten Mal werde ich in eine Widmung erwähnt!^^Das ist einfach zu süß von dir. Egal wie viele Fanstorys du anfängst, ich werde jede einzelne davon kommentieren und durchlesen. Darauf kannst du Gift nehmen! Vor dir kann man nichts verheimlichen, siehst du doch<3 Und das mit der Widmung war schon lange nötig. Ich werde darauf ab jetzt auch bestehen^^


    Versunkene Welt..Was für ein atemberaubender Titel du gewählt hast. Er klingt mysteriös, auregend und nach einer riesen Portion Drama, dein Element, was ich schnell bemerkt habe. Der Titel verrät nicht zu viel ,aber vorallem auch nciht zu wenig. Ich reime mir gerade etwas, was wohl alles passieren wird. Sofrt als ich den sah und besonders dein Nickname, habe ich draugeklicklickt ,was bestimmt viele andere auch tun werden. Er regt einem zum Nachdenken.Ich bin gut, ich bin gut *durch raum hüpf* Ich mag den Titel auch! Dein Startpost ist wirklich schön gestaltet. Der wunderschöne Header ist wunderbar , sowie den kleinen Spruch darunter, denn du dir sicherlich ausgedacht hast und der sagt schon etwas über den Inhalt. Alle Rubriken und auch noch sehr schön auseinander gehalten hast und alles ausfürhlich geschrieben hast. Bis jetzt war beinahe immer der Startpost dein Problem gewesen und jetzt hast du es in den Griff bekommen. Kaum zu fassen das du mich auch in deiner Enstehung erwähnt hast. Wie ahnungslos ich doch war! Alles wissenswerde hast du geschrieben, ich finde wirklich nichts was fehlt oder du etwas ausbauen könntest.Auch die kleine Erwähnung, dass du aus zwei verschiedenen Sichtweisen schreibst.*grins* Jap, du warst ahnungslos^^ Aber ich wollte dich nicht wieder belästigen, aber genützt hat es ja eh nichts- du bist hier! Ich bin gut im "Startpostgestalten", yeah!
    Wie immer hast du einen Makelosen Schreibstyl. Ich habe nicht über diesen Mord erfahren, in der Schule hatten wir bisher nicht über die "Neuzeit"gesprochen, vllt. mal kurz einen grobben Überblick, doch nciht sehr ausführlich.Wir auch nicht, musste mir alles selbst aneignen^^ Eigentlich sind auch Prolog-Namen überflüssig, aber ich lege darauf etwas wert, weil es ebenso die kreativität des Autor's widergespiegelt wird. Du hast es alles wunderbar beschrieben, daran habe ich nichst auszusetzen, absolut garnichts! Zu Anfangs musste ich mich erst einfinden, um was es genau handelt, dacht das du wie immer, den Prolog in der Zukunft geschrieben hast und später auftauscht, oder ist es wieder so? Aber ich ahbe mich relativ schnell "Orientiren" können. Früher waren die Menschen auch so, dass sie nie auf Beweise geachtet haben ,sondern eher diese Pseudo-Zeugen mehr Glauben geschenkt haben. Das zeigt wie grausam die Menschen doch sein können und du hast es zur Geltung gebracht. Ich habe auch gemerkt, dass das du auf diesen Mord , der sich zugespielt hat, baust, was du ja auch beim Inhalt erwähnt hast.Ich kann nichts mehr sagen, mir fehlen die Worte...*schnüff* Ich hätte gerne eine Benachrichtigung. Ich möchte dich gerne bei deinem vierten Projekt begleiten, außerdem bin ich diesmal auch von Anfang an dabei und schrieb dir deinen ersten Kommi, was mich sehr Glücklich macht. Was ich aber in deinem Prolog nicht gut fand war, dass du sehr wenige Beschreibungen des Gerichtraumes und der Gesichter der Menschen nciht gemacht hast. Deswegen konnte ich mir nicht wirklich ein Bild von den Menschen machen und besonders von dem angeblichen Mörder.Tja, so ist das halt. Danke nochmal für dein klasse Feedback, Knight!



    So, kommen wir zum ersten Kapitel^^Achtung, es ist lang!


    Chapter One


    Hamburg im Jahre 2010, August
    Clara

    Der Himmel war bewölkt; dunkelgraue Wolken zogen über der in Stille getauchten Landschaft vorüber. Es würde Regen geben, vielleicht sogar ein Gewitter. Die Luft war schwül, zum Ersticken schwer und ich musste hart schlucken, als ich nach draußen blickte.
    Ich hasse den Sommer.
    Das klingt seltsam, ich weiß, aber wie soll ich es sonst ausdrücken? Mir ist der Winter viel lieber oder, noch besser: Der Herbst.
    All die verschiedenen Farben, der frische Wind, der die bunten Blätter durcheinander wirbelt und die stachligen Kastanien, die man dann sammeln kann. Es ist eine eigene Welt für sich, diese Jahreszeit.
    Das einzig Gute am Sommer sind die langen Ferien, doch zu denen war es noch lange hin- noch ganze drei Wochen. Ich würde vermutlich noch vor Ferienbeginn einen Kollaps erleiden und im Krankenhaus landen, auf der Intensivstation. Vielleicht würde ich jedoch nach den Zeugnissen wieder gesund sein, dann hätte es doch wieder eine positive Seite.
    Während ich im Deutschunterricht saß und meine Lehrerin den Unterschied zwischen Subjekt und Prädikat erläuterte(Zum wiederholten Male, merke ich an), starrte ich verträumt zum Fenster hinaus. Ich hatte es nicht mehr nötig, zuzuhören, da ich die Regeln der Grammatik schon im Schlaf aufsagen konnte. Laut meiner eigenen Eltern war ich ein Genie in Deutsch, ebenso wie in allen andren sprachlichen Fächern. Ich konnte es mir ohne Zögern leisten, mich einmal nicht zu beteiligen.
    Stattdessen träumte ich von unserem Referat in Geschichte, dass Isabelle und ich schon seit zwei Monaten planten.
    „Ich möchte euch die Chance geben, mir zu beweisen, was ihr könnt“, hatte Frau Burgdorf uns erklärt, als sie uns das Referat verkündet hatte.
    „Deshalb gebe ich euch auch keine Themen vor; ihr sollt euch einmal selbst Gedanken machen und euch das Konzept überlegen. Alles ist erlaubt, solange es ein geschichtliches Ereignis ist. Einige Gruppen werde ich jedoch nicht zusammen arbeiten lassen!“, fügte sie noch ernst hinzu und es erklang unterdrücktes Stöhnen. Vor allem die hinteren Reihen, in denen die gelangweilten Schwänzer und Sitzenbleiber hockten, starrten die Geschichtslehrerin an wie der Teufel das Weihwasser.
    Ich jedoch blickte sofort zur Seite und traf auf den begeisterten Blick meiner Freundin Isabelle, die postwendend nickte.
    „Das machen wir!“, wisperte sie und ich grinste. Ich ahnte bereits, welches Thema wir auswählen würden.
    „Elisabeth?“, gab ich im selben Tonfall der Verschwörung zurück, und Isabelle lächelte verschlagen.
    „Was denn sonst?“
    Unsere Hände flogen zeitgleich in die Luft. Frau Bergdorf nickte lächelnd und fragte: „Nun, welches Ereignis wollt ihr uns näher bringen?“
    „Die Geschichte Elisabeths!“, echote es aus zwei Kehlen, während unterdrücktes Gekicher in der Klasse entstand und eine hämische Stimme verkündete: „Wen denn auch sonst für unsere beiden Streber?“
    Doch unsere Lehrerin klatschte begeistert in die Hände und strahlte. Somit hatten wir schon die Erlaubnis und noch am selben Nachmittag stürzten wir uns in die Arbeit.
    Wir hatten das Thema aufgeteilt, um es zu vereinfachen. Isabelle hatte Elisabeths Vorgeschichte sowie ihr Verhältnis zum Wiener Hof ausgewählt und ich den Dichter und des Kaiserins großes Vorbild Heinrich Heine.
    Doch ich hatte ein Thema zu wenig; ich musste mindestens zehn Minuten sprechen.
    Etwas ratlos durchforsteten wir die geschichtlichen Bände und guckten uns zeitgemäße Gemälde an, doch nach zwei Stunden konzentrierten Arbeitens war uns immer noch nichts eingefallen.
    „Mensch, mein Kopf ist so leer, ich kann nicht mehr!“, verkündete Isabelle schließlich und stieß allen Papierkram von sich. Ich jedoch griff mir meinen Laptop, fuhr das Betriebswerk hoch und ging ins Internet.
    Der Suchbegriff „Elisabeth“ gab mehr als zehntausend Treffer, sodass mir nicht besseres übrig blieb, als mich durch die angegeben Seiten durchzuwühlen.
    Auf den ersten fünf Seiten wurde ich nicht fündig, bei der sechsten jedoch stutzte ich. Ein Zeitungsartikel des „Wiener Abendblattes“ vom 10. September 1898, auf dem die Kaiserin abgebildet war und ebenfalls ein Mann, der etwas hoch erhoben in der Hand hielt. Dieser war es, der sofort meinen Blick auf sich zog. Leider war die Qualität dieses Artikel und des dazugehörigen Bildes eher schlecht und so lud ich es herunter.
    Isabelle war diejenige, die die absolute Spezialisten im Falle Elisabeth war. Als ich sie vor drei Jahren kennen lernte, ich hatte gerade die Schule gewechselt, war sie mir seltsamerweise direkt ins Auge gesprungen. Obwohl auf den ersten Blick nichts wirklich Außergewöhnliches an ihr ist.
    Isabelle ist mittelgroß, nicht wirklich klein, aber auch nicht groß und ihre kastanienbraunen Haare reichen ihr bis zu ihrer Brust. Auch ihre Kleidung ist eher schlicht gehalten, kein auffälliger Schmuck oder Schminke.
    Aber ich glaube, es lag an ihren tiefblauen Augen, die mich fesselten. Es lag etwas in ihnen, ein Ausdruck von…Vertrautheit. Der einzige freie Platz war der neben ihr und als ich mich schüchtern setzte, rückte sie beiseite und lächelte mich an, als ich sie anschaute.
    In der Pause machten wir etwas zusammen, sie zeigte mir die Schule und wir kamen ins Gespräch. Und so, auf diese völlig unspektakuläre Weise, wurden wir zu unzertrennlichen Freundinnen.
    Isabelle erzählte mir von Elisabeth, der österreichischen Kaiserin und wie sie es erzählte, mit leuchtenden Augen, machte einen gewaltigen Unterschied. Man merkte sofort, sie tat dies mit Leidenschaft und sie schaffte es, mich mit ihrer Begeisterung anzustecken. Zwar behielt ich die Fakten nie so genau im Kopf wie meine Freundin, doch schon drei Monate hätte ich ein dreistündiges Referat über diese schillernde Persönlichkeit halten können.
    Doch dieser Mann sagte mir nichts. Als der Bildschirm mir anzeigte, dass das Dokument heruntergeladen war, öffnete ich die Datei und vergrößerte das Bild. Nun erkannte ich Einzelheiten.
    Elisabeth trug Trauerkleidung, eine ihrer Hofdamen stand direkt hinter ihr und der Mann fast vor ihr. Er hielt etwas in der Hand, womit er auf die Kaiserin zielte und als ich näher ranzoomte, stellte es sich als eine Pfeile raus, dreikantig.
    „Was hast du da?“
    Isabelle war näher an mich herangerückt und ich deutete auf das Bild. Plötzlich stach mir ein Untertitel unter dem Bild ins Auge. Ein Name war dort angegeben, ich brauchte eine Weile, um ihn in der verschlungenen Schrift entziffern zu können.
    „Luigi…Luch..Lucheni…“, las ich stockend vor. „Luigi Lucheni!“
    Isabelle runzelte die Stirn, als ich mich zu ihr umwandte. Sie betrachtete eingehend das Bild, bis sich ihr Gesicht sichtlich aufhellte.
    „Ich weiß, wer das ist. Der Mörder Luigi Lucheni, italienischer Anarchist. Er hat Elisabeth damals, es war am 9. September 1898 in Genf, ermordet. Siehst du diese Dreikantpfeile da in seiner linken Hand?“
    Sie deute mit einem Finger auf die Waffe.
    „Das war die Tatwaffe. Er stieß sie der Frau in die Brust, genau ins Herz und floh. Elisabeth konnte noch einige Meter gehen, erst dann brach sie zusammen. Er hatte genau gezielt.“
    Nachdenklich betrachtete sie das Bild, ich jedoch war neugierig, mehr über diesen Lucheni herauszufinden.
    „Hat man ihn geschnappt? Ich meine, Lucheni?“
    „Natürlich. Einen Monat später stand er vor Gericht und sagte aus. Als er befragt wurde, warum er sie ermordet habe, gab er zur Antwort, er hatte eigentlich den Prinzen von Orleans ermorden wollen, doch dieser tauchte nicht, wie eigentlich angekündigt, in Genf auf. Also brachte er Elisabeth um. Ob er diese Tat wenigstens bereue, fragte der Richter. Ganz im Gegenteil, entgegnete Lucheni und lachte. Er sei stolz darauf und würde es erneut tun.“
    „Was ist mit ihm gesehenen?“
    „Er wurde zum Tode verurteilt, aber es kam anders. Eines Morgens, als man ihm sein Frühstück bringen wollte, baumelte er an einem Strick. Er hatte in der Haft Selbstmord begangen.“
    Ich musste schlucken. Dieser Mann hatte also einen Jahrhundertmord begangen, ohne Reue und trotzdem hatte er sich umgebracht. Doch was war der Grund für diesen recht ungewöhnlichen Selbstmord, vor allem, wenn man einmal seine Aussage vor Gericht miteinbezog?
    Isabelle hatte diese Frage nur mit einem Schulterzucken bedacht.
    „Wahrscheinlich, weil er nicht mehr genügend Aufmerksamkeit für seine Tat bekommen hat. Was weiß ich!“
    Sie ging in die Küche und goss sich ein Glas Cola ein, während ich mich an den Küchentisch lehnte und sie nachdenklich dabei beobachtete, wie sie das Getränk in einem Zug runterspülte. Isabelle war süchtig nach dieser braunen Flüssigkeit wie andere Leute nach Drogen. Wenn man keine Cola für sie fand, wurde aus der sonst so friedlichen Isabelle eine Zicke.
    Sie stellte das Glas mit einem Knall auf der Arbeitsfläche ab.
    „Du gibst dich wieder nicht zufrieden mit der Version, nicht wahr?“, meinte sie schmunzelnd und ich fühlte mich ertappt.
    „Naja…“, druckste ich verlegen herum.
    „Du musst doch selbst zugeben, dass es recht merkwürdig erscheint, dass sich ein Mörder, der sich öffentlich für seine Tat bekennt, nicht direkt danach umbringt. Es erscheint so sinnlos, findest du nicht?“
    „Wieso? Er sollte doch sowieso sterben“, gab Isabelle zurück und räumte ihr benutztes Glas in die Spülmaschine. „Vielleicht wollte er durch eigene Hand sterben. Es ergibt Sinn.“
    Das fand ich nicht, und Isabelle merkte es. Sie seufzte, dann blickte sie mich lächelnd an.
    „Weiß du was? Nimm doch als zweites Thema den Mord und den Täter Luigi. Du kannst selbst herausfinden, ob er wirklich ein gar nicht so schlechter Mensch war wie alle glaubten. Wer weiß, vielleicht stößt du ja auf ein lang gehütetes Beweismaterial.“
    Ich hatte genickt und mir fest vorgenommen, alle möglichen Quellen der Reihe nach abzuklappern.
    Doch ich hatte nicht gefunden; jedenfalls nichts über die Person Luigi Lucheni an sich. Über das Attentat an sich hatte ich mehr als genug, doch über den Italiener- Stille. Es schien mir, als sei er der Mörder und weiter nichts. Sein Leben vor dem Mord blieb im Dunkeln, auch über seine Kindheit hatte ich nichts Bedeutendes herausgefunden. Der Mann blieb weiterhin im Dunkeln und nun verbrachte ich jede freie Minute vor dem PC oder in der Stadtbücherei. Es hatte jediglich zur Folge, dass ich kaum noch zum Schlafen kam, da ich mir auch die Nächte um die Ohren schlug und somit oftmals schlechte Laune hatte.
    Doch aufgeben kam für mich nicht in Frage. Ich war noch nie der Typ für halbe Sachen gewesen- entweder, ich war mit Herz und Seele bei der Sache oder ich ließ es bleiben.
    Isabelle verfolgte meine Bemühungen mit Besorgnis, denn sie war der Meinung, ich hänge mich viel zu sehr in die Sache rein.
    „Clara!“
    Jemand rief meinen Namen. Ich schreckte aus meinen Tagträumereien ruckartig auf und landete wieder in der nüchternen Realität.
    Isabelle grinste mich an, während ich verwirrt blinzelte und überhaupt nicht wusste, was Sache war. Alle Schüler waren bereits aus dem Raum, nur Isabelle und ich waren noch nicht in der verlockenden Freiheit.
    „Jetzt komm, die letzte Stunde fällt aus!“
    Das brachte mich blitzartig wieder ins Bewusstsein.
    „Echt, Französisch fällt aus? Yeah!“
    Ich schnappte mir meine Tasche, zog meine Freundin hinter mir her und schleifte sie fast nach draußen.


    Isabelle


    Ich beobachtete Claras Gestalt, wie sie tief einatmend die frische Luft in sich aufnahm. Sie war niemand, den man lange in geschlossenen Räumen halten konnte. Ich vermutete, dass es eine Art von Platzangst war, aber Clara meinte jediglich beim Ansprechen dieses Themas, sie besitze es schon seit sie denken kann.
    Clara war an sich eine seltsame Person, was nicht zuletzt an ihren Augen lag.
    Eines war hellgrün, das andere strahlte in einem dunklen Braunton. Viele glaubten, sie benutze Kontaktlinsen, um sich so interessanter zu machen, aber ich wusste, dass Clara so etwas nicht nötig hatte. Sie hatte diese merkwürdigen Augen schon seit ihrer Geburt und wenn sie sie hätte eintauschen können, so hätte sie es wohl getan.
    Clara wurde oft verspottet und zählte zu den Außenseitern an der Schule. Sie war einfach jemand, der sich nichts über Lästereien oder blöde Bemerkungen machte. Ich kannte niemanden, der so selbstbewusst war wie Clara, die nicht jedem Trend hinterherlief und ihren ganz eigenen Style hatte wie sonst niemand.
    Ihre blonden Haare trug sie meist offen, selten hochgesteckt wie heute und ihre Kleidung war rockig und rebellisch, was im starken Kontrast zu ihrer sonst weiblichen Erscheinung stand.
    Aber es gab keinen Menschen auf der Welt, für den ich durchs Feuer gehen würde als für Clara; ich kannte sie, wie wohl niemand sie je gekannt hatte.
    Plötzlich näherte sich von hinten eine Gruppe von Mädchen, die kichernd auf Clara deuteten und mitten auf sie zuliefen. Sie stießen dem Mädchen grob in den Rücken, sodass sie nach vorne taumelte und schließlich fiel. Spöttisches Lachen erklang hinter ihr und mit einem giftigen Blick richtete sich Clara wieder auf.
    Ich ahnte nichts Gutes und beschleunigte meine Schritte. Diese Mädchen kannte jeder an der Schule; sie waren allseits bekannt unter dem Namen „Lästerschwestern“ und soweit es möglich war, ging man ihnen aus dem Weg. Ihre Anführerin, eine große, stark geschminkte Brünette namens Jette, war berüchtigt dafür, nicht lange zu reden sondern eher mal die Fäuste sprechen zu lassen. Sie und Clara waren schon oft aneinander geraten, seit sich Jettes Freund von ihr getrennt hatte und Jette herausgefunden hatte, dass er insgeheim auf Clara stand. Angeblich hatte Jette geschworen, dass diese „Rockerstreberin“ niemals ihren Freund bekommen würde. Ich hatte lachen müssen, denn es war allgemein bekannt, dass Clara sich nichts, aber auch wirklich nichts aus den Jungs dieser Schule machte.
    Jetzt standen sich meine Freundin und Jette hoch erhobenem Haupt gegenüber, eine zorniger als die andere. Jette war ein Jahr älter als Clara, aber dass machte sie mit ihrer Größe wieder wett.
    „Was hast du eigentlich gegen mich, Jette?“, verlangte Clara zu wissen. Jette lachte und wie auf Kommando begannen auch die anderen Mädchen hinter ihr zu kichern, als müssen sie erst abwarten, was ihre Anführerin von ihnen verlangte.
    Ich blieb verunsichert neben meiner Freundin stehen. Wie ich solche Streitereien hasste! Ich war ein Harmoniemensch, mir schlug es aufs Gemüt, wenn Leute aus meiner Umgebung aneinander gerieten. Normalerweise ergriff ich auch nie Partei in einem Streit, da ich dann meist mitgerissen wurde, ohne es überhaupt zu wollen.
    Jetzt zog ich Clara vorsichtig am Ärmel, wie ein kleines Mädchen.
    „Komm, Clara, lass sie“, versuchte ich sie fortzulotsen, doch Clara ignorierte mich. Sie fixierte ihre Gegnerin.
    „Was ich gegen dich habe, Doppelauge? Eine ganze Menge- zuerst einmal deine Existenz!“, feixte das ältere Mädchen und wieder kicherte ihr Anhang drauflos. Clara ballte die Hände zu Fäusten, ein sicheres Anzeichen für unterdrückte Wut.
    „Ich habe dir doch gesagt, dass du aufhören sollst, dich an Lukas ranzumachen, oder? Warum also hältst du dich nicht daran?“
    „Zum letzten Mal: Ich habe nichts mit Lukas zutun, er ist gar nicht mein Typ! Außerdem braucht ein so arroganter Typ wie er eine kleine Tussi wie dich.“
    Das war der falsche Satz.
    Jette kniff die stark umrandeten Augen zusammen. Clara hingegen stand da wie ein Fels in der Brandung, völlig gleichgültig gegenüber den Wellen, die um sie herum tobten.
    „Was hast du da gerade gesagt, Doppelauge? Nimm es zurück!“
    „Ich denke nicht einmal daran!“, höhnte Clara und ich stellte mich beschützend vor sie. Fragt nicht, warum ich dies tat; vielleicht spürte ich die Bedrohung in diesem Moment wie eine Gänsehaut auf meiner Haut.
    Clara versuchte, mich beiseite zuschieben, doch ich blieb eisern stehen. Jette zog aus der Innentasche ihres Fellmantels ein Messer, etwa gerade so lang wie ein normales Küchenmesser. Ich zog scharf die Luft ein, während Jette bösartig lächelte.
    „Pack die Waffe weg, Jette“, flüsterte ich tonlos, doch das Mädchen lachte bloß hämisch und fuhr fast liebkosend über die metallene Klinge. Clara versteifte sich, ich spürte es in meinem Rücken und noch einmal versuchte sie, mich aus dem Weg zuschieben. Vergeblich.
    Jette grinste raubtierhaft und trat ein paar Schritte auf uns zu. Ich verfolgte ihre Bewegungen mit wachsendem Entsetzen. Mir war völlig klar, dass sie nicht davor zurückschrecken würde, das Messer auch zu benutzen.
    Ich schaute mich gehetzt um, suchte nach irgendeinem Lehrer oder Schüler, der uns hätte helfen können. Doch der Schulhof war wie ausgestorben. Die meisten Schüler hatten schon Schluss und niemand hielt sich freiwillig länger als nötig in der Nähe dieser Bildungsanstalt auf, es sei denn, er musste nachsitzen.
    Nun jedoch wirkten auch Jettes Freundinnen verunsichert. Eine von den maskenhaft geschminkten Mädchen trat vor und berührte Jette am Arm.
    „Hey, Jette, lass den Blödsinn!“, meinte sie und eine kam ihr zu Hilfe.
    „Genau, wir kriegen jede Menge Ärger!“
    „Na, und wenn schon! Ihr glaubt doch nicht, dass ich dieses eingebildete Alienwesen ungeschert für ihre Frechheiten davonkommen lasse? So geht man nicht mit mir um…“
    Und mit diesem Worten ging sie auf Clara los, die mich ruckartig zur Seite stieß. Sie packte Jettes Arme und drehte sie von sich weg, dass Mädchen keuchte auf vor Schmerz und wurde umso wütender.
    Ich landete schmerzhaft auf dem Asphalt und blieb so liegen, während meine Freundin gerade um ihr Leben kämpfte. Denn wenn das Messer sie traf, dann könnte sie ernsthaft verletzt werden. Ich bekam Angst um Clara, wie ich sie noch nie zuvor verspürt hatte.
    „Clara!“, brüllte ich ihren Namen, doch sie schenkte mir keine Beachtung. Sie war beschäftigt damit, das Messer von sich fern zuhalten. Jette sah zwar schwächlich aus, doch sie verfügte über eine erstaunliche Kraft; ohne Probleme wich sie Claras Fausthieben aus.
    Plötzlich fiel mir eine Gestalt auf, die, in einiger Entfernung zu uns, aufmerksam das Geschehen verfolgte. Ich konnte keine Einzelheiten erkennen, obwohl ich über recht gute Augen verfügte, aber es war, als ob die Gestalt inmitten von Nebel stünde. Hoffnung auf Hilfe keimte in mir auf und so brüllte ich: „Bitte, Sie da hinten, helfen Sie uns!“
    Später bereute ich diese Entscheidung.
    Clara wandte ich zu mir und der verschwommenen Gestalt um und während sie völlig ungeschützt für einige Sekunden dastand, nutzte ihre Gegnerin diesen Moment für sich.
    Ich sah das Messer auf Claras Schulter heruntersausen, stieß noch einen Warnruf hervor- doch es war bereits zu spät. Die kalte Klinge fuhr durch Claras Kleidung, traf auf weiches Fleisch und ich schrie. Rotes Blut floss ungehindert aus der Wunde.
    Clara stand noch einen Augenblick da, überrascht von der ungeahnten Wendung und erst dann, unendlich langsam, schien es mir, fiel sie nach hinten und schlug mit einem widerlichen Geräusch auf die trockene Erde.


    Clara


    Erst war da noch Isabelles Ruf nach Hilfe und ich drehte mich um. Ich blickte zu einer Gestalt, die völlig in Schwarz gekleidet in einigen Metern Entfernung zu uns stand und mir im selben Moment in die Augen blickte.
    Dann schrie Isabelle erneut, ich wollte mich wieder meiner Gegnerin zuwenden, doch das Messer war soviel schneller als ich. Es stieß in meine Schulter.
    Und dann war da nur noch betäubender Schmerz, der alles andere in den Schatten stellte. Ich fiel zu Boden wie ein gefällter Baum, hörte Isabelle meinen Namen brüllen, doch alles war in dichten Nebel gehüllt.
    Meine Umgebung verschwamm vor meinen Augen als ich sie schloss, alles war in ein dunkles Rot getaucht und selbst das Denken fiel mir schwer.
    Als ich mühsam die Augen wieder öffnete, beugte sich Isabelle über mich. Ihre besorgten Augen schoben sich in mein Gesichtsfeld, doch ich drohte, erneut das Bewusstsein zu verlieren.
    Sie sagte etwas zu mir, irgendetwas wie „Handy…leer….Hilfe holen…zurück“ und dann war sie verschwunden. Mich befiel Panik, ich wollte meine Lippen bewegen, doch es kam kein Laut hervor.
    Erneut wurde alles in Rot getaucht und mir schwanden die Sinne.


    Isabelle


    Ich rannte, so schnell mich meine Füße trugen. Einige mir entgegenkommende Passanten drehten sich empört zu mir um und brüllten mir etwas hinterher, was sich nicht sonderlich freundlich anhörte, doch mir war es gleichgültig.
    Ich verlor meinen Kopf in diesem Chaos; das Einzige, was noch eine Rolle spielte, war Clara. Clara, die verletzt auf dem Schulhof lag und dringend Hilfe benötigte.
    Ich verfluchte mein Gedächtnis zum Teufel- ich hatte am Abend vergessen, mein Handy aufzuladen. Passierte mir häufiger, nur leider in den schlechtesten Momenten. Und Claras Handy lag dem Anschein nach zu Hause, es hatte nicht wie sonst in ihrer Hosentasche seinen Platz.
    Jetzt lief ich zum nächsten Krankenhaus, um von dort Hilfe zuholen.
    „Halt durch, Clara, bitte halt durch!“, wisperte ich immer wieder wie eine Beschwörung.
    Ein Wettlauf mit der Zeit.
    Doch als ich schließlich vor dem Krankenhaus stand und ich an die Rezeption stürmte, um jemanden zu informieren, konnte man mir nicht helfen. Es war nur eine Praktikantin da, die angesichts meiner völlig verzweifelten Miene komplett überfordert war und somit erst eine halbe Stunde brauchte, um aus meinem Gestammel schlau zu werden. Sie verständigte einen Notwagen und ich wies ihnen den Weg zum Unglück.
    Doch als wir dort ankamen, war Clara fort. Nur ein wenig Blut war noch auf den Steinen zu erkennen, bereits angetrocknet. Völlig verstört sank ich an der Stelle, wo noch vor einer Stunde meine verletzte Freundin gelegen hatte, zu Boden.
    Wie durch Watte vernahm ich die Stimme des Krankenwagenfahrers, der mich darüber informierte, dass man nun zurückfahren würde und man über eine Standpauke wegen „unnützer Panik“ hinwegsehen würde.
    Ich jedoch konnte nur stumm dasitzen.

    Ab heut
    nur noch die wichtigen Dinge
    Ab heut
    nur noch die wichtigen Dinge
    Ab heut
    nur noch die wichtigen Dinge
    Ab heut
    nur noch leichtes Gepäck

  • Hi.


    Inhalt:
    Chapter? Dann müsstest du auch Prologue schreiben, denn, entweder alles englisch,oder alles deutsch,finde ich.
    Das einzige was mir persönlich sont gar nicht gefällt ist, dass du Abschnitte mit den zwei Mädchen machst und ankündest,welche gerade "an der Reihe ist". Wie du sonst die Perspektive, was ja eine gute Abwechslung ist,wechseln könntest weiss ich auch nicht, aber du müsstest es meiner Meinung nach nicht unbedingt ankündigen, wenn du den Namen der jeweilig anderen nennst merkt man das. Oder du lässt den Wechsel und entscheidest dich für eine der beiden, schliesslich kommen sicher noch mehr Personen dazu, und wenn du diese dann auch noch miteinbeziehst wirds irgendwann schwierig. Andererseits brachte diese Art zu schreiben auch Abwechslung, wie gesagt, und das ist ja grundsätzlich gut so. Leider hast du diesmal die Beschreibungen ein bisschen vernachlässigt, was geschehen ist konnte ich mir weniger gut vorstellen bzw sehe ich die Personen noch nicht genau vor mir.
    Dass Clara gleich so stark verletzt werden würde war nicht vorherzusehen und ich frage mich, ob so ein starker Konflikt nur entsteht, wenn man sich nicht mag, denn sowas ist ja bereits strafbar. Leider ist es Realität und trotzdem erschreckend zu lesen. Dass es bei einem Notfall aber eine halbe Stunde dauert bis jemand reagiert ist schlimm,sowas passiert eher selten,denke ich. Nun interessiert mich natürlich, was mit dem Mörder Elisabeths war, und was mit deinen Charas weiterhin geschieht, wo Clara ist und ob sie den Vortrag überhaupt halten wird. Denn das sich der Mörder umbrachte klingt irgendwie nach zwei Möglichkeiten, nach reiner Verzweiflung oder einem Schuldeingeständnis.
    Man kann Zeitungsartikel vom Jahre 1898 im Internet nachlesen? Mit Foto?Hm. Okay.Trotzdem spannend wie die beiden auf das Thema kommen, und das jemand zwei Augenfarben hat - sie scheint ja was Besonderes zu sein. Und wenn sie am Schluss auch noch verschwindet...
    denke ich, dass das noch ganz spannend werden könnte.


    Fehler:
    Tja, also weil ich ja eine elende Besserwisserin "Quote Soul&Crystal" bin, packe ich deine Fehler mal in einen Spoiler, nicht, dass noch jemand auf die Idee kommt ich würde dich belehren oder so *hüstel*.

    Mit den Zeitformen hast du ab und zu immer noch Mühe, das altbewährte "Problem" also. Du sagst selber, du willst in den Profibereich. Wenn du das wirklich willst, dann darfst du dich gern noch bei mir entschuldigen, ich korrigier dir nämlich immer brav alles und zwar so schnell ich kann, obwohl noch tausend andere Dinge anstehen - ich helfe dir wo ich kann, damit du da hin kommst, also sei etwas netter zu mir ;__;


  • *Kommentar anfang zu schreib*
    Ich würde die Rückmeldungen in Spoiler packen, weil es einfach sehr viel vom Beitrag wegnimmt und ich etwas scrollen musste, was meistens anstrengend ist. So als kleiner Tipp nebenbei, nicht persönlich nehmen Soul.<3


    Als erstes ein dickes Lob, dass du die Jahreszahl geschrieben hast und besonders dafür das du es kursiv geschrieben hast. Es zeigt das es sich von den anderen Wörtern abhebt bzw. von dem Kapitel. Du beschreibst wirklich gut die Persönlichkeit von Clara am Anfang, was sehr schwer ist, denn man hat einfach so viele Vorstellungen den Charakter zu gestalten, die Vorlieben usw. Schon komisch das sie den Sommer nicht mag, aber sicherlich wäre es langweilig gewesen den Charakter so schlicht zu machen. Das sie ein Referat über ein geschichtliches Ereigniss machen müssen lässt mich schon so einige erahnen, wie z.B das sie dann den Fall von 1898 präsentieren. Übrigens echt fies das sie nur noch drei Wochen Schule haben und ein Referat halten müssen. Fiese Lehrerin.:> Der Spruch mit dem Teufel und dem Weinwasser kommt mir nur allzu gut bekannt vor! Habe ich auch in deiner anderen FanStory gelesen und ich muss sagen ich liebe diesen Spruch. Er klingt einfach so klug, logisch und vorallem passend! Hast du es zuffäligerweise erfunden, denn vorher habe ich es noch nie gehört. Die meisten Infos der Vorgeschichte hast du wirklich gut und passend wie ein Puzzle-Stück an den richtigen Stelle eingefügt hast. Besonders die kleine Beschreibung wieso sie Freundinnen geworden sind oder wie sie geworden sind, fand ich wirklich herzergeifend!<3 Mir hat es wirklich gut gefallen, es errinert mich ein bisschen an meine Freundschaft mit meiner Freundin und ist auch ein wenig ähnlich wie es sich zugetragen hat. Wenn ein Ortwechsel folgt, oder etwas anderes erzähzl wird wie z.B das sofort nach dem Gespräch über den angeblichen Mörder udn dann beschreibt Clara, wie sie aufrecherche gegangen ist. Das die Mädchen sich gegenseitig beschrieben haben finde ich einfach genial! So kann man sich in die Lage bzw. Situation deiner Charakter. Diese "Lästerschwestern" hast du wie wirklich gut dargestellt. Ich hasse solche Leute, leider gibt es von denen mehr als genug! Aber genung davon; Die Situattion hast du gut beschrieben, als sei ich selbst dabeigewesen. Die ständigen Charakterwechslungen fand ich aber nciht störend sondern haben auch zusammengepasst mit den Situationen. Nur die letzte fand ich etwas zu schnell und hättest sie sicherlich besser beschreiben und "füllen" können.


    Aww, ich fand es wieder ein bereichendes Kapitel, mir geffält es wirklich und diese zar etwas alltägliche Sotuation hast du wirklich interasannt geschrieben. Ich wiederhole mich abr du hast einen flüssigen Schreibstyl, der so einfach und locker ist und nciht von schweren Wörtern oder etwas ähnliches sprüht. Du hast alle Infos, die wichtig sind und waren, geschrieben und wie gesagt an den richtigen Stellen. Ich freue mich und bin gespannt auf das neue Kapitel, aber vernachlässige ja nicht >Die Auserwählte< (lol Schleichwerbung :p).
    Super Liebe Grüe dalass

  • Sorry, ich hab mal wieder kaum Zeit und ich gehe auf eure Kommentare bald ein, ja? *hetz*


    Chapter Two


    Lifesaver


    Hamburg im Jahr 2010, August
    Clara


    Eine Stimme drang durch das Schwarz der Nacht.
    Jedenfalls glaubte ich, dass es Nacht war. Aber um ehrlich zu sein, wusste ich noch nicht einmal, wo genau ich mich in diesem Augenblick befand. Meine Erinnerungen waren trübe, wie, als wenn man versucht den Grund eines tiefen Sees zu erreichen und nur Schlamm aufwirbelt. Und genauso ein Schlamm verschlechterte meine Sicht auf das Geschehene. Das Einzige, was deutlich spürbar war, waren Schmerzen irgendwo rechts neben meinem Kopf.
    „Mädchen…wach auf…“
    Die Stimme war nicht lauter als ein Wispern und dennoch dröhnte mein Kopf davon. Ich stöhnte und wollte mich wegdrehen, einfach nur weg von dieser Stimme, die mir Kopfschmerzen verursachte. Aber man ließ es nicht zu.
    Jemand berührte mich, packte mich sanft, aber bestimmt unter den Nacken und hielt meinen Kopf aufrecht. Kühle Hände strichen über mein erhitztes Gesicht, für einen kostbaren Augenblick befanden sich die Schmerzen weit fort und plötzlich rann mir eine Flüssigkeit über die Lippen.
    Wasser…
    Gierig öffnete ich meinen Mund, um das erfrischende Nass aufzufangen und ein raues Lachen erklang irgendwo an meiner Seite. Mich interessiert das nicht, nur dieses Wasser spielte momentan eine Rolle. Meine Kehle fühlte sich staubtrocken an, als klebe Wüstensand darin oder Staub.
    „Nicht so schnell, Mädchen, langsam. Es ist genügend da.“
    Wieder sprach jemand zu mir, dieses Mal weitaus leiser und ich dankte dem Himmel für diese Fügung. Obwohl ich nicht wusste, wer mir da gerade das Leben rettete, war es mir gleichgültig.
    Doch schließlich wurde mir das Wasser genommen und ich öffnete protestierend die Augen, um den Übeltäter gehörig meine Meinung zu dieser Tat zu geigen, aber helles Licht blendete mich und ich stöhnte. Die Schmerzen nahmen wieder zu.
    Doch ich wagte einen weiteren Versuch und diesmal gelang es mir, die Augen zu öffnen. Erst ganz langsam, bis sie sich an das Licht gewöhnt hatten und dann erst öffnete ich sie ganz.
    Das Erste, was in mein Gesichtsfeld sprang, war ein Gesicht. Es war leicht gebräunt, mit schönen, sanften Zügen und braune Augen sahen auf mich herunter, mit einem Ausdruck von Ratlosigkeit. Schwarze Locken quollen unter einem altmodischen Hut hervor, der schon recht zerschlissen ausschaute und ich ahnte im Unterbewusstsein, dass ich diesen jungen Mann schon einmal gesehen hatte.
    Wer war er?
    Der Mann lächelte.
    „Ich dachte schon, ich müsste dir beim Aufwachen behilflich sein. Fast hättest du mich dazu gebracht, einen Arzt zu rufen.“
    „Wer…sind Sie…“, murmelte ich und er legte mir behutsam einen Finger auf die Lippen. Er war kalt, schon fast zu kalt und ich zuckte erschrocken zurück. Mein Retter lächelte entschuldigend.
    „Verzeih, dass hatte ich nicht bedacht.“
    Dann blickte er etwas unentschlossen auf mich herunter, während ich überlegte, woher ich diesen Menschen kannte. Wenn er mir doch nur seinen Namen nennen würde!
    Er seufzte, dann stand er auf und holte ein kleines, blau eingebundenes Büchlein aus der Tasche seiner Jacke, die schwarz war, schwarz wie alle seine Kleidungsstücke. Aufmerksam studierte er eine Seite, dann klappte er es zu und steckte es wieder weg. Er ging in die Hocke und strich mir erneut übers Gesicht, doch diesmal schien mir die Kälte, die er ausströmte, nicht ganz so unnachgiebig.
    Später fragte ich mich, warum diese Eigenschaft mir nicht seltsam vorkam oder warum mir diese ganze Erscheinung keine Angst einjagte. Ich glaube, ich stand zu diesem Zeitpunkt unter Schock und war deshalb nicht in der Lage, irgendetwas an meiner Rettung anzuzweifeln. Wenn ich unter normalen geistigen Bedingungen auf ihn getroffen wäre, hätte ich mehr Fragen gestellt.
    So aber nahm ich es hin, dass er mich sanft hoch hob und mich auf seinen Armen gestützt fortbrachte. Er war stark. Erneut wollte ich seinen Namen wissen, schon alleine, um mich später bei ihm bedanken zu können.
    „Wer sind Sie?“, hakte ich nun weitaus erholter nach und er lachte. Ich mochte sein Lachen, es wirkte sympathisch auf mich und irgendwie frech, als sitze ihm der Schalk im Nacken.
    „Ich heiße Luigi Lucheni und wie du heißt, weiß ich. Clara, nicht wahr? Ein schöner Name.“
    Luigi Lucheni- der Name sagte mir entfernt etwas, aber immer noch war mein Denken eingeschränkt und so gab ich es auf, weiter darüber nachzuforschen.
    Luigi ging mit schnellen Schritten voran, wir überkehrten eine Hauptstraße und ich spürte die Blicke der Leute, die uns verwirrt nachschauten. Ich sah, wie Luigi schmunzelte und, als er meinen Blick bemerkte, mir zulächelte. Sein Lächeln war ein wenig schief, dass war mir schon aufgefallen und es blieb immer ein Abbild von Traurigkeit auf seinem Gesicht zurück, als habe es sich dort eingebrannt.
    Nach wenigen gefühlten Minuten(in Wirklichkeit war es eine halbe Stunde, fand ich später heraus) hielten wir vor einem schönen Einfamilienhaus mit Balkon und weißen Gartenzaun an und Luigi sah mich an.
    „Ist das das Haus deiner Freundin?“
    Ich konnte bloß nicken, denn die Schmerzen in meiner Schulter wurden nun wieder stärker und es fiel mir schwer, überhaupt noch bei Bewusstsein zu bleiben.
    Luigi trat zur Haustür und klingelte. Es dauerte einen Moment, dann wurde die Haustür aufgerissen und Isabelles besorgtes Gesicht verwandelte sich in Erleichterung, als sie mich entdeckte.


    Isabelle


    „Clara!“, rief ich aus und half dem Mann, meine verletzte Freundin ins Haus zu tragen. Dort legten wir sie auf das cremeweiße Sofa, was Clara zu erstaunten schien, da ich sonst peinlich genau darauf achtete, dass es nicht beschmutzt wurde. Es war ein Erbstück meiner verstorbenen Tante und mein Heiligtum.
    Ich lächelte. Zwar nur ein kleines Lächeln, aber es war immerhin schon ein Anfang.
    „Es ist egal, das Ding hätte eh bald einen neuen Bezug benötigt“, winkte ich ab und wandte mich dann zu Claras Begleiter, der schon wieder im Inbegriff wirkte, aufzubrechen. Doch ich hielt ihn zurück, denn ich wollte wissen, wer meiner Freundin da gerade das Leben gerettet hatte.
    „Warten Sie! Ich kenne noch nicht einmal ihren Namen, geschweige denn, wie Sie hierher gefunden haben. Wie kann ich mich bei Ihnen für Ihre Hilfe bedanken?“
    Der junge Mann lächelte, dann zog er etwas aus seiner Jacke und legte es auf den Wohnzimmertisch. Ich erkannte das blaue Notizbüchlein sofort.
    „Claras Adressbuch!“, rief ich verblüfft aus. Der Mann nickte, dann wandte er sich zur Haustür.
    „Ich benötige euren Dank nicht“, sagte er über die Schulter.
    „Aber ich habe es gerne getan und deine Freundin weiß, wer ich bin. Auf Wiedersehen, was ich für euch nicht hoffe.“
    Mit diesen seltsamen Worten fiel die Haustür ins Schloss und auch die Schritte auf dem Kies vorm Haus verklangen bald darauf.
    Ich wandte mich zu Clara, die verwirrt zur Haustür sah. Unsere Blicke begegneten sich und wir beide sprachen dieselben Worte zur selben Zeit.
    „Was war das denn?“


    Claras Verletzung war nicht ganz so schlimm, wie ich es befürchtet hatte; zwar war sie recht tief, blutete jedoch kaum noch. Außerdem fiel mir auf, dass man ihre Schulter notdürftig mit einem Stück schwarzen Stoff verbunden hatte. Das getrocknete Blut roch leicht metallisch und verursachte mir Übelkeit, sodass ich es schnell wegschaffte und zusammengeknüllt in den Müll warf.
    Ihr Retter schien sich Gedanken um meine Freundin gemacht zu haben- ich wusste nicht, ob es mich beruhigen sollte oder ob ich jetzt erst Recht Nachforschungen anstellen sollte. Sein Gesicht hatte etwas in mir ausgelöst, was ich nicht klar benennen konnte.
    Während ich Claras Wunde versorgte und völlig mechanisch vorging, hing ich meinen Gedanken nach. Eigentlich musste Clara ins Krankenhaus, doch sie sträubte sich dagegen. Sie hatte Angst, dass man Fragen stellen würde und sie womöglich noch länger dort bleiben müsste. Diese Argumente überzeugten mich schließlich.
    „Wer war dieser Mann?“, fragte ich nach, als ich mir meine Hände wusch. Das Blut lief in die Spüle und ich schauderte. Ich hatte Blut noch nie gut ertragen können, schon der Gedanke an diese Körperflüssigkeit verursachte mir Panik.
    Clara bewegte sich vorsichtig, verzog jedoch schnell das Gesicht vor Unmut.
    „Keine Ahnung“, meinte sie abwesend und strich mit einer Hand über die Wolldecke, die ich fürsorglich über ihr ausgebreitet hatte. Ihre Augen blitzen auf im Licht der Deckenlampe, deren Licht ich nun dämmte.
    „Aber er muss dir doch wenigstens seinen Namen verraten haben!“, hakte ich stirnrunzelnd nach, während Clara sich nun daran machte, einzelne Fäden aus der Decke zu zupfen.
    Einen Moment lang dachte sie nach, man sah es an ihren halb geschlossenen Augen, dann blickte sie mich an.
    „Sein Name lautete Luigi Lucheni. Der Name sagt mir etwas, aber…ich weiß nicht, woher.“
    Darauf konnte ich nichts erwidern- ich war zu verblüfft. Ich schluckte und versuchte, meine Stimme weitgehend unter Kontrolle zuhalten, dann erwiderte ich gespielt gelassen: „Ähm, Clara? Luigi Lucheni war der Mörder von Elisabeth und ist seit 1910 tot!“
    „Aber- diesen Namen hat er gesagt!“, beharrte Clara, aber ich schüttelte den Kopf und trat zu ihr. Besorgt fühlte ich ihre Stirn.
    „Du musst Fieber haben und unter Wahnvorstellungen leiden“, murmelte ich, doch Clara schlug genervt meine Hand von sich weg. Sie wirkte wütend. Ich jedoch sah ihr fest in die Augen.
    „Du solltest dich wirklich einmal von einem Arzt untersuchen lassen, Sweetheart. Ich befürchte, dass du dir den Kopf angeschlagen und eine Gehirnerschütterung erlitten hast…“, fing ich an, doch Clara schnaubte.
    „Mir geht es gut- und unterlasse dieses „Sweetheart“; es klingt nur schwul! Und soweit ich weiß, sind die Symptome einer Gehirnerschütterung keine Halluzinationen.“
    „Aber- du behauptest allen Ernstes, der Mann nennt sich Luigi Lucheni?“
    „Vielleicht ist er ein Fanatiker oder so was?“, überlegte Clara laut, ich jedoch schüttelte immer wieder geschockt den Kopf. Ich konnte es einfach nicht fassen. Warum hätte nicht einfach irgendein normaler Mensch auftauchen und Clara helfen können? Warum musste es so ein Typ sein?
    „Ich fasse es nicht…“, murmelte ich und musste mich nun setzen. Clara griff nach meiner Hand, ich drückte sie sanft und schaute ihr in die Augen.
    „Bist du dir wirklich sicher, Clara?“
    Sie nickte entschlossen.
    Ich begann, langsam ein- und auszuatmen, um mich zu beruhigen. Dann straffte ich meine Haltung.
    „Nun gut!“, meinte ich entschlossen.
    „Gehen wir einmal davon aus, dass es sich um einen Irren handelt, der sich wichtig machen will; jemand, der ein Fan der Anarchisten ist und deren Sichtweise noch heute vergöttert. Oder jemand, der alle, die den damaligen Mord nicht gutheißten, eines Besseren belehren will. Aber was bezweckt er mit deiner Rettung?“
    Clara zuckte mit den Schultern, fuhr zeitgleich zusammen und fluchte leise, während sie sich schmerzverzerrt die Schulter massierte.
    „Was weiß ich- schließlich bist du die Expertin!“
    Ich sprang auf und tappte unruhig im Raum auf und ab, ich fühlte mich ruhelos. Dann schaute ich auf, mit einem Mal zuckte eine bescheuerte Idee durch meinen Kopf.
    „Hat er irgendetwas bei sich getragen, etwas, was auf den ersten Blick seltsam schien?“
    „Nein, aber selbst wenn- mir ist nichts aufgefallen, ich stand unter Schock, Isabelle.“
    „Dann werde ich mich jetzt am Tatort umsehen, während du hier Wache hältst.“
    Clara stöhnte.
    „Oh, Isabelle! Hör bitte damit auf, wie in einem dieser schlechten Krimis zu reden! Und warum soll ich Wache halten? Glaubst du allen Ernstes, der Kerl würde noch einmal zurückkommen?“
    „Es ist alles möglich!“, entgegnete ich jediglich und schnappte mir meine Jacke, während Clara mich mit besorgtem Gesichtsausdruck musterte. Ich kannte diesen Blick. Er bedeutete meist, dass nicht viel fehlte, dass sie mich auf meinem Vorhaben begleiten würde.
    Deshalb schlüpfte ich schnell zur Haustür hinaus, ohne auf ihren Protest zu achten.
    „Ich bin bald wieder da!“, rief ich noch, dann zog ich die Tür hinter mir ins Schloss und schlug den Weg zur Schule ein.


    Der Weg, den Luigi mit Clara zurückgelegt haben musste, war nicht schwer zu erraten. Vermutlich waren sie an der stark belebten Hauptstraße entlang gegangen, wo ich mit aufmerksamen Blicken und ganz gemächlich den Asphalt unter meinen Füßen musterte. Eine alte Dame hielt mich schon auf und fragte höflich, ob sie mir bei der Suche nach meinem Ring behilflich sein könne. Ich lehnte dankend ab und beschleunigte meinen Schritt. Auf was für verrückte Ideen alte Leute doch kommen konnten!
    Doch auf dem gesamten Weg fand ich nichts Bedeutendes, bis auf eine verrostete Hundemarke, die ich in den nächsten Abfalleimer warf. Als ich schließlich das Schulgebäude vor mir aufragen sah, ging ich eilig darauf zu und steuerte genau die Stelle an, wo Clara angegriffen worden war.
    Ich blieb stehen. Ein kühler Wind war aufgekommen und ich fröstelte in meiner viel zu dünnen Jacke. Etwas ratlos blickte ich mich um. Alles war wie ausgestorben, nur ein paar schwarze Krähen hüpften in den angelegten Blumenbeeten herum und krächzten heiser, als ich mich auf sie zu bewegte. Doch abhauen taten sie nicht.
    Mir fiel nichts ins Auge, sosehr ich mich auch bemühte, etwas Interessantes zu entdecken. Eine ganze Weile ging ich von einem Ende des Schulhofes zum anderen, untersuchte jeden Winkel, kroch sogar unter einen blühenden Rosenbusch und zog mir ein paar üble Kratzer zu, doch ich fand nichts außer einigen Centstücken und einer verschimmelten Brotdose, die ich angewidert zurück in die Dornen warf.
    Nun stand ich also da, in meinen Haaren hingen Blätter und meine Hose war verdreckt- wenn jemand vorbeigekommen wäre, man hätte mich vermutlich sofort davongejagt. Aber ich hatte nichts gefunden.
    Nachdenklich setzte ich mich auf eine Bank, in die jemand seine Anfangsbuchstaben geritzt hatte.
    Es konnte doch nicht wahr sein, dass dieser Anarchist oder wer auch immer er war, keinerlei Spuren hinterlassen hatte. Noch nicht einmal Fußspuren! Obwohl dies auf Steinboden mitten im Sommer auch sehr logisch war, musste ich mir eingestehen.
    Seufzend stand ich auf und klopfte mir den gröbsten Dreck von meinen Klamotten, während der Wind unaufhaltsam unter meine Haut fuhr und meine Körpertemperatur sinken ließ. Clara würde nicht gerade begeistert sein, dass ahnte ich bereits. Aber was sollte ich tun? Ich hatte mein Bestes gegeben und mehr lag auch nicht in meiner Macht.
    Während ich so dastand, fiel mir plötzlich ein Stück Papier ins Auge, das gerade von einer Krähe neugierig beäugt wurde. Doch scheinbar galt es nicht als Futter, und der Vogel hüpfte davon. Mir jedoch fiel noch etwas auf- ein schnörkeliger Schriftzug auf dem Papier, in schwarzen Buchstaben.
    Mit einem Satz war ich bei dem Papier, hob es auf und schaute es mir genauer an, wurde jedoch enttäuscht. Es handelte sich bloß um eine Servierte, wie man sie an jeder Imbissbude mitbekam und ich wollte sie schon abfällig fortwerfen, da las ich die Jahreszahl 1898.
    1898?
    Wieso stand auf einer Servierte, welche mitten auf einem Schulhof lag, das Jahr 1898, das schon seit langem vorbei war und nichts Bedeutungsvolles ausstrahlte?
    Die wichtigste Frage jedoch: Von wem stammte sie? Womöglich etwa von dem seltsamen Retter?
    Ich steckte das „Beweismaterial“ kurzerhand in meine Innentasche der Jacke, schaute mich noch einmal kurz um und steuerte dann auf den Ausgang zu.
    Die Krähen folgen mit einem Mal aufgeschreckt davon, krächzten heiser und verschwanden bald darauf am wolkenlosen Himmel. Unruhig zog ich die Schultern hoch, blickte mich um und lief dann- rannte regelrecht- zurück zur Hauptstraße. Als ich in der Menschenmenge untertauchen konnte, ging es mir weitaus besser.
    Irgendjemand hatte mich beobachtet. Ich hatte die Blicke in meinem Rücken gespürt wie Nadelstiche, doch jetzt, wo mein Atem wieder ruhiger wurde, schaltete ich mich selbst. Wer sollte mich schon beobachten oder was versprach man sich davon?
    Ich litt unter Verfolgungswahn, zu diesem Schluss kam ich, als ich den Weg nach Hause einschlug. Es war ja auch kein Wunder, bei dieser verrückten Geschichte von wiederauferstehenden Toten und Servierten mit vergangenen Jahreszahlen.
    Vielleicht sollte ich mich selbst in die Klinik einweisen.


    Clara


    Ich musste noch zwei Tage lang das Bett hüten, obwohl ich eigentlich direkt wieder hatte aufstehen wollen. Doch meine Eltern, fürsorglich und panisch beim Anblick meiner Verletzung, schleiften mich in die Notaufnahme- um halb elf Uhr abends!
    Ich hatte ihnen eine erfundene Geschichte auftischen müssen, hatte etwas von „Fall in eine zerbrochene Glasflasche“ gemurmelte und inständig darum gebetet, dass der Arzt ein Stümper war.
    Was dann auch eintraf; der diensthabende Arzt war übermüdet und schlecht gelaunt gewesen, sodass er meine verlegenen Stottereien mit einem grimmigen „In Ordnung!“ abgetan und meine Wunde nur in aller Eile genäht hatte.
    Zuhause hatte ich mich gehorsam ins Bett gelegt und geschlafen, doch sobald meine Eltern außer Haus gegangen waren, hatte ich mich ans Telefon gehängt.
    Isabelle war direkt nach dem dritten Klingeln ran gegangen.
    „Ich habe herausgefunden, um was für ein Hotel es sich handelt!“, berichtete sie aufgeregt. Auf der gefundenen Servierte hatten wir neben der Jahreszahl auch den Namen eines Hotels gefunden, das „Hotel Beau Rivage“. Ein sehr vornehm klingender Name. Meiner Meinung nach klang er nach Frankreich, doch Isabelle hatte nachdenklich den Kopf geschüttelt, als ich ihr meine Vermutung mitgeteilt hatte.
    „Es liegt in Genf, in der Nähe des Flusses Rhône, der zwischen Frankreich und der Schweiz liegt. Genf liegt in der Schweiz und existiert noch heute. Es ist ein Fünf-Sterne Hotel, wo eigentlich jeder, der berühmt oder reich oder sogar beides ist, sich mindestens einmal blicken lässt.“
    Sie verstummte, während ich begann, nervös mit der freien Hand Strichmännchen auf ein leeres Blatt Papier zu kritzeln. Es wurmte mich, ihr jedes Wort beinah aus der Nase ziehen zu müssen.
    „Und?“, hakte ich ungeduldig nach.
    „Im Jahre 1898 passierte dort etwas recht Ungewöhnliches…ein…Versagen der Hotelleitung.“
    „Bitte?“
    Isabelle holte tief Luft.
    „In diesem Jahr, genauer gesagt am 9. September 1898, stiegen dort die Kaiserin Elisabeth und eine ihrer Hofdamen ab, um die Baronin Julie Rothschild zu besuchen. Als sie sich am Tag darauf zum nahe gelegenen Bootssteg aufmachten, wurde die Kaiserin attackiert und starb bald darauf.“
    „Luigi Lucheni“, flüsterte ich.
    „Genau!“, bestätigte Isabelle.
    „Das Hotel trug keinen geringen Schaden daran, denn sie hatten der Zeitung verraten, dass sich die österreichische Kaiserin an diesem Tag im Hotel absteigen würde. Zwar hatten sie um strengste Diskretion gebeten, doch daran hielten sich die Journalisten nicht.
    Das Hotel bekam einigen Ärger, doch geschlossen wurde es dennoch nicht.“
    „Einer Frage müssen wir aber dennoch nachgehen: Steht auf den heute angefertigten Servierten immer noch das Jahr 1898? Oder das aktuelle?“
    „Ich könnte eine Servierte anfordern, per Internet“, meinte Isabelle; im Hintergrund hörte ich undeutlich, dass sie auf ihre Tastatur einhämmerte. Das machte sie immer, wenn sie aufgeregt war.
    „Aber es würde natürlich eine Weile dauern…“
    Ich stöhnte. Zeit war nicht gerade das, was wir in Massen besaßen. Außerdem sagte man zwar, Geduld sei eine Tugend, aber auf mich traf dieser Satz nicht zu- für mich war Geduld jediglich eine Eigenschaft, über die ich niemals verfügen würde.
    „Kannst du nicht einfach anrufen und nachfragen? Die Jahreszahl können sie dir auch am Telefon mitteilen.“, schlug ich kurzerhand vor.
    „Ja, aber das wäre nun doch etwas merkwürdig, oder? „Entschuldigen Sie, könnten Sie mir bitte Auskunft über das Design Ihrer Servierten geben? Am besten über die abgedruckte Jahreszahl.““, äffte Isabelle einen überhöflichen Menschen nach, worüber ich in diesem Moment aber nicht lachen konnte.
    „Wenn du sie anschreibst, klingt es nicht weniger bescheuert!“, wies ich sie darauf hin, aber sie schnaubte. Bevor sie jedoch noch weiter diskutieren konnte, sprach ich weiter.
    „Komm doch einfach jetzt zu mir und wir rufen dort zusammen an. Dann musst du dich nicht ganz so seltsam fühlen.“, witzelte ich und Isabelle konterte mit einem knappen „OK, aber dann musst du versprechen, nicht wieder so blöde zu lachen“ und legte auf.

    Ab heut
    nur noch die wichtigen Dinge
    Ab heut
    nur noch die wichtigen Dinge
    Ab heut
    nur noch die wichtigen Dinge
    Ab heut
    nur noch leichtes Gepäck

  • Zuerst widme ich mich dieser Geschichte, weil du endlich nach vier Monaten ein nues Kapi rausgebracht hast. Aber wie kann man es dir übel nehmen? Du hast schreibst schießlich drei FF's und das ist alles andere als leicht. Aber viel dazu...


    Lifesaver
    Wie habe ich mich gefreut endlich hier lesen zu dürfen! Ich liebe diese zwei Mädchen! Sie haben so eine tolle Freundschaft! Die Beschreibung von Claras Gefühlen sind sehr tiefgründig und wieder einmal perfekt. Man kann sich wie immer in ihre Lage versetzen. Doch was mir aufgefallen ist das davon völlig vergessen hast, den Ort zu beschreiben wo sie sich befand. Im letzten Kapitel war Clara plötzlich verschwunden, daran kann ich mich noch errinern und Isabelle war ganz schockiert deswegen. Wo kam plötzlich dieses Licht her, als Clara die Augen öffnete? Der Mann, der genauer gesagt Luigi war, was machte er? Wieso hat sie sie gerettet? Diese Fragen waren die ersten die mir in den Sinn kamen. Außerdem fand ich es etwas komisch das er seinen wahren Namen genannt hat. Ich meine könnte sich Clara errinern wo sie diesen Namen schon einmal gehört hat, dann würde sie doch fragen was er in dieser Zeit macht, oder? Mir kam es so vor als würde er viel zu früh erscheinen, und das du dich um seinen Auftritt sehr bemüht hast, damit er nicht zu kurz kommt, schließlich handelt die Geschichte um seine "Tat", die er eigentlich nicht bagengen hat. Wie hat eigentlich Isbaelle Clara gefunden? Hat sie den Mann und ihre Freundin etwa auf der Straße getroffen? Ich finde du überspringst viel zu viele Dinge, die wichtig sind. Klar- du musst nicht alles detailiert schreiben sonst würde es schnell langweilig werden, aber verglichen mit deinem Kapitel Dublin(gone of allt ime..), wo du überspringen hast wo Kitty ins Flugzeug einsteigt. Da haben deine Leser ja nichst verpasst, aber hier finde ich schon hättest du es vielleicht als Gedanke erwähnen können.... Der letztere Teil hätte ich in diesem Kapitel ausgelassen, weil es iwie nicht dazupasst. Es wirkt viel zu voll und der ltzte Part von Clara in diesem Kapi war zu Anfangs überflüssig. Das Gespräch war aber ganz okay. Die Nachforschungen die Isabelle gemacht hat hättest du im nächsten Kapi erwähnt sollen, wie schon gesagt... Im Großen und Ganzen ist das Kapitel ganz gut. Der Auftritt des Mannes ist sehr mysteriös und macht Lust auf dein Nächstes Kapitel.


    Kurzes Kommi- i know. Naja
    Lg und so<3

  • Versunkene Welt


    Hey Cassia.


    Damit wären wir jetzt bei der dritten deiner Geschichten angelangt, die ich kommentiere! Wenn du noch ein paar mehr schreibst, bekomme ich echte Probleme.
    Der Titel klingt schön, aber stark nach Atlantis und nicht unbedingt nach der heutigen, wirren Zeit. Das macht aber nichts, vielleicht passt er ja trotzdem. Das Frontbild gefällt mir gar nicht, weil ich so Friedhöfe etc nicht ausstehen kann *brr*, aber dafür kannst du ja nichts. Weiß noch nicht, ob es zum Titel passt, bin da etwas unentschlossen. Wenn es dir so gefällt, dann lass es auf jeden Fall drin, aber mich persönlich hätte es jetzt abgeschreckt, wenn ich nicht sowieso vor gehabt hätte, zu kommentieren.
    Dein Klappentext klang interessant und ungewöhnlich, was ich bei deinen FS bereits gewohnt bin. Das Vorwort spricht mich allerdings nicht so ganz an, einfach weil mich die Thematik nicht interessiert. Habe ein bisschen (wirklich nur ein bisschen) was über die Geschichte an sich gehört, aber mich nie eingehend damit beschäftigt und das Musical kenne ich auch nicht, jedenfalls noch nicht. Weiß nicht, ob ich das noch ändern werde - im Moment sieht es nicht so aus, aber deine Geschichte könnte mich dazu bewegen. Schließlich hast du es irgendwie drauf, mich neugierig zu machen...
    Statt "Gerne" bitte "Genre", sonst ist es etwas anderes, als das was du meinst. Die Genres klingen aber gut und ansprechend, ist wirklich für so ziemlich jeden Geschmack etwas dabei... Finde den Startpost okay so, mir fällt nicht viel ein, was man ändern könnte - höchstens das schaurige Frontbild und den kleinen Rechtschreibpatzer. Muss aber sagen, deine anderen Startposts gefallen mir mehr.
    Kommen wir zum Prolog, Deadline. Passender Titel, fast ein wenig gemein. Auch wenn damit doch auch der Abgabetermin von Künstlern und so weiter gemeint ist, aber er ist bestimmt variabel. Die Länge sieht gut aus so, nicht zu lang. Wien liebe ich, möchte unbedingt wieder dort hin! Auch deine Beschreibungen waren gut, ob sie realistisch sind, weiß ich nicht. Dazu hätte ich dabei sein müssen und ehrlich, ich kenne die Geschichte wirklich nur minimal und weiß nicht, was du dir ausdenkst und was nicht. Aber trotzdem, Kompliment.
    Kommen wir zu Chapter One, hast du aus einem bestimmten Grund die englische Version gewählt? "Live before the overthrow" finde ich ziemlich kritisch, weil es irgendwie falsch klingt. Ist mit "live" gemeint, dass man live dabei ist? Leben wird "life" geschrieben... Aber diese live/life, safe/save Sache ist eins von den wenigen Dingen, die bei Englisch richtig gemein sind. Overthrow klingt auch so deutsch irgendwie, aber wird schon so stimmen. Trotzdem wäre eine Übersetzung ganz gut, und wie gesagt überlege ich wegen dem "live". Die Länge ist auch hier wieder gut. Dass du über das Kapitel "Clara" usw. schreibst, ist eher unnötig... Sag doch, aus wessen Perspektive es ist, oder lass es in den Text mit einfließen, ansonsten erfährt das der Leser ja nach und nach. So ist bisschen die Spannung weg. Ich Perspektive ist aber immer gut <3 Nochmal zur Geschichte von Eliza und Luigi zurück, ist die wahr? Kenne mich da null aus, ich sehs schon. An einer Schulterverletzung verblutet man eher weniger, oder? Weil das etwas so klingt. Naja, ich versteh ihre Sorge um die Freundin und die Mädchen sind ja echt toll. Bin froh, dass an meiner Schule alle nett sind.
    Kapitel zwei, Lifesaver, diesmal müsste es mit dem Titel stimmen, aber sicher bin ich mir da echt nicht. xD Die Länge ist wieder gut geworden, Rechtschreibung & Grammatik sind für dich sowieso kein Problem. Das ganze Kapitel kam mir etwas Slice-of-Life lastig vor. Das ist nicht schlimm, sowas gehört zu jeder Geschichte. Hatte aber noch so meine Probleme, mich zu begeistern, wie bei deinen anderen beiden Werken. Wie gesagt, die Thematik... Was sind "Servierte"? Ansonsten muss ich sagen, setzt du wie immer deine Idee gut um. Ich werd auch wieder vorbeischauen und hab etwas Gefallen an der Story gefunden, aber das Thema ist (noch) nicht so meins. Nicht böse sein!
    Trotzdem hoffe ich, der Kommentar bringt dir etwas - auch wenn er recht kurz ist.

  • Oha, was ist denn das? Eine Lucheni-Geschichte? Und dann noch eine so gute? Scheint so. Schon allein der Prolog war unbeschreiblich. Und dann das „Ähm, Clara? Luigi Lucheni war der Mörder von Elisabeth und ist seit 1910 tot!“ Das war so gut! Aber dass seine Hand kalt ist, könnte doch darauf hindeuten, dass er wirklich aus dem Totenreich stammt. Oh mann, das wäre so cool! So aufregend! Es tut mir leid, dass ich dir nicht viel mir schreiben kann als "Echt gut", aber mehr fällt mir gerade nicht ein und es soll ja auch nicht zu kitschig sein, oder? Trotzdem: Schreib mal schnell weiter! ;-)

  • Oh, selbst hier drei neue Kommis? Ich bin erstaunt! Dann widme ich mich denen mal, nee?


    Arisa
    Ja, es ist nicht einfach, aber es macht soviel Spaß! Vicky und ich werden jetzt an dem Geburtstagfeier meiner Eltern ein Kapitel aus Versunkene WElt und eines aus Vampirkrieg vorlesen. Wir sind so aufgeregt!
    Clara stand in dem Moment unter Schock, da erinnert man sich nicht, ob man den Namen Luigi Lucheni schonmal gehört hat^^ Äh... Luigi hat Clara zu Isabelle gebracht! Das hatte ich auch geschrieben... *verwirrt*
    Kurzes Gegenkommi - I know<3


    Kitty
    Na, treue Leserin^^ Schön, dass du mal vorbeigeschaut hast. Die Fehler werde ich bald mal korrigieren, wenn ich die Zeit dazu hab. *gestresst sei* Die Geschichte von der Kaiserin Elisabeth ist historisch komplett richtig wiedergegeben, da ich da Expertin bin. Ich habe ihre Biografie nochmal durchgeforscht und der Mord ist richtig. Ein paar Sachen, z.B. dass Luigi nicht der Mörder ist, ist ausgedacht. In Wahrheit hat er sie tatsächlich ermordet. Ein paar Dinge, die noch kommen werden, sind ebenfalls ausgedacht.
    Verstehe ich, ich hatte dich ja schon gewarnt, dass diese Story etwas eigen ist. Trotzdem freue ich mich, dass du dranbleibst.


    Sternträumerchen
    Könntest du beim nächsten Mal vielleicht etwas genauer auf die Story eingehen? Ich freue mich über jedes Kommi, aber trotzdem möchte ich natürlich wissen, wie ich mich verbessern kann. Trotzdem danke!


    Im nächsten Post folgt das vierte Kapitel.

    Ab heut
    nur noch die wichtigen Dinge
    Ab heut
    nur noch die wichtigen Dinge
    Ab heut
    nur noch die wichtigen Dinge
    Ab heut
    nur noch leichtes Gepäck

  • Chapter Three


    Irritated


    Hamburg im Jahre 2010, August
    Isabelle

    Wir saßen auf Claras dunkelblauen Flauschteppich in ihrem Zimmer, indem ich mich schon wie zu Hause fühlte. Jedes einzelne Möbelstück war mir vertraut, als hätte ich dieses Haus selbst eingerichtet. Das einzig Neue, was sich seit meinem letzten Besuch verändert hatte, war ein Bild von einem mir unbekannten Künstler. Es war schwarz, mit vielen leuchtenden Sternen in allen möglichen Farben und mir war schleierhaft, dass jemand so etwas mit Leidenschaft malen konnte.
    In meiner Hand hielt ich das kleine Telefon von Clara und vor mir, hastig hingekitzelt, lag ein Blatt Papier mit der Nummer des Hotels „Beau Rivage“. Ich sah zu Clara, die neben mir hockte und mein Zögern bemerkte. Sie stieß mir aufmunternd in die Seite.
    „Komm, wähl einfach die Nummer und bring es hinter dich.“
    Ich nickte, holte noch einmal tief Luft und drückte dann die entsprechenden Tasten. Eine Weile kam nur das Freizeichen, doch dann ertönte eine junge, höfliche Frauenstimme.
    „Hotel Beau Rivage, Rezeption, guten Tag. Sie sprechen mit Frau Heine. Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“
    „Guten Tag, mein Name ist Lara Zimmermann.“, meldete ich mich mit leicht nervösem Unterton. Clara und ich waren zu dem Schluss gekommen, dass es am besten wäre, nicht meinen eigentlichen Namen anzugeben - wer konnte schon sagen, ob uns dieser Luigi vielleicht nachspionieren würde?
    „Ich rufe an wegen…ähm…weil ich gerne - eine Auskunft erbitten möchte. Von Ihrem Hotel, versteht sich!“, fügte ich eilig hinzu und Clara verzog das Gesicht. Ich konnte nichts dagegen tun, dass ich mich so ungeschickt anstellte; ich war unsicher und dass ich mich verstellen musste, machte die ganze Angelegenheit nicht einfacher.
    „Gerne. Um was geht es denn? Um die Preise für unsere einzelnen Zimmer? Diese kann ich Ihnen gerne schicken - per Brief, E-Mail oder Fax ist Ihnen überlassen“, meinte die junge Frau freundlich.
    „Nun ja, darum geht es nicht. Ich wollte mich nach Ihren Servierten erkundigen, genauer gesagt um deren Design.“
    Eine ganze Weile war es still in der Leitung. Ich fühlte, wie ich errötete und Clara musste ein Kichern unterdrücken; ich jedoch fühlte mich nicht erheitert. Mir war das Ganze nur peinlich. So gesehen war es gut, dass ich nicht meinen richtigen Namen erwähnt hatte.
    Schließlich jedoch hörte ich wieder Frau Heine in der Leitung, sie klang nur ein wenig erstaunt.
    „Natürlich. Möchten Sie, dass wir Ihnen ein Exemplar zukommen lassen?“
    „Nein, vielen Dank, aber mir würde das zu lange dauern. Ich wollte nur wissen, welche Jahreszahl Sie auf Ihren Servierten abgedruckt haben.“
    „Das Jahr 2010. Bei einem neuen Jahresbeginn drucken wir unsere Servierten stets neu, damit sie auch auf dem neusten Stand sind.“
    „Aha…“, sagte ich gedehnt und überlegte.
    „Dann steht also auf keiner Ihrer Servierten das Jahr 1898?“
    „Nein, natürlich nicht!“, entrüstete sich Frau Heine. Ich sah direkt ihr empörtes Gesicht vor mir, gepaart mit Verwunderung über eine solche Frage. Am liebsten wäre ich im Boden versunken vor lauter Scham.
    „Gut, dass war schon alles. Einen schönen Tag wünsche ich Ihnen noch!“, wiegelte ich sie schnell ab und beendete das Gespräch, bevor ihr noch einfallen könnte, mich nach den Gründen meiner seltsamen Nachfrage zu erkundigen.
    Clara starrte mich an. In ihrem Kopf rotierte es, ich sah es ihr regelrecht an.
    Eine Weile blieben wir stumm, bis Clara das Wort ergriff.
    „Er hat die Servierte verloren, als er mich gerettet hat.“
    „Und von wo hatte er sie?“, meinte ich genervt.
    „Vielleicht damals, von dem Mord?“
    „Das glaube ich, Isabelle…“, entgegnete Clara vorsichtig und es machte mich seltsamerweise wütend, dass sie diesen Unsinn glaubte.
    „Das ist nicht dein Ernst!“, fuhr ich sie an und Clara starrte auf den Teppich, um mir nicht in die Augen blicken zu müssen. Das machte mich jedoch nur noch zorniger.
    „Er ist niemals Luigi Lucheni, nicht der Mörder Elisabeths! Dieser beging im Jahre 1910 Selbstmord, was bewiesen ist, sogar mehrfach! Wie, glaubst du, soll er also noch in der modern Zeit putzfiedel herumlaufen?“
    „Was weiß ich? Aber auf jeden Fall lebt er noch!“ Jetzt wurde auch meine Freundin wütend, ich nahm es mit Genugtuung zur Kenntnis. Endlich setzte sie mir etwas entgegen. Eigentlich war ich nie jemand gewesen, der es auf Streit anlegte, aber in diesem Moment brauchte ich etwas, womit ich meiner Angst Luft machen konnte.
    Denn ich verspürte Angst vor dem, was wir herausgefunden hatten. Wir hatten uns da in etwas hineinbegeben, dass unsere Vorstellungskraft bei weitem überstieg. Und ich sah keinen anderen Ausweg, als einfach zu bestreiten, dass es existierte.
    Clara jedoch tat dies nicht. Sie stand auf, stemmte die Arme in die Hüften und blickte mich blitzend an. Sie wollte daran glauben, begriff ich und konnte nur mit dem Kopf schütteln. Meine Wut verpuffte.
    „Clara…“, begann ich vorsichtig, doch sie ließ mich nicht zu Wort kommen.
    „Wenn es stimmt, Isabelle, dann ist nicht alles so, wie man es bisher vorgaukelte! Wenn dies wirklich Luigi Lucheni war, dann ist damals etwas anders geschehen.“
    „Aber ich will mich nicht länger einmischen, Clara.“
    Ich ging zu ihr und umarmte sie fest; sie erwiderte diese vertrauensvolle Geste.
    „Lass uns einfach nur so weitermachen wie bisher, ich bitte dich. Lass uns das Geschehene vergessen und einfach nur wir selbst sein.“
    Clara zögerte einen Moment, dann murmelte sie ein leises „Ja“. Ich war erleichtert.
    Ich glaubte, dass es nun damit belassen war. Wir würden keine weiteren Nachforschungen anstellen, uns aus dieser Sache heraushalten und einfach da weitermachen, wo wir unterbrochen worden waren.
    Dass uns aber nachspioniert werden würde, davon ahnten wir in diesem Augenblick noch nichts.


    Clara, September
    Es war merklich kühler geworden in den letzten Tagen; man merkte deutlich, dass der Sommer nun ein Ende haben würde. Die Tage wurden schon kürzer, die Sonne verlor an Kraft und die Sommerferien waren schnell vorbeigegangen, wie so jedes Jahr. Mir war es bisher immer lieber gewesen, wenn sie länger angedauert hätten, doch dieses Jahr atmete ich tief durch, als ich endlich wieder zur Schule gehen konnte. Die letzten sechs Wochen waren für mich einem Spießrutenlauf gleichgekommen.
    Isabelle war mit ihren Eltern, wie jede Ferien, nach Wien gefahren und ich war alleine zurückgeblieben, da meine Eltern für sechs Wochen an das spanische Meer geflogen waren. So hatte ich mir mit Musik hören, im Internet surfen und durch andere langweilige Dinge die Zeit vertrieben und war richtig erleichtert, nun endlich wieder etwas Sinnvolles zutun zu haben.
    Ihr haltet mich jetzt wahrscheinlich für bescheuert. Welches Kind bedauert es schon, sechs Wochen freie Zeit für sich zu haben? Ich bin vermutlich die Ausnahme von der Regel.
    In Wirklichkeit beschlich mich ein ungutes Gefühl, beinah so, als würde ich beobachtet werden. Die Angst nahm zu, dass jemand hinter mir her war und die Begegnung mit dem merkwürdigen Mann schürte dieses Gefühl noch deutlich. Es hätte mir gut getan, wenn ich mit Isabelle darüber hätte reden können.
    In den Ferien hatte ich jede Minute, in denen ich die Angst hatte niederkämpfen können, für meine Recherche nach Luigi Lucheni genutzt, die ich nun noch fanatischer betrieb. Jede kleinste Quelle speicherte ich in einem eigens dafür angeschafften Ordner ab. Die gefundenen Bilder wurden ausgedruckt und ebenfalls dort abgeheftet und wenn ich abends, im Schein meiner Nachtischlampe, das kürzlich Gefundene noch einmal aufmerksam studierte, spürte ich, dass wir einem Geheimnis auf der Spur waren.
    Nun stand ich auf dem Schulhof, mein Magen schlug Purzelbäume und ich starrte auf die Stelle, wo ich vor weniger als zwei Monaten blutend gelegen hatte.
    Jette kam mir entgegen, doch als sie mich erblickte, wechselte sie eilig die Seite und ging im großen Bogen an mir vorbei. Das einzig Positive an der ganzen Geschichte: Jette ließ mich nun endlich in Ruhe.
    Endlich, zehn Minuten vor dem Klingeln der Schulglocke, hastete Isabelle auf das Klassenzimmer zu, vor welchem ich nun schon seit geraumer Zeit Posten bezogen hatte. Sie war ganz außer Atem und lächelte, als sie mich sah. Doch ich ließ sie nicht zu Wort kommen.
    „Gott, endlich bist du da! Ich dachte schon, du bist womöglich krank!“
    „Wie kommst du denn darauf, Clara?“, meinte sie stirnrunzelnd und musterte mich gründlich. Was sie sah, gefiel ihr nicht. Ich war blass, unter meinen Augen lagen dicke Augenringe, die sich kaum überdecken ließen und meine Hände zitterten leicht. Mein Anblick musste ihr Angst einjagen, denn sie ergriff besorgt meine Hände.
    „Gott, Clara!“, besorgt sah sie mir in die Augen. „was ist los mit dir? Bist du krank?“
    „Nein, es ist nicht so schlimm, wie es den Anschein hat“, beruhigte ich sie und brachte sogar ein kleines Lächeln zustande.
    „Ich bin jediglich erschöpft, dass ist alles.“
    Isabelle glaubte mir nicht, ich sah es an ihren gerunzelten Augenbrauen, doch sie kam nicht dazu, mich weiter auszufragen. Unser Englischlehrer strebte voller Elan den Klassenraum an, und wir schlüpften schnell auf unsere Plätze.
    Während des gesamten Unterrichts schwiegen wir, nur ab und an spürte ich, dass Isabelle mich aufmerksam beobachtete; ich tat so, als merkte ich nichts davon.
    Als endlich, nach fünf Stunden bewegungslosen Verharrens, das Signal zur Mittagspause ertönte, war ich erlöst. Ich sprang auf und steuerte die Kantine an, Isabelle im Schlepptau. Wir besorgten uns etwas Warmes zu essen, bezogen unseren Stammtisch in der hintersten Ecke des Raumes und Isabelle beugte sich vor.
    „Gibt’s zu, du hängst immer noch diesem Typen hinterher!“, zischte sie und ich zuckte unwillkürlich zusammen. War ich wirklich so durchschaubar?
    „Quatsch!“, stritt ich schnell ab, vielleicht etwas zu schnell. Denn Isabelle verzog spöttisch das Gesicht.
    „Warum sollte ich Gedanken an jemanden verlieren, dessen wahre Erscheinung ich doch nicht kenne?“
    „Weil er dich beschäftigt, deswegen. Und es hat auch nichts genützt, dass ich dich gebeten habe, ihn dir aus dem Kopf zu schlagen…“
    Ich stocherte mit der Gabel in den Nudeln herum, eine dunkelrote Tomatensoße durchzog sie.
    Wie Blut, schoss es mir blitzartig durch den Kopf. Angewidert mit einem Male schob ich den Teller von mir. Isabelle beobachtete mich mit einem seltsamen Ausdruck in den Augen, dann legte sie sanft ihre schmale Hand auf die meine. Ich blickte auf.
    „Du hattest mir versprochen, dass du es darauf beruhen lässt, Clara“, begann sie leise und senkte die Stimme, obwohl doch niemand unser Gespräch zu verfolgen schien. Alle Anwesenden waren mit ihren eigenen Dingen beschäftigt.
    „Er war nicht der, für den er sich ausgab. Begreife doch: Es handelte sich jediglich um einen Fanatiker! Nichts, worüber man sich noch Gedanken machen muss.“
    „Ich habe in den Ferien weiterhin nach Fakten über Lucheni gesucht“, wechselte ich schnell das Thema und nun war sie es, die zusammenzuckte. Unbeirrt sprach ich weiter.
    „Doch mir scheint es so, als sei nichts über ihn bekannt. Aber er muss doch Spuren hinterlassen haben, wie jeder Mensch, der eine solche Tat begangen hat. Aber nur über den Mord ist etwas bekannt.“
    „Verwundert dich das?“, entgegnete Isabelle nur und begann dann zu essen. Ich schaute ihr zu. Wir sprachen kein Wort mehr, etwa eine Viertelstunde lang, dann war ich dem beklemmenden Schweigen überdrüssig. Ich zog die Servierte aus meiner Schultasche und legte sie, direkt vor Isabelles Teller, auf das schmierige Holz des Tisches. Sie starrte es an.
    „Glaubst du wirklich, dies haben wir uns nur eingebildet?“, zischte ich leicht ungeduldig und tippte mit dem Zeigefinger auf die schnörklige Jahreszahl.
    „Glaubst du wirklich, dass dieser Mann pure Einbildung war?“
    „Er war nicht Luigi Lucheni!“
    „Woher bist du dir deiner Sache so sicher? Wer sagt denn, dass er es nicht war?“
    „Mein Verstand und die Logik, dass man nicht vom Tod wiederauferstehen kann!“
    „Du lässt dich von deinem Verstand leiten und weißt doch im Grunde, dass es keine andere Möglichkeit gibt als das der Mann Lucheni war!“
    „Es stimmt aber nicht!“Unsere Stimmen wurden immer lauter, bis Isabelle bei den letzten Worten mit der flachen Hand auf den Tisch schlug und ihr Teller klirrend zu Boden fiel. Er zersplitterte in tausend Scherben, während meine Freundin sich zornig erhob. Für einen Augenblick schauten wir uns in die Augen, jede unnachgiebig. Dann erst ergriff sie ihre Tasche, funkelte mich ein letztes Mal an und verließ dann mit großen Schritten die Kantine.
    Ich saß da wie versteinert und spürte deutlich die Blicke meiner Mitschüler im Nacken, doch erst, als Isabelle fast die Tür erreicht hatte, rappelte ich mich auf und lief ihr stolpernd hinterher.
    „Isabelle!“, rief ich immer wieder ihren Namen, doch sie drehte sich nicht nach mir um. Schließlich verlor ich sie, weil mir eine Gruppe von Fünftklässlern die Sicht versperrte und als ich mich endlich durch die Kleinen durchgekämpft hatte, war meine Freundin schon verschwunden. Vor mir lag nur der mittlerweile leere Korridor.
    Niedergeschlagen durchstreifte ich noch eine Weile die Gänge, doch als ich sie nach zwanzig Minuten immer noch nicht gefunden hatte, stiefelte ich widerwillig zurück in die Kantine.
    Dort stöhnte ich auf, denn ich musste die Sauerei von Nudeln und beschmierten Scherben noch beseitigen und so besorgte ich mir Lappen und heißes Wasser von der Essensausgabe und begann zu schrubben.
    Als ich endlich fertig war, war der Fußboden blitzblank und ich schon zehn Minuten zu spät zum Unterricht. Ich beeilte mich, doch gerade, als ich meine Tasche schultern und loslaufen wollte, erstarrte ich.
    Die Servierte war verschwunden.
    Sie lag nicht mehr auf dem Tisch, und im ersten Moment glaubte ich, sie sei heruntergefallen. Hastig kroch ich auf Knien auf dem Fußboden herum, doch so sehr ich auch suchte, sie blieb unauffindbar. Ich eilte zur Essensausgabe, denn vielleicht, so dachte ich, hatte sie jemand weggeworfen, doch Fehlanzeige: Eine solche Servierte habe man nicht gesehen und auch nicht angerührt.
    Erschrocken musste ich mir eingestehen, dass sie jemand mitgenommen, gestohlen hatte. Eine Servierte gestohlen, wie lächerlich das klang! Aber genauso und nicht anders war das plötzliche Verschwinden eines doch unscheinbaren Objektes zu erklären.
    Und ich konnte mir bereits vorstellen, wer sie an sich genommen hatte.
    Während ich zum Bioraum lief, schlugen die Gedanken in meinem Kopf Saltos, doch nur ein Einziger von ihnen war gefasst und klar zu erkennen.
    Das wirst du bereuen, Luigi Lucheni. Das schwöre ich…

    Ab heut
    nur noch die wichtigen Dinge
    Ab heut
    nur noch die wichtigen Dinge
    Ab heut
    nur noch die wichtigen Dinge
    Ab heut
    nur noch leichtes Gepäck

  • Also komme ich gleich zu meinem Kommentar und lassen dieses ganzen Off- Topic gelabber mal außen vor. Also wenn ich jetzt ehrlich bin war dieses Kapitel ein bisschen...naja eintönig. Ich meine das du diesmal kaum etwas spannendes beschrieben hast, etwas das vielleicht die Lust aufs weiterlesen wirklick motivierender wäre. Du kannst zwar wirklich toll beschreiben, selbst so einen Schultag hast du sogar hinbekommen zu füllen, mit Gedanken usw, aber jetzt mal ganz ehrlich; wäre es nicht besser wenn du vielleicht langsam ein bisschen loslegen würdest? Auch wenn ich (wenn ich mich noch recht erinnere) erwähnt, dass du erst nach den zwei Kapitel vielleicht das Auftreten von Luigi beschreiben kannst und den ganzen Zusammenhang. Aber vielleicht liegt es auch daran das du so einen großen Sprung gemacht hast. Vielleicht wäre dieses Kapitel der bessere Zeitpunkt gewesen? Auch muss ich zugegeben das langsam dieser Wechsel zwischen den beiden auch nicht immer so toll ist. Ich würde dir raten ein Kapitel lieber aus einer Perspektive zu scheiben. Ich hoffe das klingt jetzt alles nicht so gemein ich mag ja sehr deinen Schreibstyl. Q_Q
    Zum Streit zwischen den beiden muss ich aber sagen das er sehr gelungen war. Du kannst ja Gefühle "echt" beschreiben. Aber an dieser Stelle muss ich wieder loswerden, dass es wirklich schnell geht. Ich meine, gut in den Sommerferien passiert ja nichts aufregendes bei den beiden, einfach das übliche, aber trotzdem geht einfach alles sehr schnell. Das Auftreten von Luigi würde ich mir nochmals überdenken und vielleicht an einer besseren Stelle deiner Geschichte miteinbauen. Zum Streit noch einmal: Der Grund dafür ist nachvollziehbar. Isabelle macht sich sorgen um Clara, das sie sich mit ihren Recherchen nicht selber verliert, damit meine ich sich nur noch auf dieses Ziel zu konzentrieren. Erinnert mich leicht an die Sorge die eine Mutter für ihr Kind emfpindet und es ihr beispielwesie verbietet sich noch damit zu beschäftigen. Aber nun ja. Übrigens hast du es schon einmal mit Flashbacks versucht? (ich meine in dieser FF). Du weißt ja die haben so eine magische Wirkung. Ich finde in dieser FF wären sie sehr nützlich, damit es einfach nicht eintönig wirkt. Und mit eintönig meine ich einfach, dass die Kapitel iwie etwas gleiches haben, etwas langweiliges (bitte nimmt es mir nicht böse ;_; ). In diesem Kapitel ist einfach nichts spannendes passiert, was für deine Verhältnisse ja sehr ungewöhnlich ist.
    Nun ich hoffe ich klang nicht unfreundlich, denn das wollte ich keineswegs. Aber leider muss ich sagen das im Vergleich zu deinen anderen Fanfiction, diese hier noch etwas "leer" wirkt. Aber ich hoffe das ändert sich. Trotzdem stelen sich die Fragen welche enscheindene Rolle Luigi wohl haben mag?


    Liebe Grüße ~

  • Chapter Four


    The murder


    Hamburg im Jahre 2010, September
    Isabelle

    Wie von Sinnen lief ich durch die Straßen, welche neblig waren und wie ausgestorben wirkten. Es war eine kleine, abgelegene Seitenstraße, der Lärm der noch wachen Menschen drang nicht bis hierher, was mir ganz recht war.
    Ich war müde und auch noch ein wenig verwirrt von den heute geschehenen Dingen. Außerdem hätte ich mich selbst dafür ohrfeigen können, dass ich Clara so hinterrücks in den Rücken gefallen war. Warum hatte ich nicht einfach aufgehört, ihr andauernd zu widersprechen?
    Weil ich es nicht hatte länger ertragen können, wie überzeugt sie von der Existenz eines bereits toten Anarchisten war. Es war Humbug, an etwas zu glauben, was man nicht klar benennen konnte.
    Doch ich wusste auch, dass man Clara nicht vorschreiben konnte, woran sie zu glauben hatte oder- wie bereits gesagt- eben nicht. Da lag die Ähnlichkeit zwischen ihr und mir.
    Während ich langsam auf ein baufälliges Gebäude zuhielt, beschloss ich, Clara anzurufen, sobald ich zu Hause wäre. Mich zu entschuldigen oder ihr wenigstens den Frieden anzubieten, war das Mindeste, was ich tun konnte.
    Plötzlich fuhr mir ein Windstoß unter den schwarzen Mantel, der sich kühl um meine angespannte Gestalt legte und mich schaudern ließ. Ich schlang das Kleidungsstück enger um mich und stiefelte die steinernen Treppenstufen hinauf.
    Das ehemalige Hotel besaß nun, knapp zwanzig Jahre nach seinem letzten Gast, nur noch wenig von dem blenden Glanz, welcher damals noch in aller Munde gewesen war. Früher was sehr beliebt gewesen bei den Adligen und Wohlhabenden, doch als dann schließlich das 20. Jahrhundert Einzug gehalten hatte, war es aufgrund von Mangel an Gästen geschlossen worden.
    Meine Eltern waren in einer Zeitungsanzeige darauf aufmerksam geworden und vielleicht auch, weil es in unserer direkten Nähe lag. Außerdem hatten wir uns damals schon den Kopf darüber zerbrochen, wohin mit all den wertvollen Artefakten aus der Zeit Elisabeths und was lag da näher als ein riesiges Hotel? Obwohl doch nicht gerade heimisch beim ersten Besichtigungstermin, hatte ich mich sofort in die hohe Decke und all die staubigen Kronleuchter verliebt. Ich hatte nicht lange betteln müssen, bis meine Eltern schmunzelnd den Kaufvertrag unterzeichnet hatten.
    Und so gehörte also mir diese Sammlung kostbarster Gemälde, Dokumente und andere Dinge aus der Zeit der Kaiserin und ich hütet sie wie einen Drachenschatz. Niemand wusste davon, nur meine Eltern. Selbst Clara hatte ich es verschwiegen, denn wer konnte schon sagen, wie sie darauf reagieren würde?
    Als ich den rostigen, leicht verbogenen Schlüssel ins Schloss stecken wollte und gerade darüber nachdachte, vielleicht nur eine halbe Stunde zu bleiben, um den unangenehmen Anruf bei meiner besten Freundin nicht aufzuschieben, ging die Tür knarrend nach innen auf. Ein leichter Luftzug strich ins Haus und ließ die kristallenen Kronleuchter klirren. Wie betäubt stand ich da, den Arm immer noch in Richtung des Schlosses ausgestreckt.
    Die Tür stand nie offen! In meinem ganzen Leben hatte ich bisher nie vergessen, ordentlich und auch mehrmals abzuschließen.
    Das konnte nur eines bedeuten.
    Vorsichtig setzte ich einen Fuß in den Vorflur, zuckte jedoch erschrocken zusammen, als ein durchdringendes Knirschen ertönte. Erst nach einigen Sekunden des Schocks begriff ich, dass es der morsche Holzfußboden war, der diese Geräusche von sich gab.
    Langsam erst beruhigte sich mein Herz und schlug beinah wieder im normalen Takt und ich wagte mich weiter vor. Ich tastete nach dem Lichtschalter, doch schließlich fiel mir wieder ein, dass die Glühbirne gestern kaputt gegangen war. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich im Dunklen voranzutasten.
    Ich stieß gegen Kommoden, Regale und herumstehende Gegenstände, doch schließlich schaffte ich es, in den wichtigsten Ausstellungsraum zu gelangen. Dort funktionierte das Licht und als es aufflammte, wich ich verschreckt zurück.
    Überall auf dem Fußboden lagen Glasscherben verstreut, die im Licht des Kronleuchters wie blitzende Messer wirkten. Der Boden sah aus wie ein einziger großer Spiegel, der meine Angst widerspiegelte.
    Erst langsam hebte ich meinen Kopf und dann erblickte ich die Vitrine, in der sich normalerweise die Mordwaffe Elisabeths befand. Die Dreikantfeile.
    Doch sie war fort.
    Auf dem roten Samtbezug lag nichts, nur einige kleine Splitter aus Glas, aber die Feile war verschwunden. Wie zur Salzsäule erstarrt blieb ich stehen, erst, als es draußen donnerte und ein Blitz über den Himmel zuckte, stolperte ich auf das zerstörte Kästchen zu und fiel davor auf die Knie. Die spitzen Scherben ignorierend, die sich durch den Stoff meiner Hose drückten, fuhr ich mit den Fingern über den Samtbezug.
    Vielleicht wurde mir erst in diesem Moment klar, dass Clara und ich uns in etwas eingemischt hatten, was unsere bisherige Vorstellungskraft in den Schatten stellte. Eine Geschichte, deren Anfang ich überlesen hatte und nun jedoch, mittendrin, ahnte ich, dass ich nicht länger leugnen konnte.
    Es wurde ein Spiel gespielt, doch unser Mitspieler legte seine Karten nicht offen auf den Tisch und blieb weiterhin im Verborgenen. Wie jedoch sollten wir ihn ertappen, wenn er sich uns nicht zeigte?
    Müde hob ich den Kopf und obwohl ich wusste, dass es nicht wahrscheinlich war, das er sich noch im Raum befand, flüsterte ich leise: „Welche Rolle spielen wir in diesem Spiel? Und welche ist deine, Lucheni?“


    Clara
    Am selben Abend in einem leeren Park im Hamburger Schanzenviertel.
    Der Regen prasselte unaufhörlich auf den bereits matschigen Boden des Parks, doch der Junge, der mit einem dunkelblauen Regenmantel bekleidet, unter einer hochgewachsenen Linde stand, beachtete das Donnergrollen über seinem Kopf nicht. Ohne den Blick abzuwenden, starrte er hinaus in den Regen. Er zitterte vor Kälte, seine Kleidung war durchweicht und die blonden Haare klebten in seinem Gesicht.
    Als nach gefühlten Stunden sich der Junge dann bewegte, war der Grund zusehen: Ein Mann näherte sich ihm. Ganz in Schwarz gekleidet, strebte er zielsicher auf die Linde zu und blieb in einiger Entfernung zu dem Jungen stehen.
    Eine Weile sagte niemand etwas, nur das Prasseln der Tropfen und Donner war zu hören. Doch der Schwarzgekleidete brach die Stille.
    „Du wusstest also, dass er hinter dir her ist?“
    Seine Stimme klang rau, als mache er nicht allzu oft Gebrauch von ihr. Der Junge zuckte nur mit den Achseln und wischte sich die vor Nässe triefenden Haare aus dem Gesicht.
    „War nicht ich selbst es, der ihn anflehte, meinem Leben ein Ende zu setzen? Warum also sollte ich ihm nun davonlaufen?“
    „Die meisten Menschen, so sicher sie auch zu Anfang den Tod wählten, laufen dann, wenn er ihnen erlaubt zu sterben, panisch davon. Ist wohl auch zu verstehen…“
    Nachdenklich strich er mit einer Hand über seine lockigen Haare, bevor er sich seufzend zu dem Jungen umwandte.
    „Warum hast du es nicht selbst versucht?“
    „Das habe ich. Aber man hält mich davon ab, jedes verdammte Mal und ich bin es leid, dass man mir nun auch noch im Tod die eigenen Entscheidungen nehmen will.“
    Seine Stimme klang sehnsüchtig, als er weitersprach.
    „Ich will nicht länger kämpfen für etwas, was doch keinen Sinn ergibt.“
    „Glaubst du denn, dass der Tod dir einen Sinn geben kann?“
    „Ich weiß es nicht, aber es ist mir auch gleich. Nur noch einschlafen und nicht länger ertragen zu müssen, wie die Welt versinkt- das ist mein letzter Wunsch. Und dich scheint man geschickt zu haben, um ihn mir zu erfüllen…“
    Der Satz war nicht wie eine Frage formuliert, doch das unausgesprochene Fragezeichen war deutlich herauszuhören, also beantwortete der Fremde ihm sie.
    „Allerdings.“
    „Bist du ebenfalls tot?“
    „Ja, schon seit mehr als hundert Jahren.“
    Eine Weile blickte ihn der Junge nachdenklich an, dann seufzte er.
    „Erlaube mir die Frage: Weshalb hast du den Tod gewählt und nicht das Leben? Ich weiß, wer du bist, aber deine Beweggründe konnte bis zum heutigen Tag niemand entschlüsseln.“
    „Sie versuchen es also immer noch?“, lachte der Mann. „Was für ein aussichtsloses Unterfangen. Aber ich habe den Tod gewählt, weil ich nicht länger leben konnte mit einer Schuld, die ich begangen habe. Mir blieb keine andere Wahl, außer die, durch die Hand anderer zu sterben. Außerdem…“
    Plötzlich wurde seine Stimme leise, kaum lauter als das Fallen des Regens und doch zu verstehen. Eine tiefe Sehnsucht lag in seinen Worten.
    „Außerdem- wozu denn leben, wenn es nichts gibt, wozu es sich lohnt zu leben? Wenn ich etwas hätte…aber es gibt niemanden mehr. Ich bin alleine. Die Wahrheit wird nie ans Licht kommen.“
    Dann, als sei er dieses Gespräch mit einem Male leid, straffte er die Schultern und nahm einen neutralen Gesichtsausdruck an. Er blickte dem Jungen fest in die Augen, während er unter seine Jacke griff und ein länglicher Gegenstand zum Vorschein kam. Es sah, aus der Entfernung betrachtet, wie eine Nagelfeile aus und es handelte sich tatsächlich um eine Feile.
    „Willst du wirklich, dass ich es tue?“, fragte der Mann, obwohl doch sie beide wussten, dass es nun zu spät für eine Umentscheidung war. Der Junge nickte, dann öffnete er seinen Mantel und streifte ihn sich von den Schultern. Lautlos fiel das Kleidungsstück zu Boden, er stand aufrecht da wie eine Statue.
    Der Mann trat auf ihn zu und blickte ihm für einen Moment in die Augen. Dann erhob er die Waffe, verharrte so für einige Sekunden, die Hand erhoben und ließ schließlich mit aller Kraft die Feile auf die Brust des Jungen fahren.
    Das Metal stieß in weiches Fleisch, durchbrach alle Hindernisse und dunkelrotes Blut quoll hervor, als der Fremde die Waffe wieder aus dem Körper zog. Das Blut mischte sich mit dem Regen und tropfte zu Boden, während der Junge noch für einen Augenblick dastand und auf das schimmernde Blut starrte. Dann lächelte er und fiel zu Boden.
    Der Mann wartete, bis er seinen letzten Atemzug getan hatte und wischte die Feile dann sorgfältig am Pullover des Toten ab. Er richtete sich auf und gerade, als er sich zum Gehen wandte, verharrte er mit einem Mal.
    Plötzlich drehte er sich um, blickte in eine ganz bestimmte Richtung und lächelte traurig.
    „Ich weiß, dass du mich siehst. Warum konntest du es nicht einfach dabei belassen, Clara? Ich wünschte, du hättest dies alles nicht mitansehen müssen…“
    Dann war nur noch Dunkelheit.


    Ich schrie, trat wie eine Wilde um mich und landete schließlich mit lautem Gepolter auf dem Fußboden. Keuchend blieb ich liegen, meine Brust hob und senkte sich rasch und ich hörte eilige Schritte, die auf mein Zimmer zusteuerten. Meine Eltern, die ich geweckt haben musste.
    Und schon erklang ein lautes, energisches Poltern an meiner Zimmertür. Scheinbar hatten meine Eltern vor, die Tür notfalls mit bloßen Fäusten einzuschlagen.
    „Clara, Liebling? Alles in Ordnung?“
    Ich sah, wie sich die Türklinge senkte, doch die Tür öffnete sich nicht. Anscheinend hatte ich abgeschlossen, was morgen früh vermutlich wieder einmal einen Familienstreit heraufbeschwören würde.
    „Alles bestens, Mama!“, rief ich zurück, betont ruhig und ohne die panische Angst aufkeimen zulassen. Wenn ich ihr erzählen würde, dass ich gerade geträumt hatte, wie ein toter Anarchist jemanden umbrachte, würden sie mich umgehend in die Klapse einweisen.
    Nach einer Weile hörte das energische Klopfen auf und die Schlafzimmertür fiel ins Schloss. Müde, wie ich war, fiel ich ich einen relativ ruhigen Schlaf und träumte ausnahmsweise mal nicht von toten Anarchisten.

    Ab heut
    nur noch die wichtigen Dinge
    Ab heut
    nur noch die wichtigen Dinge
    Ab heut
    nur noch die wichtigen Dinge
    Ab heut
    nur noch leichtes Gepäck