Die Legende eines Fußballspielers

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  • [IMG:http://abload.de/img/alabaniqld.jpg]
    Quelle
    /Bearbeitung by me



    And I just can't keep living this way
    So starting today, I'm breaking out of this cage
    I'm standing up, I'ma face my demons
    I'm manning up, I'ma hold my ground
    I've had enough, now I'm so fed up
    Tryin' to put my life back together right now


    Vorwort
    Magst du Fußball? Wenn ja, dann ist diese FF was für dich. Wenn nicht, ist sie trotzdem lesenswert. Ich werde jede zwei Kapitel die Personen (Ich schreibe in der Ich-Perspektive) die das Kapitel „erzählen“ ändern, und somit versuchen, immer neue Atmosphären zu schaffen. Ich hoffe, euch wird es gefallen und eure Gemüter fröhlich stimmen. Wie schon im Präfix erwähnt, stammen die Spezialtechniken aus dem Anime „Inazuma Eleven“.


    Es wird in manchen Kapitel viel Blut vergossen und Charaktere werden schwer verletz werden.


    Genre
    Shonen-Ai
    Fantasy
    Comedy (ein bisschen witzig muss jede Geschichte sein)
    Reallife
    Ich war willkommen im Dschungel
    und fremd im eigenen Land.
    Mein persönlicher Jesus
    und im Gehirn total krank.
    Und ich frage mich, wann
    werd' ich, werd' ich berühmt sein.
    So wie Rio, mein König für die Ewigkeit

    Danksagung & Widmung
    Ich danke besonders meinen verrückt nach Luigis Mansion 2 Freund, der mich sozusagen auf die Idee gebracht hat. Danke du cooler Suppentopf x3


    Inspiration & Idee
    Mich inspirieren viele Lieder die ich höre, aber auch eine meiner Besten Freundinnen hat mich auf eine Art und Weise inspiriert.
    Die Idee hatte ich dazu, dass mir einmal langweilig war. Ich hatte gar nicht im Sinn, dass ich eine Geschichte schreiben will, doch ich schrieb, und schrieb, und schrieb und dann hatte ich bei Word einen 7 Seiten Prolog, was also tun? Weiterschreiben natürlich!
    And I know it's hard when you're falling down
    And it's a long way up when you hit the ground
    Get up now, get up, get up now.

    Charaktere
    Wie im Vorwort schon gesagt, werde ich alle zwei Kapitel die Charaktere ändern die die Geschichte „erzählen“. Den Steckbrief dieser Person werde ich am Ende des zweiten Kapitels mit ihr veröffentlichen.


    Copyright
    Lyrics von:
    Eminem-Not Afraid
    Adel Tawil-Lider
    Imagine Dragons-On Top of the World
    Eminem feat. Rihanna-The Monster
    Mackelmore &Ryan Lewis feat. Ray Dalton-Can’t hold us


    I'm friends with the monster that's under my bed
    Get along with the voices inside of my head
    You're trying to save me, stop holding your breath
    And you think I'm crazy, yeah, you think I'm crazy


    Benachrichtgunsliste
    PN
    Gin Black
    GB
    -
    Nah sing a song and it goes like
    Raise those hands, this is our party
    We came here to live life like nobody was watching
    I got my city right behind me, if I fall, they got me
    Learn from that failure gain humility and then we keep marching ourselves


    MFG
    Kirino Ranmaru
    UHaFnir

  • Hey Rexilius :)
    Da deine Geschichte schon mehrere Tage online ist, aber noch keinen einzigen Kommentar erhalten hat, bekommst du nun einen von mir :)


    Zum Startpost
    Bei deinem Starpost hast du alle relevanten Punkte, die er beinhalten sollte, sehr gut eingebaut. Was mich stört, sind meiner Meinung nach die beiden Farben, die sich zu sehr beißen. Zudem sollte man auch schauen, wie die Farben in anderen BB-Stilen wirken, da die weiße Farbe der Spoiler (bei meinem eingestellten Stil) nicht wirklich zu den Farben passt.
    Außerdem wundert mich, warum du so viele Zitate aus verschiedenen Lieder verwendet hast? Ein einziges würde meiner Meinung nach genügen, aber jeder sollte selbst entscheiden, wie viele er benutzt. Beachten solltest du aber, dass du am Anfang und Ende Anführungszeichen setzt und dazuschreibst, von wem das Zitat stammt.


    Zum Prolog
    Dein Schreibstil gefällt mir wirklich gut. Du schreibst sehr flüssig und beschreibst die Gedanken und die Gefühle sehr genau. Was mir aber fehlt, sind mehr Absätze. Vor allem nach jeder direkten Rede wären diese sinnvoll, da diese das Lesen viel einfacher machen.
    Zudem möchte ich zwei klitzekleine Fehler verbessern. Das italienische Ja schreibt sich , also mit Apostroph. Du hast im Text ,, Come di chiami?" geschrieben, richtig wäre aber ,,Come ti chiami?" .


    Hoffentlich war ich nicht allzu kritisch, aber Kritik hilft einem ja, besser zu werden :)


    Liebe Grüße,
    Mars II



  • Capitolo Primo
    Das Italia Turnier
    (Aus der Sicht von Paolo Passione)
    Jeder ist ein Mond und hat eine dunkle Seite, die er niemandem zeigt.
    Mark Twain


    Mittwoch, 11.Juni
    „Sind wir bald da? In einer Stunde ist es acht!´´
    „ Das wissen wir, Leonardo. Aber frag nicht alle zwei Minuten, ob wir schon da sind! Wenn wir da sind, sind wir da, und damit hat sich’s! ´´ entgegnete Michele genervt.
    „Wenn du il Colosseo siehst, dann sind wir bald da, Leonardo. ´´meinte ich mit rollenden Augen, worauf Michele kicherte. „Ich halte ja schon die ganze Zeit danach Ausschau, aber bis jetzt habe ich nur so ein altes, brüchiges, ovales riesiges Bauwerk gesehen. ´´
    “Wo hast du das gesehen?´´ fragte Michele der sich zu Leonardo umdrehte.
    „ Gerade eben, sieh doch selbst raus. ´´ Da ich am Fenster saß, lehnte sich Michele über mich und sah aus dem Fenster, ich starrte ebenfalls hinaus. „Leonardo, du Idiot! Das IST il Colosseo! Hast du das noch nie gesehen? Auf Postkarten oder so? ´´sagte Michele mit einer wütenden Stimme.
    „Ups. Ich dachte, es ist besser erhalten und größer. ´´ antwortete Leonardo.
    “ Von oben sieht alles kleiner aus! ´´ sagte Michele als er mit Leonardo über Architektur und anderes diskutierte. Ich konnte nur mehr an eines denken: Roma. Endlich sind wir da. Wer wird uns wohl erwarten?
    „Paolo! ´´rief mich eine Stimme.
    „Che cosa? ´´
    “Was werden wir machen, wenn das alles nur eine Falle ist? ´´fragte Michele.
    „Das kann ich dir leider nicht beantworten, Michele. Wir werden es ja bald sehen. ´´meinte ich, als eine Frauenstimme ertönte. „Wir werden jetzt zum Landeanflug ansetzen, vielen Dank, dass sie mit Italy Air geflogen sind. ´´Wir verließen das Flugzeug. Ich kam als letzter raus, und sah mich einmal um. Von hier aus sah man nicht besonders viel, außer ein paar Bürogebäude und Wolkenkratzer. Wir holten unser Gepäck und haben anschließend den Flughafen verlassen, und sind mit der U-Bahn zur Station neben dem Stadion gefahren. Das flackernde Licht der U-Bahnlichter machte selbst mich in einer Art und Weise nervös, die ich selbst nicht kannte. So nervös war ich meinen Lebtag noch nicht. Als wir aus dem Waggon ausstiegen, war ich irritiert, wie leer es bei dieser Station war. Die ganze Ebene war Menschenleer, als ob sie einfach ausradiert wurde. Wir gingen sofort zur Oberfläche, um schnell aus diesem Schauermärchen herauszukommen. Oben angekommen, standen wir vor einem riesigen, menschenüberfüllten Stadion. Als wir reingehen wollten, hielt uns ein kräftiger Mann in Anzug auf und
    fragte:“ Seid ihr Fulmine a catena? ´´
    “Si, das sind wir, warum? ´´ antwortete der Trainer.
    „Gut, dann seid ihr unserer Einladung gefolgt. ´´
    „Einladung?´´ fragte ich.
    „Nun kann ich die Wahrheit sagen. Wir wurden eingeladen, um am Italia Turnier teilzunehmen. ´´ Ich sah den Trainer mit großen Augen an, und versuchte etwas zu sagen, doch der Atem stockte mir, bevor ich ein Wort herausbrachte. Freude durchströmte jede Ader meines Körpers. Nach ein paar Augenblicken hatte ich mich wieder gefangen und sagte: „D-Das Italia Turnier? Da treten doch nur die Besten der Besten an, um italienischer Meister zu werden. Was machen wir hier? ´´Der Trainer sah mich überrascht an, und antwortete dann:“ Ihr seid ein so gutes Team, das weiß ich. ´´ Ich steckte meine Hände in die Hosentasche und meinte: „Na, wenn sie das sagen, wird es wohl stimmen. ´´ Der Typ im Anzug zeigte uns die Umkleidekabinen, wo wir dann verweilten. Dort haben wir uns-ratet mal-umgezogen, und gewartet, bis jemand kommt, der uns den Weg auf den Rasen zeigt. Es kam mir vor wie Stunden, bis endlich jemand kam um uns ins Stadioninnere zu führen. Dort warteten abertausende, jubelnde Fans. „Und als nächstes, das einzige Team, aus Sardinien, begrüßen wir Fulmine a catenaaaaaa! ´´ sprach der Ansager, als wir eintraten. Die Leute jubelten und jubelten, sie hatten sogar die sardische Flagge und schwenkten sie im Takt zu den Gesängen der Menge. Es war ein behebendes Gefühl, das mich bei diesem Anblick überkam. Ich fühlte mich jetzt schon wie ein Profifußballer, wie Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo.
    „Forza! Forza, Fulmine. Forza! ´´riefen sie.
    Wir winkten und lächelten, und die Zuschauer jauchzten und frohlockten. Als wir wieder in der Umkleidekabine waren, meinte Giacomo mit aufgeregter Stimme und einem riesigen Grinsen: „An dieses Gefühl könnte ich mich gewöhnen, ihr auch? ´´ Leonardo und Alessandro legten sich gegenseitig ihre Arme um die Schultern, hüpften auf und ab, lachten, und sangen dabei:“ Olé, olé olé olé, we are the Champions, olé! ´´ Der Trainer trat in den Raum und sagte: „Nicht so voreilig, ihr beiden. Noch haben wir noch nicht einmal die Vorrunde gewonnen. Unser gefährlichster Gegner ist Esplosione. Die haben die letzten zwei Jahre kein Gegentor kassiert, nicht einmal in Freundschaftsspielen. Angeblich hat der Gegner NIE den Ball bekommen. Sie haben auch komischerweise noch nie am Italia Turnier teilgenommen.´´ Ich dachte kurz nach, und entgegnete dann: „Das sind doch die, mit dem aggressiven Stürmern, dem makellosen Mittelfeld und der lückenlosen Verteidigung, oder? ´´
    Der Trainer nickte.
    Leonardo und Alessandro verstummten sofort, und sahen sich geschockt in die Augen. „Gegen wen treten wir eigentlich zuerst an?´´ wollte Dante wissen. „Also, laut Plan treten wir gegen Primavera an. Das ist ein Team aus
    Palermo. ´´antwortete der Trainer. „Aber ich habe gehört, die sind grottenschlecht. Das einzige Tor, das sie je gemacht haben, war ein Eigentor. ´´entgegnete Leonardo. „Woher willst du das wissen? Vielleicht haben sie selbst die Gerüchte in die Welt gesetzt. ´´konterte Edilio. Er war schon immer ein großer Feigling, und skeptisch allem gegenüber, was Leonardo von sich gab. Sie waren wie Hund und Katze, nur noch extremer, spielten aber zusammen so wunderbar, dass man glaubt, sie wären Brüder, oder könnten vom anderen die Gedanken lesen. Edilio hatte kurze, braune Haare und dunkelbraune Augen.
    „Du musst aber immer etwas schlechtes sagen, oder, Eddi? ´´erwiederte Leonardo mit bedrohlichen Stimmfall, der seine Hände nun hingen ließ und ein paar Schritte auf Edilio zuging. „Du sollst mich nicht Eddi nennen! Das hab ich dir schon zig male gesagt! ´´
    „ Er sagt dass doch nur, um dich zu verarschen, du Trottl. ´´meinte Michele genervt, der sich mit der Hand auf die Stirn fasste, worauf ich kurz kichern musste. Edilio sah Michele finster an, so, als ob er gleich auf ihn springen würde, doch sein Blick wandte sich schnell wieder Leonardo zu. Bevor etwas schlimmeres passieren konnte, schritt ich zwischen die Beiden und sagte: „ Spart euch eure Kräfte für die folgenden Spiele. Oder wollt ihr dass ihr wieder ein paar Spiele aussetzen müsst? ´´Leonardo und Edilio schauten betreten zu Boden. Geht doch, dachte ich. „Wann ist das Spiel?´´ fragte Giacomo. „Morgen, um sechs Uhr abends. Also werden wir bis dahin extrem trainieren, und zwar hier in Rom. ´´Alle im Raum sahen den Trainer mit großen Augen an. „Und was ist mit Schule? ´´fragte ich ungläubig.
    „Eure Lehrer werden euch alles ausdrucken. Ihr braucht es dann einfach ins Heft einzukleben. ´´
    „Jaaaa!´´ riefen wir alle freudestrahlend. Nachdem wir das Stadion verlißen, fuhren wir mit dem Bus zum
    Hotel “Archimede“ das direkt neben dem Zentralbahnhof lag. Auf der Fassade des Gebäudes, die in schwarzweiß gehalten war, thronte in Leuchtbuchstaben der Schriftzug“ HOTEL ARCHIMEDE´´und so prunkvoll es von außen aussah, desto pompöser war es im inneren. Die Geländer, der Fahrstuhl und selbst die Hotelklingel und Schlüssel waren vergoldet, deshalb erstrahlte die ganze Halle in einem goldenen Schimmer.
    Ich schlief mit Michele in einem Zimmer. Da es schon fast Mitternacht war, machten wir uns bereit, fürs Schlafengehen. Da es kein Zimmer mehr mit getrennten Betten gab, mussten wir uns ein Doppelbett teilen, doch das störte uns nicht, da wir uns seit Kindesbeinen kennen. Das Zimmer hatte grüne Tapeten mit goldenen Lilien darauf, der Boden war ein weinroter Teppich mit grünen Punkten. Außerdem hatte es ein Fenster mit einem wunderschönen Ausblick über Rom. „Michele, ich muss mit dir über etwas reden. ´´fing ich an.
    „Was denn, Paolo? ´´fragte Michele und gähnte.
    „Über nero primo. ´´
    Michele stockte der Atem. Er setzte sich auf das Bett und schaute mich mit offenem Mund und großen Augen an. Er wollte etwas sagen, doch er brachte einfach kein Wort heraus, deshalb sagte ich: „Ich kann das nicht länger runterschlucken, wir müssen den anderen sagen dass-´´
    “Nein! Die würden uns nur verstoßen, auslachen und verarschen. Dich am meisten, denn du bist ja ein Mädchenschwarm. ´´unterbrach mich Michele der die Hände vor sein Gesicht getan hatte und sich nun auf seinen Oberschenkel abstütze.
    „Das ist mir jetzt so ziemlich egal. Denn wir werden nur unserem Team, ausgenommen Dante natürlich, davon erzählen. Sonst niemanden. Aber bitte lass mich diese Bürde nicht weiter mit mir herumtragen! ´´
    Michele machte den Mund zu und starrte auf den Boden. „Wieso hast du nie gesagt, dass es dich so bedrückt? Ich hätte das verstanden, Paolo. Du müsstest mich lange genug kennen, um das zu wissen. ´´sagte Michele und schaute mir lächelnd in die Augen.
    Es war zwar nur ein leichtes Lächeln, aber wenigstens etwas. „Sagen wir es ihnen. Ein Risiko ist immer dabei. Also, bist du dabei? Alleine würde ich sicher blöd da stehen. ´´Michele lächelte nun etwas stärker und meinte: „Gut, sagen wir ihnen morgen nach dem Spiel nero primo. Buonanotte.´´Er legte sich auf die linke Seite des Betts, doch ich sagte:“ Kann ichs Leonardo jetzt schon erzählen? Sonst kann ich heute nicht mehr ruhig schlafen, glaub ich. ´´Michele nickte, und meinte: „Sags wem du willst, ich vertraue dir. Buonanotte. ´´Ich ging aus dem Zimmer und klopfte im Zimmer gegenüber an. Leonardo öffnete.
    „Weißt du eigentlich wie spät es ist? ´´fragte er mich, während er seine Augen rieb.
    „Scusi, aber ich muss dir unbedingt etwas sagen, und zwar jetzt. ´´Leonardo schloss hinter sich die Türe und wartete auf eine Antwort. „Du musst schwören, dass du das jetzt niemanden weitersagst, verstanden? ´´
    Er nickte abwesend. „Ich und Michele sind schwul. ´´
    Plötzlich riss Leonardo die Augen weit auf, zeigte mit seiner rechten Hand auf mich, ging ein paar Schritte zurück und sagte:“ D-Du und Michele seid was? Aber du bist doch ein Mädchenschwarm, und flirtest auch immer mit den Mädchen und…und…Seit wann seid ihr schwul? ´´ meinte er.
    „Seit ich wusste, wie das Wort heißt, dass beschreibt, dass sich ein Junge zum anderen hingezogen fühlt, also so mit fünf. ´´Leonardo kam aus dem staunen nicht mehr heraus. „Du und Michele, ihr kennt euch ja schon seit ihr geboren seid. Habt ihr euch schon mal geküsst? ´´meinte er. „So genau, will ich nicht darauf eingehen, Leonardo. Sags aber keinem weiter. Buonanotte. ´´- „Ich sag es schon keinem, Pao. Buonanotte. ´´Ich drehte mich um und ging zurück in mein Zimmer, schloss die Tür hinter mir leise und ging zu Bett. Als ich wach im Bett lag, fiel mir wieder ein, wie ich überhaupt zu Fußball kam. Nur durch meine Rabenmutter, konnte ich der Stürmer werden, der ich heute war. Ich machte die Augen zu und dachte an dieses Ereignis zurück.
    ~-~
    „Du bist viel zu klein, mickrig und hässlich, obendrein bist du auch noch schwul. Du wirst nie etwas im Leben erreichen! ´´
    „A-Aber, Mama, ich-´´
    „Nein! Ich will nichts mehr von dir hören. Du machst nur Probleme. ´´
    Ich sah meine Mutter geschockt an. Wir waren in irgendeiner Seitengasse in irgendeiner Stadt. Sie war Prostituierte, mein Vater starb schon früh. Sie schubste mich gegen eine Mülltonne und lief mit ihren High Heels so gut wie möglich davon, ich blieb weinend am Boden sitzen. Ich war gerade erst fünf, aber meiner Mutter war das egal. Deshalb kümmerte sie sich auch nicht um meinen Vater am Sterbebett.
    „Wer setzt einen kleinen Jungen auf die Straße? ´´hörte ich eine Stimme sagen. Ich hob den Kopf und sah einem Mann mit kurzen braunen Haaren, einem Drei-Tage Bart und stechend roten Augen an. Ich hatte solche Angst, dass ich mich so fest gegen die Tonne lehnte, dass diese umkippte.
    „Haha, ich tue dir schon nichts, bimbo. Sag, wie heißt du? ´´Ich wollte ihm nicht meinen Namen sagen, aber er könnte mir vielleicht helfen, meine Mama zu finden.
    „I-I-Ich bin P-Paolo Felice. Wer s-sind s-s-sie? ´´fragte ich ängstlich.
    „Ich bin Mario Vedi. Paolo sagtest du…Woher kommst du? ´´wollte der Mann wissen.
    „A-Aus Roma. ´´Der Mann hockte sich hin und meinte: „Kennst du Fußball, Paolo? ´´
    Ich schüttelte den Kopf.
    „Dann komm mit mir. Ich werde dir Adoptiveltern suchen, und dir lernen, wie man richtig gut Fußball spielt. Was sagst du? ´´Ich sah ihn mit großen Augen an, und erwiderte: „Ohne Michele, gehe ich nirgends hin. ´´Der Mann lächelte, und fragte:“ Wo finde ich Michele? Ist er dein Bruder? ´´Ich schüttelte den Kopf und antwortete:“ No, aber wir kennen uns seit wir geboren sind. Er ist der einzige, dem ich vertraue. Er müsste bei den Obstständen nahe dem Tiber sein. ´´Der Mann streckte mir seine rechte Hand entgegen, und sagte:“ Dann gehen wir zu ihm. ´´Ich streckte ihm ebenfalls meine rechte Hand entgegen. Er nahm meine Hand und half mir auf. Anschließend gingen wir zu den Obstständen.
    „Michele!´´ rief ich.
    „Paolo! Ich hab dich schon gesucht. Wer ist dieser Mann? ´´ sagte Michele.
    „Gestatten, ich bin Mario Vedi, wenn ich es richtig vernahm, seid ihr Waisen, richtig? ´´Wir nickten mit gesenktem Blick.
    „Ich will euch helfen. Wollt ihr mit mir nach Cagliari, und dort zu Adoptiveltern, die sich um euch kümmern? So kann ich euch weiterhelfen. Was sagt ihr? ´´Ich sah Michele mit großen Augen an, und lächelte. Ich wusste nicht, wann ich das letzte Mal gelächelt habe, aber es kam mir vor, wie eine Ewigkeit. Michele bemerkte, dass ich fröhlich war, und lächelte ebenfalls.
    „Wir würden gerne mit ihnen mitkommen, Mr. Vedi. ´´sagte Michele. „Gut, dann fahren wir zum Flughafen. Aber, ich werde euch andere Namen geben, damit ihr einen kompletten Neuanfang wagen könnt. Paolo, dein Nachname wird ab jetzt Passione sein. Michele, wie ist dein Nachname? ´´
    “Er lautet Caldo, Mr.Vedi.´´
    Herr Vedi hockte sich vor Michele hin, und sagte:“ Ab heute ist dein Nachname Divertiani. Dann können wir ja jetzt zum Flughafen. Kommt, nehmen wir uns den nächsten Bus und fahren los.´´ Michele und ich nickten. So froh waren wir noch nie in unserem Leben.
    ~-~
    „Paolo! Wach auf!´´
    Ich öffnete langsam die Augen und schaute Michele an, dessen Gesicht sich nur ein paar Zentimeter von meinem befand. „W-Was ist los Michele? Warum hast du mich aufgeweckt? ´´Michele wollte sprechen, doch brach ab. Er stand vom Bett auf und kroch unter dieses. Er erschien mit zwei kleinen Schnapsflaschen. „Du hast doch nicht etwa wieder etwas gesoffen, oder? ´´ Michele schloss die Augen und ließ den Kopf hängen. „Michele! Seit wann trinkst du wieder? ´´Aus seinen Augen flossen Tränen, er kniete sich auf das Bett und vergrub sein Gesicht ins Kissen. Ich legte einen Arm um seine Schulter, hob mit der anderen sein Gesicht, sodass ich es ganz sehen konnte. „Es ist nicht schlimm, Michele. Sag mir, seit wann? Und vor allem, wieso?´´ Michele umarmte mich, und
    erzählte:“ Ich weiß nicht, wie lange ich schon wieder trinke, aber ich habe wieder angefangen damit, weil ich den alten Paolo zurückwill, Paolo Felice, und nicht den angeberischen, hochnäsigen und arroganten Paolo Passione. Ich will den alten, unsicheren, ruhigeren Paolo zurück, der nicht immer im Mittelpunkt stand, der sich um Mädchen einen Dreck scherte. Diesen Paolo will ich, den ich kennengelernt habe, nicht den gespielten. ´´ Er ließ mich los und ich sah ihn mit Tränen in den Augen an. Ich fühlte mich wie der letzte Narr. Wieso habe ich das nicht bemerkt? Michele ist das wichtigste in meinem Leben, ich darf ihn nicht verlieren, wen habe ich dann? Niemanden. Ich werde alleine sein. Das schlimmste von allen Gefühlen, war die Einsamkeit. Denn wenn man einsam war, und niemanden hatte, wusste man, dass sich keiner mit einem abgeben wollte. Man fühlt sich isoliert von der Außenwelt, als wäre man überflüssig auf dieser Erde. Ich senkte den Kopf, wollte die Tränen unterdrücken, doch je mehr ich es versuchte, desto mehr fing ich an zu weinen. „E-Es tut mir leid, Michele. Ich konnte nicht wissen, dass du so darunter leidest. Es tut mir so leid…´´Als er mit seinen Händen mein Gesicht hielt, schaute ich auf. Sollten wir es tun? Michele zögerte, auch er dachte bestimmt über das nach, doch ich konnte meine Gefühle nicht mehr zurückhalten, schloss die Augen, und küsste ihn. Als unsere Lippen sich berührten, überkam mich Erleichterung. Erleichterung darüber, dass er mich nicht zurückstieß, und mir dann Beschimpfungen an den Kopf warf, aber ich war auch erleichtert, dass er mich noch immer liebte, so wie ich ihn. Wir umarmten uns, und küssten uns innig Ich wollte für immer solch ein Gefühle der Glückseligkeit erleben, in jeder Sekunde meines Lebens. Michele, danke, danke für alles, was du je für mich getan hast. Als ich meine Augen öffnete, entfernten sich unsere Lippen voneinander, und wir lächelten. Michele und ich legten uns hin, deckten uns zu, und machten das Licht aus. Wir drehten uns zueinander und umarmten uns, während ich meinen Kopf in seiner Schulter vergrub. Nach wenigen Augenblicken, fielen mir die Augen zu, und ich schlüpfte erneut in das Land der Träume.


    Donnerstag, 12.Juni
    „Pao! Hey, wach auf, Pao!´´
    Ich spürte, wie mich jemand stark schüttelte, und wiederholt „Wach auf!´´ rief. Ich öffnete langsam meine Augen, und sah Leonardo, der auf der Bettkante saß, mit seinen Händen auf meinen Schultern, der mich noch immer rüttelte. „Wach endlich auf, Pao! ´´ Ich setze mich auf, schlug Leonardos Hände von meinen Schultern weg, und meinte:“ Ich bin ja schon wach! Was ist los, dass du mich so heftig weckst?´´ Leonardo schaute sich im Zimmer um, so, als ob er sicherstellen wollte, dass niemand zuhört. „Stimmt das, was du mir gestern anvertraut hast? Das du schwul bist? ´´ Ich streckte meine Arme in die Höhe, gähnte ausgiebig und nickte. „Ich dachte, du hättest ne Wette verloren, und müsstest es deshalb sagen. Aber es scheint, als ob du es ernstmeinst. ´´ Ich ließ meinen Kopf nach hinten fallen, doch bedachte dabei nicht, dass die Wand so nahe war, und donnerte mit vollem Karacho gegen sie. Leonardo lachte laut auf, lehnte sich zurück, flog rückwärts von der Bettkante und lag nun auf dem Boden. Nun lachten wir beide. Ich sah auf die Uhr. Erst sieben. Aber irgendwas kam mir jetzt komisch vor…Wo war Michele? „Leo, weißt du, wo Michele ist? ´´Er schaute sich verwirrt um. Anscheinend hatte Leonardo ebenso wenig darauf geachtet. „Gute Frage, Pao. Gehen wir ihn suchen! ´´Ich sah ihn skeptisch an, und antwortete:“ Sicher. In einer riesigen Stadt, in der wir uns nicht auskennen, und dann noch um sieben Uhr früh! Aber du hast recht…Fangen wir bei Piazza di Spagna an, dort, wo die Spanische Treppe ist. Michele wollte dort schon immer mal hin. ´´ Leonardo nickte, und wollte schon zur Tür stürmen, doch ich rief:“ Halt! Hast du nicht was vergessen? ´´Er sah mich fragend an. Ich klatschte mir mit meiner Hand an den Kopf und meinte:“ Ich muss mich erst einmal anziehen, du Idiot. ´´-“Ups. Scusi. ´´Nachdem ich meine nussbraunen Shorts und mein kobaltblaues, ärmelloses Shirt angezogen hatte, zog ich noch meine khakibraunen Sneakers an. Es konnte losgehen. Wir gingen die Wendeltreppe des Hotels hinunter, und durch die hohe Eingangshalle, mit den eindrucksvoll verzierten Säulen und dem weißen Marmor, auf dem roten Teppich, der die Halle teilte. Sicherheitshalber gaben wir unsere Zimmerschlüssel bei der Rezeption ab, damit sie uns von den unzähligen Taschendieben nicht gestohlen werden konnten. Als wir durch die prunkvolle Hoteltür gingen, bogen wir gleich links ab, und gingen geradeaus weiter zum Zentralbahnhof, wo auch die U-Bahn lag. Wir schritten in den offenen Bahnhof, und nahmen hinunter in die U-Bahn die Rolltreppe. Dort angekommen, fuhrwn wir mit der ersten Bahn zur Piazza di Spagna. Wir waren nach geschätzten fünf Minuten am Ziel angelangt. Während wir an die Oberfläche gingen, sah ich am Boden eine Zeitung, die aufgeschlagen war. Ich hob sie auf, und las den Artikel. Mir stockte der Atem. „Was ist? Was liest du da, Pao? ´´ Ich meinte:“ Ich lese dir mal die Schlagzeile und den Text darunter vor.


    DIE GEWINNER STEHEN FEST
    Esplosione siegte mit 10:0 gegen den bisher ungeschlagenen Favoriten Estate. War es pures Glück oder ist diese Mannschaft wirklich so gut? Ihr Trainer, Lorenzo Lavidosa, sagte zu diesem überwältigenden Sieg nichts, außer dass sie bei dem Italia Turnier ohne Mühe siegen werden. Ihr Angriff ist mit ihrem Stürmerass aus Cagliari, Fortunato Felice, unschlagbar. Aber auch das Mittelfeld und die Verteidigung sind unübertroffen. Wird es jemals jemand schaffen, sie zu besiegen?


    Warte, Fortunato Felice? Er kann es nicht sein…E-Er kann es einfach nicht sein! „Pao, denkst du, wir haben überhaupt eine Chance gegen irgendeine Mannschaft?´´ fragte Leonardo. „Ja, Pao. Was denkst du?´´ Diese Stimme! Sie gehörte nicht zu Michele, soviel war sicher. Ich drehte mich um und sah Fortunato Felice in die Augen. „D-Du?!? A-Aber das ist unmöglich! ´´ Fortunato lachte, und grinste mich hämisch an. „Kennst du den, Pao? ´´Ich nickte, konnte mich aber vor lauter Schock nicht bewegen. Ich traute meinen Augen kaum. „Leo, geh schon mal vor zur Spanischen Treppe, ich komm gleich nach. ´´ Leonardo sagte nichts, doch ich hörte, wie seine Schritte immer leiser wurden. „Buongiorno nochmal, Bruderherz. ´´Ich sah ihn finster an und antwortet:“ Du bist für mich als Bruder schon lange gestorben! ´´Er sah mich überrascht an und meinte:“Na na, Pao. Was habe ich dir je getan, dass du Michele mir
    vorziehst? ´´-“Was du getan hast? Du hast meine Kindheit zerstört! Du konntest immer alles besser, hast Lob, Anerkennung und Respekt von Mama, Papa und anderen bekommen, und ich? Ich war schon immer das schwarze Schaf der Familie. Schlussendlich landete ich dann auf der Straße, und du hast ein tolles Leben geführt, mit Eltern, die dich lieben. Das hast du mir angetan. ´´Ich brach in Tränen aus. Fortunato sah mich erschrocken an, so, als ob er gar nichts davon gewusst hatte, das mir das alles geschehen ist. „Paolo, nein, mein Bruder, es tut mir aufrichtig Leid. Ich habe das nicht gewusst. Unsere Eltern sagten, dass dich jemand entführt und umgebracht hatte, und ich glaubte ihnen, bis ich dich gestern ins Stadion einmarschieren sah. Ich wollte dich nie verletzen, und ich wollte auch nicht, dass du wegen mir so leiden musstest. Bitte, verzeih mir. ´´ Er kniete vor mich hin und sah zu mir auf. „Steh
    auf´,´´ sagte ich „mein Bruder. ´´ Er stand auf und umarmte mich. Nun weinte er ebenfalls. Nach einigen Augenblicken lösten wir uns voneinander, und er sagte:“ Ich hoffe, unsere Mannschaften werden gegeneinander gegen den Titel spielen. ´´Ich sah in verwirrt an und meinte:“ Äääh, unsere Mannschaften? ´´Er sah mich überrascht an und erwiderte:“ Si. Ich bin il capitano von l’esplosione. Hast du das nicht gewusst? ´´Ich schüttelte den Kopf und entgegnete:“ Von Esplosione? Und du bist genauso ein Stürmer wie ich. Das könnte interessant werden. ´´ Fortunato nickte und lächelte schwach. „Ich muss jetzt los. Bis die Tage, Bruderherz. ´´ Ich winkte und verließ die U-Bahn Station. Draußen angekommen, sah ich Leonardo auf der Treppe sitzen, doch Michele konnte ich nicht entdecken. „Hier ist er nicht. Suchen wir weiter. Und…Wer war der gerade, Pao? ´´ Ich drehte Leonardo dem Rücken zu und sagte:“ Schauen wir mal bei der Fontana di Trevi vorbei, vielleicht haben wir da mehr Glück. Und das war nur ein Bekannter aus meiner Kindheit. Also, los geht’s. ´´ Ich wandte mich wieder Leonardo zu und lächelte schwach. Um zum Trevi Brunnen zu gelangen, mussten wir von der Piazza di Spagna links in eine Seitengasse einbiegen. Am Ende von dieser, bogen wir links ab, und schon waren wir da. Dort fanden wir auch Michele. Er saß mit gesenktem Kopf auf einer Bank. Leonardo setze sich links von ihm hin, ich rechts, und dann warteten wir, bis er uns bemerkte. Als er uns nach fünf Minuten noch immer nicht wahrnahm, meinte ich:“ Wann haben wir noch mal Training, Leo? ´´ In diesem Moment hob Michele schnell den Kopf und sah nach links und rechts. „W-Wie lange seid ihr schon hier?´´ Leonardo und ich lachten, und ich antwortete:“ Schon seit mindestens fünf Minuten. ´´ Michele sah mich überrascht an, und erwiderte:“ Wie habt ihr mich gefunden? ´´-“Das war ganz einfach.´´ ,entgegnete ich“ Du hast mir schon oft gesagt, wenn du einmal nach Rom kommst, dann würdest du am liebsten zur Spanischen Treppe, zum Trevi Brunnen und zum Forum Romanum. Da du nicht bei der Treppe warst und man beim Forum Romanum Eintritt zahlen muss, und es auch wahrscheinlich noch nicht offen hat, konntest du nur hier sein. ´´ Michele lächelte, machte die Augen zu und ließ abermals den Kopf hängen. „Was ist, wenn wir gegen Primavera verlieren und aus dem Turnier fliegen, Paolo? Was sollen wir dann tun?´´ Ich sah gen Himmel und meinte:“ Das schaffen wir, Michele. Das weiß ich einfach. Fulmine a catena wird italienischer Meister werden. Warum? Weil wir den größten Teamgeist aller Mannschaften haben, deshalb. Wir halten selbst nach Reibereien zusammen, selbst, wenn wir uns bis zum Morgengrauen streiten…Danach ist alles wieder gut und wir sind wieder wie Pech und Schwefel. Leo, Michele, stimmt ihr mir zu?´´ Ich sah zu ihnen, und sie nickten. „Wieso bist du nur immer so optimistisch? Da muss man sich ja einfach besser fühlen. ´´sagte Leonardo, während wir drei zu lachen begannen. Wir hörten ein Glockenläuten. Es war dreiviertel acht. In einer viertel Stunde fängt das Training an, dachte ich, als ich aufstand. „Forza! Wir müssen zum Stadion. Seien wir einmal pünktlich. ´´ Michele und Leonardo nickten, und wir drei gingen zur U-Bahn Station neben der Spanischen Treppe. Nach geschätzten zehn Minuten kamen wir am Stadion an. Als wir im inneren ankamen, waren unsere Teammitglieder schon da. „Heute seid ihr sogar pünktlich. Wie geht denn das? ´´meinte Dante und ging mit riesigen Schritten auf uns zu. „Leute ändern sich, außer du. Du bleibst immer gleich dumm. ´´-“Du kleiner…´´ Er holte mit der Faust aus und wollte gerade zuschlagen, als der Trainer rief:“ Passione! Graziosi! Fünf extra Runden für euch. ´´-“Wieso ich? Ich hab doch gar nichts getan! ´´Der Trainer sah mich streng an, da er und ich genau wussten, dass ich was getan habe. Aber dass man jemanden dumm nennt, ist doch kein schlimmes Schimpfwort, also ist es doch eigentlich gar nicht so schlimm. „Soll ich mich noch einmal wiederholen? Rennt! ´´Ich und Dante nickten synchron und liefen los, doch leider hatte ich noch nicht meine Fußballstollen an, sodass ich, als Dante mich schubste, in der ersten Kurve im Gras ausrutschte und auf der Laufbahn gleich daneben mit dem Knie aufschlug. Natürlich blutete ich jetzt dort, und das nicht gerade wenig. Ich hielt meine beiden Hände drauf, doch das Blut floss und floss. Ich stand auf und rief dem Trainer zu:“ He, Trainer! Ich blute etwas. Kann mir mal irgendwer nen´ Verband bringen? ´´ Michele und Leonardo rannten sofort zu mir und Giacomo holte einen Erste Hilfe Kasten. „Pao! Wie hast du denn das geschafft? Kannst du gehen? ´´-“Dante hat mich geschubst, und ich bin im Gras ausgerutscht, da ich noch keine Fußballschuhe anhatte. Und dann kam ich mit dem Knie hier auf. ´´ Leonardo duckte sich, und ich nahm meine Hände von der blutenden Wunde. „Kannst du gehen? ´´fragte Michele. „Ich werde es versuchen.´´ antwortete ich. Ich versuchte, ein paar Schritte zu gehen, doch als ich zu fallen drohte, fingen mich Leonardo und Michele auf. „Och, hat il piccolo Paolo ein Wehwehchen? Haha, geschieht dir recht. ´´sagte Dante und grinste hämisch. In diesem Moment stand Giacomo hinter ihm, der Leonardo den Erste Hilfe Kasten gab und sich dann an Dante wandte:“ Wieso hast du das getan? Er ist unser Stürmerass, und Auswechselspieler haben wir auch nicht. Du steckst ganz schön in der Scheiße, Dante.´´ Giacomo machte sich vor Dante wie ein wütender Kater groß, was ihm natürlich nicht schwerfiel, er war ja schon so groß, und sah ihn finster an. Bevor es eskalierte, sagte ich schnell:“ Hört auf. Mir geht es gut. Das ist nur eine kleine Verletzung. Nichts weiter. ´´-“Kannst du gehen? ´´fragte Giacomo mich, der jetzt Dante den Rücken zudrehte. „N-Nein…Aber wenn wir es verbinden, wird es schon gehen. ´´Giacomo sah mich misstrauisch an. Sein Blick war so unangenehm, dass ich meinen Blick gen Boden wandte. „So, ich hab es verbunden, Pao. Versuch jetzt einmal zu gehen. ´´Ich musste mich zusammenreißen. Ich will heute Abend spielen, ich will heute Abend gewinnen, dachte ich, während ich versuchte, zu gehen. Ich ging mit selbstsicheren Schritten auf Giacomo zu, der mich überrascht ansah. „Kannst du laufen? ´´fragte er. „Ich kann’s versuchen. ´´-“Gut.´´ ,sagte er“ Dann lauf gegen mich. Ich bin nur Goalie, also dürfte das für dich ja kein Problem sein, mich zu schlagen. Oder? ´´Ich sah ihn verwirrt an, als er hinzufügte:“ Also, was ist jetzt? ´´Ich nickte und sagte:“ Eine Fußballfeldlänge. Aber natürlich nur, wenn du mit mir mithalten kannst. ´´Ich grinste und wir stellten uns auf. Allein das war eine Qual. Doch ich musste durchalten, wenigstens bis heute Abend, das nächste Spiel ist dann in einer Woche, also genug Zeit, um mich auszukurieren. Als wir beide am Rand des Fußballfelds standen, nahmen wir die Startposition ein. „Auf die Plätze…´´,begann Leonardo“ Fertig…´´Ich spürte, wie mein Herz pochte. „Uuuuuuuunnnnnnd LOS!´´ Wir starteten, und der Schmerz wurde stärker, doch ich wollte nicht verlieren. Sonst würden mich die anderen nur auslachen, wenn ich wirklich gegen einen Keeper verlieren würde, doch dem war glücklicherweise nicht so. Ich führte von Anfang an, und kam natürlich auch als Erster ins Ziel. Giacomo kam etwas später an. Wir beide gaben uns die Hände uns lächelten uns an. „Aber ich weiß trotzdem, dass dein Bein schmerzt. Lauf heute einfach nicht so viel und setz keine Techniken oder deinen Avatar ein, verstanden? ´´Ich sah in geschockt an und erwiderte darauf:“ A-Aber woher weißt du das? Und ohne Spezialtechniken schaffe ich es einfach nicht. Ohne meinen Avatar vielleicht… Das müsstest du am besten wissen. Du haltest ja immer im Training meine Schüsse, oder nicht? ´´-“Ich weiß es daher, dass du immer den Schmerz unterdrückst und eine Rolle spielst. Ich würde mal gerne den echten Paolo Passione kennenlernen. ´´Ich senkte den Kopf, schloss die Augen und dachte daran, wie ich früher war. In meiner Kindheit war ich auch schon so ein Fußballnarr wie heute. Doch damals spielte ich in der Abwehr, als linker Außenverteidiger. Wieso ich dann Stürmer wurde? Weil ich das Potenzial dazu hatte. Ich hatte starke und präzise Schüsse, selbst als ich noch ein kleiner Hosenscheißer war. „Gut, Paolo. Du kannst also heute spielen. Das ist großartig!´´ das war Alessandros Stimme. „Ja, mit dir werden wir siegen. ´´ hörte ich Adriano sagen. Ich machte die Augen auf und sah in die freudestrahlenden Gesichter meiner Freunde, nur Dante schaute mich griesgrämig an. „Was ist los, Dantchen? Bist du jetzt schlecht drauf weil ich doch spielen kann? ´´Er erwiderte nichts, sondern stand einfach nur da und sah mich gehässig an, worauf ich selbstsicher, vielleicht auch ein wenig arrogant, grinste. „Wenn du laufen kannst, dann zieh deine Stollen an und lauf deine fünf extra Runden fertig. Verstanden, Passione?´´-“Si. Ich zieh sie schon an. ´´Ich ging in die Umkleidekabinen, doch merkte erst dann als ich ankam, dass mir Dante gefolgt war. Er knallte die Tür zu und verschloss sie anschließend. „Was willst du Knalltüte hier?´´ Er grinste, doch es war kein Grinsen das man machte, wenn man wütend oder glücklich war, nein. Dieses Grinsen machte mir Angst. Und wenn ich Angst sage, dann meine ich dass ich mir gleich in die Hose pissen könnte. Doch ich ließ mir nichts davon anmerken, und fügte hinzu:“ Ich will mich nicht nochmal wiederholen, Knalltüte! ´´Er kam immer näher, bis er nur mehr einen geschätzten Meter vor mit stand, aber selbst da ging er weiter, und ich ging mit jedem Schritt den er tat, ebenfalls einen zurück, bis ich an der Wand angelangt war. „Was willst du nun tun, du Wunderknabe? Jetzt ist Schluss mit lustig. Jetzt spürst du den Ernst des Lebens! Muahahahaha! ´´ Er holte aus und schlug zu.


  • Hallo, Rexilius


    Ich hab dir ja versprochen, auch mal deine neue Fanfiction zu lesen...was ich dann auch gemacht habe^^


    So, wo fang ich dann mal an...?


    Als Erstes, mal wieder gute Details, zwar haben sie mir zwar in den Stellen draußen gefehlt, aber ansonsten konnte ich mir die beschriebenen Räume und so gut vorstellen. Die Abläufe von Busfahrten und Anderem waren auch gut ausgeschrieben, hat mich eigentlich so an dem Text kaum was gestört...


    Die Story an sich finde ich auch gut, ich bin zwar nicht so ein Fan von Fußball (Naja, in dem Kapitel war ja auch noch wenig davon zu lesen...), aber hat mir sonst gefallen. War auch gut angefangen, dass sich die Fußballer erst so ein Bisschen an die Situation gewöhnen müssen und sich auch so vorbereiten, passt. Zur Story kann ich jetzt nicht viel weiter sagen, ist halt logisch geschrieben, hab alles verstanden und...ja.


    Zitat

    „Dann komm mit mir. Ich werde dir Adoptiveltern suchen, und dir lernen, wie man richtig gut Fußball spielt. Was sagst du? ´´Ich sah ihn mit großen Augen an, und erwiderte: „Ohne Michele, gehe ich nirgends hin. ´´Der Mann lächelte, und fragte:“ Wo finde ich Michele? Ist er dein Bruder? ´´Ich schüttelte den Kopf und antwortete:“ No, aber wir kennen uns seit wir geboren sind. Er ist der einzige, dem ich vertraue. Er müsste bei den Obstständen nahe dem Tiber sein. ´´Der Mann streckte mir seine rechte Hand entgegen, und sagte:“ Dann gehen wir zu ihm. ´´Ich streckte ihm ebenfalls meine rechte Hand entgegen. Er nahm meine Hand und half mir auf. Anschließend gingen wir zu den Obstständen.


    Diese Stelle ist an sich gut geschrieben, die Vorgeschichte dazu auch, nur verwirrt mich ein Bisschen, dass Paolo und Michele einfach so mit einem wildfremden Mann einfach mitgeht. Klar, sie sind beide Waisen und hatten zu der Zeit nix vorzubringen, aber ich wäre da erst mal ziemlich skeptisch, ob ich einem wildfremden Mann in einer (fremde) Stadt folge...naja, vielleicht geht es ja nur mir so.


    Die Vorgeschichte mit Paolo's Mutter fand ich auch gut (also nicht ihr Verhalten^^), sondern...ja, so fängt es ja häufig an, man wird von seinen Eltern verstoßen/nicht beachtet und dann passieren einem die besten Dinge, ein Traum geht in Erfüllung, wie man es ja häufig liest, so vom Straßenkind zum Star...oder halt, dass das Leben vielleicht bergauf geht...genauso hab ich es ja auch gemacht, ich denke, dass ist auch ne gute Vorgeschichte für sowas.



    Ansonsten hat mir das Kapitel gut gefallen, auch, wenn es wie gesagt, vom Thema her nicht mein Interesse trifft, fand ich es gut und ich werde auf jeden Fall weiterlesen, kannst mich ja auf die Benachrichtigungsliste setzen ;)


    Ansonsten, mach weiter so :thumbsup:


    MfG Gin Serpiroyal


  • Capitolo Secondo
    Über Fremde und Freunde
    (Aus der Sicht von Leonardo Macione)
    Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.
    Winston Churchill


    Donnerstag, 12.Juni
    Wo bleibt Pao nur so lange?, fragte ich mich während ich mich aufwärmte. In diesem Moment fiel mir auf, dass Paolo seine Tasche hier vergessen hatte. Ich ging zu ihr und wollte sie gerade aufheben, als Paolos Handy läutete. Ich holte es aus der linken Seitentasche der blauen Tasche heraus und sah auf das Display.
    Valentina Lyall
    Ist das das Mädchen, mit dem Pao zum Flughafen gegangen war? Möglich wäre es. Bevor ich darüber nachdachte, ob ich abheben soll, schob ich das kleine grüne Telefonicon zur linken Seite und sagte:“ Ciao. ´´Es herrschte Stille. „Du bist nicht Paolo, oder? ´´antwortete mir eine sanfte Mädchenstimme. „No, bin ich nicht. Aber ich bin ein guter Freund von ihm. ´´Überrascht antwortete die Stimme:“ Warum hebst du dann bei seinem Handy ab?´´-“Weil er gerade Fußballtraining hat. Ich zwar auch aber…Ich werde ihm ausrichten, dass du angerufen hast. ´´Das Mädchen
    antwortete:“ Vielen Dank. ´´Ich legte auf. Hätte ich das tun sollen? Ach, Pao kann sie ja zurückrufen. Ich steckte das Handy wieder in die Tasche und sagte zu Michele:“ Paolo hat seine Tasche hier vergessen, ich bring sie ihm nach, falls jemand nach mir fragt. ´´Er nickte. Ich hob die Tasche auf, doch musste feststellen, dass sie schwerer war, als sie anfangs aussah. Was hat er da drinnen? Steine? Ich hob die Tasche mit Schwung auf und trug sie über der Schulter. Als ich bei den Umkleidekabinen angekommen war, wollte ich die Tür aufmachen, doch sie war verschlossen. „Pao? Bist du da drin?´´ Keine Antwort. Ich rüttelte an der Tür, doch sie wollte einfach nicht aufgehen. Ich stellte die Tasche ab und vertraute auf meine Qualitäten als Stürmer. Ich trat gegen die Türe, doch sie ging nicht auf.
    Nochmal.
    Und Nochmal.
    Und als ich erneut dagegen treten wollte, kam neben mir Edilio angerannt. „Michele hat gesagt, dass du hier bist. Aber, was machst du hier? ´´Ich stützte mich mit meinen Händen auf meinen Knien ab und antwortete:“ Ich versuche diese Tür aufzubekommen. Hilfst du mir? ´´Er sah mich mit großen Augen an. „Weshalb willst du die Türe eintreten? ´´-“Warum wohl.´´ ,meinte ich“ Ich will in die Umkleidekabine. Wieso sollte ich sonst so etwas Dummes tun, Eddi? ´´ Es gefiel ihm anscheinend nicht, dass ich ihn wieder Eddi genannt habe, doch bevor er etwas sagen konnte, trat ich erneut gegen die Türe, doch abermals ohne Erfolg. „Diese Scheiß Tür! ´´rief ich wutentbrannt. Edilio ging zu Tür und holte aus seiner Tasche ein Schweizertaschenmesser, mit dem er die Tür aufschloss. „Wie hast du das zusammengebracht? ´´Er grinste und sagte:“ Im Gegensatz zu dir denke ich, bevor ich handle. ´´Ich sah in finster an und machte die Tür auf. Der Anblick war grausam. Paolo blutete aus dem Mund, der Nase und sein Verband an seiner Kniewunde war nicht mehr da. Außerdem war er Bewusstlos. Vor ihm stand Dante mit blutverschmierten Händen, auch hatte er Blutspritzer im Gesicht. Ich flüsterte Edilio zu, dass er den Trainer holen sollte, und er rannte als ob sein Leben davon abhängen würde. In diesem Moment drehte sich Dante um und sagte:“ Wen haben wir denn da? Willst du auch eine Abreibung, Macione?´´ -“Ich mach dich fertig!´´ sagte ich laut während ich meine Fäuste ballte und ihn düster ansah. Er lachte und meinte:“ Was willst du Schwächling von mir?´´ Ich wollte gerade etwas zurücksagen, da kam der Trainer durch die Tür gerannt und sagte zu Dante, warum er das getan hatte, aber er bekam keine Antwort. „Macione! Ruf einen Krankenwagen!´´ Ich nickte, holte mein Handy aus der Hosentasche und rief 144 an.
    Mir kam es vor wie Stunden, als die Rettung endlich eintraf, doch es waren nicht nur Sanitäter, auch die Polizei war hier. Die Rettungsleute kamen mit einer Trage, auf die sie Paolo legten. Kurz darauf kam die Polizei in die Umkleidekabinen und sagte, dass keiner diesen Raum verlassen darf. „Wie ist es zu dieser Prügelei gekommen?´´ fragte einer der Polizeibeamten. Ich zeigte auf Dante und meinte:“ Er hat ihn niedergeschlagen! ´´-“Hast du Beweise?´´ fragte mich Dante der jetzt kein Blut mehr an den Händen und im Gesicht hatte. „Als ich Pao seine Tasche bringen wollte, war hier die Türe verschlossen, und als Edilio und ich sie aufbekommen haben, warst du allein mit dem zusammengeschlagenen Pao in diesem Raum. Stimmt’s, Edilio?´´ erwiderte ich etwas lauter und Edilio nickte. „Gut, das Reicht. Das ist schwere Körperverletzung. Das kostet dich einen schönen Haufen Geld. Wie alt bist du? ´´-“Quindici anno. ´´sagte Dante während er betreten zu Boden schaute. „Somit bist du strafbar. Wenn du aber noch nichts verbrochen hast, dann kann es auch milde ausfallen. Du musst jetzt mitkommen. ´´Dante ging ohne Wiederworte mit den Polizisten mit, was mich ehrlich gesagt wunderte. „Bald ist das Spiel und wir haben nur nove Spieler. Was sollen wir tun?´´ meinte Alessandro verzweifelt und mit trüben Blick während er den Trainer anschaute. „Ich habe mit dem Italienischen Fußballverband gesprochen. ´´Es herrschte Totenstille. Mir stockte der Atem. „Und sie verschieben das Spiel auf Sonntag. Also haben wir noch ganze zwei Tage bis zum Spiel. ´´Ich jauchzte laut, worauf Edilio meinte:“ Musst du immer so laut sein?´´ Ich lachte und sagte mit erfreuter Stimme: „Kommt, trainieren wir! ´´

    Freitag, 13.Juni

    Michele und ich warteten im Wartezimmer des Krankenhauses in Rom darauf, dass wir Paolo besuchen durften. Ich starrte nervös auf die Uhr.
    Schon zehn!
    Als endlich ein Krankenpfleger kam, teilte dieser uns mit: „Paolo wird morgen aus dem Hospital entlassen. Ihr könnt ihn aber besuchen, wenn ihr wollt. ´´ Wir nickten eifrig und er führte uns durch ein Treppenhaus in den 2.ten Stock. Dieses Krankenhaus sah von innen wie von außen aus, wie alle Krankenhäuser. Vorne auf dem Gebäude ein großes rotes Kreuz und innen der Geruch nach Desinfektionsmitteln. Als wir das Treppenhaus verließen, bogen wir rechts, dann links ab und standen schließlich vor Zimmer Nummer 311. Der Krankenpfleger verabschiedete sich höflich und ging, während wir den Raum betraten. Drinnen angekommen sah uns Paolo fröhlich an.
    „Ciao Leonardo e Michele! ´´Michele lief an sein Krankenbett und fragte ihn öfters, wie es ihm geht, worauf Paolo jedes Mal mit gut antwortete. „Wie kannst du nur so fit sein? Das sah ganz schön schlimm aus. ´´meinte ich als Paolo mich überrascht anschaute.
    „Pingik hat mir geholfen. ´´
    „Na wenn dir dein Avatar hilft dann ist das ja klar´´ erwiderte ich während ich auf Paolo zuging. Pingik erschien neben Paolo und sank schwer verwundet zu Boden. Paolo wollte aufstehen, doch Michele hielt ihn auf. Ich rannte zu Pingik und schaute mir seine Verletzung an. Ich rief meinen Avatar, Euvo, der andere Avatare heilen kann, herbei. Sie war eine Eule und ein Magietier. „Euvo! Hilf Pingik. ´´ Euvo legte einen ihrer Flügeln auf Pingiks Kopf, und zwitscherte etwas. Plötzlich umgab ihn eine grüne Aura, und so plötzlich wie sie gekommen war, war sie wieder verschwunden. Pingik stand auf, stürzte sich mit offenen Flügeln-er war ein Pinguin-auf Paolo und sie umarmten sich fest. Beiden standen die Tränen in den Augen, bis sie dann in einem Tränenmeer versanken.
    „So kenne ich dich gar nicht, Pao. ´´meinte ich erstaunt.
    „Ich dachte, du hast im alles gesagt?´´ fragte Michele und sah Paolo konsterniert an.
    „Äääääähhh, no. Nicht alles. Nur, dass wir schwul sind, sonst nichts. ´´
    „Hast du noch mehr Geheimnisse? Sicher dass dein Name nicht Paolo sondern Fernando oder so ist, oder?´´ während ich das sagte, lachte ich maliziös-mit sarkastischem Unterton.
    Die Antwort war überraschend: „No, aber mein Nachname ist nicht Passione, sondern Felice. ´´
    Ich sah in baff an.
    „Sonst noch was, was ihr mit verheimlicht habt?´´ sagte ich mit einem ernsten, fast zornigen Tonfall.
    Es ist ihre Sache, weshalb war ich jetzt so zornig geworden?
    Passiert es wieder?
    Oh, ich hoffe nicht!
    „LEO! Hörst du uns überhaupt zu?´´ ertönte es von Paolo und Michele im Chor.
    Zuerst nahm ich nicht einmal dies wahr, es brauchte seine Zeit, bevor ich antworten konnte.
    „Che cosa?´´
    „Wenn du uns jetzt nicht zuhörst, erzählen wir es dir nicht. ´´ meinte Michele genervt.
    „Dich scheint etwas zu bedrücken. Erzähl es uns ruhig, wir werden es schon niemanden sagen.´´ sprach Paolo lächelnd. Sein Lächeln hatte etwas Besonderes an sich, was man nicht in Worte fassen konnte. Es motivierte einen einfach, sobald man es sah.
    „I-Ich will nicht darüber reden. Jetzt hör ich zu, versprochen.´´ antwortete ich. Ich versuchte zu lächeln, doch ob man diesen Versuch als ein Lächeln bezeichnen konnte?
    Wahrscheinlich nicht.
    Ich nahm einen Stuhl vom Ecktisch und setzte mich hin. Der Stuhl war gepolstert und mit Samt überzogen, wodurch er besonders weich war. Paolo sah mich skeptisch an, dann begannen Michele und er zu erzählen.
    Nachdem sie fertig waren, war ich erstmals erstaunt. Erstaunt darüber, wie sie das alles über die Jahre vor den anderen verbergen konnten.
    „Aber dich bedrückt doch auch was, du kannst es vor mir nicht verheimlichen. Da fällt mir ein, du hast auch noch nichts von deiner Vergangenheit erzählt. ´´ meinte Paolo der mich immer noch argwöhnisch ansah.
    „Spuck‘s aus, Macione. Wir haben dir auch alles erzählt. ´´
    Ich war verwundert, dass Michele so tough sein konnte, doch ich erwiderte: „L-Lieber nicht. DAS was ich erlebt habe, wollt ihr nicht hören…oder besser, was ich mal war. ´´
    „Solange du kein Mörder bist…´´ meinte Michele scherzhaft. Sie lachten, doch verstummten sofort als sie sahen, dass ich nicht lachte.
    „Bist du etwa wirklich ein Mörder? ´´entgegnete Michele fassungslos.
    „No, soooo schlimm ist es jetzt auch wieder nicht, wie ihr das meint. Ich will einfach nicht darüber reden, e finito!´´ erwiderte ich aufgebracht.
    Die Beiden sahen mich entsetzt an. Ihre Blicke waren so unangenehm, dass ich mich umdrehte, durch die Tür rannte, fast mit einer Krankenschwester zusammenkrachte, dann aus dem Krankenhaus lief und in den nächsten Bus einstieg. Dabei achtete ich nicht, wohin der Bus fuhr, doch das war mir in diesem Moment egal.
    Ich wollte einfach nur weg.
    Weg von den Fragen, vor deren Antworten.


    ~-~


    „Endstation, Vatikan! Wir bitten alle Passagiere, auszusteigen.“ sagte eine krächzende Stimme aus einem Lautsprecher in dem roten Linienbus, in dem ich mich befand. Als ich ausstieg, sah ich auf das Display meines Handys.
    Es war halb zwölf.
    Training hatten wir erst am Nachmittag, ich hatte also Zeit, mich abzuregen. Ich holte meine Kopfhörer aus meiner Tasche, steckte sie in mein Handy und schaltete das Lied „Holes„ von Passenger ein. Ich mochte solche Lieder eigentlich gar nicht, doch dieses Lied erinnerte mich an meine Vergangenheit.


    I know a man with nothing in his hands, nothing but a rolling stone
    he told me about when his house burnt down, he lost everything he owned
    he lay asleep for six hole weeks, they were gonna ask his mother to choose
    when he woke up with nothing he said i'll tell you something
    when you've got nothing, you've got nothing to lose


    Diese Strophe erinnerte mich an meinen Vater. Ich wuchs bei meiner Mutter auf, und aus Wut, dass er sie verlassen hatte, brennte sie sein Haus nieder, und wurde dann verhaftet. Mein Vater lag auch im Koma, seine Mutter wollte sich gerade dazu entscheiden, die Maschinen auszuschalten, da erwachte er, und er hatte nichts mehr, selbst ich war für ihn gestorben. Die letzten Worte die er zu mir sprach, waren: Wenn du nichts hast, hast du auch nichts zu verlieren.


    I know a woman with kids around her ankles an a baby on her lap
    she said one day her husband went to get a paper and the mother fucker never came back
    mortgage to pay and four kids to raise, keeping the wolf from the door
    she said the wolf's just a puppy and the door's double locked so why you gottaworry me for


    Mein Vater sagte eines Tages, er würde zum Kiosk und dort die Zeitung holen, doch dieses Arschloch kam nicht wieder. Ich hatte noch drei Geschwister und Mama musste alles alleine bezahlen, was ihr schwerfiel, da sie nur eine einfache Hausfrau war. Doch sie hielt Unheil von uns fern, und schloss die Türe immer doppelt ab. Wenn jemand sie vorwarnte, sagte sie immer: Warum soll ich mir Sorgen machen? Ich schaffe das! Schlussendlich hat sie sich im Knast erhängt, also war das alles umsonst.


    Well sometimes you can't change and you can't choose
    and sometimes it seems you gain less than you lose


    Ich konnte nichts gegen den Zerfall unserer Familie unternehmen. Meine Geschwister verbrannten bis zur Unkenntlichkeit in Vaters Haus. Ich hatte niemanden mehr, ich war allein. Dadurch hatte ich Depressionen, und ich wurde du einem kompletten Psychopathen. Ich kam dann in Therapie, und konnte meinen inneren Schweinehund besiegen. Doch die Therapie hatte ganze ZEHN JAHRE gedauert, angefangen hat es, als ich fünf war, ein Ende hatte es letztes Jahr.
    Wurde ich wieder zu diesem Monster?
    Nein! Das will ich nicht!
    Ich werde es abermals besiegen.
    Als ich mich umsah, stand ich Mitte Petersplatz. Er sah kleiner aus, als er immer im Fernsehen aussah, der Petersdom hingegen sah größer aus, als im Fernsehen. Da der Eintritt in den Dom frei war, ließ ich mir die Chance nicht entgehen, die berühmteste Kirche der Welt von innen anzusehen. Als ich durch das Eingangstor trat, machte sich Begeisterung in mir breit. Mit den riesigen Säulen und den grünen, schwarzen und weißen Marmor, in den man sich spiegeln konnte, sah das ganze nach einem eleganten Ambiente aus. Aber was mich noch mehr fasziniert war, dass alle Bilder aus Mosaik bestanden, und keines, wirklich KEIN Bild, war gemalt. Auf den ersten Blick erkannte man die Mosaiksteine gar nicht, erst bei genauerem Hinsehen sah man die kleinen bunten Glasscherben. Ich schaute kurz, ob ich mein Handy auf lautlos hatte. Während ich das nachsah, erschien eine neue Nachricht auf dem Display, die mir bestätigte, dass ich auf Stumm geschalten hatte. Die Benachrichtigung kam von Paolo. Ich wischte über den Bildschirm und öffnete Whats App. Paolo schrieb:


    Ciao, Leo!
    Wo bist du?
    Michele und ich machen uns schon Sorgen.
    Also, bitte melde dich!
    Pao


    Sie machten sich sorgen um mich?
    Das war ich nicht gewöhnt, von Menschen. Ich verbrachte in der Therapie mehr Zeit mit Tieren als mit Menschen, und Tiere fühlten immer mit einem mit. Egal ob man traurig oder fröhlich war. Zuerst zögerte ich, ob ich zurückschreiben sollte, doch dann schrieb ich kurz „Petersdom“ zurück.
    Jetzt rief er an.
    Sollte ich abheben?
    Nein. Ich schob den roten Telefonicon zur Seite und steckte mein Handy in die Tasche, als plötzlich eine Stimme ertönte: „Der Papst gibt jetzt bis 18Uhr Audienzen. Nutzen sie ihre Chance! ´´
    Sollte ich zum Papst gehen?
    Die Schlange war noch nicht so groß. Ich rannte ans Ende der Warteschlange. Ich wartete nur eine knappe halbe Stunde, bis ich endlich an der Reihe war. Doch auf einmal gab es eine laute Detonation. Die Decke stürzte ein, ich lief um mein Leben. Ich hielt dabei Ausschau nach einem Ausgang, doch es ging alles so schnell und ich sah vor lauter Staub nicht, wo ich hinrannte. Ich hielt mir die rechte Hand vor den Mund und blieb kurz stehen, um nach einem möglichen Ausgang zu spähen.
    Da!
    Dort drang Licht in den einstürzenden Dom. Ich rannte dem Licht entgegen, bis ich es erreichte und draußen in der Freiheit war. Ich bog rechts ab, rannte die Stufen runter und lief auf den Petersplatz. Als ich am Ende vom Platz angekommen war, sah ich auf den Petersdom.
    Er war zerstört.
    Nur noch das Fundament der Kirche stand. Ich erblickte, wie ein schwarz gekleideter Mann auf mich zulief. Während er mich wegstoßen wollte, wich ich ihm aus und stellte ihm ein Bein, worauf er Breitlings hinflog. Ich hörte die Polizeisirenen, doch diese nahm ich nicht wahr, da ich mich vollkommen auf den Mann konzentrierte. Er blieb einfach liegen, er probierte nicht einmal aufzustehen. Verwundert wollte ich auf den Mann zugehen, doch jemand zog mich nach hinten.
    „Warte, Kleiner!´´
    Wer ist hier klein!
    „Der Mann ist gefährlich, also halte Abstand. Du scheinst, als hättest du den Einsturz wie nur so wenige überlebt. Geh zum Rettungswagen und lass dich einmal durchchecken! ´´
    Der kann mich mal. Wieso sollte ich das bitte machen? Ich fühlte mich gut, zwar musste ich des Öfteren husten, doch das war nur wegen des ganzen Staubs gewesen. Ich entfernte mich ein paar Schritte, versteckte mich hinter einer der 284 Säulen der „Arme“ des Petersdoms. Ich holte mein Handy aus meiner Hosentasche, stellte die Kamera ein, zoomte zu dem nun unmaskierten Mann und drückte ab, als er in meine Richtung sah. Kurz darauf riss er sich vom Griff eines Polizisten los und schlug die anderen nieder. Ich hatte zuerst einen kleinen Schock, doch dann nahm ich die Beine in die Hand und lief um mein Leben, doch ich kam nicht weit, da ich auf dem glatten Boden ausrutschte. Ich streckte schnell meine Hände nach vor, doch dann spürte ich, wie mich jemand an meiner Kapuze festhielt, sodass ich nicht mehr fiel. Mein Pulli drückte nun gegen meinen Hals, und ich bekam keine Luft mehr. Nach Luft ringend versuchte ich, mit meinen Füßen einen festen Halt zu bekommen, was mir nach einigen Augenblicken gelang, doch der, der meine Kapuze hatte, ließ nicht locker. Er zog mich jetzt zu sich und hielt mir ein Messer unter mein Kinn. Er sah mich von der rechten Seite an. Er hatte ein von Narben geziertes Gesicht, gelbraune, kurze Haare und dunkelblaue Augen. Irgendwie erinnerte er mich an Paolo, doch da musste ich mich täuschen.
    „Gib mir dein Handy, Leonardo!´´
    Woher kannte er meinen Namen?
    „Bestimmt nicht! Dafür musst du mich erstmals töten!´´
    Ich spürte, wie die Klinge immer fester gegen meinen Hals gedrückt wurde, ich schloss die Augen, doch dann entfernte sich das Messer und er sagte: „Soll das Monster in dir dich selbst töten, so wie es deine Familie zerstörte.´´
    Was?
    Ich soll unsere Familie zerstört haben?
    Der träumt aber auch von lauwarmen Eislutschern!
    Doch, woher weiß er von meinen Problemen?
    Ich drehte mich um, damit ich den Mann ansehen konnte, doch er war verschwunden.
    „Leo! Bin ich froh, dass dir nichts passiert ist. ´´
    Ich wandte mich erneut und sah Paolo und Michele, die auf mich zuliefen.
    „Sí, ich konnte gerade noch entkommen. Pao, kommt dir der Mann bekannt vor?´´
    Ich holte mein Handy aus der Hosentasche und zeigte den Beiden das Bild. Als sie das Bild sahen, erschrak Paolo und trat einen Schritt zurück.
    „Kennst du ihn?´´
    „Er sieht jemanden sehr ähnlich, den ich einmal gut kannte, doch das kann nur ein Zufall sein. ´´
    „Der sieht dir aber in einer gewissen Weise ähnlich, finde ich. Was meinst du, Michele?´´
    „Da stimme ich dir zu, Leonardo. Das kann KEIN Zufall sein. Wie heißt diese Person, die der Mann ähnlich sieht, Paolo?´´ meinte Michele während er zu Paolo hinsah. Paolo zögerte kurz und antwortete dann: „Er sieht meinem Vater, Giorgio Felice, sehr, sehr ähnlich. Aber er wurde bei einem Attentat getötet, er ist also unmöglich, dass er noch lebt. ´´
    „Bist du sicher? Vielleicht konnte er entkommen, und lebt heute vielleicht noch.´´
    „Hör auf, du machst mir nur noch falsche Hoffnungen. Er ist tot.´´
    Paolo hörte sich an, als würde er seinen eigenen Worten nicht trauen. Um von diesem Thema abzulenken, fragte ich ihn, wer jetzt am Sonntag statt Dante spielen würde.
    „Wir haben noch keinen Ersatz, aber der Trainer meinte, wir sollen uns bei den Fußballclubs in der Stadt umsehen. Vielleicht will einer von deren Spielern für dieses Spiel unterstützen. Ich meine, welcher Spieler in l’italia will nicht am Italia Turnier teilnehmen.´´
    „Gute Idee! Erkundigen wir uns am besten im Rathaus…Weiß wer zufällig, wo das Rathaus ist?´´
    Ich fasste mir mit meiner rechten Hand an den Hinterkopf und Michele meinte: „Ich hab einen Stadtplan eingesteckt, der wird uns wohl helfen.´´
    Paolo und ich nickten und wir gingen zu einer Bushaltestelle in der Nähe des Petersplatzes. Nach rund fünf Minuten Wartezeit kam der Bus und wir stiegen ein.


    ~-~


    „Es gibt drei Jugendfußballvereine in Roma. Nämlich: Primavera, Romanum und Forlí. Welcher hat euer Interesse geweckt?´´ sprach eine junge Frau mit blonden Locken hinter dem Empfangsschalter des Rathauses. Sie kam nicht aus Italien, das hörte man an ihrem leichten britischen Akzent.
    „Sagen sie uns bitte, wo wir das Team Forlí finden.´´ antwortete Paolo höflich.
    „Ihr findet sie in il colosseo. ´´
    „Direkt darin?´´
    „Sí.´´ meinte die Frau die versuchte, wie eine Italienerin zu klingen, was ihr aber nicht so gut gelang. Paolo bedankte sich für die Information und wir verließen das Rathaus. Wir gingen wieder zu einer Bushaltestelle. Ich warf einen kurzen Blick auf die Uhrzeit auf meinem Handydisplay.
    Es war halb zwei.
    Um vier hatten wir Training, also war noch genug Zeit. Wir mussten zur Bushaltestelle rennen, da wir fast den Bus verpasst hätten. Im Bus angekommen, fuhr dieser los, bevor ich mich hinsetzen konnte, sodass ich fast vorwärts hinflog. Ich saß mich hinter Paolo und Michele hin und sah aus dem angeschriebenen Fenster. Rom war zwar eine sehr dreckige Stadt, doch ich mochte die alten Gebäude und den italienischen Flair, weshalb ich auch in keinem anderen Land leben wollen würde. Als wir durch engere Straßen fuhren, konnte man Seile erkennen, die von einem Haus zu dem gegenüberliegenden gespannt waren. Darauf waren kleine, italienische Flaggen gereiht, die anlässlich des Italia Turniers aufgehängt wurden. Während ich so in die Stadt vertieft war, merkte ich nicht, dass wir angekommen waren, doch Michele stieß mich an und machte eine Kopfbewegung in Richtung Ausgang. Nun standen wir vor dem kolossalen und historischen Kolosseum. Wir wollten gerade hineingehen, da hörte ich wie jemand rief: „¡Hola! Ihr seid doch von Fulmine a catena, oder?´´
    Wir drehten uns um und sahen einen Jungen mit gebräunter Haut, schwarzen, Haaren, die zum Ende hin lockiger wurden und Kaminroten Augen. Er hatte braune Shorts, ein ärmelloses Top mit himmelblauen und weißen Längsstreifen und himmelblaue Sneakers an.
    „Sí´´, antwortete Paolo überrascht „Woher weißt du das?´´
    „Unser Fußballclub ist ein großer Fan von euch. ´´
    „ Welcher Fußballclub? ´´
    „Forlí. Wir haben auch erfahren, dass ihr einen Spieler braucht, weil einer von euch ausfällt. Seid ihr deswegen hier?´´
    Wir drei nickten synchron, worauf der Junge mit spanischem Akzent sagte: „Kommt ich führe euch in unser Clubhaus. ´´
    Er rannte in so einem Tempo voraus, dass wir Mühe hatten, nachzukommen. Als wir durch die Gänge des Kolosseums flitzten, dachte ich darüber nach, wie alt dieses Gebäude eigentlich schon war. Wie sie hier blutige Gladiatorenkämpfe veranstalteten und wie hier Menschen den Tieren zum Fraß vorgeworfen wurden, und das ging sich sogar freiwillig einer ansehen…
    Einfach grausam!
    Als wir zu einer Treppe nach unten kamen, sprang der Junge mit einem Satz die Treppe runter, während wir die Treppe hinunterliefen. Ich wunderte mich darüber, dass er sich nicht wehgetan hat, da es schon sehr extrem ausgesehen hatte.
    „Wie heißt du eigentlich?´´ gab ich stöhnend von mir. Er hielt an und antwortete: „Oh, lo siento! Habe ich meinen Namen nicht erwähnt? Mein Name ist Thiago. Thiago Messi. Und ich komme aus Argentinien. ´´
    „Du hast den gleichen Nachnamen wie Lionel Messi!´´ sagte ich.
    „Jaaaaaa, ich bin aber nicht mir ihm Verwandt.´´
    „Kommt, laufen wir weiter. ´´ meinte Thiago während er loslief. Wir liefen wieder hinter ihm her, bis wir zu einer blauen Metalltür kamen auf der ein Graffiti war, dessen Schrift ich nicht entziffern konnte. Thiago öffnete die Tür und sagte lautstark: „Hier ist Fulmine a catena! ´´
    Als wir den Raum betraten sahen uns alle ungläubig an.
    „Seid ihr wirklich Paolo Passione, Michele Divertiani und Leonardo Macione?´´ fragte ein großer, schlaksiger Junge mit kurzen, blonden Haaren und braunen Augen. Wir nickten und ein kleiner, orangehaariger Junge lief zu mir und meinte mit funkelnden Augen: „Du bist mein Idol. Ich will auch mal so ein toller Stürmer wie du sein. ´´
    „Halt mal die Luft an, Federico. Was wollt ihr hier in unserem Clubhaus?´´ entgegnete ein blauhaariger Junge mit grünen Augen.
    „Aber das weißt du doch, Mattia. Sie wollen jemanden aus unserem Team als Ersatz für einen Spieler aus ihren.´´
    „Und wer sagt, dass sie einen Spieler aus unserem Team bekommen?´´
    „Aber Mattia! Wir können sie doch nicht so einfach wieder wegschicken.´´
    „Wenn du so begeistert von denen bist dann kannst du ja einspringen. Du hast hier ja eigentlich eh nichts verloren. Also verschwinde und komm erst wieder, wenn du den Fußball respektiert hast. ´´
    Mattia ging an Thiago vorbei, stand nun vor Paolo und fragte ihn: „Magst du Fußball?´´
    „Fußball gibt meinem Leben einen Sinn. Ohne ihn, würde ich nicht leben wollen.´´
    „Gut. Passt gut auf Thiago auf. Wenn nicht…Ich würd es euch nicht übelnehmen. ´´
    Mattia verschwand durch die Tür, durch die wir gekommen sind und Thiago meinte: „Was erlaubt der sich? Ich respektiere Fußball sehr wohl. ´´
    „Thiago, du weißt, er meint es nicht so.´´ sagte Federico.
    Thiago verschränkte die Arme und sagte nichts mehr. Paolo legte ihm eine Hand auf die Schulter und sagte: „Willkommen im Team!´´


    MFG
    Rexilius

  • Hey Rexilus :)
    Gestern hast du ein neues Kapitel online gestellt und heute bekommst du einen Kommentar von mir ;)


    Ganz allgemein lässt sich sagen, dass mir das zweite Kapitel, wie auch dein Prolog & dein erstes Kapitel gut geschrieben sind. Dein Schreibstil ist sehr flüssig und lässt sich sehr gut lesen.
    Was mich allerdings stört, sind ein paar klitzekleine Fehler, die sich eingeschlichen haben.


    Erstens nimmst du bei deinen wörtlichen Reden immer unterschiedliche Satzzeichen. Mal am Anfang unten und am Ende oben, mal bei beidem oben. Schöner wäre es, wenn du sie einheitlich zu Beginn unten schreiben würdest.
    Zweitens ist mir aufgefallen, dass du nach wörtlichen Reden keinen Absatz machst. Es liest sich angenehmer, wenn nach jeder wörtlichen Rede ein Absatz folgen würde.


    Auch brichst du ein paar Sätze mitten ab und machst einen Absatz. Das sieht optisch nicht gut aus und es ist schwerer, weiterzulesen.


    Ein kleiner Fehler, der mir aufgefallen ist, sind die fehlenden Beistriche nach den wörtlichen Reden, wo danach noch etwas folgt. Zudem lässt man den Punkt in einer wörtlichen Rede weg, wenn danach die wörtliche Rede endet und ein Beistrich kommt.


    Hoffentlich bist du mir nicht böse, dass ich so viel kritisiert habe :) Aber solche kleinen Fehler lassen sich leicht ausbessern ^.^


    Liebe Grüße,
    Mars II

  • Hallo, Rexilius.


    Ja, dann gebe ich zu deinem neusten Werk auch mal ein paar Worte ab. Sry, dass es so spät kommt, sollte eigentlich schon am Sonntag kommen, aber dann gab es ein paar...Probleme und, naja. Jetzt ist es ja hier^^



    Zu Anfang muss ich sagen, hat mir das Kapitel wieder echt gut gefallen. Du bist gut mit den Details umgegangen (außer an einer Stelle, aber auf die komm ich gleich noch zurück), man konnte sich die Situation und die Umgebung gut vorstellen und...naja.


    Ich fand auch gut, wie du die Erinnerungen von Leonardo's Kindheit beschrieben hast, ich bin ja generell ein Fan von Charakteren mit kaputten Kindheiten oder Familien^^ Irgendwie, musste ich ab und zu an Gin, aus meiner FF denken, als ich mir dieses Kindheitsgeschichte durchgelesen habe, aber egal. :assi:


    Gut fand ich auch die Stelle im Krankenhaus, dieser Konflikt immer mit den Geheimnissen und so, den lese ich generell gerne, hebt auch die Spannung und so. Muss mich dann auch fragen, was Leonardo so bedrückt und was irgendwie bei den anderen noch so los ist, finde ich gut.


    Was mir dann aber ein etwas zu großer Dorn im Auge war...ja, das war die Stelle im, bzw. vor dem Dom. Als erstes, ist spannend aufgebaut, fragt man sich natürlich :"Wer würde so eine Sehenswürdigkeit zerstören?" und so. Die Abläufe darauf seitens Leonardo hast du auch gut beschrieben, was mir aber fehlt, sind die Reaktionen von anderen Leuten. Zu denen steht nämlich gar nichts da. Das fand ich sehr schade, das hätte man nämlich gut beschreiben können. Schubsen sich die Leute gegenseitig weg, um wenigstens ihr eigenes Leben zu retten? Hört Leonardo eventuell die verzweifelten Schreie, von verängstigten Menschen? Werden manche evtl. von Trümmern begraben oder können sie flüchten? Und so weiter...das hat mir alles da gefehlt, deswegen ist die Stelle auch für mich so leblos und dann auch schon wieder etwas uninteressant, was bei der an sich guten Idee, bzw. Situation dann doch schon schade ist. Bin ja gute Details von dir eigentlich gewohnt.


    Den unbekannten Mann, der Leonardo angreift, bzw. bedroht, den fand ich dann schon was interessanter, weil er auch so seltsames Zeug von sich gibt, was für Leonardo eine Bedeutung hat und so hat man dann wieder etwas, das Spannung macht.



    Jo, das war's. Wie gesagt, gutes Kapitel, freue mich auf das Nächste und...ja.


    MfG Gin Serpiroyal



  • Capitolo Tres


    Das erste Spiel [1/2]
    (Aus der Sicht von Leonardo Macione)
    Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.
    Friedrich Nietzsche



    Samstag, 14.Juni
    Während die Abendsonne gerade in einem Himmelsgemisch aus violetten und roten Farbtönen hinter den Hügeln der Toskana unterging, saß ich auf dem Dach von unserem Haus und sah, wie die schwarzen Vogelsilhouetten gegen den Horizont flogen und allmählich verschwanden. Solche Augenblicke hatte ich in meiner Kindheit oft, da ich aus einem kleinen Dorf in der Toskana komme. Weil ich in meiner Vergangenheit oft von anderen wegen meines „Problems“ oft verstoßen wurde, hatte ich mich in meiner Kindheit mit dem Schreiben von Gedichten, Kurzgeschichten und vielem anderen beschäftigt.
    Als die Sonne untergegangen war, kam Dunkelheit über die Landschaft. Doch, die Sterne und der Mond erhellten diese trostlose Nacht nicht, da sie gänzlich fehlten. Ich spürte den kalten Wind, der mir um die Ohren pfiff, während ich eine Gänsehaut bekam. Den Kopf gen Himmel gerichtet sah ich in diese Dunkelheit, die mich innerlich erschauern ließ. Ich dachte an meine Vergangenheit, wo niemand zu mir hielt. Niemand, außer sie.
    Saphira.
    Doch als meine Depressionen immer schlimmer wurden, unterbrach ich den Kontakt zu ihr, um sie zu beschützen, aber sie wollte das nicht und stand eines Tages vor meiner Tür. Ich war so sauer auf sie, dass ich sie schlug bis das Leuchten in ihren Augen, die aussahen wie zwei glänzende Saphire, erlosch und sie bewusstlos zu Boden glitt. Als ich ihr Blut an meinen Händen erblickte, das hinunterlief, merkte ich erst, was ich getan hatte. Ich spürte, wie eine unerträgliche Hitze in meinem Körper aufkam und ich befürchtete, dass ich meinen Traum, normal zu leben, abhaken konnte. Ich wollte die Wahrheit verstecken, sie beschützen, doch ich tat das Gegenteil und dieses Ereignis verfolgt mich bis heute. Aber jeder Mensch hat ein Schicksal, dies ist meins und es ist verwoben in meiner Seele. Damals war ich gerade einmal sieben. Nach diesem Ereignis brach ich den Kontakt zu Saphira und ihrer Familie komplett ab, wanderte durch die ganze Toskana, stahl Nahrung, trank aus Flüssen, schmuggelte mich auf ein Boot und kam schließlich in Cagliari an, wo mich Mario Vedi zu Adoptiveltern brachte und meine Therapie bezahlte. Warum er mir damals half, ist mir bis heute ein Rätsel, doch ich bin ihm unendlich dankbar darüber. Doch diese Bestie lebt bis heute in mir, doch ich gebe nicht auf!
    Ich werde diesen Dämonen besiegen…!
    In den Nachthimmel starrend sah ich einen weißen Geist, der allmählich die Form eines Mädchens annahm. Mond und Sterne erschienen und flimmerten am Himmelsgewölbe so hell und rein wie nie zuvor. Der Mädchengeist sah aus wie Saphira! Die Erscheinung besaß die gleichen seidenen schwarzen Haare und die gleichen Blutroten Lippen die sanft geschwungen waren. Sie war wirklich engelhaft.
    „Träume ich?“
    Sie schüttelte langsam den Kopf und setzte sich neben mich hin. Sie legte ihre zarten Hände auf meine Schultern und sah mich musternd an. Mir kamen die Tränen, die sie liebevoll wegwischte.
    „Ich liebe dich.“
    Sagte ich als ich durch ein starkes rütteln aus meinem Traum erwachte.
    „LEONARDO! Wach auf, Idiota!“
    Als ich meine Augen aufschlug, sah ich Raffaele in die Augen, der auf der Bettkante saß und mich immer noch rüttelte.
    „Sí, SÍ! Ich bin ja schon wach! Hör auf mich zu schütteln, Man.“
    „Weißt du eigentlich, dass du im Schlaf redest?“
    „Ernsthaft? Über was rede ich denn?“
    „Über irgendein Problem und dass du einen Dämonen besiegen willst und über ein Mädchen namens Saphira zu dem du ich liebe dich gesagt hast.“
    Ich sah ihn ungläubig an.
    „Das alles habe ich gesagt?“
    „Ja. Dann fang mal an zu erklären.“
    Er verschränkte die Arme, setze sich auf mich und meinte:
    „Ich bleibe solange auf dir sitzen, bis du mir erzählst, was das alles zu bedeuten hat.“
    Ich spürte, wie mein Blut zu pulsieren begann, doch ich hielt mich zurück. Ich sah Raffaele böse an, der darauf meinen Blick erwiderte.
    „Was du kannst, kann ich auch.“
    „Sei dir da mal nicht so sicher! GEH VON MIR RUNTER!“
    Den letzen Satz schrie ich, wobei sich Raffaele erschrak.
    „E-Entschuldige, Raffa. Das wo-wollte ich nicht. Bitte geh runter von mir.“
    „No. Ich habe keine Angst vor dir.“
    „Ich will dich doch nur nicht verletzen. Bitte, Raffa.“
    Er schüttelte den Kopf und mein Blutdruck schoss in die Höhe. Ich hielt es nicht mehr aus und schubste ihn von mir runter, wobei er vom Bett runterflog und mit dem Kopf gegen die Wand krachte. Ich ballte meine Fäuste und er rief:„BIST DU VERRÜCKT?“
    Während ich in Raffaeles schockiertes Gesicht sah, öffnete ich meine Fäuste. Ich hielt meine Hände vor mein Gesicht, fing an zu weinen und sagte immer wieder:
    „Es tut mir Leid. Es tut mir so leid!“
    Ich spürte, wie Raffaele seine Hände auf meine Schultern legte. Während ich aufsah, meinte Raffaele, dass ich ihm erzählen soll, warum ich so reagiert habe. Dann würde ich mich besser fühlen, meinte er. Und so begann ich zu berichten…
    ~-~
    „Wieso hast du das nicht schon viel früher erzählt?“
    fragte mich Raffaele, doch ich brachte keine Antwort heraus. Es herrschte stille.
    „Ich verstehe, Leonardo. Ich werde dich jetzt einmal alleine lassen“, sagte Raffaele „Falls du etwas brauchst, klopf einfach gegenüber an.“
    Ich schloss die Augen und bedankte mich bei ihm, bevor ich die Türe in ihr Schloss fallen hörte. Ich stand vom Bett auf und ging zum Fenster und schaute zu dem verwüsteten Petersdom. Das Hotel war ganz in der Nähe des Platzes. Gewaltige Menschenmassen versammelten sich dort und trauerten um den Papst, um ihre verstorbenen Liebsten. Doch auch Touristen gab es reichlich, die den verwüsteten Dom fotografierten und die Bilder wahrscheinlich auf Facebook, Twitter, Flickr-oder wie die alle heißen-hochluden. Während ich zu meinem Nachtkästchen ging, dachte ich darüber nach, ob Raffaele mein Problem wohl Paolo und Michele sagen würde. Doch das wäre mir egal. Denke ich. Ich steckte mir meine Ohrstöpsel in die Ohren, legte mich aufs Bett, schloss die Augen und hörte mein Lieblingslied, „Demons“ von den Imagine Dragons.


    When the days are cold
    And the cards all fold
    And the saints we see
    Are all made of gold


    Ich bin ein richtiger Imagine Dragons-Fan geworden. Anfangs mochte ich ihre Musik gar nicht, doch mit der Zeit verglich ich ihre Lieder mit meinem Leben und ich fing an, ihre Musik zu mögen.


    When your dreams all fail
    And the ones we hail
    Are the worst of all
    And the blood's run stale


    Und dies ist nicht nur wegen der Musik mein Lieblingslied, nein. Da einige ihrer Lieder fast genauso wie mein Leben sind fing ich an, mich nur mehr in die Musik zu vertiefen und nur mehr ihr zu glauben, niemand anderen.
    I wanna hide the truth
    I wanna shelter you
    But with the beast inside
    There's nowhere we can hide


    Ich habe mich nicht nur in die Musik vertieft damit ich nicht mehr verarscht werde, ich wollte die anderen einfach schützen, deshalb habe ich die Wahrheit versteckt, doch ganz konnte ich sie nie verbergen.


    No matter what we breed
    We still are made of greed
    This is my kingdom come
    This is my kingdom come


    Während ich Musik hörte, konnte mich keiner aus der Ruhe bringen. Doch wenn ich keine Musik hörte, dann wurde ich schnell wütend. Ich öffnete die Augen und starrte an die Decke…Oder doch nicht? Ich sah den Nachthimmel mit vielen, bunten Sternen und einem violetten Vollmond. Der Boden fühlte sich kalt und glatt an, fast so wie Glas. Während ich aufstand bemerkte ich, dass wie aus dem Nichts Dämonen auftauchten. Sie sahen wie richtige Dämonen aus, doch als sie so über mich flogen erkannte ich, dass sie nur aus buntem Rauch bestanden. Als ich nach unten sah, stockte mir der Atem. Ich rieb mir die Augen und fiel auf die Knie. Kann das wirklich wahr sein?, fragte ich mich während ich unter mir die Erde und den Weltraum betrachtete. Rechts von der Erde war ein riesiges Schwarzes Loch, auf der anderen Seite waren die weißesten Wolken die ich je gesehen hatte und ein kolossales goldenes Tor. Waren das Himmel und Hölle? Plötzlich merkte ich, wie der Boden unter mir plötzlich verschwand und ich fiel. Aber, konnte man in der Schwerelosigkeit fallen? Anscheinend schon. Während mir bewusst wurde, dass ich nicht mehr fiel sondern schwebte, sah ich vor mir einen überdimensional großen Text. Zuerst war er so verschwommen, dass ich ihn nicht entziffern konnte, doch mit der Zeit konnte ich die ersten vier Zeilen lesen.


    When you feel my heat
    Look into my eyes
    It's where my demons hide
    It's where my demons hide


    Moment…Das waren doch die Lyrics von Demons! Während ich nun wieder festen Boden unter den Füßen hatte, setzte ich mich hin, zog meine Knie ein und schlang meine Arme um diese. Ich starrte auf den Text. Erst jetzt wurde mir klar, dass mich vollkommene Dunkelheit umgab und der Songtext die einzige Lichtquelle war. Ich bekam Angst als der Text verschwand und ich alleine in der Schwärze saß. Während ich die Augen schloss und meinen Kopf in den Knien von mir vergrub, hörte ich eine Melodie. Ich fragte mich, woher sie wohl kommen mag, bewegte mich aber nicht, da ich solche Furcht hatte. Zuerst war die Melodie kaum hörbar, doch dann wurde sie immer lauter und lauter bis ich mir die Ohren zuhalten musste. Doch jetzt erkannte ich das Lied. Es war jener Song, dessen Lyrics vorher noch die Dunkelheit erleuchteten.


    Don't get too close
    It's dark inside
    It's where my demons hide
    It's where my demons hide


    Man darf nicht zu nahe kommen, da es dunkel drinnen ist, dort sind meine Dämonen versteckt. Kann es möglich sein, dass ich jetzt sozusagen in diesem Lied gefangen bin? Das ist doch unmöglich…Oder? Die Lautstärke der Musik nahm immer weiter zu und ich spürte, wie mein ganzer Körper vibrierte, so sehr dass ich dachte, es wäre ein Erdbeben. Doch als ich anscheinend innerlich bebte, war ich äußerlich umso ruhiger. Was geschah gerade? Ich öffnete schlagartig die Augen und das Lied verstummte augenblicklich. Ich saß noch immer in einer undurchdringbaren Finsternis, doch für einen Moment dachte ich, ich hätte etwas gehört. Verunsichert stand ich auf und ging ängstlich ein paar Schritte vorwärts. Als ich ein Geräusch hörte, das dem Schrei eines Mädchens glich, blieb ich abrupt stehen. Plötzlich verwandelte sich die Dunkelheit in buntes Licht. Ich musste meine Augen schließen, da der Schein der Farben zu hell war. Abermals hörte ich ein Mädchen schreien, doch es war nicht mehr so laut wie vorher. Mit verschlossenen Augen rannte ich einfach los, ohne zu wissen, wohin ich eigentlich lief. Die Schreie wurden immer lauter und lauter, bis ich plötzlich über etwas stolperte und der Länge nach hinflog. Ich öffnete sofort die Augen und fand mich im Hotelzimmer wieder, doch ich lag am Boden. Ich hörte noch immer laute Musik, doch jetzt realisierte ich erst, dass ich anscheinend auf meinem MP3-Player gelegen habe und da ich noch immer die Ohrstöpsel in meinen Ohren hatte, kam daher die laute Musik. Doch, warum hörte ich dann am Ende des Traums keine Musik mehr? Ich schloss wieder die Augen als mir auf einmal jemand die Ohrstöpsel aus den Ohren zog. Sofort öffnete ich meine Lider und sah Paolo, Michele und Raffaele die von oben auf mich herabsahen.
    „Buongiorno.“
    Sagte ich worauf Michele meinte: „Sí, buongiorno. Weißt du wie lange es gedauert hat, bis wir dich wach bekommen haben?“
    „Ihr habt also die Musik so laut gedreht und mich vom Bett geschubst?“
    Die drei lächelten und nickten. Ich stand auf und fragte die Drei, ob ich wieder im Schlaf geredet hätte, worauf diese verneinten, aber Raffaele meinte, er hätte Paolo und Michele von meiner Vergangenheit berichtet. Zuerst sah ich ihn entrüstet an, doch nach kurzer Zeit fing ich mich wieder und sagte, das ist besser so.
    „Wieso hast du uns das nicht früher gesagt?“fragte mich Paolo.
    „Warum hast du nicht früher gesagt dass du und Michele schwul seid?“erwiderte ich.
    Raffaele sah Paolo und Michele fragend an, während ich anfing zu lachen.
    „Scusí, ich wusste nicht, dass ihr es Raffaele nicht gesagt habt.“ meinte ich während ich aufhörte zu lachen.
    Michele und Paolo sahen mich böse an, doch Raffaele verschränkte die Arme und grinste. Bevor Michele etwas sagen konnte, entgegnete Raffaele: „Ich sag es schon keinem. Versprochen.“
    Michele nickte und er und Paolo verließen das Zimmer. Raffaele meinte, wir hätten in einer Viertelstunde Training, weshalb ich mich schnell umzog und wir schnell zur nächsten U-Bahnstation rannten. Morgen war das Spiel, also mussten wir uns heute noch so richtig ins Zeug legen.


    Sonntag, 15. Juni
    Der Tag des Spiels war angebrochen. Wir hatten das Spiel schon um elf in der Früh, weshalb wir um sieben Tagwache hatten, um halb acht mussten wir schon am Stadion sein. Warum wir schon SO früh dort sein mussten, war mir unklar, aber der Trainer musste sich dabei ja etwas denken. Als Paolo, Michele, Raffaele und ich wie üblich ein paar Minuten zu spät kamen und wir der U-Bahn die Schuld gaben, mussten wir drei extra Runden laufen.
    „Fall nicht wieder hin, Pao.“
    Meinte ich lächelnd während Paolo nur ein müdes Grinsen erwiderte. Nachdem wir die Runden absolviert hatten, mussten wir mit dem Rest der Mannschaft nochmal fünf Runden laufen. Dann spielten wir einmal vier gegen vier. Da wir aber nur einen Torwart hatten, musste Alessandro-der kleinste des Teams-wortwörtlich einspringen. Giacomo, Thiago, Michele und ich waren in einer Mannschaft, in der Anderen Edilio, Paolo, Alessandro und Raffaele. Wir stellten uns so auf dass Thiago und Michele in der Defensive waren und ich der Stürmer, was ideal war da die Beiden ja auch Verteidiger sind und ich ein Stürmer. Paolos Team bildete eine Linie. An der Spitze war Paolo, in der Mitte Edilio, am Ende Raffaele. Mein Team hatte Anstoß. Der Pfiff des Trainers eröffnete diese kleine Partie und ich passte den Ball zu Thiago, der an die Mittellinie vorlief, doch da fing ihn Paolo ab. Thiago aber konnte die Kugel gerade noch zu Michele passen während ich weiter zum gegnerischen Tor rannte. Ich stoppte ab als ich hinter Edilio stand, während Michele mir einen Steilpass zuspielte, ich ging ein paar Schritte rückwärts und nahm den Ball an. Dann ging es weiter Richtung Tor, doch zuerst musste ich noch bei Raffaele vorbei.
    „Catenaccio!“rief Raffaele. Paolo und Edilio sprinteten nach hinten und als ich vor Raffele stand rief ich: „SALTOBOMBE!“ Ich drehte mich im Kreis, worauf vor mir Sand aus dem Boden schoss und meinem Gegenspieler die Sicht versperrte. Ich sprang in die Luft, machte zwei Saltos und landete hinter dem Verteidiger, danach probierte ich ins Kreuzeck zu schießen, worauf dann das erste Tor gefallen war. Alessandro schien nicht gerade begeistert darüber zu sein und meinte: „Giacomo hätte den sicher gehalten.“
    „Giacomo ist Torhüter, du bist Verteidiger. Das ist was ganz anderes. Und außerdem, er hätte den Ball nicht gefangen.“
    „Das hab ich gehört, Macione!“
    Ich drehte mich um und sah Giacomo mit verschränkten Armen und bösen Blick vom Tor aus zu mir blicken.
    „Beweis mir, dass ich deinen Schuss nicht halten kann.“
    „Wenn du eine Spezialtechnik einsetzt, ist das unfair. Das hattest du vor, oder?“
    Ich grinste, doch er sah mich noch immer mit fieser Mimik an und schüttelte den Kopf. Wenn Giacomo einmal so drauf war, dann war mit ihm nicht zu spaßen.
    „Also, bist du bereit, Macione?“
    „Dasselbe wollte ich dich gerade fragen.“
    Ich dribbelte gerade mit dem Ball zum Elfmeterpunkt, als plötzlich jemand „Halt!“rief. Diese Stimme kam mir nicht bekannt vor, ich hatte sie noch nie zuvor gehört. Sie klang tief, doch sie hatte etwas Kindliches in sich. Ich stoppte ab, sah mich verwirrt um, als plötzlich jemand von der Seitenlinie ins Spielfeld lief. Mit seinem blauen Lockenkopf und seiner roten viereckigen Brille sah er wie ein Nerd aus. Er stahl mir den Ball und lief in Richtung Giacomos Tor, worauf ich ihn verfolgte.
    „Hey! Warte! Gib mit den Ball zurück!“rief ich während der Junge mir einen Flüchtigen Blick zuwarf, doch trotzdem ist er nicht stehen geblieben. Kurz bevor er den Elfmeterpunkt erreichte, war ich auf gleicher Höhe wie er, danach stellte ich ihm ein Bein und er flog Breitlings hin.
    „Das war ein klares Foul! Dafür kassierst du locker eine gelbe Karte.“ hörte ich den Trainer sagen, doch meine Augen waren nur auf den Jungen fixiert, der gerade aufstand. Er drehte sich zu mir um und meinte, ich wäre gemein und hätte kein korrektes Verhalten im Fußball. Dann faselte er noch etwas von siegen, doch ich sah ihn nur düster an. Als er mit mir Augenkontakt hatte, verstummte er sofort, hielt seine Hände vor sein Gesicht und winselte irgendwas, doch ich verstand es nicht.
    „Wer bist du?“
    Mein bedrohlicher Tonfall beängstige ihn erneut, sodass er vor mir auf die Knie ging und sagte: „Nicht schlagen! B-Bitte! I-Ich bin der Kapitän von Primavera, Aleksander Gennaio.“
    „Hey! Lass Aleks in Ruhe!“
    Ich schaute mich um und erblickte einen Jungen mit gebräunter Haut, aschblonden, kurzen Haaren, die er aufgestellt hatte und violetten Augen. Er trug einen Trainingsanzug in verschieden Grüntönen und kam mit düsteren Blick auf mich zu. Als er nun vor mir stand, hielt er mir seine Faust unter mein Kinn und sagte mit verärgerter Stimme: „Wenn du ihn nicht ihn Ruhe lässt bekommst du es mit mir zu tun, Kleiner!“
    Der Junge war das komplette Gegenteil von diesem Aleksander, wieso beschütze er ihn dann? Ich sah ihn musternd an und wollte mich wieder Aleksander zuwenden, doch der andere Bub schubste mich von ihm weg und half ihm auf. Bevor ich reagieren konnte, kam Paolo und fragte ihn, wer er ist, worauf dieser kokett antwortete: „Das werdet ihr heute beim Spiel schon herausfinden. Ihr seid keine Gegner für uns. Meinen Feuertornado hat noch niemand gehalten.“
    „Moment, Feuertornado? Bist du etwa Gareth Embers?“fragte Thiago ihn, woraufhin er nickte.
    „Und du bist doch der, der Forlí wegen dieser Nieten verlassen hat, oder? Mattia hat von dir erzählt.“ antwortete er mit einem bösen Lächeln. Thiago schaute ihn düster an und bevor es eskalierte trat der Trainer vor und meinte, das sollen wir auf dem Rasen klären. Gareth und Thiago schauten sich finster an, doch dann ertönte eine hohe Stimme, bei der ich mir ein Lachen verkneifen musste: „Gareth! Entschuldig di bei eam, oda wüllst Konsequenzn hobn?“
    Gareth drehte sich um und stand nun einem älteren Mann gegenüber, der ebenfalls aschblonde Haare und den gleichen Teint wie er hatte. Doch ich fragte mich, in welchem Land sprach man so?
    „Aber Paps! Er wollte Aleksander etwas antun, was hätte ich machen sollen?“
    „Du hättast des net so klern diafn. Sowos klert ma mit Wortn, nit mit Feisten. Host verstonden? Und warum redast nit im Dialekt? Du kimmscht aus Siadtirol, des konnst net verleignan.“
    Der Mann sah ihn streng an und Gareth sagte etwas leiser: „Jo, oba i meg den Dialekt nit so gern. Und de meisten Opern san jo in Italienisch, also…“
    „Du mit dein scheiß singan! Vagiss des Burle, vagiss des. Do bringst es net weit.“
    Gareth wendete sich von seinem Vater ab und marschierte wie ein stolzer Pfau geradewegs auf Paolo zu.
    „Bist du der Kapitän von diesem Team?“
    Paolo nickte und Gareth redete weiter: „Gut. Dann lass mich fragen, ob ich jetzt noch deinem Team für dieses Spiel beitreten darf.“
    Alle Spieler von Fulmine sahen in mit großen Augen an, und Paolo erwiderte: „Sí, wenn niemand aus unserem Team etwas dagegen hat, dann gerne.“
    Alle sahen zu Herrn Vedi, der nickte, doch er fragte Gareth, warum er das will. Gareth drehte sich um und zeigte mit seiner rechten Hand auf seinen Vater.
    „Um ihn, Gigi Kambreé, meinen Vater, endlich zu zeigen, dass ich nicht auf ihn angewiesen bin und ich auch eine Meinung habe.“
    Aleksander lief holprig zu einer Gruppe von Jugendlichen, die soeben das Stadion betraten. Das musste Primavera sein. Er redete sichtlich aufgeregt, und als er fertig war, rannte ein großer, stämmiger Junge mit langen, braunen Haaren und rosaroten Augen auf uns zu.
    „Fiamma! Fiamma! Hast du das gerade etwa wirklich getan? Bist du diesem Team beigetreten?“
    Gareth nickte, und ich fragte mich, warum er immer wieder Flamme rief.
    „Wenn du schon zu denen gehst, dann verabschiede dich wenigstens mit einem Lied! Dann kannst du von mir aus gehen!“
    Was meine er mit einem Lied? Sollte Gareth jetzt etwa singen? Gareth seufzte und fing an zu singen.


    Nella fantasia io vedo un mondo giusto,
    Li tutti vivono in pace e in onestà.
    Io sogno d'anime che sono sempre libere,
    Come le nuvole che volano,
    Pien' d'umanità in fondo all'anima.


    Seine Stimme klang wirklich wie die, eines erstklassigen Opernstars. Der Junge mit den langen braunen Haaren fing an zu weinen und umarmte Gareth, der dies anscheinend ebenfalls gerade tun wollte.
    „Wieso musst du immer gleich weinen, Bodo? Ich werde nur für dieses Spiel bei Fulmine a catena sein.“
    „Gut, doch wir werden euch auch ohne dich schlagen. Du wirst schon sehen.“
    „Da bin ich einmal gespannt.“
    ~-~
    Ding! Dong!
    Dong! Ding!

    Es war Punkt elf Uhr während wir unsere Plätze auf dem Spielfeld einnahmen. Paolo und ich standen vorne im Sturm, zwischen uns stand Gareth, hinter ihm waren Alessandro, Edilio und Remus in einer Reihe. Ganz hinten beim Strafraum befanden sich Michele, Raffaele, Thiago und Adriano, die Versetzt vor Giacomo standen, der gerade seine Handschuhe anzog und seine Haare neu zusammenband. Mit offenen Haaren sah er wie ein anderer Mensch aus, als mit zusammengebundenen Haaren. Gustavo musste auf der Ersatzbank schmoren. Der Ansager rief ins Mikrofon, sodass die ganzen jubelnden Fans für einen Augenblick verstummten. Er sagte: „Ich heiße sie herzlichst zu diesem Spiel willkommen! Wer wird siegen? Sind es die bisher noch unbekannten Spieler von Fulmine a catena aus Cagliari mit Paolo Passione als Kapitän, oder sind es die Spieler des Tabellenschlusslichts Primavera aus Rom mit Aleksander Gennaio als Kapitän? Wie ich jetzt durch meine Brillengläser sehen kann hat Fulmine a catena einen Spieler aus Primavera in ihrer Startelf, nämlich das Stürmerass von Primavera, Gareth Embers! Oder wie man ihn noch nennt, la fiamma, die Flamme die immer lodert und scheint! Wird Primavera diesen Verlust bedauern, oder werden sie besser spielen? Ich denke zwar nicht dass sie besser spielen werden, doch lassen wir uns überraschen! Der Schiri geht zum Elfmeterpunkt und legt den Ball auf den Mittelpunkt, die Menge jubelt, der Unparteiische wirft eine Münze um zu entscheiden, wer Anstoß hat…Die Fans halten den Atem an, und der Münzwurf geht an Fulmine a catena! Paolo Passione und Leonardo Macione gehen zum runden Leder in der Mitte des Spielfelds. Wir erwarten eine spannende Partie.“
    Als Paolo seinen rechten Fuß auf den Ball stellte wusste ich bereits Bescheid und stellte mich rechts hinter ihm hin. Der Schiri pfiff. Paolo passte den Ball zurück zu mir, und ich rannte an ihn vorbei, neben mir auf gleicher Höhe lief Gareth. Ich passte den Ball zu ihm und dann passierte etwas, das ich mir nie erträumen hätte können.



    e//: Voll vergessen:

  • Hallo Rexilius,


    so, dein neues Kapitel ist da, also sage ich jetzt auch zwei-drei Wörter dazu.


    Das Kapitel beinhaltet ein richtiges Detailmassaker, ich hab mir die Situation richtig schön denken können, mit deinen Beschreibungen und Details. Hat mir echt sehr gut gefallen. Auch, dass du nochmal Leonardo's Vergangenheit aufgegriffen hast. Ich fand, du hast das und die Folgen davon gut beschrieben.


    Was soll ich noch zu dem Kapitel sagen? Gut geschrieben, super Details, spannendes Ende...ööhm, ja...gibt nicht mehr viel, was ich dazu sagen könnte^^'



    Jo, das war's erst mal. Sry, dass die Kritik so spärlich ausfiel, ich hab nicht so viel zum Meckern gefunden und ich hab in letzter Zeit auch einiges zu tun^^'


    Aber wie gesagt, das Kapitel war wieder richtig gut und...mach weiter so ;)


    MfG Gin Serpiroyal



  • Capitolo Quattro
    Das erste Spiel [2/2]
    (Aus der Sicht von Michele Divertiani)
    Ist Gott eine Erfindung des Teufels?
    Friedrich Nietzsche


    Jetzt komme ich!, dachte ich während ich bei Leonardo vorbeilief und nun auf gleicher Höhe wie Gareth war.
    „Pass ab!“sagte ich zu Gareth der gerade bei einem Gegner vorbeidribbelte. Während er immer weiter in Richtung gegnerischen Strafraum lief sah er mich verwundert an.
    „Was macht ein Verteidiger wie du hier? Geh zurück!“
    „Pass mir einfach den Ball ab, dann kannst du sehen, was ich hier mache.“
    Ich grinste und lief weiter. Kurz bevor ich beim gegnerischen Strafraum ankam, passte Gareth mir den Ball zu und ich rief: „Paladins Wucht!“
    Ich drehte mich einmal im Kreis um Schwung für den Schuss zu gewinnen, während ich von blauem Schein umgeben war. Dann trat ich den Ball aus einer Drehung heraus nur mit meiner Fußspitze. Der Keeper sprang von mir aus nach links und wollte den Ball noch fausten, doch der Ball flog genau ins Kreuzeck.
    „Und nun ist das erste Tor schon gefallen! Das Besondere, ein Verteidiger hat dieses Tor geschossen, nämlich Michele Divertiani! Die Fans jubeln, die Anhänger der gegnerischen Mannschaft sind nicht sehr erfreut über dieses Tor. Fulmine a catena scheint auch verwirrt und glücklich zugleich zu sein. Wird es heute noch weitere Vorkommnisse geben? Wir werden sehen! Primavera legt sich den Ball für den Abstoß bereit, das Spiel geht weiter!“
    Als ich meine Position einnehmen wollte fragte mich Paolo, weshalb ich das getan hätte, ich antwortete darauf dass ich keine Lust hatte hinten in der Abwehr zu stehen und zuzusehen, wie ihr da draußen das Spiel macht. Paolo meinte es wäre riskant gewesen hätten wir den Ball verloren und dass wären nur drei Mann in der Abwehr, doch dieses Risiko musste ich eingehen. Dann fragte er mich woher ich diesen Schuss konnte, doch ich antwortete ihm nicht und ging zurück auf meine Position. Aleksander ging zum Ball auf der Mittellinie, hinter ihm stand Bodo. Der Unparteiische pfiff, die Partie ging weiter. Aleksander passte das runde Leder zu einem Jungen, der von mir aus auf der rechten Seite war und nun sofort loslief. Er spielte Gareth und Alessandro geschickt aus und kam immer näher zu mir. Ich lief auf ihn zu, doch in diesem Moment sagte er: „Wasserring!“Er sprang, drehte sich ein paar Mal in der Luft, landete dann auf dem Ball, der darauf im Boden verschwand. Nun tauchte vor mir eine Wasserfontäne auf, die mich dann umschloss, sodass ich in einem Wasserkreis gefangen war. Als der Ballführende vorbeigelaufen war, verschwanden die Wassermassen und ich drehte mich schnell um. Er hatte gerade geschossen, doch Giacomo hat locker den Ball gehalten. Giacomo schoss den Ball fast über das gesamte Spielfeld, Paolo nahm ihn an und überwindete leichtfüßig die gegnerische Verteidigung, was ihm nicht schwerfiel, da er sehr schnell und wendig war.
    „Odins Schwert!“rief Paolo. Ihn umgaben nordische Zeichen, die in einem Kreis am Boden um ihn erschienen, und er schoss die Kugel mit seinem rechten Fuß, worauf das Leder Richtung Tor raste. Dabei sah es so wie ein riesiges orangeleuchtendes Schwert aus. Der Keeper sagte laut: „Wüstensturm!“Kurz darauf herrschte um ihn ein Sandsturm, doch dieser konnte den Ball nicht von seiner Bahn abbringen und das zweite Tor war geschossen.
    Der Rest der ersten Halbzeit war weder besonders ereignisreich noch besonders spannend. Leonardo traf einmal per Fallrückzieher durch eine Flanke von Alessandro, Thiago bekam eine gelbe Karte da er einen Gegenspieler absichtlich grätschte und ich? Ich stand hinten in der Abwehr und musste mir das alles ansehen, da ich linker Außenverteidiger war und niemand über die Flügel spielte. Als der Schiri zur Halbzeit abpfiff, fragte mich das gesamte Team, weshalb ich ein Tor geschossen hätte, worauf ich antwortete, dass ein Tor besser ist als keins.
    „Das wissen wir auch, doch woher konntest du diese Technik?“fragte mich Paolo erneut.
    „Vergiss einfach, dass ich die Technik eingesetzt habe, ok?“
    Ich sah Paolo genervt an worauf Thiago energisch meinte: „Weshalb willst du es uns nicht sagen? Wir sind doch ein Team, oder?“
    Er sah mich erwartungsvoll an, doch sobald ich mich umgesehen hatte, kam mir etwas komisch vor. Schnell sagte ich sagte zu den anderen, ich müsse kurz auf die Toilette, und da wir sowieso noch zehn Minuten bis zum Anpfiff hatten, glaubten sie mir das auch. Ich sah Trainer Vedi, der gerade wütend mit jemand stritt. Als ich näher kam, hörten sie geradewegs auf zu diskutieren und sahen mich finster an.
    „Brauchst du etwas, Divertiani? Wenn nein dann mach dich für die zweite Halbzeit bereit, verstanden?“
    „Ja, hör auf den Menschenfeind und sei schön brav. Sonst könnte er noch etwas Schlimmes mit dir anstellen…Hehehe…“sagte der Mann mit dem Mr. Vedi gerade noch geredet hatte. Der Herr hatte kurze, schwarze Haare, die er zurückgekämmt hatte. Er besaß einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd und schwarzen Halbschuhen und einer schwarzen Krawatte, auf der oben seitlich ein Schriftzug prangte. Beim Lesen des Wortes stockte mir der Atem. Dort stand ganz klein in Weiß „Mafia“ geschrieben. Ich sah den Mann geschockt in seine kalten, grauen Augen, doch er fand meine Angst eher amüsant und fing an zu lachen.
    „Michele, Michele…Du brauchst dich doch nicht zu fürchten. Die Mafia ist ganz brav und tötet deine Freunde nicht. Doch dich…“
    „W-Woher kennen sie meinen Namen und warum wollen sie mich töten?“sagte ich etwas leiser damit es die anderen nicht hörten.
    „Dir wird nichts passieren, Divertiani. Dafür werde ich sorgen. Und nun verschwinde endlich, Francesco.“
    Francesco fing noch mehr an zu lachen und sagte zu mir: „Nur damit du es weißt, dein ach so gutmütiger Trainer war mal bei der italienischen Mafia der Boss. Also ganz oben und hatte überall das Sagen. Und außerdem ist er-“
    „Das reicht jetzt!“schrie der Trainer. Ich sah Herrn Vedi verwirrt an. Ich fühlte mich hintergangen, traurig und wütend zugleich. Weshalb er nicht sagen wollte, dass er ein Mafioso war, kann ich nachvollziehen, doch…Warum hatte er Paolo und mich aufgenommen und hat sich um uns wie ein Vater gekümmert wenn er so kriminell sein soll? Francesco ging und der Trainer sah mich mit seinen roten Augen an und meinte: „Das, was er gesagt hat, stimmt alles…Doch, bitte behalte es für dich…Michele.“
    Ich nickte und versuchte erst einmal zu realisieren, was gerade vorgefallen war. Ich habe soeben erfahren, dass der Mann, der Paolo und mich sozusagen großgezogen hat, einer der Kriminellsten Leute in ganz Italien, nein, in ganz Europa war. Ich hielt noch immer mit ihm Blickkontakt bis er sagte: „Forza! Die zweite Halbzeit beginnt jede Minute, geht auf eure Positionen. Divertiani! Wenn du noch einmal versuchst, ein Tor zu schießen, setze ich dich auf die Bank, verstanden?“
    Ich schüttelte meinen Kopf um endlich klare Gedanken zu bekommen und antwortete: „Sí, scusí dass ich ein Tor geschossen habe, obwohl ich ein Verteidiger bin, dies war ein hohes Risiko, dessen war ich mir bewusst. Dies wird nicht wieder vorkommen.“
    „Das möchte ich auch hoffen.“
    Rutschen sie mir doch den Buckel runter!, dachte ich während ich gerade auf meine Position gehen wollte, doch von Paolo daran gehindert wurde.
    „Was ist mit dir los? Bedrückt dich etwas?“
    „No, no, das ist es nicht. V-Vergiss es einfach…“
    „Denkst du, ich könnte es ertragen, dich mit so trauriger und verwirrter Miene zugleich, sehen zu können? Michele, du bist mein bester Freund, ich will wissen, was los ist, damit es dir besser geht. So etwas tun Freunde.“
    Ich sah ihn mit einem schwachen Lächeln an und meinte, ich werde es ihm vielleicht nach dem Spiel erzählen, danach lief ich schnell zurück zu meiner Position, und schon ging das Spiel weiter. Primavera legte sich den Ball zum Abstoß zurecht und Gareth drehte sich noch kurz zu mir um und sah mich misstrauisch an. Sein Blick war so unangenehm, dass ich gen Boden blickte. Als ich den Pfiff des Schiedsrichters vernahm, schaute ich sofort auf und sah wie Aleksander den Ball zu mir schoss, ich nahm die Kugel fraglich an und passte sie zu Alessandro. Auf einmal war Alessandro von gegnerischen Spielern umzingelt. Bodo, der ebenfalls im Kreis um Alessandro stand, rief: „DRACHEN PRESSING!“
    Prompt versammelten sich weitere Mitglieder von Primavera um Alessandro und bildeten einen weiteren Kreis. Dann lief im inneren Kreis jemand auf Alessandro zu und verschwand plötzlich. Das ging solang weiter, bis dies jeder von den dreien im Kreis getan hatte. Dann rannten alle drei gleichzeitig auf ihn zu und es schien so, als würde Alessandro in Flammen aufgehen. Primavera hatte nun Ballbesitz.
    „Holt euch gefälligst den Ball zurück! Und zwar schnell!“ rief der Trainer von der Seite des Spielfelds. Ich sah kurz zu Herrn Vedi, doch wendete meinen Blick sofort wieder Alessandro zu, der gerade aufstand. Sein ganzer Körper war mit Ruß bedeckt, sodass er fast wie ein Rauchfangkehrer aussah. Ich versuchte, ein Lächeln zu unterdrücken, da ein Lachen in dieser Situation eher unangebracht schien. Während Bodo immer näher zu mir mit dem Ball kam, lief ich ihm entgegen und rief: „Eisenwall!“
    Ich blieb abrupt stehen, streckte meine Arme zur Seite und sah Bodo finster an während hinter mir aus dem Boden eine kolossale Wand aus Eisen kam. Durch das Beben fiel Bodo um, ich schnappte mir den Ball und lief in Richtung Mittellinie. Während vor mir ein gegnerischer Spieler war, wollte ich um ihn dribbeln, er aber stieß mich immer wieder mit seinem Ellenbogen. Als ich nun ebenfalls mit meinem Ellenbogen ihn versuchte, leicht abzudrängen, flog er auf einmal hin.
    Ich hörte ein Pfeifen und sah zum Schiri. Er zeigte Freistoß für Primavera an.
    „Das war wohl nichts, hm? Man nennt mich nicht umsonst den Schwalbenkönig, hehe.“
    Ich drehte mich zum Gegenspieler und sah ihn finster an. Ich ging zurück in die Verteidigung und hörte wie Giacomo zu mir sagt: „Mach dir nichts draus. Das war doch klar und deutlich ‘ne Schwalbe. Ich weiß gar nicht, warum der Referee gepfiffen hat. Tja, wenn er schon keine richtigen Entscheidungen fällen kann, dann kann er wenigstens pfeifen. Irgendwas muss er ja können.“
    Ich sah hinter zu Giacomo, und lachte. Er hatte die Arme verschränkt und lachte ebenfalls. Während ich den Pfiff des Schiedsrichters vernahm, drehte ich mich sofort um. Thiago, Alessandro, der noch immer fast am ganzen Körper schwarz war, und Edilio bildeten vor dem Jungen, der vorher die Schwalbe gemacht hatte, eine Mauer. Der Bub schoss, ich wollte gerade den Schuss aufhalten, da kam Aleksander angerannt und lief weiter auf Giacomo zu. Ich hastete ihm hinterher, doch ich wusste, ich würde ihn nicht mehr einholen. Als Aleksander kurz vor Giacomo war, kniete Giacomo hin und wollte den Ball gerade abfangen, doch Aleksander machte einen Lupfer und schoss das erste Tor für Primavera, doch es war nicht mehr so lange zu spielen, also werden wir sicher gewinnen…oder? Giacomo holte den Ball aus dem Netz während ich meinte, er soll sich nichts daraus machen, wir gewinnen so oder so, doch er sah mich so eiskalt an dass ich für einen Moment dachte, die Zeit wäre stehengeblieben. Ich wollte etwas sagen, stotterte und dachte dann, Was wollte ich eigentlich sagen wenn es nicht zu sagen gibt? Giacomo schoss die Kugel zu Paolo vor, der sie sich für den Anstoß bereitmachte.
    „Mit diesem Tor hatte niemand gerechnet! Wird es noch weitere Überraschungen geben? Wir werden sehen! Oh, anscheinend verlangt Mario Vedi eine kurze Auszeit um sich mit seinem Team beraten zu können. Diese Auszeit wurde ihm auch genehmigt. Wir sehen uns gleich wieder nach einer kurzen Unterbrechung.“
    Wir gingen zu Trainer Vedi und er fing an zu reden: „Was bedeutet Team?“
    „ Toll ein anderer macht’s!“ meine Giacomo scherzhaft worauf wir zu lachen begannen, doch der Trainer blieb todernst.
    „Cattioso! Zwanzig Liegestütz! Sofort!“
    Zuerst erschrak Giacomo, doch dann fing er grummelnd und widerwillig mit den Liegestützen an. Der Trainer sah in die Runde und sein Blick blieb bei mir hängen. Ich versuchte zu schlucken, doch ich spürte wie sich ein Kloß in meinem Hals bildete.
    „Diveriani“, fing der Trainer an, „Was bedeutet es für dich, in einem Team zu sein?“
    Ich sah Herrn Vedi verwirrt an. Nach einigen Momenten der Stille antwortete ich überrascht: „Sehr viel.“
    „Konkreter! Erkläre es konkreter!“
    „Ich fühle mich respektiert und in eine Gemeinschaft integriert.“
    Giacomo hatte gerade seine zwanzig Liegestütz absolviert und stand gerade auf, als der Trainer ihn fragte: „ Und du, was bedeutet es für dich in einem Team zu sein? Und antworte ohne irgendwelche Scherze.“
    „Mir bedeutet es viel in einem Team zu sein, da ich nur im Team Leistung erbringen kann.“
    „Gut. Paolo, Leonardo, was ist mit euch?“
    „Ich kann mit dem Team über alles reden und ihnen auch Geheimnisse anvertrauen.“ sagte Leonardo, der etwas nervös wirkte.
    „Im Team will ich mit den anderen Mitgliedern immer mein Bestes geben und niemals aufgeben.“
    „Dieses Spiel ist noch einfach. Doch, was macht ihr wenn euer Bestes nicht mehr ausreicht? Du bist der Kapitän. Siehst du denn nicht, dass einige deiner Spieler sich selbst im Weg stehen? Wenn du dies nicht erkennst, dann kannst du gleich deine Kapitänsbinde abgeben.“
    Im Team schauten sich alle gegenseitig schockiert an, nur Paolo blieb stocksteif stehen, er war so blass wie eine Kirchenmauer. Der Trainer sah noch immer mit ernster, fast düsterer Miene Paolo an.
    „Dieses Spiel bist du noch auf dem Feld, beim nächsten Spiel, wenn du es bis dahin nicht verstanden hast und deine Mitmenschen noch immer mit sich zu kämpfen haben, dann ab auf die Bank mit dir. Und du kommst erst wieder aufs Feld, wenn du es kapiert hast, verstanden?“
    Paolo nickte stürmisch. Der Trainer ging in Richtung Feld und blieb dort stehen und Paolo sagte: „Ragazzi! Avanti, kommt mal näher. Ich denke, wir haben uns viel zu sagen, oder?“
    Alle nickten.
    „Sí, das habe ich mir gedacht. Heute Abend treffen wir uns so ungefähr um sechs bei il fontana di Trevi. Capito?“
    „Sí capitano!“riefen alle während der Pfiff des Unparteiischen ertönte. Wir gingen zurück auf unsere Positionen und sahen gespannt dem weiteren Spiel entgegen.
    „Forza, Fulmine! Forza!“ riefen die Fans immer und immer wieder. Ich sah ihn die Mengen, wie sie die Fahnen schwangen und mit ihren Fangesängen das ganze Stadion zum beben brachten. Paolo machte sich bereit zum Abstoß. Der Schiedsrichter pfiff und Paolo passte den Ball zu Gareth, der dann mit der Kugel weiter in Richtung gegnerisches Tor lief. Er überwindete die Mittelfeldspieler leichtfüßig. Als er bei der Verteidigung angekommen war, lief er über den rechten Flügel und spielte eine hohe Flanke zu Paolo. Paolo wollte das runde Leder versenken, doch ein Verteidiger stahl ihm blitzschnell den Ball und schoss ihn in hohen Bogen in unsere Hälfte. Alessandro nahm den Ball an, doch wurde wieder von Spielern von Primavera eingekreist, doch diesmal lief ich zu Alessandro und rief ihm zu, er solle mir die Kugel zu passen, was er auch tat. Dann passte ich den Ball zu Thiago, der wiederum schoss das Leder zu Leonardo vor. Leonardo wollte gerade an einem Mittelfeldspieler vorbei, da ertönte ein pfeifen.
    Pfiff, pfiff, pfiiiiiiipf!
    Wir hatten gewonnen. Wir liefen alle zur Mittellinie und der Ansager schrie ins Mikrofon sodass er dröhnte: „Und mit einem Überwältigendem Sieg schlug das bisher noch unbekannte Team aus Cagliari, Fulmine a catena, die erste Mannschaft im Italia Turnier! Wir wünschen ihnen noch viel Glück in den weiteren Spielen.“
    Wir freuten uns, umarmten uns und nahmen Paolo auf unsere Schultern. Winkend und lächelnd sahen wir in die Menge und ließen uns bejubeln. Dieses Gefühl war wirklich einzigartig. Ich fühlte mich wie der glücklichste Mensch auf Erden.
    ~-~
    „Scusí, bist du Michele Divertiani?“
    Ich erschrak kurz dann hob ich den Kopf und nickte. Vor mir stand ein großer, stark aussehender Mann. Er hatte ein von Narben geziertes Gesicht, gelbraune, kurze Haare und dunkelblaue Augen. Moment, dachte ich, der Mann sieht haargenau so aus, wie der, den Leonardo am Petersdom fotografiert hatte!
    „Komm heute um punkt zwanzig Uhr zu der Aussichtsplattform neben der Villa Medici, sonst…!“
    Ich wollte gerade antworten, doch der Mann ging einfach weg. Nachlaufen konnte ich ihm auch nicht, da sich so viele Menschen hier, bei der Engelsburg, tummelten, dass ich ihn sofort aus den Augen verloren hatte. Ich saß auf einer Bank im Park rund um die Engelsburg und las gerade ein Buch. Das Buch trug den Titel „Rinascimentale e medievale“ was so viel wie Renaissance und Mittelalter hieß. Ich interessierte mich schon immer für alte Bauten,
    weshalb ich mich auch freue, nun hier in Rom zu sein.
    Als ich in meinem Buch gerade etwas über die Fortbewegungsmittel im Mittelalter las, sprach mich ein Junge an. Ich hob meinen Kopf und sah den Bub an. Er hatte grüne Augen und blonde Haare. Er trug ein schwarzes, kurzärmliges Shirt, eine Jacke mit Kapuze und eine schwarze Jeans, seine Schuhe waren ebenfalls schwarz. An seinem Armen hatte er unzählige Wunden.
    „Entschuldigung, könnte ich dich mal etwas fragen?“
    Ich nickte und meinte: „Sí, gerne.“
    „Gut, wo finde ich diesen einen berühmten Brunnen? Ich habe seinen Namen vergessen.“
    Als ich antworten wollte hörte ich plötzlich ein miauen. Etwas bewegte sich in der Kapuze des Jungen, bis ich schließlich einen schwarzen Katzenkopf erkennen konnte.
    „Che bello gatto! Eine schöne Katze hast du da.“
    „Vielen Dank. Er heißt Toseko. Doch, könntest du mir bitte nun den Weg erklären, ich hab‘s eilig.“
    „Sí, sí, klar doch. Aber ich muss auch zu il fontana di trevi, also können wir doch gemeinsam dort hin. Was hältst du davon?“
    Ich lächelte den Jungen an doch er sah mich noch immer eiskalt an. Toseko sprang auf meinen Schoß, legte sich hin und fing an zu miauen.
    „Ist ja gut, Toseko. Ok, gehen wir gemeinsam.“
    „Mi chiamo Michele, Michele Divertiani. É tu?“
    „Ich kann zwar kein italienisch aber ich denke, du willst meinen Namen wissen, oder?“
    Ich nickte.
    „Mein Name ist Gin Darwin Black. Können wir nun los? Wie gesagt, ich hab’s eilig.“
    Ich stand auf und Gin und ich gingen los. Als wir gerade erst losgegangen waren, hörte ich jemanden rufen: „For Pete’s sake! Haltet den Dieb!“
    Gin und ich drehten uns sofort um während in unsere Richtung ein Junge lief. Er hatte einen Rucksack in der Hand und schaute gerade nach hinten, als Gin und ich ihm gleichzeitig ein Bein stellten. Er flog zwischen uns hin und der andere Bub, der vorher so geschrien hatte, kam dann auch zu uns. Er hatte eine braune Melone mit blauem Band auf und einen blauen Anzug mit ebenfalls blauen Schuhen an. Er hatte nur am Oberkopf braune Haare, die er zur Seite gekämmt hatte, außerdem hatte er grüne Augen und weiße Strähnen in den Haaren. Gin wandte sich dem Dieb zu und entriss ihm den Rucksack und gab ihm den anderen Jungen. Er sagte in einem sehr unverständlichen Englisch: „Thanks for your help.“
    Der Räuber wollte gerade türmen, doch Gin griff ihm gerade noch am Arm und konnte ihn somit stoppen.
    „Wer bist du?“fragte Gin den Jungen mit der zerrissenen und durch und durch dreckigen Kleidung der ein Blaues Kopftuch aufhatte, silberner, lange Haare und graue Augen.
    „Das braucht einen wie dich nicht zu interessieren.“
    „Ich wiederhole mich nicht nochmal. Wer bist du?“
    „Violo Medici! Und jetzt lass mich los!“
    Violo und ich sahen uns ungläubig an, dann ließ ihn Gin los. Der Junge, der sich Violo nannte, nahm dann die Beine in die Hand und lief los.
    „I’m Caleb Crawford. And you?“
    „Dafür habe ich keine Zeit. Michele komm, gehen wir jetzt endlich zum Trevi Brunnen.“
    „What a coincidence! Ich wollte auch gerade zum Trevi Brunnen! Can I go with you?“
    Toseko rührte sich gerade wieder in Gins Kapuze als ich sagte: „Ich habe nichts dagegen, aber ich bin auch gewissermaßen in Eile. Ich werde euch schnell zu il fontana di Trevi begleiten und dann muss ich schon wieder weiter. Weiß eigentlich einer, wie spät es ist?“
    Caleb starrte auf seine silberne Uhr und meinte: „It’s half past four.“
    „Hm, dann kommt er halt mit, Hauptsache wir kommen schnell dorthin.“
    „Grazie. Dann gehen wir jetzt einmal los.“
    ~-~
    „Meine Damen und Herren des Adels und hohem Standes! Ich begrüße sie herzlichst zu dieser Wohltätigkeitsveranstaltung von der Familie Medici!“
    Bah, wie ich diese Leute hasse die denken, die Wohltätigkeitsgelder gehen an Wohltätigkeitsorganisationen und die Leute die ihr Image aufpolieren wollen. Doch an die die arm sind, denkt niemand. Die Medicis veranstalteten solche Veranstaltungen sicher zehn bis fünfzehn Mal im Jahr, um sich damit selbst zu bereichern. Sonst sehe ich immer eine Übertragung im Fernsehen, wenn die Flimmerkiste dann nicht den Geist aufgibt. Aber heute ist es anders, ich habe mich nämlich in die Villa von ihnen auf Cagliari eingeschlichen! Ich bin noch nicht strafbar und außerdem kann ich sagen, dass ich zu jemand gehöre, also ist das größte Problem beseitigt, dass ich entdeckt und in den Jugendknast gesteckt werde…Hoffe ich. Ich bin ja erst dreizehn, also könnte ich nie so einen ausgereiften, guten Plan wie Erwachsene machen, Strategie war noch nie mein Ding. Doch, was tue ich hier eigentlich? Ich wollte in die Villa, doch weiter habe ich auch nicht gedacht. Als ich an eine große Leinwand in der Mitte des riesigen, weißen Raumes mit Marmorsäulen, haufenweise von Tischen, jeder einzelne mit goldenem Besteck und goldenen Bechern gedeckt, und vielen Prominenten sah, spürte ich plötzlich eine Hand auf meiner Schulter, die mich hinter eine Ecke zerrte und mir den Mund zuhielt.
    „Wer bist du und was machst du hier?“
    Er ließ mich los und ich stand einem Jungen in einem Smoking gegenüber. Er hatte ein Blaues Kopftuch, silberne, lange Haare und graue Augen.
    „Dasselbe könnte ich dich fragen.“
    Der Bub fing an zu lachen und sagte: „Ich wohne hier. Was ist mit dir?“
    „Du…wohnst hier?!? Bist du etwa der Sohn von Elisabetha Medici?“
    „Sí. Du bist wohl der Schnellchecker der Firma langsam, oder?“
    Er lachte hämisch und ich fragte ihn: „Mi chiamo Michele. É tu?“
    „Violo. Violo Medici. Schön dich kennenzulernen.“
    Und so begann eine gute Freundschaft, die aber nicht so lange zu halten schien, wie wir es gerne gewollt hätten. Unsere Freundschaft dauerte knapp über ein halbes Jahr. Seine Eltern waren nicht einverstanden damit, dass er sich mit so einem primitiven Knaben abgibt. Einen Tag später sah ich in der Zeitung groß die Schlagzeile: „SOHN DER MEDICIS GETÜRMT“. Danach wusste ich, dass er nicht damit einverstanden war, dass seine Eltern ihn von seinem wahrscheinlich einzigen Freund abgegrenzt haben.
    ~-~
    Während Gin, Caleb und ich gerade in der U-Bahnstation bei der Engelsburg waren, gingen plötzlich alle Lichter aus. Ich hörte Schreie der panischen Leute und auch, wie sie alle herumliefen wie aufgescheuchte Hühner. Als dann Schüsse ertönten wurde es still. Ich hörte, wie eine einzelne Person ging. Auf einmal spürte ich etwas Kaltes, Spitzes in meinem Nacken. Ich stand stocksteif da, konnte nichts unternehmen, da ich in diesem Augenblick zu geschockt war. Die Person hinter mir griff unter mein Shirt und fuhr mit ihrer rauen, kalten Hand meinen Rücken hoch. Mir erschauerte. Die Hand blieb zwischen meinen Schulterblättern stehen und drückte auf meine Haut, direkt auf eine noch nicht ganz verheilte Narbe. Ich zuckte zusammen und hörte wie ein Mann, dessen Stimme mir bekannt vorkam, sagte: „Hier ist er. Nehmt ihn mit, und dann…Gnade ihm die Göttinnen.“ Ich vernahm abermals Schüsse, dann zog mich eine Hand nach hinten und hielt mir ein Tuch vor dem Mund. Das letze, das ich hörte, bevor ich weggetreten bin, war: „Verrat wird mit dem Tod bestraft, doch keinen gewöhnlichen Tod…hehehe…“
    ~-~
    „Wach auf, du Gottesverächter!“ schrie ein Mann während mir jemand in den Bauch trat. Ich öffnete schlagartig meine Augen und krümmte mich auf dem harten Betonboden. Am ganzen Körper spürte ich Schmerz, besonders aber auf meiner linken Brust. Dort fühlte es sich an, als würde mein Körper dort verbrennen. Mir war übel, sehr kalt, mir brummte der Kopf und in meinen Ohren war ein andauernder hoher Ton zu hören. Kurz gesagt, mir geht es miserabel und ich habe keinen blassen Schimmer wo ich bin. Während ich mir gerade die Stelle ansehen wollte, trat mir abermals jemand in den Bauch. Als ich aufsah konnte ich meinen Augen nicht trauen.
    „W-Was w-wollen sie d-denn hier?“fragte ich ihn während mir auffiel, dass ich nur eine Hose anhatte, sonst nichts. Er wollte gerade antworten, stoppte aber ab und brach den Blickkontakt mit mir ab. Nun sah ich mir meine Wunde auf der Brust genau an. Das ist ein Brandzeichen!, dachte ich erschrocken und aufgebracht zugleich. Es sah von meiner Sicht aus wie ein verkehrtes Kreuz-logisch dass es verkehrt war wenn ich es von oben betrachtete-mit drei Kugeln. Eine war-von meiner Sicht aus-am unterem Ende des Kreuzes, die anderen jeweils bei dem Teil, das durch die Mitte geht. Bevor ich erkennen konnte, was in den etwa Murmelgroßen Kugeln eingebrannt war, trat mir der eine Mann abermals in den Bauch, sodass ich dieses Mal sogar Blut ausspuckte.
    „Dieses Brandmal ist ein Zeichen deines Verrats an den Göttinnen Ignise, Aquame, Terrae und Aere!“
    „Diese Göttinnen sind an dem Zerfall der Welt an erster Stelle! Sie heben die Welt aus ihren Angeln, nicht wir!“erwiderte ich während ich den Mann ansah, der mich immer wieder trat. Es war dieser Mafioso Francesco, der, der auch im Stadion in Rom war.
    „Zeig dich, du elender Wurm deiner einst so glorreichen Spezies. ZEIG DICH ENDLICH UND VERLEIHE MIR DEINE KRÄFTE, DAMIT ICH DEN GÖTTINNEN NOCH BESSER DIENEN KANN!“
    Ich sah den anderen Mann an der sich dann zu mir hinkniete und anfing, mich über meine Vergangenheit auszufragen…

  • Tag Rexilius,


    sry, dass ich erst so spät auf dein neues Kapitel reagiere.


    Mal wieder recht gut geschrieben. Besonders das Fußballspiel konnte ich mir gut vorstellen, hast du schön beschrieben und auch etwas Spannung reingebracht. Find ich auf jeden Fall gut.
    Dass sich herausstellt, dass der Trainer mal ein Mafioso war, war meiner Meinung nach eine interessante Wendung, bei der ich mich schon fragen muss, ob und was sich deswegen jetzt ändern mag, fand ich echt gut gelungen.


    Zum Spiel hab ich jetzt eigentlich nichts mehr zu sagen, darum komm ich mal zum nächsten Punkt...nämlich dem Easteregg x)


    Fand ich echt gut, hast Gin und Toseko gut in das Kapitel eingebracht.


    Zitat

    Als ich antworten wollte hörte ich plötzlich ein miauen. Etwas bewegte sich in der Kapuze des Jungen, bis ich schließlich einen schwarzen Katzenkopf erkennen konnte.


    Eigentlich ist Toseko ja dunkel-blau, aber ist auch egal, geht ja hauptsächlich um den Namen^^'


    Also wie gesagt, fand ich gut, wie du sie eingesetzt hast, besonders, dass du direkt Gins Aussehen halt mit der Beschreibung kopiert hast. Und auch die Szene mit Michele und ihm fand ich super, hat mir wirklich gefallen. (Ich sage hier immer nur die selbe Scheiße, was ist nur los? :assi: )


    Auch die Szene mit dem Dieb fand ich gut. Da muss ich mich direkt auch fragen, ob das noch ne Bedeutung in den nächsten Kapiteln hat, da bin ich auf jeden Fall gespannt ;)



    Heute leider nicht mehr viel zu sagen, darum kommen wir mal hierzu :



    Ansonsten wirklich gutes Kapitel. Und die Sache mit dem Easteregg war doch ne gute Idee, oder? :D
    Ich freue mich auf jeden Fall auf das nächste Kapitel ;)


    MfG Gin Serpiroyal


  • Capitolo Cinque
    Si scrive schiavitù si legge libertà
    (Aus der Sicht von Giacomo Cattioso)

    Aller Humor fängt damit an, dass man die eigene Person nicht mehr ernst nimmt.
    Hermann Hesse



    Es regnete in Strömen. Alle Mitglieder von Fulmine und drei unbekannte Jungen, die Trainer Vedi als Violo Medici, Caleb Crawford und Gin Darwin Black vorstellte, waren in einem Café beim Trevi Brunnen. Aber einer fehlte, Michele. Es war nun zehn nach sechs und Herr Vedi fing an, zu erklärend dass Violo und Caleb bei unserem Team mitspielen werden und der andere Junge unser Manager sein soll. Ich stütze mich mit meinen Händen auf dem hölzernen Tisch ab und starrte Löcher in die Luft. Wir waren in einem extra Raum des Cafés, den Trainer Vedi gerade noch auftreiben konnte. Die Wände waren in grün, welches sehr gut mit der roten Decke harmonierte, außerdem hing von der Decke ein kolossaler Kronleuchter, der reichlich mit Edelsteinen in den verschiedensten Farben gestückt war.
    „Nun muss ich gehen. Passione, kläre jetzt die Probleme deines Teams, sonst…Du weißt was dann passiert.“
    Paolo nickte stürmisch und ich konnte mir ein grinsen nicht unterdrücken. Als Herr Vedi gegangen war, fragte Paolo uns, was uns bedrückt. Keiner sagte etwas. Logisch, wer würde schon offen über seine Probleme reden, vor allem wenn drei Fremde auch noch hier sind. Als dann Leonardo anfing, zu erzählen, sahen ihn alle gebannt an und ich nahm meine grüne Umhängetasche und schlich mich aus dem Raum, unbemerkt glückicherweise. Während ich in den Regen ging, holte ich meinen schwarzen Schirm aus meiner Tasche und spannte ihn auf. Das schwache, orange Licht der scheinbar schwarzen Laternen erhellte meinen Weg nur etwas, als ich jemanden schreien hörte. Es hörte sich nach einem kleinen Jungen an. Ich folgte der Stimme in eine dunkle, verwinkelte Seitengasse, die die Laternen nur etwas beleuchteten und sah, wie zwei Typen in einer weißen Montur einen kleinen Jungen bedrohten. Der Junge hatte oranges Haar, seine Augenfarbe konnte ich nicht erkennen. Die eine Gestalt zückte ein Messer und hielt es dem Buben unter sein Kinn. Ich ging dazwischen und die Gangster türmten. Ich drehte mich zum Jungen um der anfing zu weinen.
    „He, die Bösen sind weg. Du brauchst keine Angst mehr zu haben.“
    Nun hockte ich mich hin, strich ihm durch seine Haare und lächelte. Jetzt konnte ich auch seine Augenfarbe erkennen. Ich erschrak und sagte aufgeregt: „Du b-bist ja blind!“
    „S-Sí…Heute, als ich zum Spiel von Fulmine a catena wollte, überfielen mich zwei Männer und verschleppten mich irgendwohin. Dann hoben sie mich auf und banden mich auf einem Metalltisch fest. Dann hielt der eine meinen Kopf fest und dann sah ich nur mehr ein Licht bevor ich mein Augenlicht endgültig verlor, doch ich konnte entkommen, als sie gerade weg waren, doch dann fanden sie mich wieder, dann kamst glücklicherweise du. Mille Grazie. Mi chiamo Federico, e tu?“
    „Wow Kleiner…Du hast ganz schön was durchgemacht. Mi chiamo Giacomo Cattioso.“
    „C-Che c-cosa? Du bist der Torwart von F-Fulmine a catena?“
    Ich bejahte und fragte ihn, ob ich ihn nach Hause begleiten solle, worauf er nickte und lächelte.
    „Va bene. Wohin müssen wir?“
    Federico erklärte mir den Weg und ich nahm seine linke Hand mit meiner rechten, in der anderen hielt ich den Regenschirm über uns. Wir verließen die Seitengasse und Federico fragte mich: „Hast du schon etwas schlimmes erlebt, Gigi? Ääääh, ich meinte natürlich Giacomo, scusí.“
    „Lustig, dass du mich Gigi nennst. So hat mich seit Ewigkeiten niemand mehr genannt. Weshalb nennst du mich so? Deine Frage werde ich vielleicht dann beantworten.“
    „Ich habe dich Gigi genannt, da mein älterer Bruder auch Giacomo heißt, oder sagen wir, geheißen hat…Er ist schon lange tot…“
    „Oh, scusí…Mein Beileid…Wenn das so ist, dann möchte ich dich nicht mit meiner Vergangenheit nicht weiter belasten. Die ist nämlich schwerer als ein Blauwal!“
    Ich lachte doch Federico starrte schwermütig zu Boden. Er blieb stehen und meinte: „Bitte, erzähle mir etwas über deine Vergangenheit…“
    Ich sah ihn überrascht an, wartete auf eine erklärende Antwort, weshalb er etwas über meine Vergangenheit erfahren wollte. Doch ich wartete vergeblich.
    „Bitte, bitte, bitte!“Federico zerrte an meiner Hand und ich sah gerade aus und ergab mich seiner Bitte…


    ~-~


    Schiavitù!
    Immer wieder klang dieses Wort in meinem Kopf.
    Schiavitú!
    Um mich herum gab es unzählige Explosionen, Leute schrien und liefen um ihr Leben, sie schubsten mich einfach aus dem Weg, als wäre ich eine nichts. Die Erde bebte, ich hielt mir meine Ohren zu, wünschend, dass ich einfach auf der Stelle umfalle und Tod bin. Meine Eltern retteten nur sich und meinen kleinen Bruder, mich ließen sie einfach zurück. Eine Tränenflut floss mein schmutziges und von Wunden verziertes Gesicht herunter, doch ich wollte meine Hände nicht von meinen Ohren nehmen, da ich Angst hatte, dass wenn ich sie hinunternehme, wieder etwas explodiert und ich dann noch mehr Angst bekomme und panisch, wie die anderen herumrenne, doch, ich spürte keine Berührungen mehr, kein Geschubse, Gerangel mehr.
    „Wer ist dieser kleine Junge? Oder ist es doch ein Mädchen wegen den langen Haaren?“
    Ich sah auf und sah einer großen Frau in ihre goldenen Augen. Sie hatte bodenlange schwarze Haare, trug ein langes, goldenes Kleid, goldene Sandalen und ein kleines goldenes Diadem auf ihrem Kopf, das mit zahlreichen Edelsteinen gestückt war, außerdem glitzerte ihre Haut. Sie sah aus wie eine ägyptische Königin. Neben ihr stand ein Mann, der einen schwarzen Umhang an hatte. Er kam zu mir, griff mir mit seiner rechten Hand an den Hals und hob mich auf. Um Luft ringend wollte ich noch immer nicht meine Hände von den Ohren nehmen, doch die Frau sagte: „Lass ihn, Ineas. Wir werden ihn mit in den Palast nehmen. Er scheint verletzt zu sein, kümmert euch um seine Verletzungen und um seine Kleidung! Sofort!“
    Der Mann ließ mich runter und sah sie verwirrt an.
    „A-Aber Terrae! I-Ich meine, e-eure Hoheit! Wollt ihr ihn nicht am Boden liegend sehen? Das Blut aus seinem Körper rinnend während der Boden sich blutrot färbt, seine Augen gläsern werden und wir seine letzen Hilfeschreie hören? Diese Schreie, diese lieblichen Schreie und dieses wunderschöne rot…“
    „Hör auf mit diesen hässlichen Worten, Ineas! Willst du dich mir wiedersetzen?“
    „A-Aber nein, eure M-Majestät! N-Natürlich nicht!“
    Sie lächelte amüsiert und fragte nach meinem Namen. Während ich noch immer meine Hände auf den Ohren hatte, hockte sie sich vor mich hin und strich mir durch meine Haare. Sie nahm meine beiden Hände und entfernte sie von meinen Ohren, als es plötzlich wieder eine Detonation gab. Ich wollte sofort wieder meine Hände auf meine Ohren tun, doch Terrae hielt sie noch immer fest. Ich fing noch mehr an zu weinen, wenn dies überhaupt möglich war. Sie wischte mir die Tränen weg und sagte fürsorglich: „Na na, wein‘ doch nicht. Es wird nur mehr eine Explosion geben. Dann ist es vorbei, versprochen Schätzchen.“
    Sie drehte mich um, vor uns waren viele Bewohner von unserem kleinen Dorf. Unser Dorf war so klein, dass es nicht einmal einen Namen hatte, doch wir nannten es Dio, was Gott hieß, da alle im Ort sehr gläubig waren, auch ich bin es. Sie durchbohrten mich mit ihren Blicken und schrien immer wieder schiavitú, was Sklaverei hieß. Ich fragte mich, weshalb hier jetzt alle versammelt waren, doch bei genauerem hinsehen sah ich, wie jemand auf dem kaputten Brunnen stand, eine Bombe in der Hand. Zwischen mir und der Menge waren geschätzte zehn Meter, als die Bombe hochging. Ich schloss die Augen, mit meinen Händen hielt ich mir wieder meine Ohren zu. Ich spürte, wie ein starker Wind aufkam, der direkt in meine Richtung kam, kurz darauf fühlte ich, wie eine Flüssigkeit auf meine Haut prasselte. Während die Bö aufhörte, öffnete ich meine Augen, nahm meine zittrigen Hände von meinen schmerzenden Ohren und sah mir meine Handrücken an. Sie waren mit blutroten Punkten übersät. Als ich nach vor schaute, sah ich wie Teile von Menschen herumlagen. Überall lagen Beine, Arme, Körper und Köpfe. Ich riss die Augen auf und fiel auf die Knie, abermals begann sich ein Tränenmeer zu bilden. Jemand hob mein Kinn und hielt mir einen Kopf vor meine Augen, aus dem unten noch Blut floss. Ich schrie und Ineas lachte laut auf.
    „Ineas! Du wirst dich ab jetzt um den Jungen kümmern. Sonst…!“
    Terrae machte eine schneidende Bewegung mit ihrem Finger bei ihrem Hals. Ineas schluckte und nahm meine Hand. Er merkte, dass ich Angst hatte, dass ich versuchte, mich loszureißen und noch immer flossen meine Tränen über mein Gesicht, deshalb sagte er, ich hätte Glück, das ich noch lebe, doch ich entgegnete schreiend darauf: „Ich würde lieber sterben, als mit diesen Schmerzen noch zu leben zu wollen!“
    Ineas zog mich zu sich und legte mir seine rechte Hand auf die Stirn. Plötzlich spürte ich, wie mir augenblicklich kalt wurde und ich fiel nochmals auf die Knie, während er meine Hand losließ und seine Andere von meinem Kopf nahm. Ich kippte um und sah, wie Terrae meinen sich vor mich hinkniete und Ineas wegschickte. Sie hob legte eine Hand auf meine Wange und strich mir mit ihrer anderen Hand durch die Haare.
    „Du wirst es überleben, Schätzchen. Wie heißt du?“
    „I-Ich…I-Ich…“mehr brachte ich nicht hervor. Ich versuchte es erneut: „M-Mi c-c-chiamo…G-Giacomo C-Cattioso.“
    „Giacomo, ab jetzt brauchst du keine Angst mehr haben…Du wirst bei mir im Palast wohnen, dort bist du sicher, doch die anderen deiner Religion müssen sterben…“


    ~-~


    „Du hast in einem Palast gelebt?“fragte mich Federico ungläubig. Die Niederschläge wurden stärker, weshalb wir nun in einem Café in der Nähe des Vatikans waren und darauf warteten, dass der Regen etwas aufhört.
    „Ja, habe ich. Kurzzeitig, dann hielt ich es mit Ineas nicht mehr aus. Er machte mich zu dem, was ich heute bin, zu einem Teenager der sich über sich selbst und Andere lustig macht und das Leben nicht ernst nimmt.“
    „Du hast auch einen kleinen Bruder?“sagte Federico sobald ich den Satz zu Ende gesprochen hatte. Ich sah ihn fragend an, doch dann fiel mir wieder ein, dass er ja blind ist, und deshalb nicht darauf reagiert. Deshalb meinte
    ich: „Sí, ich habe un piccolo fratello. Doch seinen Namen habe ich nie gekannt, da meine Eltern ihn stets von mir fernhielten, warum, weiß ich nicht.“
    „Ich komme auch aus einem kleinen Dorf das keinen Namen hat und zerstört wurde. Aus welcher Region kommst du?“
    „Sizilien.“ sagte ich während Federico stürmisch meinte: „Anche a me! Ich auch! Aus welcher Provinz kommst du?“
    „Syrakus.“ erwiderte ich ungläubig und Federico antwortete schnell: „Anche a me! Das kann kein Zufall sein.“
    Als ich gerade etwas fragen wollte, schaltete der Cafébesitzer den Fernseher lauter. Federico und ich drehten uns gleichzeitig zum großen Flachbilfernseher während der Nachrichtensprecher, etwas angespannt, sagte: „Die Europäische Union warf Italien raus. Angeblich soll ein Streit zwischen Italien und Frankreich eskaliert sein und die Franzosen sollen auch an der Zerstörung des Petersdoms schuld sein, dies berichteten Augenzeugen, die scheinbar den französischen Staatspräsidenten Eric Impytioale in der Nähe des Doms erkannten. Ob die Aussagen wahr sind, ermittelt gerade die Italienische Polizei.“
    Den Rest verstand ich nicht, da ein paar Erwachsene sich komplett aufregten. Sie nannten die Franzosen „Stronzi“, was so viel wie Arschlöcher hieß. Da ich schon bezahlt hatte, nahm ich Federicos Hand und wir gingen in den etwas weniger gewordenen Regen. Ich spannte meinen Schirm auf und blieb wie elektrisiert stehen als Federico fragte: „Welcher Religion gehörst du an?“
    „A-Also…Ich würde jetzt nicht sagen, dass das eine Religion ist, aber wir beten die Dämonen und Höllenfürsten an, aber nicht den Teufel.“
    „Ich wurde ebenfalls nach diesem Glauben erzogen. Da muss es doch irgendwelche Verbindungen geben! Mama hat beispielsweise immer gesagt, mein Bruder hätte ein Mal der Caernus auf seinem Rücken. Hast du so eines?“fragte er in einem erwartungsvollen Ton. Ich nickte, doch vergaß im ersten Augenblick, dass er ja blind war und dies nicht mitbekam, weshalb ich einfach bejahte. Aufgeregt meinte Federico: „Dann bist du mein Bruder! Dann habe ich wenigstens wieder ein Familienmitglied…“
    „Du bist also wirklich mein piccolo fratello…Das hätte ich nie gedacht. Natürlich freue ich mich dass ich dich zum Bruder habe, aber…Was meinst du mit wieder ein Familienmitglied? Was ist mit Mamma é Papá?“
    Ich sah ihn erwartungsvoll an und ich fragte ihn weiter: „Ich sollte dich ja nach Hause bringen, hast du überhaupt eines? Oder ist das irgendeine Wegbeschreibung gewesen?“
    „Das war der Weg zu Thiagos Haus. Ich wohne schon seit ein paar Monaten bei ihm, da unsere Eltern durch einen Mordanschlag gestorben sind.“
    „Thiago? Meinst du Thiago Messi? Und wer hat unsere Eltern umgebracht?“
    „Ja, ich meine Thia, er ist ja jetzt in eurem Team. Unsere Eltern haben gesündigt und die Caernus bestraften sie dafür…“
    „Wenn wirklich die Caernus sie getötet haben, dann sind sie jetzt Sklaven der Höllenfürsten, und sind noch nicht ganz Tod. Ihre Seelen leben noch, doch sie können nur im Tausch gegen die eigene Seele ins Leben zurückgerufen werden.“
    „Was hat das Mal auf deinem Rücken für einen Sinn?“fragte er mich als wir gerade weitergingen.
    „Mit diesem Mal können mir die Caernus nichts anhaben. Sie können mich weder bestrafen, noch können sie mich zu einem Sklaven der Höllenfürsten machen.“
    „Ach so, also könntest du unsere Eltern zurückholen, ohne selber zu sterben?“


    ~-~


    Es klopfte, doch beim ersten Mal vernahm ich es nicht, ich war ganz und gar in meine Gedanken versunken. Ich musste den heutigen Tag erst mal verdauen.
    Erneut klopfte es, doch dieses Mal nahm ich es etwas wahr, doch ich stand noch immer nicht vom Bett auf, da ich zu aufgelöst war. Ich wartete auf noch ein Klopfen, doch dann hörte ich einen Schlüssel, der gerade in das Schloss gesteckt geworden war. Während ich mich aufsetzte, sah ich Michele, der gerade die Tür absperrte.
    „Ciao, du Schwänzer. Wo warst du heute? Hattest wohl wichtigeres zu tun, oder?“
    Er ignorierte meine Worte und ging mit ernster Miene auf mich zu. Ich sah ihn fragend an, wartend auf eine Antwort, doch stattdessen schubste er mich nach hinten, saß sich auf mich und hielt mir ein Messer unter mein Kinn, das er gerade aus seinem Ärmel gezogen hatte. Seine himmelblauen Augen wechselten schlagartig die Farbe zu einem stechendem rot. In mir kam Angst hoch, mein ganzer Körper kribbelte, ich konnte nicht mehr klar denken und sagte schnell: „Das war doch nur Spaß! D-Da musst du doch nicht gleich mit ‘nem Messer auf mich losgehen, o-oder?“
    „Du betest du Caernus an?“
    „W-Woher weißt d-du d-d-das?“fragte ich verwirrt und aufgeregt zugleich, während er die Waffe immer näher an meinen Hals hielt.
    „Denk EINMAL in deinem erbärmlichen Leben nach, dann kommst du schnell auf die Antwort…Ich würde mich beeilen, sonst hast du bald keinen Kopf mehr zum überlegen.“
    Was? Wovon redete er?, fragte ich mich als mir im Kopf eine Antwort überlegte, doch vor lauter Furcht konnte ich nicht klar denken. Ich spürte die Klinge immer näher an meinem Hals, doch plötzlich klopfte es. Michele ging von mir runter, seine Augen wurden wieder himmelblau und ich ging schnell zu Tür. Als ich diese nur einen Spalt öffnete, sodass ich gerade mit dem Kopf hinaussehen konnte, spürte ich etwas Spitzes auf meinem Rücken und sah Paolo und Violo in ihre fragenden Augen.
    „Ciao, Giacomo. Warum bist du vorhin abgehauen?“
    „I-Ich dachte, ich wüsste wo Michele ist, hab mich aber geirrt. Dann war es aber schon so spät und ich dachte, ihr wärt nicht mehr im Café, weshalb ich ins Hotel ging.“
    „Und das sollen wir dir glauben?“fragte Violo ungläubig.
    „Kannst du das Gegenteil beweisen?“meinte ich scharf worauf er die Arme verschränkte und erwiderte: „Ein paar Freunde von mir haben dich mit einem piccolo bambino gesehen, der orange Haare hatte…Was sagst du nun?“
    „Woher wissen deine Freunde wie ich aussehe? Das ist eher fragwürdig.“
    Ich spürte, wie das Messer immer fester gegen mich gedrückt wird und mir Michele, der hinter der Tür stand, ins Ohr flüsterte: „Sie sollen verschwinden, sonst…!“
    „Ich möchte jetzt nicht darüber diskutieren. Es ja auch schon spät, buonanotte.“
    Während ich die Tür zuschlug und zusperrte, zog mich Michele zurück und schubste mich wieder aufs Bett, saß sich wieder auf mich und bedrohte mich abermals mit dem Messer. Ich versuchte, mich zu wehren, doch er hatte so eine Kraft, dass ich ihm haushoch unterlegen war.
    „Hast du jetzt eine Antwort?“sagte er finster während seine Augen wieder ein stechendes rot annahmen.
    „Hast du das Mal auf meinem Rücken erkannt?“
    „No, ich wusste nicht einmal, dass du eines besitzt, doch das macht dich umso interessanter…“
    „Che cosa? Interessanter? Warum…Warte, b-bist du ein C-Caernus?“entgegnete ich aufgelöst und völlig verwirrt worauf er grinste und meinte: „Du bist doch nicht so blöd, wie ich gedacht habe. Sí, ich bin ein Caernus…Und ich brauche deine Hilfe.“
    „Du bist also tatsächlich ein Caernus? Beweise es!“
    „Giacomo, meine Augen haben sich von himmelblau zu rot verändert. Brauchst du noch Beweise?“
    Jetzt bemerkte ich, wie idiotisch diese Aussage von mir war, und ich fragte: „Warum brauchst du MEINE Hilfe?“
    „Ich wusste, du würdest das fragen. Ich werde es einmal erklären, also hör gut zu.“
    „Bene, bene, aber bitte, tu das Messer weg.“
    „Scusí. Aber nun hör mir bitte zu.“ sagte er während er von mir ging und das Messer entfernte.
    „Betest du heute auch noch meine Spezies an?“
    Ich sah ihn verwirrt an und bejahte vorsichtig, als er fortfuhr: „Gut, dann erzähle ich dir nun alles, was du wissen musst. Weißt du, wie die Menschen entstanden? Nicht durch Adam und Eva, nicht durch die Ursuppe, sondern durch meine Spezies. Wir erschufen außerdem einen Gott, der über die Menschen wacht, und wir erschufen das Himmlische Volk, also die Göttinnen Ignise, Aquame, Terrae und Aere. Aber wir erschufen auch die Dämonen und die Höllenfürsten. Doch die Göttinnen verschworen sich gegen uns und zogen die Menschen auf ihre Seite, indem sie ihnen einredeten, wir wären die Bösen und wollen sie vernichten, und die Menschen glaubten natürlich, weil sie so leichtgläubig sind, prompt den Falschen. Diese Ungerechtigkeit sorgte schon oft für Krieg zwischen uns, den aber immer die Göttinnen gewannen. Und-“
    „Scusí, dass ich dich unterbreche, aber was ist mit dem Gott, der über die Menschen wacht? Gehört er nicht zum Himmlischen Volk?“
    „No, er ist auf unserer Seite…War auf unserer Seite. Aber er hat einen Nachfahren, doch ich weiß nicht wen. Das ist die Erste Sache, für die ich deine Hilfe brauche. Die Zweite ist aber umso wichtiger. Jedes Jahr gibt es einen drei Welten Rat. Das heißt, die Hölle, der Himmel und der Vertreter der Menschen treffen sich zu einem Rat, der bestimmen soll, wie es bis zum nächsten Rat weitergeht, und jedes Jahr, seit der Vertreter der Menschen nicht mehr lebt, setzten die Göttinnen ihren Willen durch und wir müssen uns ohne Wiederworte diesem annehmen. Aber das soll sich dieses Jahr ändern, weshalb ich deine Hilfe brauche. Wir müssen den Vertreter der Menschen finden. Wenn wir das schaffen, werden er und du am Rat teilnehmen.“
    „Ich verstehe…Aber wie finden wir ihn?“
    „Frag mich was Leichteres.“
    „Du hast keinen Schimmer, wo er oder sie ist, oder?“
    „Es ist ein er. Und ich kann ihn aufspüren, aber dies verbraucht viel Kraft. Außerdem müsste ich mich dazu in meine Erste Form versetzen.“
    „Erste Form? Wie viele Formen hast du als Caernus?“
    „Tre, aber ich habe noch nie irgendeine Form angenommen, weshalb es für mich sehr gefährlich wäre, da ich überhaupt keine Erfahrung mit dem habe. Aber ich vermute, dass der, den wir suchen, in unserem Team ist.“
    „Wie kommst du denn auf das?“fragte ich während ich aufstand, zum Fenster ging und auf Rom starrte.
    „Das spüre ich.“
    „Achso…“
    Ich sah schweigend auf die Stadt, die in der Dunkelheit der Nacht wunderschön leuchtete.
    „Irgendwas ist mit dir. Du bist nicht bei der Sache, was ist los?“fragte mich Michele kalt, als ich Musik hörte. Es war das Lied Nuvole di Fengo von Fedez und Gianna Nannini, das ich als Handyklingelton hatte. Läutete mein Handy, oder höre ich die Musik nur in meinem Kopf? Ich konnte nicht mehr klar denken, seit ich Federico heute begegnet bin. Irgendwie, fühle ich mich als sein Bruder verantwortlich für ihn, aber…Meine Gedankengänge wurden abrupt von Michele unterbrochen, als er laut sagte: „Hey, dein Handy läutet. Bist du taub oder was?“
    Ich drehte mich um, Michele stand hinter mir mit meinem Handy in der Hand. Während ich es nahm starrte ich auf das Display. Es war Herr Vedi. Was wollte er denn so spät noch von mir?, fragte ich mich als Michele meinte, ich solle abheben, dies tat ich auch.
    „Buonasera, Herr Vedi.“
    „Komm sofort mir Michele in mein Zimmer. Capito?“
    „S-Sí Trainer.“ erwiderte ich mit überraschter Stimme als er auflegte.
    „Woher weiß er, dass ich bei dir bin?“
    Ich zuckte mit den Schultern, ging zu der Zimmertür und sah Michele erwartend an. Er seufzte und zog sich seine Kapuze über. Warum er das tat, war mir zwar nicht klar, aber es musste ja einen Grund geben. Während wir das Zimmer verließen und ich es zusperrte, hörte ich Leonardo rufen: „Giacomo! Wo warst du heute?“
    „Schrei doch nicht gleich so! Wir müssen schnell zu Herr Vedi, ich beantworte deine Fragen domani, morgen.“
    Bevor Leonardo mir antworten konnte liefen Michele und ich schnell zu Trainer Vedis Zimmer. Zuerst bogen wir links ab und rannten den Gang hinunter, dann klopften wir an die Tür. Sofort öffnete er und ließ uns ein, anschließend fragte er: „Lux, was hast du mit ihm vor?“
    „Lux? Wer soll das sein?“
    „Wer denn wohl, du Schnellchecker?“ fuhr mich Michele an und Herr Vedi meinte: „Du hast ihm nichts erzählt, Lux? Du hast ihm wirklich nichts erzählt? Ich bin enttäuscht von dir, Lux.“
    „Hör auf, mich Lux zu nennen!“ schrie Michele ihn an, doch es schien, als hätte er keine Angst, verzog nicht einmal sein Gesicht, während ich zusammenzuckte.
    „Ich hab ihm alles über den drei Welten Rat erzählt, über den Kampf gegen die Göttinnen und über den Vertreter der Menschen. Giacomo hilft mir, ihn zu finden.“
    „Wie soll gerade er dir helfen?“
    Bevor Michele etwas erwidern konnte fragte ich: „Woher wissen sie eigentlich so viel über die Caernus, Herr Vedi?“
    „Das geht dich nichts an. Vor allem, da Terrae dich aufgezogen hat und du die Göttinnen verehrst.“
    „Che cosa? W-Woher wissen sie das? Außerdem bete ich zu den Caernus, nicht zu den Weltenzerstörerinnen.“
    Herr Vedi sah mich verwirrt an, Michele klärte ihn auf: „Deshalb habe ich ihn gebeten, mir zu helfen.“
    „Aber wie soll er dir helfen?“
    „Ich habe vor, mich in meine erst Form zu versetzen, dazu brauche ich aber seine Hilfe, da es nicht ganz ungefährlich für mich ist…Aber wenn ich tot wäre, dann wäre es ihnen ja eh egal. Nachdem sie zugelassen haben, dass dieser Francesco mich misshandelt, bin ich ihnen ja sowieso nichts wert.“
    „Misshandelt?!?“entgegnete ich ungläubig und schockiert zugleich.
    „Wollen sie es ihm erzählen, oder soll ich es tun?“
    „Erzähl du ihm doch, weshalb sein kleiner Bruder jetzt blind ist und warum sie sich gerade jetzt getroffen haben.“
    „G-Gerade j-jetzt?“stotterte ich ungläubig.
    Dann sprach Herr Vedi amüsiert: „Klar, meinst du, das Treffen mit deinem kleinem Bruder war Zufall?“

  • Hallo Rexilius,


    sry, dass ich erst so spät kommentiere, war ne Weile lang nicht mehr auf BisaBoard on^^'
    Aber jetzt hab ich mir die Zeit genommen, dein neustes Kapitel zu lesen und zu kommentieren.


    Zu Anfang : Das Kapitel fand ich gut, hat mir auch besonders von den Kindheitserinnerungen gefallen und von den ganzen neu erklärten Sachen, die sowieso noch eine hoffentlich sehr interessante Rolle spielen. (Für diesen langen Satz will ich jetzt aber ne Urkunde haben :D )


    Die Stelle mit Federico hat mir auch sehr gefallen. Besonders das Ende macht mich gespannt darauf, was es mit dem Kleinen auf sich hat. ;)


    Die Kindheitserinnerung von Giacomo fand ich sehr gut erklärt, passende "Scheiß-Kindheit"-Stimmung und die neuen Personen fand ich interessant.


    Zitat

    „A-Aber Terrae! I-Ich meine, e-eure Hoheit! Wollt ihr ihn nicht am Boden liegend sehen? Das Blut aus seinem Körper rinnend während der Boden sich blutrot färbt, seine Augen gläsern werden und wir seine letzen Hilfeschreie hören? Diese Schreie, diese lieblichen Schreie und dieses wunderschöne rot…“


    Krasser Gangster. Der hat's wohl mit Blut, ne? x)


    Die Stelle mit Michele hat mich überrascht : Dachte immer, der wäre nett, da kommt der auf einmal mit so nem Messer an x)
    Hat mir aber auch gut gefallen, besonders, was ihren Glauben angeht und in wie fern sich das noch auf die Zukunft auswirkt...wirklich interessant.


    Sonst hab ich auch nicht mehr viel zu sagen, also kommen wir mal zu den Fehlerchen :



    So, das war's dann. Wie gesagt, mal wieder tolltes Kapitel, hast ein spannendes Ende gemacht und ich freue mich auf das neue Kapitel^^'


    MfG
    Gin Serpiroyal


  • Capitolo Sei
    Der Vertreter
    (Aus der Sicht von Giacomo Cattioso)
    Ein Blick in die Welt beweist, dass Horror nichts anderes ist als Realität.
    Alfred Hitchcock



    Montag, 16.Juni
    „Giacomo, Giacomo! Wach doch endlich auf!“
    Ich schlug meine Augen auf und sah Alessandro in seine ängstlichen Augen.
    „Che cosa? Wieso siehst du mich so an?“
    „D-Du b-blutest…“
    Während ich ihn verwirrt ansah, bemerkte ich, wie meinem rechten Arm eine regelrechte Flut aus Blut hinunterfloss, doch kannte ich nicht den Grund dafür. Mir brummte der Kopf, so, als hätte ich zehn Flaschen Alkohol getrunken. Was war geschehen?
    „Du musst zu il dottore! Du verblutest noch!“
    „Er geht nirgends hin.“ Als ich diese Stimme hörte, erstarrten Alessandro und ich zugleich. Um meinen Verdacht zu bestätigen, schaute ich in die Richtung, von der die Stimme kam. Es war Michele. Alessandro drehte sich um und sagte empörend: „Was redest du für eine Scheiße? Er wird uns noch verbluten.“
    „Er bleibt, du gehst.“
    „C-Che cosa?!? H-Hast du das ihm etwa angetan?“Michele schwieg für einen kurzen Augenblick, dann erwiderte er: „…Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt. Du bist doch so ein Fanatiker der Literatur, oder? Dann verstehst du das.“
    Alessandro schaute ängstlich auf mich und ich sagte, er solle sich keine Sorgen machen. Während er nach einigen Momenten immer noch nicht gehen wollte, trat Michele hinter ihm, holte seinen Dolch aus seiner linken Hosentasche und hielt ihm Alessandro an den Rücken, dem darauf der Atem stockte.
    „Das würdest du nie tun. Nie…“flüsterte Alessandro während Michele ihm lachend antwortete: „Du hast recht, töten würde ich dich nicht. Aber verletzen…“
    Sobald Michele den Satz beendet hatte, nahm er in Windeseile Alessandros rechten Arm, setze mit seinem Messer an und schnitt ihm, ohne mit der Wimper zu zucken, seine Haut auf. Es musst eine tiefe Wunde gewesen sein, da sie um einiges mehr blutete als meine eigene. Während das Blut floss und floss und sogar schon auf den schneeweißen Bettlaken, der sich sofort blutrot färbte schrie ich voller Entsetzen: „Alessandro! Michele, lass ihn sofort in Ruhe!“
    „Hm, wenn er geht, dann sí“
    Alessandro hielt sich mit seiner linken Hand die Wunde zu und meinte ruhig: „…Und du meinst, das bringt mich aus der Fassung? Ich gehe nicht aus diesem Zimmer…egal, was du auch mit mir anstellst.“
    „Perché? Warum? Ich verletzte Giacomo nicht, das verspreche ich dir.“
    „Weshalb sollte ich DIR vertrauen?“
    „Was habe ich dir jemals getan, Alessandro?“
    „Es geht nicht darum, was du getan hast, sondern was du Giacomo angetan hast.“
    Ich erschrak. Was hatte mir Michele je angetan? Mir fiele jetzt nichts ein…
    „D-Dein Dorf…D-Dio…“
    „Silenzio!“rief Michele wutentbrannt.
    „G-Glaubst du w-wirklich, die Caernus waren u-unschuldig als dein Dorf zugrunde ging?“
    „C-C-Che c-cosa?“sagte ich und sah fragend und gleichzeitig entsetzt Michele an, der betreten zu Boden starrte.
    „Die Göttinnen und die Caernus hatten, wie so oft, Streit, wollten diesen aber den Menschen verbergen und suchten sozusagen ein ‚Versteck‘, damit ihre Auseinandersetzung nicht den Lauf der Geschichte verändert. Da in Dio gerade la schiavitú die Oberhand hatte, nutzen sie diese Situation natürlich aus. Die Göttinnen hatten Panzer, Pistolen, Rauchbomben und vieles mehr, die Caernus hatten nur ihre Magie, ihre Formen und ihre ‚Eigenschaften‘. Damit waren die Caernus ihnen natürlich haushoch überlegen, aber sie rechneten nicht damit, dass die Leute, die vorher die Caernus anbeteten, nun die Göttinnen verehrten. Somit verloren sie einen großen Teil ihrer Kräfte und den Rest kennst du ja am Besten.“
    Während ich ihn verwirrt ansah, fragte ich: „W-Woher weißt du das alles?“
    „Tja Master Lux, das müssten sie am besten wissen, hehe…“
    Alessandros Haare änderten schlagartig die Farbe von schwarz nach himmelblau, seine Augen nahmen ein stechendes gelb an.
    „B-Bist du e-etwa auch ein C-Caernus?“
    Alessandro lachte und Michele erklärte mir: „No, er ist kein Caernus, sondern ein Höllenfürst.“
    „Che cosa? Schön langsam komm ich nicht mehr mit…“
    „Gestatten? Ich bin Doloma, Fürst der Hölle. Ich bringe Unglück und Leid über die Welt.“
    „A-Aber du bist auf einmal so anders. Du bist nun nicht so zurückhaltend und schüchtern wie ich dich eigentlich kannte.“
    „Höllenfürsten haben sozusagen ‚zwei Leben’. Das heißt, stirbt er als Mensch, hat er noch immer das Leben eines Höllenfürsts und kann sich eine neue ‚Menschenhülle‘ erschaffen. Doch stirbt er als Höllenfürst, so bleibt er für immer ein Mensch.“ erläuterte Michele der dann hinzufügte: „Höllenfürst habe außerdem eine Persönlichkeitsstörung. Deshalb ist Alessandro anders als sonst.“
    „Master Lux hat es schon treffend erklärt, aber ich lasse euch dennoch nicht alleine.“
    Als Michele Alessandro wütend ansah, fragte ich schnell: „Weshalb nennst du ihn ‚Master Lux‘?“
    „Die Caernus walten über uns, deshalb denken sie sie könnten alles mit einem anstellen, so wie eben das.“
    Alessandro zeigte auf die Wunde, die plötzlich verheilte. Während ich staunte meinte Michele aufgebracht: „Doloma, dann kommst du halt mit. Aber beeilt euch.“
    „Che cosa? Wohin gehen wir und weshalb sollte ich mich beeilen?“
    „Stell nicht so viele Fragen! Komm einfach mit.“
    Alessandro stand vom Bett auf, seine Haare nahmen wieder ein tiefes Schwarz, seine Augen ein helles Eisblau, an.
    „Ich gehe mich umziehen, treffen wir uns dann in der Rezeption?“ fragte Alessandro ruhig.
    Michele nickte und Alessandro verließ das Zimmer.
    „Du solltest dich auch mal anziehen.“ meinte Michele gedankenversunken.
    „Nicht bevor du mir nicht verratest, wohin wir gehen. Außerdem habe ich eine Wunde, die stark blutet.“
    „Wo?“
    Ich schaute ihn verwundert an und zeigte auf meinen Arm, musste aber feststellen, dass überhaupt kein Blut zu sehen war, nicht einmal eine Narbe. Während ich verwirrt auf meinen Arm starrte, räusperte sich Michele und meinte: „Avanti! Ich warte mit Alessandro in der Rezeption.“
    Als er den Raum verließ, sah ich mir die zuvor blutroten Bettlaken an. Nur waren sie nicht mehr in Blut getränkt, sondern schneeweiß.
    Was geht hier nur vor sich?


    ~-~


    „Wohin wollt ihr drei?“
    Michele, Alessandro und ich drehten uns um und sahen unserem neuen Manager in die Augen.
    „Gin? Was tust du denn hier?“fragte Michele, der ja nicht wissen konnte, dass er jetzt zu unserem Team gehörte.
    „Hallo, Michele. Ich bin der neue Manager von Fulmine a catena.“
    Michele musterte ihn und wollte sich gerade umdrehen als Gin meinte: „Ich komme mit euch.“
    „Perché?“fragte Alessandro mit düsterer Miene.
    „Ich kann kein italienisch, aber ich denke, du meinst, warum ich mit euch mitkommen möchte. Also, heute ist Training, und ich soll aufpassen, dass ihr alle pünktlich dort seid, da der Trainer etwas mit euch vorhat. Genaueres weiß ich nicht.“
    „Du kommst auf gar keinem Fall mit!“sagte Michele laut.
    „Willst du dich mit mir anlegen?“meinte Gin in einem bedrohlichen Ton.
    Bevor die Sache eskalierte, entgegnete ich stürmisch: „H-Hey! Ist ja egal wenn er mitkommt.“
    „Da hast du recht. Wenn ihm was passiert, ist er selber schuld.“ erwiderte Michele amüsiert.


    ~-~


    „Was wollen wir hier?“fragte ich als wir vor einer verlassenen Lagerhalle standen.
    „Lass uns reingehen, dann wirst du es schon sehen.“ antwortete Michele.
    Während wir reingingen, hörte ich eine bekannte Stimme sprechen. Ich lief zu ein paar Kisten, die nahe an den Stimmen waren. Als ich um die Ecke blickte, stockte mir der Atem.
    „Ich brauche dich nicht!“schrie die eine Person, die in einer weißen Montur und Kapuze vor Herr Vedi stand.
    „Ich habe dir dieses Angebot gemacht, weil ich dich nicht wie deine Mutter verlieren will. Außerdem ist das Leben als Attentäter, viel zu gefährlich und ich will nicht, dass du auf die schiefe Bahn gerätst, so wie ich einst.“
    „Du bestimmst nicht über mein Leben, sondern ich! Und jetzt lass mich in Ruhe, wegen dir habe ich meinen Auftrag nicht erfüllt.“
    „No, ich lasse dich nicht gehen. Ich will nicht dass du so ein Leben lebst. Du bist schließlich mein Sohn!“
    Ich lief näher an sie heran und versteckte mich wieder hinter ein paar Kisten.
    „Ich bedeute dir doch nichts! Du hast dich nie um mich gekümmert!“
    „Weil ich im Gefängnis saß. Ich konnte nichts tun, deshalb sollst du anders als ich werden.“
    „Im Gefängnis? Perché?“
    „Hat dir das deine Mutter nicht erzählt? Ich war ein Mafioso…“
    Der Fremde zog ein Messer und wollte gerade auf Herr Vedi einstechen, als ich aus meinem Versteck hervorkam und rief: „Stop! Lass ihn in Ruhe!“
    Herr Vedi und die andere Person drehten sich sofort in meine Richtung und der Trainer sagte verwirrt und erschrocken: „Was tust du denn hier, Cattioso?“
    „Dasselbe könnte ich sie fragen.“
    In diesem Moment kamen Michele, Gin und Alessandro aus ihrem Versteck und stellten sich neben mich hin.
    „Wer sind denn die?“fragte der, der neben Herrn Vedi stand in einem höhnischen Ton.
    „Sie sind von Fulmine a catena.“
    „Ach, von diesem mickrigen Team seid ihr? Ha, ihr könnt bei Weitem nicht mit mir mithalten.“
    „Was hast du gerade gesagt?“rief ich zornig als der Trainer meinte: „Unterschätze ihn nicht.“
    „Pah, das tue ich nicht. Ich fordere dich zu einem Stürmerduell heraus!“entgegnete ich während ich auf ihn mit meiner rechten Hand zeigte.
    Michele, Alessandro, Gin, Herr Vedi und der Fremde sahen mich verwirrt an.
    „Aber Giacomo“, sagte Alessandro „du bist doch Torwart, kein Stürmer. Hast du das vergessen?“ sprach Alessandro in einem besorgten Ton.
    „Sí, ich weiß, aber solch einem arrogantem Mistkerl, der glaubt er sei der Beste, möchte ich liebend gern eins auswischen.“
    „Wann habe ich gesagt, ich bin der Beste? Ich kann mich nicht erinnern…aber wenn du ein Stürmerduell willst, dann bin ich dafür offen.“
    Bevor ich antworten konnte, zog mich Michele zu sich und flüsterte mir ins Ohr: „Er ist ein Caernus. Pass also gut auf, verstanden?“
    Als ich nickte, tat der Fremde die Kapuze hinunter. Nun blickte ich einen Jungen in meinem Alter, mit kurzen, schwarzen Haaren in seine stechend roten Augen. Entfernt erinnerte er mich an Herr Vedi, aber er war ja auch sein Sohn, weshalb er ihm demnach ähnelt.
    „Du glaubst mich, Davide Vedi, in einem Stürmerduell besiegen zu können? Pah, du bist doch nur ein Goalie, was willst du schon gegen mich ausrichten?“
    „Das wirst du schon sehen!“
    Ich holte aus meiner Umhängetasche einen Fußball, worauf Michele fragte: „Hast du den immer mit?“
    Während ich bejahte gingen Davide und ich aufeinander zu. Als wir dann nur mehr einen halben Meter auseinander waren, legte ich den Ball ab und wir gingen jeweils elf Schritte auseinander. Wir sahen uns finster in die Augen, es konnte losgehen.


    ~-~


    Herr Vedi Pfiff einmal und wir liefen auf den Ball zu. Davide legte ein enormes Tempo vor, was es mir erschwerte, als Erstes das runde Leder zu erreichen. Er kam als Erstes bei der Kugel an und dribbelte gleich schnell weiter.
    „Absatzkick!“ rief er, doch ich schrie kurz darauf: „Feuerzirkel!“
    Dann stahl ich den Ball durch einen Halbkreistritt, wobei mein Fuß von einem glühenden Feuer umhüllt wurde. Ich lief weiter und schoss zwischen die Kisten, die wir als Tor auseinandergestellt hatten. Das war zu einfach…, dachte ich als ich plötzlich hörte: „Der Berg!“
    Der Boden begann um mich herum zu beben und ein riesiger Berg erschien vor mir, an dem der Ball abprallte. Während ich umflog war Davide wieder in Ballbesitz und lief wieder auf mein Tor zu. Ich sprang schnell auf und lief ihm nach, doch musste leider feststellen, dass er ein Tor geschossen hatte.
    „Das gibt es nicht…“hörte ich Davide entsetzt sagen.
    „Was meinst du? Du hast sowieso gewonnen…“meinte ich etwas enttäuscht.
    „Das meine ich nicht. Aber ich finde es überraschend, dass du gegen mich eine Spezialtechnik einsetzen konntest.“
    „Che cosa? Ich verstehe nur Bahnhof.“
    „Das ist so…Normalerweise können meine Gegner überhaupt keine Techniken einsetzen, da ich zu schnell für sie bin. Doch nun frage ich mich, wie konntest du mit meinem Tempo mithalten?“
    „Sí, Giacomo. Nicht einmal Michele und ich konnten ihn verfolgen, so schnell war er.“ rief Alessandro, wobei Michele und Gin sich die Ohren zuhielten, da er fast brüllte.
    „Das nennt ihr schnell? Paolo ist um sehr viel schneller und geschickter.“ erwiderte ich.
    „Wer ist Paolo?“fragte Davide neugierig.
    „Nimm mein Angebot an und finde es heraus.“ entgegnete Herr Vedi während er Davide besorgt ansah.
    Davide sah Herr Vedi-wenn ich mich nicht irre, und ich irre mich nie-hilflos an und meinte-zu meinem überraschen: „Gut, ich nehme dein Angebot an.“
    Herr Vedi ging auf Davide zu und sie umarmten sich, wobei Beide zu weinen begannen. Alessandro, Gin und ich lächelten, doch Michele meinte kalt: „Das ist ja alles schön und gut, aber ich muss mit dir reden, Davide.“
    Sie lösten die Umarmung und Davide sah Michele fragend an.
    „Worüber möchtest du mit mir reden?“
    „Du bist ein Caernus, oder?“
    Davide erschrak und sagte während er nickte: „Sí, woher weißt du das?“
    „Du musst mir helfen, mich in meine erste Form zu versetzen.“
    Es herrschte Stille.
    „Nun gut, ich helfe dir. Doch, wofür versetzt du dich in solche Gefahr?“
    „Ich will den Vertreter der Menschen finden.“
    Davide stockte der Atem und der Trainer sagte: „Beschäftigt euch damit nach dem Training. In zwei Stunden ist Training, vergesst es nicht.“
    Er ging an uns alle vorbei und verließ die Lagerhalle.
    „Das Angebot von dem ihr vorher spracht…Wollte der Trainer dich in den Kader holen?“fragte ich vorsichtig.
    Davide nickte stumm und sah auf den Ausgang der Lagerhalle. Er schloss die Augen und sein Avatar erschien. Es war ein Geist, der in roten Lumpen umhüllt mit einer schwarzen Laterne in der Hand quirlig umher schwebte.
    „Ghoje! Du weißt was zu tun ist.“
    Ghoje kicherte in einem hohen Ton und flog ein paar Kreise über Davide während er seine Laterne schüttelte, aus der ein rotes Puder sanft auf ihn fiel. Plötzlich hatte Davide keine weiße Montur mehr an, sondern eine schwarze Jeans, ein rotes, ärmelloses Shirt, schwarze Sneakers und eine Kette mit einem Chinesischen Zeichen aus Metall.
    „Dann gehen wir nun zum Stadion, oder? Ich brenne darauf, diesen Paolo kennenzulernen.“
    Während Davide das sagte, grinste er und wir gingen aus der Lagerhalle. Die grauen Wolken, der eiskalte Wind und das Krähen und Krächzen der Raben jagte mir einen eisigen Schauer über den Rücken. Während ich stehen blieb schloss ich die Augen. Wenn der Vertreter der Menschen in unserem Team ist, dann werden die Göttinnen wohl nach ihm suchen und wir werden bald unser blaues Wunder erleben. Werden Davide und Michele uns davor beschützen? Haben sie die Macht dazu? Ich denke nicht, aber nun heißt es wohl Vertrauen und abwarten…denke ich. Während ich noch immer wie angewurzelt dastand, zog mich jemand nach hinten und hielt mir den Mund zu. Er zog mich hinter einen Container, dann flüsterte er mir ins Ohr: „Beruhige dich, Giacomo. Ich bin’s, Paolo.“
    Er ließ mich los und ich drehte mich sofort um. Während ich ihn fragte was er hier tue, entgegnete er: „Was geht hier für ein krankes Spiel? Was meint ihr mit ‚Caernus‘ und mit ‚erster Form‘…Giacomo, erkläre es mir, prego!“
    Ich sah in Paolos dunkelblaue Augen und spürte seinen heftigen Atem auf meinem Gesicht, da unsere Köpfe nur geschätzte eineinhalb Zentimeter entfernt waren. Er sah mir ängstlich in die Augen und ich fing an zu erzählen, wurde aber abrupt unterbrochen als ich Michele sagen hörte: „Wo ist Giacomo?“
    „Sag du musst hier noch etwas erledigen. Ich warte hier.“ flüsterte Paolo so leise dass ich es kaum vernahm.
    Ich tat wie mir befahl. Während ich hinter dem Container hervorkam meinte ich: „Ich dachte, ich hätte ‘nen Fünferschein gesehen, hab mich aber geirrt. Ich muss aber noch etwas hier erledigen, ich komm dann zum Training. Es ist ja sowieso erst in zwei Stunden.“
    „Wenn du meinst…“antworte Michele misstrauisch als sie weitergingen.
    Ich stand wieder wie unter Schock da, und abermals zog mich Paolo hinter den blauen Container. Unsere Gesichter waren ebenfalls wieder sehr nahe beieinander, wenn nicht noch näher als vorher. Er sah mir ängstlich in die Augen.
    „Prego, Giacomo…Erkläre es mir.“
    Paolo Stimme zitterte, doch weshalb? Hatte er etwa Angst vor der Antwort? Doch ich verdrängte diese Gedanken und begann Paolo die aktuelle Lage der Dinge zu erläutern…


    ~-~


    „S-Stimmst das wirklich?“fragte mich Paolo ungläubig.
    Wir verharrten noch immer in der gleichen Position wie zu Beginn des Gesprächs. Als ich nickte konnte ich meinen Blick einfach nicht von Paolos tiefblauen Augen abwenden, doch warum? Wenn ich einmal wegsah, schaute ich in der nächsten Sekunde sofort wieder in seine Augen. Was ist mit mir los?
    „Der Trainer sagte beim letzen Spiel, dass jeder Spieler von Fulmine etwas auf der Seele liegt…Hast du deine, wie soll ich sagen, ‚Belastung‘ den anderen gesagt?“
    Er schüttelte langsam den Kopf.
    „Dann erzähl sie mir doch jetzt.“
    Während ich lächelte meinte er: „Das ist eigentlich keine Belastung, sondern in der heutigen Welt ganz normal…“
    „Bist du etwa Terrorist? So wie die in Russland und der Ukraine oder wie die in Syrien?“meinte ich scherzhaft, doch Paolo verzog keine Miene.
    „No, etwas gaaaaaanz anderes…Ich…Ich bin schwul.“
    Mir stockte der Atem. Hat er das gerade wirklich gesagt? Aber er ist doch der Mädchenschwarm schlechthin…Das kann doch nicht möglich sein. Träume ich? Wir hatten noch immer Blickkontakt als ich nach einigen Momenten der Stille sagte: „Das kaufe ich dir nicht ab. Beweise es!“
    Er schaute überrascht und fragte: „Wie soll ich das bitteschön beweisen?“
    „Keine Ahnung…Lass dir was einfallen.“
    Er nickte, kam immer näher zu mir und küsste mich. Ich schloss die Augen. Zuerst zuckte ich noch zurück, doch dann, so komisch es auch klingt, gefiel es mir und ich ging auf den Kuss ein. Ich weiß nicht warum, doch irgendwie fühlte es sich gut an. Während wir uns umarmten strich ich ihm mit meiner rechten Hand durch seine seidenen Haare und dann ging der zuerst normale Kuss zu einem leidenschaftlichen Zungenkuss über. Ich fühlte seine Wärme, seine zärtlichen Berührungen, es fühlte sich alles so gut an, doch…tat ich das Richtige? Als der kalte Wind durch meine Haare blies, verdrängte ich den Gedanken schnell wieder. Die krächzenden Krähen und der eisige Betonboden auf dem wir saßen waren mir in diesem Moment egal, das Einzige, auf das ich mich konzentrierte, war Paolo. Unsere Lippen entfernten sich langsam voneinander und ich musste lächeln, doch Paolo erwiderte es nicht, worauf ich fragte: „Was ist los? Geht’s dir nicht gut?“
    „No, es ist nur…Ich fühle mich jetzt nur schlecht. Es liegt nicht an dir, Giacomo. Aber…ich liebe Michele und jetzt fühle ich mich so miserabel da ich ihn sozusagen ‚betrogen‘ habe. Außerdem muss ich dich fragen: Bist du auch schwul oder warum bist du auf den Kuss eingegangen?“
    „D-Du ‚liebst‘ Michele? Ist er auch schwul?“
    Während Paolo nickte, fragte er erneut: „Bist DU schwul?“
    Ich schüttelte den Kopf und er sah mich fragend an. Er erkundigte sich, weshalb ich ihn dann nicht weggeschubst hätte, doch darauf wusste ich keine Antwort.
    „Wie fühlte es sich an?“meinte er als ich den Blickkontakt unterbrach und etwas wegrutschte.
    Ich wollte nicht antworten, wollte vor den Fragen fliehen, doch Paolo griff nach meiner Jacke und zog mich wieder zu sich.
    „Giacomo, ich will eine Antwort…prego.“
    „Va bene, es fühlte sich gut an. Zufrieden?“sagte ich mit einer etwas aufgebrachten Stimme.
    Paolo schreckte zurück doch ich nahm ihn an den Schultern, zog ihn zu mir und umarmte ihn. Warum tat ich das? Ich spürte abermals seine Wärme, doch er umarmte mich nicht. Dies irritierte mich zwar, doch ich ließ ihn nicht los und drückte ihn noch fester an mich. Weshalb ich dies tat, konnte ich mir nicht erklären, ich ließ mich einfach von meinen Gefühlen leiten.
    „Warum tust du das?“fragte mich Paolo, dessen Herz ich schnell pochen spürte.
    „Wenn ich darauf nur eine Antwort wüsste…“meinte ich, während ich meine Augen schloss.
    „Du lässt dich also von deinen Gefühlen leiten?“
    Ich bejahte und wollte ihn gerade loslassen, doch nun umarmte er mich auch, und er fing an zu weinen.
    „Ich habe das leise Gefühl, dass dich etwas bedrückt. Erzähl es mir ruhig, Paolo. Ich bin für dich da.“
    „B-Bene, ich erzähle es dir…“
    Während ich ihm gebannt zuhörte als er über seine Vergangenheit erzählte, verharrten wir noch immer in derselben Position, und das das ganze Gespräch lang. Nun Wir lösten unsere Umarmung und sahen uns wieder in die Augen. Irgendetwas bedrückte ihn noch, ich spürte es. Deshalb entgegnete ich: „Das war nicht alles. Parla! Was ist noch?“
    Als er den Blickkontakt zu mir unterbrach sagte er kleinlaut: „Sí, ich habe dir nicht alles erzählt. Aber das was ich dir jetzt erzähle, bleibt bei dir. Du wirst es niemanden verraten, vor allem nicht Michele und Alessandro, capito?“
    Ich bejahte als überraschende Antwort kam: „Ich bin der Vertreter der Menschen.“


  • Hallo Rexilius,


    als ich das erste Mal deine Fanfiction las, dachte ich, es würde sich nur um Fußball drehen. Doch ich habe mich richtig mies getauscht, das geht in eine richtig interessante Fantasy-Richtung, in der es eben nicht nur um Fußball geht, sondern auch...um solche Geschichten XD


    Naja, ich fang einfach mal an : Das Kapitel war mal wieder gut, schön beschrieben, der Handlung konnte ich auch folgen. Und wieder mal eine interessante Spannungskurve.


    Die Stelle mit Giacomo, Alessandro und Michele fand ich besonders gut. Dieser Konflikt zwischen den ganzen Geschichten und Geheimnissen, den fand ich ziemlich gut. Da ich wie gesagt ja davon ausging, dass es nur um Fußball geht, finde ich es jetzt umso interessanter, was noch alles kommt, mit den Göttern und so weiter. Da muss ich mich auf was gefasst machen XD


    Die Stelle mit dem Trainer und seinem Sohn fand ich auch eine interessante Wendung. Besonders, was die Vergangenheit des Trainers betrifft und wie sich das noch so auswirkt, da bin ich schon gespannt.


    Viel mehr hab ich es jetzt nicht zu sagen...darum kommen wir mal zu den Fehlern. Keine Sorge...das wird kurz XD



    Das war's mal wieder. Joa, gutes Kapitel, hat mir gefallen und ich freue mich auf das Nächste^^


    MfG
    Gin Serpiroyal



  • Capitolo Sette
    Sünden werden bestraft
    (Aus der Sicht von Michele Divertiani)
    Alles, was gegen das Gewissen geschieht, ist Sünde.
    Thomas von Aquin


    „Also Paolo, hast du nun herausgefunden, was deine Teammitglieder bedrückt?“fragte der Trainer.
    „Sí, das habe ich.“ antwortete Paolo selbstsicher.
    „Wirklich? Weißt du auch, was es bei Cattioso und Divertiani ist?“
    Die ganze Wahrheit mit den Caernus kann er nicht kennen, das weiß Herr Vedi aber sicherlich, dachte ich als Paolo dann überraschend sagte: „Sí, auch von Giacomo und Michele. Und bevor sie sagen, ich wüsste noch immer nicht alles, no, das stimmt nicht. Ich weiß auch über die Caernus Bescheid.“
    Alle sahen Paolo fragend an und ich fragte ihn entrüstet: „Woher weißt du von den Caernus?“
    Nun sahen alle mich verwirrt an, doch Paolo lachte und meinte amüsiert: „Sagen wir’s einmal so; ein Vögelchen hat’s mir gezwitschert.“
    Ich schaute ihn wütend an während er anfing zu erklären, was ein Caernus ist und was wir machen.
    Als er seine Erläuterung beendet hatte meinte ich, ich wolle mit ihm unter vier Augen reden. Paolo nickte und wir gingen an die Seitenlinie, die Anderen standen beim Anstoßpunkt.
    „Bist du jetzt zufrieden? Nun werden alle glauben, ich bin schlimmer als der Teufel.“
    „Niente e più nero del diavolo. Niemand ist schwärzer als der Teufel, Michele. Und ich bin mir außerdem vollkommen sicher, dass sie es bestimmt verstehen werden."
    „Wenn du meinst…Ich habe zwei Fragen an dich. Die Erste lautet; kennst du wirklich die Vergangenheit von ALLEN in unserem Team?“
    „Sí. Aber ich weiß, worauf du hinauswillst. No, sie haben es nicht vor allen Anderen gesagt, sondern nur mir unter vier Augen, außer Leo, der hat es vor allen gesagt.“
    „Capisco. Dann meine zweite Frage; wer war dieses Vögelchen, das dir alles über die Caernus gezwitschert hat?“ fragte ich ihn während mir bewusst wurde, wie albern ich mich anhörte. Doch anstatt einer Antwort bekam ich stattessen eine Gegenfrage gestellt: „Chi va diritto non fallisce strada, é?"
    Was meint er mit Ehrlich währt am längsten? Während ich ihn verwirrt ansah, erwiderte ich: „Che cosa? Soll das deine Antwort sein?“
    Als er lächelnd nickte, spürte ich, wie innerlich meine Wut brodelte.
    „Paolo, ich will einen Namen.“
    „Einen Namen? Gut, er heißt Jakob.“
    Als er grinste sah ich ihn zerstreut an. Ich kenne keinen Jakob, was meint er damit?
    „Parla italiano? Du sprichst schon noch deine Muttersprache, oder Michele?“
    „Che cosa?“
    Schön langsam beginne ich zu begreifen, was er mir mitteilen versuchte, dachte ich während er wieder zu den anderen ging. Italienische Namen werden in Deutsch komplett anders geschrieben. Aus Paolo beispielsweise wird Paul. Oder aus Johannes wird Giovanni. Doch was heißt Jakob auf Italienisch?
    „Divertiani! Komm sofort her!“rief der Trainer.
    Während ich meinen Kopf schüttelte, lief ich zu den Anderen.
    „Heute habe ich etwas Spezielles mit euch vor. Sagen wir, eine Schnitzeljagd.“
    „Eine Schnitzeljagd?“ fragten wir alle ungläubig im Chor.
    „Sí. Ihr werdet in Zweiergruppen durch Rom laufen. Doch nicht einfach normal laufen, no. Ihr müsst mit einem Fußball dabei die ganze Zeit dribbeln. Dabei muss jedes Team zwei bestimmte Gegenstände finden. Wenn ihr unterwegs auf eure Teamkollegen trefft, müsst ihr ihnen den Gegenstand wegnehmen, die Gruppe mit den meisten Gegenständen gewinnt. Ihr habt bis Punkt achtzehn Uhr Zeit, dann treffen wir uns wieder im Stadion. Und seid pünktlich. Capito, Passione?“
    Paolo nickte stürmisch und Herr Vedi erhob erneut das Wort: „Ich werde euch nun einteilen.“
    „Che cosa? Dürfen wir nicht aussuchen, mit wem wir eine Gruppe bilden?“ fragte Giacomo während ich plötzlich einen Geistesblitz hatte.
    Giacomo! Jakob heißt auf Italienisch Giacomo! Warum bin ich nicht früher draufgekommen?
    „Die Gruppen lauten: Gustavo und Edilio, Remus und Adriano, Alessandro und Michele, Gareth und Caleb, Thiago und Violo, Raffaele und Giacomo, Davide und Paolo. Leonardo, du gehst mit Thiago und Violo mit.“ sagte Herr Vedi und Paolo sah ihn überrascht an.
    Davide ging zu Paolo und flüsterte ihm irgendetwas ins Ohr, worauf Paolo ihn mürrisch ansah, doch Davide lachte nur. Gin gab jeder Gruppe einen Zettel, wo die Wegbeschreibungen und die gesuchten Gegenstände draufstanden. Auf dem Zettel von Alessandro und mir stand:


    Ort: San Paolo fuori le Mura
    Hinweis: Unter Paulus, Andreas, Lukas, Petrus und dem Messias liegt was ihr suchet.
    Gegenstände: 1x Schwarzer Stein, 1x Himmelblauer Stein


    Die Paulus Kirche? Wie sollen wir in einer Kirche einen schwarzen und einen himmelblauen Stein finden? Und der Hinweis ist jetzt auch nicht der Allerbeste. Unter Paulus, Andreas, Lukas, Petrus und dem Messias liegt, was ihr sucht. Was soll das denn bedeuten?
    „Ich weiß, was der Hinweis bedeutet.“ meinte Alessandro während ich noch immer verwirrt auf den Zettel starrte.
    „Naja, wenn du meinst…Holen wir uns einen Fußball und dann forza, auf zu San Paolo.“ erwiderte ich gedankenversunken als ich einen Fußball holte.
    „Ich habe vergessen zu erwähnen, dass jeder von euch ein Band um den Fuß gebunden bekommt, damit wir nachweisen können, ob ihr wirklich die ganze Zeit durch gedribbelt seid.“ erklärte der Trainer während er die schwarzen Stoffbänder mit einem Metallenem etwas darauf austeilte.
    Ich band mir es mir schnell um mein rechtes Bein und dribbelte zurück zu Alessandro.Wir haben ganze sechs Stunden Zeit, das wird wohl reichen…hoffe ich, dachte ich während Alessandro und ich das Stadion verließen. Er dribbelte mit dem Ball und ich meinte lachend: „Wenn wir den Ball die ganze Zeit dribbeln müssen, dann viel Spaß in der U-Bahn!“
    Alessandro lachte ebenfalls und meinte: „Wird schon schiefgehen.“


    ~-~


    CHIUSO
    „Kann eine Kirche geschlossen sein?“fragte ich Alessandro verwirrt während wir hin und her passten.
    „Tja, anscheinend schon. Was sollen wir jetzt machen? Wenn wir nicht diese Steine besorgen dann…du weißt, wie der Trainer reagiert! Was sollen wir tun?“meinte er hilflos wie ein Lamm, dass gerade zum Schlachter geführt wird.
    „Wir gehen einfach rein und besorgen uns, was wir brauchen. Es wird wohl kein Sicherheitspersonal oder so in der Kirche sein, warum auch…“
    „B-Bist du dir sicher, Michele? Was ist, wenn sie uns erwischen?“
    „Doloma, du als Höllenfürst und ich als Caernus können leicht rein und raus ohne, dass uns jemand sieht.“
    Als er lächelte, färbten sich seine Harre blau und seine Augen nahmen ein stechendes Gelb an.
    „Va bene, nun muss ich mich in meine erste Form versetzen.“
    „Meinst du, du schaffst das?“
    Ich zuckte mit den Schultern und wir gingen hinter einen Baum. Ich versicherte mich, dass niemand uns sehen konnte und hockte mich hin. Während ich meine Augen schloss sprach ich langsam: „Ab imo pectore...tenebrae.“
    Mein ganzer Körper kribbelte, ich öffnete meine Augen.
    „So fällst du bestimmt nicht auf“, meinte Alessandro sarkastisch „Du siehst wie ein Römischer Offizier aus.“
    Ich saß mich auf den Boden und atmete heftig. Alessandro fragte, ob wohl alles in Ordnung sei, ich antwortete, noch immer ganz außer Atem: „Sí, sí…Es geht schon. Und was das Unbemerkt sein betrifft: wenn ich diesen Umhang trage, dann bin ich unsichtbar.“
    Auf meinen schwarzen Mantel deutend, der mir über die rechte Schulter hing, meinte Alessandro: „Mit dem Teil? Na, wenn du meinst…“
    Lächelnd, wenn auch etwas holprig, stand ich auf und setze meine Kapuze auf. Kurz darauf hörte ich Alessandro sagen: „Wow, das funktioniert ja wirklich. Nun gut…Dann geht’s jetzt los.“
    Ich wollte nickten doch dachte, er könne mich sowieso nicht sehen, weshalb ich es ließ. Alessandro verwandelte sich in eine Ratte und lief voraus. Ich blieb ihm, so gut es ging, auf den Fersen. Wir rannten einen langen Gang mit hohen, weißen Säulen entlang, die oben mit Stuck verziert waren. Links von mir war eine grüne Fläche, mit einer Statue des Heiligen Pauls in der Mitte. Als ich um die Ecke bog, blieb ich abrupt stehen. Ein Kardinal, ich erkannte ihn an seinem komischen roten Hütchen, hatte Alessandro in der Hand und streichelte ihn. Warum würde jemand freiwillig eine Ratte streicheln? Ich schüttelte den Kopf, sauste an ihm vorbei und betrat die Kirche durch eine kolossale Tür aus Olivenholz. Plötzlich stand ich in einer gigantischen Halle, in der fast alles aus Gold war. Nur die Säulen, der Boden und die Decke waren aus schwarzen und weißen Marmor, in dem man sich spiegeln konnte. In der Halle waren alles Kardinäle, die ängstlich in meine Richtung sahen. Zuerst fragte ich mich, weshalb sie so angsterfüllt waren, doch diese Frage klärte sich, als mir klar wurde, dass ich auch Angst hätte, würde so eine schwere Türe einfach so aufgehen. Während ich auf die Kardinäle zuging, hörte ich eine bekannte Stimme sagen:„Na na, sie müssen doch keine Angst haben, eure Geistlichkeiten. Sie müssen nur tun, was ich sage.“
    Schleunigst drehte ich mich um und sah Francesco mit schwarzen Männern, die auf die Kardinäle mit Colts zielten. Wenn die jetzt schießen, bin ich hinüber!, dachte ich als ich schnell in den hinteren Bereich der Kirche rannte. Über den Säulen waren Medaillons von allen Päpsten, die je gelebt hatten. Hinten angekommen, stand ich unter einer Apsis mit goldenem Mosaik. Oben waren fünf Menschen mit Heiligenscheinen zu sehen. Bei genauerem hinsehen erkannte ich neben den Leuten Namen, nämlich: Paulus, Lukas, Andreas und Petrus. Nur bei dem Mann in der Mitte war kein Name zu sehen. Warte, dachte ich, in dem Hinweis stand doch, unter denen seien die gesuchten Gegenstände! Ich ging weiter bis ich vor einem weißen Altar stand. Auf ihm stand nur ein Kerzenständer mit zwei brennenden Kerzen.
    „Zeig mir, wo die Steine sind!“hörte ich Francesco rufen.
    Blitzartig drehte ich mich um und sah, wie er Alessandro eine Waffe an den Kopf hielt. Alessandro hatte wieder schwarze Haare und himmelblaue Augen.
    „I-Ich weiß nicht, wovon sie sprechen!“meinte Alessandro als Francesco ihm eine Ohrfeige verpasste und er zu Boden fiel.
    „PARLA! Ich will die Steine vor Mario haben! Sonst kann ich nicht weiter für dein Leben garantieren…“
    Mario? Meint er den Trainer? Meine Gedankengänge wurden jäh unterbrochen, als die Erde anfing, zu beben.
    „Alessandro, hör auf!“schrie ich aus Leibeskräften als das Beben plötzlich aufhörte.
    „W-Wer war das? Wo bist du? Zeig dich!“brüllte Francesco wutentbrannt.
    „Ha, er wird die Steine vor ihnen haben, und sie können nichts dagegen tun, hehe.“ meinte Alessandro, dem Blut aus dem Mund floss während er wieder die Persönlichkeit von Doloma annahm.
    Während ich mich umdrehte, dachte ich: wo sind die Steine? Auf dem Zettel steht doch, unter denen sind sie…Haben wir einen Hinweis übersehen? Ich wollte den Zettel aus meiner Hosentasche holen, doch dabei fiel mir ein, dass Alessandro ihn hatte.
    „Feuer“, rief Alessandro während ich mich erneute umdrehte, er hielt den Zettel in der Hand.
    Was? Feuer? Was sollte das für ein Hinweis sein? Hier ist doch gar kein Feuer…oder vielleicht doch? Schnell drehte ich mich wieder um und blies die Kerzen aus, worauf der Boden unter mir verschwand und ich in einen Abgrund viel. Es war stockdunkel, ich konnte nicht einmal erkennen, von wo ich runtergeflogen war. Der einzige Gedanke der mir durch den Kopf ging war: hoffentlich falle ich in Wasser, und so war es auch.
    Als ich unter Wasser war, wurde mir das Gewicht meiner Rüstung zum größten Problem, vorerst. Während ich meinen Kopf gerade an die Oberfläche gebracht hatte, verwandelte ich mich wieder zurück in meine menschliche Form. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie kalt das Wasser war. Deshalb sprach ich zitternd „L-Lumos M-Maximo!“
    Über mit tauchte eine riesige Lichtkugel auf, die den Raum erhellte. Da dieser Zauber aber nur kurz wirkte, suchte ich die Gegend nach einem Ufer ab, und wurde, kurz bevor das Licht erlosch, auch fündig. In der Dunkelheit schwamm ich so schnell ich konnte ins seichte Gewässer. Während ich dieses endlich erreichte, hörte ich jemanden flüstern: „Luxi? Was machst du hier in diesen Heiligen Höhlen?“
    Schnell stand ich auf und meinte schnaufend: „W-Wer i-ist da?“
    „Rate doch einmal! Welche Person außer mir nennt dich sonst Luxi?“
    „Aquame? Was tust du denn hier?“
    Plötzlich ergoss sich gleißendes Licht über die Finsternis und verschlang sie Augenblicklich. Nun stand ich vor einem Mädchen, das eine Lyra in der Hand hielt und bodenlange, meerblaue Haare und kristallklare Augen hatte. Sie trug zartrosa Muscheln in ihrem welligen Haar, außerdem hatte sie ein langes, himmelblaues Kleid an.
    „Ich wache hier über die Lebensader der Erde. Was tust du hier, Luxi? Wenn meine Schwestern erfahren, dass du hier bist…du weißt, dann ist hier die Hölle los.“
    „Sí, sí, ich weiß…Aber ich suche einen schwarzen und einen himmelblauen Stein. Weißt du, wo ich die finde?“
    Sie sah mich fragend an und meinte ungläubig: „Du betrittst Heiligen Boden nur weil du STEINE suchst? Habe ich das richtig verstanden? Sind das besondere Steine?“
    „Keine Ahnung. Ist ein Auftrag vom Trainer. Aber wahrscheinlich sind es keine normalen Steine.“
    „Dann weiß ich, was du suchst. Folge mir.“
    Während ich nickte, erlosch das Licht und Aquame hielt eine Türkise Laterne in der Hand. Im nächsten Raum angekommen, löschte sie das Licht, denn nun war es nicht mehr von Nöten. In dieser kleinen Halle erhellten Kerzen mit blauen Flammen den Weg zu einem weißen Altar mit einer gläsernen Truhe, die mit viel Gold verziert war darauf.
    „In diesem Kästchen befindet sich, was du suchst.“
    „Aber?“ meinte ich ungläubig in der Hinsicht, dass sie mir die Steine einfach so überlassen würde.
    „Was meinst du?“erwiderte sie verwirrt.
    „Es muss doch einen Haken geben, oder?“
    „Ohne diesen Haken, kriegst du die Truhe nicht.“
    Als sie lachte, bestätigte sich meine Aussage. Sie sagte, ich solle zu ihr herkommen, dann wird sie die Bedingung stellen. Mit vorsichtigen Schritten näherte ich mich ihr, bis ich schließlich neben ihr stand. Sie war einen geschätzten Kopf kleiner als ich, weshalb ich mich so bückte, dass ich auf ihrer Höhe war. Wir sahen uns in die Augen, sie sprach: „Es gibt nur eines, was ich von dir will. Das weißt du genau…“
    „Doch dann wirst du von deinen Schwestern verstoßen werden, und du wirst auch keine Göttin mehr sein…Sag mir, ist es dies wert?“
    Bevor sie etwas sagen konnte, rief jemand: „Aquame! Schäm dich einen Caernus in diese Heiligen Höhlen zu bringen! Du hast diesen Ort somit entweiht!“
    Als ich mich in die Richtung wandte, aus der die Stimme kam, sah ich Terrae, Aere und Ignise.
    „Du kennst die Bedingung…“flüsterte mir Aquame ins Ohr.
    Während ich nickte und mich wieder ihr zuwandte, rief Ignise erneut: „Unterstehe dich, sie anzurühren!“
    Ich legte meine Hände auf Aquames Wangen und küsste sie während ich meine Augen schloss. Ich spürte ihre kalten Lippen auf meinen, auch ihr Gesicht war nicht wärmer, im Gegenteil, sie wurde immer kälter. Als ich meine Lippen von ihren entfernte, lächelte sie und meinte: „Du kannst so gut küssen, obwohl du auf Jungs stehst. Nimm die Truhe, schnell…“
    Während ich jemanden auf mich zulaufen hörte, schnappte ich mir die Kiste und sprang auf den Altar. Blitzartig öffnete ich die Truhe, nahm die Steine und schmiss das Kästchen in Richtung Ignise, die ebenfalls auf den Altar sprang. Kühn wehrte sie die Truhe mit einer geschickten Handbewegung ab und bedrohte mich gerade mit ihrem goldenen Speer, als Aere meinte: „Aquame hätte nicht gewollt, dass du ihn so umbringst. Er soll wie seine anderen verdorbenen Vorfahren im Kampf in der dritten Form sterben. Außerdem hat er noch immense Schäden, weil er sich in die Erste Form verwandelt hat, nicht wahr?“
    Von was redete sie? Ich spürte keinen Schmerz. Während ich zu Aquame sah, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. Ihre Haut war komplett blau und sie fing an, sich in Wasser aufzulösen.
    „Du spürst noch keinen Schmerz, oder? Aquame beschützt dich bis zum letzten Atemzug, einfach unglaublich…! Nun nimm die Steine und verschwinde! Verschwinde endlich!“meinte Ignise wütend.
    „Bene, aber wie soll ich bitte wieder in die Kirche kommen?“fragte ich sie.
    „Bringst du denn nichts auf die Reihe? Deine Vorfahren würden sich für dich schämen, wenn sie noch leben würden!“ sagte Ignise während sie mit dem Finger schnipste und ich mich hinter einem Baum vor der Kirche wiederfand.
    Ich saß mich ins Gras, ließ meinen Kopf nach hinten fallen und schloss meine Augen. Warum sie? Weshalb musste gerade sie gehen, nicht eine ihrer Schwestern.
    „Master Lux! Hast du die Steine?“
    Während ich meine Augen öffnete, sah ich Doloma in seine Augen.
    Als ich auf mein Handy schaute, sagte ich etwas traurig: „Sí, ich habe sie. Aber wir haben noch CINQUE ORE! Was sollen wir also tun?“
    Doloma verwandelte sich wieder in Alessandro und zuckte mit den Schultern. Er setzte sich neben mich ins Gras und meinte grinsend: „Dann statten wir doch den Anderen einen Besuch ab.“
    „Va bene, aber wir haben etwas wichtiges vergessen!“ meinte ich schockiert.
    „Che cosa? Was haben wir vergessen?“
    Ich zeigte auf den Fußball, der bei der Kirchenmauer lag und Alessandro rief: „Ach du verdammte Scheiße!“
    Als ich gerade den Ball gerade holen wollte, zog mich Alessandro zurück und hielt mir meinen Mund zu.
    „Sie müssen hier irgendwo noch sein!“ hörte ich Francesco wütend rufen, worauf eine Mädchenstimme antwortete: „Was willst du denn überhaupt von denen? Haben die etwas Besonderes bei sich? Waffen? Gold? Edelsteine?“
    „No, Valentina. Sie gefährden unsere Mission.“
    „Inwiefern?“
    „Sie sind Gotteslästerer und Teufelsanbeter! Abscheuliches Gesindel! Und…liegt dort hinten ein Fußball? Mario ist ja der Trainer von diesem einen Team, der gehört sicher ihnen. Ich gehe mal hinten nachsehen.“
    Verdammt! Wir sollten abhauen, aber wenn wir jetzt türmen, dann knallen die uns sicher ab.
    „Nein, lass mich gehen. Ich komme dann nach.“
    „Va bene. Aber wenn du sie siehst, dann knallst du sie ab, verstanden?“
    Jetzt ist es vorbei!, dachte ich als Alessandro mir ins Ohr flüsterte: „Bleib einfach ruhig! Vielleicht sieht sie uns gar nicht…!“
    Während das Mädchen gerade in mein Sichtfeld getreten war, bemerkte sie uns auch prompt. Sie hatte grüne Augen und rosa Odangos…Moment mal…Das Mädchen sieht genauso aus wie Paolo das eine Mädchen beschrieben hatte, das er zum Flughafen begleitete. Sie hatte auch den gleichen Namen. Wie war ihr Nachname nochmal‘? Lyall? Sie beachtete uns nicht, ging weiter zum Ball, hob ihn auf und schritt anschließend auf uns zu. Während sie sich vor uns hinhockte, meinte sie: „Der gehört doch sicher euch, oder?“
    Ich nickte ängstlich, als sie weitersprach: „Dachte ich’s mir. Ich töte euch nicht, keine Angst. Aber dafür müsst ihr Paolo Passione sagen, er soll heute um Punkt Mitternacht im Forum Romanum sein. Dort, wo man die Wagenrennarena sieht. Ich hab jetzt den Namen von dieser Arena vergessen…“
    „Circus Maximus?“ entgegnete ich als sie meinte: „Genau! Wenn er nicht dort sein sollte, dann wird Francesco nicht ruhen, bis er ihn hat.“
    „Warum ist er hinter Paolo her?“ fragte Alessandro, worauf die überraschende Antwort kam: „Francesco labert immer irgendwas wie; er ist der Vertreter der Menschen, wir müssen ihn auf unsere Seite bringen. Aber das tut jetzt nichts zur Sache. Er soll dort sein, verstanden?“
    Paolo ist der Vertreter der Menschen? Das kann nicht sein! Warum habe ich es all die Jahre dann noch nie bemerkt?
    „Eine Frage noch. Lautet dein Nachname Lyall?“erkundigte sich Alessandro, worauf sie überrascht antwortete: „Ja, das stimmt. Woher weißt du das?“
    „Hehe, das wüsstest du wohl gerne, nicht wahr? Aber gib uns den Ball und wir sorgen dafür, dass Paolo heute Mitternacht im Forum Romanum ist.“
    Das tun wir bestimmt nicht! Die Göttinnen bekommen den Vertreter der Menschen bestimmt nicht. Als ich gerade den Mund aufmachen wollte, hielt Alessandro ihn mir wieder zu und ich griff zu meiner Hosentasche, in der sich mein Messer befand. In diesem Moment sagte sie: „Ihr habt euch aber sehr gern, hihi. Hier ist euer Ball. Lebt wohl!“
    Als sie aus meinem Blickfeld war, riss ich Alessandros Hand von meinem Mund weg und holte mein Messer aus der Hosentasche während ich mich drehte. Nun lag er unter mir, ich hielt ihm mein Messer unter den Hals.
    „Hättest du gefragt, ob er wirklich der Vertreter der Menschen sei, dann hätte sie herausgefunden, dass du in Wirklichkeit ein Caernus bist. Wäre es das wert gewesen?“flüsterte Alessandro wütend als ich mich neben ihm hinlegte.
    „Du hast recht…Aber weshalb wusste ich nicht, dass er es ist? Ich kenne ihn nun schon sein ganzes Leben lang!“
    „Wie hat der vorherige Vertreter mit Nachnamen geheißen?“
    „Puh…Er hat uns seinen Nachnamen oder Vornamen nie gesagt, wir haben auch nie sein Gesicht gesehen, er trug immer so eine schwarze Maske, ähnlich denen, die bei il carnivale in Venezia getragen werden. Wir nannten ihn nur „uomo nero“.“
    „Der Schwarze Mann? Wie der aus dem Kinderspiel?“
    „Sí. Wir wissen bis heute nicht, wer er war. Doch etwas weiß ich nun sicher.“
    „Und was?“
    „Der frühere Vertreter der Menschen ist nicht wie angenommen Tod, no…Er lebt.“
    „Che cosa? Bist du dir sicher?”
    „Sí, zu hundert Prozent. Aber wir müssen jetzt wirklich wieder dribbeln. Komm, gehen wir zur Villa Medici. Daneben gibt es einen großen Park, in dem wir Techniken üben können.“
    Während Alessandro nickte, standen wir auf, ich dribbelte mit dem Ball, als ich versehentlich gegen einen Jungen rannte und dieser umflog.
    „Scusí bambino! Bist du verletzt?“meinte ich erschrocken als ich dem orangehaarigen Jungen aufhalf.
    „N-No, mir geht es gut.“ antwortete der Junge, worauf ich ihn erkannte, er war der kleine Bruder von Giacomo.
    „Federico, komm mit uns mit. Wir sind gute Freunde von deinem Bruder, Giacomo.“ entgegnete ich als mich Alessandro verwirrt ansah.
    „Ihr kennt Giacomo? Seid ihr etwa auch von Fulmine a catena?“
    „Sí, mi chiamo Michele Divertiani, lui é Alessandro Pompejii.” sagte ich während Alessandro dribbelnd meinte: „Ist es klug, ihn mitzunehmen?“
    „Giacomo wird sich freuen“, sprach ich während ich aufstand, Federicos Hand nahm und zu Alessandro ging „außerdem könnte es für uns zum Vorteil werden.“
    Den letzten Teil flüsterte ich Alessandro ins Ohr, damit ihn Federico nicht hören konnte.
    „Nei fiori cova la serpe. In den Blumen lauert die Schlange, oder?“ murmelte er zurück und ich musste grinsen.
    „Hast du denn gar kein schlechtes Gewissen, dass du einfach so deine Freunde betrügst?“fragte Federico worauf ich abrupt stehenblieb.
    Was hatte gerade gesagt?


    e//: Warum vergiss ich immer den Charakter?

  • Hallo, Rexilius,


    sry, dass ich erst jetzt dein neustes Kapitel kommentiere. Ich hab einiges zu tun, bzw. es auch immer wieder vergessen^^'


    So, das Kapitel hat mir wieder mal sehr gut gefallen, gut geschrieben und auch wieder interessant gemacht. Fand ich wirklich gut.


    Besonders interessant fand ich die Stelle in der Kirche, wo auch die Kardinäle von Francesco bedroht werden und ich mich wieder frage, was das zu bedeuten hat XD


    Wirklich lang wird dieser Kommi jetzt nicht, da ich noch einiges zu tun habe und sowieso nichts Besonderes mehr dazu zu sagen hat, außer, dass es aus meiner Sicht mal wieder sehr gelungen ist^^



    Sry, dass es heute so kurz ausfiel, ich hoffe, dass ich beim nächsten Kapitel mehr Zeit habe ;)


    MfG
    Gin Serpiroyal



  • Capitolo Otto
    Geboren um zu töten
    (Aus der Sicht von Davide Vedi)
    Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, oder der Krieg setzt der Menschheit ein Ende.
    John F. Kennedy


    „Wie sollen wir da raufkommen?“ fragte ich Paolo worauf er mit den Schultern zuckte.
    Wir befanden uns im Pantheon und sahen nach oben zu der Öffnung, aus der eine Schnur ging an der ein Päckchen hing, während wir hin und her passten. Wie sollten wir dort jemals raufkommen? Das ist unmöglich! Plötzlich hörte ich Schüsse. Wir zuckten Beide zusammen und jemand rief: „Wenn ihr euch bewegt, dann seid ihr Tod.“
    Ich erkannte diese Stimme, sie gehörte Marco Lazole, meinem ehemaligen Auftragsgeber. Als ich Schritte hörte, erhob ich mich und drehte mich zugleich um, und stand nun vor Marco. Er hatte einen edlen schwarzen Anzug an, dazu polierte schwarze Schuhe, kurze schwarze Haare, dunkelbraune Augen und eine gebräunte Haut. Er sagte spöttisch: „Dafür hast du aufgehört, Menschen zu töten? Erbärmlich! Bist du jetzt etwa glücklicher?“
    „Ein Schussduell. Machen wir ein Schussduell.“ meinte ich als Marco nickte.
    „Du hast eine Waffe bei dir?“ fragte Paolo nervös.
    Während ich nickte, griff ich in meine weiße Umhängetasche und holte meinen Colt heraus. Innerlich zitterte ich, doch äußerlich versuchte ich ruhig zu wirken.
    „Du kennst doch noch die Regeln, oder?“ fragte Marco worauf Paolo meinte: „Noch? Hast du schon mehrere Schussduelle gehabt?“
    „Mehrere? Er hat sie alle platt gemacht! Wenn jemand nicht das tat, was er wollte, knallte er ihn einfach kaltblütig ab.“ entgegnete Marco lachend.
    „Die Regeln lauten; Alles ist erlaubt. Es gilt, wer den Anderen zuerst umbringt, egal wie, hat gewonnen.“
    Ich versuchte, gefühlslos zu wirken, obwohl ich enorme Angst hatte. Als Marco nickte und er gerade ebenfalls zu seiner Waffe greifen wollte, zielte ich auf ihn, doch zögerte beim abdrücken. Dies nutzte er natürlich prompt aus und schoss auf mich, doch es war nur ein Streifschuss, doch das Blut floss nur so meinen linken Arm hinab. Ich zielte noch immer auf ihn, doch ich fing an zu zittern, und zögerte noch immer. Wieso kann ich ihn nicht einfach wie die Anderen abknallen? Ich hatte sonst auch nie Probleme damit, jemanden kaltblütig zu ermorden, weshalb zögerte ich nun? Er hat mir so viel angetan, warum kann ich mich nicht einfach rächen, indem ich ihn töte? Da er für mich der Vater war, den ich niemals hatte. Er benutzte mich zwar nur, doch er kümmerte sich doch manchmal um mich, zwar selten, aber diese Momente genoss ich mehr als alles andere.
    „Warum zögerst du? Na los, bring mich um! Sonst töte ich dich!“ schrie Marco erwartend.
    „No, lass ihn in Ruhe!“rief Paolo, der ein Messer aus seiner Hosentasche holte und es auf Marco schoss. Er traf ihn direkt zwischen die Augen. Das Blut spritzte nur so und prasselte warm auf meine Haut. Ich ging wie hypnotisiert auf die Leiche zu und schaute auf sie herab. Voller Grauen starrte ich in seine glasigen Augen. Paolo sagte hinter mir: „Konzentrieren wir uns wieder auf das Päckchen. Wie sollen wir-“
    „Warum hast du das getan?“ schnaubte ich wutentbrannt während ich mich umdrehte, ihn an den Schultern packte und schüttelte. Mir schossen die Tränen nur so aus den Augen und immer wieder schrie ich: Warum? Warum hast du das getan? Ein Gefühlsgemisch aus Verzweiflung, Zorn und Trauer durchflutete meinen Körper als ich in Paolos verwirrte Augen starrte. Inzwischen hatte ich aufgehört, ihn zu schütteln, doch meine Hände verblieben auf seinen Schultern. Inzwischen fragte ich mich, wie er überhaupt von der Entfernung so genau zielen konnte und wie er einfach so kaltblütig einen Menschen töten konnte.
    „Du fragst dich jetzt sicher, wie ich einfach so einen Menschen töten konnte, oder?“ fragte er mich während er den Kopf hängen ließ. Klare Tränen liefen sein Gesicht herunter, er schluchzte: „Ich kann mir das selber nicht erklären. Seit ich das mit den Caernus weiß, kann ich nicht mehr klar denken. Ich habe einfach Angst, deshalb trage ich auch jetzt immer ein Messer bei mir. Aber dass ich ihn direkt zwischen den Augen getroffen habe, war nur ein Zufallstreffer. Ich wollte ihn ja eigentlich gar nicht treffen, sondern vorbeischießen, aber…“
    Er fing noch mehr an zu weinen. Ich glaubte ihm nicht, dass das ein Zufallstreffer gewesen sein sollte, aber dies konnte ich ihm nun schlecht ins Gesicht sagen, da er mir leid tat. Als ich gerade etwas zu ihm sagen wollte, hörte ich hinter mir jemanden rufen: „Du Bastard! Warum hast du ihn getötet? Parla!“
    Ich kannte diese Stimme nur zu gut. Während ich mich umdrehte, stand ich vor Gianluca Correane, er ist der Kapitän von dem Fußballteam „I Lupi“, außerdem ist er der zweite Anführer von einem von zwei Mafia Einheiten, obwohl er gleich alt ist, wie ich. Er hatte lange, blonde Haare, die leicht gewellt waren und zwei verschiedenfarbige Augen. Sein linkes Auge war himmelblau, sein rechtes Cremefarben, warum das so ist, wusste ich nicht.
    „PARLA! SPRICH ENDLICH DU ELENDER GOTTESLÄSTERER!“
    Wütend richtete er seine Pistole aus Elfenbein auf mich, doch bevor er abdrückte, schubste mich Paolo weg und die Kugel traf nun nicht mich sondern ihn. Zum Glück war es nur ein Streifschuss beim linken Oberarm. Paolo schrie auf und abermals spritze Blut auf mich. Plötzlich erschien sein Avatar und errichtete eine blaue Barriere um ihn, dann beschwor ich meinen Avatar, Ghoje, herbei und auch Gianluca rief seinen Avatar Luxeno. Luxeno war ein blauer Luchs mit gelben Sternchen am ganzen Körper, sein Schweif war wie ein Schleier eines Kometen.
    „Klären wir das auf dem Spielfeld, ohne Waffen!“rief ich, versuchend, Selbstsicher zu wirken, was mir durch die gerade geschehenen Ereignisse schwerfiel.
    „Bene, aber nur, weil ihr sowieso unsere nächsten Gegner seid.“sprach Gianluca während er die Waffe zurücksteckte.
    Er ging zu der Leiche von Marco und flüsterte etwas, wahrscheinlich ein Gebet, dann verließ er das Pantheon.
    „Ghoje, hol uns das Päckchen!“ sagte ich geistesabwesend während ich zu Paolo ging und mir seine Wunde ansah. Ich legte eine Hand darauf und sprach langsam: „Ego te absolvo.“
    Behutsam entfernte ich meine Hände von der Wunde und Paolo fragte, was ich da getan hätte.
    „Ich habe dich verarztet.“antwortete ich knapp als ich aufstand.
    Ghoje schwebte gerade vor mich und gab mir das Päckchen. Ich öffnete es und darin befanden sich ein schwarzer und ein roter Stein.
    „Dann haben wir nun unser Ziel erreicht?“fragte mich Paolo während er sich mühte, aufzustehen.
    Ihm stand der Schock ins Gesicht geschrieben, mir wahrscheinlich auch. Ich ging zu der Leiche, hockte mich hin, schloss Marcos Augenlider und sprach: „Requiescant in pace.“
    „Ich wollte das wirklich nicht, ehrlich.“sagte Paolo während wir das Pantheon verließen.
    Ich wünschte, ich könnte ihm glauben, doch einen Menschen so zielgenau zwischen die Augen zu schießen bedarf Jahrelangen Training, nicht einmal ich könnte so etwas schaffen.
    „Davide, kann ich dich etwas fragen?“
    „Sí, certamente. Was denn?“meinte ich etwas überrascht.
    „Wer bist du wirklich? Ich meine, bist du wirklich der Sohn vom Trainer? Und wir war deine Kindheit?“
    Meine Kindheit…aufgewachsen in einem ganz normalen Haushalt, doch insgeheim ein Versuchskaninchen von der italienischen Mafia, aufgezogen zum töten. Tolle Kindheit.
    „Das geht dich ni-“
    „Doch, das geht mich schon etwas an! Ich bin il capitano von Fulmine, und wenn einen Spieler etwas bedrückt, möchte ich das auch wissen.“
    „Du willst meine Kindheit nicht hören, sie ist viel zu grausam.“
    „Erzähl sie mir trotzdem, prego.“
    Ist es besser, meine Probleme mit anderen zu teilen? Ich denke schon…oder vielleicht doch nicht? Was wenn er mich auslachen würde, sagen würde, ich hätte solch eine Kindheit verdient? Würde ich meine Kindheit einem fast Wildfremden erzählen? Aber bei Paolo spüre ich eine angenehme, freundliche Aura. Nicht so wie bei dem Rest der Menschen auf dieser beklagenswerten Erde. Nein, seine Aura ist rein, solch eine besondere Aura habe ich noch nie bei einem Menschen gefühlt. Ich habe das Erste Mal das Gefühl, dass ich Jemanden wirklich vertrauen kann.
    „V-Va b-bene…Aber sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt…“
    Wir setzten uns auf eine Steinbank und ich begann mit einem Kloß im Hals, meine Kindheit zu erzählen…


    ~-~


    „Kommst du wieder?“
    Ein Tränenmeer das in meinen offenen Wunden brennte ergoss sich über mein schmutziges Gesicht. Ich saß auf dem kalten Betonboden, an Armen und Beinen mit eisernen Ketten angekettet in einem durch und durch weißen Raum. Vor mir stand gerade Marco auf, der kalt bejahte und den Raum verließ. An der gegenüberliegenden Wand von mir war ein Spiegel, in dem ich meinen kümmerlichen Körper sah. Ich hatte bodenlange, schwarze Haare und mein rechtes Auge zierte eine schwarze Augenklappe.
    „Subjekt „Mars“ ist wieder einsatzbereit.“krächzte eine Stimme, von der ich die Quelle nicht kannte.
    In den Raum trat ein Mann in einem weißen Kittel, der mir die Augenklappe wegnahm und sagte, ich solle nicht mehr weinen sondern wie eine Maschine keine Gefühle haben, da ich nichts weiter als eine eiserne Maschine seie. Sozusagen eine Marionette, eine Marionette die zur ultimativen Waffe gemacht wird.
    „Ich…Ich will das nicht! Warum tut ihr das mit mir?“
    Ein Mann in einem violetten Anzug, hochgestellten schwarzen Haaren, bleicher Haut und einer Rahmenlosen Brille betrat den Raum und sprach: „Du bist fünf, hast kein Zuhause, keine Eltern. Du hast alles verloren in deinem zarten Alter. Wir geben dir all das, doch dafür musst du eben eine Gegenleistung erbringen…und die lautet, dass wir dich zur ultimativen Waffe machen und somit die Weltherrschaft an uns reißen. Die Mafia wird so zum ultimativen Imperium aufsteigen! Die Welt wird sich von Grund auf verändern!“
    Die Männer verließen den Raum und ich spürte einen Druck in meinem Kopf, ich schloss meine Augen. Mein Körper bebte, so sehr, dass ich dachte, ich zersplittere gleich in tausend Stücke. Als ich ein Klicken vernahm, öffnete ich schlagartig die Augen und sah gen Boden. Ich schaute meine Hände, meine Füße und meinen restlichen Körper genau an. Meine Haare waren weiß, meine Haut war kalt und grau, sie bestand aus Adamant, das so modifiziert wurde, dass es unzerstörbar ist. Durch ein Serum, welches mittels einer Injektion in meinen Körper kam, veränderten sich meine Gene und meine DNA so, dass ich mich jederzeit in diese herzlose Mördermaschine verwandeln kann. Doch um sicherzugehen, dass ich nicht ausbreche oder anderes anstelle, haben sie mir einen Chip in mein Gehirn eingesetzt, wodurch sie mich steuern können und ich rein gar nichts dagegen unternehmen kann. Vor dem Spiegel befanden sich ein paar Soldaten in voller Montur. Sie hatten massenweise Gewehre, Messer und Bomben bei sich.
    „Sie können jetzt loslegen…FEUER!“ krächzte es wieder.
    Die Männer zielten auf mich, ich schloss meine Augen. Ich hörte nur mehr die Schüsse, spürte nur mehr wie mein Körper kribbelte bevor ich zu schreien begann und das Bewusstsein verlor.


    ~-~


    „Questo é terribile!“sagte Paolo, ihm sah man den Schock an.
    Wir gingen gerade zu Villa Medici, da es dort einen wunderbaren Ausblick über Rom gibt.
    „Tja, kann man nichts machen.“meinte ich während ich den Ball dribbelte.
    „Und wie können die den Chip aktivieren?“
    „Durch eine Fernbedienung, die aber nur eine Reichweite von dieci metri hat. Es besteht also kein Grund zur Sorge. Außerdem gab es in dem Labor einmal eine fürchterliche Explosion, bei dem alle Forscher starben, deshalb mach ich mir da keine Sorgen und…sind das nicht Alessandro und Michele?“
    Wir haben gerade den großen Garten neben der Villa erreicht, da sahen wir wie Alessandro und Michele Spezialtechniken übten. Paolo wollte gerade etwas sagen, doch ich fiel ihm ins Wort: „Der Trainer sagte doch, man kann den anderen ihre Gegenstände abnehmen, oder? Wer am Ende die meisten Gegenstände hat, gewinnt, oder?“
    „Sí, aber wir können doch nicht einfach-“
    „Certamente, wenn du dich traust.“
    Paolo sah mich ernst an, doch dann kam die überraschende Antwort: „Va bene, stehlen wir ihnen die Gegenstände.“
    Er grinste frech worauf auch ich lächelte. Als wir gerade zu ihnen gehen wollten, rief Michele: „Unheilsbote!“
    Michele kickte den Ball zuerst mit dem Knie und dann mit dem Fuß. Dadurch bekam der Ball Fledermausflügel und einen Teufelsschwanz. Danach flog er ein paar Mal um Alessandro herum und dann hinter ihn. Dann landete Michele auf dem Ball, der dadurch seine Flügel und seinen Teufelsschwanz verlor. Erst jetzt bemerkte ich etwas Abseits einen Jungen mit orangen Haaren, der gen Boden starrte. Es sah so aus, als ob er über etwas Wichtiges nachdenken würde. Doch Moment, was war das in seinen Händen?
    „Warte, Paolo. Was hat der Kleine da in den Händen?“
    „Das sind unsere Gegenstände.“sagte Alessandro neben mir.
    Ich erschrak. Wie konnte er so schnell neben mir stehen? Er war doch gerade erst auf der anderen Seite des Gartens, wie konnte das möglich sein?
    „Du bist doch nicht so tough, wie du vorgibst zu sein, oder?“fragte mich Michele frech.
    „Tougher als du bin ich alle mal.“erwiderte ich ernst.
    „Tse, beweis es.“
    „Hey ragazzi, beruhigt euch wieder. Wollt ihr euch etwa Mutproben auf den Hals binden?“meinte Alessandro nervös.
    „Una bella idea! Was ist Michele, hast du schiss davor oder machst du mit?“
    „Seid ihr jetzt komplett größenwahnsinnig?“sagte Alessandro aufgebracht, worauf Paolo lachen musste.
    Auf die Frage, warum er genau jetzt lachen würde, antwortete er nur: „Es ist witzig anzusehen, wie du dich aufregst. Wenn sie eine idiotische Mutprobe machen wollen, dann sollen sie eine machen. Aber es sollte keine Mutprobe sein, wo ihr euch verletzten könnt, capito?“
    „Sí, capito!“sprachen Michele und ich im Chor.
    „Was haltet ihr von einem Wettkampf Caernus gegen Caernus?“
    Wir drehten uns um und sahen dem orangehaarigen Jungen in seine Augen, erst jetzt bemerkte ich, dass er blind war.
    „Das wäre interessant.“
    Wir wendeten uns erneut und sahen Giacomo und Raffaele, aber ohne Fußball.
    „Wo ist euer Fußball?“fragte Paolo sie, worauf Raffaele etwas wütend antwortete: „Giacomo wollte zur Engelsburg, dorthin gingen wir auch, aber Giacomo, il Idiota, hat anstatt zu passen, geschossen, hat ihn komplett verzogen und nun ist der Ball auf Reisen im Tiber.“
    „Ich hab ja schon gesagt, es tut mir leid…“rechtfertigte sich Giacomo.
    „Sí, sí, das sollte es dir auch. Der Trainer wird uns den Kopf herunterreißen wenn er davon erfährt!“
    Alessandro, Paolo und ich lachten, aber Michele entgegnete todernst: „Also, nimmst du die Herausforderung an?“
    „Sí, lass uns loslegen.“erwiderte ich ebenfalls sehr ernst.
    „Wartet! Was ist, wenn ihr einfach gegeneinander Fußball spielt. Das andere wäre viel zu gefährlich.“sagte Paolo schnell.
    „Va bene, aber unter einer Bedingung.“antwortete Michele, während er auf Paolo zuging.
    Er flüsterte ihm irgendetwas ins Ohr worauf Paolo kreidebleich wurde, doch Michele lachte nur.
    „M-Meinst du das wirklich ernst?“ fragte Paolo Michele schockiert.
    Als er bejahte starrte er ihn ungläubig an.
    „Nimmst du diese Bedingung an?“fragte Michele den völlig aufgelösten Paolo.
    „S-Sí, i-ich nehme die Bedingung an.“
    „Bene, dann lass uns Fußball spielen!“sprach Michele während wir zu der großen Grünfläche gingen, doch Paolo meinte, er müsse noch etwas erledigen und lief weg, worauf Giacomo ihm hinterherrannte. Bevor Alessandro das gleiche tat, hielten Raffaele und ich ihn zurück.
    „Was hast du ihm für eine Bedingung gestellt?“rief Raffaele wütend.
    „Das bleibt ein Geheimnis. Also, Davide, bist du bereit?“
    Ich nickte und wir betraten den Rasen. Michele ging auf die eine Seite, ich auf die andere, den Ball legte Raffaele in die Mitte zwischen uns.
    „Es gelten folgende Regeln“, fing Michele an „Wer den Ball als Erstes hat und dann ein Tor schießt, hat gewonnen, und bekommt die Gegenstände des jeweils anderen. Außerdem muss man mit seinem jeweiligen Avatar von Anfang an ausgerüstet sein. Capito?“
    Ich bejahte. Alessandro ging hinter Michele, Raffaele ging hinter mich, sie waren die Goalies.
    „Damit es etwas fairer ist, erlaube mir, mich zu verwandeln.“sagte Alessandro worauf er plötzlich himmelblaue Haare und gelbe Augen hatte. Er ist Doloma? Gut zu wissen…, dachte ich, als Raffaele verwirrt rief: „Bist du etwa auch ein Caernus?“
    „No, er ist ein Höllenfürst. Aber Details erkläre ich dir später.“ entgegnete ich schnell
    Der orangehaarige Junge pfiff am Rande der Grünfläche und Michele und ich sprinteten auf den Ball los. Ich rief laut den Namen meines Avatars, worauf Ghoje erschien und mit mir verschmolz. Ich hatte nun einen Umhang an und mich umgab eine rote Aura.
    „Cavalpio!“rief Michele, worauf ein Ritter in einer schwarzen Rüstung, gehüllt in einen düsteren Schleier erschien und mit ihm ebenfalls fusionierte. Er hatte nun eine schwarze Ritterrüstung an, die aber sein Tempo nicht drosselte, im Gegenteil, er wurde immer schneller, ihn umhüllte eine düstere Aura, die mir Angst machte. Er erreichte zuerst die Kugel und als wir aufeinandertrafen, spürte ich eine unangenehme Kälte, die sich in meinem Körper breitmachte.
    „Nebelschleier!“ rief ich, worauf sich dichter Nebel bildete.
    Ich ging in die Nebelschwade und stand hinter Michele, der sich verwirrt umsah. Während ich ihm den Ball stibitze, lief ich schnell an ihm vorbei und aus dem Smog hinaus.
    Ich lief Richtung Tor, als Alessandro rief: „Giganto!“
    Hinter ihm erschien ein brachialer Gesteinskoloss, der daraufhin mit Alessandro verschmolz. Alessandro hatte nun eine Gesteinsrüstung, er erinnerte an einen Terrakotta-Soldaten.
    „Hyper-Harmonie!“sagte ich laut, worauf ich den Ball hochschoss.
    Das Leder kam einmal in einer plötzlich erschienen Wasserlache auf und ich schoss es dann Richtung Tor.
    „Gigantenzange!“schrie Alessandro laut.
    Als der Ball geschätzte zwei Meter von ihm entfernt war, schloss er seine beiden Hände zu Fäusten zusammen. Genau in dem Moment, wo der Ball zwischen seinen Fäusten war, schlug er mit seinen Fäusten auf die Kugel und drückte sie so zusammen. Doch der Druck von meinem Schuss war zu groß, und so fiel Alessandro rückwärts um und der Ball zappelte im Netz.
    „Tja, das war wohl nix.“ meinte ich hämisch als Ghoje meinen Körper verließ und ich wieder mein normales Aussehen annahm.
    „Grrr…nun gut, hier sind die Steine.“ sagte Michele mürrisch.
    Sein Avatar verließ seinen Körper ebenfalls und er gab mir die Steine in die Hand. Ein Stein war himmelblau, der andere schwarz.
    „Bene, jetzt muss ich nur mehr Paolo finden.“sprach ich seufzend.
    „Ich schließ mich dir an“, entgegnete Raffaele, „Giacomo ist schließlich Paolo nachgelaufen, da müssen die beiden ja zusammen irgendwo sein.“
    „Buona fortuna!“sagte Alessandro fröhlich winkend, dessen Haare wieder Schwarz und dessen Augen wieder himmelblau waren.
    „Buona fortuna…hoffentlich findet ihr ihn schnell.“meinte Michele besorgt.
    „Zuerst stellst du ihm irgendeine blöde Bedingung sodass er wegrennt, und jetzt machst du dir Sorgen um ihn? Was für eine hinterlistige Schlange bist du eigentlich?“schrie ich Michele an.
    „Du hast kein Recht, so mit mir zu sprechen. Paolo und ich sind Freunde, seit ich denken kann. Ich würde ihm nie etwas tun.“rief Michele wütend.
    „Vor allem weil du jetzt weißt, dass er der Vertreter der Menschen ist…“meinte Alessandro der darauf grinste.
    Mir stockte der Atem, ein Kloß bahnte sich in meinem Hals an. Paolo ist der Vertreter der Menschen? Das kann nicht sein!
    „Du lügst! Er kann nicht der Vertreter der Menschen sein…Ich hätte es spüren müssen…Come…“sprach ich entgeistert.
    „Interessante. Du kannst also die Aura von anderen Lebewesen spüren, no?“fragte mich Michele.
    „Che cosa? Aura von anderen Lebewesen? Was redet ihr da?“sagte Raffaele verwirrt.
    „Jeder Caernus hat eine bestimmte Fähigkeit, man kann es auch als eine Gabe betrachten. Davide besitzt die Gabe, von anderen Lebewesen die Aura zu spüren und zu sehen, wodurch er sehen kann, was für ein Mensch jemand ist. Paolo müsste eigentlich eine besondere Aura haben, doch anscheinend ist dies nicht der Fall, no?“erläuterte Michele.
    „No, Paolo hatte eine freundliche, warme Aura. Kein Anzeichen von einer außergewöhnlichen Aura.“erwiderte ich.
    „Wenn Davide solch eine Kraft, Gabe, was auch immer hat, dann hast du doch auch so eine, no?“meinte Raffaele während er Michele skeptisch ansah.
    „Sí, die habe ich auch. Meine Gabe ist es, in die Vergangenheit der Menschen sehen zu können.“
    „Tse, dimostralo!“rief Raffaele misstrauisch.
    „Va bene. Du heißt Raffaele Hektor Dionsos, dein zweiter Vorname kommt von dem Hektor von Troja. Du kommst aus Venedig und hast dort schon als Kind als Gondoliere gearbeitet, da deine Eltern zu faul waren sich Arbeit zu holen. Als du genug Geld hattest, fuhrst du mit zwölf Jahren nach Rom, und von dort als Schwarzer Passagier auf einer Fähre weiter, nach Cagliari, zu deiner Großmutter. Als du dort ankamst erfuhrst du, dass deine Großmutter vor ein paar Wochen gestorben sei, und du deshalb allein in ihrer Wohnung wohnen müsstest, vorausgesetzt du könntest die Miete zahlen. Durch Kellnern und Nachhilfe hieltst du dich über Wasser, bis Herr Vedi kam, und dir aus dieser Krise half, indem er dich mit nach Fiori nahm. Dort hast du uns alle kennengelernt und wohnst mit Giacomo zusammen unter mir und Paolo in einer WG. Waren das genug Beweise?“
    Raffaele sah ihn erschrocken an, er war kreidebleich. Als Michele etwas sagen wollte, schrie Raffaele: „ Adesso basta! Es reicht! Alles, was du gesagt hast, stimmt.“
    Er sah bedrückt zu Boden. Ich sagte, wir sollten jetzt endlich losgehen, um Paolo und Giacomo zu suchen, worauf sich Raffaele ohne ein Wort zu sagen umdrehte und losging. Ich folgte ihm schnell, hinter uns hörte ich Alessandro, wie er uns erneut viel Glück wünschte, doch von Michele hörte ich nichts.
    „Wo sollen wir als Erstes suchen?“ fragte mich Raffaele.
    „Non so, Raffaele. Gehen wir als erstes Mal ins Hotelzimmer. Che ore sono?“
    „Wir haben noch una ora. Also beeilen wir uns.“
    Ich bejahte und wir liefen zur nächsten U-Bahnstation. Dass wir jetzt nicht dribbelten, war uns in dem Moment egal. Wir wollten gerade die U-Bahnstation betreten, da schoss jemand knapp bei meinem Kopf einen Fußball vorbei. Raffaele und ich drehten uns blitzartig um und sahen Thiago und Violo, die uns verwirrt ansahen.
    „Hattet ihr nicht andere Partner?“fragte Violo, während er den Ball holte, der von einer Wand abgeprallt war und ein paar Meter vor uns lag.
    Thiago und er standen nun direkt vor uns.
    „Sí, eigentlich schon, aber Michele hat irgendwas zu Paolo gesagt worauf er abgehauen ist und Giacomo hat ihn verfolgt. Jetzt suchen wir die Beiden.“sagte Raffaele.
    Dribbelnd meinte Thiago: „Ihr habt nur mehr eine knappe Dreiviertelstunde, ich würde ins Stadion zurückgehen. Weil wenn euer Trainer so streng ist, wie ihr immer sagt, dann ist es besser, früher dort zu sein. Dann ist man wenigstens pünktlich. Und außerdem bin ich mir sicher, dass die Beiden zum Stadion kommen, glaubt mir. Warum gehen wir nicht gleich gemeinsam dorthin?“
    „Sí, gehen wir gemeinsam. Wenn wir zu spät kommen, sind wir dann wenigstens nicht mehr die Einzigen.“sprach ich.
    Wir lachten und betraten die U-Bahnstation.


    MFG
    Rexi UHaFnir

  • Tag, Rexilius.


    So, dann wollen wir mal : Wieder mal ein gutes Kapitel. Auch wieder gut geschrieben, gut vom Storyverlauf her. Pfff, ich sage ja nichts anderes mehr :sleeping:


    Besonders gut gefallen hat mir die Stelle mit Davides Vergangenheit, wie er damals behandelt wurde, als was er eingesetzt wurde und wofür, die Beziehung zur Mafia...fand ich echt gut geschrieben, das rückt den Charakter in ein ganz anderes Licht und das ist doch immer was Schönes.


    ...ja...gut, mehr hab ich nicht zu sagen, ich weiß nicht, was es da noch gäbe.



    Das war es dann auch schon. Wieder ein schönes Kapitel, freue mich auch schon auf das Nächste ;)


    MfG Gin Serpiroyal

  • Gin


    Capitolo Nove
    Senza senso (sinnlos; ohne Sinn)
    (Aus der Sicht von Davide Vedi)

    Du sagst es hat keinen Sinn solang ich bin wer ich bin
    Wenn ich bleib wer ich bin hat Beziehung kein' Sinn dir
    Fehlt der Sinn in der Sache wenn ich bei dir bin
    Der Sinn is' das wir zwei dann nicht mehr ganz alleine sin'

    Sinn ~ Tagträumer


    „Wo sind Passione und Cattioso?“fragte uns der Trainer ernst.
    „Scusí, aber das wissen wir nicht.“sagte ich während ich ihm in die Augen sah.
    „Capisco…Dann sehen wir einmal, ob jeder die Gegenstände hat, oder sagen wir es einmal so…Hat jemand vier Gegenstände? Das Team soll aufzeigen.“
    Nur ich zeigte auf, die anderen sahen mich komisch an, steckten ihre Köpfe zusammen und tuschelten irgendetwas, doch das war mir egal. Die einzigen, die nichts dergleichen taten, waren Thiago, Raffaele, Violo, Alessandro und Gareth.
    „Von wem hast du die Steine?“fragte mich Vater.
    „Di Alessandro e Michele.“antwortete ich worauf Alessandro lächelnd mit den Schultern zuckte, doch Michele starrte betreten zu Boden.
    „Capisco. Da ihr alle heute die verschiedensten Aufgaben bewältigen musstet und dabei auch noch dribbeln musstet, war das heute das Training. Es ist erst Achtzehn Uhr, ihr könnt euch noch bis Dreiviertel Neun in der Stadt aufhalten, um Neun treffen wir uns in der Hotelaula. Dann besprechen wir den morgigen Tag. Capito?“
    „Sí, Signore Vedi!“sagten wir alle laut im Chor.
    „Willst du mit uns nach Giacomo und Paolo suchen gehen?“fragte mich Raffaele als Alessandro neben ihn trat.
    „Sí, mi piacerebbe.“erwiderte ich und wir verließen das Stadion.
    „Aspetti un momento! Ich komme auch mit.“hörten wir eine Stimme hinter uns sagen.
    Wir drehten uns um und sahen Michele, der gerade vor uns stehen blieb.
    „Tu? Chi ti credi di essere? Zuerst vergraulst du Paolo und jetzt willst du ihn suchen gehen? Certamente non!“sagte ich wütend, worauf mich Michele finster ansah.
    „Perché? Nenn mir einen guten Grund!“meinte Michele, worauf ich aber im Moment keine Antwort wusste.
    Michele grinste und wollte gerade etwas sagen, da kamen Gareth und Caleb. Gareth stand links neben Michele, Caleb rechts.
    „Michele! Would you like to come with us? We are going to the Forum Romanum.“
    Bevor Michele etwas sagen konnte, schleiften Gareth und Caleb ihn mit sich und ich musste grinsen. Caleb drehte sich um und zwinkerte uns zu, dann redete er weiter mit Michele.
    „Bene, wo fangen wir zu suchen an, hat jemand eine Idee?“fragte Alessandro.
    „Gehen wir erst einmal zum Hotel. Vielleicht sind sie ja in ihren Zimmern?“meinte Raffaele, worauf wir beide nickten.


    ~-~


    Als wir beim Hotel ankamen, hörte ich Klaviermusik.
    „Scusí, das ist mein Handy. Giacomo ruft an.“meinte Raffaele als er abhob.
    „Ciao, Giacomo. Wo bist du?“sagte Raffaele während er auf Lautsprecher schaltete.
    „Ciao, Raffaele. Noi siamo in Paolos camera.“
    „Bene, wir kommen zu euch.“
    „Wir? Wer ist denn noch bei dir?“fragte Giacomo etwas überrascht.
    „Alessandro e Davide.“
    Es herrschte kurz Stille, dann sprach Giacomo: „Wo seid ihr?“
    „Wir sind vor dem Hotel, da wir schon dachten, dass ihr in einem von euren Zimmern seid.“antwortete Raffaele.
    „Va bene, dann bis gleich.“erwiderte Giacomo und legte auf.
    Wir betraten das Hotel und gingen die Treppe hoch in den zweiten Stock. Von dort bogen wir links in einen Gang ein und klopften an die erste Tür links. Giacomo öffnete und wir betraten das Zimmer. Paolo saß auf dem Bett und begrüßte uns.
    „Was war das für eine Bedingung, welche dir il stronzo gestellt hat?“fragte ich Paolo aufgebracht während ich mich neben ihn auf das Bett setzte.
    „Seine Bedingung war, dass ich mit dem Fußball aufhören soll.“sprach er traurig mit gesenktem Kopf.
    „CHE COSA? Das kann nicht sein ernst sein? Warum bist du auf diese Bedingung eingegangen?“sagte ich aufgebracht, worauf Paolo keine Reaktion zeigte.
    „Ich wollte verhindern, dass zwischen zwei Caernus ein Kampf ausgetragen wird. Dafür war mir jedes Mittel Recht.“
    „Erfüllst du etwa wirklich diese Bedingung?“fragte ich ihn ungläubig.
    „Certamente non! Meinst du, ich höre mit dem Wichtigsten in meinem Leben auf?“sagte er während er aufsah und selbstsicher grinste.
    „Achja, ich muss dir noch etwas erzählen!“entgegnete Alessandro und stellte sich vor Paolo hin, er verwandelte sich wieder in Doloma.
    „Du erschreckst dich gar nicht? Interessante…Aber jetzt Themawechsel. Du sollst heute Mitternacht zum Forum Romanum zu dem Platz, von dem man den Circus Maximus sehen kann, kommen. Dort erwartet dich Valentina Lyall und die italienische Mafia.“sagte Doloma.
    „La Mafia? Oggi a mezzanotte in Forum Romanum? Ich komme mit dir, Paolo.“sprach ich, bevor Paolo etwas sagen konnte.
    „Willst du dort überhaupt hin?“fragte Giacomo Paolo besorgt.
    „Sí, ich gehe da auf jeden Fall hin. Grazie, dass du mitkommst, Davide. Aber sie wollen wahrscheinlich nur mit mir alleine reden, weshalb du dich verstecken müsstest.“antwortete Paolo zur Überraschung von uns allen.
    „Wenn du dorthin gehst, riskierst du dein Leben!“rief Giacomo.
    „Wenn ich dort nicht hingehe, dann werden sie mich so aufspüren. Dann bin nicht nur ich in Gefahr, sondern ihr alle. Außerdem weiß ich jetzt schon, was sie wollen…“erwiderte Paolo.
    Es klopfte an der Tür. Giacomo ging zu ihr und fragte, wer da sei, worauf eine Stimme sagte: „Sono io, Michele. Mach bitte die Tür auf.“
    In seinem Ton lag Reue, doch das kaufte ich ihm nicht ab.
    „Lasst ihn rein.“sprach Paolo, worauf wir alle ihn verwirrt ansahen.
    Nach kurzem Zögern öffnete Giacomo die Tür und Michele kam herein.
    „Ich wusste, seit ich dir diese Bedingung gestellt habe, dass du das eh nie machen würdest…Und das war auch nie mein Ziel.“, begann Michele als wir alle ihn verwirrt ansahen, „Alessandro hat dir wahrscheinlich schon von dem Treffen heut um Mitternacht erzählt…Ich komme mit dir. Ich kann nicht zulassen, dass die Göttinnen den Vertreter der Menschen bekommen.“
    „Du weißt, dass ich der Vertreter bin?“fragte Paolo Michele irritiert während er Giacomo ansah, der darauf Michele ebenfalls irritiert anschaute.
    „Sí. Als Alessandro und ich gerade unsere Gegenstände errungen hatten, trafen wir auf Valentina, die uns das mit dem Treffen und das mit dem Vertreter der Menschen sagte.“
    „Capisco...Dann weißt du auch sicher, warum sie mich gerade im Forum Romanum treffen wollen, und nicht woanders, o?“
    „No, perché?“
    „Ich weiß warum“, entgegnete ich, worauf Michele mich erwartend ansah, „Wenn man alten Legenden Glauben schenkt, dann befindet sich im Forum Romanum ein Orakel, welches die Zukunft voraussagt. Man braucht lediglich das Blut von entweder einem Caernus, einer Göttin oder dem Vertreter der Menschen für die Sache. Deshalb brauchen sie auch dich.“
    „Sí, das dachte ich mir auch, anders kann es nicht sein. Wenn sie mein Blut brauchen, va bene. Denn wenn das Orakel ihnen dann die Zukunft voraussagt, dann erfahre ich die Zukunft ja logischerweise auch.“sagte Paolo, womit er recht hatte.
    „Ich komme mit dir.“sprachen Michele und ich im Chor, worauf wir uns finster ansahen.
    „Solange ihr euch nicht streitet und unbemerkt bleibt, va bene. Wir sollten uns aber auch einen Fluchtplan überlegen, wenn sie mich nicht freiwillig gehen lassen, und das werden sie bestimmt nicht.“
    Wir nickten und überlegten uns einen idiotensicheren Fluchtplan.


    ~-~


    „Es ist schon halb Neun!“sagte Alessandro, der vor mir auf der Bettkante saß.
    Paolo und Michele saßen mit ihm am unteren Ende des Bettes, Raffaele ist schon vor geraumer Zeit in sein Zimmer gegangen und Giacomo lag neben mir im Bett.
    „Sí, e?“fragte Paolo, worauf Michele erwiderte: „Um Neun müssen wir unten in der Hotelaula sein, hat Herr Vedi gesagt. Dann besprechen wir den morgigen Tag.“
    „Bene. Bevor wir nach unten gehen…Kann ich mit dir noch etwas unter vier Augen reden, Davide?“ fragte mich Paolo, worauf ich bejahte.
    „Aber seid mindestens um fünf vor unten, ihr wisst wie der Trainer sein kann.“sagte Alessandro.
    Wir nickten und sobald die anderen draußen waren und die Tür geschlossen war, legte sich Paolo neben mich auf das Bett, sah die Decke an und fragte mich: „Hast du dir schoneimal vorgestellt, keine so schreckliche Kindheit zu haben und einfach ein normales Leben zu leben mit Eltern, die sich um dich kümmern und ohne Sorgen?“
    Ich legte mich nun ebenfalls auf den Rücken und sah ebenfalls die Decke an.
    „Öfters…Perché? Warum die Frage?“fragte ich etwas überrascht.
    „Weißt du, warum ich die Zukunft erfahren will?“
    Ich beneinte und legte mich auf die Seite.
    „Weil ich wissen will, ob ich jemals ohne Sorgen leben werde. Seit mein Vater nicht mehr da ist, bin ich der Vertreter der Menschen, was für mich immer eine große Bürde war, weshalb ich auch nie zum Drei Welten Rat kam. Ich will wissen, wie es in meinem Leben weitergeht. Wenn das Orakel beschworen wird, hat jeder eine Frage frei, der, mit dessen Blut das Orakel beschworen wurde, kann sogar zwei Fragen stellen. Wenn jeder seine Frage aufgebraucht hat, dann sagt es die Zukunft der ganzen Welt voraus.“
    „Und welche Frage willst du dem Orakel stellen?“erkundete ich mich neugierig.
    „Ich würde fragen, wem ich wirklich vertrauen kann und mit wem ich meine letzten Tage verbringen werde.“
    „Deine letzten Tage? Warum das?“
    „Ich will wissen, ob ich jemals den Partner fürs Leben finde oder alleine alt werde.“
    „Den Partner fürs Leben? Hast du da schon wen gefunden?“fragte ich, innerlich war ich etwas nervös.
    „Vielleicht…Aber eher nicht…“sagte er etwas traurig.
    Um ihn von diesem Thema abzulenken, fragte ich schnell: „Hast du als Vertreter der Menschen eigentlich auch Fähigkeiten wie die Caernus?“
    „Sí. Ich besitze zwei Fähigkeiten. Die erste ist, ich kann von anderen Leuten die wahren Gefühle erkennen, ich merke also, wenn jemand etwas spielt. Und meine zweite Fähigkeit ist, ich kann mich in einen anderen Menschen versetzten und somit sehen und fühlen, wie er es tut. Deshalb war ich vorhin auch so traurig, da ich diese Fähigkeit einfach nebenbei einsetzten kann, somit muss ich eine aktuelle Aktion nicht unterbrechen.“
    „Capisco…Und warum warst du vorher so traurig?“
    „Ich wollte nur sehen, wie Michele sich fühlt. Ob er wirklich Reue zeigt oder ob er es nur spielt, doch dann bekam ich mit, dass er mit Giacomo einen Caernus-Pakt eingeht, aber nicht nur irgendeinen Pakt…no…“
    Einen Caernus-Pakt? Es gibt viele verschiedene, doch der Effekt ist immer gleich; der Mensch, der mit einem Caernus einen Pakt eingeht, egal welchen, der ist dann sozusagen der Diener von diesem Caernus, doch wenn ihm etwas zustößt, wird der Caernus getötet.
    „Welchen Pakt ist er mit ihm eingegangen?“
    „Den Pakt von l´amore. Aus dem Grund, da er der Stärkste von allen ist.“sagte er während ihm ein paar glasige Tränen aus den Augen kamen.
    „Dann bist du…schwul?“fragte ich ihn vorsichtig, worauf er bejahte.
    „Capisco…Du hast also Michele geliebt? Oder sagen wir einmal, liebst ihn immer noch?“sagte ich während ich mich aufsaß und aus dem Fenster sah.
    Mein Herz schmerzte, doch den Grund wollte ich nicht wahrhaben.
    „Was ist los?“fragte er mich, doch ich konnte nicht antworten, zu groß war der Schmerz.
    „Du kannst doch meine Gefühle lesen, o? Dann kannst du das ja jetzt auch machen, dann weißt du, was los ist.“
    „Bene, dann werde ich einmal…C-Che cosa…Spielt mir meine Fähigkeit da einen Streich oder stimmt das wirklich?“sprach er mit skeptischer Stimme.
    Ich wollte keine Antwort geben, konnte keine Antwort geben…Mein Atem stockte, mein Herz pochte immer schneller und wilder, ich unterdrückte Tränen. Es war mucksmäuschenstill im Zimmer, als ich aufstehen wollte um den Raum zu verlassen, doch Paolo zerrte mich zurück. Wir knieten voreinander und sahen uns in die Augen.
    „Willst du mit mir auch diesen Pakt eingehen?“fragte er mich, worauf ich ihn überrascht ansah.
    „Scusa…aber ich will keine Gefühle für dich oder für irgendjemanden entwickeln…Ich will es einfach nicht…“
    „Perché? Erzähl es mir, per favore.“meinte er ernst, abermals spürte ich seine warme Aura und erzählte ihm schlussendlich, weshalb.


    ~-~


    „Wir haben dich acht Jahre lang trainiert, und dich so zur absoluten Kampfmaschine gemacht, du solltest uns dankbar sein! Deshalb ist dies wohl auch nicht zu viel verlangt.“sagte der Mann mit dem violetten Anzug, dessen Name ich bis heute nicht kannte.
    „Das ist doch absurd! Ich will nicht, dass ihr noch mehr Experimente mit mir macht!“schrie ich ihn an.
    „Haha, du kannst nicht über dein Leben entscheiden…sondern ich.“
    Der Mann holte aus seiner Hosentasche eine Fernbedienung und wollte gerade auf den Knopf drücken, doch ich sagte schnell: „S-Scusi...Prego, drücken sie nicht auf den Knopf.“
    „Schön, dass du dich für ein weiteres Experiment freiwillig meldest.“
    Er grinste böse.
    „Um welches Experiment handelt es sich?“fragte ich während ich mich von ihm abwandte und aus dem Fenster sah.
    „Dieses Mal hat es nichts mit Krieg oder Waffen zu tun…Sondern mit deinen Gefühlen. Als eine Kampfmaschine musst du gefühlslos sein.“
    „Das letzte menschliche an mir wollen sie mir auch noch nehmen? Was für ein grausamer Mensch sind sie eigentlich?“fragte ich ihn resigniert.
    „Das letzte menschliche an dir? Du bist schon lange kein Mensch mehr. Du bist und bleibst eine Maschine, die den Zweck des Kriegs erfüllt. Und nun komm, das Experiment wird sogleich beginnen.“
    Ich ging wiederwillig mit ihm mit und erließ abermals ein grausames Experiment über mich ergehen, doch das Experiment ging schief. Kurz darauf sprengte die Mafia das Labor in der Hoffnung, dass sie mich mit zerstören eüreden, doch dem war nicht so. Ich überlebte und sie zogen mich mit falschen Behauptungen auf ihre Seite. Um dann mein altes Leben komplett hinter mir zu lassen, schnitt ich mir meine langen Haare ab.


    ~-~


    „C-Capisco…Was ist bei diesem Experiment genau schiefgegangen?“fragte er mich, während ich den Kopf hängen ließ.
    „Alles was ich mag, was ich nicht mag, was ich fühle und vieles mehr wurde umgekehrt. Das heißt; was ich vorher mochte, hasste ich danach. Was ich vorher nicht mochte, liebte ich jetzt. Vorher mochte ich Mädchen, jetzt…“erklärte ich ihm doch ich konnte nicht weiterreden, da sich ein Kloß in meinem Hals anbahnte.
    „Prego, mach mit mir dennoch den Pakt.“
    „Verstehst du das nicht? Ich WILL keine Gefühle für dich entwickeln, da du dann auch welche für mich entwickelst. Den wenn dir etwas passiert, dann werde ich getötet, und was hatte das dann für einen Sinn? Es wäre sinnlos!“sprach ich traurig und wütend zugleich.
    „Was ist, wenn das Orakel voraussagt, dass ich meine letzten Tage mit dir verbringe? Was dann?“
    „Was ist, wenn schon bald deine letzten Tage gekommen sind?“
    „Und was ist, wenn nicht? Wenn ich vielleicht sogar Hundertzehn Jahre alt werde? Jetzt kann man nicht sagen, was mich in der Zukunft erwarten wird. Aber wenn das Orakel dann wirklich voraussagt, dass wir zusammenkommen, was würdest du dann tun?“
    „Lass es einfach! Du machst mir falsche Hoffnungen. Das Orakel wird das nie voraussagen. Und wenn es das tut, dann…“
    „…änderst du deine Meinung mit dem Pakt?“
    Er sah mich hoffnungsvoll an.
    „Warum sollte ich? Du liebst doch sowieso Michele. Und jetzt lass mich mit diesem Thema in Ruhe.“erwiderte ich wütend.
    Er hielt seine rechte Hand vor mir hin und sagte: „Wenn das Orakel das bestätigt, das ich sage…Würdest du dann den Pakt von l´amore mit mir eingehen?“
    „Perché? Warum lässt du mich nicht einfach mit dem in Ruhe? Ich habe nein gesagt, dabei bleibe ich auch.“
    Ich schlug seine Hand weg und wollte eigentlich aus dem Zimmer gehen, doch ich brachte es nicht übers Herz, ihn jetzt mit dieser traurigen Aura zurückzulassen. Warum hatte er jetzt auf einmal eine kalte, graue Aura, und nicht mehr die fröhliche, warme, die er sonst immer hatte? Ich habe noch nie gesehen, dass sich eine Aura verändert hatte. Ich wollte ihm in seine Augen sehen und mich entschuldigen, doch er ließ den Kopf hängen.
    „Seit ich erfahren hatte, dass Michele ein Caernus ist und Giacomo die Caernus anbetet, genau seit diesem Augenblick misstraue ich Michele. Er ist seitdem so anders, wie eine andere Person, ich verstehe es einfach nicht…Ich kann ihm nicht mehr vertrauen, will ihm nicht mehr vertrauen. Ich hab das Gefühl, er spielt nur Spielchen mit mir und ist an mir nur interessiert, da ich der Vertreter der Menschen bin.“
    „D-Das ändert trotzdem nichts an meiner Meinung…“stotterte ich mutlos obwohl ich innerlich wusste, dass er meine Meinung schon lange geändert hatte.
    „Schon vergessen? Ich kann deine Gefühle lesen. Was du jetzt fühlst, sehe ich ganz genau.“sprach er etwas erleichtert, als seine Aura wieder ihren ursprünglichen Zustand annahm.
    Seufzend und innerlich auch etwas froh erwiderte ich: „Va bene, ich gehe mit dir den Pakt ein. Da wir aber jetzt keine Zeit mehr haben und es vor dem Orakel zu gefährlich wäre, machen wir das sofort nach dem Orakel.“
    Er sah auf und schaute mich überrascht an. Ich schaute auf mein Handy, es war fünf vor Neun.
    „Beeilen wir uns, wir müssen in die Aula.“sprach ich schnell worauf wir beide schnell nach unten gingen.
    In der Hotelaula angekommen, war es Punkt Neun Uhr. Alle waren schon da, doch Vater war es noch nicht.
    „Wo ist Herr Vedi?“fragte Paolo, doch niemand wusste eine Antwort.
    „Du bist doch sein Sohn, oder? Dann hast du doch bestimmt seine Nummer, o? Dann kannst du ihn ja anrufen.“schlug Giacomo vor, worauf ich nickte.
    Ich holte mein Handy aus der Hosentasche und rief Vater an. Normalerweise würde ja so ein Piepen zu hören sein, doch das einzige was ich hörte war ein Rauschen. Anscheinend hatte er sein Handy ausgeschaltet.
    „Ich kann ihn nicht erreichen, anscheinend hat er sein Handy aus oder so, da können wir nur warten.“sagte ich gerade, als plötzlich ein großer Tumult in der Empfangshalle ausbrach.
    „AIUTO! AIUTO!“schrien die aufgebrachten Leute.
    Ich lief schnell in Richtung Masse und sah auf den Boden. Mir stockte der Atem, mein Herz blieb fast stehen. Vater kniete schwer blutend und verletzt am Boden. Ich kniete mich zu ihm, er hielt mit seinen blutüberströmten Händen mein Gesicht, ich fing an, bitterlich zu weinen.
    „Sei jetzt bitte stark, Davide. Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht.“sprach er langsam.
    „D-Du musst deine Wunden zudrücken, sonst w-wirst du verbluten!“erwiderte ich besorgt.
    Er wischte mir mit seinen Händen die Tränen weg und umarmte mich, worauf auch er zu weinen begann.
    Nach einer geschätzten Ewigkeit kam die Rettung und fuhren in ins Krankenhaus, ich konnte leider nicht mitkommen. Ich stand im strömenden Regen vor dem Hotel, fiel auf die Knie und weinte.



    MFG
    Kiro UHaFnir