Flammen und Schatten

  • Hallo Firefly,


    ich hab mir mal die Zeit genommen, mich durch deine Geschichte zu lesen, weil ich sie eigentlich schon ziemlich lange auf dem Schirm hatte. Vor allem aber war es ja das Setting, das mich gleich von Anfang an angesprochen hat. Mittelalter hat viel Potenzial und in Kombination mit Pokémon ergibt es eine nette Fantasy-Mischung, deren Ausmaße du aber bei weitem noch nicht ausgereizt hast.


    Zumindest fällt schon recht früh auf, dass du zumindest jetzt noch recht charakterbezogen schreibst und Cedrics Werdegang in dieser Welt beschreibst. Das Aufeinandertreffen mit dem Kult war recht überraschend als Einstieg, der aber auch ziemlich gut funktioniert hat, weil du nichts überstürzt hast. Zumindest ich konnte mich schnell an ihn als Hauptcharakter und seine Art gewöhnen und man hat so auch schnell erfahren, wie die Welt aufgebaut ist und wie Pokémon angesehen werden. Eigentlich recht ähnlich zu dem, was man schon aus den Spielen kannte, nur eben weniger auf einer freundschaftlichen Basis, weil sie ja doch wild bleiben. Der Aspekt gefällt mir besonders, da so auch nicht abzusehen ist, wie Pokémon reagieren können. Komura hat seinen eigenen Willen, hört aber trotzdem auf das, was Cedric sagt. Man könnte schon fast sagen, die beiden sind Seelengeschwister und ich bin mal gespannt, wie sich ihre Beziehung zueinander im Verlauf entwickeln wird.


    Davon abgesehen bleibst du auch noch recht oberflächlich, was die Geschichte angeht. Zumindest sind mit dem Erreichen der Ehre für das Schwert und das Überleben in der Welt ein paar Motive gesetzt, die sich durchgängig verfolgen lassen. Auf der anderen Seite ist noch gar nicht abzusehen, was Cedric eigentlich möchte, da er quasi von einem Problem in das nächste schlittert. Gerade dass er nun steckbrieflich gesucht wird, könnte für ihn schwierig werden und dennoch bleibt eben auch die Frage, warum es dieses Mal für ihn noch schwieriger wird als die letzten Male. Der Leser wird hier bewusst im Dunkeln gelassen, um Spannung zu erzeugen; aber es fühlt sich so weit gut an, auch wie du die Kapitel gestaltet hast. Vom generellen Schreibstil muss ich dir wohl nicht viel erzählen, da du genau weißt, wie du etwas beschreiben musst. Ich hab mich durch und durch unterhalten gefühlt und freue mich schon jetzt darauf, dass du bald weiterschreibst!


    Ach ja, wenn die wörtliche Rede auf einen Punkt endet und danach ein Begleitsatz folgt, dann fällt der Punkt weg. Das ist mir während des Durchlesens neben ein paar anderen Flüchtigkeitsfehlern aufgefallen.


    In diesem Sinne, wir lesen uns sicher bald wieder!

  • Hallo Rusalka und dankesehr, dass du dir Zeit genommen hast, meine FF so detailiert zu kommentieren.


    Mittelalter hat viel Potenzial und in Kombination mit Pokémon ergibt es eine nette Fantasy-Mischung, deren Ausmaße du aber bei weitem noch nicht ausgereizt hast.

    Goldrichtig! Ursprünglich war die Geschichte in einem modernen Setting, ähnlich der Serie/Spiele geplant. Aber ich großer Verfechter des Fantasy-Genres konnte ich letztendlich nicht wiederstehen. Und es sind noch einige Dinge in Arbeit, um dies auszureizen, doch wie ich selbst feststellte bin ich ein Hobbyautor, der die Dinge langsam aufbaut. ^^



    Zumindest fällt schon recht früh auf, dass du zumindest jetzt noch recht charakterbezogen schreibst und Cedrics Werdegang in dieser Welt beschreibst. Das Aufeinandertreffen mit dem Kult war recht überraschend als Einstieg, der aber auch ziemlich gut funktioniert hat, weil du nichts überstürzt hast. Zumindest ich konnte mich schnell an ihn als Hauptcharakter und seine Art gewöhnen und man hat so auch schnell erfahren, wie die Welt aufgebaut ist und wie Pokémon angesehen werden.

    Auch wenn es dem Leser recht zäh erscheinen kann, ich bin ein Freund dieser Taktik. Eine Story, die anfangs voll reinböllert ist zwar schon cool, doch ich finde, wenn man sich die Zeit nimmt, die Welt einmal in Ruhe kennen zu lernen ist das über die Dauer einfach besser. Ich versuche erstmal viele Fragen aufzuwerfen, um den Leser möglichst gut an meine Geschichte zu binden.


    Davon abgesehen bleibst du auch noch recht oberflächlich, was die Geschichte angeht. Zumindest sind mit dem Erreichen der Ehre für das Schwert und das Überleben in der Welt ein paar Motive gesetzt, die sich durchgängig verfolgen lassen. Auf der anderen Seite ist noch gar nicht abzusehen, was Cedric eigentlich möchte, da er quasi von einem Problem in das nächste schlittert. Gerade dass er nun steckbrieflich gesucht wird, könnte für ihn schwierig werden und dennoch bleibt eben auch die Frage, warum es dieses Mal für ihn noch schwieriger wird als die letzten Male.

    Für den Anfang bleibt Cedric für den Leser tatsächlich recht...misteriös (ums freundlich auszudrücken ^^). Doch auch das hat schon seinen Sinn, ebenso wie die Schwierigkeiten, in die er sich mal wieder gebracht hat. Doch immer wieder im Leben öffnen sich neue Türen und man schlägt ungeahnte Wege ein. Mehr sag ich dazu erstmal nicht.


    Der Leser wird hier bewusst im Dunkeln gelassen, um Spannung zu erzeugen; aber es fühlt sich so weit gut an, auch wie du die Kapitel gestaltet hast.

    Hier merke ich, wie sehr es einen freut, wenn die Gründe für sein Vorgehen beim Schreiben verstanden wurden xD


    Dein Kommentar hat mich sehr erfrischt, daher nochmals ein großes DANKE. ^^
    Auch ich hoffe, das wir wieder voneinander lesen werden.

  • @MarieAntoinette @Sheogorath @Paya

    8: Problemviertel



    Cedric hatte selten so schlecht geschlafen, am liebsten wäre er heute gar nicht aufgewacht. Die Sorge, wie es nun weiter gehen sollte, fraß sich in der Stille der Nacht besonders schlimm in die Brust hinein und hatte ihm jegliche Erholung verwehrt. Der Lärm des Schmiedehammers, der draußen laut auf den Amboss knallte, war obendrein keine angenehme Art des Aufwachens. Jedenfalls nicht für ihn.
    „So müde.“, seufzte er, stand aber dennoch auf. Komura war mal wieder längst wach, verweilte aber dennoch an seiner Seite. Ein hastiges Kraulen seines starken Nackens stellte die morgendliche Begrüßung dar, ehe Cedric sich anzog und das schlich eingerichtete Gästezimmer, welches ihm freundlicherweise angeboten wurde, mit ihm verließ. Auf dem Weg durch den Flur machte er sich Gedanken, wie lange er wohl noch Reinholds Gastfreundschaft gezwungener Maßen in Anspruch nehmen würde. Die Möglichkeit, seine Strafe bei der Stadtwache zu bezahlen, gab es nicht. Ihnen gegenüber zu treten und versuchen, die Situation zu erklären, war auch nicht überaus erfolgversprechend. Sich erst einmal zu verstecken, war, da waren am gestrigen Abend alle einer Meinung, vorerst am ehesten ratsam. Doch Cedric kam nicht drum herum, sich innerlich wieder und wieder über die Torwache vom Vortage aufzuregen. Er war einfach fassungslos, dass dieser ehrlose Kerl eine Suchaktion wegen eines verlorenen Kampfes einleiten konnte, den er selbst gefordert hatte.
    Unbemerkt ballte er beim erneuten Gedanken daran die Fäuste.
    Wie er die Tatsachen vor seinem Vorgesetzten wohl zu seinen Gunsten verdreht hatte, malte Cedric sich nicht erst aus. Aggressive Störenfriede, ein unprovozierter Angriff, irgendetwas in dieser Richtung hatte der sich bestimmt einfallen lassen. Doch zu oft hatte er nun schon darüber nachgedacht, als das die Wut in seinem Körper lange bestand und in diesem Moment auch schon wieder langsam abflaute. Seufzend rieb er sich die müden Lider und atmete tief durch. Wieder ertönte das metallische Hämmern vor der Tür, zu dieser Tageszeit so fleißig zu sein, wäre nichts für Cedric und einen Moment überlegte er, ob er sich trauen sollte, nach draußen zu gehen. Er sah nicht, wie Komura ihn in seinem Rücken betrachtet, abwartete.
    Die grellen Sonnenstrahlen, die sich durch die nur sehr leicht geöffnete Türe zwängten, waren bereits eine enorme Qual für Cedrics Augen. Nicht nur deshalb hielt er sich zunächst noch im Schatten, anstatt gänzlich ins Freie zu treten. Entlang der rechten Hauswand, erspähte er Reinhold an seinem überdachten Arbeitsplatz. Gerade machte er sich mit einer groben Klinge in Richtung Schleifstein.
    „Hey.“ Cedric unterdrückte seine Stimme leicht. Der Schmied bemerkte ihn sofort und winkte ich sorglos heraus.
    „Morgen, keine Sorge, alles sicher.“, versprach er.
    Mensch und Pokémon kamen seiner Aufforderung nach traten auf die Straße. Während Cedric sich noch misstrauisch umsah – war das simple Vorsicht oder wurde er schon paranoid? - fuhr der Reinhold mit seiner Arbeit fort und begann die Klinge in seinem Händen gleichmäßig am Schleifstein entlang zu ziehen. Er sprach, ohne seine konzentrierten Augen von dem Stahl zu lösen.
    „Eigentlich ist unsere Stadtwache nicht übel, Ausschreitungen gibt es meist nur selten. Aber die meisten von ihnen brauchen ganz schön lange um morgens auf die Beine zu kommen.“
    Cedric streckte seine Glieder, beobachtete dabei den Himmel. Ein eher düsterer Tag schien es heute zu werden. Er dachte an den Soldaten vom Stadttor und die Geschichte von der Eskalation, die er am Vortage im Vorbeigehen bei einem Bürger aufgeschnappt hatte.
    „Ausnahmen bestätigen die Regel, wie?“
    Nun unterbrach Reinhold seine Arbeit doch, als er sich zu Cedric umdrehte und ihn mit verengten Augen ansah.
    „Versuche mal, nicht immer alles negativ zu sehen. Glaub mir, das macht einiges leichter.“, und fuhr mit dem Schleifen fort.
    'Ein toller Rat', dachte er und lehnte sich an die Mauer. Lies sich bestimmt sehr leicht sagen, wenn man selber keine Probleme hatte. Eigentlich wäre es ihm egal gewesen, was ein Waffenschmied von ihm denkt, nur konnte er diesen auffordernden Blick, den Komura ihm in diesem Moment zukommen lies einfach nicht entgehen. Mit einem Schulterzucken breitete er die Arme aus und stellte mit weit geöffneten Augen die Frage, was er denn seiner Meinung nach machen sollte. Cedric gestand sich ja mittlerweile ein, das sich an ihrem Leben etwas ändern musste und hatte nun beschlossen, auch was dafür zu tun. Nur ging das halt nicht von heute auf morgen, also was sollte dieser mahnende Blick schon wieder? Natürlich bekam er von dem Tornupto keine klare Antwort, nur wusste er mit den leisen Knurren und kurzem Nicken im Moment wenig anzufangen. Seufzend rieb sich Cedric die noch müden Augen. Hoffentlich musste er nicht zu lange auf Tristan warten.
    Gestern war er noch überrascht gewesen, als er erfuhr, Tristan besäße ein kleines Haus hier in Toldus. Um aber unterwegs nicht vielleicht doch von einem Frühaufsteher der Wache gesehen zu werden, würde er sich wohl die nötige Zeit nehmen müssen, um unbemerkt hierher zu gelangen. Eigentlich eine unnötige Aktion, aber so lange es gut ging...
    „Verstehst du was vom Schmieden?“
    Dieser plötzliche Themenwechsel überraschte Cedric leicht. War es in dieser Situation okay, sich jetzt unbekümmert zu unterhalten?
    „Wenig.“
    „Wie viel?“ Erst jetzt drehte sich Reinhold in seine Richtung. Cedric schwenkte den Kopf hin und her, während er überlegte.
    „Wie es funktioniert weiß ich, heißt aber nicht, dass ich selbst was Vernünftiges herstellen kann. Für Schwerter habe ich mich schon immer interessiert, aber geschmiedet habe ich noch nie welche.“
    Reinhold legte die geschärfte Klinge auf der Arbeitsfläche neben der Schmelze ab.
    „Sie sind toll, oder? So ähnlich und gleichzeitig so verschieden. Größe, Gewicht, Beschaffenheit. Im Aussehen zu variieren ist besonders toll. Ich liebe die Detailunterschiede, die jede Waffe besonders machen.“
    Cedric hätte schwören können, kleine, leuchtende Sterne in seinen Augen erkannt zu haben, während er von seiner Leidenschaft erzählte. Er schien wirklich verrückt nach Schwertern zu sein, nur verstand er nicht, auf was er hinaus wollte.
    „Ist im Grunde genau so, wie bei Pokémon, was?“
    Unterschiede, etwas besonderes. Er tauschte einen Blick mit Komura aus. Allmählich fragte sich Cedric, ob Reinhold und Tristan das abgesprochen hatten, jemand solle immer seltsame Fragen an ihn stellte, damit er was zum grübeln hatte. Falls ja, waren sie erfolgreich, denn einmal mehr wollte Cedric den Sinn einer solchen Aussage nicht richtig verstehen. Klar war, Tristan wollte Cedric helfen, deshalb wollte es Reinhold auch. Nur könnten sie ihre Weisheiten doch bestimmt auch verständlicher mit ihm teilen, oder? Der Schmied las scheinbar etwas in seinem Gesicht und faltete die Hände hinter dem Kopf.
    „Tristan meinte gestern noch, dass irgendwas mit deinem Tornupto ist. Mir ist das nicht ganz deutlich, aber angeblich möchte es etwas von dir, oder so ähnlich.“
    Wenn es um Komura ging, war es besser, nichts falsches zu sagen und dieses Gespräch in eine andere Richtung zu wenden wäre jetzt wohl besser gewesen. Cedric war froh, im selben Moment einen Mann in nachtschwarzer Kleidung zu erkennen, der unauffällig aus einer Gasse auf die Hauptstraße trat und sich ihnen näherte. Reinhold winkte ihm kurz zu, verschwand anschließend aber ohne ein Wort im Haus. Kurz sah Cedric ihm hinterher, war aber insgeheim froh darüber, sein Gefasel nicht ertragen zu müssen. Tristan kam bei ihm an.
    „Morgen.“
    Auch er sah nicht gerade unbekümmert aus.
    „Wie geht’s dir?“
    „Geht so.“, antwortete er mit verschränkten Armen.
    Cedric blickte sich um, konnte aber die Mondkatze nirgends sehen.
    „Wo ist Maros? Springt der wieder auf den Dächern 'rum?“
    „Behält die Umgebung im Auge.“
    Er nickte zufrieden. So war das Nachtara sicher am besten von Nutzen. Dafür hielt Komura mit seiner einschüchternden Erscheinung so manch Unerwünschten vom Leib. Neugierig fragte er nach Tristans Plan.
    „Die Stadt hat unterschiedliche Gesichter, je nach dem, wo man sich befindet.“, begann er.
    „Die Tore im Norden und Süden, der Marktplatz und die Kaserne im Westen sind unter strenger Bewachung der Miliz. Im östlichen Bezirk sieh das aber anders aus. Dort verstecken sich die Armen und Verbrecher, deshalb traut sich kaum jemand von denen dorthin.“
    Cedric hatte eine Ahnung, auf was er hinaus wollte.
    „Also tun wir das auch? Uns vor der Stadtwache verstecken?“
    Bevor er eine Antwort erhielt, öffnete sich die Haustür und Reinhold trat mit Tristans Schwert – erst jetzt sah Cedric, dass die Scheide ebenso dunkel war, wie seine gesamte Kleidung – heraus.
    „Ich habe fast die ganze Nacht dran gearbeitet, damit es perfekt wird. Es wird dir gefallen.“
    Tristan begutachtete seine verbesserte Waffe nur kurz, zog die Klinge ein Stück hervor, die nun, offensichtlich durch das Obsidian, ebenfalls eine sehr dunkle Farbe angenommen hatte. Er wirkte sehr zufrieden.
    „Wir tauchen erst einmal unter und lassen etwas Zeit verstreichen. Dort können wir uns wenigstens frei bewegen. Reinhold wird bei Zeiten mal mit der Wache reden. Vielleicht bringt es ja etwas. Danach sehen wir weiter.“, beantwortete er schließlich die Frage.
    Ein Versuch, selbst mit den Soldaten zu reden, war das letzte, was Cedric tun wollte, daher hatte er nicht viel auszusetzen, bis auf eine Sache. Menschen, die nichts besaßen, waren meist bereit, alles für Gold zu tun.
    „Und du meinst, wenn uns dort jemand als gesuchte Verbrecher erkennt, wird er uns einfach in Ruhe lassen?“, hinterfragte er mit skeptischem Blick, worauf Tristan tatsächlich leicht grinste.
    „Ganz sicher nicht, aber ich komme damit jedenfalls besser klar, als mich mit einem halben Dutzend Soldaten zu schlagen.“
    Cedric konnte sich irgendwie nicht zu einer Antwort überwinden.
    „Komm schon, es wird schon klappen. Und wenn nicht, gehen wir nach Plan T vor.“
    „Plan T? Was soll das sein?“
    Töten, was auch immer sich uns in den Weg stellt. Also was sagst du?“
    Zu seinem Leidwesen hatte sich Komura bereits auf Tristans Seite geschlagen und forderte mit herablassendem Blick, dass Cedric sich endlich in Bewegung setzen sollte.
    Seufzend kratzte sich der Braunhaarige am Hinterkopf.
    „Na dann los.“



    Schon fast zwangsweise musste Cedric sich fragen, wieso man einen Stadtteil derartig verkommen lies und dem Gesindel überlassen hatte.
    Dass sich die Bürgerschaft meist dem Ansehen und Wohlstand entsprechend voneinander abschottete, war nicht ungewöhnlich, doch einen ganzen Stadtteil einfach aufzugeben, konnte doch nicht im Interesse des Stadthalters sein. Wie Tristan es beschrieben hatte, war wirklich nirgends ein Königssoldat auszumachen, was wohl ganz einfach daran lag, dass ein einzelner Vertreter dieser Gemeinschaft der erste Kandidat für den nächsten Mord wäre, sollte er sich in dieses Viertel wagen.
    Die Straßen und Häuser möchten sicherlich einmal einen ähnlich anschaulichen Zustand gehabt haben, wie im restlichen Teil der Stadt, doch wucherndes Unkraut, zerschlagene Fensterscheiben, sogar die ein oder andere zerstörte Mauer machten eine friedliche Atmosphäre schnell zunichte. Hinzu kamen stinkende Leute in abgerissenen Klamotten, die an jeder Ecke herumlungerten und jeden finster betrachteten, der es wagte, auch nur in ihr Blickfeld zu geraten. Allein die Straße entlang zu laufen, brachte Tristan und Cedric sehr viel ungewollte Aufmerksamkeit, was den Waldläufer dazu veranlasste, seine Kapuze über den Kopf zu ziehen, um einigen Blicken zu entkommen. Dass sie Pokémon an ihrer Seite hatten, – Maros war schon nach kurzer Seit wieder zu ihnen gestoßen – machte es nicht besser. Auch nicht, dass Komura in der angespannten Atmosphäre seine Egal-Stimmung abgelegt hatte und aussah, als wolle er dem nächsten Halunken direkt an die Kehle springen. Wenn das alles mal gut ging.
    „Warst du schon mal hier?
    Tristans Augen behielten weiterhin wachsam die Umgebung im Auge, während er seine Antwort gab.
    „Einmal.“
    Cedric runzelte die Stirn. Mehr sagte er nicht dazu?
    „Schon vorher mal Ärger mit Wachen gehabt?“
    „Später, okay?“
    Seine Stimme war eindringlich, vielleicht auch etwas nervös, fast war er sich sicher, das Tristan sogar darum flehte, das Gespräch zu verschieben.
    Cedric musste selbst gerade feststellen, wie überaus unpassend dieser Augenblick war. Der ebene Weg endete hier und die Straße führte in die Richtung, in der abermals Stadtmauern zu sehen waren, in eine Senkung. Während Tristan und Maros unbeirrt weiterliefen, konnte Cedric dem Zwang, kurz anzuhalten, nicht widerstehen. Komura gesellte sich an seine Seite, allein das war ihm schon eine Unterstützung. Dennoch fragte er sich, ob er dort wirklich hinunter gehen sollte. Ein wolkenverhangener Himmel, eine finstere Gegen, das alles im Schatten der Mauern, in denen sich die beiden mehr eingesperrt, als geschützt fühlten. Als er sich doch wieder in Bewegung setzte, war ihm, als würde er eine Höhle betreten. Freundlicher würde es da unten sicher nicht aussehen. Dennoch schlossen beide die verlorenen Meter zu Tristan und seiner Nachtkatze wieder auf, seine Sorgen wurden von ihm anscheinend ignoriert.
    Es dauerte nicht lange, bis Cedric sah, wohin sie geführt wurden. Über der Tür von einem, der etwas größeren Häuser stach eine Holzschild mit einem überschäumenden Bierkrug darauf ins Auge. 'Zum betrunkenen Fettsack' hatte mach draufgeschrieben.
    Wie sich die Gruppe der Kneipe näherte, stellte Cedric fest, dass er gegen einen kräftigen Schluck Alkohol gerade nicht einzuwenden hatte. Dagegen sprachen allerdings nicht nur seine leere Börse, sondern auch der kahle Typ mit dem runden Gesicht, der sich vor der Türe aufgebaut hatte und nicht den Eindruck machte, jeden durch zu lassen. Er entschied sich jedoch, es Tristan zunächst nachzumachen und dem Türsteher nicht zu beachten, als sie auf den Eingang zuhielten. Wie erwartet stellte er sich ihnen jedoch entgegen.
    „Hey, wo soll es denn hingehen?“ Seine Stimme war tief und wirkte, als konnte er schon seit zu vielen Jahren nicht die Finger von Schlohkrautstängeln lassen. Der Geruch, der Cedric entgegen kam, widerte ihn regelrecht an. Diese Raucher konnte er nicht ausstehen. Zudem sprach er sehr langsam, irgendwie heimtückisch.
    „Wie du siehst, wollen wir etwas trinken gehen.“ Tristan klang bereits ziemlich genervt.
    „Sag doch einfach, was du wirklich von uns wissen willst.“
    Der nach Rauch stinkende Mann sah kurz etwas überrascht aus, dann aber zeigte er seine gelben Zähne durch ein breites Grinsen.
    „Oh, na gut, Kleiner. Wie wäre es dann, wenn ihr euch wieder umdreht und dorthin geht, wo ihn hergekommen seid?“ Seine Miene verfinsterte sich. „Glaubt ihr wirklich, das ihr mit euren komischen Viechern hier herumspazieren und machen könnt, was ihr wollt?“
    Während Maros solche Worte abermals wenig bis gar nicht zu interessieren schienen, musste Cedric inständig darum bangen, dass Komura nicht auf ihn los gehen würde. Knurrend begab sich sein Tornupto in Kampfhaltung und fokussierte den Mann. Er wusste, wie sehr er es hasste, als niederes Lebewesen angesehen zu werden.
    Cedric rollte auffällig mit den Augen. Musste es denn jedes verfluchte Mal das gleiche Theater sein?
    „Wer bist du, der Oberaufseher?“, fragte er ihn spöttisch.
    Wieder grinste der Mann.
    „So ähnlich. Ich sorge dafür, dass es hier keinen Ärger gibt.“
    Dann schaltete Tristan sich erneut ein.
    „Ich kann das besser als du. Also lass es gut sein und geh' beiseite.“
    „Oho, und was wirst du tun, wenn ich es nicht mache?“



    In eine Kneipe einzutreten war für Cedric etwas ziemlich unangenehmes. Auch wenn niemand wirkliches Interesse an ihnen zeigte, als die Tür sich quietschend öffnete, besaßen sie für ein paar Sekunden die komplette Aufmerksamkeit aller Anwesenden. Sollten sich die Kerle doch lieber um etwas anderes Sorgen machen, wie ihr langweiliges Leben, oder, das ihr Bierkrug schon wieder leer war. Er versuchte sie zu ignorieren und mied jeden möglichen Blickkontakt mit einem der Säufer, während er Tristan folgte, der direkt nach rechts zur Bar schwenkte, hinter der der Wirt sie und natürlich die beiden Pokémon schon argwöhnisch betrachtete.
    „Wer hat euch denn hier reingelassen?“
    „Wir wollen nur in Ruhe etwas trinken.“, umging Tristan die Frage und legte ihm eine Handvoll Goldmünzen vor die Nase. Es war definitiv mehr, als die beiden Getränke kosteten.
    Prüfend sah der ältere Mann mit der Schürze und dem grauen Haar zwischen den vier Gestalten hin und her.
    „Ihr macht also keinen Ärger?“
    „Wir fangen zumindest keinen an.“
    Damit schien er sich zufrieden zu geben. Dennoch murrend schnappte er sich die Münzen und stopfte sie sich in die Tasche.
    Nun erlaubte sich Cedric erstmals, sich genauer umzusehen, was eher relativ war, da die Kneipe wohl unter tausenden in keinster Weise heraus stach. Da außer den alten Tischkerzen kaum Lichtquellen existierten, war es sehr dunkel, trotzdem war zu erkennen, das ausschließlich altes und billiges Holz für Wände und Möbel verwendet worden war. Zu dieser frühen Mittagszeit gab es noch nicht sehr viele Gäste, lediglich die Leute, die ihren Alkohol unabhängig der Tageszeit zu sich nahmen.
    An einer Wand hatten sie schnell einen freien, abgelegenen Tisch ausgemacht, an dessen Sitzbänken sie nun alle Platz nahmen – Komura und Maros machten es sich unter dem Tisch bequem. Das Gelächter der anderen Besucher kam in dieser Ecke kaum an.
    „Sag mal Tristan,“ ergatterte Cedric sich dessen Aufmerksamkeit, „warum hast du dem nicht auch einfach eine runter gehauen, anstatt ihm großzügig das Gold in die Tasche zu stopfen?“ Dass es ihn ungemein amüsiert hatte, als Tristan den Türsteher mit einem satten Fausthieb dazu gebracht hatte, ihnen Platz zu machen, verschwieg er lieber.
    „Unsere Ankunft im Viertel muss nicht noch chaotischer sein oder? Der Typ vor der Tür war ja drauf aus, aber der Kerl dort an der Bar versucht nur, sein Geschäft am laufen zu halten und Ärger aus dem Weg zu gehen.“
    Wo er Recht hatte...
    „Außerdem halte ich es für unklug, es sich mit dem Kerl zu verscherzen, der dir deine Getränke serviert.“, grinste er und Cedric erwiderte es.
    „Aber jetzt mal wieder ernst.“
    Er beugte sich nach vorn und stützte seinen Kopf auf die zusammen gefalteten Hände.
    „Jetzt wäre eine gute Gelegenheit, sich auszusprechen, meinst du nicht?“
    Cedric merkte, wie die Stimmung zwischen ihnen wechselte. Der meist so lockere Ausdruck in Tristans Gesicht war verschwunden. Stattdessen schien sein Blick ihn nun regelrecht zu durchbohren, was ihn überraschenderweise nicht wirklich beunruhigte.
    In diesem Moment trat der Wirt mit zwei Bierkrügen an den Tisch heran und stellte sie wortlos ab, um sogleich wieder von dannen zu ziehen. Cedric legte seine Hand um das Gefäß und blickte sein Gegenüber nickend an. Schließlich wollte er noch ein paar Sachen wissen, so wie Tristan wahrscheinlich auch.
    „Gerne.“



    Reinhold mochte die Kaserne überhaupt nicht. Das lag nicht speziell an dieser hier, ihn schreckte einfach die kriegerische Atmosphäre dieser Einrichtungen enorm ab. Natürlich war ihm bewusst, in welch einem Widerspruch er lebte, waren es doch Leute, wie er, die die Truppen des Königs mit Waffen versorgten und damit das alles hier am Laufen hielt. Doch die Herstellung von Waffen lag ihm einfach im Blut. Zu sehr, um damit nicht seinen Lebensunterhalt zu verdienen, schließlich war die Arbeit eine ehrliche und gekonnt ausgeübt auch sehr ertragreich.
    Trotzdem legte er einiges an Tempo zu, als er die Treppe erreichte, die zu dem großen Gemäuer führte, das sich unweit des Marktplatzes an die Stadtmauer schmiegte. Auch im Innenhof verschwendete er keine Zeit, sich großartig umzusehen. Das Bild von Soldaten, die ihre Schwertkünste verfeinerter, oder mit Bogen und Armbrust auf Zielscheiben schossen, während die Ausbilder das ganze mit strengem Blick überwachten, bot sich hier jeden Tag. Reinhold allerdings fühlte sich hier mehr fehl am Platz, als ein Myrapla am Schmelzofen, weshalb er direkt nach links drehte, wo sich die Tür zum Kommandanten der Stadtwache befand. Wie praktisch, dass jene für Besucher immer offen stand. Nicht jeder Mann in dieser Position war zu zugänglich, wie Ullrich.
    Der Raum war durch die Tatsache, das es hier kein Fenster gab, sehr dunkel, woran sich Reinholds Augen auch erst einmal gewöhnen mussten. Blinzelnd lies er den Blick umher schweifen. Was die Einrichtung betraf, gab es hier nicht viel zu sehen, dass wusste er noch von seinem ersten Besuch hier, als er sich damals von Ullrich die Genehmigung für die Waffenanfertigung geholt hatte, die zusammen mit der, des Stadthalters nötig gewesen war, um seine Schmiede zu eröffnen. Also fokussierten seine Augen das Einzige hier, das er noch nicht gesehen hatte. In diesem Falle waren dies zwei Männer in auffällig edlen Rüstungen, vor denen der Kommandant gerade respektvoll den Kopf neigte. Erst im Anschluss an diese Geste bemerkte er den neuen Besucher.
    „Ah, hallo Reinhold.“, begann seine raue, gleichzeitig freundliche Stimme. Dann wandte er sich nochmals an einen der anderen Gäste.
    „Ich erkläre es ihm kurz, dann ziehe ich mich zurück, wenn das in Ordnung ist, Sir.“
    Ein Mann mit Vollbart und langem, schwarzen Haar nickte. Reinhold realisierte in diesem Moment, was für Leute da vor ihm standen. Was bei allen Meisterschmieden machten zwei Ritter hier in Toldus?

  • Hallo Feuerfliege,


    nun sind also die beiden Gesuchten unterwegs. Ich find's gut, dass nicht sofort, nachdem die Steckbriefe erstellt wurden, jemand auf sie zukommt und sie überfällt, aber das wird auf Dauer wohl auch mal passieren. Und wenn es nur ums große Geld geht. Jedenfalls mag ich das Kapitel als Ausgleich zum letzten, da es doch eher ruhig aufgebaut ist und die Gesellschaft noch näher beleuchtet. Auseinandersetzungen in und um Pubs wundern mich dabei kaum und dass du den Fausthieb zuerst ausgelassen und später kurz erwähnt hast, fand ich als Stilmittel ganz gut. Mit dem Absatz war schon abzusehen, dass sie irgendeine Taktik gefunden haben, allerdings macht es so auch einfach einen guten Übergang zur neuen Szenerie, auf die man sich als Leser auch erst noch einstellen muss. Mal sehen, was die beiden zu besprechen haben oder was sie noch planen werden; ich erwarte, dass etwas Ungeplantes eintreffen wird. Ob es vielleicht auch mit den beiden Rittern zu tun hat, die eingetroffen sind?
    Du schaffst es nach wie vor sehr gut, die Atmosphäre einzufangen und dieses Flair eines Fantasy-Mittelalters einzufangen. Das liest man echt gerne und ich bin gespannt, was du noch für Ideen in die Welt einbringst.


    Wir lesen uns!

  • Freut mich, dass du wieder da bist!


    Feuerfliege

    Woot? XD


    Ich find's gut, dass nicht sofort, nachdem die Steckbriefe erstellt wurden, jemand auf sie zukommt und sie überfällt, aber das wird auf Dauer wohl auch mal passieren

    Das passiert aus dem Grund nicht, da sie natürlich nun versuchen, solche Begegnungen zu vermeiden. Sie sind ja nicht dumm ;)  
    Diese Situation hat nämlich auch nicht den Zweck, direkt Kämpfe zu forcieren, sondern die Charaktere in eine Ecke zu treiben, aus der sie sich rausfuchsen müssen.


    Auseinandersetzungen in und um Pubs wundern mich dabei kaum und dass du den Fausthieb zuerst ausgelassen und später kurz erwähnt hast, fand ich als Stilmittel ganz gut.

    Der nervige Typ in oder vor der Kneipe. Kennt wohl jeder xD
    Kleine Zeitsprünge machen Spaß und machen den Text meiner Meinung nach schöner. Die Handlung wie an einer Kette durchzuziehen liegt mir nicht.


    Mal sehen, was die beiden zu besprechen haben oder was sie noch planen werden; ich erwarte, dass etwas Ungeplantes eintreffen wird. Ob es vielleicht auch mit den beiden Rittern zu tun hat, die eingetroffen sind?

    Ist denn bisher viel von dem, was passiert ist, geplant gewesen? :P  
    Cedric hatte ja schonmal angemerkt, dass er sich gerne mal mit Tristan austauschen würde. Schließlich weiß er nach wie vor annähernd garnichts über seinen Weggefährten.


    Du schaffst es nach wie vor sehr gut, die Atmosphäre einzufangen und dieses Flair eines Fantasy-Mittelalters einzufangen. Das liest man echt gerne und ich bin gespannt, was du noch für Ideen in die Welt einbringst.

    Ist bei mir wirklich in jeder Szene mit das oberste Ziel. Danke!

  • @MarieAntoinette @Sheogorath @Paya @Rusalka

    9: Warnsignale


    „Also, du bist schon einmal in diesem Stadtteil gewesen. Warum?“
    Bereits im Voraus hatte Cedric sich ein paar Fragen im Hinterkopf zurecht gelegt, die er an Tristan stellen wollte. Die soeben gestellte fiel ihm als erste wieder ein, da er zuvor keine Antwort auf sie erhalten hatte.
    „Ich muss auch mein Geld verdienen.“, sich rechtfertigend zuckte er mit den Schultern.
    „Und da ich keine feste Arbeit habe, biete ich meine Dienste an, wo es mir eben möglich ist.“
    „Also ein Söldner?“, fasste er die Umschreibung zusammen. Tristan nahm einen Schluck Bier und verzog leicht das Gesicht.
    „Ich mag das Wort nicht. Als Söldner kann jeder abgerissene Prügelknabe arbeiten. Ich bezeichne mich eher als qualifiziertes Hilfspersonal.“
    Hatte er sich das von einem Dichter ausdenken lassen? Cedric hob eine Braue, Tristan sah ihn unschuldig an, untermauerte die Aufrichtigkeit seiner Worte mit seinem standhaften Blick. Also doch kein Witz.
    „Jedenfalls hatte die Miliz Probleme mit einem gesuchten Verbrecher, der es auf die wohlhabenden Bürger abgesehen hatte. Da sich sein Versteck im Problemviertel befand, kamen sie nicht an ihn ran, da sie ihn auch nie bei seinen Einbrüchen zu fassen bekamen. Also habe ich bei Kommandanten der Kaserne meine Hilfe angeboten, gegen entsprechende Bezahlung natürlich.“
    Während Cedric interessiert zuhörte und trank, konnte sich sein Verstand schon ausmalen, auf welch unglückliche Situation das ganze hinaus lief.
    „Ich hatte den Vorteil, einen Partner wie Maros einsetzen zu können. Er hat ihn in der Nacht ausfindig gemacht, als er in das Haus eines dieser edlen Händler eingestiegen ist. Dort wollte ich ihn stellen.“
    Eine kurze Pause folgte. Cedric hatte sich unbewusst, aber dennoch mit ruhiger Miene immer weiter nach vorne über den Tisch gebeugt und reckte nun den Kopf in Tristans Richtung.
    „Und dann?“
    Er kratzte sich am Hinterkopf. Leicht verlegen mit gesenktem Haupt.
    „Ist echt knapp gewesen. Kann sein, dass er mich getötet hätte, wenn Maros nicht dazu gekommen wäre. Wie eine Wilder ist er durch die Fensterscheibe herein geschossen und sofort zum Angriff übergegangen. Nur hat seine Finsteraura damals den ganzen Laden vollständig zerstört.“
    Etwas in der Richtung hatte Cedric bereits erwartet. Er musste zugeben, dass ihn der Gedanke leicht erschaudern lies, dass dieser professionelle Einbrecher scheinbar im Kampf besser gewesen war als Tristan, dessen Fähigkeiten er ja bereits zu sehen bekam.
    „Und die Soldaten kriegen das Gejammer der einflussreichen Bürger ab, da sie dich mit der Aufgabe betraut hatten.“, vervollständigte Cedric die Geschichte. Ein Nicken.
    Blöde Situation, keine Frage, doch nun verstand er es besser.
    Noch allzu gut erinnerte er sich daran, wie sich die Torwache benommen hatte, im Angesicht Tristans und seines Pokémons. Also war sein Verhalten begründet gewesen, anstatt vor Paranoia und Vorurteilen diesen Wesen gegenüber.
    „Was ist dann passiert?“
    Tristan lehnte sich zurück.
    „Ein Teil meiner Belohnung wurde mir dafür abgezogen, damit war die Sache für den Kommandanten gegessen. Ein paar seiner Leute wollen mich deshalb aber anscheinend nicht mehr hier haben. Wahrscheinlich denken sie, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis wieder was ähnliches passiert.“
    Womit nun ein Großteil von Cedrics Fragen geklärt wäre. Irgendwie fühlte es sich besser an, den Standpunkt der Wachen zu kennen und einigermaßen nachvollziehen zu können, auch wenn ihre Aktionen übertrieben waren. Und was ihn betraf...
    „Ich glaube ich muss mich bei dir entschuldigen.“
    Das schwache Lächeln in Tristans Gesicht verschwand und wich einer ernsten Miene. Cedric verstand jedoch zunächst nicht.
    „Wie jetzt?“
    „Weil du in Begleitung mit mir, einem Typen, der sich hier schon reichlich Ärger eingehandelt hat, unterwegs warst, bist du jetzt auch auf der schwarzen Liste. Bestimmt haben die dich direkt mit mir in einen Topf geschmissen.“
    Eine solche Entschuldigung passte nun überhaupt nicht zu der offenen, leicht frechen Art des Schwarzgekleideten.
    „Ich hab' den Kerl angegriffen. Und ich benötige niemanden, der meine Taten auf sich nimmt.“
    Cedirc bemühte sich, sich nicht allzu sehr zu empören, doch zu glauben, dass er ihn jetzt vielleicht noch auf diese Weise in Schutz nehmen musste, reizte ihn irgenswie. Cedric tat selten etwas unüberlegtes und wusste, dass Verantwortung für seine Taten auch ein Teil des Wortes 'Stolz' war.
    „Tja, dann sind wir wohl in gewisser Weise Partner.“, grinste Tristan.
    Geteiltes Leid ist halbes Leid. Das sagten zumeist die Leute, die dieses Leid nicht selbst betraf, doch Cedric musste sich selbst eingestehen, dass es sich gut anfühlte, neben Komura auch einen Menschen zu haben, der ihm zur Seite stand. Mit diesem beruhigenden Gefühl im Bauch erhob er seinen Bierkrug.
    „Ich trinke auf meinen Leidensgenossen.“, sagte er in scherzhaften Ton.
    „So, wie ich auch.“
    Nach einem kräftigen Anstoß tranken beide ihr Bier restlos aus, stellten die Krüge geräuschvoll wieder auf den Tisch und lächelten einander kameradschaftlich an.



    Der angebrochene Mittag verging ungewöhnlich langsam angesichts der wachsenden Freude, die Cedric aus Gründen, die ihm selbst nicht ganz klar waren, empfand. Doch auch wenn Tristan und er im Augenblick von der Miliz gesuchte Verbrecher waren, fühlte er ohne Zweifel Optimismus in sich aufsteigen, welcher ihm zuzuflüstern schien, alles würde sich zum guten wenden. Und das zu seiner Verwunderung nur, indem er sich mit ihm sprach, trank und ihn besser kennen lernte. Gestern Abend, als er von den beiden Steckbriefen erfahren hatte, war ihm seine Zuversicht, gar schon der Wille, sein Leben endlich in den Griff zu bekommen, scheinbar gänzlich verflogen. Doch da war zu seinem Glück dieser hilfsbereite Kerl, der das alles mit ihm durchstehen wollte und ihm die Gewissheit gab, dass es schon irgendwie gut ausgehen würde. Bis gestern noch hatte Cedric nur widerwillig und gezwungener Maßen Städte aufgesucht und die Einsamkeit in der Wildnis mit Komura genossen. Im Augenblick jedoch fühlte er sich trotz der Umstände ziemlich wohl in seiner Haut.
    „Na toll.“
    Tristan, der gerade den kompletten Raum leicht geistesabwesend beobachtet hatte, verlor mit einem Schlag seinen unbekümmerten Gesichtsausdruck und lies den Kopf sinken. Als Cedrics Augen in jene Richtung wanderten, blieb ihm einen Moment lang der Atem weg. Von all den Menschen, die in diesem Stadtteil lebten, hätte er nicht gedacht, so jemanden erblicken zu können.
    Der helle, weiße Stoff stach sofort ins Auge und war sicher für die meisten Menschen so ziemlich das Letzte, das sie sich in so einer Gegend anziehen würden. Noch auffälliger hätte sie nur sein können, wäre sie brennend in die Kneipe eingetreten, oder nackt.
    Cedrics Augen betrachteten einen makellosen weiblichen Körper, dessen elegante Form durch das schneeweiße Gewand stark zur Geltung kam. Oberkörper und Hüfte wurden durch den offenbar sehr dicken Stoff undurchsichtig bedeckt, Bauch und Beine zeigte sie hingegen der Öffentlichkeit. Ihr Schuhwerk bestand dagegen aus engen, schwarzen Stiefeln. Was er nicht erkennen konnte, war ihr Gesicht, welches durch einen Schleier verdeckt wurde. Schon seltsam, sich so auffällig zu kleiden und dann das Gesicht zu verbergen.
    Die Blicke der Anwesenden gekonnt ignorierend, ging sie zielstrebig zu einem runden, kleinen Tisch an der Wand, unweit von ihm und Tristan entfernt. Als sie sich setzte und Cedric den Rücken zuwendete, sah er ihr glattes, dunkelbraunes Haar, welches fast bis an ihre Taille reichte. Zur Seite gedrängt wurde die Haarpracht durch zwei Katana – Griffe und Schwertscheiden beide in Schwarz – die sie überkreuzt an ihrem Rücken trug. Trotz des spärlichen Lichtes, erkannte er ein kleines, lilafarbenes Band, das sie mit einer Schleife um einen der Griffe gebunden hatte.
    „Hey Cedric, ich will jetzt nicht panisch werden, aber ich rate dir, sie nicht anzustarren.“ Cedric gab nichts auf diese Aussage zurück.
    „Wer ist sie?“
    „Dein Tod wenn du dich nicht von ihr fern hältst.“ Tristan hatte sich weit zu ihm rüber gelehnt damit diese Worte für die Frau ungehört blieben. Doch auch im Flüsterton blieb er sehr eindringlich.
    „Das Weib ist ein echter Drache, wobei es mir doch lieber gewesen wäre, wenn so einer an ihrer Stelle hier aufgetaucht wäre.“
    „Und warum?“
    „Weil es immer Ärger gibt, wo sie aufkreuzt. Die war schon in Sachen verwickelt, dagegen ist unsere Situation mit den Steckbriefen eher harmlos.“
    Cedric erlaubte sich einen weiteren Blick in Richtung der Frau, die nicht nur seine Anwesenheit, sondern auch die der anderen Gäste gezielt zu ignorieren schien. Er wandte sich wieder Tristan zu.
    „Und läuft trotzdem noch frei herum?“ Der Tonfall war schon fast spöttisch.
    „Glaube mir, im Gefängnis wäre sie mir lieber. Ich denke mal, dass sie aus einem ähnlichen Grund in diesem Stadtteil ist, wie wir.“
    Cedric war sich unsicher, was er davon halten sollte. Wieder sah er zu ihr herüber.
    Diese Frau konnte er sich nur äußerst schwer als das vorstellen, was Tristan ihm beschrieb. Sie war bewaffnet, nicht sehr ungewöhnlich, obwohl man Schwertkämpferinnen eher selten zu Gesicht bekam. Anzeichen eines bevorstehenden Blutbades gab es ebenfalls keine. Und dann war ihr Anblick noch so schön.
    Cedric erhob sich von seinem Platz, ohne Tristan anzusehen.
    „Ich geh zu ihr rüber.“
    „Hä?“
    „Ich will mal mit ihr sprechen.“
    Tristan sah ihn an, als würde er mit einem Geisteskranken reden, fasste sich aber wieder.
    „Verstehe. Du kannst es dir sparen. Auch wenn sie hübsch ist, ihr Charakter ist völlig anders. Die beißt ihn dir ab, also schlag dir das aus dem Kopf.“
    „Unfug, ich will...“.
    Cedric entschied sich, die Worte lieber stecken bleiben zu lassen und einfach rüber zu gehen. Tristan hatte da ganz offensichtlich total falsche Absichten in ihm erkannt. Ihm das jetzt zu erklären schien Cedric weitaus aufwendiger, als es zu ignorieren und die junge Frau anzusprechen.
    Nur ein paar Schritte später nahm er am Tisch der in Weiß Gekleideten Platz, ohne sich vorher die Erlaubnis dafür zu sichern. Wahrscheinlich hätte sie abgelehnt, doch er wollte gerne etwas ausprobieren. Eine Flasche dunkelroten Wein in der Hand, wandte sie nur sehr leicht den Kopf in seine Richtung, das Gesicht immer noch verdeckt.
    „Ja?“, fragte sie. Ihre Stimme war etwas tiefer, als er erwartet hatte. Vermutlich gab sie sich zusätzlich Mühe, gefährlich zu klingen.
    Cedric hatte ein nettes Lächeln aufgesetzt und beugte sich mit auf dem Tisch verschränkten Armen zu ihr, darauf bedacht, sie durch seine Nähe nicht zu sehr zu bedrängen.
    „Zeig mir doch mal bitte dein Gesicht.“
    Zuerst reagierte sie nicht. Dann hob sie ihre Flasche und legte zum trinken den Kopf in den Nacken. Zwei große, dunkelbraune Augen, die ihn neugierig musterten, stachen für einen kurzen Moment unter ihrem Schleier hervor.
    „Ich erinnere mich nicht, dass wir uns schonmal getroffen haben. Normalerweise gehört es sich, sich vorzustellen, bevor man fremden Menschen eine Bitte stellt.“, sprach sie schließlich.
    „Genauso gehört es sich, den Leuten sein Gesicht zu offenbaren, um zu zeigen wer du bist und dass man nichts zu verbergen hat.“
    Ihr Mund formte so etwas Ähnliches, wie ein Schmunzeln und sie schob ihre Kopfbedeckung mit den Fingern nach hinten.
    „Scheint, als wüssten wir beide, wie man sich vorbildlich benimmt, tun es aber dennoch nicht.“
    Wie Cedric es vermutet hatte, sprach sie nun mit ihrer normalen Stimme. Heller, weicher als zuvor sprach sie nun ihre Worte aus. Ihr Gesicht wirkte unschuldig und aufrichtig. Der etwas wilde, ungleichmäßige Haarschnitt verlieh ihrem Antlitz einen Hauch Verspieltheit. Cedric merkte zuerst nicht, das er sie für einen Augenblick stumm anstarrte, fing sich aber, bevor sie es ansprechen konnte.
    „D-Du machst auf mich nicht den gewalttätigen Eindruck, wie offenbar auf Andere.“
    „Bitte?“
    „Naja, es gibt scheinbar Leute, die dich als allzeit lebensbedrohlich einschätzen, oder so.“
    Cedric merkte kaum, wie sein Blick hinüber zu Tristan wanderte, der ihn gerade mit offenen Mund anstarrte und eine fassungslos die Arme ausbreitete. Unweigerlich drehte sich die Frau um und folgte seinem Blick. Als ihre Augen und Tristans aufeinander trafen, erstarrte dieser für einen Moment, drehte sich schnell zur Seite und tat so, als würde er keinerlei Kenntnis von ihr nehmen.
    „Verstehe.“
    Sie wandte sich wieder Cedric zu.
    „Und weiter?“
    „Wie weiter?“ Cedric merkte, dass sie nicht im geringsten widersprochen hatte.
    „Was willst du jetzt von mir?“
    „Ich...“, unsicher, wie er auf diese Frage antworten sollte kratzte Cedric sich am Hals und biss sich auf die Unterlippe. Hatte er denn eine Antwort darauf? Im Grunde wusste er selbst nicht, warum er sich an ihren Tisch gesetzt hatte.
    „Naja, ich hätte hier nicht eine so schöne Frau erwartet und dachte mir...“
    Bevor Cedric aussprechen könnte, verfinsterte sich ihr Blick drastisch.
    „Du...“
    Mit flinker Hand hatte sie eines ihrer Katana blitzschnell gezogen und auf ihn gerichtet. Nur Zentimeter war die Klinge von seinem Hals entfernt. Sie selbst rückte ebenfalls näher heran und sprach gerade so laut, dass nur er ihre Worte hören konnte.
    „Schlag dir aus dem Kopf, was auch immer du dir mit mir vorgestellt hast.“
    Cedric bewahrte nach Möglichkeit seine Ruhe.
    „Falsch. Das hast du jetzt ganz falsch verstanden, glaub mir.“ Beschwichtigend hob er den rechten Arm in ihre Richtung. Bevor sie etwas erwidern konnte, erregte eine schnelle Bewegung in ihrem Augenwinkel ihre Aufmerksamkeit. Als sie sich hastig zur Seite wandte, stand ihr auch schon ein wütend knurrendes Tornupto mit entzündetem Flammenkragen gegenüber.
    Nun gab Cedric seinem Partner per Handzeichen, die Anweisung, sich zurück zu halten.
    „Halt!“
    'Jetzt bloß keine Eskalation!', dachte er, doch Komura hielt glücklicherweise inne.
    Die Frau schaute nun erstmals ziemlich verwundert. Neugierig musterten ihre Augen das mannsgroße Feuerpokémon, blickte dann Cedric an und schließlich wieder Komura.
    „Er gehört zu dir?“
    „Ja, schon ziemlich lange.“
    Daraufhin schien sie intensiv über etwas nachzudenken. Grund für diese Annahme waren ihr Schweigen und ihre sich schnell hin und her bewegenden Augen. Aus dem leichten Anheben ihrer Augenbraue entzifferte er, dass ihr wohl etwas in den Sinn gekommen war. Als sie ihr Schwert zurück steckte, entspannte sich auf einen Schlag die Atmosphäre. Erst jetzt sah Cedric, dass es das Schwert mit dem lila Band gewesen ist. Langsam verstand er auch, wie Tristans Ansicht zu dieser Frau entstanden sein mag.
    „Gib gut auf ihn acht.“ wies sie an und nickte in Komuras Richtung, was Cedrics Neugier weckte.
    „Nicht, dass ich etwas anderes vor hatte, aber warum kümmert es dich?“
    Sie schwieg zunächst, starrte nur das Feuerpokémon neben sich an, das sich mittlerweile ebenfalls beruhigt und an Cedrics Seite Platz genommen hatte. Es fixierte die Braunhaarige mit scharfem Blick.
    „Ich mag ihn.“ Sie lächelte. „Er steht dir so treu zur Seite.“
    Cedric kam zu der Annahme, sie sei mit Sicherheit ebenfalls im Kontakt mit einem Pokémon, oder war es wenigstens einmal, denn niemand anderes hatte bis jetzt so von seinem Begleiter gesprochen. Diese innere Zufriedenheit, die er nun verspürte, wollte ihn das Gespräch rasch beenden lassen. Fürs Erste jedenfalls, konnte er sich ein Bild von ihr machen, hatte somit bekommen, was er wollte und erhob sich.
    „Du bist eine interessante Person. Wenn du nicht vorhast, die Stadt demnächst zu verlassen, sehen wir uns sicher nochmal.“
    Sie nickte nur mit neutralem Gesicht und zog sich ihren Schleier wieder über den Kopf.
    Eine Sache musste er natürlich noch sagen, bevor er ging.
    „Und mein Name ist Cedric.“
    Sie blickte kaum auf.
    „Remilia.“
    Ein Lächeln zierte das Gesicht des Waldläufers, doch als er sich gerade abwenden wollte, packte sie sein rechtes Handgelenk und zog ihn nahe an sich heran.
    „Hüte dich vor deinem Freund, da hinten am Tisch.“, flüsterte sie, ohne ihn anzusehen.
    Stirn runzelnd schaute Cedric zu Tristan hinüber, der ihn kurz ansah, als er zu merken schien, dass ein Augenpaar auf ihm ruhte. Mit aufgestütztem Kopf und säuerlichem Gesicht wich er Cedircs Blick jedoch gleich wieder aus. Was hatte das nun zu bedeuten?
    „Wenn du nicht aufpasst, bringt der dich mächtig in Schwierigkeiten.“, fügte sie noch leiser hinzu – wahrscheinlich hatte nichtmal Komura diese Worte gehört - und lies ihn dann von sich, ohne eine Antwort abzuwarten.
    Den Weg zurück zu seinem Tisch konnte Cedric nicht gehen, ohne sich noch ein- zweimal zu ihr umzudrehen, doch Remilia zeigte ihm stur den Rücken. Tristan erwartete ihn mit gespanntem Blick.
    „Was ist los?“
    Einen Moment lang überlegte Cedric, wie ehrlich er auf diese Frage antworten sollte. Aber was sagte man in einer Situation, in der zwei Menschen ihn vor dem jeweils anderem warnen wollten. War er umgeben von Feinden? Direkt zwischen zwei Fronten geraten, die ihn auf ihre Seite zerren wollte, um den Widersacher auszustechen?
    Vorstellen konnte er es sich allemal. Direkt, nachdem er sie erspäht hatte, hatte Tristan ihn mit Warnungen überschüttet, sich von Remilia fernzuhalten. Cedric hatte sie ignoriert. Dies hatte er jedoch nicht getan, da er ihm misstraute, denn sein Vertrauen hatte Tristan sich mittlerweile ehrlich verdient. Eher war es aus einer Laune heraus gewesen. Unbekümmertheit und Optimismus waren für ihn derzeit so deutlich spürbar, wie schon seit Jahren nicht mehr, dank Tristans Hilfsbereitschaft. So war er weniger zurückhaltend, empfand einen gewissen Reiz, Sachen auszuprobieren, die er sonst nicht tun würde, auch wenn das Ansprechen einer gut aussehenden Frau in der Kneipe jetzt keine außergewöhnliche Bedeutung hatte. War dies sein Fehler? Und müsste das nicht gleichzeitig darauf schließen, dass er Remilias Warnung ebenso ignorieren sollte, wie Tristans? Wie viel wusste er denn schon von dieser Frau, als dass er ihr glauben schenken konnte. Ihren Worten mehr Bedeutung zuzuordnen, als denen seines Freundes – er mochte es immer noch kaum glauben, dass er jemand anderes, als Komura als Freund bezeichnete – wäre doch eine absolute Dummheit. Oder nicht?
    Erst nach ein paar Momenten des Schweigen, konnte Cedric eine Antwort formulieren.
    „Wir sollten gehen.“

  • Hallo Firefly,


    endlich geht es weiter und es ist ganz interessant zu erfahren, wie es Tristan bisher so in der Stadt ergangen ist. Ich hatte zwar kurzzeitig überlegt, wer nochmal Maros war, aber als du die Finsteraura erwähnt hast, wusste ich wieder, dass es sich um Nachtara handelt. Auf jeden Fall hat man es als Söldner ja nicht leicht, da man ihnen schon von vornherein eine gewisse Prise Vertrauen entgegen bringen muss und da natürlich jeder Handgriff sitzen sollte, um alles zur Zufriedenheit zu erfüllen. Daher ist der Grund, Tristan nachzustellen, auch recht nachvollziehbar, auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass das alles sein soll. Pokémon gelten immerhin nach wie vor als recht umstritten und ich denke, dass auch das mit reinspielen wird.
    Umso interessanter ist dann natürlich die Begegnung mit Remilia. Mit der angespannten Atmosphäre in der Kneipe und dem stilvollen Auftreten hast du eine tolle Einleitung dazu geschrieben. Selbiges gilt wohl für die Szene, als sich Cedric vorstellen will und ihm die Worte fehlen, womit er das Gespräch lenken kann. Es erinnert an so manche echte Begebenheit, wo das ebenfalls passieren kann. Jedenfalls sollte es ja nicht nur bei einem kleinen Plausch bleiben. Dass Cedric nun von zwei Seiten vor dem jeweils anderen gewarnt wird, lässt natürlich die Frage offen, ob er in dieser Stadt überhaupt jemandem vertrauen kann. Schließlich ist jeder ein Unbekannter und diese Komponente hast du auch gut eingefügt; oft wird das nämlich einfach vergessen und dadurch ist auch die Vertrauensgrundlage von vornherein eine andere. Mal sehen, wem Cedric am Ende wirklich vertrauen kann und ob nicht vielleicht doch alle zusammenfinden. Wundern würde es mich nicht.


    Wir lesen uns!

  • Hi Rusalka,
    ja, das Kapitel hat seine Zeit gebraucht, aber du lässt mich echt nie lange warten. Ist ja fast ja unfair von mir xD


    Ich hatte zwar kurzzeitig überlegt, wer nochmal Maros war, aber als du die Finsteraura erwähnt hast, wusste ich wieder, dass es sich um Nachtara handelt. Auf jeden Fall hat man es als Söldner ja nicht leicht, da man ihnen schon von vornherein eine gewisse Prise Vertrauen entgegen bringen muss

    Mir ist das bei anderen FF's auch schon passiert. Blöde individuelle Namen.^^ Niemand hat es leicht auf der Welt. Nicht nur Cedric, sondern auch andere haben ihre Probleme und Sorgen. Doch die habe ich in Wahrheit noch lange nicht enthüllt. Schließlich wird die Vergangenheit der Chraktere natürlich nicht sofort erzählt.



    Umso interessanter ist dann natürlich die Begegnung mit Remilia. Mit der angespannten Atmosphäre in der Kneipe und dem stilvollen Auftreten hast du eine tolle Einleitung dazu geschrieben. Selbiges gilt wohl für die Szene, als sich Cedric vorstellen will und ihm die Worte fehlen, womit er das Gespräch lenken kann. Es erinnert an so manche echte Begebenheit, wo das ebenfalls passieren kann.

    Eben! Gerade weil wohl fast jeder diese Momente kennt, fiel es mir auch so leicht, diesen Dialog niederzuschreiben. Generell habe ich immer besonders viel Spaß, wenn ich zu neuen Charakteren komme. Was ein Glück an dieser Stelle, dass der nächste nicht lange auf sich warten lies ;)



    Dass Cedric nun von zwei Seiten vor dem jeweils anderen gewarnt wird, lässt natürlich die Frage offen, ob er in dieser Stadt überhaupt jemandem vertrauen kann. Schließlich ist jeder ein Unbekannter und diese Komponente hast du auch gut eingefügt

    Danke. Ich wusste vorher nicht, wie viel Spaß es machen kann, Leser im unklaren zu lassen. Die Vertrauensfrage wird sich noch ziehen, zugegebenermaßen auch zwischenzeitlich mal beiseite gelegt werden. Dafür gibts dann zur Abwechslung mal richtig was auf die Fresse ;)


    Man liest sich.

  • Also ich "schneuke" hier mal rein.. Ich hab dein Topic durch die Feedbackkette gefunden. Die dortige kurze Beschreibung hat mich gleich überrascht. Pokémon im Mittelalter. Warum habe ich noch nie daran gedacht??


    Ich werde mir mal Zeit nehmen müssen um mit den ganzen Kapiteln hinterherzukommen. Du hast ja schon einiges geschrieben!


    Zum Prolog:


    Mir gefällt die detailreiche Beschreibung der Figuren sowie deren Aktionen. NErvosität oder Unruhe, du kannst die Emotionen der Charaktere sehr gut übertragen.
    Auch gefällt mir deine Wortwahl. Natürlich hat das auch mit deinem Alter und der dementsprechenden Reife zu tun, aber sie passt sehr gut zum Setting und zu meinem Geschmack :P
    Der Prolog ist eine schöne Eiinführung in die Welt und vor allem der Abschluss weckt Neugierde in mir. Sie fürchten sich vor einem Mädchen? Da es eine Pokemon FF ist, welche Pokemon besitzt sie wohl? Besitzt sie überhaupt welche?


    Ich bin gespannt auf die nächsten Kapitel :D

  • @MarieAntoinette @Sheogorath @Paya @Rusalka
    @southheart dir gebe ich erst mal die Gelegenheit, aufzuschließen :)  



    10: Gnadenlos



    „Halt...Cedric...hey, jetzt bleibt doch mal hier.“
    Tristan lies sich nicht einfach abweisen und packte Cedric nun wiederholt, dieses Mal nur sehr viel kräftiger, am Handgelenk. Widerwillig lies sich der Waldläufer aufhalten und betrachtete ihn nur aus nüchternen Augen. Tristan schien einen Moment lang etwas in ihnen zu suchen, seufzte allerdings nur nach ein paar stillen Sekunden und erhob sich ebenfalls.
    „Ich sagte dir doch, du sollst nicht zu ihr rüber gehen.“, belehrte er ihn, schien sich einzubilden, eine Ahnung zu haben, was Remilia zu Cedric gesagt haben könnte.
    „Eine unangenehme Zeitgenossin, nicht wahr?“
    Cedric ignorierte Tristans Kommentar, schwieg auch für ein paar weitere Momente, was dazu führte, dass die Beiden mitsamt ihren Pokémon stumm im Raum standen. Ein weiterer, kurzer Blick über die Schulter verriet, dass Remilia ihnen immer noch den Rücken kehrte. Gar mochte man von ihr den Eindruck haben, noch überhaupt keine Kenntnis von den Zwei genommen zu haben. Cedric entfuhr ein Schnauben, ehe er sich letztendlich Tristan zuwandte.
    „Ich kann dir versichern, wir haben sehr unterschiedliche Ansichten von ihr. Aber sie hat mich zum Nachdenken gebracht.“
    „Nachdenken worüber?“
    Keine Antwort. Cedric hatte nicht die geringste Ahnung, wie viel Gewicht er den Worten Remilias geben sollte, für den Fall aber, dass er sich vor Tristan tatsächlich in Acht nehmen musste, hatte er mit bedrohlichem Unterton eine Warnung andeuten wollten. Ohne Ergebnis, entweder war Tristan wirklich harmlos, oder konnte wahnsinnig überzeugend den Unschuldigen spielen. Verflixtes Dilemma.
    Mit ihren Pokémon im Schlepptau steuerten sie nun auf den Ausgang zu. Doch noch bevor sie die Kneipe durchquert hatten, geschah etwas unerwartetes.
    Ein Knall ertönte ob des wuchtigen Einschlages. Holz krachte, zersplitterte laut und alle Anwesenden schreckten auf. Die ruhige Atmosphäre war in Sekundenbruchteilen zerstört worden und ein Raunen ging durch die gesamte Gästeschaft, während jedes Augenpaar auf dem Mann ruhte, der gerade eben durch die Holztür geflogen war. Cedric erkannte ihn sofort als den grimmigen Türsteher, der ihnen zuvor den Weg nicht hatte frei machen wollen. Ein anderer Besucher schien weniger zurückhalten mit roher Gewalt an ihm vorbei zu wollen. Für ihn offenbar ein sehr unglücklicher Tag.
    Lange betrachtete er den Mann am Boden allerdings nicht, da der offensichtliche Verursacher dieses Aufruhrs eintrat. Er bemerkte noch, wie Komura sich an die Seite seines Herren gesellte, bereit, jeden potentiellen Feind zu attackieren.
    Für den ersten Moment rechnete Cedric mit einem wahrscheinlich groß gebautem, kräftigen Unruhestifter, dem ebenfalls der Zutritt zur Kneipe verwehrt werden sollte und darüber nicht erfreut war. Jedenfalls war dieser Gedanke naheliegender , als das, was Cedric gerade tatsächlich sah.
    Er selbst wurde mit seinen 19 Jahren von den meisten alten Leuten immer noch ein Junge genannt. Die eintretende Person war - das sah man schon auf den ersten Blick – definitiv jünger als er. Dementsprechend fassungslos war sein Blick, angesichts der Tatsache, dass sie in prächtiger Rüstung gekleidet war, die so gut poliert war, dass man selbst bei dem etwas spärlichem Licht die Details erkennen konnte. Der glänzend saubere Stahl war elegant verarbeitet und mit anmutigen Gravuren versehen. Am Oberkörper besaß die Panzerung keinerlei Lücken, Arme Beine dagegen schützte sie nur an der Vorderseite, wodurch die Beweglichkeit wohl gewahrt werden sollte. Darunter erkannte er dickes, schwarzes Leder. Ein Blickfang waren auch die Schulterplatten, die mit gewellt hervorstehenden Spitzen entfernt an Flammen erinnerten und ebenfalls von Gravuren geziert wurde. Eine meisterliche Schmiedearbeit wie diese, sah Cedric zum ersten Mal.
    Einen Helm trug die Person nicht, so konnte man klar das kantige Gesicht mit dem grimmigen Blick sehen. Die Haare waren kurz, dunkelblond und etwas zerzaust. Spontan schätzte Cedric ihn auf höchstens 18 Jahre, vielleicht sogar weniger. Konnte das dennoch wirklich ein Ritter sein? Was sollte solch eine Persönlichkeit hier zu suchen haben? Gab es jetzt etwa noch mehr Schwierigkeiten?
    Beim Eintreten – den Mann am Boden lies er relativ unbeachtet – kniff er ein paar Mal die Augen fest zusammen, musste sich offensichtlich an die schwache Beleuchtung hier drinnen gewöhnen. Er allerdings kam nicht dazu, die Stille mit seinem Wort zu brechen. Das übernahm just in diesem Moment Tristan.
    „Kecigor?!“
    Während Cedric gerade ungläubig abschätzte, ob er sich verhört hatte, sah der Angesprochene prompt auf und schien in Tristan ein bekanntes Gesicht zu finden.
    „Mir war klar, dass ich dir hier irgendwo finde.“, sein Ton war irgendwie mürrisch, jedenfalls nicht unbedingt erfreut, wie Cedric fand. Tristan ignorierte dies und ging auf diesen Kecigor zu. Eine kameradschaftliche Geste zur Begrüßung blieb aus. Stattdessen sah Tristan auf den niedergeschlagenen Türsteher hinab, der sich nur schwach und sichtlich unter Schmerz rührte.
    „Was hast du denn mit dem gemacht?“
    „Tse, der wird in Zukunft wissen, wie er mit mir zu reden hat.“, war alles, was er sagte.
    „Verstehe, hör mal, die ich will dir jemanden vorstellen.“
    Er wandte sich um.
    „Hey Cedric, komm mal her, anstatt so geistlos zu starren.“, lächelte er.
    Zunächst kam er der Aufforderung nicht nach. Nicht, ehe er die Frage stellen konnte, die ihm auf der Zunge brannte.
    „Was für Leute kennst du denn?“
    Vorsichtig lugte Cedric um die Mauer des alten Hauses, den Körper gerade so gegen selbige gedrückt, um nicht zu sehr aufzufallen und somit die Aufmerksamkeit vorbei trottender Menschen auf sich zu ziehen. Niemand schien sie beachtet zu haben, als das Trio mitsamt der zwei Pokémon aus der Kneipe herausgetreten und direkt in eine Seitengasse abgebogen war, um dem allgemeinen Trubel zu entgehen. Dass in einer solchen Gegend niemand diesen Ritter ins Visier genommen haben sollte, hielt er für sehr unwahrscheinlich, doch niemand schien ihnen Beachtung geschenkt zu haben. Trotzdem wollte er weiterhin vorsichtig bleiben, solche Gegenden waren unberechenbar. Misstrauisch grübelnd drehte Cedric sich letztendlich von der Wand weg und widmete sich Tristan und dessen Bekannten.
    „Kein schöner Ort, um sich kennen zu lernen, aber darüber müssen wir wohl hinweg sehen.“
    Tristan, der mit verschränkten Armen abwartend an der Wand gelehnt hatte, machte Anstalten, den Ritter vorzustellen, der dies jedoch rasch selbst übernahm.
    „Nun denn, ich bin Kecigor, Ordensritter der Flamme.“
    Mit gestraffter Haltung und ernstem Gesicht salutierte er vor ihm, indem er seine Faust auf den Brustkorb schlug.
    „Es freut mich, deine Bekanntschaft zu machen, Freund von Tristan.“, und ihm anschließend die Hand hinhielt.
    Cedric lächelte amüsiert, schaut kurz zu Tristan rüber, der nur eine Augenbraue hob. Den Händedruck – der Kerl hatte gewaltige Kraft – erwiderte er dann ohne weiteres Zögern.
    „Ganz meinerseits, aber Cedric reicht vollkommen aus.“
    „Ich hätte nie gedacht, dich hier zu treffen, warum bist du hier?“, mischte sich Tristan wieder ein.
    „Ich bin nicht allein in die Stadt gekommen.“
    Tristans Augen wurden groß.
    „Hast du ihn etwa mit hergeb...“
    „Einer unserer erfahreneren Ritter spricht gerade mit dem Kommandanten der Miliz. Mit ihm bin ich hergekommen.“, unterbrach er ihn. Eine Antwort von Tristan bahnte sich an, doch vorerst fuhr Kecigor mit nun viel ernsterem Gesicht fort.
    „Dort in der Kaserne habe ich eure Steckbriefe gesehen.“
    Mit einem Mal war Cedric höchst alarmiert. Verfluchter Dreck. War der etwa hier, um die Beiden in den Knast zu befördern? Rasch zog er sich einen Schritt zurück, die Hand schon am Schwertgriff und Komura ebenfalls in Angriffsbereitschaft.
    „Lass das sein.“, gab ihm Kecigor in seiner autoritären Haltung zu wissen. „Ich habe nicht vor, euch festzunehmen.“
    Cedric hielt inne, entschied sich aber, seine Hand noch nicht von dem Griff zu entfernen.
    „Sondern?“
    „Ich habe vom Kommandanten erfahren, was in etwa passiert ist. Ihr werdet mit mir zur Kaserne kommen und die Chance kriegen, ihn davon zu überzeugen, dass ihr kein Verbrechen begangen habt.“
    Er hob eine Augenbraue.
    „Sofern das denn der Fall ist.“
    Cedric fiel auf, dass er nicht nur ihn, sondern auch Tristan mit scharfen Augen musterte.
    „Dass du mir nicht traust, verstehe ich, aber ich dachte ihm gegenüber sei das anders.“, sagte Cedric mit einem Nicken in Tristans Richtung.
    „Ich traue ihm.“, antwortete er ohne Wimpernzucken, „Aber wenn er diesmal doch einen Fehler begangen und das Gesetz gebrochen hat, bin ich nicht sein Freund, sondern der Mann, der ihn zur Verantwortung ziehen wird.“
    Er sah zum Schwarzgekleideten hinüber.
    „Und das weiß er auch.“
    „Dann haben wir nicht viel zu befürchten.“, sagte Tristan heiter. Er war mit einem Mal in Aufbruchstimmung. Auch Cedric hatte keine Einwände mehr und folgte Kecigor, der die Gruppe nun stumm anführte. Seine Augen blieben einen Moment lang an der riesigen, schwarzen Schwertscheide, die er am Rücken trug, hängen. Wie er so über den Ritter nachdachte, kam er nicht drum herum, erstaunt von seiner Einstellung zu sein. Sich seinen Rang in diesen jungen Jahren zu erarbeiten, war schon eine besondere Leistung. Doch sein Pflichtbewusstsein gegenüber dem Gesetz hatte noch mehr Priorität, als seine Freundschaft zu Tristan. Aus seiner Sicht nicht sehr vorteilhaft, aber neutral betrachtet doch lobenswert. Eigentlich brannte ihm die Frage auf der Zunge, woher sich die beiden überhaupt kannten, doch er entschied sich, dieses Thema zu verschieben. So, wie er Tristan bereits kannte muss es auch für diese Bekanntschaft ein interessantes Ereignis in seiner Vergangenheit geben.
    Als seine Gedanken eine andere Richtung einschlugen, fragte er sich erneut, welches Märchen die Torwache seinem Boss wohl eingetrichtert hatte, damit diese dämlichen Steckbriefe gemacht wurden. Besorgt blickte er zu Boden. Er hoffte inständig, beim Kommandanten nicht auf taube Ohren zu stoßen und dass dieser sie nicht einfach einbuchten würde.
    „Keine Sorge.“, flüsterte Tristan von der Seite.
    „Ich hab dir doch von damals erzählt oder? Kommandant Ullrich kennt mich. Er wird mir zuhören und es wird gut ausgehen, da bin ich sicher.“
    Cedric atmete einmal tief und blickte gen Himmel. Er hoffte, dass Tristan Recht hatte. Ihm würde eine große Last abgenommen werden, wenn er sich darüber keine Sorgen mehr machen müsste. Schließlich wollte er hier einen Neuanfang machen.
    'Nur optimistisch bleiben', erinnerte er sich selber und musste innerlich lachen. Früher hätte er nie so gedacht.
    In den darauf folgenden Minuten wurden keine weiteren Worte gewechselt. In den Gassen des Problemviertels unter einem grauen Himmel war eine erdrückende Atmosphäre spürbar, die mit jedem Schritt deutlicher wurde. Unberührt davon führte Kecigor die Gruppe weiter in die Richtung in der Cedric den Marktplatz in Erinnerung hatte in dessen Nähe angeblich die Kaserne der Stadtwache war. Die absolute Stille öffnete die Tür für seine Gedanken, sich verschiedene Szenarien auszumalen, was ihn dort erwarten könnte und seinen Herzschlag ganz langsam immer weiter beschleunigten.
    Dann, mit einem mal wurde dieser Puls unglaublich schmerzhaft in der Brust, als er etwas bemerkte. Absolute Stille? Schnell blickte er zu seiner Rechten, wo Komura neben ihm herlief. Als hätte er es in genau dem selben Moment gemerkt, blickte sein Pokémon ihm in die Augen, welche bei ihm alarmiert aufgerissen waren. Das Tornupto festigte seinen Stand und begann wütend zu knurren.
    „Hey!“, rief Cedric den beiden Vorderleuten zu, die seine Reaktion anscheinend nicht bemerkt hatten und sich erst jetzt nach ihm umdrehten. Beide realisierten sofort die Situation, Tristan stellte sich dich an Maros Seite und zog sein Schwert. Kecigor hingegen drehte sich wieder um, da er als Erster die Person bemerkt hatte, die plötzlich auf der Straße vor ihnen aufgetaucht war. Eine dünne Frau von gebräunter Hautfarbe und schwarzem, geflochtenem Haar grinste die Gruppe mit verschränkten armen frech an. In enger, dunkler Kleidung, gezeichnet von Wunden und einer ungewöhnlichen Körperhaltung machte sie den Eindruck eines Raubtieres. Weitere Menschen kamen langsam aus den Ecken der Häuser hervor, alle ungepflegt, dreckig, bewaffnet. Sie waren von mindestens einem Dutzend Straßenräubern eingekreist.
    „Ach, verdammt.“, fluchte Cedric leise, doch er hätte es ahnen müssen. Nachdem Kecigor auf dem Weg hierher sämtliche Blicke auf sich gezogen hatte, hatte Cedric nicht gemerkt, wie menschenleer es auf einmal war. Die trügerische Ruhe war ebenfalls ein Anzeichen darauf, dass hier ein Hinterhalt geplant war. Mit gezogener Waffe nahm er seine Kampfposition – die Knie leicht gebeugt und das Schwert in der rechten Hand parallel zum Bein – ein. Nur Kecigor stand nach wie vor seelenruhig da und betrachtete die Frau, welche womöglich die Anführerin der Bande war.
    „Schau an, heute ist ein echter Glückstag. Gleich zwei gesuchte Verbrecher und sogar ein Ritter.“, lachte sie.
    „Ich dachte mir schon, dass sowas passieren wird.“, antwortete dieser seufzend, sprach aber mit drohenden Ton weiter.
    „Wenn du meinen Rang kennst, brauche ich dich wohl nicht zu warnen oder? Falls doch, lass dir gesagt sein, dass ich dich und alle anderen hier als Feinde anerkenne, sollte es jemand wagen, uns anzugreifen.“
    Nun zog auch er seine Waffe.
    „Ich werde ohne Zurückhaltung kämpfen.“
    Aus der Scheide an seinem Rücken zog er das größte Schwert, das Cedric jemals gesehen hatte. Es war beinahe Mannshoch und breiter als ein Oberarm. Es hatte einen geraden, ungeschärften Rücken von schwarzer Farbe. Die Klinge dagegen war leicht gebogen, glänzte in einem hellen Silber. Seine Hand umfasste fest einen Griff, den dunkelrotes Leder und ein nur sehr schmaler Knauf zierte. Ein paar edle Gravuren zierten den Stahl. Zudem besaß die Waffe keine wirklich Parierstange, sondern eine Verdickung, die Griff und Klinge voneinander trennte. Cedric konnte es nicht fassen, als er sah, dass Kecigor scheinbar keine Mühe hatte, dieses monströse Schwert zu führen, als er es auf die Frau richtete.
    „Kommt her, ich werde es mit jedem von euch aufnehmen.“
    „Überschätze dich ja nicht!“, schrie sie und stürmte los, was selbige Reaktion bei den anderen Männern auslöste.
    Cedric tauschte erneut einen Blick mit Komura aus. Er und Tristan befanden sich momentan unter der Obhut eines Ritters. Da dieser ebenfalls angegriffen wurde, würde jede Kampfhandlung hier unter Selbstverteidigung fallen und keine neue Strafe nach sich ziehen. In diesem Falle...
    „Keine Zurückhaltung.“, befahl er.
    Komuras Gesicht zieht etwas, dass einem Grinsen ähnlich kam und entzündete seinen Flammenkragen.
    „Los, Flammenwurf.“
    Das Tornupto holte einmal tief Luft, wobei es heißes Feuer in seinem Rachen sammelte. Als er diese in einem sengenden Flammenstrahl entweichen ließ, trieb das die Banditen sofort zur Seite und spaltete die gesamte Gruppe in zwei Hälften. Nach diesem einen Befehl agierte Komura dann auf eigene Faust.
    Brüllend rannte er auf einen der Angreifer zu. Der hatte bereits zu einem Schlag mit seinem Beil angesetzt, scheiterte aber an der Ausführung, als das Tornupto auf ihn zu sprang, sich in dessen Arm verbiss und ihn mit seinem ganzen Kampfgewicht zu Boden riss. Cedric dagegen verweilte in seiner Kampfhaltung, als sich ihm ebenfalls ein Gegner näherte. Dieser holte zu einem beidhändigen Schlag aus, sprang zudem in die Luft um zusätzliche Kraft für seinen Angriff zu gewinnen. Die Bewegung war leicht zu lesen, sodass Cedric den Schlag rechtzeitig parieren konnte, allerdings um seinen festen Stand kämpfen musste und in Rücklage geriet. Kreischend schabten die Klingen aneinander, als beide Kontrahenten versuchten, den Gegner zurück zu drängen. Mithilfe einer Körperdrehung schaffte es Cedric, den Angreifen an sich vorbei zu lenken und ihm mit der freien Hand einen Faustschlag auf die linke Wange zu verpassen. Gleich darauf drehte er sich im Uhrzeigersinn und fügte ihm einen schmerzhaften Schnitt quer über dem Rücken zu wodurch er schreiend zu Boden ging und sich beeilte kriechend dem Kampf zu entkommen.
    Da von ihm also keine Gefahr mehr ausging, suchte Cedric sich einen neuen Gegner. Weil ihn aber in diesem Augenblick niemand angriff, wagte er es einen Moment, sich nach der Lage von Tristan und Kecigor zu erkundigen. Beide hatten sie schon mehrere Angreifer Kampfunfähig gemacht.
    Dass Tristan fast schon spielend mit seinem Gegner fertig wurde überraschte ihn in diesem Augenblick nicht mehr. Mit seiner schnellen Reaktion hatte er keinerlei Hilfe nötig, sodass sich Maros darauf beschränkte, ihm den Rücken zu decken und weitere Feinde mit Ruckzuckhieben und Finten abzuwehren, denen mit bloßem Auge nicht zu folgen war . Um die zwei musste er sich definitiv keine Sorgen machen.
    Kecigor duellierte sich mit der Anführerin der Gruppe, welche ein großes Talent für den Umgang mit dem Säbel aufwies. Man erkannte auf den ersten Blick, dass ihre Kampffähigkeiten sich von denen der anderen unterschied. Die Art und Weise, mit der Kecigor ihre Schläge blockte, war erstaunlich. Tatsächlich schien sein Zweihänder für ihn so gut wie nichts zu wiegen, so schnell führte er ihn. Mittels einer Körpertäuschung lies er sie schließlich ins leere rauschen und befand sich plötzlich direkt hinter ihr. Blitzschnell drehte er die Waffe in seinen Händen und versetzte ihr mit dem Schwertrücken einem Hieb in den Nacken, wodurch sie Augenblicklich ihre Waffe fallen ließ und zu Boden ging.
    „Mira!“, rief plötzlich jemand.
    Cedric erblickte einen Mann, ebenfalls von gebräunter Haut und kurzem, schwarzem Haar. Sein Blick war panisch, als er zu der Frau eilen wollte, um ihr zu helfen. Ein treuer Anhänger? Oder vielleicht sogar ihr Geliebter? Egal wer, er wollte so schnell es ging zu dieser Mira. Komura drängte sich jedoch vor ihn. Er holte zum Schlag aus.
    „Aus dem Weg!“
    Cedric Beschützerinstinkt setzte ein. Niemand würde Komura etwas antun, dafür würde er sorgen. Das hatte er geschworen. Und keinesfalls würde ein armseliger Dreckskerl aus der Gosse dafür sorgen, dass er scheiterte.
    Den Blick nicht von ihm abwendend griff Cedric an seinen Stiefel, versuchte gleichzeitig den Laufweg des Mannes zu antizipieren. Er zog den Dolch, den er dem alten Dacol genommen hatte hervor und warf ihn mit einer Mischung aus Kraft und Präzision. Er war kein zielsicherer Werfer, doch mit einem Treffer, der die Schwerthand des Mannes durchbohrte, was diesen stoppte und aufschreien lies, hatte er wohl den Wurf seines Lebens gemacht.
    Komura nutzte seine Gelegenheit. Ein Feuer sammelte sich in seinem Rachen, wuchs weiter und hüllte fast seinen ganzen Kopf ein. So ging er schließlich seinem Angreifer an die Kehle, grub seine Fangzähne in sein Fleisch und verbrannte es. Statt einem Schrei brachte der Mann nur ein schwaches Röcheln hervor. Einige Augenblicke rührte sich niemand, bis schließlich Komura den Mann los ließ und dieser zusammen brach.
    Nun war es Mira, die laut und voller Wut schrie.
    „Wie kannst du es wagen, du Mistvieh!“
    Ebenfalls wollte sie Komura mit gezogener Waffen angreifen. Doch aus diesen Angriff konnte mittels eines heißen Flammenstrahles aufgehalten werden. Nur knapp schaffte Mira es, rechtzeitig zur Seite zu springen, und weitete vor Schreck die Augen, als Cedric auf einmal neben ihr stand. Ein schwungvoller Hieb entwaffnete ihre Hand schließlich von dem rauen Säbel. Als sie sich panisch umsah, musste sie feststellen, dass die meisten ihrer Männer bereits kampfunfähig waren. Manche geflüchtet, die meisten verwundet, aber am Leben. Nur einen Toten gab es, ihren Mann.
    Cedric wusste dies natürlich nicht, als er der Frau gegenüber stand und die Waffe auf sie richtete. Mit verachtenden Augen voller Tränen blickte sie in die seinen.
    „Tse, so tief gesunken, dass du eine wehrlose Frau töten musst, um dich stark zu fühlen, Scheißkerl?“, zischte sie zwischen ihren Zähnen hervor.
    Leicht verwundert hob Cedric eine Augenbraue.
    „Wäre ich nun in deiner Lage, du würdest keine Sekunde zögern, mich zu töten. Nicht nur das.“
    Er nickte zu Komura.
    „Du würdest auch ihn töten, dann meine Leiche plündern und mich hier im Staub zurück lassen. Warum also sollte ich einer schäbigen Krähe wie dir mein Mitgefühl schenken?“
    „Weil ich das so will!“, mischte sich Kecigor auf einmal ein und trat vor.
    „Tötest du sie im Kampf, wenn du keine andere Wahl hast, so würde ich es dir vergeben. Das hier ist aber eine völlig andere Situation.“
    Schon stand er direkt neben ihm und fixierte Cedric mit scharfem Blick.
    „Deine Worte sind war, doch sind sie auch der Grund, warum du dich zurück halten solltest. Wenn du hier Gleiches mit Gleichem vergelten willst, begibst du dich auf einen Pfad, der mich dazu zwingen wird, dich als Verbrecher anzusehen. Tu dir einen Gefallen und mache das nicht.“
    Weder mitfühlend, noch bedrohlich klangen Kecigors Worte. Mehr hörte er sich an, wie ein Lehrmeister, der einen Schüler von einem fatalen Fehler abhalten wollte.
    „Willst du mich verarschen?“ Das wären wohl Cedrics Worte gewesen. Er wollte gerne erwidern, wollte ihm ins Gesicht sagen, dass dies genau das wäre, was sein Instinkt ihm befahl. Töte die, die dich töten wollen. So hatte er immer gelebt.
    Als er merkte, dass Kecigos Augen, die ihn scheinbar aufspießen wollten, keinen Widerspruch zuließen, tauschte er einen Blick mit seinem Pokémon. Er war düster, nicht nur der seine, sondern auch Komuras. Er steckte seine Waffe weg.
    „Gut, ich werde ihr nichts antun.“
    „Schön.“, sagte der Ritter, wandte sich anschließend noch an Mira.
    „Dein Glück besteht darin, dass wir gerade wichtigeres zu tun haben, als dich der Miliz zu übergeben, deshalb darfst du gehen. Ich rate dir davon ab, uns zu folgen und nochmal anzugreifen.“
    Sie nickte schwach, ihre Augen sahen jedoch verräterisch und plötzlich sah Cedric eine perfekte Gelegenheit.
    „Lass uns schonmal vor gehen, Komura wird hier auf sie aufpassen und uns folgen, sobald er sicher ist, dass sie das nicht ebenfalls tut. Nur als Vorsichtsmaßnahme.“
    Nach kurzem Überlegen willigte Kecigor ein und Cedric wandte sich ein letztes Mal an Mira.
    „Du wirst dich nun umdrehen und es nicht wagen uns nachzustellen. Rühre dich erst wieder, wenn er wegläuft. Einholen wirst du ihn eh nicht.“, wies er an, worauf sie widerwillig gehorchte. Cedric besah sich kurz die umher liegenden Ausrüstung, die zurück gelassen wurde.
    „Und denk' nicht daran, eines dieser Schwerter aufzuheben. Du wärst tot, bevor deine Hand den Griff packen kann.“
    Keine Reaktion, er hatte aber auch keine erwartet.
    „Gehen wir.“, sagte Kecigor und machte sich mit Tristan, der stumm zugesehen hatte auf den Weg.
    Cedric wartete noch einen Moment. Mira konnte ihn nicht sehen, stand mit zu ihm gekehrtem Rücken zu ihm und zitterte vor Wut. Auch Tristan und Kecigor schenkten ihm gerade keine Aufmerksamkeit. So wagte er es, Komura noch einmal einen bedeutenden Blick zu schenken. Er war düster, fordernd, seine Augen befehligten stumm, sein Mund war zu einem diabolischen Grinsen geformt. Das Tornupto erwiderte es. Dann schloss er schnell zu den anderen auf, die ihn neugierig betrachteten.
    „Sicher, dass das in Ordnung ist?“, fragte Tristan, leicht besorgt um das Feuerpokémon.
    „Glaub mir, es ist okay.“, antwortete er beiläufig. Innerlich dagegen freute er sich. Komura hatte verstanden.



    Ein pfeifender Wind zog durch die Straße, wirbelte Staub auf und verlieh der Szenerie etwas trostloses. Mira hielt die Hände etwas nach oben und zeigte damit ihre Unterwerfung. Sie hatte es akzeptiert, dass sie die falschen Männer angegriffen hatte und wollte das Tornupto nicht versehentlich zu einem Angriff provozieren. Also kniete sie dort, wartete, zitterte und hoffte, dass es bald verschwinden würde.
    Komura stand nach wie vor direkt in ihrem Rücken, sodass sie nicht sehen konnte, was er tat. Er erlaubte es sich, sich nach beiden Richtungen umzusehen. Von den verletzten Männern waren die meisten geflohen, bevor Cedric und die anderen gegangen waren. Nur noch eine handvoll von ihnen lag noch bewusstlos da, einer sogar leblos. Abgesehen von der Frau vor ihm war hier kein Mensch, der sie beobachtete. Perfekt um das zu tun, was Cedric von ihm gefordert hatte.
    Mit langsamen, geräuschlosen Schritten rückte er dichter an sie heran. Sie rührte sich auch weiterhin nicht. Komura setzte zu einem Sprung an. Mira wusste nicht, wie ihr geschah, sie bekam nicht die Chance, etwas zu realisieren. Noch ehe sie aufschreien konnte, als Komura mit geneigtem Kopf seine Zähne in ihrem Nacken vergrub, drehte er diesen mit der ganzen Kraft seines Körpers und brach der Frau so das Genick. Ein lautes Knacken ertönte, als ihre Knochen auf eine für den Körper nicht vorgesehene Weise verdreht wurden und schließlich brachen. Der Körper erschlaffte und ging mit einem dumpfen Aufschlag zu Boden.
    Komura schenkte ihr keine weitere Sekunde Beachtung und beeilte sich, seine Gruppe wieder einzuholen. Mit schnellen Schritten verschwand er die Straße entlang.
    Nichteinmal die stark ausgeprägten Sinne des Feuerpokémons hatten ausgereicht, um zu bemerken, dass doch ein Augenpaar auf ihm geruht hatte. Im Schatten einer Gasse schien einen Moment die Luft zu flimmern, dann war deutlich eine leuchtende, gemein grinsende Fratze zu sehen, als sich langsam eine Gestalt verdeutlichte. Absolut geräuschlos schwebte sie sogleich davon, steuerte einen einsamen Hinterhof an, wo ihre Herrin, eine Frau in schneeweißer Tracht auf ihn wartete.
    „Und?“, wollte sie wissen.
    Der dunkle Schemen kam nun endgültig aus seiner Tarnung hervor, grinste noch etwas breiter. Jeder normale Mensch wäre schreiend geflohen beim Anblick der diabolischen Fratze.
    Wie interessant.“, murmelte sie.

  • So mah friend... Ich habe lange gebraucht aber bin jetzt alle deine Kapitel nachgegangen. Da das so viel war und du inzwischen schon viel Feedback von den anderen usern gekriegt hast, werde ich zwar auf jedes Kapitel eingehen aber nicht zu jedem einen Roman schreiben :P (okay ich versuche das nicht zu tun aber wenn man mal angefangen hat....)


    Kapitel 1
    Zu Anfang habe ich nicht ganz verstanden wo sich Cedric nun eigentlich befand. Aufgrund des Regens und deiner Erzählweise ging ich irgendwie davon aus, dass er irgendwo an einem Waldrand auf dem Boden sass und auf etwas wartete. Dies wurde dann aber erklärt, er wird gefangen gehalten.


    Gegen Ende des Kapitels wurde mir auf einmal wieder klar: warte, ich bin doch in einer Pokemon FF! Schon während man nur das erste Kapitel liest, wird man vollkommen von deiner Geschichte eingehüllt. Tatsachen die zuvor genannt wurden sind mir wieder entfleucht. Ich habe mich nur auf das konzentriert was ich in dem Moment gelesen habe.


    Btw Nüstern nennt man normalerweise nur die Nasen von Pferden, Zebras etc :P


    Kapitel 2
    Hier wird einiges klarer. Uns wird nun erklärt weshalb Cedric gefangen wurde. Ganz spannen die Enthüllung eines Kults. Ein wichtiges Thema welches aber meinen Erfahrungen nach noch nicht so oft in einer Geschichte zum Einsatz kam. Umso spannender ist es, da es sich um eine Pkmn Geschichte handelt.


    Was ich aber nicht verstehe ist diese plötzliche Wut, ja gar Hass den Cedric verspürt. Da keine Vorgeschichte zwischen den Charakteren besteht finde ich diese Gefühle nicht wirklich verständlich. Man würde grosse Abneigung gegen diese Kultisten verspüren aber schon Wut?


    Manchmal kriegt man den Eindruck Cedric hätte mit Aggressionsproblemen zu kämpfen xD


    Kapitel 3 und 4
    Hier habe ich nichts mehr grosses hinzuzufügen. Ich mag allerdings die Szene, in welcher der verrückte Kultisten Anführer von seinen Anhängern verraten wird. Solche Szenen kommen oft in Geschichten vor aber sie sind dennoch immer unterhaltsam (zb bei König der Löwen oder in zich Teenie Filmen).
    Die Jagd auf das Porenta spricht einen weiteren heiss diskutierten Punkt in der Pkmn Welt an. Pkmn sind nicht einfach Tiere. Sie können glasklar mit dem Menschen kommunizieren und haben Gefühle, Gedächtnis wie auch Moral. Ist es dann in Ordnung, sie zu essen?


    Kapitel 6
    Yeeeees ich lieeebe Storylines in mittelalterlichen Städten. Finde ich erstens mal viel einfacher zum Schreiben und ausserdem kann da so vieles passieren!


    Zu einfach stellten sie sich das Leben außerhalb des Elternhauses vor und zogen blauäugig in ihr, wie sie es nannten "großes Abenteuer", ehe sie die Realität in Windeseile einholte.

    Das hier finde ich einen sehr schönen Satz. Er ist eine ordentliche Basis für die ganzen Geschichten und Romane, in welchen ein Kind die Hauptfigur spielt. Mit diesem kurzen Satz hast du eine Erklärung abliefern können, warum es immer diese jungen Männer in den Fantasyromanen gibt, die alleine in die Welt hinausziehen.


    So wie du die Stadt beschreibst sehe ich sie als Kreis mit geraden Strassen ins Zentrum vor mir. Sodass man sternförmig auf das Stadtzentrum zu geht. Etwas ungewöhnlich für eine mittelalterliche Stadt, denn die Beschreibung würde nun eher auf eine Siedlung aus dem 18. oder 19. Jahrhundert passen.


    Kapitel 7

    Cedric hatte sich an die vorgegebene Richtung gehalten und stapfte nun mit wütenden Schritten durch eine der wenigen Seitengassen, die es zwischen den Ketten aus Mauern und Hauswänden gab.

    Auch in diesem Moment kriegt man wieder den Eindruck eines jungen Mannes mit Aggressionsproblemen :P  
    Da er normalerweise recht neutral und ausgeglichen handelt widerspricht sich das ein wenig. Wenn du seine Abneigung (zb gegenüber den Kultisten) oder Missmut (zb aufgrund der Frage bezogen auf sein Schwert) beschreiben möchtest, versuch andere Worte zu nutzen.


    Jetzt wird langsam auf den Hintergrund von Cedric eingegangen. Es werden ein paar Fragen beantwortet, allerdings stossen wir wieder auf eine Menge Rätsel. Das befriedigt den Leser in seiner Neugier, aber behält ihn in deiner Geschichte denn er will ja mehr herausfinden.


    Am Schluss wirfst du ein grosses Ereignis auf den Tisch. Es ist unerwartet und die Leser wissen; jetzt gehts ans Eingemachte. Als Leser fragt man sich nun, was die beiden Charaktere zu tun gedenken. Wie wird sich das entwickeln? Werden sie auf dem land und in anderen Städten auch gesucht? Fragen über Fragen. Wir sind gespannt.

    Kapitel 8
    In diesem Kapitel hast du mehr Rechtschreibfehler. Manchmal sind es simple Tippfehler, manchmal aber auch Fehler bei den Flexionen von Verben oder beim Einsatz von Nominativ und Co.
    Hier zum Beispiel:


    stellte Cedric fest, dass er gegen kräftiger Schluck Alkohol gerade nicht einzuwenden hatte.


    Wo du sowohl einen Buchstaben, als auch ein ganzes Wort vergessen hast. :) Warst du etwas müde, als du das geschrieben hast?
    Zum Ende hin gesellt sich ein neuer Charakter zur Personaler Erzählperspektive hinzu. Ich bin schon gespannt darauf, was Reinhold in der Kaserne zu suchen hat.

    Kapitel 9
    Hier gibt es nichts grosses hinzuzufügen. Ein Punkt hat mich nun aber doch gestört:


    Zur Seite gedrängt wurde die Haarpracht durch zwei Katana – Griffe und Schwertscheiden beide in Schwarz – die sie überkreuzt an ihrem Rücken trug.

    Auch wenn Samurai und Ninja zur gleichne Zeit existierten wie Ritter, ist es wriklich sehr, sehr unwahrscheinlich, dass jemand im Mittelalterlichen Europa im Besitz eines Katana ist. Ich weiss, das ist eine Fanfiction und da kann man eigentlich machen was man will, aber ich persönlich versuche dennoch nahe an der Realität zu bleiben. Dass diese Frau nun ein Katana hat und Cedric dazu noch wusste, wie der Name dieser Waffe ist, empfinde ich als ziemlich unrealistisch.


    Ansonsten bin ich jetzt gespannt darauf, was diese Frau gemeint hat, als sie Cedric auf Tristan aufmerksam machte. Mir wird klar, dass ich ihm selbst nun viel zu schnell vertraut hatte. Mal sehen wie Cedric damit umgeht.


    Kapitel 10

    Er selbst wurde mit seinen 20 Jahren

    Hat er zuvor nicht noch gesagt er sei 19?


    Zunächst kam er der Aufforderung nicht nach. Nicht, ehe er die Frage stellen konnte, die ihm auf der Zunge brannte.
    „Was für Leute kennst du denn?“

    Hier musst du aufpassen, der Wechsel war zu plötzlich. Dass da ein kurzer Zeitsprung dazwischen liegt, ist einem gar nicht bewusst. Am besten noch einen sauberen abschliessenden Satz im vorigen Absatz hinzu fügen und zwei Umbrüche. Dann versteht man das viel leichter :)


    In diesem Kapitel sind mir an zwei Stellen noch ein paar Worte aufgefallen, die nicht ganz in dieses Zeitalter hineinpassen. "Verarschen" sowie auch "eh nicht" sind stark Umgangssprachlich. Ich weiss es ist schwer solchen Worten aus dem Weg zu gehen und Alternativen zu finden, passiert mir auch ganz oft. Aber sie rütteln etwas am Image und am Setting der Mittelalterlichen Fantasy Welt.


    Allgemein
    .. . auf Rechtschreib- und Tippfehler wurdest du ja schon hingewiesen. Manchmal verwendest du lustige Wörter, die ebenfalls nicht ganz korrekt sind xD Darunter sind zum Beispiel falsche Flexionen von Wörtern oder wie oben genannt Nüstern für Nasenlöcher. In deinem Startpost steht übrigens KapitAlübersicht. :P


    Sonst finde ich deine Geschichte sehr spannend. Sie geht einen komplett anderen Weg, als die üblichen Pokemon FF (nun ja ich hab die meistens auch nur angelesen) und das ist wohl auch der Grund warum ich sie überhaupt weiter verfolge :P


    Kannst mich gleich dem Benachrichtigungsteam hinzufügen :P  
    Puuuuh endlich geschafft. Ich bin seit Donnerstag am lesen und gleichzeitig Notizen aufschreiben xD

  • Heieiei, da hast du dir mal echt mühe gegeben. Na dann wollen wir mal...


    Bezüglich des angesprochenen Mixes zwischen Pokemon und Mittelalter kann ich nur sagen: Bis zum Punkt, als ungefähr ein Drittel des Plots schonmal in der Planung fertig war, spielte die Geschichte auch noch in der Neuzeit. Kam aber irgendwie nicht mehr weiter. Mit der Zeit hat sie meine Variante einer typischen Trainerreise letztendlich in ein Fantasy-Epos verwandelt. Ich liebe dieses Genre einfach zu sehr und in diesem Setting konnte ich meine Ideen viel besser zusammenfügen.


    Manchmal kriegt man den Eindruck Cedric hätte mit Aggressionsproblemen zu kämpfen xD

    Im Nachhinein gebe ich dir Recht, dass man Cedrics Art noch nicht gut genug kennt, um diesen Zorn zu verstehen. Wie du später vielleicht gemerkt hast, hat er sich längst mit dem rauen Bild der Welt abgefunden und setzt mehr auf Logik und Verstand (auch wenn er sich selbst nicht immer dran halten kann ^^). Religiöse Fanatiker sieht er daher sehr ungern, da er ihren Glauben als unsinnig und hirnlos ansieht. Schließlich glaubt er auch so gar nicht an Götter. Solche... nennen wir es mal aus seiner sicht "Dummheit" bringt sein Blut ganz einfach schnell in Wallung.
    Bei dem Verrat der Anhänger gebe ich dir Recht. Hat man schon tausend mal gesehen, wird aber nicht wirklich langweilig. ^^


    Pkmn sind nicht einfach Tiere. Sie können glasklar mit dem Menschen kommunizieren und haben Gefühle, Gedächtnis wie auch Moral. Ist es dann in Ordnung, sie zu essen?

    Auch viele Tiere besitzen Intelligenz und gewisser Maßen soziales Verhalten. Ist das auch in Ordnung? Diese Diskussion will ich gar nicht groß anheizen, aber ich wollte diese Jagd auch nochmal als Indikator für den Leser da lassen, wie denn meine FF so "tickt", wenn du verstehst.


    Schön, dass ich mit dem Setting in der Stadt deinen Geschmack getroffen habe. Den Aufbau, sprich Mauern und Straßen habe ich mir nie so genau vir Augen geführt, wie du. Ich habe im Kopf immer nur mit kleinen Stadtteilen gearbeitet.


    Auch in diesem Moment kriegt man wieder den Eindruck eines jungen Mannes mit Aggressionsproblemen

    Im Gegensatz zu den Gläubigen ging es in dieser Szene nicht um verschiedene Ansichten oder dergleichen. Aber mit dem Kommentar zu seiner Waffe hat der Schmied unwissend ein Thema angesprochen, dass Cedric sehr an die Substanz geht. Sobald seine Hintergrundgeschichte genauer erläutert ist, wird dies aber klarer ;)


    Ähnlich wie beim Sport, wo man starke und schlechtere Tage hat, was die eigene Leistung betrifft, schwank auch manchmal die Rechtschreibung mit allem Drum und Dran. Vielleicht war ich müde, vielleicht hatte ich an dem Tag einfach nur den Fehlerteufel. :wacko:


    Auch wenn Samurai und Ninja zur gleichne Zeit existierten wie Ritter, ist es wriklich sehr, sehr unwahrscheinlich, dass jemand im Mittelalterlichen Europa im Besitz eines Katana ist.

    Brems dich an der Stelle. ^^ Ich hatte nie vor, Leser den Eindruck von Europa oder sonst einem realen Ort zu vermitteln. Wenn derartige Logiklücken im Bezug auf Nationalitäten oder dergleichen auftauchen, sind die bewusst von mir ignoriert worden. Es ist meine erfundene Welt, in der Ritter und Samuraiwaffen nebeneinander existieren können. Ein Grund, warum ich Fantasy so liebe ist, weil man derartige Fehler einbauen kann/darf.
    Dass die Vertrauensfrage mit Tristan und Remilia auch bei dir gezündet hat, freut mich sehr.


    Bestimmte Wortwahlen und Formulierungen, die nicht ins Setting passen mögen, sind ebenfalls Absicht. Zum Einen hat es für mich einen gewissen Humor und macht beim Schreiben echt Spaß. Zum Anderen habe ich vielleicht einfach nur zu oft die Gothic-Reihe durchgespielt. Dieses Mittelalter-Rollenspiel kommt nämlich auch mit einer Menge an schimpfwortschwangeren Dialogen daher. Aber es funktioniert so gut xD


    Zum Abschluss nochmals danke, dass du dir so viel Zeit genommen hast. Jede einzige Person, die ich mit meinen Fantasien unterhalten kann, bedeutet mir eine Menge. Ich hoffe, ich kann mich weiter steigern und werde wieder von dir lesen.

  • Hallo Firefly,


    nach dem ominösen Treffen im letzten Kapitel steht nun also der nächste Charakter an, der vorgestellt werden will. Kecigor macht dabei die meiste Zeit einen recht kumpelhaften Eindruck, wobei für ihn besonders die Gerechtigkeit im Vordergrund steht, wie man am Ende des Kapitels sieht. So lobe ich es mir für einen Ritter, dessen Aufgabe wohl auch primär darin bestehen wird, die Gerechtigkeit walten zu lassen und entsprechende Urteile zu fällen. Wobei da natürlich die Frage aufkommt, wie er und Tristan sich kennengelernt haben, wenn sie nicht gerade Kindheitsfreunde sind. Umso interessanter natürlich auch, dass er mit Tristan und Cedric trotz ihres Gesuchten-Status so milde umspringt, auch wenn sie die Chance haben, sich freizusprechen. Es ist eine interessante Ausgangssituation, die sich nun verschieden entwickeln kann. Zuerst hatte ich ja nicht mit einer recht überraschenden Wende gerechnet, aber als die Banditen angriffen und Cedric Komura zurückließ, damit er die Frau schließlich im Geheimen umbringt, kann das in Zukunft durchaus ein Problem darstellen. Die Tat blieb ja nicht unbeobachtet und ich habe das Gefühl, dass das spätestens dann, wenn sie mal um ihre Freiheit kämpfen, ein ernstes Problem wird. Bleibt natürlich nur noch die Frage, wer diese Leute waren. Freund, Feind oder jemand Neutrales, der erst sehr viel später in Aktion tritt? Wer weiß.


    Wir lesen uns!

  • Nach einem so entspannten Sonntag, wie heute will ich mich deinem Kommentar natürlich gerne noch annehmen, Rusalka. ^^


    Kecigor macht dabei die meiste Zeit einen recht kumpelhaften Eindruck, wobei für ihn besonders die Gerechtigkeit im Vordergrund steht, wie man am Ende des Kapitels sieht.

    Auch wenn er hier auf einen alten Bekannten trifft, darf selbst ein junger Ritter nie seine immer geltenden Pfilten und Prinzipien vergessen. Ich werde mir in den folgenden Kapiteln Mühe geben, ihn trotzdem nicht wie einen so einfach gestrickten Charakter darstehen zu lassen. Hoffe mal, dass mir das auch gelingt.



    Wobei da natürlich die Frage aufkommt, wie er und Tristan sich kennengelernt haben, wenn sie nicht gerade Kindheitsfreunde sind. Umso interessanter natürlich auch, dass er mit Tristan und Cedric trotz ihres Gesuchten-Status so milde umspringt, auch wenn sie die Chance haben, sich freizusprechen.

    Tristan kennt ein paar interessante Leute, nicht wahr? xD Das liegt in erster Linie daran, dass er sich nicht vorab einnehmen lässt und sich stattdessen selbst ein Bild von der Situation machen will. Jetzt Gedankenlos auf die Gesuchten loszugehen ist was für einfache Milizen, aber definitiv nicht sein Stil. Falls die beiden Probleme gemacht hätten, so viel kann ich dir sagen, hätte er sie beide alleine überwältigen können.



    Zuerst hatte ich ja nicht mit einer recht überraschenden Wende gerechnet, aber als die Banditen angriffen und Cedric Komura zurückließ, damit er die Frau schließlich im Geheimen umbringt, kann das in Zukunft durchaus ein Problem darstellen.

    Wie genau ich diese Tat mit seiner Zukunft einarbeiten will, weiß ich tatsächlich auch noch nicht zu 100%. Ich wollte sie aber unbedingt so geschehen lassen, um noch einfach die hässliche Seite von Cedrics Charakter zu zeigen. Dass seine Ansichten nicht immerg die edelsten sind, wurde hier denke ich deutlich Bewiesen.



    Die Tat blieb ja nicht unbeobachtet und ich habe das Gefühl, dass das spätestens dann, wenn sie mal um ihre Freiheit kämpfen, ein ernstes Problem wird. Bleibt natürlich nur noch die Frage, wer diese Leute waren. Freund, Feind oder jemand Neutrales, der erst sehr viel später in Aktion tritt?

    Ich möchte dir an dieser Stelle verraten, dass hier nicht wichtig ist, wer bekämpft wurde - es waren ja offensichtlich wirklich nur einfache Straßenräuber - sondern wer all dies mitbekommen hat (besonders den hinterlistigen Mord durch Komura). Mag sein, dass ich hier jetzt etwas gespoilert habe, aber ich finde es würde keinen Sinn machen, ein Geheimnis um die Identität der Angreifer zu machen. Schließlich ist diese für die Story nämlich belanglos.


    Dann bis zum nächsten Mal. :)

  • @MarieAntoinette @Sheogorath @Paya @Rusalka @southheart



    11: Ein Auftrag für die Freiheit



    Cedric musste sich eingestehen, dass er etwas Glück hatte. Einen Notfallplan hatte er nicht parat gehabt, für den Fall, dass Tristan oder Kecigor den Verdacht schöpfen könnten, dass er von Beginn an nie vorhatte, Mira am Leben zu lassen. Doch nicht nur, dass sie seine Ausrede vonwegen „zur Sicherheit bewachen“ akzeptiert hatten, sie stellten auch keine Fragen mehr, als Komura nach kurzer Zeit zu ihnen aufgeschlossen hatte.
    „Gut, dann auf zur Kaserne.“, hatte der Ritter nur gesagt.
    Am meisten hatte er ja befürchtet, Tristans Nachtara Maros könnte den heimlichen Mord vermuten. Ein Blick auf die Nachtkatze brachte keine Erkenntnisse, es setzte seelenruhig eine Pfote vor die andere, ohne erkennbare Anspannung. Generell strahlte es eine unglaubliche Ruhe aus, ließ sich aber sicherlich nicht leicht täuschen. Cedric war sich sogar ziemlich sicher, dass er zumindest etwas ahnte, zugleich aber auch dankbar, dass es Maros offenbar nicht kümmerte. Schon einige Male wirkte er ausgesprochen teilnahmslos. So, als stünde er weit über dem, was die Menschen um ihn herum taten. Etwa Überheblichkeit? Wer wusste das schon.
    Mit der geistigen Notiz, das Unlichtwesen nicht zu unterschätzen, stieg Cedric nun samt Begleiter die massiven Stufen hinauf, die zur Kaserne führten. Das mächtige Bauwerk bestand fast ausschließlich aus gemeißeltem Stein und machte einen anschaulichen Eindruck, war jedoch etwas abseits der Wohnhäuser und des Marktplatzes errichtet worden und versteckte sich somit in der Ecke zwischen der Nord- und der Westmauer von Toldus. Das Eingangstor, welches laut Tristan fast immer für die Bürger geöffnet war, führte direkt in den Innenhof, wo ein paar Ausbilder in gerade damit beschäftigt waren, bei einigen Soldaten die Schwertkünste oder Treffsicherheit mit der Armbrust zu beäugen. Die Holzpuppen sowie die Bretter mit den aufgemalten Zielscheiben waren bereits stark ramponiert. Zudem hingen an allen vier Wänden des Innenhofes die dunkelroten Banner mit goldenen Linien, die das Königliche Wappen darstellten.
    „Wir sind nicht auf dem Bauernhof, also hör' auf, das Schwert wie eine Mistgabel zu schwingen.“, hörte er jemanden sagen und korrigierte die Bewegungsabläufe eines Mannes, dessen Schwertstil Cedric eben noch als ziemlich gut empfunden hatte.
    Da war sie wieder, die verdammte Nervosität. Er hoffte inständig, dass hier nicht alle so streng waren, insbesondere der Kommandant.
    „Cedric?“, hörte er Kecigors Stimme und bemerkte im gleichen Moment, dass er beim Zusehen der Soldaten stehen geblieben war. Er deutete auf eine offene Tür auf der linken Seite, hinter der sich wohl Kommandant Ullrichs Gemach befinden musste. Komura lief unbeirrt voraus und trat vor Cedric in den Raum ein, der sich als sehr schlicht bezeichnen lies. Ein Holztisch der allerlei Kleinkram stemmte, Truhe, Buchkommode, Waffenständer in der Ecke und eine Karte des Reiches an der Wand. Im Grunde nicht anders, als man sich eine Kaserne von innen vorstellte. Eine weitere, jedoch verschlossene Tür zu seiner Linken war mit dem Schild „Kerker“ versehen. Hinter ihm hörte er, wie Kecigor die Eingangstür schloss, nachdem er ebenfalls eingetreten war.
    „So, ihr seid also die Männer, die bei meinen Leuten für solchen Ärger gesorgt hatten.“, sprach Ullrich, der seine Lektüre auf den Tisch warf und an Tristan und Cedric herantrat. Ihre Pokémon hatten sich an der Seite ihres jeweiligen Herren platziert.
    Der Anführer der Stadtwache war ein recht groß gebauter Mann, dessen schwarzes Haar bereits Grautöne preis gab und dessen Alter durch grobe Gesichtszüge auf der Sonnengebräunten Haut verraten wurde. Dennoch stand er ihnen kräftig und stolz gegenüber, wie man es von einem Kampferfahrenen Hauptmann erwartete. Seine Rüstung war ein verbessertes und schwereres Modell derer, die seine Untergebenen trugen. Weniger braunes Leder, dafür umso mehr dunkelgrauer Stahl über dunkelrotem Stoff, der die Farbe des Königshauses repräsentieren sollte. Cedric war sich sicher, dass dieser Mann ihm in kurzer seit Bekanntschaft mit dem Pflasterstein machen lassen könnte, sollte er sich in diesem Gespräch im Ton vergreifen. Die Tatsache, dass niemand sie aufgefordert hatte, ihre Waffen abzulegen, sprach für sich. Wie allerdings zu erwarten war, wandte er sich zuerst der bekannten Person und sprach zuerst nur mit dem Schwarzgekleideten.
    „Ich hatte gehofft, dich unter fröhlicheren Umständen wiederzusehen, Tristan.“
    „Und ich hatte gestern gehofft friedlich meine Heimat erreichen zu können, somit haben wir wohl beide kein Glück.“
    Ihm war deutlich anzumerken, dass er darauf achtete, in welchem Ton er sprach. So schaffte er es, diese freche Antwort weniger provozierend klingen zu lassen. Auch wenn die Beiden sich kannten, den Rang, den Ullrich trug sollte man besser in Erinnerung behalten, wenn man mit ihm sprach.
    „Mir wurde gesagt, dass du gestern mit der Wache des Südtores gekämpft hast. Ist das war?“
    „Ja.“, antwortete er knapp.
    „Und du hast sie verletzt und letztendlich den Sieg errungen.“
    „Ja, das stimmt.“
    Cedrics Herzschlag gewann an Geschwindigkeit und er fragte sich, was Tristan da genau machte. Anstatt zur Sprach zu bringen, wer diesen Kampf gefordert hatte, beließ er es bei knappen Antworten, die ihn zunehmend in ein schlechtes Licht rückten. Immerhin machte Ullrich noch keine Anstalten, ihn zu verurteilen.
    „Wie kam es zu der Auseinandersetzung?“
    Erst jetzt musterte der Kommandant Tristan sehr präzise, schien vielleicht auf etwas in seinem Gesicht zu achten, das eventuell auf eine Lüge hinweisen könnte.
    „Er wollte uns und vor allem diese beiden Pokémon“, er deutete auf Maros und Komura, „nicht durch lassen. Dann schlug er den Kampf vor.“
    Ullrich ging in die Hocke und besaß sich der beiden Wesen sehr genau. Im Gegensatz zu Maros, der miauend und völlig harmlos erscheinend da saß, machte Komura sich keinerlei Mühe, sich wie ein nettes Schmusetierchen zu präsentieren. Den scharfen Blick des Mannes konterte er mit dem kurzen Ausstoß einer kleinen Flamme. Er zeigte sich unbeeindruckt.
    „Nun zu dir, wie ist dein Name?“, forderte er jetzt von Cedric zu wissen, nachdem er sich wieder zu voller Größe aufgerichtet hatte.
    „Cedric, und ich möchte nochmals klarstellen, dass wir nicht diejenigen waren, die als erste das Schwert gezo-“
    „Antworte nur auf die Frage, die ich dir stelle und hülle dich ansonsten in Schweigen.“, befahl er mit autoritärer Stimme.
    „Warum hast du mitgekämpft? War es wegen diesem Tornupto?“
    Als sein Blick erneut auf Komura fiel, stieß dieser ein kurzes Knurren aus. Cedric ermahnte ihn prompt.
    „Ruhig. Mach es nicht noch schlimmer.“
    Ullrich hob eine Augenbraue.
    „Als der Kampf beendet war, wollte einer der Männer Tristan angreifen, als er ihm den Rücken kehrte. Ich sah es als meine Aufgabe, ihn davon abzuhalten und stürmte auf ihn los. Eine Verletzung habe ich ihm nicht zugefügt.“
    „Verstehe.“, murmelte Ullrich und trat Kinn kratzend zurück an seinen Tisch, wo die Steckbriefe von ihm und Tristan lagen. Nach Momenten des Betrachtens, die sich nach Cedric Zeitempfinden ewig hinzogen, ergriff er wieder das Wort.
    „Ich habe meinen Männern genau die gleichen Fragen gestellt, wie euch. Wie befürchtet, unterscheiden sich die Aussagen in den entscheidenden Punkten voneinander.“
    Cedric und Tristan tauschten einen Blick aus. Das war ja zu erwarten gewesen. Wahrscheinlich hatten sie die Geschichte total verdreht um sich von jeder Schuld frei zu sprechen. Cedric ballte die Fäuste bei der Vorstellung, wie der zwei Wachmänner ihrem Anführer ihre erlogenen Schuldzuweisungen überbracht haben. Das würde er nicht auf sich sitzen lassen, niemals!
    „Was haben die erzählt? Dass wir sie etwa grundlos angegriffen haben? Das ist lächerlich, wir haben uns nur selbst verteidigt. Eigentlich dürften wir hier garnicht stehen.“
    „Das sagst du. Nur bin ich es, der nun zwischen den Aussagen zweier meiner Männer und den euren entscheiden muss. Ihr könnt mir den ganzen Tag Geschichten erzählen, am Ende liegt die Entscheidung bei mir.“
    Danach herrschte einen ganzen Moment lang Stille im Raum. Cedric sah ein, dass Diskussionen ihn nicht weiter bringen würden. Neutral betrachtet musste er eingestehen, dass Ullrich nicht falsch handelte. Seinen eigenen Männern eher zu glauben als einem Fremdling wäre nur verständlich. Üble Befürchtungen setzten seinen Nerven weiter zu und beschleunigten ununterbrochen seinen Herzschlag. Sicher lag ihm bereits der Schweiß auf der Stirn.
    „Verbrechen gegen die Stadtwache gehören zu den schwersten, die begangen werden können.“, holte Ullrich schließlich aus und sah anschließend Tristan an.
    „Ich habe mich nicht entschieden, wem ich letztendlich glauben soll. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen beiden Geschichten. Aber da du und dein Nachtara uns und der Stadt einmal einen großen Dienst erwiesen hast, werde ich Gnade vor Recht walten lassen. Ein Gefallen, den ich dir kein weiteres Mal erteilen kann, also halte den Ärger von dir fern.“
    Als ob er bereits damit gerechnet hatte, nahm Tristan diese Botschaft mit einem einfachen Nicken hin. Dann sah er mit einem Seitenblick zu Cedric.
    „Gilt das auch für ihn?“
    „Nein.“
    Unfassbar, wie schwer Cedric nur durch ein einzelnes Wort verunsichert werden konnte. Es hatte sich wie ein Hammerschlag auf seiner Brust angefühlt. Ullrichs Gedanken waren nachvollziehbar und er war dankbar, dass er sich nicht vollständig auf die Aussage seiner Soldaten stützte. Seine Gnade gegenüber Tristan war ebenfalls eine gute Geste, doch dass ihm selbst das nicht helfen würde, war vorherzusehen.
    „Eine gute Tat seinerseits wird dich nicht aus der Affäre ziehen, verstanden? Du solltest wissen, dass sich man als Fremder nicht sofort in einen Kampf mit der Miliz einmischt. Ich werde dich dafür zur Rechenschaft ziehen.“
    Cedric wollte widersprechen, wollte ihm erneut sagen, dass er keinen Kampf gesucht hatte, sondern einfach nicht mit ansehen konnte, wie ein besiegter Soldat einen Mann angriff, der ihm den Rücken gekehrt hatte. Doch es würde nichts bringen. Er merkte schon, das Wiederworte bei Ullrich im Keim ersticken würden und er sich nicht durch Bitten oder Proteste umstimmen lassen würde. Tristan versuchte es dennoch.
    „Ich bitte darum, diese Entscheidung zu überdenken. Cedric hatte am allerwenigsten Schuld an diesem Vorfall.“
    Seine Stimme war kleinlaut, als wüsste er schon, dass seine Bitte nicht erhört werden würde. Ein Vorahnung, die sich natürlich als Wahrheit herausstellen sollte.
    „Mein Entschluss steht fest.“, gab er mit erhobener Stimme von sich.
    „Jede gute und schlechte Tat in dieser Stadt wird ihre Konsequenzen nach sich ziehen.“ Vorwurfsvoll hielt er ihm Cedrics Steckbriefe entgegen.
    „Er kam hier an und hat es in nur einem Tag geschafft, hier auf den Steckbriefen zu landen. Das kann ich nicht ignorieren und er hat uns keinen Dienst wie du erwiesen, der dies wett machen kann.“
    Cedric war am Boden. Alles was er erhofft hatte hier zu finden – ein neues Leben, in dem er ehrliches Gold verdienen konnte und das mehr Sinn hatte, als sein altes – lag als Trümmerhaufen vor seinem inneren Auge.
    Seine Augen wanderten zu Komura hinab, der Ullrich wütend fixierte. Cedric kraulte ihn mit der rechten Hand im Nacken, was ihn dazu brachte zu ihm aufzuschauen. Alles, was das Tornupto sah, war sein Herr, der das Gesicht in der noch freien Hand vergraben hatte, wissend, dass er es dieses Mal vermasselt hatte.
    „Und wenn er es würde?“
    Alle Augen im Raum wanderten schlagartig zu der Quelle der Stimme, die so unerwartet die Stille durchbrochen hatte. Kecigor lehnte an der Wand neben der Tür und hatte sich der allgemeinen Aufmerksamkeit komplett entzogen. Nun aber ruhten die Blicke aller Anwesender auf dem Ritter, der sich von der Wand abstieß und in die Mitte des Raumes trat.
    „Was, wenn er sich ebenfalls in den Dienst der Stadt stellen würde? Kann er es auf diese Art wieder gut machen?“
    Wieder hob Ullrich eine Augenbraue, verengte zudem die Augen zu schmalen Schlitzen.
    „Fast würde ich glauben, dass du vorschlägst, ihn bei der Miliz aufzunehmen, aber ich glaube, du hast etwas besonderes im Sinn.“
    „Wir haben ja bereits erzählt, warum wir hier sind.“, deutete Kecigor wohl auf eine zuvor geführte Unterhaltung.
    „Ich würde ihn gerne mit auf meine Mission nehmen, wenn das in Ordnung ist.“
    Cedric starrte ihn entgeistert an. Wovon redete Kecigor da? Wieder gut machen? Was für eine Mission? Es fühlte sich an, wie eine Ewigkeit, bis Ullrich eine Antwort gab.
    „Ich bin nicht dazu berechtigt, mich dem Vorhaben eines Ritters in den Weg zu stellen. Wenn ihr es wünscht, werde ich ihn euch überlassen. Was mit ihm danach passieren wird, hängt zunächst einmal davon ab, ob er am Leben bleibt.“
    Cedric stockte der Atem. Hatte er sich soeben verhört? Auf einmal sollte er zwischen dem Knast und seinem möglichen Tod entscheiden? Natürlich wollte er etwas sagen, wurde aber an der Schulter gepackt, ehe er einen Ton heraus bringen konnte.
    „Komm mit.“, sagte Kecigor nur.


    „Was sollte das gerade eben?“
    Keine Sekunde hatte Cedric verstreichen lassen, seit sie alle wieder den Innenhof betreten und die Tür hinter sich geschlossen hatten, um seine Frage zu stellen. Einerseits freute er sich, dem Kerker entronnen zu sein, andererseits fragte er sich, welches Schicksal er dafür gezogen hatte. Ihn für seine Eigene Mission zu beanspruchen, von der er nicht die leiseste Ahnung hatte und seinen Tod bedeuten könnte, erschien Cedric wenig reizvoll. Im Knast war man wenigstens am Leben.
    Kecigor führte die Gruppe, entgegen Cedrics Erwartung, nicht aus der Kaserne heraus, sondern hielt quer über den Innenhof auf einen Durchgang in der Mauer zu.
    „Nun erzähle mir nicht, dass du es vorziehen würdest, verhaftet zu werden, anstatt mir bei meiner Aufgabe zu helfen.“, antwortete er, ohne sich umzudrehen.
    „Ich wüsste einfach gerne, um was für eine Aufgabe es sich dabei handelt, verstehst du? Was meinte Ullrich mit am Leben bleiben?“
    „Wenn ich mir nicht sicher wäre, dass du es schaffst, würde ich dich nicht mitnehmen.“
    Cedric riss langsam ernsthaft der Geduldsfaden.
    „Jetzt sag mit endlich, was du vorhast.“
    Mit diesem Satz waren sie am Ende des Durchgangs angelangt und betraten einen kleinen Platz am Rande der Kaserne, der einen Überblick über die Häuser von Toldus gewährte. Der eigentliche Blickfang war jedoch etwas ganz anderes. Nahe der Wand ruhte sitzend eine Kreatur, die sich, als sie die Ankömmlinge mit scharfen Augen wahrnahm, zu imposanter Größe aufrichtete, was Cedric versteinern lies und Komura in Alarmbereitschaft versetzte. Allerdings nur für einen Moment bis Kecigor sich dem Lohgock selbstbewusst näherte.
    Das zirka zwei Meter große Pokémon wirkte vom Anblick sehr humanoid, wies mit seinen scharfen Klauen und dem Schnabel gleichzeitig die Züge eines Raubvogels auf, der seine Flügel abgeworfen hatte. Stattdessen besaß es eine Art Mähne am Rücken, die sich in zwei Hälften teilte. Der Körper wies durch seine rot-gelbe Färbung deutlich auf das Feuerelement hin, welches dieses Pokémon in sich trug. Cedric glaubte sich zu erinnern, dass sich Lohgock aus einem kleinen Feuerküken entwickelte. Eine eindrucksvolle Evolution, wie er empfand.
    Kecigor trat nahe an das Feuerpokémon heran und wandte sich Cedric zu.
    „Das hier ist Razton und beginnend mit ihm erkläre ich dir, wer wir sind, was unsere Aufgabe ist und was wir heute Nacht tun werden.“
    Cedric reagierte zunächst nicht auf seine Worte, denn seine Aufmerksamkeit galt nach wie vor dem Lohgock, das Kecigor ihm als Razton vorgestellt hatte. Nur zögerlich fand er seine Sprache wieder.
    „Also haben Ritter auch Pokémon als Partner?“
    „Manche.“, antwortete er zunächst nur knapp.
    „Ich habe dich mir heute als Ritter der Flamme vorgestellt, falls du dich daran erinnerst.“
    Nach kurzem überlegen stellte Cedric fest, dass er Recht hatte, nur hatte er es heute Mittag vermieden, nach dem Hintergrund zu diesem Namen zu fragen, da er sich in diesem Augenblick mehr Sorgen um sich selbst gemacht hatte. Nun aber interessierte es ihn, was hinter dieser Bezeichnung steckte.
    „Schonmal vom dem Phönixgott Ho-oh gehört?“
    „Ich bin kein gläubiger Mensch.“, sagte Cedric, ohne wirklich über diesen Namen nachzudenken. Er war sich allerdings sicher, ihn schon gehört zu haben.
    „In unserer Mythologie ist Arceus der Schöpfer allen Lebens, wie du vielleicht weißt.“, begann Kecigor zu erklären. Cedric nickte.
    „Ho-oh ist der Phönix, der seinem heiligen Wort direkt gehorcht und dessen Flammen ebenso Leben nehmen, wie geben können. Zu ihm beten wir und für seinen Ruhm ziehen wir in die Schlacht.“
    Cedric musste sich bemühen, nicht mit den Augen zu rollen, doch als er diese Worte hörte, musste er an all die verblendeten Wahnsinnigen denken, die ihr Leben irgendwelchen Gottheiten gewidmet hatten und so aufhörten, wirklich zu leben. Ganz zu schweigen von dem gottesfanatischen Pack, das ihn im Wald hatte erhängen wollen.
    „Wenn es euch Spaß macht.“, sagte er schließlich mit gleichgültigem Tonfall.
    „Ho-oh existiert.“, sprach Kecigor , der bereits verstanden hatte, dass Cedric nicht an die Götter glaubte, und ballte entschlossen eine Faust.
    „Durch den Bund mit seinem Feuer, den jeder von uns eingegangen ist, verleiht er uns die Gabe, diese Flammen in Form von Magie einzusetzen. Und diese Verbundenheit mit dem Feuer führte dazu, dass einige Ritter in den Feuerpokémon einen wertvollen Gefährten fanden, der sie nun durch ihr Leben begleitet. Es trifft nicht auf alle zu, doch ich hatte das Glück Razton zu treffen, sowie du dein Tornupto.“
    Cedric hörte interessiert zu. Als dieser von ihm so angezweifelte Glaube in Magie überging, wurde er plötzlich hellhörig. War das etwa wirklich ein Beweis, dass dieser Gott existierte? Diese Frage hatte er sich bis zu dem Moment gestellt, in dem Kecigor Komura ansprach.
    „Willst du damit behaupten, ich wäre von Ho-oh erwählt, oder so etwas?“, fragte er gereizt.
    „Keinesfalls, auch wenn es nicht auszuschließen ist.“
    „Den Gedanken kannst du gleich wieder vergessen, ich bin kei-“
    „Ich weiß.“, unterbrach er ihn.
    „Und darum geht es auch nicht. Das du ein Feuerpokémon an deiner Seite hast, kann genauso gut ein Zufall sein.“
    Cedric beruhigte sich und sah Komura an, der ihn mit großen Augen anstarrte. Obwohl er sich seiner Aussage sicher war, konnte er es nicht vermeiden, sie dennoch zu hinterfragen. Folgte er ihm wirklich, weil er, wie Kecigor es formuliert hatte, mit dem Feuer verbunden war? Nein, das konnte nicht sein. Eine solche Bindung besaß er nicht, er war kein Ritter.
    „Jedenfalls,“ fuhr Kecigor fort, „gibt es mehrere Gilden, die ihr Leben den Göttern widmen. Leider gehören dazu auch Menschen, die sich den dunklen Gottheiten verschrieben haben.“
    Cedric runzelte die Stirn.
    „Dunkle Gottheiten?“
    Er nickte.
    „Ho-oh ist der Gott der Flamme und des Lebens. Einer seiner größten Widersacher ist der Gott aus den Schatten und der Finsternis, Darkrai.“
    Kecigor machte eine kurze Pause um die Worte sinken zu lassen. Cedric fühlte sich aus unerklärlichen Gründen unwohl. Darkrai. Nie hatte er diesen Namen gehört, noch weniger hatte er eine Ahnung davon, wer oder was genau dieser Gott war. Doch allein sein Name verschaffte ihm ein mulmiges Gefühl. Er jagte einem die Panik eines gehetzten Beutetieres ein, welches nicht vor seinem Angreifer davonlaufen konnte. Als er dies zu erkenne schien, fuhr Kecigor fort.
    „Ein unheimlicher Gott, doch auch er hat seine Anhänger. Menschen, die die Dunkelheit lieben und in den Schatten leben. Sie sind seit der Entstehung unseres Ordens unsere Feinde. Wir nennen sie ganz einfach Schattenkrieger.“
    Cedric wusste langsam nicht mehr, wie er all dies verarbeiten sollte. Ritter, die einem Phönix dienten und Schattenkrieger, die dunkle Götter anbeteten. Viel war er bereits herum gekommen, doch das sprengte den Rahmen seiner Vorstellungen.
    „Das ist also deine Mission? Diese Leute aufzuspüren und zu verhaften?“
    „Sie zu töten.“, korrigierte er.
    „Moment, soll das heißen, es gibt welche davon in dieser Stadt?“
    Ein Hauch von Panik schwang in seinen Worten mit, doch Kecigor schüttelte ruhig den Kopf.
    „Meistens leben sie an menschenleeren Orten, um unentdeckt zu bleiben. Unsere Späher haben jedoch ein Versteck ausfindig machen können. Die Siedlung, die diesem Versteck am nächsten liegt, ist Toldus.“
    „Und warum brauchst du mich dafür? Du hattest doch etwas von einem anderen Ritter erzählt, mit dem du hergekommen bist.“
    „Das stimmt, er bewacht in diesem Augenblick das Versteck. Wir haben vereinbart, dass er prüft, ob sich tatsächlich jemand dort befindet und ich später zu ihm stoße. Und um ehrlich zu sein brauchen wir dich nicht zwingend, ich dachte mir aber, dass dir das lieber ist, als hinter Gittern zu sitzen.“
    Ein Ausdruck des Grübelns legte sich auf Cedrics Gesicht. Nun, da er den Auftrag der beiden Ritter kannte, war die Entscheidung dennoch keine einfache.
    „Du kannst gerne zu Ullrich zurück gehen und ihm sagen, dass du es dir anders überlegt hast, wenn du das möchtest. Aber wenn wir heute Erfolg haben, wird es nicht dein Schaden sein. Es ist eine blutige, aber vor allem ehrenvolle Aufgabe.“
    Geistesabwesend starrte Cedric gen Himmel, wo nur vereinzelte strahlen der Nachmittagssonne ihren Weg durch die Lücken der Wolken fanden, um den Tag wenigstens ein bisschen zu erhellen. So unpassend es vielleicht gerade sein mochte, er erlaubte es sich, zu lächeln. So ereignisreich war sein Leben in nur zwei Tagen geworden und nun lag es an ihm eine folgenschwere Entscheidung zu treffen. Niemand konnte ihm sagen, was passieren würde, wenn er einwilligte mitzukommen. Gesund und lebendig im Gefängnis zu sitzen war immer noch besser als der Tod. Sollte er es aber schaffen am Leben zu bleiben, wer wusste schon, was sich ihm danach bieten könnte. Hatte er nicht noch gestern gesagt, dass nun alles anders werden sollte? Dass er nicht mehr von Stadt zu Stadt trotten, dort einen kurzen, dreckigen Aufenthalt fristen und dann weiterziehen wollte?
    Mit Herzklopfen fuhr er über den Griff des Schwertes, das alles war, was noch an seinen Vater erinnerte. Genau, Cedric wollte einen Weg finden, stolz sein zu können, dieses Schwert einzusetzen. Er konnte nicht auf einen Schlag wieder gut machen, was er damals getan hatte, doch es wäre immerhin ein Anfang. Ihm bot sich eine Chance, die er vielleicht nicht mehr bekommen würde, sollte er jetzt ablehnen. Wieder tauschte er mir Komura einen Blick. Das Tornupto sah, was seine Augen ausdrückte und kam langsam auf ihn zu, nur um ihn kräftig mit dem Kopf zu stoßen. Cedric taumelte etwas zurück.
    „Was ist jetzt schon wieder mit dir?“
    Wütende Laute waren die Antwort. Komura kam mit schnellen Schritten auf ihn zu und richtete sich zu voller Größe auf, stemmte gleichzeitig seine Vorderläufe gegen seine Schultern und drückte ihn von sich weg. Cedric befürchtete zunächst nach hinten zu kippen, konnte seinen Stand aber gerade noch festigen.
    „Was willst du, huh?
    Cedric reizte das ganze allmählich und breitete herausfordernd die Arme aus. Zwar zeigte Komura die letzten Tage den gewohnten Gehorsam, hatte aber ansonsten nur merkwürdige Blicke und abwesendes Verhalten für ihn übrig gehabt. Was zum Henker war sein Problem? Bestimmt sah es für die Anwesenden so aus, als wollte Cedric sich gleich mit dem Pokémon prügeln. Sie konnten noch nicht wissen, dass er und Komura manchmal auf ruppige Art und Weise ihre Differenzen klärten.
    In dem Moment wurde Cedric aber etwas klar. Komura stemmte sich immer so gegen seinen Oberkörper, wenn er etwas von ihm verlangte. Normalerweise hielt er dem Druck und Gewicht des Feuerpokémons stand, eben hätte es ihn beinahe dem Boden näher gebracht. Cedric meinte in diesem Moment etwas anderes in den Augen seines Partners zu erkennen. Der Blick war herausfordernd aber nicht mit Aussicht auf eine Streiterei. Vielmehr kam es ihm vor, als wollte er ihm sagen, dass er sich endlich zusammenreißen und standhaft bleiben solle. Zögere nicht mehr. Wage endlich den Schritt. Mach etwas aus deinem Leben. Und Cedric musste zugeben, dass er in letzter Zeit oft zögerlich, misstrauisch und nervös gewesen war.
    Mit einem Lächeln kraulte er dankbar den Hals des Tornuptos. Er sehnte sich nach Unbekümmertheit und einer Aufgabe für sein Leben. Es war unnötig so lange über das Angebot nachzudenken.
    „Wann brechen wir auf?“, fragte er, ohne seine Augen von denen Komuras zu lösen. Sie wirkten zufrieden und voller Vorfreude.
    „Bei Sonnenuntergang werden wir von hieraus losziehen.“
    Nickend nahm Cedric es zur Kenntnis.
    „Dann viel Spaß, aber ohne mich.“
    Einen Moment brauchte Cedric um zu registrieren, wer da gesprochen hatte, bis ihm dämmerte, das Tristan die ganze Zeit schweigend hinter ihm gestanden hatte. Verblüfft über den Ton in dem er Sprach, drehten er und Kecigor sich zu ihm.
    „Du hast keine Schuld bei der Stadt zu begleichen, daher zwingt dich niemand mitzukommen. Ich würde deine Stärke allerdings willkommen heißen, wenn du doch mitkommen willst.“, sagte der Ritter. Tristan allerdings winkte gleich ab und wandte sich zum gehen. Maros folgte ihm still.
    „Vergesst es. Ich jage doch nicht den Anbetern des Totengottes hinterher.“
    In Cedrics Ohren klang es nicht, als hätte er Angst. Vielmehr schwang eine Menge Lustlosigkeit in seiner Stimme, was mehr als verwunderlich bei ihm war. Allerdings wunderte er sich ebenfalls, warum er so reagierte.
    „Ich denke, ihr beide seid alte Freunde. Warum willst du ihm dabei nicht helfen, Tristan?“
    „Ich mache es einfach nicht.“, stellte er lauthals klar.
    „Viel Glück.“, sagte er dann nur und bog um die nächste Ecke, hinter der die große Treppe Richtung Wohnhäuser und Stadttor führte.
    Zurück ließ er zwei schweigende Männer mit ihren Pokémon, die ihm lange hinterher schauten. Beide wollten sie gerne wissen, was bei Tristan ein solch abblockendes Verhalten verursacht haben könnte, doch waren sie gleichermaßen ratlos.

  • Hallo Firefly,


    ich war ja schon unheimlich gespannt, was nach dem eher hinterlistigen Ereignis im letzten Kapitel nun mit Cedric und Tristan passieren wird. Mit letzterem recht unerwartet nichts, auch wenn sich nun tatsächlich erklärt, warum die beiden steckbrieflich gesucht wurden. Schon ziemlich mies, dass die Wachen da sich selbst über andere gestellt haben, nur um besser da stehen zu können, aber sowas ist durchaus zu erwarten, wenn sie sich Chancen nach oben hin erhoffen. Dass Cedric schließlich einen Dienst ablegen muss, finde ich verständlich und da kam Kecigors Einwand durchaus rechtzeitig, dass er quasi seine Unschuld ja beweisen kann, indem er an der Mission teilnimmt. In dieser Hinsicht war Ullrich sehr fair. Wenn Cedric nicht überleben sollte, hat er schließlich auch nichts verloren.
    Angesichts dessen, dass auch Kecigor ein Pokémon an seiner Seite (passend, dass er als Ritter der Flamme Lohgock als Partner schätzen darf), verwundert es mich auch nicht, dass Pokémon unter den Rittern gar nicht als zu fremd angesehen werden. Hier mag ich es, dass du zum einen die Mythologie wieder rein bringst und auch erwähnst, dass es Cedric eigentlich nicht kümmert, da er nicht gläubig ist. So merkt man auch von Anfang an seine Motivation, nicht sofort zustimmen zu wollen, damit er von seiner Schuld befreit ist. Denn im Endeffekt würde er selbst nach dieser Mission wohl nicht viel davon haben. Möglicherweise könnte sich aber Tristan entgegenstellen, sollte er tatsächlich mehr Hintergedanken gehabt haben, als nur nicht bei der Mission dabei zu sein. Das muss sich allerdings noch herausstellen.
    Übrigens war es nett, dass Komura Cedric ein bisschen angetrieben hat. Eventuell hätte hier Kecigor eine kleine Reaktion zeigen können, dass er den schlagkräftigen Austausch zumindest mit einem interessierten Blick verfolgt. Er wird ja selbst auch wissen, wie ungestüm so ein Pokémon sein kann.


    Wir lesen uns!

  • Hab mir mit dem Antworten diesmal Zeit gelassem...


    ich war ja schon unheimlich gespannt, was nach dem eher hinterlistigen Ereignis im letzten Kapitel nun mit Cedric und Tristan passieren wird.

    Ja, erstmal nichts. Zumindest nicht durch die gerade Anwesenden, denn beobachtet wurde er von jemand anderes. Die Aktion hat keine direkten Folgen, sondern hat in erster Linie nur die Aufmerksamkeit von jemandem geweckt...



    Dass Cedric schließlich einen Dienst ablegen muss, finde ich verständlich und da kam Kecigors Einwand durchaus rechtzeitig, dass er quasi seine Unschuld ja beweisen kann, indem er an der Mission teilnimmt. In dieser Hinsicht war Ullrich sehr fair. Wenn Cedric nicht überleben sollte, hat er schließlich auch nichts verloren.

    Ullrich ist nicht voreingenommen oder parteiisch. Er hat sich sein eigenes Bild gemacht und bei Tristan zum Dank für seine Hilfe ein Auge zugedrückt. Diesen Bonus hat Cedric bedauerlicher Weise nicht, was ihn in eine Sackgasse stellt. Dass Kecigor sich hier eingeschaltet hat, kann natürlich nun gut oder schlecht für ihn sein, je nachdem wie die Geschichte ausgeht.



    Angesichts dessen, dass auch Kecigor ein Pokémon an seiner Seite (passend, dass er als Ritter der Flamme Lohgock als Partner schätzen darf), verwundert es mich auch nicht, dass Pokémon unter den Rittern gar nicht als zu fremd angesehen werden. Hier mag ich es, dass du zum einen die Mythologie wieder rein bringst und auch erwähnst, dass es Cedric eigentlich nicht kümmert, da er nicht gläubig ist. So merkt man auch von Anfang an seine Motivation, nicht sofort zustimmen zu wollen, damit er von seiner Schuld befreit ist.

    Pokemon bietet eine Plattform, die sich unfassbar gut für alte Mythologien und weiteres verwenden lässt. Damit kann man wunderbare Grundsteine für eigene Ideen im Pokemonuniversum legen. In diesem Bereich entstehet bei mir immer der beste Schreibfluss.
    Cedric hatte wenig bis gar keinen Grund, um eine Verbindung zur Religion aufzubauen, daher ist es nur logisch, dass er nicht direkt angetan von all dem ist. Doch schon bald wird er sehr viel offener für neues sein müssen.



    Übrigens war es nett, dass Komura Cedric ein bisschen angetrieben hat. Eventuell hätte hier Kecigor eine kleine Reaktion zeigen können, dass er den schlagkräftigen Austausch zumindest mit einem interessierten Blick verfolgt. Er wird ja selbst auch wissen, wie ungestüm so ein Pokémon sein kann.

    Oftmals drifte ich etwas beim Schreiben ab und denke mir, dass ich den Pokemon bisher etwas zu wenig Aufmerksamkeit gebe, weshalb Aktionen wie diese manchmal erst im Nachhinein eingefügt wurden. Das mit Kecigor wäre nicht schlecht gewesen. ^^

  • @MarieAntoinette @Sheogorath @Paya @Rusalka @southheart


    12: Jagd in der Dunkelheit



    Eigentlich hätte Cedric müde sein müssen. Doch davon war er weit entfernt. Zwar hatte er vergangene Nacht lange, aber dafür wenig erholsam geschlafen. Der darauf folgende Tag hatte zudem wieder nichts als Strapazen für den Waldläufer übrig gehabt, von denen die meisten eher seinen Nerven galten, anstatt den Muskeln. Und trotzdem war er den ganzen Abend noch unruhig da gesessen, als er von der Kaserne zu Reinholds Haus zurück gekehrt war, um dem Schmied über die Ereignisse zu informieren. Seine Reaktion war zunächst fassungslos, aber nachdem er die Nachricht von der nächtlichen Jagd erstmal sinken gelassen hatte, gewann auch er an Zuversicht.
    „Immerhin bist du mit zwei Rittern unterwegs. Sicherer kann man kaum sein.“, hatte er gesagt.
    Nach einem schnellen Abendessen hatte Cedric kaum die Füße still halten können und gleichzeitig die langen Sommertage verflucht. Als die Sonne schließlich endlich hinter den Horizont gesunken war, die Welt in unheimliches Zwielicht tauchend, konnte er seinem Drang, sich endlich zum vereinbarten Treffpunkt auf zu machen, endlich nachgeben. So unsicher er sich dieses Auftrages am heutigen Nachmittag noch gewesen war, so sehr blickte er ihm nun entgegen. Die Aussicht auf ein besseres Leben hatte einen starken Tatendrang in ihm hervorgerufen. Kombiniert mit dem von Komura ergab sich eine Vorfreude, die Cedric sehr lange nicht mehr erfahren hatte.


    Am vereinbarten Treffpunkt angekommen, wurden Cedric und Komura bereits erwartet. Razton hatte sich im Schneidersitz an die Mauer gelehnt, während Kecigor gelangweilt sein Schwert durch die Luft kreisen lies. Erneut war Cedric erstaunt mit welcher Leichtigkeit er diese riesige Klinge führte. Als er die Ankömmlinge bemerkte lies er diese in der Schwertscheide verschwinden und Razton erhob sich sogleich.
    „Bin ich spät dran?“, erkundigte Cedric sich beiläufig.
    „Nein, schon gut. Ein wenig Ruhe vor dem Abmarsch ist gar nicht schlecht. Bist du bereit?“
    Sicher, dass Kecigor die Anspannung in ihm erkennen konnte, nickte Cedric einfach und folgte dem Ritter zum Stadttor. Mittlerweile wirkte Toldus ziemlich leblos und lies irgendwie die Vermutung aufkommen, dass ein jeder hier wusste, dass heute Nacht etwas passieren wird. Es war, als wollte sich die Atmosphäre der Stadt der Situation anpassen, selbst wenn der Auftrag sie in die Wildnis führte.
    Auch wenn Cedric sich pausenlos Mut zusprechen wollte, konnte der Waldläufer es nicht verhindern, von seiner Nervosität in den Schwitzkasten genommen zu werden. Er hatte ja schon manches erlebt. Aber die heutige Nacht hielt einfach ein völlig neues Ereignis für ihn bereit. Das Kämpfen an sich stellte nicht Neues für ihn dar. Verbündete und Gegner waren so außergewöhnlich für ihn.
    Am Stadtrand angekommen und froh darüber, dass nicht wieder die selben Soldaten Wachdienst hatten, wie am Vortag, wies Kecigor weiter unbeirrt den Weg. Den Männern am Tor, die die zwei Feuerpokémon ehrfürchtig betrachteten, schenkte er keinerlei Aufmerksamkeit, sondern wandte sich draußen bald nach Rechts, Richtung Norden. Ein kurzes Stück der Mauer folgend dauerte es nicht lange, bis sie sich gänzlich im tief dunklen Wald wiederfanden. Ohne ihre beiden Begleiter, die den Weg etwas erleuchteten – Komura erzeugte wie gewohnt einen Flammenkragen, während Raztons Handgelenke Feuer ausstießen – hätte es nur Minuten gedauert, bis sie sich verirrt hätten. Kecigor aber schien genau zu wissen, wohin er die Gruppe führte, brach sein Schweigen aber nicht. Allerdings war Cedric auch nicht nach Reden zumute, wie meistens eigentlich. Doch da er es bislang vermieden hatte, in solch dunklen Nächten, in denen weder Mond noch Sterne hell leuchteten, unterwegs zu sein, war ihm tatsächlich sehr unwohl. Durch die sich fortbewegenden Lichtquellen waren auch sämtliche Schatten ständig in Bewegung, was dem menschlichen Auge immer wieder eine Regung im Dickicht vorgaukelte, während Laub und Zweige unter den Füßen knisterten. Cedric fragte sich, wo er in dieser Dunkelheit den Tatendrang vom Nachmittag verloren hatte. Er schaute rüber zu Komura, der seinen Blick auffing und den Abstand zwischen ihnen etwas verringerte. Ein aufmunterndes Knurren schenkte er ihm ebenfalls. Nur nicht zu nervös werden. Es würde schon gut gehen.


    Nach einiger Zeit – wie lange sie wirklich unterwegs waren, dass konnte Cedric nicht mehr einschätzen – gab Kecigor ihm mit erhobener Hand das Zeichen, stehen zu bleiben.
    „Wir sind jetzt fast da. Achtet nun genau darauf, euch geräuschlos zu bewegen.“
    Mit rasant ansteigendem Puls nahm er es mit einem einfachen Nicken zur Kenntnis. Gleich würde es also losgehen.
    „Razton, geh' schonmal vor.“, wies er zudem an, worauf Lohgock seine Flammen löschte und blitzschnell in der Dunkelheit verschwand. Kecigor wandte sich Cedric noch einmal zu.
    „Besser er löscht sein Feuer ebenfalls.“, wies er mit Blick auf Komura. Die daraufhin einsetzende Finsternis war Cedric unangenehm. Dennoch setzten er und Kecigor weiter einen Fuß vor den anderen.
    „Wir treffen jetzt meinen Kameraden, Marek. Wahrscheinlich weiß er schon, wie wir am besten angreifen sollten. Halte dich einfach an unsere Absprache, okay?“
    Cedric meinte, sein Herz wolle seiner Brust entspringen, so stark pochte es. Doch ein Rückzieher war nun nicht mehr möglich.
    „Alles klar?“, fragte der Ritter nochmals.
    Ein Lächeln.
    Der Waldläufer holte tief Luft, besah sich noch einmal gründlich seiner Situation. Die Nacht, der Wald, der Ritter, sein Pokémon. Dennoch, er war hier, weil er dem zugesagt hatte. Aus freiem Entschluss. Ja, das hier fühlte sich an, wie der Weg, den er gehen wollte.
    Er setzte seine Kapuze auf.
    „Legen wir los.“
    Komura unterstützte ihn mit offenkundigem Tatendrang. Kecigor sah zufrieden aus. So verloren sie keine weiteren Worte, sondern schlichen in die Richtung, in der Razton verschwunden war. Es dauerte nicht allzu lange, bis sie am Fuße einer Bergkette ankamen, die sich von Westen nach Osten zog und wie eine riesige Wegsperre wirkte. In einer natürlichen Senke, die parallel zu einem kleinen Bach verlief, der sich plätschernd bergab schlängelte, fanden sie Razton und einen Ritter mit identischer Rüstung wie Kecigor, der in Richtung des Gebirges spähte und es nicht aus den Augen zu lassen scheinen wollte. Als er die Neuankömmlinge bemerkte, ließ er sich seine Verwunderung entweder nicht anmerken, oder der Anblick von Cedric und Komura überraschte ihn aus irgendeinem Grund nicht wirklich. Wahrscheinlich war er nur auf seine Mission fokussiert. Kecigor konnte sich sein Erscheinungsbild bei der Dunkelheit nicht genau ansehen, aber im Moment gab es ohnehin Wichtigeres, daher gesellte sich geschwind an seine Seite.
    „Gut dass du da bist, Junge. Obendrein mit Verstärkung, wie ich sehe.“
    Seine Stimme war rau, dennoch mit einem angenehmen Ton. Allein an ihr konnte man erkennen, dass er einige Jahre älter als Kecigor sein musste.
    „Er wird uns sicher eine Hilfe sein.“, antwortete er und winkte Cedric näher heran.
    „Mein Name ist Cedric, das ist Komura.“, stellte er sich und seinen Partner schnell vor und reichte ihm die rechte Hand, welche rasch ergriffen wurde.
    „Ich bin Marek, freut mich, dass ihr da seid.“
    Damit war die Vorstellungsrunde in wenigen Sekunden beendet und alle bereits auf die bevorstehende Aufgabe fokussiert.
    „Wie ist die Lage?“, erkundigte sich Kecigor.
    Marek wies auf den Berg, an dessen Fuß ein Rahmen aus dicken Holzbalken zu sehen war, sowie ein Weg, der unter die Erde führte. Er war kaum erkennbar aus dieser Entfernung, so schwach war er ausgeleuchtet.
    „Dort drüben gibt es einen verlassenen Minenschacht, der in den Berg hinein führt. Ein anderer Ort kommt in dieser Gegend als Versteck nicht in Frage. Dort drinnen müssen die Schattenkrieger sitzen.“
    Cedric schaltete sich mit ein.
    „Ist es der einzige Eingang?“
    Marek zeigte in die Richtung, die sich links vom Eingang befand.
    „Etwa zweihundert Meter entfernt ist ein zweiter Eingang. Die Minen sind miteinander verbunden, aber der Hauptschacht befindet sich hier vorne. Zumindest sind das unsere Informationen.“
    „Wir müssen uns also aufteilen.“, schlussfolgerte Kecigor mit Blick auf den Berg und drehte sich dann zu Marek um. „Also, wie genau machen wir's?“
    „Kecigor, wir bleiben zusammen und übernehmen den Hauptschacht. Cedric, deine Aufgabe ist es, den Nebenschacht zu sichern und später zu uns zu stoßen. Ich glaube nicht, dass sich besonders viele Feinde da drinnen aufhalten, aber wenn dort jemand das Sagen hat, wird er sich bestimmt tief in der Mine verschanzt haben. In erster Linie muss du sicher stellen, dass niemand diesen Weg zur Flucht nutzen kann.“
    Da niemand irgendwelche Einwände hatte, verschwendeten sie keine weiteren Worte und machten sich auf den Weg. Während die beiden Ritter zusammen mit Razton gleich den Haupteingang stürmten, begaben sich Cedric und Komura im Laufschritt zum Nebenschacht. Der Waldläufer merkte überrascht, dass seine Nervosität scheinbar gänzlich verflogen war. Kein Herzrasen oder schwache Glieder. Jede seiner Bewegungen wurde von der Überzeugung getragen, etwas richtiges zu tun. Trotz schwachen Lichtverhältnissen verpasste er den gesuchten Eingang nicht und betrat ohne zu zögern den dunklen Schacht, Komura immer direkt in seinem Rücken. Leicht wunderlich, dass keine Wachposten aufgestellt wurden. Vermutlich, damit niemand, der zufällig diese Gegend durchstreifte, auf die Idee kam, dass hier jemand verschanzt wäre.
    Das kühle Gestein des Berges empfing die beiden Ankömmlinge mit sehr milder Temperatur, welche sie leicht frösteln lies. Cedric bemühte sich geräuschlos vorzugehen, um möglichst lange unentdeckt tiefer in das Höhlensystem vordringen zu können. Da Marek und Kecigor mittlerweile schon Aufmerksamkeit erregt haben könnten, hatte er nun die Gelegenheit in den Schatten zu agieren.
    Dann verlangsamte er sein Tempo. Ein starkes Licht am Ende des Ganges wies darauf hin, dass sich dort ein größerer Raum befand. Dicht an die kalte Steinwand gepresst, wagte Cedric sich nun sehr langsam voran.
    „Ich verstehe das Ganze nicht.“
    Cedrics Muskeln stoppten abrupt, als auf einmal diese Stimme durch den Gang hallte. Im Schein des Fackellichtes bewegte sich plötzlich ein Schatten.
    „Sollten wir nicht als geschlossene Einheit agieren, anstatt in den verschiedensten Winkeln verstreut dem Feind Möglichkeiten zum Angriff zu geben? So, wie wir momentan aufgestellt sind, wäre es ein Leichtes, eine Gruppe nach der anderen auszuschalten, selbst für diesen Abschaum.“
    Den Worten folgten ein paar schwere Schritte, sowie das Rascheln von Pergament. Dann schaltete sich eine Stimme ein die wesentlich rauer klang und offenbar einem älteren Mann gehörte.
    „Deine Aufgabe ist, zu gehorchen, nicht zu fragen. Wenn wir den Befehl kriegen, uns aufzuteilen, dann hat unser Meister auch eine genaue Vorstellung, wie er zuschlagen will.“
    Cedric notierte sich geistig jedes einzelne Wort das ausgesprochen wurde. Offenbar hatte dort ein Jüngling der Schattenkrieger Einwände bezüglich der strategischen Position. Allem Anschein nach, waren diese auf einer Landkarte verzeichnet. Cedrics Körper verfiel einem ungeheuren Tatendrang. Sollte es ihm gelingen, diese Karte zu ergattern, wäre das einfach großartig. Da Stehlen und Weglaufen wohl keine Option war, fuhren seine Finger bereits Richtung Schwert.
    „ALARM!“, hallte es plötzlich.
    Cedrics Herzschlag setzte kurz aus. Hektisch sah er sich um. Hatte man ihn entdeckt? Niemand war zu sehen, also wer hatte da geschrien?
    Als seine Ohren vernahmen, wie eine Person ihren Lauf stoppte und schwer atmete, wagte er es, endlich einen Blick in den Raum zu werfen, auch auf die Gefahr, dass sie ihn sofort sehen würden. Zu seinem Glück befand er sich in einem neunzig Grad Winkel zu drei Personen, jede von ihnen in einfacher Tracht aus schwarzem Stoff und Leder. Einer von ihnen war gerade aus einem anderen Tunnel hervor getreten und stützte nun schwer atmend die Hände auf die Oberschenkel.
    „Ein paar Ritter haben den Hauptschacht angegriffen. Es gibt bereits Tote.“
    Ein groß gewachsener Mann mit grauem Haar reagierte als erster.
    „Was heißt 'ein paar Ritter'? Wie viele sind es denn?“
    „Ich weiß nur, dass es mehr als einer sind. Ich konnte allerdings nur einen sehen. Ich bin dann sofort hierher gerannt.“
    Der graue Mann fluchte und wandte sich an den offensichtlichen Jüngling – einem etwas klein geratenen Lockenkopf – und drückte ihm ein zusammengerolltes Pergament in die Hand.
    „Nimm die Karte und flüchte zum nächsten Stützpunkt. Wir dürfen nicht riskieren, dass sie den Rittern in die Hände fällt.“
    Der Angesprochene machte einen nervösen Eindruck, nickte aber und steckte die Karte ein.
    „Sie haben den Nebenschacht wohl noch nicht entdeckt. Wenn wir sie unten einkreisen können, sitzen sie in der Falle.“, fuhr er fort.
    „Los, du kommst mit.“,wies er an und rannte mit dem anderen Mann zurück in den Tunnel.
    Cedric war mittlerweile wieder hinter der Ecke verschwunden. Dabei ertappte er sich selbst, wie ein breites, diabolisches Grinsen sein Gesicht einnahm. War das denn zu fassen?
    Glück, ja so viel Glück hatte er in diesem Moment. Marek und Kecigor mischten weiter drinnen bereits das ganze Versteck auf und lenkten Feinde von ihm ab. Und nun saß eine einzelne Person, jünger als er selbst mit wertvollen Informationen in der Falle. Er sah Komura an. Seine Gesichtszüge waren ähnlich definiert. Das Klimpern und Klappern, das ertönte, als der Junge anscheinend noch ein paar Sachen hastig zusammen wühlte, hörte Cedric schon garnicht mehr. Zum ersten Mal seit langer Zeit war er aufgeregt und freute sich euphorisch, nach seinem Schwert greifen zu dürfen. Er genoss es richtig, die Finger um den Griff zu schließen. Verstecken war nicht mehr notwendig, also trat er hervor, strich sich die Kapuze vom Kopf und zog mit metallischem Kreischen die Klinge seines Vaters hervor. Es war Zeit zum Töten.
    Der Junge erstarrte sofort, als er sich von dem alten Tisch und dem Bücherregal in der Ecke umdrehte und Cedric erblickte. Noch viel ängstlicher beäugte er das Tornupto, das sich angriffslustig neben ihm positionierte und seine Nackenflammen lodern lies.
    „Wer zum Teufel bist du?“, wollte er wissen.
    Cedric entschied sich, nicht zu antworten. Er sah keinen Grund, dies zu tun. Trotz der Schweißtropfen, die seine Schläfe hinab wanderten, lächelte sein Gegenüber aber plötzlich.
    „Nein, du bist kein Ritter.“, stellte er fest.
    „Hat dieser armselige Haufen solch einen Mangel an Männern, dass sie jetzt schon Söldner anheuern?“
    Dass er seine Überlegenheit nur vorgaukeln wollte, entging Cedric nicht. Er wollte verbergen, dass er nervös war, schaffte es allerdings keineswegs. Trotzdem sprach er immer weiter.
    „Was haben die dir geboten? Wahrscheinlich Gold, richtig? Ja, Gold hat dieser korrupte Haufen, wie Heu. Aber du weißt ja gar nicht, mit welch dreckigen Mitteln die daran kommen. Hauptsächlich durch Leute wie dich. Sie arrangieren Fremde für die Drecksarbeit, damit sie sich nicht selbst die Hände schmutzig machen müssen. Ich sage dir, da hättest du es bei uns sehr viel besser. Was würdest du also sagen, wenn...?“
    „Hältst du mich für einen Bauern?“, unterbrach er ihn genervt.
    „Denkst du, ich bin so blöd, dir den Scheißdreck abzukaufen?“
    Der Junge schien einen Moment komplett sprachlos, fing sich erst nach einigen Momenten wieder.
    „Je- Jetzt hör mich doch erstmal zu. Ich kenne eine Menge wichtige Leute bei uns. Ich kann dafür sorgen, dass du wie ein Prinz leben wirst, wenn du uns hilfst. Wenn du ablehnst, wäre das der größte Fehler deines Lebens!“
    Cedric seufzte.
    „Warum redest du so viel?“
    „Hä?“
    „Ich bin nicht zum Plaudern hergekommen. Aber wenn du unbedingt reden willst, dann mach' es während ich dich in Stücke hacke!“
    Mit dieser Drohung nahm er seine Kampfhaltung ein. Mit der linken Schulter Richtung Gegner gewandt und dem Schwert parallel zum rechten Bein, fixierte er sein Gegenüber.
    „Hältst du dich raus?“, erkundigte er sich bei Komura, ohne seinen Blick abzuwenden.
    Das Tornupto sah ihn kurz an, schien zu überlegen und erkannte, dass dies kein Befehl, sondern eine Bitte war. Er wusste um den Wunsch und dem Verlangen nach Ehre, die der Waldläufer anstrebte. Einen einzelnen Gegner mithilfe eines Pokémons zu besiegen wäre feige und niemals in seinem Sinne. Also trat Komura ein paar Schritte zurück. Er würde sicher noch seinen Einsatz bekommen. Cedric nahm dieses Einverständnis mit einem kleinen Lächeln hin und wies ihn an, vorauszugehen und den nächsten Tunnel zu sichern. Komura gehorchte ohne Widerwillen und Cedrics Herz schlug in freudiger Erwartung auf den Bevorstehenden Kampf.
    Sein Gegner hatte offenbar endlich erkannt, dass er sich nicht mit Worten aus der Affäre ziehen konnte und zog zwei Kurzschwerter mit dünner Klinge. Waffen die sehr schnell geführt wurden. Er nahm sich vor, vorsichtig zu agieren.
    „Ist das nicht etwas übermütig, dein Pokémon wegzuschicken? Das erscheint mir sehr arrogant.“
    Cedric sah keinen Grund, sich um diese Worte zu scheren.
    „Zeig, was du drauf hast.“
    Der Junge nahm ihn beim Wort und griff an. Cedric bemerkte, wie er die Schwerter führte. Das in der linken Hand hielt er normal, das Rechte hielt er mit der Rückhand, wie einen Dolch. Sofort ging er in eine schnelle Drehung über, ließ nacheinander die Klingen auf ihn nieder sausen. Einer schnellen Drehung seinerseits folgte eine knappe Abwehr mit seiner eigenen Waffe, ehe Cedric zwei Schritte nach hinten machte um einer Folgeattacke zu entgehen.
    „Schon auf dem Rückzug?“, provozierte der Junge.
    So sehr er auch daneben lag, musste Cedric jetzt schon seine Geschwindigkeit anerkennen. Da er einem beidhändig kämpfenden Kontrahenten gegenüber stand, hatte er sich von vornherein dazu entschieden, zunächst abzuwarten und seine Bewegungen zu beobachten.
    Erneut hechtete er auf ihn zu. Diesmal mit mehr Gewalt als Tempo fuhren zwei überkreuzte Klingen auf ihn nieder. Wieder gelang ihm der Block nur gerade so. Drei Schwerter trafen aufeinander, kreischten schrill, als ihre Besitzer verbissen versuchten, den Gegner zurück zu drängen. Cedric erkannte die zitternden Muskeln in den Armen seines Gegenüber. Also schrie er. Er schrie mit rauer Stimme, entfesselte mehr Kraft und gewann die Oberhand. Langsam drängte er den Jungen zurück, setzte immer schneller einen Fuß vor den anderen und beging dabei einen Fehler. Zu unkoordiniert vorwärts stürmend, gewillt seine Gegner in die Ecke zu treiben, gab sich Cedric eine Blöße. Eine schnelle Körperdrehung ließ seinen Angriff ins Leere laufen, woraufhin wieder Angriffe in Wirbelwind artigen Bewegungen auf in niedergingen. Cedric rollte sich rückwärts ab, brachte so schnell, wie möglich Distanz zwischen die beiden Widersacher.
    Sogleich ging er wieder in seine gewohnte Haltung, erkannte dann aber, dass sein Gegner ihm garnicht hinterher eilte. Mit lockerer Körperhaltung betrachtete der Junge scheinbar fasziniert seine Klingen.
    „Ich glaube ich hatte Recht.“, sagte er. Den Blick von dem rot gefärbten Stahl abwendend, nahm ein bösartiges Grinsen sein Gesicht ein.
    „Du bist übermütig.“, lachte er.
    Cedric verzog nach wie vor keine Mine, auch wenn die Schnitte an seinem Arm und am Bein höllisch brannten. Es war kein unbekannter Schmerz. Doch wenn man einmal die wirklich schlimmen Verletzungen überstanden hatte, begann man, einfachen Schnittwunden keine große Beachtung mehr zu schenken. Es hatte jeweils die linken Glieder erwischt, was er als Glück verbuchen konnte. Hätte es seinen Schwertarm getroffen, wäre die Situation wesentlich schlechter. So war es ein Preis, denn er bereit war zu zahlen. Denn im Austausch für diese Schnitte wusste er nun, wie er diesen Kampf gewinnen konnte.
    Da er in Sachen Geschwindigkeit nicht mithalten konnte, musste Cedric auf seine Überlegene Muskelkraft setzen, ohne ein weiteres Mal so stur vorwärts zu preschen. Zudem vollführte der Junge mit seinen Drehungen scheinbar gerne einen regelrechten Klingensturm, um seine Gegner zurück zu treiben. Ein schwieriger Angriff, wer aber etwas Erfahrung mitbrachte, konnte damit umgehen.
    „Ab jetzt zählt es.“, sagte er nur zu sich selbst und griff nun selbst an.
    Mit nun mehr Acht auf seine Deckung agierte Cedric ab sofort offensiver. Mit fließenden Bewegungen lies er seine Schlagserie nicht stoppen und zwang seinen Gegner zu immer mehr Paraden. Dabei gelang es jenem jedoch nicht, den Verlauf von Cedric Klinge zu stoppen, sondern sie nur wieder und wieder an den seinen abprallen zu lassen. Seine Chance witternd legte der Waldläufer an Kraft zu, indem er durch kurze, kräftige Schreie mehr Gewalt in seine Hiebe setzte. Er musste nicht vorwärts stürmen. Durch seine körperliche Überlegenheit würde sein Kontrahent bald von selbst in die Knie gehen. Wieder stellte Cedric es sich zu einfach vor.
    Der Moment eines Augenblinzeln war es – Cedric hatte noch nicht einmal eine falsche Bewegung vollführt – in dem der Junge aus seiner Deckung brach und offen angriff. Der ersten Klinge wich Cedric aus, indem er seinen Unterleib einzog und somit einem aufgeschlitzten Bauch entging. Als er merkte, dass die zweite Attacke zu schnell kam, um ihr auszuweichen, schnellte seine freie Hand hervor und packte das Handgelenk des Jungen. Sofort lies Cedric sich rücklings fallen, zog den Kopf ein und beförderte seinen Gegner mit einem starken Schulterwurf auf den Boden. Der stöhnte voller Schmerz, als er mit dem Rücken auf das harte Gestein prallte, war allerdings zäh genug, nicht einfach hilflos liegen zu bleiben.
    „Du...!“, keuchte er verärgert und riss sich von Cedric los, rollte sich ab, entkam so dem vernichtenden Schlag und stand sogleich wieder aufrecht in Kampfhaltung. Nun von der Hitze des Gefechtes gepackt, zögerte er nicht, erneut anzugreifen. Dieses Mal attackierte er mit beiden Schwertern zugleich und von beiden Seiten. Ähnlich einer Scherenbewegung sausten die Klingen auf Kopf- und Brusthöhe auf Cedric zu. Abermals nicht in der Lage, beide Hiebe zu parieren, blockte er das Schwert auf Brusthöhe, duckte sich unter dem anderen hinweg und hielt auf die Beine seines Gegners zu. Der lies die Klinge mit einem Sprung ins Leere laufen und benötigte sofort wieder einen festen Stand. Anders hätte er den Folgeangriff, der ihm mit Sicherheit den Schädel gespaltet hätte, nämlich nicht mit überkreuzten Waffen auffangen können.
    Erneut standen sich die Kontrahenten mit rasselnden Klingen gegenüber und blickten einander an. Zornig, verbissen, zielstrebig. All das spiegelten sich in ihrer Mimik wieder und Cedric spürte, wie etwas seltsames von ihm Besitz ergriff. Die Gefahr das eigene Leben zu verlieren mischte sich mit dem Willen, das Richtige zu tun und löste eine Explosion von Emotionen in ihm aus. Er genoss diesen Kampf.
    Der entscheidende Moment wurde schließlich eingeleitet, als sich die beiden Widersacher kraftvoll voneinander abstießen um direkt erneut anzugreifen. Der Jüngling machte einen raschen Schritt in Richtung Wand, fort von Cedric. Schwungvoll sprang er auf den Fels zu, stieß sich mit einem Bein daran ab und katapultierte sich so hoch in die Luft, wie es der Minenschacht zu lies. Mit weit ausgeholten Klingen stürzte der junge Schattenkrieger nun auf Cedric herab. Der wiederum versuchte nicht erst, den Angriff abzuwehren sonder wirbelte zur Seite. Der Moment war gekommen.
    „Zu langsam!“
    Ein Teil der Faszination, die einen Kampf ausmachen konnten, war der kurze Augenblick, in dem urplötzlich alles vorbei war. Der fatale Fehler, er wurde begangen. Das Ergebnis war eine Klinge, die ins Leere ging und eine, die sich blutrot färbte.
    „Das war's.“, brachte der Schwarzgekleidete erschöpft hervor.
    Cedrics Augen wanderten zu Boden.
    „Ja.“, hauchte er.
    „Warum?“
    Cedric ging aus seiner geduckten Haltung hervor und zog mit der Rückhand sein Schwert aus dem Körper des Jungen, der auf die Knie sank.
    „Du wärst sicher einmal ein begnadeter Kämpfer geworden. Nur hast du einen tödlichen Fehler begangen, als du dich auf mich stürzen wolltest. In der Luft bist du an die Schwerkraft gebunden und leicht zu kontern. Kein Stoppen, kein Ausweichen. Du hast dich selbst in eine hilflose Lage gebracht.“, belehrte er ihn, als er sehen konnte, wie das Lebens mitsamt seines Blutes aus dem Körper wich.
    „Ein...“, hustend spuckte er mehr von der roten Flüssigkeit, „beschissenes Ende.“
    In dem Moment, als der Leib leblos zu Boden prallte, wusste Cedric nicht genau, was er fühlen sollte. Freude oder Reue? Welches dieser Beiden hatte gerade die Oberhand. Er war zielgerichtet in diesen Kampf gegangen, hatte es genossen, einem ebenbürtigen Gegner gegenüber zu stehen und hatte einen Feind besiegt. Doch dieser Feind war noch jung, viel zu jung. Er kannte die Umstände nicht, die ihn zu den Schattenkriegern gebracht hatten, doch irgendwie hatte er einen anderen Gegner erwartet. Grummelnd schüttelte Cedric den Gedanken ab. Blödsinn, er war der Feind. Als Mitglied eines Kultes, der sich mit einem Ritterorden im Krieg befand, musste er auf den Tod vorbereitet sein.
    'Soll doch dieser komische Darkrai sich jetzt um ihn kümmern.', dachte er sich, als er in Windeseile seine Taschen durchwühlte. Wichtiger waren die Leben, die es zu schützen galt. Komura, Kecigor, Marek. Sie alle waren aus bestimmtem Grunde hier. Für einen ehrenvollen Sieg.
    „Einen ehrenvollen Sieg.“, murmelte Cedric seine Gedanken nach und hielt inne, als er gerade weiter den Tunnel hinabsteigen wollte. So sehr die Zeit drängte, sah er sein Schwert an, folgte mit seinem Blick den Verlauf des scharfen, robusten Stahls. Ein wenig wie in Trance wischte er das Blut am Ärmel seines Mantels ab und fixierte die halbwegs saubere Klinge. Jene hatte sein Vater ihm damals hinterlassen. Jene wollte er verantwortungsvoll einsetzen um seinen alten Herrn zu ehren. Heute, Jahre später tat er dies zum ersten Mal.
    Mit aufgerissenen Augen hob er das Schwert hoch und Blickte empor auf des Gestein, das den Himmel verdeckte.
    „Siehst du das, Vater? Das ist deine Ehre!“
    Mit schnelles Schritten eilte Cedric tiefer in den Minenschacht.

  • Hallo Firefly,


    ich war schon sehr gespannt zu sehen, wie Cedrics erste Mission unter Kecigor ablaufen wird. Immerhin ist das Ausräuchern eines Diebesverstecks ja auch nicht gerade leicht, wenn man weiß, dass die in der Überzahl sind. Find's ja immer witzig, wenn dann drei Leute reinmarschieren und alle aufmischen (so denke ich bei Filmen und Spielen auch immer). Maximal das könnte ich dir also ankreiden, aber andererseits sollte das auch nicht im Fokus stehen.
    Nun hat Cedric also nach dem Abzug der Leute im Nebenschacht sein Opfer gefunden. Eine Karte ist eine gute Belohnung, da sie für spätere Operationen auch noch wichtig sein kann und daher verstehe ich auch seinen Tatendrang. Dass er Komura zurückhält ebenfalls, um seine Ehre im Zweikampf zu zeigen. Letzten Endes war es ja seinem Übermut zu verdanken, dass er nicht ganz ohne Verletzungen aus dem Kampf kam, aber den Fehler seines Gegenübers, einen Luftangriff zu machen, hat er auch gut ausgenutzt. Besonders bei so wenig Raum kann man sich das einfach nicht erlauben, hoch zu springen, besonders nicht bei zwei Schwertern.
    Überrascht hat mich persönlich, dass er den Tod seines Gegenübers doch sehr gelassen hingenommen hat. Das zeigt, dass er schon oft in solchen Situationen gewesen zu sein scheint, da er sonst definitiv anders reagiert hätte, auch bei seiner Vorstellung am Anfang. Dort hat er den Kampf ja regelrecht herbeigesehnt. Jetzt bleibt also nur abzuwarten, was ihn tiefer in der Mine erwartet.


    Wir lesen uns!

  • Hey Rusalka,


    einfach nochmal ein kurzen Dankeschön, dass du so schnell und fleißig kommentierst :)



    Find's ja immer witzig, wenn dann drei Leute reinmarschieren und alle aufmischen (so denke ich bei Filmen und Spielen auch immer). Maximal das könnte ich dir also ankreiden, aber andererseits sollte das auch nicht im Fokus stehen.

    Verstehe hier durchaus, was du meinst, ist aber schon so gedacht. Man wird natürlich noch mehr über die Ritter erfahren und - so viel verrate ich schonmal - lernen, dass es durchaus seine Gründe hat, dass sie beeindruckendes leisten können. Auch ein kämferisch hervorragendes Pokémon wie Lohgock kann viel ausrichten. Aber um dich noch etwas zu beruhigen, in Shounen-Anime ähnlichen 1vs100 Massakern wird das hier nirgends ausarten. ^^



    daher verstehe ich auch seinen Tatendrang. Dass er Komura zurückhält ebenfalls, um seine Ehre im Zweikampf zu zeigen. Letzten Endes war es ja seinem Übermut zu verdanken, dass er nicht ganz ohne Verletzungen aus dem Kampf kam

    Cedric hätte umgehen können, sich in Lebensgefahr zu bringen, wenn er Komura mit eingesetzt hätte. Doch wie in der Vergangenheit angedeuten ist sein Ehrgefühl keinesfalls erloschen. So sehr dies aber Anerkennung verdienen mag, kann es auch als folgenschwerer Fehler enden.



    Überrascht hat mich persönlich, dass er den Tod seines Gegenübers doch sehr gelassen hingenommen hat. Das zeigt, dass er schon oft in solchen Situationen gewesen zu sein scheint, da er sonst definitiv anders reagiert hätte, auch bei seiner Vorstellung am Anfang. Dort hat er den Kampf ja regelrecht herbeigesehnt.

    Es war ja nicht das erste Mal, dass er ein Leben genommen hatte. Und hierbei spreche ich nicht nur von den Dorfbewohnern zu Beginn der Geschichte, auch in (noch) nicht erzählten Ereignissen in seiner Vergangenheit hat er dies getan. Der Unterschied zur Situation jetzt ist ein Feind auf Augenhöhe. Es geht nicht um feigen Mord oder ähnliches, sondern es sind zwei Kämpfer, die zwar unterschiedliche Ziele haben, aber für ihre Sache einstehen und bereitwillig ihr Leben aufs Spiel setzen. Ein Mann, der für seine Überzeugung alles gegeben hat, verdient es einfach nicht bemitleidet zu werden, so kann man das denke ich am besten ausdrücken.


    Was Cedric nun im Inneren des Berges erwartet, steht als nächstes noch nicht ganz im Vordergrund. Aber ich hatte das Gefühl, dass hier kein schlechter Augenblick war, ein-zwei Hintergründe zu erläutern ;)


    Bis zum nächsten Mal.