Ein Schloss aus Glas

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    Ein Schloss aus Glas
    „A great enough sorrow might stop time.
    But no matter how hard you try, one day time will start moving again.
    If you don't realise this, you are going to be left behind.“






    Vorwort


    Herzlich Willkommen zu dieser Fanfiction, die ich eigentlich nur Schreibe, weil ich gerade an ein paar überflüssigen Ideen leide, die zu Papier gebracht werden wollen und ansonsten alle anderen Ideen abtöten würden. Obwohl das Valetshipping (Perenus x Kattlea) und hier im Zentrum stehen soll, kann es vorkommen, dass ich aufgrund dessen auch hin und wieder in andere Richtungen abdriften werde. Der Fokus wird in der Geschichte insgesamt auf Perenus liegen, da ich seinen Charakter doch recht interessant finde. Insgesamt habe ich mir das Canon auch nach eigenen Bedürfnissen zurechtgebogen, es kann also sein, dass zeitlinien- oder umgebungstechnisch Dinge auftreten werden, die etwas fremd sind. Aber es ist ja nicht umsonst Fanfiction, hue.
    Kritik darf gerne geschrieben werden und wird auch beachtet, seid mir aber bitte nicht böse, sollten ReKommis sehr spät oder überhaupt nicht erfolgen. Ich bin... zu faul. Die Kritik werde ich mir aber dennoch zu Herzen nehmen und verarbeiten, versteht mich in dem Sinne also bitte nicht falsch.
    Und wo das abgehakt ist... frohes Lesen.






    Inhalt


    Lady Kattlea, eine angesehene junge Dame aus reichem Hause und Mitglied der Top 4 Einalls. Früher war sie vielen eher als Leiterin des Kampfpalais ein Begriff, ein Posten, den sie jedoch ablegte, nachdem sie nach Einall gereist war. Ihr Kammerdiener war zutiefst bestürzt über dieses Ereignis, obwohl sie trotz allem den Kontakt zu den anderen Kampfkoryphäen nicht abgebrochen hat. Da dieser jedoch nicht allzu intensiv ist, wissen sie kaum etwas über ihr neues Umfeld in der Liga. Aus diesem Grund kommt es zu einigen chaotischen Ereignissen als dieser bunte Haufen aufgrund eines Unglücks in der Kampfzone Sinnohs in Kattleas Villa in Ondula über einen längeren Zeitraum zur Not unterkommen muss. Insbesondere Perenus sieht sich mit Schwierigkeiten konfrontiert, da er seit längerer Zeit nicht mehr engeren Kontakt zu seiner Herrin hatte und wohl nur schwer damit fertig zu werden scheint, dass das hilfsbedürftige und verwöhnte Mädchen von damals allmählich zu einer starken und unabhängigen Frau heranwächst...







    Charaktere


    [tabmenu][tab='Info']Hier werden die wichtigsten Charaktere mit knapper Vorstellung aufgelistet. Im Laufe könnten noch ein paar hinzukommen.
    [tab='Die Kampfkoryphäen']Eine Gruppe von sehr starken Trainern, die außerhalb der Pokémon-Liga agiert und von denen jeder seinen eigenen, individuellen Kampfstil besitzt. Insgesamt pflegen sie untereinander ein sehr enges und freundschaftliches Verhältnis.


    Perenus

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    (Und mit heruntergelassenen Haaren, weil warum nicht.)
    Kattleas Kammerdiener, der in ihrem Namen im Kampfpalais gekämpft hat, doch seit ihrem Aufstieg in die Top 4 wurde es ihm ganz überlassen. Ein ruhiger und gesitteter Mann, der sich äußerst gut mit der Etikette auskennt und zudem noch viele haushaltliche Talente besitzt. Die äußere Fassade trügt jedoch. Vor allem während Kämpfen oder anderen belastenden Situationen kann es vorkommen, dass sich seine Persönlichkeit schlagartig um 180° dreht.


    Viktor
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    Als der Koloss des Duellturms sehen ihn viele als Anführer der Kampfkoryphäen Sinnohs an. Eine äußerst hitzköpfige Persönlichkeit, der es meist nicht schnell genug gehen kann. Häufig kann man Viktor dabei beobachten, wie er in seiner Hast aus Versehen andere Leute an- oder umrempelt, sein Verhalten scheint ihn selbst aber kaum zu stören. Er hat allerdings ein starkes Familienbewusstsein.


    Dahlia
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    Die geborene Partykönigin. Elegant und spielerisch schwingt sie gerne ihre Hüften und hat nicht umsonst den Ruf eines unzähmbaren Wildfangs. Extrovertiert wie sie ist geht sie gerne offensiv mit Leuten um und ist außerdem dem Glücksfaktor nicht abgeneigt, was man auch daran erkennen kann, dass sie der Star der Kampfarkaden ist. Außerdem scheint sie eine sehr optimistische und sorgenfreie Seite an sich zu haben.



    Distmar
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    Ein Wunderkind, das mit ziemlich hoher Intelligenz gesegnet ist. Distmar betrachtet alles stets möglichst analytisch und geht seinem Beruf beinahe wie ein Forscher nach und das mit einer fast schon beunruhigenden Präzision. Er kennt so gut wie jedes Pokémon in dieser Welt mit all seinen Stärken und Schwächen und ist zudem noch sehr bewandert mit der modernen Technik. Dafür lassen jedoch seine sozialen Fähigkeiten zu wünschen übrig.


    Argenta
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    Wohl die Älteste unter den Kampfkoryphäen, aber nach wie vor sehr jung geblieben. Sie genießt ihr Leben in vollen Zügen und sucht daher stets den Spaß in dem, was sie tut. Trotzdem ist sie sehr erfahren und möchte vor allem junge Trainer sowie das Band zwischen ihnen und ihren Pokémon stärken. Auch ist sie eine Person, der man vieles anvertrauen und auch mal um Rat fragen kann, sollte man in einer schwierigen Lage stecken.



    [tab=Die Liga Einalls]Vor allem gemeint sind damit die Top 4. Ein recht gemischter Haufen an äußerst starken Trainern, die untereinander zwar hin und wieder ihre Defizite haben, aber trotz allem stark zusammenhalten.


    Kattlea
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    Eine adrette Dame aus reichem Hause. Aufgrund ihrer enormen psychischen Kräfte wurde ihr in jungen Jahren das Kämpfen verweigert, da sie häufiger außer Kontrolle gerieten und zu großen Schaden anrichteten. Doch nun, wo sie diese im Griff hat, kann sie sich als eine der stärksten Trainer der Region behaupten. Trotz ihrer Weltoffenheit ist aber nach wie vor ein gewisses Maß an Arroganz in ihr geblieben, so genießt sie lieber ihren Schönheitsschlaf statt sich mit unwürdigen Gegnern abzugeben.


    Astor
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    Dieser Mann strahlt eine gewisse Aura der Hinterlist aus. Ebenfalls nobler Herkunft, doch seine Familie verlor fast das gesamte Vermögen im Glücksspiel und geriet in Verrufung. Astor ist der perfekte Vertreter dieser Mentalität und ist sämtlichen Glücksspielen und Wetten nicht abgeneigt, ist er doch der Meinung, dass das gesamte Leben vom Zufall gelenkt wird. Er weiß jedoch, wie er sich von seinen charmanten Seiten präsentieren kann.


    Anissa
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    Autorin mit Leib und Seele. Nur selten wird man sie außerhalb ihrer Schreibkammer antreffen und selbst wenn, dann nie ohne ein griffbereites Schreibutensil. Sie ist sehr neugierig und stellt häufig viele Fragen wenn sie etwas interessiert, um Dinge zu finden, aus denen sie Inspiration schöpfen kann. Zudem gibt sie gerne einmal ihren Senf dazu, sollte sie es für nötig halten und besitzt ein großes Allgemeinwissen. Ein paar Frauengeheimnisse hat sie jedoch auch...


    Eugen
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    Ein Schüler Lauros, der sich jedoch gut damit abfindet, dass Lilia nun den Posten des Champs von Einall inne hat. Er ist kein Mann großer Worte, besitzt jedoch ein großes Ehrgefühl und hält den Kampf für ein wichtiges Mittel, um es zu stärken. Aus diesem Grund stählt er nicht nur seine Pokémon, sondern auch sich selbst. Durch seinen hohen inneren Erwartungsdruck, den er auch gerne auf andere Personen überträgt, kann er häufiger auch sehr streng wirken.


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    Kapitelübersicht


    Prolog




    Artwork by くまみみ | Frontier Brain pictures by muu | Elite Four pictures by よひ

  • Prolog
    Eine seltsame Sache, die Zeit. Tag für Tag hat man sie im Blick und lässt von ihr das Leben beherrschen. Geregelte Tagesabläufe gehören zur Norm der heutigen Gesellschaft, Termine einzuhalten wird als eines der wichtigsten Fundamente unseres Zusammenlebens eingestuft. Dabei haben wir als Menschen doch keinerlei Einfluss darauf. Die Zeit als Maßeinheit ist unsere Erfindung allein, ein Mittel, um ein schwaches Gefühl von Sicherheit in unseren Alltag zu tragen. Und wenn der Mensch versuchen sollte sie zu beeinflussen konnte das einfach nicht gut ausgehen, wie man an der gescheiterten Aktion Team Galaktiks am Kraterberg sehen konnte.
    Ich erinnere mich noch ganz genau daran, das war der Gedanke, der mir an jenem Abend durch den Kopf ging, als ich die Kampfzone in Richtung Duellturm durchquerte. Den Blick immer wieder in fast schon neurotischer Manie zu der geöffneten Taschenuhr in meiner rechten Hand schweifen lassend, fast als würde irgendeine sonderbare Anziehungskraft ihn immer wieder auf das Ziffernblatt wenden. Meine Schritte waren dabei steif und hastig. Einer der Gründe dafür war, dass ich die Sache, die mir aufgetragen wurde, so schnell wie möglich hinter mich bringen wollte. Der andere… nun ja, man konnte wohl sagen, dass mir der Park um diese Uhrzeit nicht mehr ganz geheuer war, insbesondere wenn ich ihn ganz alleine durchqueren muss. Ohne Herausforderer herrschte hier lediglich gähnende Leere und dabei war es sonst so überfüllt. Ein Gefühl, an das ich mich einfach nicht gewöhnen konnte, immerhin verbrachte ich die Abende sonst immer mit den Schlussarbeiten im Kampfpalais. Ich wurde einzig und allein von den wenigen, grellen Lichtern der Einrichtungen begleitet sowie dem Rauschen der Springbrunnen in der Nähe. Außerdem blies der Wind recht kühl, doch bis auf meinen Frack hatte ich mich nicht dazu bequemt noch irgendeinen Mantel überzuziehen. Es sollte ja auch nur schnell gehen, hatte man mir versichert. Das wollte ich auch schwer hoffen. Immerhin durfte ich Lady Kattlea nicht allzu lange ohne Aufsicht lassen.
    Diese Einstellung sorgte mitunter auch dafür, dass mir der Marsch zum Duellturm wie eine halbe Ewigkeit vorkam. Sicher, vom Kampfpalais aus war es auch quer durch den gesamten Park, aber so groß insgesamt war er dann doch nicht. Tief atmete ich also durch, als ich vor der gläsernen Tür stand, durch die ich bereits in den hell erleuchteten Raum sehen konnte. Der Rest der Koryphäen hatte sich bereits versammelt, sie saßen um einen der Tische in der Eingangshalle herum und schienen über etwas zu reden. So strich ich mit einer schnellen aber dennoch eleganten Bewegung meiner Arme meine Kleidung glatt und rückte kurz darauf meinen Frack zurecht. Wie lange war es schon her gewesen, dass ich an einem dieser Treffen teilgenommen hatte? Vermutlich zu lange. Denn die Reaktionen der anderen waren deutlich zu sehen, als ich durch die automatische Tür getreten war, da sie sofort in ihren Gesprächen verstummten. Es waren wohl ziemlich triviale Themen gewesen, wie ich ihren letzten Worten entnehmen konnte.


    „Perenus. Was für ein seltener Anblick.“, erhob Distmar sogleich das Wort, der Junge mit dem grün-schwarzen Haar und einem hellblauen Rekorder in der Hand. Er hatte nicht wirklich vertieft in das Gespräch gewirkt, vermutlich hatte er einfach die Daten des Tages ausgewertet, aber allein die Tatsache, dass er diese Tätigkeit wegen mir unterbrach, ließ mich realisieren, dass ich wirklich viel zu selten aus meinem Schneckenhaus herauskroch. Ich bemühte mich allerdings nicht darum diese Gedanken zu äußern.
    „Guten Abend.“, begrüßte ich sie also trocken, wenn auch möglichst freundlich und gesellte mich an den Tisch. „Abend, mein Guter!“, erwiderte Dahlia meinen Gruß sogleich enthusiastisch. Statt der Norm zu entsprechen und auf einem der Sitzflächen der um den Tisch aufgestellten Sofas Platz zu nehmen hatte sie sich einfach auf die Rückenlehne gesetzt, musterte mich schelmisch über die Schulter hinweg und hatte ihre Beine dabei überkreuzt. Ihre schwarzen Locken machten es jedoch schwer ihr Profil wirklich zu erkennen. Ich kommentierte dieses Verhalten lieber nicht, sondern lächelte einfach freundlich zurück. Man kannte es ja nicht anders von ihr.
    Argenta hingegen nickte mir einfach nur stumm zu, lächelte dabei jedoch auch. Eigentlich wollte ich in dem Augenblick schon das Wort erheben und darum bitten, dass wir die geschäftlichen Angelegenheiten endlich hinter uns bringen konnten, damit ich möglichst schnell wieder in den Palais zurückkehren konnte. Doch eine gewisse Person machte mir da natürlich einen Strich durch die Rechnung.
    „Mensch! Warum hast du eigentlich so lange gebraucht?!“, wurde ich sogleich von der kräftigen Stimme unseres Kampfkolosses Viktors angekeift, der dabei jedoch ein recht belustigtes Grinsen auf den Lippen trug. Da sprach wohl wieder einmal die Ungeduld aus ihm.
    „Verzeihung. Mein Galagladi war von den Kämpfen heute sehr angeschlagen, deshalb musste ich mir sicher sein, dass die Sicherheit von Lady Kattlea auch wirklich gewährleistet ist.“ Ein Hauch von Bedauern lag in meiner Stimme, während ich an meiner Brille rückte und dabei meinen Blick senkte. Es tat mir auch wirklich aufrichtig Leid. Aber wenn man wusste, zu was das Mädchen in der Lage sein konnte, sollte man es in den falschen Momenten aus den Augen lassen… nein, nicht auszumalen.
    „Hmpf. Du benimmst dich so als wärst du ihr Vater.“, war der herablassende Kommentar des Blondhaarigen zu dieser Angelegenheit, was mich abrupt aufhorchen ließ. Aus großen Augen sah ich diesen Mann an. Woher kam das denn so plötzlich?
    „Es ist nun einmal meine Aufgabe.“, warf ich also schnippisch zurück. Eigentlich müsste Viktor es besser wissen. Wir kannten uns immerhin schon lange genug und er wusste über die Gründe Bescheid, wegen denen ich zu diesen Treffen so selten aufkreuzte. „Und überhaupt ist es so, dass-“
    „Genug jetzt.“ Plötzlich wurde ich von Argenta unterbrochen, die auf unser Verhalten hin nur seufzen konnte. „Hier ist keiner von euch Vater. Ihr benehmt auch ja wie Kinder.“ Richtig. Viktor hatte einen Sohn, wenn ich mich recht entsinnte. Er hatte sich schon häufiger hier blicken lassen, wohl um ihm nachzueifern. „Verzeihung… nochmals.“ Nach dieser Entschuldigung ließ ich wieder einmal meinen Blick sinken. Die einzige Person, von der ich eine Zurechtweisung wirklich hinnehmen konnte, war Lady Kattlea. Von jeder anderen Person war es einfach peinlich und unangenehm.
    Was mir trotzdem nicht entging war die Tatsache, dass Viktor sich gar nicht dazu äußerste und stattdessen eher in Gedanken versunken schien. Das kannte man nun wirklich nicht von ihm. Fragend hob ich eine Augenbraue und musterte ihn erneut. Es interessierte mich, was diese Reaktion so plötzlich ausgelöst hatte, aber dafür war wiederum keine Zeit. Denn Dahlia machte uns sogleich wieder auf das Wesentliche aufmerksam: „Können wir diese Angelegenheit jetzt endlich hinter uns bringen?“
    „Das würde ich auch begrüßen.“, pflichtete Distmar ihr bei, nahm währenddessen jedoch nicht die Augen von seinem Rekorder. „Also gut!“ Enthusiastisch klatschte die Koryphäe des Duellturms daraufhin ihre Hände vor sich ineinander, was wohl andeuten sollte, das wir endlich anfingen. Nun war ich derjenige, der seufzte. So schnell hatte Viktor also wieder zu seinem alten Ich zurückgefunden… er war wirklich ein seltsamer Kauz.


    Im Nachhinein fragte ich mich, warum Lady Kattlea mich eigentlich dazu beordert hatte, heute zumindest an diesem Treffen teilzunehmen. Die geschäftlichen Dinge waren nichts, zu dem ich wirklich etwas beizutragen hatte, zumal sie das Kampfpalais kaum betrafen. Und dabei hatte man mir versichert, dass meine Anwesenheit heute von dringendster Wichtigkeit war. Eine Zeitverschwendung war das! Mir entging jedoch nicht, dass die Atmosphäre doch recht angespannt war. Sicher, ich war hier nicht häufiger zugegen, aber trotz allem war ich kein Außenseiter in unserer Truppe. Und wenn wir außerhalb der Dinge, die die Kampfzone betrafen, einmal etwas unternahmen, war die Atmosphäre das komplette Gegenteil. Dabei waren die Themen noch nicht einmal wirklich ernst…
    Doch ich machte gute Miene zum bösen Spiel und blieb einfach still. Vielleicht hatte es auch gar nichts zu bedeuten und ich machte mir zu viele Gedanken. Umso erleichterter war ich, als die Sache dann auch endlich vorbei war. Zeitgleich mit den anderen verließ ich den Duellturm und wollte mich von dort an nun sputen, musste jedoch innehalten, als Viktor mich plötzlich noch einmal von hinten ansprach: „Äh, Perenus…?“
    „Ja?“ Ich wandte mich halb zu ihm um und erwartete beinahe schon etwas, das mit der kleinen Auseinandersetzung von zuvor zusammenhing, aber er schwieg zunächst einmal ratlos, was mich dann doch etwas ungeduldig werden ließ. Warum zögerte er denn so lange mit dem Sprechen? „Also, wenn es etwas mit vorhin…“, setzte ich an, wurde jedoch abrupt von ihm unterbrochen.
    „Ah! Nein! Ich, ich wollte einfach… gute Besserung für dein Galagladi!“
    Und schon war er weg. Für einen Moment sah ich ihm perplex hinterher, als er so plötzlich wieder im Duellturm verschwand und zuckte anschließend nur ratlos mit den Schultern. Der heutige Tag war auch wirklich noch nicht verwirrend genug gewesen.
    Daher war ich auch umso froher, als ich endlich zurück im Kampfpalais war. Ich wollte meine Herrin nicht länger warten lassen. Eigentlich wäre es schon längst Zeit für den Tee gewesen, den ich ihr abends routinemäßig servierte. So beschloss ich zunächst ihr Zimmer aufzusuchen, um ihr gegenüber mein Bedauern über diese Verspätung auszudrücken. Auch wenn sie mir aufgetragen hatte, auf dieses Treffen zu gehen, ursprünglich war trotz dieses Abstechers keine Verzögerung in meiner Routine vorhergesehen gewesen. So klopfte ich sachte an der Tür, um die Erlaubnis zum Eintreten zu erbeten. „Lady Kattlea? Ich bin zurück.“
    Keine Antwort. Ich wartete einen Moment, doch es schien sich nichts zu regen. Merkwürdig. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie um diese Uhrzeit irgendeinen anderen Ort aufsuchen würde. Noch einmal klopfte ich vorsichtshalber, aber noch immer konnte ich nichts vernehmen. Weder ihre Stimme, noch irgendeine Bewegung. Besorgt verzog ich meine Augenbrauen. Ich versuchte mir nicht auf der Stelle das schlimmste auszumalen. Vielleicht war sie einfach erschöpft gewesen und früher zu Bett gegangen. Also öffnete ich die Tür, um nach dem Rechten zu sehen. Zu meiner Überraschung war das Licht im Raum allerdings angeschaltet. Unter diesen Umständen hätte sie sich bestimmt nicht schlafen gelegt. Sogleich bemerkte ich auch, dass ihr breites und mit reichlich Kissen ausgepolstertes Himmelbett auch so dort stand, wie ich es am Morgen dieses Tages nach meiner täglichen Putzaktion in diesem Raum hinterlassen hatte. Irritiert, beinahe schon ein wenig ungläubig, trat ich in den Raum hinein und sah mich genauestens um. Ich ließ meinen Blick über die verzierten Kommoden schweifen und roch den schwachen Duft von Lavendel, der hier stets vorhanden war. Meine sachten Schritte führten mich näher an das Bett heran. Das vollkommen unberührte Bett, dessen Decke nach wie vor straff über die Matratze gezogen war.
    Und da bemerkte ich es. Aufgrund des weißen Bezugs hätte ich dieses Objekt beinahe übersehen, doch ein heller Briefumschlag lag auf einem der Kissen, in dessen untere, rechte Ecke mein Name geschrieben worden war. Also war er folglich an mich adressiert. Ich wurde zunehmend unruhig, unsicher darüber, ob ich diesen Umschlag überhaupt öffnen wollte. Die Handschrift entsprach nämlich eindeutig der Lady Kattleas. Eine alte Befürchtung kam in mir hoch. Es würde zumindest erklären, warum sie mich so plötzlich weggeschickt hatte. Nur dieser Brief konnte mir Gewissheit geben. Aber würde ich ihn tatsächlich lesen wollen? Meine Augenlider senkten sich und ich seufzte einmal schwermütig. Es half alles nichts. Zwar konnte sich wirklich alles in diesem Umschlag befinden, solange ich ihn nicht öffnete, doch die Theorie Schrödingers würde eine ewige Stagnation voraussetzen, die ich nicht mitmachen würde. Die Zukunft war unausweichlich.
    So riss ich den Umschlag an der Seite auf und las den Inhalt. Nach wenigen Zeilen weiteten sich meine Augen, meine Hände begannen zu zittern. Das war es also. Unwillkürlich verkrampften sich meine Hände und knitterten leicht das Papier des zuvor noch so sorgfältig zusammengefalteten Briefes. Es war, als würde mit einem Mal ein Kloß in meinem Hals stecken. Unwillkürlich verzogen sich dabei meine Mundwinkel und mit deutlicher Aggression ließ ich abrupt meine Arme nach unten schnellen, als ich den Brief zu Ende gelesen hatte. Jetzt machte alles Sinn. Vor allem das merkwürdige Verhalten Viktors. Er musste es von Anfang an gewusst haben. Schließlich war er doch derjenige, dessen Pflicht es war ein Auge auf diese Dinge zu haben. Und niemand hatte mir Bescheid gesagt. Warum? War ich es nicht wert gewesen? Hatten sie Angst vor meiner Reaktion? So oder so, ich empfand diese plötzliche Überraschung als nicht besonders angenehm, wollte man es nun untertrieben ausdrücken. Das Maß der Überwältigung kam dem Walzer auf voller Stärke von mindestens tausend Miltank gleich. Tief atmete ich aus, in der Hoffnung, mich zu beruhigen, aber es gelang mir nicht. Ich konnte nicht so recht deuten, was ich gerade fühlte. Ich wollte es auch gar nicht wissen. Manche Dinge musste man einfach ihren Lauf nehmen lassen.
    Zähneknirschend warf ich also die Tür in den Flur auf. Mir war, als könnte meine Brust jeden Moment explodieren.
    „VIKTOOOOOOOOR!“
    Der Schrei nach diesem Mann klang wütend, erniedrigt, verzweifelt. Ich wusste nicht, was ich tat. Alles, was ich damit bezweckte, war das unschuldige Personal aufzuschrecken. Aber es war mir egal. Steif stapfte wieder in Richtung Ausgang. Ich brauchte eine ausführliche Erklärung für dieses Ereignis und zwar sofort. Dieser Brief reichte nicht aus.
    Immerhin hatte sie mich einfach alleine gelassen.

  • Hallo Cellulanus,


    freut mich, dass du wieder eine neue FF begonnen hast! Ich kann mich noch dunkel an eine ältere erinnern und bin daher gespannt, wie du dich seitdem verändert hast.
    Startposttechnisch und zum Titel gibt es eigentlich wenig zu sagen. Es ist alles Wichtige da und du hast es ansprechend dargestellt, was natürlich einen guten Eindruck erweckt. Gut so!


    Zur Geschichte, über die Kampfzonenleiter wird ja leider eher wenig geschrieben und da ist es sehr erfrischend, dass du dich ihnen annimmst. Kattlea und Perenus scheinen dabei sogar die beliebteren zu sein - woran das nur liegen mag? Ich finde die Art und Weise, wie du aus seiner Sicht schreibst, passt hervorragend zu ihm und seiner Stellung neben Kattlea. Da fallen selbst sehr ausführlich beschriebene Szenen, die eher sachlich als gefühlvoll vermittelt werden, kaum auf, nein, sie unterstreichen seine persönliche Ausdrucksweise sogar noch mehr. Ich bin daher gespannt, wie du das in Zukunft umsetzen wirst und ob er sich dank Kattleas Abwesenheit auch verändert.
    Auf jeden Fall, nach der langen Einleitung, die durchaus Interesse auf die anderen Charaktere macht, hätte ich mir die Erklärung für ihr Verschwinden noch gerne gewünscht. So wirkt es eher, ja, simpel und auf den Punkt gebracht, was gerade bei der Umschreibung seiner Wut zuvor mickrig ist. Mal sehen, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt und was Perenus noch alles in dieser Welt erfahren muss.


    Bis dahin, viel Erfolg beim Schreiben und vielleicht lesen wir uns ja wieder mal!


    ~Rusalka