Obliegenheiten eines Arenaleiters

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  • Arenaleiter


    Die Liste der in der Story auftauchenden Arenaleiter wird hier laufend erweitert. Die Arenaleiter von Johto sind nicht ähnlich den Bekannten des Inplays. ACHTUNG! Die Charakterdarstellungen können Inhalte enthalten, die Teile der Handlung vorwegnehmen.



    Nebencharaktere


    Auch die Liste der Nebencharaktere wird erweitert, wenn sich die jeweiligen Charaktere im Lauf der Geschichte zeigen werden. ACHTUNG! Die Charakterdarstellungen können Inhalte enthalten, die Teile der Handlung vorwegnehmen.










    Benachrichtigungsliste


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    Falls jemand gerne auf die Benachrichtigungsliste möchte, darf er sich gerne melden.



    Urheberrecht


    Das geistige Eigentum an Pokémon und an der fiktiven Welt, in der diese Geschichte spielt, gehört Gamefreak. Die hier vorgestellten Figuren ihre von mir eingehauchte Seele und die Geschichte ist mein Werk und darf als solches nicht von Dritten nach außen ohne meine Zustimmung präsentiert werden. Urheberrechtsverletzung ist ein Delikt und verstößt gegen das Urheberrechtsgesetz gemäß Paragraph 106 und kann zivilrechtliche Klagen zur Folge haben.

  • Kapitel 1.1 - Kraft allein reicht nicht!

    Es war ein schöner Tag, irgendwie warm und trotzdem wehte ein laues Lüftchen. Ich mochte dieses Wetter. Nicht, dass ich nicht auch gern hatte, wenn es regnete, aber hier in Anemonia City war man über Sonne sehr froh, schliesslich lag die Stadt mitten am Meer und der Strand war zu dieser Zeit gut besucht. Nicht nur in touristischer Hinsicht hatte sich die Stadt verbessert; wo einst noch einige Fischerhütten und ein Pokémon Center gestanden haben war nun ein kleineres Städtchen entstanden. Immer mehr Menschen hatten sich aus Teak und Oliviana City zurückgezogen in diesen abgeschiedenen Kurort. Ich mochte die salzige Luft und die Stille am Morgen, wenn nur einige Fischer und Pokémon-Forscher in der Natur waren, um ihrer Arbeit nachzugehen.


    Die Arena öffnete erst um 8 Uhr am morgen und so hatte ich meist genug Zeit, um meiner Morgenroutine nachzugehen und mich um meine Pokémon zu kümmern. Man konnte sagen, was man wollte, aber ich hatte hier den Frieden auf Erden gefunden; ich hatte einen Beruf, der mich erfüllte, ich umgab mich mit Menschen, die ich mochte und ich hatte fast jedes Ziel erreicht, was ich mir gesteckt habe – und das mit 26 Jahren.


    Ich öffnete die Tür der Arena und kam in den Vorraum, wo Dolores, eine etwas ältere Dame, bereits hinter dem Tresen arbeitete. Ich kannte sie, seit ich als Arenaleiter in dieser Arena tätig war. Sie war diejenige gewesen, die sich um den ganzen Papierkram, die Termine und Erinnerungen und weitere Aufgaben kümmerte. Die etwas ältere Dame mit schütterem grauen Haar, welches sie meist zu einem strengen Dutt zusammengebunden hatte, war eine sehr angenehme Persönlichkeit.


    „Guten Morgen Dolly! Ist Sasha schon hier?“ Sasha war die Dritte im Bunde; eine gute Trainerin, die vor einigen Jahren in der Johto Liga den zweiten Platz gemacht hatte. Danach hatte sie sich um die Stelle als Arenaleiter-Assistentin beworben und war nun für die Pokémon-Pflege und das Training zuständig. Zu dritt führten wir die Arena von Anemonia City. Für mich war es nie ein Problem gewesen mit der älteren Dolly und der jungen und energetischen Sasha gemeinsam zusammen zu arbeiten. Wir harmonierten sehr gut und die Arena lief sehr gut. Klar – dadurch, dass die Arena etwas abgeschieden war, brauchten die meisten Herausforderer mindestens eine gewisse Stundenanzahl, bis sie überhaupt hier waren. Aber da ich einen obligatorischen Schritt auf dem Weg zur Pokémon Liga darstellte, kam man an mir nur sehr schwer vorbei. „Sasha war kurz hier. Aber sie ist mit Porenta rausgegangen, um das Fliegen zu üben.“ – Sie lächelte geistesabwesend, während sie auf ein Bild ihrer Enkelinnen auf dem Schreibtisch betrachtete. Ich nickte ihr kurz zu, bevor ich das Kampffeld der Arena betrat. Während das Feld am Boden von Wiese, Felsen und etwas Wasser überzogen war, überzeugte meine Arena vorallem dadurch, dass ich das Dach öffnen konnte, was mir als Arenaleiter mit dem Typus Flug sehr viele Vorteile bescherte. Ebendieses öffnete ich mithilfe eines Hebels, der sich auf meiner Seite des Kampffeldes begann, sodass frische Luft in die Arena hineinströmte.


    Normalerweise war um diese Zeit noch niemand da, der sich um eine Herausforderung scherte, sondern meistens schliefen die Trainer aus und kamen erst um 10 Uhr. Heute war das jedoch etwas anders. Bereits eine Viertelstunde später hörte ich das Piepsen von Dolly, welches mir einen Herausforderer ankündigte. Ich hatte mich gerade noch um einige Verbesserungsarbeiten des Arenabodens gemacht, als ich bereits die Schritte hörte. Dolores kam durch die Tür hinein, lächelte mir freundlich zu und zeigte mit einem Arm auf mich und die Arena: „Hier wären wir auch schon. Das ist die Arena von Anemonia City und das ist der Arenaleiter, Christopher. Ich wünsche viel Glück.“ Mit diesen Worten verließ sie den Platz, an dem sie stand und kam in Richtung Kampffeld, um dort den Platz einzunehmen, den Sasha sonst besetzte. Da die Assistentin nicht da war, half Dolly häufiger als Schiedsrichterin aus.


    Erst jetzt blickte ich zur herausfordernden Person: Sie war eine großgewachsene junge Frau mit langen blauen Haaren, die sie sich zu zwei Zöpfen geflochten hatte. Sie grinste frech und schritt auf dem Kampffeld etwas hin und her, um sich mit der Umgebung bekannt zu machen. Während sie das tat, betrachtete ich sie weiter. Sie schien überzeugt von sich zu sein, auch wenn ich an ihrem forschen Gang auch feststellen konnte, dass sie wohl ziemlich nervös war. Deswegen lief ich auf sie zu und streckte ich ihr meine Hand zu: „Ich bin Christopher. Und das ist meine Flug-Arena. Ich hoffe, sie gefällt dir?“ Lächelnd nahm sie die Hand und schüttelte sie: „Sehr. Ich freue mich schon auf unseren Kampf.“ Mit diesen Worten lief sie auf ihre Markierung – scheinbar hatte sie schon öfters einen Arenakampf gehabt. Umso interessanter für mich.


    Als wir beide unsere Plätze eingenommen hatten, hörte ich Dolly sagen: „Dies ist ein Kampf zwischen Christopher, dem Arenaleiter, und Luisa Wellmort, der Herausforderin aus Ebenholz City. Der Kampf ist ein 3 vs. 3 in Einzelkämpfen statt. Der Arenaleiter wählt sein Pokémon zuerst aus. Der Trainer, dessen Pokémon nicht mehr weiterkämpfen können, hat verloren.“ Sie zeigte mit der Fahne auf mich und ich überlegte mir, welches Pokémon ich auswählen sollte.


    „Ich freue mich sehr auf den Kampf mit dir, Luisa. Frühaufsteher sind bekanntlich sehr engagiert und ehrgeizig. Aber ich werde es dir auf keinen Fall leicht machen. Ich wähle als mein erstes Pokémon Panzaeron. Komm heraus, mein Pokémon!“ Ich warf meinen Pokéball mit Schwung in die Höhe, sodass aus dem weissen Licht mein silbergraues Stahl-Flug-Pokémon aufstieg und in die Lüfte emporstieg. Luisa blickte mein Pokémon kurz an, bevor sie ihren eigenen Pokéball zückte und ihn ebenfalls in die Luft warf: „Komm heraus, Wie-Shu!“ Mit anmutiger Eleganz sprang das Kampf-Pokémon aus dem Ball auf das Kampffeld. Die Wahl überraschte mich. Ein Kampf-Pokémon hatte zwar gute Chancen gegen ein Stahl-Pokémon, aber in einer Flug-Arena waren Kampf-Pokémon ziemlich fehl am Platz. Luisa bedeutete mir, dass ich ruhig anfangen solle.


    „Na, wenn das so ist, dann setz Stachler ein Panzaeron!“ Sofort begann sich Panzaeron zu drehen und Stacheln auf dem Boden zu verteilen, die die gegnerischen Pokémon treffen würden, falls sie aufs Kampffeld kämen. Luisa schien davon wenig beeindruckt und entgegnete nur: „Wie-Shu, setz Meditation ein!“ Sie wollte also ihren Angriff und ihre Verteidigung stärken. Wenn sie unbedingt einen Kampf mit hohen Statuswerten haben wollte, umso lieber: „Na gut Panzaeron, dann stärk du deine Initiative mit Agilität!“ Sofort begann sich Panzaeron etwas schneller zu bewegen, zumal er dadurch seine bereits schnelle Gangart um einiges verstärkte: „Und jetzt setz Windschnitt ein!“
    Sofort entfachte das Stahl-Flug-Pokémon Windböen, die es in Richtung Wie-Shu schleuderte. Luisa blickte hoch: „Wehr sie ab mit Sternschauer!“ Sofort schoss Wie-Shu Sterne gegen die herantreibenden Luftmassen, doch der Wind war eindeutig stärker und fegte die Sterne hinfort, sodass das Pokémon selbst sogar von seiner eigenen Attacke zusätzlich getroffen wurde.


    Luisa motzte verärgert auf: „Wie-Shu, alles in Ordnung? Greif jetzt an mit Ableithieb!“ Sofort sprang das Pokémon los, um in Richtung Stahl-Pokémon zu rennen. Ich hatte aufgrund der Distanz jedoch einige Zeit, um mir eine Gegenstrategie zu überlegen: „Fang es ab mit Eisenklaue!“ Das Wie-Shu näherte sich dem Stahlvogel-Pokémon, doch als es seinen Arm gegen den Körper schlagen wollte, wurde es von den stählern glänzenden Krallen des Vogels gepackt. Luisa lächelte hämisch: „Jetzt Sprungkick, Wie-Shu!“ Noch im Griff begann sich das Pokémon der Gegnerin zu drehen und mit glühendem Knie schlug es gegen Panzaeron, welches in die Luft geschleudert wurde. Es prallte gegen eine Mauer der Arena, wo es sich jedoch fangen konnte und seinen Kopf schüttelte. Ich blickte zu Luisa, die immer noch lächelte: „Das war nicht schlecht. Du hast es wohl auf einen Nahkampf abgesehen gehabt. Aber das kann ich unterbinden: „Windschnitt!“ Sofort baute Panzaeron wieder Windböen auf, die es gegen das Kampf-Pokémon schleuderte. Wie-Shu wurde nach hinten geschleudert und konnte sich nur noch mühsam auf den Beinen halten. „Alles in Ordnung, Wie-Shu?“ Luisa sah besorgt zu ihrem Pokémon, doch gerade als es sich zu seiner Trainerin umdrehen wollte, fiel es kampfunfähig nieder.


    Ich atmete einmal kurz aus: Panzaeron war ziemlich angeschlagen, aber er hatte den Kampf für sich entscheiden können. Doch welches Pokémon würde sie nun einsetzen: „Du hast mein erstes Pokémon Wie-Shu besiegen können. Aber die nächsten Kämpfe wirst du verlieren. Komm zurück mein Pokémon.“ Mit einem roten Licht verschwand das Kampf-Pokémon und die Gegnerin zückte bereits ihren zweiten Pokéball: „Mit diesem wirst du es noch etwas schwerer haben. Komm heraus, Moorabbel!“
    Das Wasser-Boden-Pokémon manifestierte sich auf dem Untergrund und sofort kamen die Stacheln, die Panzaeron zuvor ausgelegt hatte, zum Vorschein, die das neue Pokémon bereits zu Beginn ein wenig schwächten. Ich blickte zu meiner Gegnerin, die siegessicher lächelte: „Los Moorabbel! Setz Aquaknarre ein!“ Sofort begann ihr Pokémon eine Wassersäule in Richtung Panzaeron zu schiessen. Natürlich war das schwierig abzuwehren, weswegen mir nicht viel übrig blieb: „Panzaeron, versuch mit Metallklaue das Wasser abzublocken!“ Mein Pokémon folgte meinen Anweisungen, das Wasser blockte an der Attacke des Pokémons ab, doch dadurch, dass sich das Wasser staute, schleuderte es spritzend über Panzaeron, welches sichtlich damit zu kämpfen hatte.


    Mein Pokémon flog in Richtung Boden, konnte sich aber noch kurz fangen. „Schaffst du einen Angriff, Panzaeron?“ Ich blickte sorgenvoll zum Pokémon, welches aber nickte: „Dann setz jetzt Stahlflügel ein!“ Sofort schoss mein Pokémon in Richtung Moorabbel los, welches sich auf den Angriff gefasst machte, doch Luisa kam meiner Attacke zuvor: „Moorabbel! Setz Bodycheck ein!“ Die beiden Pokémon prallten strahlend und glitzernd aufeinander, sodass sich aus dem Knall eine Rauchwolke ergab. Als sich der Rauch und der daraus entstandene Nebel lichtete, standen beide Pokémon ... bis Panzaeron jedoch zu Boden fiel. Die Anstrengungen waren ihm deutlich anzusehen, denn es hatte viel einstecken müssen. Ich rief mein erstes Pokémon zurück: „Panzaeron, du warst super! Wir werden weiter kämpfen.“


    Ich überlegte einen Moment, was ich tun sollte und welches Pokémon ich für den Kampf gegen Moorabbel wählte. Mittlerweile war auch Sasha in der Arena angelangt, zumal ich sie auf der Zuschauertribüne wahrnehmen konnte. Trotzdem wollte ich Luisa nicht zu lange warten lassen, deswegen zückte ich meinen nächsten Pokéball: „Du bist nun dran, Vivillon!“ Der pinke Schmetterling flog angriffsbereit in die Luft. Luisa schien jedoch auch von diesem Pokémon nicht wahnsinnig beeindruckt: „Mit Käfern werde ich locker fertig. Los Moorabbel! Setz Aquaknarre ein!“ Sofort schoss wieder eine Aquaknarre in Richtung meines Pokémons, doch da ich jetzt eine neue „Karte“ in der Hand hielt, war mir die Abwehr auch etwas leichter gegeben: „Los Vivillon, setz Lichtschild ein!“ Sofort erstrahlte vor meinem Pokémon ein Lichtschild aus gelbem strahlendem Licht, welches das Wasser von Moorabbel einfach abprallen liess. Luisa würde einige Schwierigkeiten haben, an dieser Attacke vorbei noch einen Treffer mit Wasserattacken erzielen zu können.


    Moorabbel war sowieso schon im Nachteil dadurch, dass Boden-Attacken gegenüber Flug-Pokémon keine Wirkung zeigten. Ich wusste, wie ich mir diesen Nachteil zunutze machen konnte: „Vivillon! Setz Schlafpuder ein und schick das Moorabbel ins Land der Träume!“ Der Falter schoss eine Form von grünem Puder in Richtung Moorabbel, welches sich in der Nähe der Wiese befand und nach einem Versteck suchte. „Weich aus!“, hörte ich Luisa schreien und das Moorabbel flüchtete in Richtung eines Felsen. Meine Gegnerin hatte aber die Rechnung ohne meine Combo gemacht, die ich in petto hatte: „Vivillon! Setz jetzt Windstoss ein, um das Schlafpuder zu verteilen!“ Luisas Miene wurde düster, als sie merkte, dass durch die Windstöße, das Pulver, welches sich eigentlich gelegt hatte, nochmals aufgewirbelt wurde und dadurch den ganzen Innenraum des Kampffeldes einnahm. Moorabbel, welches hinter einem Felsen Schutz gesucht hatte, wurde erbarmungslos vom Pulver getroffen und verfiel innert kürzester Zeit in einen Schlaf.


    Es war ein leichtes Spiel, das schlafende Pokémon danach zu besiegen: „Vivillon! Setz Psystrahl ein, schleudere es gegen die Wand!“ Das schlafende Pokémon wurde von einem Strahl gleißender Farben getroffen und lag bewegungslos am Boden; es war ko.
    Luisa knirschte mit den Zähnen, rief ihr Pokémon zurück und nahm ihren letzten Pokéball hervor, den sie in diesem Kampf einsetzen durfte. „Nun hängt alles von dir ab, komm heraus Maschock!“ Auch in dieses Pokémon drangen die Stacheln ein, welches von Panzaeron liegen gelassen worden waren. Irgendwie wusste ich, dass für Luisa nicht mehr viel übrig blieb, um diesen Kampf noch umdrehen zu können: „Ich lasse dir gern den Vortritt, Luisa!“ Der coole Ausdruck auf dem Gesicht der jungen Trainerin war mittlerweile verschwunden. Sie wusste, dass es für Maschock schwer werden würde, überhaupt Vivillon zu besiegen, geschweige denn, ein weiteres Flug-Pokémon von mir. Ich hätte ihr ja gerne vorgeschlagen, den Kampf aufzugeben, doch ich wusste irgendwie auch, dass sie wohl nicht der Typ war und lieber hochkant „rausgeworfen“ wurde.
    Sie blickte mich an, dann zu ihrem Pokémon und sagte: „Los Maschock! Setz Karateschlag ein!“ Sofort stürmte ihr Pokémon ein, worauf ich mir ein Lächeln nicht verkneifen konnte: „Vivillon, blas es mit Windstoss weg!“ Das Maschock wurde von Windstößen getroffen, hielt ihnen für einen längeren Zeitraum stand, wurde dann aber zurückgeschleudert und prallte gegen einen Felsen. Es stand wieder auf, doch man konnte bereits in den Augen des Pokémons sehen, dass es seinen Kampfgeist etwas verloren hatte. Auch wenn ich mir da nicht wahnsinnig sicher war, so schien das Pokémon keine Spezialattacken zu können, somit würde es für sie schwierig werden, überhaupt an Vivillon ranzukommen: „Gib auf, Luisa! Du hast keine Chance gegen Vivillon.“


    Luisa blickte mich wütend an und antwortete daraufhin verbissen: „Niemals! Maschock, Überroller!“ Sofort stürmte das Kampf-Pokémon wieder in Richtung Vivillon los, doch ich wusste, dass das nicht mehr lange dauern würde, bis auch das Maschock seine Kräfte verlassen würde: „Vivillon! Flieg hoch und setz erneut Windstoss ein!“ Das Pokémon wurde erneut von Windböen getroffen, konnte in seiner Kugelform jedoch weiterrollen, dadurch, dass das Käfer-Flug-Pokémon jedoch zu hoch flog, konnte es dieses gar nicht erreichen. Als es nach seinem Gegner sprang wurde es von den Winden auf den Boden zurückgeschleudert, wo Maschock liegen blieb. Er war nicht kampfunfähig, aber völlig demotiviert. Luisa schrie: „Steh auf, Maschock!“ Doch es blieb liegen.


    Ich hörte Dolly von der Seite rufen: „Maschock will nicht mehr weiterkämpfen. Somit hat Luisa kein kampffähiges Pokémon mehr. Der Sieger dieses Kampfes ist Christopher!“ Ich blickte weiterhin zu Maschock, während ich mein Pokémon zurückrief. Langsam stand es wieder auf und blickte zu seiner Trainerin. Anscheinend war es mit der Kampfesstrategie von Luisa nicht wahnsinnig einverstanden. Sie war auch nicht gerade begeistert von ihrem Pokémon und rief es zurück, um mich dann verbittert anzusehen, als ich auf sie zuging: „Es war ein guter Kampf, Luisa. Aber du musst dringend an dir und deinen Pokémon arbeiten. Insbesondere solltest du darauf achten, allfällige Schwächen deiner Gegner auszunützen. In einer Arena mit Flug-Pokémon wirst du mit Kampfpokémon nicht wahnsinnig weit kommen. Ausserdem hast du fast keine speziellen Attacken ausgeführt, oder versucht, dir das Kampfesfeld zunutze zu machen.“
    Sie betrachtete mich nachdenklich: „Ich mag Kampf-Pokémon. Sie sind sehr stark. Deswegen trainiere ich sie so gerne, weil ihre pure Kraft extrem groß ist.“


    Ich begleitete sie nach draussen, während wir über die Situation redeten: „Nun. Kraft ist im Pokémonkampf leider nicht mehr alles. Klar – im Nahkampf hättest du wohl mit deinen Pokémon gute Chancen. Aber gerade bei meinen Pokémon, die öfters im Fernkampf gegen andere antreten wirst du es wirklich schwer haben. Es ist darum wichtig, dass du eine Variation von Pokémon in deinem Team hast. Auch wenn ich Flug-Pokémon trainiere, so nehme ich auch immer andere Typen-Kombinationen auf. Panzaeron hat den Stahl-Typus und Vivillon den Käfer-Typus. So kann ich auf alle möglichen Situationen gefasst sein.“
    Sie nickte anerkennend: „Ich weiss, was du meinst. Ich werde wohl noch viel an mir und meinen Pokémon arbeiten müssen.“ - „Ja, das wirst du wohl oder übel müssen.“
    Mit diesen Worten entließ ich sie aus meiner Arena. Ich wusste, dass vor ihr viel Arbeit lag, ebenso wie vor mir. Verbessern musste und konnte man sich immer. Selbst ein Arenaleiter sollte den Willen haben, sich stetig zu verbessern.

  • Kapitel 1.2 - Ein Ansturm der anderen Art!

    Es war einige Tage später, als ich nach einem Training mit meinem Natu und meinem Tauboga in die Arena zurückkehrte. Das Flugtraining am Strand mit dem salzigen Wind war nicht gerade einfach. Deswegen versuchte ich mit meinen beiden Flug-Pokémon, die noch am wenigsten Erfahrung hatten, das härteste Training zu machen, sodass sie gleich aufschliessen konnten zu den anderen. Ich betrat den Empfangsraum, wo Dolly hinter ihrem PC sass und wild auf ihrer Tastatur tippte. Ihr Pokémon Muntier, welches gern bei ihrer Arbeit half, stapelte einige Bögen Papier auf einem separaten Tisch. Als sie mich bemerkte, blickte sie von ihrer Arbeit hoch: „Kann ich dir irgendwie helfen, Christopher?“ – „Ah nicht grossartig. Ich war gerade draussen mit Natu und Tauboga. Habe ich heute noch irgendwelche wichtigen Termine? Sonst würd ich mich sonst noch mit Sasha zusammentun und an Kampfstrategien arbeiten.“ Dolly blickte kurz zurück auf ihren PC, drückte einige Tasten, dann sagte sie: „Heute steht nichts mehr an. Aber vergiss nicht, dass Samstag die drei kommen, um ihr Pokémon abzuholen. Und nächsten Dienstag bist du Eröffnungsshow-Kämpfer beim Wettbewerb in Oliviana City.“ Plötzlich fiel es mir wieder ein: „Ach ja, stimmt. Hat Sasha sich um die Pokémon gekümmert, die ich für die Neulinge ausgesucht habe?“ – Sie nickte: „Ja. Da musst du sie aber wohl selbst fragen, wie der Stand der Dinge ist.“ – „Gut.“


    Mit diesen Worten betrat ich die Arena, wo ich meine Assistentin bereits mit einigen der Flugpokémon der Arena beschäftigte und Attacken mit ihnen einübte. Neben Emolga flogen sowohl Togekiss und Dartignis in der Luft. „Sasha! Alles gut bei dir?“ Ich rief ihr von der einen Seite der Arena zu, während sie scheinbar völlig konzentriert auf die Pokémon blickte. Als sie meine Rufe hörte, wandte sie ihren Blick ab: „Ja, alles gut. Ich war nur in Gedanken.“ Während sich die Pokémon aus der Luft auf die Kampffläche begaben und sich dort einen Platz zum Ausruhen suchten, ging ich etwas näher zu ihr: „Und was sind das für Gedanken?“ Sie kickte einen Stein, der vor ihrem Fuss lag zur Seite: „Ah, nichts Wichtiges. Seit sich Glibunkel in Toxiquak entwickelt hat, ist es zwar unheimlich stärker geworden. Aber ich nerv mich halt dran, dass es die Matschbombe halt immer noch nicht so richtig drauf hat. Die Energie hat es dafür bei weitem, aber mit dem Zielen ist es noch so eine Sache.“ Er blickte sie an: „Wir können es gern hier ein wenig üben, wenn du möchtest. Dann können wir auch gleich mit Togekiss seine Attacke Bodyguard und mit Emolga seine Attacke Lichtschild üben.“ – Sie nickt.


    60 Minuten später ist das Toxiquak von Sasha sichtlich erschöpft und auch Emolga und Togekiss erheblich angeschlagen. Das Training hat den drei Pokémon gut getan, Sasha und mir war sofort klar, dass sie jetzt ihre Ruhe brauchten. Ich rief deswegen meine Pokémon zurück und gab die beiden Pokébälle seiner Assistentin: „Kannst du sie Joy vorbeibringen? Vielleicht kann sie sich gleich jetzt noch um sie kümmern. Ich denke, sie brauchen nach dieser Einheit sicher ein wenig Ruhe.“ Sie nickte, nahm die zwei Pokébälle, die ich ihr entgegenstreckte, und verliess das Kampffeld, um durch den Haupteingang nach draussen zu gehen.


    Ich lächelte. Klar – privates Training während der Arbeitszeit – was war das wohl für ein Beruf. Doch ich wusste genau, wie sehr ich die Arbeit von Sasha, aber auch von Dolly schätzte, deswegen wollte ich ihnen so viel ermöglichen wie sie verdienten. Ich wusste, dass die Arbeit von Dolly auch ohne Muntier die gleich gute wäre, doch dass es ihr viel mehr Spass machte, mit ihren Pokémon zu arbeiten. Selbiges galt für Sasha. Die junge Trainerin hatte in ihrem Leben bereits viel erreicht und ich wusste, dass wir gegenseitig immer voneinander profitieren konnten. Mir war eine gewisse Formalität schon wichtig, aber man durfte dabei natürlich nie vergessen, dass Freude und Spass eine grosse Rolle spielten. Jede Arena in Johto war anders aufgebaut und die Arenaleiter waren frei darin, wie sie sie gestalten wollten. Für mich war es immer wichtig gewesen, in einer gesunden und freundlichen Umgebung mit den richtigen Leuten zusammenarbeiten zu können. Klar – unsere Arena war etwas fernab der Region. Und einige der Trainer, die hierherkamen scheiterten, wenn auch viele natürlich den Orden gewannen und auch verdienten. Die Arbeit, eines Tages als Arenaleiter Pokémon zu trainieren, die hätte ich mir wohl im Traum nicht vorgestellt, doch jetzt, wo ich mich so wohl dabei fühlte, konnte ich mir nichts anderes mehr wünschen, als so zu arbeiten.


    Ich wurde aus meinen Gedanken aufgeschreckt, als ein schriller Schrei von Sasha draussen meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Ich rannte nach draussen. „Gebt mir die Pokémon zurück, ihr Diebe!“ Als ich endlich draussen angelangt war, brauchte ich einen Moment, um die Situation zu kapieren. Auf der einen Seite stand Sasha, während auf der anderen Seite drei Männer in grauen Anzügen standen: „Was ist hier los, Sasha?“ – Sie zeigte auf die Männer: „Diese Männer haben mir die Pokébälle geklaut, die ich zu Joy bringen wollte.“ Wütend blickte ich die Männer an: „Gebt sie uns zurück. Die Pokémon gehören nicht euch!“ Grinsend antwortete einer der besagten: „Ich finde eigentlich schon, dass sie jetzt uns gehören. Ihr braucht diese Pokémon doch sowieso nicht. Pokémon sollten von starken Trainern wie uns trainiert werden.“
    Wutentbrannt schrie Sasha: „Diese Pokémon gehören nicht euch! Gebt sie uns zurück, sonst holen wir sie uns.“ Immer noch grinsend entgegnete ein anderer der Männer: „Wir von Team Rocket haben kein Problem, euch dem Erdboden gleich zu machen. Ihr seid in der Unterzahl. Somit habt ihr sowieso schon verloren.“ – „Das sind sie nicht.“ Von hinten hörte ich die Stimme von Dolly, welche sich mit Muntier ebenfalls aus der Arena begeben hatte: „Menschen, die anderen ihre Pokémon wegnehmen möchten, gehören nicht hierher. Das ist seit Jahren ein ruhiger und friedlicher Ort.“ Ich hatte Dolores selten so wütend gesehen.


    Der Rüpel grinste weiterhin nur breit: „Oha, Oma will also auch mitspielen. Den Gefallen werden wir euch gern tun. Skunkapuh, du bist dran!“ Auch seine Kumpanen warfen ihre Pokébälle in die Luft. Neben dem Skunkapuh des Ersten stellten sich ein Magnayen und ein Sandamer. Mir war es jedoch egal, welche Pokémon sie einsetzten; dies war ein ernstzunehmender Kampf und ich wusste, dass wir ihn unter keinen Umständen verlieren durften. Deswegen holte ich meinen Pokéball hervor und warf ihn in die Luft: „Glurak, komm heraus! Zeigen wir es diesen Banditen!“ Auch das Muntier von Dolores stellte sich neben Glurak hin. Eigentlich hatte ich gar nicht gewusst, dass Dolly eine Kämpferin war, hatte ich ihr Muntier nur einmal in Action gesehen und das auch nur zu Trainingszwecken. Auch Sasha auf der anderen Seite hatte aus ihrer Tasche einen weiteren Pokéball gezückt: „Wir werden euch den Garaus machen. Mein Toxiquak werde ich mir mit Zwottronin zurückholen. Ich kümmere mich um Sandamer!“ Dolly nickte: „Dann nehm ich mir Skunkapuh vor.“ Somit blieb für mich noch Magnayen übrig, welches mein Glurak grimmig anblickte und dabei seine Zähne fletschte. Der Rüpel blickte mich an. Ob er sich bewusst war, dass er einem Arenaleiter gegenüberstand? Ich sah kurz zu meinem Pokémon, welches mir zunickte: „Ich lasse das nicht einfach so durchgehen. Glurak, greif Magnayen an mit Flammenwurf!“ Mein Gegner lachte nur laut auf: „Weich aus Magnayen, senke seine Genauigkeit mit Sandwirbel!“ Sofort begann das Unlicht-Pokémon mein Pokémon mit Sand einhüllte, wodurch es augenblicklich seine Augen schliessen musste. Der Rüpel war aber noch nicht fertig: „Jetzt setz Biss ein!“ Das Pokémon sprang durch den Sand zu Glurak, um es an seinem Fussgelenk zu packen. Das Feuer-Pokémon jaulte auf, als sich in Glurak festbiss. Es versuchte es abzuschütteln, aber es funktionierte nicht. Ich musste mir sofort etwas überlegen, um es abzuschütteln, aber was?


    Plötzlich hatte ich den Einfall: „Glurak, setz Hitzewelle ein!“ Sofort begann das Pokémon zu glühen und das Gegnerpokémon musste wohl oder übel von Glurak ablassen, da die Hitze um Glurak unerträglich stark zunahm. Magnayen sprang zurück auf seinen Platz, doch Glurak war noch immer vom Sand geblendet. Mir fiel plötzlich ein, wie ich den Sand vielleicht loswerden könnte. Ich sah plötzlich Vivillon vor mir, welches das Schlafpuder mit Windstoss verteilte. Vielleicht würde man es auch mit einer Luftattacke loswerden? Ein Versuch war es wert: „Los mein Pokémon, setz Flügelschlag ein, um den Sand loszuwerden.“ Auch wenn mein Feuer-Pokémon immer noch halbblind war, so konnte es trotzdem mit seinen Flügeln schlagen. Der Wind, der durch das Schlagen der Flügel erzeugt wurde, konnte den Sand entfernen, weswegen das Feuer-Pokémon nach wenigen Sekunden wieder sehen konnte. Etwas erleichtert blickte ich zu meinem Glurak, dann zu Dolores und Sasha. Sie waren in ihre Kämpfe vertieft, schienen jedoch keine grossen Probleme zu haben. Ich musste mich also wieder auf meinen Kampf mit dem Rüpel konzentrieren: „Setz jetzt Luftschnitt ein! Stoss dann gleich mit Drachenklaue nach!“ Das Glurak stiess mit einer Welle aus Luft nach dem Pokémon.


    Die Attacke entwickelte sich etwas stärker als gedacht – Glurak war gut trainiert – weswegen der Rüpel fast keinen Ausweg mehr sah: „Los Magnayen, wehr den Luftschnitt mit Spukball ab!“ Sofort stiess das Pokémon einen Spukball gegen die herannahende Luftflut und das Flug-Feuer-Pokémon ab. Die beiden Attacken prallten aufeinander, doch die Luftschnittattacke war viel stärker. Magnayen wurde zurückgeschleudert, doch noch während es in der Luft war, wurde es vom herannahenden Glurak und seiner Drachenklaue-Attacke noch weiter gegen den Baum geschleudert. Dort blieb es bewegungslos liegen. „Mist!“ Der Rüpel schlug gegen einen Stein vor sich, rief sein Pokémon zurück. Ich blickte zu Dolly und Sasha zurück. Auch Dolly hatte ihren Kampf erfolgreich beendet, ihr Muntier stand siegessicher vor ihr. Nur noch Sasha und ihr Zwottronin kämpften gegen das Sandamer, welches jedoch auch schon bereits angeschlagen war: „Beende es mit Kalkklinge!“ Mit dem letzten Schlag mit seiner Muschel schlug auch das Zwottronin das gegnerische Pokémon zurück. Wir hatten die Kämpfe gewonnen: „Hach, dann nehmt halt eure Pokémon. Aber wir werden wiederkommen!“ Mit diesen Worten warfen die Rüpel die Pokébälle zurück zu Sasha, die sie gemeinsam mit ihrem Zwottronin auffing. Einer der drei warf eine Art schwarze Kugel zu Boden, worauf sich dunkler Rauch bildete, der den ganzen Platz einfüllte. Als er sich wieder verzog, waren die Rüpel verschwunden.


    Zurück in der Arena hatte ich mich zu Dolores gesellt: „Ich hatte gar nicht gewusst, dass du kämpfst, Dolores?“ Sie lächelte mich an: „Ich war nicht immer alt und faltig, Christopher. In meiner Jugend habe ich gern gekämpft, auch in Arenen.“ Ich blickte sie an: „Du hast Orden gesammelt?“ – „Ja natürlich. Ich war nie besonders gut darin, dafür habe ich wohl zu viel Zeit in meine Pokémon und ihr Training investiert, bin wenig herumgereist, aber einige Orden konnte ich schon gewinnen. Nie alle 8 – aber immerhin. Für mich war das Wohl meiner Pokémon immer an erster Stelle und nicht meine Wünsche und Träume. Muntier beispielsweise hat immer gern gekämpft. Es hätte sich schon längstens in Letarking weiterentwickeln können, aber das wollte es gar nicht. Ihm gefällt seine Schnelligkeit und Kraft.“ Ich nickte: „Warum hast du mir nie davon erzählt, dass du kämpfst?“ – „Du hast nie danach gefragt. Ich habe dir und Sasha gern zugesehen, wenn ihr kämpft, aber ich wollte nicht reingrätschen. Mir gefällt meine Arbeit hier hinter dem Tresen und ich kann sie mit meinen Pokémon gemeinsam erledigen. Trainieren kann ich auch in meiner Freizeit. Muntier ist noch jung und braucht ‚Auslauf’.“ Sie lächelte bestimmt und blickte mich an, doch ich entgegnete ihr: „Aber wenn du doch auch gerne kämpfst, dann kannst du doch ruhig auch mit uns kämpfen. Ich meine, die Arbeit hier ist doch gut erledigt, okay?“ Sie nickte freudig: „Okay.“ Ich lächelte: Ich hatte wirklich eines der besten Teams und ein unglaublich tolles Arbeitsumfeld!

  • So, wie versprochen möchte ich der erste Leser sein, der hier seine Signatur unter deine Geschichte setzt. Eines schon mal vorweg: Ich finde die Idee einsame spitze! Im Rahmen eines Wettbewerbs habe ich mal eine Kurzgeschichte (1.500 Wörter) zu einem Arenaleiter geschrieben. Eine komplette Geschichte allerdings kam mir nie in den Sinn, wobei die Idee verdammt reizvoll ist. Einziges Problem was ich sehe, ist, dass - zumindest bei mir - irgendwann die Handlung wohl an einem Punkt ankäme, wo nichts Neues mehr eintreten würde. Ja, ich wüsste einfach nicht, wie ich überhaupt Handlung jenseits von dem Alltag des Arenaleiters erzeugen könnte. Wobei einem ja sicherlich viel Freiheiten gelassen sind. Im Anime werden Arenaleiter ja auch sehr vielseitig dargestellt. Selten besteht ihr Tagwerk allein aus dem Hüten der ersehnten Orden. Manchmal sind sie richtige gefragte, sogar wichtige Persönlichkeiten in der Stadt, fast wie Stadtrats- oder Gemeinderatsmitglieder, die bei wichtigen Entscheidungen einberufen werden. Darum stehen da diesbezüglich sicherlich viele Türen offen. Okay, das waren jetzt erstmal meine Gedanken zu dem eigentlichen Thema deiner Geschichte. Noch stehe ich beim Startpost. Dem möchte ich mich jetzt beim ersten Punkt widmen.



    Startpost: Sauber, ordentlich, auf den Punkt gebracht


    Mit der einladenden und gut strukturierten Einleitung öffnest du deinen Lesern freundlich die Tür. Man findet wenig Überschwängliches, sondern du die Sache kühl und überlegt auf den Punkt. Wer, wo, was, warum. Das fängt mit dem ersten Satz an, wo du dich noch kurz mit der Idee auseinandersetzt, bis du dich nach kurzer Zeit davon auch schon distanzierst und den Lesern die Charaktere näher bringst. Mit einzelnen Schlagworten beschreibst du die Charaktereigenschaften sachlich. Man fühlt sich nicht davon erschlagen, kann sich aber trotzdem ein grobes Bild davon machen. Ein wenig überrascht war ich schon, als ich las, dass Christopher sich dem Luft-Typ verschrieben hat, aber eher der ruhige, besonnene Typ sein soll. Mit Luft verbinde ich stets Überlegenheit, Stolz und Stärke, was in meinen Augen oft in ein eher überproportionales Ego mit eigener Postleitzahl ausufert. Will sagen: etwas richtig Großkotziges. So jedenfalls stelle ich mir den klassischen Flug-Trainer vor. Aber hey: Die Welt ist eben doch nicht nur schwarz und weiß.


    Du hast dir anscheinend schon eine Menge Gedanken über Christophers Teambesetzung Gedanken gemacht. Wie viel, ist an dem Punkt noch offen. Ich erwähnte ja, dass du mit Schlagwörtern auf die Charaktereigenschaften eingehst. Selbiges vermisst man allerdings etwas bei den Himmelsstürmern. Absicht, also gewollt? Sind ja nicht wenige. Jedem ein eigenes, einzigartiges Ego zu verleihen, ist Arbeit. Außerdem würde man dann gleich zu Beginn mit Informationen erschlagen werden, die man sich ohnehin nicht merken kann. Vielleicht auch besser so, dass man Glurak und Co. nach und nach selbst kennenlernen kann. So jedenfalls hoffe ich.


    Eines noch, dann muss ich erst einmal das erste Kapitel lesen: Gut finde ich, dass du auch Nebencharaktere erwähnst. Evt. werden diese ja nach einiger Zeit wieder auf der Bildfläche erscheinen und dann könnte man sich schon fast nicht mehr an sie erinnern. Bei einer meiner FF's habe ich so viele Nebencharaktere, dass ich da regelmäßig nachschauen muss, wie diese so ticken. Allerdings finde ich nicht so prickelnd, dass du Luisas Schicksal vorwegnimmst. Ich habe das erste Kapitel noch nicht gelesen und weiß leider jetzt schon, wie es um sie bestellt ist. Eine Spoiler-Warnung wäre vielleicht angebracht, falls du an solchen Informationen festhalten willst.




    Alltägliches Unalltägliches


    Jetzt habe ich beide Kapitel gelesen. Einiges von dem, was ich vorher erwähnt habe, wurde bestätigt, manches auch nicht. Überraschungen gab es jedoch in beiden Fällen.
    Tja, so sieht also der Alltag eines Arenaleiters aus. Natürlich gehört das Hüten der Arena dazu, will sagen, ist auch wohl das Hauptaugenmerk. Dass noch weitere Verpflichtungen hinzukommen, dazu hatte ich ja bereits meine Gedanken offengelegt. Ich könnte mir sogar sehr gut vorstellen, dass aufgrund der Abgeschiedenheit und Ländlichkeit von Anemonia City Christopher eine wichtige Rolle in dem kleinen Ort einnimmt. Zumindest von dem, was man so bislang ließt, fühle ich mich diesbezüglich bestätigt. Ich denke auch, dass das einfach wichtig ist bzw. irgendwann wichtig wird. Nur kämpfen, gewinnen und verlieren klingt wenig reizvoll. Man braucht auch irgendwie Handlung, die du lieferst. Ob der Überfall in Kapitel zwei eine tiefere Rolle einnimmt, bleibt natürlich offen. Man stellt sich da natürlich schon die Frage nach dem Warum. Ein Überfall? Hier? Gründe? Ehrlich gesagt wundert es mich, dass ich als Leser diese Frage aufgreife, aber die Protagonisten es eher gelassen hinnehmen, als ob es … ja, eben etwas Alltägliches wäre. Keine Ahnung, könnte ja sogar sein. Falls aber nicht, finde ich, dass du zumindest im dritten Kapitel die Frage nach dem Warum zumindest kurz anschneidest. Ich halte das für wichtig. Ohne zumindest ein paar Gedanken zu dem Thema leidet die Glaubwürdigkeit. Inwieweit du das Thema vertiefst, musst natürlich du entscheiden. Könnte ja auch völlig uninteressant für die Story sein.


    Um kurz auf die gestrandete Luisa einzugehen: Auch hier habe ich ja vorher vermerkt, dass ich es mir durchaus vorstellen könnte, wenn Nebencharaktere wieder auftauchen. Insbesondere ergibt das natürlich Sinn bei Figuren, die im Kampf gegen den Arenaleiter unterliegen. Ich halte es für logisch, dass sie irgendwann Revanche fordern, denn wie du ja erwähntest:


    Zitat von Zeb

    Aber da ich einen obligatorischen Schritt auf dem Weg zur Pokémon Liga darstellte, kam man an mir nur sehr schwer vorbei.


    Ob kurz oder lang: Luisa wird bestimmt irgendwann wieder die Bühne betreten. Im Anime lässt das ja selten lange auf sich warten. Manchmal verbringen sogar Trainer und Arenaleiter sehr viel Zeit nach dem Kampf und weihen einander etwas in den Stil und in das Leben des anderen ein. Vielleicht hier auch der Fall? Man darf gespannt sein.



    Eine fleckenreine Augenweide


    Damit bin ich erst mal damit durch, was das reine Erzählen der Geschichte betrifft, also die Handlung. Viel mehr geht an diesem Punkt nicht, höchstens weitere Spekulationen, und ich denke, das können wir uns sparen. Stattdessen möchte ich jetzt auf die Stärken und Schwächen deiner Geschichte eingehen.


    Durch den sauberen Startpost wurde ich ja dahingehend bereits vorbereitet, dass du einen sauberen, ordentlichen Schreibstil pflegst. Genau das wird mit den beiden Kapiteln noch einmal bestätigt. Alles ließt sich wirklich angenehm. Die Sätze sind meistens kurz, und auch wenn sie mal etwas in die Länge wachsen, hat man dennoch kein Problem, dem Inhalt zu folgen. Die Rechtschreibung ist ebenfalls ziemlich sauber. Keine wirklich großen Patzer, womit der Lesefluss nicht gestört wird. Ich schätze, du bist schon länger dabei. Oder du bist ein Naturtatent. Jedenfalls sticht ein so breiter wie tiefer Wortschatz hervor. Auch weißt du, wie mühselig es ist, Wiederholungen zu lesen. Beides in Kombination und mit deinem sauberen Schreibstil gepaart verleiht der Geschichte etwas sehr Angenehmes.


    Du hast dich für die Ich-Perspektive entschieden. Ich denke, ich in deinem Fall hätte ebenso gehandelt. Auch hier scheinst du bereits Erfahrungen einzubringen. Christopher sieht, bemerkt und interpretiert. So muss das sein! Hier konnte ich wirklich noch keine Patzer feststellen, wie es gelegentlich mal vorkommen kann; nämlich, dass man so gerne etwas zu einem anderen Charakter sagen will und dabei völlig die Erzählperspektive außer Acht lässt. Aber das ist dir nicht passiert. Gut so! Schon die Eröffnung, die ersten Absätze des ersten Kapitels, sind stark. Ein schöner Monolog, mit dem du die Gedanken in Erzählform mit der Handlung verbindest. Könnte es nicht besser machen! Daran hältst du auch im Laufe der Handlung fest. Wie gesagt: Christopher sieht, bemerkt und interpretiert. Mit eben diesen Gedanken lässt du die Leser an seinem Leben und seinem Umfeld teilhaben.



    Zwei Welten


    Du nimmst dir Zeit, um die Handlung langsam den Lesern näher zu bringen. Das jedenfalls trifft auf jeden Fall dann zu, wenn nicht gerade gekämpft wird. Dann, so kommt es mir vor, wechselst du irgendwie deinen Stil. Es gibt zwei Dinge, mit denen ich mich bislang noch nicht völlig anfreunden kann: Zum einen wirken die Kämpfe irgendwie sehr festgefahren. Versteh mich nicht falsch: Du beschreibst schon. Wie sich die Attacken entfalten und welchen Einfluss sie nehmen. Aber dennoch wirkt es irgendwie … steif. Als ob man einen Kampf auf der Konsole mit einigen Adjektiven ausschmückt und sich in Ansätzen seine Gedanken darüber macht, welche Effekte freigesetzt werden. Aber da geht in deinem Fall sicherlich noch mehr! Und ja, ich finde den perfekten Übergang zu diesem Punkt (Erklärung kommt also gleich) zu der nächsten Sache, die ich ankreiden muss: Wir haben in deiner Geschichte eine helle Seite, wo die Menschen ein schickes Leben mit umfangreichen Beschreibungen und ausgereiften Persönlichkeiten führen, und eine dunkle Seite, eine Ödnis, wo die Pokémon bislang ein karges Leben im Tristen führen. Sie darben, verhungern. Ihnen fehlt es an Persönlichkeit, an Tiefe. Bislang sieht es fast aus aus, als seien sie nur Mittel zum Zweck. Und das finde ich schade. Ich erwähnte ja bereits zu Beginn, dass mir auffiel, dass du im Startpost darauf nicht eingegangen bist, und du weißt ja, dass ich das okay finde, weil es einfach zu viel auf einmal würde. Aber jetzt, hier, in deiner Geschichte, ist es schadhaft, Glurak und Co. einfach so hinzunehmen, als wären sie Werkzeuge. Hauchst du auch ihnen erst Gefühle ein, gehst auf Mimik und Gestik ein, werden auch die Kämpfe gleich deutlich lebendiger. Das ist das Schlagwort: lebendig. Genau daran mangelt es. Mein Vorschlag: Nimm dir mehr Zeit, auf die Reaktion von Trainer und Pokémon einzugehen. Ein guter Tipp, den ich auch erst seit kurzer Zeit beherzige: "Show, don't tell" - "Zeigen, nicht beschreiben". Ich sehe gewisse Ansätze, aber da geht mehr. Indem du mehr auf Bewegungen und Mimik eingehst, dies dann noch mit der Umwelt verbindet, eröffnest du ganz neue Welten. Beispiel:



    Zitat von Zeb

    „Dann setz jetzt Stahlflügel ein!“ Sofort schoss mein Pokémon in Richtung Moorabbel los, welches sich auf den Angriff gefasst machte, doch Luisa kam meiner Attacke zuvor:


    Ich sehe Ansätze, aber da geht mehr.



    Zitat von Eagle

    „Dann setz jetzt Stahlflügel ein!“
    Panzaerons Säbel rasselten, dann schnellten sie in einem blinden Zorn hernieder, nur übertönt von dem Schmettern des ungebrochenen Kampfwillens. Der wenige Staub auf dem sonst sauberen Arenaboden wirbelte auf, als sich der gefallene Kämpfer mit gewaltigem Schub erneut in die Lüfte erhob, seinem Widersacher mit blitzenden Stahlschwingen entgegen.


    So könnte ich mir den Satz vorstellen. Natürlich ist es so, wie der Autor in dem von mir genannten Link mahnt: Übertreiben muss man es nicht. Insbesondere in Kämpfen sind kurze, knackige Sätze oft besser geeignet. Aber im Moment kann deine Geschichte nur davon profitieren, wenn du hin und wieder Gefühle und Handlung auf diese Art und Weise beschreibst.



    Abschließend


    Halte auf jeden Fall an deinem Schreibstil und deiner Wortwahl fest. Na ja, zugegeben: Es gab schon ein paar Momente, wo ich denke, dass das krampfhafte Suchen nach Synonymen unnatürlich klingt, so wie "mein Pokémon", statt das Kind einfach beim Namen zu nennen. Jedenfalls finde ich, dass es sich irgenndwie komisch anhört. Jedenfalls kann ich nur noch einmal wiederholen, dass mir die Idee sehr gut gefällt. Du wendest die Ich-Perspektive sehr gut an. Die (menschlichen) Charaktere sind bislang äußerst gut gelungen und abwechslungsreich. Bei den Pokémon dagegen kennst du meine Meinung. Lass es dir vielleicht mal durch den Kopf gehen und wäge das Für und Wider ab. Aber ich finde es gerade lustig, wie viel Möglichkeiten sich ergeben. Ja, gerade wenn man sich vorstellt, welche Handlungen sich überhaupt noch ergeben können! Aber das ist überhaupt nur dann möglich, wenn eine klare Persönlichkeit vorhanden ist. Vielleicht haben ja auch andere Leser Meinungen zu dem Thema. Auf jeden Fall ein sehr guter Start!

  • Kapitel 1.3 - Jungblut


    „Ah, wann kommt er endlich?“, die Stimme eines Jugendlichen schreckte mich aus einem Tagtraum, den ich gehabt hatte, während ich die Federn meines Taubogas gepflegt hatte. Das Vogel-Pokémon hatte jede meiner Berührungen genossen, schliesslich mochte es die Aufmerksamkeit, mit der es behandelt wurde. Das Vogel-Pokémon war bis anhin nicht das „Signatur Piece“ meines Teams, aber ich trainierte hart mit ihm, um es stärker zu machen. Es war früher Morgen, doch ich war gerne so früh bei meinen Pokémon, um mich um sie zu kümmern. Tauboga hatte ich erst seit einigen Wochen und doch hatte es sich schnell an seine Aufgabe gewöhnt. – Ich wusste, dass der Vogel einige Probleme unter seinen Schwingen bereithielt. Als es sich mit Glurak angelegt hatte und fürchterlich auf den Schnabel gekriegt hatte beispielsweise. Arroganz, welches das Tauboga in sich trug, gemischt mit dem Wunsch, geachtet zu werden. Ich wusste, dass das Pokémon meiner Pflege und Aufzucht bedurfte. In der freien Wildbahn hatte das Taubsi damals leben können, doch als Teampokémon eines Arenaleiters bedarf es mehr.


    Ich hörte ein Klopfen an der Tür, bevor sie sich öffnete und Dolores eintrat: „Guten Morgen, Christopher. Es wird deine Anwesenheit gefordert. Du hast Gäste.“ Überrascht blickte ich Dolly an, während sie mich freundlich anlächelte: „Gäste? So früh?“ – „Hast du vergessen, dass heute die drei Jugendlichen aus Anemonia City kommen, die ihre Reise in die Pokémon-Welt starten möchten?“ Ich war kurz angebunden: „Die ... die Jugendlichen? Die kommen doch erst um 10 Uhr?“ Auf Dolores Gesicht zeichnete sich ein Grinsen ab: „Nun, die Herrschaften haben sich kurzerhand entschlossen, den Termin bereits auf 8 Uhr zu verlegen.“ Ungläubig, aber auch etwas amüsiert sah ich zu ihr: „Aber ... sind die Pokébälle und die Pokédex für die Trainer vorbereitet?“ Dolores nickte: „Sasha hat sie gestern Abend bereitgelegt. Sie kommt am Nachmittag wieder. Sie bringt mit Altaria einige dringend benötigte Medikamente von der Apotheke nach Oliviana City.“ Ich nickte. Botengänge waren nichts Neues, schliesslich waren Flug-Pokémon das schnellste Mittel, um sie vorzunehmen. Tauboga hüpfte neugierig auf meine Schulter, während ich Dolly nach draussen folgte. In der Empfangshalle setzte sich Dolores für einen Moment an ihren Schreibtisch, um aus einer Schublade die drei Pokébälle und gab sie mir. „Das sind die Pokémon, aus denen die drei Neulinge aussuchen dürfen. Ich nehme die Pokédex mit.“


    „Ich möchte endlich mein Pokémon!“ – „Ich auch!“ – „Könnt ihr nicht aufhören, so unglaublich zu hetzen?“ Das Stimmengewirr in der Arena war sagenhaft laut. Ich hatte zwar hier schon einige Kämpfe bestritten, doch so laut war es selten. Die drei Jugendlichen standen auf der Kampffläche und diskutierten eifrig. Zwei Jungs und ein Mädchen. Ich hatte ihre Namen auf einer Liste bei Dolly auf dem Schreibtisch gesehen: Elliot, Clark und Paula. „Guten Morgen, meine Lieben. Ich heisse euch hier in der Arena von Anemonia City willkommen. Wie ihr wisst, werden wir heute euern ersten Tag gemeinsam zu bringen, um euch in die Welt der Pokémon und die Reise einzugewöhnen. Am Abend werden wir euch dann nach Oliviana City fliegen, wo ihr eure Reise starten könnt. Mein Name ist Christopher und ich bin Arenaleiter. Und das ist Dolly, meine Assistentin und Sekretärin.“
    Es hatte Tradition in Anemonia City, dass neue Pokémontrainer ihre Pokémon von mir erhielten, meist eine Auswahl an verschiedenen Pokémon, die ich oder Sasha in ganz Johto gefangen hatten oder gezüchtet wurden. Anemonia City war eine eher kleinere Stadt. Sie lebte von Traditionen und Sitten, weswegen man sehr darauf bedacht war, alles richtig zu machen. Anemonia City hatte einige berühmte Trainer und Trainerinnen hervorgebracht, deswegen hatte sich die Tradition herausgebildet, dass der Arenaleiter sich um die neuen Schützlinge für einen Tag kümmern sollte, um sie auf ihre bevorstehende Reise vorzubereiten und sie mit ihren neuen Pokémon etwas zu unterstützen. Ich mochte die Aufgabe, denn ich konnte mich gut an meine Unsicherheit erinnern, als ich mein Glumanda ausgewählt hatte. Das Pokémon war damals schon sehr zurückhaltend gewesen, aber stark im Willen. So war Glurak auch heute noch, obwohl es heute das Pokémon war, mit dem mich die meisten Menschen verbanden.


    Die drei Jugendlichen starrten mich ungläubig an: „Ich kann es nicht fassen, dass wir heute endlich unsere Pokémon erhalten“, Paula, das Mädchen mit rotem Pony, blickte mich an, als sei ich von einem anderen Stern. „Ich will endlich mein Pokémon wählen“, Elliot grinste mich an. Der Sohn eines ehemaligen Trainers war wohl sehr versessen darauf, in die Fussstapfen seines Vaters zu treten. Genau wie Clark, welcher zwar nichts sagen, sondern nur ungeduldig auf dem Boden scharrte, sodass die Erdfläche aufgerissen wurde und der Staub, der aufgewirbelt wurde, sich auf seinem Turnschuh absetzte. „Genau. Zuerst möchte ich euch aber eure Pokédex übergeben. Sie enthalten nützliche Informationen über Pokémon und helfen euch bei eurer Reise“, Dolly hatte sich eingeklinkt und übergab nun jedem der Drei ihr erstes Utensil, um auf Reisen gehen zu können. Neugierig nahmen die Jugendlichen das technische System in ihre Hände und betrachteten es, bevor sie ihren Blick wieder hoben, um mich anzusehen. „Ich möchte euch jetzt nun gern die drei Pokémon zeigen, aus denen ihr euch entscheiden könnt.“ Mit diesen Worten schleuderte ich die Bälle in die Luft.


    Aus den drei gleissend weissen Lichtern erschienen die drei Pokémon auf der Bildfläche: Mollimorba, Camaub und Nebulak.
    Paula, anscheinend diejenige, die sich am meisten mit dem Schulstoff in der Pokémon Schule beschäftigt hatte, klappte ihren Pokédex auf und richtete ihn zuerst gegen Nebulak: „Nebulak – das Gas-Pokémon. Es hat einen gasförmigen Körper. Es kann jeden Gegner mit Giftgas einnebeln und dadurch ersticken.“ – „Wow!“ Die Drei blickten ehrfürchtig das Geist-Pokémon an, welches sanft lächelte und sich anscheinend wahnsinnig freute, endlich seine potenziellen Trainer zu sehen.
    Nun wollte auch Elliott seinen Pokédex ausprobieren und richtete ihn deswegen auf das Camaub: „Camaub – das Taubheit-Pokémon. Camaub speichert fast 1 200 °C heißes Magma in seinem Körper. Wenn es nass wird, kühlt das Magma ab und wird hart. Dadurch wird der Körper dieses Pokémon schwer und seine Bewegungen träge.“ Es war wohl das Pokémon, das am wenigsten Begeisterung gegenüber den Trainern zeigte und so waren auch die drei Neulinge eher neutral gegenüber dem Camaub. Ich fand das irgendwie schade, schliesslich war Camaub ein tolles Pokémon und nur, weil es sich zurückhielt, war es nicht so, dass es schlechter war. Ich stellte mir vor, dass in ihm sicher auch eine treue Seele steckte. Das schien das Trio aber nicht zu interessieren, beugte sich Paula bereits zu Mollimorba, welches sich etwas zurückgehalten hatte und auch immer noch nicht genau wusste, was es von der Situation halten sollte: „Mollimorba – das Glotz-Pokémon. Die schleifenförmigen Fühler erhöhen seine Psycho-Kräfte. Es scheint stets irgendetwas anzustarren.“ Auch wenn es wohl das Glotz-Pokémon gerne Leute ansah, so tat dieses das wohl von etwas ferner. Es schien mir ängstlich davor, etwas Neues kennenzulernen, aber irgendwie sah ich auch Neugierde in seinen Augen.


    „Es liegt nun an euch, euch für eins der Pokémon zu entscheiden. Wählt weise, denn das Pokémon ist eines, was euch euer Leben lang begleiten soll“, ich blickte insbesondere Elliott und Clark. Komischerweise hatte ich bei Paula ein gutes Gefühl. Sie schien ruhig zu sein, überlegt, erinnerte mich fast ein wenig an mich. Deswegen wollte ich das auch ein wenig unterstützen: „Ich würde sagen, Paula beginnt. Ladies first.“ Erstaunt blickte sie mich an, was wohl bedeutete, dass sie sich vielleicht als Letzte oder Zweite gesehen hatte, aber nicht als Erste. Paula strich sich durch ihr Haar, pustete kurz ihren Pony in die Höhe. Das Nebulak war sehr fröhlich und aufgestellt, das Camaub eher lieb und langsam und das Mollimorba war zurückhaltend, aber trotzdem auch neugierig. Sie ging auf Nebulak zu, was wohl eine klare Entscheidung war, bog dann aber ab zu Camaub: „Ich möchte das Feuer-Pokémon Camaub.“ Ich war ziemlich baff, hatte ich doch damit gerechnet, dass das Pokémon sicher nicht als Erstes gewählt werden würde. Eine angenehme Überraschung, so empfand es wohl auch Dolly, die ebenfalls lächelte.
    Das Feuer-Pokémon war ebenfalls glücklich über die Entscheidung, schmiegte sich glücklich an seine neue Besitzerin. Aus seinem Höcker stieg eine leichte Rauchwolke in die Höhe. „Nun ist es an dir Elliott, dein Pokémon auszusuchen. Du hast die Wahl zwischen Mollimorba und Nebulak!“ Der junge Mann blickte seinen Kumpanen an. Clark nickte. „Ich will Nebulak!“ – „Ich möchte gern Mollimorba!“ Elliot war zu Nebulak gegangen und Clark zu Mollimorba. Ich empfand es als eine gute Entscheidung, wollte aber den Tag, den ich mit den dreien verbrachte, noch etwas abwarten.




    Es war ein langer Tag gewesen. Dolly hatte den dreien gezeigt, wie der Pokédex funktioniert, wozu die Pokémon Center und Markt da waren und hatte insbesondere alle Registrationen vorgenommen, ob für die Pokémon Liga oder die Wettbewerbe. Sasha war am frühen Nachmittag zurückgekommen, hatte sich insbesondere um Futter und Pflege der Pokémon gekümmert, aber auch die Attacken der Pokémon erläutert. Ich als Arenaleiter habe ihnen eigentlich am wenigsten mitgegeben. Zumindest denke ich das. Dolly hatte mir immer gesagt, dass wohl die Werte, die ich vertrete – Ehrlichkeit, Überlegtheit und Liebe zu den Pokémon. Das waren die Dinge, die er auch den Neulingen auf den Weg geben wollte – den Willen, hart an sich und den Pokémon zu arbeiten, die Zeit mit ihnen zu geniessen. Eigentlich gab es so viel, was ein Zusammenleben mit Pokémon so einzigartig machte.


    „Vielen Dank für alles, Christopher!“, Paula lächelte mich an und umarmte mich. Sie schien viel von diesem Tag mitgenommen zu haben. Auch Elliott und Clark schienen dankbar, zeigten dies aber nicht so offen – vielleicht waren sie das auch nicht. Ich konnte das eher schlecht einschätzen. Es war nun die Zeit des Abschieds gekommen: „Wir werden euch nun mit den Flug-Pokémon über das Meer nach Oliviana City transportieren.“ Ich blickte die drei stolz an. Irgendwie waren sie mir ans Herz gewachsen, wie ich es bei fast allen Schützlingen erlebt hatte, die Anemonia City verliessen. Wir waren hier in dieser Stadt eine Art Gemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützte. Ich als Arenaleiter nahm einen grossen Teil dabei ein, doch ich würde mich selbst nie zu wichtig nehmen – das war nicht mein Naturell. Als wir die Arena verliessen, wurden die Neulinge bereits erwartet. Eine grosse Ansammlung von Bewohnern der Stadt hatte sich vor der Arena versammelt, um den Dreien zuzujubeln. In der Menge schienen die Neureisenden auch ihre Eltern zu erkennen, die sich von ihnen verabschieden wollten.


    Ich wollte den Familien Zeit für sich gönnen. Als Arenaleiter einer Arena mit Flug-Pokémon war ich der Geeignete für den Transport von Anemonia City nach Oliviana City, wo ihre Reise beginnen wird. Ich begab mich an den Strand, um dort meine Pokémon hervorzurufen. Altaria, Glurak und Panzaeron kamen aus meinen Pokébällen heraus, als ich sie in die Luft warf. Sie waren diejenigen Pokémon, die für solche Einsätze am besten geeignet war. Natürlich konnte ich es niemandem verheimlichen, dass mein glühendster Stern Glurak war. Nicht einfach, weil ich es schon am längsten im Team habe. Es war das Pokémon, mit dem ich am besten zurechtkam. Glurak war stark, solide, aber immer zurückhaltend und überlegt. Das war untypisch für die Spezies. Deswegen mochte ich das so sehr. Insbesondere nahm das Pokémon eine Führungsrolle ein, dass es für die anderen Pokémon eine Vorbildfunktion einnahm. Das Pokémon strahlte Stärke und Einheit aus. Glumanda war schon seit Beginn an immer für das Team als Ganzes eine Unterstützung gewesen – stellte nie ihr Wohl über das eines anderen Pokémons. Das tat Glurak auch jetzt immer noch. Ich wurde aus meinen Gedanken aufgeschreckt (bereits zum zweiten Mal an diesem Tag), als Sasha mit den drei jungen Menschen zum Strand kam. Ich blickte sie zuversichtlich an: „Bereit?“ – „Bereit“, und damit meinten sie nicht nur den Überflug.



  • Kapitel 1.4 - Scheinwerfer an!

    Ich sass auf dem Rücken meines Gluraks, während ich über die Wellen der Routen 40 und 41 flog. Die salzige und windige Luft des Meeres schoss mir in die Nase. Es war dasjenige Gefühl, was ich so sehr an meinem aktuellen Wohnort mochte. In Rayono City, meiner Heimat, hatte das Meer gefehlt, auch wenn ich mich in jener Stadt ebenso sehr wohl gefühlt hatte. Für mich bedeutete das Meer und die Winde Freiheit. Die Freiheit, alles zu schaffen, was man sich erträumt. Hätte ich zu Beginn meiner Reise gedacht, dass ich mit meinem Glumanda irgendwann an einen Showkampf zur Eröffnung eines Pokémon-Wettbewerbs flog? Vermutlich nicht. Als ich zum ersten Mal an einen Pokémon-Wettbewerb eingeladen wurde, hatte ich nicht genau verstanden, warum. Klar – ich wusste schon, mein Pokémon einigermassen zu präsentieren. Aber ich war anscheinend bei meinen öffentlichen Auftritten positiv aufgefallen. Dolores hatte eines Tages mal gesagt, dass mich die Menschen aufgrund meiner Überlegtheit und Bescheidenheit mochten. Ich behandelte die Menschen mit Respekt und Freude, auch wenn ich das bei Arenakämpfen meiner Meinung nach nicht gerade zeige. Ich hatte mich für diesen Wettbewerb nicht vorbereitet. Auch wusste ich noch nicht, mit welchem meiner Pokémon ich antreten wollte. Unter mir atmete Glurak ruhig ein und aus. Er war in jeder Situation sehr solide, was mir unglaublich viel Sicherheit gab. Das Pokémon war für mich praktisch zu einer Art grossen Bruder geworden, weil es mich in allen Belangen unterstützte.


    Einige Momente später war ich in der Wettbewerbshalle von Oliviana City angekommen. Viele Koordinatoren und Koordinatorinnen standen mit ihren Pokémon im Freien, trainierten. Als ich mit Glurak landete, schienen sie etwas aufgeschreckt, betrachteten mich mit abergläubischen Mienen. Anscheinend hatte man nicht gewusst, dass ich hier sein würde. Klar – man hatte eine Art Promistatus, aber da ich mich nicht besser als jemand anders fühlte, sah ich mich nicht als Besonderheit – und das zeigte ich auch. Ich stieg von Glurak ab und rief es zurück, weil es sich so etwas ausruhen konnte. Mir war nicht klar, mit welchem Pokémon ich antreten sollte. Ein Showkampf war etwas anderes. Man musste nicht gewinnen. Man musste zeigen, dass man etwas draufhat. Im Hinterraum des Wettbewerbgebäudes wurde ich von Schwester Joy von Anemonia City begrüsst: „Guten Tag, Christopher. Wir freuen uns ausserordentlich, dass es geklappt hat, dass du hier sein kannst. Ich denke, der Showkampf mit dir und Marisol wird sicher wahnsinnig gut!“ Ich horchte auf: „Was, Marisol ist hier?“ – „Du bist ja gar nicht erfreut, dass ich hier bin?“, ich hörte die Stimme hinter mir, kannte den Tonfall ihrer Stimme. Marisol war nicht irgendeine Person, die ich kannte, sondern eine Verbündete, eine Kollegin.
    Marisol Gomez aus Ebenholz City – ebenfalls Arenaleiterin – war eine offenherzige und sehr extrovertierte Persönlichkeit, flirty, verführerisch. Sie war die Arenaleiterin mit Pokémon vom Typ Wasser, die sie im Rahmen ihrer Arena in Ebenholz City in der Nähe des Drachensees perfekt ausspielen konnte. Sie hat sich die Arena regelrecht unter den Namen gerissen – hat die damalige Drachenexpertin zu einem 6 vs. 6 Kampf herausgefordert mit einem hohen Einsatz. Die charismatische Arenaleiterin würde in diesem Showkampf ein grosses Problem werden – das wusste ich.


    „Meine Damen und Herren, herzlich Willkommen zum Wettbewerb von Oliviana City! Wir sind sehr erfreut, dass sich hier so viele Zuschauer und Koordinatoren versammelt haben, um gemeinsam dieses Fest der Schönheit und des Anmut zu feiern. Und ...“ Ich machte mich bereit. Erstaunlicherweise war ich ziemlich nervös. Marisol war eine harte Gegnerin und mit ihren Wasserattacken könnte sie mich ziemlich schnell extrem schlecht aussehen lassen. Ich musste sie überraschen und sie langsam, aber sicher verunsichern. Aber wie stellte ich das nur an?
    „Bitte begrüssen Sie Marisol Gomez, die Arenaleiterin von Ebenholz City!“ Sie betrat die Bühne, winkte in die Runde und lächelte. Marisol wusste, wie sie die Menge für sich gewinnen konnte. Die Moderatorin schien sich ebenfalls über ihren Besuch sehr zu freuen: „Und auf der anderen Seite, ihr Gegner. Ihr kennt ihn ebenfalls alle: Begrüsst Christopher Morgan, der Arenaleiter von Anemonia City!“ Ich betrat die Bühne, tosender Applaus, den ich irgendwie genoss, mir aber auch irgendwie unangenehm war. Auch ich lächelte und winkte in die Menge. Marisol grinste mich an. Auch wenn wir um nichts kämpften – so wenig war es dann im Nachhinein auch nicht. Hier ging es um Reputation und Überlegenheit. „Die beiden Arenaleiter werden uns mit einem Kampf zur Einleitung beglücken. Ladies first! Marisol wählt ihr erstes Pokémon zuerst und darf dann auch zuerst angreifen!“


    Meine Gegnerin grinste mich überlegen an: „Komm heraus, Baldorfish! Zeigen wir Chris, was wir draufhaben!“ Ihr Fisch-Pokémon entsprang einem gleissenden Licht, welches sich um seinen kugeligen Körper blau färbte. Als es auf dem Boden landete, zersprang es in tausende blaue Blitze, welche durch die Luft schossen.
    Auch ich nahm meinen Pokéball hervor: „Jetzt bist du dran, Vivillon!“ Aus meinem Pokéball schoss mein Käfer-Flug-Pokémon mit pinkem Staub, welcher sich um mein Pokémon schloss, bis es diesen mit einem starken Flügelschlag auf der ganzen Wettbewerbsbühne.
    „Der Kampf beginnt! Es ist an Marisol, den ersten Zug zu machen!“
    Meine Gegnerin sah zu ihrem Baldorfish und überlegte sich nur für einen kurzen Moment die Attacke: „Los Baldorfish, greif an mit Aquaknarre!“ Ihr Ballonfisch-Pokémon sprang in einem Salto nach oben und schoss eine Aquaknarre in Richtung Vivillon, welches auf der Gegenseite in der Luft flatterte. Noch während das Wasser in Richtung Vivillon schoss, überlegte ich mir bereits eine Gegenstrategie: „Vivillon, fang die Aquaknarre mit Psystrahl ab!“ Mein Falter flatterte kurz in der Luft, bevor er einen Strahl regenbogenfarbenes Licht gegen das heranströmende Wasser in Form der Aquaknarre schoss. Die beiden Strahle trafen aufeinander und es entstand auf der einen Seite eine Art Wassermauer und auf der anderen eine Art Mauer aus regenbogenfarbenem Licht. Beiden Kontrahenten wurden ähnlich viele Punkte abgezogen.


    Marisol blickte mich immer noch belustigt an: „Baldorfish. Strahle mit Härtner und greif Vivillon mit Giftstachel an!“ Sofort begann Baldorfish in hellem Licht zu strahlen. Mit einer schnellen Bewegung schoss das Fisch-Pokémon giftig violette Strahlen in Richtung Vivillon, es schien völlig freudig darauf zu sein, das gegnerische Pokémon endlich zu treffen. Vivillon flatterte weiterhin in der Luft, völlig stabil und vielleicht sogar etwas gelangweilt. Ich betrachtete mein Pokémon nur für einen Augenblick, denn schliesslich blieb mir nicht viel Zeit für eine schnelle Abwehr: „Vivillon, Lichtschild!“ Sofort bildete sich eine Art glänzendes Schild um Vivillon, sodass die violetten Stacheln nur an diesem abprallten. Vivillon schien sich wahnsinnig zu freuen, flog es einige Pirouetten, sodass das Publikum applaudierte. Marisol verlor einige Punkte.


    Sie blickte etwas verärgert zu mir, scharrte auf dem Boden, dann schien ihr etwas einzufallen: „Und jetzt Hydropumpe, Baldorfish!“ Davon war ich jetzt nicht wahnsinnig überzeugt, war Hydropumpe doch genau so abzuwehren mit Psystrahl. Deswegen rief ich meinem Vivillon, welches immer noch einige Kapriolen in der Luft schlug zu: „Wehr es ab mit Psystrahl!“ Wieder stossen die beiden Strahlen aus Farben und Wasser aufeinander zu. Doch ich hatte etwas vergessen: Die Wassermassen überströmten die Farben des Psystrahls von Vivillon und so fanden sie ihr Ziel in meinem Pokémon. Vivillon wurde von dem Wasser getroffen, flatterte schwach in Richtung Boden, wo es Probleme hatte, sich aufzurichten. Seinem Gesicht konnte man gut die Mühe anmerken, die es hatte, sich überhaupt aufzurichten.


    Marisol lachte auf und tanzte im Rhythmus der Musik: „Und jetzt setz einen Blubber nach, Baldorfish!“ Sofort sprang das Fisch-Pokémon wieder in die Luft und schoss farbene Luftblasen gegen den am Boden liegenden Falter. Vivillon versucht auszuweichen, schafft es aber nicht. Ein Raunen geht durch das Publikum. Zu dem Punkteabzug der Hydropumpe kommt nun auch der Blubber hinzu, der meine Punktezahl schrumpfen lässt. „Vivillon! Alles in Ordnung?“ Besorgt blicke ich mein Pokémon an, welches sich immer noch am Boden rumwälzt. Es schien jedoch noch bei wenigen Kräften zu sein. Marisol lächelte und winkte kurz ins Publikum, fast schon so, als hätte sie gewonnen.


    „Beenden wir es mit Walzer, Baldorfish!“ Das Kugelfisch-Pokémon rollt sich zu einer Rolle zusammen und schiesst auf Vivillon zu. Ich musste mir dringend etwas einfallen lassen: „Noch einmal Lichtschild, Vivillon!“ Mein Pokémon richtet sich auf und schafft es, um sich herum den Lichtschild aufzubauen, sodass Baldorfish gegen die Schutzmauer prallt und wieder wegspringt. Vivillon konnte in dieser Zeit seine Figur wieder etwas aufrichten und flattert langsam wieder in die Luft. Ich sah auf die Punktezeile – es war sehr knapp. Ich musste deswegen dringend einen Angriff starten, hatte ich doch bis anhin nur abgewehrt: „Los Vivillon! Flieg in einer Pirouette in die Luft und lass Schlaf- und Giftpuder fallen! Wirble es dann zusammen mit Windstoss!“ Vivillon begann sofort in einer Art Wirbel nach oben zu fliegen und liess dabei den grünen und violetten Staub fallen, sodass sich ein Gemisch der Attacken entstand, welches es solide und stolz mit Windstoss über die ganze Fläche verteilte, wodurch auch Baldorfish getroffen wurde. Dieses bemerkte sofort die Wirkung des Giftpuders und begann sich vor Schmerzen zu krümmen. Marisol zog Luft ein, um dem Druck standzuhalten. Sie sah zu Christopher, schien zu überlegen, welche Attacken sie wohl gegen Vivillon einsetzen konnte, ohne eine Defensivaktion zu befürchten. Doch gerade, als sie etwas sagen wollte, hörte man einen lauten Gong. Die Moderatorin betrat lächelnd die Bühne: „Der Kampf ist somit vorbei. Und es besteht tatsächlich Gleichstand! Was für ein aufregender Kampf!“ Das Publikum applaudierte, während ich der Menge kurz zuwinkte, während Vivillon glücklich und zufrieden durch die Luft flog.


    Der Wettbewerb an sich war ein Ereignis. Es waren erstaunlich viele Koordinatoren nach Oliviana City gekommen, weswegen die Einzel-Vorrunde sich recht hinzog, zumindest zeitlich gesehen. Bei mancher Performance hätte man wohl noch etwas schleifen können, während man bei anderen merkte, dass sie bereits perfekt einstudiert waren. Ich sass an der Seite auf einer Tribüne neben Marisol, die ihren Emotionen lauthals Platz gab. Sie schrie, stand auf und applaudierte. Ach – sie war so anders als ich. Natürlich schälten sich auch Favoriten für mich heraus. Ein junges Mädchen mit einem Papinella, ein Junge mit einem Simsala und ein weiterer Junge mit einem Tuska.
    Als die vier Halbfinalisten aus den bestehenden Koordinatorinnen und Koordinatoren ausgewählt wurden, wurde ein Teil meiner Favoriten bestätigt. Sowohl das Mädchen mit dem Papinella, als auch der Junge mit dem Tuska schafften nach dem Halbfinale auch den Finaleinzug. Am Ende machte es jedoch der Junge mit dem Tuska, der das Band von Oliviana City gewann.


    Für mich war es ein interessanter, aber auch sehr anstrengender Tag gewesen. Sich als Arenaleiter zu zeigen war natürlich verbunden mit Möglichkeiten, andere Leute zu inspirieren und so auch den Menschen etwas auf den Weg mitzugeben. Aber es war anstrengend. Ich war nicht so frei, wie ich es in Anemonia City in meiner Arena war. Es bedeutete viel Präsenz, Arenaleiter zu sein. Viele Leute beobachteten einen und die Taten, die man tat. Ich fand es nicht schlimm, weil ich mich nicht verstellte. Doch mit der Zeit weiss man einfach, was die Leute sehen wollen. Und man richtet sich danach. Die Problematik dabei ist, dass das einen manchmal verändert. Deswegen bin ich so froh, in Anemonia City zu leben. In einer solchen Kleinstadt oder Dorf erwarteten zwar auch eine Anzahl an Leute etwas von einem, aber mir blieb die so geliebte Luft zum Atmen. Es war im Nachhinein zwar auch eine Bestimmung, aber mehrheitlich ein Job, der nicht nur angenehme Seiten hatte. Ich war trotz allem froh, diese Herausforderungen mit meinen Pokémon zu bestreiten, die angenehmen Seiten aber genauso mit ihnen zu geniessen.

  • Jungblut


    Ich hatte ja erwähnt, dass ich es - würde ich eine vergleichbare Geschichte schreiben - sicherlich nach einer Weile schwierig fände, neue Inhalte zu kreieren. Na ja, wie sieht halt der Alltag eines Arenaleiters aus …? Arenakämpfe halt. Man sieht sie im Anime - und auch bestimmt im Manga - gelegentlich ebenfalls in gesellschaftlichen Rollen, aber ansonsten … Es bleibt viel Spielraum für Spekulation. Ich halte es für sinnig, dass sie aufgrund ihres Wissens auch Jungtrainern eine helfende Hand bei deren ersten Schritten sind so wie bei dir eben. Ich hatte mal mit einem anderen User über das Thema ein wenig philosophiert - ich weiß nicht mehr, zu welchem Kontext. Jedenfalls sind wir dann halt auch so ein wenig auf die Rolle des Arenaleiters gekommen, aber auch was deren Pflichten anbelangt; dass sie beispielsweise auch einer bestimmten Behörde unterstehen müssten - es kann ja nicht jeder x-beliebige Typ von nebenan eine derartige Fakultät leiten. Im Anime (gerade in frühen Episoden) wurde ja, glaube ich, öfters von "offiziellen Arenen" gesprochen. Ansosten könnte ja schließlich bei den jährlichen Finalkämpfen jeder mit einem Kronkorken aus der Arena von "Hintertupfingen an der Knatter" aufkreuzen. Dementsprechende Auflagen müssen also existieren. Ich wiederhole mich: Viel Spielraum, was Spekulation betrifft.


    Was meine angekreideten Punkte betreffen, finde ich es bemerkenswert, in welchem schrillen Kontrast die ersten beiden Kapitel zu diesem hier stehen. Du rückst jetzt alle Figuren in das - meiner Meinung nach - richtige, bessere Licht. - Empfandes du es bislang als schwer? Mühselig? Es ist schon Arbeit und es streckt die Handlung auch stark in die Länge, das stimmt. Aber die ganze Geschichte wirkt dadurch viel natürlicher - und das lohnt, auch nachhaltig. Ich schrieb bislang nie eine Geschichte, die mitten aus einem bereits existierenden Leben einer Gemeinschaft greift. Sprich: Alle kennen sich bislang schon. Bei mir war es bislang immer ein langsames gegenseitiges Kennenlernen. Ein klares Betonen liegt hierbei auf "langsam". So kann sich der Leser auch ganz allmählich ein Bild von allen Figuren machen, vielleicht sogar ganz eigene Eindrücke gewinnen. Wirkt sehr natürlich. Leider kann man sich das natürlich nicht wirklich aussuchen, wenn eben die Geschichte mitten aus dem Leben einer Person mit einem geregelten Umfeld greift. Da hat man halt bereits seinen festen Bekanntenkreis und muss den Leser diesen näher bringen. Das hast du auch gemacht, indem du ein wenig aus der Vergangenheit erzählt hast und dies mit aktuellen Ereignissen bekräftigt hast. Schön gemacht!


    Interessant finde ich die Auswahl an Start-Pokémon, die du für die Anfänger bereit hältst. Ein krasser Unterschied zu dem üblichen Einheitsbrei. Ein wenig darauf spekultiert hatte ich schon, dass sich die drei wegen der Auswahl an die Gurgel gehen ("Ich will …! - Ich will …! - Ich will …!"). Na, habe ich mich wohl verschätzt. Ich halte es für sinnig, wenn, nach dem Beginn ihrer Reise, man das eine odere andere Gesicht noch einmal trifft, und zwar deutlich reifer. Hier und da ein Zeitsprung - das wäre bestimmt möglich. Mal schauen, was das nächste Kapitel noch so bereithält.




    Scheinwerfer an!


    Am Anfang wieder eine Bestätigung dessen, dass Mensch und Pokémon jetzt in allen Belangen eine Einheit bilden. Ich finde es schön, wie sehr du Gluraks und Christophers Beziehung in ein ganz besonderes Licht rückst. Wie ein großer und kleiner Bruder. Man wünscht sich irgendwie, mehr über ihre gemeinsame Vergangenheit zu erfahren. Vielleicht irgendwann …


    Ich bin ein wenig hin- und hergerissen bei dem Kapitel. Du hast verdammt viel Herzblut in den Kampf hineingesteckt - und ehrlich gesagt: Da gibt es von meiner Seite aus gar nichts zu merkern. Du hast nämlich all das gemacht, was bei den letzten Auseinandersetzungen zu kurz gekommen ist: deutlich Rampenlicht für Pokémon und Attacken. Ich sah alles schön vor Augen und konnte mitfiebern - so muss das sein. Ein wenig schade finde ich, dass du zu wenig Bezug auf das Umfeld nimmst. Gerade bei Christophers Ankunft hattest du so viel Möglichkeiten, alle, wirklich alle Sinne einzubringen. Düfte, Klänge, Eindrücke und halt was man so sieht. Bei einer solchen Großveranstaltung stelle ich mir gut vor, was da alles so am Rande passiert: Dass ganze Heerscharen von Händlern ihren Nippes unter die Leute bringen wollen, dass es nach Essen riecht, Kinder mit Luftballons oder anderem Spielzeug herumrennen … So Sachen eben. Ich kann mir hier kein klares Bild über Christophers Umfeld machen: Wie viel Leute sind hier, wie ist die Stimmung usw? Schon bei dem Anflug auf Oliviana City hättest du gut darauf hin steuern können. Das fehlt mir hier ein wenig. Bei einem neuen Umfeld halte ich das einfach für wichtig. In einem Kontrast steht auch, dass du bei Beginn der Geschichte auf Christophers Rolle als Arenaleiter Bezug nimmst. Was denn also so seine Aufgabe ist und warum. Aber diese Kurator-Geschichte … Soll ich dir was sagen? Ich habe mich nach der dritten oder vierten Staffel vom Anime entsagt und meide auch in den Spielen diese Wettbewerbe. Sprich: Ich bin ein totaler Vollnoob, was das anbelangt. Mir ein zwei Sätzen zu dem Thema wären einem Auf-dem-Schlauch-Steher wie mir sehr geholfen. Was machen Kuratoren, wie laufen Wettbewerbe ab usw.? So Sachen. Sicherlich: Es ist kein Muss. Man kann auch darauf ausgehen, dass sich der Leser selbst ein schnelles Bild machen kann. Ich denke, man könnte davon absehen, hier zu viel zu erklären. Die Entscheidung muss der Autor selbst treffen. Anders sehe ich die Sache mit dem Umfeld. Hier darfst du gerne zukünftig - sollte man so etwas Vergleichbares eintreten - gerne mehr mit allen Sinnen spielen.


    So, zum Ende noch einmal etwas Positives. Die Zusammenfassung des restlichen Tages am Kapitelende ist mehr als klasse! Das geschickte Hervorheben und Bestätigen von Christphers Gedanken ist dir verdammt gut gelungen. Ich hätte es echt nicht besser gekonnt.Und am Abschluss noch einmal Christophers Gedanken zu hören, wie er den Tag Revue passieren lässt und so seine Eindrücke offenlegt, ist auch sehr stark. Ein wenig hätte ich es begrüßt, wärst du bereits am Anfang dieses Kapitels etwas darauf eingegangen (hier wieder die von mir angekreidete Sache mit den "allen Sinnen"). Dass Christopher es eher ländlich mag und anscheinend große Menschenmassen zu schaffen machen, das hätte man bestimmt bereits am Anfang durch gewisse Reaktionen oder Gedanken andeuten können. Joa, ein wenig. Aber trotzdem: Wie Christopher am Ende so sich selbst, seine Rolle und seine gesellschaftlichen Verpflichtungen herorhebt, ist meisterlich! Da kann ich mir noch eine gute Scheibe davon abschneiden, alle Achtung! Weiter so!

  • Hallo Zeb,


    auf Wunsch habe ich mich mal in deine Geschichte reingelesen und war schon erstaunt, dass du das (Alltags-)Leben eines Arenaleiters beschreibst. Das hat man ja nun auch nicht so oft, da die meisten Geschichten von reisenden Trainern handeln, die sich zu den Arenaleitern aufmachen. Insofern ist also wohl dieser beständige Kampf mit den Herausforderern auch integraler Bestandteil.
    Aber zuerst einmal ein paar Zitate.



    Gut, auf zu den Kapiteln. Bereits nach dem Lesen des ersten Kapitels muss ich sagen, dass mir die Charaktere schnell sympathisch geworden sind und du sie auch ausführlich vorstellst. Die erste Person bietet sich bei der Prämisse und der angesprochenen Bescheidenheit, die Christopher an den Tag legt, einfach an und zeigt, wie sehr ihm der Posten am Herzen liegt und wie sehr er dabei auch für seine Pokémon und die Mitarbeiter in der Arena einsteht. Es gibt ihm diesen Zug von Menschlichkeit, die man von Arenaleitern in den Spielen selten sieht (im Anime dafür umso öfter). Auch dass er neben seiner Arbeit auch noch anderen Tätigkeiten nachgehen muss, hat etwas von einem Nebenjob; der Präsenz wegen gilt das wohl für alle Arenaleiter, also auch Marisol, die du später erwähnt hast.
    Und es ist auch unglaublich amüsant, wie du zum einen Team Rocket mit einem Diebstahl-Versuch erwähnst, du ein Kapitel später neue Trainer in die Arena schickst, um ihr erstes Pokémon zu fangen und danach noch einen Showkampf durchführen lässt, bei dem ich mich nun auch frage, was wird da noch folgen? Schon in vier Kapiteln hast du eine enorme Abwechslung drin, obwohl es wie gesagt nur um Alltagsbeschreibungen geht. Ich erwarte an der Stelle dann natürlich auch Ausflüge in die Region, bekannte Gesichter im Verlauf der Geschichte und vielleicht auch das ein oder andere Abenteuer, das sich in Zusammenhang mit anderen Trainern oder vielleicht Team Rocket ergibt. Ich weiß nicht, was du geplant hast, aber ich bin schon sehr gespannt darauf.


    Schreibtechnisch gibt es von meiner Seite nichts auszusetzen. Du weißt dich gut auszudrücken, beschreibst auch Kämpfe sehr anschaulich - hier sehe ich aber noch Luft nach oben - und überhaupt wirkt alles sehr harmonisch aufeinander abgestimmt. Im Großen und Ganzen bin ich also bisher sehr zufrieden.


    Wir lesen uns!



  • Kapitel 1.5 - Unerwartete Herausforderungen

    Er. Als er die Arena betrat, stockte mein Atem. Der junge Mann mit dem kurzen olivgrünen Haar und den grasgrünen Augen lächelte mich charmant an, als er die Kampfarena betrat. Ich hatte mich gerade mit meinem Vivillon beschäftigt, bei welchem die Flügel einiges an Pflege benötigten. Je weniger Gewicht an den Flügeln klebte, umso besser würde das Käfer-Flug-Pokémon in die Lüfte schweben. Erstaunlicherweise kannte ich den jungen Mann, der die Arena betreten hatte. „Antonio, was machst denn du hier?“ Er erwiderte meinen Gruss und umarmte mich herzlich: „Ich dachte, ich muss dich doch mal hier besuchen kommen, Herr Arenaleiter.“


    Prof. Antonio Mikaelis war ein 28-jähriger Pokémon-Forscher eigentlich aus Hoenn, wohnte angeblich aber seit knapp 5 Jahren in Rosalia City. Wir hatten uns vor knapp 1 ½ Jahren über ein Dating-App für Bi- und Homosexuelle geschrieben. Eigentlich war es Schicksal gewesen. Er hatte nämlich anstatt einem Bild von sich selbst eines seines Lahmus als Profilbild. Und da ich als Arenaleiter zwar mit meiner Sexualität total im Reinen war und man darüber auch schon berichtet hatte, wollte ich trotzdem nicht aufgrund meines Berufs beurteilt werden. Deswegen hatte ich anstatt meines Gesichts ein Bild des Strands von Anemonia City gewählt. Wir waren darum eigentlich prädestiniert gewesen, uns kennenzulernen. Gemäss der Schwulenwelt in Johto hatte man ohne Gesichtsbild nämlich keinen Mumm. Nach den Gründen fragte aus Prinzip niemand, so funktionierte die Schwulenszene. Antonio und ich hatten für längere Zeit über diese Plattform geschrieben und ich fand ihn von Anfang an sympathisch. Er hatte eine wahnsinnig charmante und intelligente Art. Auch wenn wir und nie treffen konnten, aufgrund der Entfernung, so blieb der Kontakt eigentlich immer, mehr oder weniger.
    Aber dass er jetzt hier war, das überraschte mich und riss mich völlig aus den Socken.
    Ich war mir meiner Gefühle bezüglich ihm nicht wirklich bewusst, aber ich wusste, dass da etwas war.


    Wir hatten uns viel zu erzählen. Auch wenn man das Gefühl hat, dass man in diesen Nachrichten so viel schreiben konnte, im Nachhinein war es für mich aber etwas ganz Anderes. Es war schön, ganz offen mit ihm zu reden, seine Emotionen zu sehen und ihn zu fühlen. Seine charmante Art zog mich sofort in den Bann. Er wusste so viel über die verschiedenen Arten von Pokémon und konnte mir von seinen Forschungen viel erzählen. Die vielen Informationen machten ihn überhaupt nicht arrogant oder besserwisserisch. Er verpackte sie in spannende Geschichten, die er mir erzählte. So verging viel Zeit, in denen ich nicht nur die Flügel meines Vivillons pflegte, sondern auch seine Hand. Immer wieder suchte Antonio den Körperkontakt zu mir. Wir hatten uns zwar so oft über die Nachrichten unterhalten, aber das ersetzte wohl nie ein echtes reales Gespräch. Und auch wenn wir uns gerade zum ersten Mal gesehen haben, so fühlte es sich zumindest für mich so an, als hätten wir uns schon ewig gekannt, und das nicht nur per Nachrichten.


    „Wie geht es eigentlich deinem Lahmus?“, ich sprach ihn auf das Profilbild der Dating-App an. Er lachte. „Mein Lahmus gibt es nicht mehr. Es hat sich vor knapp drei Monaten in ein Laschoking entwickelt. Aber ja, es geht ihm gut.“ Ich lächelte vorsichtig: „Das ist doch toll. Ich freu mich für dich.“ Es war schon etwas her, seit sich eines meiner Pokémon entwickelt hatte. Doch ich vergass nie das Gefühl, welches ich dabei bekam. Es war ein schöner Moment, das Pokémon so stark und so hoffnungsvoll zu sehen. Dieser Schub des Adrenalins, wenn das Pokémon neue Stärke fasste – einfach unglaublich.
    „Ich möchte gerne gegen dich kämpfen.“ Ich schreckte aus meinen Gedanken hoch: „Du willst was? – „Ich will gegen dich kämpfen. Nicht ein Arenakampf. Einfach mal, um zu sehen, wie stark du bist.“ Ich überlegte einen Moment. Es war nicht viel los in Anemonia City und da sich bis anhin kein Herausforderer angekündigt hatte, wäre ein Kampf eine tolle Ablenkung. Ausserdem würde es mir so ermöglicht, Antonio mal von einer anderen Seite kennenzulernen. „Wenn du meinst? Das kann ich gleich als Training für meine Pokémon benutzen. Wäre dir ein Doppelkampf angenehm?“ Er lächelte mich verschmitzt an: „Klar. Aber glaub ja nicht, dass ich dich mit Samthandschuhen anfassen werde.“ – „Oh. Glaub ja nicht, dass ich das von dir erwartet hätte.“


    Wir stellten uns auf der Kampffläche auf. Es war irgendwie komisch, jemandem auf dem Kampfesfeld gegenüberzustehen, für den man bereits eine Form von Gefühlen entwickelte. Zumal mein Herz jedes Mal einen kleinen Sprung machte, wenn ich Antonios Lächeln sah, die Hoffnung in seinen Augen, der verschmitzte Gesichtsausdruck. Aus meiner Tasche nahm ich zwei Pokéball hervor, die ich für einen kurzen Moment anblickte: „Ihr werdet nun gegen jemanden kämpfen, den wir beeindrucken müssen.“ Dann warf ich die Bälle in die Luft: „Kommt heraus, Papungha und Tauboga!“ Aus den zwei gleissend weissen Lichtern schossen meine beiden Flug-Pokémon hervor. Tauboga, welches gern den grossen Auftritt liebte, flog eine grosse Kurve in der Arena, um sich zu präsentieren. Papungha hingegen schien einfach nur zu kichern. Es war recht einfach gestrickt, aber im Kampf konnte Papungha zum Tier werden, redensartlich. Meine Pokémon waren charakterlich so unterschieden, fast so, als hätten sie verschiedene Trainer gehabt. Doch ich hatte nie versucht, die Charakter meiner Pokémon so zu ändern, wie es ihnen gefiel. Vielmehr war es mir wichtig gewesen, dass sie sich entfalten konnten. Dass ich Antonio mein Sorgenkind Tauboga zeigen wollte, das bedeutete mir viel. Ich konnte so vielleicht auf seinen Ratschlag hoffen.


    Auch Antonio nahm zwei Pokébälle von seinem Gürtel: „Ich freue mich sehr auf unseren Kampf, Christopher. Aber ich werde dich besiegen.“ Er warf seine Bälle ohne viel Tamtam auf den Boden, aus denen die Pokémon hervorsprangen. Das helle Licht verbarg für einen Augenblick meine Gegner, dann konnte ich sie sehen. Auf dem gegnerischen Feld standen ein Ponita und ein Nidoqueen. Das könnte problematisch werden, gegen diese beiden Pokémon anzutreten. Doch ich musste es probieren.
    Ich bedeutete Antonio, dass er mit den Kämpfen beginnen durfte. Er lächelte mich an: „Ganz der Gentleman. Trotzdem werde ich dir jetzt zeigen, wie ich kämpfe. Greift an, Ponita und Nidoqueen! Glut und Giftstachel!“ Seine Pokémon stampften voller Elan auf den Boden, um besseren Halt zu kriegen. Ich konnte ihre ehrgeizigen Gesichtsausdrücke sehen, als sie ihre Attacken losschossen. Die Glutbrocken und die Giftstacheln schossen auf meine Pokémon mit einer rasenden Geschwindigkeit zu. „Wehrt sie ab mit Windstoss und Feenbrise.“ Meine Flugpokémon begannen mit Windattacken die gegnerischen Attacken abzuwehren. Die Glutbrocken und die Giftstacheln wurden von diesen weggeschleudert und prallten gegen die Mauer der Arena. Papungha kicherte amüsiert, während Tauboga stolz die Brust schwoll.


    Antonio hatte das Szenario amüsiert betrachtet, blickte zu seinen Pokémon, die immer noch angriffslustig auf die nächsten Befehle warteten. „Mit Flug-Pokémon hat man natürlich viele Möglichkeiten, gegen spezielle Attacken vorzugehen. Aber das werde ich unterbinden. Greif mit Nitroladung an, Ponita!“ Sein Feuerpferd stürmte los, sodass sich Flammen um seine Hufe bildeten, welches den Arenaboden erhitzte. Die Flug-Pokémon schwebten jedoch ziemlich hoch in der Luft, sodass Ponita sie wohl kaum erreichen konnte. Antonio schien dies jedoch einberechnet zu haben: „Setz Erdbeben ein, Nidoqueen, um Ponita hochzuschleudern!“ Das Nidoqueen stampfte hart auf den Boden und durch die Erschütterung auf dem Boden wurde Ponita in die Luft geschleudert, nahm dadurch sogar etwas Schaden, jedoch schien es ungefähr auf die Höhe von Papungha zu gelangen. Ich musste mir dringend etwas einfallen lassen: „Tauboga, heb Papungha mit Windstoss noch höher!“ Gerade, als Ponita mit Nitroladung das Papungha treffen wollte, trieb das federleichte Pflanzenpokémon durch die Windstösse in die Luft.


    Das Löwenzahn-Pokémon schwebte nun in aller Höhe über den anderen Pokémon und kicherte weiterhin. Tauboga flog währenddessen in der Luft in Pirouetten. Das Flug-Pokémon schien sich sicher zu sein, dass der Kampf zu seinen Gunsten ausfallen würde. Mir selbst machte das nur Sorgen. Ich war nicht der Meinung, dass das schlecht war, aber zu grosses Selbstvertrauen konnte zu Fehlern fühlen. Deswegen musste ich meinen Pokémon schnell klarmachen, dass wir gewinnen mussten: „Los Papungha! Verteile deine Egelsamen auf den Gegnern. Tauboga, stärke deine Initiative mit Agilität!“
    Sofort begann sich das gewitzte Papungha in der Luft treiben zu lassen und liess die Egelsamen über den Gegnern fallen, die wie Bomben gen Boden fielen. Währenddessen begann Tauboga blau zu glimmen, als es Agilität einsetzte.
    Antonio grinste. „Ach bitte, das ist doch kein Angriff! Ponita, Feuerwand mit Feuerwirbel!“ Das Flammenpferd schoss aus seinem Maul einen Flammenring, den es um sich und Nidoqueen bildete. Die Egelsamen schossen gegen die Flammenmauer, wo sie jedoch verkohlten, bevor sie ihre Netze bilden konnten. Ich atmete einmal harsch aus: „Argh. Das war nicht schlecht.“ Es nervte mich, dass er meine Kombination einfach so abgewehrt hatte. Ich war sonst eher der defensive Typ, doch Antonio schien mich irgendwie aus der Reserve zu locken, weil er irgendwie er war. Ich kämpfte aggressiver und herausfordernder.


    „Tauboga, setz Daunenreigen ein, um die Gegner einzuhüllen. Papungha, setz Akrobatik ein!“ Tauboga flog in einem grossen Bogen über den Gegnern und liess eine Art weisser Federn fallen. Nidoqueen und Ponita verstanden kaum, was mit ihnen geschah, als sie in ein weisses Umfeld getaucht wurden. Sie kannten diese Attacke wohl nicht, wurde sie nicht von wahnsinnig vielen Trainern verwendet. Antonio liess sich jedoch auch nicht von dieser Taktik beeinflussen zu lassen: „Wehr Papungha mit Kraftkoloss ab!“
    Papungha flog in einer irren Geschwindigkeit über die beiden Pokémon, stürzte sich auf Nidoqueen, traf ihn, flog von einer Seite wieder heran, traf erneut, setzte zu einer neuen Richtung an, wurde aber plötzlich von Nidoqueens ausgestreckter blau grüner Faust getroffen. Die Kraft schoss es gegen eine Arenamauer auf meiner Seite: „Papungha!“ Ich schrie vor Schreck auf, als ich sah, wie stark der Kraftkoloss gewesen war: „Alles gut bei dir?“ Papungha richtete sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf: „Pap-ungha!“ Ich atmete erleichtert auf. Die Stärke von Nidoqueen war atemberaubend, was natürlich eher schlecht für mich war.


    Antonio blickte mich einen kurzen Augenblick an, dann sah er wieder zu seinen Pokémon. Ich konnte irgendwie einen stolzen Blick auf seinem Gesicht sehen: „Ponita, setz jetzt Stampfer ein! Nidoqueen, Bodyslam!“ Oh. Ich wusste nicht, was ich von diesem Zug halten sollte. Als seine Pokémon losstürmten, überlegte ich mir, wieso er auf Nahkämpfe umgestellt hatte. Das würde nichts bringen: „Papungha! Kugelsaat gegen Nidoqueen! Tauboga, hau sie weg mit deinem Wind!“
    Noch bevor die beiden Pokémon meine Flug-Pokémon erreichten, stiess Papungha grüne Samen aus seinem Maul aus, die es gegen Nidoqueen losschoss.
    Doch bevor diese ihr Ziel erreichten, was Tauboga in die Luft geschossen und stiess mit seinen Schwingen einen Orkan an Luft aus. Ich stockte: „Nein, nicht Wirbelwind!“ Doch es war zu spät. Das Pokémon hatte die beiden gegnerischen Pokémon in seine Pokébälle zurückgeweht. Mit einem roten Licht verschwanden sie und zurück blieb auf der gegnerischen Seite der verdutzte Antonio. Tauboga schien wahnsinnig stolz, liess es seine Brust wieder anschwellen.


    Ich hatte meine Pokémon zurückgerufen und sass mit Antonio auf dem Boden der Arena. Nachdem mein Tauboga den Kampf mehr oder weniger beendet hatte, war uns nicht mehr danach gewesen, den Kampf zu beenden. Wir mussten uns nichts beweisen.
    „Es tut mir leid, dass der Kampf unterbrochen wurde. Ich muss mit Tauboga noch viel arbeiten.“ Entschuldigend blickte ich ihn an. Er nahm meine Hand und drückte sie sanft: „Ach, das macht doch nichts. Das kann passieren.“ Ich atmete erleichtert aus. Auch wenn es für mich gar nicht so locker war. Ich hatte ihn eigentlich von meinen Qualitäten als Arenaleiter, aber auch als Trainer meiner Pokémon überzeugen wollen. Antonio schien das weniger auszumachen. Ich konnte seine Gefühle zwar nicht hören, aber er schien irgendwie zufrieden, zumindest konnte ich einen solchen Ausdruck auf seinem Gesicht entdecken.


    Wir sassen sicher für eine Stunde dort und unterhielten uns über alle möglichen Themen. „Ich muss nun leider gehen. Ich hab bei Schwester Joy noch kein Zimmer reserviert. Das sollte ich wohl noch machen, sonst schlafe ich wohl am Strand“, Antonio stand lächelnd auf. Seine charmante Art trieb mir auch jetzt noch den Pudding in die Beine, sodass ich zuerst einige Probleme hatte, mit ihm aufzustehen: „Ach, du kannst doch bei mir schlafen.“ Antonio lächelte glücklich: „Aber dann helfe ich dir aber ein bisschen mit Tauboga. Dann kann ich mich der Forschung der Flug-Pokémon widmen.“ Ich nickte glücklich. Er war toll. Ich spürte die Papinellas in meinem Bauch. Er war so toll.

  • Kapitel 1.6 - Das Strandfest von Anemonia City


    „I got your emails you just don’t get females now, do you? What’s in my heart is not in your head anyway...“, die Sängerin mit dem Keyboard sass auf einem hohen Stuhl. Ich mochte irgendwie dieses emotionale Lied. Wir sassen an einem Tisch am Strand unter einem riesig aufgespannten Segel. In Anemonia City fand wie jedes Jahr das Strandfest, welches von der ganzen Kleinstadt besucht wurde. Jeder beteiligte sich in irgendeiner Form. Die vielen Frauen und kochbegabten Männer hatten sich um das Barbecue gekümmert. Auf einem riesigen Tisch standen Salate, Suppen und andere Vorspeisen. Daneben auf einem eisigen Tisch, schockgefrostet von einem Rossana einer Bewohnerin, Desserts so weit das Auge reicht. Man hatte ein Segel über dem Strand aufgespannt, Tische aufgestellt und eine Art Bühne aufgebaut, auf der nun Sänger, Sängerinnen und Bands ihr Können unter Beweis stellten und die Gesellschaft mit Musik beglückten. Am Ende des Festes kurz vor dem Feuerwerk würde ein Showkampf mit mir stattfinden. Bereits letztes Jahr hatte man mich dafür angefragt und ich hatte dort gegen Sasha gekämpft. Dieses Jahr war es etwas anderes. Ich würde zwar immer noch gegen Sasha und einen weiteren Kämpfer antreten, aber dieses Mal war ich mit ihm zusammen, ihm.


    Es war nun schon mehrere Wochen her, seit Antonio in Anemonia City angekommen war. Er war nicht mehr gegangen. Während der Zeit, in der er bei mir gewohnt hatte und sich auch um meine Pokémon gekümmert hatte, war mir klar geworden, dass die Chance für die grosse Liebe mit ihm gekommen war. Er war so charmant und lieb, dass mir das Herz stehenblieb, wenn er meine Hand festhielt. Wir hatten in der dritten Nacht miteinander geschlafen. Das war wohl der Zeitpunkt gewesen, als wir uns als Paar sahen. Ich mochte wirklich jeden Moment mit ihm, selbst wenn er mich in meinem Kampf- oder Zuchtstil verbesserte. Er durfte das.


    „... und dann habe ich das Kikugi aber wieder freigelassen. Es war ja vorallem der Forschung wegen gewesen, das hat es gewusst. Vorallem, weil es Familie hatte, da wäre es doch unmenschlich gewesen, wenn ich es da rausgerissen hätte.“ Gebannt blickten alle zu Antonio, der von seinen Forschungsreisen erzählte. Ich kannte diese Geschichte natürlich schon, aber Dolores und ihr Mann Roderick, genauso wie Sasha, die ebenfalls am Tisch sass, schienen Interesse an ihm gefunden zu haben. Es war ein schöner Abend, an dem wir bis anhin viel gelacht und erzählt haben. Wir waren in der Arena sowieso schon fast wie eine Familie und mit Antonio, der bei mir wohnte, war nur ein neues Mitglied dazugekommen. Um uns herum herrschte reges Treiben. Anemonia City war eine lebendige Kleinstadt. Die Leute kannten und schätzten sich, deswegen konnte man sich überall hinsetzen und wurde gleich ins Gespräch einbezogen. Die Bewohner waren sehr locker und entspannt, hart-arbeitend und wahnsinnig bescheiden. Ich war hier sehr gerne Arenaleiter und bis anhin mochten mich auch die Leute. Ich passte wohl ganz gut hierher.


    Der Abend war bereits etwas weiter fortgeschritten, als ich an einem anderen Tisch einen Blick auffing, der mich ebenfalls beobachtete: Paula. Sie war eine der Drei gewesen, die ihr erstes Pokémon in diesem Jahr von mir erhalten haben. Dass sie nach knapp einem Monat bereits wieder hier war, überraschte mich. Ich stiess Sasha unter dem Tisch leicht gegen das Knie, sodass sie mich aufgeschreckt anblickte. Mit einem Kopfnicken zeigte ich ihr Paula, die von ihrem Tisch zu uns herblickte. Da Paula keine Anstalten machte, zu uns herzukommen, stand ich von unserem Tisch auf und lief zu ihr rüber. Erfreut, vielleicht fast schon etwas erleichtert, stand sie ebenfalls auf. Ich umarmte sie herzlich: „Paula, was machst denn du hier?“ – „Ach, ich dachte, für das Strandfest muss ich doch hierherkommen. Hast du Lust, einige Schritte mit mir zu gehen.“ Sie blickte mich hoffnungsvoll an, weswegen ein Nein wohl kaum in Frage kam: „Klar.“ Wir liefen an den Tischen vorbei an den Strand, wo einige Pärchen einen Spaziergang machten. Als wir uns etwas von ihnen entfernt hatten, fragte ich sie: „Na, dann erzähl mal. Was hat dich hierher zurückverschlagen?“ Sie antwortete starr: „Wie gesagt. Ich mag das Strandfest, die Atmosphäre, die Menschen, das war etwas, dass ich sehr vermisst habe.“


    Sie blickte zurück zu dem Getümmel der Menschen, die sich unter dem Segel bei Gesprächen vergnügten. Ich folgte ihrem Blick: „Aber das Fest findet doch jedes Jahr statt. Das läuft dir doch nicht davon.“ – „Ich weiss, aber ...“ Sie stockte. Ich merkte, dass ihr das Thema irgendwie unangenehm war. Sie bohrte mit ihren Schuhen im Sand und versuchte meinen Blick nicht zu erwidern. „Was ist los, Paula? Ist etwas mit Camaub?“ – „Nein, mit Camaub ist alles in Ordnung. Aber ich fühle mich einfach nicht wohl, meine Umgebung zu verlassen. Ich habe die letzte Zeit in Oliviana City verbracht und mit Camaub trainiert. Ich hab sogar ein Wiesor gefangen. Trotzdem habe ich mich nicht getraut, weiter zu reisen.“ Ich blickte sie an: „Warum denn nicht? Woran liegt’s?“
    Sie starrte auf das Meer: „Angst. Ich fürchte mich davor, was hinter dem liegt, was ich nicht kenne. Ich weiss nicht, was ich tun soll, was meine Zukunft beinhaltet. Eigentlich gäbe es so viele Wege, aber ich getraue mich nicht, einen einzuschlagen.“ Ich merkte, dass sie zitterte und eine Träne auf den Sand tropfte. Ich nahm sie in die Arme: „Das erwartet doch auch niemand von dir. Eine Reise sollte doch gerade dazu da sein, dass du näher zu dir selbst kommst, dass du dich vielleicht selbst von einer anderen Seite kennenlernst. Niemand erwartet von dir, dass alles perfekt läuft. Aber du solltest dich gut um deine Pokémon kümmern, denn sie sind diejenigen, die immer bei dir sein werden.“ Ich drückte sie fest an mich und spürte, wie ihre Tränen mein Hemd durchnässten. Es dauerte eine Weile, bis sich beruhigt hatte.


    Paula hatte sich wieder zu ihren Eltern gesetzt. Wie sie sich nun fühlte, war mir unbekannt. Hatte sie sich vielleicht damit etwas abgefunden, dass es einzig ihre Entscheidung war, wohin sie ging? Ich hatte ihr das mitgegeben, was ich konnte und kannte. Paula war für mich ein Schützling, dem ich immer mit Rat und Tat zur Seite stehen wollte und das hatte ich getan. „...“ – „...“ Ich hörte nicht zu, was die anderen am Tisch gesagt hatten. In Gedanken versunken sass ich an unserem Tisch und nickte, währen die anderen ein Gespräch führten. „Christopher, hörst du überhaupt zu?“ Ich bemerkte den erwartenden Blick Sasha, die mich anblickte. „’Tschuldigung. Was meintet ihr?“ – „Wir wollten dich fragen, wie es Tauboga geht.“ Etwas überrascht blickte ich auf: Nachdem Antonio mit Tauboga einige Zeit verbracht hatte, war ihm klar geworden, dass das Flug-Pokémon sich wohl an den Stammplatz im Team gewöhnt hatte und darum im Kampf übermütig und unachtsam geworden ist. Er hatte mir empfohlen, Tauboga vorallem für Botengänge zu verwenden, um es Demut zu lernen. So würde es gleichzeitig auch den Einsatz bei Kämpfen mehr zu schätzen lernen. Da ich mein Stammteam sowieso ab und an änderte, hatte ich Papungha mit UHaFnir und Tauboga mit Flapteryx ausgewechselt. Ich blickte Sasha an: „Ach, denke ganz gut. Es hilft jetzt vorallem bei den Botengängen.“ Sie nickte: „Das ist toll. Altaria und Togekiss können die Hilfe brauchen.“


    Er stand neben mir auf der Bühne. Während meinen Arenakämpfen war ich eigentlich nie nervös. Und auch jetzt freute ich mich einfach auf den bevorstehenden Kampf. Trotzdem merkte ich, dass Antonio die Puste ging: „Bist du nervös, Antonio?“ – „Ein bisschen.“ Dolores, die den Kampf moderierte, hatte uns auf die Bühne gerufen und wir warteten nun auf unsere beiden Gegner, die Dolores ankündigte: „Und die Herausforderer für Christopher Morgan und Antonio Mikaelis sind: Sasha Miller und Schwester Joy!“ Überrascht blickte ich zu unseren Gegnerinnen. Dass Sasha antrat, das wusste ich bereits. Doch Schwester Joy war eine überraschende Neuigkeit. Ich mochte die Pflegefrau sehr gern, vorallem, weil sie immer gut gelaunt und freundlich war. Hatte ich sie schon mal kämpfen gesehen? Nein. Es beunruhigte mich, dass ich eigentlich so wenig über die Bewohner der Stadt kannte. Weder von Dolores, noch von Schwester Joy hatte ich gewusst, dass sie kämpften. Somit wusste ich auch nicht, wie ich das blocken sollte. Die Situation war sowieso eine ganz neue für mich. Ich hatte zwar gegen Antonio mittlerweile einige Male gekämpft, einfach um neue Kombinationen auszuprobieren, gerade mit meinen neueren Pokémon. Aber ich musste nun Flexibilität und Einfallsreichtum beweisen.


    Ich hörte Dolores rufen: „Das Arenaleiter-Team zeigt die Pokémon zuerst!“ Ich nahm meinen Pokéball aus der Tasche und warf ihn in die Luft. Ich hatte mir eigentlich nicht lange Gedanken darüber gemacht, welches Pokémon ich einsetzte. Ich wusste, welches es sein sollte. Ein solcher Kampf war kein Profilierungskampf – es war etwas, um die Stimmung etwas zu unterstützen.
    „Komm heraus Natu! Lass uns den Leuten deine Stärke zeigen!“ Aus dem weissen Licht schoss mein kleiner Vogel nach oben, der sich auf den Boden setzte und kurz sein Gefieder wuschelte. Das kleine Pokémon war kein Showtalent. Es war hartarbeitend und zurückhaltend, ruhig und freundlich. Neben mir zückte auch Antonio seinen Pokéball: „Rattfratz, zeig dich!“ Neben mein kleines Flug-Pokémon setzte sich nun noch ein Normal-Pokémon nebenhin. Ich war etwas irritiert. Ich hatte nicht gewusst, dass er ein Rattfratz besass. Dass er nicht Nidoqueen oder Laschoking verwendete, überraschte mich. Auf der gegnerischen Seite warfen unsere Gegnerinnen ihre Bälle. Während Schwester Joy ein Muschas gewählt hatte, war es auf Sasha’s Seite ein Grillmak. Muschas klapperte freudig, während Sashas Grillmak kampfeslustig eine Flamme gen Himmel aufstiess. Ich warf Schwester Joy und Sasha einen freundlichen Blick zu. Hier ging es um nichts und trotzdem wusste ich, dass wir alle unser Bestes geben würden.
    Natu und Rattfratz gegen Muschas und Grillmak.


    Sasha blickte mich kurz grinsend an: „Los Grillmak, setz Funkenflug ein!“ Und auch Joy trat sofort nach, denn sie befahl ihrem Muschas die Attacke Eisspeer! Auf die beiden Pokémon schoss nun eine Kombination aus flammenden Kugeln und kühlen Speeren zu. Ich hörte nicht, was Antonio zu seinem Pokémon rief, aber ich wusste, dass ich mit Natu handeln musste: „Teleport, Natu!“ Mein kleiner Vogel verschwand mit einem regenbogenfarbenen Licht und tauchte wenige Momente später viel höher in der Luft auf. Ich blickte zu Antonio und Rattfratz. Das Normal-Pokémon versuchte mit Sprüngen den Attacken auszuweichen. Aber beide Attacken waren einfach zu viel, weswegen das Nagetier von zwei-drei Eisspeeren gestreift wurde und auf den Boden viel. Ich hätte wohl Natu befehlen müssen, Rattfratz ebenfalls wegzuteleportieren. Mein Psycho-Pokémon konnte, auch wenn es noch ziemlich jung war, bereits eine Person mittransportieren, entweder ein Mensch oder ein Pokémon. Doch ich hatte gar nicht darüber nachgedacht, weswegen ich mich ziemlich deswegen nervte.



    Ich war kurz abgelenkt, hörte aber, dass Schwester Joy ihrem Pokémon die Eisstrahl-Attacke gegen Natu und Sasha ihrem Grillmak eine Kratzer-Attacke gegen Rattfratz befahl. Wie sollte ich darauf reagieren. Diese Attacke wäre sehr effektiv gegen meinen Vogel und sie kam sehr schnell auf mich zu. „Natu, setz Nachtnebel ein! Wehr die Attacke ab.“ Das gleissend weiss-blaue Licht, welches in Form eines Strahls auf Natu abgeschossen wurde, konnte Natu mit einem schwarzen Strahl abfangen. Die beiden Pokémon schienen heftig an den Attacken zu kämpfen. Ich sah den angestrengten Blick auf Natus Gesicht und auch Muschas Schale schien zum Sprengen gespannt. Der Kampf war ausgeglichen und die Attacken führten zu einer Explosion, sodass Natu in die Luft und Muschas weggeschleudert wurde.
    Auf der anderen Seite des Kampffeldes war Grillmak in Richtung Rattfratz geschossen. Doch Antonio hatte seinem Pokémon Spukball befohlen, welche das angreifende Pokémon wegstiess. Ich war echt überrascht. Dass ein Pokémon eine solche Attacke erlernte, obwohl sie untypisch für das Normal-Pokémon war. Antonio überraschte mich immer wieder. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. Natu war in der Luft geflattert und kam langsam wieder auf unsere Seite zurück. Man spürte am Flattern des Vogels, dass es doch schon etwas hatte einstecken müssen. Rattfratz keuchte ebenfalls bereits, sodass ein Teil des Sabbers auf der Bühne liegen blieb.


    Sasha schien vom bisherigen Ausgang nicht wahnsinnig zufrieden. Ich sah auf ihrem Gesicht den unglaublich genervten Gesichtsausdruck, den sie hatte, wenn es ihr nicht gefiel. Sie schien kurz zu überlegen: „Grillmak, setz Irrlicht ein!“ Für mich war klar, dass nun mein Zug gekommen war: „Natu, los, schütze Rattfratz!“ Während die blauen Flammen in Richtung Rattfratz schossen, liess sich mein Vogel vom Himmel runterstürzen, sodass es den Grossteil der Flammen abfing. Schwester Joy war überrascht: „Wow! Ich wusste nicht, dass dein Natu Magiespiegel als Fähigkeit hat.“
    Ich grinste: Mein Natu war ein ganz besonderes, konnte es aufgrund seiner speziellen Fähigkeit von keiner Statusattacke getroffen werden. Die Flammen prallten am Psycho-Vogel ab, schossen zurück auf Grillmak, welchem die Feuerkugeln aber nichts ausmachten. Neben mir schien Antonio völlig gelassen zu sein über die angreifende Attacke, fast so, als hätte er damit gerechnet, dass ich ihn schützen würde.


    Schwester Joy schien nun auch auf den Geschmack der Angriffslust gekommen zu sein. Die sonst freundliche und liebevolle Person hatte ein Glühen in den Augen, wie ich es noch nie gesehen habe: „Los Muschas, setz Tackle gegen Rattfratz ein!“ Während das Muschel-Pokémon auf meinen Vogel zuschoss in einem Tempo, welches ich dem Pokémon ohne Beine nicht zugetraut hätte. Ich sah auch, dass Grillmak erneut auf den Weg ging, um die Kratzer-Attacke gegen Rattfratz einzusetzen. Das Wetzen seiner Krallen glänzte im Licht des aufgehenden Mondes. Antonio war immer noch völlig gelassen: „Rattfratz, Hyperzahn!“ Und ich tat es ihm, wenn auch sehr angespannt und überlegt, gleich: „Schnabel!“ Es kam zum grossen physischen Aufprall zwischen den vier Pokémon. Keines schien dem anderen einen Schritt weiter zu gönnen. Jeder steckte ein und teilte aus. Nach kurzer Zeit hatte ich den Überblick verloren, im Gerangel der Pokémon. Einige Momente später trennten sich die Pokémon, um eine Verschnaufpause zu schaffen. Natu flatterte näher am Boden, weil es kaum mehr Kraft aufbrachte.
    Rattfratz ging es noch etwas besser. Auf der gegnerischen Seite war Muschas auch schon mit den Kräften am Ende. Grillmak ging es noch besser. Zwar war die Teamsituation ziemlich ausgeglichen, aber es belastete mich, dass Antonio nun mehr Verantwortung traf wie mich, weil ich kaum mehr etwas ausrichten konnte.


    Sasha hatte die Unausgeglichenheit der Teammitglieder bemerkt und da es ihrem Grillmak noch besser ging, setzte es auch sofort zum Angriff an: „Los Grillmak, noch einmal Irrlicht gegen Rattfratz!“ Erneut schossen blaue Flammenkugeln gegen Rattfratz. Mit einem rasanten Tempo schossen sie in Form eines Wirbels gegen das Normal-Pokémon. Antonio hatte überhaupt keine Anstalten gemacht, um dagegen vorzugehen.
    Sofort begannen rot-blaue Flammen das Rattfratz zu umzüngeln, welches das Normal-Pokémon schwächten und seine Gesundheit ziemlich beeinträchtigten.
    Rattfratz umzog plötzlich eine blaue Aura. Ich war erstaunt: „Das ist eine spezielle Fähigkeit.“ – „Genau, Adrenalin.“ Er lächelte mir zu. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich hätte mit Natu gar nie die Attacke abwehren müssen. Antonio hatte darauf gezielt, dass sein Pokémon von einem Leiden getroffen wurde.


    Sasha wurde durch die Harmonie in unserem Team etwas aggressiv, weswegen sie ihrem Grillmak nun die alles entscheidende Attacke zurief: „Setz Feuersturm ein!“
    Sofort stiess das Feueraffen-Pokémon eine Feuersbrunst aus, die in Form eines gebündelten Strahles auf die Gegner zuschoss. Ich musste etwas dagegen tun: „Los Natu, setz Psychokinese ein und schiesse Muschas vor den Feuersturm!“ Natus Augen begannen sofort blau-grau zu scheinen und im selben Augenblick wurde das sehr schwache Muschas hochgehoben. Natu schaffte es gerade noch, das Muschas vor die Feuersbrunst zu heben, sodass sie am Wasser-Pokémon abprallte. Das Muschel-Pokémon wurde geschmort, fiel zu Boden und war kampfunfähig.
    Antonio nutzte die Gunst der Stunde und rief seinem Pokémon zu: „Los Rattfratz, Notsituation!“ Zum blauen Glanz seiner speziellen Fähigkeit Adrenalin tat sich ein rotes Glühen der Attacke Notsituation dazu. Rattfratz stürmte in einem riesigen Karacho auf das gegnerische Grillmak zu, welches noch vom Anwenden seiner Attacke schwach war.
    Es stiess das Feuer-Pokémon in die Luft, wo es auf den Boden runterfiel und kampfunfähig liegen blieb.


    „Du hast toll gekämpft“, Antonio drückte meine Hand, während er mich an sich drückte. Das Feuerwerk, welches am Strand gezündet wurde, schoss in die Luft, wo es den Nachthimmel in allen erdenklichen Farben färbte. „Ich war nicht gut“, ich atmete einmal tief ein und aus: „Ich hab nicht verstanden, worauf du hinauswolltest. Und das hätte ich als dein Pairing-Partner sein sollen.“ Er lächelte: „Christopher, das ist doch absolut kein Problem. Wir haben zum ersten Mal gemeinsam gekämpft. Da kann das nicht perfekt laufen.“ Ich könnte mich selbst zum Kotzen bringen. Antonio war so verständnisvoll und souverän, dass die Schmetterlinge noch viel heftiger gegen mein Bauchinneres pochten. Im Kampf hatte ich alles perfekt machen wollen, aber ich hatte viele Prinzipien nicht verstanden. Ein Doppelkampf alleine bestreiten war für mich kein Problem, aber ich kannte dieses Gefühl der Abhängigkeit nicht wirklich. Ich wollte für Antonio alles richtig machen und doch fiel es mir unglaublich schwer. Es war so, dass ich ihm für die bisherigen schönen Momente, die ich von ihm geschenkt bekommen hatte, danken wollte und das alles perfekt machte. Vielleicht war das ja gar nicht das Ziel, alles perfekt zu machen. Mir war das nicht bewusst, auch wenn ich wusste, was perfekt war. Dieses Feuerwerk.




  • Hallo Zeb,


    nach dem Showkampf war ich ja wie gesagt schon recht gespannt darauf, was du dir für Christians Alltagsleben hast einfallen lassen und das letzte zu glauben wäre wohl gewesen, dass er schwul sein könnte. Wobei man merkt, dass du das alles sehr locker hältst, da sich die beiden auch noch gar nicht so oft gesehen haben. Dennoch spürt man über die beiden letzten Kapitel diesen gewissen Hauch Romantik, auch wenn du ihn nicht immer ansprichst und das ist sehr faszinierend. Immerhin bleiben die Gespräche eher freundschaftlich und der Fokus liegt nach wie vor auf den Kämpfen. Wo ich schon bei denen bin, die beiden Doppelkämpfe waren wieder einmal sehr abwechslungsreich und eigentlich wollte ich gar nicht aufhören zu lesen, da sie vor Spannung sprühten. Du hast ein Talent dafür, dich auf die Auseinandersetzungen zu konzentrieren, die Bewegungsabläufe genau, aber nicht zu genau, zu beschreiben und generell den Spaß am Kampf in den Vordergrund zu stellen. Ebenfalls bringen sich die Trainer jeweils sehr dynamisch in den Kampf ein. Egal welches Setting, es gelingt dir einfach. Wobei du beim zweiten Doppelkampf natürlich auch gerne auf die Umgebung hättest eingehen können. Der Kampf findet immerhin in der Nacht statt und die Pokémon müssen nicht zwingend darauf eingestellt sein. Das sind so kleine Hürden, die dem Protagonisten gerne noch in den Weg gestellt werden können.
    Übrigens ist es toll, dass du Sasha wieder in die Geschichte eingebracht hast und Zweifel einstreust, ob sie für ihre Reise bereit ist. Das ist ein Punkt, der so nie an- oder ausgesprochen wird und den sich wohl auch jeder Trainer das ein oder andere Mal stellt, ob es die richtige Entscheidung war. Die Überwindung fortzuziehen in die weite Welt kostet viel Mut. Aber vielleicht hat ihr auch die Begegnung mit dem Kampf geholfen, diese Entscheidung zu erleichtern.


    Übrigens scheinst du dich mit einem Pokémon vertan zu haben, denn Lahmus kann sich nicht mehr entwickeln. Flegmon war wohl zu langsam, um den Fehler auszubessern.

    Mein Lahmus gibt es nicht mehr. Es hat sich vor knapp drei Monaten in ein Laschoking entwickelt.


    Wir lesen uns!

  • So, ich war in der letzten Zeit etwas beschäftigt und versuche mal, hier ein klein wenig aufzuholen.


    Wenn du das mit den Formalitäten, was das Betreiben einer Arena betrifft umsetzen kannst und willst, kann ich das auf jeden Fall nur unterstützen. Alles in allem klingt es mehr als logisch, dass es Regeln und Vorschriften geben muss. Ich könnte es mir tatsächlich auf zwei Arten vorstellen: Aus einer recht neutralen Perspektive, wie halt Behörden so arbeiten, oder aus einer sehr exzentrischen Ansichtsweise heraus, weil man ja gerne Bürokraten Sachen wie Spießigkeit, Kleinlichkeit, Beamtendeutsch usw. vorwirft; es also maßlos übertreibt, was Organisation und Verwaltung betrifft. Sei es wie es sei: Ich bin gespannt, was du irgendwann daraus zauberst. Jetzt aber genug davon. Rücken wir stattdessen eines deiner aktuellen Kapitel in den Fokus.


    Weißt du, was ich gleich gedacht habe, als Antonio den Gruß erwiderte? Ohne weiterzulesen, würde ich sagen, das müsste kursiv stehen. Ich kann mir an dieser Stelle (noch hänge ich am ersten Absatz fest) noch kein Bild von Antonio machen. Aber irgendwie habe ich so das Gefühl, er betont die letzten zwei Wörter auf eine besondere Weise. Ich muss an dieser Stelle weiterlesen. Ob jetzt auf eine freundschaftlich-foppende Art oder herablassend, wird sich jetzt gleich herausstellen. Ich lese mal weiter.
    Sein Profil rückst du auf jeden Fall sehr gut in den Fokus. Der Übergang ist simpel, und trotzdem könnte ich mir keinen besseren vorstellen. So wie Christopher ihr Verhältnis erklärt, kann man gut in ihn hineinfühlen, was in ihm vorgeht. Sehr schön beschrieben.


    Tauboga ist Christophers Sorgenkind? Finde ich ja interessant. Hast du das bereits zu Beginn so vorgesehen oder kam das aufgrund meines Ratschlages, Pokémon ein wenig stärker in den Fokus zu rücken? Jedenfalls finde ich es schön, wie sehr du jetzt ihre unterschiedlichen Charaktere voneinander abgrenzt, und das nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten untermauerst.
    Christopher gibt sich im nach der Präsentation der gegnerischen Pokémon etwas in Sorge. Er findet die beiden Herausforderer problematisch. Warum das so ist, lässt er allerdings offen. Gewollt? Ich sehe hier zwei, nein, eigentlich drei Möglichkeiten: Es so zu lassen, wäre die eine. Aber das finde ich unschön. Es ganz zu streichen, ist Möglichkeit Nummer zwei, wobei ich Gedanken/innere Konflikte immer begrüße, weswegen das auch eine faule Ausrede wäre. Möglichkeit Nummer drei wäre, einen kurzen Inneren Monolog gerade an der Stelle einsetzen zu lassen. Mit einem solchen Stilmittel habe ich mich auch erst in der letzten Zeit angefreundet. Die Gedanken in sehr kurzen, sprunghaften Sätzen zum Ausbruch bringen zu lassen, kann verdammt stark auf den Leser wirken. Und gerade hier haben wir zwei Konflikte: Anscheinend sieht Christopher sich aufgrund der gegnerischen Pokémon (sogar noch vor Kamfpbeginn) in der Defensive, andererseits will er unbedingt den Kampf gewinnen und sich vor Antonio beweisen. Ob er vielleicht sogar noch Hemmungen hat, Antonios Gefühle zu verletzen, wenn er zu hart mit ihm umspringt? Vielleicht … Na ja, lass es dir jedenfalls vielleicht mal durch den Kopf gehen.


    Die Ideen, die du hast und gleich zu Beginn des Kampfes präsentierst, sind klasse! Kann man gar nicht anders sagen. Du betrachtest beide Seiten derselben Münze: Herausforderer und Arenaleiter. Beide haben ihre Angriffs- und Verteidigungsstrategien und argieren absolut logisch auf das Handeln ihres Gegenübers. Hut ab! Der Kampf ist abwechslungsreich und spannend. Alles richtig gemacht!


    Christopher schämt sich - man merkt es deutlich. Es fühlt sich an, als hätte er sich blamiert. Das ist wieder so eine Stelle, wo du mehr mit "Show, not tell" hättest arbeiten können: die Scham präsentieren. Augenkontakt vermeiden, rot-glühendes Gesicht, ein Gefühl von Peinlichkeit. Solche Sachen eben. Gerade am Schluss hast du das mit dem Papunga-Vergleich wieder wettgemacht. Finde ich toll!


    Gut, das war es jetzt vorerst von mir. Zusammenfassend: ein äußerst gelungenes Kapitel.

  • Wenn ich mir schon einen halben Tag freinehme, dann kann ich auch was Produktives tun - zum Beispiel dein letztes Kapitel zu kommentieren.


    Ich hatte mich von Anfang an schon gefragt, warum du die Geschichte ausgerechnet im Shipping-und-Reise-Bereich veröffentlichst. Aber die Antwort dürfte jetzt ziemlich offensichtlich sein: Dieses Kapitel scheint zu bekräftigen, dass Antonio ein fester Bestandteil in Christophers Leben und somit in der Geschichte darstellen soll. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich davon halten soll, da ich eher so der Typ bin, der Beziehungsgeschichten (ob jetzt tatsächlich eine richtige Geschichte oder eben im übertragenen Sinn) etwas abgewinnen kann. Tja, der typische Einzelgänger halt. Wird sich dann zeigen, wie stark du Christophers Liebesleben in den Fokus rückst.


    Irgendwie reizt mich die Vorstellung von Anemonia City, so wie du den Ort beschreibst. Eine Kleinstadt, wo jeder jeden kennt. Ich meine, eigentlich ist das gerade für mich nichts Außergewöhnliches. Ich selbst komme ja vom Land. 300, vielleicht 400 Einwohner hat es hier, da gibt es auch nur wenig Hemmungen, die Leute beim Vornamen anzusprechen. Früher gehörte es bei uns in der Region sogar zum guten Ton, sich einfach bei die Leute ins Haus zu setzen, sogar an den gedeckten Tisch (die Älteren reden noch gerne vom "Maaje", oder so ähnlich geschrieben). Aber um zurück auf die Geschichte zu kommen: Ich finde die Überlegung reizvoll, wie sich wohlder Alltag in einer kleinen Gemeinde mit Menschen und Pokémon gestaltet. Hm, da hätte ich aber vielleicht eine andere Geschichte, wo ich sowas mal mit einbringen kann. Auf jeden Fall hast du mich mit dem dritten Absatz womöglich auf eine gute Fährte geführt.


    Der Zeitsprung ist dir gut gelungen. Dass es bereits ein Monat ins Land gezogen ist, seitdem Paula und deren Pokémon-Begleiter eine Einheit bilden, fällt gar nicht negativ auf. Mit solchen Zeitsprüngen tue ich mir oft schwer; was aber vielleicht dem Umstand geschuldet ist, dass ich eine feste, fortlaufende Geschichten erzähle, und "Obliegenheiten eines Arenaleiters" bislang eher wie Fragmente aus Christophers Leben wirken. Eben einzelne Kapitel, die fast völlig unabhängig voneinander funktionieren. "Fast" eben nur, weil mit Antonio jetzt eine klare Vorwärtsbewegung zu sehen ist.


    Kann es eigentlich sein, dass Christopher ein Kontrollfreak ist? Verstärkt macht sich der Eindruck bemerkbar, dass er auf alles Unvorhergesehene gehemmt und verängstigt reagiert. Er zerbricht sich abermals vor dem Kampf den Kopf und wirkt verunsichert darüber, wie er mit der Situation umgehen soll. Wenn etwas scheinbar außer Plan verläuft, verliert er allem Anschein nach die Ruhe. Er verliert sich in seinen eigenen Gedanken und muss sich wiederholt zureden, dass alles gut geht. Wirklich zuversichtlich wirkt er dabei aber nicht.


    Die Partie ist interessant gewählt. "Kein Profilierungskampf" wie du es so schön betitelst. Just for fun. Auch hier wieder der Hinweis von mir: Als sich Christopher selbst Vorwürfe macht, Natus erste Bewegung auch zu Gunsten des Kampfpartners zu wählen, hätte man sehr schön einen inneren Monolog verwenden können. Kurze, prägnante Sätze, in denen er sich selbst in gesprochenen Gedanken Vorwürfe macht und sich selbst die Situation erklärt. Aber auch deine Wahl ist natürlich absolut legitim. Und den Kampf gestaltest du wieder in einer einzigartigen Abwechslung, dass man regelrecht neidisch werden kann. Du bist verdammt erfinderisch, was das Hervorheben von Attacken, Fähigkeiten und die Möglichkeiten daraus betrifft. Da muss ich in manchen Belangen bei mir noch etwas nachhelfen. Du könntest trotzdem während des Kampfes noch ein wenig mehr auf das eingehen, was man eher als Randgeschehen bezeichnen kann. Das Aufstöhnen oder Jubeln der Zuschauer zum Beispiel, oder eben ein wenig mehr die Gefühle der Beteiligten hervorheben. Als beispielsweise Glocke den Kampf beendete: ein kurzer Satz der Erleichterung, der Christophers Gefühle an dieser Stelle zum Ausdruck bringt. Auch an manchen Stellen während des Kampfes hätte man das machen können (können, nicht müssen).


    Gut, aber man wieder ein schönes Kapitel. Weiter so!

  • We are back boys! Ich habe jetzt lange genug Pause gemacht, es wird Zeit wieder zu kommentieren! Und da muss diese FF als erstes ran.
    Gehe jetzt nicht auf jedes Kapitel einzeln ein, das kommt dann in den zukünftigen Kommentaren ;D


    Also Obliegenheiten eines Arenaleiters. Von der Thematik her hochspannend, ich glaube es ist tatsächlich die erste FF die ich gelesen habe, die sich überhaupt damit befasst. Es wäre mir auch nie selbst in den Sinn gekommen, den Alltag aus der Sicht eines Arenaleiters darzustellen, einfach weil mir nicht recht eingefallen wäre, was der Alltag eines Arenaleiters überhaupt beinhaltet. Wie schon viele Kommentare vor mir angemerkt haben, bringst du eine tolle Vielfalt in die alltäglichen Geschäfte und Abläufe eines Arenaleiters hinein, sodass die Story nicht schon nach drei Kapiteln in denen nur gegen Herausforderer gekämpft wird direkt langweilig wird.
    Mir kommt es fast so vor, als würde Christopher neben seinen Pflichten als Arenaleiter auch eine Art Bürgermeister seiner kleinen Stadt sein, denn irgendwie kennt er jeden und nimmt sich gerne den Problemen seiner Mitmenschen an.


    Besonders gefällt mir die Vielfalt der Charaktere und die Dynamiken, die sich entwickeln. Antonio scheint Christopher wunderbar zu ergänzen und bringt eine ganz andere Seite an ihm zum Vorschein als beispielsweise Sasha. Auch der kleinen Paula gegenüber zeigt Christopher wieder eine neue, fast schon väterliche Seite. Der Charakter kommt einfach wunderbar vielseitig und lebendig rüber. Wie @Eagle schon angemerkt hat, ist die FF bis jetzt eher eine Art Ausschnitssammlung aus Christophers Leben, mit der man gut in den Alltag des Arenaleiters einsteigen konnte. Ich hoffe aber auch, dass es jetzt vielleicht auf ein konkretes, längerfristiges Ziel hinauslaufen wird, damit die Motivation zum Lesen nicht verloren geht. Ansonsten könnte man die Kapitel ja einfach zusammenhangslos lesen. Das ist im Ansatz schon durch wiederkehrende Elemente wie Paula gelöst, kann aber ruhig noch mehr sein.


    Gerade von dem letzten Kampf bin ich begeistert, weil du aus vier eigentlich recht unspektakulären Pokémon eine solche Vielfalt an Angriffen und Kombinationen herausgeholt hast. Wenn es um etablierte Trainer geht liegt die Versuchung natürlich nahe, voll entwickelte und interessant anschaubare Pokémon für einen solchen Showkampf zu wählen, aber im Rahmen der Veranstaltung passt diese Auswahl wesentlich besser. Vielleicht ist ja auch ein kleiner Bonus, dass sich Paula so besser mit den Kämpfenden identifizieren konnte ;)


    Ich werde auf jeden Fall dranbleiben und dann ab dem nächsten Kapitel ausführlicher auf die Inhalte eingehen können!


    Bis dahin :)