#Hashtags

  • Hi!
    In diesem Jahr möchte ich gerne etwas Experimentelles ausprobieren. Es geht mir darum, einerseits meine Gedanken zum Ausdruck zu bringen und andererseits das Ganze halbwegs schmackhaft, und auch mit der einen oder anderen Kante versehen, für den Leser ansprechend zu gestalten.
    Bei der konkreten Gestaltung geht es mir darum, jeden Monat etwas zum Anlass zu nehmen, das mich beschäftigt, und dies auszugestalten. Dabei orientiere ich mich an Schlagwörtern, die dazu passen, und schließlich auch den allgegenwärtigen Hashtags. An der stelle beginne ich direkt mit meinem ersten Erguss des Jahres: #Consommation!


    Natürlich freue ich mich über jede Bedankung, jeden Kommentar - sei er aus einem kurzen Satz oder einer WoT bestehend - und alles, was euch sonst noch so einfällt. Natürlich habe ich auch nichts dagegen, kritische Passagen an der Stelle auszudiskutieren. Literatur ist schließlich nichts, was man hinklatscht und nicht hinterfragen darf, im Gegenteil! Tut, was ihr wollt in diesem Topic, ich werde darauf liebend gerne reagieren :sarcastic:


    #Übersicht


    Monat Hashtag
    Januar #Consommation
    Februar #Triebsand
    März #Incertezza





    #Consommation


    Stromae ist ein großartiger Künstler. Auch, wenn man heute nicht mehr viel von ihm hört, hat er eine Art von französischer Musik gemacht, die heute nur noch schwierig erreichbar ist und außerhalb des französischsprachigen Raums nicht annähernd gleichen Anklang findet.
    In meinem ersten Beitrag des neuen Jahres möchte ich ein Zitat aus dem Lied „Carmen“ von ihm für mich, für euch, für uns beleuchten. Ein Lied, das zugegebenermaßen wenig mit dem Zitat an sich oder der Aufmerksamkeit, das es von mir zu Teil wird, zu tun hat. Es ist aber ein starkes Zitat, meines Erachtens nach, mit dem ich mich nicht selten konfrontiert sehe:


    „L‘amour est entfant de la consommation,
    il voudra toujours toujous toujours plus de choix“


    Für die unter euch, die kein Französisch sprechen - es ist keineswegs verwerflich!, auch wenn die Sprache, sobald man sie beherrscht, viel Spaß und Freude bereitet - hier einmal eine wörtliche Übersetzung:


    „Die Liebe ist Kind des Konsums,
    sie wird immer immer immer mehr Auswahl haben wollen“


    Dieses Zitat verbirgt auf dem ersten Blick, meiner Meinung nach, eine Millionen Interpretationsmöglichkeiten. Vielleicht auch nur zwei.
    Wer Feind des Kapitalismus‘ ist, wird darin wohl schlichtweg Gesellschaftskritik an den Menschen und seinem Konsumverhalten suchen. Interessanterweise begibt man sich damit auch direkt auf die richtige Spur des Liedes vor dem Hintergrund der sozialen Netzwerke, hier: Twitter. Kann das Lied an der Stelle auch jedem empfehlen! Sucht euch eine Übersetzung und hört selbst, wie nahe sich das Lied anfühlt, obwohl es mehr oder weniger in die Jahre gekommen ist. Gerade, wenn wir da an einen gewissen Präsidenten denken...
    Naja, jedenfalls zurück: Nun kann man das Ganze noch wie meine Wenigkeit interpretieren und landet dann irgendwie schon wieder bei einer Gesellschaftskritik, eher aber vor dem Hintergrund der Liebe.


    Da sagt das Zitat im Grunde nichts anderes aus als: „Eigentlich sind wir alle so verwöhnt und suchen unsere Liebe über‘s Internet, dass wir jeden haben könnten, die freie Wahl haben - und Apps machen es auch noch so einfach! Just nach links oder rechts wischen und man wird Herr_in (ich hasse Gendering, aber da kommt man heutzutage kaum noch drum herum!) darüber, mit wem man schreibt und wen man, ja, wegwischt!“
    Welch Komfort! Ich umgehe Gespräche mit Leuten, die ich auf dem ersten Blick uninteressant finde und kann gleichzeitig mit zig Leuten schreiben, die mir gefallen. Eine Schier endloser Möglichkeiten eben.


    Diese Rosinenpickerei lässt sich jetzt natürlich zweierlei betrachten: Natürlich kann ich dadurch direkt meinen Traumtypen finden, so wie ich ihn mir vorstelle: durch selektives, oberflächliches Wegwischen oder Hinwischen. An der Stelle möchte ich im Übrigen betonen: Ja, ich bin oberflächlich. Und ich denke, jeder ist das ein Stück weit. Wem auch immer man sein Herz schenkt, möchte man ja auch ins Gesicht schauen können, ohne an etwas denken zu müssen, das mit der Hexe Yubaba aus Chihiro‘s Reise ins Zauberland auch nur annähernd etwas gemein hat. Der Begriff wurde nur sehr, sehr negativ beladen, aber gut, das wäre noch ein weiterer Exkurs.
    Zurück: Die andere Betrachtung wäre nun, dass man schnell die Verhältnismäßigkeit aus den Augen verliert, das, warum man sich diese krebsgeschwürähnlichen Apps eigentlich gibt. „Man“ meint hier übrigens nicht jeden von euch. Nur, wer sie eben nutzt. Und natürlich schere ich auch nicht diejenigen von euch über einen Kamm. Das nur kurz zur Relativierung: Gewisse Symptomatiken lassen sich aber - leider! - ausmachen.
    Jedenfalls gerät man schnell in die Verlegenheit, sich, hat man dann mal jemanden entdeckt, der einem auch nur annähernd gefallen könnte, mal fix zu treffen, die Hände doch nicht oberhalb der Gürtellinie lassen zu können - oder vielleicht doch, vielleicht liegt‘s auch einfach an mir - und danach munter nach wen anderes zu suchen. Hat was von „One Night Stand“-Hunting, ohne die Absicht gehabt zu haben. Eigentlich ziemlich ungeil, wenn man doch eigentlich den Seelenverwandten sucht, total der Romantiker ist und sich nichts sehnlicher wünscht als nur eine Person zu flanken. Wäre da nicht das Aber, das mit einer Abweichung von Vorstellung und Realität maximalst beladen ist.


    Nun geht man, der Mensch, der durch jenes Aber desillusioniert wird, in sein tiefstes Innerstes und fragt sich, wie man bitte in diesen Kreislauf geraten ist. Und wie es sein kann, dass man seit Neujahr bereits drei derartige Dates hatte. Von Dezember fangen wir gar nicht erst an.
    Und plötzlich landet man bei jenem Zitat, ich wiederhole es gerne noch einmal:


    „L‘amour est enfant de la consommation,
    il voudra toujours toujours toujours plus de choix“


    und fragt sich: Waren einfach nur nicht die richtigen dabei? Warum bin ich so ein wandelnder Widerspruch, schließlich weichen der Wunsch und das Tun soweit voneinander ab?


    Aber ich will ja auch jeden Monat einen neuen Pullover, obwohl ich genug habe und sie alle gut finde.


    #Consommation

  • Natürlich freue ich mich über jede Bedankung, jeden Kommentar - sei er aus einem kurzen Satz oder einer WoT bestehend - und alles, was euch sonst noch so einfällt.

    Dann sollst du dich nun mal endlich freuen, will ich meinen! Ich sage dir aber gleich, dass ich, und das ist von mehreren Deutschlehrern bestätigt, nicht sonderlich begabt mit der Handhabung von sachlichen Analysen oder ähnlichen bin :shrug:


    Stromae ist ein großartiger Künstler.

    Da bin ich voll und ganz deiner Meinung – er nimmt nicht umsonst mehrere Stücke meiner Playlist ein. Ich finde es aber immer noch extrem schade, was ihm aufgrund von Mefloquin zugestoßen ist, was nicht gleich heißen muss, dass ich seine Entscheidung in Frage stelle – ganz im Gegenteil! Hoffen wir mal, dass sich sein Zustand mit der Zeit regeneriert, damit er seiner Leidenschaft wieder nachgehen kann.


    Für die unter euch, die kein Französisch sprechen - es ist keineswegs verwerflich!

    Doch … gut, sprechen kann ich es jetzt auch nicht wirklich fehlerfrei, obwohl ich schon von meiner Kindheit an mit dieser Sprache mal mehr und mal weniger konfrontiert war, aber ich kann es zumindest lesen und meistens dann auch verstehen – das ist, so finde ich aus meinem persönlichen Standpunkt aus, schon mal ein Anfang :see_no_evil:


    Gerade, wenn wir da an einen gewissen Präsidenten denken...

    Man verzeihe mir bitte mein kleines, (un)beabsichtigtes Grinsen, während ich diese Zeile las.


    Da sagt das Zitat im Grunde nichts anderes aus als: „Eigentlich sind wir alle so verwöhnt und suchen unsere Liebe über‘s Internet, dass wir jeden haben könnten, die freie Wahl haben - und Apps machen es auch noch so einfach!

    Wir sind in vielerlei Hinsicht verwöhnt, was meiner Interpretation nach auch das Zitat, das du mehrmals angefügt hast, im Kern aussagen möchte. Ich möchte ungerne diesem ganzen früher-war-alles-besser-Quatsch folgen, denn das war es nicht, ganz und gar nicht, aber damals hatte man halt noch andere Standards als in der heutigen, schneller vergehenden Zeit: man musste sich beispielsweise die Zeitung kaufen und längere Artikel lesen, um die Aussage herauszufinden und informiert zu werden, während man heute ganz bequem und kostenlos ins Internet gehen kann und dort bloßen Bildern ohne Unterschrift Glauben schenkt; oder, wie du auch schon vorgibst, musste man auf Leute persönlich drauf zugehen können, damit man sie besser und näher kennen lernen darf, während man heutzutage jede beliebige Person, meistens anonym, auf jeglichen sozialen Netzwerken anschreiben kann. Versteh' mich nicht falsch: etwas verwöhnen ist in Ordnung, denn man muss es nicht immer schwer im Leben haben, um das Ziel zu erreichen. Das Problem, das dann allerdings auf uns mit großer Wahrscheinlichkeit zukommen wird, ist, dass wir, die Menschheit, den Durchblick verlieren und (die nachfolgende Generation an Menschen) nur noch diese Methoden kennen werden, sodass wir das Eigentliche, die Hauptsache, nicht mehr kennen und dadurch, bezogen auf das Online-Dating, irgendwann keine Empathie mehr gegenseitig fühlen und skrupellos werden, sodass wir unsere wahren Gefühle hinter virtuellen Masken verstecken oder ganz vernachlässigen.


    Wem auch immer man sein Herz schenkt, möchte man ja auch ins Gesicht schauen können, ohne an etwas denken zu müssen, das mit der Hexe Yubaba aus Chihiro‘s Reise ins Zauberland auch nur annähernd etwas gemein hat.

    Man verzeihe mir auch an dieser Stelle bitte mein kleines, unbeabsichtigtes Grinsen.
    Aber nun mal echt, Yubaba ist vom Aussehen her das weibliche Pendant zu dem gewissen, nicht näher benannten Präsidenten!


    Aber ich will ja auch jeden Monat einen neuen Pullover, obwohl ich genug habe und sie alle gut finde.

    Und ich will mir mehr Videospiele anlegen und durchspielen, obwohl ich die letzten noch nicht mal durchhabe … hätte der Tag doch nur mehr Stunden oder hätte man nur eine Zeitmaschine oder Klone, die für dich die anderen Dinge erledigen könnten. Oder Geld, weil das geht langsam auch aus, oh mann! Solange bediene ich mich lieber einfach mit meiner Ausrede, dass ich das später noch spielen kann, was ich aber so oder so nicht mache.


    Zuletzt möchte ich mich bei dir bedanken, denn mir hat das Lesen trotz der Tatsache, dass der Text sachlich gestaltet ist, gefallen, da er mich letztendlich über ein Thema nachdenken lassen hat, über das ich normalerweise nicht so lange und intensiv philosophiert hätte.
    Ich würde mich freuen, bald mehr von davon lesen zu dürfen! #cul8r


  • So, da bin ich! Ich habe mehrere Anläufe gebraucht, um endlich einen Februar-Text zu basteln, der mir auch zusagt. Beim 3. Mal sollte es dann endlich soweit sein! Ich hoffe, der Text mit dem irgendwie kruden Titel „#Triebsand“ sagt euch einigermaßen zu ^-^




    #Triebsand


    Wer kennt es nicht: Man lernt jemanden kennen (egal, ob — wie in #Consommation beschrieben — via Internet oder RL im Club oder auf der Straße oder im Puff), trifft sich hier und da, merkt, dass man sich sympathisch findet. Sowas eben. Gerät voll in den Triebsand™ des anderen (den Begriff habe ich aus dem Film „How to be single“ geguttenbergt) und dann passiert es: Da ist etwas, das sich „Gefühlsentwicklung“ nennen dürfte. Irgendwer hat sich vielleicht auch schon mal einen griffigeren Begriff ausgedacht, aber in dem Kontext umschreibt er wohl am besten, was ich sagen will: Man ist im Zweifel voll dabei, in die Scheiße zu greifen.


    Soviel zum Exzerpt. Ja, tatsächlich würde ich das nicht so ausdrucksstark formulieren, wenn da nicht auch mehr hinterstecken würde. Aber eines nach dem anderen.


    Es dürfte der 6. oder 7. Februar sein: Valentinstags steht vor der Tür. Als Single einer der nervigsten Tage. Für die einen, weil sie niemanden haben, gerne jemanden hätten und """dezent""" daran erinnert werden, dass 10378493 Leute jemanden haben und man zu denen gehört, die es bei 7 Milliarden Menschen auf der Welt nicht schaffen, den einen Seelenverwandten zu finden.
    Für die anderen ist es ein Tag wie jeder andere auch: Morgens kacken gehen, Kaffee reindröhnen, auf der Arbeit die Kollegen anlächeln, obwohl man sie nicht leiden kann, abends wiederkommen, zwei bis fünf Biere gönnen und dann pennen gehen.
    Und dann gibt es bestimmt noch andere, aber die sind für diesen Text nicht relevant (solltest du einer von denen sein: Sorry!).


    Nun war ich beim 6. oder 7. Februar: Ich gehöre zur ersten Gruppe und dachte mir, ich gönne mir mal ein wenig Netflix. Und wie es der Zufall so will, gab es den perfekten Film für Seelen wie mich so kurz vor Valentinstag: „How to be single“. In der Kategorie „derzeit beliebt“. Welch Ironie.
    Nun kürze ich das an der Stelle mal etwas ab: Der Film ist 'ne Romantikkomödie, gar nicht so traurig wie man meinen könnte, ich kannte ihn ohnehin schon, und dort geht es um fünf verschiedene Single die mit ihrem Dasein alle anders umgehen. Nun gab es dort einen Typen, der mir besonders imponiert hat. Also, nicht wie man meinen könnte (ja gut, das auch). Er hat halt eine kluge Sache gesagt, okay. Hier:


    „Wenn sie in meiner Nähe ist, sehe ich mich; nur in einer besseren Version.“


    Ach wie herrlich süß und schmalzig und romantisch ♥ Jaja ganz toll. Tatsächlich konnte ich dem Satz viel abgewinnen, denn witzigerweise habe ich den Morgen darauf wen kennengelernt. Obv im Internet LOL, wer bin ich. Jedenfalls schrieben wir die ganze Zeit, ich bin irgendwann wieder nachhause (also, ich war bei meinen Eltern, muss man wissen und bin dann nachhause = in meine eigene kleine Wohnung gefahren). Wir trafen uns, war super lit. Waren essen dies das, sowas eben. Tatsächlich war alles sehr angenehm ruhig und lief wenig aufregend ab. Nicht zu wenig, dass es langweilig geworden wäre, aber auch nicht zu viel, als würde es irgendwelche Bögen überspannen. Eben die goldene Mitte.
    Beidseitig war zu bemerken, und wurde auch kommuniziert, dass dort eine gewisse, starke Sympathie und ähnliches vorhanden war. Naja, und dann geriet ich halt in den Triebsand™ und dachte „lol passt schon“. Jedenfalls Pustekuchen, „passte schon“ so gut wie Ananas auf Pizza (ja, das ist eine Todsünde).
    Ich kürze das mal ab: Auf einmal wurde ich gekorbt, vielleicht wurde ich sogar gefriendzoned; ich weiß es noch nicht so genau. Jedenfalls war ich nicht amused. Die Gründe sind schwierig zu erklären. Es war die Rede davon, dass es „zu schnell ging“, wobei ich dachte „wtf, es gibt Omis mit Rollatoren, die schneller sind als wir“. ABER GUT IST JA ALLES SUBJEKTIV.


    Wir schreiben jetzt jedenfalls noch jeden Tag und es steht so ein wenig in der Schwebe, was aus uns wird. Circa so wie die Karriere von Lady Gaga.
    Es wäre nicht amusing, wenn das mit ihm nicht noch in positive Bahnen gerät. Weil: Er liebt auch Nicki Minaj, er liebt auch Spaziergänge, er liebt auch Fast Food, er liebt auch Tee, er liebt auch lange schlafen (mein neuer Rekord ist btw. 13 Stunden) und er ist kein fucking Fuckboy. Oh und:


    „Wenn [er] in meiner Nähe ist, sehe ich mich; nur in einer besseren Version.“


    Aber (oh, schon wieder eins, geil) das Ganze hat jetzt natürlich seinen Knacks bekommen. Wobei ich aus Erfahrungen in meinem Freundeskreis sagen kann, dass das noch lange nichts heißt. Oder nichts heißen muss. Oder es heißt es ganz genau, was ich erwarte.


    Dann habe ich aber immerhin noch mein 500-seitiges Grammatikbuch für Italienisch, das ich all meine Liebe schenken kann.



    #Triebsand

  • Na Cutie; die Feelings, die du hier beschreibst, kennt ja wohl jeder. Ich muss sagen, ich bin dieses Jahr so gleichgültig wie noch nie durch den Valentienstag gegangen. Meine beste Freundin fragte mich flirterisch wo denn ihre Rosen seien, woraufhin ich bloß gelangweilt mit den Schultern zuckte. Ach ja ... Dein Text gefällt mir richtig gut! Vor allem, weil er einfach diesen lässigen, kollumnenartigen - fast schon tagebuch-artig, aber auf eine coolere Art und Weise - Schreibstil hat. Ich schreib' auch manchmal in so 'ne Richtung und bin zu selbstkritisch das Kunst zu nennen, aber du konntest mich hier echt vom Gegenteil überzeugen. Klingt nach einer interessanten Geschichte mit deinem Boy und ich hoffe mal für dich, dass sie auf jeden Fall gut ausgeht. Ihr wollt doch nicht, dass euch die Omas auf den Rollatoren irgendwann wirklich überholen - oder haben sie das schon? Jedenfalls würde ich mich echt freuen, wenn du in Zukunft weiter Texte solcher Art posten würdest ^-^ Auf bald (oder wenn ich dich wieder wegen irgendwas nerven muss, was sicherlich spätestens in zwei Tagen sein wird, heul)! :love:

  • Hey na, alles klar bei dir?


    Ich bin über mein Dashboard auf das Thema gestoßen und dachte mir, dass ichs mir mal anschauen kann, ich fand die Form der Texte sehr interessant. Ich hoffe du nimmst es mir nicht übel, wenn ich mich kurz fasse und nicht auf den Inhalt der Texte eingehe.
    Du nutzt diese tagebuchartige Textform sehr gut. Du hast dadurch die Möglichkeit, ohne viel Umschweife direkt in ein ein Thema einzutauchen und deine Gedanken dazu loszuwerden. Das macht einfach Spaß beim Lesen und dieser lockere Sprachstil passt hervorragend dazu. Ich finde es auch gut, dass du nicht mit irgendwelchen Witzen übertreibst oder den Faden verlierst. Mir gefallen auch die Themen, die du rausgesucht hast, gerade persönliche, interpretationsbeinhaltende Auseinandersetzungen mit Liedern und Künstlern finde ich immer spannend und würde auch sehr gerne mehr davon lesen. Ich überlege mir gerade, ob ich die Idee nicht einfach klauen und auch mal etwas derartiges schreiben sollte... mal sehen ;)


    Freue mich auf mehr. Lg, Jefi


    P.S
    Ich glaube, das sollte "dem ich all meine Liebe schenken kann" heißen.

    Dann habe ich aber immerhin noch mein 500-seitiges Grammatikbuch für Italienisch, das ich all meine Liebe schenken kann.

  • Hallo Cosi (:


    Deine Hashtags stechen ganz schön heraus und da wollte ich auch mal reinlesen.


    #Triebsand
    Okay, das ist ein sehr interessanter Text. Zum einen natürlich sehr stark aus dem Leben gegriffen und durch deine starke Meinung hier, ist es auch interessant deine Ansichten hier zu lesen. Deshalb, werd ich das auch einfach so machen: meine Ansicht schreiben. ;)  
    Gefühlsentwicklung ist tatsächlich ein schönes Wort, ich weiß nur nicht, warum das schlimm sein soll. Ich mein, im Grunde versteh ich schon, warum es schlimm werden kann: weil man durch die eigene Gefühlsentwicklung und die — vermutlich nicht sichere — Gefühlsentwicklung des anderen keine Ahnung hat, wo man eigentlich steht. Letztendlich möchte man ja doch eine Erwiderung der Gefühle haben und da ist es nie so ganz klar, ob man sich da nicht nur was einbildet oder nicht. Vielleicht gings auch nur mir so, aber ich hatte die größte Angst überhaupt, als ich keinen Plan hatte, ob a) das was ich fühle überhaupt Liebe ist und b) ob die andere Person das auch so empfindet oder ob ich die rosarote Brille nur einfach nicht abkrieg.
    Valentinstag ist für mich übrigens, egal ob Single oder Vergeben komplett irrelevant. Als Single musste ich natürlich aufpassen, dass ich nicht vom Rest der Welt suggeriert bekomm, dass ich seltsam bin — genauso, wie du es hier auch geschrieben hast. Vergeben ist der Tag inzwischen sehr gechillt, da es meinem Partner auch ziemlich wurscht ist. :D Insofern, win-win an der Stelle.
    Der Satz in dem Film ist tatsächlich sehr schön und romantisch. Da ist es ja wirklich lustig, dass du gleich daraufhin auch noch jemanden kennenlernst und ihr euch so gut versteht!
    „Schnell“ ist immer so ne Sache würd ich meinen. Ich bin von der extrem langsamen Sorte, weswegen es mir persönlich auch zu schnell gehen würde, wenn jemand innerhalb weniger Tage schon in Richtung Beziehung gehen würde. Möglicherweise ging es dieser Person auch so, ist meiner Erfahrung nach ne Mischung aus Selbstschutz und „man möchte der anderen Person im Zweifelsfall nicht weh tun“. Muss aber, wie du schon sagst, nicht heißen, dass da nie was draus wird. Hab da selbst so eine Erfahrung gedacht, wo ich meinte, ich hätte alles kaputt gemacht und am Ende wurde doch noch alles gut. Würde ich dir hier jedenfalls auch sehr wünschen!
    Du beendest deinen Text etwas ironisch mit dem Italienischgrammatikbuch und ich find, das passt allgemein zu deinem Stil hier. So ein wenig Ironie braucht man dann doch, solang man nicht in Verbitterung abrutscht. Deshalb hoffe ich auf ein Happy End! (:


    Fröhliches Schreiben weiterhin!






  • #Incertezza


    Mein neuster Text dreht sich um einen wundervoll(en) italienischen Text zu einem Lied, das nicht nur beim großen Sanremo-Musikfestival zu hören war, sondern auch auf iTunes und Spotify! Klasse, nicht? Es schimpft sich „Il ballo delle incertezze“ von Ultimo, sehr zu empfehlen. Sollte man mal reingehört haben.
    Nun, war kann man erwarten, wenn ein Lied diesen Titel trägt? Zunächst einmal bedeutet er übersetzt: Tanz der Unsicheren. Zwischen all den Menschen-Aufbaue-Motivation-Monday-Texten ist das natürlich einer von vielen, dennoch trägt er seinen gewissen Charme und hat insbesondere für mich an Wert gewonnen, nicht nur, weil ich mich am besten in der Expression des Italienischen aufgehoben fühle, sondern weil das Lied eine gewisse Energie gepaart mit Melancholie kombiniert. Manchmal braucht man das einfach; auch ich, der sich immer wieder anhört, er sei ja eine solche Frohnatur. Natürlich bin ich das, ich bin ja auch hinreißend.


    „Ti ho dedicato il cuore tra le pagine
    ma poi la sera che arrivava ed io mi chiedevo
    dov'è il senso“


    Bis zu diesem Augenblick. Übersetzt: „Ich habe dir mein Herz zwischen den Seiten gewidmet, doch dann kam der Abend an und ich fragte mich wo der Sinn ist.“ Vor dem Hintergrund des gesamten Liedes haben diese Zeilen eine vielfältige Bedeutung. Offenkundig geht es natürlich um die Liebe, weiter gedacht finden wir aber auch das Themenfeld der Freundschaft wieder; im Großen aber das Problem der „incertezze“: Schlicht, der Unsicheren.
    Nun wäre die Frage an der Stelle durchaus berechtigt, inwiefern ich denn bitte etwas über Unsicherheit schreiben soll. Ich meine, wer mich persönlich kennt, der weiß, dass ich kein Blatt vor dem Mund nehme und auch alles andere als nicht selbstbewusst bin. Doch auch ich habe meine unsicheren Momente und ich denke, dass das auf alle Leute zutrifft, ganz gleich ob offenkundig oder eher im Geheimen.


    Nun habe ich dazu natürlich zwei Anekdoten parat, um das Ganze exemplarisch darzustellen. Überraschenderweise bietet sich auch noch eine Überraschung für jemanden! Dazu aber gleich mehr.


    Wie bereits in den Kommentaren erwähnt, lief es mit dem Typen aus #Triebsand am Ende auf nichts hinaus. Glücklicherweise habe ich schnell wen Neues kennengelernt, der mich genauso schnell begeistert wie letztlich auch enttäuscht hat (verrückt). Nun ist es in den letzten Jahren fast schon Turnus, dass ich wen kennenlerne, begeistert bin, mich mehr drauf einlasse und am Ende enttäuscht werde. Die Pointe des Ganzen, warum das nun in den Incertezza-Bereich gehört, ist, dass ich inzwischen schnell verunsichert bin, wenn es um neue Kontakte geht, wo man festere Absichten verfolgt. Das ist dann einfach da. Man (oder „ich“, wie ich im Erziehungswissenschaftsunterricht damals gelernt habe) versteift da schnell, wenn man sich dran gewöhnt hat, enttäuscht zu werden und möchte irgendwas Handfestes. Man interpretiert vieles zu viel und zu schnell, sagt Dinge, weil man sich erhofft, irgendwas besser zu machen oder verkauft direkt seine Seele. Letzteres ist natürlich ungünstig, wenn man nur eine hat, aber sei's drum. In Zeiten der Sozialen Medien ist schließlich alles möglich.
    Jedenfalls, worauf ich hinaus will: Entweder, man steht sich selbst im Weg und macht da was kaputt, aus Unsicherheit und Angst, dass es kaputt geht, oder man wartet nur auf diesen Moment und macht sich total verrückt. Das ist keine schöne Unsicherheit, sie ist rein subjektiv, irrational und sicherlich in vielen Fällen auch unbegründet. Ist sie aber erstmal da, ist sie da. Wie Hühneraugen.


    Das andere exemplarische Beispiel zum Thema „Unsicherheit“ kann aber auch auf einer ganz anderen Ebene, der der Freundschaft, geschehen. Ein persönliches Paradebeispiel dafür war bei mir immer, und hier kommt die Überraschung, @Claike. Um das Ganze mal etwas praktisch und aus meiner Erfahrung heraus darzulegen:
    Anfangs, als wir uns kennenlernten, war ich mir nie so sicher, wie sein Bild von mir ist. Zugegeben, wir hatten auch einen denkbar schlechten Start, aber nach dem ersten persönlichen Treffen schien davon nichts mehr übrig. Dennoch war ich noch viele, viele Monate lange verunsichert, weil ich selbst merkte, dass er mir ein sehr guter Freund zu sein scheint oder sein könnte, oftmals aber dachte, dass das nicht mal auf Gegenseitigkeit beruhen muss. Ich meine, klar: Mein strahlendes Lächeln spricht für sich. Dennoch war immer die Sorge da, dass ich womöglich nicht die Art von Freundschaft bieten könnten beziehungsweise denselben Wert für ihn als Freund haben könnte wie er für mich.
    Inzwischen hat sich das gelegt. Dennoch: Solch eine Entwicklung ist nicht selten; noch heute gibt es Leute, wo ich so denke und es gab sie schon immer, wo ich genau diese Sorge hatte. Diese Unsicherheit, irgendwie einfach nicht genug sein zu können, nicht zu reichen.
    Nun geht es bei dem Ganzen natürlich nicht ausschließlich um Wert eines Menschen oder so. So kapitalistisch kann nicht mal ich sein und ich wähle schließlich... lassen wir das. Dennoch frage ich mich hin und wieder, ob das, was mich ausmacht, auch das ist, was dem anderen wichtig ist; ob ich nun mal reiche.


    Nun könnt ihr euch berechtigterweise fragen, was die zwei Dinge mit dem Zitat zu tun haben. Ich frage mich das teilweise auch, keine Sorgen! Doch es liegt letztlich auf der Hand:


    „Ti ho dedicato il cuore tra le pagine
    ma poi la sera che arrivava ed io mi chiedevo
    dov'è il senso“


    → Ich widmete dir mein Herz zwischen den Seiten = Ich schenke dir mein Vertrauen
    → Doch dann kommt der Abend an = Ich werde enttäuscht (der Tag geht = das Helle, Lebendige, Aufgeweckte verschwindet)
    → Und ich frage mich nach dem Sinn = *Unsicherheit setzt ein*


    Man kann sich natürlich auch im Keller einsperren und niemals enttäuscht werden. Dann wird man aber auch solche Zeilen, Texte oder Lieder niemals verstehen. Oh, und Sex fällt auch flach.



    #Incertezza

  • Hallo Cosi (:


    Ich dachte mir, ich schau mal wieder für einen kleinen Kommentar bei dir vorbei — here we go!


    #Incertezza
    Unsicherheit ist ein ziemlich gutes Thema für einen Text. Ich gehör der unsicheren Sorte an und fand mich deshalb hier gleich in den Textzeilen wieder, die dich zu diesem Text gebracht haben. Könnte jetzt bestimmt auch so ein paar Anekdoten aus meinem Leben hier einfügen, aber das lass ich mal — sonst schweife ich noch ab.
    Jedenfalls fand ich an diesem Text vor allem der Aufbau der Argumentation — im weitesten Sinne ist es ja eine solche — interessant. Das ist mir in deinen vorherigen Texten schon aufgefallen, dass du es schaffst ein wenig abzuschweifen, aber trotzdem noch beim Thema zu bleiben. Außerdem ist es faszinierend zu sehen, wie du ein paar Kommentare einstreust bei denen man nie so ganz sicher ist, ob die jetzt ernst gemeint sind oder nicht. Ich bin mir da teilweise nicht sicher, aber das ist so eine Prise … Humor der einfach passt.


    Die Frage, ob der andere dasselbe Bild von einem hat, als man selbst oder ob man dem anderen reicht, treibt mich persönlich ziemlich oft um. Wie schon gesagt, ich bin doch recht unsicher, gerade im Zwischenmenschlichen. Da gibt es Dinge, die sind mir absolut wurscht und dann gibt es Dinge, die mich leider immer wieder mal beschäftigen. Meine Beziehung zum Beispiel, wo ich mich nicht nur einmal gedacht hab, dass ich ja der denkbar schlechteste Partner auf diesem Planeten bin und das mein Partner jemand viel, viel besseren verdient hat. Kommt in Wellen, ist manchmal da und manchmal nicht. Hauptsächlich ist es natürlich dann da, wenn ich mal wieder meine Fehler überdeutlich sehe.
    Enttäuscht zu werden ist dabei wirklich nicht schön, aber es passiert leider einfach. Deshalb kann ich diese Angst, die sich dabei einstellt durchaus nachvollziehen, aber wie du sagst, davonlaufen geht halt auch nicht so gut. Man muss sich trauen und die Enttäuschung vielleicht auch aushalten. Oder allgemein nicht so hohe Erwartungen an sich oder den anderen haben.


    Kurzum: ein interessanter Text, der mich zum Nachdenken angeregt hat und auch wieder durch deinen schönen Stil gepunktet hat. Freu mich auf den nächsten!

  • Cosi

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