Our Future in Steam

  • Our Future in Steam



    Quelle: Leider unbekannt / ist mir nicht mehr bekannt



    Die Welt geht einer Zeit der Neuerungen entgegen. Doch die kürzlich erfunde Dampfmaschine bringt bald ihre Schattenseiten zum Vorschein, denn die Industrialisierung Engernias hat kürzlich Einzug gehalten und verpestet die sich rasch entwickelnden Großstädte; hüllt einige Gebiete in dichte, schwarze Schwaden ein.


    Währenddessen wird in Sares, einer Kolonie, eine komplett neuartige Energiequelle entdeckt: Kristalle, in denen scheinbar unendliche und saubere Energie schlummert.

    Sares möchte seinen wertvollsten Bodenschatz jedoch nicht widerstandslos an die Kolonialsherren abtreten und die Energie, die in den Kristallen gespeichert ist, kann bloß durch einige, wenige Menschen freigesetzt werden.


    Eine saresische Familie gerät in die Mitte dieses politischen Konflikts und zu allem Überdruss stellt sich ihr ältester Sohn als einer jener Begabten heraus, der die Energie der Kristalle freisetzen könnte ...



    Kapitel


    Prolog: Ratlos (hochgeladen am: 20.04.2021 / überarbeitet am: ---)



    Vorwort


    Ich heiße euch herzlich zu meiner eigenen Steampunk / Gaslight / Fantasy-Story willkommen!

    Lange Zeit über habe ich beinahe hauptsächlich an Fanfiktion geschrieben, bis ich ein wenig das Interesse an Pokemon verlor (obwohl es wohl nie ganz verschwinden wird) und in mir immer mehr der Wunsch aufkam mich mit meinen selbst erstellten, eigenen Charakteren auch tatsächlich an ein eigenes Projekt zu wagen.


    Wieso nun Steampunk? Ich mag die Ästhetik! Das ist des Rätsels Lösung hehe...

    Ja, also das natürlich auch, ich liebe die Ästhetik von Steampunk, aber ich finde ebenso das Setting und mögliche Themen, die man aus diesem Setting herausholen kann, sehr faszinierend. Wer denkt, dass Steampunk bloß daraus besteht Zahnräder und Fliegerbrillen auf Designs zu klatschen, liegt weit daneben.

    Wichtige Themen sind die Industrialisierung, die Wissenschaft und deren neue Entdeckungen und die Veränderungen der Welt durch die neuen Errungenschaften. Das Setting eignet sich auch perfekt dazu Kolonialisierung und verschiedenste soziale Themen anzusprechen.

    Ja also... und die Ästhetik von Steampunk ist einfach großartig. Was mich eigentlich dazu gebracht hat. :D


    Ansonsten muss ich an dieser Stelle auch etwas hineineditieren, nachdem ich mir überlegt habe, ob ich es tun sollte, da Alaiya an sich nichts mit meiner Geschichte zu schaffen hat (allerdings haben wir uns des Öfteren in der Plauda-Hecke und anderorts über unsere Stories unterhalten).

    Aber ich muss hier wirklich mal eine Danksagung an Alaiya aussprechen!

    Sier schreibt auf sierem Blog Alpakawolken unter anderem auch sehr viel über das Themea "Dekolonialisierung in der Phantastik", was mir, neben meiner eigenen Recherche über Imperialismus und Kolonialisierung, stellenweise wirklich sehr geholfen hat.
    Natürlich will ich nicht sagen, dass ich das Thema nun "perfekt umsetzen" kann, aber es hat eben sehr geholfen sich schlau zu machen; unter anderem eben auch anhand dieses Weblogs.



    Was gibt es zu meiner Welt zu sagen?


    Das Wichtigste! Ich werde zwar keine Pokemon-Fanfiction mehr schreiben, aber ich möchte hier unter meine eigenen Tiere designen. Diese besitzen zwar keine Fähigkeiten, sowie wir sie von Pokemon kennen, aber gerade auf etwas, worauf ich meiner Fanfiction sehr stolz war, den Flieger*nnen von großen Flugpokemon, möchte ich nicht verzichten. Ich mag diesen Gedanken sehr gerne, dass neben den modernen Flugmaschinen riesige Adler existieren, die man zähmen und fliegen kann. Sei es bloß für Wettfliegen und Flugshows, oder für einen polizeilichen und militiärischen Nutzen.


    Ich hab auch einiges recherchiert, sowohl über Steampunk an sich, wie auch über das reale, viktorianische Zeitalter, der Industrialisierung, dem Kolonianismus etc... Ich habe mir allerdings nur einige Anreize geholt und mir dann selbst herausgesucht, was ich davon umsetzen möchte.

    Dieser Absatz stellt vielleicht eine Art Warnung dar.


    Trigger Warning: Diskriminierung verschiedener Art: Sexismus, Homophobie, Transphobie ... vor allem auch Rassismus.

    So besitzen Frauen einige Rechte, es herrschen jedoch ziemlich starre Geschlechterrollen vor. Frauen wie auch Männer können aus diesen zwar ausbrechen, doch es wird ihnen von der Gesellschaft und ihrem Umfeld oft unnötig schwergemacht.

    Auch Homosexualität ist etwas auf das man herabsieht und oftmals noch als krank oder abartig bezeichnen würde. (Ich hatte mir auch überlegt, ob ich transgender oder enby Charaktere einbauen sollte, aber ich überleg mir noch, wie diese ins Setting passen könnten, bzw. ob sie sich jemals outen würden ...)

    In Engernia, das Land, das bereits die beiden Kontinente Sares und Triastra kolonialisiert hat, herrscht unter der allgemeinen Gesellschaft der Gedanke der "White Surpremacy" vor. People of Color werden nicht selten, sogar von einer Pseudowissenschaft und einigen Gelehrten dieser Zeit unterstützt, den weißen Menschen als intellektuell unterlegen angesehen.


    Davon abgesehen, möchte ich auch Triggerwarnungen zu verschiedensten Themen aussprechen, die harter Tobak sind; solche wie Tod, Armut, Missbrauch (auf verschiedenen Ebenen) und so manch anderes.

    Ich möchte für Geschichten eigentlich nie eine Altersempfehlung aussprechen, würde sie jedoch auf 14-16 schätzen. Weder beschreibe ich blutige Szenen bis ins kleinste Detail, noch beschreibe ich zu ausführliche Sexszenen oä. *räusper* Zumindest nicht hier.


    Ansonsten werden oben genannte Themen eine sehr große Rolle spielen und ihr wärt enttäuscht von mir, wenn ich nicht zumindest im Ansatz queere Charaktere schreibe und LGBT-Themen miteinbringe, nehme ich an. Ja, ich wäre genauso enttäuscht von mir. :D


    Natürlich besitze ich auch nicht die Rechte an den verwendeten Fanarts / Zeichnungen und ich schlage keinerlei Profit aus der Geschichte.



    Charaktere


    Protagonist




    Hauptcharaktere




    Nebencharaktere


  • Allgemeines


    Bevor ich morgen den Prolog posten werde, möchte ich hier sehrwohl sehr detailliert ausgearbeitete Steckbriefe posten, weil ich diese einfach wirklich sehr gerne mit meinen Leser*innen teile. ^^


    Diese enthalten natürlich diverse Spoiler, vorrangig was die Persönlichkeiten und Vorgeschichten meiner Charaktere betrifft und kaum Spoiler bezüglich des Plots. Dennoch möchte ich diese Steckbriefe gerne hochladen für all jene, die sie gerne lesen würden und mir Feedback geben würden; etwa darüber wie ich meine Charaktere entwerfe und ich höre gerne Gedanken über deren Persönlichkeiten, Vorgeschichten... alles, was euch so durch den Kopf geht. ^^


    Ebenfalls möchte ich im zweiten Teil dieses Posts meine Gedanken zu meinem Setting und meiner Welt teilen. Auch diese enthalten insofern Spoiler, als dass sie die Informationen vorwegnehmen. Wen das nicht stört, der kann diese Informationen gerne lesen. ^^



    Update-Liste


    19.04.2021: Ausgearbeitete Steckbriefe für Jenny und Vincent



    Ausgearbeitete Steckbriefe





    Informationen über das Setting


  • Vorwort


    Ich habe mich dazu entschlossen in der Gegenwart zu beginnen und im Arc 1 der Story zu beschreiben, was zuvor passiert ist. ^^


    Dadurch möchte ich zumindest mal einen Einblick geben, worum es in der Story geht ... ich hoffe, als Leser*in kennt man sich aus.

    Schließlich weiß ich, was ich erzählen möchte, aber ich möchte auch weder infodumpen noch alle verwirrt zurücklassen.

    Also wäre ich dankbar drum, wenn man mir mitteilt, wo Unklarheiten sind. Ich habe zumindest versucht die wichtigsten Fragen zu klären, denke ich, und nicht infozudumpen. Der Grat ist eben ziemlich schmal. ^^"

    Außerdem mochte ich den Gedanken, dass man die Charakterentwicklung zwischen dem nun (fast) achtzehnjährigen Sinan und dem damals sechzehnjährigen Sinan, vergleichen kann, weshalb ich an dieser Stelle der Geschichte beginnen und im ersten Buch die Vorgeschichte dazu erzählen möchte, wie beide an diese Stelle kamen.


    Uuund ich shippe die beiden wirklich sehr lol. Ist vielleicht seltsam das über seine eigenen Charas zu sagen, aber ich tu es. xD


    Würde mich wirklich sehr auf Rückmeldungen aller Art freuen: sprich eure Gedanken zum Geschehen, zu den Charakteren, zu deren Beziehung zueinander, zu meinen Beschreibungen, zu meinen (etwas eingerosteten(?)) Schreibstil, etc...




    Prolog - Ratlos


    „Ich werde endlich etwas tun. Ich bin nicht mit einer magischen Begabung geboren worden, um immer nur zuzusehen und still dazusitzen.“ Sinans Stimme war fest und bestimmend. Er presste seine Lippen aufeinander und sah seinen Freund fast feindselig an. Diese Wut war unfair, denn sie galt nicht ihm. Sie galt der gesamten Welt, dieser Situation, der Politik, diesem gottverfluchten Land und alledem, was ihm je zugestoßen war. „Und ich werde mit dieser Begabung nicht zulassen, dass in Sares Krieg ausbricht.“

    „Und ich werde dich nicht daran hindern und ich verstehe dich, denke ich, aber…“ Beherzt griff Chris nach seinen Unterarmen und sicherlich spürte er wie angespannt seine Muskeln waren. Sinan wollte seinen Griff loswerden, entschied sich aber dazu zumindest zuzuhören. Irgendwie war er es ihm als sein Freund schuldig, dass er ihm zumindest zuhörte. „wir wissen alle nicht, was wir tun sollen. Wir sind alle mit unserem Latein am Ende. Es ist nicht so, als würde es mir oder unseren Freunden gefallen nichts zu tun. Ich bin auch nicht so naiv, wie du mich anfangs gehalten hast. Mir ist auch klar, dass sich durch Gespräche alleine in unserer Lage nichts verändern wird, aber ich denke genauso, dass gewalttätige Lösungen keine Lösungen sind. Sie werden nur noch mehr Leid erzeugen und davon gibt es schon mehr als genügend auf dieser Welt. Ich will das nicht mehr.“ Der Griff lockerte sich, seine Hände wanderten an seinen Armen hinunter und schließlich ließ er ihn los.

    Sinan atmete die Abendluft ein. Normalerweise half das. Diesmal jedoch nicht. „Dieses Monster möchte meinem Land den Krieg erklären und mit diesen Waffen angreifen, die…“ Plötzlich schlug sein Herz schneller; schlug ihm bis zum Hals. Er versuchte es mit Worten zu beschreiben, dann mit seinen Händen zu zeigen, aber im Moment konnte er sich nicht ausdrücken, egal wie. Wenn er daran dachte, dass dieser monströse Warlord, der Verteidigungsminister von Engernia, noch letztens in seinem nagelneuen Anzug und mit seiner glattgeleckten Frisur an einem Podium stand und in dieser neutralen Tonlage erklärte, weshalb seinem Heimatland, der Krieg erklärte wurde, wurde ihm speiübel. Und er wollte so gerne gegen etwas treten, schlagen und schreien, weil er nichts dagegen tun konnte. Angeblich konnte er das nicht.

    „Ich…“ Es kamen ihm die Tränen und er hasste sich dafür. Sie standen bereits in seinen Augenwinkeln und er konnte sie wegblinzeln. „Er muss weg“, entschied Sinan schließlich kalt, als wäre das bereits eine beschlossene Sache, die er alleine durchziehen konnte. Natürlich wusste er, dass es so gut wie unmöglich war. Das Leben war nicht wie in einem Roman. Ein Jugendlicher im Alleingang konnte nichts ausrichten, nicht einmal mit Magie. Auch jemand mittleren Alters nicht; niemand, außer er besaß großen Einfluss und Macht.

    „Sinan“, sagte Chris hilflos.

    „Er muss weg“, wiederholte Sinan. „Engernia darf nicht und er darf nicht…“

    „Ich weiß!“ Sein Freund schnitt ihm schließlich das Wort ab.

    „Das tust du nicht!“, polterte es aus Sinan heraus. „Weil es nicht dein Land ist und du hast es nicht schon einmal miterlebt, dass deine Familie…“ nach all den Jahren fiel es immer noch schwer das Wort auszusprechen, aber er würde nicht schon wieder seiner Schwäche nachgeben. „ermordet wurde. Mein Onkel lebt aber noch und ich sehe es immer wieder vor mir, wie er und seine Familie bei einem Luftangriff umkommen. Du bist ja dafür immer schön wohlbehüt-“

    „Hey!“, stoppte Chris ihn. „Es ist nicht gerecht mir das vorzuhalten. Das hab ich dir schon einmal gesagt.“ Seine Worte waren nicht streitsüchtig oder aggressiv, aber sie waren ebenso bestimmt wie Sinan es war. Sie zeigten ihm bloß auf, dass hier Chris Grenze erreicht war.

    Das überraschte ihn immer noch. Als er Chris kennengelernt hatte, hatte er ihn für einen gutmütigen, jungen Mann gehalten, der etwas zu feminin - oder eher: nicht männlich genug - gekleidet war mit seinen modischen Schals und Tüchern, und überhaupt; all diesen modischen Klamotten, seinen Ohrringen und seiner ziemlich sanften Art zu sprechen, sich zu bewegen und die Beine beim Sitzen wie ein Mädchen übereinanderzuschlagen. Er hatte ihn für schwach gehalten, für jemanden, der sich unter keinen Umständen durchsetzen und für etwas einsetzen konnte, und ihm damit Unrecht getan.

    Und diese Worte brachten ihn ein wenig runter. „Ist es nicht, das stimmt. Du verstehst es trotzdem nicht“, beharrte Sinan. Das erste Mal, als er Chris die gesamte Wahrheit erzählt hatte, hatte ihn dieser bemitleidet und Sinan hatte ihm zu verstehen gegeben, dass ihm Mitleid zuwider war. Normalerweise. Bei Chris jedoch hatte es sich bloß so angefühlt, als wollte er ihn verstehen und ihn tatsächlich kennenlernen.

    Andererseits war Chris eben zu gut, ganz einfach. Das hatte Sinan seit dem ersten Tag an über ihn gedacht; der fühlte doch mit jedem Dahergelaufenen mit. Mit allem und jedem.

    „Stimmt, aber unterstützen kann ich dich dennoch. Auf eine Weise, die ich ebenfalls gutheißen kann. Ich werde keine Gewalt anwenden und niemanden etwas antun. Auch dann nicht, wenn ich mit meiner Magie könnte. Ich… ich weiß eben auch nicht. Ich will aber, egal was geschieht, Anteil an deiner Sache nehmen.“

    „Und wenn es nicht anders ginge?“, fragte Sinan provokant und bereute es gleich daraufhin. „Ignorier das.“ Irgendwo musste seine Wut hin und ab und an traf sie Chris, der sie auch dann abbekam, selbst wenn es nicht so sein sollte. Momentan war er ungerecht und bissig zu ihm und er wusste das.

    „Hatte ich vor“, erwiderte Chris ungewohnt barsch.


    Sichtlich stand ihm ein Kloß im Hals und so gingen sie für einige Minuten schweigend nebeneinander her. Sinan versuchte seine ewig kreisenden Gedanken loszuwerden, indem er sich auf das Geräusch des plätschernden Nebenarms der Leyra neben ihnen konzentrierte und sich in dem verlor, was seine Sinne aus der Natur aufnahmen. Der Wind peitschte den Fluss auf und trieb kleine Wellen stromabwärts. Die Wassermassen des Kanals sahen nachts pechschwarz aus. Und der kühle Wind, der um seine Nase wehte, wirkte befreiend. Er brachte frische Luft und frische Gedanken mit sich.

    Chris hatte seine Hände in den Taschen seines violetten Mantels vergraben, natürlich ein sehr Modischer, wie könnte es anders sein, mit einer schicken Zierknopfreihe und ziemlich enganliegend. Kein violett, sondern lavendel, hatte Chris mal darauf bestanden.

    Gedankenverloren sah sein Freund der kühlen Nachtluft zu, die Wölkchen vor seinem Gesicht bildete. Er schob den Schal über seine Nase, sah ab und an zu Sinan hinüber, sagte aber im Moment nichts mehr. Einmal hob er die Augenbrauen und war bereits in Versuchung den Schal wieder beiseitezuschieben, um etwas zu sagen und die Diskussion fortzusetzen, aber er ließ es dann sein.


    Wenigstens befand sich niemand mehr so spät auf einer solch abgelegenen Straße wie dieser, die an einem Seitenarm der Leyra lag. Der Nebenfluss führte aus der Stadt hinaus und lag an der Stadtgrenze der Metropole, sodass sie hier ungestört waren. Ein solches Gespräch war ohnehin nicht für aller Ohren gedacht, und hier rief ihnen auch niemand angeekelt etwas nach, sobald er sah, dass die beiden, jungen Männer zu vertraut miteinander umgingen. Dazu noch ein gut gekleideter Engernier mit einem Saresen. Einmal hatte ein alter, gehässiger Mann angenommen, dass Chris einen Stricher mitnahm und so hatte er einen Kommentar über „seinen exotischen Lustknaben; widerlich“ abgelassen, bei dem Sinan sehr gerne die Faust ins Gesicht geschlagen hätte.

    Sinan wollte es gerne vergessen, dass ihn so einige selbst dann noch einen dreckigen Saresen genannt hatten, als er nicht mehr auf der Straße saß, als er sauber und gut gekleidet war, aber es war schwierig so etwas vollkommen von sich wegzuschieben. Erst recht, wenn er ein dreckiger Sarese für diese Menschen war, dessen Land man kolonialisieren und den Krieg erklären konnte, weil es ja offensichtlich nicht schade um diese Menschenleben war.


    Ja, wenigstens waren sie hier alleine. Er musste sich hier mit keinen dieser Leute herumschlagen.

    Er sah zur Seite und war versucht Chris Hand zu nehmen, doch dieser hatte seine Hände immer noch in der Manteltasche vergraben. Was Chris wohl momentan dachte?

    „Vergiss es“, sagte Sinan schließlich. „Das von vorhin.“ Es hatte auch einfach gut getan zu hören, dass Chris Anteil an seiner Sache nehmen wollte, egal was weiters geschah. Daher sollte er ihn nicht so unfair behandeln.

    „Ja.“ Ein simples Wort, das von einem etwas gequälten Lächeln begleitet war, als Chris den Schal doch hinunterschob und endlich nach seiner Hand griff, die er heute besonders fest hielt. „Weißt du, ich sehe es bloß wie folgt: selbst wenn Winslow diese Macht nicht mehr besitzen würde, wird jemand anderes an seine Stelle treten und er wird wohl kaum so viel besser sein als er es ist. Wir werden etwas tun, aber es muss etwas Größeres sein und weitreichender, als einem einzigen Warlord seine Macht zu nehmen.“

    Leider klang das vernünftig. Selbst in einem Streit war es für Chris kaum denkbar wütend zu werden. Vielleicht ein wenig aufgebracht und ja doch, manchmal auch etwas wütend, aber sicherlich nicht so zornentbrannt wie Sinan es manchmal war.

    Chris Worte und Begründungen waren der Spiegel von alledem, was Chris im Kern war und das, was er war, veranlasste Sinan dazu bei ihm sein zu wollen. Selbst wenn sich Sinans zynische Ader manchmal darüber lustig machen wollte, so konnte er es nicht. Im Gegenteil, mit alledem sorgte Chris nur dafür, dass Sinan bei ihm sein wollte, weil er die Wut in seinem Bauch abflachte. Denn Sinan wusste wieder einmal nicht wohin mit all seinem Zorn, wenn sein Freund kein Öl ins Feuer goss, sondern versuchte es zu löschen.

    Oft blieb diese Wut in seinem Magen und es fühlte sich an, als würde sie von dort aus seit Jahren seinen Körper und seinen Geist allmählich vergiften. Vielleicht war es doch ganz gut so, dass es jemanden gab, der ihn ein wenig entgiftete.


    Chris setzte sich auf eine niedrige, aber relativ breite, Steinmauer des Flusses, die vor einer Brücke erbaut war, und hielt sich etwas ängstlich an den Seiten fest. Vorsichtig ließ er die Beine von der Mauer baumeln und sah zu, dass er das Gleichgewicht nicht verlor. Das war genauso typisch für ihn. Das wusste er nach den zwei Jahren bereits, in denen er ihn kannte. Erst recht nach den drei Monaten, in denen sie zueinander gefunden hatten.

    Sinan war gerade danach, vielleicht wollte er sich auch einfach nur ablenken, und so stieß er Chris schelmisch, aber sehr schwach, mit der Schulter an und ließ sich gegen ihn fallen. Dieser riss erschrocken die Augen auf und hielt sich so angespannt an dem Stein an, auf dem er saß, dass seine Knöcheln an den Fingern hervortraten, obwohl er gar nicht aus dem Gleichgewicht geriet. „Du!“, begann er und sah zu Sinan auf, der mit der Schulter an ihm lehnte und etwas provozierend seinen Blick erwiderte. „Versuch mich nicht gleich zu ermordern, weil wir eine Meinungsverschiedenheit haben.“

    „Das würde anders aussehen.“

    „Aber das würdest du mir nicht demonstrieren wollen, oder?“

    „Zumindest nicht an dir.“ Er konnte es nicht lassen ihn ein wenig zu provozieren. Entschuldige, Chris.

    Zuerst musste Chris wohl verarbeiten, was Sinan da eben gesagt hatte, ehe er kurz auflachte und seinen Zynismus als das hinnahm, was er war. „Du bist schon unmöglich.“ Dann klopfte er neben sich.

    Leichtfüßig sprang Sinan auf die Mauer, stieg ebenfalls kurz in das Lachen mit ein und gesellte sich zu ihm.

    Diesmal war es sein Freund, der näher an ihn heranrückte und seinen Kopf an seine Schulter legte. Viel zu schnell kehrte der Ernst wieder ein. „Ich weiß nichts mehr. Früher war ich vielleicht wirklich ein wenig naiv. Da dachte ich, ich wüsste, was richtig und falsch sei. Jetzt weiß ich nichts mehr. Ich weiß bloß, was ich nicht tun möchte … oder nicht zustande bringen könnte und was ich, für mich, für falsch halte.“ Chris vergrub sich in seiner Halsbeuge und Sinan hörte gedämpft, wie er tief durchatmete.

    „Hm.“ Etwas Besseres wusste Sinan im Moment nicht und wünschte sich, dass Chris Lachen nicht so schnell verklungen wäre. Er hätte ihm so gerne eine Antwort gegeben.

    „Genau das“, bestätigte Chris. „Hm.“

    „Ich hab auch keine Antworten.“

    „Du musst momentan keine haben. Ich möchte im Augenblick alles vergessen.“

    „Geht mir nicht anders.“

    „Übermorgen feiern wir deinen Achtzehnten und danach diskutieren wir weiter. Bis dahin tun wir mal so, als wäre die Welt in Ordnung. In Ordnung?“

    „Da werd‘ ich nicht protestieren.“


    Generell hörte er ihn in den letzten Monaten seltener lachen als zu der Zeit, als sie sich kennengelernt hatten, und er fragte sich, ob es genauso sein würde, wenn Sinan ihm nicht über den Weg gelaufen wäre. Er wusste, dass Chris vor ihm von einer schlechten Beziehung in die Nächste geschlittert war und es war fraglich, ob er selbst so viel besser für ihn war.

    Diesen Gedanken wollte er für sich behalten. Soweit war er lange noch nicht, dass er diese Gedanken teilte.

    Er war kein Dieb mehr, lebte auch nicht auf der Straße, sondern hatte ein Dach über dem Kopf, regelmäßig etwas zu essen, frische Klamotten und eine Bibliothek, zu der er Zugang hatte. Hin und wieder - oder besser gesagt immer öfters – lies er tatsächlich Fachbücher, begleitete Chris in die Vorlesungen der Universität, selbst wenn er vielen Dingen immer noch nicht folgen konnte, und bildete sich weiter, weil seine Eltern Ärzte gewesen waren. Er war in eine gebildete Familie hineingeboren worden und seine Eltern wären stolz auf ihn, wären sie noch am Leben. Sinan hatte auch seit vielen Monaten nichts mehr gestohlen und niemanden mehr überfallen. Weshalb auch. Es war nicht so, als hätte er aus Bösartigkeit heraus so gehandelt.

    Bekniffen biss er sich auf die Lippen, als er wieder diesen Zorn und diese Bitterkeit auf fast alles und fast jeden in sich spürte. Er wusste gar nicht mehr, wie es ohne ihr war zu leben. Nun saß er hier seit Jahren in Engernia fest, nachdem sehr viel geschehen war, was ihn hierhergeführt hatte; weit weg von seinem Heimatland und alledem, mit dem er aufgewachsen war.

    Selbst wenn er durch einen Zufall Menschen kennengelernt hatte, die ihm nun etwas bedeuteten und denen er sich nach längerer Zeit geöffnet hatte, zumindest in mancher Hinsicht, würde dieses Gefühl hier nicht zu Hause zu sein vermutlich nie vergehen. Viele Menschen sahen ihn aufgrund seiner Herkunft und Hautfarbe ja ohnehin nur als eine niedrigere Spezies von Mensch an, und ohnehin würde er diesem Land all das, was es Sares angetan hatte, wohl nie vergeben können.

    Einmal hatte er in einem Buch der Bibliothek von einer Rassentheorie eines engernischen Anthropologen gelesen, der die Menschen Sares und Triastras für ein evolutionäres Bindeglied zwischen Mensch und Affe hielt. Viele, andere Anthropologen, selbsternannte Völkerkundler, waren sich in ihrem wissenschaftlichen Konsens einig, dass diese Menschen den Engerniern zumindest intellektuell unterlegen seien.* Sinan konnte dieses Gefühl nicht genau benennen, aber dieser Angriff auf den Kern seines Menschseins machte etwas so Grundlegendes mit einem, dass er dieses Land als Gesamtes in gewissen Aspekten bloß noch hasste.

    Seine neue Heimat waren eine Hand voll Menschen hier - kein Ort -, das stimmte, aber damit war seine Alte längst nicht vergessen.


    Chris spürte wohl, dass er erneut in dunklen Gedanken versunken war und so recht wusste er auch nichts zu sagen, oder wie er ihm helfen sollte. So schmiegte er sich enger an ihn; wieder eine dieser Angewohnheiten, die Sinan vor kurzem noch, zu feminin, zu mädchenhaft erschienen war - zumindest in der Theorie -, bei dieser Sanftheit und Bedürftigkeit nach Nähe, mit der Chris es tat. Sinan wusste gar nicht, weshalb ihn bei Chris all das gar nicht störte, aber er nahm die Geste, die ausdrückte für ihn da sein zu wollen, dankbar an.

    „Chris“, sagte er schließlich nach einiger Zeit.

    „Hm?“

    „Du bohrst mir das Kinn in den Nacken. Setz dich um.“

    Sein Freund suchte eine andere Position und war schließlich dabei sich auf der Mauer hinzulegen, natürlich ganz behutsam, weil er wohl Angst hatte sonst in den Fluss zu fallen, und seinen Kopf auf Sinans Schoß abzulegen.

    Dann nahm er einen blau-grünlich schimmernden Kristall aus seiner Manteltasche. Im Gegensatz zu vielen anderen Kristallen war dieser feingeschliffen und ließ den Glanz im Inneren schimmern. Es sah so aus, als wirbelten grüne und blaue Schwaden durch das Innere. Chris hatte einmal erzählt, dass er seit langem im Familienbesitz der Bennetts war.

    Sein Freund schloss kurz die Augen und konzentrierte sich, ehe er den Kristall antippte und sich eine warme, einhüllende Energie um die beiden herum ausbreitete. Das war seine Art Magie zu wirken und sie hatte etwas an sich, das Sinan all diese Wut und diese Bitterkeit für einige Zeit nahm.

    Sinan strich ihm durch das blonde Haar und spielte mit einer einzelnen Strähne. Er hätte nie gedacht, dass er sich einmal so verliebt fühlen würde, dass er sich in dem Anblick der freundlichen, weichen Gesichtszüge seines Freundes derart verlor. Seine Züge hatten sich ebenfalls entspannt und er lächelte zufrieden, als Sinan mit der Haarsträhne spielte. Und das war irgendwie süß.

    Ach verdammt, Chris Kitschigkeit färbte schon auf ihn ab.

    Irgendwann rang sich Sinan zu einem Wort hindurch, das ihm immer noch schwer über die Lippen kam. „Danke.“ Er beugte sich zu einem kurzen Kuss hinunter.

    Ach verdammt, das auch noch.

    Sein Freund erwiderte nur den Kuss, aber antwortete nicht. Sicherlich wusste er, wofür er sich bedankt hatte.

    Chris Magie war wundervoll.


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    * Das beruht auf der Rassentheorie, die in dieser Zeit (sprich ca. 1800 bis fast Mitte 20. Jahrhundert) sehr weit in der westlichen Welt vertreten war.

  • Bastet

    Hat den Titel des Themas von „Our Future In Steam“ zu „Our Future in Steam“ geändert.
  • Hi Bastet! Glumanda


    So beginnt die Geschichte also. Die Geschichte von Sinan und Chris, die vor so vielen Jahren in einer anderen Welt begonnen hat. Es war wirklich ein erhebendes und nostalgisches Gefühl, als ich bemerkt hatte, dass du deinen Prolog hier gepostet hast, das muss ich schon sagen. :saint:


    Zu allererst (aber das ist keine Kritik, ich fand es nur witzig): Mit guten 2600 Wörtern ist dein Prolog schonmal länger als jedes meiner Kapitel bei Star Quest es war! :biggrin: Aber dafür hat man gleich genug zum Lesen! Wobei ich persönlich bei einem Prolog immer an etwas kürzeres denke.


    Ich habe absichtlich außer dem Klappentext im Startpost noch nichts gelesen, damit ich besser abschätzen kann, wie die Geschichte selbst bestimmte Inhalte einführt.

    Ich finde, dass du es sehr gut gemeistert hast die grobe Situation der Welt, die Beziehung von Sinan und Chris und den Warlord/Verteidigungsminister Winslow als Antagonisten einzuführen. Diese drei Sachen werden wohl den Kern der folgenden Geschichte bilden und ich bin um ehrlich zu sein schon sehr gespannt darauf, wenn Winslow tatsächlich auftauchen wird. Wenn du eine Geschichte schreibst, vermute ich nämlich, dass er nicht einfach nur ein Bösewicht ist, sondern seine ganz eigenen spannenden Motivationen hat! :blink: Ich bin tatsächlich schon ziemlich hyped darauf, haha.

    Und Sinan und Chris scheinen zwar als Pärchen gut zu funktionieren (sie sind ja auch schon eine Weile zusammen), aber trotzdem scheint Sinan aufgrund seiner Emotionen auch noch gewisse Bedenken oder Ängste bezüglich des ganzen zu haben. :huh: Ich bin schon sehr gespannt darauf, die beiden in den nächsten Kapiteln in Aktion zu sehen. Wenn sie schon während eines (zugegebenermaßen sehr ernsten) Gesprächs solche Differenzen aufweisen, wird es so richtig spannend, wenn sie tatsächliche Entscheidungen umsetzen müssen, die dem jeweils anderen vielleicht nicht gefallen. :thumbup:


    Ich fand deinen Prolog auf jeden Fall sehr interessant und freue mich schon, die weiteren Abenteuer von Sinan und Chris mitzuerleben. :bigheart:


    GLG

    Emmi MeloettaMeloetta Tanzform

  • Hi Bastet! Glumanda

    Hi Emerald:bigheart:


    So beginnt die Geschichte also. Die Geschichte von Sinan und Chris, die vor so vielen Jahren in einer anderen Welt begonnen hat. Es war wirklich ein erhebendes und nostalgisches Gefühl, als ich bemerkt hatte, dass du deinen Prolog hier gepostet hast, das muss ich schon sagen. :saint:


    Zu allererst (aber das ist keine Kritik, ich fand es nur witzig): Mit guten 2600 Wörtern ist dein Prolog schonmal länger als jedes meiner Kapitel bei Star Quest es war! :biggrin: Aber dafür hat man gleich genug zum Lesen! Wobei ich persönlich bei einem Prolog immer an etwas kürzeres denke.

    Danke, das ist wundervoll zu hören! :bigheart:


    Weißt du, damals waren die noch viel länger. xD Ich versuche mich nun etwa bei der 3.000-Grenze zu halten haha


    I

    ch habe absichtlich außer dem Klappentext im Startpost noch nichts gelesen, damit ich besser abschätzen kann, wie die Geschichte selbst bestimmte Inhalte einführt.

    Ist vollkommen okay. ^^

    Steckbriefe und co sehe ich nur als ganz netten, optionalen Zusatz an, die ich den Leser*innen bereitstellen möchte... und weil ich gerne alles, was ich zu meinen Hauptstories schreibe, share haha


    Ansonsten sind da meine allgemeinen Gedanken, aber auch Triggerwarnungen und so, die ich unbedingt im Startpost drinnen haben wollte.


    Ja, das freut mich, wenn es so rüberkommt. ^^

    Und durchaus ja, hat er. Am Ende ist Sinan sehr traumatisiert und zu dem Zeitpunkt ist es auch nicht so lange her, dass er sich Chris und anderen Personen geöffnet hat. Gut, vielleicht ein dreiviertel Jahr oder so, aber wie wir wissen, fasst man nicht von einem Tag auf den anderen bedinungsloses Vertrauen; erst recht nicht jemand, der tief traumatisiert ist und davor einige Jahre für sich selbst kämpfen musste.


    Genau das hatte ich vor. :evil:

    Die beiden haben diese Art von Beziehung, in der sie sich zwar wirklich lieben und sehr gut miteinander auskommen ... oder auskämen, wenn nicht dauernd solche existentiellen Fragen von außen deren Beziehung zueinander aufrütteln würden.



    Den längsten Text zum Schluss:


    Wenn du eine Geschichte schreibst, vermute ich nämlich, dass er nicht einfach nur ein Bösewicht ist, sondern seine ganz eigenen spannenden Motivationen hat! :blink: Ich bin tatsächlich schon ziemlich hyped darauf, haha.

    Dazu muss ich noch was sagen ...

    Ich glaube, da werde ich dich etwas enttäuschen; das muss ich dir jetzt schon sagen. ^^" (obwohl es auch drauf ankommt, was du unter "spannender Motivation" verstehst.)


    Ich kann oft mit den Villains nichts anfangen, die es in Wahrheit ja nur gut gemeint haben oder ach so missverstanden wurden, weil es in vielen Geschichten auch entschuldigend klingt das so zu schreiben und gerade wenn ich aus der Sicht eines PoC Jungen schreibe, dessen Land kolonialisiert wurde, tanz ich da echt auf heißen Kohlen rum, wenn ich dem Kerl noch irgendwie eine ganz spannende und vielleicht sogar tragische, und daher vielleicht fast entschuldigende, Motivation gäbe.


    Und ich hab's auch gern in dieser Hinsicht realistischer... auf eine etwas zynischere Weise haha.


    Also ...



    Es freut mich sehr, dass du den Prolog gelesen hast. ^^