Solarpunk - Hoffnung für die Zukunft

  • Solarpunk - Hoffnung für die Zukunft



    Ich möchte mit euch über ein relativ junges Genre sprechen, das mich nun seit einer Weile komplett in seinem Griff hat - vor allem, da es nicht nur ein Genre ist, sondern auch eine soziale und politische Bewegung.

    Wie der Name schon verrät handelt es sich bei Solarpunk um eines der "Punk" Genre. Ein wenig Hintergrund dazu: Das erste Punk-Genre war Cyberpunk. Die Idee dahinter war, eine Gegenbewegung zum damals eher positiven Science Fiction Genre zu haben, die genutzt werden kann, um die Gesellschaft, wie sie aktuell war, zu kritisieren. So entstand halt Cyberpunk - ein Genre, dass sich eine kapitalistische Dystopie vorstellte. Das Genre ist sehr beliebt geworden und die grundlegende Idee von "machen wir SciFi, aber anders" wurde sehr beliebt, so dass eine Menge andere Punk-Genre entstanden sind. Was sich allerdings über Cyberpunk feststellen ließ: Es wurde zu einem der dominantesten SciFi Subgenre, verlor dabei allerdings gleichzeitig oft seine Zähne. Die ursprüngliche Kritik am Kapitalismus ging verloren. Dystopie wurde gleichzeitig zum Standard der SciFi.

    Und genau hierzu entwickelte sich Solarpunk dann als Gegenbewegung. Die Grundlegende Frage war: Was ist, wenn wir uns eben keine beschissene, sondern eine schöne Zukunft vorstellen. Eine Zukunft, in der Menschen mit der Natur im Einklang leben - aber dennoch hoch technologisiert. Inspiriert wurde das ganze vor allem von verschiedenen Miyazaki-Filmen.



    Was ist Solarpunk nun eigentlich?


    Okay, aber was ist Solarpunk nun genau? Nun, kurzgesagt ist Solarpunk ein utopisches Genre, das üblicherweise in der relativ nahen Zukunft unserer Realität angesiedelt ist. Dabei stellt sich das Genre eine Welt vor, die post-kapitalistisch, post-hierarchisch und post-kolonial ist. Die Energie wird komplett aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen und es wird sich darum bemüht, auch andere Teile der Technik möglichst darauf ausgerichtet sind, die Natur und Umwelt zu schützen. Außerdem ist die Gesellschaft eben in abgeschwachten Hierarchien und ist darauf ausgerichtet, alle mitzunehmen. Wie das genau aussieht, kann natürlich von Autor*in zu Autor*in unterschiedlich sein.


    Solarpunk als politische Bewegung


    Solarpunk ist aber nicht nur ein literarisches Genre, sondern auch eine politische Bewegung, die eben zum Ziel hat, eine solche Zukunft zu erreichen. Dazu gehören häufig kleine lokale Organisationen, die bspw. illegale Gärten anlegen, in denen Gemüse und Obst angebaut werden können. Auch gehört das Reparieren von Geräten dazu und der Aufbau von Sach-Bibliotheken, wo man sich unter anderem Werkzeuge ausleihen kann. Auch die Förderung von Mutual Aid gehört dazu. Darüber hinaus geht aber auch der politische Einsatz für grüne und soziale Politik damit einher. Häufig in Kooperation mit anarchistischen Organisationen.



    Das Solarpunk Manifest


    Es wurde auch von einer brasilianischen Solarpunk-Gruppe (das Genre hat seinen Ursprung im Lateinamerikanischen Raum) ein Manifest formuliert. Hier ist die deutsche Übersetzung von diesem:



    Solarpunk-Medien


    Solarpunk als Genre ist noch sehr jung. Es hat seinen Anfang erst in den 2010er Jahren gefunden und sich vor allem dank tumblr sehr weit ausgebreitet. Das heißt allerdings nicht, dass es nicht Medien von davor gibt, die dem Solarpunk-Ethos entsprechen.


    Ältere Bücher, die Solarpunk-Aspekte haben:

    • The Dispossessed/Planet der Habenichtse von Ursula K. Le Guin
    • Ecotopia von Ernest Callenbach
    • Pacific Edge von Kim Stanley Robinson
    • The Fifth Sacred Thing von Starhawk
    • Parabel of the Sower/Die Parabel des Sämanns von Octavia Butler


    Neue Bücher, die Solarpunk sind:

    • Foxhunt von Rem Wigmore
    • Suncatcher - Seven Days in the Sky von Alia Gee
    • The Summer Prince von Alaya Dawn Johnson
    • The Biodome Chronicles von Jesikah Sundin
    • A Psalm for the Wild-Built von Becky Chambers


    Solarpunk-Anthologien:

    • Solarpunk: Ecological and Fantastical Stories in a Sustainable World
    • Glass and Gardens: Solarpunk Summers
    • Glass and Gardens: Solarpunk Winters
    • Sunvault: Stories of Solarpunk and Eco-speculation
    • Multispecies Cities: Solarpunk Urban Futures
    • Wings of Renewal: A Solarpunk Dragon Anthology


    Solarpunk-Comics:


    Solarpunk-Filme

    Technisch gesehen gibt es keine expliziten Solarpunk-Filme - allerdings ein paar, die die Ästhetik und andere Grundlagen beinhalten.

    • The Beasts of Southern Wild
    • Black Panther
    • Big Hero 6 (Ästhetik)
    • Zootopia (Ästhetik)



    Diskussionsansätze

    • Habt ihr vorher schon einmal etwas von Solarpunk gehört?
    • Was sind soweit eure Eindrücke des Genres?
    • Habt ihr schon einmal ein Solarpunk-Buch gelesen?
    • Habt ihr schon einmal irgendwelche anderen Solarpunk-Medien konsumiert?
    • Könntet ihr euch Vorstellen Solarpunk-politisch aktiv zu sein?
  • Perfection

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Da du hier ja auch direkt ansprichst, dass das Thema ein stückweit selbst politisch ist, wird mein Post auch politisch werden, also nur so als Warnung lol.


    Integral für mich an jeder postkapitalistischen Überlegung ist die Idee von Verzicht. Wir leben zur Zeit im Kapitalismus und führen einen Lebensstil, der nicht nur den Planeten ausbeutet, sondern auch einen Großteil der Menschen, insbesondere aus allen weniger privilegierten Regionen der Welt. Der Grund, warum unser Lebensstil heute so technologisch fortschrittlich ist und wir uns überhaupt in Ideen von Sci-Fi, Cyberpunk und Steampunk verlieren können, ist weil eben gerade diese Prämisse stimmt: Wir beuten alles aus, ohne uns um die Kosten große Gedanken zu machen. Solarpunk als Fortführung dieser Glorifizierung von Technologie hat damit aus meiner Sicht schon einen schlechten Start, was die realistische Zeichnung einer postkapitalistischen Gesellschaft angeht.


    Jede postkapitalistische Idee, die unseren Konsum von heute weiterführen oder noch erweitern will, aber halt in schön und besser und in toll, ist mir daher erstmal suspekt. Und sowohl das Manifest als auch deine Erklärungen des Genres, gerade auch im Kontext mit seinen Präkursoren, platzieren Technik an erster Stelle, nur halt zur Abgrenzung von anderem Sci-Fi dann eben mit nem Aufkleber draufgepatscht von wegen "Ah und das ist hier übrigens alles grün".


    Aber meine Position ist halt: Wenn wir uns nicht ernsthaft einschränken und die meiste Technik und Metallverwendung auf Sachen wie Krankenhäuser, eventuell Forschung oder andere integrale Bereiche mit hohen Anforderungen beschränken, also auf die Nutzung von elektronischer Technologie für den Alltag und für Luxus verzichten, wird eine solche Zukunft immer irgendjemanden ausbeuten, trotz allen Ansprüchen, die man sich stellt, weil der Planet einfach nicht genug Metall und seltene Erden zur Verfügung hat.


    Solarpunk soll oft eine Welt darstellen, in der es Technologie OHNE Ausbeutung gibt, aber man eben trotzdem Luxus hat (was auch aus dem Manifest klar hervorgeht). Und ich kann den Appeal dieser Idee verstehen, aber mein Problem damit ist halt, dass es in die typische Konsumlinken-Ideologie reingeht, wo wir einfach alle Arbeitsplätze durch Maschinen ersetzen und dann in einer Utopie leben wo keiner arbeiten muss mit allem was wir uns nur wünschen. Aber wenn man einen solchen Anspruch errichtet, zum Beispiel durch politische Geschichten, die halt zeigen, dass man einen kapitalistischen Lebensstil ohne Kapitalismus haben könnte, wenn man diese Erwartungen aufbaut bei den Menschen, dann wird der Kapitalismus vermutlich nie enden.


    Es gibt den Kapitalismus immer noch, weil die meisten Leute halt trotz allem dann doch nicht auf PC und Handy und immerwarme Wohnungen und Mobilität und all die Bequemlichkeit verzichten wollen und alternative Gesellschaftsstrukturen, die das nicht versprechen, als Rückschritt gesehen werden. Auf die arbeitet dann halt niemand hin, weil viele lieber auf eine Zeit warten wo die Technologie uns alle rettet und wir zum Beispiel weiterhin 100kg Fleisch pro Jahr essen können, weil es dann halt im Labor gezüchtet wird oder wir weiterhin täglich mit dem Auto pendeln, weil die Autos dann ja alle elektro- oder wasserstoffbestrieben sind und weil die Wissenschaft ja sicher noch irgendeinen Weg finden wird Probleme X, Y und Z auch noch zu lösen, ohne dass wir je mit Einschränkungen konfrontiert werden.


    Ich würde mir halt wünschen, dass eine postkapitalistische Utopie eben auch Verzicht mit einbringt. Leute zeigt, die sich mit weniger zufrieden geben, und auch mal komplett ohne (elektronische) Technik auskommen (anstatt 5 Bildschirme und eine KI in der Solarbrille zu haben). Und wir dann halt merken, dass ein Leben ohne Kapitalismus, wo man sich dann halt im Winter bisschen wärmer anzieht (anstatt unter einer riesigen Glas-Kuppel zu wohnen) und mit dem Fahrrad ins Nachbarland fahren muss (und nicht als Sky Pirate auf einem Luftschiff) eben trotzdem schön sein kann und eine bessere Option ist als die allumfassende, nachhaltige Zerstörungswut des kapitalistischen Systems, trotz seiner Vorteile.



    Okay, bedeutet das, dass ich Solarpunk schlecht finde?

    Nein, ich liebe Solarpunk-Ästhetik, und als Fantasy-Utopie ist es extrem appealing. Und gerade low-tech-Solarpunk mag ich richtig, richtig gerne. Nur High-Tech-Solarpunk-Welten, die halt auch einfach aus der Prämisse von Solarpunk zwangsläufig erwachsen und ihr sehr nahe liegen, finde ich halt dann sehr unrealistisch, und, wenn sie zum Mainstream werden, halt auch etwas harmful, wenn sie unkritisch mit dem Thema umgehen. Aber wenn Leute das halt mögen... idk, solange man sich halt gewisser Probleme, die in dem Genre implizit eingebacken sind, zumindest bewusst ist, sollte das ja alles ehh kein Problem sein.

  • Ich kann tbh mit Solarpunk relativ wenig anfangen. Als Iyashikei kann das ganz nett sein, klar, aber ich halte sowas auch für etwas, wie soll ich sagen... naiv und wenn eine Utopie nicht eine wirklich dunkle Seite hat, langweilig ich mich dann auch recht schnell tbh. Es sei denn eben, ich weiß es in Vorhinein und lass mich bewusst auf ein Iyashikei ein, aber das nur so nebenbei.

    Ich find solche Welten aber im Gesamten etwas naiv und ja, ich hab zuvor schon deinen Weblogeintrag dazu gelesen, aber das ändert meine Meinung nicht, weil diese Welten halt drauf ausgelegt sind etwas zu optimistisch und etwas zu naiv zu sein.

    Utopien, die tatsächlich welche sein sollen, rufen in mir dieselbe Skepsis hervor wie Menschen, die sich als unglaublich nett und perfekt darstellen: Ich erwarte mehr Leichen im Keller als bei jedem anderen. xD


    Was ich als Setting aber genre annehmen würde, wäre eines, das nicht gar so verklärt und naiv ist, aber versucht "Schadensbegrenzung" zu betreiben und grüne Technologien (oder moderne Atomkraft, selbst wenn da viele aufschreien werden lol) und etwas flachere Hierarchien in der Gesellschaft mehr zu inkludieren, als es momentan in der realen Welt geschieht.


    Die Menschheit hat auch immer Konflikte ausgetragen, nicht nur im Kleinen und Privaten, und kaum legst du den einen beiseite, wirst du halt auf den Nächsten treffen. Solange du nicht in einem Dorf mit vielleicht nur fünfzig anderen Leuten und weit weg von jedweder anderer Zivilisation leben willst, wirst du immer auf große Konflikte stoßen, die eben nicht nur eine Handvoll Leute im Kleinen angehen.


    Das Ding ist auch: Wenn du bloß mit einer kleinen Zahl an Menschen zusammenlebst, dann hast du eine Bindung zu denen, aber sobald du eine Gesellschaft heranziehst, in der nicht jeder jeden kennt, wirst du es nie schaffen, dass sich alle umeinander ausreichend kümmern.

    Selbst wenn du nun sagst, dass Menschen in kleinen Kommunen leben, was btw verdächtig und irgendwie auf mich abstoßenden Weise nach einer Sekte klingt, die dir ihre Art zu leben und ihre Hippie-Ideen von eigenem Ökoanbau, Veganismus, etc..., aufzwingen will, womit das einfach falsch und erzwungen wirkt.


    Und dann muss man auch sagen, dass Konflikte bis zu einem gewissen Grad nichts Schlechtes sind, aber wie ich die Dynamiken in solchen Kommunen einschätze, werden die Menschen darin darauf gebrainwashed zu sein "aggressively nice" sein auf Toxic Positivity pochen, sodass du bloß keine Kritik an einer bestimmten Art zu leben, weil du vielleicht dort nicht leben möchtest, Fleisch und andere Tierprodukte esssen möchtest etc. (was von dem Großteil solcher Leute sicherlich durchgebracht werden möchte), oder keine Kritik an bestimmten Personen anbringen und nicht anecken darfst, wodurch dann erst recht sehr schnell große Konflikte entstehen können.

    In Wahrheit hast du einen Haufen an diesen verschiedenen Kommunen und so wie ich die Menschheit kenne, gebe ich so einer Welt vielleicht ein paar Jahre, bis wieder große Konflikte innerhalb und außerhalb entstehen.


    Es will halt auch nicht jeder in Kommunen oä. leben, die automatisch relativ klein sein müssen, um die Hierarchien recht flach zu halten.

    Muss zugeben, dass ich es sehr genieße in einer Großstadt zu leben, wo ich nur die Leute kennen muss, die ich kennen möchte, und Wien ist halt grün genug, sodass ich mich nicht so sehr von Beton umzingelt fühle.


    Das andere Ding ist eben das, was Alice sagt: Es ist schwierig jedem Menschen denselben Zugang zu Technologien zu gewähren, da seltene Erden eben recht rar sind, und gerade bei solchen Bodenschätze es immer Konzerne geben wird, die ihre Hand drauflegen und nicht mehr wegnehmen wollen. Die meisten benötigten Materialen werden außerdem zu einem nur sehr geringen Anteil bei uns abgebaut, sodass es weiterhin so kommen wird, dass es immer solche Konzerne gibt, die versuchen andere Länder wirtschaftlich auszunehmen, weil es für sie ertragreich ist.


    Zudem müsstest du von jedem Menschen (oder zumindest, sagen wir 90 %) zumindest ein Mindestmaß an Reife und Eigenverantwortung voraussetzen, um eine solche Solarpunk-Welt zu erschaffen, die über einen langen Zeitraum funktioniert und tatsächlich eine Utopie sein kann.

    Wenn ich mich jedoch grad so umschau, sind viele Menschen halt Idioten kriegen viele Leute nichtmal die einfachsten Dinge hin wie eine Maske in den Öffis aufzusetzen und die simplesten Zusammenhänge zu verstehen... oder eben nicht verstehen wollen.

    Andererseits müssen die Leute auch kritikfähig sein und ein System aufbauen, das es aushält, wenn man darin nicht leben will.


    Am Ende geht's ja eigentlich eher darum diese und Ausbeutung so gering wie möglich zu halten, woran wir auch schon grandios scheitern, aber du wirst nie eine weltweit solch flache Hierarchie schaffen können, in der man eine Solarpunkwelt erschaffen kann, weil es dafür zu viele Menschen in der Gesamtzahl und zu viele verschiedene Ideologien gibt, als dass man so etwas je errichten können wird.


    Aber wie gesagt, eine Welt, die Schadensbegrenzung zu betreiben und neue Technologien zu inkludieren versucht und immer noch alles andere als ideal ist, würde ich noch viel eher hinnehmen als eine tatsächliche Utopie, weil ich nicht denke, dass Menschen dazu je fähig sein werden.

  • da seltene Metalle eben recht rar sind, und gerade bei solchen Bodenschätze es immer Konzerne geben wird, die ihre Hand drauflegen und nicht mehr wegnehmen wollen.

    Nun ja, kein vernünftiger Mensch glaubt daran, dass Solarpunk in irgendeiner Form unter Kapitalismus möglich ist. Die Bewegung ist ja nicht umsonst anti-kapitalistisch. Das heißt: Keine Konzerne, no no. Weil prinzipiell ist auch kein effektiver Umweltschutz unter Kapitalismus möglich, weil Kapitalismus immer das schnellste, billigste Mittel bevorzugen wird - und das halt nun einmal in der Regel das umweltschädlichste ist. ^^"

  • Ich kann tbh mit Solarpunk relativ wenig anfangen. Als Iyashikei kann das ganz nett sein, klar, aber ich halte sowas auch für etwas, wie soll ich sagen... naiv und wenn eine Utopie nicht eine wirklich dunkle Seite hat, langweilig ich mich dann auch recht schnell tbh.

    Ich muss halt aber auch sagen, dass ich nicht finde, dass der Konflikt zwangsläufig aus dem Gesellschaftssystem erwachsen muss. Ich meine, schaut man sich zB. alte Star Trek Episoden an, beispielsweise von Raumschiff Enterprise, dann hat man da die Menschen in einer ziemlich utopischen Gesellschaft; Es gibt kein Geld mehr, alle arbeiten freiwillig bzw müssen nicht arbeiten, wenn sie nicht wollen, es gibt ein Leben im Überfluss mit sehr starker Technologie. Und dennoch gibt es haufenweise Konflikte, zwischen Crew-Mitgliedern aber auch zwischen Völkern etc. und es ist eine der bekanntesten klassischen Serien, die es gibt, und wird eben von vielen nicht als langweilig empfunden.


    Was ich sagen will ist... Solarpunk kann schon, selbst wenn es in einer Utopie stattfindet, schwere Konflikte aufzeigen und thematisieren, und zwar im zwischenmenschlichen Bereich aber auch auf größerer Ebene. Muss daher finde ich nicht langweilig sein, nur weil es utopisch ist.


    Und dann muss man auch sagen, dass Konflikte bis zu einem gewissen Grad nichts Schlechtes sind, aber wie ich die Dynamiken in solchen Kommunen einschätze, werden die Menschen darin darauf gebrainwashed zu sein "aggressively nice" sein auf Toxic Positivity pochen, sodass du bloß keine Kritik an einer bestimmten Art zu leben, weil du vielleicht dort nicht leben möchtest, Fleisch und andere Tierprodukte esssen möchtest etc. (was von dem Großteil solcher Leute sicherlich durchgebracht werden möchte), oder keine Kritik an bestimmten Personen anbringen und nicht anecken darfst, wodurch dann erst recht sehr schnell große Konflikte entstehen können.

    Da gibt es halt auch viel (gelebte) Theorie zB. vom Anarchismus, den Alaiya ja auch im Starpost erwähnt hat, wo flache bzw keine Hierarchien herrschen, und wie man in solchen Kontexten Konflikte bewältigen kann, die halt trotzdem vorkommen. Die Idee des Anarchismus ist es ja nicht, in einer aggressiv netten Community zu leben und ja nie irgendein Problem anzusprechen, weil es ja die Utopie ist (wenn sich Leute schlecht fühlen und ihre Probleme nicht äußern konnen aus gesellschaftlichen Gründen, dann ist es ja eben gerade keine Utopie sondern eine Dystopie), sondern die Idee ist, Instrumente wie Konsensentscheidungen und Freiheit zu nutzen, um Konflikte, die im Alltag enstehen, in kleiner und großer Skala, zu bewältigen, eben zum Beispiel indem man darüber spricht und sie offen austrägt. Eine gute utopische Geschichte, die einen anderen Lebensweg zeigen will, muss nicht immer total auf nett und "alle haben sich lieb" und "es gibt keine Probleme" fußen, finde ich, auch wenn das natürlich nahe liegt und sicher auch oft so gemacht wird.

  • Ich glaube halt nur nicht, dass Anarchismus je möglich sein wird, sobald du in Gemeinschaften lebst, die ein bisschen größer als eine durchschnittliche Freundesgruppe oder ein kleines Dorf ist.

    Wenn man zB. zum Anfang der Schrift zurückgeht, kam diese in erster Linie deshalb auf, um die immer wachsende Bevölkerung zu verwalten und ein Rechtssystem niederzuschreiben.

    Kleine Stämme können sich natürlich selbst regulieren, aber vertrau mal drauf, dass eine Millionenstadt das macht... leben will ich da nicht. xD


    Gut, ich versteh worauf du mit dem Rest des Beitrags hinauswillst, hab da vielleicht auch einen zu zynischen Blick auf Utopien.

    Einerseits hätte ich schon gerne sehr flache Hierarchien und alles, aber dann gehst du kurz mal raus, schaust dich auf Social Medias um und triffst eine Horde Querdenker*innen oder schaust News und denkst dir: Fucking Idiots Ne, klappt nicht. xD

  • Alaiya

    Vielen Dank für das spannende und relevante Thema!


    Das Thema hat große Überschneidungen mit Gedanken, die ich mir seit einiger Zeit mache. Meine Wurzeln liegen im Cyberpunk. Gerade die Faszination für wie auch immer geartete virtuelle Parallelwelten hat mich seit Jahren in ihren Bann gezogen. Doch hat das Genre an sich mit den Jahren einige Probleme entwickelt.

    Science-Fiction stellt ja immer eine mögliche (egal wie unwahrscheinliche) technologische Zukunft unserer Welt dar.

    Cyberpunk als Subgenre daraus waren dann antikapitalistische Dystopien.

    Doch, wie du korrekt geschrieben hast, ist das Genre verwässert. Alle, die eine etwas edgiere oder in ihren Augen "realistischere" Science-Fiction machen wollten, haben gefühlt als Hintergrund eine Dystopie genommen. Das hat in meinen Augen dazu geführt, dass halt Science-Fiction allgemein mittlerweile einen sehr dystopischen Tonus entwickelt hat, als würde unsere Welt zweifellos auf eine schlechte Zukunft hinauslaufen.


    Und da begann ich dann auch, Cyberpunk etwas zu hinterfragen. Denn Geschichten haben die Menschen schon immer inspiriert. Es gab viele technologische Fortschritte durch Menschen, die mit Star Trek und ähnlichen Serien aufgewachsen sind und dann als Erwachsene selbst in die Forschung gingen.

    Doch in der heutigen Zeit wirkt die Dystopie fast schon als Grundbaustein einer jeden Zukunftsvision. Und dadurch verstärkt das halt auch das unbewusste Bild der Zukunft in den Köpfen der Menschen.

    Damit will ich natürlich nicht sagen, dass, nur weil es dystopische Geschichten gibt, wir genau deshalb auf eine dystopische Zukunft zusteuern.

    Aber die Geschichten die wir Menschen erzählen, haben halt doch eine gewisse Macht, Ideen populär zu machen und zu fördern.

    Vor dem Hintergrund fand ich es auch sehr spannend, wie Matrix Resurrections, also der vierte Teil einer der prägendsten Cyberpunk-Filmreihen überhaupt, sich in meinen Augen stark von der Dystopie wegbewegt hat. Nicht gleich in Richtung einer Utopie, aber doch in eine wesentlich ambivalentere Welt als zuvor, in der ich es durchaus spannend fände zu leben.


    Der langen Rede kurzer Sinn: Es ist schon etwas bezeichnend, dass positive (und natürlich utopische) Zukunftsentwürfe des Solarpunk, die einst eher prävalent waren, nun als Counterculture der Mainstream-Science Fiction wirken, einfach aufgrund der Tatsache, dass sie nicht von einer zwangsläufig negativen Zukunft ausgehen. Ich finde, die Mission des Solarpunk ist dahingehend beinahe die einer Nachfolgeschaft zum Cyberpunk von einst.

    Es ist nicht mehr genug, (kapitalistische) Missstände futuristisch-überhöht darzustellen. Man muss auch zeigen, was dagegen getan werden kann, alternative Richtungen vorweisen.


    Um eins aber klarzustellen: Das heißt natürlich nicht, dass ich den Leuten verbieten will, dystopische Scifi zu schreiben oder zu konsumieren. Alle sollen lesen, was sie wollen. Aber ich finde es auf jeden Fall gut, dass langsam auch wieder ein Gegengewicht zu den allgegenwärtigen Dystopien aufkommt. Porygon.



    Als letztes: Welche solarpunkigen Werke kenne ich so:

    Bei Animes ist mir zu Solarpunk tatsächlich als erstes Yu-Gi-Oh! Arc-V eingefallen. Die erste Staffel spielt in einer utopischen Zukunft, in der es keine Energieprobleme mehr gibt und die Menschen (ich vermute durch eine Art Grundeinkommen), ihre ganze Zeit in Duell-Schulen und Entertainment-Duelle stecken können. (später wird es finsterer, als Duellanten aus dystopischen Paralleldimensionen auftauchen, aber die Hauptdimension, um sie mal so zu nennen, fand ich sehr positiv).


    Bei Musik musste ich zunächst an Atomic Drum Assembly denken. Viele ihrer Stücke sind z.B. in der Serie Kipo and the Age of Wonderbeasts verwendet worden, und die Mischung aus verschiedensten Instrumenten und Gesängen schafft (zumindest für mich) immer eine positive, diverse und naturverbundene Klangwelt.

    Gute Songs wären zum Beispiel Island Life oder We Out Here.

    Außerdem muss ich natürlich eine meiner Lieblingsbands erwähnen, The Orion Experience. Die vermischen viel Glamrock mit mystischen Space-Elementen, aber gerade das Album Children of the Stars ist ein in einer Utopie endendes kosmisches Musical.


    Ein Videogame, dessen Ästhetik auf mich sehr solarpunkig gewirkt hat, war Axiom Verge 2. Während der Vorgänger eine maximale Dystopie war, wird in AV2 eine Paralleldimension gezeigt, die zwar aus einem apokalyptischen Krieg entstanden ist, aber in deren Gegenwart natürliche Landschaften, futuristische mesopotamisch angehauchte Drohnen und vereinzelte Siedlungen verschiedener, ziemlich kooperativer Überlebender dominieren. Mich hat die Darstellung der Welt sehr angesprochen. :saint: