*Pflicht und Ehre*

  • Kapitel 15: Wieder allein


    Part 1: Das Ende einer Freundschaft?


    Eine tiefe Schneise brannte sich unter dem Trommelfeuer meinen Pfoten auf dem feuchten Waldboden. Dreck, Tannennadeln und Laub wurde wild aufgewirbelt und mussten unbarmherzig meinem Weg weichen. Ich rannte. Wohin, wusste ich nicht. Immer tiefer in den Wald hinein führten mich meine Beine. Ich musste fort. Fort von all den schrecklichen Dingen, die sich mit jedem meiner weiteren Schritte mehr und mehr von mir entfernten. Sinnflutartig sickerten immer mehr Tränen aus meinen Augen und durchweichten mein Gesicht. Meine Sicht, dank der sich langsam verabschiedenden Sonne schon recht knapp bemessen, wurde mit jeder weiteren Träne, die sich aus meinen verquollenen Augen löste, schlechter und schlechter. Nichts und niemand kreuzte meinen Weg, nichts räkelte sich im dichten Unterholz, schon gar kein liebliches Vogelgezwitscher zur Verabschiedung des sterbenden Tages drang an mein Ohr, ja nicht einmal ein Insekt, wollte sich mir in den Weg stellen.


    Es konnten Minuten, vielleicht sogar Stunden gewesen sein, in denen ich ziellos in die unheimliche Fremde eindrang, bis ich schließlich und endlich, am absoluten Ende meine Kräfte angelangt, zusammensackte.
    Wären nicht meine schluchzenden Klagelaute gewesen, die bitterlich, doch ungehört durch den Wald hallten, hätte man meinen können, der gesamte Wald sei völlig ausgestorben gewesen.
    Den Kopf kraftlos auf dem modrig riechenden Waldboden liegend, und schluchzend unter meinen beiden Vorderpfoten vergraben, wäre ich am Liebsten einfach nur still und heimlich gestorben. Endlich die lang ersehnte Erlösung finden. Loslassen von dieser Welt mit all seinen Lügen und dem unbeschreiblichen Schmerz, der mich innerlich zu zerreisen drohte.


    Warum nur? Warum hatte er mich so schändlich hintergangen? Wie konnte er mir überhaupt die ganze Zeit über mit dieser Gewissheit in Gedanken ins Gesicht schauen? Sich vor aller Welt als meinen Freund bekennen? All das Leid, die Schmerzen, die Qualen und die Opfer, die ich für ihn erbracht und ertragen hatte... Einfach alles...
    „Was hast du eigentlich erwartet? Er ist schließlich was er ist: ein Mensch“, sagte eine boshafte Stimme in meinem Kopf. „Falsch und verlogen. Sein eigenes, kümmerliches Wohl über alles und jedem. Du warst nichts weiter als sein Spielzeug – seine Marionette.“
    Ja, richtig... Anfangs hatte ich tatsächlich so gedacht. Bereits als ich in die Fänge meines ersten Trainers geraten war. Von der vertrauten Umgebung meines geliebten Zuhauses entführt, hatte ich mich müssen auf die kranken Spielereien meines Ex-Trainers einlassen müssen... Auch als ich Stan zum ersten Mal begegnete, stand es für mich keine Sekunde zur Debatte, dass er in irgendeiner Weise anders sein könnte. Doch irgendwann, im Laufe unserer gemeinsamen Reise, verformte sich das von mir erdachte Feindbild von den Menschen immer mehr. So seltsam es auch klingen mag: ich hatte Stan einige Zeit sogar richtig in mein Herz geschlossen. Ihn, und seine ganz besondere Art, die Welt aus seiner merkwürdigen Perspektive zu betrachten.


    Doch diese unbekümmerten Tage waren nun endgültig vorbei. Mit dem ungestümen und unüberlegten Angriff auf die Person, welche mir nicht nur einmal, sondern zweimal das Leben gerettet hatte, war mein Leben nun nicht mal einen Pfifferling mehr wert. Ich hatte meine Grundprinzipien, nach denen mein ganzes Leben lang zwar streng, dafür aber glücklich und zufrieden gelebt hatte, auf eine solch dreiste Art und Weise verraten, dass ich nun mein Dasein als Verächteter fristen musste. Ohne Stolz und ohne Ehre. Die letzte Hoffnung, mich jemals wieder in den satten und hohen grünen Gräsern meiner Heimat sehen zu lassen, lag heftig zuckend, kilometerweit von mir entfernt. Mein Leben war verwirkt.


    Das, unter ihrer schier tonnenschweren Laub- und Nadellast Ächzen der Waldbäume, dröhnte wie hämisches Gelächter von oben auf mich herab. Zurecht... So seht mich schließlich an. Ich, Sheinux, einst ein berühmt berüchtigter Revierherrscher, gefürchtet von meinen Feinden und geschätzt von meinen Bewunderern, nun nichts weiter als ein in einem völlig fremden Land verstoßener Niemand. Ehrlos und verachtet.


    Langsam rappelte ich mich unter dem immer lauter werden Geknarze der hölzernen Giganten um mich herum. Meine Augen brannten, mein Mund war trocken und meine zitternden Beine drohten jeden Moment unter der Last meines Körpers zusammenzubrechen. Doch ich lebte. Alles war verloren, doch mein nun mehr unbedeutendes Leben ging unbarmherzig weiter. Jeder einzelne Tag, so verlockend und schön er auch aussehen mag, war nun nichts weiter als eine niemals endend wollende Bestrafung für mich. Es gab keine Erlösung für mich, denn ich konnte nicht zurückkehren. Niemals...

  • Okay. Da du mich ja gebeten hast (Kann man es so nennen?), zu kommentieren, werd ich jetzt mal einen Kommentar dalassen. Erwarte aber, wie schon gesagt, nichts zu professionelles.


    Kapitel 15, Part 1
    Das Kapitel war ziemlich anderst vom Inhalt her, als die anderen Kapitel. Es war nicht lustig, wie der Rest der Kapitel, aber das hat es für mich gerade spannend gemacht. Du hast die Traurigkeit toll rübergebracht, man hatte Mitleid mit Sheinux und trotzdem ist Sheinux Persönlichkeit nicht zu kurz gekommen. Inhaltlich ist nicht so viel passiert, aber für das wenige hast du viel Text gefunden. Tja und jetzt find ich keinen Text mehr.
    Fazit : Tolles Kapitel, ich hab keine Kritik und mach weiter so.


    Rechtschreibfehler
    Mal sehen.
    Du setzt, glaube ich zumindest, Kommas manchmal falsch.

    Immer tiefer in den Wald hinein, führten mich meine Beine.

    Da muss das Komma weg, oder?

    Den Kopf kraftlos auf dem modrig riechenden Waldboden liegend, und schluchzend unter meinen beiden Forderpfoten vergraben, wäre ich am Liebsten einfach nur still und heimlich gestorben.

    Vorderpfoten schreibt man mit V.
    Mehr Fehler hab ich nicht gefunden.


    LG Dusty

  • hmm hat zwar etwas gedauert, aber hab einmal etwas schneller gelesen und denke ich lass dir mal einen Kommi da. ^^


    Der Titel klang schon einmal interresant, aber da konnte ich ja noch nicht ahnen, dass es sich hierbei um eine kleine Komödie handelt ;D . Der Prolog war schon sehr lustig, besonders die Titel die du dir für das kleine Sheinux ausgedacht hast fand ich amüsant. Du bringst Sheinux Charakter sehr gut aus Papier. Seine Naivität und Entschlossenheit knüpfen sehr gut an die Story an. Du beschreibst auch alles so das man sich die Kapiteln gerne durchliest ohne das es einen langweilt. Obwohl ich finde das du in einigen Szenen ein bisschen übertrieben hast. Sheinux muss ja viel Schmerz ertragen. Jedenfalls stellst du die Beziehung zwischen Pokemon und Trainer beinahe nahtlos da. Bin gespannt wie du die Spannung aufrecht erhalten willst. :essen:


    Ps. Würde mich freuen wenn du auch bei mir vorbeischaust


    Mfg Blaze

  • Part 2: In Schuld und Schande


    So sollte es also sein. Ein ewiges Dasein in Schuld und Schande war der Preis für mein Sinnen nach Vergeltung – für meinen nunmehr gestillten Rachedurst. Stan, mein verlogener Ex-Trainer, und ich, ein ehrloser Abtrünniger, sollten von nun an getrennte Wege gehen.
    Mein Herz war gebrochen, doch das Leben ging weiter. Einsam und verlassen. Auf eigene Pfoten in mir völlig fremden Gestaden, fern von meiner geliebten Heimat, gestellt.


    Die letzten goldgelben Strahlen des im Sterben liegenden Tages verblassten, während es mich immer tiefer der Finsternis des Waldes hinzog. Was sollte nun mit mir passieren? Wohin sollte ich gehen und was sollte ich mit dem traurigen Rest meines Daseins anfangen? Ich hatte keine Heimat mehr - keinen Ort, an den ich zurückkehren konnte. In tiefster Schwermut und Depression gefangen, drang ich immer weiter in das Herz des unheimlichen Forstes ein. Mit jedem weiteren meiner Schritte wurde mir mehr und mehr klar, dass mein neues Leben an diesen gottverlassenen Ort gebunden sein sollte. Hier, einsam und verlassen, fern von den neugierigen Augen, sei es Mensch oder Pokémon, würde ich meinen Lebtag verbringen. Leben, bis meine Zeit endlich abgelaufen ist. Ich die Erlösung finden, und ebenso einsam und allein sterben würde.


    Ruckartig und äußerst schmerzhaft wurde ich aus meinen melancholischen Gedanken gerissen, als irgendetwas plötzlich mein rechtes Vorderbein zu packen schien, und ich unsanft auf den mit Ästen, Tannennadeln und Laub übersäten Boden aufschlug. Sowohl spitzes als auch stumpfes Astwerk bohrte sich immer tiefer in mein Gesicht und verfehlten dabei nur knapp meine beiden Augen, als mein Körper auf die Erde aufprallte. Schmerz schien schon fast so zum Alltag als Aussätziger zu gehören, wie die Luft, die einen unbarmherzig am Leben hielt...
    Schon fast teilnahmslos rappelte ich mich auf. Neben dem unbeschreiblichen Schmerz in meinem Herzen, konnte ich nun auch noch eine hässliche, dumpf pochende Beule am meiner Stirn vorweisen. Gerade, als ich meinen Weg in mein Exil fortsetzen wollte, zerrte erneut etwas an meinem Bein. Etwas schien mich am weitergehen hindern zu wollen.
    Mein Blick schweifte hinab zu meinem rechten Vorderbein. Der urplötzlich aufkommende Zorn, schien beinahe meinen ganzen Körper in Stücke zu zerreisen. Ein recht gräulich wirkender Verband an meinem Bein, der die Verletzungen von dem Finalkampf gegen Voltenso versiegelte, hatte sich in dem dichten Gestrüpp verfangen und mich gewissermaßen angekettet. Die Bilder Stans, wie er den Verband an meinen Wunden angebracht hatte, tauchte vor meinem inneren Auge auf. Hasserfüllt riss ich die Bandage von meinen Gliedern ab und befreite mich von dem Griff des Waldes. Die Wunde, noch gestern lodernd wie Höllenfeuer, was nahezu gänzlich verblasst. Doch das war nur ein schwacher Trost für mich. Das Gesicht meines Ex-Trainers wollte nicht mehr aus meinem Kopf verschwinden. Wieso quälte man mich so? Warum durfte ich ihn nicht einfach nur vergessen?


    Mittlerweile tauchten die ersten funkelnden Sterne an dem blassen orangegrauen Himmelszelt auf und kündigten die baldige Ankunft der kühlen Nacht an. Doch kaum ein Lichtstrahl der Außenwelt konnte durch das immer dichter werdende Blattwerk der ewigstummen hölzernen Giganten durchbrechen. Die menschenfingerdünnen Äste und Zweige knickten und knackten unter dem bloßen Gewicht meines Körpers, während ich mir ziellos meinen Weg durch das dichte Unterholz bahnte. Nachtfalter und alle möglichen nervigen Insekten und Schmeißfliegen waren inzwischen aus ihren sicheren Tagesverstecken gekrochen und begannen ihren albernen, niemals endenden Kampf um die Lufthoheit. Für den Rest meines wertlosen Lebens würden sie meine einzige Gesellschaft sein. So glaubte ich zumindest, bis plötzlich, völlig unerwartet, ein schriller und gar kläglicher Angstschrei durch die Finsternis hallte.


    Vor wenigen Augenblicken noch völlig im Bann des finsteren Waldes, und den noch viel düsteren Gedanken in meinem Kopf gefangen, schreckte ich jäh auf. Mein gebrochenes Herz, noch Sekunden vorher schwach, ja beinahe leblos vor sich hin schlagend, hämmerte mir auf einmal wild gegen den Brustkorb. Gab es etwa doch eine Spur von Leben? Ausgerechnet hier, im Herzen dieses vergessenen Ortes? Wer außer mir trieb sich noch so tief im absoluten Nirgendwo herum? Und was vielleicht noch wichtiger war: Was tat er oder sie hier? Doch was scherte es mich überhaupt? Mich, der sein Gesicht vor aller Welt verloren hatte und seine ehrlose Visage nie wieder der Öffentlichkeit präsentieren durfte...
    Doch eines war klar: Wessen Stimme auch immer da gerade so bitterlich durch den Wald gehallt war, befand sich offenbar in größter Not. Sollte ich es wagen, einzugreifen?
    Ein eisiger Schauer lief mir über den Rücken und ließ mir sämtliche Nackenhaare zu Berge stehen, als abermals das bitterliche und gar verzweifelte Flehen durch die Wipfel der Bäume hallte.


    Schließlich und endlich dann doch von meiner unbändigen Neugier überwältigt, eilte ich, so lautlos wie es mir das spröde Holz unter meinen Pfoten überhaupt möglich machte, dem Klang des Hilferufes entgegen. Tiefer und tiefer. Vorbei an noch mehr grimmig auf mich herabblickenden Bäumen und in der Luft tanzenden Schmeißfliegen bis...
    Ein erneuter, noch viel kläglich klingender Schrei, dröhnte in meinen übersensiblen Ohren. Instinktiv beschleunigte ich meine Schritte.
    Endlich, nach schier endlos vorkommenden Minuten, hörte ich Stimmen: Das leise Wimmern einer Geisel ihrer eigenen Ängste, und nicht weit entfernt davon, ein unheilvolles, wolfsähnliches Geknurre.
    „Es war dein letzter Streich, den du mir gespielt hast“, knurrte eine Stimme.
    „Bitte... Tu mir nichts... Ich habe dir nichts getan... Ehrlich...“, flehte eine weibliche Stimme.
    „Heuchlerin! Erst besitzt du die Dreistigkeit, mich um meine Beute zu bringen, und dann wagst du es auch noch mich zu belügen? Ich hatte dich gewarnt, dich mir wieder in den Weg zu stellen. Nun musst du die Konsequenzen für dein Handeln tragen.“
    „Neeeeein!“


    Ohne irgendeinen weiteren Gedanken zu verschwenden, brach ich aus dem dichten Unterholz hervor und fand mich plötzlich auf einer kleinen Lichtung wieder. Zwei Pokémon hatten in der Mitte Stellung genommen. Der größere von Beiden, ein wolfsähnliches Wesen, stand mit dem Rücken zu mir. Vierbeinig und, im Vergleich zu mir, von monströser Körpergröße hatte er ein, in der Dunkelheit kaum noch zu erkennendes, struppiges schwarzgraues Fell und eine recht buschige Rute. Vor ihm hatte sich ein kleines, graues und recht zerzaustes Pokémon angstvoll zusammengekauert. Das Gesicht unter den beiden Vorderpfoten versteckt schien sie bereits mit ihrem Leben abgeschlossen zu haben.
    „Erfahre deine gerechte Strafe!“, bellte der Angreifer und schien sein wehrloses Opfer jeden Moment in Tauschend Stücke zerreisen zu wollen.


    „Keine Bewegung!“
    So weit mich meine Augen in der Finsternis nicht täuschten, zuckte mein Gegenüber bei dem Klang meiner Stimme erschrocken zusammen. Langsam drehte er sich herum und wandte sich mir zu. Seine blutroten Augen funkelten mir böse entgegen.
    „Wer du auch immer bist, Fremder: misch dich hier nicht ein! Das geht allein mich und die Kleine hier etwas an“, knurrte er mir entgegen. Ein weiteres, klägliches Wimmern, ging von dem kleinen Geschöpf aus, deren Schicksal nun in meinen Pfoten lag, denn in der Stimme des gigantischen Pokémons lag keinerlei Spur von leeren Drohungen. Hier ging es um das nackte Überleben. Doch warum sollte ich mich daran stören? Viel zu verlieren hatte ich schließlich nicht mehr.
    Langsam, meinen Blick angewidert auf den feigen Angreifer vor mir gerichtet, ging ich direkt auf ihn zu.
    „Hast du nicht gehört!?“, bellte er zähnefletschend, während ich mich ihm immer mehr näherte. „Du sollst verschwinden! Oder bist du etwa lebensmüde?“
    Selbst aus noch meterweiter Distanz, brannte mir der Gestank des heißen Atems meines Gegners in der Nase, doch hielt ich mich nicht davon ab. Der gewaltige Zorn auf meinen Ex-Trainer war nichts im Vergleich zu den Gefühlen, die meinen Körper in jener Sekunde durchströmten. Seine Macht an einem hilflosen Opfer zu demonstrieren war wirklich das Allerletzte. Selbst mein ehrloses Verhalten schien im Vergleich hierzu geradezu lachhaft gering zu wiegen.
    „Ich habe dich gewarnt! Sprich dein letztes...“
    Man hätte glauben können, das hell leuchtende Antlitz der Sonne hätte sich gerade höchstpersönlich auf der Lichtung eingefunden, als sich ein gleißender Lichtblitz aus meinem Fell löste, meinen Widersacher erfasste und ihn über den Kopf seines Opfers hinweg an den nächst besten Baum schmetterte. Vereinzelte Tannenzapfen und ein wahrer Schauer aus spitzen Nadeln, lösten sich durch die Gewalt des Aufpralls aus der Baumkrone und rasselten auf den Boden.
    „Abschaum!“, schnaubte ich noch immer bebend vor Zorn und schaute angeekelt zu der regungslosen Gestalt meines Gegners hinüber.


    Ich hatte bereits meinem Kontrahenten den Rücken zugekehrt und wollte wieder in die Einsamkeit des Waldes flüchten, als plötzlich ein Wirrwarr aus zerzausten Haaren, eine feuchte rote Stupsnase und ein funkelndes Augenpaar zu meiner Seite erschien.
    „Du... Du hast mir das Leben gerettet...“, sagte sie ehrfürchtig.
    „Vergiss es einfach wieder...“, brummte ich kopfschüttelnd, während ich mir unbeirrt wieder meinen Weg in die Tiefen des Waldes bahnte.
    „Ich verdanke dir mein Leben“, sagte sie erneut.
    „Ich sagte doch, du sollst es vergessen...“, erwiderte ich und das Pokémon an meiner Seite eines Blickes zu würdigen. „Von Lebensrettungsgeschichten habe ich die Schnauze gestrichen voll... Und jetzt, leb wohl.“
    „Wo willst du hin? Du kannst doch jetzt nicht einfach so mir nichts dir nichts verschwinden. Wo du doch mein Le...“ Sie stockte einen kurzen Augenblick. „Wie kann ich das nur wieder gutmachen?“
    „In dem du mich in Frieden lässt“, antwortete ich missgelaunt und wünschte mir mittlerweile insgeheim, ich hätte einen weiten Bogen um die Lichtung getan.
    „Nein, nein“, lachte sie kopfschüttelnd. „So geht das aber nicht. Zumindest einen kleinen Dienst der Wiedergutmachung muss ich leisten.“ Sie musterte mich scharf. „Was könnte einem solch mutigen Pokémon wie dir nur Freude bereiten...?“
    Das Schicksal meinte es wohl nicht gut mit mir, als wie auf Kommando mein Magen laut aufheulte. Ein Hauch von rosarot brannte mir auf den Wangen.
    „Ahh!“, kläffte sie breit grinsend und wedelte, als ob mein Magen ihr gerade ein weiteres Mal ihren Pelz gerettet hatte, entzückt mit ihrem Schwanz. „Hunger? Na da kann ich Abhilfe schaffen.“
    „Eigentlich wäre ich viel lieber allein...“, murrte ich.
    „Unsinn!“, feixte das Pokémon an meiner Seite. „Allein sein kannst du später auch noch. Was hältst du von einem Abstecher zu meiner Lieblingsmülltonne? Na?“
    Schlagartig schienen alle meine Lebensgeister wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte zu sein.
    „Na schön...“, seufzte ich verstohlen und unterdrückte dabei so gut es mir überhaupt nur möglich war meine wahren Gefühle nach außen. „Aber nur auf einen kleinen Happen.“

  • Huhu^^ Endlich melde ich mich auch nochmal zu Wort.


    Du hast aber eine ganz schöne Wendung in deine Geschichte reingebracht! Ich habe mir still und heimlich immer schon mal ausgemalt, wies weiter geht. Aber diese Idee war mir noch nicht gekommen. Das liegt aber schätzungsweise daran, dass jeder eine andere Auffassung über eine Geschichte hat.


    Fehler hab ich ,wie so oft, nicht gefunden^^ Doch bei einem bin ich mir nicht ganz sicher, ob der Satz so korrekt ist. Es hört sich etwas verwirrend an:

    Zitat

    Leben, bis meine Zeit endlich abgelaufen ist. Ich die Erlösung finden, und ebenso einsam und allein sterben würde.

    Irgendetwas ist da verdreht, oder? Kann sein, dass ich mich taüsche, aber entweder muss der Satz irgendwie verbunden oder umgeschrieben werden. Oder sollte das "würde" am Anfang stehen? Obwohl, das würde auch nicht passen... Ich bin verwirrt xD Aber irgendetwas ist verdreht... kann nicht sagen was^^



    Ich bin immer wieder beeindruckt von deinem Schreibstil. Einfach wahnsinn, was deinen Wortschatz betrifft! Nicht allein das, aber trotzdem staune ich immer wieder über deine Wortwahl. Das hast du wirklich gut im Griff!


    Du bist wirklich verwandlungsfähig. Ich weiß nicht, ob ich mich täusche, aber irgendetwas an deinen letzten Kapiteln hat sich verändert. Ist es vielleicht, weil Sheinux Gefühle gerade einen Tiefstand erreicht haben? Ich kann es wirklich nicht sagen, aber es gefällt mir trotzdem. In deinem letzen Part hast du eine sehr effektive Atmosphäre erzeugt. Das hat mir sehr gefallen! Das fand ich toll:


    Zitat

    Die letzten goldgelben Strahlen des im Sterben liegenden Tages verblassten, während es mich immer tiefer der Finsternis Waldes hinzog

    (da fällt mir auf.... da fehlt ein "des" hinter Finsternis, oder?)


    Du hättest auch einfach schreiben können: „Die Sonne ging allmählich unter“, aber deine Version ist eindeutig besser! Es untermalt nochmals die momentan „depressive“ Situation von Sheinux. Die Stelle, die ich gelb makiert habe, finde ich unglaublich stark!
    Ich war anfangs überrascht, dass es ihn so mitnimmt, was Stan gesagt hat. Auch war ich darüber überrascht, dass Stan erstmals mit Collin zieht und dass er nachher auch noch gesagt hat: „Ich hatte Angst, dass er mich blamiert“ (oder so ähnlich^^). Scheinbar hatte ich (und auch Sheinux) ein vollkommen falsches Bild von ihm,. irgendwie schade. Man leidet förmlich mit Sheinux und kann den „Verrat“ selbst mitempfinden. Die Wendung mit dem Fiffyen (sie ist doch ein Fiffyen oder?) kam dann ebenfalls unerwartet für mich. Deine Story steckt nun mal voller Überraschungen, wie du an meinen häufigen Wortwiederholungen siehst^^ Du bringst Sheinux, momentan kühlen, Gefühle gut zur Geltung und spiegelst ihn in einem ganz anderen Licht, als sonst, wieder.
    Allen in einem: Eine Wendung, die ich mir nicht ausmalen hätte können, aber die ich trotzdem für gelungen halte^^


    Bin gespannt wie es noch weiter geht. Zwar hege ich wage Vermutungen, aber ich schätze ich tappen mit ihnen im Dunklen. Du überraschst mich immer wieder mit deinem Ideenreichtum. Natürlich finde ich Schade, dass deine Story sich allmählich dem Ende neigt, aber alles hat mal ein Ende, nicht wahr^^ Freue mich aber trotzdem schon auf deine(n) nächsten Part(s)


    Liebe Grüße und weiter so x)

  • Part 3: Bilder aus alten Tagen


    Dicht an dicht mit dem, vor wenigen Minuten geretteten Pokémon, stellte sich mir nur die eine Frage: Hatte ich die richtige Entscheidung getroffen? Ich, ein in Ungnade gefallener auswärtiger Deserteur, hielt nun das Leben einer mir völlig Fremden in den Pfoten. Doch offenbar schien die wohl mittlerweile weltweitbekannte Kunde, über meine unehrenhafte Entlassung, sie nicht wirklich zu stören. Oder vielleicht, aber auch nur vielleicht, verbreiteten sich solche Nachrichten auf diesem Fleckchen Erde nicht ganz so schnell, wie sie es in meiner alten Heimat getan hatten? Wahrscheinlich war es auch besser, sie im ungewissen zu behalten. Wer wusste schon, wie sie auf die Nachricht reagieren würde, dass ihr Leben von einem ehrlosen Fahnenflüchtigen gerettet wurde, und sie von nun an das gleiche Schicksal wie ich teilen musste? Vielleicht wäre sie besser gestorben, als das sie ihr Leben von nun an in Schande weiterleben musste...
    Doch sei es wie es sei: Zumindest die Stimme meines Gewissens sagte mir, dass ich richtig gehandelt hatte und den Lauf der Dinge konnte ich ohnehin nicht zurückdrehen. Mit etwas Glück, konnte sie vielleicht sogar ihr Leben so weiterleben, wie sie es getan hatte bevor sich unsere Wege kreuzten. Ich wollte nur solange wie unbedingt nötig an ihrer Seite bleiben, und mich dann wieder in die Einsamkeit meines Exils aufmachen. Es war für beide Seiten einfach das Beste...


    „Sag mal... Wie heißt du eigentlich?“
    Erschrocken fuhr ich aus meinen Gedanken auf.
    „W-Was?“, stammelte ich mit zittriger Stimme.
    Das Lächeln des Pokémons an meiner Seite wurde breiter.
    „Dein Name, Dummchen. Oder soll ich dich etwa immer nur als “mein Lebensretter“ ansprechen? Was ist los? Geht es dir nicht gut?“
    Ihre roten Augen schienen förmlich die Dunkelheit des Waldes zu durchbohren. Wie sonst hätte sie in dieser Stockfinsternis erkennen können, dass mir plötzlich jegliche Farbe aus meinem Gesicht entwichen war.
    „Mein... Name?“
    Konnte ich ihr meinen Namen nennen? Nein, niemals! Sollte sie irgendwann meine wahre Identität, und die Folgen meiner Tat herausfinden, würde sie das wohlmöglich umbringen.
    „Was ist nun?“, drängte sie mich. Ihr Gesicht verformte sich zu einer Schnute.
    „Oder bist du etwa so ein Macho, dass ich dich tatsächlich mit “mein Lebensretter“ ansprechen muss?“
    „Stan... So heiße ich...“


    Ich weiß, was ihr jetzt denkt, aber da liegt ihr völlig falsch! Es war einfach der erstbeste Name, der mir in jenem Moment durch den Kopf schoss, okay?
    „Soso, Stan. Ich heiße übrigens Fiffyen. Freut mich deine Bekanntschaft zu machen.“
    Sie schmiegte ihren zerzausten Körper an den meinen.
    Alarmiert sprang ich zur Seite. Ein Bündel Äste unter meinen Pfoten knackte so laut, das ich glaubte, man hätte es kilometerweit hören müssen.
    „W-Was tust du?!“, rief ich erschrocken.
    Fiffyen blieb offenbar zutiefst beleidigt stehen. Ihre Schnute weitete sich.
    „Ich wollte mich nur bei meinem Lebensretter bedanken.“
    „Vergiss es einfach...“, sagte ich kopfschüttelnd. „Du stehst in keiner Schuld bei mir, und wenn ich eine Kleinigkeit gegessen habe, bin ich auch schon wieder weg. Als ob wir uns die getroffen hätten...“ Letzteres sagte ich so leise, dass sie es unmöglich hören konnte.
    „Ein schwieriger Fall...“, seufzte Fiffyen.
    „Ich bin nicht...“
    „Ich mag schwierige Fälle.“ Sie grinste. Ihre gelben Zähne blitzen mich durch die Dunkelheit an. „Gehen wir weiter, Stan.“


    Fiffyen schien diesen Ort besser zu kennen als ich meine Lieblingsmülltonne kannte. Das Licht des Vollmondes konnte sich mittlerweile sogar ansatzweise seinen Weg durch die Wipfel der Bäume bahnen, während wir uns immer weiter von der Lichtung, auf der sich unsere Wege erstmals kreuzten, entfernen. Meine Weggefährtin warf mir auf unserem Weg einige Male interessierte Blicke zu. Es war wohl nicht zu übersehen, dass sie offenbar meine Anwesenheit in vollen Zügen genoss.
    Ganz langsam, offenbar mit der Absicht, dass ich es nicht merken würde, näherte sie sich Zentimeter um Zentimeter. Immer näher kam sie mir - näher und näher - bis sie ihren Körper abermals an mein Fell schmiegte.
    Ich seufzte, ließ sie dieses mal aber gewähren. Irgendwie hatte ich eh die Vermutung, dass es zwecklos war, sich zu wehren...
    Überglücklich legte sie ihren pelzigen Kopf auf meine Schultern.
    „Weißt du... Auch wenn wir doch so verschieden sein mögen, glaube ich, dass wir zusammengehören. Du und ich.“


    Fiffyens Worte, und das warme Gefühl, als sich ihr Körper beharrlich an den meinen kuschelte, lösten in mir eine nicht mehr zu bremsende Flutwelle von Emotionen aus. Mein Puls wurde schneller, doch das Gewicht meines Herzens lastete plötzlich tonnenschwer. Als ob ein erbitterter Kampf in mir tobte.
    Dieses Gefühl, von Geborgenheit und Wärme, in einer doch so kalten Stunde... Und diese Worte... Es war, als wäre ich plötzlich an einen Ort zurückversetzt – einen Ort, aus schon beinahe vergessenen Tagen... Da war ich, in einem kleinen, gemütlichen Raum - Sanft gebettet auf einer weichen Matratze... Jedoch war ich nicht allein. Wer war noch dort?
    Mühsam durchforstete ich mein Gedächtnis und versuchte mich an jene Zeit zurückzuerinnern. Doch etwas schien mich schon fast gewaltsam davon abhalten zu wollen. Blockaden in meinem Erinnerungsvermögen, so stark und mächtig, als das sie von keiner Macht dieser Welt ansatzweise ins Wanken geraten würden.
    Mein Puls raste vor Erregung. Ich wollte mich diesem Hindernis nicht kampflos ergeben! Nicht jetzt... Jetzt, wo ich so kurz davor war, die Ursache meiner erfahrenen Emotionen zu ergründen. Ich konnte, nein ich durfte mich jetzt nicht einfach geschlagen geben!


    Warum war ich überhaupt in diesem Raum, wo ich es doch so hasste, eingesperrt zu sein und wer leistete mir zu dieser Zeit Gesellschaft?
    Geräusche und Gerüche stiegen in mir auf und verschwanden so schnell wieder, wie sie gekommen waren. Schon fast krampfhaft, sog ich den mir vertrauten Duft aus meinen Gedanken in die Nase. Es roch... aromatisch. Waren es Kräuter? Nein...
    Ich klammerte mich förmlich an den Duft in meiner Seele fest. Ich wollte ihn nicht wieder loslassen. Es waren... Balsame? Richtig! Der Geruch, der in jedem Pokémon-Center der Menschen in der Luft lag. Doch was tat ich dort? Ich musste mich zurückerinnern...


    Geräusche, Klänge und Töne - ein gieriges Schmatzen... Auch diese Geräusche... So merkwürdig vertraut... Feurigel? Ja, ich war mir sicher: Feurigel war bei mir gewesen. Aber noch jemand...
    Die Schwere meines Herzens schien meinen ganzen Körper auf den Boden zu pressen, als die schemenhaften Umrisse eines Menschen vor mir erschienen. Groß, blass, mit ewig nervösem Blick und in bunte Fetzen eingehüllt...
    Ja, es war Stan - Mein Ex-Trainer. Auch er leistete mir Gesellschaft. Damals, in schier unendlichen Weiten liegenden Pokémon-Center von Oliviana City. An jenem Tag, als ich zum zweiten Mal in seine Lebensschuld geriet.


    Jetzt wusste ich wieder warum... Warum ich mich plötzlich an diesen schrecklichen Tag zurückerinnerte. Es waren seine Worte, die er am selbigen Tag an mich richtete. Konnte ich sie nicht einfach vergessen? Ich wollte sie nicht hören. Doch ließen sie mich nun, jetzt wo ich mich wieder in diesem Zimmer befand, nicht mehr los. Unerbittlich und gnadenlos stachen sie auf mein Trommelfell ein. Immer und immer wieder...
    „Auch wenn wir uns nicht immer richtig zu verstehen scheinen, denke ich trotzdem, dass wir zusammengehören.“
    Ja, das waren seine Worte gewesen. Doch hatte er die Wahrheit gesprochen oder hatte er mich bereits zu diesem Augenblick angelogen?
    „Ich hatte echt Angst um dich...“
    Tatsächlich? Doch warum? War ich denn nichts weiter als sein Spielzeug? Eine willenlose Marionette; an unsichtbaren Schnüren befestigt. Gezwungen, mich seinem Willen zu beugen? Lügen... Nichts als Lügen...
    Doch dieser seiner Blicke und der rührselige Klang seiner Stimme... Nichts verlogenes war in ihnen zu finden. Er hatte die Wahrheit gesprochen.
    „Ich hätte es mir nie verziehen, wenn dir etwas passiert wäre...“
    Beinahe spürte ich sogar, wie seine zittrige Hand plötzlich sanft meinen Nacken zu graulen begann.


    Eine zerstörerische innerliche Leere breitete sich in jeder Faser meines Seins aus und drohte mich innerlich aufzufressen. Jeder einzelne Atemzug war eine niemals endend wollende Qual für mich. Wäre es meinem gebrochenen Herzen möglich gewesen, hätte es wohl vor Schmerz und Schuldgefühlen gar bitterliche Tränen vergossen.
    Immer mehr Erinnerungen stiegen in mir empor. Bilder, Stimmen Empfindungen aus alten Tagen.
    Einige, mit Marmelade beschmierte Toastscheiben wanderten klammheimlich unter den wachsamen Augen des Schiffspersonals zu mir unter den Tisch; Unfähig mich zu rühren, der ganze Körper mit stechendem Schmerz überflutet, lag ich, alle Viere voneinander ausgebreitet, an einem späten Abend auf dem Boden. Stan beugte sich über mich, in der Hand eine rote Flasche; Stan weigerte sich in der darauf folgenden Nacht von meiner Seite zu weichen; In seinen Armen liegend streichelte die Hand meines Trainers mir nach einem hart errungenem Sieg sanft über die Stirn; Die Stimme Colins tönte in meinen Ohren: „Du scheinst ihn aber offenbar sehr zu mögen“.
    Eine Träne rann mir stumm und ungesehen über mein heißes, von Schuld zerfressenes Gesicht.


    „So, wir sind da.“
    Der Klang von Fiffyens Stimme riss mich schlagartig aus meinen Gedanken. Hinaus aus den warmen und behaglichen Erinnerungen, in denen ich schwelgte, zurück in die kalte und finstere Realität. Nasser Abendtau, der unter dem hellen Licht des Vollmondes und der blinkenden Sterne wie bittere Tränen an den saftigen Wiesen und Gräsern regungslos verharrte, streifte sanft meine Beine. Der Wald hatte sich, noch während ich in meinen Erinnerungen gefangen war, völlig gelichtet.
    Fiffyen, vor wenigen Augenblicken noch verträumt an meinem Körper geschmiegt, hüpfte fröhlich in Richtung einer silbernen, im Mondlicht mattglänzenden Mülltonne. Das Vermissen der Wärme ihres Körpers, ließ meine innerliche Leere noch weiter an Größe gewinnen.


    Eine einsam wirkende Parkbank, in der unmittelbaren Nähe des Abfallbehälters, diente Fiffyen als Aufstiegshilfe. Leichtfüßig sprang sie auf spröde wirkende Holzsprossen der von Menschenhand geschaffenen zweibeinigen Sitzgelegenheit und tauchte bereits wenige Augenblicke später in die offenbar gut gefüllte Mülltonne ein.
    „Worauf wartest du? Der Tisch ist reich gedeckt“, echote Fiffyens fröhliche Stimme aus dem Blecheimer hervor.
    Teilnahmslos und mit glasigem Blick, tat ich es meiner Gefährtin gleich und fand mich Sekunden später in einem Paradies aus Essensüberresten wieder; wäre da nicht die tiefe Depression und die Verzweiflung in meinem Herzen gewesen, die mich unbarmherzig in ihren Klauen gefangen hielt.


    „Herrlich!“, sagte Fiffyen und machte sich glücklich über die Ausbeute unter unserer beiden Körper her.
    „Ja... Herrlich...“, sagte ich tonlos.
    Ihr neugieriger Blick traf mich. „Was ist denn los? Plötzlich keinen Hunger mehr?“
    „Doch...“, log ich ohne ihr dabei in die Augen zu schauen und machte wühlte ein halbaufgegessenes Wurstbrot, mit recht ranzig riechender Majonäse, hervor. „Köstlich...“
    Fiffyen schien jedoch mit meinen recht knapp bemessenen Antworten recht zufrieden zu sein und versenkte ihre Zähne in die mickrigen Überreste eines weggeworfenen Apfels.
    „Hast du eigentlich gewusst, das sich manche Menschen davor ekeln, aus einer Mülltonne zu essen? Wie albern, oder was meinst du?“, lachte sie und besprenkelte mich dabei unbeabsichtigt mit Obststückchen. „Oh, tut mir leid, Stan. Wollte ich nicht.“ Ihre gelben Zähne blitzen mich an.
    „Ja, Haha! Wirklich idiotisch. Diese dummen Menschen...“, antwortete ich schwermütig.


    Mehr oder weniger ereignislos zogen die Minuten dahin. Fiffyen hatte schon bald die Interesse an dem muffigen Obst verloren, und machte sich stattdessen über mein unangerührtes Wurstbrot her. Mein Blick schweifte von den Köstlichkeiten unter meinen Pfoten hinauf gen Himmel, wo stumm und starr verharrend der Mond uns sein strahlendes Licht spendete.
    „Du isst ja gar nichts...“, hörte ich Fiffyens schier kilometerferne Stimme in meinen Ohren. „Geht es dir etwa nicht gut?“
    Nur mühsam konnte ich ihr meine wahren Gefühle verbergen, als ich in Fiffyens Gesicht blickte.


    Gerade als ich glaubte, eine weitere Träne würde sich jeden Moment aus meinen schmerzenden Augen lösen, drang ein wahrlich furchteinflössendes Geheule in die Geborgenheit unseres sicheren Verstecks ein.
    „Oh nein...“, murmelte Fiffyen, ließ sich jedoch nicht im Geringsten vom ihrem Festmahl abhalten. „Nicht schon wieder...“
    „Was – Was war das?“, fragte ich erschrocken.
    Fiffyens Blick wanderte zu mir herüber. Zutiefst besorgt wirkend, jegliches Gefühl des Glücklichseins war wie aus ihrem Gesicht ausradiert.
    „Du kommst wohl tatsächlich nicht aus der Gegend, sonst wüsstest du, was jetzt wohl im Wald vor sich geht...“
    „Was soll im Wald vor sich gehen?“, hakte ich nach. Es graute mich bereits am ganzen Körper. Fiffyens Stillschweigen konnte kein gutes Omen sein.
    „Der Wald ist gefährlich...“, flüsterte sie mit gedämpfter Stimme.
    Mir stockte der Atem.
    „Gefährlich?“
    „Ja“, antwortete sie knapp und begann wieder ihre unermüdliche Suche nach einem weiteren Happen.
    „Wieso gefährlich? Nun sag schon!“, drängte ich sie verbissen zum Weiterreden.
    Fiffyen ließ einen schweren Seufzer verlauten.
    „In letzter Zeit gab es immer wieder Unglücksfälle“, murmelte sie.
    „Unglücks...?“
    „Fälle, ja“, beendete sie mich traurig. „Ein wildes Rudel Pokémon hat kürzlich im Wald ihr Revier ausgeweitet. Ein Glück, das du hier bei mir bist. So unerfahren wie du bist, hätte es ein böses Ende geben können.“
    „Du meinst...?“
    „Ja“, sagte Fiffyen traurig. „So heulen sie immer, kurz bevor etwas ganz schreckliches passiert. Mir tun zwar die ahnungslosen Reisenden leid, aber so ist nunmal das Leben.“
    Mein ganzer Körper schien sich in einen gewaltigen Eisblock zu verwandeln. Konnte es etwa sein...?
    „Einfach nur schrecklich“, sagte sie kopfschüttelnd. „Aber es ist, war, und wird es immer bleiben: meine Heimat.“


    Sekundenlang starrten wir uns im zarten Lichte des Mondes stillschweigend an, bis Fiffyen sich wieder voll und ganz ihrer Beute widmete.
    „Heimat...“
    Fiffyens Blick wanderte verwirrt von dem madigen Stück Käsekuchen zu mir herüber.
    „Ja, Heimat. Du weißt schon: mein zuhause. Der Ort, an dem ich mich geborgen fühle.“
    „Zuhause...“
    „Sag mal, was ist denn mit dir los?“, brummte Fiffyen mürrisch.
    „Ich muss weg!“
    „Was? Aber...“


    Ohne auch nur einen weiteren Gedanken zu verschwenden, stießen sich meine Pfoten von dem weichen Boden des Inhalts der Mülltonne ab. Frische Nachtluft strömte mir in die Nase und feuchter Tau kitzelte sanft meine Beine.
    Fiffyens Pfoten, und nur einen Wimpernschlag später auch ihr pelziger Kopf, ragten aus der Mülltonne hervor.
    „Stan! Wo willst du denn hin?!“
    „Sheinux.“
    „Was? Was meinst du? Ich verstehe nicht...“
    „Mein Name ist Sheinux.“
    „Aber...“
    „Danke für alles, aber ich muss zurück. Zurück in meine Heimat.“
    Mit diesen meiner Worte ließ ich die verdutzt aus der Mülltonne herausstierende Gestalt Fiffyens zurück und wetzte los. Mein Ziel fest vor Augen: der Wald, in dem meine Heimat bereits auf mich wartete.

  • ... so etwas in die Richtung hab ich erwartet : D


    Hm... Fehler finden ist ja nicht so mein Ding, also lass ich das wieder mal weg. Deswegen Inhaltlich:
    Wow, bei den letzten zwei Kapiteln hatten wir eine große Sammlung von verschiedenen Stimmungen. Zu Beginn nur ein kleiner (unterhaltsamer :P) Streit, dann ausartete es in Wut, schließlich Hass, dann diese depressive Stimmung während der Flucht, Spannung, eine echt süße Szene, nostalgische Momente und schließlich... epic Heimweh XD


    Was Beschreibung, Wortwahl fand ich einfach nur perfekt. Deine absolute Stärke.
    Jedenfalls merkt einen doch einen ziemlichen Unterschied, zwischen diesem Kapitel und den Letzten. Viel mehr Emotion, viel mehr deprissive Stimmung, ein ganz anderes Sheinux könnte man sagen. Die deprissive und traurige Stimmung hat mir richtig in den Magen gedrückt (das Zeichen dafür, das die deprissive Stimmung richtig ankommt)
    Die Stelle, an dem Sheinux dieses Fiffyen Weibchen gerettet hat und von ihr zur ihrer Lieblings Mülltonne geführt fand ich richtig süß. Tja, Fiffyen tut mir Leid, mit einem vollkommen emotionalen am Ende und steifen Sheinux kann man eben nicht lange kuscheln XD Vielleicht tut mir Sheinux doch etwas mehr Leid... immerhin wird er ja von seinen Schand- und Wutgefühlen und Erinnerungen geplagt. Das er so zwanghaft Stan verdrängt hat, das er sich nicht an ihm erinnern kann (oder eigentlich will)... doch etwas seltsam, aber wundervoll geschrieben.


    Moosbachcity liegt auf einer Insel, oder? Hm, wie es aussieht ist damit Sheinux (und Stan) auf dieser Inseln begrenzt. Mal sehen ob Stan Sheinux wieder finden kann... oder besser, was Sheinux jetzt machen wird. Die Worte "Revier" "Heim" "Zuhause" haben Sheinus anscheinend in eine Richtige Heimwegstimmung gebracht. Nur ob er den National Park, oder etwas anderes gemein hat (....) werden wir wohl im nächsten Kapitel sehen.


    Einziges Kritik die ich habe ist, das die Pika vs Sheinux Handlung doch etwas kurz war. Vielleicht kann man es einfach als "Hass auf dem Ersten Blick" bezeichnen, aber man hätte diesen Hass etwas langsamer in einem (zwischen)Kapitel aufbauen können, genau so wie die Wut auf Stan. Aber auch so war alles okay^^


    Ansonsten kann ich nur sagen, echt gelungenes Kapitel! Bin schon gespannt auf den weiteren Verlauf^^

  • WOW *-* Das Kapitel fand ich einfach nur super! Es gab kein Mako (zumindest aus meiner Sichtweite^^)


    Ich hatte mir schon gedacht, dass Sheinux mit Fiffyen mitgehen würde und mir gefällt es, dass sie ein ziemlicher Gegensatz gegen ihn ist^^ Und mit dem Satz, dass es Erinnerungen in Sheinux weckt… ich bin sprachlos! Das hast du so toll hinbekommen, ich kann es nur nicht in Worte fassen. Nur habe ich mich erst gefragt, da es aus der Ich-Perspektive ist, ob er das im Pokémon-Center nicht sowieso mitbekommen hat. Aber im Endeffekt dachte ich dann doch, dass es logisch ist, da Sheinux ja noch etwas unter Schock stand nach dem knapp entronnenen Tod.
    Ich fand auch die Idee mit der Mülltonne super und das diese Sheonux völlig kalt ließ, obwohl er sonst von kaum etwas mehr schwärmt. Ich konnte mir alles bildlich genau vorstellen, auch wie er in den Nachthimmel schaut und nachdenkt. Aber nein, das war noch nicht das Beste! Sheinux wird aus seiner Depression gerissen, als das Heulen durch die Nacht schallt und er denkt sofort an Stan. Da ist dein Spannungsaufbau einfach nur genial. Und der krönende Abschluss: Er sieht Stan als seine „Heimat“ an *-* Einfach super!


    Eine Stelle (und auch die Formulierung), die mir besonders gut gefallen hat:

    Zitat

    Nasser Abendtau, der unter dem hellen Licht des Vollmondes und der blinkenden Sterne wie bittere Tränen an den saftigen Wiesen und Gräsern regungslos verharrte, streifte sanft meine Beine.

    Supi *-*
    und auch:

    Zitat

    Mein ganzer Körper schien sich in einen gewaltigen Eisblock zu verwandeln. Konnte es etwa sein...?

    Wie Blackdraco schon sagte... Wortwahl ist einfach deine Stärke^^




    Weiter so^^ Bin schon sehr auf den nächsten Part gespannt

  • Part 4: Loyalität


    Die unsichtbare Peitsche meines wild gegen den Brustkorb hämmernden Herzens spornte meinen Körper zu noch nie gezeigten Höchstleistungen an. Kalter Nachtwind peitschte mir gegen das Gesicht, während ich mich unaufhaltsam der Peripherie des Waldes näherte; der Ort, an dem ich meinen Freund und Trainer auf schändlichste Art und Weise verraten hatte.


    Wie konnte ich nur die ganze Zeit über so blind sein? Wie konnte ich nur den einzigen Freund, den ich jemals hatte, verraten? Absolut nichts rechtfertigte mein Verhalten.
    Zwar lastete Stans selbstsüchtiges Verhalten während des Turniers schwer auf seinen Schultern, doch war als dies nichts im Vergleich zu dem Verrat, den ich selbst betrieben hatte. Wo er doch meinen wertlosen Pelz nicht nur einmal, sondern gleich zweimal gerettet hatte. Das meinige Wohl stand ihm dabei immer an forderster Stelle. Nie hatte er mich für mein Verhalten verurteilt, sondern es immer stillschweigend hingenommen. Hätte er mir doch ebenso gut seinen Willen gewaltsam aufbinden können.
    Und nun? Jetzt, wo das seinige Leben auf Messers Schneide stand – wo war ich um es ihm zu vergelten? Statt ihm in dieser bitteren Stunde helfend zur Seite zu stehen, hatte ich mich, in Selbstmitleid versinkend, im Unrat gewälzt. Wohlmöglich kämpfte er gerade in dieser Sekunde verzweifelt um sein nacktes Überleben.
    Ich warf einen flüchtigen Blick über die Schulter. Die einsame Parkbank und Fiffyens Lieblingsmülltonne waren aus der Ferne kaum noch auszumachen. Wie viel Zeit war bereits verstrichen, seitdem ich sie zurückgelassen hatte? Ich musste mich beeilen...


    Unter heftig schmerzenden Brust, türmten sich endlich die ersten hölzernen Giganten des Waldes unmittelbar in meiner Nähe auf. Jener schicksalhafte Ort, an dem sich das meine Schicksal entscheiden würde. Selbst wenn sich Stan nach meinem Verrat weigern würde, mir jemals wieder in die Augen zu schauen und ich mein Leben weiterhin als Ausgestoßener fortführen müsste; oder wenn ich als Strafe meinen Lebtag eingesperrt in einem Pokéball fristen müsste; ja selbst wenn ich bei dem Versuch ihn zu retten mein wertloses Leben als Tribut darbieten müsste, war es ein Preis, den ich gerne bereit war zu zahlen. Meine Schuld wiegte um ein Vielfaches mehr, als all diese schrecklichen Aussichten gemeinsam.
    Ein unheilvorhersagendes Aufheulen, bei dem sich mir sämtliche Nackenhaare steil zu Berge stiegen, dröhnte aus den Tiefen des Waldes vor mir. Mein Herz pochte wie verrückt, während mein Blick über das finstere und schier undurchdringliche Labyrinth vor mir schweifte. Es gab kein Zurück mehr.


    Dichter und dichter engten sich die gewaltigen Tannen, Fichten, Kiefern und Eichen aneinander. Schon bald war ich wieder gänzlich in der Finsternis der Nacht und ihrer gewaltigen Schatten gefangen. Kein Geräusch der Außenwelt drang mehr in mein Ohr. Nur noch das geheimnisvolle Flüstern der Blätter, wie sie sich sanft im Wind wiegten und das Knicken und Knacken des Blattwerks, der Äste und der Zweige, die sich nachgiebig vor meinem Körpergewicht beugten, war zu hören. Das spärliche Mondlicht, dass sich das Recht, den mit Laub und Tannennadeln bedeckten Waldboden durch die Wipfel der Bäume hindurch mit seinem fahlen Schein erhellen zu dürfen hart erkämpfen musste, war die einzige Lichtquelle, die mich durch die Finsternis leitete. Es war still. Zu still für meinen Geschmack. Wer sagte mir überhaupt, das ich nicht bereits zu spät war – ich meine Chance, meinen Eid zu erfüllen, vertan hatte und jene, die mir doch die ganze Zeit über soviel bedeuteten, längst verloren waren?
    Doch genau in diesem Zeitpunkt, als mir diese gar hässlichen Gedanken doch den Kopf schwebten, abermals: ein Heulen - durch meine unmittelbare Nähe, lauter und furchteinflößender als die beiden Male zuvor.


    Meine Schritte beschleunigten sich. So schnell mich meine Beine tragen konnten, kämpfte ich mich durch die Dunkelheit des Waldes – sein Gewirr aus dornigen Sträuchern und finster auf mich herabblickende Bäume. Immer dunkler wurden die verworrenen Pfade vor mir, bis nicht einmal mehr genug Licht mir den Weg erhellte, um ein verirrtes Insekt von seinem Schein anzulocken. Der Wald selbst schien einen gewaltigen Groll gegen mich zu hegen und verbittert dagegen ankämpfen, das ich sein Heiligtum entehrte. Unsanft prallte ich mit den unterschiedlichsten seiner Bäume zusammen, verfing mich in mit Dornen versehenen Sträuchern oder kam auf nassem Laub ins schleudern.
    „Weiter! Nicht anhalten!“, spornte ich mich selbst an.


    Ein merkwürdiges fremdes Etwas, streifte plötzlich beim Vorübergehen mein Bein. Zart und weich, eigentlich viel zu flaumig für diese raue und kalte Umgebung. Instinktiv wanderte mein Blick hinab. Mein Herz, eben noch einen rasanten Tango aufs Parkett legend, hämmerte nunmehr wie ein Trommelfeuer gegen meine Brust. Das fahle Grau meines unwirsch weggeworfenen Verbandes stieß mir durch das Dunkel der Nacht in die Augen. Wie ein leuchtender Pfeil, schien er mir den richtigen Weg weisen zu wollen.
    „Nicht mehr weit... Jetzt bloß nicht langsamer werden!“


    Ein fremder und gar eigentümlicher Duft mischte sich jäh unter das feuchte, harzige Aroma des Waldes. Meine Lungen verkrampften sich vor Schmerzen krümmend, als ich den Geruch in meinen Körper sog. Täuschte ich mich etwa? Nein, das konnte nicht sein... Abermals, die zerreisenden Schmerzen in meinem Brustkorb gänzlich ignorierend, atmete ich tief ein. Nein, ich hatte mich nicht geirrt. Neben dem metallischen Geschmack des eigenen Blutes, das mir in der Kehle stand, kroch mir der markante Gestank von verkokeltem Holz und Pflanzen in die Nase. Doch ein kleines, von Menschenhand geschaffenes Lagerfeuer allein, konnte unmöglich für eine solche Geruchsentwicklung verantwortlich sein.
    Wie auf Geheiß, stieß ich jäh mit einer dichten Nebelwand zusammen und fand mich plötzlich in einem übelriechenden Meer aus Qualm und Rauchschwaden wieder.
    Der Qualm brannte in meinen, von salzigen Tränen verquollenen Augen, und Atemzüge, die bereits Augenblicke zuvor wie spitze Nadeln auf meine Lunge einstachen, wurden nunmehr zu einer unbeschreibbaren Höllenqual. Die Lider meiner Augen wiegten mülltonnenschwer. Müdigkeit, vor Sekunden noch unnachgiebig unterdrückt, ergriff meinen erschlafften Körper. Gedanken in meinem Kopf lösten in Luft auf. So müde...
    Nein! Ich durfte jetzt nicht einfach aufgeben - mich meiner Erschöpfung hingeben. Nicht jetzt, wo ich doch so kurz vorm Ziel war. Nicht jetzt... Nicht j...
    Schwerer und schwerer lastete das Gewicht meiner Glieder. Meine Beine knickten unter der Belastung meines Körpers ein.


    Eine warme Spätsommerabendbrise strich mir sanft durch das Fell. Goldgelb leuchtend zierte die Sonne den himmelblauen, wolkenlosen Horizont. Aromatisch duftende Blumen und der Geruch von saftigem grünen Gras lag in der Luft. Ein scheinbar endloses immergrünes Paradies breitete sich vor meinen Augen aus. Ein harmonisches Rauschen, hinter meinem Rücken, nahm mich völlig in seinen Bann. Quellfrisches, kristallklares Wasser sprudelte aus einem gigantischen steinernen Brunnen. Erfrischender Wassernebel, welcher von der dreieinhalb Meter großen Quelle ausging, benetzte sanft mein Gesicht.
    „Na, gefällt es dir?“
    Erschrocken löste ich meinen Blick von dem lebensspendenden Nass und wirbelte herum. Ein grauweißes, arg zerzaustes, vierbeiniges Pokémon nicht viel größer als ich, mit Augen die wie Rubine glänzten und einer süßen roten Stupsnase lächelte mir sanft entgegen.
    „Fiff- Fiffyen?“, stutzte ich.
    Sie kicherte.
    „Wen hast du erwartet, Dummchen? Eine Mülltonnenelfe etwa?“


    Fiffyen tapste schwanzwedelnd auf mich zu. Ihr weicher Kopf schmiegte sich glücklich an meine Schultern. Die Wärme ihres Fells breitete sich unaufhaltsam in meinem ganzen Körper aus.
    „Gefällt es dir?“, fragte sie erneut.
    „Ich verstehe nicht...“
    Das Pokémon an meiner Seite gluckste.
    „Erkennst du dein Zuhause etwa nicht wieder? Die ganze Zeit über hast du mir doch von nichts anderes vorgeschwärmt und ist es nicht genauso, wie du gesagt hast?“
    „Schon, aber...“ Ich stockte. „Moment mal? Ich dir vorgeschwärmt? Das muss ein Miss...“
    „Gell? Es ist einfach toll. Sogar noch viel schöner als in deinen Geschichten.“
    Fiffyens Kopf streichelte zärtlich auf meinem Rücken entlang - meinen Nacken hinauf, bis sich ihr Kopf eng an den meinen schmiegte. „Herrlich.“


    Ereignislose Sekunden zogen dahin. Sekunden, in denen ich mit Fiffyen in engem Körperkontakt sprachlos die Gefilden meiner alten Heimat betrachtete.
    Was aber war hier los? Ohne Zweifel handelte es sich hierbei um meine alte Heimat: der Nationalpark. Aber irgendetwas schien einfach nicht zu stimmen. Eine Stimme, tief aus meiner Seele zu mir sprechend sagte mir, das ich hier nicht hingehörte – das ich eigentlich an einem völlig anderen Ort sein müsste. Doch wo? Wo wurde ich gebraucht? So sehr ich es auch versuchte: ich konnte mich nicht erinnern...


    „Oh, schau mal...“
    Fiffyen löste sich plötzlich von mir. Die herzliche Wärme jedoch, die bereits vom Kopf bis Schwanz jede Faser meines Körpers erfüllte, hielt mich weiterhin warm. Ihr Gesicht sank hinab in das lindgrüne Gras meiner Heimat.
    „Blumen...“, sagte sie mit verträumter Stimme und sog den Duft in ihre süße Nase.
    „Fiffyen, warum, ich meine, wieso...?“
    „Sheinux, Sheinux! Sieh mal hier!“
    Meine Gefährtin löste sich von dem Blumenbeet zu ihren Pfoten und tapste freudenstrahlend zu einem zylinderförmigen, einmetergroßen Bollwerk aus glänzendem Metall: einer Mülltonne.
    Sie musterte den Abfallbehälter von seinem soliden Fuß, bis hin zu seinem kreisrunden Deckel auf dem Kopf, bevor sie sich begeistert wieder mir zuwendete.
    „Genau wie du gesagt hast. Ich bin ja so froh.“


    Fiffyens Pfoten berührten kaum den Boden, als sie zu mir herüberschwebte und sich wieder meiner annahm. So fest, das ich jedes einzelne Pochen ihres Herzens deutlich hören konnte, schmiegte sie sich an mich. Die Hitze ihrer eigenen Körperwärme schien meinen ganzen Leib zum Glühen zu bringen.
    „So glücklich...“, sagte sie, während sie ihren Kopf immer wieder über mein Fell führte. „Ich bin so froh, meine Heimat verlassen zu haben um bei dir zu sein.“
    Mein Kopf schweifte verwirrt über die Schultern.
    „Deine Heimat... verlassen?“
    „Ja, um fortan bei dir zu sein“, sagte sie mit verträumter Stimme.
    „Heimat...“
    Mein Blick wanderte über das weite Land, welches ich seit jeher als mein Zuhause bezeichnete. Doch je länger ich meine geliebte Heimat betrachtete, umso sicherer wurde ich, dass das einfach nicht richtig war. So lange hatte ich mich nach eben diesem Ort zurückgesehnt, doch... Moment!
    „Sheinux?“
    Warum eigentlich? Wieso hatte ich diesen Ort überhaupt verlassen?
    Was hatte mich dazu veranlasst? Wo mir in meinem Leben doch nichts wichtiger als dieses Fleckchen Erde war; wenn man natürlich von den Gesetzen der Straße absah, nach denen sich mein Alltag seit jeher richtete.


    Urplötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen
    „Stan...“
    „Was?“, hörte ich Fiffyens verdutzte Stimme. „Was hast du? Was ist los? Bist du denn etwa nicht glücklich?“
    „Das ist alles nicht richtig“, sagte ich. „Ich muss weg - zurück zu Stan.“
    Fiffyen baute sich erschrocken vor mir auf.
    „Wie meinst du das? Was ist nicht richtig? Wohin musst du? Du kannst mich doch jetzt nicht einfach zurücklassen!“
    „Ich muss zurück. Das ist alles nicht real...“, sagte ich kopfschüttelnd. „Das alles nicht...
    Die Wiesen, Felder und Blumen, diese Mülltonne und auch du n...“
    Ich verlor den Boden unter den Füßen und landete rücklings im satten Gras. So heiß wie Zunder brannte die Stelle in meinem Gesicht, auf der Fiffyen mir mit ihrer rechten Vorderpfote einige gezielte Ohrfeigen verpasst hatte. Wutverzerrt, jegliche Wärme und Güte wie aus ihrem Gesicht gefegt, blickte sie auf mich herab.
    „Wie kannst du nur!? Nach allem, was wir gemeinsam durchgestanden haben!“
    „Das ist nicht real...“, murmelte ich, während die Stelle in meinem Gesicht heißer und heißer wurde.
    Tränen funkelten in Fiffyens rubinroten Augen.
    „Und ich dachte wirklich, du bist anders!“, rief sie und kehrte mir den Rücken zu.
    Nicht nur mein Gesicht, mein ganzer Körper schien förmlich in Flammen zu stehen. Heißer, immer heißer...


    Ein widerliches Kratzen in meinem Hals – übelriechende Rauchschwaden – unbeschreibliche Hitze, die mir das Gesicht verglühte – ein furchterregendes Aufheulen...
    Unter heftigem Röcheln, schreckte ich aus den Tiefen meiner Ohnmacht, und deren Hirngespinsten, auf. Taghell, als hätten sich sämtliche Gestirne des Nachthimmels ringsherum mich herum versammelt, leuchtete der Wald in orangeroten Farben auf.
    Alarmiert rappelte ich mich auf. Feuer! Ein jeder Baum, eine jede Pflanze, einfach alles, schien in lodernden Flammen gehüllt zu sein. Überall knisterte und knackte es. Nur unweit von meiner Position brach ein gewaltiger, in Flammen stehender Ast aus einem Baumwipfel und krachte auf das, sich in Asche auflösendem Laub auf dem Waldboden. Leuchtende Funken schwirrten wie Glühwürmchen durch die Luft und ließen sich auf weit entferntem Grün nieder, wo sie Augenblicke später neue Flammen gebaren.
    Ich war zurück. Zurück in meiner schrecklichen Realität. Ich hätte umkehren können - die furchtbaren Bilder in meinem Kopf einfach vergessen können. Doch nur das Eine schwirrte mir in jenem Moment durch den Kopf: Stan.


    Ich verlangte meinem ganzen Körper alles ab, während ich mir meinen Weg durch das Funkenmeer bahnte. Brennende Holzblockaden zwangen mich unbarmherzig zur Änderung meines Irrwegs, während sich herumirrende Funken auf meinem Fell niederließen und übelriechende und äußerst schmerzhafte Brandflecken hinterließen. Selbst die wenige Flüssigkeit in meinen Augen verdunstete durch die Hitze der Flammen.
    Bereits der Verzweiflung nahe, stierten meine schmerzenden Augen durch das Flammenmeer. Wo war ich und wo war er, Stan? Konnte es sein...? War ich etwa zu spät? War Stan bereits an einem Ort, wo ich ihn niemals erreichen konnte?
    Nein! Ich schüttelte abweisend den Kopf. Niemals! Niemals würde er...


    Doch was war das? Wildes Gebell und Kampfgeschrei, scheinbar zum Greifen nahe, drangen durch das Knistern und Knacken der lodernden Flammen an meine, bis zum Anschlag gespitzten Ohren.
    „Stan!“
    Ohne auch nur einen weiteren Augenblick zu zögern, nahm ich den kleinen glühenden Baumstamm vor mir mit einem weiten Satz und rannte dem Getöse aus Geschrei und Aufheulen entgegen. Nur knapp entging ich einen herabfallenden und in Flammen stehenden Zweig. Doch ein jedes Hindernis auf meinem Weg ließ mich nur noch kalt. Stan war nahe und was noch wichtiger war: er lebte!
    Das Stimmengewirr und Kampfgeschrei hämmerte in meinen Ohren.
    „Nicht mehr weit... nicht mehr weit...“, dröhnte mir der Klang meiner eigenen, heißeren Stimme in den Ohren. Immer lauter und deutliche wurde das undeutliche Stimmengewirr. Lauter und Lauter...


    „Marill! Nein! Sandan, Pikachu los! Sternschauer!“
    Mir stockte der Atem. Colin! Es war Colins Stimme. Doch hieß das...?
    „Feurigel, gib nicht auf! Auch Sternschauer!“
    Stan! Er war es! Selbst durch den Klang der Verzweiflung und des kratzenden Rauches in seiner Kehle merkwürdig fremd, hätte ich sie unter Millionen wiedererkannt. Endlich! Nur Sekunden später erblickte ich sie endlich. Da waren sie: Stan und Colin. Doch nicht allein...
    Ich schluckte angsterfüllt den spärlichen Speichel in meiner Kehle herunter. Ein Rudel, etwa ein Dutzend vierbeinige, kohleschwarze Pokémon, kesselten die beiden verzweifelt um ihr Überleben kämpfenden Menschen mitsamt ihren eigenen Pokémon immer weiter ein. Immer enger zogen sie den Kreis, während sich glühende Feuerstrahlen aus ihren dunkelorangefarbenen Mäulern lösten. Feurigel, Pikachu und Sandan, schützend, doch mit einer unübersehbaren Angst und Verzweiflung erfüllt, die ich mühelos, selbst aus dieser großen Distanz deutlich wahrnehmen konnte, vor ihren Trainern aufgebaut, schleuderten den Angreifern ein Sperrfeuer aus leuchtenden Sternen entgegen. Zwei Widersacher wurden von den Geschossen Feurigels, Pikachus und Sandans von den Pfoten gerissen, doch nur um ihren Platz wenige Augenblicke später, von zwei nicht weniger angriffslustige Rudelmitglieder einzutauschen.
    Ein Feuerstrahl, von einem der beiden Neuankömmlinge abgefeuert, erfasste die sichtlich angeschlagene Gestalt Feurigels und schleuderte diesen meterweit zurück, wo er regungslos vor seinem , heftiger als jemals zuvor, zitternden Trainer liegen blieb.
    Stans Knie sanken auf den mit Asche bedeckten Boden, wo er kreidebleich sein ohnmächtiges Pokémon in die Arme schloss.
    Spöttisches Gebell und Jubelrufe, dröhnte von den feigen Angreifern, als nur Sekunden später auch Sandan schwer getroffen zu Boden ging. Enger und enger schloss das Rudel ihren Kreis und drängten Pikachu, den letzten der verbliebenen Kämpfer immer weiter zurück. Einzig und allein er, offenbar auch am Ende seiner Kräfte und von den Folgen des Kampfes sichtlich gezeichnet, leistete noch verzweifelt Widerstand. Sein gezackter Schweif hing kraftlos an seinem Körper herab, während dunkle Brandmale die gelbe Farbe seines Fells verunzierten.


    Unbändiger Zorn, so heiß, dass das Feuer im Grunde von Neid erblassen musste, loderte in mir auf. Beinahe eiskalt ließ mich der Sprung durch die Feuerwand, welche mich als letztes Hinderns von der Lichtung trennte, auf der die Schlacht meiner Freunde beinahe als verloren galt. Unter wildem Kampfgeschrei galoppierte ich auf die mit ihrem Rücken zu mir aufgebauten Angreifer zu. Noch bevor auch nur eines der überraschten Rudelmitglieder realisieren konnte wie es um sie geschah, hatte bereits der Sturm von Funken und Blitzen aus meinem Fell über die Hälfte von ihnen sekundenschnell ausgeschaltet.
    Mit einem weiten Satz sprang ich über die von mir bewusstlos geschlagenen Gegner und baute mich schützend zwischen den verbliebenen Feinden und den Gestalten der beiden Menschen auf.
    Ich warf einen flüchtigen Blick über die Schulter auf meinen, die Verblüffung im Gesicht stehenden Trainer.
    Er rieb sich mit seiner feurigelfreien Hand seine rußbedeckten Augen.
    „Sh-Sheinux!“
    „Stan...“, murmelte ich, doch wurde meine ganze Aufmerksamkeit augenblicklich von dem angriffslustigen Geknurre vor mir in Beschlag genommen. Ich setzte drohend ein Bein nach vorne.
    „Wenn ihr den Menschen auch nur ein Haar krümmt, bekommt ihr es mit mir zu tun!“
    „... Und mit mir!“
    Meine Augen huschten zur Seite. Pikachu, angeschlagen doch mit noch längst nicht erloschenem Kampfeswillen in den Augen, nahm neben meiner Person Stellung ein.
    „Wohl gesprochen. Es wird mir eine Ehre sein an deiner Seite für das selbe Ziel zu kämpfen“, sagte ich und nickte ihm zu. Auch wenn ich mit Pikachu noch längst nicht das letzte Wörtchen gesprochen hatte, war sein Mut wahrlich nur zu bewundern. Unter anderem war es wohl auch ihm zu verdanken, dass ich meine vielleicht letzte Schlacht an Stans Seite schlagen durfte.


    Immer mehr gelbe Funkenblitze lösten sich aus meinem Fell und Pikachus roten Backentaschen und knallten drohend vor die Pfoten der fünf verbliebenen Rudelmitgliedern ein. Knurrend, doch eingeschüchtert, wichen sie vor unseren Warnschüssen zurück.
    „Ja, macht euch besser mitsamt eurem Flozirkus vom Acker!“, tönte Pikachus triumphierende Stimme und auch ich glaubte mir bereits, den Sieg in der Tasche zu haben. Doch eine Stimme sollte mich wenige Momente später wieder mit der ernüchternden Wahrheit der Wirklichkeit konfrontieren.
    „Ruhig meine Brüder und Schwestern. Ihr habt gute Arbeit geleistet, doch überlasst nun mir diese beiden aufgeblasenen Frevler.“


    Eine Stimme, so nebulös und geheimnisvoll als wäre sie nicht von dieser Welt und so beängstigend, das mir selbst bei dieser unbeschreiblichen Hitze ein eisiger Schauer über den Rücken lief und sich mir dabei mein ganzes Fell sträubte, dröhnte aus dem lichterloh in Flammen stehenden Wald zu uns hindurch. Pikachu und ich warfen uns flüchtige Blicke zu, doch keiner von uns wagte einen Laut von sich zu geben.
    Ein scharlachrotes Augenpaar blitzte aus einem noch nicht gänzlich in Flammen stehenden Stückchen Wald auf. Die verbliebenen Rudelmitglieder wichen folgsam in Richtung der Stimme zurück und lösten sich im Waldesdickicht schier in Luft auf.
    Eine mit scharfen Pranken versehene Pfote tauchte plötzlich aus den Schatten heraus aus. Ein Pokémon, ebenso aschegrau wie der Rest seines Rudels doch ungefähr doppelt so groß und ebenso doppelt so lang, schritt langsam auf uns zu. Das Ende seines peitschenähnlichen Schwanzes zierte eine rasiermesserscharfwirkende, pfeilförmige Spitze. Dort, wo eigentlich seine Ohren hätten sein müssen, ragten zwei sich nach hinten krümmende, diabolisch wirkende hornähnliche Gebilde aus seinem Kopf. Ein schädelförmiges Gebilde, welches aus seiner Brust ragte, schien ihn sogar noch mit einem weiteren paar Augen auszustatten.
    Zischender Rauch strömte an den Stellen hervor, wo noch Sekunden zuvor seine Pfoten den Boden berührten.


    „Von euch wird nichts mehr wiederzuerkennendes übrig bleiben, wenn ich erst einmal mit euch fertig bin. Und dann...“, sein Blick wanderte zu Stan und Colin, welche zu unseren Rücken standen, „... sind die beiden und der Rest der Brut dran.“
    „Das werden wir ja mal sehen!“, entgegneten Pikachu und ich wie aus einem Mund.
    Eine finstere Welle, scheinbar eine Woge aus purer Bosheit und Schatten, riss mich und Pikachu ruckartig von den Füßen und schleuderte uns in hohem Bogen meterweit zurück.
    Bereits als ich glaubte, mein schon jetzt mit Schmerzen erfüllter Körper müsste jeden Moment an einem, in Flammen stehenden Baum zerbersten, wurde mein Flug schlagartig, und merkwürdigerweise völlig unbeschadet, gebremst. Langsam öffnete ich die Augen und fand mich weich, in dem feurigelfreien Arm meines Trainers gebettet, wieder. Stan, offenbar im Vollbesitz seiner Auffassungsgabe, hatte mich tatsächlich eigenhändig im freien Flug aufgefangen. Er schenkte mir ein krampfhaftes Lächeln.
    „D-Danke“, stammelte ich verlegen. „Das zählt aber nicht als Lebensrettung klar? Wenn hier jemand wen rettet, dann bin ich das!“
    „Pack ihn dir. Ich glaube an dich“, sagte er und ließ mich wieder auf den aschebedeckten Boden hinab.
    Pikachu schien leider das Glück nicht ganz so hold gewesen zu sein. Zwar war auch er dem grausigen Schicksal entronnen, an einem brennenden Baum als Zunder zu enden, doch schien ihn die Attacke seines Gegners die letzten seiner verbliebenen Kraftreserven gänzlich beraubt zu haben. Colin beugte sich angsterfüllt über die ausgemergelte Gestalt seines Freundes.


    Die aufbauenden Worte meines Trainers spendeten mir neuen Mut. Doch wie ich schon bald feststellen musste, konnte ich mit Mut allein meinen Gegner nicht in die Knie zwingen.
    Zeit mich um Pikachu zu kümmern, bekam ich nicht. Unermüdlich loderten versengende Flammen und glühende Feuerbälle aus dem Maul meines Angreifers hervor, denen ich nur knapp entkommen konnte. Schon bald war ich vor lauter Ausweichen und den rettenden Sprüngen und abrollen zur Seite gänzlich mit einer dünnen Schicht Asche bedeckt.
    Funkenströme, die ich meinem Widersacher unter den Anfeuerungsrufen meines Trainers entgegen feuerte, verpufften durch die Hitze der Flammenstrahlen förmlich in der Luft.
    Nur knapp entging ich einer weiteren Welle von Feuergeschossen. Bis...
    Ein stechender Schmerz in meiner linken Schulter. Einer der lodernden Bälle hatte endlich sein Ziel erreicht. Schwer getroffen purzelte ich zurück. Der Gestank von verbranntem Pelz stieg mir in die Nase. Ich heulte auf vor Schmerz.


    Zittrig, und gefährlich schwankend, doch mit noch längst nicht erloschenem Kampfeswillen, rappelte ich mich langsam auf. Die Bilder verschwammen. Meine Sinne ließen mich im Stich. Ich durfte nicht aufgeben. Niemals...
    Langsam schritt mein dämonengleicher Widersacher, unter weiteren Dampfstößen unter seinen Pfoten, auf mich zu. Seine scharlachroten Augen hatten mich fest im Blick.
    „Schwächlinge...“, stach die hämische Stimme meines Gegners in mein Ohr. „Unwürdig dieses Territorium als das Eure zu beanspruchen. Eure Asche wird selbst noch Generationen später eine deutliche Warnung für alle Eindringlinge in unser Revier sein.“
    Es machte tatsächlich den Anschein, als würde ich mit meine Kräfte mit dem Inbegriff der Niedertracht messen. Eine Manifestation der Boshaftigkeit in Pokémongestalt.
    Die Worte meines diabolischen Widersachers konfrontierten mich mit einer noch nie zuvor verspürten Welle des Hasses. Ein Hass, groß genug um diesen ganzen Wald in Schutt und Asche zu legen. So groß, das ich ihn nicht mehr kontrollieren konnte.
    Geblendet von den Schmerzen in meinem Kopf, mein Körper gelähmt von der Wut die nun anstelle meines Blutes in den Adern floss, staute sich ein schier unkontrollierbares Unwetter in meinen Gliedern. Ich schrie. Die Schmerzen in meinem Kopf stiegen ins Unermessliche. Mein ganzer Leib drohte auf der Stelle in Stücke zerrissen zu werden, hätte ich nicht in allerletzter Sekunde der Gewalt in meinem Körper endlich freien Lauf gelassen. Ein Lichtblitz, gleißender als das Licht der Sonne, löste sich aus meinem Körper gen Himmel.
    Die schemenhafte Gestalt meines Feindes stürmte in Zeitlupe auf mich zu. Die Bilder um mich herum verblassten...


    Ich fühlte innere Leere. Jegliche Gewalt über meinen Körper war verloren. Gefangen in einem Meer aus Dunkelheit. Hatte ich gesiegt? Oder war ich letztendlich meinem eigenen Schmerz erlagen? In Stücke zerrissen von einer unbändigen, nicht zu kontrollierenden Wut in meinem Körper? Doch was auch immer geschehen war: letztendlich hatte ich meinen Eid erfüllt. Ich war für meinen Lebensretter, meinen Trainer... nein, meinen Freund da gewesen. Mit dieser Gewissheit und vor den Augen meines Freundes, konnte ich sterben...
    „Sheinux?“
    Etwas traf mich hart auf meiner Stirn. Mein erschlafftes Gesicht weitete sich zu einem Grinsen. Fast fühlte ich mich zurückversetzt. Zurück an den Tag, an dem sich Stans und meine Wege zum ersten Mal kreuzten. Saftlos und leer – etwas traf mich am Kopf. Oh ja... Erinnerungen.
    „Sheinux? Sag doch was.“
    Erneut schlug etwas auf meine Stirn ein. Doch was es auch war: es war kein Pokéball. Es roch... Irgendwie war es...
    „Nass?“, murmelte ich.
    „Er kommt zu sich!“
    Langsam öffnete ich die Augen. Schwere Regentropfen schlugen auf mich und den mit Schutt und Asche bedeckten Boden ein. Mein Kopf, mülltonnenschwer auf meinen ausgemergelten Schultern lastend, wandte sich langsam herum. Stan beugte sich über meinen ausgezehrten Körper. In seinen Augen spiegelte sich die regungslose Gestalt eines erschöpft wirkenden Pokémons: Ich selbst.
    „Stan...“, murmelte ich.
    „Sheinux...“, antwortete er. Regentropfen, nein Tränen rannen stumm über sein blasses Gesicht.
    „Stan... Es tut mir... Es tut mir alles so leid... Ich wollte nie...“
    Noch bevor ich meinen Satz zuende stammeln konnte, fand ich mich in den warmen Armen meines Trainers wieder. Er schmiegte seinen Kopf eng an meinen. Seine Tränen vermischten sich mit den meinen. Niemals mehr wollte ich ihn loslassen. Dieses Gefühl von Wärme und Zärtlichkeit verlieren. Die Geborgenheit aufgeben. Ich war... Zuhause.




    Ende Buch 1


    Powered by Jens Häßel, alias Eagle

  • Man, bin ich mies, was das Erkennen von Andeutungen angeht. Irgendwie hab ich nicht wirklich geschnallt, dass dies das letzte Kapitel von Plicht und Ehre (jedenfalls Buch1) ist... obwohl du es mir oft genug gesagt hast. XD


    *Räusper* Kommen wir zu deinem wohlverdienten Komi. Ich fang mal mit diesem Kapitel an:
    Epic. Das ist wohl das richtige Wort für das Kapitel. Wie schön öfters erwähnt hast du einen wundervollen Schreibstil, was Umschreibungen, Beschreibungen und Emotionen angeht. Ich wurde beim Lesen dieses Kapitel so richtig mitgerissen (was bewirkt, dass ich immer schneller und schneller beim Lesen werde : D )
    Wie Sheinux durch den dunklen Wald sprintet, reumütig, besorgt um Stan und bereit sein Leben zu geben, wenn es sein musste... ich kann wieder nur sagen mitreisend. Vielleicht hättest du Sheinux noch ein bisschen mehr gegen das Flammen mehr kämpfen lassen können, jedenfalls bevor er ohnmächtig geworden ist. Naja, aber nicht sonderlich schlimm^^
    Auf was du zu Recht Stolz sein kannst, ist die Szene mit dem Traum. Zu Beginn hab ich überhaupt nicht verstanden, wieso sich Sheinux wieder im National Park befand. Erst allmählich versteht man, dass das nur ein Traum ist und Sheinux versteht, dass das nicht mehr seine wahre Heimat ist. Wirklich sehr gelungen!
    Dann schließlich der Kampf. Zu Beginn dachte ich, dass das Ruddel aus Magnayen besteht... hab irgendwie aus dem Wort Kohlschwarz- Grau gemacht. Typisch ich XD
    Egal, im Verhältnis zu dem Kampf gegen Voltenso war er doch etwas kürzer, doch das was solls? Der Kampf hat die Richtige Stimmung. Zu Beginn Sheinux und Pikachu Seite an Seite und dann Sheinux allein gegen ein Hundemon. Der letzte Gegner zwischen Sheinux und Stan. Und am Ende die Finale Attacke... nein, falsch... am Ende das zusammen Treffen von Sheinux und Stan... sehr rührend. ;( *sniff* Kurzes aber sehr emotionales Ende (und glücklicherweise hatte ich die richtige Musik im Player: P)

    Zitat

    Ich war... Zuhause.


    Würdiger Endsatz^^ Ich bin innerlich in einem Streit, ob ich solche Endings hassen oder lieben sollte. In diesem Fall sag ich einfach: Ich liebe sie. Sie eigentlich ziemlich gemein, da sie den Leser dazu bringen, weiter zu lesen zu wollen, was aber nicht möglich ist. Aber das macht sie wahrscheinlich aus :D


    Das war zu diesem Kapitel, nun möchte ich dir noch ein kleines gesamt "Feedback" geben.
    Wenn ich ehrlich bin, deinne Fs ist die erste, bei der ich mitterlebt hatte wie sie fertiggestellt wurde (alle anderen gaben vorher auf…). Ich muss wohl auch nicht erwähnen, dass es auch die einzige ist, die je so rasch geschrieben wurde, die ich kenne. Ich hab mich öfters etwas schlecht gefühlt, dass ich dir nicht so regelmäßig ein Komi geben konnte. Ich bin ein Leser, der sich eher Zeit mit Lesen nimmt, darum war ich am Anfang etwas mit deiner Schreibgeschwindigkeit überfordert. Aber dafür ließ die Fortsetzung eines Kapitels nie auf sich warten^^
    Also was kann ich sonst sagen... Lobenswert finde ich auch deine stets aktuelle Startpost. Mir zum Beipiel, passiert öfters, dass ich einfach vergesse das Inhaltsverzeichnis zu aktuelleren. Auch dein Trivialabschnitt finde ich ist eine recht gute Idee. Es ist immer interessant zu wissen, was sich der Autor bei den jeweiligen Kapiteln gedacht hat (vielleicht soll ich mir auch so ein tolles Teil zu legen XD).
    Zur ganzen Story... 15 Kapitel, 52 Parts(wenn ich mich nicht verzählt habe), 75.000 Wörter in ungefähr 3 Monaten. Das schaffen wenige, wenn ich daran denke das meine Fs schon seit 2008 existiert.
    Als du mir geschrieben hast, du möchtest auch eine Geschichte schreiben, die auch dieses Pokemon-Trainer Prinzip beinhaltet, war ich eigentlich sehr glücklich. Ich war glücklich dass ich jemanden inspirieren konnte. Später hat sich bei mir so eine Befürchtung eingeschlichen, dass du einfach nur so eine Kopie von meiner Fs schreiben würdest (die eben nur um einiges besser) aber jetzt am Ende kann ich sagen: Abgesehen von dem Pokemon-Trainer Prinzip ist alles aus deinem eigenen Kopf entsprungen. Meine basiert fast nur auf Humor, wo du auch mehr „ernstere“ bzw. emotionale Sachen einbaust. Ein Grund ist wahrscheinlich schon mal, das wir beide einen ganz anderen Schreibstil haben XD
    Was ich aber damit sagen möchte, ist das die Story wirklich schön gestaltet ist. Humor, dramatische und düstere Szenen so wie sehr emotionale Stellen alles war dabei. Ebenso wie schön abwechslungsreichen Abenteuer .
    Sheinux, erst skeptisch gegen über Stan, beginnt dann mit der Zeit diesen Menschen mehr oder mehr zu mögen. Am Ende diese Wendung und... wie Sheinux versteht was "Heimat" wirklich ausmacht. Keine Mülltonne der Welt würde diese Heimat ersetzen können.


    Viel richtige kritisieren kann ich dir leide nicht geben (ja abgesehen davon das du in Oliviana mehr hättest tun können :P). Tja, das eher ein "Lobback"... meine Vision von Kritik…
    Freu mich jedenfalls auf die (hoffentlich) Vorsetzung von Pflicht und Ehre^^ Beziehungsweise werde ich mal in deinen anderen Fs herum schnuppern… dein Schreibstil hat mich jedenfalls neugierig gemacht.
    Meine abschließende Worte: „Gratulation zum fertigen Buch 1“^^


    Mfg
    Blackdraco/Toby


    Ps.: Wird Zeit das ich bei meiner Fs aufs Gaspedal trete. Ich kann doch nicht die ganze Zeit nachhinken :D
    Ps.2: Mein längstes Komi ever :sekt:

  • ...


    Hui, danke für das lange Kommi. Niemals in meinem Leben hätte ich ein so langes Kommi schreiben können :o


    Ich hegte am Anfang tatsächlich den selben Gedanken wie du: Das ich eine eins zu eins Kopie zu deiner FS schreiben würde. Aus diesem Grund hatte ich ja förmlich um "Erlaubnis" gebettelt, deine Idee mit meiner eigenen Feder umzusetzen, was ich ja im Grunde gar nicht gebraucht hätte. Mein Gewissen musste aber beruhigt werden :) .


    Vieles hätte ich noch gerne in diese Geschichte eingebaut. Ich sagte ja bereits, das ich es bereute, die Abenteuer in Oliviana City so schnell zu beenden. Irgendwie hatte ich in diesen Momenten nur noch den Fortlauf der Geschichte im Kopf. Andere Dinge wie z.B. ein Ausflug ans Meer oder der Leuchtturm, hatte ich gänzlich vergessen. Auch bereue ich es etwas, den Finalkampf im letzten Kapitel nicht noch etwas dramatischer geschrieben zu haben. Doch ich wollte unbedingt an diesem Tag noch fertig werden und ehe ich es versah, war es auch schon nach 0:00 Uhr. Es hieß also leider, Kompromisse einzugehen.


    Zur Wörteranzahl und der Geschwindigkeit meines Schreibstils: Ich gelte diesbezüglich (insbesondere bei den Fanstorylehrern) wohl bei vielen als ein Freak. Solch große Geschichten zu schreiben und dann noch in dieser Geschwindigkeit... Der Grund dafür ist aber leicht zu erklären: Schreiben, Texte zu entwerfen, Gedanken auf Papier zu bringen - das alles bereitet mir irrsinnige Freude. Mittlerweile hat diese Leidenschaft mein anderes großes Hobby, Computer- und Konsolenspiele, längst übertroffen. Oftmals komme ich von der Arbeit nach Hause und finde mich Minuten später in meinen Texten wieder. In der Mittagspause meiner Ausbildung schreibe ich bereits für den Abend vor. Ich mache also kaum noch etwas anderes. Das meine Kapitel daher so schnell fertig werden, ist daher kein Wunder. Wenn dann noch das Thema mich in seinen Bann zieht, glüht die Tastatur.


    Was mich besonders freut ist, das meine Geschichte bei einigen hier im Forum gut angekommen ist.Positives Feedback tut mir besonders gut und oftmals spornte es mich bei dem Verfassen meiner Geschichte besonders an. Für den Profi-Bereich schien es allerdings noch nicht ganz gereicht zu haben. Ich werde mich also in Zukunft noch etwas mehr anstrengen müssen^^


    Das sich mein Schreibstil von Kapitel zu Kapitel noch verbessert hat, macht mich besonders glücklich. Wer meine erste Fanstory gelesen hat wird leicht feststellen, dass mein Schreibstil, insbesondere am Anfang, wesentlich laienhafter ist, als ich es hier an den Tag gelegt hatte. Besonders das Umschreiben von Geschehnissen und Gefühlen fiel mir bislang immer schwer und an Außeinandersetzungen hatte ich mir seit jeher den Kopf zerbrochen. Doch ich denke, das unteranderem durch diese Geschichte eine neue Ära meiner Hobby-Schreibkarriere eingeleitet wurde.
    Ein großer Dank dafür gilt dir, schließlich warst du es, der mich dazu inspiriert hatte und dafür danke ich dir. :)

  • [tabmenu][tab=Willkommen zurück]


    *Pflicht und Ehre* Band 2



    Ich heiße euch herzlichst zum zweiten Buch von *Pflicht und Ehre* willkommen.


    Der erste Teil, "Reise wider Willen", erntete insbesondere von seinen Stammlesern recht großzügiges Lob. Eine fesselnde Geschichte mit Witz und und Charme, packender Handlung und herzergreifenden Emotionen wurden bislang in fünfzehn Kapiteln mit über 75.000 Wörtern erzählt. Auch ich war von meinen eigenen Ideen mehr als nur begeistert und genoss jede einzelne Minute, die ich in diese Geschichte investieren durfte. Niemals stand für mich auch nur einen Augenblick zur Debatte, die Geschichte nach Ende des ersten Buches nicht fortzusetzen. Daher bin ich stolz, euch das zweite Buch von *Pflicht und Ehre* präsentieren zu dürfen.


    Viel Vergnügen




    [tab=Was bisher geschah]


    Prolog


    Buch 2: Hoenn sehen und verstehen



    Gerade als ich, Sheinux, Sohn des Sechsten Hauses, unangefochtener Champion und Revierherrscher des westlichen Nationalparks, großmeisterlicher Mülltonnendurchwühler und mit dem blechernen Bierdeckel ausgezeichneter Meisterlangfinger endlich den Klauen meines Ex-Trainers entfliehen konnte, wurde ich Opfer eines hinterhältigen und gar heimtückischen Attentats eines arglistigen Pokémons. Unfähig auch nur einen Funken Widerstand zu leisten, wurden mir - jetzt haltet euch fest - von einem anderen Menschen abermals die Ketten der Versklavung auferlegt. Schon bald wurde mir klar, dass dieser vorsetzliche Akt der Unterdrückung mir in meiner Not das Fell gerettet hatte. Von den strengen Gesetzen der Straße verpflichtet, Wiedergutmachung für meine Lebensrettung zu leisten, reiste ich von diesem Augenblick an der Seite meines neuen Trainers.


    Stan, mein Möchtegerntrainer, stelle sich schon bald als das größte Rätsel jenseits der Suche nach der goldenen Mülltonne am Ende eines Regenbogens heraus. So war ich schon einer Vielzahl an Menschen in meiner Heimat, dem Nationalpark, über den Weg gelaufen und hatte auch schon so manch eine schockierende Bekanntschaft mit ihnen geschlossen, doch Stan ist einzigartiger Natur. Nun gut, dazu aber später mehr. Was ihr nur wissen müsst ist, dass er mir auf unserer gemeinsamen Reise zweimal - ja, ihr habt richtig gehört - das Leben gerettet hatte und auf mir die doppelte Schuld lastete.


    Auf unserer gemeinsamen Reise legten wir in so manch einer Bruchbude Halt ein, sondierten so manch eine kulinarische Spezialität aus den hiesigen Mülltonnen und schlossen neue Bekanntschaften. Anfangs weigerte sich Stan zwar erbittert, unsere gemeinsame Reise mit anderen zu teilen, doch schlossen sich bald Feurigel, ein ziemlich fauls und verfressenes Pokémon, dass man aber bei näherer Betrachtung einfach nur liebhaben muss, und Colin, eine Nervensäge von einem Menschen mitsamt seinen Pokémonfreunden, unserer Sache an.


    Einmal, gerade als wir eine recht magenumdrehende Seereise hinter uns gebracht hatten, funkte es zwischen Stan und mir ganz besonders. Ich ging dabei sogar das Risiko ein, von diesem Zeitpunkt ein ehrloses Leben in Betracht zu ziehen und somit mein Dasein in Schande zu fristen. Doch schließlich und endlich konnte ich über meinen Schatten springen, und Stan in der Stunde seiner größten Not mit meinem Leben verteidigen. Somit war zumindest ein kleiner Teil meiner Schuld ihm gegenüber beglichen. Denn auch, wenn ich die Anwesenheit meines Trainers inzwischen als mein Zuhause nennen mag, kann ich den Ruf meiner Heimat dennoch nicht leugnen.


    Meine Geschichte beginnt kurz nach dem glorreichen Sieg, damit meine ich natürlich meinen glorreichen Sieg, über ein wildes Pokémonrudel, dass unser aller Leben gefährdet hatte. Auf einer Insel mit Namen Moosbach City. Fern von den Gestaden meiner alten Heimat.


    [tab=Die Protagonisten]


    Die Protagonisten


    Name: Sheinux, Sohn des Sechsten Hauses, unangefochtener Champion und Revierherrscher des westlichen Nationalparks, großmeisterlicher Mülltonnendurchwühler, mit dem blechernen Bierdeckel ausgezeichneter Meisterlangfinger, legendärer Voltensobezwinger, (*hechel*) unverzagter Hüter der Reisekasse und Lebensretter zweiter Klasse.
    Alter: Hat euch eigentlich niemand beigebracht, dass es unhöflich ist nach dem Alter von anderen zu fragen? Ich bin sieben, zufrieden?!
    Herkunft: Der Nationalpark. Der schönste Ort den es gibt, und falls jemand etwas anderes behauptet, dann kriegt er es mit mir zu tun!
    Merkmale: Neben meiner einzigartigen, liebreizenden Persönlichkeit (was gibt es da mit den Augen zu rollen?!) weise ich ein sonderlich gut gepflegtes Fell auf, dass schon so manch eine tiefgründige Abfallsondierung unbeschadet überstanden hat. Außerdem bin ich seit einer glorreichen Schlacht gegen einen mir fast ebenbürtigen Gegner, stolzer Besitzer einer kleinen Kriegsnarbe an meinem rechten Vorderbein.
    Charakter: Stolz, Ehrgeizig, Pflichtbewusst, leicht zynisch angehaucht und vielleicht sogar etwas anmaßend – so würde ich mich selbst bezeichnen. Alles Eigenschaften, die eines ehemaligen Revierherrschers wie mir gebühren. Doch durch eben dieses ausgeprägte Pflichtbewusstsein bin ich unerbittlich an die Seite meines Trainers gebunden.
    Man sagt mir nach, dass ich in manchen Fällen recht kampfeslustig reagiere. Insbesondere wenn es um Konkurrenz in meinen eigenen Reihen geht. Nun, ich lasse mir eben nicht gern auf der Nase herumtanzen.
    Gelegentlich reagiere ich leider etwas naiv in Bezug auf die große weite Welt, durch die mich mein Trainer schleppt. Wer hätte auch schon wissen können, dass es außer dem Nationalpark noch etwas da draußen gibt?
    Nicht allzu selten kam ich bereits durch meinen unbändigen Neugiertrieb in Teufels Küche. Aber Risiken gehören eben zum Leben dazu. Ich persönlich richte mich ja auch gerne nach der Pfotenregel: Je mehr Gefahr eine Sache birgt, umso mehr springt am Ende für mich heraus.
    Von unehrenhaftem Verhalten stülpt sich mir der Magen um. Insbesondere sind mir Betrug und Hinterlist echt zuwider. Tugend wiederum, das heißt alle Dinge, welche ich für richtig erachte, genießen in meinem Leben oberste Priorität.
    Gerne würde ich von mir behaupten, das ich keine Schwäche besitze, doch dem Charme einer schönen Dame kann ich mich leider nicht ohne weiteres entziehen.
    Pokémon: Was, wie, Pokémon? Reiche ich euch etwa nicht?!




    Name: Stan Leonheart
    Alter: Körperlich oder geistig? Nun gut... In Menschenjahren müsste er etwa 14 Jahre alt sein.
    Herkunft: Ein Nest mit Namen Azalea City.
    Merkmale: Was gibt es da besonderes zu sagen? Stan ist eben Stan. Ein typischer Mensch.
    Felllos - wenn man von den bisschen Pelz auf seinem Kopf absieht - und leidet unter einem Dauerfrostzustand, was wohl die Tatsache erklärt, dass er Klamotten tragen muss.
    Normale Größe für einen Menschen in seinem Alter und niemals ohne das Fass ohne Boden – seinen Rucksack - anzutreffen, den er stets auf dem Buckel trägt.
    Charakter: Ein Mensch, wie ich jemals einen gesehen habe: Der recht wortkarge Stan leidet offenbar unter starken Komplexen seiner Persönlichkeit. Er ist überängstlich, fast schon feige. Besonders das Kontaktknüpfen scheint ihm überhaupt nicht zu liegen, was unsere lange Zweisamkeit zu Beginn unserer Reise erklärt. In der Regel versucht er jeglicher Konfrontation weiträumig aus dem Weg zu gehen, was sich natürlich dummerweise mit meiner unbändigen Neugier beißt.
    Insbesondere Flegmon-Liebhaber werden mit Stan schnell Freundschaft schließen können. Im Grunde genommen merkt man eigentlich gar kein Unterschied. Würde man sich an einem frühen Morgen allein auf die Entscheidungsgewalt Stans verlassen, kann man sich darauf verlassen, dass bei Sonnenuntergang noch kein Ergebnis in Sicht ist. Egal mit was man ihn konfrontiert: Man kann sich sicher sein, dass er es am Ende doch vergeigt.
    Zumindest wenn es ums Essen, oder darum geht, mit seinem kümmerlichen technischen Wissen zu prahlen, scheint er jedoch ganz groß zu sein.
    Er besitzt ein großes Faible für hirnzellenzerstörende Videospiele, sowie eine Vorliebe für menschliche Luftfliegedinger aller Art.
    Eines noch: Ihr könnt mich vielleicht auslachen, doch weiß ich weder warum Stan diese Reise unternimmt, noch was ihn vorantreibt. Eine flüchtige Bekanntschaft beschrieb Stans Verhalten als “ziemlich planlos“, wo ich ihm nur beipflichten kann...
    Pokémon: Sehr viele Zwangsfreundschaften hat Stan noch nicht geschlossen. Hier ein paar Infos zu seinen Pokémon-Bekanntschaften.
    - Sheinux: Was wollt ihr hören? Vielleicht eine Anekdote aus meinem Leben? Also es war einmal, vor sieben Jahren als... Wie war das? Ich soll aufhören? Okay, also was wollt ihr hören? Wisst ihr doch schon längst alles. Vielleicht noch kurz auf meinen Art und Weise zu kämpfen einzugehen: Ich pflege einen recht rasanten Kampfstil und lasse mir dabei nur ungern von irgendjemand etwas vorschreiben. Dabei kämpfe ich jedoch stets loyal und ehrenvoll. Billige Tricks kommen für mich nicht in Frage. Meine Spezialität sind prickelnde Elektroattacken. Schockierend, nicht wahr? Das hätte man mir wohl gar nicht zugetraut.
    - Feurigel: Klein, faul und verfressen. Doch man muss Feurigel einfach gern haben. Er entschloss sich dazu, Stan zu begleiten um die Vorteile einer Pokémon-Trainer-Beziehung zu genießen. Sprich: Essen, schlafen, essen, schlafen,...
    Auch wenn er nicht viel vom Kämpfen hält, sollte man ihn keinesfalls unterschätzen. Unter seinem verschlafenem Gemüt lodert ein feuriger Kampfgeist. In Rage schafft der kleine Igel sogar Berge zu versetzen. Doch ist und bleibt er nach mir die Nummer zwei.
    - Fi... Was? Nein, ich hab nichts gesagt!



    Name: Colin Knox
    Alter: Scheint einen Tick jünger zu sein als Stan. Ich schätze ihn mal auf 12 Menschenjahre.
    Herkunft: Ein Ort namens Laubwechselfeld, wo auch immer das liegen soll...
    Merkmale: Colin ist eher von mickriger Gestalt. Gerade groß genug um nicht von einem wuchtigen Schlag ungespitzt in den Boden gerammt, oder gar als Vorgartenzwerg abgestempelt zu werden. Ansonsten gleicht er von dem restlichen Aussehen seinem Artgenossen. Auch er trägt einen (seiner Größe angemessenen) Beutel auf seinem Rücken. Viel mehr gibt es nicht mehr zu erwähnen.
    Charakter: Eine Nervensäge wie sie im Buche steht. Bei unserer ersten Begegnung standen sich Stan und Colin noch in einem hitzigen Kampf gegenüber, den Stan wohlgemerkt, dank Feurigels tatkräftiger Unterstützung, mülltonnenhoch für sich entscheiden konnte. Seit dieser Zeit folgt uns Colin auf Schritt und Tritt.
    Im Gegensatz zu meinem Trainer ist Colin eher offen und direkt und plappert munter drauf los, ohne viel nachzudenken. Im Grunde untertrieben: Eine Minute ohne Colins sinnlosem und nervtötendem Gelaber zuzuhören zu müssen ist ein leider viel zu seltener Segen.
    Es ist nicht zu übersehen (beziehungsweise überhören), dass Colin offenbar in Stan eine Art Vorbild sieht. Lächerlich, ich weiß... Aber er muss wohl Stans nicht vorhandenem Talent während des Turniers sehr beeindruckt gewesen sein, was wohl auch erklären mag, warum er uns seit diesem Augenblick auf Schritt und Tritt mit seiner Anwesenheit beglückt.
    Bei Colin zeichnet sich kein wirklicher eigener Charakter aus. Manchmal glaube ich, das er zuerst Stans Meinung zu einem Thema konsultiert, nur um uns dann lautstark mitzuteilen, dass er der gleichen Ansicht ist.
    Noch etwas...? Ach ja, eines noch: Colin ist in der Lage, uns das muss ich ihm wahrlich hoch anrechnen, sich gut um die auswärtige Verpflegung kümmern - sprich, er kann gut kochen.
    Pokémon: In Colins Reihen befinden sich insgesamt drei Pokémon, die, ihr könnt mich für verrückt erklären, seltsamerweise trotz großer sichtbarer Unterschiede recht identisch wirken.
    - Pikachu: Colins Ebenbild: Die Maus, wie ich ihn gerne nenne, gleicht Colin auf ein Haar. Überdreht, eine Quasselstrippe, strapaziert Nerven ohnegleichen und ist obendrein auch noch recht respektlos – insbesondere mir gegenüber. Wenn es hart auf hart kommt, ist Pikachu aber durchaus in der Lage, seinen Trainer zu verteidigen.
    - Sandan: Der stumme Mitleider: Zu ihm kann ich wenig sagen. Sandan hat recht viel Ähnlichkeit mit Stan und Feurigel. Er lässt alles eher stillschweigend über sich ergehen und wirkt dabei recht desinteressiert. Eine wirkliche Beziehung zwischen ihm und Colin konnte ich noch nicht feststellen.
    - Marill: Die aufgeweckte gute Fee: Marill würde es am Liebsten jedem recht machen, so macht es auf jeden Fall den Eindruck. Insbesondere ihrem Trainer liest sie auf loyalste Art und Weise jedes Wort von den Lippen ab. Sie scheint sehr darauf erpicht zu sein, den Frieden in der Gruppe zu wahren.



    [tab=Inhaltsverzeichnis]


    Inhaltsverzeichnis


    Kapitel 1: Stammkundschaft
    Part 1: Die Rückkehr der Verwüster
    Part 2: Pokémon unter sich
    Part 3: Die Hausmacherplatte für zwei, bitte


    Kapitel 2: Verbrannte Erde und luftige Höhen
    Part 1: Liebeskummer
    Part 2: Von Höflichkeiten und anderen Komplimenten
    Part 3: Fiffyens Höllentripp
    Part 4: Die Überlegenheit der Luft
    Part 5: Sich die Wunden lecken


    Kapitel 3: Langeweile im Überfluss - Das Raumfahrtzentrum
    Part 1: Früh aufstehen - der erste Schritt in die falsche Richtung
    Part 2: Das Museum der Langeweile
    Part 3: Begegnung der dritten Art


    Kapitel 4: Ich bin du und du bist ich
    Part 1: Das Erwachen
    Part 2: Heil in der Flucht
    Part 3: Die Flucht
    Part 4: Rede und Antwort


    Kapitel 5: Mensch sein will gelernt sein
    Part 1: Perspektivenwechsel
    Part 2: Moosbach City bei Nacht
    Part 3: Aufklärungsstunde mit Colin, oder: Crashkurs in Sachen Mensch sein
    Part 4: Ein weißes Paar Augen ...
    Part 5: Der Morgen danach


    Kapitel 6: Die Jagd beginnt
    Part 1: Nervensäge Colin
    Part 2: Stans Dilemma
    Part 3: Ohne Worte
    Part 4: Freundschaft
    Part 5: Festland
    Part 6: Auf engstem Raum


    Kapitel 7:Go West
    Part 1: Sheinux' Lebensweisheiten für alle Fälle
    Part 2: Plausch unter Freunden
    Part 3: Baumhausen City: Die Stadt in den Baumwipfeln
    Part 4: Der Adler, der zuviel wusste
    Part 5: Perfide Pläne


    Kapitel 8: Stimmungstief
    Part 1: Stans große Chance
    Part 2: Mit der Unschuld eines Kindes
    Part 3: Die Rose der Wüste
    Part 4: Hoffnung gedeiht an jedem Ort
    Part 5: Eine Freundschaft zerbricht
    Part 6: Reue


    Kapitel 9: Stan auf Abwegen
    Part 1: Verbannung - ein Leben als Geächteter
    Part 2: Schnuffel
    Part 3: Das Gesetz der Straße
    Part 4: Baker Street
    Part 5: Eine Frage des Gewissens
    Part 6: Pokémonlatein
    Part 7: Geläutert
    Part 8: Patient vermisst


    Kapitel 10: Showdown in Laubwechselfeld
    Part 1: Der Wandel der Dinge
    Part 2: Auf der Zielgeraden
    Part 3: Eine Stadt in Angst
    Part 4: Hornissennest
    Part 5: Alleingestellt
    Part 6: Der Adler erhebt sich
    Part 7: Mit dem Mut der Verzweiflung ...
    Part 8: Wer kriecht, kann nicht stolpern
    Part 9: Was die Zukunft bringen mag ...
    Part 10: Wünsch dir was






    [tab=Trivia]


    In Trivia werden interessante Hintergrundinformationen zu der Entstehung und dem Ablauf der Geschichte erzählt. Meist geht es dabei um besondere Textstellen in der Geschichte.



    Die Protagonisten:


    • Sheinux' Titel ist etwas an der Anrede von Lwaxana Troi aus dem Star Trek-Universum angelehnt. Im ersten Buch war er jedoch noch etwas kürzer.
    • Sheinux' Schwäche für das zarte Geschlecht war zwar auch bereits ansatzweise im ersten Buch vorhanden, doch wurde es nicht besonders stark thematisiert.
    • Tugendhaftigkeit, eine Eigenschaft von Sheinux, ist eine Eigenschaft, mit der ich mich selbst gerne identifiziere.
    • Die Figur des Stan ist in vielerlei Hinsicht an meine Person angelehnt. Dazu zählen insbesondere die Vorliebe für Videospiele, die Faszination von Luftschiffen und seine Schüchternheit (inzwischen bei mir zum größten Teil überwunden)
    • Sheinux's Kommentar zu seinen Elektrofähigkeiten ("schockierend, nicht wahr?") ist eine Anspielung auf Professor Eichs Kommentar zu Ash's erster Begegnung mit Pikachu und ein von mir gern verwendetes Zitat.
    • Colins Kochtalent hatte ich anfangs noch Stan zuordnen wollen, es aber aus nicht erwähnenswerten Gründen doch gelassen.


    Kapitel 1:


    • Sheinux' Kommentar in Part 1 bei der Ankunft in das Pokémon-Center: „Nicht die Stirn in Falten legen, es könnte bleibende Schäden zurückbleiben“, war ein beliebter Satz meines Buchführungslehrers, wenn ich ihn misstrauig auf seinen vermittelten Lehrstoff beäugt hatte.
    • Sheinux' Kommentar in Part 2 zu seiner Narbe: "Von den fünf Prozent Preisnachlass in meiner Lieblingsspelunke, für jede Kriegsnarbe, ganz zu schweigen", ist eine Anspielung auf meine alte Firma, bei der wir spaßeshalber mal untereinander erwähnten, wir würden unseren Kunden für jeden verlorenen Finger 10% Handwerkerrabatt gewähren.
    • Sheinux' Kommentar in Part 2 zu seiner Abwesenheit bei dem großen Kampf: „Ach, i wo. Ich bin nur beim Gänseblümchenpflücken vom Weg abgekommen“, ist ein Tribut an den Film "Der Flug des Navigators."
    • Unter meinen Freunden und Bekannten bin ich für die Betonung der beiden Worte "Früh~stück" und "Wi~der~lich" am Ende des dritten Parts, berühmt.


    Kapitel 2:


    • Part 1 und 2 dieses Kapitels waren eigentlich in einem geplant. Schließlich entschloss ich mich jedoch spontan aufgrund der Größe des ersten Parts dazu, einen weiteren Teil-Abschnitt zu schreiben.
    • Der Charakter "Eagle" entspringt diesem fiktiven Charakter, welchen ich für eine Fanstory eines anderen Users erstellt hatte. Letztendlich gefiel mir dieser Charakter nach seiner Vollendung so sehr, dass ich ihn unbedingt in meine Geschichte einbauen wollte. Im Prinzip ist es also Takirko zu verdanken, dass Eagle seinen Weg in diese Geschichte gefunden hat.
    • Eagle ist, wie unschwer zu erkennen ist, eine Anspielung auf mich. Das letzte Glied meiner persönlichen Züge, die sich in Form von Stan, Eagle und Sheinux nun in dieser Geschichte befinden. Sein Aussehen basiert in einigen Dingen auf mich, wobei ich weder graue Haare noch grüne Augen meine eigenen nenne.
    • Alle Pokémon in Eagles Besitz, besitze/besaß ich in meiner aktiven Spieleedition von Pokémon mit den selben Kosenamen.
    • In Kapitel 2 finden sich einige Anspielungen auf eines meiner Lieblingsspiele, Guild Wars:
    • Der Name des vierten Parts, die Überlegenheit der Luft, ist der Name eines Quests, in dem man als Elementmagier in den Künsten der Luftmagie unterrichtet wird.
    • Die erwähnten "Günstigen Winde" sind eine Fertigkeit des Waldläufers.
    • "Geblitzt wird nicht" ist ein Gegenstandsupgrade, welches beispielsweise einem Schild bis zu zehn zusätzliche Rüstungspunkte gegen Blitz-Schaden verleiht
    • S.H.E.I.N.U.X. ist eine Anspielung auf das Quest G.O.L.E.M. (Geführter Operant Lebender Entfesselnder Magie)
    • Tosender Wind ist ebenfalls eine Fertigkeit des Waldläufers.


    Kapitel 3:


    • Obwohl ich bereits in den Charakterbeschreibungen des ersten Buches geschriebe habe, dass Stan Interesse an alles, was mit "fliegen" in Zusammenhang steht, zeigt, bekam ich erst in diesem Kapitel Gelegenheit eben dies zu zeigen. Diese seiner Eigenarten ist wieder auf mich zurückzuführen.
    • Ich habe mich bei den Fachbegriffen etwas an Bezeichnungen aus dem "Star Trek"-Universum orientiert, deren Folgen ich immer gerne sehe.


    Kapitel 4:


    • Die Idee dieser Wandlung der Geschichte stammt von dem Titel dieser Fanstory, welche ich, wie ich hier öffentlich gestehen muss, leider niemals gelesen habe. Allerdings war ich von dem Titel und der Idee dermaßen fasziniert, dass ich selbst eine Fanstory mit diesem Thema schreiben wollte. Ich entschloss mich schließlich, keine eigene Geschichte mit diesem Thema zu schreiben, sondern diese, hier unter diesem Aspekt fortzusetzen.
    • Als Mystery Dungeon-Liebhaber stellte es für mich natürlich kaum Probleme dar, nahezu jegliche Feinheiten einer solchen Begebenheit, recht glaubhaft zu schildern, was mir auch großen Spaß macht.
    • Part drei und vier waren anfangs als ein einziger Part gedacht. Entschied mich aber spontan dazu, sie doch getrennt voneinander zu schreiben.
    • "Großer Gott, ist das stark", Colins Worte in Part vier, sind ein Tribut an meinen Lieblingsfilm "Zurück in die Zukunft".


    Kapitel 5


    • Erdbeeren ist mein Lieblingsobst. Dies lasse ich gelegentlich in meinen Fanstorys anmerken („Erdbeeren gepflückt und jetzt gönn mir doch mal ein wenig Ruhe ...“)

    • Geplant war es, die Kapitel noch länger zu halten, als sie jetzt schon sind. Nach kurzer Überlegung habe ich mich allerdings umentschlossen und so entstand beispielsweise Part 4, welcher von mir anfangs in Verbindung mit Part 3 erdacht war.

    • Sheinux’ Aversion gegen das auf dem Rücken liegen war eine von mir spontane fixe Idee. Dabei nahm ich mir flüchtige Beobachtungen von Vierfüßlern zum Beispiel, die äußerst panisch darauf reagierten, wenn sie schon für kurze Zeit auf dem Rücken lagen. Insgeheim kann ich allerdings nicht wirklich sagen, ob das bei allen vierfüßigen Tieren der Fall ist.

    • Bis zum Ende war ich mir uneinig, wie ich Colin und Sheinux auf Deoxys Fährte bringen sollte. Anfangs war es von mir erdacht, es über Zeitung geschehen zu lassen (daher auch der Mann im Raum, der Zeitung liest). Am Ende musste dann doch die Glotze herhalten.
    • Der gemeine Pirsifbeerenraub eines Panflams ist eine Anspielung auf meine Fanstory „Die Zeitkrise“.


    Kapitel 6


    • *¹ Auch hier mache ich noch einmal mehr als deutlich meine Liebe für Erdbeeren zu verstehen.
    • *² Das Wort "quaken" oder allgemein "quak" nimmt in meinem alltäglichen Wortgebrauch reichlich Platz ein, Es steht sowohl für "ja", als auch für "nein"; für "Hallo"; für "quatsch"; allgemein für "reden" oder "Gespräch"; und vieles mehr.
    • *³ Seit langer Zeit lasse ich Sheinux mal wieder etwas in seiner Vergangenheit schwelgen. Damit möchte ich verständlich machen, dass er sich, obwohl er natürlich Stan richtig gern gewonnen hat, immer noch an seine Heimat zurückgezogen fühlt.
    • *4 Auch bei diesem Kapitel war eigentlich geplant, es mit dem ersten zusammenzulegen, was dann allerdings über 4.000 Wörter bedeutet hätte. Daher diese Abgrenzung.
    • *5 Dieser Satz ist ein Tribut an den Kult-Films "Der Flug des Navigators".
    • *6 Dieser Satz kommt in der selben Form in "Independence Day" vor, hat dazu allerdings keinen Bezug.
    • *7 "Lebe lange und in Frieden" dagegen ist eine direkte Anspielung auf Star Trek.


    Kapitel 7


    • *¹ Dieser Spruch ist in abgewandelter Form in einer Form von Alfs Knigge zu finden, ein Buch über melmacische Verhaltensregeln.


    • *² Irgendwie hatte ich eigentlich - wie man deutlich am meinem letzten Kapitel sieht, nicht vor, wieder in die traurige Emotionsschiene zu rutschen. Irgendwie ergab sich das ganz von allein.


    • *³ Baumhausen City bereitete mir in seinem Aufbau sehr viel Kopfzerbrechen, weil ich einfach nicht wusste, wie ich diese Stadt beschreiben sollte. Es ging sogar so weit, dass ich Bildmaterial des Animes und Mangas einholte, um mir ein Bild von der Stadt zu machen.


    • *4 Auch ich besitze ein weibliches Staravia bzw. Staraptor mit dem Namen "Sora".


    • *5 Notsituation bereitete mir auch Kopfzerbrechen, denn wie grenzt sich diese Attacke visuell von den üblichen Angriffen ab? Da es absolut kein Bildmaterial dazu gab, musste ich sehr improvisieren. Den Kampf aber auf eine andere Art und Weise zu beenden, kam für mich nicht in Frage.



    Kapitel 8:


    • ¹ Die Idee zu der Rose der Wüste, welches ich als ein Sidequest betrachte, hatte ich bereits lange vorher. Über die Umsetzung war ich allerdings noch skeptisch und überlegte sogar, ob ich es nicht streichen sollte. Da es allerdings noch Einfluss auf zukünftige Ereignisse haben wird, setzte ich es letztendlich um.


    • ² Insbesondere dieser Absatz soll Tribut an das Lied "A Horse with no name" von der Band "America" zollen, deren Sänger und Gitarrist, Dan Peek, kürzlich verstorben ist.


    • ³ Sehr viele literarische Stilmittel, deren ich mich kürzlich angeeignet habe, flossen in diesen Part ein. Weiterhin war es von mir von Anfang an gar nicht vorgesehen, dass die weiteren Ereignisse in einem Krankenhaus stattfinden sollen. Meine erste Idee war in einem Stadtpark, da es sich allerdings ganz spontan ergeben hatte, dass Sheinux durch den Wüstentrip völlig ausgezert war, schwenkte ich so um, was allerdings für ein kleines Ereignis im nächsten Part sehr passend ist.


    • *4 Der Satz "greifen Sie herzhaft zu" ist ein beliebter Kommentar meines Steuerlehrelehrers. Gleichzeitig möchte ich mit dieser Szene etwas auf meine Krankenhauszeit vor über einem Jahr anspielen, bei der auch ich regelmäßig "angezapft" wurde und ich meinen Besuchern ein ähnliches Kommentar gegeben hatte.


    • *5 Das Außengelände des Krankenhauses ist sehr an das Gelände des Krankenhauses aus Punkt 4 angelehnt. Ich hielt mich dort vorliebsweise auf und schrieb zur damaligen Zeit an dem fünften Kapitel des ersten Buches.


    • *6 Auch wenn ich die Geschichte hätte anders geschrieben (siehe Punkt 3), wäre diese Szene dennoch in meine Geschichte eingeflossen.


    Kapitel 9:

    • ¹ Da Stan auf einen alten Ego von mir beruht, ist das Beschreiben seiner Gefühle für mich ein Leichtes und daher keinesfalls übertrieben. Ich möchte teilweise mit diesem Kapitel aufrufen, Leute, die vielleicht etwas anders sind, als Menschen mit echten Gefühlen anzusehen. Frei nach Shakespeare:
      Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht?
      Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht?
      Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht?
      Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen?

      Letzteres ist leider immer wieder der Fall und birgt nicht selten tragische Konsequenzen für die Person und sein unmittelbares Umfeld. Denkt an Stan, wenn ihr solchen Menschen begegnet, reicht ihnen die Hand, sie werden es euch danken.


    • ² Ein wenig erinnert dieses Ereignis und das nachfolgende Kapitel an eine Folge aus der Serie "Sabrina - Total verhext", von der ich mich tatsächlich etwas inspirieren ließ. Die Zusammenhänge:
      - Es gab einen Streit zwischen Sabrina und Salem, einem zur Katze verurteilten Hexer
      - Salem wurde von einem Fahrrad angefahren und zu ihm nach Hause verschleppt
      - Er suchte auch einen Ausweg aus dem Zimmer und musste für die Spielereien seines Entführers herhalten
      - Auch der Vater wusste von Salems Existenz, nicht aber die Mutter


    • ³ Als Alternative für Stans Kosenamen kam für mich noch "Wuschel" in Frage. "Schnuffel" gefiel mir und allen, die ich fragte, aber besser


    • *4 Diese Szene hatte ich wollen bereits im letzten Part des 8. Kapitels erwähnen wollen, dummerweise aber vergessen. Als es mir wieder einfiel, war das Kapitel bereits so geschrieben, dass ich es nur schwer hätte einbringen können


    • *5 Hier gebe ich noch einmal deutlich meine Einstellung bzgl. des Wörtchens "es" wieder, wenn das Geschlecht des angesprochenen klar hervorgeht


    • *6 Ein wenig orientierte ich mich bei Lukas' Vater an meinen alten Herrn. Zu sehr ins Detail gehen möchte ich aber nicht ;). Sollte meine Schwester das hier früher oder später lesen: ich denke, du siehst einige Parallelen


    • *7 Diese glückliche Wendung war von mir anfangs nicht vorgesehen und wurde tatsächlich einige Minuten vorher von mir erdacht. Ich wusste nur, dass Stan entkommen würde, nicht aber, wie. Letztendlich entschied ich mich für den gestressten Vater, der von seiner Frau klein gehalten wird. Gefiel mir im Nachhinein wirklich gut.


    • *8 Der Anfang dieses Parts ist etwas dem Lied "You belong to the City" von Glenn Frey nachempfunden


    • *9 Diese Szene existiert tatsächlich in meiner Vergangenheit und ist einer meiner Erinnerungen nachempfunden


    • *10 Die Wahl auf Fukano ist keineswegs ein Zufall und ist ein Tribut an die Geschichte "Born to be wild" von Blackdraco, der mich mit seiner eigenen Pokémon-Erzählung zu diesem Werk hier inpspriert hat


    • *11 Dieser Satz stammt aus der völlig verkommenen Zeichentrickserie "Drawn together"


    • *12 Der Titel dieses Parts ist ein Tribut an das gleichnamige Lied von dem großartigen Gitarrist und Sänger Gerry Rafferty, der leider im Januar 2011 verstorbenen ist.


    • *13 Ein bislang wohl gehütetes Geheimnis ist, dass urpsprünglich Flamara für Sheinux' Rolle vorgesehen war, er also die Hauptrolle hätte spielen sollen. Sehr lange hielt ich sogar an dem Gedanken fest. Ich stimmte mich selber damit um, dass Feuer für mich ein sehr gewalttätiges und zerstörerisches Element ist und Stan wohl einige Male Opfer von Sheinux' Attacken wird. Darum entschied ich mich, die Rolle dann doch an jemand anderes zu vergeben. Und überhaupt: It's fucking Sheinux!
      Bei dem Charakter von Flamara orientierte ich mich etwas an die des Bark aus Final Fantasy IX. Liebenswert, lacht gerne, eine Anführerrolle und charismatisch


    • *14 Ein wenig an die Szene orientiert, nachdem Tifa in Final Fantasy VII erstmalig die Highwind betrat ("Wie geht es dir?" - "Meine Wangen schmerzen etwas.")


    • *15 Meine Schwester brachte mich noch am selben Tag, als ich dieses Kapitel schrieb, auf dieses Wortspiel


    • *16 Es gab für mich zwei Möglichkeiten, dieses Kapitel fortzuführen. Die erste (unveröffentlicht) wäre gewesen, Stan sich unmittelbar dem Frühstück nähern zu lassen, sodass der Pfleger glaubt, er würde sich darüber hermachen. Die zweite ist die, die veröffentlicht wurde. Ich entschied mich lediglich für diese, da es einfach zu schreiben war.


    • *17 Die "Befehlskette" ist eine Referrenz an die Show Firefly und ist aber gleichzeitig auch ein Tribut an Brandor Grimmflamm, einem Helden aus Guild Wars.



    Kapitel 10:

    • ¹ Die Beschreibung von der Umgebung von Laubwechselfeld bereitete mir anfangs starke Probleme, weshalb ich mich umfangreich informieren musste.


    • ² Mit den letzten Ereignissen konnte ich endlich wieder umschwenken und die alten Traditionen der Geschichte wieder aufleben lassen; für das dritte Buch von unglaublicher Wichtigkeit.


    • ³ Die Beschreibung von Laubwechselfeld entstand auf dieses Bild hin (danke anbei an Maj).


    • 4 Anfangs war hier eine Szene geplant, bei der Colins Eltern auf Sheinux Aufmerksam werden sollten und Colin sogar Stellung zu seinem Freund nimmt. Diese Szene ging aber unter, was angesichts den Menschenauflaufs kein Problem scheint.


    • 5 Natürlich trägt Colin, vertreten durch Sandan, die Schuld an dem Sandsturm. Diese Idee hatte sich mir aber erst kurz vor dem Erfassen des Kapitels ergeben.


    • 6 Wer an dieser Stelle verwirrt ist: Der Blecheimerknacker ist eine von Sheinux' selbst getauften Fertigkeiten - nichts anderes aber als ein Tackle. Er wurde im ersten Buch namentlich erwähnt.


    • 7 Erst recht spät - eigentlich kurz vor dieser Szene - realisierte ich, dass in der Höhle Windstille herrscht und Scorpio deshalb sich nur eingeschränkt bewegen hätte können. Da diese Konfrontation aber seit ewigen Zeiten geplant war, entstand diese dramatische Szene.






    [tab=Danksagungen]


    Erst einmal möchte ich hier ein herzliches Dankeschön an die Userin Milchbroetchen aussprechen, die nicht nur meine Geschichte fleißig verfolgt und kommentiert, nein, auch für ihren Vorschlag, mich für den Profi-Bereich in Erwägung zu ziehen.


    Ein weiterer Dank geht an den Foren-Mitarbeiter Justice, der mir im Verlauf des zweiten Teils der Geschichte eine Menge nützlicher Hinweise zur Satzzeichenstellung gegeben hat.


    Auch hier noch einmal ein dickes Dankeschön an meine Schwester, die auch dieses Buch mit einem besonderen Bild geziert hat sowie ein wunderschönses Bild für den dritten Part des 8. Kapitels zur Verfügung gestellt hat.



    [tab=PN-Benachrichtigung]


    [tab=Urheberrecht]Das geistige Eigentum an Pokémon und an der fiktiven Welt, in der diese Geschichte spielt, gehört Gamefreak. Die hier vorgestellten Figuren ihre von mir eingehauchte Seele und die Geschichte ist mein Werk und darf als solches nicht von Dritten nach außen ohne meine Zustimmung präsentiert werden. Urheberrechtsverletzung ist ein Delikt und verstößt gegen das Urheberrechtsgesetz gemäß Paragraph 106 und kann zivilrechtliche Klagen zur Folge haben.
    [/tabmenu]

  • Sorry, das ich keinen Kommentar mehr gegeben habe, das hole ich jetzt nach. Ersteinmal freue ich mich total, dass es eine Fortsetzung gibt und hab schon bei den Steckbriefen total lachen müssen. Ich bewerte aber jetzt mal nur das letzte Kapitel.


    Kapitel *ähh* 15 Part 4 :
    Ersteinmal, ich finde Fiffyen ziemlich genial. Guter Charakter. Und ich hoffe, dass sie noch ein paarmal auftauchen wird. Du hast wirklich sehr gut beschrieben und der Kampf war super. Kino-Feeling^^ Das sich Pikachu und Sheinux zusammenschließen, hätte ich nicht gedacht. Aber du hast wirklich gute Ideen. Und erst das Ende! Supersüß, kitschig oder wie man es auch nennen kann. Rechtschreibfehler sind mir soweit keine aufgefallen, bekriteln kann ich nichts. Tja, Buch 1 ist total gelungen.


    Ach ja, könntest du mir eine PN-Benachrichtigung geben?
    LG, Dusty

  • Kapitel 1: Stammkundschaft


    Part 1: Die Rückkehr der Verwüster


    Die Schritte zweier Menschen hallten in einer verregneten und für diese Jahreszeit recht frischen Nacht durch die ausgestorbenen Straßen von Moosbach City. Von Wind und Wetter arg gebeutelt, lotsten sie sich gegenseitig durch die, eine wie die andere aussehende Einkaufspassage von jener Stadt und ließen dabei Regenpfützen, die so groß waren, dass der eine der beiden sogar darin hätte ertrinken können, hinter sich. Einer von beiden hielt ein kleines Bündel von Fell in seinen mageren Armen fest verschlossen. So klein und unbedeutend, als das man ihm sicherlich beim Vorbeigehen keine große Beachtung schenken würde. Darf ich vorstellen: Ich, Sheinux.


    Schwere Regentropfen klatschten mir auf die Stirn und hielten mich nachdrücklich davon ab, durch das rhythmische Schaukeln in den Armen meines Trainers vor Müdigkeit einzuschlafen. Keine Stunde war vergangen, seit ich mein Leben für das meines Trainers und dessen Freund bei einem Kampf um das nackte Überleben riskiert hatte und aus diesem siegreich, wenn auch nur knapp, hervor getreten war. Somit war zumindest ein Teil der Lebensschuld, die ich meinem Trainer verantwortete, beglichen.
    Hm? Was meintet ihr? Ist euch zu hoch? Nein, ganz einfach. Lasst es mich euch erklären: Zweimal hatte Stan, mein Trainer, mir bereits mein Leben in zwei äußerst prekären Situationen gerettet. Akten der Barmherzigkeit, die Wiedergutmachung meinerseits forderten. Erst wenn diese Schuld beglichen sein würde, könnte ich, zumindest rein theoretisch, mit reinem Gewissen wieder meinen eigenen Weg gehen. Diese Schuld war an jenem Abend mit dem Sieg über ein recht aggressives Rudel von wilden Pokémon zur Hälfte beglichen worden. Doch der Kampf hatte nicht nur meinen Trainer und Colin, seinen Freund, sondern auch mich schwer gezeichnet.
    Verletzt? Ich? Nein, nicht wirklich. Ich war nur eins: Müde, auch wenn mein Trainer da offenbar anderer Meinung war...


    „Halte durch Sheinux. Wir sind gleich da.“
    „Jetzt hast du durch mich soviel Geld in der Tasche, und kannst dir immer noch keinen Regenschirm leisten...“, murrte ich verdrießlich, während Regentropfen wie Kanonenkugeln auf mich einhämmerten.
    „Wie geht es ihm?“, hörte ich die Stimme Colins, Stans neuem besten Freund, durch den tosenden Wind, dem Trommeln des Regens auf die Straßen und Dächer von Mossbach City, und den patschenden Renngeräuschen zu uns herüberhallen.
    „Wie soll es mir schon großartig gehen? Unten schön warm und trocken, und oben frierend und aufgeweicht. Von meinem geknickten Schwanz will ich erst gar nicht sprechen...“, entgegnete ich ihm mürrisch. „Heißt das, ich bekomme nur eine halbe Lungenentzündung? Sehr tröstlich...“
    Stans Blick wanderte zu mir, wie ich so in seinen Armen gebettet lag, hinab. Er zuckte ahnungslos die Schultern.
    „Na, zumindest sein Mundwerk scheint zu funktionieren“, lachte Colin. „Ah, endlich! Wir sind da.“


    Ein großes, mit weißen Fassaden versehenes Gebäude türmte sich eindrucksvoll vor uns auf. Fahles Straßenlaternenlicht fiel auf das knallrote, kuppelförmige Dach, auf dem sich die weißen Umrisse eines Pokéballs kennzeichneten. Ein Pokémon-Center.
    „Meinst du die haben so spät noch auf?“, fragte Colin und musterte misstrauisch die schweren grauen Rollläden vor den Fenstern.
    Zögernd schritt Stan den Gehweg vor dem Gebäude auf und ab und stierte dabei durch die schützenden Fensterläden.
    Was machte er sich eigentlich vor? Es goss in Strömen und es war mitten in der Nacht. Glaubte er etwa allen ernstes, jemand würde plötzlich freudenstrahlend vor dem Fenster erscheinen, sie auf Milch und Kekse hereinbitten und für all den Matsch und Dreck den sie dabei hereinschleppten lobpreisend anerkennen oder vielleicht sogar Luftsprunge vor Freude machen? Also bitte...
    „Scheint geschlossen zu sein...“, murmelte Stan.
    „Meinst du ich sollte klingeln?“, fragte Colin. Er deutete auf einen bläulichen Knopf an der Hauswand.
    „Äh...“
    „Wir stehen morgen noch da, wenn du von ihm jetzt eine Antwort erwartest!“, rief ich erregt, während eiskalte. sinnelbeerengroße Regentropfen, die vom Dach des Pokémon-Centers abperlten, auf mich einhämmerten „Tu du es, bevor ich es tue!“


    Ein munterer Klingelton tönte in das scheinbar ausgestorbene Gebäude, als Colin den Schalter mit seiner durchweichten Hand berührte. Die beiden Menschen warfen sich untereinander flüchtige Blicke zu, während die ereignislosen Sekunden förmlich vom Regen in die dunklen unterirdischen Abwasserkanäle fortgespült wurden.
    Stan gab einen resignierenden Seufzer von sich.
    „Warte, ich versuche es noch mal...“, sagte Colin.
    Gerade als ich mich sogar mit dem Gedanken hätte anfreunden können, mich in die Wärme und Beharrlichkeit meines Pokéballs zurückzuziehen - ein schwaches Licht, dass schwach durch die Jalousien leuchtete. Jemand war tatsächlich auf uns aufmerksam geworden.


    Ein lautes, metallisches Klicken. Surrend teilte sich die gläserne Eingangstür vor unseren Augen. Eine recht verschlafen wirkende Frau, mit Morgenrock und Pantoffeln, musterte uns misstrauisch.
    „Wo kommt ihr denn her und wie seht ihr überhaupt aus?“, fragte Schwester Joy, die Leiterin des Pokémon-Centers stirnrunzelnd.
    „Nicht die Stirn in Falten legen, es könnte bleibende Schäden zurückbleiben“, antwortete ich.
    Was spielte das für eine Rolle wo wir herkamen? Es lag doch glasklar auf der Hand wo wir hinwollten. Reichte das nicht?
    Ihr Blick wanderte von der durchgescheuert Gestalt Colins, zu meinem nicht weniger durchweichten, und hier und da mit dunklen Brandflecken auf der Kleidung versehenen
    Trainer, hinab auf meinen, aus Stans Armen herauslugenden pitschnassen Kopf.
    „Äh, also...“, begann Stan zusammen zu stammeln. „Wir, das heißt...“
    „Egal, kommt erst mal rein in die gute Stube. Husch!“, sagte Joy bestimmend aber mit freundlichem Ton. Glücklicherweise hatte sie wohl erkannt, dass aus Stan nichts herauszukitzeln war.


    Wohltuende Wärme durchflutete meinen vom Regen aufgeweichten Körper, als die elektronische Tür hinter unseren Rücken ins Schloss fiel und somit endlich dem Unwetter entkommen waren. Jetzt, wo keine nervtötenden Regentropfen mehr bleischwer mir auf den Kopf hämmerten, durchflutete schlagartig eine neue Welle von Müdigkeit meine matten Glieder. Schläfriger als je zuvor war mir zumute, doch kämpfte ich verzweifelt gegen das Einschlafen ein. So, in dieser erniedrigenden Pose, mochte ich mich gar nicht vor der Welt präsentieren. War ich schließlich nicht irgendwer. Verständlich, oder?


    Der Übermüdung zum Trotz befreite ich mich aus dem schwächlichen Griff meines Trainers, sprang auf die weißen Keramikplatten des Eingangsbereichs und befreite mich zum Leidwesen aller Beteiligten unter heftigem Schütteln von dem überflüssigen Nass in meinem Fell.
    „Was denn?“, fragte ich reinen Gewissens und blickte in Stans Augen. „Habt ihr etwa Angst nass zu werden?“
    „Moment mal... Euch kenne ich doch...“, sagte Schwester Joy und musterte mich scharf. Die Freundlichkeit hatte ihre Stimme verlassen.
    „Äh...“, murmelten Stan und Colin wie aus einem Mund.
    Ich gluckste. Die beiden wurden sich immer ähnlicher. Doch was meinte sie damit - sie würde uns kennen? Natürlich kannte sie uns. Wir waren schließlich vor nicht mal einen Tag hier auf einen kleinen Happen...


    Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Bei unserem letzten Besuch hatte Colins Pokémon Pikachu und ich eine, nun ja, kleine Meinungsverschiedenheit und dabei ein-zwei Gläser zerdeppert. Nichts schlimmes... Ja, schon gut, ich gebe es ja zu: Der Speisesaal ähnelte am Ende einem Trümmerfeld. Zufrieden?!
    Als ob mich die ganze Sache überhaupt nichts anging, kehrte ich den Menschen den Rücken zu und versuchte mich klammheimlich vom Acker zu machen.
    „Momentchen mal!“
    Etwas packte mich heftig am Schwanz und zog mich rücksichtslos zurück. Es war Colin
    „Autsch! Kannst du nicht aufpassen?“, rief ich erregt. Eines könnt ihr mir glauben: Hätte ich nicht einen solch anstrengenden Tag hinter mir gehabt, hätte es als Antwort für diese Unverschämtheit eine frische Ladung Strom gesessen. „Ist ja schon gut. Entschuldigung, okay? Dankt man eigentlich so seinem Lebensretter?“, murrte ich.


    „Sieht so aus als wäre Sheinux einsichtig“, sagte Colin. „Also vergeben und vergessen?“
    Schwester Joy seufzte.
    „Bleibt mir denn eine andere Wahl? Vor der Tür setzen kann ich euch auch nicht... Also was kann ich für euch tun? Ein paar warme Betten vielleicht?“
    „Das wäre sehr nett, aber unsere Pokémon sind sehr mitgenommen und bräuchten dringend etwas Fürsorge“, antwortete Colin.
    Ich hätte sogar meinen Schwanz darauf verwettet, dass uns die Krankenschwester für diese Dreistigkeit in hohem Bogen hinauswerfen würde. Schließlich war längst Nachtruhe angesagt und wir, das heißt Colin, besaß sogar noch die Frechheit, sie um diese Uhrzeit um einen solchen Gefallen zu bitten. Doch zu meiner großen Verwunderung nickte sie entschlossen.
    „Natürlich. Ich weiß ihr würdet mich nicht darum bitten, wenn es nicht wichtig wäre. Also kommt mal mit.“

  • Juhu, endlich geht’s weiter^^ Ich bewundere dich ja immer wieder dafür, dass du so schnelle Finger hast und so gute Ideen. Ich bin nicht mal im Entferntesten so flott wie du mit schreiben^^


    Die Fortsetzung habe ich mir auch ungefähr so ausgemalt, war also etwas absehbar. Erwartet habe ich aber nicht, dass Schwester Joy sie noch kennt, eine gute Idee. Schließlich kann es ja auch nicht alle 100m ein neues Pokémon-Center stehen, daher ist das sehr gut verständlich. Doch an der einen Stelle habe ich gestutzt… kann natürlich auch sein, dass ich schon müde bin oder so, aber nein, die Stelle konnte ich einfach nicht deuten:



    Zitat

    Gerade als ich mich sogar mit dem Gedanken hätte anfreunden können, mich in die Wärme und Beharrlichkeit meines Pokéballs zurückzuziehen - ein fernes Licht. Jemand war tatsächlich auf uns aufmerksam geworden.


    Wer soll auf sie „aufmerksam“ werden? Aber wenn ich nochmal recht darüber nachdenke, Sheinux fragt sich, ob sich jemand ihrer annehmen würde, oder? Und das helle Licht… das Pokémon-Center? War nicht schon Nachtruhe? Ach… ist glaube doch richtig so^^ Bin wohl einfach müde xD


    So… da es recht kurz war, hab ich eigentlich nicht viel zu sagen, aber ich bin gespannt, wie du die Story weiterführen wirst^^
    Zu deinem vorherigen Abschlusskapitel… ich hätte erwartet, dass Sheinux auch mal verliert und Stan mehr in Gefahr kommt^^ Aber ist schätzungsweise die richtige Entscheidung gewesen, dass er gewinnt^^


    Bis demnächst und weiter so…
    Kannst mir gerne ,wie vorher, wieder PN-Nachrichten schreiben, bzw. GB-Einträge, wenn du einen neuen Part online gestellt hast. Freu mich, wies weiter geht x)
    LG

  • Part 2: Pokémon unter sich

    Ein Bild des Jammers spielte sich vor den Augen Schwester Joys ab, als wir uns auf Geheiß unserer Trainer vor ihren Augen präsentieren mussten. Das teilweise mit schwarzen Brandflecken übersehene Fell Pikachus war verstrubbelt und lichtete sich sogar an manchen Stellen. Saft- und kraftlos hing sein zickzackförmiger Schwanz auf dem Boden. Marills aquamarinfarbene Haut zierten schwere Brandblasen. Es machte stark den Eindruck als würde sie alle Zähne zusammenbeißen um nicht vor Schmerzen bittere Tränen zu vergießen. Auch Sandans gleichförmiger Schuppenpanzer war mit dunklen Brandstellen übersäht. Er wiederum schien es aber eher gelassen, ja fast schon desinteressiert, hinzunehmen.
    Ich? Nun, zumindest hing der meiste Dreck meines Körpers nicht mehr an mir, sondern jetzt viel eher an Stans Klamotten. Doch auch ich sah so zerzaust aus, dass ich hätte Fiffyen - eine flüchtige Bekanntschaft - ernste Konkurrenz machen können. Neben einer dünnen Asche- und Schlammschicht zierten noch zwei-drei schwarze und übelriechende Brandschwelen mein ansonsten makelloses Fell. Ansonsten konnte ich, bis auf Übermüdung und leichtem Hunger, eigentlich nicht klagen.
    Doch Feurigels regelrechter Zustand der Verwahrlosung blieb konkurrenzlos: Seine weißen Verbände, welche er als Folgen eines nicht allzu fernen Turniers tragen musste, waren völlig zerfetzt, während sein restliches Erscheinungsbild stark dem Pikachus ähnelte: arg verstrubbelt und stellenweise mit hässlichen Brandflecken übersäht. Wehmütig schaute er auf den Gürtel seines Trainers, an dessen der Pokéball – sein Zuhause - hing.

    Schwester Joy machte den Eindruck, als wäre sie am Liebsten sogleich Stan und Colin an den Hals gefallen. Drohend baute sie sich vor den beiden auf. Colin, schrumpfte unter ihrem strengen Blick beinahe auf Sandans Augenhöhe zusammen, während Stan eingeschüchtert die weißen Kacheln auf dem Boden zu zählen begann.
    „Wo um Himmels Willen habt ihr euch herumgetrieben?!“, rief sie mit bedrohlicher Stimme. „Egal, sagt es mir später...“, unterbrach Joy Stans gestammelte Ausflüchte, „...eure Pokémon genießen Vorrang.“

    Nach und nach begann Schwester Joy meine Gefährten auf einen mit Pflastern, Bandagen, Salbentuben, und allerlei sonstigen Ärztegrimmskrams übersäten Tisch zu setzen, und sie der Reihe nach zu versorgen. Bruchstückartig hallten Kommentare wie: „Wirklich ungeheuerlich...“ und „Und ihr wollt euch einen Trainer nennen...“ zu den beiden Sündern herüber, während sie mitfühlend ihre Patienten umsorgte.
    „Woher hat Sheinux diese Narbe?“, fragte Joy, als sie sich endlich meiner angenommen hatte und beim Begutachten meines Körpers an meinem rechten Vorderbein hängen blieb. „Sieht ein paar Tage älter aus und wurde offenbar nicht sorgfältig genug behandelt.“
    „Ähm...“, murmelte Stan, nach wie vor die Fließen unter seinen Füßen zählend.
    „Eine Narbe?“, rief ich hellauf begeistert und begutachtete interessiert die Wunde unter meinem Fell.
    Nur recht unbeholfen hatte Stan vor einigen Tagen eine Verletzung, die mir nach einer großen Schlacht zugefügt worden - und aus der natürlich ich siegreich hervorgetreten war (klar, oder?) – war, versorgt. Nun zierte der Beweis meines Triumphs wie eine Gravur auf meinem Körper. Ein wahrlich ehrfurchteinflößendes Mal.
    „Wenn solche Verletzungen nicht sofort behandelt werden, verblassen solche Wunden niemals“, sagte Joy grimmig und warf Stan dabei einen vernichtenden Blick zu.
    „Na umso besser!“, entgegnete ich. „Kann es gar nicht erwarten, endlich nachhause zu kommen um damit zu prahlen. Von den fünf Prozent Preisnachlass in meiner Lieblingsspelunke, für jede Kriegsnarbe, ganz zu schweigen.
    Stan schien jedoch unter den wütenden Blicken meiner Wohltäterin nicht wirklich zufrieden zu sein und setzte sein Stillschweigen ungehindert fort.

    Ein starker Geruch von unterschiedlichen Brand- und Schmerzsalben lag in der Luft, als wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich alle versorgt waren. Glücklicherweise waren weder meine, noch Sandans Verletzungen so schlimm gewesen, dass wir einen Satz Bandagen nötig gehabt hätten. Unsere übrigen Kameraden teilten jedoch nicht unser Glück und machte mit ihren schneeweißen Verbänden verpackt einen recht belämmerten Eindruck.
    Dicht an dicht – Fell an Haut an Schuppen geengt – rollte uns Schwester Joy, mit unseren beiden schuldbewussten Trainern im Schlepptau, auf einem zweistöckigen Wägelchen durch die nur notdürftig beleuchteten Korridore des Pokémon-Centers. Nach schier minutenlanger Irrfahrt öffnete sie, mit einem leisen Klicken ihres Schlüssels, eine beigefarbene Tür am Ende eines langen Ganges. Mit einem weiteren Klickgeräusch – diesmal auf einen Schalter an der Wand in der Nähe des Eingangs – wurde es im Zimmer plötzlich taghell. Sechs federweiche, einladende Betten waren in zwei Dreierreihen parallel zueinander aufgestellt.
    Sorgsam bettete Schwester Joy jeden von uns auf ein Bett und bedeckte unsere ausgezehrten Körper mit einer schützenden und flauschigen Bettdecke. Ohne großartig irgendwelche Anstalten zumachen, nahm ich mein Nachtlager in mittleren Bett zwischen Feurigel und Sandan ein, während Pikachu und Marill gegenüber ihre Matratze bezogen.
    „Schlafenszeit. Bis morgen, ihr Süßen“, sagte Schwester Joy, schenkte uns ein sanftes lächeln und verließ, mit Stan und Colin im Schlepptau das Zimmer.

    Die Nacht kehrte erneut in den Raum ein, als die Tür mit einem leisen “Klick“ ins Schloss fiel. Mein Seufzen hallte durch die Finsternis des Zimmers.
    „Endlich allein...“
    Erschöpft zog ich die Bettdecke bis an meine Kinnlade hinauf. Von rechts ertönte ein müdes Gähnen, welches ich sofort als das Feurigels erkannte.
    „Echt wahr. Ich will nur noch schlafen und am Liebsten nie wieder aufwachen...“
    Im Schutze der Dunkelheit kräuselte ich hämisch die Lippen.
    „Das bleibt wohl leider nur ein Wunschdenken, Feurigel. Ich reiße dich ja nur ungern zurück in die Realität, aber stell dich darauf ein, dass es morgen seinen gewohnten Gang nehmen wird.“
    „Warum redest du so abfällig über deinen Trainer?“, piepste eine Stimme von der gegenüberliegenden Seite des Raumes. Es war Marill. „Magst du ihn etwa nicht?“
    „Doch, eigentlich schon“, antwortete ich wahrheitsgemäß. „Aber es gibt eben doch noch Dinge in meinem Leben, die ich dieser gemeinsamen Reise vorziehen würde. Außerdem ist Stan nicht gerade ein Paradebeispiel für einen guten Menschen, Trainer, oder gar Freund.“
    „Verstehe ich nicht so richtig. Was meinst du damit?“, fragte Marill. „Ist er denn nicht gut zu euch?“
    „Das schon, aber...“ Ich stockte. Viel zu müde war ich, als das mir irgendwelche einleuchtenden Argumente für die Unfähigkeit meines Trainers einfallen wollten. „...Wirst du wahrscheinlich selbst schon sehen“, sagte ich schließlich. „Wir reisen wohl eine Zeit lang gemeinsam.“
    „Wirklich?“, piepste Marills freudige Stimme durch den Raum. „Toll, wird sicher lustig.“
    „Jaah, irrsinnig komisch, wenn man an den heutigen Tag denkt“, schnaubte ich abfällig. „Wenn ich nicht gewesen wäre, dann... Nun, ich denke ihr wisst was ich meine...“

    Ein langes Schweigen, nur leicht durch das leise Geraschel der Bettdecken unterbrochen, zog durch den Raum. Ja, es war nun mal so. Ohne mich hätte die Reise an diesem Tag ein jähes und recht trauriges Ende gefunden. Kopf und Kragen hatte ich riskiert, um meinen Trainer zu retten, obwohl ich hätte auch ein Leben im Exil in Kauf nehmen können: Einsam und allein. Mein eigener Herr und Gebieter. Doch bis zum Ende meiner Tage mein Haupt in Schande tragen müssen. Aber im Nachhinein denke ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Nur noch eine Lebensrettung trennte mich von dem Gefühl der Befreiung und davon, endlich die tonnenschwere Schuld ablegen zu können.
    „Was mich auf die Frage bringt...“, unterbrach Pikachu die Stille im Raum „...Wo warst du eigentlich, als der Kampf begonnen hatte?“
    „Würde mich auch interessieren“, murmelte Feurigel. „Wir hätten dich wirklich gebrauchen können...“
    „Mich auch“, piepste Marill.
    „Was spielt das für eine Rolle?“, entgegnete ich. „Wichtig ist doch nur, das ich letztendlich unser aller Leben gerettet habe.“
    „Hast wohl was ausgefressen und bist weggerannt, hm?“, mokierte sich Pikachu über mich.
    „Ist das wahr? Was ist passiert?“, fragte Feurigel neugierig.
    „Ach, i wo. Ich bin nur beim Gänseblümchenpflücken vom Weg abgekommen“, entgegnete ich mit sarkastischer Stimme.

    Mein Kommentar hatte die unterschiedlichsten Reaktionen meiner Kameraden zur Folge.
    Während Pikachu ein abfälliges Schnauben von sich gab, löste meine Bemerkung bei Marill einen heftigen Lachanfall mit anschließendem Schluckauf aus.
    „Ach so...“, gähnte Feurigel durch das Gehickse von Marill und klang dabei so, als hätte er meine Geschichte tatsächlich ohne Weiteres geschluckt.
    „Lächerlich...“, spottete Pikachu. „Er will uns bloß nicht die Wahrheit sagen, oder was meinst du, Sandan?“
    Instinktiv richtete ich meinen Kopf auf das Bett zu meiner Linken, wo Sandan bislang stillschweigend unser Gespräch belauscht hatte. Überhaupt konnte ich mich nicht erinnern, jemals seine Stimme gehört zu haben.
    „Ist doch im Grunde egal, ob er die Wahrheit spricht oder nicht. Wie er schon sagte: Letztendlich zählt nur, dass er da war und für unsere Sache gekämpft hat.“
    Mein Herz machte einen Hüpfer. Niemals hätte ich geglaubt, dass mir Sandan plötzlich doch sympathisch werden würde. Im schützenden Schleier der Nacht grinste ich hämisch zu Pikachus Bett hinüber.

    „Sheinux war dein Name, oder?“, fragte Marill leicht atemlos, nachdem sie sich endlich nach fünf Minuten von ihrem Schluckauf befreit hatte.
    „Zumindest zum Teil richtig“, antwortete ich freundlich. „Wenn ich mich vorstellen darf: Sheinux, Sohn des Sechsten Hauses, unangefochtener Champion und Revierherrscher des westlichen Nationalparks, großmeisterlicher Mülltonnendurchwühler, mit dem blechernen Bierdeckel ausgezeichneter Meisterlangfinger, legendärer Voltensobezwinger, unverzagter Hüter der Reisekasse und Lebensretter zweiter Klasse. Freut mich, dich kennen zu lernen“
    Von dem mir gegenüberliegenden Bett ertönte ein weiteres, wütendes Schnauben, welches ich problemlos als das Pikachus identifizierte.
    „Freut mich“, kicherte Marill. Weißt du eigentlich, wo die weitere Reise hingehen soll, jetzt wo unser und euer Trainer Freundschaft geschlossen haben?“
    „Hm...“, murmelte ich nachdenklich. Nicht allzu selten hatte ich meine Zeit mit Nachdenken verbracht, was Stans eigentlich Ziele waren. Noch zu gut konnte ich mich an die Worte eines Menschen erinnern, den wir auf unserer gemeinsamen Reise getroffen hatten: . „Ziemlich planlos“, womit er auch recht hatte. Aber da war doch noch was...
    „Colin erwähnte heute mittag, nachdem unsere kleine Fehde ein jähes Ende gefunden hatte und du natürlich in deinen Pokéball verfrachtet wurdest, dass sie zu einem Ort namens “Raumfahrtzentrum“ aufbrechen wollten“, antwortete Pikachu höhnisch. Obwohl ich nicht einmal die Pfote vor Augen sehen konnte ging ich anhand seines Tonfalls jede Wette ein, dass er gerade mir eine hässliche Grimasse zugeworfen hatte.
    „Fehde?“, hakte Marill neugierig nach. „Was meinst du damit? Was ist...“

    Ein schwacher Lichtstrahl suchte sich seinen Weg in unser Zimmer, als sich die Tür plötzlich einen Spalt weit öffnete und Schwester Joys Kopf in das Zimmer spähte
    „Nun ist aber Schluss! Ich möchte nichts mehr hören“, mahnte sie uns. „Ihr hattet einen viel zu langen Tag. Jetzt ist Schlafen angesagt!“
    Mit einem leisen Klicken fiel die Tür wieder ins Schloss.
    Ich schnaubte verächtlich.
    „Was glaubt sie wer sie ist? Uns zu sagen, wir sollten schlafen? Und überhaupt: Was weiß sie schon? Könnte Baumstämme ausreißen, so fit bin ich“, log ich kühl. „Und Feurigel auch, oder Feurigel? Feurigel? Öhm...“
    Die rhythmischen Atemzüge meines Freundes hallten leise zu mir hinüber. Nun gut, ich konnte es ihm nicht verübeln. Er hatte an diesem Tag wahrlich einen heldenhaften Kampf gefochten und seine Ruhe redlich verdient.
    „Ich denke...“, gähnte Marill, „... wir sollten auch etwas schlafen. Gute Nacht, träumt was Schönes.“
    „Du auch, gute Nacht.“

  • Hallo Eagle,


    also ich hab mir die letzte Zeit deine FS durchgelesen und ich muss sagen: Respekt! Die hat mich sowas von in den Bann gezogen, ich konnte zwischendurch überhaupt nicht mehr aufhören zu lesen.
    Also ich muss sagen sprachlich wie auch inhaltlich... sehr ansprechend.
    Da ich zum sprachlichen Teil nicht so viel sagen (kritisieren) kann sag ich halt mal was zum Inhalt deiner FS:


    Also ersteinmal: Sheinux ist klasse, ich find den richtig gut, so schön arogant, genau mein Geschmack. Stan jedoch kann ich irgend wie nicht leiden... Er krieg einfach seinen Mund nicht auf... ich hoffe, er entwickelt sich im Laufe der Geschichte noch weiter. Feurigel hingegen ist wieder toll, seine Faulheit/Verfressenheit kommt richtig gut rüber.
    Die Idee, mit dem Leben-retten-Zeug find ich auch gut, so hat Sheinux erst einmal einen Grund bei Stan zu bleiben, aber ich denke, den wird er bald nicht mehr brauchen :)  
    Die Sache auf dem Schiff war ganz okay, zwar nichts besonderes aber gut geschrieben. Was ich allerdings hier sehr gut fand, war die Sache mit dem Geld, das kommt in den meinsten FS zu kurz, und bei dir geht Stan pleite... genial :D
    Dass sie das Tunier gewinnen, war irgendwie klar, aber auch nicht schlimm, immerhin ist jetzt die Reisekasse wieder gefüllt.
    Dann schließt sich Colin an, find ich auch gut, den wenn man zu zweit Reist, wird er lustiger. Ich finde es nur doof, dass du Pikachu solch einen Charakter gegeben hast, ich find es doch soo süß :) Aber naja, vielleicht werden die zwei ja noch im Verlauf der Geschichte Freunde... wer weiß.
    Dann kam die Sache im Wald - Sheinux hat vielleicht etwas über reagiert, immerhin hätte es ihm klar sein müssen, dass wenn er nicht auf Stan hört, er das nicht sonderlich gut findet. Aber das er so überreagiert hat, hing ja auch damit zusammen, dass er Stan richtig zu mögen begann. Als er dann alleine im Wald war hast du seine Gefühle richtig gut beschrieben. Und dann traf er meinen bis jetzt absoluten Lieblingscharakter: Fiffyen. Die hast du so goldig geschrieben. Ich hab sie richtig gern gewonnen und fand es sehr schade, dass sich Sheinux so schnell von ihr verabschiedet hat. Aber vielleicht treffen sie sich wieder. Sie könnte sich ja Stans Team anschließen. Das fänd ich klasse :D.


    Jetzt zu den neuen Kapiteln: Da ist ja noch nicht viel passiert. Die Idee, dass sie zum zweiten Mal in das selbe Pokemon Center gehen ist gut, dass sie die Schwester Joy aus dem Schlaf klingeln auch - in der Pokemonwelt gibt es anscheinend so etwas wie einen Nachtdienst nicht:D
    Wie sich die Pokemon unterhalten ist auch wieder süß geschrieben. Dabei ist mir das niedliche Marill aufgefallen. Wieder sehr süß, obwohl es nicht mit Fiffyen mithalten kann :D


    Alles in allem eine sehr schöne Geschichte, ich werde sie weiter verfolgen und freue mich auf das nächste Kapitel!


    In diesem Sinne
    lG Milchbroetchen

  • Wow, also wie schon gesagt habe: in Geschwindigkeit unschlagbar. Wünschte ich hätte die Fähigkeit wenigstens beim Komi schreiben XD


    Nach dem Titel zu urteilen... ein Reiseführer durch Hoenn, inklusive Kommentaren und persönliche Erlebnisse von Sheinux, Sohn des Sechsten Hauses, unangefochtener Champion und Revierherrscher des westlichen Nationalparks, großmeisterlicher... (und so weiter XD )
    Ok, also was kann ich kommentieren.
    Fehler: Keine gefunden. Nächster Punkt!


    Inhalt: Schönes Kapitel, natürlich passiert noch nicht so viel, ist ja klar. Aber dennoch sehr amüsierend^^
    Ich dachte eigentlich das Pokemon Center 24 Stunden am Tag offen haben, was aber, wenn man so recht überlegt, nicht möglich sein kann da jedes Center nur eine Schwester eingestellt hat (hab bis jetzt noch nie eins gesehen, das von mehr geführt worden wäre) Kann mir auch gut ihre Reaktion vorstellen, als die ganze vollkommen fertige Pokemontruppe sieht. Ich meine, was würde man da von den Trainern denken (wenn man nicht die Hintergründe kennt)
    Was mir besonders gefallen hat, war die kleine Unterhaltungsrunde der 5 Pokemon. Jetzt wissen wir, was Pokemon machen wenn man ihnen für ein Weilchen den Rücken zu kehrt : P
    Jetzt haben wir jedenfalls ein kleines Bild, was uns von den 3 erwartet. Pikachu, noch immer der gelbe Rivale; Maril, sympatisch und leicht zum lachen zu bringen; Sandan, wenn er redet, sagt er nur weißes. Ein wirklich toller Trupp.
    Als nächstes kommt Raumfahrtzentrum? Hehe, freu mich schon drauf :D


    Also dann, diese Mal wieder ein kurzes Komi meinerseits... wieder auf normal Größe geschrumpft.
    Übrigens, kannst mich wieder in die PN-Liste aufnehmen. Wie bei Buch eins: Werde mich bemühen bei jedem vollständigen Kapitel ein Kommentar abzugeben. Damit sage ich nur: Auf wieder lesen^^

  • Hallo Eagle! Ich habe dir ja schon im Vorraus gesagt, das ich mir deine Story durchlesen werde. Ich habe mir nun die Zeit genommen deine ersten beiden Kapitel unter die Lupe zu nehmen. Ich hoffe, die Kritik wird hilfreich und hoffentlich nicht allzu kurz sein.


    Startpost
    Finde ich recht gut gelungen. Das Bild ist mir schon früher in deiner Signatur aufgefallen und gefällt mir wirklich sehr. Zwar ist es nicht von dir selber gestalltet worden, doch das muss auch nicht sein. Es passt auf jeden Fall zu dem Thema dieser Fanstory.
    Es sind eigentlich so gut wie alle Themen enthalten, die ein Startpost haben sollte. Also ich habe nichts vermisst. Zudem finde ich die Idee mit dem Tab-menü grandios. Viele Infos reinbringen, dabei allerdings Platz Sparen. Echt tolle Idee!


    Kapitel 1 und 2 - Inhalt
    Also eins muss zunächst mal gesagt sein: die Idee, eine Story zu schreiben aus der Sicht eines Pokémons ist wirklich toll. Die Idee ansich ist nichts neues. Schließlich habe ich auch eine Story geschrieben, die aus der Sicht eines Pokémons verschrieben wird und es gibt noch viele andere. Doch es gibt wenige Geschichten, die auch wirklich beschreiben, wie das Verhältnis zwischen Mensch und Pokémon ist und das AUCH NOCH aus der Sicht des Pokémons. Also, wie gesagt - tolle Idee.
    Nun zum Inhalt der ersten beiden Kapitel: Ich bin es bereits gewohnt in deinen Fanstorys von einem Sheinux zu lesen. Auch der Charakter gleicht Raven aus "Die Zeitkrise".
    Ich habe so die Vermutung, dass dieser Charakter teilweise deinem Eigenen entspricht. Ist es so? Auf jeden Fall klingen die Umschreibungen und Gedanken nicht gezungen, wie es bei vielen Fanstorys der Fall ist, sondern wirklich "natürlich". Der Inhalt ist gut. (ich bin etwas vom Thema abgekommen) Also ich hoffe ich werde mehr von dem Pokémon erfahren, das das arme Sheinux so zugerichtet hat. Ich habe schon eine Vermutung, welches Pokémon dies sein könnte, aber das schreib ich jetzt leider nicht mehr rein.
    Also am besten an deiner Geschichte gefällt mir, dass du zwei völlig unterschiedliche Trainer präsentierst. Ich bin gespannt wie Sheinux dammit zurecht kommt. Und vor allem: wird es irgentwo am Ende auch das Leben seines Trainers retten?


    Schreibstil
    Ich glaube du weißt, wie sehr ich deinen Schreibstil mag. Er ist nicht allzu kompliziert, aber auch nicht zu simple. Eigentlich ist alles so gut wie perfekt. Ich rate dir allerdings (kann sein, das dies beabsichtigt ist) deine Kommentare in den Klammern wegzulassen. Das stört teilweise etwas beim Lesen. Ob du dies allerdings auch durchsetzt ist dir überlassen. Also ich hätte sonst nichts mehr zu kritisieren.


    ich habe auch keine Fehler gefunden. Dammit wäre mein erster Kommentar zu dieser Fanstory abgeschlossen, ich meld mich aber bald wieder zurück.
    Ps: ich wünsche mir momentan noch keine PN-Benachrichtigung

  • Sheinux plant in dem nächsten Part einen kleinen "Ausbruchsversuch." Doch sein Vorhaben ist ohne fremde Hilfe leider zum Scheitern verurteilt. Schon als er die Hoffnung aufgeben wollte, wird etwas geschehen. Wer glaubt ihr wird ihn hierbei unterstützen? 13

    1. Feurigel (1) 8%
    2. Marill (8) 62%
    3. Pikachu (2) 15%
    4. Sandan (1) 8%
    5. Doch niemand (1) 8%

    Vorsicht Spoilergefahr! Die Umfrage ignorieren, wenn ihr euch überraschen lassen wollt! Bitte auch nur an der Umfrage teilnehmen, wenn ihr die Geschichte bis zu diesem Punkt verfolgt habt.