Vivit!

  • Gehe hin und tue alsobeleber


    Vorerst ohne Titel:

  • Hallo Liu,

    ich wollte mal wieder kommentieren und bin dabei bei deinem Gedicht "Gehe hin und tue also" hängen geblieben, weil es einen so schönen Klang hat (gerade in den ersten Strophen, in der Mitte hat es mich ein wenig rausgeworfen) und ich es auch inhaltlich sehr interessant finde. Deshalb werde ich dir jetzt einen Kommentar dazu dalassen.



    Gehe hin und tue also

    Ich muss gestehen, ich kann mit dem Titel nicht so viel anfangen. Also so für sich stehend. Ich weiß aber, dass er später noch Teil des Gedichts wird, also werde ich mich da noch weiter mit ihm befassen, weil ich halt so nichts dazu zu sagen weiß. Nur so viel: Er hat mich nicht wirklich zum Lesen des Gedichts motiviert. Was sehr unglücklich hätte enden können, denn ich mag das Gedicht super gerne. (Auch wenn ich durch die Interpretation erst noch herausfinden muss, was es bedeutet.)


    Stürze! über jede Wurzel

    Halt dich fest! an jedem Ast

    Bette dich! auf weichen Nadeln

    Denk d'ran: Du bist nur ein Gast

    Allein dieser Beginn. Wann wird man schon mal dazu aufgerufen, zu stürzen? Und offensichtlich dient das Ausrufezeichen nur als Betonung, da der Satz (kleingeschrieben) ja noch weitergeht. Du malst auf jeden Fall das Bild eines Waldes. Also stelle ich mir ein Du vor, das durch den Wald läuft, über eine Wurzel stürzt, sich dann an einem Ast festhält, und sich dann freiwillig, nicht als Resultat des Sturzes, in die Nadeln legt. Ich finde es übrigens faszinierend, dass du die Nadeln als spezifisch weich beschreibst. So etwas gibt es ja, ist aber eher ungewöhnlich. Ich glaube, das alles läuft darauf hinaus, das Gute in all dem zu sehen. Vielleicht gleich in der ganzen Welt, denn in die Richtung würde ich den letzten Vers interpretieren. Man kann es aber auch kleinteilliger nur auf den Wald beziehen.


    Tritt heraus aus deinem Schatten!

    Komm ins Licht, mach dich bekannt

    Klopfe! Laut! an jede Türe

    Grüsse! Schüttle jede Hand!

    Ich hab das Gefühl, der erste Vers vermischt "aus dem Schatten treten" und "über seinen Schatten springen" - und nach der ersten Strophe bin ich mir sicher, dass das kein Versehen ist. Es geht vermutlich eher darum, sich selbst nicht so klein zu machen und mutig zu sein. In den letzten beiden Versen werden wieder die Ausrufezeichen verwendet, sogar noch einmal als Extra-Betonung für "Laut!". (Komischerweise erinnert mich dieser vorletzte Vers spontan an die Weihnachtsgeschichte, ich bin mir allerdings recht sicher, dass die hier nicht gemeint ist.) Ich hab gelernt, Schweizer Tastaturen haben kein ß, Grüße mit ss sieht für mich aber trotzdem irgendwie komisch aus.


    Winke! Rufe! Rede! Lächle!

    Heulen hört dich nur der Mond.

    Fletsche hie und da die Zähne!

    Glaubst du, dass sich Hoffen lohnt?

    Diese Strophe führt das Aus sich Rauskommen der letzten Strophe erstmal fort. Ich mag dabei total den Rhythmus, welcher nochmal beschleunigt wird durch die Aufzählung im ersten Vers. Und dann geht es weiter, wird etwas stiller, wie ein Wechsel zwischen betonten und unbetonten Versen (hab noch nie darüber nachgedacht, dass es so etwas auch geben könnte). Ich finde den zweiten Vers äußerst faszinierend. Man kennt ja das Bild der Wölfe, die den Mond anheulen. Das ist das erste Bild, das du hier sofort hervorrufst. Man könnte jetzt also davon ausgehen, dass es sich um Werwölfe handelt, die in diesem Gedicht angesprochen werden. Und ich glaube auch, dass man diese Interpretationsweise durchziehen könnte; gerade der folgende Vers mit dem Zähnefletschen passt ja super ins Bild, aber auch der Wald zu Beginn. Allerdings, was erst mit etwas Ruhe auffällt (also nicht, wenn man das Gedicht in seinem Rhythmus liest), ist, heulen in der Richtung von weinen zu interpretieren. Also entweder immer positiv zu denken, oder sich in anmerken lassen, wenn man es nicht tut. Ich finde beide Theorien (also auch die Werwolftheorie, aber ohne Werwölfe, wenn du mir noch folgen kannst) ziemlich cool, kann mich aber noch nicht für eine entscheiden, die mir besser gefällt. Das Gute ist aber, ich muss es auch gar nicht, weil der Vers ja beides aussagt. Für den folgenden Vers gilt das gleiche mit den Werwölfen ohne Werwölfe und im letzten will mein Gehirn in Auto-Vervollständigung immer "Glaubst du, dass es sich zu hoffen lohnt" einsetzen, was halt so null ins Metrum passt. Deshalb stolpere ich immer über diese Zeile. Aber wenn ich jetzt so überlege ... sie ist eher negativ. Im Sinne von, dass ich den Anfang recht positiv interpretiert habe, an dieser Stelle aber irgendwie das negative Gedankenbild des Du gezeichnet wird, wie ich finde. Aber vielleicht ist das ja genau das. Der Fragensteller fordert das Du heraus, mehr aus sich zu machen und die Welt nicht so negativ zu sehen. Er hofft darauf, dass das Du hofft.


    Musiziere! Fantasiere!

    Mach dich gross! doch bleib ein Kind

    Schmücke! Mit und ohne Muse

    Tag und Nacht

    und taub

    und blind

    Erstmal führst du hier die Aufforderungen der ersten Strophen fort. Aber dennoch sind sie anders. Sie sind nicht so direkt umzusetzen, sondern eher auf den Geist bezogen. Im zweiten Vers soll sich das Du groß machen (wieder das mit dem ß), was ich ähnlich wie das Ins Licht kommen interpretiere, während der zweite Teil des Verses weiter zum Gedankengut passt, dass hier in der Strophe bisher behandelt wird. Ab dem dritten, finde ich, wird es sehr abstrakt. Ich glaube, den dritten interpretiere ich als "Tu es unabhängig von Motivation - Mach einfach!" Dann folgt ein "jederzeit" und dann ... ja, dann kommen taub und blind. Das sind ja an sich recht gerne genutzte Bilder; stellt sich nur die Frage, was sie mir hier sagen wollen. Taub und blind gegenüber (negativen) Kommentaren? Machen, obwohl man keine Ahnung hat? Und was sollen die weiteren Zeilenbrüche? Ich schätze, es soll den Vers entschleunigen. Was eine gewisse Betonung mit sich zieht. Aber ich weiß halt nicht wirklich was oder wieso betont wird ...


    Hast du alle Geister, geh!

    Dies ist nur die erste Pforte.

    Schlucke alle Tränen, geh!

    Alles, was du hast, sind Worte.

    Und ab jetzt wird es richtig abstrakt. Ich glaube, ich wollte das Gedicht kommentieren, weil es so Spaß gemacht hat, es zu lesen, aber langsam gehen mir die Ideen aus, was es vielleicht sagen möchte. Bei "Geister" und "Pforte" muss ich spontan an den Tod denken. Das glaube ich aber nicht. Ich meine, man kann die erste Pforte durchaus als das aktuelle Leben interpretieren, aber vielleicht sind es die Geister der Vergangenheit. Es scheint ja viel um neue Stärke zu gehen und vielleicht ist das hier der erste Schritt, den man machen muss. Das würde auch die Wiederholung und damit die Betonung von "geh!" erklären. Dieses Mal, im Gegensatz zum Anfang, am Ende des Verses. Also analysieren wir das mal als "Lass alles, was bisher war, hinter dir, es geht weiter". Was dann noch fehlt, ist mal wieder der letzte Vers. Die Feder ist stärker als das Schwert? Oder ist das alles, was man tatsächlich besitzt, weil der irdische Besitz, kein richtiger ist?


    Du musst dich treffen

    In jedem krummen Spiegel

    Mit jedem fremden Blick

    In allen dunklen Wassern

    Durch jeden alten Strick

    Und hier endete der Part, den ich des Rhythmus wegen gerne gelesen habe. Hier begann ich über meinen Trab zu stolpern. Ich gehe davon aus, dass das gemacht wurde, um "Du musst dich treffen" noch stärker zu betonen. Nicht nur durch die Wiederholungen in den Strophen, sondern auch durch die Extrastellung, sozusagen außerhalb der Strophe. Und auch wenn später schießen kommt, so bin ich hier doch irgendwie beim Treffen wie Begegnen. Das passt gut zum Spiegel (warum er krumm ist, hab ich noch nicht kapiert, ich denke an einen Jahrmarktsspiegel - vielleicht soll es sagen, dass der Spiegel einen nie wirklich zeigt). Fremde Blicke passen eher weniger, aber vielleicht ist es ähnlich. Dass sie dich nicht sehen. Aber du es musst. In den Wassern verbinde ich spontan auch mit Spiegelbildern; wird es auch hier durch das Dunkel getrübt? Und Strick verbinde ich mit, nun ja, Selbstmordgedanken. Sicherlich auch etwas, was das Selbstbild verzerren kann. (Äußerst faszinierend, ich hatte vorher nicht erwartet, dass ich alles so auf einen Nenner bringen könnte.)


    Du musst dich treffen:

    In allem, was du wagst, zu denken

    In allem, was du scheust, zu tun

    In all den hässlich fernen Dingen

    die nicht in braunen Nadeln ru›hn...

    First things first: Ich glaube nicht, dass das Zeichen da mitten in "ruhn" reingehört ... Jetzt zum Inhalt. Man sieht eine Steigerung zur letzten Strophe: Jetzt hat das "Du musst dich treffen" einen Doppelpunkt am Ende. Die ersten beiden Punkte passen sich meiner Meinung nach recht gut in das bisherige Gedicht ein. Das Denken passt gut zu den (Selbst-)Bildern aus der letzten Strophe und das Tun zu all den Aufrufen zuvor. "hässlich ferne Dinge" hingegen ist ein Ausdruck, den ich noch nie vernommen habe. Ich möchte es spontan so interpretieren, dass das Du eher nicht aus sich rauskommen will, eher da bleiben, wo es ist und ihm deshalb die fernen Dinge eher hässlich erscheinen. Aber der letzte Vers (mal wieder) ergibt für mich noch keinen Sinn. Ich finde es ziemlich cool, dass die Nadeln aus der ersten Strophe wieder aufgegriffen werden. Dieses mal sind sie braun. Und die hässlich fernen Dinge ruhen dort nicht. Dieses nicht. Ich möchte ja sagen, um bei der Interpretation von eben zu bleiben, dass diese hässlich fernen Dinge dann eben nicht in den Nadeln liegen, wie es das Du tut, ABER das funktioniert nicht mit der Idee, dass das Du aufgefordert wird, mehr zu tun - wozu auch die Nadeln gehören. Und auch die hässlich fernen Dinge. Ist es dann noch einen Schritt weiter als das, was wir in den ersten Strophen schon erreicht haben? Oder ist es etwas ganz anderes, von dem ich immer wieder glaube, mich ihm zu nähern, was ich aber nicht greifen kann?


    Du musst dich treffen!

    Im dröhnenden Schweigen

    In endlichen Weiten

    In schwindenden Zeiten

    Im wortlosen Streiten

    Belanglosigkeiten

    Wenn du weisst

    dass du Nichts weisst:

    Dann und dort

    Musst du dich treffen.

    Und die Steigerung erreicht ihren Höhepunkt: Wir haben mal wieder ein Ausrufezeichen. Und außerdem haben wir den dritten Rhythmus in drei Strophen. Und das hat mich wahnsinnig gemacht beim ersten Lesen, gerade weil man durch den ersten Teil mehr oder weniger durchrauschen konnte, weil es einfach passte. In dieser Strophe passiert etwas Ähnliches. Denn Verse zwei bis sechs bauen wieder einen klaren Rhythmus auf, sogar mit einem Haufenreim, und dann kommt das Wissen und bricht mit allem. Vielleicht sollte ich es mir erstmal inhaltlich angucken. Es sind alles ... keine Paradoxe. Ich komme gerade nicht drauf, wie die stilistische Form heißt. Scheinbare Widersprüche, die aber doch alle passen. Schweigen kann zu laut sein, Weiten können enden, Zeiten schwinden, Streite ohne Worte verlaufen. Es sind quasi die Extreme. Inklusive der Belanglosigkeiten. Und in all dem musst du dich treffen. Die Steigerung der Strophen lautet also: Im Selbst- und Fremdbild, in allem, was du tust/versuchst und in allem, was größer ist als du. Und irgendwie negativ. Aber die Strophe hört da nicht auf, denn sie hat noch den Zusatz des bekannten Spruches "Ich weiß, dass ich nichts weiß". Die Sachen, die größer sind als du. Bisher ging es um die Aktivität des Du, jetzt kommt der Teil, der sich nicht beeinflussen lässt und genau das ist der Punkt, an den es offenbar gelangen muss, um schließlich den Ort zu finden, an dem es sich treffen muss. Freigestellt, um noch eine Betonung zu erreichen. Und einen Punkt. Das ist, glaube ich, dann nach dem Punkt bisher die größte Pause im Gedicht. Da wollten wir hin.


    Davor wirst du danebenschiessen

    Nicht hin, nicht wieder, nur stets und immer

    So oft

    wie du Sterne in den Himmel schiesst

    versehentlich den Mond durchlöcherst.

    So oft:

    Der Sand, der zwischen deinen Zähnen knirscht,

    wird alles wegscheuern.

    So oft,

    wie du gedenkst,

    aufzuhören

    So oft, bis du aufhörst,

    zu zählen


    Dann hast du vielleicht

    die Hälfte

    überstanden.

    Und jetzt verlässt du den Rhythmus komplett. Und die Reime. Man könnte es als sanften Übergang bezeichnen, aber das finde ich nicht. Ich finde es grausam, weil ich Rhythmen in Gedichten liebe. Und Reime. Aber wie ich in der zweiten Strophe schon meinte: Ich bin mir sicher, dass das kein Versehen ist. Ich bin mir sicher, du hättest das auch in Reim und Rhythmus schreiben können, wenn du gewollt hättest. Aber dieser Teil ist Chaos. Okay, vielleicht nicht ganz Chaos, aber definitiv noch keine Ordnung. Rein inhaltlich gesprochen, von der Form unterlegt. Es geht um das Scheitern. Sich nicht zu treffen, sondern danebenzuschießen. Vielleicht ein falsches Ich auszuprobieren. Einen falschen Weg einzuschlagen. Immer wieder. Ich weiß nicht, was es bedeuten soll, dass das Du Sterne in den Himmel schießt. Mir will auch hier nichts einfallen. Ich mag aber das versehentliche Monddurchlöchern. (Ich hab das Gefühl, man erkennt, dass ich den Mond liebe.) Da ich das ganze Himmelsbild nicht zu interpretieren weiß, bleibe ich beim versehentlich hängen, das zeigt, dass es nicht gewollt ist, dass man Fehler macht. Und vielleicht ... vielleicht sind die Lichter Interaktionen, Kontakte. Der Mond die Familie, die Sterne die Freunde und Bekannte. Und manche Freunde zerschießen dir dein starkes Netz. Keine Ahnung, ob das jetzt sehr weit hergeholt ist, aber ich hab eine Interpretation gefunden. Beim nächsten Teil bin ich aber wieder ratlos. Und dieses Mal gefällt mir nicht mal das Bild. Ich hatte überlegt, ob mir das Wissen, um ein Sprichwort fehlt, aber das Internet hat spontan nur Reiseberichte aus dem Fernsehen ausgespuckt. Also weiß ich nicht, was der Sand zwischen den Zähnen soll, aber er ist ja eher unangenehm. Und er wird alles wegscheuern. Das Gute oder das Schlechte? Vielleicht beides. Das Ende jedoch ist wieder klar. Und du spielst wieder mit Zeilenumbrüchen. Immer ist das "So oft" allein, bis auf das letzte Mal. Wenn man denkt, dass es zuende ist. Aber es geht weiter. Und die nächste Strophe macht auch weiter. Vielleicht ist es vorbei ... nein, es war gerade mal die Hälfte. Und das diese Hälfte alleine in einer Zeile steht, macht sie noch einmal irgendwie ... resignierenter. Es kommt eine Pause vor dem letzten Vers. Eine Art Seufzen. Noch ein Punkt. Noch eine Pause.


    Drum fang’ an! Am besten gestern

    Stürze! Es ist nie zu spät

    ... Manchmal scheint es, dass zu Stürzen

    Alles ist, was wirklich zählt

    Und damit endete der Mittelteil. Wir kommen zurück. Zurück in den Rhythmus, sogar ein bisschen zurück in die Reime. Aber nur unrein. Und wenn das gewollt war, dann ist das großartig, wie du weiterhin in der Form den Inhalt spiegelst. Wir haben sogar einen Rückbezug zum ersten Wort "Stürze". Aber anders als in der ersten Strophe, fängt hier beide Male nach dem Ausrufezeichen ein neuer Satz an. Ich bin mir nicht ganz sicher, was dieses Stilmittel am Ende aussagen soll. Vielleicht mehr Selbstvertrauen. Aber ansonsten sind die ersten beiden Verse ja recht generisch. Also außer dem Aufruf zu stürzen, was sie eben stärker im Gedicht verankert. Und dann wird ja auch genau dieses Stürzen wieder aufgenommen. Und endlich wird klar, was wirklich gemeint ist. Dass man Fehler machen soll. Das das okay ist, dass das alles ist, was zählt, vielleicht alles, was das Leben ausmacht. Man stürzt immer. Von einem Abenteuer ins nächste.


    D'rum stürze! über jede Wurzel

    Halt dich fest! Steh wieder auf!

    Gehe hin! und tue also

    Gehe hin!

    Gehe hin!

    Tue also!

    Geh!

    Und wieder der Rückbezug auf den ersten Vers. Sogar eine fast wortgleiche Wiederholung. Es ist so faszinierend, wie die Moral des Gedichts im ersten Vers steht und dennoch nicht so präsent ist, bis man zu seinem Ende kommt. Der zweite Vers unterscheidet sich von der ersten Strophe. Hier ist er zweiteilig. Ich sehe es als zwei Möglichkeiten. Halte dich fest, wenn du stürzt. Aber wenn du trotzdem fällst, ist das nicht schlimm. Dann steh einfach wieder auf. Und dann kommt der Titel. In Worten will er mir immer noch nicht viel sagen. Das liegt vermutlich an der Formulierung mit also. Ich hab das Gefühl, ich kenne irgendwas in dieser Art, aber alles, was mir dazu einfallen will, ist Mittelalter. Inhaltlich aber, ist er die Zusammenfassung dessen, was wir bisher gelesen haben. Fang an und mach es einfach. Die Wiederholung am Ende wirkt ein bisschen wie ein Echo, ein Nachhall, ein Fade-out bei einem Lied. Aber eines mit klarem Ende. Dieses letzte "Geh!" ist der Abschluss. Und tatsächlich wieder etwas, was aus dem Gedicht wieder aufgegriffen wird. Aus der Strophe, die ich nicht ganz interpretieren konnte, nur so, lass alles, was war, hinter dir. Fang an. Gehe hin und tue also. Geh!



    Nun gut. Etwa zwei Stunden später bin ich mit deinem Gedicht durch und weiß jetzt auch den weniger klar rhythmischen Teil wertzuschätzen, weil es einfach toll ist, wie du die Form zu deiner Unterstützung nutzt. Gleichzeitig ist das etwas, was mir sicher nie aufgefallen wäre, wäre ich das Gedicht nicht Strophe für Strophe durchgegangen, also war es das definitiv wert.

    Dein zweites, titelloses Gedicht finde ich auch ziemlich cool in der Thematik, dass das Lyrische Ich vom Du sehr dominiert wird, aber darüber schreibt, sich irgendwann zu befreien, aber das reicht mir gerade nicht für einen längeren Kommentar, tut mir leid. Aber ich finde, du sollst wissen, dass es mir auch gefallen hat.

    Das soll's jetzt aber auch von mir gewesen sein. Ich hoffe, du hattest Freude, dich durch meine Interpretationsversuche zu lesen und dass ich vielleicht zumindest grob den Kern des Gedichts getroffen habe.

    Alles Liebe,

    ~ReenaGoldblatt

  • Hallo Liu,


    dein Gedicht "gehe hin und tue also" gefällt mir gut. Zwar ist der Titel nicht sonderlich vielsagend, erst zum Schluss kommst du darauf zurück. Aber wie gesagt, finde ich es gut, hat was mystisches irgendwie und passt auch zu deinem Profilbild der Eule, da diese im Wald lebt und man das Gefühl hat sich während des Gedichtes dort zu befinden. Hab nicht so die Erfahrung mit Gedichten wie beispielsweise Reena, deswegen kann ich das jetzt nicht alles so analysieren.


    Mache weiter so, es ist immer schön und wichtig, wenn der Mensch so einen Ausgleich im Leben hat, woran dieser auch Spaß hat.


    Liebe Grüße

  • Gehe hin! und tue also (zweiter Entwurf) top-beleber


    Farbenlehrefertigcurry


    Dein erster Gruss regenbogenblüte


  • Hallo,


    im dunklen Stil lässt sich dein Gedicht „Gehe hin und tue also“ aufgrund des weißen Hintergrundes nur durch Markieren lesen. Für die eingerückten Textstellen könntest du einen Transparenz-Code verwenden, um dich mit den Positionen etwas auszutoben. Ansonsten weiß das Gedicht wirklich zu gefallen. Der Aufruf, im Leben etwas zu erreichen, zu probieren, ja, einfach nur zu machen besticht hier auf so viele verschiedene Arten, dass man sich regelrecht motiviert fühlt, den Worten zu folgen. Die Kombination aus Imperativen und zugehörigen Handlungen sowie die allgemeine Präsentation schaffen eine sehr einzigartige Stimmung und das hat mich sehr unterhalten.


    Wir lesen uns!

  • Schreiben fiel mir in letzter Zeit recht schwer; ich würde gerne wieder in die Übung kommen, aber der Weg ist noch etwas harzig. Nichtsdestotrotz: Ein kleiner Tribut zum sommerlichen Schreibturnier.

    (An dieser Stelle nochmal ein herzliches Danke an Mandelev und Rusalka für die Formatierung beim letzten Eintrag!)


    zucker-herz



    zucker-blume



    zucker-schleife


  • Hallo Liu!


    Ich wollte dir einen kleinen Kommentar zu deinem Drabble „Farbenlehre“ dalassen.


    Farbenlehre

    Ich weiß nicht, ob ich zu viel hineininterpretiere, aber ich hatte den Eindruck, dass das Ich in diesem Werk von etwas belastet wird. Weil doch Kopf und alles auf dem Grund eines schwarzen Sees sind. Und als depressive Person fühlte ich mich gleich ein wenig daran erinnert, wie es mir in meiner zweiten depressiven Phase ging.

    Leider hat mir essen damals auch keine besondere Freude bereitet, deshalb beneide ich das Ich in diesem Drabble schon, dass es essen kann und damit die Dunkelheit ein wenig vertreiben. Und, dass diese sich dann tatsächlich auch abschwächt, sie ist deswegen nicht weg, deshalb fühlt das Ich sich am Ende ja auch grün, aber sie ist nicht mehr so deutlich vorhanden.

    Fand es übrigens spannend, dass du hier schreibst, dass gelb die Hoffnung ist; ich dachte, das wäre grün. Aber vielleicht hast du das hier auch einfach in Kombination mit dem Curry so geschrieben und der Hinweis auf die Hoffnung ist, dass sich das Ich am Ende „grün“ fühlt? (Oder interpretier ich zu viel?)

    Ich nehm jedenfalls aus diesem Drabble mit, dass eine dunkle Phase besser werden kann und dass Essen eine gute Copingstrategie sein kann. (Nicht auf Dauer und in allen Lebenslagen. Für manche Probleme zieht man eben doch besser Experten zurate.)

    Fand ich jedenfalls schön, diese kleine Farbenlehre, in Kombination mit Essen in hundert Wörtern. (:


    Fröhliches Schreiben!

    — Cynda

  • Hallo,


    der Text über die entschlafene Gottheit hat mir deswegen sehr gut gefallen, weil du Isch religionsbedingt nicht genauer definierst. Zwar spürten alle, dass irgendetwas über Nacht passiert sein musste, aber niemand wusste, wie es weiter ging. Was am Ende auch die Frage aufwirft, wie ein Glauben so plötzlich verloren gehen kann. Die Spiegel gegen Ende wirken auf mich wie ein Blick auf die Gesellschaft, in der alle für sich selbst verantwortlich sind und nicht unter einem höchsten Wesen leben sollen. Dieses Ereignis sollte wohl ein Umdenken in dem Ort herbeiführen und ist interessant sowie spannend gelöst.


    Wir lesen uns!

  • Huhu,

    ich sollte mich zu deinen wunderschönen Gedichten äußern, sorry ;_;, aber ich wollte auch etwas zu deinem Werk, Farbenlehre, sagen, auch wenn mir das Cynda-Syndikat lange zuvorgekommen ist! Für deine tollen Gedichte brauche ich auch mehrfaches³ Lesen und Zeit, sie mir wirklich genau anzusehen, weil sie gefühlt mit etlichen Emotionen versehen sind. Ich schweife ab, meine Gedanken laufen oftmals einfach quer. Farbenlehre hat mir übrigens ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert, weil es trotz der anfänglichen Melancholie doch eine gewisse Ironie in sich trägt. Ein Stückweit musste ich sogar an diese typischen Arte-esque Filme denken, wo eine Person ohne Musik in einem tristen Raum sitzt und etwas in sich hineinschaufelt, auch wenn solche Charaktere eher nicht die Aussicht auf einen schönen Horizont haben, sondern von Grau bis Dunkelheit umgeben sind. Natürlich könnte hier auch ein junger Charakter gemeint sein, der einen schlechten Tag (Liebeskummer, Ex mit einer/einem anderen auf der Party gesehen?) gehabt hatte und sich jetzt ins Hobby des Essens flüchtet, denn ein gefüllter Magen kann Wunder bewirken. Nur in diesem Fall scheint sich der Charakter zu überfressen, oh no, auch wenn Grün Hoffnung symbolisieren kann, wie Cyndaquil es bereits erwähnte, musste ich sofort an Übelkeit denken, haha. Das sollte mich nicht zum Schmunzeln bringen, tat es beim Lesen jedoch schon. Diese typische Übelkeit in Cartoons. Das geliebte Gelb, das sich herbeigesehnt wurde, um die triste Schwere zu vertreiben. Bei dem Blau der Farbenlehre dachte ich unweigerlich an eine durchzechte Nacht, allerdings gab es ja scheinbar auch eine goldene Sonne, die gerade am Schwinden ist, also klingt es für mich mehr nach Nachmittag und nicht nach dem Katermorgen. Allerdings konsumieren einige ja auch tagsüber bereits Alkohol…zu allen möglichen Zeiten, hu. Dem Alkoholpegel oder der Einsamkeit wird mit vollem Magen entgegengewirkt, bis sich der Charakter entweder überisst oder vom Alkohol würgen muss, weil er letztendlich gewonnen hat. Die Farben mischen sich und irgendwie ist es für mich mehr humorvoll übergegangen als in die Tragik, obwohl das hoffnungsvolle Gelb letztendlich in einem Desaster-Grün endet, lol. Die Wärme des Gelbs nimmt es scheinbar nicht vollends mit dem Schwarz auf, das sich im Inneren der Person ausbreitet. Oder sie vereinen sich in eine Superschurkenfarbe, dessen Fusion jetzt den Tag in neue Tragödie stürzen.

    In einem Drabble lässt sich so viel interpretieren und lesen, obwohl der Text so pointiert ist, herrlich. Mir hat das Lesen Spaß bereitet, vielen Dank dafür, und selbst wenn ich vollends abseits gelandet bin oder mir eine gänzliche andere Version erdacht habe – worth it. Freue mich schon, mehr von dir zu lesen. Mir gefällt dein Schreibstil, Drabbles sind sowieso Liebe, und die Farbenlehre hat ihre Wirkung durchaus erfüllt.^^


    Hoffentlich lesen wir uns mal wieder! (um Rusalkas Spruch ausnahmsweise eiskalt zu stehlen und abzuwandeln, hehe…)

  • Hallo Liu!


    Dieses Mal möchte ich mich der Epik zuwenden, die du gepostet hattest.


    Eines Nachts ist Isch entschlafen

    Ich nehme mal die erste Zeile als Titel, hoffentlich ist das nicht zu frech von mir.

    Ich bin von diesem Text sehr begeistert, aus vielen Gründen. Deine Art das alles zu erzählen sehr schön. Du hast die Gefühle der Gemeinschaft gut dargestellt, hattest durchweg so eine schöne Erzählstimme, überfordert, sorgenvoll, aber auch freundlich und ehrfürchtig, wenn es um Isch selbst ging. Du hast Isch und was es war und wie die Menschen waren sehr deutlich gegenübergestellt und damit für mich gut dargestellt, warum Isch für diese Menschen so wichtig war. Wie viel halt es ihnen gegeben hat, dass Isch da war. Und wie Isch überhaupt ein Teil dieser Gemeinschaft wurde.

    Zuerst hatte ich nämlich angenommen, dass Isch zuerst da war, wie auch immer das vonstatten gegangen ist und dann die Menschen für Isch ein Haus bauten. Aber anscheinend war es fast umgekehrt? Sie erbauten zuerst das Haus, in einer vagen Ahnung von Isch und hofften, es würde sich niederlassen? Und als Isch dies dann tat, hatten sie sich an die Präsenz gewöhnt. Dass die Präsenz von Isch spürbar war, sagst du ja schon zu beginn deiner Geschichte.

    Ich fand es so schön realitätsnah, wie du die Reaktionen der Gemeinschaft dargestellt hast. Wie manche es nicht schafften aus dem Bett zu kommen und die Realität ausblenden wollten. Andere wiederum konnten sich zu ihrem Alltag durchringen, aber die merkwürdige Leere und Stille blieb. Allgemein hast du das so eindrücklich beschrieben, das war wirklich beeindruckend. Wirklich der Realität stellen will sich die Gemeinschaft auch nicht, denn sie betreten das Haus nicht. Das Haus, das sie selbst erbaut hatten und so gut kannten, vermieden sie jetzt, weil Isch nicht mehr dort war. Ich finde, das zeigt den Trauerprozess durchaus sehr gut, diese Vermeidung des Bekannten, weil es nur noch mit Überforderung und Schmerz verbunden ist.

    War das Haus wirklich zu klein? Sollte man es abreißen, weil Isch nicht mehr da war? Ich weiß es nicht genau. Einerseits denke ich mir, dass Isch vielleicht irgendwie deutlich gemacht hätte, dass das Haus verändert werden müsste. Andererseits gehst du nicht auf spezielle spirituelle Lehrer ein, die der Gemeinschaft den Umgang mit Isch irgendwie erklärt oder gezeigt hätten. Eher schien es mir, als hätten alle dasselbe Wissen und dieselbe Verbindung zu Isch — etwas wofür sie keine spezifische Anleitung brauchten. (Was ich spannend fand, weil als christlich geprägte Person, ich natürlich gleich eine christlich angehauchte monotheistische Religion hier sah, aber im Christentum gibt es Lehrer, um die Gemeinschaft anzuleiten und die fehlten hier bei dir.) Es fühlt sich jedenfalls irgendwie gut an, dass die Gemeinschaft gemeinsam mit Isch gelebt hat, ohne, dass es jemanden gebraucht hätte, der ihnen alles erklärt. Und dass die Vorschläge zur Veränderung von einfachen Leuten wie dem Konditor und der Sattlerin kommen und nicht von Priester A und Pfarrer B oder so.

    Ich glaube ja, dass du bewusst den dritten Tag gewählt hast, was auch irgendwie wieder ins Christentum geht. Immerhin wurde Jesus nach drei Tagen von den Toten auferweckt. In diesem Fall kommt jetzt nicht Isch zurück nach den drei Tagen, aber die Gemeinschaft — oder zumindest einzelne — wagt sich in das Haus.

    Und das Haus ist voller Spiegel! Und ich glaube, das soll den Menschen zeigen, dass sie nicht so minderwertig sind, wie sie sich gefühlt haben und dass Isch, wenn es existiert hat, ihnen das hinterlassen wollte. Entweder, dass sie Isch selbst gar nicht brauchen oder, dass sie es auch ohne Isch schaffen werden. Da bin ich mir noch nicht ganz sicher. Ich fand es jedenfalls einen spannenden Abschluss, dass das Haus voller Spiegel ist und nicht etwa ein anderes Zeichen von Isch dort zu finden ist. Was ich mir auch hätte vorstellen können.

    Sehr spannender Text, der mir vor allem durch deinen Erzählstil sehr gut gefallen hat!


    Fröhliches Schreiben!

    — Cynda