Risiken und Nebenwirkungen

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  • Was braucht man um Spannung zu erzeugen?




    Richtig! Risiken! Einsätze! Es muss etwas auf dem Spiel stehen!


    Was auf dem Spiel steht, hängt zweifellos vom Genre der Geschichte ab. Während bei großen Abenteuern im Fantasy-Genre nicht selten einmal eben das Schicksal der Welt der Einsatz im Spiel ist, so kann es bei einer Romanze auch einfach die Gefahr sein, dass eine Beziehung zerbricht oder gar nicht erst zustande kommt.


    Doch was sollten im allgemeinen die Einsätze sein? Ist es spannender, wenn der Einsatz ein persönlicher ist oder macht ein übergreifender Einsatz – wie eben das Schicksal der Welt – das ganz nervenaufreibender?


    Sollte der Held auf eine Reise gehen, um die Welt zu retten oder eher um das Leben eines Freundes zu retten oder gar einfach, um sein eigenes Leben zu verbessern? Reicht es vielleicht, dass er oder sie um das eigene Leben kämpft?




    Was haltet ihr von verschiedenen Stakes/Einsätzen?
    Was für Einsätze/Gefahren findet ihr spannend?
    Welche langweilen euch eher?
    Was sind die Einsätze eurer Charaktere in euren Geschichten?
    Findet ihr es gut, wenn ein Risiko das eingegangen wurde, sich tatsächlich auswirkt (also Charaktere sterben etc.)?

  • Spannung, haha. Ist ein Thema, mit dem ich mich lange Zeit beschäftigt habe, weil ich einfach nicht verstanden habe, wie sie funktioniert. Zunächst mal glaube ich nicht wirklich, dass man Risiken braucht, um Spannung zu erzeugen, das ist imho nur einer von drei Teilen, die sie aufbringen können - die Abwesenheit von Informationen verursacht beim Rezipienten Neugierde, was ebenso Spannung hervorruft, außerdem sind nicht nur negative erwartete Ereignisse spannungserzeugend, sondern auch positive, erhoffte Ereignisse. Sicher gibt es da eine Wechselwirkung und man kann sich über diese Differenzierung streiten, am besten ist es imho jedenfalls, wenn diese Elemente in einem ausgewogenen, genretypischen Verhältnis auftreten (oder sich bewusst davon abheben), aber hier geht es ja besonders um die von dir beschriebene Art von Ereignissen.


    Wie du sagtest, es hängt vom Genre ab. Insofern ist das ganze fast schon eine Frage, welche Art von Geschichte man am meisten liebt. Actionhaltige Filme leben von übermäßigem Einsatz dieser Stakes (diesen Begriff kannte ich so gar nicht, gefällt mir lol), während es in Romanzen oft nur auf sehr persönliche Dinge ankommt. Ich glaube, da besteht eigentlich kein Unterschied in der Wirkungfähigkeit. Es kommt ganz darauf an, wie sehr sich der Rezipient darauf einlässt, und wie geschickt der Autor mit diesen Gefahren umgeht. Per se ist eine Geschichte, in der die ganze Welt auf dem Spiel steht, nicht nervenaufreibender als eine Lovestory. Sowas ändert sich erst durch einen persönlichen Bezug zur Geschichte. Hat man eine Welt, die von Aliens bevölkert ist, dem Leser nicht wirklich nahe gebracht, wird er nicht mitfiebern, wenn es um ihre Zerstörung geht. Deswegen benutzt man ja auch so oft unsere Menschenwelt, weil man da davon ausgehen kann, dass ein Standardbezug vorliegt, der automatisch Spannung erzeugt. Hieran zeigt sich, dass dabei eigentlich nur wichtig ist, ob der Verlust eines bestimmten Zustandes für den Zuschauer oder Leser von Relevanz ist und nicht, welcher Natur dieser Zustand war oder werden würde. Es kann also weitaus spannender sein, einer Raupe beim Blätterfressen zuzusehen, als einem Superhelden beim Retten des Universums.


    Das hängt nämlich vor allem von einer zweiten Variable ab - der zugemuteten Erfolgswahrscheinlichkeit. Es ist also nicht nur wichtig, wie drastisch die drohende Zustandsveränderung eingeschätzt wird, sondern auch, wie groß die Angst des Rezipienten ist, dass sie tatsächlich auftritt. Wenn der Leser glaubt, dass der Held die Welt ohnehin retten wird, dann bringt es auch nichts, plötzlich das Universum aufs Spiel zu setzen. Hierbei spielt natürlich auch deine letzte Frage eine Rolle. Wenn eine Geschichte dauerhaft keine Befürchtungen bewahrheitet, verliert sie ihre Glaubwürdigkeit. Dadurch büßt sie mitunter einen großen Teil ihrer Spannung ein. Das ist also nicht zu empfehlen.


    Ähnliches gilt natürlich auch, für die Art, wie die Spannung erzeugt wird. Sagen wir, jemand hat Angst, dass die eigene Geschichte zu langweilig ist und lässt deswegen einen Charakter von sich sterben. Jetzt gibt es ja zwei wesentliche Methoden, Ereignisse durchzuführen, zum einen Surprise, etwas, das den Leser überrascht und sehr plötzlich kommt, und dann eben die Spannung, also Suspense, in der der Tod eine ganze Zeit vorher angekündigt oder angedroht wird, und während der vergehenden Zeit entsteht die Spannung. Es bringt also nichts, einen Charakter einfach umzulegen. Surprise ist zwar ein extrem wichtiges Element (beispielsweise der Tod von Sirius aus HP gehört in diese Kategorie), aber er ist nur bedingt fesselnd sondern setzt eher eine allgemeine Atmosphäre der Geschichte, denn wenn jemand stirbt, auch ohne vorher Spannung erzeugt zu haben, schätzt der Leser das Risiko, dass andere Befürchtungen wahr werden, automatisch als größer ein. Das erhöht dann indirekt die Spannung in der Geschichte.
    Was ich deswegen nicht leiden kann, sind Geschichten, in denen die Spannungsbögen grundsätzlich gut ausgehen. Wenigstens stellenweise müssen sich Dinge ins Positive oder Negative ändern, denn einer Geschichte ohne Veränderung wird man schnell überdrüssig. Für mich gehört es daher zu einem guten Schreibstil, wenn man verhindern kann, dass der Leser vorhersieht, welche Gefahren eintreten und welche nicht. Für sowas eignet sich ja auch das Sacrificial Lion Prinzip, bei dem ein anfangs sehr sympathischer Charakter recht früh in der Geschichte stirbt.


    Aber soviel zu dieser Art von Beispielen, es muss nicht immer jemand sterben. Es reicht schon, wenn man beispielsweise bei einer Liebesgeschichte am Anfang den Eindruck erweckt, alles ist vorbei, wenn der Schwarm eine bestimmte Information erhält. Muss nicht nur bei Liebesgeschichten sein (zB wahre Identität von Conan in Detective Conan gegenüber Freunden. Heiji beispielsweise fand heraus, dass er Kudou ist, da man nicht wusste, worauf er damit abziehlt, war es gleichzeitig Surprise als auch ein spannungserzeugendes Ereignis, das zudem die Bedrohlichkeit der Serie unterstützt hat).
    Stakes sollten also ab und zu wirklich umgesetzt werden. Man sollte sich als Autor fragen, wie schlimm es wirklich für den Plot wäre, wenn denn jetzt mal etwas passiert, und auf der anderen Seite, ob es denn helfen würde, die Geschichte spannender zu machen. Man muss nämlich auch bedenken, dass viele Charaktere und Zustände Sympathieträger sind. Wenn man also etwas aufs Spiel setzt, das der Leser sehr mag, und es dann verloren geht, könnte man den Leser verprellen. Wenn aber nie etwas umgesetzt wird, wird es langweilig. Das ist eine Gratwanderung, die sich oftmals nicht einfach gestaltet. Genau deswegen muss man sich eben auch der anderen zwei spannungserzeugenden Möglichkeiten bedienen (Hoffnung auf positive Ereignisse wird beispielsweise extrem oft in Liebeskomödien benutzt, in denen nichts wirklich kaputt geht, man aber hofft, dass die Hauptperson dem Schwarm näher kommt. Beispiel wäre Love Hina. Die Informationsspannung ist am häufigsten bei Krimis, wo ja oftmals das Schreckliche schon am Anfang passiert, und man als Leser wissen möchte, wer der Täter ist und wie er es gemacht hat, man aber nicht unbedingt erwartet, dass der Detektiv dabei in Schwierigkeiten gerät. Man kann also auch durchaus sehr spannende Geschichten schreiben, wenn man sich dieser beider Möglichkeiten bedient, ohne überhaupt Gefahren während der Geschichte anzusprechen.)


    So, um kurz auf die anderen Fragen einzugehen - Es gibt nicht wirklich eine Liste, welche Art von Stakes ich mag oder nicht mag. Wenn es gut umgesetzt ist, würde ich auch eine Geschichte genießen können, in der es um das Wohl des Universums geht, obwohl mich das für gewöhnlich wegen starker Übernutzung nicht mehr so mitreißt (und eben, weil es praktisch nie dazu kommt, dass das Universum am Ende kaputt geht).
    In meinen Geschichten sind die Stakes total unterschiedlich. Bei längeren Stories steht schonmal ein Leben auf dem Spiel, aber meistens kommt es nicht so weit. Ich würde sogar behaupten, dass nur eine Minderheit meiner Geschichten überhaupt solche Stakes besitzt, da ich mich eher auf die anderen beiden Aspekte der Spannung konzentriere. Ich finde nämlich, dass solche Stakes eine einfache, fast schon billige Methode sind, eine Geschichte spannend zu machen. Es stößt mich zwar nicht, wenn sie benutzt werden, nur verwende ich sie selber nur, wenn ich es für nötig oder angemessen halte. In einer gewöhnlichen School-Story muss nicht unbedingt eine Mitschülerin von einem Auto angefahren werden, damit es spannend wird - eine Ausnahme ist natürlich, wenn dieses Überfahren werden ein wesentlicher Aspekt der Story ist, der schon stark in die eigentliche Aussage der Geschichte reinspielen soll. Ob das so ist oder nicht, kann man herausfinden, wenn man versucht, der Geschichte einen Namen zu geben, in dem auf dieses Ereignis referenziert wird, und der dann trotzdem noch passt. Sicher gibt es auch im normalen Leben Risiken, und solche sollten auch in eine Geschichte mit einfließen. Nur muss man darauf achten, dass es nachvollziehbar bleibt. Sieht man sich Serien wie Greys Anatomy an, dann wird man feststellen, dass vor allem in der Film- und Serienindustrie Stakes verwendet werden, die überzufällig sind. Da wird ja jede Woche einer der Ärzte selber operiert und stirbt fast. Liegt aber auch in der Natur von Serien an sich, da sie nicht in einem Rutsch geschrieben werden, verlängerbar bleiben müssen, in jeder Folge Spannung brauchen und vor allem über einen langen Zeitraum konsumiert werden, sodass sich solche überzufälligen Ereignisse für den Zuschauer oft aufheben.



    blabla hab wieder zuviel geschrieben man sieht sich bis dann
    ~Aprikose

  • Dann will ich nach Aprikoses Megapost auch einmal ;)


    Ich finde Stakes und generell Konsequenzen für eine Geschichte einfach unabdingbar. Das bezieht sich für mich nicht nur darauf, was während der Geschichte passiert, also ob während der Geschichte Charaktere sterben oder verletzt werden, sondern auch wie... Glaubhaft, das Ende zum Scluss ist.
    Ich kann es einfach nicht ab, wenn die Gruppe junger Leute/Teenies, gegen Monster/Armeen/Armeen aus Monstern gekämpft hat, aber alle sind am Ende psychisch und physisch praktisch unversehrt. Da frage ich mich immer wieder, ob der Autor oder die Autoren das so ernst meinen. Denn das ist nicht nur unrealistisch, sondern beinahe auch lächerlich.
    In Kämpfen wird man schnell verletzt und - so ist das nun einmal - auch schnell getötet. Und die menschliche Psyche leidet IMMER darunter (sofern sie nicht schon vorher im Eimer war), wenn sie dem permanenten Stress einer Gefahrensituation ausgesetzt ist, Leute sterben sieht oder der dazugehörige Mensch selbst töten muss.


    Daher habe ich am Ende von HTTYD auch so unglaublich gefeiert, als Hiccup das halbe Bein verloren hat ;) Mal ehrlich: Aus einem Kampf gegen einen 300 Meter langen Drachen kommst du nicht komplett unbeschadet raus.
    Doch leider meiden gerade Kinderfilme und -Serien sowohl die Stakes, als auch die Konsequenzen.


    Nun, generell muss ich sagen, dass ich meist mit den "alltäglichen Stakes" wenig anfangen kann. Aus einem einfachen Grund: Ich habe selbst schon schlimmeres erlebt, als so oft in Romanzen und Alltagsgeschichten als "worst possible outcome" zu verzeichnen ist. Oh, da streiten sich ein paar Leute, oh, die Eltern sind gemein zum Hauptcharakter, oh, vielleicht kommt der Geliebte jetzt doch mit jemand anderen zusammen... Who cares? Zumal meist solche Geschichten auch die furchtbare Angewohnheit haben so unglaublich unsympathische Hauptcharaktere zu haben, die sich in ihrem eigenen Selbstmitleid suhlen, wenn ein wenig etwas anders läuft, als sie es gerne hätten. Und wenn ein Charakter einem nicht sympathisch ist, dann wartet man eher auf dessen Tod, als dass man diesen fürchtet... Und wenn der Lover dann mit dem unsympathischen Hauptcharakter schluss macht, denkt man sich nur: Geschieht ihr recht.
    Deswegen: So etwas ist weniger meins und sorgt eher selten dafür, dass ich gespannt bin.


    Etwas, das ich übrigens auch nicht leiden kann, ist bei Kriegs-Szenarien, wenn über viele, viele Kapitel so viele Hauptcharaktere überleben, egal wie unlogisch es teilweise auch ist... Nur um dann kurz vor Schluss zu sterben.
    Harry Potter ist hier ein gutes Beispiel, wo so gut wie niemand stirbt... Bis Band 7 über den Weg kommt... Und innerhalb von Band 7 sterben die meisten Leute in den letzten drei Kapiteln, obwohl sie vorher schon so viele Chancen hatten draufzugehen.


    Wobei die "Plot Armor" oder "Name Armor" genau so nervig ist. Sprich: Wenn ein Charakter am Leben bleibt, weil er a) entweder eine Aufgabe erfüllen soll in der Geschichte oder b) weil er einen Namen hat und kein Gesichtsloses Extra ist. Ist in sehr vielen Shonen-Serien zu beobachten, aber auch in mehr als genug Filmen, speziell Abenteuer-Filmen.


    In meinen Geschichten gehen normaler Weise immer einige Leute drauf... Manchmal auch einige mehr.
    Wobei ich noch viel mehr mit der psyche der Hauptcharakere und den aus diversen Handlungen folgenden Traumata spiele. Denn diese sind sozusagen die "Stakes" die sicher irgendwo in Erfüllung gehen. Da kommt man nicht drumherum, vor allem wenn die Hauptcharaktere noch sehr jung sind und damit eine recht brüchige Psyche haben.

  • Willi

    Hat das Label Diskussion hinzugefügt
  • Ich betreibe mal wieder Thread-Nekromantie, nachdem wir damit ja schon angefangen haben. Ja, so gesehen ein Doppelpost, aber hey, der letzte Post ist bald 7 Jahre alt, insofern darf ich wohl - zumal ich Past!Me's Meinung in vielerlei Hinsicht nicht mehr wirklich teile.


    Also ... meine liebsten Einsätze heutzutage sind persönliche Einsätze/Stakes. Mein absolut unliebster ist "Das Schicksal der Welt!", da dieses eben so groß ist, dass es nicht wirklich mehr eine Bedeutung hat. Dabei ist für mich der größte Stake eher weniger, dass ein Charakter stirbt - denn persönlich gehe ich eh meistens davon aus, dass die Protagonist*innen überleben - sondern halt eher, was für andere Dinge sie aus dem ganzen mitnehmen.


    Außerdem mag ich idealistische Einsätze für die Handlung, die mit einem unterliegenden Problem oder auch einer Metapher zu tun haben.


    Aber erst einmal: Was meine ich mit persönlichen Stakes? Nun, wie gesagt, eher weniger Angst darum, dass der Charakter stirbt. Verletzungen können aber dazu gehören. Das hängt ein wenig vom Charakter ab und wie sehr diese sich davon abhalten lassen oder auch inwieweit ihnen der Körper dahingehend ist. Viel eher mag ich es aber, wenn die möglichen Konsequenzen auf der psychischen Ebene existieren. Sei es dadurch, dass Prota so viel verliert, dass si*er sich am Ende psychisch nicht wieder berappeln könnte, sei es dadurch, dass die Moral von di*em Prota auf dem Spiel steht. Bei Mosaik ist letzten Endes die moralische Ausrichtung von Joanne der größte "Stake" der Geschichte. Denn damit kämpft sie am meisten. Damit und generell der Selbstfindung.


    Gleichzeitig habe ich häufiger bei Fantasy, aber gerade auch in Spielen und Filmen das Problem, dass immer direkt die ganze Welt auf dem Spiel steht, was aber vollkommen egal ist, da es wenig gibt, dass diese Welt je in den Vordergrund rückt. Meist schert man sich als Konsument zwar drum, dass "Wenn Böse die Welt zerstören, sterben auch Prota und Freund*innen/Familie", aber die Welt spielt oft eine zu geringe Rolle, um sich dafür wirklich zu interessieren. Ich finde gerade die Avengers-Filme sind in der Hinsicht ein gutes Beispiel, geradee da wir eben hier diese Diskrepanz ganz gut sehen zwischen nominellen und eigentlichen Stakes. Ich meine, interessiert es irgendwen das die Hälfte aller Leute auf der Welt gestorben sind? Also die vielen Hans Müllers und John Does der Welt? Interessiert es irgendwen? Natürlich nicht. Das einzige, was uns interessiert, sind die anderen Superheld*innen, die ausgelöscht wurden oder vorher halt eben die Gefahr, dass welche der Held*innen sterben. Das Problem ist nur: Der Einsatz ist an sich riesig, aber er fühlt sich nicht riesig an, da die Welt der MCU-Filme halt nur existiert, damit die Handlung darin passieren kann - aber es ist keine lebende Welt. Die Figuren im Hintergrund sind Zierde, keine Charaktere. Also durchweg nicht. Und damit ist das MCU halt nicht allein. In Fantasy sehe ich ähnliches sehr häufig. Man weiß zu wenig über die einfachen Leute, über die Kultur, damit größere Stakes irgendeine Wirkung entfalten würden. Doppelt natürlich, da wir wissen: Je größer der Stake, desto wahrscheinlicher, dass die Held*innen am Ende gewinnen.

  • Alaiya Da du meintest, dass sich deine Ansicht etwas geändert hat: Auf welche Punkte hast du dich da bezogen? Meinst du das mit den alltäglichen Stakes? Würde mich interessieren x)


    Generell passt es aber, dass du das Thema gerade jetzt nochmal rausholst, denn ich habe über diese Thematik vor kurzem erst nachgedacht. Bin nämlich seit geraumer Zeit dabei, die Avatar-Korra-Serie zu schauen, und habe jetzt zwei Staffeln fertig. Spoiler ahead, falls es jemand noch sehen will. Jedenfalls kommt es mir so vor, als wären die Stakes in der Serie ein absoluter Witz, lol. Ich mein, in den Aang-Staffeln gab es regelmäßig echte Konsequenzen -- zB. war Appa ein paar Folgen lang weg, ganze Städte sind nach Versagen der Protagonisten in die Hände der Feuernation gefallen, Charaktere haben sich zerstritten und gehasst, usw usf … worauf ich hinaus will: Wenn etwas passiert ist, ist auch wirklich etwas passiert. Aber bei Korra? Korra versagt gefühlt in jeder zweiten Sekunde, was ich prinzipiell schonmal gut und wichtig finde, aber all die Konsequenzen werden irgendwie sofort wieder aufgehoben. Beispiel: Ende Staffel 1 verliert Korra all ihre Bändigungsfähigkeiten außer Luft. Und ich war schon voll happy, dass sie jetzt vllt eine Staffel lang nur Luft kann, was ja genau das war, was sie vorher nicht konnte, und dachte mir "was ein cooler Parallelismus das wäre", usw, und ich dachte mir man könnte daraus eine Menge Character Development ableiten. Aber stattdessen findet sie ihre Kräfte nach kA 10 Minuten wieder? Genauso mit Streits zwischen Charakteren: Wirkt halt alles total oberflächlich, weil man einander sofort verzeiht oder es vergisst.

    Und dann das Finale der zweiten Staffel: Der Geist des Chaos, der nach 10.000 Jahren wieder aufersteht, verbindet sich mit einem neuen Avatar, um ein neues Zeitalter des Bösen einzuleiten … und wütet in der Stadt rum in seiner Riesenform. Und man denkt sich: Ok, jetzt eine Staffel Kampf gegen das Chaos? Nein, ein Desu Ex Machina rettet die Welt sofort. Der Geist konnte nicht mal ne einzige Stadt vernichten. Er konnte nur eine Statue von Aang fällen … die eine Folge später sowieso wieder aufgebaut war. Uff. Das alles resultiert halt darin, dass ich die Serie und was dort passiert, kaum ernst nehmen kann. Es kommt für mich keinerlei Spannung auf, weil ich genau weiß, dass alles Schlimme, das passiert, sofort wieder rückgängig gemacht wird.


    Finde daher, dass man Stakes, zumindest Stakes allein, oft überbewertet. Die größten Stakes bringen halt nichts, wenn man der Geschichte nicht abkauft, dass sie auch umgesetzt werden könnten. Ich schaue Korra trotzdem weiter, weil mich das Worldbuilding schon noch interessiert, und ich auch einige der Charaktere mag. Was eben auch (für mich) wieder ein Indikator ist, warum man Stakes überbewertet: Selbst wenn eine Geschichte absolut keine Stakes hat, oder zumindest keine glaubhaften, kann die Serie trotzdem spannend und/oder unterhaltsam sein. Ich finde daher, dass eine Geschichte klar deklartierte Stakes gar nicht unbedingt braucht.

    Daher hab ich auch bis heute kaum Stakes in meinen eigenen Geschichten. Aber oh well, es sagt mir auch selten jemand, dass meine Geschichten spannend wären. Liegt vllt daran, huh? Ich weiß halt, dass ich bei meinem Roman im Entwicklungsprozess ganz am Ende noch Stakes hinzugefügt habe, und mich deswegen irgendwie schmutzig gefühlt hab. Weil die Szene, die ich hinzugefügt habe, zum Plot wenig beiträgt und eigentlich auch nicht relevant ist, außer, dass halt die Stakes aufgezeigt werden. Und jetzt sieht das Feedback von Leuten, die das Buch lesen, so aus: "Also [erst] ab diesem Kapitel wurde es richtig spannend, und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen!" Uff :( Vor allem kommt das Kapitel halt erst nach der ersten Hälfte des Buchs. Rip


    Naja, um es auf den Punkt zu bringen: Ich mag Stakes, die sich real anführen. Und zwar deswegen, weil manchmal in der Geschichte wirklich etwas schief läuft, und jemand zB. ein Bein verliert, oder auch mal wirklich eine Freundschaft nachhaltig zu Bruch geht, oder so. Und man vllt mehrere Folgen oder Arcs braucht, um die negativen Auswirkungen wieder in Ordnung zu bringen. Wenn es nicht solche Stakes sind, bin ich meist nicht wirklich investiert.

  • Zitat von Aprikose

    Genauso mit Streits zwischen Charakteren: Wirkt halt alles total oberflächlich, weil man einander sofort verzeiht oder es vergisst.

    Es wirkt realistisch und sozial, imo, nicht oberflächlich. Ich hasse das, wenn angebliche "Freunde" und Leute, die sich angeblich laut Canon lieben, nach Streitigkeiten, die man beilegen könnte, auf mehrere Staffeln ausdehnen. Wie soll ich das dann glauben, wenn Leute, die man angeblich liebt, wegen Fehlern fertiggemacht werden und denen man dann gönnerhaft irgendwann mal doch verzeiht? Kommt natürlich drauf an, was genau geschehen ist, aber bei dem, was ich mich da erinnern kann, ist das sehr realistisch.

    Schau mal die Serie fertig, dann wirst du schon sehen. ^^"

    Es kommt halt auch drauf an wie nachtragend Menschen sind.


    Zitat von Aprikose

    Es kommt für mich keinerlei Spannung auf, weil ich genau weiß, dass alles Schlimme, das passiert, sofort wieder rückgängig gemacht wird.

    Keep watching. xD

    Die Jugend von heute hat keine Geduld mehr. *zeterzeter*


    Zitat von Alaiya

    Gleichzeitig habe ich häufiger bei Fantasy, aber gerade auch in Spielen und Filmen das Problem, dass immer direkt die ganze Welt auf dem Spiel steht, was aber vollkommen egal ist, da es wenig gibt, dass diese Welt je in den Vordergrund rückt. Meist schert man sich als Konsument zwar drum, dass "Wenn Böse die Welt zerstören, sterben auch Prota und Freund*innen/Familie", aber die Welt spielt oft eine zu geringe Rolle, um sich dafür wirklich zu interessieren. Ich finde gerade die Avengers-Filme sind in der Hinsicht ein gutes Beispiel, geradee da wir eben hier diese Diskrepanz ganz gut sehen zwischen nominellen und eigentlichen Stakes. Ich meine, interessiert es irgendwen das die Hälfte aller Leute auf der Welt gestorben sind? Also die vielen Hans Müllers und John Does der Welt? Interessiert es irgendwen? Natürlich nicht. Das einzige, was uns interessiert, sind die anderen Superheld*innen, die ausgelöscht wurden oder vorher halt eben die Gefahr, dass welche der Held*innen sterben. Das Problem ist nur: Der Einsatz ist an sich riesig, aber er fühlt sich nicht riesig an, da die Welt der MCU-Filme halt nur existiert, damit die Handlung darin passieren kann - aber es ist keine lebende Welt. Die Figuren im Hintergrund sind Zierde, keine Charaktere. Also durchweg nicht. Und damit ist das MCU halt nicht allein. In Fantasy sehe ich ähnliches sehr häufig. Man weiß zu wenig über die einfachen Leute, über die Kultur, damit größere Stakes irgendeine Wirkung entfalten würden. Doppelt natürlich, da wir wissen: Je größer der Stake, desto wahrscheinlicher, dass die Held*innen am Ende gewinnen.

    Ehrliche Frage: Was müsste man deiner Meinung nach tun, damit die Welt und die Charaktere im Hintergrund mehr als nur Kulisse und Accessoires wirken? Natürlich, ich schreibe dazwischen gerne Alltagsszenen, aber ein Charakter kann jeweils nur mit seinem direkten Umfeld interagieren. Daher kommt man nie dazu jeden John Doe zu sehen und mit ihm mitzuleiden.

  • Es wirkt realistisch und sozial, imo, nicht oberflächlich. Ich hasse das, wenn angebliche "Freunde" und Leute, die sich angeblich laut Canon lieben, nach Streitigkeiten, die man beilegen könnte, auf mehrere Staffeln ausdehnen. Wie soll ich das dann glauben, wenn Leute, die man angeblich liebt, wegen Fehlern fertiggemacht werden und denen man dann gönnerhaft irgendwann mal doch verzeiht? Kommt natürlich drauf an, was genau geschehen ist, aber bei dem, was ich mich da erinnern kann, ist das sehr realistisch.

    Schau mal die Serie fertig, dann wirst du schon sehen. ^^"

    Es kommt halt auch drauf an wie nachtragend Menschen sind.

    Prinzipiell bin ich vollkommen bei dir. Mir gefällt es grundsätzlich auch lieber, wenn es so gehandhabt wird wie in der Serie mit sozialen Konflikten. Mein Problem ist eher, dass es eben in so gut wie jeder Dimension (bisher) so ist wie beschrieben. Nicht nur bei sozialen Kontakten spielen die Aktionen der Charaktere kaum eine Rolle, sondern bei quasi allem. Wären es nur die sozialen Interaktionen, die so ablaufen würden, dann hätte ich es auch eher als positiven Punkt bewertet. So war es aber halt einfach ein Beispiel dafür, dass in der Serie gefühlt nichts irgendeine bedeutsame Konsequenz hat.

  • Ehrliche Frage: Was müsste man deiner Meinung nach tun, damit die Welt und die Charaktere im Hintergrund mehr als nur Kulisse und Accessoires wirken? Natürlich, ich schreibe dazwischen gerne Alltagsszenen, aber ein Charakter kann jeweils nur mit seinem direkten Umfeld interagieren. Daher kommt man nie dazu jeden John Doe zu sehen und mit ihm mitzuleiden.

    Um bei Marvel zu bleiben: Bei allen Problemen, die die Netflix-Shows (die ironischerweise nie solche Weltenendenden Stakes genommen haben) hatten, wirkte die Welt dort lebendiger, weil eben mehr Charaktere vorkamen, die a) keine Kräfte hatten und b) nicht mal unbedingt ein gutes Verhältnis zu den Protagonist*innen. Dadurch wird der Eindruck erzeugt, dass in dieser Welt normale Menschen leben und die auch irgendwie ein Leben haben und dergleichen. Wir sehen bspw. ja auch die direkten Folgen vom ersten Avengers und der Schlacht von New York aus dieser Perspektive.


    Und es sind diese kleinen Dinge, die in den Filmen hätten helfen können, so ein Gefühl zu erzeugen - aber bisher machen das ausschließlich die Spiderman Filme. Dort gibt es eben auch diverse Nebencharaktere und man bekommt ein Gefühl für Konsequenzen und Folgen außerhalb der "Superheldenblase". Und das fehlt mir sehr in den anderen MCU-Filmen. Einfach eine Reaktion auf die Dinge, die so passieren. Von normalen Leuten. Nicht Poltikern. Normalos. Und das mehr als eine Blink-It-And-You-Miss-It Throwaway Szene. Also im Sinne von: Endgame hätte funktioniert ohne die Szene mit Caps Selbsthilfegruppe oder die Szene mit den Kids und Hulk. Far From Home hätte ohne die Szenen mit den Mitschüler*innen oder den Bösewichten, die fast durchweg auch "normalos" waren, eben nicht funktioniert.

  • Ehrliche Frage: Was müsste man deiner Meinung nach tun, damit die Welt und die Charaktere im Hintergrund mehr als nur Kulisse und Accessoires wirken? Natürlich, ich schreibe dazwischen gerne Alltagsszenen, aber ein Charakter kann jeweils nur mit seinem direkten Umfeld interagieren. Daher kommt man nie dazu jeden John Doe zu sehen und mit ihm mitzuleiden.

    Um bei Marvel zu bleiben: Bei allen Problemen, die die Netflix-Shows (die ironischerweise nie solche Weltenendenden Stakes genommen haben) hatten, wirkte die Welt dort lebendiger, weil eben mehr Charaktere vorkamen, die a) keine Kräfte hatten und b) nicht mal unbedingt ein gutes Verhältnis zu den Protagonist*innen. Dadurch wird der Eindruck erzeugt, dass in dieser Welt normale Menschen leben und die auch irgendwie ein Leben haben und dergleichen. Wir sehen bspw. ja auch die direkten Folgen vom ersten Avengers und der Schlacht von New York aus dieser Perspektive.


    Und es sind diese kleinen Dinge, die in den Filmen hätten helfen können, so ein Gefühl zu erzeugen - aber bisher machen das ausschließlich die Spiderman Filme. Dort gibt es eben auch diverse Nebencharaktere und man bekommt ein Gefühl für Konsequenzen und Folgen außerhalb der "Superheldenblase". Und das fehlt mir sehr in den anderen MCU-Filmen. Einfach eine Reaktion auf die Dinge, die so passieren. Von normalen Leuten. Nicht Poltikern. Normalos. Und das mehr als eine Blink-It-And-You-Miss-It Throwaway Szene. Also im Sinne von: Endgame hätte funktioniert ohne die Szene mit Caps Selbsthilfegruppe oder die Szene mit den Kids und Hulk. Far From Home hätte ohne die Szenen mit den Mitschüler*innen oder den Bösewichten, die fast durchweg auch "normalos" waren, eben nicht funktioniert.

    Na gut, Filme sind dementsprechend... ich schau Filme schon gerne, aber sie geben mir nicht so viel wie Serien, eben weil oft die Immersion fehlt und manches ausgenommen werden muss oder dennoch gestrichen wird, weil Actionszenen ja so viel interessanter sind als Charakterszenen und so - und das zu Hauf.


    Gegen "Weltenendestories" hab ich an sich nichts einzuwenden, wenn ich das Gefühl habe es gibt eine Welt, und eben Charaktere, an denen man hängt, die es "Wert" sind gerettet zu werden und nicht nur Pappmache, das bloß für den Plot aufgebaut wurde.

    Außerdem wird es auch dann interessant, wenn etwas schiefgeht und es mittendrinnen oder zu Anfang zu einem dystopischen Setting kommt (in verschiedenem Ausmaß, je nachdem, was geschieht).