[Kalos] Feurige Leidenschaft

  • Zusammenfassung Kapitel 1 bis 25


    Louna Lavie hat vor Kurzem ihren Schulabschluss absolviert und überlegt nun, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Das Trainer-Dasein hat für sie bislang nie eine Rolle gespielt. Grund dafür ist die Brutalität der Kämpfe. Es kann in solchen so viel schief gehen, dass Louna diesen stets skeptisch gegenüberstand.
    Als ihre Nachbarin sie bat zu ihr zu kommen, begannen die Ereignisse sich zu überschlagen. Zum einen bekam sie ein neues Pokémon, welches sie Chiari taufte. Neben Arcus, ihrem treuen Freund und Fukano, besaß sie damit zwei Pokémon. Außerdem war sie von Professor Platan gebeten wurden eine Lieferung nach Escissia zu bringen. Da Lounas Mutter im Labor arbeitete, war es für den Professor gar nicht so abwegig diese verantwortungsvolle Aufgabe Louna aufzutragen. Bevor jedoch Louna ihre Reise beginnen konnte, tauchte ein Dieb auf, der Pokébälle mit den dazugehörigen Pokémon aus dem Labor stahl. Louna reagierte instinktiv und verfolgte den Dieb bis in den Untergrund von Illumina City – ihre Heimatstadt.
    Im Untergrund konnte Louna die Diebe nicht dingfest machen, da sie verschwunden waren, allerdings traf sie dort auf den mysteriösen Soul, der selbst in seiner schwarzen Kleidung nicht ganz seriös wirkte. Trotzdem konnten dank ihm die gestohlenen Pokémon gerettet werden. Nachdem der Diebstahl weitestgehend aufgeklärt war und alle in Sicherheit waren, konnte Louna endlich ihre Reise beginnen. Oder nicht?
    Auf den Weg zum Tor, welches zur Route 4 führte, traf Louna auf einen begeisterten Tänzer namens Dash. Er war ihr nicht ganz unbekannt und da er sich dazu entschloss Louna zu begleiten, musste sie nicht allein bis nach Nouvaria City gehen.
    Obwohl sie die öffentlichen Verkehrsmittel hätten nehmen können, entschieden sie sich dazu den Weg zu Fuß zurückzulegen. Das gab Louna auch die Möglichkeit einen Kampf zwischen zwei jungen Trainern zu beobachten, die noch viel über das Kämpfen lernen mussten. Besonders wann es klug war einen Kampf aufzugeben damit das eigene Pokémon nicht zu sehr verletzt wurde.
    Auch Louna hatte noch vieles zu lernen, weshalb sie sich von Dash ein paar Trainingstipps geben ließ, als sie eine kleine Pause zwischendurch machten.


    Später in Nouvaria City stellten Louna und Dash fest, dass der Weg Richtung Nouvaria Wald und damit nach Aquarellia derzeit gesperrt war. Da sie nicht weiter kamen, schlug Dash vor, die hiesige Trainerschule aufzusuchen. Ehe sich Louna versah, landete sie in dessen Sekretariat und ließ sich darüber aufklären, wie man zu einem Trainer-Pass gelangte. Sie muss eine theoretische und praktische Prüfung bestehen, die jeweils einmal im Monat angeboten wurden. Obwohl Louna nie eine Trainerin sein wollte, kamen ihr immer mehr Überlegungen auf, ob es nicht praktisch sei die eigenen Pokémon zu trainieren. Dazu gehörte es aber auch einen offiziellen Trainer-Pass zu besitzen.
    Nach dem Besuch in der Trainer-Schule besuchten Dash und Louna die Nouvaria City Arena. Von Dash weiß sie, dass er ein Trainer aus Kanto war und daher schon sehr viel mehr Erfahrung besaß als sie selbst. Er besaß sogar schon einige Orden aus verschiedenen Regionen, die er bereist hatte. Doch bevor Dash dazu kam die Arenaleiterin Viola herauszufordern, musste sich Louna ihrer ersten Kampfprüfung stellen! Gemeinsam mit Arcus, ihrem Fukano, kämpfte sie gegen einen der Trainer in der Arena, der sie herausforderte. Durch den Typenvorteil und den geschickten Einsatz von Feuerattacken konnte Louna tatsächlich einen Sieg für sich erringen. Dabei hatte sie auf das Training zurückgreifen können, was sie zuvor mit Dash und Arcus auf Route 4 absolviert hatte.
    Dash sollte nicht zu kurz kommen. Nachdem Louna ihren Sieg errungen hatte, tauchte Viola auf, die offenbar den Übungskampf beobachtet hatte. Dash bekam seine Chance gegen die Leiterin zu kämpfen, so dass Louna feststellen konnte, dass er ein besserer Trainer war, als sie bisher angenommen hatte. Der Kampf war spannend und energiegeladen gewesen. Dash gewann mit seinen Elektro-Pokémon gegen Violas Käfer-Pokémon, obgleich es manchmal recht kritisch wirkte.
    Während des Kampfes zeigte Viola ihre andere Leidenschaft: Fotografie. Sie knipste ein paar Bilder, was Dash und Louna irritierte und lud die beiden nach dem Kampf dazu ein, irgendwann einmal wieder vorbei zu kommen.


    Als sie das Pokémon-Center später wieder verließen, trafen die beiden den mysteriösen Soul wieder. Louna fällt sofort die Anspannung zwischen Soul und Dash auf, konnte sich aber nicht erklären, welches Problem zwischen den beiden bestand. Da Dashs Pokémon während des Arenakampfes vergiftet worden war, blieb ihm nichts anderes übrig als in Nouvaria City zurückzubleiben.
    Die Vorstellung allein den Nouvaria Wald zu durchqueren, schreckte Louna ein wenig ab. Trotz der Absperrung musste sie weiter, doch ausgerechnet Soul sollte derjenige sein, der sie weiter begleitete. Er schien allgemein ein sehr mürrischer Typ zu sein, aus dem Louna einfach nicht schlau wurde. Trotzdem war sie froh, dass er dabei war.
    Bevor sie den Wald allerdings betraten, warnte ein Polizist sie beide, dass sich ein Rudel Pyroleo in der Gegend aufhielt. Sie sollten vorsichtig sein.
    Im Wald selbst trafen sie beide auf kein einziges Pyroleo. War die Warnung vielleicht überflüssig gewesen? Dafür schienen die Käfer Louna besonders ärgern zu wollen, denn immer wieder tauchten sie in ihrer Nähe auf, was Louna sichtlich nervös gemacht hatte.
    Außerdem erschien ein sehr wildes Dartiri, was sie ununterbrochen angriff. Das Pokémon wollte vermutlich sein Revier verteidigen und ging auf die beiden los, weshalb Soul gegen es kämpfte. In einem kurzen Moment, in dem er das Dartiri schwächen konnte, wies er Louna dazu an, einen Pokéball nach diesem zu werfen. Denn es war trotz allem so energiegeladen, dass es vermutlich wieder angegriffen hätte, wenn es dazu gekommen wäre. Trotz Lounas Zögern warf sie einen Ball und fing dadurch auf eher unüblicher Art ihr erstes Pokémon. Somit hatte sie drei Pokémon, doch sollte sie Dartiri wirklich behalten?
    Während die beiden den Wald durchstreiften und später dabei waren sich einen Schlafplatz zu suchen, entdeckten sie einen Kampf zwischen zwei Trainern. Dabei handelte es sich um May Chikara und Xelif Payne. Der Kampf endete mit einem Unentschieden und die beiden Trainer entschlossen sich dazu, bei Soul und Louna zu bleiben, um gemeinsam die Nacht zu verbringen. Dabei lernten sie sich ein wenig besser kennen und tauschten sich aus. Außerdem bekam das Pokémon von Soul durch die beiden Trainer einen Namen. Es war das Pokémon, welches von den Dieben in Illumina City geklaut worden war. Da es keinem Trainer gehörte, hatte es Soul behalten.
    Xelif, dessen Partner-Pokémon ein Meditalis war, erklärte, dass er unbedingt ein Trasla in seinem Team haben wollte. Deshalb verabschiedete er sich auch am nächsten Morgen, um Richtung Nouvaria City aufzubrechen.
    May hingegen blieb bei Soul und Louna, da sie ebenfalls nach Aquarellia wollte. Gemeinsam mit Aclasur, ihrem Flunkifer, begleitete sie die beiden und verriet, dass ein Teil ihrer Familie dort lebte.


    In Aquarellia bekam Louna dann endlich die Möglichkeit ihre Lieferung abzugeben, die ihr Professor Platan aufgetragen hatte. Es stellte sich heraus, dass Mays Cousin einer der jungen Trainer war, der sein erstes Pokémon vom Professor erhalten sollte. Denn nichts anderes beinhaltete Lounas Lieferung. Takaru, Mays Cousin, hatte noch eine Freundin aus Escissia, die ebenfalls ein Pokémon erhalten sollte. Ein dritter Trainer fehlte allerdings, so dass Louna vorerst das scheue und außergewöhnlich farbige Fynx behielt, um es später dem Professor zurückzugeben. Takaru entschied sich sofort für Froxy während Mimi Igamaro wählte.
    Weil die Familie Kitana etwas von einem Frühlingsfest in Escissa erzählte, welches stattfinden sollte, entschied sich Louna noch ein wenig länger zu bleiben anstatt die Rückreise anzutreten. Soul hatte sich bereits wieder aus dem Staub gemacht gehabt, doch es dauerte nicht lange, bis sie ihn wieder traf. Als Louna nämlich im Garten von Mays Familie mit den Pokémon und den anderen blieb und sich austauschte, tauche ein Dieb auf, der das das andersfarbige Fynx stahl.
    Erneut rannte Louna einem Dieb nach und stolperte dabei direkt über Soul, der wie schon in Illumina dabei helfen konnte, den Diebstahl zu verhindern. Diesmal konnte auch der Dieb festgenommen werden. Insgeheim hegte Soul den Verdacht, dass dieser Dieb mit denen in Illumina City unter einer Decke steckte, aber das behielt er für sich.
    Nach dem ganzen Aufruhr freute sich Louna umso mehr auf das Frühlingsfest zu gehen. Sie schaffte es sogar Soul dazu zu überreden mit ihr zu kommen! Statt den üblichen Weg nach Escissia zu nehmen, liehen sie sich an der Anlegestelle des Rhonarés, dem Fluss bei Aquarellia, ein Boot, um auf diese Weise nach Escissa zu gelangen. Arcus fand das gar nicht gut. Das Wasser und das Schwanken des Bootes ließ das Fukano nervös werden während Chiari ganz begeistert schien. Dummerweise hatte ihnen niemand gesagt, dass es im Fluss ein riesiges Welsar gab. Eben jenes Wasser-Pokémon tauchte sehr unerwartet auf, so dass Chiari in den Fluss stürzte. Louna musste um ihr Pokémon bangen, denn wenn Welsar das Maul aufriss, würde er das kleine Evoli mit einem Haps verschlingen können. Soul setzte daher sein Kramshef ein, sein Unlicht-Flug-Pokémon, welches Chiari aus dem Fluss fischte und somit rettete. Somit war noch einmal alles gut gegangen.


    Dadurch, dass Louna ein Kind der Großstadt war, war sie sehr von dem kleinen Dorf Escissia beeindruckt. Wegen des Frühlingsfests war es überall mit Blumen geschmückt und auf den Straßen war einiges los. Man bot eine Show an, die Louna sehr begeisterte, allerdings verlor sie später Soul aus den Augen, als sie zu sehr auf die tanzenden Dressellas achtete.
    Als sie ihn suchte, wurde Louna von zwei Trainern aus Escissia herausgefordert. Völlig überfordert und überrumpelt, musste Soul ihr aus der Patsche helfen, was langsam zur Gewohnheit wurde. Gemeinsam bestritten sie einen Doppelkampf gegen die beiden Trainer, die Soul scheinbar kannte. Da Lounas Kampferfahrungen noch sehr gering waren und sie daher auch noch keine Doppelkämpfe bestritten hatte, war es Soul, der die Führung übernahm. Mit seinem Pokémon und seinen Anweisungen schafften sie es den Sieg zu erringen. Dennoch blieb am Ende eine ungeklärte, angespannte und schlecht gelaunte Stimmung zurück. Louna konnte sich das Problem nicht erklären und blieb am Ende allein zurück. Sowohl die Trainer als auch Soul verschwanden wieder.
    Aufgrund dieses Ereignisses war auch Lounas Stimmung zunichte gemacht worden und sie wollte nicht länger auf dem Frühlingsfest verweilen. So ging sie los, um nach Aquarellia zurückzukommen, da sie bei Mays Familie übernachten konnte. Auf den Weg dorthin kam sie an dem Fluss vorbei, wo sich Soul um sein verletztes Pokémon kümmerte. Trotz der Anspannung ging Louna zu ihm und bemerkte, dass seine Laune nicht mehr ganz so mies war, was sie erleichterte.
    Es dauerte nicht lange, da tauchte May selbst auf. Sie hatte ein schlechtes Gewissen gehabt, weil sie am Morgen noch Soul für einen Dieb gehalten hatte und entschuldigte sich daher nun aufrichtig bei ihm. Weil Soul keinen Schlafplatz hatte, ließ er sich dazu überreden mitzukommen und konnte ebenfalls bei Mays Familie übernachten.
    Am nächsten Morgen war er bereits verschwunden, weswegen Louna allmählich feststellen musste, dass es nicht einfach war ihn an einen Ort zu binden oder ihm auf irgendeine Art und Weise näher zu kommen. Er kam und ging wie er wollte, was sie ziemlich oft verwirrte.


    Auf den Weg zurück nach Illumina City blieb Louna nichts anderes übrig, als allein den Nouvaria Wald zu durchqueren. May blieb in Aquarellia, um ihrem Cousin beim Training seines Pokémon zu helfen und da auch Soul verschwunden war, musste Louna alleine weiterreisen. Sie wollte so schnell wie möglich den Wald hinter sich lassen, doch dieses Mal traf sie die Pokémon, vor denen man sie in Nouvaria City gewarnt hatte. Pyroleos tauchten auf!
    Zwei männliche Exemplare kämpften fürchterlich gegeneinander und Louna entdeckte ein weibliches Pyroleo tot am Boden liegen. In ihrer Nähe waren bereits auch ein paar tote Leufeos. Bei dem Anblick war Louna bewusst, dass diese Pokémon definitiv gefährlich waren und sie ihnen besser nicht zu nahe kommen sollte. Daher wollte sie so schnell wie möglich wieder gehen, allerdings fand sie zwischen dem hohen Gras ein kleines, verlassenes Leufeo, was überlebt hatte. Ohne groß darüber nachzudenken, nahm Louna das kleine Pokémon auf und floh. Sie wusste, wenn sie es zurückließ, würde es vom gleichen Schicksal getroffen werden, wie seine Geschwister. Leider wurde Louna von dem Sieger-Pyroleo verfolgt, welches offenbar der Herausforderer gewesen war und den alten Rudelanführer besiegt hatte. Wenn er sie erwischte, sah es nicht gut um sie aus!
    Louna wusste, dass sie nicht gegen das Pyroleo kämpfen konnte. Ihre eigenen Pokémon waren nicht stark genug, nicht trainiert, um es mit so einem Gegner aufzunehmen. Als das Pyroleo sie einholte, schien es nicht gut um sie zu stehen, doch indem Moment tauchte Xelif auf und rettete sie aus der Notlage. In diesem Augenblick war Louna klar, dass es wichtig war trainierte Pokémon zu haben. Sie setzte sich ein Ziel.
    Der Gefahr entkommen, begleitete Xelif sie bis nach Nouvaria, wo Louna endlich erleichtert aufatmen konnte. Das gefundene Leufeo brachte sie ins Pokémon-Center und entschied sich dafür es zu behalten.






    REKOMMIS


    @Eisseele - Ich gehe nur auf ein paar Dinge ein. x3 Trotzdem meinen herzlichen Dank, dass du mir Kommentare schreibst. Du weißt ja mittlerweile, wie sehr ich mich darüber freue!



    @Rusalka - Jetzt kommt erst einmal ein Rekommi zu dir, weil das schneller geht, als bei Sheo. :D



    @Sheogorath - Jetzt bist du dran! Mhm, den Satz könnte man auch falsch auslegen. :D




    @Adurna - Von dir gab's kein Kommentar, aber dafür was anderes. Fanart! Ich freue mich jedes Mal, deswegen weise ich mal alle BB-Leser darauf hin: Guckt es euch an! :D Das ist so toll! :heart: KLICK




    So dann, an dieser Stelle möchte ich mich offiziell noch mal ganz herzlich bei allen Lesern bedanken und vor allem bei denjenigen, die mir Feedback, Anregungen, Lob und Kritik geben und auch über manches Fanart, was entsteht. Ich freue mich so wahnsinnig, ihr macht mich echt glücklich! :love::heart:


    @all Noch könnt ihr auch bei meinen Wettbewerben mitmachen.


    Viel Spaß! Ich freue mich wieder von euch zu lesen und das nächste Kapitel ... kommt bald. :)  
    Eure Lexi~

  • So hier erst mal eine Rückmeldung. Damit es nicht wieder so lange dauert dachte ich mir heute eine und den Rest verstreue ich über die Woche. ^^


    Aber zuerst: WILLKOMMEN IM PROFI- BEREICH!
    Und das verdammt verdient! Ich hab mich ja schon gefragt, wenn es endlich so weit ist und nun ist es so weit!




    @Alexia


    I am back! Und damit auch endlich ein neues Review!




    @Alexia


    Mäh ich will nicht schon wieder für ein Review einen neuen Post machen müssen. Daher kommt es hier rein.



    So hier ist das Review. Ich hab versucht mir zum Ende hin wie versprochen ein paar Fragen auszudenken, aber das war gar nicht so einfach! Hab natürlich auch die von dir gefragten beantwortet.^^



    Danke an Evali von Pokefans für den tollen Avatar, den sie als Preis für eine Aktion im Bisaboard angefertigt hat.

    2 Mal editiert, zuletzt von Eisseele ()

  • 26. Kapitel – Endlich Zuhause!


    Wer die Wahl hat, hat die Qual. Ein berühmtes Sprichwort, was gerade jetzt sehr gut zutraf. Louna stand vor einem Regal mit etlichen Halsbändern für Pokémon. Gemeinsam mit Xelif war sie in ein Geschäft für Pokémon-Bedarf gegangen, um alles zu besorgen, was sie für ihr Leufeo benötigte. Das war zum einen ein Halsband, damit es offiziell ausgewiesen wurde. Außerdem wollte sie sich noch über einen Ring informieren, den man Vogel-Pokémon anlegen konnte. Jeder, der die Pokémon sehen würde, konnte dann anhand des Halsbandes oder des Ringes erkennen, wem sie gehörten. Das war Louna wichtig, denn gerade in der Großstadt kam es nicht selten vor, dass man mal Pokémon fand, deren Trainer fehlten. Nicht, dass Louna vor gehabt hatte ihre Pokémon in der Großstadt alleine herum laufen zu lassen. Sie würde darauf achten, dass sie keinen von ihnen verlor, aber Sicherheit brauchte sie dennoch.
    Für Leufeo suchte sie ein rotes Halsband heraus. Es besaß ein kariertes Muster und hatte noch zusätzlich eine Halterung angebracht, an der man eine Marke befestigen konnte. Genau das wollte Louna. Während sie sich dann noch von einer Verkäuferin wegen des Vogelringes beraten ließ, sah sich Xelif an anderer Stelle um. Er selbst wollte noch etwas Pokémon-Futter für seine Lieblinge kaufen und damit seinen kleinen Vorrat auffüllen. Nachdem alles erledigt war und die Verkäuferin sogar dabei geholfen hatte Tornado den Ring an das dünne Beinchen anzulegen, verließ Louna mit Xelif das Geschäft. Es war bereits Nachmittag. Wenn sie noch heute nach Illumina City wollten, dann wäre ein Fußmarsch nicht gerade ideal. Das würden sie in der Zeit nicht schaffen. Nicht, wenn sie heute noch im Hellen ankommen wollten.
    »Was hast du jetzt vor, Xelif?«, fragte Louna neugierig ihren Begleiter. Der schien noch recht unentschlossen zu sein.
    »Ich muss auf jeden Fall mein Trasla weiter trainieren, aber … « Xelif schien es nicht wichtig zu sein, wo er das Training abhielt, was bedeutete, dass er durchaus gewillt war, Louna bis nach Illumina City zu begleiten. Sie selbst hatte nichts dagegen. Xelif hatte bisher auch noch nicht so viel von Illumina City gesehen gehabt, weswegen es sich für ihn lohnen würde. Daher waren sie sich schnell einig, dass sie immer noch einen gemeinsamen Weg besaßen.
    »Wie kommen wir jetzt am besten nach Illumina?«, wollte Xelif wissen. Einen weiteren Fußmarsch wollte Louna gerne vermeiden. Vor allem wenn das bedeutete, dass sie erst morgen wieder ankommen würde und die Nacht draußen schlafen müsste. Das würde sie gerne vermeiden, weswegen sie Xelif vorschlug lieber den Bus zu nehmen. Öffentliche Verkehrsmittel gab es schließlich. Die waren zwar dann etwas teurer, als wenn man zu Fuß oder anderweitig unterwegs war, aber sie boten eine gute Alternative zum Reisen. Louna hätte auch schon am Anfang einen Bus nach Nouvaria City nehmen können, hatte sich aber dagegen entschieden. Der Weg war zwar zu Fuß viel länger gewesen, so aber hatte sie ein paar andere Dinge erleben und, unter anderem sogar Arcus trainieren können. Dieses Mal wollte sie sich das allerdings ersparen und war nur froh, wenn sie baldmöglichst wieder zu Hause war. Sie freute sich schon jetzt auf ihr eigenes Bett, ein warmes Bad und auch über das Essen ihrer Mutter. Allein der Gedanke ließ ihren Magen knurren. Vielleicht sollte sie gemeinsam mit Xelif vorher noch eine Kleinigkeit essen? Bevor sie das jedoch tat, informierte sie sich an der Haltestelle wann der nächste Bus Richtung Illumina City fuhr. Alle halbe Stunde fuhr ein Bus, weswegen man das ganz gut timen konnte. Louna war zufrieden.
    »Okay, lass uns mal noch was zum Essen finden«, schlug sie Xelif vor, der zustimmend nickte.
    »Alles klar!« Auch er verspürte ein Hungergefühl und hatte daher nichts dagegen, wenn er was zwischen die Zähne bekam. Es musste kein Besuch in einem Restaurant sein, doch irgendetwas Bissfestes wäre schon schön. Am Ende trödelten sie eine ganze Stunde herum, bis sie sich für ein Café entschieden hatten, wo sie sich etwas Warmes zum Essen bestellten und es dort verspachtelten. Auch wenn es länger gedauert hatte, als erwartet, waren beide satt und zufrieden. Da es mit dem Bus nach Illumina City ging, war es auch nicht so schlimm, dass sie etwas Zeit vergehen lassen hatten.
    Auf dem Weg zur Bushaltestelle konnten sie bereits die langsam untergehende Sonne bewundern. Der Himmel färbte sich bereits in ein dunkles Orange. Es sah beinahe so aus, als würde das Firmament brennen. Louna fand den Anblick so schön, dass sie kurz stehen bleiben musste. Seit Ewigkeiten fanden Menschen den Sonnenauf- und -untergang sehr spektakulär. Es war ein Inbegriff von natürlicher Schönheit mit einem Hauch von Mystik. Wenn der Tag und die Nacht sich abwechselten, hinterließen sie etwas Magisches, was nicht richtig greifbar war, aber gerade deswegen es so geheimnisvoll machte. Louna mochte diese Vorstellung sehr, durfte sich aber jetzt nicht zu sehr in Gedanken verlieren. Als sie sich wieder an Xelif wandte, damit sie gemeinsam weitergehen konnten, fiel ihr jedoch etwas auf.
    »Mh? Hörst du das?«, wollte sie von ihm wissen. Sofort lauschte Xelif und bestätigte ihr, dass auch er etwas hörte.
    »Das ist Musik, oder?« So wie es klang, war es ganz eindeutig Musik! Aber woher kam die Melodie, die sie hörten? Sie war eher ruhig, klang sehr harmonisch und entstand durch den Einsatz einer Gitarre. Je näher sie der Melodie kamen, desto sicherer war sich Louna darüber, aber umso neugieriger wurde sie. In Illumina City war es Gang und Gebe an fast jeder Straßenecke einen Musikanten zu sehen, der sang oder spielte. Manchmal waren es auch ganze Gruppen, die für Straßenmusik sorgten. Nouvaria City war deutlich kleiner als Illumina, aber das bedeutete nicht, dass es nicht auch hier Straßenmusikanten gab.
    Von Neugier beseelt wollte Louna wissen, wer da spielte. Vielleicht war es auch eine Vorahnung, wen sie dabei antreffen könnte. Denn als sie die Stelle fanden, wo der Musiker saß, konnten sie unter anderem auch andere Leute sehen. Sie mussten Nouvaria City sogar ein Stück weit verlassen, um diese Stelle zu erreichen, denn sie lag ein wenig außerhalb. Das störte aber niemanden. Ein Lagerfeuer prasselte in einem angelegten Steinring und sorgte nicht nur für Wärme und Licht in der anbrechenden Dunkelheit, sondern bot auch Würstchen auf Spießen oder auch Kartoffeln zum Grillen an. Hätte Louna gewusst, dass es hier ein so schönes Lagerfeuer gab, wäre sie mit Xelif gleich her gekommen und hätte hier etwas gegessen!
    Ihre Aufmerksamkeit lag ganz und gar auf dem singenden Gitarristen, denn es war niemand anderes als Dash. Deswegen hatte sie die Vorahnung gehabt. Unbewusst hatte sie seine Stimme bereits erkannt, ihn aber nun hier spielen und singen zu sehen, war noch einmal etwas ganz anderes. Sie war schon in Illumina City von seinen Tanzeinlagen beeindruckt gewesen, aber jetzt war sie noch mehr faszinierter von ihm. Er war durch und durch ein Musiker!

    »Spürst du den Drang in dir,
    er ist auch tief in mir.
    Der Wunsch nach dem Wunderland,
    träumst du heimlich, unerkannt.


    Ein Ort, wo dir alles gelingt,
    der nach einem Paradies klingt,
    wo du sein kannst nur was du willst
    und dir deine Träume erfüllst.


    Spürst du den Drang in dir,
    ja in dir, ja in dir,
    er ist tief in mir, tief in mir.
    Der Wunsch nach dem Wunderland
    mit weitem Meer und weißem Sand.
    Es ist das Wunderland, Wunderland …


    Doch pass auf bei deiner Träumerei,
    musst dich vom Wunderland befrei‘n!
    Du hast dein Glück selbst in der Hand.
    Nur in den Wünschen und Träumen,
    wachsen Erfolge an Bäumen.
    Dein Glück musst du dir verdienen
    dann ist es auch dir erschienen.


    Spürst du den Drang in dir,
    ja in dir, ja in dir,
    er ist tief in mir, tief in mir.
    Der Wunsch nach dem Wunderland
    mit weitem Meer und weißem Sand.
    Es ist das Wunderland, Wunderland …


    Du kannst alles sein, was du willst,
    wenn du deine Träume erfüllst.
    Du brauchst kein Wunderland zum Glück,
    wenn du kämpfst, kommt‘s zu dir zurück!


    Spürst du den Drang in dir,
    ja in dir, ja in dir,
    er ist tief in mir, tief in mir.
    Der Wunsch nach dem Wunderland
    mit weitem Meer und weißem Sand.
    Erschaff dein eignes Wunderland,
    dann kommt das Glück angerannt … «


    Wie viele andere hörte Louna schweigend zu. Sie stand mit Xelif und auch ihrem Fukano in der Traube an Menschen, um Dash dabei zu betrachten, wie er spielte und sang. Man konnte deutlich sehen, wie leidenschaftlich er der Musik nachkam. Er schien nicht einmal darauf zu achten, wer alles um ihn stand und war selbst in seiner eigenen Welt abgetaucht. Dash hatte eine schöne, wenn auch eher tiefere Singstimme, die Louna bis unter die Haut ging. Sie hatte nicht erwartet, dass er so gut singen konnte, obwohl er ihr bereits erzählt hatte, dass er Musik machte. Klar, er trug seinen Gitarrenkoffer schließlich überall hin mit!
    Als er mit seinem Lied fertig war und die letzten Töne ausklangen, bekam er einen kräftigen Applaus seines Publikums. Ein paar pfiffen auch anerkennend, was ihn freute. Er grinste über das ganze Gesicht und bedankte sich. Auch Louna applaudierte, hockte sich aber kurz darauf zu Arcus hin.
    »Schau mal, wer da ist, Arcus«, sagte sie zu ihrem Fukano und deutete in Dashs Richtung. Aber nicht ihn meinte sie, sondern das Fellbündel, was zu Dashs Füßen lag. Als Arcus Raku sah und Lounas Aufforderung mitbekam, lief das Fukano los. Es näherte sich langsam Raku, damit dieser sich nicht unerwartet bedroht fühlte. Von Anspannung war aber nirgendwo etwas zu sehen. Als Raku mit seinen langen Ohren und dann auch mit seinen Augen Arcus wahrnahm, erhob sich das Blitza. Arcus erreichte ihn und beschnupperte Raku. Die beiden kannten sich bereits und verstanden sich soweit ganz gut. Dash fiel das »fremde« Pokémon auf, wunderte sich aber, da ihm irgendwie das Fukano bekannt vorkam. Sofort sah er wieder auf und entdeckte dann Louna, die mit Xelif näher heran kam.
    »Hallo!«, grinste Louna ihn an, was Dash erwiderte.
    »Hey Lou! Schön dich wiederzusehen, bist also zurück, ja?«, fragte er sogleich und Louna nickte.
    »Jab, bin ich. Wie geht es Kuro?«, wollte sie gleich wissen und erinnerte sich an den Arenaleiterkampf, den Dash bestritten hatte.
    »Oh, schon sehr viel besser«, bestätigte Dash, was Louna freute. Der fragende Blick von Dash Richtung Xelif verdeutlichte ihr, dass sie hier auch noch jemanden vorstellen musste.
    »Dash, das ist Xelif. Xelif, das ist Dash«, machte sie die beiden miteinander bekannt. »Xelif habe ich im Nouvaria Wald kennen gelernt«, erklärte sie außerdem dazu. Die beiden Herren sahen sich an und gaben sich freundschaftlich die Hand.
    »Freut mich dich kennenzulernen«, sagte Dash und strich sich eine kurze blonde Strähne aus dem Gesicht.
    »Ganz meinerseits!«, erwiderte Xelif.
    Jetzt, wo Louna die beiden so nebeneinander stehen sah und auch sprechen hörte, fiel ihr wieder deutlicher auf, dass die beiden einen Akzent besaßen. Wenn auch einen unterschiedlichen. Wen wunderte es? Xelif kam aus der Hoenn Region, während Dash ursprünglich aus Kanto war. Da war es nicht überraschend, dass ihre Sprache auch etwas verschieden waren. Aber solange sie sich alle verstanden, stellte das keine Probleme dar.
    »Wie sieht‘s aus? Wollt ihr noch ein wenig das Lagerfeuer genießen?«, wollte Dash von beiden wissen. Noch war es nicht zu spät. Der Abend hatte erst begonnen, weswegen sich Louna und Xelif einigten, dass sie ein Weilchen noch bleiben konnten. Das bot ihnen die Gelegenheit Neuigkeiten mit Dash auszutauschen. Louna erklärte, was gestern im Wald passiert war und entließ ihr Leufeo aus dem Ball. Das Jung-Pokémon war noch verschüchtert, aber nicht mehr so ängstlich wie am Anfang. Dennoch traute es nicht allem über den Weg, doch die Anwesenheit von Arcus und Raku half Leufeo. Die beiden Pokémon zeigten ihr, dass nirgendwo Gefahr drohte und nach einer Weile schien sich Leufeo tatsächlich zu entspannen. Auch Chiari durfte aus dem Ball, was der Kleinen mehr als gut gefiel. Sofort wurde Raku in Beschlag genommen. Raku musste als neuer Spielpartner herhalten, was Louna zum Lachen brachte.
    »Na sieh einer an, wie schnell du neue Pokémon dazu gewonnen hast«, sagte Dash und grinste Louna an, die daraufhin nickte.
    »Stimmt schon«, sagte sie und erzählte auch von Tornado, ihrem Dartiri. Dash musste herzhaft lachen, als sich Louna beinahe schon darüber beschwerte, wie Soul sie dazu gebracht hatte das Pokémon zu fangen. Aber trotzdem behielt sie es und wollte versuchen es zu trainieren. Nur hier im Freien wollte sie ihn noch nicht raus lassen, da sie befürchtete, dass er dann einfach weg flog und sie ihn nicht mehr einfangen konnte. Das wäre schade.
    »Das heißt, du hast jetzt offiziell vier Pokémon, richtig? Und alle neigen zum Typ Feuer!«, sprach Dash weiter.
    »Fast alle. Ich meine Chiari muss nicht zu einem Feuer-Pokémon werden und Tornado … Na gut, sollte er sich irgendwann weiterentwickeln, dann hat er den Feuertyp dabei«, sinnierte Louna. Ziemlich auffallend mit dem Feuer, dabei war das von ihrer Seite überhaupt nicht geplant gewesen. Man könnte sagen, die Pokémon waren ihr einfach zu geflogen. Mehr oder weniger auf unterschiedliche Art und Weise. Seltsam war das.
    »Dann wirst du zu einer Feuer-Pokémon-Trainerin, das ist doch auch nicht schlecht!« Dash schien diese Vorstellung zu gefallen. Wenn Louna daran dachte, dass er selbst hauptsächlich Elektro-Pokémon besaß, wunderte sie das nicht.
    »Aber ist das nicht eigentlich für einen Trainer vom Nachteil, hauptsächlich nur einen Monotypen zu trainieren?«, wollte sie wissen. Sie als Anfängerin hatte noch viel zu lernen, aber selbst sie wusste, dass es gerade in Pokémon-Kämpfen Wechselwirkungen zwischen den Typen gab. Demzufolge konnte man sich einen gehörigen Nachteil verschaffen, wenn man nur mit einem Typen kämpfte.
    »Schon, ja, aber … «, begann Dash wieder. »Es kommt darauf an, was du willst. Wenn du vor hast alle Arenaleiter herauszufordern, weil du später an Turnieren teilnehmen willst, solltest du dir vielleicht doch noch ein paar andere Typen besorgen. Aber wenn dir das nicht so wichtig ist, spielt es keine Rolle. Es gibt viele Trainer, die sich auf einen Typ spezialisieren und viele, die lieber unterschiedliche Typen im Team haben.« Als Dash so davon erzählte, war sich Louna jetzt schon klar, dass sie nicht vor hatte an irgendeinem Turnier teilzunehmen. Ganz besonders nicht in nächster Zeit. Für sie war es vorrangig erst einmal wichtig, das Training ihrer Pokémon auf die Reihe zu bekommen, damit sie eine gute Grundbasis mit ihnen hatte. Das hieß, sie mussten alle auf sie hören, wenn sie einen Befehl gab und das würde weitergeführt in Kämpfen wichtig sein, um ihnen Angriffs- und Verteidigungsstrategien beizubringen. Da hatte sie sich eine ganze Menge Arbeit aufgehalst. Louna war nicht sicher, ob ihr das so gefallen sollte, aber sie hatte bereits eingesehen, dass es nicht verkehrt war, die eigenen Pokémon zu trainieren. Es hatte auf jeden Fall seine Vorteile und würde zukünftiges Chaos vermeiden.
    »Wie sieht‘s eigentlich mit dir aus, Xelif?«, wandte sich Dash an den anderen Trainer. »Trainierst du unterschiedliche Typen?« Die Frage interessierte Louna auch. Sie kannte Xelifs Team nicht komplett. Sie hatte bislang nur Xen, sein Meditalis, und Shidra, sein Milotic, kennengelernt. Es wäre interessant zu wissen, welche Pokémon er noch bei sich trug.
    »Ich? Ich trainiere unterschiedliche Typen, aber eigentlich finde ich den Psycho-Typ am coolsten!« Louna horchte auf. Xelif mochte eigentlich am liebsten Pyscho-Pokémon?
    »Warum das? Warum Psycho?«, fragte sie sofort nach und betrachtete ihn neugierig. Mittlerweile hatten die drei Trainer sich auf einer Bank nahe des Lagerfeuers gesetzt, wo sie sich weiter unterhielten. Die Pokémon zu ihren Füßen spielten miteinander oder ruhten sich aus, so wie es gerade Arcus und Lounas Leufeo machten. Gerade Leufeo schien recht müde zu sein und fühlte sich in der Nähe von Arcus wohl. Die Vermutung lag nahe, dass es auch da am Typ lag, denn schließlich war Leufeo selbst vom Typ Feuer wie Arcus. Das Feuer verband sie vermutlich und es ließ Leufeo an die eigene Verwandtschaft erinnern, die ebenfalls das Feuer in sich trugen.
    »Ganz einfach«, begann Xelif auf Lounas Frage einzugehen und holte seinen Pokéball hervor, um sein neu gefangenes Trasla raus zu lassen. Er nahm es sogar gleich auf den Schoß, was das Pokémon nicht zu stören schien. Louna war deswegen beeindruckt, denn schließlich war das Pokémon noch nicht lange bei Xelif. Hatte es schon jetzt eine engere Bindung zu ihm aufgebaut oder war es im Allgemeinen einfach nur genügsam und ließ sich deswegen ohne Beschwerde auf den Arm nehmen?
    »Psycho-Pokémon haben im Allgemeinen eine höhere Intelligenz und können dadurch viel einfacher verstehen, was ein Mensch von ihnen will. Ja, man kann mit einigen von ihnen sogar viel einfacher kommunizieren«, erklärte Xelif. Dash stimmte ihm sofort zu.
    »Das stimmt! In Kanto gibt es Sabrina, eine Psycho-Pokémon-Trainerin, die auch Arenaleiterin von Saffronia City ist. Man sagt ihr nach, dass sie mit ihrem Simsala ohne Probleme kommunizieren kann, weswegen sie ein sehr starker Gegner für jeden Herausforderer ist.« Louna mochte nebenbei schon so manche Sachen gehört haben, aber dadurch, dass sie sich bisher nie großartig mit Pokémon beschäftigt hatte, war sie schon sehr beeindruckt von den Dingen, die sie gerade von Dash und Xelif hörte.
    »Ist das wirklich so, ja?«, fragte sie nach und sah dann wieder Xelifs Trasla an.
    »Was ist mit deinem Pokémon? Versteht es dich denn auch so gut? Oder … uns?« Konnte es verstehen, was die Worte bedeuteten, die die Menschen um es herum sprachen?
    »Traslas sind allgemein dafür bekannt, die Emotionen von Menschen wahrnehmen zu können und sie sogar zu deuten. Deswegen fiel es mir nicht sonderlich schwer mich mit Sino anzufreunden. Es versteht mich, dass ich ihm nichts Böses will.« Als Xelif davon sprach, klang er ganz stolz und voller Freude. Er schien wirklich glücklich darüber zu sein, dass er nun ein Trasla im Team hatte. Außerdem verriet er so nebenbei wie er sein Pokémon genannt hatte. Sino.
    Louna starrte auf ihre eigenen Pokémon hinab. Chiari war immer noch dabei Raku zu belagern, aber geduldig ließ er es über sich ergehen. Wenn sie so zurückdachte, dann war auch Nero bisher sehr geduldig mit Chiari gewesen. Vielleicht lag es daran, dass sie noch so jung war und deswegen unter Welpenschutz stand? Niedlich war es aber auf alle Fälle, wie die Kleine immer wieder bei den anderen den Spieltrieb heraus kitzelte. Lounas Augen huschten zu Arcus und ihrem Leufeo, was noch einen Namen brauchte. Sie würde sich darum bemühen, dass sich Leufeo bei ihr wohl fühlte und es ihr an nichts fehlte. Dass es sich um ein weibliches Exemplar handelte, war schnell festgestellt geworden. Sie hoffte einfach nur, dass sie alles richtig machte. Ob es einfacher gewesen wäre, wenn sie Psycho-Pokémon gehabt hätte? Wenn sie Xelif so betrachtete, der Sino auf den Armen hielt und wie er über Psycho-Pokémon geredet hatte, dann schien es nahe zu liegen, dass es mit diesen Pokémon einfacher war zu trainieren. Andererseits glaubte Louna, dass gerade die Intelligenz dieser Pokémon zu einer echten Herausforderung werden konnten, gerade wenn man noch selbst ein Anfänger war. Doch wie stand es um ihre Pokémon? Erneut sah Louna Arcus und ihr Leufeo an. Arcus war bisher einfach zu trainieren gewesen. Er verstand relativ schnell, was sie von ihm wollte und als sie ihn bekommen hatte, hatte sie früh damit begonnen ihm Kommandos beizubringen. Dadurch hörte Arcus sehr gut auf sie und er konnte ohne Probleme neben ihr her laufen, ohne dass sie sich Sorgen darum machen musste, dass er vielleicht weg lief. Er war sehr treu, was auch an seiner Persönlichkeit und wohl auch an seiner Art lag. Das war gut. Aber wie würde das mit Chiari und Leufeo werden? Oder Tornado? Bei Chiari konnte sie mit etwas Übung auch ein gefolgsames Pokémon bekommen. Das wusste sie durch ihre Nachbarin, die die Eltern von Chiari hatten. Das Psiana-Paar war sehr umgänglich und hörte auf die Kommandos, die man ihnen gab. Außerdem waren Evolis allgemein in der Bevölkerung beliebt und wurden oft auch als Familienmitglieder gehalten. Sie zu trainieren stellte wohl gar keine so große Herausforderung dar. Sie waren Begleiter des Menschen seit je her.
    Bei Leufeo und Dartiri machte sich Louna allerdings Sorgen, besonders bei Ersterem. Leufeo war ein wildes Pokémon und würde erst richtig gezähmt werden müssen. Das Gute daran war, dass ihr Leufeo noch jung war und sie ihr deswegen schon von Anfang an vieles beibringen konnte. Aber ob dadurch die wilde Art von Leufeo am Ende wirklich weg war und nicht doch irgendwann wieder durchbrach, konnte ihr sicher niemand gewährleisten. Es lag an ihr ihre Pokémon richtig zu trainieren. Louna hatte vieles vor.
    »Na gut«, sagte sie und bekam dadurch die Aufmerksamkeit von Xelif und Dash, obwohl sie gar nicht zu den beiden sprach. Sie hob stattdessen ihr Leufeo auf die Arme, was es immer noch befremdlich fand. Ganz glücklich war es damit nicht, aber irgendwann würde es sich daran gewöhnt haben und vor allem auch kapiert haben, dass Louna ihr nichts Böses wollte und stattdessen nun für sie da war.
    »Ich nenne dich Adia«, sagte sie und nickte. Der Name war ihr gerade erst eingefallen, doch sie fand ihn sehr passend. Sie sollte die Kleine als Geschenk ansehen. Hätte sie das Leufeo-Mädchen im Wald zurückgelassen, wäre sie jetzt sicher tot. So aber konnte sie ihr das Leben auf diese Weise schenken. Hoffentlich ein gutes Leben! Louna wandte sich an ihre Begleiter.
    »Wie spät haben wir es eigentlich?«, wollte sie wissen und Dash sah auf seine Armbanduhr.
    »Es ist fast 20 Uhr 15«, antwortete er ihr. Louna glaubte sich zu verhören.
    »Was? Schon so spät? Menno, wir wollten doch noch nach Illumina City!« Sie wollte nur ungern noch einen weiteren Tag hinaus zögern.
    »Der Bus fährt doch jede halbe Stunde und kommt in ein paar Minuten, wenn ich mich richtig erinnere, oder? Wenn wir uns beeilen … «, schlug Xelif vor. Louna stand abrupt von der Bank auf.
    »Ja bitte!«, bat sie Xelif darum. Sie wollte los und nicht mitten in der Nacht fahren. Immerhin dauerte es schon eine Weile, bis sie zurück sein würden. Deswegen wollte sie nicht noch mehr Zeit vertrödeln.
    »Ihr wollt jetzt also gehen?«, fragte Dash und bekam als Antwort ein Nicken. »Na gut, wenn das so ist, komme ich mit!«, kündigte er an und erntete einen verwunderten Blick von Louna.
    »Hey, ich wollte nicht ewig hier in Nouvaria City bleiben. Außerdem wäre ich ja mit nach Escissia gekommen, wenn Kuro nicht vergiftet worden wäre«, sagte er. Louna lächelte. Sie hatte natürlich nichts dagegen, wenn Dash sich ebenfalls anschloss. Doch sie würden sich beeilen müssen, ansonsten würden sie eine weitere halbe Stunde warten, bis der nächste Bus kam. Und irgendwann würde gar keiner mehr fahren, nicht mehr vor morgen …
    Sie packten ihre Sachen zusammen, vor allem Dash seine Gitarre in seinen Koffer. Außerdem riefen sie ihre Pokémon zurück in den Ball, wobei Arcus der Einzige war, der draußen blieb. Wie immer. Danach beeilten sie sich, um die Haltestelle noch rechtzeitig zu erreichen. Dash ließ es sich trotzdem nicht nehmen dem Veranstalter des Lagerfeuers noch kurz Tschüss zu sagen. Sie mussten am Ende zur Haltestelle rennen, da sie den Bus schon von Weitem stehen sahen. Netterweise wartete der Busfahrer sogar auf sie, bis sie ihn erreicht hatten, da er die rennenden Trainer gesehen hatte. Das war sehr freundlich von ihm gewesen, weshalb sich Louna auch bei ihm bedankte, nachdem sie eine Fahrkarte erhalten hatte. Sie war noch ganz außer Atem, als sie sich auf einen der Vierersitze fallen ließ. Sie setzte sich in die Fahrtrichtung, Xelif nahm ihr diagonal gegenüber Platz, da Dash seinen großen Koffer auf den Sitz gegenüber von Louna abstellte. Er selbst saß dann direkt neben ihr und weil Arcus auch noch dabei war, hatte Louna ihn auf ihren Schoß gesetzt. So konnten die restlichen Rucksäcke noch zwischen ihren Beinen drapiert werden. Ein bisschen eng war es trotzdem, aber das würde schon gehen, bis sie Illumina City erreicht hatten.
    »Weiß einer von euch eigentlich, wo wir in Illumina City übernachten können?«, wollte Xelif wissen, der sich in der Hauptstadt nicht auskannte. Die Vorstellung durch die Straßen zu irren, um ein Hotel oder ein Gästezimmer zu finden, gefiel ihm gar nicht. Aber erst jetzt kam ihm der Gedanke, dass er was zum Übernachten benötigen würde. Bei Dash sah es nicht anders aus, allerdings war er schon in Illumina City für eine längere Zeit gewesen und wusste daher auch, wohin er gehen würde. Es würde definitiv nicht das Grand Hôtel Pique Faîne sein, da das viel zu teuer für ihn war. Er kannte dafür eine kleine Pension, die eher am Stadtrand lag und wo er eine ganze Weile ein Zimmer gemietet hatte. Gerade als er Xelif diesen Vorschlag unterbreiten wollte gemeinsam mit ihm dorthin zu gehen, um nachzufragen, ob dort noch was frei war, kam Louna ihm zuvor.
    »Ich könnte meine Mom fragen, ob sie nichts dagegen hat, wenn ihr beide diese Nacht bei uns übernachtet. Aber ich denke nicht, dass sie nein sagt«, meinte Louna. Ihre Mutter war sehr gastfreundlich und ihr Vater war vermutlich wieder auf Nachtschicht, so dass es für ihn keine große Rolle spielen dürfte. Aber selbst wenn er da war, dürfte er auch nichts dagegen haben.
    »Wir haben ein kleines Gästezimmer und ein ausziehbares Sofa, falls euch das reicht«, fügte sie noch hinzu.
    »Klar!«, versicherte ihr Dash. Er hatte nichts dagegen, wenn er auf einem Sofa übernachtete, solange da keine Feder durch das Polster pikste. So einigten sie sich darauf und Louna kontaktierte ihre Mutter über ihr Mobiltelefon, um das vorher abzuklären. Sie wollte nicht unangekündigt mit zwei Gästen auftauchen, das wäre auch nicht besonders freundlich ihren Eltern gegenüber. Doch wie sie sich gedacht hatte, war ihre Mutter damit einverstanden. Sie hätte gerne auch noch von Louna erfahren, wie es in Escissia gewesen war, doch Louna vertröstete sie auf später. Am Telefon wollte sie ungern so viel erzählen. Zuhause wäre es umso schöner! Bis sie allerdings dort ankommen würden, dauerte es noch eine ganze Weile. Die Fahrt war recht langweilig, vor allem weil das Gespräch zwischen ihnen bald ins Stocken geraten war und alle ihren eigenen Gedanken nachhingen. Irgendwann war Louna so müde, dass sie es Arcus gleichtat, der schon vor einer Stunde auf ihrem Schoß eingeschlafen war. Sie nickte selber weg, so dass ihr Kopf irgendwann auf Dashs Schulter lag. Statt sich darüber zu beschweren, erlaubte es Dash ihr, wobei Louna davon nicht wirklich etwas mitbekam.
    Erst als der Bus durch das Tor von Illumina durchfuhr, weckte er sie. Louna hatte das Gefühl nur wenige Minuten geschlafen zu haben und war noch immer müde. Dabei war es mindestens eine Stunde gewesen, die sie schlafend auf Dash Schulter verbracht hatte. Als ihr das bewusst wurde, entschuldigte sie sich bei ihm. Es war ihr peinlich, aber er grinste sie nur an und meinte, dass es halb so schlimm gewesen war. Sie hatte immerhin nicht geschnarcht! Wäre das der Fall gewesen, hätte Louna einen weiteren Grund gehabt vor Scham im Erdboden zu versinken.
    »Wow!« Jetzt, wo sie gemeinsam den Bus verlassen hatten, konnte Xelif die Stadt in der Nacht bewundern. Viele Lichter sorgten dafür, dass Illumina City niemals schlief und auch jetzt war noch einiges auf den Straßen los. Autos fuhren, darunter auch viele Taxis. Passanten gingen Richtung Innenstadt oder besuchten Cafés, Restaurants und andere Etablissements zur Unterhaltung. Seien es Bars, Kinos oder Tanz-Clubs. Illumina hatte viel zu bieten, um das Nachtleben unsicher zu machen.
    »Und wo wohnst du?«, wollte Xelif von Louna wissen.
    »Im Nordviertel, in der Nähe von der Herbstallee«, antwortete sie ihm und führte ihre beiden Gäste durch die Straßen von Illumina City. Ein Taxi wollte sie nicht nehmen, vor allem weil man in der Innenstadt besser zu Fuß unterwegs war. Leider hatten sie aber dadurch noch ein Weilchen zu laufen, denn die Haltestelle des Busses befand sich im Südviertel nahe des vierten Tores. Louna erklärte Xelif, dass die Stadt wie ein Kreis aufgebaut war und fünf Tore besaß. Diese waren aber nicht von eins bis fünf nummeriert, sondern wurden nach den Straßen benannt, zu denen sie führten. Das vierte Tor, was sie also vorhin mit dem Bus durchquert hatten, bezog sich auf die Route 4, den Parterre-Weg.
    Louna führte Xelif und Dash die Straße entlang, die zum Place Verte führte. Von dort aus, war es ein Leichtes ins Zentrum zu gelangen und wiederum die Herbstallee zu erreichen. Ihnen kamen vor allem im Zentrum viele Menschen entgegen. Außerdem schien es dort mal wieder eine Veranstaltung zu geben. Nahe des Prismaturms war eine Bühne aufgestellt worden, wo verschiedene Künstler ihre Darbietung brachten, hauptsächlich im musikalischen Bereich. Wenn Louna nicht so müde wäre und einfach nur nach Hause wollte, hätte sie sich vielleicht das Spektakel genauer angesehen. Aber weder sie hatte dafür große Lust noch Dash und Xelif. Vor allem Dash schleppte durch seinen Gitarrenkoffer einiges mit sich. Obgleich er das schon von Anbeginn seiner Reise tat, weil er seine Gitarre immer dabei hatte, so mussten sie sich alle jetzt damit nicht auf eine Veranstaltung quetschen. Sie ignorierten daher weitestgehend den Trubel um sich herum, achteten darauf, dass sie sich nicht gegenseitig verloren und waren froh, als Louna endlich sagen konnte, dass sie da waren. Ein erleichtertes Aufatmen kam zustande und Louna war wirklich froh wieder Zuhause zu sein.
    »Mom?«, rief sie in die Wohnung, nachdem sie die Treppenstufen hinter sich gebracht hatten, um die Wohnung zu erreichen. Ihre Mutter antwortete ihr aus der Küche. Louna ließ ihre beiden Gäste herein kommen und deutete ihnen gleich an, wo das Gästezimmer war, damit sie ihr Gepäck abstellen konnten. Coco, das Coiffwaff der Familie Lavie, kam neugierig angelaufen, um die Ankömmlinge zu begutachten. Sie gab ein pikiertes Schnauben von sich, begrüßte kurz auch Arcus, der sich freute Zuhause zu sein, und ging dann wieder zurück ins Wohnzimmer. Dort war nämlich Cocos Lieblingskuschelecke, wo sie sich auch niederlegte, aber alles genau im Blick behielt. Denn vom Wohnzimmer aus konnte man in die Küche gehen, die relativ offen war.
    Nachdem Louna ihren eigenen Rucksack abgesetzt hatte, ging sie in die Küche zu ihrer Mutter, um sich dort an den Tisch zu setzen. Sie war erschöpft. Auch Xelif und Dash folgten ihr.
    »Willkommen Zuhause, Schätzchen«, begrüßte ihre Mutter Louna. Sie lächelte und war froh wieder da zu sein. Es gab eine Menge zu berichten und weil ihre Mutter nun mal so vorbildlich war, hatte diese noch etwas zum Essen vorbereitet. Es war ein leckerer Salat, der vollkommen ausreichte, da sie in Nouvaria City schon was gegessen hatten.
    »So, jetzt erzähl mal, was du alles erlebt hast, Louna! Und ihr seid?« Lounas Mutter war sehr neugierig und wollte am liebsten jedes Detail erfahren. Daher lächelte Louna nur. Das würde sicher eine Nacht werden …



  • Sollen Pokémon aus der neuen Generation (Sonne/Mond) auch in Feurige Leidenschaft auftauchen? 9

    Das Ergebnis ist nur für Teilnehmer sichtbar.

    So, die Frage stelle ich, weil es vllt. auch Menschen/Leser gibt, die evt. ein Problem damit haben, wenn Neuerungen auch in der Geschichte auftauchen. Prinzipiell scheint ja Sonne/Mond einiges zu bieten, gerade auch neue tolle Pokémon. Nur möchte ich weder dazu jetzt eine neue Geschichte anfangen, noch sonst irgendwas. Es würde sich anbieten ein paar neue Pokémon auch in Feurige Leidenschaft auftauchen zu lassen. Natürlich so wie es gerade passt und nicht auf Zwang und Verderben. Bisher nehme ich ja auch alle 721 Pokis mit rein, von denen natürlich bislang nicht mal Ansatzweise alle aufgetaucht sind. Aber ... wer weiß? Würde es euch stören, wenn plötzlich ein Alola-Pokémon auftaucht? Ihr wisst ja, ich versuche es schon realistisch und passend wie möglich zu gestalten. Seht ihr das dennoch kritisch oder würdet ihr euch darüber sogar freuen?
    Eure schriftliche Meinung dazu könnt ihr mir auch gerne an die Pinnwand schreiben oder direkt über eine private Nachricht. Ich diskutiere gerne mit euch. :D


    An dieser Stelle auch noch eine zusätzliche Frage: Über welches Pokémon (evt. auch mehrere) würdet ihr euch freuen, wenn sie in der Geschichte auftaucht? Unabhängig ob es der Gen 7 angehört oder ein älteres Exemplar ist. Bei den Trainern direkt im Team oder als wildes Exemplar oder eine andere Möglichkeit? Ich lasse mich gerne beeinflussen. x3



    (Die Umfrage habe ich extra in einen neuen Beitrag gelegt, weil es in den Kapitel-Beitrag nicht rein passt. Ich hoffe, das ist für euch okay.)

  • Hallo Lexi,


    endlich geht es wieder Richtung Illumina zurück! Der Ausflug nach Escissia hat ja gefühlt eine Ewigkeit gedauert, aber es war ein schöner Ausflug dort hin, der nicht nur für Louna eine Überraschung bot. Mit dem neuen Leufeo an Bord (der Name Adia ist schön gewählt) hat sie nun wieder ein neues Pokémon, um das es sich zu kümmern gilt. Es ist doch ironisch, dass sie anfangs gar nicht so angetan davon war, Pokémon-Trainerin zu werden und nun schon mit vier Pokémon an ihrer Seite durch die Welt läuft. Mit Fynx werden es dann wohl fünf. Auf der anderen Seite gibt ihr genau das auch erst die Möglichkeit, um Vertrauen aufzubauen und langsam die Eigenheiten einer jeden Art kennenzulernen. Gut finde ich in dieser Hinsicht, dass auch Xelif und Dash aufgefallen ist, dass Louna aktuell nur Feuer-Pokémon besitzt. In der Regel werden Trainer entweder mit einem bestimmten Typ oder einem Signatur-Pokémon verbunden und das hast du bisher auch anständig rübergebracht.
    Das Lied, das Dash da singt, erinnert mich entfernt an Digimon-Openings. Die Wortwahl finde ich gelungen und es ist, man merkt es an den Wiederholungen, auch etwas sehr Leichtherziges; also genau so, wie du es damals in der Aktion wolltest. Bei der Performance freue ich mich auf weitere Auftritte oder zumindest das ein oder andere Gitarrensolo.
    Im Großen und Ganzen fand ich das Kapitel eine nette Abwechslung zu den vorhergehenden, die wesentlich angespannter waren und nun wohl für einige Zeit den Alltag wieder einkehren lassen. Sofern Louna die Nacht übersteht, versteht sich.


    Wir lesen uns!

  • 27. Kapitel – Lernstunden und Lehrstunden


    Es war Punkt neun Uhr, als Louna bereits den Frühstückstisch deckte. Ihre Gäste waren noch dabei sich frisch zu machen und anzuziehen. Xelif war der Erste, der in die Küche kam und ihr einen guten Morgen wünschte. Ihre Mutter war bereits auf Arbeit, was bedeutete, dass sie im Labor von Professor Platan arbeitete. Louna hatte sie gebeten den Pokéball mit dem Fynx zu ihm zu bringen, so dass sie selbst nicht ins Labor gehen musste. Das war ganz praktisch gewesen. Immerhin gehörte das Fynx zum Labor, da es nicht von den jungen Trainern ausgewählt worden war. Louna hatte kein Recht dazu es zu behalten. Ihre Mutter selbst war auch eine Forscherin, keine direkte Assistentin vom Professor. Dennoch unterstand sie seiner Leitung, da Professor Platan das gesamte Labor leitete und für die Forschungen verantwortlich war.
    Als Dash in die Küche kam und sich an den Frühstückstisch setzte, gähnte er herzhaft. Seine blonden Haare waren noch vom Schlafen ganz zerzaust. Louna lächelte ihn an und wartete noch darauf, dass die Brötchen fertig aufgebacken wurden.
    »Könnt ihr bitte noch leise sein? Mein Vater ist erst aus der Nachtschicht nach Hause gekommen und schläft jetzt noch den halben Tag«, bat sie Xelif und Dash. Louna hatte vorhin beim Aufstehen ihren Vater noch gesehen gehabt, aber viele Worte hatten sie nicht ausgetauscht. Er war müde gewesen, wenngleich er sich natürlich gefreut hatte, dass seine Tochter wieder da war. Dennoch war es gar nicht so einfach, wenn man ein Kriminalbeamter war und deswegen auch Schichten schieben musste. Louna kannte es schon aus ihrer Kindheit, dass ihr Vater am Tag oftmals schlafen musste, damit er in der Nacht nach Verbrechern jagen konnte.
    »Kein Problem, was steht denn heute so an?«, wollte Dash dann wissen und ließ sich von Louna eines der warmen Brötchen reichen, als diese fertig waren. In der ganzen Küche roch es verführerisch danach, was dazu führte, dass auch Arcus und Coco in die Küche kamen. Chiari sprang gleich hinterher, denn seit Louna wieder daheim war, hatte sie ihre beiden Pokémon aus dem Ball gelassen. Einzige Ausnahme waren dabei Tornado, ihr Dartiri und Adia, ihr neu dazu gekommenes Leufeo. Die beiden waren noch zu wild, um frei und ohne Aufsicht herum laufen zu dürfen. Wobei Louna bereits auch einen Fortschritt bei Tornado vorweisen konnte. Immer, wenn es sich angeboten hatte, hatte sie versucht das Vertrauen des stürmischen Dartiris zu gewinnen. Mit Futter war das dann doch relativ einfach, aber dennoch bestand noch kein so starkes Vertrauen, dass es direkt und sofort auf sie hören würde. Noch würde sie einiges an Arbeit und Training investieren müssen, bis Tornado ohne Zögern auf sie hörte und die Gefahr verringert wurde, dass er bei der ersten Gelegenheit davon flog.
    »Hier in Illumina gibt es doch auch eine Arena, richtig? Dort würde ich gerne hin!«, verkündete Xelif und war dementsprechend Feuer und Flamme. Er wollte unbedingt den Arenaleiter herausfordern, aber wie Louna selbst bereits festgestellt hatte, musste man sich erst einmal anmelden. Es konnte durchaus sein, dass Xelif heute nicht mal mehr zu einem Kampf antreten durfte und recht lange warten musste. Gerade in Illumina City, als Hauptstadt von Kalos, dürfte da viel Andrang bestehen. Aber es wäre auf jeden Fall ein Vorteil so schnell wie möglich einen Termin zu vereinbaren. Je früher er das tat, desto größer war die Chance, dass die Wartezeit verringert wurde.
    »Ich war schon mal in der Arena. Wenn du willst, komme ich mit«, meinte Dash nebenbei, als er in sein beschmiertes Brötchen biss. Xelif stimmte dem zu. Da Dash sich bereits in der Hauptstadt ein wenig besser auskannte, konnte er ihm zeigen, wie er zur Arena kam und wo die Anmeldung war. Manche Arenen konnten recht unübersichtlich sein, wenn man ein wenig Pech hatte.
    Louna war etwas abgelenkt, da sie Arcus und Coco aus der Küche schicken musste. In ihrer Familie war das nicht gern gesehen, wenn die Pokémon um den Esstisch herum wuselten und darum bettelten etwas abzubekommen. Da Arcus und Coco bereits diese Regelung kannten, folgten sie Lounas Aufforderung sofort und verließen die Küche. Die Einzige, die sich nicht daran hielt, war Chiari. Sie kannte das Ritual noch nicht, weswegen Louna erst aufstehen musste, um Chiari aus der Küche zu bringen. Die Kleine versuchte ein paar Mal wieder hinein zu kommen, doch nachdem Louna ihr erneut eine direkte Anweisung gab, begriff das junge Evoli, was Louna wollte. Chiari blieb bei Arcus sitzen, beobachtete aber das Treiben in der Küche.
    »Was ist mit dir, Lou?«, fragte Dash sie ganz direkt. Würde sie mit zur Arena kommen? Offenbar nicht. Obwohl Louna kurz darüber nachdachte, schüttelte sie dann entschieden den Kopf.
    »Nein, ich denke nicht. Ist doch nicht schlimm, oder? Ich würde mich gerne um ein paar andere Sachen kümmern«, erklärte sie. Tatsächlich hatte sie sich vorgenommen ihre Sachen zu waschen und wollte sich danach auch noch intensiver mit der Prüfung für den Trainer-Pass beschäftigen. Sie würde einige Dinge lernen müssen, aber das nicht nur theoretisch aus dem Buch, sondern auch praktisch, indem sie ihre Pokémon trainierte.
    »Okay, macht nichts«, bestätigte ihr Xelif. Es war nicht schlimm, dass sich Louna um ihre eigenen Dinge kümmern wollte. Deswegen verabschiedete sie sich auch später nach dem Frühstück von den beiden Herren, die gemeinsam loszogen. Sie hatten ihre Sachen mitgenommen, doch es war nicht auszuschließen, dass sie sich später noch einmal trafen. Dennoch wollten weder Xelif noch Dash Lounas großzügige Gastfreundschaft zu lange beanspruchen. Sie würden sich in der Pension später umsehen, die Dash erwähnt hatte, um zu überprüfen, ob nicht dort noch ein oder zwei Zimmer frei waren.


    Da ihr Vater noch schlief, verschob Louna das Wäsche waschen auf später. Sie wollte ihn nicht durch das Rumpeln der Waschmaschine wecken und ging daher in ihr eigenes Zimmer, nachdem sie in der Küche für Ordnung gesorgt hatte. Arcus und Chiari folgten ihr auf Schritt und Tritt, während Coco sich im Wohnzimmer auf ihren Lieblingsplatz niederließ. Ihre Mutter war bereits heute früh schon mit Coco draußen gewesen, so dass es nicht notwendig war sofort wieder Gassi zu gehen. Auch das konnte Louna auf später verschieben.
    In ihrem Zimmer nahm Louna das Buch, welches sie in der Trainerschule erhalten hatte und setzte sich damit auf ihr Bett. Dabei lehnte sie sich an die Wand hinter sich, so dass sie es relativ gemütlich hatte. Ihr Fukano sprang sofort nach oben und legte sich zu ihren Füßen, was sie zum Lächeln brachte. Auch Chiari versuchte nach oben zu kommen, brauchte aber einen zusätzlichen Versuch, ehe sich das junge Evoli auf Arcus stürzen konnte. Die beiden spielten miteinander, tobten aber nicht. Das störte Louna nicht, weswegen sie ihr Buch aufschlug und darin begann zu lesen. Es gab sehr viele Dinge, die wichtig waren. Das Buch war in verschiedene Kategorien eingeteilt. Grundlagen, wie man sich um ein Pokémon kümmerte. Dabei gab es ein paar grundsätzliche Tipps, wie man auch feststellen konnte, ob ein Pokémon krank sein könnte und was in diesem Fall zu tun war. Wie man es abcheckte, seien es die Zähne, die Klauen oder Pfoten und solcherlei Dinge. Natürlich konnte man das alles nicht auf jedes einzelne Pokémon anwenden. Das hier war nur ein allgemeiner Leitfaden. Mit jedem Pokémon musste man seine eigenen Erfahrungen machen. Ebenso gab es den Hinweis dazu, gerade bei exotischeren Pokémon, unbedingt einen erfahrenen Trainer zu Rate zu ziehen oder in einem Pokémon-Center sich aufklären zu lassen. Besonders dann, wenn man sich mit der Pokémon-Art nicht auskannte, ganz gleich ob es exotisch war oder nicht.
    Wichtig war auch der Bereich, der einen Pokémon-Kampf erklärte. Die Voraussetzungen, um einen solchen bestreiten zu können, war natürlich nicht nur der Besitz eines Pokémons, sondern auch die Kontrolle darüber. Wenn ein Pokémon nicht auf einen hörte, war es nicht möglich einen Kampf auszufechten. Nicht so, wie man es tun sollte. Louna las einige Tipps darüber, wie man seinem Pokémon verschiedene Kommandos und Befehle beibringen kann, die für das Training wichtig sein konnten. Ebenso wurde auf die Wechselwirkung der verschiedenen Arten eingegangen. Dass Bodentypen mit ihren Attacken keine Chance gegen Flugtypen hatten, dass Elektrotypen dafür aber sehr effektiv gegen Vogel-Pokémon waren, während wiederum ihre Attacken gegen Boden-Pokémon keine Wirkung erzielten. Für den Anfang konnte das ganz schön verwirrend sein, weswegen Louna schon nach kurzer Zeit der Kopf rauchte. Sie würde sich einprägen müssen, welcher Typ gegen welches Pokémon effektiv war. Einige Wechselwirkungen kannte sie, aber sich alle zu merken, war eine Herausforderung. Hinzu kam, dass manche Pokémon sogar zwei Typen besaßen und sich dadurch die Effektivität wieder ändern konnte.
    Im Augenblick besaß sie nur Normal- und Feuer-Pokémon, wenn man mal davon absah, dass Tornado noch den Flugtyp inne hatte. Für Louna wurde es also wichtig sich vor Wasserattacken in Acht zu nehmen. Boden- und Gesteinstypen konnten für ihre Lieblinge ebenfalls problematisch werden. Wenn sie das richtig verstand, hatte Chiari kaum eine Schwäche, sah man jetzt mal davon ab, dass sie von Kampfattacken schweren Schaden einstecken könnte. Allerdings besaßen wiederum Normaltypen keine wirkliche Effektivität gegen andere Typen. Nur der Typ Geist hatte keinerlei Wirkung auf Normal-Pokémon.
    »Puh, ganz schön viel zu merken«, murmelte sie vor sich hin. Da Louna hauptsächlich von ihrem eigenen Team ausgehen wollte, nahm sie sich einen Block und einen Stift zur Hand und schrieb die grundsätzlichen Wechselwirkungen auf, die für ihre Pokémon relevant waren. Damit sie es sich besser einprägen konnte. Außerdem machte sie sich Notizen über die Typen, mit denen sie am wenigsten etwas anfangen konnte. Darunter gehörte der Typ Geist wie auch Drache.
    Aus reiner Neugier informierte sich Louna darüber, welche Schwächen und Stärken Pokémon vom Typ Unlicht besaßen. Soul hatte Pokémon von diesem Typ und es war interessant zu wissen, dass sie von Kampfattacken geschwächt werden konnten, während Psychoattacken gar keinen Effekt besaßen. Sie erinnerte sich an den Doppelkampf zurück, den sie mit Soul gegen die beiden Trainer aus Escissia bestritten hatte. Trotz der darauf folgenden schlechten Laune war es im Nachhinein eine interessante Erfahrung gewesen.
    »Feuerfänger … « Soul hatte etwas über diese Fähigkeit erzählt gehabt, weswegen die Feuerattacken im Kampf gegen Feuer-Pokémon keinerlei Auswirkungen hatten. Sie verursachten zumindest keinen Schaden! Als Louna in ihrem schlauen Buch nachblätterte, fand sie auch ein paar Seiten über die Fähigkeiten der Pokémon. Sicher waren es nicht alle, die es gab, aber eine kleine Auswahl konnte sie nachlesen. Allein das, was sie bereits nachlesen konnte, war beeindruckend. Manche Pokémon konnten sich das Wetter zu nutze machen, andere setzten ihre Fähigkeiten nur im Kampf ein, wenn sie von einem Gegner getroffen wurden, weil sie erst da einen Grund dafür besaßen.
    »Oh je, ich hoffe, ich muss das nicht alles wissen … « Wenn sie jede Fähigkeit kennen musste, würde es schwierig für sie werden, die Prüfung zu bestehen.



    Das Thema Kampf war interessant, aber in der Theorie doch etwas anstrengend. Es fiel Louna schwer sich alles zu merken, was prinzipiell daran lag, dass sie eher ein Typ war, der was machen musste, um es zu begreifen oder sich merken zu können. Praxis war die Lösung, doch hier in der Wohnung wollte sie nicht kämpfen. Noch dazu hatte sie keinen Trainingspartner und ihre eigenen Pokémon gegeneinander antreten zu lassen, war ihr aktuell auch zu riskant. Es war wichtig, dass sie ihren Lieblingen erst einmal beibrachte, dass ein Kampf nicht gleichzusetzen mit einem Streit war. Aber bevor es überhaupt in einen Kampf gehen konnte, mussten ihre Pokémon alle auf sie hören. Mit Arcus klappte das schon recht gut, doch bei den anderen benötigte sie noch einiges an Training. Bevor sie in diese Richtung aktiv wurde, blätterte Louna noch ein wenig weiter in ihrem Buch. Eine weitere Kategorie war nämlich das Futter für Pokémon. Auch da gab es spezifische Unterschiede. Einige Pokémon ernährten sich hauptsächlich von pflanzlichem Futter, wobei es dabei auch einige Pflanzen-Pokémon gab, die von anderen Pokémon sehr gerne als Nahrungsgrundlage verwendet wurden. Und dann gab es natürlich auch Pokémon, die Fleisch brauchten. Arcus gehörte dazu wie auch Coco. Chiari, Lounas Evoli, brauchte auch Fleisch, konnte jedoch auch von einigen Beeren leben. Dabei war es trotzdem wichtig, dass die Ernährung ausgewogen war. Ebenfalls würde Louna ihrer kleinen Adia fleischliche Kost anbieten müssen während Tornado hingegen sich vorerst mit Körnern und anderen Samen und auch Beeren zufrieden geben dürfte. Später könnten noch Insekten hinzukommen, aber darauf ließ es Louna später ankommen.
    Jetzt, wo sie vier Pokémon hatte, um die sie sich kümmern musste, würde sie auch mehr Aufwand für die Nahrung haben. Vor allem mehr Kosten. Umso wichtiger war es ihr, dass sie baldmöglichst eine Einnahmequelle hatte. Louna war sich noch immer uneinig, ob sie lieber eine Ausbildung beginnen sollte oder doch noch studierte. Doch Letzteres war eigentlich gar nicht so interessant für sie. Die Frage war dann auch, was sie studieren sollte? Sie seufzte auf. Vielleicht sollte sie sich vorerst einfach einen Nebenjob besorgen, bis sie genau wusste, was sie tun wollte. Sie legte das Buch zur Seite und stand vom Bett auf.
    »Arcus!«, rief sie, als sie mitten im Zimmer stand. Ihr Fukano hörte sofort, sprang vom Bett runter und lief zu ihr. Wenn das mit den anderen auch so gut klappen würde, wäre Louna froh darüber. Sie versuchte es bei Chiari und rief sie zu sich, aber das Evoli schien noch nicht ganz zu verstehen. Erst beim zweiten Mal rufen sprang es vom Bett und kam näher heran. So richtig gefestigt war das aber noch nicht. Louna übte dieses einfache zu sich rufen mehrere Male mit Chiari, bis sie wirklich begriffen hatte, was Louna eigentlich von ihr wollte. Hilfreich war es dabei, dass Chiari auch von Arcus »abgucken« konnte. Sie ahmte ihn oft nach, so dass sie selbst lernte, was zu tun war. Außerdem schien Chiari immer mehr Spaß daran zu haben die Hürden zu überwinden, die Louna ihr auferlegte. Sei es der Slalom um diverse Gegenstände, die Louna im Zimmer verstreute oder das hinauf und hinunter springen vom Bett. Louna ging es weniger darum, dass Chiari irgendwelche Kunststückchen erlernte, sondern darauf hörte, was sie ihr sagte. Dadurch schaffte sie es, dass Chiari begriff, was sie zu tun hatte und dass Louna ihre Trainerin war und ihr hin und wieder auch Anweisungen geben würde. Nach einer Dreiviertelstunde des Übens entschied sich Louna dafür nun doch noch Tornado aus seinem Ball zu holen. Davor wies sie aber ihre beiden anderen Pokémon an, am Rand des Zimmers Platz zu nehmen und auch dort zu bleiben. Sie wollte nicht, dass Chiari oder Arcus Tornado aufschreckte und ihn jagten. Dennoch würden sie sich aneinander gewöhnen müssen. Bisher hatte sie Tornado nur aus dem Ball gelassen, wenn sie alleine gewesen war.
    Dieses Mal würde es anders sein und wie erwartet, war Tornado zuerst sehr aufgeregt und flatterte im Zimmer umher, als er aus dem Ball gelassen wurde. Er suchte sich dann auf einem der Schränke ein Plätzchen zum Sitzen, um die Umgebung von seiner erhöhten Position zu überschauen. Louna war darauf vorbereitet gewesen und hielt das Vogel-Pokémon-Futter bereit. Da Tornado heute noch nichts zu sich genommen hatte, lockte der Hunger das Dartiri vom Schrank runter und landete auf Lounas Schreibtisch, wo sie ein paar Samen platziert hatte. Mittlerweile kannte Tornado diese Art der Fütterung und es störte ihn auch nicht, dass Louna relativ nah bei ihm stand. Als Louna ihre Hand ausstreckte, in der sie ein paar Körner hielt, war Tornado noch etwas skeptisch, doch es klappte. Er holte sich die Körner von ihrer Hand, so dass Louna das Vertrauen zwischen ihnen beiden verstärken konnte. Ja, bei jedem Pokémon gab es eine andere Vorgehensweise, wie man das Vertrauen gewinnen konnte. Bei Tornado war es eindeutig das Futter.
    Als Chiari dank ihrer Neugier näher kommen wollte, schickte Louna sie wieder an ihren Platz zurück. Noch wollte sie nicht, das die Pokémon sich zu nahe kamen, vor allem weil Tornado sofort alarmiert aufgesehen hatte und wirkte, als wollte er fliegend flüchten. Dadurch, dass Louna aber Chiari zurückhielt, war eine Flucht nicht notwendig. Auch jetzt investierte Louna mindestens eine Stunde in das Aufbauen des Vertrauens und versuchte sogar Tornado dazu zu bringen, auf ihrem Finger Platz zu nehmen. Am Anfang funktionierte das zwar nicht, aber irgendwann hatte sie ihn dann doch so weit, dass er die Nähe akzeptierte. Belohnt wurde er mit der Kraulerei um den Schnabel herum, was ihm zu gefallen schien. Das Vertrauen wurde weiter gestärkt!
    Ganz anders war das Prozedere bei Adia. Auch das Leufeo durfte aus seinem Ball kommen, denn Louna wollte auch bei ihrem neusten Zugang mehr Vertrauen aufbauen. Um sicher zu gehen, dass nicht ein Unglück passierte, hatte sie deswegen Tornado wieder in den Ball gerufen. Erst wenn Louna mit dem Umgang von Adia sicherer war, konnte sie garantieren, dass auch Tornado in Sicherheit war und nicht versehentlich von spitzen Zähnen eines Leufeos gefressen wurde. Adia war ja doch etwas wilder als Arcus und Chiari, auch wenn Adia nun nicht wie wild umher rannte. Diesbezüglich war sie ruhig, aber sie kannte bislang nur die freie Wildbahn in ihrem Rudel und da ging es doch etwas rauer zu. Bevor Louna irgendwelche Kommandos einüben wollte, überprüfte sie den Gesundheitszustand ihres Pokémon. Natürlich wusste sie, dass mit Adia alles in Ordnung war, schließlich hatte sie in Nouvaria City Adia checken lassen. Aber indem sie Adias Ohren anfasste, die Pfoten berührte und alles genau ansah, gewöhnte sie das wilde Pokémon an diese Berührungen, so dass es später weniger dramatisch war, wenn Adia doch einmal von einer Ärztin wieder untersucht werden musste. Von vorn herein sollte sich Adia an all das gewöhnen und Vertrauen fassen. Sie sollte begreifen, dass ihr nichts geschah und sie in Sicherheit war. Für ein junges Pokémon mochte das anfänglich vielleicht etwas schwierig sein, plötzlich von der eigenen Mutter getrennt worden zu sein, aber es dürfte dennoch relativ schnell Vertrauen fassen. Louna war da ganz optimistisch, vor allem weil Arcus und Chiari in diesem Fall ein wenig mithelfen konnten. Alle drei Pokémon hatten ungefähr die gleiche Körpergröße. Chiari war zwar etwas kleiner als Arcus und minimal auch kleiner als Adia, da das Leufeo noch nicht ausgewachsen war, aber das störte kaum. Louna ließ die drei Pokémon miteinander spielen und mischte sich am Anfang nicht weiter ein. Sie wollte, dass alle drei sich näher kennen lernten und zueinander fanden. Unter Umständen hätte so eine Zusammenführung problematisch sein können, doch alle drei zeigten ein tadelloses Verhalten. Statt sich gegenseitig anzufauchen und zu meiden, harmonierten sie gut miteinander, was für Louna natürlich praktisch wie auch erfreulich war. Deswegen holte sie nach einer kurzen Weile einen kleinen Ball hervor, der zum weiteren Spielen einlud. Louna warf ihn natürlich nicht meterweit weg, denn dafür gab es hier im Zimmer nicht genug Platz. Es reichte, wenn der Ball ein wenig hin und her rollte, um den Spieltrieb der Pokémon anzufachen. Auf diese Weise lernten sie auch miteinander umzugehen.
    Adia versuchte hier und da auch ihre Krallen einzusetzen, aber sie tat es spielerisch ohne die beiden anderen zu verletzen. Und wenn Arcus die anderen versuchte in den Nacken zu beißen, dann tat er das auch nicht ernsthaft. Die kleine Kabelei zwischen den Pokémon erfreute Louna, die zufrieden lächelte. So und nicht anders sollte es sein. Bis Adia auf ihren Namen hörte, würden noch einige Übungen nötig sein, aber Louna war sich sicher, dass sie das auch recht gut hinbekommen würde. Fürs Erste war sie auf jeden Fall zufrieden mit dem, was sie sah. Adia durfte auch weiterhin außerhalb des Pokéballs bleiben, selbst als Louna das Zimmer verließ und ihre Pokémon dazu aufforderte mit ihr zu kommen. Adia trabte vorerst nur hinterher, um nicht allein zurück zu bleiben. Als Rudel-Pokémon war es für ein Leufeo nur schwer erträglich allein zu sein. Dadurch, dass Adia sich automatisch mit anschloss, wurde wieder die Bindung zueinander gestärkt. Gemeinsam gingen sie in die Küche, wobei Louna schon darauf achtete, dass alle hinterher kamen. Chiari und Arcus waren gut unterwegs, doch für Adia war die Umgebung noch fremd und so gab es Gerüche, Geräusche, Gegenstände und Objekte, die sie mit Vorsicht bedachte. Dennoch konnte Louna in ihrem Leufeo die kindliche Neugierde erkennen, was es vereinfachte und somit Adia ermöglichte hinterher zu kommen. Sie ließ sich nicht so schnell abschrecken und besaß somit kein besonders scheues Wesen.
    In der Küche angekommen, war auch Coco wieder dabei, die erst einmal misstrauisch Adia begutachtete und auf schnaubte, als würde ihr nicht gefallen, was sie da vor sich sah. Adia gab ein Knurren von sich, was durch ihre kindliche Art noch sehr niedlich klang. Irgendwann später, wenn sie noch ein Stück größer war, würde es sicherlich furchteinflößender klingen. Coco war nie ein Pokémon gewesen, die ernsthaft ein anderes angriff. Sie guckte sich immer nur alles an und schien für sich zu entscheiden, ob etwas interessant genug für sie war oder nicht. In den meisten Fällen, wie auch jetzt, neigte sie dazu sich abzuwenden und es sich an einem ihrer Lieblingsplätze gemütlich zu machen. Was das anging, war Coco meistens wenig daran interessiert mit anderen Pokémon großartig zu agieren. Dass sie mal mit anderen spielte, kam eher selten vor. Anders ausgedrückt: Sie war eher ein Einzelgänger.
    Während Adia sich noch ein wenig umsah, an jedem Hindernis schnupperte und die Gegend unsicher machte, dabei begleitet von Arcus, begann Louna damit drei Futterschalen vorzubereiten. Alle drei sollten etwas bekommen. Die Pokémon-Ärztin in Nouvaria City hatte ihr mitgeteilt, dass ihr Leufeo nicht mehr darauf angewiesen war Milch zu trinken. Sie war schon alt genug, was Louna sehr begrüßte. Dadurch konnte sie Adia feste Nahrung geben. Diese kam auch gut an. Alle drei Pokémon schmatzten was das zeug hielt, sobald Louna ihnen die Futterschalen hinstellte. Was wollte man mehr, als glückliche und zufriedene Pokémon?


    Die Zeit schien schneller vergangen zu sein, als es Louna vorgekommen war. Das Mittagessen hatte sie längst hinter sich und es wurde langsam Zeit ein wenig frische Luft zu schnappen. Ihr Vater schlief noch immer, der erst morgen wieder zur Schicht anstehen musste. Allerdings zu einer Mittelschicht, so dass er nicht wieder in der Nacht arbeiten musste. Die Schichten wechselten beinahe täglich, so dass er alle Schichten mindestens einmal in der Woche hatte. So war das eben bei Polizisten.
    Gerade als sich Louna auf den Weg zur Haustür machte und dabei die Rasselbande mitnahm, klingelte ihr Telefon. Ihre Mutter rief sie an und bat sie darum in das Labor zu kommen. Offenbar wollte der Professor noch einmal persönlich mit ihr reden. Da Louna nichts anderes zu tun hatte und sowieso die Wohnung verlassen wollte, konnte sie das auf diese Weise gleich tun. Adia durfte nicht mit, außer in ihrem Ball. Chiari und Arcus hingegen durften frei umher laufen, ebenso Coco, die mitgenommen wurde. Wichtig war nur, dass sie die drei auch bei sich behielt. In der Großstadt wäre es nicht so günstig, wenn sie auf und davon rannten. Bei Arcus und Coco würde Louna keine Probleme haben, das wusste sie. Bei Chiari könnte das anders aussehen. Aber ihr Evoli durfte sich beweisen und sobald Louna die viel genutzte Fußgängerzone erreichte, nahm sie ihr Pokémon lieber auf den Arm. Chiari war klein und könnte schnell verloren gehen, was Louna nicht behagte. Arcus und Coco hingegen kamen bestens mit dem Treiben der Stadt zurecht und blieben auch stets in ihrer Nähe. Auch dieses Mal entschied sich Louna dafür den Weg über das Zentrum zu nehmen, um in das Südviertel zu gelangen. Dabei kam sie auch am Prismaturm vorbei. Der Turm war so riesig, dass man sich richtig winzig fühlte. Doch Louna betrachtete ihn nur kurz. Viel mehr war sie damit beschäftigt einen langen Hals zu machen, ob sie auf dem Platz nicht irgendwo Xelif und Dash entdecken konnte, doch Fehlanzeige. Von den beiden war nichts zu sehen. Nicht, dass sie was anderes erwartet hatte. Zum einen war der Platz riesig und daher kaum überschaubar, vor allem bei dem Verkehr und den Fußgängern, die hier unterwegs waren. Zum anderen - und das vermutete Louna noch mehr - könnte es sein, dass sich Dash und Xelif noch im Prismaturm befanden, um einen Termin für einen Kampf zu vereinbaren. Selbst wenn nicht hatten sie erwähnt, dass sie auch die Pension aufsuchen wollten. Außerdem würde sich Xelif ganz sicher in der Stadt umsehen wollen. Die Jungs könnten daher überall sein.
    Louna wandte sich vom Prismaturm und dem Platz ab, um das Südviertel zu erreichen. Sie war zu Fuß relativ lange unterwegs, aber für ihre Pokémon war es praktisch. Denen tat die Bewegung gut und gegen einen langen Spaziergang hatten sie nichts einzuwenden. Als sie das Zentrum in den Süden verließen, lief auch Chiari wieder neben Louna her. Denn so hatte sie wieder einen ganz guten Überblick über ihre Pokémon. Hin und wieder blieben sie stehen, um eine Ecke genauer zu betrachten, weil da irgendein Geruch interessant wirkte, aber immer wenn Louna ihre Pokémon rief, hörten sie auf sie und folgten ihr weiter. Sie machten einen sehr guten Eindruck! Ob Chiari ohne Arcus und Coco hören würde, konnte Louna noch nicht sagen, aber solange sie nachkam und sich nicht absetzte, war das vorerst egal. Schließlich hatte sie Chiari auch noch nicht solange, daher erwartete Louna nicht, dass auf Anhieb immer alles klappen konnte. Doch je besser sie auf sie hörte, desto schöner war es.
    Am späteren Nachmittag erreichte Louna endlich das Labor. Im Gegensatz zu den umliegenden Gebäude wirkte es verhältnismäßig klein. Nichtsdestotrotz war es trotzdem groß und beinhaltete zahlreiche Räumlichkeiten für die Forschung. Louna kannte nicht jeden Raum, auch wenn sie das ein oder andere mal wegen ihrer Mutter hier gewesen war.
    Wie schon zu Beginn ihrer kleinen Reise meldete sich Louna am Empfangsbereich des Labors, wo sie noch einmal warten musste. Ihre Mutter war es, die kurze Zeit später kam und sie begrüßte. Als diese auftauchte, war vor allem Coco sehr angetan. Die Coiffwaff-Dame sprang sofort auf und lief Lounas Mutter entgegen. Aufgeregt wedelte sie mit dem Schwanz. Schon immer hatte Coco eine stärkere Bindung zu ihr, als zu Louna oder Lounas Vater gehabt.
    »Na meine Liebe?«, begrüßte Lounas Mutter Coco und strich ihr durch das weiße, weiche Fell. Louna lächelte nur. Arcus und Chiari hielten sich eher zurück, da sie dann doch eher auf Louna bezogen waren.
    »Was möchte denn der Professor genau von mir?«, fragte Louna ihre Mutter, die ihr erklärte, dass er gerne einen Bericht von ihr hätte. Außerdem wollte er ihr noch etwas zeigen, weshalb Louna ihrer Mutter in den Fahrstuhl folgte, um von dort aus in das Labor zu kommen, in dem sich gerade Professor Platan aufhielt. Bevor sie das allerdings tat, rief sie nun doch Chiari zurück in ihren Ball. Arcus reichte vollkommen aus und von Coco wusste sie, dass sie ruhig bleiben würde, vor allem wenn ihre Mutter in der Nähe war.
    Gemeinsam fuhren sie also mit dem Aufzug in die vierte Etage und suchten den Raum auf, wo Professor Platan bereits wartete, sich allerdings gerade mit einem seiner Assistenten unterhielt. Als er merkte, dass Louna und ihre Mutter hinein kamen, drehte er sich sogleich zu ihnen um.
    »Oh, bitte nicht die Tür offen stehen lassen!«, sagte er. Lounas Mutter kam der Aufforderung nach und schloss die Tür hinter sich, nachdem alle eingetreten waren. Louna wunderte das ein wenig, konnte aber gar keine Frage mehr stellen. Ein Schatten kam heran gehuscht und stellte sich hinter ihre Beine. Mit großen Augen und einer geduckten Haltung sah das andersfarbige Fynx zu ihr hinauf, musterte jedoch auch seine Umgebung.
    »Oh?« Louna hatte bereits schon herausfinden können, dass dieses Fynx sehr scheu war und daher schwer Vertrauen zu anderen aufbaute. Das war wohl auch einer der Gründe, weshalb Mimi sich lieber für das Igamaro entschieden hatte. Instinktiv ließ sich Louna ganz langsam in die Hocke sinken. Dadurch wirkte sie nicht mehr so groß und das graue Fynx erschreckte sich nicht so schnell. Wobei es eher danach ausgesehen hatte, als würde es bei ihr Schutz suchen. Doch gerade das war das Verwirrende daran! Denn so viel hatte sie mit Fynx auch noch nicht angestellt. Oder?
    »Na Kleines«, sprach sie Fynx an und streckte die Hand nach diesem aus. Es schnupperte vorsichtig an den Fingern und Louna schaffte es behutsam über den Kopf zu streichen, ohne dass es die Flucht ergriff.
    »Was meinen Sie, Professor?«, hörte Louna ihre Mutter sagen und sah auf. Erst da bemerkte sie, wie sie von Professor Platan, seinem Assistent wie auch ihrer Mutter beobachtet wurde.
    »Ich hab es mir schon denken können und bin froh, dass sich meine Vermutung bewahrheitet«, sagte Professor Platan. Er rieb sich nachdenklich über das stoppelige Kinn. Louna verstand nicht worüber geredet wurde und legte daher die Stirn in Falten. Da sich der Professor näherte, erhob sie sich wieder, doch er blieb auf halber Strecke stehen. Das graue Fynx hinter Louna wirkte wieder so, als würde es sofort die Flucht ergreifen wollen, wenn er oder jemand anderes zu nahe kam. Die scheue Natur stellte für den Professor ein Problem dar, was einer der Gründe war, weshalb er Fynx gern einem Trainer gegeben hätte. Doch die Trainer aus Escissia hatten es nicht gewollt.
    »Schön, dass du da bist, Louna«, sprach er sie an.
    »Ja, Sie wollten mit mir sprechen, hat meine Mom gesagt?« Louna wechselte einen kurzen Blick mit ihr, ehe sie Professor Platan ansah. Seine Haare waren wie so oft durcheinander, durch die er auch jetzt mit der Hand fuhr.
    »Ganz genau. Ich wollte gerne wissen, wie es in Escissia war und dich um etwas bitten, jetzt, wo ich mir ganz sicher bin«, sagte Professor Platan.
    »Ganz sicher? Was genau meinen Sie?«, wollte Louna wissen, da sie immer noch nicht ganz verstand, was hier eigentlich los war.
    »Nun, Fynx hast du bereits kennen gelernt und sicher auch schon gesehen wie schüchtern es ist. Daher macht es sich im Labor nicht sonderlich gut. Es erschreckt sich schnell und flüchtet daher oft. Hier im Labor ist es aber für die Pokémon wichtig entspannt zu sein. Nun wurde Fynx leider nicht von den jungen Trainern ausgewählt, so dass ich einen anderen Trainer suche, der es aufnimmt.« Als der Professor fertig war, sah Louna ihn stillschweigend an. Es schien, als würde er auf eine Reaktion warten, die allerdings sehr verzögert von ihr kam. Denn zuerst verstand sie nicht genau, was das alles mit ihr zu tun hatte, bis ihr ein Licht aufging.
    »M-Moment! Mit anderen Trainer meinen sie doch nicht etwa mich?«, wollte sie wissen und wirkte ziemlich perplex. Professor Platan schien aber genau darauf abzuzielen und lächelte sie gewinnbringend an.
    »Ich wollte, dass du her kommst, damit ich mir selbst ein Bild von euch beiden machen kann. Sieh mal, als du rein gekommen bist, ist Fynx gleich zu dir geflüchtet. Es scheint, als würde es dir schon mehr vertrauen als uns anderen. Hier im Labor können wir uns leider nicht um jedes Pokémon intensiv kümmern, weshalb dieser Ort für Fynx eher unpassend ist. Du würdest uns wirklich einen großen Gefallen tun, wenn du es annimmst. Außerdem wäre das auch positiv für Fynx und ich bin mir sicher auch für dich am Ende.«
    Louna war überrascht. Der Professor fragte sie allen Ernstes, ob sie das Fynx aufnehmen würde! Sie verstand, dass Fynx mehr Aufmerksamkeit brauchte, damit es Vertrauen fassen konnte und später hoffentlich auch entspannter war. Aber dass ausgerechnet sie diejenige sein sollte, die sich um Fynx kümmerte, überforderte Louna ein wenig.
    »A-aber ich hab doch schon vier Pokémon! Ich weiß nicht, ob … «, begann Louna und wurde ausgerechnet von ihrer Mutter unterbrochen.
    »Aber das ist doch nicht schlimm! Trainer haben nicht selten mehrere Pokémon bei sich. Schlecht wäre es nicht. Zumal du doch auch deinen Trainer-Pass demnächst machen willst, nicht wahr? Fynx würde es helfen.«
    »Aber Mom! Ich bin doch noch eine totale Anfängerin!«, widersprach Louna und wirkte nicht glücklich darüber.
    »Du schaffst das schon«, antwortete ihre Mutter und tat so, als würde das keine große Sache sein. Dabei bedeutete das viel Verantwortung sich um ein Pokémon zu kümmern. Vor allem hatte Louna in kürzester Zeit drei weitere Pokémon dazu bekommen, nun sollte ein Viertes folgen. Klar war sie deswegen überfordert, wie könnte sie auch nicht?
    »Dash und Xelif sind doch auch noch in der Stadt, oder? Die werden dir sicher helfen«, fügte ihre Mutter hinzu. Professor Platan erkannte Lounas Zögern und kam ihr ein wenig entgegen.
    »Wie wäre es, wenn du es erst einmal versuchst? Falls das doch zu viel für dich ist, werde ich mich höchstpersönlich darum kümmern, dass Fynx einen anderen Trainer bekommt. Was sagst du dazu?«, schlug er vor. Louna war verunsichert und wusste nicht so recht, ob sie zustimmen sollte. Bevor sie eine klare Antwort darauf gab, bot der Professor ihr an mit in den Besprechungsraum zu kommen, wo sie sich weiter unterhalten konnten. Schließlich wollte er immer noch wissen, wie es Louna ergangen war. Er hatte bereits von ihrer Mutter gehört, dass einiges los gewesen war, doch er wollte es sich gerne von Louna erzählen lassen. Zumindest diesem Vorschlag stimmte Louna zu und folgte ihm in besagten Raum. Das schüchterne Fynx folgte sogar, was möglicherweise auch an den Pokémon, vorzugsweise Arcus, lag. Dennoch verkrümelte sich Fynx sofort unter den großen Tisch, an den sich Louna und der Professor setzten, um miteinander zu reden. Ja, es gab viel zu berichten!


  • 28. Kapitel – Offene Möglichkeiten


    Der Raum lag still da. Man hörte noch nicht einmal großartig das Atmen der Pokémon oder der Menschen, die sich hier drin befanden. Professor Platan ließ vorerst Lounas Worte sacken und wirkte dabei sehr nachdenklich. Er war besorgt darüber, als sie von dem Ereignis mit den Pyroleos berichtet hatte. Das Verhalten der Pyroleos war ganz natürlich gewesen, deswegen sorgte er sich nicht. Es war eher die Tatsache, dass sich diese Pokémon im Wald aufhielten und dadurch Louna sehr nahe gekommen waren. Das konnte sehr gefährlich werden, wie man es in ihrem Fall gesehen hatte. Der Wald an sich galt normalerweise als ungefährlich. Die Pokémon, die sich darin befanden, waren eher von der scheuen Natur. Käfer-Pokémon griffen sehr selten an, meistens nur, wenn sie provoziert wurden. Dartiris, die ebenfalls im Nouvaria-Wald lebten, hielten sich auch oft fern von Menschen, zumindest traten sie nicht aggressiv auf. Wenn man jetzt mal von Tornado absah, von dem Louna auch berichtet hatte.
    »Dein Dartiri hat wohl ein sehr territoriales Verhalten gezeigt. Das ist eher unüblich«, hatte der Professor dazu gemeint. Louna hatte nicht nur von den Ereignissen im Wald berichtet, sondern auch von denen in Aquarellia und in Escissia. Dazu gehörte auch der versuchte Diebstahl von Fynx, der nicht unbedingt das Vertrauen des Pokémons zu Menschen gefördert hatte. Für den Professor war es daher umso wichtiger, dass Fynx in die Hände eines Trainers kam, der gewillt war sich um es zu kümmern, um eine solide Vertrauensbasis zu schaffen. Ob Louna wirklich dafür geeignet war, konnte sie nicht sagen. Noch immer haderte sie mit dieser Entscheidung, doch jedes Mal, wenn sie Fynx ansah, hatte sie das Gefühl, als würde es sie mit einem Hoffnungsschimmer ansehen. Vielleicht war das nur Einbildung?
    »Wie fandest du es im Allgemeinen umherzureisen?«, wollte Professor Platan von ihr wissen und lenkte sie von Fynx ab. Das graue Pokémon hockte mittlerweile an der rechten Wand des Zimmers, wobei Arcus diesem Gesellschaft leistete.
    »Öhm, wie meinen?«, fragend blickte Louna den Professor an.
    »Nun, es gibt noch einen anderen Grund, weshalb ich dich hierher bestellt habe. Deine Mutter sagte mir, dass du bislang noch keine Ausbildung oder Studium begonnen hast und dir noch unsicher bist, was du tun möchtest?!« Dass der Professor ausgerechnet dieses Thema ansprach, was für Louna dann doch etwas zu persönlich war, überraschte sie. Warum redete überhaupt ihre Mutter mit ihm darüber? Nicht, dass Louna ihn unsympatisch fand oder dergleichen, aber sie selbst hatte nur wenig Kontakt zu ihm gehabt. Im Prinzip könnte man auch sagen, dass der Professor ihr fremd war und lediglich der Arbeitgeber ihrer Mutter war.
    »Das ist korrekt«, beantwortete sie dennoch die Frage wahrheitsgemäß. »Ich überlege noch, in welche Richtung ich gehen möchte.«
    »Dann hätte ich einen Vorschlag für dich«, offenbarte er ihr, so dass Louna sehr hellhörig wurde.
    »Es gibt immer wieder Dinge, die außerhalb des Labors erledigt werden müssen und sei es nur ein Botengang. Natürlich könnte ich auch die öffentlichen Versandunternehmen mit solchen Dingen beauftragen, aber mir persönlich wäre es lieber jemanden direkt zu schicken, auf den ich mich verlassen kann und der mir auch Berichte zukommen lässt. Anders ausgedrückt: Ich suche noch einen weiteren Mitarbeiter für den Außenbereich!« Louna sah Professor Platan mit großen Augen an. War das sein Ernst? Wollte er ihr gerade einen Job anbieten?
    »Sie wissen aber schon, dass ich noch keine Qualifikationen oder Ähnliches besitze, oder?«, machte sie ihn auf dieses Detail aufmerksam. Sie hatte gerade mal ihren Schulabschluss hinter sich und keinerlei Ausbildung absolviert. Das hatte er auch schon selbst angemerkt.
    »Ich weiß, aber das ist nicht schlimm. Ich würde dich als Auszubildende für den Außendienst einstellen wollen. Das bedeutet, dass du unter anderem in Kalos unterwegs sein wirst, Aufträge von mir oder meinen Forschern erledigst, die anfänglich kaum der Rede wert sind. Aber du wirst auch in Kontakt mit anderen Forschern und Wissenschaftlern kommen, wo man dir weiteres Wissen vermitteln wird. Sagen wir, es ist eine sehr praktische Ausbildung«, erklärte Professor Platan. Mit jedem Wort wurden Lounas Augen größer. Im Endeffekt würde diese Ausbildung - so hatte sie es verstanden - dazu führen, dass sie selbst, ähnlich wie ihre Mutter, eine Wissenschaftlerin wird. Oder eine Assistentin. Wenn es schlecht lief, könnte es aber auch sein, dass sie nur zu einer Spielfigur der Wissenschaftler wird, die hin und her gescheucht wird. Sie hoffte, dass es nicht darauf hinaus laufen würde.
    »Ich bin mir nicht sicher, ob ich zustimmen soll«, gab sie zu erkennen, was Professor Platan verstehen konnte. Er nickte ihr zu.
    »Mir geht es in erster Linie darum, jemanden draußen zu haben. Jemanden vor Ort, der die Pokémon beobachtet, bei speziellen Ereignissen dabei ist und wie gesagt auch einige Dinge erledigt, die ich demjenigen auftrage. Natürlich bekommst du auch eine entsprechende Vergütung für den Aufwand und die größten Reisekosten werden dir dafür auch erstattet.« Das schien wahrlich ein verlockendes Angebot zu sein, doch noch immer war Louna verunsichert, ob sie das Angebot annehmen sollte. In erster Linie klang es ganz nett durch die Gegend zu reisen, aber das konnte auch mit diversen Strapazen zusammenhängen. Wer weiß, was da alles auf sie zu kam!
    »Eigentlich wollte ich mich derzeit darauf konzentrieren meinen Trainer-Pass zu bekommen«, sagte sie und wollte noch etwas hinzufügen, aber der Professor kam ihr dazwischen.
    »Das ist kein Problem. Den kannst du gerne erst in Angriff nehmen. Dein erster Auftrag würde sein, dich mit einer weiteren Lieferung nach Petrophia zu schicken. Allerdings muss ich dafür noch einige Dinge vorbereiten.« Der Professor erklärte ihr des Weiteren, wie die nächsten Jahre aussehen sollten. Da er hauptsächlich den Fokus auf die Praxis und damit des Herumreisens mitsamt der Feldstudie legte, würde es nur phasenweise zur Theorie kommen. Natürlich würde Louna einige Dinge theoretisch lernen müssen, aber in erster Linie sollte sie ihre Erfahrungen in der Praxis machen. Nicht allein! In ganz Kalos würde sie Ansprechpartner haben, die mit ihr zusammen Feldstudien durchführten und ihr das Wissen vor allem über die Pokémon näher brachte. Außerdem war eines der wichtigsten Forschungsthemen für den Professor immer noch die Mega-Entwicklung. Da er jedoch nicht so oft das Labor wegen der anderen Projekte verlassen konnte, war es wichtig, dass ein anderer an seiner Stelle die Megaform in der Praxis sah, beobachtete und darüber unter anderem berichtete. Am besten inklusive Filmmaterial, damit der Professor es später noch auswerten konnte. Louna würde also viel beobachten müssen, womit sie an sich nicht einmal Probleme hatte. Je mehr Details sie von dieser Arbeit erfuhr, desto interessanter wurde es für sie. Obwohl sie sich während der Schulzeit nicht vorgestellt hatte später mit Pokémon zusammenzuarbeiten, würde es genau darauf hinaus laufen. Der Gedanke gefiel ihr, vor allem weil der Professor nichts dagegen hatte, wenn Louna nebenbei ihre Pokémon trainierte. Sie war zwar unterwegs, aber schlussendlich hatte sie währenddessen auch eine gewisse Freizeit. Trödeln oder die Arbeit schleifen lassen durfte sie natürlich nicht, aber jeder, der Louna kannte, wusste von ihrem Pflichtgefühl und ihrer Verlässlichkeit.
    »Darf ich mir das erst noch in Ruhe überlegen, bevor ich Ihnen antworte?«, fragte sie ihn. Ein wenig Bedenkzeit benötigte sie dafür, da sie sich gut überlegen wollte, ob sie tatsächlich in diese Richtung gehen wollte. Zwar würde sie vieles von Kalos sehen können, mit Pokémon zusammen arbeiten wie auch mit verschiedenen Menschen, aber sie wäre auch längere Zeit nicht Zuhause. Sie würde Wind und Wetter mitnehmen und wer wusste schon, was in der Wildnis alles auf sie wartete, sofern sie außerhalb der Städte unterwegs sein sollte und würde. Das waren alles Dinge, worüber sie gründlich nachdenken wollte, ob das was für sie war, ehe sie sich komplett entschied.
    Zum Glück war Professor Platan damit einverstanden. Er rief trotzdem seinen Assistenten zu sich, damit dieser ihm die Formulare des Vertrages brachte. Louna sollte den Vertrag mitnehmen und ihn sich gründlich durchlesen. Wenn sie im Labor als Auszubildende anfangen wollte, sollte sie ihn einfach unterschrieben wieder mitbringen. Darin waren sämtliche Daten aufgezeichnet, angefangen von ihren persönlichen Daten - die sie noch selbst eintragen musste - bis hin zur Versicherung, im Falle dessen, wenn doch einmal auf der Reise etwas passieren sollte. Sie wurde dadurch abgesichert, was schon einmal ein sehr wichtiger Punkt war. Louna würde später alles genau lesen und bedankte sich trotz allem erst einmal beim Professor für das unerwartete Angebot. Nicht jedem wurde einfach so eine Stelle angeboten. Das war nichts Selbstverständliches! Louna wusste, dass das auch viel mit ihrer eigenen Mutter zusammenhing.
    »Gib mir doch bitte zeitnah Bescheid«, bat Professor Platan sie zum Schluss, als sie dabei war sich zu verabschieden, denn es gab nun vorerst nichts mehr zu besprechen. Außer …
    »Was ist mit Fynx?«, stellte ausgerechnet ihre Mutter diese Frage, als sie den Besprechungsraum verließen.
    »Oh, ähm … « Louna blickte auf das verunsicherte Pokémon, was noch immer hinter ihr im Raum war und sich zusammen gekauert hatte. Es tat ihr leid, es so zu sehen. Deswegen ging sie wieder hinein und näherte sich dem Feuer-Pokémon langsam. Mit seinen roten Augen beobachtete es sie, bis sie sich vor Fynx nieder kniete.
    »Na Kleines«, sprach Louna es wieder an und streckte die Hand aus. So wie sie es heute schon einmal getan hatte, kraulte sie das Pokémon über den Kopf. Es war zwar angespannt, aber es lief nicht panisch davon. Auch als sie versuchte es vorsichtig auf ihre Arme zu heben, wehrte es sich nicht. Vielleicht war die Anspannung oder die Angst zu groß. Vielleicht war Fynx aber auch damit einverstanden. Louna nahm das kleine Pokémon mit aus dem Raum zum Professor und ihrer Mutter.
    »Ich werde es versuchen«, sagte sie zu ihnen, was die Gesichter der beiden erhellte.
    »Ich danke dir vielmals!«, meinte Professor Platan und reichte Louna den Pokéball, in den Fynx zurückgerufen wurde. Damit hatte Louna also ein weiteres Teammitglied. War sie glücklich darüber? Nun, sie war eher eine Person, die recht zwiegespalten mit Neuerungen umging, da sie stets die Verantwortung dahinter in Erwägung zog. Würde sie diese einfach mal bei Seite lassen, dann konnte sie auf jeden Fall sagen, dass sie sich über Fynx freute. Es war ein süßes Pokémon, was ihr gefiel! Von diesem Aspekt gab es gar nichts zu meckern. Sie machte sich nur Sorgen darüber, ob sie es schaffen würde eine gute Trainerin für ihre Pokémon zu sein. Denn das wollte sie, aber sie hatte noch einen langen Weg vor sich!


    »Oh wow«, seufzte Louna, als sie in den Straßen von Illumina City unterwegs war. Arcus und Coco begleiteten sie dabei, denn langsam wollten sie nach Hause gehen. Der Aufenthalt im Labor hatte länger gedauert, als anfänglich angenommen. Mittlerweile zog die Sonne schon Richtung Horizont und die ersten Straßenlaternen erhellten sich. Trotz dessen war noch genug auf den Straßen der Hauptstadt los. Ihr Vater war vermutlich auch schon wach. Ob er wohl etwas zum Abendbrot kochte? Das wäre genial, denn Louna merkte bereits, wie sie wieder Hunger bekam und war sich sicher, dass es ihren Pokémon ähnlich erging. Unfassbar, dass sie nun schon fünf Pokémon besaß! Mit Coco waren es sechs, aber das treue Coiffwaff gehörte allgemein zur Familie. Daher würde dieses auch auf zukünftigen Reisen nicht mitkommen. Falls sich Louna wirklich dafür entschied, im Labor ihre Ausbildung zu beginnen und durch ganz Kalos zu reisen. Interessant wäre es auf jeden Fall, aber noch zögerte sie die dafür nötige Begeisterung aufzubringen.
    »Vielleicht sollte ich weniger nachdenken und mehr impulsiv handeln?«, redete sie mit sich selbst. Würde so ein Verhalten auch nicht besser zu einer Feuer-Pokémon-Trainerin passen? Mehr Leidenschaft, mehr Feuer! Sie musste über diesen Gedanken grinsen und schüttelte den Kopf. Noch hatte sie ein Pokémon, was nicht dem Feuertyp angehörte und wenn sie so darüber nachdachte, welche Entwicklungen Evoli alles besaß, dann konnte sie sich jetzt kaum dafür entscheiden in welche Richtung es einmal gehen sollte. Nichtsdestotrotz gehörten Flamaras zu einer Art, die Louna auch toll fand. Sie waren so schön, flauschig und anmutig. Ihr gefielen diese vom Äußeren oft besser als die anderen Evoli-Entwicklungen. Wenn das mal kein Zeichen war. Es sah ganz so aus, als würde sie sich darüber informieren müssen, was eine Feuer-Pokémon-Trainerin alles wissen musste. Dabei gehörte gerade der Typ Feuer zu den gefährlicheren! Wenn das mal nicht schief ging …
    »Nanu?« So schön es auch war in Gedanken zu schwelgen, so wichtig war es auf den Weg vor sich zu achten. Louna wusste, wo sie entlang gehen musste und kam deswegen an allerlei Geschäften vorbei. Die meisten kannte sie, weil sie schon immer hier gelebt hatte. Auch den Supermarkt, an dem sie vorbei kam, kannte sie, da sie selbst dort schon einkaufen gewesen war. Doch etwas weckte ihre Aufmerksamkeit. Es war weniger der Markt an sich, als vielmehr die Person, die in der Seitenstraße neben dem Markt im hinteren Bereich tätig war. Offenbar hatte es eine neue Warenlieferung gegeben, die nun von einem Transporter abgeladen wurde, um ins Lager des Marktes gebracht zu werden. Eine ganz normale Tätigkeit, die man überall bei Geschäften sehen konnte. Das war nicht das Ungewöhnliche daran, sondern die Person selbst. Dank der Lampen um sie herum und auch im Bereich des Lagereinganges konnte Louna genug erkennen. Sie ging etwas näher heran. Arcus war bereits sehr aufmerksam und begann mit der Rute zu wackeln. Coco hingegen wartete viel mehr darauf, dass sie den Weg nach Hause antraten.
    »Soul?« Ja, ausgerechnet er war es! Louna beobachtete ihn, wie er gerade aus dem Transporter eine schwer aussehende Kiste nahm. Sie konnte das Etikett nicht erkennen, aber wen interessierte schon der Inhalt? Die wenigen Meter, die sie voneinander trennten, überwand sie, um bei Soul anzukommen. Auch er hatte sie bemerkt und schien genauso überrascht zu sein wie sie.
    »Louna?« Er wusste auch noch ihren Namen! Dadurch, dass sie nicht genau wusste, wie sie ihn einschätzen sollte, war sie nicht sicher gewesen, wie er reagieren würde. Er wirkte nicht so, als hätte er schlechte Laune. Das war doch gut, oder nicht?
    »Ja, was machst du denn hier?«, stellte sie ihm die Frage und sah dabei zu, wie er die Kiste in den Lagerbereich schaffte. Geduldig wartete sie, dass er wieder zurück kam. Er unterbrach sogar tatsächlich sein Tun, um ihr zu antworten!
    »Ich arbeite hier«, sagte er, weswegen sie nickte.
    »Ja, das sehe ich. Ich meinte eher … Wie lange arbeitest du schon hier?«, differenzierte Louna ihre Frage. Sie hatte nicht gewusst, dass er so einen Job ausführte. Hatte er Urlaub gehabt, weswegen er deswegen nach Escissia gegangen war?
    »Nicht lange, das ist nur ein Nebenjob.« Aha! Das erklärte so einiges, aber nicht alles. In ihr war die Neugier geweckt und als sie gerade den Mund öffnete, kam er ihr schon zuvor.
    »Irgendwie muss ich mein Geld verdienen.« Als er das sagte, zuckte er mit den Schultern. Louna sah ihn bedächtig an. Bisher hatte sie sich nicht gefragt, wie sich die Trainer selbst finanzierten, aber es war klar, dass auch sie Geld benötigten. Noch dazu wusste sie nicht einmal, ob Soul einer der typischen Trainer war, der umher reiste, um Arenaleiter herauszufordern oder ob er etwas anderes tun wollte. Wie immer, wenn sie ihm begegnete, hatte sie das Bedürfnis gefühlt hundert Fragen zu stellen und doch hielt sie sich wieder einmal zurück. Sie wollte ihm weder zu nahe treten noch verärgern. Außerdem war er das letzte Mal einfach so verschwunden ohne sich zu verabschieden. Was sollte sie davon halten, obgleich er jetzt normal wirkte, als wäre nichts gewesen?! Zwischen ihnen beiden war eine Stille entstanden, die sie nicht beurteilen konnte. Soul sah sie an und sie ihn, dabei haderte sie, ob sie etwas sagen sollte. Konnte er es ihr ansehen?
    Arcus zu ihren Füßen gab ein Geräusch von sich, was einem Winseln gleich kam. Er wuselte um ihre Beine herum. Coco hielt sich wie immer zurück.
    »Hey Soul, ist das deine Freundin?«, rief eine Stimme aus dem Lager. Louna drehte ihren Kopf überrascht in die Richtung des Mannes, der in Arbeitermontur heraus kam. Er hatte eine etwas massigere Statur, eine Mütze auf dem Kopf und einen dichten Schnurrbart über den Lippen. Außerdem trug er ein Namensschild auf der rechten Brustseite, was Louna aber aus der Entfernung nicht lesen konnte. Soul antworte dem Mann nicht, aber sie ahnte, dass dieser Mann so etwas wie ein Vorgesetzter für Soul war. Eben jener sah gerade auf seine Armbanduhr, ehe er wieder zu ihnen rüber sah.
    »Wenn du willst, kannst du für heute Schluss machen, hast genug gearbeitet!«, meinte der Herr ohne Namen. Soul nickte daraufhin, doch Louna wusste immer noch nicht, was sie sagen oder tun sollte. Es war auf einmal eine ganz komische Situation für sie. Mittlerweile setzte sich Soul in Bewegung, doch bevor er das Lager wieder betrat, wandte er sich kurz noch an sie:
    »Ich hol nur meine Sachen«, ließ er sie wissen. Aber was noch? Bedeutete das, dass sie auf ihn warten durfte? Als er im Lager verschwunden war, zerbrach sie sich den Kopf darüber. Ihr Magen fühlte sich nervös an und sie trat von einem Bein auf das andere. Sie hatte nicht erwartet, Soul hier in Illumina so plötzlich wieder zu sehen, noch dazu, dass er scheinbar ganz kommunikativ war. Jedenfalls war er nicht vor ihr weg gerannt oder hatte sie angeschnauzt, dass sie ihn in Ruhe lassen sollte. Das war ein gutes Zeichen, ja?
    Als Soul wieder kam, hatte Louna noch keine Antworten auf ihre verwirrenden Fragen gefunden, sich allerdings dazu entschlossen, es einfach auf sich zukommen zu lassen. Weniger nachdenken und mehr handeln! Na ja, handeln war in diesem Falle nicht viel drin. Was sollte sie denn auch großartig machen? Zuerst einmal Soul folgen! Da er die Nebenstraße verlassen wollte, um von seiner Arbeitsstelle weg zu kommen, wäre es eine gute Idee, wenn das auch Louna tat. Ansonsten würde sie einfach stehen bleiben und das war genauso blöd.
    »Wo musst du hin?«, fragte er sie sogar. Er wirkte immer noch normal. Kein Anzeichen von schlechter, muffeliger Laune. Erstaunlich!
    »Ins Nordviertel, Nähe Herbstallee«, antwortete sie ihm etwas knapp. Er schien etwas nachdenklich zu sein, als würde er überlegen, welchen Weg er nehmen musste. Etwa um zusammen weiter gehen zu können? Nein, so ein Typ war Soul nicht. Oder doch?
    »Ich hab's aber nicht so eilig. A-also ich meine, ich muss nicht sofort nach Hause, w-was nicht heißt, d-dass ich dich aufhalten will. Falls du … äh … « Sie kam ins Stottern und kam sich furchtbar albern vor. Weder wollte sie ihm auf die Pelle rücken, noch ihm zur Last fallen oder ihn anderweitig aufhalten. Andererseits wusste sie, dass er seinen eigenen Weg ging und darüber wohl nicht groß nachdachte, was andere davon hielten. Also wie wäre sie schon in der Lage ihn aufzuhalten? Würde er nicht einfach gehen, wenn er es wollte?
    »Ist alles okay?«, fragte er, ohne direkt auf ihre Worte einzugehen. Auch das überraschte sie, weswegen sie ihn mit unverständlich großen Augen ansah.
    »Ist es wegen Aquarellia?« Als er die Stadt oder eher das Dorf erwähnte, war Louna endgültig verwirrt. Das stand offenbar auch in ihrem Gesicht geschrieben.
    »Tut mir leid, dass ich so ohne etwas zu sagen gegangen bin.« Spätestens jetzt starrte Louna Soul nur verständnislos an. Er entschuldigte sich bei ihr? Sie hatte sich verhört! Oder träumte sie? Vielleicht lag sie schon im Bett und schlief in Wahrheit schon!
    »Bist du … sauer?«, wollte er von ihr wissen und legte den Kopf schief, da sie bisher nicht geantwortet hatte. Ihr Gehirn ratterte, doch sie verstand die Welt nicht mehr.
    »W-was? Wieso? Sehe ich so aus? Ich meine … « Louna wusste gar nicht, worauf sie eingehen sollte. Das war alles sehr komisch.
    »Na ja, du siehst eher ziemlich verwirrt aus, wenn ich ehrlich bin«, sagte er. Louna hätte am liebsten aufgelacht, unterdrückte es aber gerade noch so.
    »Ja, das bin ich auch. Ich hab nur nicht erwartet dich hier zu treffen«, gab sie zu und verkniff einen weiteren Kommentar, da dieser vielleicht schlecht ankam. Sie wollte ihn nicht wütend machen.
    »Mhm«, machte Soul nur. Er wusste nicht, wie er das auffassen sollte. War das gut oder schlecht? Auch Louna stand nur da, nicht wissend, wie es jetzt weiter ging. Die Rettung kam durch ihr klingelndes Telefon aus ihrer Tasche. Schnell griff sie in diese und kramte es heraus, nur um festzustellen, dass ihr Vater am anderen Ende der Leitung war. Er wollte von ihr wissen, ob sie zum Abendbrot zurück war. Erst wollte sie zustimmen, doch als sie zu Soul sah, verwarf sie die Antwort, ohne sie ausgesprochen zu haben.
    »Ich denke, ich komme erst später … «, sagte sie deshalb. Ihr Vater war deswegen nicht böse. Schließlich war sie alt genug. Sie konnte auch noch später essen, obwohl Lounas Hunger immer größer wurde. Dennoch wollte sie nicht auf und davon, auch wenn sie nicht sicher war, wie sie sich gegenüber Soul verhalten sollte.
    »Halte ich dich auf?«, fragte er sie. Ihre Antwort kam sofort.
    »Nein.« Er hatte sie gefragt gehabt, ob sie sauer war, hatte ihre Verwirrung bemerkt, doch jetzt wirkte er selbst so, als wüsste er nicht so recht, was er tun sollte. Sie gab sich einen Ruck, als sie ihr Telefon wieder weg gesteckt hatte.
    »Ich bin wirklich nicht sauer auf dich«, ließ sie ihn wissen und meinte es auch so. Er sollte nicht denken, dass sie das einfach nur so sagte. Aber sie wollte auch ehrlich zu ihm sein.
    »Es wäre nur schön gewesen, wenn … du dich vorher verabschiedet hättest«, gestand sie ihm ehrlich. Einfach ohne etwas zu sagen zu verschwinden, war einfach nicht schön.
    »Es tut mir leid«, kam es wieder von ihm. Er entschuldigte sich das zweite Mal bei ihr, weil er einfach gegangen war. Das bedeutete doch, dass er es wirklich ernst damit meinte, richtig? Er machte jedenfalls nicht den Eindruck auf sie, dass er das nur so lapidar von sich gab.
    »Okay, ist gut, ich verzeihe dir!« Sie begann zu lächeln, um die Stimmung wieder ein wenig aufzulockern. Es klappte auch, da er sogar auf ihre Worte einging.
    »Sehr großzügig von dir.« Der Schalk war aus seiner Stimme zu hören, was sie nicht weiter störte. Ihr war es so lieber, als wenn weiterhin eine angespannte Situation herrschte.
    »Aber … «, begann sie trotzdem von Neuem, weil es noch etwas anderes gab, was sie wissen wollte. »Gilt noch dein Angebot wegen dem … Training mit meinem Dartiri?« Sie war sich dessen nämlich nicht sicher. Falls er das gar nicht mehr wollte, würde sie nicht darauf beharren. Nützlich wäre es aber allemal für sie, falls er seine Zeit ein wenig für sie erübrigen konnte.
    »Natürlich«, antwortete er ihr sogar, was sie erleichterte.
    »Super! Dann würde ich gerne darauf zurückkommen. Ich weiß nämlich gerade echt nicht, wie ich all meine neuen Pokémon trainieren soll.« Ein bisschen verzweifelt klang sie dabei und als sie Souls Blick zu Coco schwenken sah, meinte sie sofort:
    »Coco gehört allgemein zur Familie. Sie betrifft das Training nicht.« Dadurch erntete Louna einen fragenden Blick von ihm. Bisher kannte er nur Arcus, Chiari und Tornado, da er dafür verantwortlich gewesen war, dass sie das Dartiri erhielt. Adia und das Fynx waren ihm fremd. Zumindest was die Teamzugehörigkeit anbelangte.
    »Wie geht es deinem kleinen, wilden Piepmatz denn?«, stellte er die Frage und meinte damit Tornado. Louna lächelte bei dem Gedanken an das stürmische Dartiri, weswegen es diesen Namen bekommen hatte.
    »Gut soweit. Er vertraut mir noch nicht komplett, aber heute hat er sich schon aus meiner Hand füttern lassen.« Soul nickte nachdenklich bei dem, was er zu hören bekam. Während sie über Tornado erzählte, gingen sie beide weiter. Arcus und Coco verfolgten sie auf Schritt und Tritt. Louna musste schließlich in das Nordviertel, wobei sie noch nicht erfahren hatte, wo Souls Unterkunft war. Er dürfte sich vermutlich auch ein Zimmer gemietet haben. Zumindest dachte sie nicht daran, dass er in Illumina City wohnen könnte.
    »Es wäre sehr von Vorteil, wenn du Tornado bei dir Zuhause komplett aus dem Ball lässt. Das heißt, dass er bei allem mit dabei ist. So kann er alles beobachten, erlebt das Zusammenleben und kann dadurch auch Vertrauen fassen. Futter sollte er prinzipiell nur von dir bekommen. Also direkt, nicht aus einer Schale oder so.« Soul erklärte ihr den Umgang mit einem Vogel-Pokémon. Dadurch, dass er selbst Alice im Team hatte, sein Kramshef, konnte er bereits Erfahrungen vorweisen. Vogel-Pokémon konnte man nicht auf diese Weise herzen wie ein Fukano oder ein Hunduster, deren Verhalten und Sozialstruktur anders war, als bei einem Vogel-Pokémon. Daher war es am einfachsten das Vertrauen eines solchen Pokémons zu bekommen, indem man es am Ende einfach mit Futter »besticht«. Louna würde noch einiges lernen müssen, aber dadurch, dass sie Soul darüber fragen konnte, fühlte sie sich gleich viel sicherer. Im Prinzip hatte sie also schon richtig angefangen. Jetzt würde sie das Training nur noch ausweiten müssen.
    Soul bot ihr außerdem an mit ihr gemeinsam das richtige Training zu beginnen, wenn Tornado genügend Vertrauen zu ihr gefasst hatte. Dieses Angebot nahm sie natürlich an und fragte ihn deshalb, wann er allgemein so Zeit hatte. Da er offenbar den Nebenjob im Marktlager besaß, stand er nicht die ganze Zeit zur Verfügung. Es würde sich eher auf die späten Nachmittags- und frühen Abendstunden beziehen.
    Während sie sich gemeinsam noch über Alice und Tornado unterhielten, kamen sie an einem der zahlreichen Parks vorbei, die es in Illumina City gab. Die grünen Oasen mitten in der Stadt boten sowohl den Menschen als auch den Pokémon ruhige Orte an, wo man sich entspannen, Sport machen oder sich einfach so mit seinen Freunden und Pokémon treffen konnte. Soul wollte in diesen Park, wie Louna schnell feststellte, denn er holte auch einen seiner Pokébälle hervor. Bisher hatte er keines seiner Pokémon draußen gehabt, was sich nun änderte. Es überraschte sie nicht, dass er Dael rief. Das Hunduster war, wie bei ihr Arcus, der treuste Freund, den er besaß.
    Dael schüttelte sich zuerst, als er endlich wieder frische Luft schnuppern durfte ud wurde dann ziemlich euphorisch von Arcus begrüßt. Die beiden Pokémon kamen sehr gut miteinander aus. Das hatte Louna schon einige Male feststellen dürfen. Nur Coco war wie eh und je zwiegespalten und schnaufte nur, nachdem sie Dael genauer betrachtet hatte. Die Diva hatte wenig Interesse daran mit ihm etwas zu tun haben zu wollen. Louna schüttelte über sie nur den Kopf und ging gemeinsam mit Soul und ihren Pokémon in den Park. Das war auch die perfekte Gelegenheit für sie noch ein wenig herum zu toben. Denn sobald sie die grünen Grasflächen mit den umliegenden Bäumen erreicht hatten, ging es richtig los.
    Dael und Arcus ließen es sich nicht nehmen los zu stürmen und sich gegenseitig zu jagen und zu spielen. Soul wartete nicht lange ab und entließ auch Nero, sein Nachtara und Kinba, sein junges Fiffyen. Louna musste lächeln, als die Pokémon sich frei bewegen durften. Kinba nutzte nämlich sofort die Gelegenheit, um Arcus und Dael einzuholen. Nero hingegen schien weniger an dem Spiel der anderen interessiert zu sein, als viel mehr die Umgebung erkunden zu wollen.
    Wenn Soul schon seine Pokémon aus den Bällen entließ, dann tat das auch Louna. Sie rief Chiari heraus, allerdings nicht Tornado. Bei ihm war sie noch zu verunsichert und würde ihn noch besser an sich binden müssen. Aber mit Chiari würde es keine Probleme geben. Vor allem da sie, kaum dass sie aus dem Ball wieder heraus war, Verfolgung zu Nero aufnahm.
    »War ja klar gewesen«, kommentierte Soul das Verhalten, weswegen Louna grinste.
    »Raku wird auch nie verschont«, sagte sie und fing sich einen fragenden Blick von ihm ein.
    »Raku?« Er schien den Namen nicht sofort zuordnen zu können, weswegen Louna ihn aufklärte.
    »Das Blitza von Dash«, sagte sie. Soul wusste dadurch sofort, wen sie meinte, sah aber nicht besonders glücklich drein. Daher erinnerte sich Louna daran, dass die beiden irgendeinen Zwist besaßen, von dem sie noch nichts genaues wusste. Konnten sie sich beide einfach nur nicht leiden – Dash und Soul – oder lag da mehr dahinter? Louna runzelte die Stirn und sah Soul nachdenklich an, der seine Pokémon dabei beobachtete, wie sie über die Wiesen tobten. Ein paar andere Pokémon-Halter waren hier auch unterwegs, aber es gab mit keinem der anderen Streit. Alle waren sehr friedlich. Das war nicht immer üblich. In manchen Parks kam es zwischen einigen Pokémon schon mal zum Streit, weswegen die Trainer dann besonders darauf achten mussten, dass nichts Schlimmeres passierte. Das Kämpfen waren nun mal innerhalb der Städte verboten, damit nichts passierte. Es gab nur in manchen Bereichen die Erlaubnis, Pokémon-Kämpfe auszufechten, aber das waren selten die Parks, die eher als Erholungsort gedacht waren.
    »Was ist zwischen euch beiden vorgefallen? Ich meine, es muss doch irgendeinen Grund geben, warum du und Dash euch nicht besonders leiden könnt, oder?« Louna wagte die Frage zu stellen, auch wenn sie damit riskierte Souls Missgunst zu ernten. Sie hatte schon des Öfteren bemerkt, dass er bei persönlicheren Fragen dicht machte, aber manchmal überraschte er sie auch. Wenn Soul etwas war, dann war es unberechenbar. Sie konnte nie vorher sagen, wie er reagieren würde. Entweder sie riskierte bei ihm etwas oder sie ließ es sein. Auch jetzt sah er sie so an, als würde er es ihr übel nehmen wollen, dass sie nachgefragt hatte, aber sein Gesichtsausdruck wurde schnell wieder sanfter. Vielleicht war es nur die Erinnerung an Dash, dass er nicht begeistert drein sah?
    »Es gab zwischen uns ein kleines … Missverständnis. Das hatte am Ende zum Kampf geführt, aber keiner von uns beiden konnte wirklich gewinnen. Raku und Nero sind in etwa gleichstark.« Soul gab ihr eine Antwort! Sie hatte es nicht erwartet, nur gehofft, dass er ein wenig offener ihr gegenüber sein würde. Auch wenn sie ahnte, dass er nicht erklären würde, was für ein Missverständnis das gewesen sein musste, so verstand sie zumindest ein klein wenig besser.
    »Was dazu geführt hat, dass ihr jetzt Konkurrenten seid?«, mutmaßte sie. Soul zuckte mit den Schultern, stimmte dem aber irgendwie auch zu. Wenn Louna näher darüber nachdachte, dann schien Soul immer wieder mit anderen in Konflikt zu geraten. Sie dachte an May, die ihn als Dieb bezeichnet hatte, weil sie ihm nicht vertraut hatte. Auch wenn sie sich am Ende bei ihm entschuldigt hatte. Dann die Konkkurenz zu Dash und nicht zu vergessen die Trainer aus Escissia. Sie selbst hatte am Anfang Soul für einen Dieb gehalten, was er aber nicht war. Jedenfalls sprach nichts dafür. Es würde in ihren Augen keinen Sinn ergeben. Könnte es sein, dass Soul ansonsten ziemlich allein dastand? So ohne Freunde? Louna wagte es nicht dieses Thema anzusprechen. Das war viel zu sensibel und man konnte sich dadurch schnell auf den Schlips getreten fühlen. Sie wollte ihn nicht verärgern oder schlechte Stimmung aufkommen lassen. Auch keine traurige. Dafür kam ihr aber noch eine andere Idee.
    »Hast du heute noch irgendwas vor?«, wollte sie von ihm wissen. Soul sah sie von der Seite aus fragend an.
    »Nicht wirklich, wieso?«, hakte er nach.
    »Wenn du willst, kannst du mit zu mir kommen. Meine Eltern werden nichts dagegen haben, wenn du beim Abendessen dabei bist.« Sie lud ihn einfach ein, was ihn sehr überraschte. Das konnte sie sogar aus seinem Gesicht herauslesen.
    »Wieso?«, wollte er von ihr wissen, weswegen sie grinsen musste.
    »Wieso denn nicht?« Darauf wusste er keine richtige Antwort, schien noch einen Moment zu überlegen und zuckte dann die Schultern.
    »Wenn es keine Umstände macht … « Dass er so rücksichtsvoll sein konnte, wer hätte das gedacht?
    »Macht es nicht«, bestätigte sie ihm und rief ihre Pokémon zu sich. Allerdings wollten die sich nur schwer von den anderen, also von Souls Pokémon, trennen. Klar, das gemeinsame Spielen machte unheimlich viel Spaß, aber als auch Soul seine Pokémon zu sich rief, kam langsam mehr Bewegung hinein. Sie kamen alle zu ihnen getrottet, wobei Chiari einfach nur Nero hinterher flitzte, der sich vor ihr einfach nicht retten konnte, allerdings zu seinem Trainer zurückkehrte. Chiari schien dann auch ziemlich enttäuscht darüber zu sein, dass Nero in seinem Ball verschwand, doch auch sie wurde zurückgerufen. Abgesehen von Coco, Arcus und Dael, die sie einfach so begleiten durften. Kinba war ebenfalls im Ball zurück, als Soul und Louna den Weg ins Nordviertel einschlugen. Soul hatte die Einladung angenommen, weswegen Louna ihn zu sich nehmen würde.
    Sie wusste ganz genau, dass ihre Eltern nichts gegen Besuch hatten. Es war nur auffällig, dass es in letzter Zeit hauptsächlich welcher vom männlichen Geschlecht war. Vielleicht hätte Louna zwischendurch auch noch May einladen sollen, aber die war nicht in Illumina City, sondern immer noch in Aquarellia. Sei‘s drum!
    »Ich hoffe, du hast Hunger«, meinte Louna noch, denn sie hatte ihn auf alle Fälle und würde froh sein, wieder Zuhause zu sein.


    *Grüne Oasen = Parks in der Stadt habe ich extra mit eingebracht, um es noch ein wenig realitätsnäher darzustellen. Es gibt vermutlich kaum eine Stadt, wo es nicht irgendeinen Park gibt. Im Spiel gibt es diese nicht.





    Benachrichtigung an @Jumin

  • Bonuskapitel – Eiseskälte und elektrisierende Nähe (Teil I)


    Der Tag lud wunderbar dazu ein, die Stadt zu erkunden. Obwohl Dash diese bereits kannte, hatte er genau das Xelif angeboten. Nachdem sie beide die Wohnung von Lounas Familie verlassen hatten, schlenderten sie gemeinsam durch die Straßen von Illumina City. Xelif war jetzt schon ganz aufgeregt wegen der Arena, die sich im Prismaturm befand. Der Turm war im Zentrum der Stadt zu finden und überragte viele der umstehenden Gebäude. Er war definitiv beeindruckend und gerade deswegen auch ein Magnet für viele Touristen. Doch gerade wegen der Arena im Inneren des Turms kamen auch viele Trainer dorthin. Die Wahrscheinlichkeit, dass Xelif genau heute einen Kampf mit dem hiesigen Leiter austragen konnte, war verschwindend gering. Nichtsdestotrotz wollte sich der Trainer aus Hoenn wenigstens schon einmal anmelden und einen Termin vereinbaren. Selbst wenn er heute nicht mehr kämpfen würde, wusste er dann zumindest, wann er die Möglichkeit dafür bekommen würde.
    Mit einer unbewussten Handbewegung strich sich Dash durch das blonde Haar. Weil die Tage immer noch angenehm warm waren, trug er auch nur ein einfaches dunkles Shirt mit einem Print aus Kanto darauf. Hinzu kam, dass er seinen Rucksack wie auch seinen Gitarrenkoffer dabei hatte und daher etwas schwerer schleppen musste. Demzufolge konnte er schon mal ein wenig schneller ins Schwitzen kommen. Zum Glück hetzte Xelif nicht, der nur seinen Wanderrucksack mit dem Schlafsack bei sich trug. Er hatte schon zu Beginn seiner Reise in Hoenn lieber leichtes Gepäck mitgenommen. Deswegen hatte er auch Dash gefragt, warum dieser so viel mit sich trug, doch die Antwort war darauf sehr einfach gewesen: Dash liebte die Musik. Sie war sein Lebenselixier und deswegen hatte er auch immer seine Gitarre dabei. Dadurch konnte er überall spielen, wenn er das wollte. Anders als Xelif war er nicht fixiert darauf der weltbeste Trainer zu werden, obgleich er schon manche Arenaleiter herausgefordert und ein paar von denen auch besiegt hatte. Dadurch, dass Dash am liebsten Elektro-Pokémon trainierte, waren seine Möglichkeiten, der »Weltbeste« zu werden, eher eingeschränkt. Seine Schwächen waren dadurch klar, so dass er in einer echten Pokémon-Liga auf Dauer keinen Erfolg haben würde. Aber das störte Dash nicht. Er mochte seine Pokémon und trotz, dass der Elektrotyp schon eine Herausforderung und zudem auch nicht ganz ungefährlich war, wollte er nur solche Pokémon mit sich führen. Seine braunen Augen legten sich deswegen auf Raku, seinem Blitza, welches neben ihm her lief. Dash hatte sich in den Kopf gesetzt, aus jeder Region, in der er war, ein Elektro-Pokémon zu finden und zu fangen. Er wollte seine Sammlung dadurch erweitern, aber auch die unterschiedlichsten Elektro-Pokémon kennenlernen. Denn auch wenn sie dem gleichen Typ angehörten, konnten sie sehr unterschiedlich sein.


    Das Gedrängel auf dem Zentral-Plaza war ziemlich anstrengend. Sie mussten aufpassen, dass sie nicht ständig jemanden anstießen, denn hier in Illumina City war immer sehr viel los. Als Fußgänger konnte es schon mal länger dauern, bis man den Ort erreichte, zu dem man wollte. Da wirkte der Verkehr beinahe schon schneller, obwohl es da auch immer mal gerne zu einem Stau kommen konnte, wenn eine Ampel ausfiel, ein Unfall geschah oder einfach der Feierabend anstand und alle nach Hause fahren wollten.
    Dashs Blitza war weniger davon angetan, dass so viele Beine um es herum liefen. Daher achtete er auch sehr genau darauf, dass sein Pokémon nicht zu gestresst war, denn sonst könnten einige Blitze umher fliegen. Gerade das wäre dann gefährlich. Zu schnell konnte jemand durch eine elektrische Ladung verletzt werden, abhängig davon wie hoch die Voltanzahl gewesen war. Elektro-Pokémon besaßen eine enorme Leistung. Eben deswegen galten sie mitunter als gefährlich, aber ihre Energie war auch sehr beliebt in der Industrie. Mit ihrer Hilfe konnten Maschinen angetrieben oder Licht erzeugt werden.
    »Ich habe selten so eine große Stadt erlebt«, meinte Xelif nebenbei, als sie wieder ein wenig freier laufen konnten. Xelif hatte schon viele Städte durch seine Reise gesehen, aber selten waren sie so groß wie Illumina City. Nur wenige Städte konnten da mithalten.
    »Wo warst du denn schon alles gewesen?«, wollte Xelif von Dash wissen und sah ihn neugierig an.
    »Jotho und Einall, wobei ich dort nie lange geblieben bin. Meine Heimat Kanto ist eigentlich die einzige Region, in der ich fast schon überall gewesen war«, erklärte Dash und erinnerte sich nur zu gerne daran. Kanto war sehr schön, es gab viele ruhige und anmutige Plätzchen. Als er einmal die Seeschauminseln besucht hatte, wäre er am liebsten gar nicht mehr wieder weg gegangen. Man konnte dort wunderbar Urlaub machen. Wenn er so daran zurück dachte, dann bekam er fast schon Heimweh.
    »Und du? Bist du direkt von Hoenn hier her nach Kalos gekommen oder warst du zuvor noch woanders?«, stellte Dash seine Gegenfrage. Xelif grinste ihn fröhlich an.
    »Jup, bin ich. Aber ich will unbedingt noch weitere Länder bereisen, um noch mehr trainieren zu können und andere starke Trainer herausfordern!« Dash nickte bei Xelifs Antwort und sah dann wieder hinab zu Raku. Oder besser gesagt, er wollte es tun, denn als er zu seinen Füßen sah, konnte er seinen Freund nirgendwo entdecken. Auch als er die unmittelbare Umgebung abcheckte war von Raku nirgends was zu sehen. Beunruhigend darüber rief er nach seinem Blitza, doch es folgte seinem Rufen nicht. Zumindest tauchte es nicht auf.
    »Oh-oh, es wird doch nicht weg gelaufen sein!?«, mutmaßte Xelif, was Dash sofort verneinte.
    »Raku würde niemals weglaufen!« Sein Blitza war sein erstes Pokémon gewesen. Als Evoli hatte er es bekommen und seitdem waren sie unzertrennlich gewesen. Raku lief nicht einfach weg! Es musste daher einen anderen Grund dafür geben, dass er nicht mehr bei ihm war. Einen logischen, nachvollziehbaren Grund … Ein Pokémon-Dieb? Nein, auch daran wollte Dash nicht glauben. Wäre dem so, dann hätte Raku wie am Spieß geschrien oder einfach seine Blitze abgefeuert. Das wäre auf jeden Fall auffallend gewesen! Noch verfiel Dash nicht in Panik, was er auch nicht wollte. Zumal er nicht der Typ war, der schnell den Kopf verlor. Dennoch war er besorgt, weswegen Xelif und er vorerst vom Weg abkamen. Statt in Richtung des Prismaturms weiter zu gehen, mussten sie erst das verloren gegangene Pokémon wiederfinden.
    »Raku!«, rief Dash laut. Die Menschen, die um sie herum waren, drehten sich zu den beiden Herren um, reagierten aber sonst nicht weiter. Sie gingen an ihnen vorbei und kümmerten sich um ihre eigenen Angelegenheiten. Dash fragte aber auch niemanden, ob jemand ein Blitza gesehen hatte. Er war sich sicher, dass Raku ganz in der Nähe sein musste. Die Frage war nur, wo genau.
    »Raku!«, rief er noch einmal.
    »What the … ? Damn it!«, kam es prompt als Antwort. Nicht, dass sich Dash richtig angesprochen fühlte, aber die fluchende Stimme war schon ziemlich laut. Er brauchte nur ein paar Schritte weiter zu gehen, an einigen Passanten vorbei, bis er ein freies Sichtfeld besaß und den Grund des Fluchens ermitteln konnte. Xelif war ihm gefolgt und wirkte im Gegensatz zu Dash eher verwirrt. Dash selbst war nämlich sehr überrascht, was er sah. Raku, sein Blitza, schlawinerte um ein sehr hübsches Exemplar von einem Glaziola umher. Das Fell war wunderschön glänzend und damit in einem hervorragenden Zustand. Außerdem wusste Dash von der Stärke Glaziolas und der Eleganz, wie es sich bewegte. Er konnte also gut nachvollziehen, dass sein Freund Raku angetan von Glaziola war. Das einzige Problem daran war, dass Glaziola immer etwas abwesend reagierte und gleichzeitig doch interessiert war, während ihre Trainerin fuchsteufelswild wurde. So wie jetzt auch.
    Laut fluchend schimpfte diese über Raku, der den Kopf einzog, weil DJ bereits die Hand zur Faust erhoben hatte. Nicht, dass sie ernsthaft ein Pokémon Gewalt antun würde, aber dieses Blitza hatte sie regelmäßig aufgeregt gehabt und daher erkannte sie es sofort. Schon bei ihrer allerersten Begegnung hatte sich dieser Schwerenöter an ihr Glaziola heran gemacht, was DJ gar nicht leiden mochte.
    »You!«, schimpfte DJ weiter, als sie dann auch noch Dash gewahr wurde. Sie erkannte ihn sofort, weswegen dieser zusammenzuckte. Ihre Begrüßung war nicht besonders freundlich und weil sie so wütend wirkte, war es sicher besser ihr nicht zu nahe zu kommen. Dash wusste nur zu gut, dass DJs Faustschlag ordentlich weh tun konnte. Woher er das wusste? Das würde er besser für sich behalten.
    »Hi DJ«, versuchte er es mit einer versöhnlicheren Stimmlage und hob beschwichtigend die Hände.
    »Take your beast away!«, polterte sie auch schon weiter und deutete auf Raku, der ihrem Glaziola ziemlich nahe kam. Interessiert roch Raku an der anderen Evoli-Entwicklung. Offensichtlich duftete sie sehr gut, weswegen er keinen Abstand nahm. Auch das Glaziola rückte nicht ab und schien interessiert zu sein. Zumindest vorerst. Dash hatte noch nie dieses Pokémon verstanden. Auf der einen Seite hatte es schon das ein oder andere Mal Raku abblitzen lassen, andererseits hatte es Momente gegeben, wo die beiden sich ziemlich gut verstanden. Bis DJ dem einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte.
    »Äh … du kennst sie?«, wollte Xelif verwirrt von Dash wissen, der vorsorglich den Kopf einzog.
    »K-kann man so sagen, ja«, bestätigte er und hockte sich zu Raku nieder. Bevor DJ ihn noch auffraß, wollte er lieber sein Pokémon von Glaziola entfernen. Doch Raku wollte das gar nicht. Schon seit der allerersten Begegnung war Raku wie hypnotisiert von dieser eisigen Schönheit. An sich spräche nichts dagegen, zumindest hätte Dash nichts dagegen gehabt Glaziola und Raku zusammen kommen zu lassen. Doch DJ …
    »Komm schon Kumpel, mach mir jetzt keinen Ärger«, redete Dash auf sein Pokémon ein, was ihn missmutig ansah. Nur widerstrebend ließ sich Raku von Glaziola wegbringen, so dass mehr Abstand zwischen den beiden entstand.
    »Oh my dear Crystal«, sagte DJ, als diese sich zu ihrem eigenen Pokémon niederließ und sanft kraulte.
    Xelif fand die Situation sehr skurril. Er hatte begriffen, dass diese DJ und Dash sich kannten. Und Blitza schien angetan von Glaziola zu sein. Das war mehr als offensichtlich, was allerdings DJ wohl nicht gefiel. Aus welchen Gründen auch immer, das würde nur sie sagen können. Außerdem wirkte sie wie ausgewechselt, wenn Xelif sie so beobachtete, wie sie mit ihrem Pokémon umging. Gerade noch wütend, war sie nun äußerst liebevoll zu Glaziola, was wohl den Namen Crystal besaß. Zumindest klang es für Xelif so. Crystal war wirklich ein hübsches Pokémon, doch mehr noch fand Xelif DJs Erscheinung sehr … außergewöhnlich.
    Ihre Haare waren zu einem Irokesen frisiert, der in mehreren Farben erstrahlte. Nur ihre sehr kurz gehaltenen Kopfseiten und die längeren Strähnen über den Ohren waren noch braun, was vermutlich die natürliche Haarfarbe von ihr war. Ihre Augen leuchteten in einer eisblauen Nuance, was vielleicht die einzige Gemeinsamkeit mit Glaziola war. Optisch betrachtet. Außerdem trug DJ eine sehr lässige hellgraue Trainingshose, von dem das rechte Hosenbein bis zum Knie hochgekrempelt war. Ihr Bauch war frei, da sie nur ein kurzes weißes Top trug. Erst jetzt wurde Xelif bewusst, wie er sie anstarrte. DJ wirkte, als würde sie viel Sport machen, zumindest ließ das ihre Körperstatur erahnen, wenn er sie so begutachtete. Das sorgte dafür, dass es ihm nun doch etwas peinlich war und er deswegen verlegen wurde. Er sah von ihr weg und Dash fragend an, als dieser sich wieder ihm widmete. Dash begann noch ein paar mehr erklärende Worte zu erzählen.
    »DJ ist eine Eis-Pokémon-Trainerin aus Einall. Allerdings hat sie ein sehr … äh feuriges Temperament.«
    »Was du nicht sagst«, kommentierte Xelif, dem das überhaupt nicht aufgefallen wäre. Nein, im Ernst, DJ hatte schon sehr aufgebracht und daher temperamentvoll gewirkt. Zu ihr hätten vielleicht Feuer-Pokémon besser gepasst. Auch allein wegen des Outfits, was in Xelifs Augen doch etwas freizügig war. Nicht, dass ihn das stören würde. Ihre Trainingsjacke war über ihrer Reisetasche gelegt, die sie bei sich hatte. Genau jene Tasche nahm sie auch auf, weil sie wohl weiter gehen wollte. Doch vorher warf sie Dash noch einen prüfenden Blick zu. Mit einer kleinen Spur von Ablehnung.
    »What are you doing here?«, wollte sie dann doch von ihm wissen. Immerhin brüllte sie ihn nicht an und sprach in einem normalen Tonfall, wenn auch mit einer leicht überraschten, weniger erfreuten Stimmung.
    »Hey, hey, hey! I've been here for half a year!«, antwortete Dash auf DJs Frage, weswegen Xelif wieder nur fragend zwischen den beiden hin und her sah. Er beherrschte DJs Sprache nicht. Also die Sprache, die man in Einall sprach. Das fiel auch Dash auf, der ihm deswegen gleich übersetzte, damit Xelif sich nicht ganz so nebensächlich fühlte.
    »Sie hat mich nur gefragt, was ich hier mache und ich habe ihr erklärt, dass ich seit einem halben Jahr hier bin.«
    »And you?«, richtete sich Dash an DJ. Er hatte nie und nimmer erwartet sie hier in Kalos wiederzusehen. Nachdem er durch Kanto gereist war, hatte er einen Abstecher durch Johto gemacht und war von dort aus Richtung Einall gereist. Allerdings war das ein verhältnismäßig kurzer Ausflug gewesen. Er hatte nämlich nur Diego, sein Zebritz, fangen wollen. Mit Erfolg, denn schließlich hatte er Diego immer noch im Team. Allerdings war Diego damals noch ein Elezeba, also die Vorentwicklung, gewesen. Durch den kurzen Abstecher in Einall, der ihm auch zwei Orden eingebracht hatte, war er DJ begegnet. Ähnlich wie jetzt hatte Raku Crystal aufgestöbert und war ihr nachgelaufen. Es war sogar ziemlich schwer gewesen Raku von Crystal los zu bekommen. Das hatte dazu geführt, dass DJ halb ausgeflippt war und seitdem war sie fast immer auf Hundertachtzig, wenn sie Raku oder Dash sah. Ihrer Crystal sollte keiner zu nahe kommen!
    »I was in Alola and now … «, antwortete DJ auf Dashs Frage, was erklärte, weshalb DJ so frei angezogen war. Es war allgemein bekannt, dass die Temperaturen in Alola wärmer waren und somit eine dicke Winterkleidung nicht notwendig war. Normalerweise trug sie sonst längere Klamotten, es sei denn sie machte die Tanzfläche unsicher. Davon könnte Dash auch noch einiges erzählen …
    »Alola?« Xelif schnappte den Namen auf und war sofort interessiert. ”Stimmt es eigentlich, dass es dort keine Arenen gibt?«, wollte er wissen und sah eher Dash statt DJ an. Er nahm an, dass DJ ihn prinzipiell nicht verstehen konnte, wo sie doch in ihrer Muttersprache redete. Daher war er umso überraschter, als er DJs Antwort hörte.
    »Maybe«, sagte sie zwar in ihrer Sprache, sah ihn aber auch direkt an und lächelte wissend. Hatte sie ihn verstanden?
    »Wie war's dort?«, wollte Dash von DJ wissen, dabei vergessend ihre Sprache anzuwenden. Das schien nicht weiter tragisch zu sein, denn DJ sah ihn an und machte den Eindruck, als würde sie ihn verstehen.
    »Warm. Sehr warm«, antwortete sie, so dass selbst Xelif sie verstehen konnte.
    »Except … Mount Lanakila«, fügte sie nachdenklich hinzu. Dash sprang darauf an und grinste sie an.
    »Lass mich raten: Schnee und Eis?« Er war vielleicht nicht besonders lange in Einall geblieben, aber er hatte DJ gut genug kennen gelernt, um zu wissen, wie sehr sie auf Eis-Pokémon abfuhr. Genau deswegen trainierte sie diese. Es war ähnlich mit seiner Liebe zu Elektro-Pokémon.
    »Right! Ich wollte ein Alola-Vulpix unbedingt«, antwortete sie ihm und schien endgültig den ganzen Ärger vergessen zu haben. Dass die drei Trainer hier mitten auf dem Zentral-Plaza standen und um sie herum die Menschen entlang liefen, störte niemanden.
    Xelif hörte den Akzent aus DJs Stimme heraus, dabei war er selbst nicht einmal aus Kalos. Aber bei DJ war es noch krasser, vor allem da es sich herausstellte, dass sie noch nicht so perfekt die hiesige Sprache beherrschte.
    »Alola-Vulpix?«, wollte er dennoch wissen. Xelif kannte das Feuer-Pokémon Vulpix und seine Weiterentwicklung Vulnona, aber warum das »Alola« extra erwähnen? Außerdem passte ein Feuertyp doch gar nicht zu einer Eistrainerin! Stand Xelif gerade auf dem Schlauch?
    »Yeah, Alola-Vulpix leben auf dem Hügel«, erklärte DJ, wurde aber von Dash unterbrochen.
    »Berg meinst du?!«, korrigierte er sie. Sie schenkte ihm nur eine Grimasse, ehe sie fortfuhr.
    »Ich habe mir es gefangen«, sagte sie und wirkte stolz darauf ein Alola-Vulpix ihr Eigen nennen zu können.
    »Moment, aber warum wolltest du ein Feuer-Pokémon, wenn du Eis-Pokémon trainierst?«, fragte Xelif nach, der ganz verwirrt war.
    »Feuer?« DJ winkte sofort ab. »Näääh, Ic­e! Alola-Vulpix sind Ice-Pokémon!« Als hätte DJ nur darauf geantwortet eine passende Gelegenheit zu bekommen, holte sie einen ihrer Pokébälle hervor und präsentierte Xelif ein Alola-Vulpix. Als es erschien, erkannte Xelif sofort den Unterschied und seinen Fehler. Ein Alola-Vulpix hatte er bereits schon mal gesehen, wenn auch nicht in natura. Aber jetzt, wo er es sah, erinnerte er sich wieder daran, dass es in Alola ein paar andere Formen zu manchen Pokémon-Arten gab.
    Das Fell von Alola-Vulpix war schneeweiß und schimmerte je nach Lichteinfall in einem hellen Blau. Wenn man seinen Feuertypen daneben stellen würde, könnte man sicherlich noch andere Kleinigkeiten erkennen, die sich im Aussehen unterschieden. Nicht nur vom Typ allein.
    »Oh, ich verstehe. Das ist echt cool!« Wortwörtlich, denn als Xelif sich zu dem Alola-Vulpix hockte und die Hand ausstreckte, bemerkte er sofort die Kälte, die von Vulpix ausging. Er streichelte es nicht, vor allem weil es vor ihm ein paar Schritte zurückwich.
    »Kyara is shy«, meinte DJ nebenbei. Behutsam hob sie ihr Alola-Vulpix auf die Arme, so dass es selbst einen besseren Überblick hatte. Es sah sich sehr neugierig um, schien aber auch ein wenig verängstigt zu sein. In einer solch großen Stadt wie Illumina City, wo es so viele Menschen gab und riesige Gebäude standen, war es noch nicht gewesen.
    »Tell me … «, begann DJ wieder, versuchte aber ihre Muttersprache dann doch zu vermeiden. Das war schwer, denn sie benutzte diese automatisch immer wieder.
    »Wer bist du?«, wollte sie von Xelif wissen. Erst jetzt fiel allen auf, dass man sich gegenseitig noch gar nicht richtig vorgestellt hatte.
    »Oh, ich bin Xelif, freut mich dich kennenzulernen!«, holte Xelif die Begrüßung nach und reichte automatisch DJ die Hand. Diese sah kurz fragend darauf, ehe sie diese annahm.
    »Okay, I'm DJ.« Xelif konnte beobachten, wie sie sich auf die Lippen biss, weil sie schon wieder ihre Muttersprache verwendet hatte.
    »Sorry, ich kann die Sprache noch nicht gut«, entschuldigte sie sich, weswegen er den Kopf schüttelte.
    »Kein Problem!«, sagte er. Solange er sie irgendwie verstand, störte es ihn nicht weiter.
    »Wo willst du hin?«, fragte Dash sie und fand heraus, dass DJ noch auf der Suche nach einem Hotel war. Sie schien sich offenbar völlig verlaufen zu haben, denn bereits vor zwei Stunden war sie am Bahnhof von Illumina angekommen und seitdem in der Stadt unterwegs. Daher bot Dash ihr auch an, dass sie sie begleiten konnte, wenn sie wollte. Weil er sich besser auskannte, wäre es kein Problem ihr zu zeigen, wo sie in Illumina ein Hotel finden konnte. Einzige Bedingung war, dass sie einen kurzen Abstecher in den Prismaturm machten, um für Xelif einen Termin zu vereinbaren, damit er gegen den Arenaleiter kämpfen konnte.


    Eine Stunde später streiften die drei Pokémon-Trainer immer noch durch Illumina City. Xelif hatte seinen Termin erhalten, leider erst für nächste Woche. Allerdings hatte er es schon erlebt, dass er über einen Monat mal auf einen Arenaleiterkampf warten musste. Er erinnerte sich, wie er einem Trainer in Hoenn begegnet war, der mehrere Monate auf einen solchen Kampf warten musste. Das war krass. Die Arenaleiter versuchten natürlich alle Anfragen zeitnah zu erfüllen, aber wenn zu viel Andrang war, war es für die Leiter unmöglich alle auf einmal zu bekämpfen. In jeder Arena gab es auch einen Stellvertreter, der dann den Leiter vertrat, wenn dieser im Urlaub war oder aus anderweitigen Gründen ausfiel. Oder, wenn zu viel Andrang bestand, aber selbst dann konnte es passieren, dass Wartezeiten entstanden. Dieser Andrang war aber meistens nur phasenweise und auch abhängig davon, in welcher Stadt eine Arena stand. In kleineren, weniger besuchten Städten hatte man meistens mehr Glück relativ schnell gegen einen Leiter kämpfen zu dürfen, als in einer Großstadt wie Illumina City. Dass Xelif bereits nächste Woche gegen den Arenaleiter von Illumina City kämpfen konnte, war sogar sehr positiv. Es hätte auch anders kommen können.
    »Verfluchtes Rattfratz!«, schimpfte ein älterer Herr, der aus seinem Geschäft heraus rannte. Es war nur ein kleiner Laden mit Antiquitäten, an denen DJ, Dash und Xelif vorbei kamen. Der Mann schimpfte weiter und verwendete dabei allerhand Pokémon-Namen, die im Allgemeinen weniger beliebt waren. In seinen Händen hielt er einen Besen, den er möglicherweise auch als Waffe eingesetzt hatte. Zumindest sah das Besenende ziemlich zerrupft aus. Außerdem versuchte er mit seinem Mobiltelefon klar zu kommen, aber das fiel ihm sogar aus der Hand, so aufgebracht war er.
    Dash konnte sich das Trauerspiel gar nicht länger anschauen und trat zu dem Mann, der viel Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Die meisten Menschen, die an ihm vorbei gingen, starrten ihn an, aber keiner kam auf die Idee nachzufragen, was los sei. Außer Dash, der sich vor ihm aufbaute und wissen wollte, was los war. Denn wie er es geahnt hatte, bestand ein gehöriges Pokémon-Problem im Laden des Mannes, mit dem dieser selbst nicht fertig wurde. Er besaß nämlich selbst keine Pokémon und war auch kein Trainer.
    »Dieses verfluchte Rattikarl-Vieh verwüstet noch mein ganzes Geschäft. Hat mir schon vorhin die Kunden verscheucht!«, maulte der Mann ungehalten los. Dash versuchte ihn zu beruhigen, aber das war recht schwer. Der Mann war so aufgebracht über den Störenfried, dass Dash kurzerhand anbot sich um das Problem zu kümmern. DJ und Xelif standen an der Seite und sahen dabei zu, wie Dash ins Ladeninnere ging. Der Besitzer hatte zu ihm gemeint, dass das störende Pokémon hinunter in den Keller gerannt sei und sich vermutlich nun dort versteckte. Diese Gelegenheit hatte der Besitzer nutzen wollen, um die Polizei zu rufen, um sich darum zu kümmern.
    »Warten Sie erst einmal, ich schau mal, was ich machen kann«, hatte Dash gemeint, ehe er den Laden betreten hatte. DJ und Xelif begleitete ihn nicht. Obwohl Xelif erst Dash folgen wollte, hielt DJ ihn auf.
    »Er sicher schafft das allein«, sagte sie nur zu ihm. Xelif beließ es vorerst dabei und würde warten, bis Dash wieder auftauchte.


    Eben jener sah sich zu allererst im Inneren des Antiquitätengeschäfts um. Abgesehen von einigen alten Möbeln, Büchern und anderen Dingen konnte Dash kein Pokémon entdecken. Es musste also immer noch im Keller sein, so wie es der Geschäftsinhaber gesagt hatte. Die Treppe zu diesem fand Dash sehr schnell. Es war eine kurze und steile Treppe, die er nach unten ging, allerdings sehr langsam. Er wollte nicht von einem aufgebrachten Rattfratz oder Rattikarl angegriffen werden. Wenn es sich denn darum handelte und nicht um etwas anderem. Der Ladenbesitzer hatte sich nämlich nicht ganz klar ausgedrückt gehabt, obwohl er offenbar zu gerne über Rattfratz und Rattikarl schimpfte.
    »Mal sehen … « Vorsichtig schob Dash die Tür des Kellers noch weiter auf und sah sich um. Es war ziemlich düster, aber er konnte sofort etwas hören. Irgendwo im Raum bewegte sich etwas. Ein Pokémon, das vielleicht noch mehr Deckung suchte. Langsam betrat Dash den Keller, sah sich um und wartete, dass seine Augen sich besser an die Dunkelheit gewöhnten. Das spärliche Licht, was durch das schmale Kellerfenster hinein schien, reichte nicht aus, um alles zu erhellen. Er könnte natürlich das Licht einschalten, aber als er den Schalter fand und betätigte, bemerkte er, dass die Lampe nicht funktionierte. Entweder der Strom war hier ausgefallen, die Lampe war kaputt oder es gab anderweitig ein Problem damit. Dash musste also im Halbdunkeln zurecht kommen und verließ sich daher mehr auf sein Gehör. Vor ihm rechts bewegte sich wieder etwas durch das Gerümpel, was hier überall stand. Noch konnte er nichts direkt erkennen, nur Schatten, die sich bewegten. Für ihn bedeutete das vorerst Geduld haben. Er wollte das Pokémon nicht zu sehr aufschrecken und je mehr er hörte, desto sicherer war er, dass es sich hierbei keineswegs um die Rattfratz-Familie handelte. Den Ruf eines solchen Pokémon kannte er aus seiner Heimat, doch das leise, fast wimmernde Geräusch, was er wahrnehmen konnte, unterschied sich deutlich von einem Rattfratz oder Rattikarl.
    Zwar hatte er seinen Rucksack draußen gelassen, doch in seiner Hosentasche hatte Dash immer ein paar kleine Leckereien dabei. Leckerlis kamen bei Pokémon nun mal gut an und wenn sie gute Arbeit geleistet haben oder sehr gut auf seine Kommandos reagierten, dann verwöhnte er seine Lieblinge gerne auch einmal. In diesem Fall würden ihm die Leckereien dabei helfen können, das versteckte Pokémon herauszulocken. Er warf ein Leckerli in die Richtung, wo er das fremde Pokémon hören konnte, allerdings nicht zu weit von sich weg. Auch jetzt hieß es geduldig bleiben, denn es dauerte eine ganze Weile, bis sich das Pokémon näher heran traute. Unter einem alten Holzstuhl kam es langsam hervor gekrochen. Es war viel größer, als er erwartet hatte, aber immer noch klein genug, um sich verstecken zu können. Dash konnte als erstes nur den Schemen erkennen, doch die knisternden, kleinen Funken, die aus den Backentaschen entladen wurden, verrieten es am Ende. Es war kein Pikachu, auch kein Pichu, dafür war die Gestalt zu groß. Aber Dash erkannte, dass ein Raichu sich hier rein verirrt hatte und nun ziemlich nervös war. Es gab einen fiependen Laut von sich, wobei es immer so klang, als würde ein kleiner Blitz durch die Stimme hindurch sausen. Das war nicht untypisch für dieses Elektro-Pokémon.
    »Hey Kleines, magst du nicht näher kommen?«, versuchte er es mit sanfter, leiser Stimme anzulocken. Der Hunger trieb das Pokémon so nah, dass es das Leckerli erreichen konnte, aber sobald es das hatte, verschwand es wieder zwischen all dem Gerümpel. Dash versuchte es weiter, legte das ein oder andere Leckerli aus und setzte sich selbst an die Wand. Er wollte sich nicht größer machen, damit er nicht so furchteinflößend wirkte und er wusste, würde er versuchen dem Pokémon hinterher zu eilen, um es heraus zu scheuchen, hätte er auch nichts davon. Dann würde Raichu nur in Panik verfallen und am Ende gäbe es einige Stromschläge. Wenn so ein Pokémon richtig ernst machte, wurde es lebensgefährlich. Das wollte Dash gerne vermeiden. Also saß er jetzt hier und wartete darauf, dass er Raichu mit Leckerlis heraus locken konnte.
    Bis dies endlich geschah, vergingen weitere Minuten, in denen er still dasaß und sich kaum rührte. Raichu ließ sich Zeit, um die Situation abzuwägen und wieder hervor zu kommen. Als es sich alle Leckereien geschnappt hatte, hielt Dash nur noch eines zwischen den Fingern und wartete, ob das Pokémon zu ihm kommen würde. Es war ziemlich schüchtern, aber auch neugierig, so dass Dash im Halbdunkeln erkennen konnte, wie es irgendwann näher kam. Langsam und vorsichtig, bereit sich wieder zu verstecken, wenn er eine falsche Bewegung tat. Doch es half, indem er das Leckerli dem Pokémon entgegen hielt. Es nahm ihm dieses ab und knabberte daran, bis es aufgegessen war. Jetzt, wo Raichu aus seinem Versteck gekommen war, konnte Dash noch ein wenig mehr erkennen. Trotz der Dunkelheit fiel ihm auf, dass die Ohren und der Schweif nicht so spitz zulaufend waren, wie er es von Raichus aus Kanto gewöhnt war. Er machte sich nichts daraus und versuchte lieber dieses Raichu weiter für sich zu erwärmen, damit er es am Ende aus diesem Keller mitnehmen konnte. Als er sich hinhocken wollte, schien er eine zu abrupte Bewegung zu machen, die Raichu erschreckte, weswegen es zurücksprang, laut auf fiepte und Blitze aus den Backentaschen entlud. Zwar trafen sie ihn nicht, aber es war trotzdem ein Schreckmoment, der ziemlich in die Hose hätte gehen können.
    »Schht, alles ist gut«, versuchte Dash mit beruhigender, leiser Stimme zu reden, damit sich Raichu nicht noch mehr aufregte. Es hatte wieder Abstand genommen, aber versteckte sich noch nicht vollends vor ihm. Um ein wenig Hilfe zu bekommen, entließ Dash sein Blitza aus dem Pokéball. Raichu wirkte zwar nervös deswegen, aber Raku kümmerte sich nicht darum, denn er wurde von Dash zwischen den Ohren gekrault.
    »Guter Junge«, lobte er ihn. Dann ließ Dash Raku frei umherlaufen, wobei sein Blitza sehr schnell auf Raichu aufmerksam wurde. Neugierig ging er auf das fremde Pokémon zu, das vorerst zurückwich, aber sich nicht komplett einschüchtern ließ. Die beiden beschnupperten sich und hielten Abstand, wirkten aber zu Dashs Erleichterung nicht aggressiv oder feindselig gegenüber. Das war ein gutes Zeichen. Als Dash sein Pokémon wieder zu sich rief, folgte ein paar Schritte auch Raichu. Die Neugierde überwiegte und Dash streckte die Hand aus, damit Raichu daran schnuppern konnte. Noch ließ es sich nicht berühren, aber da er sehr geduldig war, dauerte es nicht lange, bis er kurz über das sehr kurze Fell streichen konnte. Das war der erste Schritt in die richtige Richtung!


    »Mensch, warum dauert denn das solange?« Xelif wurde ungeduldig, doch ehe er auch nur einen Schritt in das Geschäft tun konnte, hielt ihn DJ davon ab.
    »Er wird wissen, was er tut«, sagte sie und deutete damit an, dass sie Dash vertraute. Zumindest in der Hinsicht, dass er das wildgewordene Rattfratz bändigen konnte. Egal wie lange es nun dauern möge. Genau in dem Moment öffnete sich die Tür und Dash kam heraus. Auf seinen Arm lag ein Bündel, was so rein gar nichts mit den Rattfratz und Rattikarl gemein hatte. Xelif war überrascht und DJ sowieso. Sie machte einen Schritt auf ihn zu und traute ihren Augen nicht.
    »An Alola-Raichu?« Sie hatte diese Pokémon-Art das erste Mal in Alola kennen gelernt. In Einall gab es keine wilden Pikachus oder Raichus. Maximal traf man Trainer oder Züchter, die diese Pokémon besaßen, aber das war's auch schon.
    Das Alola-Raichu auf Dashs Armen wirkte verschüchtert und drehte sich von allen anderen weg, um sein Gesicht an Dashs Brust zu vergraben. Er tätschelte es sanft, um ihm zu zeigen, dass es sicher war.
    »Was zum … ?« Xelif trat wie DJ näher heran und starrte das Pokémon an. Bevor er jedoch noch was sagen konnte, polterte der Geschäftsinhaber los.
    »Argh, dieses Vieh!« Sofort begann Raichu zu zittern, weswegen Dash einen Schritt weg machte.
    »Hey Vorsicht, bitte nicht so aufregen!«, bat er den Mann. Er hatte bemerkt, dass Raichu ein recht empfindliches Pokémon war, da kam es nicht gut an, wenn man laut herum schrie und aufgebracht mit den Füßen aufstampfte.
    »Dieses Rattfratz-Ding hat mir mein ganzes Geschäft verwüstet!«, sagte der Mann erbost und wollte schon wieder näher kommen, aber Dash unterband es.
    »So schlimm sieht es drinnen gar nicht aus. Ich werde das Raichu mitnehmen, okay? Dann haben Sie keinen Ärger damit und Raichu entkommt auch der ganzen Aufregung. Ist das okay für Sie?«
    Mit einem Aufschnauben stimmte der Geschäftsinhaber zu. Ihm war es nur recht, wenn das Pokémon verschwand und er nicht extra noch die Polizei rufen musste. So hatte er eine Sorge weniger.
    »Sorge aber dafür, dass es nicht noch mal bei mir auftaucht!«, mahnte er.
    »Versprochen!«, bestätigte Dash und ging mit DJ und Xelif ein Stück weiter, damit sie von dem Geschäft wegkamen.
    »Mann oh Mann, also war ein Raichu aus Alola da unten? Gehört es irgendwem?«, wollte Xelif wissen, der von Raichu angetan war, nur leider dieses nicht von ihm.
    »Keine Ahnung. Es hat keinerlei Halsband oder irgendwas dran und einen Pokéball konnte ich auch nicht ausfindig machen. Aber es ist definitiv nicht wild, auch wenn es etwas schüchtern ist. Nicht wahr, Kleines?« Den letzten Satz richtete Dash an das Raichu in seinen Armen, was sogleich zu ihm aufsah. Es fiepste ein wenig und sah sich dann wieder mit Neugierde um. Der aufgebrachte Mann war schließlich nicht mehr in der Nähe! Als es dann auch noch herum zappelte, ließ Dash ein wenig locker, so dass es aus seinen Armen springen konnte. Doch statt das es auf dem Boden landete, benutzte es seinen Schweif als Stehhilfe und lieb in der Luft schweben.
    »Wow, wie cool ist das denn!« Xelif war fassungslos und begeistert von dem Anblick. So was sah man auch nicht alle Tage. Dash hingegen grinste breit.
    »Das ist das tolle an Alola-Raichu, sie besitzen im Gegensatz zu ihren Artgenossen in anderen Regionen den Zweittypen Psycho und gelten mitunter sogar auch als ein wenig intelligenter als die üblichen Vertreter.« Dash kannte sich mit Elektro-Pokémon aus. Sollte er auch, wenn er diese trainierte, auch wenn er noch kein Raichu im Team besaß. Allerdings hatte er immer vorgehabt ein Raichu oder ein Pikachu zu besitzen. Ob er das Alola-Raichu behalten könnte? Die Kleine war schon sehr goldig, fand er, und sie schwebte auch nicht einfach weg, sondern blieb vorerst in seiner Nähe. Klar, die Leckereien, die Dash besaß, waren auch zu köstlich.
    »Ach, hast du so das Vertrauen erschlichen?«, wollte Xelif von Dash halb im Scherz wissen, als Dash dem Raichu noch ein Leckerli überreichte.
    »Ich weiß eben, wie man die Herzen der Damen erobert«, antwortete er und fing sich von DJ einen skeptischen Blick ein, so dass er sich korrigierte. »Okay, von den meisten.«
    Da noch nicht geklärt war, wem das Raichu gehörte, würden sie das nächstbeste Pokémon-Center ansteuern. Dort würde Dash nachfragen, ob es einem registrierten Trainer gehörte und notfalls seine Nummer auch hinterlegen. Dann konnte der Trainer ihn benachrichtigen. Aber solange nicht klar war, wem es gehörte, würde Dash es vorerst bei sich behalten und sich darum kümmern.
    Außerdem mussten sie DJ noch zeigen, wo sie sich ein Zimmer mieten konnten und danach … Stadt erkunden! Sie hatten noch einiges vor. Vielleicht würden sie auch Louna wieder treffen.


  • Über welchen Charakter möchtest du ein oder mehrere Bonuskaptel lesen? 4

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    Eine weitere Umfrage, weil es so am einfachsten für mich ist. :)  
    Möchtet ihr weitere Bonuskapitel von den Charakteren lesen oder interessiert euch das überhaupt nicht und euch reicht, wenn Louna als Protagonist herum hüpft?


    Wenn ihr weitere Bonuskapitel lesen möchtet, über wen würdet ihr euch besonders freuen?
    (2 Antwortmöglichkeiten erlaubt)



    (Btw. DJ ist nur eine Abkürzung, aber da der Name noch nicht offiziell vorgestellt wurde: DJ! :D )

  • 29. Kapitel – Gewittersturm


    Du meine Güte, dachte sich Louna, als sie aus dem Fenster sah und den aufkommenden Sturm beobachtete. Schon vorhin, als sie mit Soul zu sich nach Hause gegangen war, hatten sie den stärker werdenden Wind bemerkt, der immer unangenehmer geworden war. Mittlerweile bogen sich Äste und ganze Bäume zur Seite, dass es schon sehr gefährlich aussah. Das eintretende Unwetter wurde auch in den Nachrichten gebracht. Es wurde gewarnt, dass man möglichst im Gebäude bleiben sollte. Ebenso wurde erwähnt, dass Schäden durch abbrechende Äste und sintflutartigen Regen entstehen konnten. Dass das Wetter nun eine solche Wendung nahm, hätte Louna gar nicht erwartet. Der gesamte vergangene Tag war wunderschön gewesen und jetzt, wo es dunkel wurde, zogen dichte Wolken zusammen. Das beunruhigte sie.
    Ihre Eltern waren unten in der Küche und bereiteten das Abendessen vor. Soul dürfte noch immer im Wohnzimmer sitzen und warten. Louna war nur in die obere Etage gelaufen, um die offenen Fenster zu schließen. Auch in ihrem Zimmer stand jenes weit offen, was keine gute Idee gewesen war. Als sie es betrat, denn zuvor war sie im Schlafzimmer ihrer Eltern gewesen, um dort das Fenster zu schließen, kamen ihr bereits Zettel entgegen geflogen.
    »Oh je«, seufzte sie, als sie das bereits durch den Wind angerichtete Chaos sah. Louna eilte zu ihrem Fenster, um es schnell zu schließen, was gar nicht so einfach war. Der Vorhang kam ihr in die Quere und sie musste erst gegen ihn kämpfen. Bevor sie das Fenster erreichte, kam ihr aber zuvor wie aus heiterem Himmel etwas von draußen entgegen geflogen.
    »Waaah!« Sie konnte gar nicht anders, als erschrocken aufzuschreien und machte dabei einen Satz nach hinten. Helfen tat es ihr nicht, denn sie war bereits angefallen worden von … Ja, von was denn eigentlich? Louna betrachtete das Ungetüm in ihren Händen, was sich super flauschig anfühlte. Außerdem mähte es sie mit einer so zarten Stimme an, dass sie gar keine Angst besaß.
    »Was bist du denn für ein Pokémon?«, fragte sie als erstes, ehe sie vom zischenden Wind abgelenkt wurde.
    »Oh je, erst mal das Fenster schließen!« Louna ließ das kleine flauschige Etwas auf den Boden hinunter und schloss ihr Fenster, damit nichts mehr hinein oder hinaus fliegen konnte. Danach drehte sie sich zur Flauschekugel um und betrachtete es genauer. Auf seinen kleinen winzigen Beinchen, die kaum sichtbar waren wegen der dichten Wolle, die fast den ganzen Körper einnahm, schüttelte es sich durch. Es war wirklich goldig, vor allem als es dann auch noch so niedlich zu ihr hinauf sah und sie wieder anmähte. Es klang wie eine Frage.
    »Armes Ding, du weißt auch nicht wie dir geschieht, was?« Louna hockte sich zu dem kleinen Flauscheding nieder und streckte die Hand aus, um es zu streicheln. Wirklich schüchtern wirkte das Pokémon nicht und ließ sich ohne Probleme anfassen. Da einige Blätter in seiner Wolle steckten, was seine rundliche Form ausmachte, zupfte Louna diese erst einmal ab, um es zu ordnen. Ein größeres grünes Blatt wollte sie ebenfalls aus der Seite herausziehen, aber als sie daran zog, beschwerte sich das Pokémon lautstark.
    »Huuuch? Jetzt sag bloß, dass das zu dir gehört?« Erst beim genaueren Hinsehen bemerkte sie, dass dieses grüne Blatt ein Ohr von dem Pokémon war. Faszinierend! Natürlich besaß es auf der gegenüberliegenden Kopfseite ein zweites blattartiges Ohr.
    »Mhm, du bist doch ein … Womball? Ne, Waumball? Waumboll?« Wie hießt das Pokémon doch gleich? Gut, dass Louna einen Pokédex besaß! Den hatte sie seit gefühlt einer Ewigkeit nicht mehr benutzt, dabei war das noch gar nicht so lang her gewesen. Sie ging zu ihrer Tasche, die neben ihrem Schreibtisch auf dem Boden lag und suchte den Eintrag heraus.
    »Waumboll, richtig.« So hieß das Pokémon, was in ihr Zimmer geflogen war. Sich jeden Namen von jedem Pokémon zu merken, war nicht gerade einfach. Da durfte man doch ein wenig durcheinander kommen, oder?


    Waumboll - Die Wolle der Waumbolls ist genauso sehr begehrt wie die Wolle eines Voltilamms. Obwohl die beiden Pokémon sich recht ähnlich sind, unterscheiden sich grundsätzlich die beiden Wollarten voneinander. Waumbolls sind vom Typ Pflanze und Fee, weswegen ihre Wolle ganz anders aufgebaut ist als die eines Voltilamms. Sie wird von Waumboll gezupft, während ein Voltilamm geschert wird.
    Waumbolls leben gerne in kleineren Gruppen in einem offenen Wald- oder Feldgebiet. In der Nacht kuscheln sie sich eng aneinander, so dass sie wie eine große Wolke aussehen können. Durch ihre Erscheinung wirken sie oftmals sehr niedlich und viele verwechseln die blattähnlichen Ohren mit echten Laubblättern.
    Durch ihr relativ leichtes Gewicht, kann es schon einmal vorkommen, dass Waumbolls durch einen stärkeren Wind durch die Luft getragen werden. Dadurch können Waumbolls Orte erreichen, die sonst für sie unerreichbar gewesen wären.


    »So, so, bei dem starken Wind da draußen wundert es mich nicht, dass du durch die Luft geschleudert wurdest«, meinte Louna zu dem Pokémon und bekam als Antwort ein erneutes Mähen. Rauswerfen würde sie es nicht. Nicht bei diesem Sturm! Ihre Eltern würden sicher nichts dagegen haben, wenn es vorerst hier blieb. Dann war es wenigstens sicher. Nachdem Louna sämtliche Fenster im oberen Stockwerk geschlossen hatte, ging sie wieder nach unten ins Wohnzimmer und hielt dabei das kleine Waumboll in den Armen. Arcus, ihr Fukano, kam sogleich angerannt und wollte neugierig an diesem schnüffeln, als Louna es auf dem Boden absetzte.
    »Bleib brav, Arcus«, sagte sie und beobachtete auch den Rest der Pokémon, die neugierig herbei geeilt waren. Da waren zum einen natürlich Chiari, das neugierige Evoli mit der weißen linken Ohrspitze, und auch Dael, das Hunduster von Soul. Auch Fabula, das graue Fynx, hatte Louna vorhin aus dem Ball gelassen, damit es direkt mit dabei war, aber die Kleine hatte sich bereits unter dem Esstisch verkrochen, wo sie halbwegs ihre Ruhe besaß. Nero lag ruhig und dösend neben Soul auf der Couch, wo er den ganzen Tumult ignorierte. Eigentlich würde Louna gerne auch Tornado und Adia aus den Pokébällen lassen, doch sie war verunsichert, ob das nicht alles zu viel für die einzelnen Pokémon war. Sie kannten sich noch nicht alle und wer weiß, was das für einen Stress auslöste.
    »Na, na, na, jetzt bedrängt doch nicht das arme Waumboll so!« Allein an diesem Pokémon sah Louna, wie neugierig die Rasselbande war. So empfindliche und sensible Pokémon wie Fynx würden sich da total überfordert fühlen. Kein Wunder, dass es sich verkrochen hatte. Wenn Louna bei der ganzen Aufregung nun auch noch Tornado fliegen ließ, dann gäbe es sicher noch ein größeres Chaos. Und bei Adia, dem kleinen Leufeo, was mit dem Leben davon gekommen war?
    »Wo hast du denn Waumboll her?«, wollte Soul wissen, der das ganze Geschehen bedächtig beobachtete. Louna sah ihn nicht an, weil sie auf die Pokémon achtete, ging aber trotzdem auf seine Frage ein.
    »Es ist mir direkt entgegen geflogen, als ich oben die Fenster geschlossen habe«, antwortete sie und hielt Chiari davon ab, dass sie Waumboll zu sehr bedrängte. Das kleine neugierige Evoli konnte manchmal ganz schön ungestüm sein.
    Plötzlich vernahm Louna ein Lachen und sah doch von den Pokémon auf. Sie traute ihren Augen nicht, als sie verstand, dass das Lachen von Soul kam! Lachte er sie aus? An?
    »Dir fliegen die Pokémon nur so zu. Schon hast du dein Team voll!«, meinte er noch immer amüsiert. Louna war schockiert.
    »Niemals! S-so war das gar nicht gedacht! Morgen, wenn der Sturm vorbei ist, darf Waumboll direkt wieder hinaus. Ich habe es nicht vor zu behalten!« Das hatte sie wirklich nicht. Fünf Pokémon reichten ihr vollkommen, von denen sie vier erst in den letzten Tagen erhalten hatte. Chiari mochte noch am unkompliziertesten sein, aber bei Tornado, Fabula und auch Adia sah das alles schon ein wenig anders aus. Fabula war sehr schüchtern, Tornado temperamentvoll und Adia … Tja, gute Frage, was sie war. Wild? Louna seufzte auf bei der Vorstellung all ihre Pokémon zu trainieren, zu erziehen und sie gleichsam auch zu zähmen, damit sie mehr Vertrauen zu ihr aufbauten. Das würde eine Menge Arbeit bedeuten!
    »Nicht?«, hörte Louna die fragende Stimme ihrer Mutter, die gerade das Wohnzimmer mit einem Tablett betrat, worauf einige Tassen mit Tee standen.
    »Aber es ist doch sehr süß!« Louna sah ihre Mutter streng an.
    »Süß hin oder her, ich fühle mich schon jetzt überfordert.« Sie verzog eine Schnute und wirkte alles andere als angetan. Ja gut, Waumboll war sehr flauschig und all das, aber ihr wurde das wirklich langsam zu viel. Sie musste erst einmal sehen, wie gut sie mit ihren Pokémon zurecht kam, ehe sie wirklich ein weiteres aufnahm.
    »Du hast Recht, Waumboll passt vom Typ her nicht in dein Team«, meinte Lounas Vater, der kurz nach ihrer Mutter den Raum betrat. Sofort stöhnte Louna auf.
    »Als wenn mir das so wichtig wäre, welchen Typ es hätte«, seufzte sie. Ihre Mutter kicherte und ihr Vater grinste sie an.
    »Nicht? Wenn ich mir deine Pokémon so ansehe … «, begann er, doch Louna unterbrach ihn.
    »Ich bin unschuldig! Im Prinzip wurden mir alle aufgedrückt!« Alle Augenpaare lagen auf Louna, die kurzzeitig verstummte und verlegen wurde.
    »Ich meine, abgesehen von Adia … die kann ich ja schlecht allein lassen.« Da ihre Eltern und Soul sie immer noch so schweigend ansahen, wurde sie zusehends nervöser.
    »W-was denn? Ist doch so! Tornado hab ich wegen Soul u-und Chiari hab ich von unserer Nachbarin und Fabula, na ja … « Wieso starrten sie alle so an und sagten nichts? Selbst Arcus saß vor ihren Füßen und guckte sie von unten an.
    »Ach, du bist einfach so liebenswürdig, dass du dich um all diese armen Seelen kümmerst.« Louna war nicht sicher, ob ihre Mutter sie gerade auf den Arm nahm, so theatralisch wie sie sprach.
    »Ehem, schon klar … «, räusperte sie sich. Was auch immer ihre Mutter eigentlich damit aussagen wollte.
    »Soul, möchtest du eine Tasse Tee?« Ihre Mutter wechselte abrupt das Thema, was Louna verwirrte, worüber sie aber auch dankbar war. Denn so guckten nun nicht mehr alle sie an. Dankbar nahm Soul eine Tasse Tee an, während Lounas Vater sich ebenfalls auf die Couch niederließ.
    »So junger Mann, wie ich hörte hast du unseren kleinen Louna geholfen nach Aquarellia zu kommen«, begann ihr Vater ein Gespräch mit Soul, der sofort darauf einging.
    »Mir blieb gar nichts anderes übrig. Sie hätte sonst den ganzen Wald wegen ein paar kleinen Käfern zusammengeschrien«, sagte er gerade heraus. Louna war sofort empört und begehrte auf.
    »Hey, was soll denn das heißen?« Ihr Vater lachte auf, weswegen Louna erst recht verlegen und empört war.
    »Bah, ihr seid gemein!« Das half auch nicht weiter, denn die anderen lachten nur und erfreuten sich daran, dass man sie so einfach ärgern konnte.
    »Wacht ihr doch mal mitten im Wald auf, wo ein Krabbelkäfer auf eurem Kopf sitzt«, murmelte Louna schmollend vor sich hin. Ihre Mutter kicherte noch darüber, als sie in die Küche zurückkehrte, um das Abendessen einzuleiten.


    »Nimmst du das Angebot von Professor Platan an?«, fragte ihr Vater, als sie gemeinsam im Wohnzimmer am Esstisch saßen und sich das leckere Abendessen schmecken ließen. Louna hatte nebenbei berichtet, welches Angebot sie von ihm bekommen hatte. Jetzt war nur die Frage, ob sie darauf eingehen wollte oder ob sie nicht vorhatte lieber doch etwas anderes zu studieren oder alternativ eine Ausbildung zu beginnen. Was wollte sie? Was konnte sie? Wenn sie von ihren Hobbys ausgehen würde, könnte sie sich einen Beruf vorstellen, wo sie kreativ tätig sein konnte. Sie zeichnete gern, dummerweise war das in dem Bereich aber schon alles. Sie malte nicht in dem Sinne wie es andere Künstler taten. Meistens beließ sie es bei Bleistiftzeichnungen. Das Positive daran war, dass sie sich zumindest auf dem Gebiet stetig weiterentwickelte, aber mit Pinsel und Farbe umgehen? Das war etwas völlig anderes.
    Im Berufsleben mit Pokémon zusammen arbeiten konnte sich Louna auch vorstellen. Sie mochte Pokémon, obgleich sie in ihrer Kindheit und Jugendzeit eigentlich wenig mit ihnen zu tun gehabt hatte. Sie besaßen Coco als Familien-Pokémon und vor einem halben Jahr war Arcus dazu gekommen. Aber so wie sich manche Mitschüler aus ihrer Abschlussklasse für Pokémon interessiert hatten, war es bei Louna nie gewesen. Sie hatte nicht trainiert, na ja zumindest nicht so, wie es die typischen Trainer taten. Als sie Arcus von ihrem Onkel bekommen hatte, war sie mit ihm beim Agility-Training gewesen. Das hatte Spaß gemacht und vor allem Arcus körperlich und geistig sowie die Bindung zwischen ihnen beiden gefördert.
    »Lou?«, riss ihre Mutter sie aus ihren Gedanken.
    »Äh was?« Sie schüttelte den Kopf über sich selbst und erinnerte sich an die Frage ihres Vaters. Wollte sie das Angebot des Professors annehmen? Theoretisch sprach nichts dagegen. Als sie noch klein gewesen war, wäre sie gerne Polizistin geworden – genauso wie ihr Vater. Heute sah das ein wenig anders aus. Sie sah, wie ihr Vater manchmal abgekämpft nach Hause kam, kannte die Vor- und Nachteile der Schichtarbeit und wusste, dass es nicht immer Spaß machte Verbrechen auf der Spur zu sein. Es war ein knochenharter Job, besonders da man mit Situationen teilweise konfrontiert wurde, die nicht immer gut zu verkraften waren. Man musste einiges wegstecken können und durfte nicht zu zimperlich und sensibel sein. Bei Unfällen, brutalen Verbrechen oder diversen Katastrophen. Es graute Louna allein bei der Vorstellung davor an einem Unfallort zu gelangen, wo die Beteiligten tödlich verunglückt waren. Solche Bilder bekommt man nicht so leicht los. Das sah sie an ihrem Vater und der konnte weitaus mehr wegstecken als sie sich selbst zutrauen würde. Am schlimmsten waren die Gewaltverbrechern. Wieder schüttelte Louna den Kopf und schob die Gedanken weg.
    »Ich weiß ehrlich gesagt momentan nicht, was ich sonst tun sollte«, gestand sie ihren Eltern. Soul hielt sich schweigend im Hintergrund und lauschte nur der Unterhaltung, während er ebenfalls in den Genuss des Abendessen kam.
    »So richtige Lust aufs Studieren habe ich nicht und bis ich einen Ausbildungsplatz finde, kann das auch noch dauern. Zumal ich da ebenfalls nicht genau weiß, was ich machen wöllte.« Louna sinnierte weiter darüber.
    »Professor Platans Angebot klingt eigentlich ganz gut. Ich bin da zwar viel unterwegs, aber ich glaube, das könnte auch viel Spaß machen.« Und es würde anstrengend werden. Besonders wenn sie irgendwelche Beobachtungen bei Wind und Wetter durchführen sollte.
    »Hey Soul«, wandte sie sich an Soul, der ihr gegenüber saß. »Was machst du eigentlich? Oh warte, du arbeitest in dem Lager von diesem einen Geschäft, richtig? Ist das was Dauerhaftes?« Die Frage, die sie anfänglich stellen wollte, als sie ihn getroffen hatte, schien nun einfach aus ihr heraus zu kommen, wo sie zuvor noch so sehr damit gehadert hatte.
    »Es ist nur ein Nebenjob«, offenbarte er ihr. Louna legte den Kopf leicht schief.
    »Ja? Was machst du sonst so?« Wenn es nur ein Nebenjob war, dann musste er doch irgendetwas anderes machen, oder? Soul schien zu zögern, weswegen Louna gleich wieder dachte, dass er irgendeine Ausflucht suchte, um nicht auf ihre direkte Frage zu antworten. Er entschied sich wohl dagegen, denn er antwortete ihr dann doch darauf.
    »Ich wollte eigentlich Pokémon-Managament studieren«, sagte er.
    »Pokémon-Managament?« Louna sah ihn verdutzt an.
    »Ein Studiengang, der sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Pokémon auseinandersetzt. Das ist sehr interessant und kann beim Verständnis der Pokémon deutlich dazu beitragen richtige Entscheidungen zu treffen. Oder auf problematische Situationen richtig zu reagieren«, erklärte ihre Mutter. Louna war noch überraschter. Sie hätte von Soul vermutlich vieles erwartet, aber nicht, dass er sich auf diese Weise mit Pokémon beschäftigen wollte. Erstaunlich! Das war eine Seite, die sie von ihm noch nicht kannte, denn Louna assoziierte sofort eine gewisse Sensibilität und ein Einfühlungsvermögen mit so einem Thema. Andererseits, wenn sie sah, wie gut er sich um seine Pokémon kümmerte, passte es zu ihm, nicht wahr? Ihr fiel noch etwas anderes auf.
    »Eigentlich?« Souls Antwort klang geradezu danach, als würde er gar nicht studieren, obwohl er das wollte. Oder hatte sich Louna das nur eingebildet gehabt? Fragend sah sie ihn dazu an.
    »Es ist etwas dazwischen gekommen«, murmelte er als Antwort und schob sich seine Gabel in den Mund. Für Louna war das ein Zeichen nicht zu tief zu bohren. Wenn er darüber sprechen wollte, würde er es tun, aber er machte den Eindruck auf sie, als gäbe es etwas, was er lieber für sich behalten wollte.
    »Also studierst du nicht und hast jetzt vorerst den Nebenjob?«, versuchte das Gespräch zwar beim Thema zu halten, es aber in eine andere Richtung zu lenken.
    »Ja, bis ich etwas Neues gefunden habe.« Das war verständlich. Es konnte teilweise recht schwierig sein einen Job zu finden, eine Ausbildung oder bei dem passenden Studiengang aufgenommen zu werden. Da gab es oft verschiedene Kriterien, die erst überwunden werden mussten.
    »Möchtest du immer noch etwas mit Pokémon machen?«, fragte Lounas Mutter, die daraufhin ein zögerndes »Ja« erhielt. Wenn es allein nach Soul ging, dann würde er sein Studium wieder aufnehmen und da weiter machen, wo er aufgehört hatte. Dummerweise ging es aber nicht allein nach ihm, ob er nun wollte oder nicht. Nur würde er das Thema ganz sicher nicht zur Sprache bringen. Das ging weder Louna noch ihre Eltern etwas an. Zum Glück begann Lounas Mutter über den Professor zu reden und die dortige Arbeit. Soul hörte gar nicht mehr richtig zu und versank in seinen Gedanken, während Louna sich versuchte ein Bild darüber zu machen, wie das wohl alles werden würde, wenn sie erst einmal für den Professor arbeitete.



    Louna fühlte sich unwohl dabei Soul bei diesem Wetter gehen zu lassen. Nach seinen eigenen Aussagen hatte er selbst eine Wohnung in Illumina City, weswegen er nicht länger bei Louna und ihren Eltern verweilen würde. Immerhin wurde der Abend auch nicht jünger und am nächsten Tag musste er wieder auf Arbeit. Louna hätte es nicht schlimm empfunden, wenn Soul die Nacht im Gästezimmer verbracht hätte, aber sie bat ihn auch nicht darum. Es war seine Entscheidung und sie konnte verstehen, dass er nach Hause wollte. Da war es bekanntlich am schönsten. Allerdings bereitete ihr das Unwetter immer noch Sorgen, denn der Wind war stark und der Regen ergoss sich über die Großstadt.
    »Bist du dir sicher, dass du da raus willst?«, fragte sie ihn, als sie vor dem Hauseingang standen, noch geschützt vom Vordach. Trotzdem bekam Louna ein paar Regentropfen ab, was ihr selbst nichts ausmachte. Doch Arcus behagte das Wetter gar nicht. Er hatte unbedingt mit hinunter kommen wollen, nur traute er sich jetzt nicht weiter. Louna verstand es, denn der Sturm, der da draußen herrschte, war durchaus beängstigend. Hin und wieder sah man auch die Blitze durch die dichten dunklen Wolken zischen. Unheimlich und schön zugleich. Soul bestätigte ihr, dass er gehen würde, auch wenn er selbst ein wenig unmutig gen Himmel sah. Es nützte alles nichts. Er würde nach Hause müssen.
    »Dann nimm wenigstens den Regenschirm mit«, beharrte Louna darauf, die ihm einen zusammengefalteten Schirm entgegen hielt. Skeptisch musterte er diesen, ehe er einen Blick wieder hinaus warf.
    »Ich glaube kaum, dass er mir nützlich sein wird«, meinte er. Louna verstand. Auch wenn ihr Regenschirm zur stabileren Variante gehörte, so würde er vermutlich trotzdem dem starken Wind nicht die ganze Zeit abhalten können. Außerdem konnte man sich vor dem peitschenden Wind und Regen kaum schützen, selbst wenn der Schirm eine Seite schützte. Nass würde Soul so oder so werden. Louna überlegte schon, ob sie nicht noch einmal fragte oder ihn darum bat vorerst zu bleiben. Wenigstens solange, bis das Wetter sich gebessert hatte. Nur wann sollte das sein? Laut dem Wetterbericht würde es in der Nacht die ganze Zeit regnen und stürmen. Angeblich gäbe es erst morgen Mittag wieder besseres Wetter, was man sich jetzt noch gar nicht vorstellen konnte.
    Nun standen sie beide hier, sahen zum Himmel und bewegten sich nicht. Soul wollte gehen, aber irgendwie fehlte ihm der Antrieb. Er hatte keine Lust, aber er würde auch nicht bleiben. Wenn er sich beeilte, könnte er sich schnell wieder trocknen und aufwärmen, wenn er Zuhause ankam. Aber … irgendwas war da. Er besaß ein ungutes Bauchgefühl, doch er konnte nicht sagen, warum. Irgendetwas stimmte ihn unwohl, als spürte er etwas, was ihn bekannt und sogleich fremd war. Nur was?
    »Soul?« Louna sprach ihn an, weil sie bemerkte, wie er scheinbar mit den Gedanken woanders war. Nicht, dass sie ihn davon scheuchen wollte, aber ewig konnten sie auch nicht hier unterm Vordach stehen bleiben. Gerade als er sich vom Anblick des dunklen Himmel abwenden wollte, um sich von Louna zu verabschieden, da sah er wieder einen Blitz hell zwischen den Wolken aufleuchten. Der Donner folgte unmittelbar, was ein Anzeichen dafür war, dass das Unwetter direkt über der Stadt war. Er war so laut, dass man sich kaum hätte unterhalten können. Zum Glück währte er nicht lange an, aber zwischen den Wolken sah Soul noch etwas anderes. Es war eine Gestalt, die er nicht komplett erkennen konnte. Dafür war diese zu dunkel und die Umgebung erst recht. Vor allem weil der Blitz sehr schnell wieder weg war und daher das Licht fehlte, um wirklich was zu erkennen. Doch er war alarmiert. So sehr, dass er Louna vergaß und auf einmal los rannte.
    Louna hörte ihn noch irgendwas vor sich hinmurmeln, ohne es wirklich zu verstehen. Genauso wie sie nicht verstehen konnte, welches Ariados ihn nun gestochen hatte. Warum rannte er auf einmal los?
    »SOUL!«, schrie sie ihm noch hinterher.
    »Was zum … ?«, fragte sie sich selbst. Nicht nur Soul hatte den Schatten am Himmel gesehen, auch sie. Aber genauso wenig hatte sie erkannt, worum es sich handelte. Selbst wenn es ein Pokémon war, dann musste das noch nichts heißen, oder? Es kam immer wieder vor, dass Pokémon über die Stadt flogen. Meistens waren es eher kleinere oder mittelgroße Flug-Pokémon, nur selten große und ausgewachsene Exemplare. Aber mitten in einem Sturm … ? Louna überlegte nicht lange und folgte Soul mitten in den Regen hinein. Den Regenschirm hielt sie dabei in der rechten Hand, ohne ihn zu nutzen. Er wäre sowieso unbrauchbar gewesen, vor allem weil sie rannte. Der Regen peitschte ihr ins Gesicht und ihre langen Haare flogen durch die Luft, bis sie vom Regen so nass waren, dass sie an ihr klebten. Es dauerte nur wenige Minuten, da war auch ihre komplette Kleidung durchnässt, aber darauf gab sie nun keine Rücksicht mehr. Sie wollte Soul nicht aus den Augen verlieren, egal wohin er rannte. Wieso tat er das überhaupt? Könnte er nicht einmal mit ihr vernünftig reden? Dieser Kerl! Was hatte ihn so aufgeschreckt?
    »Soul, warte!«, rief sie ihm nach, doch vermutlich hörte er sie gar nicht. Der Wind pfiff so laut um sie herum und der Regen tat sein übriges, so dass ihr Rufen unterging. Soul rannte direkt zum Zentral-Plaza. Anders als sonst war er fast leergefegt. Wo man sonst immer viel Straßenverkehr und Fußgänger erleben konnte, war jetzt kaum einer auf der Straße. Jeder hatte, wenn möglich, sich vor dem Unwetter in Sicherheit gebracht, doch das täuschte anfänglich. Louna erreichte Soul noch nicht, der endlich stehen geblieben war, als sie weiter entfernt das Blaulicht erkennen konnte. Polizei und Feuerwehr waren unterwegs und im Einsatz. Bei dem Wetter wunderte es sie nicht, doch es standen auch einige Fahrzeuge auf dem Zentral-Plaza und die Rettungskräfte wuselten hin und her. Darunter konnte sie auch Nothelfer und Krankenwagen erkennen. Es war alles zu weit weg, um wirklich zu sehen, was da vor sich ging, aber irgendetwas musste passiert sein. Das war ein sehr beunruhigendes Bild. Louna wurde langsamer und sah in die Richtung des großen Prismaturms – das Wahrzeichen der Stadt. Seine Lichter leuchteten nicht. Er stand gänzlich im Dunkeln dar. Da musste also tatsächlich etwas vorgefallen sein! Sie kam neben Soul an und glaubte erst, dass er deswegen selber stehen geblieben war, doch als sie zu ihm aufsah, bemerkte sie ihren Irrglauben. Er sah nicht zu dem Gewusel um den Prismaturm hin, sondern in den Himmel. Louna folgte seinem Blick nach oben und ihre braungoldenen Augen vergrößerten sich.
    »Was … Was ist da los?«, wollte sie wissen, ohne eine ernsthafte Antwort darauf zu erwarten. Er würde ihr kaum sagen können, was da vor sich ging. Am Himmel konnte man immer nur dann was erkennen, wenn ein Blitz zwischen den Wolken entlang schoss. Dabei musste sich Louna fragen, ob sie tatsächlich so viel erkennen wollte. Denn das, was sie manchmal zu sehen bekam, verängstigte sie.
    »I-ist das ein Pokémon?« Es war riesig! Jedenfalls sah es so aus. Sehr groß. Sie konnte es nicht wirklich beschreiben, weil es so dunkel war und sie immer nur sehr wenig erkannte. Es schien zwei Flügel zu besitzen, die aber nicht wie von einem Flug-Pokémon aussahen. Hatte es Krallen? Sie versuchte es gar nicht erst es zu beschreiben. Darin würde sie versagen. Trotzdem schien dieses Pokémon einer der Gründe zu sein, warum auf dem Zentral-Plaza so viel Aufregung herrschte – neben dem offensichtlichen Stromausfall im Prismaturm. Polizeikräfte waren dabei, Scheinwerfer aufzustellen und einzusetzen, die in den Himmel leuchten sollten. Magnetons sollten dabei helfen, die Energie dafür bereitzustellen. Außerdem konnte Louna ein Magnezone erkennen, was ebenfalls zur Polizei gehörte. Diese Pokémon wurden gerne von ihnen eingesetzt. Da ihr Vater ein Kriminalbeamter war, wusste sie einiges darüber.
    Jenes Magnezone flog hinauf in den Himmel. Es war nicht das einzige Pokémon. Je länger Louna sich die irrsinnige Szenerie ansah, desto mehr Details entdeckte sie. Desto mehr Pokémon konnte sie erkennen, die unterwegs waren. Große Pokémon allesamt! Da war unter anderem ein Tauboss, was sie erkannte und in den Himmel schoss. Es schien ein anderes Pokémon zu verfolgen? War das etwa ein Kampf? Unterstützt wurde es von einem zweiten Flug-Pokémon, doch Louna kannte den Namen nicht, obwohl ihr das Aussehen bekannt vorkam. Sofern sie es überhaupt richtig erkannte. Zwar gab es Blitze und langsam auch ein paar Scheinwerfer, die Licht ins Dunkel bringen sollten, aber das reichte nicht aus, um alles komplett zu erhellen. Immer wieder verschwanden fliegende Pokémon in der Dunkelheit und tauchten erst dann wieder auf, wenn irgendwo das Licht erstrahlte.
    Soul wusste, dass neben Tauboss ein Washakwil flog. Er hatte das rot-blaue Federkleid erkannt. Außerdem besaß dieses Pokémon zu anderen Flug-Pokémon einen recht muskulösen Körperbau. Er war diesem Pokémon in der Vergangenheit schon einmal begegnet. Das Tauboss und Washakwil verfolgten ein UHaFnir. Ein Flug- und Drachen-Pokémon, mit dem nicht so einfach zu spaßen war. Es war schnell und sein Ultraschallknall konnte verheerende Auswirkungen haben. Warum sie gegeneinander kämpften, war nicht klar. Souls Aufmerksamkeit wanderte am Himmel entlang. Er wollte das andere Pokémon wieder entdeckten, wovon er sich fragte, weshalb es hier war. Oder irrte er sich und es war ein ganz anderes? Dadurch, dass es sich kaum zeigte und sich wenn möglich in der Dunkelheit verbarg, war es nur schwer auszumachen. Er konnte es nicht noch einmal entdecken. Auch nicht, als Magnezone einen Donnerblitz im Himmel losließ, um einem Trikephalo entgegen zu wirken. Erst als diese Attacke zum Einsatz kam, entdeckte auch Louna dieses Ungetüm. Sie erschrak sich davor und schlug die Hand vor den Mund. Beim Anblick eines Trikephalo konnte man schon mal verängstigt sein, oder? Es sah unheimlich aus, vor allem in dieser Szenerie, die hier geboten wurde. Der dunkle Himmel, die aufleuchtenden Blitze, der Regen, der allen zu schaffen machte. Blaulichter, die am Boden aufleuchteten und dem Schauspiel am Himmel die Stirn zu bieten schienen.
    Das unheimliche Trikephalo mit seinem schwarz-blauen Schuppenkleid war beeindruckend. Es war nicht annähernd so schnell unterwegs wie das UhaFnir, was immer noch gegen die zwei Flug-Pokémon ankämpfte. Es war massiger und langsamer und dass es sich überhaupt so hoch im Himmel halten konnte, erschien absurd. Es wirkte nicht wie ein geschickter Flieger und dennoch machte es durch seine Gestalt alles wieder wett. Es beeindruckte und verängstigte, besonders da es sich nicht von Magnezone einfach so einschüchtern ließ. Wer von den kämpfenden Pokémon die Oberhand hatte, war nicht zu erkennen. Attacken und Angriffe wurden ausgetauscht, aber bislang konnte kein Sieger festgestellt werden.
    Louna schwirrte der Kopf. Sie verstand nicht, was hier vor sich ging. Wodurch war diese Unruhe ausgelöst? Warum kämpften Pokémon am Himmel? Wer hatte für diese Konfrontation gesorgt oder waren das nur wilde Pokémon, die mal eben die Stadt angriffen? Das war doch absurd! Dahinter musste mehr stecken, was vorerst nicht klar war. Vielleicht würde man den Grund später erfahren. Louna glaubte nicht, dass sie von irgendeinem Rettungshelfer jetzt eine klare Aussage bekommen würde, was hier vor sich ging. Die waren alle viel zu sehr beschäftigt mit … Ja, was eigentlich? Ihr wurde erst jetzt klar, dass nicht nur kämpfende Pokémon am Himmel flogen, sondern dass am Prismaturm noch mehr als nur ein Stromausfall geschehen sein musste. Es schien Verletzte zu geben, um die sich gekümmert wurde. Ein Unfall? Ein Anschlag? Louna und Soul befanden sich nur am Rand des Zentral-Plaza. Sie müssten weiter ins Zentrum, um sich ein genaueres Bild zu verschaffen, aber beide schienen nicht die Neigung dafür zu besitzen. Sie hätten in dem Moment auch gar nicht weitergehen können. Soul schrie auf einmal auf und Louna verstand die Welt nicht mehr.
    »Pass auf!«, rief er und in den darauffolgenden Sekunden drückte er sie zu Boden. Seinen Arm über ihr, als wollte er sie vor irgendetwas beschützen. Louna ließ sich von ihm zu Boden drücken und kniff die Augen zusammen, denn sie hatte den lauten Knall gehört und nur wenige Meter von ihnen entfernt, polterten Steine und Schutt vom Himmel. Ihre Knie und eigentlich auch ihr gesamter Körper zitterten. Als wäre sie nicht schon verschreckt genug, bekam sie es jetzt erst recht mit der Angst zu tun. Denn als Louna ihre Augen wieder langsam öffnete, wurde ihr das Ausmaß des Angriffs bewusst. Ein Angriff, der vom Himmel gekommen war und vermutlich nicht sie treffen sollte. Er galt mit höchster Wahrscheinlichkeit einem der Pokémon im Himmel, aber er war daneben gegangen und so war der Angriff gegen eines der Häuser geprallt. Das Ausmaß der Kraft und Gewalt, die darin lagen, konnte man nun an den Folgen erkennen. Als Louna sich – immer noch am Boden hockend, neben ihr Soul, der selbst in Deckung gegangen war – umdrehte und das Gebäude sah, was den Schaden abbekommen hatte, wurde ihr ganz schlecht und schwindelig. Trümmerteile fielen immer noch hinab und ein Brand war entstanden. Sofort reagierten die Rettungseinheiten, die eh schon auf dem Platz waren. Der Brand würde sich nicht lange halten können, da der Regen auch sehr stark war. Aber es gab viel Geschrei, Lärm und anfallende Panik.
    Ein gutes Beispiel, warum Pokémon-Kämpfe innerhalb einer Stadt nicht erlaubt waren. Es konnte viel Schaden entstehen, die sowohl Pokémon als auch Menschen schädigten. Lounas Knie zitterten so sehr, dass sie nicht in der Lage war aufzustehen. Auch als Soul sie fragte, ob sie verletzt sei, brachte ihre Stimme keinen Satz zustande. Sie schüttelte nur den Kopf. Soul machte sich ernsthafte Sorgen um sie. Sie war ganz blass. Das war sicher der Schock und die Angst, die Besitz von ihr ergriffen hatte.
    »Wir sollten verschwinden«, schlug er ihr vor und wollte ihr gerade dabei helfen, sich aufzurichten, als er ein verängstigtes Winseln in der Nähe hörte. Er drehte sich um und erkannte den herannahenden Arcus. Sein Fell war durch den Regen nass geworden. Dass er sich hier draußen befand, war ziemlich überraschend. Gerade er als Feuer-Pokémon dürfte unter dem Wetter sehr zu leiden haben. Doch er kam direkt zu ihnen – oder eher zu Louna – angerannt. Diese sah auf und nahm ihn in die Arme, kaum dass er bei ihr war. Er suchte bei ihr Schutz und winselte ununterbrochen. Ob es Arcus Anwesenheit war und die Tatsache, dass er nun noch verletzlicher war als sie oder ob Louna ihren anfänglichen Schock überwunden hatte, egal was es war, aber sie raffte ihre Kraft zusammen und stand mit Soul auf. Ihr Knie waren immer noch zittrig, aber sie schaffte es, mit Soul ein paar Schritte zu gehen. Zwei Polizisten kamen zu ihnen geeilt, als diese sie entdeckten. Diese wollten wissen, ob die beiden verletzt waren. Erst als das abgeklärt war, forderten sie die beiden auf so schnell wie möglich vom Zentral-Plaza zu verschwinden. Was hier vor sich ging, erklärten sie nicht. Denn sie hatten es ziemlich eilig und wollten alle Zivilisten von diesem Platz wegschicken, damit es nicht noch mehr Verletzte gab. Louna hatte nichts dagegen. In ihr war der Fluchtinstinkt stark vorhanden. Falls es nochmal so einen Angriff gab, könnte der nächste vielleicht doch dafür sorgen, dass sie nicht so leicht davon kam. Sie wollte es nicht darauf ankommen lassen und verließ gemeinsam mit Soul den Zentral-Plaza. Die Gefahrenzone war zu groß und immerhin gab es genügend Leute, die sich darum kümmern würden. Zumindest hoffte sie, dass diese seltsame Situation schnell besänftigt wurde, dass die Pokémon-Kämpfe am Himmel beigelegt werden und alles wieder in Ordnung kam. Für diesen Abend hatte sie genug erlebt. Und da war sie nur am Rande des Geschehens gewesen!
    Ein lautes Brüllen am Himmel ließ Soul noch einmal stoppen und hinauf sehen. Er konnte den Schatten zwischen den Wolken erkennen, aber dabei blieb es auch: Ein Schatten, mehr nicht. Heute würde er nichts ausrichten können und würde wie Louna den Beamten und Rettungskräften alles überlassen. Stattdessen würde er dafür sorgen, dass Louna schnell nach Hause kam, denn sie zitterte am ganzen Leib. Schuld daran war sicher auch der kalte Regen, die durchnässte Kleidung, aber auch der Schock dieses Dramas, welches sich hier bot. Soul ging es kaum anders. Er fror in seinen nassen Sachen und wollte nichts anderes, als nach Hause, um sich aus diesen zu schälen und wieder aufzuwärmen. Doch zuerst brachte er Louna nach Hause.



  • Bonuskapitel – Dunkle Stunde


    Die Nacht war sehr kurz gewesen. Von einem erholsamen Schlaf konnte kaum die Rede sein. Obwohl er nicht früh am Morgen arbeiten musste, zumindest nicht so früh wie viele der Büroangestellten, so war er trotzdem sehr früh wach. Die ganze Zeit hatte er sich im Bett hin und her gewälzt und kaum ein Auge zu gemacht. Das sorgte dafür, dass er beim Aufstehen umso erschöpfter war, aber liegen bleiben wollte er auch nicht. Die rechte Schulter schmerzte durch eine Verspannung, der Nacken knackte, als er den Kopf bewegte und die Gliedmaßen im Allgemeinen fühlten sich schwer wie Blei an. Eine heiße Dusche, das brauchte er jetzt!
    Noch bevor Soul das kleine Badezimmer erreichte, griff er nach der Fernbedienung seines Fernsehers und schaltete diesen an. Dael, sein Hunduster, lag müde in der Ecke, hob kurz den Kopf, um herzhaft zu gähnen, legte sich dann aber wieder hin und ignorierte die Stimmen, die aus dem Bildschirm zu hören waren. Auch Soul ignorierte vorerst, was in der Morgensendung palavert wurde. Sein schlurfender Gang fand das Bad und vor allem die Dusche. Nach der gestrigen Nacht war das auch notwendig, obwohl er schon nach dem Nachhausekommen geduscht hatte. Das war auch bitter notwendig gewesen, wo er doch so durchnässt gewesen war. Der Sturm, vor allem der Regen, war sehr heftig gewesen. Bis zu den Knochen hatte er am Ende gefroren – und das im Sommer! Selten kam es zu solchen Wetterumschwüngen. Ein Sommergewitter, ja, das kannte man. Aber das war gestern kein Sommergewitter gewesen, sondern etwas Schlimmeres.
    Während er unter der Dusche stand und sich vom warmen Wasser berieseln ließ, dachte er wieder darüber nach. Seine Gedanken hatten schon in der Nacht nicht stillstehen können und auch jetzt ließ ihn das keine Ruhe, was er gesehen hatte. Neben dem Chaos auf der Straße, den Rettungskräften, die unterwegs gewesen waren, hatte über der Stadt ein Kampf im Himmel getobt. Pokémon waren aufgetaucht, aber Soul war sich ziemlich sicher, dass es keine wilden Exemplare gewesen waren. Doch konnte es wirklich sein, dass er dieses eine Pokémon gesehen hatte? Jenes, was ihm nicht unbekannt war. Jenes, welches er vor vielen Jahren schon einmal gesehen hatte? Es war gefährlich! Weder legte man sich mit ihm an, noch versuchte man es auf seine Seite zu ziehen. Jeder, der es versuchen würde, musste mit seinem eigenen Untergang rechnen. Aber gestern Abend war es da gewesen, direkt über der Stadt. Konnte es sein, dass sie es geschafft hatten, es zu kontrollieren? Soul schüttelte den Kopf. Möglicherweise bildete er sich das nur ein, was er gesehen hatte. Es war wie eine Szene aus seinem persönlichen Alptraum. Am Ende hatte er nur Gespenster gesehen und machte sich zu viele Sorgen. Es war unmöglich ein solch starkes Pokémon zu kontrollieren!
    Mit diesen Gedanken kehrte er in sein Wohnzimmer zurück, was gleichzeitig auch sein Schlafzimmer war. Eigentlich spielte sich so ziemlich alles in diesem Raum ab. Die Küche war offen und glich mehr einer Kochnische als wirklich einem Raum, in dem man vernünftig kochen konnte. Diese Nische war direkt im Wohnzimmer integriert. Da Souls kurze, schwarzen Haare noch nass waren, rubbelte er mit einem Handtuch darüber. Er hatte bisher auch nur eine Hose an, kein Oberteil, als er sich auf sein Schlafsofa setzte, um in die Richtung des Fernsehers zu sehen. Die Nachrichten liefen und brachten mehr oder weniger ununterbrochen die Neuigkeiten der letzten Nacht. Egal welchen Nachrichtensender man einschalten würde, beinahe überall liefen die gleichen Berichte. Nur die Moderatoren unterschieden sich.
    Der Sturm und die Pokémon, die aufgetaucht waren, hatten in der Bevölkerung, besonders in Illumina City, für sehr viel Aufregung gesorgt. Noch immer war völlig unklar, woher sie gekommen waren. Aber es gab angeblich viele Augenzeugen, die noch mehr Pokémon gesehen haben wollen. Die Polizei war damit beschäftigt diese Aussagen auszuwerten, um tatsächliche Ergebnisse veröffentlichen zu können. Bisher beschränkte man sich darauf, dass neben dem gefährlichen Trikephalo, auch mehrere UHaFnir gesichtet worden waren. Ebenfalls sollen wohl Iksbats und Golbats dabei gewesen sein. Von einem Libelldra sei auch die Rede, aber das schien nicht zu der Gegenseite gehört zu haben. Tatsächlich wurden sogar zwei Pokémon-Trainern gedankt, die auch interviewt wurden. Soul schnaubte auf, als er darunter Xelif erkannte. Das war doch der eine Typ, den Louna und er im Wald getroffen hatten. Sein Libelldra schien wohl gestern Nacht dabei geholfen zu haben die angreifenden Pokémon abzuwehren. Der zweite Trainer war Soul völlig unbekannt, aber dadurch erfuhr er, dass das gesichtete Tauboss und Washakwil zu demjenigen gehört hatten und ebenfalls gegen die angreifenden Pokémon geholfen hatten.
    Die Polizei hatten ihnen in aller Höflichkeit gedankt, da die beiden Trainer einiges hatten ausrichten können, um die angreifenden Pokémon zu vertreiben. Anscheinend wurden auch zwei Verdächtige festgenommen, denen unterstellt wurde, dass die Pokémon, die angegriffen hatten, zu ihnen gehörten. Die Verdächtigen verneinten und stritten diese Beschuldigungen ab, doch angeblich soll es Augenzeugen dafür geben, dass diese die angreifenden Pokémon mit Befehlen durch die Stadt geschickt hatten. Was da nun Wahrheit oder Lüge war, würde sich noch herausstellen müssen. Der Moderator der Morgensendung meinte dazu, dass er die Bevölkerung auf dem Laufenden halten würde, sobald neue Erkenntnisse vorhanden waren.
    Des weiteren war die Rede von mehreren Verletzten, darunter auch eine Handvoll Schwerverletzte sowie einigen Toten. Die Zahl der Toten wie auch Verletzten schien stündlich anzusteigen, da noch das Chaos beseitigt werden musste. Außerdem drohte einigen Verletzten durch ihren kritischen Zustand der Tod, weswegen die Zahl der Verstorbenen weiter ansteigen könnte. Man hoffte, dass die Ärzte sie retten konnten. Die Schäden, die in der Stadt entstanden waren, betrugen bereits einige Tausend Pokédollar. Wenigstens konnte man den Stromausfall beheben, doch es gab eine weitere schlechte Neuigkeit.
    »Bedauerlicherweise ist seit gestern Nacht der Arenaleiter von Illumina City verschwunden. Die Polizei hat ein Sondereinsatzkommando darauf angesetzt, um eine Spur zu finden. Noch ist unklar, ob der Arenaleiter entführt, verschüttet oder vielleicht auf eigene Faust losgezogen ist, um die Verbrecher zu jagen, die womöglich für den Anschlag verantwortlich sind. Sollten Sie Hinweise auf den Verbleib des amtierenden Arenaleiters haben, so melden Sie sich bitte umgehend bei der Polizei von Illumina City. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Die nächsten Nachrichten kommen um … «
    Soul schaltete den Fernseher aus. Also war der Arenaleiter verschwunden. Er hatte gehört, dass er ein sehr talentierter Trainer sein sollte, wie eigentlich jeder Leiter es sein musste. Die Arenaleiter waren nicht nur dafür da junge, aufstrebende Trainer zu prüfen, sondern besaßen auch außerhalb der Arena einige Pflichten. Darunter fiel auch der Schutz von Pokémon und Menschen. Sicherlich hatte der Arenaleiter gestern ebenfalls dabei helfen wollen, die Angriffe abzuwehren, aber was genau passiert sein könnte, konnte wohl kaum einer sagen. Der Agent des Arenaleiters schien auch ziemlich verzweifelt darüber zu sein, wenn Soul an den knappen Bericht dachte, den er gesehen hatte. Er seufzte auf.
    Verschwunden oder nicht, er war nicht dafür verantwortlich und würde die Arbeit der Polizei überlassen. Die würden schon wissen, was zu tun war. In erster Linie sollte sich Soul um sich selbst sorgen und sein Leben auf die Reihe bekommen. Er war noch nie darauf erpicht gewesen sich in die Angelegenheiten der anderen einzumischen, im Gegensatz zu manch anderen Personen. Kaum dachte er daran, schnaubte er auf. Dass er jetzt an sie denken musste, kam ihm eigentlich ungelegen. Nichtsdestotrotz musste er sich selbst eingestehen, dass er sich ein wenig Sorgen um sie machte. Gestern Nacht hatte sie nicht besonders gut ausgesehen. Wen wunderte es? Bei dem Sturm waren sie völlig durchnässt worden und dann wären sie auch fast noch zwischen die Fronten geraten. Das hätte ganz schön ins Auge gehen können. Warum war ihm aber auch Louna einfach nachgerannt?
    Soul hängte sein Handtuch, was er zum Trocknen seiner Haare benutzt hatte, über einen Stuhl. Danach zog er sich an, aber dummerweise konnte er Louna nicht vergessen. Dieses Mädchen … Seitdem er ihr begegnet war, war eine Menge passiert. Noch dazu schaffte sie es irgendwie sein Leben ein wenig durcheinander zu bringen, ohne dass er es wollte. Was dachte sie sich dabei? Es wäre sicherlich besser, sich von ihr fern zu halten.
    »Nein«, murmelte er. Es wäre besser, wenn sie sich von ihm fern hielt. Nicht, weil er sie nicht ausstehen konnte, sondern weil … Er schüttelte wieder den Kopf. Dieses Weib! Irgendwann würde er wegen ihr in der Klapse landen! Als er Dael aus seiner Ecke heraus aufbrummen hörte, sah er zu seinem Pokémon.
    »Ja, ja, schon gut«, meinte er zu ihm. Man hätte als Außenstehender den Eindruck gewinnen können, als könnte Dael die Gedanken von Soul lesen und umgekehrt. Ob er nun wollte oder nicht, Soul traf Louna immer wieder. Ob man da noch an einen Zufall glauben wollte, sei mal dahin gestellt. Es schien, als würde er sie nicht los bekommen und gerade eben tat er auch nichts dagegen, um genau das zu schaffen. Er hatte nämlich nach seinem Mobiltelefon gegriffen. Nein, nicht nach seinem Holo-Log. Der Holo-Log mag ganz nett sein, da man dadurch Hologramme verschicken konnte. Soweit Soul mitbekommen hatte, gab es mittlerweile sogar ein neues und sehr umfangreiches Update, was dazu führte, dass man live Hologramme verschicken konnte und dadurch mit anderen noch besser kommunizieren konnte. Das bedeutete, dass man ähnlich wie mit Videobotschaften, aber hier eben durch Hologramme, mit anderen reden und dabei sich auch ansehen konnte. Die Technik entwickelte sich eben immer weiter. Nun, Soul konnte auf einen Holo-Log gut verzichten. Er hatte keine Lust Bilder von sich selbst an andere zu versenden. Aber dafür übermittelte er in diesem Moment eine Textnachricht an das Mädel, was ihm nicht aus dem Kopf gehen wollte. Verflucht sei sie!


    Hi Lou, wie geht‘s dir? Nacht überstanden? -S


    Danach steckte Soul sein Mobiltelefon ein, sowie auch alle anderen wichtigen Dinge, die er stets bei sich trug. Darunter gehörten auch seine Pokébälle, in denen er seine Pokémon mit sich führte. Dementsprechend musste er auch Dael erst einmal zurück in seinen Ball rufen. Da dieser noch zu müde war, hatte dieser sowieso keine große Lust sich zu bewegen und blieb damit im Ball. Sobald Soul alles beisammen hatte, zog er seine Jacke über. Nach dem Wetter gestern Nacht war der heutige Tag noch etwas frisch. Eine Jacke war da angebracht, ehe er seine kleine Wohnung verließ, um sich auf den Weg zur Arbeit zu machen.


    Der Tag ging grau in grau daher. Von der Sonne, die anfangs angekündigt gewesen war, konnte man nichts erkennen. Da allerdings Soul sowieso den ganzen Tag im Lager beschäftigt war, Kisten hin und her räumte und kaum nach draußen kam, war es völlig egal, ob es regnete oder die Sonne vom Himmel brannte. Er hatte eh nichts davon. Stattdessen spürte er die Verspannungen im Schulterbereich größer werden, doch darauf konnte er keine Rücksicht nehmen. Er war hier, um zu arbeiten. Dieser Job war nichts für schwache Persönchen. Man musste anpacken können und dem Chef war es am liebsten, wenn man von allein wusste, was man zu tun hatte, anstatt sich alles auftragen zu lassen. Nachdem Soul hier angefangen hatte, war ihm schnell klar geworden, wie das Haspiror langlief und war dementsprechend selbstständig am arbeiten. Er half, wo er konnte, denn auch wenn der Lohn nicht besonders hoch war, so sicherte er doch seinen Lebensunterhalt. Viel blieb am Ende des Monats zwar nicht übrig, aber solange er keinen besser bezahlten Job fand, musste er eben haushalten und mit dem zurecht kommen, was er hatte. Das war für ihn auch nicht das erste Mal. Er konnte sich eigentlich gar nicht daran erinnern, dass es jemals eine andere Zeit gegeben hatte, wo er nicht an der Grenze des Minimums gelebt hatte. Beschweren tat er sich darüber nicht. Ihm war das so ganz recht, solange er seine Ruhe hatte, ohne dass jemand in sein Leben hinein pfuschte und ihm vorschrieb, was er zu tun und zu lassen hatte. Lieber lebte er allein und ungebunden, als sich von irgendwem Vorschriften machen zu lassen. Die einzigen Vorschriften, die er befolgte, kamen von seinem Chef. Schließlich wollte er nicht seinen Job riskieren. Ohne diesen wüsste er nicht, wie er seine Miete bezahlen sollte. Die war zwar nicht ganz so hoch, aber manches Mal wurde es doch recht knapp.
    Irgendwann konnte Soul die Unruhe, die vom Eingang des Lagers herkam, nicht mehr ignorieren. Normalerweise interessierte es ihn nicht sonderlich, wenn irgendwo anders diskutiert wurde. Er hielt eben seine Nase aus den Angelegenheiten anderer heraus. Doch der Tumult nahm kein Ende. Manches Mal gab es Probleme mit Lieferanten, weswegen sein Lagerchef öfters mal etwas lauter wurde, um den Nichtsnutzen – wie er die anderen gerne betitelte – den Kopf zu waschen. In diesem Fall jedoch schien es um etwas anderes zu gehen. Eigentlich wollte Soul gar nicht darauf eingehen, aber diesmal lugte er doch Richtung des Lagereingangs. Was er allerdings sah, missfiel ihm ganz eindeutig. Er stellte das Paket neben sich auf dem Boden ab, was er eigentlich in eines der Regale stellen musste – ausgepackt. Dazu kam er nicht, weil seine Aufmerksamkeit viel zu sehr auf der Gruppe lag, die sich am Eingang versammelt hatte.
    Neben seinem Lagerchef konnte er zwei weitere Gestalten erkennen, die ihm die Galle hochkommen ließ. Sie waren in einem dunklen und schicken Anzug gekleidet, trugen beide jeweils eine Sonnenbrille und besaßen eine perfekt sitzende Frisur. Auf den ersten Blick hätte man erfolgreiche Geschäftsleute erkennen können, doch Soul wusste es besser. Er hatte die beiden schon einmal gesehen und wusste, um wen es sich dabei handelte. Der eine nannte sich Logan Isaaruh, während der andere Ethan Bertrand hieß. Es waren Decknamen. Die echten Namen kannte auch Soul nicht, doch er wusste, dass sie Dreck am Stecken hatten. Ihre zwielichtigen Geschäfte stanken zum Himmel. Sie gierten nach Profit, während es ihnen völlig egal war, ob sie dabei über Leichen gehen mussten. Oder über gequälte oder geklaute Pokémon. Was sie ausgerechnet hier wollten, konnte Soul allerdings nicht sagen. Er tat gut daran, sich nicht zu zeigen und sich hinter einem der hohen Lagerregale zu verbergen. Von seiner Position aus konnte er auch nicht das Gespräch verfolgen, ahnte aber Schlechtes. Wenn er könnte, würde er die beiden nur allzu gerne bei der Polizei verpfeifen, denn es waren wahre Ekelpakete. Soul war bei ihnen nicht sonderlich beliebt, aber das traf auf Gegenseitigkeit. Diese Typen gehörten hinters Gitter, nur war er weder in der Lage noch in der Position dafür zu sorgen, dass sie dingfest gemacht wurden. Allein schon, weil Soul keine Beweise besaß, um sie der Polizei vorzulegen. Am Ende würde er selbst seinen Kopf riskieren, zumal er sehr genau wusste, dass diese Typen äußerst geschickt darin waren ihre dunklen Machenschaften zu vertuschen. Wenn er doch nur …
    »Ich verstehe … «, schnappte er auf. Das Gespräch zwischen den zwei scheinbaren Geschäftsmännern und dem Lagerchef kam zum Ende und die beiden Anzugträger verabschiedeten sich. Sie verließen diesen Ort, so dass Soul gerne aufgeatmet hätte. Er konnte einfach nicht, denn das schlechte Gefühl blieb. Es wurde auch nicht besser, als sein Chef wieder ins Lager kam und ihn dann hinter dem Regal erblickte. Seine strenge Miene sprach Bände und seine Worte sorgten auch nicht dafür, dass Soul sich sicherer fühlte.
    »Wir müssen reden«, meinte dieser zu ihm. Soul antwortete nicht, auch nicht, indem er nickte. Er folgte seinem Chef nur langsam, als dieser voran ging und das kleine Büro ansteuerte, was dem Chef allein gehörte und wo er sämtliche Papiere von den Mitarbeitern und anderweitige Unterlagen verstaut hatte.
    Soul hätte gerne auf dem Absatz kehrt gemacht, doch was brachte es wegzulaufen? Das hatte noch nie geholfen, das wusste er leider nur zu gut. Obgleich er in seinem Leben häufig oft davon gelaufen war, um anderen zu entkommen. Er wollte nicht jetzt daran denken. Es reichte schon, dass sich sein Magen verknotete und er allmählich Bauchschmerzen bekam. Es wurde auch nicht besser, als sein Chef begann sich hinter seinem Schreibtisch zu setzen, um ihn durchdringend und sehr nachdenklich anzusehen.
    »Es gibt leider ein paar Unstimmigkeiten«, begann er. Soul begann schon jetzt nicht mehr richtig zuzuhören. Er wusste genau, wohin das Gespräch führte. Unterm Strich besaß er ein relativ gutes Verhältnis zu seinem Chef. Dieser hatte sich nie in Souls Leben eingemischt, aber er hatte ihn genauso respektvoll wie alle anderen Mitarbeiter behandelt. Normalerweise interessierte sich der Chef auch nicht dafür, was im Leben der anderen vor sich ging. Er gab allen eine Chance sich zu beweisen und ordentlich zu arbeiten. Doch manches Mal konnte auch er nicht über einige Dinge hinweg sehen. Soul wusste das. Es war einfach unmöglich vor der Vergangenheit zu fliehen. Auch wenn Soul seinem Chef nie Ärger bereitet hatte, nie unpünktlich gekommen war oder anderweitig groß ausgefallen war … Das änderte nichts an der Entscheidung, die sein Chef getroffen hatte.
    »Es fällt mir schwer, aber leider muss ich dich kündigen.« Den Satz hatte Soul erwartet. Nach der Rede seines Chefs oder nun vielmehr Ex-Chefs hatte er nur auf diesen einen Satz gewartet, dass er ihn aussprach. Was sollte er tun? Sicher, Soul könnte sich aufrichten und versuchen ihn umzustimmen. Könnte versuchen ihn davon zu überzeugen, dass diese Lackgriffels von vorhin Unsinn von sich gegeben hatten, um Soul schlecht darzustellen. Dabei hatten sie nicht einmal explizite Details über Soul heraus posaunt. Nein, es waren indirekte Drohungen an den Chef gewesen, unschöne Ereignisse, die passieren könnten, wenn er Soul weiter für sich arbeiten ließ. Unfälle, die geschehen könnten, weil der Junge ein Unglückskramurx war. Sie hatten den Lagerchef gewarnt, ihm ans Herz gelegt lieber jemanden wie Soul zu entlassen, um sich nicht möglichen Ärger einzuhandeln. Nicht, dass der Lagerchef jemand wäre, der sich schnell einschüchtern ließ. Ganz im Gegenteil. Er war eine standhafte Person und gab anderen Konter, wenn ihm jemand dumm kam. Aber ihm war nicht entgangen wie ernst es den zwei Geschäftsmännern damit gewesen war. Wie dringlich es schien, Soul los zu werden.
    Und er? Er könnte sich hinstellen und versuchen um seinen Job zu kämpfen. Er könnte versuchen zu beweisen, dass er seinem Lagerchef keinen Ärger bereiten würde. Weder jetzt noch sonst irgendwann. Doch dafür war Soul nicht bereit. Er war zu müde, um diesen Kampf aufzunehmen, gab lieber von vornherein auf. Denn er wusste, wie einflussreich diese Typen waren, die wieder und immer wieder kommen würden. Es war nicht das erste Mal, dass sie ihm einen Job mies machten. Dass sie dafür sorgten, dass er eine Stelle verlor. Sie taten es immer wieder. Obgleich er sie seit gut einem Jahr nicht mehr gesehen hatte, waren sie jetzt wieder aufgetaucht. Warum auch immer. Es wäre zu schön gewesen, ihnen zu entkommen, unterzutauchen und nicht aufzufallen. Die Vergangenheit hinter sich zu lassen … Wie naiv man sein musste, um zu glauben, dass das wirklich von Erfolg gekrönt sein könnte.
    Soul akzeptierte es. Nach den Kündigungsschutzgesetzen wäre es nicht einmal so einfach ihn rauszuwerfen. Das wusste er selbst wie auch sein Lagerchef. Er könnte dagegen protestieren, dagegen vorgehen, aber auch das würde er nicht tun. Es war besser so, um nichts Schlimmeres heraufzubeschwören. Also übergab Soul seine Schlüsselkarte, mit der er sich jeden Tag ein- und ausloggte, damit das System sein Ankommen und Gehen registrieren konnte und man so aufzeichnen konnte, wie lange er gearbeitet hatte. Für die Abrechnung an jedem Monatsende. Für Über- oder Unterstunden.
    Soul sagte nicht viel dazu. Er war eh nie der Typ gewesen, der große Reden schwang und auch als er sich umdrehte, um das Büro zu verlassen, wollte er nicht viele Worte verlieren. Sein Ex-Chef hielt ihn allerdings noch einmal kurz auf.
    »Soul! In welchem Schlamassel du auch immer steckst, ich hoffe für dich, dass du dabei nicht deinen Kopf und Kragen verlierst.« Es war gut gemeint. Der Chef kündigte ihm nicht, weil er es wollte, sondern weil er es musste. Um selbst nicht zu viel zu riskieren. Das konnte Soul verstehen, sowie er auch den Unterton in dessen Stimme verstand. Die Sorge um den Jungen, dass er sich Ärger eingehandelt hatte, aus dem er nicht mehr heraus kam. Zu gerne hätte Soul ihm gesagt, dass er gar kein Interesse an diesem Ärger hatte. Dass er damit schon lange Zeit abgeschlossen hatte und ihn diese Typen von vorhin nicht interessierten. Das Dumme daran war nur, dass er ihnen nicht entkam. Dass sie ihn immer wieder verfolgten. Mal intensiver, mal weniger. Aber in Ruhe lassen würden sie ihn nie. Egal wie sehr er es sich auch wünschen würde.


    Wie schlimm konnte es eigentlich noch werden? Der Tag hatte nie die strahlende Helligkeit erreicht, wie all die Tage zuvor, wo die Sonne so wunderbar geschienen hatte. Und jetzt am späteren Nachmittag wurde es bereits dunkler. Die graue Wolkendecke sorgte noch mehr dafür. Es sah außerdem danach aus, als könnte es bald wieder regnen. Doch dieses Mal würde kein so heftiger Sturm aufkommen. Tatsächlich war der Wind relativ ruhig, nicht so stark wie gestern. Das war gut, aber Soul hatte trotzdem keine Lust darauf von einem weiteren Regenschauer erfasst zu werden. Er hatte sowieso schon das Gefühl unter einer Regenwolke zu stehen. Nicht, dass er seinen Job geliebt hatte. Er könnte sich auch was Besseres vorstellen. Doch er hatte Arbeit gehabt, einen festen Lohn, auf den er sich verlassen konnte. Jetzt war seine Einnahme weggefallen und er musste zusehen, wie er klar kam. Wo er wieder neue Arbeit finden konnte … Das war ein sehr deprimierender Moment. Neue Bewerbungen schreiben, Firmen aufsuchen, die irgendwo einen Hilfsjob ausgeschrieben haben. Sich von der besten Seite zeigen … Das nervte ungemein. Wenn‘s einfacher wäre, würde Soul gar nichts tun, sich einfach verkriechen und den ganzen Mist hinter sich lassen, der ihm widerfuhr. Aber so einfach war das nicht. Leider.
    Jetzt auf dem Nachhauseweg holte er sein Mobiltelefon aus seiner Hosentasche heraus. Während der Arbeit vermied er es darauf zu sehen. Sein Ex-Chef hatte es nicht gern gesehen, wenn man sich von anderen Dingen ablenkte und Soul gehörte auch nicht zu den Leuten, die zombiegleich jede freie Sekunde nachschauen mussten, ob sie eine neue Nachricht bekommen hatten. Ein ziemlich trostloses Leben, wenn man so Nachrichtengeil war, dass man kaum von seinem Telefon weg kam …
    Erwartet hatte er nichts, doch tatsächlich blickte das Neue-Nachrichten-Symbol auf. Es war Louna, die ihm geantwortet.


    Soul? Leider hab ich mir eine dicke Erkältung eingehandelt. Ich hoffe, dir geht es besser …


    Gesundheitlich ging es Soul tatsächlich besser. Doch alles andere … ? Darüber wollte er gar nicht nachdenken. Statt Louna direkt wieder zu antworten, versuchte er sie anzurufen. Warum? Wenn er ehrlich zu sich selbst war, fragte er sich das auch, warum er das tat. Normalerweise besaß er kein Bedürfnis dazu zu telefonieren, geschweige denn sich bei jemandem auszuheulen. Er hatte auch gar nicht vor, Louna darüber zu informieren, was bei ihm los gewesen war. Das ging sie nichts an. Aber trotzdem wollte er mit ihr reden. Verrückt, oder? Ob er erleichtert oder enttäuscht sein sollte, dass sie trotz allem nicht an ihr Telefon ging? Warum auch immer, aber sie nahm nicht ab. Vielleicht war sie gerade anderweitig beschäftigt. Vielleicht schlief sie im Moment auch? Er steckte sein Telefon wieder weg. Möglicherweise war es so das Beste. Dann lief er nicht Gefahr ihr doch noch etwas zu sagen. Sie hatte diese unliebsame Eigenschaft ihrer Neugier nachzugeben und ständig Fragen zu stellen. Sie schien auch ein gewisses Gespür zu haben, wenn etwas nicht stimmte. Auch wenn er sie erst vor wenigen Wochen kennengelernt hatte, so war es nicht schwer gewesen einige ihrer Charaktereigenschaften zu erkennen. Auf der einen Seite fand er sie furchtbar nervig. Auf der anderen … Soul schüttelte den Kopf und verbannte sie aus seinen Gedanken. Hatte er nicht einmal für sich entschieden niemanden an sich heranzulassen? Er hatte nicht vor, irgendwen in seine Angelegenheiten hinein zu ziehen. Deswegen war er so dankbar gewesen, dass sein Ex-Chef sich nie bei ihm eingemischt hatte und auch vorhin nicht näher nachgefragt hatte, als hätte er gewusst, dass Soul nicht bereit gewesen wäre darüber zu reden.
    »Ich sollte weniger nachdenken, davon bekomme ich Kopfschmerzen«, redete er mit sich selbst und rieb sich über die Schläfen. Es wurde Zeit nach vorn zu schauen und sich weniger Gedanken über andere Menschen zu machen. Hey, er war verdammt gut darin allein klar zu kommen. Das hatte er schon sehr früh gelernt und würde es auch weiterhin beibehalten. Warum jetzt etwas daran ändern?
    Um nicht noch zufällig jemanden (Bestimmten) über den Weg zu laufen, vermied er die Hauptstraßen und nutzte die Schleichwege von Illumina City. Davon gab es reichlich welche. Nebenstraßen oder kleinere Gassen führten zwar auch in nicht ganz so beliebte Viertel und Straßen, aber sie boten auch Abkürzungen. Genau davon wollte Soul Gebrauch machen. Leider ging sein Plan nicht ganz auf. Warum auch? Besonders viel Glück hatte er noch nie besessen. Nur leider sah er die Gestalt weiter vorne zu spät. Auch sie hatte ihn bereits entdeckt, so dass es ihm nicht mehr möglich war umzukehren.
    »Na sieh mal einer an«, wurde er mit einem höhnischen Lächeln begrüßt.
    Logan Isaaruh, wer auch sonst? Sein Kamerad Ethan Bertrand war natürlich auch dabei. Als hätten die beiden nur darauf gewartet, dass er hier lang kam. Dabei hätten sie sich nicht einmal sicher sein können, da es mehrere Möglichkeiten und Wege gab. Es glich einem Zufall. Einem verdammt schlechten Zufall.
    »Wie geht es dir, Soul?«, wollte Logan wissen, als er sich von der Wand abdrückte, an der er eben noch gelehnt hatte. Soul schnaubte verächtlich auf.
    »Als wenn dich das interessieren würde.« Er wusste ganz genau, dass die beiden nicht an sein Wohlbefinden interessiert waren. Die beiden Männer waren einige Jahre älter als er, um nicht zu sagen fast doppelt so alt. Aber das kümmerte Soul recht wenig. Respekt erhielten sie von ihm nicht. Schließlich hatten sie keinen verdient.
    »Wer wird denn gleich schnippisch werden?«, mischte sich Ethan ein.
    »Was wollt ihr? Noch mehr Ärger verursachen? Noch mehr Pokémon auf die Stadt hetzen?«, fragte Soul, ohne eine ernsthafte Antwort darauf zu erwarten. Geantwortet wurde zwar, aber ob das ernsthaft war … ? Natürlich nicht.
    »Als wenn wir so etwas tun würden!« Logan klang gespielt pikiert, als hätte man ihn für ein Verbrechen beschuldigt, was er nie und nimmer begehen würde, weil er ja so eine unschuldige Seele war.
    »Ach? Ihr wollt wohl behaupten, dass ihr nicht an dem Anschlag letzte Nacht Schuld seid?« Natürlich waren sie daran Schuld! Sie standen bis zum Hals darin, da war sich Soul sicher. Auch wenn er es nicht direkt beweisen konnte, sie stanken einfach danach.
    »So etwas würden wir niemals tun, das weiß du ganz genau!«, meinte Logan verteidigend, aber auch nicht ganz ernst gemeint. Seine Mundwinkel zogen sich schon wieder verhöhnend in die Höhe, was ein deutliches Zeichen für Soul war, dass er gar nicht so falsch mit seiner Beschuldigung lag. Natürlich gaben sie es nicht direkt zu, sonst würden sie sich ins eigene Fleisch schneiden. Aber sie waren auch nicht bereit dazu ernsthaft zu widersprechen, da sie von Soul keinerlei Gefahr witterten. Was sollte er auch schon gegen sie ausrichten? Er war absolut machtlos!
    »Wir sind nur hier, weil dich dein Vater vermisst, verstehst du denn nicht?«, meinte Ethan mit fast besänftigender Stimme. Soul hätte sich friedfertig daraufhin geben können, wenn er die beiden nicht so gut kannte und wusste, dass sie ihn nicht ernst nahmen, geschweige denn ernsthaft daran interessiert wären ihm zu helfen. Sie waren widerliche Ganoven mit denen er nichts zu tun haben wollte. Außerdem …
    »Schlechter Witz«, schnaubte er auf. »Mein Vater ist tot.« Mehr gab es dazu nicht zu sagen. Das wussten sie wie auch er selbst. Wohl deswegen gaben sie darauf keine Antwort, was nicht bedeutete, dass das Gespräch deswegen schon beendet war.
    »Das heißt also, du willst uns nicht begleiten?«, fragte Logan nach, der schon längst die Antwort darauf kannte.
    »Als hätte ich das jemals gewollt … « Weder damals noch heute wollte Soul sie jemals begleiten. Sie konnten hingehen, wo die Sonne nie hin schien. Ans Ende der Welt und darüber hinaus!
    »Wenn das so ist, müssen wir ein wenig Überzeugungsarbeit leisten«, sprach Ethan weiter, der bereits einen Pokéball in der Hand hielt und provozierend auf und ab warf. Erneutes Aufschnauben von Soul folgte.
    »Ihr hattet noch nie eine Chance gegen mich!«, warnte er die beiden, die darauf nicht hören wollten. Sowohl Ethan als auch Logan warfen ihre Pokébälle in seine Richtung. Soul konnte in seinem Kopf Louna entsetztes Aufschreien hören. Jeder kannte die Gesetze bezüglich Pokémon-Kämpfe innerhalb der Städte. Besonders Louna wäre schockiert darüber so etwas mitzuerleben, das wusste Soul nur zu gut. Sie wäre nicht glücklich gewesen, aber was kümmerte ihn schon, was sie glücklich machte? Verdammt noch mal!
    Also rief er selbst seine Pokémon als Unterstützung, denn er hatte wenig Interesse daran von den Gegnern gefressen zu werden. Sie würden nicht zimperlich sein, das wusste er nur zu gut.
    »Wir können das friedlich lösen«, versuchte es Ethan noch einmal, der allerdings so breit und widerlich grinste, weil er sich insgeheim auf den Kampf freute. Soul antwortete nicht darauf. Er würde seine Vorteile aus dem Geisttyp ziehen, da Ethan sein Trombork in den Kampf geschickt hatte. Er wusste doch, dass so ein Pokémon seinen Unlicht-Pokémon unterlegen war! Soul hatte Dael wie auch Nero gerufen. Sein Hunduster war gegenüber der Geisterpflanze doppelt überlegen! Dafür konnte allerdings Pandagro eine echte Gefahr darstellen. Soul würde aufpassen müssen, damit seine Pokémon keinen ernsthaften Schaden erlitten. Er hasste es, wenn ihm diese Kerle auf die Nerven gingen, doch einem Kampf würde er nicht ausweichen können. Daher wollte er sich von Anfang an nicht zurückhalten, sondern die Sache schnell beenden. Ethan und Logan schien es dabei ähnlich zu gehen. Sie starteten gleich mit starken Attacken. Während Pandagro seinen Hammerarm einsetzen sollte, wurde Trombork angewiesen seine Phantomkraft zu gebrauchen. Daher verschwand Trombork einfach an Ort und Stelle, als hätte es nie existiert. Das ärgerte Soul an Geist-Pokémon. Sie konnten sich unsichtbar machen und man wusste nie, wann und wo sie auftauchen würden. Daher konzentrierte er sich zuerst auf Pandagro und wies seine eigenen Pokémon an möglichst auszuweichen. Der Hammerarm war verflucht gefährlich und auch stark. Nicht zuletzt auch, weil er eine Kampfattacke war, die besonders Unlicht-Pokémon zu schaffen machen konnte. Doch Pandagro bewies nicht besonders viel Schnelligkeit, was wiederum besonders Nero als Vorteil nutzen konnte. Denn Souls Nachtara war eines seiner flinkesten Pokémon. Das Ausweichmanöver war für dieses Pokémon ein Leichtes, so dass es vom Hammerarm nicht getroffen wurde. Dael hingegen entkam der Attacke nur knapp. Zwar war Souls Hunduster auch recht flink, aber es konnte nicht mit der Wendigkeit von Nachtara mithalten. Hinzu kam, dass Trombork genau dort auftauchte, wo auch Dael war. Es war unmöglich dem wieder auftauchenden Feind auszuweichen, so dass Dael einen direkten Schlag kassieren musste. Er war so heftig, dass Soul nur dabei zusehen konnte, wie sein Hunduster gegen die nächste Hauswand flog und vor Schmerz aufschrie. Besonders viel Platz war in dieser Seitenstraße sowieso nicht. Die Ausweichmöglichkeiten waren also auch begrenzt. Aber Soul hatte nicht vor nur auszuweichen, er würde auch Gegenangriffe starten. Wichtig war nur, dass seine Pokémon durchhalten würden. Nero bewies mit seiner Flinkheit, dass es nicht einfach werden würde, ihn zu erwischen. Dafür war Soul dankbar, während seine Gegner vor sich hin fluchten. Das war auch der Grund, weswegen Logan sein Pandagro auf Dael hetzen wollte. Noch während dieser am Boden lag und versuchte sich aufzurichten, stürmte das Pandagro wutentbrannt auf ihn zu, um seine Karateschläge an Dael auszulassen.
    »Nero!«, rief Soul und schickte sein Pokémon gegen das Unlicht- und Kampf-Pokémon. »Setz deinen Schutzschild ein!« Nero wusste genau, was zu tun war. Soul hatte seine Pokémon auch für Doppelkämpfe trainiert. Dementsprechend wussten sie, wie man zusammenarbeitete. Neros Flinkheit kam zum Einsatz, so dass er unter den Beinen von Pandagro hinweg huschte und sich zwischen diesem und vor Dael stellte. Gerade als Pandagros Tatzen hinab sausten, um die Schläge auszuteilen, ließ Nero einen unsichtbaren Schild entstehen, der ihn wie auch Dael davor bewahrte von der verheerenden Attacke getroffen zu werden. Pandagros Tatzen prallten am unsichtbaren Schild ab und ließen ihn zurücktaumeln. Das war Glück im Unglück, wenn man das so nennen wollte. Dael bekam dadurch die Zeit sich wieder aufzurichten, zu schütteln und sich für den Kampf erneut bereit zu machen. Er stellte sich neben Nero und beide Pokémon waren bereit gemeinsam gegen Pandagro vorzugehen. Gerade als Soul einen weiteren Befehl rufen wollte, erkannte er aus den Augenwinkeln heraus eine Bewegung von rechts. Er sah in die Richtung und sprang einen Satz zurück. Schweißperlen flogen von seiner Stirn, als er mit knapper Not einem Angriff von Trombork gegen ihn auswich. Ethan lachte im Hintergrund auf.
    »So ist das also … « Man versuchte gar nicht hier fair zu kämpfen, sondern wollte wirklich alle Mittel nutzen, auch wenn das bedeutete die Pokémon auf Menschen los gehen zu lassen. Bevor Trombork noch näher heran kommen konnte, rief Soul ein weiteres Pokémon, nämlich: »Alice!« Dael und Nero waren in diesem Moment auf sich allein gestellt, aber das stellte kein Problem dar. Pandagro versuchte energisch die beiden mit seinen Kampfattacken zu treffen. Er setzte einen Hieb und einen Tritt nach dem anderen ein, aber die beiden tänzelten geradezu verhöhnend um das massige Pokémon herum. Währenddessen stürzte sich Souls gerufenes Kramshef auf Trombork, doch bevor Alice dieses erreichte, wurde es wieder unsichtbar, so dass Soul verärgert die Zähne zusammenbiss. Er hielt nach dem Geister-Pokémon Ausschau, doch es war verflucht schwer herauszufinden, wo es als nächstes auftauchen würde.
    Alice flog derweil über ihn und Pandagro hinweg, bis Soul ihr anwies ihren Flügelschlag gegen Pandagro einzusetzen. Dadurch, dass nun drei Pokémon gegen den Kämpfer vorgingen, wurde es ziemlich schnell in die Ecke getrieben. Jedoch nicht für lang. Trombork tauchte natürlich dort auf, wo Soul es nicht haben wollte, nämlich wieder hinter seinen zwei Pokémon Nero und Dael. Beide waren ziemlich erschrocken, doch Soul reagierte sofort und brüllte den Attackenbefehl: »Spukball!« Nero war schnell genug und ließ einen kleinen Spukball entstehen. Er war nicht sonderlich stark, weil nicht genug Zeit war, um noch mehr Kraft in diese Attacke hinein zu legen. Sie diente auch viel mehr der Gegenwehr und gleichzeitigen Ablenkung gegen Trombork, um es davon abzuhalten seinen Angriff auszuführen. Dafür bekam Dael ein paar Sekunden mehr, die es dafür nutzen konnte, um einen Flammenwurf auszuspeien. Trombork wurde direkt von den Flammen eingehüllt und kreischte unheimlich auf. Oh ja, Soul wusste ganz genau wem dabei eine beängstigende Gänsehaut über den Rücken laufen würde.
    »Gib auf!«, brüllte Logan, der direkt auf Soul zugerannt kam. Es war nicht gerade einfach sich auf so viele Mitstreiter zu konzentrieren. Die Pokémon oder die Menschen? Wo Soul gerade noch auf seine Pokémon fixiert war, nutzte Logan die Gunst der Stunde, um ihm näher zu kommen. Er wollte Soul mit Gewalt aufhalten, ihn womöglich niederschlagen, aber da machte Soul nicht mit. Er war nicht wehrlos und hatte früh gelernt sich zu verteidigen. Nicht nur mit den eigenen Pokémon. Daher wich er Logan auch aus und versuchte Abstand zu ihm zu bekommen. Ein direktes Handgemenge mit Logan wollte er lieber vermeiden. Auch mit Ethan wollte er sich nicht direkt auseinandersetzen, aber die beiden legten es förmlich darauf an. Sie wollten ihn einkesseln und mit Gewalt mitschleppen. Aber das kam überhaupt nicht in Frage! Soul suchte sich seinen Schlupfwinkel, um den beiden zu entkommen. Er hätte womöglich auch den Pokémon-Kampf gewonnen, doch der Aufruhr, der in dieser Seitenstraße entstanden war, blieb nicht ewig unbemerkt. Leute waren stehen geblieben, einige waren bereits näher gekommen, andere hatten schon nach ihrem Telefon gegriffen und riefen vermutlich die Polizei. Schließlich waren Pokémon-Kämpfe verboten. Soul ahnte, je länger er hier blieb, desto mehr Ärger würde es geben. Er pfiff seine Pokémon zu sich und rannte los. Logan und Ethan brauchte er dabei nicht einmal abzuhängen, weil die beiden auch begriffen, dass es Zeit war von hier zu verschwinden, noch bevor die Polizei eintreffen würde. Sie riefen ihre Pokémon zurück und verschwanden in die entgegengesetzte Richtung von Soul. Dieser blieb nicht stehen, auch nicht als er ein Pokémon nach dem anderen in seinen Ball zurück rief. Er rannte weiter und zwar so lange, bis er den Ort der Auseinandersetzung hinter sich gelassen hatte und sich soweit sicher fühlte, dass auch keine Polizei die Verfolgung aufgenommen hatte. Doch erst als er in seiner eigenen Wohnung ankam, atmete er auf und sank zu Boden.
    Dieser Tag war wirklich beschissen gelaufen und er war sicher, dass die nächsten Tage nicht besser laufen würden. Jetzt wollte er allerdings nur seine Ruhe, wollte zu Atem kommen und alles hinter sich lassen. Er musste alles sacken lassen und dafür sorgen, dass sein Körper aufhörte so stark zu zittern. Denn dadurch fiel ihm auch sein Telefon aus der Hand, als er es wieder aus seiner Hosentasche heraus zog. Was soll‘s, einen Rückruf hatte er eh nicht bekommen. Natürlich nicht.



    *Anmerkung zu den Ereignissen, die man in den Spielen Pokémon X und Y erlebt: Diese Ereignisse um Team Flare etc. sind in meiner Geschichte nie so passiert, wie man sie in den Spielen erlebt hat. Ich nehme davon Abstand und schreibe meine ganz eigene Kalos-Geschichte. ;)  

    *Anmerkung zum Arenaleiter von Illumina City: Auch hier nehme ich Abstand zu Citro, da er im Spiel wie auch im Anime/Manga doch ziemlich jung wirkt. In meiner definierten, realistisch-angehauchten Pokémon-Welt können Kinder keine Arenaleiter sein, weswegen Citro auch nicht als solcher für Illumina City vorgesehen ist. Was nicht heißt, dass er nicht mit dem Arenaleiter verwandt sein könnte und evt. eines Tages mal ein Leiter wird. Oder war. Wer weiß. Wie gesagt nehme ich keinen direkten Bezug zu den Spielen, weswegen ich auch nicht festlege, ob etwaige Ereignisse aus dem Spiel vor oder nach meiner Geschichte passieren könnten. Auch wenn ich vorhandene Charakter wie Viola oder Professor Platan benutze, gestalte ich es im Allgemeinen doch lieber so, wie ich es für richtig halte. Ich bitte um Verständnis.





  • Hey Lexa,


    damit das Feuer etwas beruhigt wird, bekommst du heute einen Kommentar. Wobei ich gar nicht so genau weiß, wo ich anfangen soll, weil in der Zwischenzeit doch einiges passiert ist. Jedenfalls freut es mich zu sehen, dass du die Alola-Pokémon so schnell adaptiert hast und sie nun ebenfalls vorkommen dürfen. Dadurch merkt man, dass die Geschichte nicht allzu statisch aufgebaut ist und jederzeit kleine Anpassungen möglich sind, sofern sie nicht mit der Hauptgeschichte kollidieren. Besonders Vulpix hat es mir angetan und ich hoffe, dass es noch öfter vorkommen wird, ebenso wie sich Raichu hoffentlich präsentieren darf.


    Um auf die letzten Geschehnisse zu sprechen zu kommen, da ist ja nun doch wieder einiges passiert. Zuallererst schien der Vorfall in Illumina ja nicht natürlichen Ursprungs gewesen zu sein, sondern geplant. Ob der Vogel (der dank seiner wenigen Beschreibung wie Yveltal wirkt) etwas damit zu tun hatte, wird ja nicht direkt erwähnt, aber allein dass es auftaucht, lässt ja in der Regel nichts Gutes vermuten. Und das wirft nun die ersten Fragen ob der nächsten Geschehnisse auf, da wohl unweigerlich eine fremde Organisation dafür verantwortlich ist. Ich bin also gespannt, welche Auswirkunden die Folgen dieses Unwetters auf das Leben in Kalos haben.
    Andererseits ist da natürlich auch Souls unangenehme Situation, dass er nicht nur von seinem Job gekündigt wurde, sondern auch weil er von diesen beiden Männern bedrängt wird. Von denen bekommt man ja zuerst den Eindruck, als wären das Steuerhinterzieher, aber auf der anderen Seite sprechen sie mit Souls Eltern, spezifisch seinem Vater, auch eine bisher noch nicht erwähnte Sache an. Zumindest weiß man als Leser nun, dass da mehr dahinter steckt, auch wenn die genaue Verbindung noch aussteht. Auf jeden Fall fand ich den kleinen Kampf anschaulich vermittelt. Bei Doppelkämpfen ist es schwierig, die Dynamik zu behalten, aber dir gelingt das hier recht gut und von Vorteil war wohl auch, dass die Performance aufgrund des Eintreffens der Polizei nicht allzu lang war. Da bin ich gleich umso gespannter auf die zukünftigen Kämpfe, die sicher nicht ausbleiben werden.


    In diesem Sinn: Wir lesen uns!

  • 30. Kapitel - Futtersuche


    - BREAKING NEWS -
    Seit letzter Nacht besteht große Aufregung in der Bevölkerung von Illumina City. Die Polizei arbeitet auf Hochtouren, um die Auslöser des Angriffs der Pokémon herauszufinden. Dennoch ist unklar, woher die Pokémon kamen, die mit dem Sturm aufgetaucht waren und für große Unruhe in der Stadt gesorgt haben. Mutmaßungen und Zeugenaussagen gehen davon aus, dass eine verbrecherische Bande ihr Unwesen in Illumina treibt und für die Katastrophe verantwortlich sei.
    Vor allem der Zentral-Plaza wurde dabei sehr in Mitleidenschaft gezogen. Noch sind viele Straßen gesperrt, weswegen wir alle Autofahrer darum bitten, möglichst den Platz zu umfahren. Auch die Aufräumarbeiten innerhalb der Stadt sind noch in vollem Gange. Daher wurde eine Liste der betroffenen Regionen auf unserer Website gestellt, die immer wieder aktualisiert wird und Sie auf dem Laufenden hält.
    Die Polizei bittet außerdem bei der Bevölkerung um Mithilfe, um das Verschwinden des amtierenden Arenaleiters aufzuklären. Seit dem Angriff auf den Prismaturm letzte Nacht sei dieser verschwunden. Sein Agent konnte ihn bislang nicht erreichen, so dass vorerst vom Schlimmsten ausgegangen werden muss. Eine Mitarbeiterin der Arena von Illumina City meinte, dass er den Verbrechern auf der Spur sei, die für den Angriff letzter Nacht verantwortlich seien. Viele glauben an die Stärke des Arenaleiters und sind daher weniger besorgt. Trotzdem hofft die Polizei auf Hinweise aus der Bevölkerung, um den Arenaleiter zu finden. Sollten Sie etwas darüber wissen, dann rufen Sie bitte unter der eingeblendeten Telefonnummer an.
    Kommen wir nun zu einem Trainer, der letzte Nacht mit seinem Libelldra heldenhaft gegen die angreifenden Pokémon gekämpft und dabei geholfen hat, die Stadt vor noch mehr Schaden zu beschützen: Xelif Payne …


    Der Moderator des Nachrichtensenders drehte sich zu dem Bildschirm, auf dem das Interview von letzter Nacht eingeblendet wurde. Neben Xelif Payne stand eine Dame, die ihn direkt nach den katastrophalen Ereignissen interviewt hatte. Dabei wirkte Xelif sehr bescheiden und meinte auf ihre Fragen hin: »Ich habe nur das getan, was andere Trainer an meiner Stelle auch getan hätten.«
    Trotz Xelifs und dem Einsatz eines anderes Trainers, neben dem Einsatz der Rettungskräfte, gab es viele Verletzte und Tote, die dem Angriff der fremden Pokémon zum Opfer gefallen waren. Die Schäden in der Stadt waren größtenteils um den Zentral-Plaza verteilt und betrugen laut Einschätzungen von Experten bereits mehrere Hundertausende Pokédollar.
    Nanamie Lavie, Lounas Mutter, konnte nur mit dem Kopf schütteln, als sie mit ihrer Kaffeetasse im Wohnzimmer vor dem Fernseher saß und die Nachrichten ansah. Seit letzter Nacht war ihr Mann auf Arbeit, obwohl er eigentlich frei gehabt hätte. Er war zum Notfalleinsatz gerufen worden und würde auch nicht so schnell wieder davon abgelöst werden. Da er einer der besten Kriminalbeamten war, würde man auf seine Hilfe kaum verzichten wollen. Das war einerseits ehrbar, andererseits aber auch von Nachteil, weil er dadurch keine wirkliche freie Zeit bekam. Hinzu kam, dass Nanamie sich Sorgen um ihren Mann machte. Sie wusste, wie gut er war, aber schlussendlich blieb immer ein Restrisiko. Was, wenn er auf einen oder mehrere dieser Schurken traf, die diese gefährlichen Pokémon einsetzten? Wenn ihr Mann dabei verletzt wurde? Nicht auszudenken! Bei jedem Einsatz von dem sie wusste, machte sie sich Gedanken. Nach außen hin war sie immer sehr ruhig und gefasst, doch innerlich fühlte sie sich wie ein Flummi, der nicht still bleiben konnte. Sie hoffte, dass alles gut gehen würde. Als sie vom Flur schlurfende Schritte hörte, wandte sich Nanamie ab und blickte ihre Tochter an, die gerade das Wohnzimmer betrat. Sie sah fürchterlich aus.
    »Guten Morgen?« Es war mehr eine Frage, die sie ihrer Tochter stellte, da Louna alles andere als »gut« aussah. Außerdem konnte man auch den Morgen nicht besonders hoch anpreisen, nach dem was letzte Nacht geschehen war.
    »Morgen«, krächzte Louna, die müde über ihre Augen rieb. Ihre Mutter stand auf und kam ihr entgegen.
    »Geht‘s dir nicht gut?«, wollte sie von ihr wissen. Louna zuckte mit den Schultern.
    »Ich glaube, ich habe mich ein wenig erkältet«, antwortete sie, noch immer mit dieser schrecklich krächzenden Stimme. Als reichte das nicht, folgte lautstark ein Niesen.
    »Das klingt aber nicht gut. Na kein Wunder, nachdem du gestern völlig durchnässt nach Hause gekommen bist.« Nanamie erinnerte sich gut an die gestrige Nacht. Louna hatte eigentlich Soul nur zur Haustür begleiten wollen und war dann ganz spontan in die Nacht hinaus gerannt, weil sie ihn verfolgt hatte, als er auf einmal davon gerannt war – so die Aussage ihrer eigenen Tochter. Als sie sehr viel später daheim angekommen war, hatte Louna am ganzen Leib gezittert, obwohl eigentlich Sommer war und die Temperaturen nicht so kühl sein dürften. Doch gestern … Gestern war alles anders gewesen.
    »Bleib lieber Zuhause«, sagte Nanamie, da sie sich nun auch Sorgen um Louna machte.
    »Mhm, ich muss noch ein paar Sachen erledigen«, nuschelte Louna, was auch stimmte. Für heute hatte sie sich einiges vorgenommen und von einer Erkältung wollte sie sich nur ungern davon abbringen lassen.
    »Wie du meinst, aber übertreib es nicht, ja?«, meinte ihre Mutter, die sie skeptisch musterte. Louna nickte, während ihre Mutter dabei war die Küche zu betreten, um die leere Kaffeetasse wegzubringen.
    In den kommenden Tagen soll es voraussichtlich wieder schönes Wetter geben …
    Mittlerweile berichtete der Quaxo-Mann – oder auch als Wetterberichtmoderator bekannt – über das kommende Wetter im Fernseher. Er wurde nur deshalb so genannt, weil an seiner Seite stets ein Quaxo zu sehen war, welches hier und da auch mal einen Laut von sich gab und mit dem Quaxo-Mann ein paar Späße machte. Diesmal fielen die Späße aus, die ihn sonst zu einem sympathischen Moderator im Fernseher machten, aufgrund der schlechten Ereignisse der letzten Nacht.
    »Ich muss jetzt los, Louna«, rief ihre Mutter ihr zu und sah noch einmal ins Wohnzimmer rein. Dabei fiel sowohl Louna als auch ihrer Mutter auf, dass das Waumboll von gestern noch immer anwesend war. Das kleine Pokémon war durch das Fenster im oberen Stock hinein geweht wurden. Bei dem Sturm, der gestern geherrscht hatte, war das kaum verwunderlich gewesen.
    »Oh stimmt ja. Ich kümmere mich darum«, meinte Lounas Mutter, die das Waumboll kurzerhand noch auf den Arm nahm. Normalerweise hatte sich Louna darum kümmern wollen, dass Waumboll wieder hinaus in die freie Natur kam, aber ihr war nur recht, wenn ihre Mutter sich darum bemühte.
    »Ist gut, bis später«, rief Louna ihrer Mutter noch zu, als diese sich auf den Weg machte. So war zumindest eine Sorge schon mal beseitigt. Auch nicht schlecht.


    Kurze Zeit später war Louna angezogen und in den Straßen der Stadt unterwegs. Wirklich viel besser sah sie nicht aus. Weil ihr etwas kalt war, trug sie eine Jacke und eine lange Hose, dabei war es eigentlich gar nicht so frisch. Der gestrige Sturm war bestimmt nur eine Ausnahme gewesen und der heutige Himmel wirkte so, als wäre nie etwas gewesen. Graue Wölkchen? Nirgends zu sehen!
    »Verrückt … «, murmelte Louna, als sie gen Himmel sah. Es war schon merkwürdig. Wie konnte ein so krasser Wetterumschwung so schnell über eine Stadt hinweg fegen? Louna konnte sich das nicht erklären, aber sie war auch kein Meteorologe.
    Die Dinge, die sie heute erledigen wollte, betrafen in erster Linie ihre eigenen Pokémon. Deswegen wollte sie auch zur Herbstallee, weil dort der Pokémon-Supermarkt war. Es gab mehrere dieser Läden, aber in der Herbstallee war mit Abstand das größte Geschäft zu finden. Mehrere Etagen mit etlichem Zubehör nur für Pokémon. Ebenso konnte man da auch verschiedenes Pokémon-Futter kaufen, worauf sie es nebenbei auch abgesehen hatte. Nur dort erst einmal hin zu kommen war gar nicht so einfach. Wie in den Nachrichten angekündigt, waren immer noch einige Straßen gesperrt, was Louna schnell herausfand. Da sie heute nicht zu Fuß unterwegs sein wollte, versuchte sie es mittels der öffentlichen Verkehrsmittel, in diesem Fall mit der Buslinie, die hauptsächlich auf dem Außenring der Stadt entlang fuhr. Glücklicherweise war der Außenring nicht gesperrt, so dass der Bus auch gut durch den Straßenverkehr kam. Doch wer weiter in die Innenstadt wollte, bekam da schneller Probleme. Wenn Louna sich daran erinnerte, was sie alles in der Nacht gesehen hatte, dann lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken. Besonders wenn sie sich die Berichte im Fernseher ansah. Wie viele Menschen verletzt worden waren … Oder sogar dabei ums Leben gekommen waren! Das war unheimlich. Hätte Soul sie nicht gerettet, dann wäre sie auch fast von einem Trümmerteil zerquetscht worden. Unbewusst zog sie Arcus noch mehr an sich heran, was ihn einen leisen Laut entweichen ließ. Natürlich war sie mit ihrem besten Freund unterwegs. Er wollte auch gar nicht von ihrer Seite weichen, doch als sie ihn etwas fester anpackte, warf er ihr einen fragenden Blick zu. Sie hatte ihn auf ihren Schoß genommen, um andere Mitfahrer im Bus nicht zu stören und ließ deswegen ihren Kopf auf Arcus Kopf hinab sinken. Seine Rute wackelte gleich noch ein wenig mehr und er leckte ihr über die Wange, als er ohne Probleme heran kam. Sie musste deswegen kichern, was leider in ein Husten überging. Ihre Mutter hatte Recht: Sie sollte es heute nicht übertreiben. Am besten sie erledigte alles und fuhr dann ganz schnell wieder nach Hause.
    Als der Bus endlich die Haltestelle erreicht hatte und sie aussteigen konnte, war ihr ein wenig schwindelig. Sie legte ihre eigene Hand auf die Stirn, war sich aber nicht sicher, ob sie sich die erhöhte Temperatur nur einbildete, weil ihre Finger zu kalt waren oder ob sie nicht doch drauf und dran war Fieber zu bekommen. Länger darüber nachdenken wollte sie nicht und ging daher schnurstracks den Fußweg entlang, bis sie das Geschäft erreicht hatte. Sie achtete wenig auf andere Passanten, vor allem versuchte sie keine Gesprächsfetzen aufzuschnappen, aber das war gar nicht mal so einfach. Die ganze Stadt schien nur noch ein Thema zu kennen und gerade als sie an einem schwatzenden Paar von zwei älteren Damen vorbei kam, konnte sie hören, wie diese sich aufregten. Wie schrecklich das alles war, was letzte Nacht passiert sei und wie unmöglich das doch war, dass man das nicht hatte verhindern können. Offenbar erwarteten sie, dass Wunder geschahen, in dem die Polizei sofort alles verhinderte, damit niemand zu Schaden kam. Wie schön es doch wäre, wenn es so einfach wäre … Niemand hatte damit gerechnet, was kommen würde. Zumindest hatte Louna nichts davon gehört, dass eine Warnung im Vorfeld ausgesprochen worden war, dass möglicherweise ein Anschlag passieren könnte. Sie könnte ihren Vater darüber ausfragen, wenn er irgendwann heute Abend wieder nach Hause kam, nur um ein paar Stunden zu schlafen, um dann wieder auf Arbeit zu gehen. Sofern sie nicht heute ein ganzes Stück in der Ermittlung weiter kamen. Louna bezweifelte es, denn sie wusste, dass solche Einsätze mehrere Tage oder Wochen anhalten konnten. Leise seufzte sie auf und betrat den Pokémon-Supermarkt.


    Mit großen Augen betrachtete Louna das Angebot an Pokémon-Futter in dem Regal vor sich. Das Regal war nicht nur sehr hoch, sondern auch mehrere Meter breit und davon gab es gleich mehrere gefüllte Gänge. Welches Futter war denn nun am geeignetsten für ihre Pokémon? Normalerweise kaufte sie das Futter in dem kleinen Pokémon-Laden, den es bei ihr gleich um die Ecke gab. Für Fukano und Coiffwaff war es auch nicht sonderlich schwer gewesen, da Fukanos auch das Futter fressen konnten, was Coiffwaffs zu sich nahmen. Doch nun besaß Louna ein paar Pokémon mehr, die alle unterschiedlich waren. Bisher hatte sie das Futter genommen, was sie gerade da hatte, aber ob das auf Dauer so gut war?
    »Oh je … « Sie war restlos überfordert. So gut kannte sie sich schließlich darin nicht aus und das Angebot war gewaltig! Für Arcus dürfte diese Abteilung das pure Paradies sein. Überall roch es lecker, so dass er an jeder Ecke schnüffelte, an denen sie vorbei kamen. Am liebsten hätte er sich in die Dosen, Tüten und Säcke hinein gelegt, um sich den Magen voll zu schlagen. Louna musste deswegen lächeln. Es war schon sehr freundlich, dass man seine Pokémon mit in das Geschäft nehmen durfte, solange diese sich benahmen. Aber das half ihr auch nicht bei der Entscheidung des Futters. Es gab so viele unterschiedliche und bei manchen Dosen und Tütchen stand drauf, für welche Pokémon-Art sie geeignet waren, bei anderen war nur eine grobe Richtlinie vermerkt.
    »Oh man, was soll ich denn jetzt nehmen?« Nassfutter? Trockenfutter? Für Tornado natürlich Körner oder konnte er auch noch was anderes bekommen? Brauchte ein Fynx etwas anderes als ein Leufeo? Vielleicht hätte sie sich vorher besser erkundigen sollen! Sie wusste, dass frisches Fleisch besser und gesünder war, als irgendwas Abgepacktes, aber wenn sie bedachte, wie teuer das alles werden konnte, dann musste sie doch überlegen, was die bessere Alternative war, oder nicht? Sie fühlte sich überfordert, vor allem weil es ihr so vorkam, als würde ihr Kopf nur noch mehr glühen.
    »Alles okay?«, wurde sie von der Seite angesprochen und zuckte zusammen. Louna sah auf und direkt in ein Paar Bernsteinaugen, die sie freundlich musterten.
    »Oh äh … « Sie wusste vor Schreck nicht, was sie sagen sollte. Neben ihr stand ein hochgewachsener Typ mit braun-blonden Haaren und legerer Kleidung. Als sie ihren Blick senkte, weil sie auf das Dosenfutter in ihrer Hand gucken wollte, bemerkte sie das Folipurba, was neugierig Arcus beschnüffelte. Die beiden benahmen sich, es gab keinen Stress. Sie waren nur neugierig und begutachteten sich. Das konnte man nicht von jeder Pokémon-Begegnung behaupten. Vermutlich gehörte das Folipurba zu dem Typen. War das nicht eine Entwicklung von Evoli? Bevor Louna intensiver darüber nachdenken konnte, sprach der Fremde weiter.
    »Suchst du was Bestimmtes? Vielleicht kann ich dir helfen«, bot er an. Offenbar hatte sie so hilflos gewirkt, dass er ihr helfen wollte.
    »Tatsächlich? Arbeitest du hier?«, wollte sie wissen und sah ihn fragend an. Er lächelte sanft und schüttelte den Kopf.
    »Das nicht, aber ich kenne mich aus«, meinte er lapidar.
    »Suchst du was Bestimmtes für dein Fukano?«, fragte er wieder. Er machte einen soliden und wissenden Eindruck, denn noch ehe Louna auf die Frage antworten konnte, griff der Fremde nach einer Packung fleischigen Pokémon-Futter und hielt es Louna entgegen.
    »Sehr gesund, vor allem weil da keine Zusatzstoffe drin sind. Das wird dein Fukano definitiv lieben, schmeckt auch super«, sagte er dazu und grinste.
    »Ah? Danke? Äh … woher weißt du das? Schon probiert?«, versuchte Louna zu scherzen, um ihre eigene Unsicherheit zu vertuschen.
    »Ja!« Als er prompt auf ihre Frage antwortete, klappte ihr der Mund auf. Meinte er das ernst?
    »Ich gebe meinen Pokémon nur das, was ich auch problemlos essen könnte. Nicht, dass ich das am Ende wirklich tun würde. Es ist ja ihr Futter, nicht meines«, grinste er sie an, als er ihren erstaunten Gesichtsausdruck bemerkte.
    »Oha, das ist … interessant«, sagte sie und war verblüfft über ihn. Also wenn er sich so gut mit dem Futter auskannte, dann sollte sie besser die Gelegenheit nutzen, oder nicht?
    »Eigentlich suche ich passendes Futter für mein Fynx, Leufeo und Dartiri«, sagte sie geradewegs zu ihm. Für Chiari hatte sie auch passendes Futter, aber das lag auch daran, dass sie von ihrer Nachbarin wusste, was diese so gerne aßen.
    Kurze Zeit später war Louna um einiges schlauer. Tornado brauchte eigentlich Insekten als Nahrungsgrundlage und nicht Körner, wie Louna es anfänglich angenommen hatte. Zwar nahmen Dartiris auch Früchte und Samen zu sich, doch in erster Linie machten sie Jagd auf Insekten. Hätte Louna das vorher gewusst, hätte sie sich das vielleicht noch einmal überlegt, ob sie Tornado wirklich behalten wollte, doch nun war es so. Khyron – so hieß der junge Mann, der ihr behilflich war – zeigte ihr, wo sie das passende Futter für Dartiri finden konnte. Außerdem erklärte er ihr, dass für junge Leufeos nichts Besseres gab als richtiges Frischfleisch. Das bekam man abgepackt so natürlich nicht. Da würde sie ein wenig mehr investieren müssen. Die Nahrungsgrundlage blieb auch beim Fleisch bei dieser Pokémon-Art. Dass sie etwas anderes zu sich nahmen, war doch eher unwahrscheinlich. Zwar konnte Louna ihrer Adia auch mal Beeren anbieten, aber das war nicht ausschlaggebend für die gesunde Ernährung.
    Bei Fabula – Lounas Fynx‘ – wurde es besonders interessant. Khyron erklärte ihr, dass Fynx sehr viele unterschiedliche Sachen aßen und es deswegen von Vorteil war, wenn der Speiseplan abwechslungsreich war. Neben Fleisch, Früchten, teilweise auch Insekten, würde es Fynx sehr gefallen, wenn darunter süße Beeren auftauchten.
    »Glaub mir, Fynx lieben süße Sachen. Du wirst dich mit Schnelligkeit in Fabulas Herz katapultieren!«, scherzte Khyron, da Louna ihm von Fabula erzählt hatte, meinte es aber trotzdem ernst mit dieser Aussage.
    »Echt?« Louna konnte es kaum glauben, doch Khyron bestätigte ihr das noch einmal.
    »Unglaublich! Wieso kennst du dich so gut aus?«, wollte sie von ihm wissen. Er glänzte mit seinem Wissen über so viele unterschiedliche Pokémon, dass sie einfach beeindruckt sein musste.
    »Das liegt daran, dass ich die Pension auf der Rivière-Promenade leite. Da ist es unabkömmlich, dass ich mich mit verschiedenen Pokémon auskenne und was sie so mögen oder nicht mögen«, erklärte er ihr. Als sie das hörte, machte das natürlich Sinn, was gleichzeitig dazu führte, dass sie noch beeindruckter von ihm war. Da hatte sie echt Glück gehabt, ihn hier zu treffen! Seine Hilfe kam wie gerufen!
    »Khyron?« Louna war sehr dankbar, dass er ihr so viel Wissen über das Futter gab, dass sie nicht auf die Zeit geachtet hatte. Als eine Schwarzhaarige im Gang auftauchte und sie beide musterte, sah Louna auf ihre eigene Armbanduhr und bemerkte erst, wie viel Zeit tatsächlich vergangen war. Sie blickte wieder auf und zu der Schwarzhaarigen, die wiederum Khyron mit ihren dunkelblauen Augen streng musterte.
    »Was trödelst du denn hier so herum?«, wollte sie von ihm wissen. In ihren Armen hielt sie einen schwer aussehenden Sack, in dem Kiloweise Pokémon-Futter verpackt war. Das war nicht der einzige Sack, den sie mitnehmen würden. Sie hatten einen ganzen Karren dabei, weil sie und er einen Großeinkauf in diesem Geschäft tätigten. Es sei denn er ließ sich von anderen hübschen Frauen ablenken … Als Zoé die andere bemerkte, sah sie gleich noch pikierter drein. Was sollte denn das?
    »Äh sorry Z, ich hab Louna nur bei der Futterauswahl geholfen«, entschuldigte sich Khyron und kratzte sich verlegen am Hinterkopf.
    »Louna, mhm?« Dass Zoé nicht besonders begeistert darüber war, konnte man ihr deutlich ansehen. Woher kannte er sie überhaupt? Louna verstand gar nicht, warum diese Z so wütend aussah. Hatte sie es vielleicht eilig?
    »T-tut mir leid, dass ich dich … oder euch aufgehalten habe«, meinte Louna deswegen und sah entschuldigend drein. Das schien Zoé zu besänftigen.
    »Na fein, seid ihr jetzt fertig?«, wollte sie nur knapp angebunden wissen. Khyron sah Louna fragend an, die nickte. Sie hatte keine weiteren Fragen an ihn.
    »Vielen Dank für deine Hilfe, du hast mir sehr gut weitergeholfen«, bedankte sie sich noch einmal und löste ein Lächeln bei ihm aus. Dummerweise sah Zoé gleich wieder wütender aus. Khyron verabschiedete sich von Louna und half dann Zoé dabei die schweren Futtersäcke zu tragen. Louna sah den beiden nach und legte den Kopf zur Seite. Nur abgehackt bekam sie mit, worüber die beiden sich noch unterhielten.
    »Du brauchst doch nicht gleich eifersüchtig zu sein, Z«, meinte Khyron zu Zoé, was diese sofort abstritt.
    »Bin ich doch gar nicht!«, verteidigte sie sich vehement und sorgte nur dafür, dass er leicht auflachen musste. Als sie bei der Kasse ankamen, legte er seinen Arm um sie und grinste nur noch, was nicht viel zu ihrer besseren Laune beitrug. Noch nicht.


    Zwar hatte Louna jetzt Futter für ihre Pokémon – außer das Frischfleisch, das würde sie extra kaufen müssen – aber fertig war sie deswegen nicht. Sie benötigte noch ein paar neue Halsbänder für ihre Rasselbande und für Dartiri brauchte sie einen Ring, den sie an sein Beinchen befestigen konnte. Die Abteilung für jenes Zubehör war schnell gefunden. Auch da gab es unglaublich viel zur Auswahl in etlichen Farben, Formen und Größen. Bis Louna sich entschieden hatte, verging bestimmt mindestens noch eine halbe Stunde, bis sie sich endlich selber zur Kasse schleppte und merkte, wie müde sie wurde. Sie würde sich am liebsten in ihr Bett verkriechen, bis ihr plötzlich noch einfiel, dass sie etwas Wesentliches vergessen hatte. Sie entschuldigte sich bei der Kassiererin, durfte aber wenigstens das Futter und das Zubehör an der Kasse stehen lassen, damit sie dieses nicht herum schleppen musste.
    Mit eiligen Schritten ging Louna zurück zu dem Zubehör, vorbei an den Halsbändern, an all den Spielsachen, die es so gab, bis sie bei dem Vogel-Pokémon-Zubehör ankam. Neben den zahlreichen Käfigen, die es gab, denn manche Vogel-Pokémon wurden von einigen Haltern auch in Käfigen gehalten, gab es auch freie Sitzstangen. Genau so eine wollte Louna gerne für Tornado haben, damit er nicht die ganze auf der Gardinenstange oder auf dem Schrank sitzen musste. Einen Käfig wollte sie nicht für ihn. Das käme ihr einfach schäbig vor. Sie wollte ihn nur ungern einschränken. Daher war so eine Sitzstange ausgesprochen praktisch. Da man diese zusammenstecken konnte, war die Verpackung verhältnismäßig klein. Erst danach ging sie zur Kasse zurück, um alles zu bezahlen. Ihr Portemonnaie wurde dadurch um etliche Pokédollar erleichtert, aber was blieb ihr übrig? Sie wollte sich gut um ihre Lieblinge kümmern.
    Das meiste Zeug konnte sie in ihren Rucksack verstauen und was dort nicht mehr hinein passte, etwa die Verpackung der Sitzstange, kam in einen extra mitgebrachten Beutel. Sie hatte schon vorher geahnt, dass nicht alles in ihren Rucksack passen würde.
    »So, jetzt nur noch Frischfleisch für Adia … « Wobei Louna am Überlegen war, ob sie nicht auch für Fabula, Arcus, Coco und Chiari davon was mitbringen sollte. Die würden sich darüber sicher auch freuen.


    Drei Stunden später kam Louna vollgepackt nach Hause. Sie war unglaublich erschöpft und schnaufte heftig. Die paar Treppenstufen, die sie hinauf gehen musste, hatten sie deutlich geschafft. Außerdem lief ihre Nase die ganze Zeit, was nicht besonders angenehm war, doch sie wusste, dass sie fast fertig war. Noch ein bisschen durchhalten, dann konnte sie sich ausruhen. Der Trip in die Stadt hatte sie mehr Energie gekostet, als es eigentlich notwendig war. Da zeigte sich mal wieder, dass so eine Erkältung von Nachteil war und den eigenen Körper enorm belasten konnte.
    Mit letzter Mühe füllte Louna nicht nur all die Fressnäpfe ihrer Pokémon, um diese zu füttern. Denn ihre Pokémon stürzten sich regelrecht auf die Portion, die sie bekamen. Nein, auch Tornado bekam seine neue Sitzstange. Während ihre Pokémon dabei waren die Schüsseln zu leeren, steckte Louna die Stange zusammen, um sie in ihrem Zimmer aufzustellen. Dabei fiel ihr ein, dass sie ruhig zwei dieser Teile hätte kaufen können. Eine noch für das Wohnzimmer.
    »Was soll‘s, das nächste Mal … « Erst einmal müsste sie schauen, was Tornado von dieser Sitzoption halten würde. Der Vorteil daran war auch, dass er nicht so weit oben saß und Louna einfacher an ihn heran kommen konnte. Zwar war er immer noch skeptisch und teilweise scheu, aber er ließ mittlerweile zu, dass sie zu ihm heran kommen konnte, um ihn aus der Hand zu füttern. Solange sie keine abrupte Bewegung machte, ging das gut. Heute bekam er auch zum ersten Mal sein Insektenfutter. Louna wollte gar nicht wissen, welche Insekten dafür ihr Leben lassen mussten. Hauptsache ihr Pokémon wurde davon satt und so wie es aussah, mundete es ihrem Dartiri ausgesprochen gut. Auch Fabula und Adia wirkten sichtlich zufrieden und Louna war erleichtert, dass die Pokémon sich nicht gegenseitig jagten oder anderweitig versuchten sich zu verletzen. Obgleich Adia interessiert zu Tornado nach oben blickte, so war das Vogel-Pokémon doch sicher, solange es unerreichbar war. Nichtsdestotrotz wollte Louna nichts riskieren und rief Adia zurück in den Pokéball. Sie würde mit allen Pokémon trainieren und würde diese auch untereinander aufeinander treffen lassen, aber nur solange sie selber dabei war und ansonsten die Umgebung ruhig war. Vorsicht war besser als Nachsicht.
    Adia hatte bereits ihr neues Halsband angelegt bekommen, als sie in den Ball zurück sollte, doch Fabula war noch dran. Das scheue Pokémon war nicht begeistert auf den Arm genommen zu werden und es fiepte auch mehrmals auf, als Louna das Halsband anlegte.
    »Keine Angst, das ist nichts Schlimmes, du wirst dich daran gewöhnen«, sagte Louna, ganz gleich ob das Pokémon sie wörtlich verstehen konnte oder nicht. Fabula war vorerst wenig angetan von dem Halsband und scharrte mit dem Hinterlauf dagegen, aber ändern konnte sie daran nun nichts mehr. Es war besser so. Auch Tornado würde seinen Ring um sein Beinchen bekommen, doch noch ging das nicht. Er ließ sich noch nicht auf den Arm nehmen und solange Louna ihn nicht ohne Probleme berühren konnte, wollte sie ihn nicht verschrecken, indem sie ihn einfach packte. Das würde also noch warten müssen.
    Jetzt da ihre Pokémon versorgt waren, konnte sie sich eine Pause gönnen, oder? Louna war in ihrem Zimmer und setzte sich auf ihr Bett. Eigentlich wollte sie lernen, weil Ende des Monats die Prüfung für den Trainer-Pass anstand, doch sie war zu müde dafür. Eher uninteressiert zog sie ihr Mobiltelefon aus ihrem Rucksack heraus, den sie neben dem Bett abstellte, und bemerkte dabei, dass sie eine Nachricht erhalten hatte.


    Hi Lou, wie geht‘s dir? Nacht überstanden? -S


    Eine unbekannte Nummer wurde ihr angezeigt. Fieberhaft überlegte sie, wer das sein könnte. Wer hatte ihre Nummer, ohne dass sie selbst eine hatte? S? Wer war S? Eigentlich fiel ihr dabei nur einer ein.


    Soul? Leider hab ich mir eine dicke Erkältung eingehandelt. Ich hoffe, dir geht es besser …


    Falls er es wirklich war, dann überraschte es sie doch, dass er ihr schrieb. Sie konnte sich daran erinnern, dass sie ihm in Aquarellia ihre Nummer gegeben hatte. Nachdem er sie dann doch gewollt hatte. Aber dieser Kerl hatte es nicht fertig gebracht im Gegenzug seine rauszurücken und seitdem hatte er auch keine Anstalten gemacht sie zu kontaktieren. Manchmal wurde sie nicht schlau aus ihm, aber andererseits freute sie sich insgeheim, dass er ihr geschrieben hatte und nachfragte, ob alles gut war. Jedenfalls fasste sie es so auf.
    Ein weiteres Mal seufzte sie auf und ließ sich nach hinten auf ihr Bett fallen. Ihr Telefon legte sie auf ihrem Nachtschränkchen ab und dann musste sie gähnen, gefolgt von einem Niesen. Wenn sie ehrlich war, dann ging es ihr überhaupt nicht gut und wie eine leichte Erkältung fühlte sich das auch nicht an. Vielleicht sollte sie zum Arzt gehen? Doch sie brachte es nicht fertig sich wieder aufzurichten. Sie wollte liegen bleiben und rollte sich in die Embryonalstellung ein. Sie war so verdammt müde und als Arcus auch noch auf ihr Bett sprang, dabei irgendwas zu Boden riss, was sie nicht weiter kümmerte, und sich zu ihr legte, war es endgültig um sie geschehen. Das Fieber, was sich in ihrem Körper weiter ausbreitete und die Wärme, die von Arcus selbst ausging, trieb sie in einen tiefen Schlaf, aus dem sie nicht mehr so schnell erwachte. Dabei bekam sie auch nicht mit, wie jemand versuchte sie anzurufen – mehrmals. Das Klingeln verschwand unter dem Bett und Louna selbst wurde nicht mehr davon wach …


    »Louna? Lou, hörst du mich? Oh je, Schätzchen, du hast hohes Fieber!« Irgendwo am Rande des nebligen Bewusstseins konnte Louna die Stimme ihrer Mutter wahrnehmen. Oder es war nur ein Traum … ? Sie wusste auch nicht, ob die Berührung an ihrer Stirn nur von der Hitze herrührte, die die ganze Zeit in ihrem Körper brodelte oder ob das wirklich die Hand ihrer Mutter war, die ihre Stirn überprüfte. Irgendwo waren Schritte zu hören oder es war irgendetwas anderes. Louna wusste es nicht und dämmerte auch ziemlich schnell wieder weg. Was sie nicht mitbekam, war der Anruf ihrer Mutter beim Arzt, den sie bestellte, da ihre Tochter eindeutig krank war und nicht in der Verfassung war selbst zum Arzt zu gehen. Als hätte Nanamie nicht schon genug Sorgen wegen ihres Mannes, musste sie sich nun ernsthaft auch um ihre Tochter sorgen. Wann war Louna das letzte Mal so krank gewesen, dass sie kaum ansprechbar war? Das musste in ihrer Kindheit gewesen sein. Sonst waren es nie so schlimme Erkältungen gewesen. Man kannte die Phasen, in denen wieder die Krankheitswelle um sich schlug, am meisten waren es Husten, Heiserkeit und eine laufende Nase. Nichts, was einen so sehr aus der Bahn warf, dass man kaum noch das Bett verlassen konnte. Normalerweise. Louna hatte sich diesmal wohl mehr als eine harmlose Erkältung eingehandelt und sie musste mindestens eine Woche lang damit kämpfen wieder gesund zu werden. Die ersten drei Tage schlief sie beinahe durch, weswegen ihre Mutter extra frei genommen hatte. Der Zustand ihrer Tochter war einfach zu besorgniserregend, als dass sie diese allein lassen konnte. In dieser Zeit kümmerte sie sich auch um Lounas Pokémon. Arcus war kaum von Lounas Seite weg zu bekommen. Das Fukano stand so treu zur Seite, dass es Nanamie fast das Herz brach, als sie beobachtete, wie Arcus hin und wieder versuchte Louna zu wecken, damit sie endlich wieder aufstand. Doch er sah schnell ein, dass es ihr zu schlecht ging und kuschelte sich hauptsächlich zu ihr ins Bett. Sie würde wieder gesund werden. Das wusste Nanamie, das hatte auch der Arzt bestätigt. Louna hätte auch ins Krankenhaus eingeliefert werden können, doch ihre Mutter war dagegen gewesen. Solange es nicht so akut war, lehnte Nanamie einen Krankenhausbesuch ab. Es mochte an der eigenen schlechten Erfahrung liegen, dass sie nicht besonders begeistert von solchen Orten war. Und solange Lounas Fieber nicht noch mehr stieg und ihr Zustand kritischer wurde, kümmerte sich Nanamie liebevoll um ihre Tochter. Ab dem vierten Tag schien es dann auch endlich besser zu werden und Louna war für längere Zeit wach und aß besser als die Tage zuvor. Doch das Bett musste sie noch eine ganze Weile hüten …



    6 Kapitel und keine Lesermeinungen? (Rusalkas mal ausgenommen) Das stimmt mich doch etwas arg traurig. :(


  • 31. Kapitel - Heimatlos


    Ein lautes Niesen hallte durch die Wohnung. Danach folgte ein leises Schnauben und das Rümpfen mit der Nase. Louna hasste es krank zu sein, aber wenigstens ging es ihr jetzt wesentlich besser. Zwar kämpfte sie noch ein wenig mit Schnupfen und Husten, aber das war nichts im Vergleich zu dem vor ein paar Tagen, als sie buchstäblich ans Bett gefesselt war. Dass es sie so sehr erwischen würde, hätte sie selbst kaum geglaubt, doch jetzt war das Schlimmste überstanden. Ein Glück! Sie hatte die Nase voll davon im Bett liegen zu müssen und zog sich deswegen an. Arcus wuselte um sie herum, bellte und wirkte aufgeregt. Es war das erste Mal seit Tagen, dass sie gemeinsam wieder raus gehen würden. Auch Chiari wirkte aufgeregt, was daran lag, dass sich das junge Evoli von Arcus anstecken ließ.
    »Schon gut, schon gut, jetzt beruhigt euch doch!« Keine Chance, die beiden rannten aus ihrem Zimmer, die Treppe nach unten und scheuchten dabei auch noch Fabula auf, die sich im Wohnzimmer aufhielt. Auch Coco wurde nicht verschont, so dass Louna von unten ein aufgebrachtes Bellen hören konnte. Sie seufzte und griff nach ihrer Tasche und ihrer Jacke. Noch war sie nicht ganz gesund und auch wenn das Wetter nicht schlecht aussah, wollte sie auf Nummer sicher gehen. Die Jacke konnte sie immer noch ausziehen, aber frösteln wollte sie nicht. Benötigte sie noch etwas? Ihr fiel nichts ein, weswegen sie ihr Zimmer verließ und hinunter ging, wo Arcus und Chiari zu ihr gesprungen kamen. Louna schüttelte grinsend den Kopf und sah ins Wohnzimmer. Fabula hatte sich wegen der Aufregung in die hinterste Ecke verzogen, was Louna ein wenig leid tat. Sie stellte ihre Tasche an der Wohnzimmertür ab und ging langsam auf ihr scheues Pokémon zu, kniete sich nieder und streckte die Arme aus. Das Feuer-Pokémon wich zurück und stieß mit dem Hinterteil gegen die Wand. Weiter zurückweichen ging nicht und als Louna über das graue Fell strich entspannte sich auch Fabula langsam. Bis sie ihr vollkommenes Vertrauen besaß, würde bestimmt noch einige Zeit vergehen, aber wenigstens floh das Pokémon nicht mehr vor ihr, sobald sie ins Zimmer kam.
    »Na Fabula, möchtest du nicht auch mitkommen?«, fragte Louna, stand wieder auf und ging zur Wohnzimmertür. Dabei blickte sie zurück und Fabula auffordernd an. Konnte sie ihr Pokémon dazu überreden von sich aus mitzukommen? Es schien so. Zuerst streckte Fabula den Kopf nach vorn, denn sie beobachtete Louna genau, wohin sie ging. Als Louna dann noch einmal nach ihr rief, machte Fabula sogar einen Schritt in ihre Richtung, aber es brauchte noch ein wenig Geduld, bis diese sich tatsächlich in Bewegung setzte und sehr vorsichtig Louna folgte. Egal wie schüchtern Fabula auch war, Louna war sehr stolz darauf, dass ihr Fynx diese Schritte tat, denn es war ein großer Schritt für das gegenseitige Vertrauen. Als Fynx sie fast erreicht hatte, ging Louna wieder in die Hocke und wartete, bis Fabula nahe heran war, um sie mit Kraulen zu belohnen. Ihr Pokémon sollte verstehen, dass alles gut war, nichts Schlimmes passierte, sondern sogar etwas Angenehmes. Denn welches Pokémon mochte nicht gestreichelt werden? Arcus und Chiari waren ganz verrückt danach und dementsprechend verschmust und langsam bekam auch Fabula heraus, dass diese Berührungen angenehm waren.
    Arcus flitzte bereits zur Wohnungstür, als Louna noch dabei war ihre Tasche umzulegen und ihre Schuhe anzuziehen. Danach bückte sie sich nach Fabula, um sie auf den Arm zu nehmen. Adia und Tornado waren in ihren Pokébällen verstaut und Chiari, Arcus und Fabula durften draußen bleiben.
    »Coco, kommst du auch mit?«, rief Louna noch nach dem eitlen Familien-Coiffwaff, was zwar kurz auftauchte, jedoch wenig Anstalten machte sich aus der Wohnung heraus zu bequemen. Louna seufzte und ließ daher Coco Zuhause. Wenn Madame keine Lust hatte, würde sie diese nicht dazu zwingen mitzukommen.
    Gemeinsam mit ihren Pokémon wollte Louna in den Park gehen. Dort würden sie ordentlich Bewegung bekommen, auch Adia sollte frische Luft schnuppern. Zwar lag der Park in relativer Nähe, aber dieses Mal holte Louna ihr Fahrrad aus dem Keller. Fabula wurde dabei einfach in das Körbchen gesetzt, welches am Lenker befestigt war. Zum einen ging Louna nicht davon aus, dass die Kleine neben ihr und dem Fahrrad herlaufen würde, zum anderen war sie im Körbchen sicherer und konnte die Umgebung von dort gut beobachten. Louna wollte Fabula die Stadt zeigen, damit sich ihr Pokémon an alles gewöhnte und weniger Angst empfand. Sie hoffte, dass diese Rechnung aufging, aber das würde sich erst in der Praxis zeigen müssen. Vorerst konnte sie noch sehen, wie skeptisch Fabula allein wegen dem Gefährt war und recht angespannt deswegen war. Chiari und Arcus hingegen durften neben dem Fahrrad herlaufen. Von Arcus wusste Louna, dass dieser keine Probleme machen würde, denn er kannte diese Art von Fortbewegungsmittel schon. Bei Chiari war sich Louna nicht ganz so sicher. Das würde sie auch jetzt erst richtig austesten müssen. Schließlich musste Chiari auch Schritt halten, deswegen würde Louna auch langsamer fahren. Sie verzichtete dabei auf eine Leine für ihre Pokémon. Diese wollte sie nicht, vor allem da das gerade in der Innenstadt zu Problemen führen konnte. Zu schnell könnten die Pokémon sich mit Passanten verheddern und einen Unfall auslösen. Das Risiko wollte Louna nicht eingehen.
    Chiari sah ähnlich wie Fabula etwas skeptisch drein und traute dem Fahrrad noch nicht richtig, doch als sie erkannte, dass Arcus Louna auf dem Fahrrad folgte, lief sie hinterher. Erst mit Abstand und immer noch mit skeptischem Blick, aber das kleine Evoli gewöhnte sich recht schnell daran und verstand, wie das Haspiror lang läuft.
    Kurze Zeit später konnte Louna gemütlich auf ihrem Fahrrad fahren, während Arcus und Chiari neben ihr liefen. Die beiden wichen gut den entgegenkommenden Passanten aus und Chiari hatte auch keinerlei Probleme das Tempo beizubehalten. Wirklich schnell fuhr Louna nicht und besonders bei Straßen wurde sie langsamer. Chiari orientierte sich sowohl an Arcus, als auch an Lounas Stimme und Anweisungen, selbst wenn sie nicht alles sofort verstand, so bekam sie alles recht schnell hin. Ihr kleines Evoli lernte schnell und das freute Louna ungemein. Auch Fabulas Anspannung ließ etwas nach, weil diese langsam begriff, dass ihr im Körbchen nichts passierte, während so viele Menschen, Autos und andere Pokémon an ihr vorbei kamen. Der Plan ging auf und Louna nahm sich schon jetzt vor, öfters auf diese Weise mit ihren Pokémon unterwegs zu sein, wenn es sich anbot.


    Im Park selbst durfte sich die ganze Rasselbande richtig austoben. Arcus lief nur allzu gern dem Ball hinterher, den Louna immer wieder weg warf und Chiari war natürlich auch stets mit von der Partie. Sie war sowieso sehr verspielt und selbst wenn sie nicht mit Arcus spielte, so fand sie immer relativ schnell einen anderen Spielgefährten. Hier im Park waren auch noch andere Trainer und Halter unterwegs, so dass es genügend andere Pokémon gab, die man zum Spielen auffordern konnte. Louna hatte vor allem ein waches Auge auf Fabula und Adia. Während Adia ihren wilden Spieltrieb zeigte und im Gras herum tollte und die Welt entdeckte, ging Louna gemeinsam mit ihrem Fynx langsam über die Wiese. Fabula zeigte nach wie vor ihre schüchterne Seite und schloss sich dem Spieltrieb der anderen nicht an. Dafür war sie zu ängstlich. Aber sie war auch nicht Starr vor Schreck, was Louna sehr freute. Damit Fabula ein bisschen Bewegung bekam, begleitete sie ihr Fynx überall dorthin, wohin es auch gehen möchte. Sie hatte nämlich das Gefühl, dass sich so Fabula sicherer fühlte, als wenn sie ganz alleine unterwegs wäre. Hin und wieder suchte Fabula auch den Blickkontakt zu Louna, was für sie erst recht ein gutes Zeichen war. Ihr Pokémon orientierte sich an ihr und achtete darauf sie nicht zu verlieren. Die Bindung wurde dadurch gestärkt!
    »Fabula«, rief sie ihr Pokémon zu sich. Louna kniete am Boden und wackelte ein wenig mit den Fingern, was zusätzlich Fabula anlockte. Als Belohnung dafür, dass diese zu ihr kam, bekam sie auch eine süße Leckerei. Lounas Mutter hatte erst gestern ein paar süße Morbbeeren gekauft, die Fabula schon jetzt liebte. Das hatte Louna sehr schnell festgestellt und auch jetzt verschlang Fabula mit Freude die angebotene Beere.
    »Ja, die schmeckt dir«, lachte Louna leicht auf und war zufrieden das Schmatzen ihres Pokémons zu hören.
    Arcus und Chiari zu rufen war kein Problem. Es sei denn sie waren zu vertieft in ihr Spiel, da musste Louna dann mehrmals rufen, aber meistens hörten die beiden sehr gut auf sie. Auch sie bekamen Leckerlis als Belohnung, wenn sie nach ihrem Rufen zu ihr kamen. Bei Adia war das schon ein wenig schwieriger. Zum einen musste Adia erst einmal verstehen, dass »Adia« ihr Name war, auf den sie hören musste, wenn Louna ihn rief. Zum anderen musste sie dem Pokémon sowieso begreiflich machen, dass sie nun das Sagen hatte. Aber nachdem sie ein paar Übungen mit Leufeo machte und dieses immer wieder zu sich lockte und mit Leckereien, Streicheleinheiten und guten Worten belohnte, schien es auch Adia zu begreifen.
    Am Ende konnte Louna tatsächlich gemeinsam mit ihren Pokémon über die große Wiese des Parks laufen und ihre Pokémon folgten ihr. Tornado hatte sie nicht aus dem Ball gelassen, obwohl sie Dartiri sehr gerne fliegen lassen wollte. Doch leider hatte sie große Angst, dass ihr Pokémon dann einfach weg flog. Sie würde noch ein wenig mehr Zeit in ihre Bindung investieren, ehe sie Tornado wirklich im Freien fliegen ließ. Erst, wenn sie sicher war, dass er zu ihr zurückkommen würde, konnte sie es wagen. Als sie so darüber nachdachte, fiel ihr ein, dass Soul sich dazu bereit erklärt hatte, ihr beim Training von Tornado zu helfen. Er besaß schließlich Kramshef als Pokémon und kannte sich mit der Aufzucht eines Vogel-Pokémons aus. Bestimmt konnte sich Louna noch was von ihm abgucken.
    »Mhm, ob er schon Schluss hat?«, fragte sie sich selbst, als sie auf ihre Armbanduhr sah. Sie hatte fast den ganzen Nachmittag im Park mit ihren Pokémon verbracht, trotz dass sie hin und wieder husten und niesen musste, weil sie noch nicht komplett genesen war. Ihr ging es soweit gut, weswegen sie sich dazu entschloss einfach bei ihm vorbei zu fahren. Oder besser gesagt bei seiner Arbeitsstelle, denn diese lag nicht so weit von dem Park entfernt. Als sie ihn eher zufällig dort getroffen hatte, war sie am Ende auch mit ihm noch in diesen Park gegangen. Auf einen Versuch kam es an! Louna rief Adia und Chiari in ihre Pokébälle zurück, setzte Fabula in das Körbchen und würde Arcus neben sich herlaufen lassen. Mit dem Fahrrad würde sie recht schnell sein und von Arcus wusste sie, dass er ohne Probleme auch mithalten konnte. Chiari hingegen hatte nach den Spielstunden doch etwas erschöpft gewirkt, weswegen sie auch nun in ihrem Ball war.


    Als Louna nach kaum zwanzig Minuten in die Straße einbog, wo der Supermarkt und das entsprechende Lager war, wo Soul arbeitete, fühlte sie sich dann selbst auch etwas erschöpft. Ihr lief die Nase schon wieder, weswegen sie erst schnäuzen musste, nachdem sie von ihrem Fahrrad abgestiegen war. Dieser Schnupfen war ziemlich lästig, aber noch würde sie ein paar Tage damit auskommen müssen. Jedenfalls hoffte sie, dass sie es bald hinter sich hatte …
    Erst nachdem ihre Nase wieder halbwegs frei war, schloss sie ihr Fahrrad an einem entsprechenden Fahrradständer an, nahm Fabula aus dem Körbchen und ging dann zum Lagereingang. Denn zu ihrem Glück sah sie dort einen Lastwagen, der gerade ausgeladen wurde. Das war die Gelegenheit, um die Herrschaften zu fragen, ob Soul noch da war!
    »Entschuldigen Sie bitte?«, sprach Louna ohne Scheu den ersten Mann an, den sie erwischen konnte.
    »Hä?«, grunzte er. Fragend musterte er sie, einen schwer aussehenden Karton in den Armen haltend, der vor dem Lager wohl zu den anderen gestapelt werden sollte.
    »Wissen Sie vielleicht, ob Soul noch da ist?«, rückte sie direkt mit der Sprache heraus. Sie ließ sich gar nicht abschrecken, auch nicht, als er fragte: »Wer?« Vielleicht gehörte der Mann in dem Overall gar nicht zu dem Lager, sondern war nur ein Lieferant? Oder die Mitarbeiter kannten sich nicht alle untereinander? Wer wusste schon, wie viele im Lager angestellt waren? Louna konnte das jedenfalls nicht einschätzen.
    »Soul, er arbeitet hier«, versuchte sie es erneut, doch ihr Gegenüber wirkte nicht so, als wüsste er, von wem sie sprach. Gerade als sie ansetzte, um zu fragen, wer ihr sonst weiterhelfen könnte, hörte sie auch schon jemand anderen.
    »Soul? Suchst du Soul?« Es war der Lagerchef, der gerade heraus kam. Denn egal ob er nun Chef war oder nicht, er packte selbst mit an.
    »Ja genau! Ist er noch da oder hat er schon Feierabend?«, wandte sie sich nun direkt an den Chef. An seiner Statur hatte sich nach wie vor nichts geändert und noch immer wirkte er recht freundlich, auch wenn er ihr nicht die Antwort gab, die sie sich erhofft hatte.
    »Tut mir leid, Mädchen, aber er arbeitet nicht mehr hier«, sagte er bedauernd und zuckte die Schultern.
    »W-was?« Konnte das wirklich sein? Vor einer Woche war er noch hier angestellt gewesen. Okay, es mochte ein Nebenjob gewesen sein, aber ihr gegenüber hatte er nicht verlauten lassen, dass er vorhatte sich was anderes zu suchen.
    »Ja, tut mir leid. Hier wirst du ihn nicht finden«, entschuldigte sich der Chef noch einmal. Nicht, dass er direkt Schuld daran hatte … Na ja, oder vielleicht doch, denn schließlich war er es gewesen, der Soul gekündigt hatte. Aber aus gutem Grund …
    Louna wirkte zwar enttäuscht, bedankte sich aber für die Auskunft und wünschte den Männern einen schönen Abend. Denn der Abend brach langsam an, auch wenn es noch hell genug war. Von der Zeit her passte es jedenfalls schon mal.
    Enttäuscht darüber, Soul nicht getroffen zu haben und auch nicht zu wissen, wo er wohnte, schüttelte Louna ihre Idee wieder ab. Er hatte ihr nicht gesagt gehabt, wo sie ihn sonst finden konnte, also würde sie es für heute gut sein lassen. Am besten wäre sowieso, wenn sie nach Hause fuhr, um sich auszuruhen. Eigentlich war sie schon viel zu lange unterwegs. Sie hatte vor gehabt, maximal zwei Stunden im Park zu bleiben, aber nun war sie den halben Tag draußen gewesen. Auch wenn das Wetter schön war, wäre es besser, sie würde es nicht zu sehr übertreiben. Wieder auf ihrem Fahrrad sitzend, fuhr sie los, um nach Hause zu fahren.
    Das war eigentlich der Plan gewesen …


    Durch Baumaßnahmen war so manche Straße in der Hauptstadt gesperrt oder man kam nur langsam voran. Das musste sie schnell wieder feststellen, da sie einen anderen Rückweg nahm. Logisch, sie war schließlich von Zuhause aus zum Park gefahren, aber dadurch, dass sie Soul auf seiner Arbeit hatte aufsuchen wollen, musste sie nun etwas anders fahren. Zu dumm aber auch, dass er dort nicht mehr arbeitete. Sollte sie ihn demnächst irgendwann wiedersehen, würde sie ihn einfach fragen, was passiert war.
    »Ob er mir überhaupt eine Antwort geben wird?« berechtigte Frage. Mal war er muffelig und abweisend und manchmal auch überraschend zugänglich. Dennoch hatte sie das Gefühl, manche Dinge ihm erst aus der Nase ziehen zu müssen, um überhaupt was von ihm zu erfahren. Vielleicht nervte sie ihn zu sehr und sie sollte es sein lassen?
    »Andererseits … « Sie erinnerte sich an seine Textnachricht. Er hätte ihr doch nicht geschrieben, wenn er nicht selber Interesse am Kontakt hätte, oder?
    »Puh, schwer zu sagen.« Er war aber auch nicht einfach zu verstehen! Bevor Louna noch versehentlich einen Unfall baute, konzentrierte sie sich wieder mehr auf den Verkehr vor sich und bog nach rechts in eine Seitenstraße ab. Dort würde sie bessere Chancen haben durchzukommen, als wenn sie der Hauptstraße weiter folgen würde. Durch den Angriff der Pokémon vor einer Woche bestand immer noch eine unterschwellige Unruhe in der Stadt. Die Schäden wurden teilweise schon wieder repariert, hier und da gab es Gedenkstellen und Schweigeminuten für die Opfer und ob der Arenaleiter wieder aufgetaucht war, wusste Louna noch gar nicht. Dadurch, dass sie so krank gewesen war, hatte sie das Geschehen gar nicht mehr so richtig mitbekommen. Sie hatte auch noch nicht wirklich mit ihrem Vater darüber gesprochen, obwohl es sie interessierte. Sie sollte ihn unbedingt heute Abend fragen! Oder musste er eine Nachtschicht einlegen? Das wusste sie noch nicht einmal. Sie würde sehen und dann …
    »Ah!« Gerade war sie dabei etwas langsamer zu fahren, weil sie gleich wieder um eine Ecke biegen musste, als auf einmal ein Pokémon vor ihrem Fahrrad entlang huschte. Louna drückte auf die Bremse, was Fabula nicht sonderlich gefiel und sich deswegen am Körbchen festkrallte. Arcus bellte laut auf und hinter Louna hupte ein Auto, was an ihr dann vorbei fuhr. Weil sie in dieser Nebenstraße war, fuhren hier nicht so viele Autos, zumindest gerade jetzt nicht, weswegen auch nichts weiter passierte. Aber was für ein Pokémon war das eigentlich gerade gewesen? Arcus bellte immer noch, weswegen Louna von ihrem Fahrrad abstieg und ihr Fukano rief. Doch es reagierte nicht. Was war los?
    »Arcus, komm her!« Wo war er überhaupt? Sie war gerade dabei ihr Fahrrad abzustellen, um nach Arcus zu suchen, als er auch schon angerannt kam.
    »Da bist du ja! Was mac- hä?« Ihr Fukano war nicht allein. Er kam in Begleitung eines anderen Pokémons zu ihr, was Louna sehr überraschte. Manche Leute hätten sich bei diesem Anblick sehr erschrocken. Gerade Unlicht-Pokémon waren nicht bei allen beliebt, jagten kleinen Kinder Angst und Schrecken ein und dienten nur allzu gerne als Sündenbüßer und Bösewichte in Gruselgeschichten.
    Das knöcherne Abbild auf dem Kopf des ankommenden Pokémons erschreckte so manch einen, jedoch nicht Louna. Dadurch, dass sie dieses Pokémon bereits kennen gelernt hatte, machte sie sich weniger Sorgen. Oder sollte sie doch? Handelte es sich hierbei überhaupt um Souls Hunduster oder war es womöglich ein Straßen-Pokémon? Man brauchte sich gar nichts vormachen, auch in Illumina City gab es manche Ecken, in denen man besser nicht unterwegs war. Gerade die abgelegenen Orte wiesen eine erhöhte Anzahl von heimatlosen Pokémon auf. Man konnte dem kaum entgegen wirken, egal wie sehr Pokémon-Schützer sich auch dafür einsetzten. Hinzu kam, dass manche Halter ihre Pokémon auch frei herum streunen ließen, was wiederum dazu führte, dass diese sich unkontrolliert auch mit anderen Pokémon paaren konnten. Eines führte zum anderen und die Stadt konnte sich auch nicht mehr vor frei laufenden Pokémon retten. So war das eben. Illumina war nicht die einzige Stadt, in der ein solches Problem auftauchte.
    Zurück zu dem Hunduster, was ihr entgegen kam. Louna kniete sich nieder und versuchte es zu erkennen. Ganz sicher war sie erst, als sie seinen Namen nannte und dementsprechend eine Reaktion erhielt.
    »Dael?« Genau dieser tapste auf sie zu, winselte kurz auf, ließ sich auch einmal streicheln, ehe er von ihr Abstand nahm und im Kreis lief. Er sah sie auffordernd an, lief weiter und blieb auf der anderen Straßenseite stehen.
    »Oookay, das ist jetzt ein wenig seltsam.« Louna konnte nirgendwo Soul entdecken, was ihr erst recht Sorgen bereitete. War das nicht Dael? Hatte er nur so zutraulich gewirkt, weil es nicht komplett verwildert war? Verwildert konnte man es kaum nennen. Vom Fell her hatte dieses Hunduster doch recht gepflegt ausgesehen. Louna bezweifelte daher, dass es sich um ein Straßen-Pokémon handelte.
    Sie stand wieder auf, griff nach ihrem Fahrrad und schob dieses am Lenker dem Hunduster hinterher. Offenbar wollte es ihr etwas zeigen oder irgendwo hinführen und wenn dem so war, würde sie vorerst das Spielchen mitspielen. Wenn es Dael war, dann würde er sie bestimmt zu Soul führen! War vielleicht etwas Schlimmes passiert? Schlagartig war Louna besorgt, stieg auf ihr Fahrrad, um Dael schneller zu folgen. Als dieser mitbekam, dass sie eine höhere Geschwindigkeit einnehmen konnte, lief auch er los und führte sie einige Straßen weiter. Arcus folgte und lief dadurch ebenso wie das Hunduster vor Louna her.


    »Ich sag‘s zum letzten Ma‘, kla‘? Morch‘n früh biste raus un‘ wehe wenn nich‘!«, maulte ein rundlicher Mann. Trotz seiner fülligen Körperstatur wirkten seine Arme einschüchternd stark. Er hatte die rechte Hand zur Faust erhoben und machte damit eine Drohgebärde. Sein ganzes Gesicht hatte sich zu einer wütenden Fratze verzogen, wodurch sein Doppelkinn noch mehr auffiel. Die letzten paar längeren Haare waren über die Halbglatze gekämmt, als könnten sie auf diese Weise die kahle Stelle verbergen. Leider ohne Erfolg. Doch egal, ob man sich über das Aussehen des Mannes lustig machen wollte oder nicht, er hatte schlichtweg die Hosen an. Von niemandem ließ er sich einschüchtern und er machte auch nicht den Eindruck, als könnte man mit ihm gut Kirschen essen. Oder Späße machen. Oder gar vernünftig mit ihm reden.
    »Ihr Jungspund‘ von heut‘ globt wo‘ ihr könnt‘ euch alles erlaub‘n, hä?!«, schimpfte der dicke Vermieter weiter auf jemanden ein, der nicht einmal Widerworte von sich gab. Louna war schockiert und zu ihrem eigenen Ärger auch verängstigt. Würde dieser Typ so mit ihr reden, würde sie sich auch klein machen.
    Ein letztes Mal zog er seine dunkelblaue Hose weiter nach oben, die an den Beinen viel zu lang war und ihm oberhalb fast von den Hüften rutschte, trotz dass dieser Mann eigentlich ein deutliches Übergewicht besaß. Er schnaubte auf, blickte seinen Mieter ein letztes Mal böse an und wandte sich ab. Louna verstand nicht recht, was sie da beobachtet hatte. Das Hunduster hatte sie in diese Wohnblockgegend geführt und war hier stehen geblieben, so dass Louna von ihrem Fahrrad abgestiegen war und eher zufällig die Szene mitbekommen hatte. Die Wohnblöcke in dieser Gegend waren alle gleich aufgebaut. Während die Innenstadt mit schönen altmodischen Bauten glänzte und dadurch ein schönes Flair bot, waren diese Gebäude am Rand der Stadt weniger dafür da von außen zu glänzen. Sie waren gebaut worden, um der zunehmenden Bevölkerung Unterkunft bieten zu können. Alle Wohnungen hatten einen Zugang von außen anstatt es wie bei Lounas Zuhause mit einem inneren Treppenhaus geregelt war. So konnte sie einen jungen Mann vor einer Haustür im Erdgeschoss erkennen. Er stand mit dem Rücken zu ihr, aber sie ahnte, um wen es sich handelte. Besonders da Dael zu dieser Person rannte.
    Soul bemerkte sein Hunduster, was um seine Beine schlawenzelte und musterte ihn kritisch.
    »Und wo hast du dich rumgetrieben, hm?« Es schien wohl so, als hätte sich Dael einfach davon geschlichen gehabt, aber Sorgen hatte sich Soul nie um ihn gemacht. Er wusste, dass Dael wieder auftauchte, auch wenn es ihm lieber wäre, wenn dieser nicht einfach verschwand. Das kam auch nur selten vor. Vielleicht war Dael auch nur wegen seinem Vermieter aufgeschreckt gewesen und hatte sich in den umliegenden Büschen am Straßenrand versteckt? In die Richtung der Büsche drehte sich Soul, als wollte er überprüfen, ob sie noch da waren, als ihm jemand ganz Spezielles ins Blickfeld trat.
    »Lou?« Er murmelte nur ihren Namen, weil er glaubte sich einzubilden, dass sie hier war. Wieso sollte sie auch in dieser Randgegend auftauchen? Das ergab keinen Sinn. Doch als sie beinahe schüchtern näher trat, lächelte und ihn begrüßte, war er sich sicher. Sie war wirklich hier! Er wusste nicht, wie er das auffassen sollte. Wollte er wütend darüber sein oder sich freuen? Dabei stellte er sich instinktiv die Frage, warum er sich freuen sollte. Sie war doch nur irgendwer …
    »Was willst du denn hier?« Etwas harsch fuhr er sie an, was sie zurückweichen ließ. Sie war darauf nicht gefasst gewesen, er eigentlich auch nicht, wenn er ehrlich war. Aber seine Nerven lagen sowieso blank und er hatte wenig Lust dazu sich nun mit ihr abzugeben. Mit ihr und ihren neugierigen Fragen jedes Mal … und dann dieser unschuldige und mitleidige Blick und überhaupt … ! Je länger er darüber nachdachte, desto mehr regte er sich innerlich auf, aber desto mehr hasste er sich selbst dafür. Am Ende konnte sie schließlich auch nichts dafür, dass sein Leben so scheiße verlief.
    »Ich äh … Was war denn eben los?« Natürlich stellte sie eine Frage, wie hätte es auch anders sein können! Mit Mühe unterdrückte er eine schnippische Antwort darauf, doch sein Gesichtsausdruck war nur schwer zu kontrollieren. Die Wut steckte noch in ihm, die aber weniger Louna galt, als viel mehr seinem beschissenen Vermieter, der einfach nur ein … Ja, man konnte sich denken, woran Soul in dem Augenblick dachte.
    »Das geht dich nichts an, verschwinde!«, maulte er sie an. Er konnte nicht anders. Ruhig zu bleiben fiel ihm schwer. Außerdem: Was kümmerte es sie schon? Was tat sie hier? Als würde sie sich ernsthaft dafür interessieren, was hier los gewesen war …
    »Na hör‘ mal!«, krächzte sie los und stemmte ihre Hände in die Hüften, pikiert davon wie Soul sich ihr gegenüber aufführte. Außerdem ließ ihre Stimme gleich wieder nach, so dass das Kratzen in ihrem Hals schlimmer wurde. Natürlich passierte das immer dann, wenn man sich selbst aufregte. Louna hatte aber auch allen Grund dazu. Egal welches Laukaps Soul über die Leber gelaufen war, an ihr musste er das nun nicht auslassen!
    »Ich bin nur hier, weil Dael mir vors Fahrrad gelaufen war und mich hier her geführt hatte. Er wirkte so aufgeregt, dass ich schon dachte, dir wäre was Schlimmes zugestoßen. Tut mir ja leid, wenn ich dich gestört haben sollte!«, polterte sie los. Sie wollte sich nicht alles gefallen lassen. Das hatte sie nicht verdient und dafür hatte sie auch selber keine Nerven. Sollte er sich jemand anderen als Sandsack aussuchen. Wenn sie verschwinden sollte, würde sie das eben tun. Sie drehte sich auch schon auf dem Absatz um, innerlich nicht nur wütend über ihn, sondern auch maßlos enttäuscht. Da hatte sie sich vorhin noch darauf gefreut möglicherweise ihn zu treffen und dann führte er sich wie ein Ekelpaket auf! Unerhört!
    Arcus und Dael saßen auf ihren Hinterläufen und sahen zwischen ihren Trainern hin und her. Selbst Fabula verfolgte das aufgebrachte Gespräch und beobachtete Louna dabei, wie sie immer näher zu ihr kam. Und Soul? Der war einfach nur schockiert.
    … dass ich schon dachte, dir wäre was Schlimmes zugestoßen.
    Nicht nur, dass Dael die Nerven dafür besaß Louna hier her zu führen – allein schon dass er sie gefunden hatte, war erstaunlich! Sie schien sich auch allen Ernstes Sorgen gemacht zu haben. Über ihn? Über Soul? Wer zum Noctuh würde sich ausgerechnet über ihn Sorgen machen? Das ergab überhaupt keinen Sinn!
    Louna war so aufgebracht, dass sie nicht anders konnte, als wegzugehen. Vor allem, weil ihr vor Wut, Enttäuschung und Aufregung Tränen in die Augen stiegen. Sie hasste das, wenn das passierte, konnte es aber kaum unterdrücken. Zu allem Übel reizte ihr Hals so sehr durch das lautere Sprechen, was einem Schreien sehr nahe gekommen war, dass sie husten musste. Es wurde auch nicht besser. Der Husten schüttelte ihren Körper und sie griff nach dem Lenker ihres Fahrrads, um Halt zu suchen. So ein Hustenanfall war ätzend, aber er führte auch dazu, dass Soul aus seiner Erstarrung erwachte und zu Louna rannte.
    »Hey, geht‘s dir nicht gut?«, wollte er von ihr wissen, ohne vorerst auf ihre Schimpftirade einzugehen. Mit Mühe brachte sie zwischen dem Husten ein paar Worte zustande.
    »Natürlich geht‘s mir nicht gut.« Oder sah das für ihn anders aus? Sie brauchte ein paar Minuten, ehe ihr Körper sich soweit wieder beruhigt hatte, dass sie auch normal atmen konnte. Ihre Stimme war noch immer belegt und dadurch etwas heiser. Wurde Zeit, dass sie nach Hause kam.
    »Tut … mir leid«, begann Soul, der von einem schlechten Gewissen geplagt wurde. Louna sah ihn etwas skeptisch an, aber bei seinem entschuldigenden Gesichtsausdruck konnte sie nicht lange sauer auf ihn sein. Sie war sowieso kein Mensch, der anderen lange etwas nachtragen konnte. Dafür war sie nicht geschaffen, selbst wenn sie es sich manches Mal vorgenommen hatte.
    »Ich wollte dich nicht so anfahren, aber … Momentan läuft irgendwie alles schief«, gestand er ihr und sah dabei zurück zu seiner Wohnungstür. Er wusste ganz genau, wenn er morgen früh nicht die Wohnung verlassen hatte, würde sein Noch-Vermieter ausrasten und dann hätte er noch mehr Scherereien mit ihm. Darauf konnte Soul gut und gerne verzichten.
    »Hab ich mitbekommen. Auch … dass du gar nicht mehr in dem Supermarktlager arbeitest«, sagte Louna und musste sich räuspern. Wieso musste ihre Stimme ausgerechnet jetzt so versagen? Soul sah sie überrascht und fragend an. Es reichte ihm eigentlich schon, dass sie das eben mit seinem Vermieter mitbekommen hatte, aber das mit seinem Nebenjob … ?
    »Woher weißt du … ?«, wollte er deswegen wissen. Diesmal war es Louna die entschuldigend und auch verlegen drein sah.
    »Ich war dort vorhin, weil ich dachte, dass du dort noch arbeitest und äh … Ich wollte … Ich war, äh, nur in der Gegend … « Sie brachte es nicht fertig ihm direkt ins Gesicht zu sagen, dass sie ihn sehen wollte und erst recht wollte sie ihn nicht um seine Hilfe wegen ihrem Dartiri bitten. Er hatte offensichtlich schon genug Sorgen und Probleme, da wollte sie ihn nicht noch mit ihrem Zeug belästigen. Er sah so schon niedergeschlagen aus, als sie das mit dem Job auch noch erwähnte. Job und Wohnung auf einmal in so kurzer Zeit zu verlieren, war nicht besonders angenehm. Das konnte sie sich vorstellen.
    »Was willst du jetzt machen? Ich meine, wegen deiner Wohnung?«, fragte sie vorsichtig nach. Soul zuckte mit den Schultern.
    »Ich muss mir was Neues suchen.« Von seiner Seite klang das wenig optimistisch. Natürlich musste er sich was Neues suchen, aber er schien wohl auch nichts zu haben, wo er hin könnte, oder?
    »Und bist du was gefunden hast?« Wie sie es sich gedacht hatte, zuckte er wieder mit den Schultern.
    »Mietzimmer, Hotel, irgendwas … « Was sonst blieb ihm anderes übrig?
    »Okay, dann warte ich hier«, meinte Louna wie selbstverständlich, nur leider verstand Soul sie nicht, was sie damit meinen könnte. Fragend starrte er sie an.
    »Du musst bestimmt deine Sachen noch zusammenpacken, oder? Dann können wir zu mir gehen. Ich glaube nicht, dass es besonders angenehm ist von so einem Vermieter geweckt zu werden … « Wenn der Typ seine Drohung wahr machte, stand der bestimmt am Morgen vor der Türe und würde Soul gewaltig auf die Nerven gehen. Allein die Vorstellung ließ Louna erschaudern. Sie fand seinen Vermieter oder jetzt Ex-Vermieter ziemlich unheimlich!
    »Was?«, fragte er sie. Soul starrte sie gerade an, als hätte sie etwas Unmögliches gesagt oder von ihm verlangt. Hatte sie? Eigentlich nicht? Den Ärger von eben hatte sie schon längst zur Seite geschoben und legte daher nun den Kopf etwas zur Seite.
    »Wie was?«, fragte Louna selbst, ahnte aber, was er meinte. »So machen das doch Freunde, oder nicht? Sich gegenseitig helfen … «, meinte sie und wurde immer leiser, was vielleicht auch an ihrer heiseren Stimme lag. Natürlich nicht an ihrer Verlegenheit, wie könnte sie! Dummerweise sah Soul sie immer noch so an, als wäre sie ein kleines grünes Marsmännchen. War es so schockierend, dass sie ihm helfen wollte? Zu wissen, dass er gerade eben obdachlos geworden war und nicht mal einen Job hatte, womit er wenigstens die Miete für ein Zimmer, egal ob Hotel oder sonst wo, bezahlen könnte, beunruhigte sie. Sie konnte doch schlecht jetzt einfach nach Hause gehen und so tun, als wüsste sie das nicht!
    »Wieso solltest du … ?«, begann er, aber sie unterbrach ihn sofort.
    »Ach jetzt guck doch nicht so! Du hast mir doch auch ein paar Mal schon geholfen!« Stimmt doch! Allein schon, dass er sie durch den Wald von Nouvaria begleitet hatte, dafür gesorgt hatte, dass sie Tornado fing, ihr aus sämtlichen Miseren geholfen hatte, wie ihr beinahe untergehendes Evoli im Fluss bei Aquarillia! Oder als diese beiden Trainer in Escissia einfach aufgetaucht und sie herausgefordert hatten! Er hatte ihr etliche Male geholfen, obwohl er es nicht hatte tun müssen. Ach, einer der wichtigsten Momente hätte sie beinahe vergessen: Die Rettung von Fabula! Fast hätte ein dreister Dieb ihr Pokémon gestohlen und nicht zu vergessen vor einer Woche, als er sie vor einem herabfallenden Trümmerteil bewahrt hatte. Je länger Louna darüber nachdachte, desto mehr Situationen fielen ihr ein, wo Soul ihr unerwartet geholfen hatte. Sie war ihm eindeutig etwas schuldig!
    »N-nun mach schon und steh hier nicht so rum!«, forderte sie ihn auf und schob ihn kurzerhand Richtung seiner Wohnung. Noch immer konnte er nicht fassen, dass sie ihm einfach so ein Angebot machte, aber was sollte er tun? Es etwa ablehnen? Dann wäre er doch selbst schön blöd, oder? Aber konnte er es wirklich wagen … ?
    Als er seine Wohnung betrat, um sein Zeug einzupacken, hatte er genug Zeit darüber nachzudenken. Louna wartete tatsächlich draußen bei ihrem Fahrrad, bei Fabula, Arcus und auch Dael, der draußen blieb. Viel besaß Soul nicht. Seine ganzen Klamotten passten in zwei Reisetaschen, auf die Möbel konnte er verzichten, da sie sowieso hier und da zusammen geklaubt waren. Sonderangebote oder von jemand anderen sehr günstig abgekauft, die sonst eh auf dem Sperrmüll gelandet waren. Nein, er besaß nicht viel. So konnte er auch nicht viel verlieren. Aber war er nicht drauf und dran etwas zu gewinnen, was er eines Tages schmerzlich verlieren könnte? Soul schüttelte den Kopf über sich selbst. Quatsch! Er sollte sich bloß keine Flausen in den Kopf setzen. Er würde Lounas großzügiges Angebot annehmen und schnell dafür sorgen, dass er irgendwo ein Zimmer mieten konnte oder eine kleine Wohnung, die er sich irgendwie leisten konnte. Irgendwo würde er sicherlich auch noch einen neuen Job finden. Besonders anspruchsvoll war er da nicht. Bisher hatte er sich immer irgendwie durch das Leben geschlagen, da würde es ihm jetzt genauso gelingen!
    Als er seine Wohnung verließ, die ihm spätestens morgen nicht mehr gehören würde, sah er wie Louna sich zu ihm umdrehte und ihn anlächelte.
    Dieses Mädchen …
    Sie war zu gutherzig, davon war er überzeugt. Eines Tages würde ihre gute Seite ausgenutzt und sie verletzt werden. Das ahnte er. Er selbst würde es nicht tun. Zumindest nicht absichtlich, aber er wusste, wie gut er darin war andere Menschen zu verletzen, selbst wenn er es nicht wollte. Das hatte er vorhin schließlich bei Louna gut hinbekommen.
    Und trotzdem … Trotzdem half sie ihm, obwohl er tatsächlich ein Ekelpaket sein konnte. Vermutlich würde er sie nie verstehen, aber das war jetzt auch nicht notwendig. Er ging zu ihr und ihrem Fahrrad. Ob das nun seine Schuld war oder nicht, sie bekam einen Hustenanfall und musste sich erst wieder beruhigen, ehe sie los gehen konnten.
    »Das klingt nicht gut«, meinte er nebensächlich.
    »Mhm, es geht noch schlimmer. Ich lag die ganze Woche krank im Bett.« Sie lächelte als sie es sagte, als wäre das nicht der Rede wert, dabei musste Soul sich eingestehen, dass ein Anflug von Sorgen um sie in ihm hoch kam.
    »Bist du deswegen nicht ans Telefon gegangen?«, fragte er sie weiter und bemerkte ihren überraschten Gesichtsausdruck.
    »Was? Wieso?«
    »Ich habe versucht dich anzurufen«, gestand er ihr. Falls sie es noch nicht mitbekommen hatte, dann doch spätestens, wenn sie auf ihr Telefon sah. Louna sah ehrlich überrascht aus, als hätte sie es wirklich nicht gewusst.
    »Echt jetzt? Oh Mann, tut mir leid, ich war wirklich ausgeknockt und … !« Wie reumütig sie gleich war!
    »Schon gut, ist nicht weiter tragisch«, sagte er schnell, damit sie kein schlechtes Gewissen hatte. Er war es gewohnt, dass man nicht auf seine Anrufe reagierte oder sich nicht bei ihm zurückmeldete. Diese Enttäuschungen hatte er oft genug erlebt. Aber bei Louna konnte er ein ehrliches Bedauern erkennen. Das war das erste Mal, dass es jemanden leid tat. Vor allem schien sie wirklich keine Schuld daran zu haben, wo sie doch so krank gewesen zu sein schien. Selbst jetzt war sie noch nicht ganz gesund. Ja, es wurde wirklich Zeit, dass sie nach Hause kam. Deswegen beeilten sie sich, so gut es ging. Leider besaß Soul kein Fahrrad, andererseits wäre es recht schwierig mit den beiden Reisetaschen geworden. Doch Louna störte sich nicht daran und wirkte trotz ihres angeschlagenen gesundheitlichen Zustands fast schon fröhlich auf dem Nachhauseweg.


  • Ohh armes Lexi, das wollen wir nicht!


    Ist zwar nicht geplant, aber da ich das Kapitel schon gelesen hab kommt ein spontan Review. xD


    Ähm ja spontan und so: Zum Allgemeinen.


    Die Story bis hier her: Richtig gut! Allein Lous Entwicklung hat schon was. Ganz unbemerkt wird sie zum Trainer und bekommt immer und immer mehr Pokemon. Und Schups, schon ist sie irgendwie ein Trainer geworden ohne es richtig zu merken. Mittlerweile kann man auch sehr gut absehen, dass sie ein Feuer-Team haben wird oder eher hat. Die Pokemon, die sie bisher hat, finde ich eigentlich recht schön. Es passt auf jeden Fall gut zu ihr und die Namen sind, zum Großteil, auch recht passend. Okay ein zwei find ich net so toll, aber hey, sie passen dennoch.
    Ich muss sagen, dass ich mich wie sonst was gefreut hab, als Soul wieder vorkam! Er ist mitunter einer meiner Liebling der Geschichte. Aber ich hab so oder so immer den Hang mir seltsame Lieblings auszusuchen. Dabei muss ich sagen, dass ich es am meisten mag, wenn Lou und Soul zusammen agieren. Einfach weil sie zwei völlig verschiedene Typen sind und Lou es einfach immer und immer wieder schafft ihn irgendwie aus der Reserve zu locken. Und genau das finde ich toll, wie sie es schafft ihn immer weiter zu knacken.
    Die Story an sich war bisher ausgeschmückt mit vielen schönen Details und Pokemon. Schön finde ich, dass Lou es eben nicht von Anfang an genau weiß wie sie mit allem umgehen soll, zum Beispiel mit Dartiri. Weil es eben nicht der typische Verwandte eines Haustieres unserer Welt ist, sondern ein Vogel, der eigentlich wild ist. Okay, ins Detail wollte ich hier nicht gehen, sonst muss ich ja keine Reviews mehr zu anderen Kapiteln schreiben. ;)


    Zum aktuellen: Also langsam versteht man, was mit Soul los ist oder eher warum er so drauf ist. Lou tut mir ein wenig leid, vor allem weil sie nun nach dem was passiert ist auch noch krank geworden ist. Aber das war irgenwie auch nicht mehr so richtig zu bezweifeln, dass es passieren musste. Immerhin ein wenig besser geht es ihr ja, obwohl jetzt schon draußen rumradeln vielleicht nicht optimal ist. Am ende war es dagegen perfekt, denn sonst wäre das Kapitel ja gar nicht zu Stande gekommen.
    Und nun ist Soul auch noch gefeuert und aus der Wohnung raus. Ist nicht gerade ein Glücktag für ihn, was? Obwohl, er hat Lou getroffen, alles wird wieder gut!
    Soul wäre nicht Soul, wenn er es nicht abstreiten würde und versuchen nicht mit zu ihr zu kommen. Aber mal ehrlich, so ist es doch besser! Außerdem so schlimm wird es schon nicht werden und ihre Eltern beißen ihr schon nicht den Kopf ab. xD Irgendwann wir er schon einsehen, das Lou seine Freundin geworden ist und das obwohl sie am Anfang dachte, dass er ein Dieb ist.
    (Shiny Fiffyen, wieso nur bin ich da nicht drauf gekommen? Aber niedlich das Kleine. ^^)


    Ich denke nicht, dass die Charaktere, die keine Stimme in der Umfrage bekommen haben uninteressant sind. Eher glaube ich, dass sie einfach nicht ganz so interessant sind wie die anderen. Man konnte eben nur eine Möglichkeit auswählen und dann nimmt man eben seinen Liebling. Dass dann die, die nicht ganz so oft auftauchen nicht so gut abschneiden ist eben klar. Hätte man Nummerieren können wäre das noch einmal ganz anders ausgegangen. ;)


    Eisseele, nächste Mal mit besserem unspontanen (Was ein erfundenes Wort) Review.

    Danke an Evali von Pokefans für den tollen Avatar, den sie als Preis für eine Aktion im Bisaboard angefertigt hat.

  • Hallo Lexi,


    ja, die letzten Kapitel waren wohl für alle Charaktere nicht besonders leicht. Mir gefällt dabei überhaupt, wie du nun mittlerweile auch Souls Umstände vorgestellt und ihn und sein Verhalten verständlicher gemacht hast. Da lässt sich natürlich auch nachvollziehen, dass er keinen so richtig an sich heranlässt und auch keinen in seine Belange mit hineinziehen möchte, schon gar nicht Louna (für die er offenbar mehr empfindet, als er selbst zugeben will). Dass da die Überraschung groß ausfällt, als sie ihn nach dem Rauswurf aus seiner Wohnung zu sich nach Hause einlädt, ist nachvollziehbar, da unerwartet. Aber in Anbetracht der Situation wohl auch das einzig wahre, denn ohne Geld wird es ja nicht zwingend besser und so nebenbei kann damit auch das Training besser abgehalten werden.
    Zurück zu Louna fällt da schon der viel vertrautere Umgang mit den Pokémon auf. In Hinsicht auf den Anfang, wo sie nur Arcus und Coco hatte, dürfte der Umgang mit all den Neuzugängen auch an ihr selbst nicht spurlos vorübergegangen sein. Sich um die Pokémon zu kümmern will natürlich gut gelernt sein und dafür, dass sie noch vieles zu lernen hat und die Pokémon auch ihre neue Umgebung und Louna selbst akzeptieren lernen müssen, läuft das schon relativ gut. Fabula sticht da besonders hervor. Sie ist zwar noch immer scheu, aber sie weiß, was Sache ist und mischt sich auch schon vermehrt unter die anderen Pokémon und besonders zu Louna. Wer weiß, ob sie ihren schreckhaften Charakter nicht mal los wird und dann umso lebendiger ist. Ich sag's gern immer wieder: Die Pokémon lebendig zu zeichnen gehört zu jeder Geschichte einfach dazu und du verbesserst dich hier auch mit jedem Kapitel weiter und weiter. Da freue ich mich schon auf Tornados ersten Außeneinsatz.


    Wir lesen uns!

  • 32. Kapitel Schneesturm trifft Donner


    Hungrig knurrte Lounas Magen, doch bevor sie in der Küche das Abendessen vorbereitete, zeigte sie Soul noch das Gästezimmer im oberen Stockwerk. Es lag neben ihrem eigenen Zimmer und gegenüber dem Schlafzimmer ihrer Eltern.
    »Du kannst den Schrank für deine Sachen benutzen.« Sie deutete in die rechte Ecke des Raumes. Neben dem Bett, dem Nachtschränkchen und dem großen Kleiderschrank, den Gäste nutzen konnten, gab es auch eine Couch, die ausgezogen werden konnte, falls hier mehr als ein Gast übernachtete. Aus dem Bettkasten holte Louna die Bettdecke und das Kissen heraus, was Soul benutzen durfte. Außerdem öffnete sie das Fenster in Kippstellung, damit noch ein wenig Frischluft in das Zimmer kam.
    Soul stellte seine beiden Reisetaschen neben dem Bett ab und sah sich um. Den unteren Bereich der zweistöckigen Wohnung kannte er schon, aber hier oben war er noch nicht gewesen. Louna war bereits wieder dabei den Raum zu verlassen und nebenbei noch anzumerken, wo er das Badezimmer fand. Das war nämlich der vierte Raum hier oben. Mehr gab es nicht. Unten befand sich die Küche, das Wohnzimmer, welches der größte Raum von allen war, die Abstellkammer und natürlich der Flur, von dem man zur Haustür und zur Garderobe kam.
    Arcus lief umher und hatte dabei Dael im Schlepptau. Die beiden verstanden sich sehr gut und liefen wieder die Treppe nach unten, um ins Wohnzimmer zu gelangen. Coco, die wie immer in ihrem Lieblingskörbchen auf ihrer Kuscheldecke lag, hob den Kopf und rümpfte die Nase. Dael kannte sie natürlich auch schon, aber selbst beim ersten Mal war sie nicht besonders zutraulich gewesen. Wie immer hielt sie sich gegenüber Fremden – egal ob Pokémon oder Mensch – zurück und war froh über ihre Ruhe. Gesellig war etwas anderes, obgleich Coiffwaffs zu den geselligen Pokémon gehörten. Coco war da eher eine Ausnahme.
    In der Küche angekommen, wuselte Fabula um Lounas Beine, weil diese ihr gerade noch eine süße Beere gereicht hatte. Für das Fynx war das ein guter Grund, um in ihrer Nähe zu bleiben! Aber Fabula zog sich ein wenig zurück, als Louna mit Töpfen und Pfannen begann zu klappern, um das Abendessen zuzubereiten.
    Soul hingegen ging langsam die Treppe hinunter. Seine Augen lagen nicht auf den Stufen vor ihm, um aufzupassen, wo seine Füße hintraten, sondern auf den Bildern an der Wand. Etliche Fotos hingen von Lounas Familie da. Von ihr selbst gab es mehrere verschiedene Bilder, angefangen mit Fotos, wo sie noch ein Baby war, hin zu ihrem Schulanfang wie auch Fotos, auf denen sie schon älter war. Ausnahmslos auf allen Fotos sahen sie, ihre Eltern oder ihre Freunde glücklich aus. Es gab kein Bild, was traurige Zeiten darstellte. Gut, wer würde schon ein Foto hinhängen, auf dem man deprimiert aussah? Aber allgemein hatte Soul den Eindruck, dass Louna eine glückliche Kindheit, verständnisvolle Eltern und allgemein ein sorgenfreies Leben besaß. Vermutlich hatte ihr nie an etwas gefehlt. Da könnte man neidisch werden, wenn man auf solche Dinge einen Wert legte.
    Er schüttelte den Kopf und riss sich von dem Bild ab, wo Louna kaum jünger als jetzt drauf zu sehen war. Ihr Lächeln lag nicht nur breit auf ihren vollen Lippen, sondern erreichte auch ihre Augen, die dadurch noch mehr glänzten. Sie war ein lebensfroher Mensch, das hatte er schon lange mitbekommen. Als er unten ankam, sah er nur in die Küche hinein, ohne sie direkt zu betreten. Louna war eifrig am Schnippeln, Braten und Kochen des Abendessens. Sie bemerkte gar nicht, dass er sie beobachtete. Dael kam zu ihm und setzte sich neben ihm auf den Boden. Er sah ihn erwartungsvoll an, weswegen Soul in die Knie ging und Dael über den Kopf kraulte. In diesem Moment sah gerade Louna nach hinten und in seine Richtung. Als sie das Bild der beiden sah, musste sie lächeln, sagte aber nichts und kümmerte sich weiter um das Abendessen.


    Der Hustenanfall war so heftig, dass Soul schon glaubte, dass ihr gleich die Luft weg blieb. Louna fühlte sich auch nicht besonders gut. Nach dem Abendessen war ihr Gesundheitszustand deutlich schlechter geworden. Obwohl sie tapfer lächelte, damit er sich bloß keine Sorgen machte, wusste er es besser. Besonders als er instinktiv seine Hand auf ihre Stirn legte und bemerkte, dass sie erhöhte Temperatur hatte.
    »Du solltest dich ausruhen«, sagte er und meinte damit, dass es besser wäre, wenn sie ins Bett ging und schlief. Louna lächelte immer noch und schüttelte den Kopf.
    »Ach was, so schlimm ist das ni-« Ein weiterer Hustenanfall unterbrach und schüttelte sie, so dass er sie vorwurfsvoll ansah.
    »Ne schon klar. Du stirbst mir hier nur fast weg.« Das mochte etwas dramatisch ausgedrückt sein, aber weder klang ihr Husten gut, noch sah sie gut aus. Also gesundheitlich betrachtet.
    »Ich bin wieder da!«, hörten sie beide von der Haustür aus rufen. Es war Lounas Mutter, die heute länger im Labor geblieben war, um dem Professor bei seiner Auswertung einer Studie zu helfen. Jetzt war Nanamie Lavie froh wieder daheim zu sein und wurde nicht nur von Arcus stürmisch begrüßt, sondern auch gleich mit einem Überraschungsgast konfrontiert. Bisher hatte Louna ihren Eltern noch nichts von Soul erzählt, weil sie diese nicht auf Arbeit stören wollte. Aber Louna machte sich darüber auch keine wirklichen Sorgen, dass ihre Eltern etwas dagegen haben könnten, wenn er ein paar Tage hier blieb. Sie waren nicht nur sehr gastfreundlich, sondern kannten Soul auch schon ein wenig. Soweit es Louna bewerten konnte, hatten ihre Eltern Soul gemocht, auch wenn sie ihn eher als stillen Zeitgenossen kennen gelernt haben. Das musste jedoch nichts Schlechtes sein.
    »Oh hallo?!« Nanamie blieb im Wohnzimmer stehen und sah sowohl zu ihrer Tochter, die auf dem Sofa saß und sich die Seele aus dem Leib hustete, als auch zu Soul, der davor stand und ziemlich hilflos wirkte, was er mit Louna machen sollte.
    »Hi Mom«, röchelte Louna, so dass ihre Mutter zu ihr kam.
    »Geht’s dir wieder schlechter?«, wollte sie sofort wissen und sah sie besorgt an.
    »Nein«, meinte Louna und ihre Mutter blickte direkt zu Soul, der mit dem Kopf schüttelte. Sie wussten bereits beide, dass Louna jemand war, die ungern anderen Sorgen bereitete, selbst wenn es ihr schlecht ging.
    »Geh ins Bett, Lou, damit du wieder gesund wirst«, sagte ihre Mutter und forderte sie auf aufzustehen. Louna wirkte weniger glücklich darüber und bevor sie der Anordnung ihrer Mutter tatsächlich nachkam, lenkte sie die Aufmerksamkeit auf Soul.
    »Ihr habt doch nichts dagegen, wenn Soul ein paar Tage bleibt, oder?« Überrascht sah Nanamie drein und kurz auch Soul wieder an, ehe sie Louna fragend musterte.
    »Seine Wohnung steht wegen einem Rohrbruch unter Wasser. Das … könnte etwas dauern«, erklärte Louna. Nanamie seufzte und lächelte dann.
    »Natürlich nicht. Dafür haben wir ein Gästezimmer.« Nachdem das geklärt war, war Louna beruhigt und stand auf, um die Treppe nach oben zu gehen. Sie würde noch ein Bad nehmen, ehe sie ins Bett ging, um sich auszuruhen. Die beiden anderen würden ihr deswegen ohnehin keine Ruhe lassen. Ihre Mutter selbst ging in die Küche, denn vom Abendessen war noch was für Lounas Eltern übrig geblieben. Soul hingegen folgte Louna nach oben und hielt sie am Ellenbogen fest, ehe sie ihr Zimmer betreten konnte, um ihre Wechselsachen zu holen.
    »Lou?« Er war innerlich beunruhigt und musste einfach fragen.
    »Wieso hast du deine Mutter angelogen?« Er sprach extra etwas leiser, damit ihre Mutter unten in der Küche nichts mitbekam. Louna legte den Kopf zur Seite und lächelte wieder.
    »Ich glaube nicht, dass du jedem erzählen willst, was passiert ist, oder? So ist es doch einfacher.« Soul war nicht sicher, was er von ihrer Antwort halten sollte. Beeindruckt sein, weil sie rücksichtsvoll ihm gegenüber war? Schockiert, weil sie ohne Zögern gelogen hatte, um ihm eine unangenehme Situation zu ersparen? Er beließ es bei ihrer Variante. So einen inneren Drang mit der Wahrheit herauszurücken, besaß er nicht. Wenn ihre Eltern nicht alles wussten, war ihm das mehr als recht. Louna verschwand derweil in ihrem Zimmer und kurz darauf im Bad. Er selbst ging in das Gästezimmer, was vorerst seine Unterkunft sein würde. Er hatte Glück, dass Louna so hilfsbereit war, aber er würde sich dringend wieder etwas Eigenes suchen müssen.


    Das heiße Bad tat Louna wirklich gut, doch je länger sie drin blieb, desto dösiger wurde sie. Da sie nicht in der Badewanne einschlafen wollte, entstieg sie dieser bald wieder. Es nervte sie selbst, dass sie immer noch nicht gesund war, aber was sollte sie tun? Außer sich ausruhen, viel schlafen und hoffen, dass ihr Körper bald die Krankheit besiegt hatte. Sie gähnte, als sie sich ihre lange Jogginghose anzog und noch ein schlabbriges Shirt, was ihr auch zum Schlafen diente. Danach fuhr sie sich mehrere Male durch das lange braune Haar und schüttelte es einige Male. Zuvor hatte sie es schon mit dem Handtuch weitestgehend trocken abgerubbelt, aber bis lange Haare trocken waren, dauerte das immer seine Zeit. Auf den Föhn verzichtete sie, auch wenn sie kurz überlegte, ob es nicht besser wäre, ihn zu nutzen. Doch dann waren ihre Haare danach immer so ausgetrocknet und sie hatte wenig Lust dazu sich hinzustellen und minutenlang die Haare zu föhnen. Also schüttelte sie diese ein letztes Mal durch und verließ das Bad. Sie hätte direkt in ihr Zimmer gehen können, doch an der halb offenen Tür zum Gästezimmer blieb sie stehen. Nicht etwa, weil sie Soul eine gute Nacht wünschen wollte. Das wäre zwar auch ein guter Grund gewesen, doch in ihrem Augenwinkel hatte sie Bewegungen wahrgenommen und war deswegen stehen geblieben, um ihn dabei zu beobachten, wie er sich gerade selbst ein anderes T-Shirt überzog. Okay, spannen tat man nicht, das war ungehörig. Es war auch keine Absicht gewesen, aber daran dachte sie nicht. Lounas Augen klebten an der langen Narbe, die in der Mitte von Souls Rücken begann und scheinbar wohl an der Hüfte nach vorne führte. Wie groß diese tatsächlich war, erkannte sie nicht, weil der Stoff von Souls Shirt kurz danach darüber lag. In dem Augenblick kam Arcus von unten die Treppe hinauf gelaufen und lenkte Louna ab. Sie ging in die Hocke, um ihr Pokémon zu streicheln, aber der Anblick der Narbe ließ sie nicht los. Es gab so vieles, was sie über Soul noch nicht wusste und auch nicht so schnell erfahren würde. Dabei würde sie es gerne, mehr denn je!
    »Lou?« Sie erschrak sich, als sie seine Stimme hörte, weil er gerade aus dem Zimmer kam und er sie hier vor der Tür hocken sah. Verlegen stand sie wieder auf, leider etwas zu schnell, weswegen ihr schwarz vor Augen wurde. Soul bemerkte ihr Schwanken und hielt sie am Arm fest, damit sie nicht umfallen konnte. Kurz kniff sie die Augen zusammen, bis das Schwindelgefühl nachließ.
    »Geht’s wieder?«, fragte er und musterte sie besorgt. Louna nickte.
    »Dann ab mit dir ins Bett!« Das war nicht Soul, sondern Lounas Mutter, die eben die Treppe nach oben gekommen war und noch eine kleine Packung in ihren Händen hielt.
    »Ich habe dir heute noch aus der Apotheke Hustensaft mitgebracht«, sagte sie und reichte die Packung an ihre Tochter weiter.
    »Danke, Mom.« Louna nahm die Packung an und würde dann gleich auch noch was vom Hustensaft einnehmen, in der Hoffnung, dass sie ein wenig Ruhe in der Nacht hatte. Ihre Mutter scheuchte sie sowieso ins Bett, obwohl es noch gar nicht so spät war. Aber sie sah selbst ein, dass es besser war zu schlafen.
    »Gute Nacht, Soul!«, sagte sie auch noch zu ihm. Er würde sich ins Gästezimmer zurückziehen, bis er selber müde genug war, um zu schlafen.


    Der nächste Morgen begann mit dem Zwitschern von Dartiris. Diese waren in Kalos weit verbreitet und flogen auch innerhalb von Illumina ihre Runden. Nicht selten konnte Louna vor ihrem Fenster die Vogel-Pokémon singen hören. Doch es waren nicht nur die frei lebenden, sondern auch ihr eigenes Dartiri, welches sang.
    »Hm … ?« Noch ganz verschlafen rieb sie sich über die Augen und sah zu der Sitzstange, die am Fenster stand. Da der Vorhang den Blick nach draußen versperrte, konnte Tornado zwar nicht viel erkennen, aber zwischen dem Spalt blitzte das Morgenlicht hinein und außerdem konnte er draußen seine Artgenossen hören. Das war Grund genug für ihn selber zu singen. So geweckt zu werden, konnte sowohl schön als auch nervig sein. Heute war es Louna etwas zu früh, aber da Tornado keine Anstalten machte den Schnabel zu halten, entschloss sie sich dazu aufzustehen. Sie gähnte und musste kurz husten. In der Nacht hatte der Hustensaft ihr ein paar Stunden Schlaf verschafft, doch sobald die Wirkung nachgelassen hatte, kam der Husten wieder zurück. Das war ätzend und hoffentlich bald vorbei.
    »Guten Morgen, Tornado«, sagte sie zu ihrem Pokémon, als sie aus dem Bett stieg. Nad sah tatsächlich zu ihr hin, um ihrer Stimme zu lauschen, da sie aber nichts weiter sagte, begann er wieder zu singen.
    Sie schlurfte ins Bad, da ihre Eltern schon wieder auf Arbeit waren und Soul vermutlich noch im Gästezimmer schlief. Sofern er nicht schon wach war. Bis Louna richtig in die Gänge kam, wach, gewaschen und angezogen war, verging fast eine Stunde. Heute war es schwieriger sich aufzuraffen, aber das lag nicht nur an ihrer angekratzten Gesundheit. Es gab einfach Tage, da mochte man nicht aufstehen. Heute war so ein Tag für Louna. Unten in der Küche angekommen, bereitete sie alles für das Frühstück vor. Sie wusste nicht, ob Soul ein Frühstücksmensch war, ob er Kaffee oder Kakao trinken wollte oder allgemein darauf verzichtete. Das würde sie herausfinden, sobald sie ihn zu Gesicht bekam. Während sie alles vorbereitete, bekam sie eine Nachricht auf ihren Holo-Log. Den hatte sie schon die ganze vergangene Woche in der Küche liegen lassen und völlig vergessen. Erst als dieser sich rührte, erinnerte sie sich daran und überprüfte augenblicklich die eingegangene Nachricht.


    »Guten Morgen Lou! Gut geschlafen? Also ich bin dann im Park, der bei dir ganz in der Nähe ist. Falls du heute Zeit hast, könnten wir uns wieder treffen, was meinst du? Dann könnte ich dir ganz nebenbei noch jemand anderen vorstellen. Glaub mir, es lohnt sich! Wie geht’s eigentlich mit deinem Training voran? Lass mal von dir hören, auf deinem Telefon konnte ich dich leider nicht erreichen. Wir sehen uns hoffentlich bald wieder! Bis dann!«


    Als das Hologramm von Dash vor ihr auftauchte, war sie überrascht, freute sich aber auch darüber. Sie hatte ihn seit über einer Woche nicht mehr gesehen gehabt. Wie es ihm wohl ergangen war, vor allem in dieser einen stürmischen Nacht? Da sie wenig Lust hatte selbst ein Hologramm aufzunehmen, um es ihm zu schicken, wollte sie ihn anrufen. So konnte sie das Treffen direkt mit ihm abklären. Aber hatte er nicht gesagt, dass er sie nicht auf ihrem Telefon erreicht hatte? Wo war es überhaupt? Sie überlegte, konnte sich aber nur daran erinnern, dass sie es in ihrem Zimmer das letzte Mal gesehen hatte. Sie verließ die Küche, um nach oben in ihr Zimmer zu gehen, wo sie gleich damit begann nach ihrem Telefon zu suchen. In ihrer Tasche und ihrem Rucksack war es nicht. Auch lag es weder auf ihrem Schreibtisch noch auf dem Nachtschränkchen. Mittlerweile krabbelte sie auf allen Vieren durch ihr Zimmer, weswegen nicht nur Tornado sie seltsam beäugte, sondern auch Arcus. Der fand das wohl besonders witzig, stellte sich ihr in den Weg und leckte ihr über die Wange.
    »Arcus, nicht … « Sie schob ihn zur Seite, aber da lief auf einmal auch noch Chiari herbei. Bestimmt war sie die ganze Zeit im Wohnzimmer gewesen. Dort gab es nicht nur für Coco ein Plätzchen zum Schlafen.
    »Ach, ihr beiden seid mir auch keine Hilfe«, sagte Louna frustriert, ehe sie laut aufschrie.
    »Hab es!« Sie fand ihr Telefon unter ihrem Bett, worüber ein Kissen gefallen war. Wie es da hingekommen war, konnte sie sich nicht erklären. Sie konnte sich einfach nicht daran erinnern, wie Arcus, als sie so krank gewesen war, aufs Bett gesprungen war und dabei vom Nachtschränkchen versehentlich ihr Telefon nach unten geworfen hatte.
    Natürlich war der Akku leer, weswegen sie diesen erst wieder aufladen musste. Als sie deswegen vom Boden aufstand, um es an das nötige Kabel anzuschließen, bemerkte sie Soul im Türrahmen stehen. Ihr stockte kurz der Atem.
    »Ist das deine morgendliche Gymnastik?«, wollte er wissen, die Arme vor seiner Brust verschränkt und lässig gegen den Rahmen gelehnt. Er schaffte es sie augenblicklich verlegen zu machen. Wie gemein!
    »Äh nein, ich habe nur mein Telefon gesucht!«, antwortete sie ihm und steckte besagtes Gerät an das Ladekabel. Ein paar Sekunden wartete sie, ehe sie es anschaltete und von mehreren Nachrichten überflutet wurde. Dabei fiel ihr auch auf, dass Soul sie mehr als nur einmal versucht hatte anzurufen. Sie war ihm also nicht so egal, wie er manchmal den Anschein erwecken wollte, oder? Noch immer sah er in ihre Richtung, was sie umso nervöser machte, doch dann legte sie erst einmal das Telefon zur Seite und lächelte ihn an.
    »Frühstück?«, wollte sie von ihm wissen, ehe sie auch schon an ihm vorbei ging. Arcus und Chiari folgten ihr sofort, bis nach unten in die Küche. Dass sie alle Frühstück haben wollten, wunderte sie nicht. Auch Fabula tauchte mit vorsichtigen Schritten in der Küche auf, um neugierig zu beobachten, was hier vor sich ging.
    »Möchtest du Kaffee, Soul?«, fragte sie ihn, sobald er in Sichtweite war.
    »Ja«, antwortete er ihr, weswegen Louna den Kaffee ansetzte. Während sie noch dabei war, die Futterschalen ihrer Pokémon zu füllen und diese ihnen reichte, führte sie das angefangene Gespräch mit Soul weiter.
    »Hast du Lust dann mit in den Park zu kommen? Ich geh nach dem Frühstück hin. Dann bekommt meine Rasselbande auch noch ein wenig mehr Auslauf.« Fragend sah sie ihn an.
    »Nein.« Die knappe Antwort sollte sie eigentlich nicht wundern, aber warum lehnte er ab? Hatte er keine Lust mitzukommen?
    »Ich hab noch ein paar Dinge zu erledigen.« Offenbar hatte sie etwas zu entsetzt oder zu enttäuscht ausgesehen, so dass er eine Erklärung ablieferte und sie sogar entschuldigend ansah.
    »Oh, ist schon okay.« Es ärgerte sie, dass man ihre Enttäuschung auch aus der Stimme heraus hören konnte.
    »Ich kann … nachkommen, wenn du dann noch dort bist?«, schlug er vor. Soul wunderte sich selbst über seinen versöhnlichen Vorschlag, als wollte er sie nicht enttäuschen. Andererseits würde er aber ohne Schlüssel auch nicht hier her zurückkommen können. Er würde vermutlich keinen bekommen, also wird er von Louna abhängig sein. Das fand er nicht so störend. Schließlich konnte er froh sein ein Dach über dem Kopf zu haben und dann auch noch so kostengünstig!
    »Ja, kannst du gerne. Ich muss nur warten, dass mein Telefon aufgeladen ist«, fuhr sie fort und wirkte gleich viel entspannter. Freute sie sich wirklich darüber, wenn er später in den Park kam? Das war für Soul kaum vorstellbar. Vielleicht war es einfach nur ihre Eigenheit. Bestimmt freute sie sich über jeden so …


    Louna erreichte den Park mit ihrem Fahrrad wie schon das letzte Mal. Es war ein praktisches Fortbewegungsmittel. Auch heute saß Fabula vorne im Körbchen, während Chiari und Arcus neben ihr herlaufen durften. Da Soul anderes in der Stadt zu tun hatte, kam Louna ohne ihn im Park an. Das Wetter war herrlich und trotz ihrer verschnupften Nase konnte sie sich am Sommer erfreuen. Sie ließ Fabula aus dem Körbchen und beobachtete sie, wie sie sehr viel munterer und selbstsicherer ein paar Schritte tat. Das erste Mal war ihr Fynx eher verängstigt gewesen und hatte sich nur mühselig nach vorn getraut. Doch heute war es schon besser und allein dass Arcus und Chiari los liefen, um herumzutoben, entspannte Fabula.
    Nachdem Louna ihr Fahrrad angeschlossen hatte, ging sie weiter, Fabula an ihrer Seite. Sie sah sich um, ob sie irgendwo Dash entdecken konnte und bemerkte, dass der Park recht gut besucht war. An dem heutigen warmen Sommertag bot es sich auch gut an, ein kleines Picknick im Park zu machen. Gut, dass die Stadt mehrere dieser Grünanlagen besaß, so dass nicht die gesamte Bevölkerung nur in einen einzigen Park gehen musste.
    »Louna!« Von niemand Geringerem als Dash wurde sie gerufen. Sie musste sich nur um eine Vierteldrehung umwenden, damit sie ihn entdecken konnte. Er hatte den Arm nach oben gehoben und winkte. Sie selbst hob die Hand zum Gruß und rief ihre Pokémon zu sich, damit sie zu Dash gehen konnte. Als sie näher kam, strich er sich durch das blonde Haar und grinste sie breit an. Er trug seine lange Jeanshose und dazu ein einfaches helles Shirt. Um seine Hüfte hatte er seinen Gürtel mit seinen Pokébällen. Diese Art von Gürtel konnte man fast in jedem Kleidungsgeschäft kaufen. Die meisten Trainer hatten ihre Bälle am Gürtel befestigt, aber es gab auch Trainer, die es anders handhaben. Einige steckten diese direkt in Gürteltaschen oder hatten eine Befestigung am Arm oder am Bein. Louna selbst nutzte noch ihre Tasche, denn sie hatte keinen Gürtel oder etwas anderes, woran sie die Bälle befestigen konnte. Vielleicht sollte sie sich so etwas mal organisieren? Jetzt aber nicht, denn Dash wollte ihr unbedingt noch jemand anderen vorstellen. Neben ihm stand auch Xelif, den sie bereits kannte. Er grüßte sie freundlich und lächelte. Wie Dash trug er ein helles Shirt mit einem Print aus Hoenn, hatte aber dafür kurze Hosen an. Ihm war zu warm, als dass er mit langen Hosen herum laufen wollte. Seinen Rucksack hatte er auf dem Rücken, aber die restlichen Sachen, die er sonst als reisender Trainer so mit sich führte, waren in seinem Gastzimmer, in dem er sich für eine Weile einquartiert hatte.
    »Das ist DJ!«, stellte Dash vor, der es scheinbar kaum erwarten konnte. Neben Xelif und ihm stand besagte Person, die allerdings mal so ganz anders wirkte, als Louna erwartet hätte. DJ war eine junge Frau mit einer Vorliebe für sehr bunter Haarpracht. Louna konnte gar nicht anders, als sie anzustarren und dabei ihren bunten Irokesen in Augenschein zu nehmen. Er war nicht wie bei typischen Punks gerade und steif nach oben gestylt, sondern wirkte bei DJ sehr wild. Sie selbst würde sich auch gar nicht als Punk bezeichnen, auch wenn bestimmt einige Leute sie als solch einen ansehen würden. Ihre braunen Augen glänzten vor Vergnügen, weil sie sehr wohl mitbekam, dass Louna sie anstarrte. DJ war es gewohnt, dass die Leute – besonders die Konventionellen – sie seltsam musterten. Gehörte Louna etwa auch dazu? Anders als DJ, die heute wieder ihre graue, lange Sporthose und ihr weißes Top anhatte und damit in ihrem sehr lässigen Stil umher flitzte, hatte Louna schon fast was Elegantes an sich. Denn sie trug heute eines ihrer Lieblingssommerkleider. Es war weiß, aber wie ein Petticoat geschnitten, weswegen schwarze Spitze unter dem Rock hervor schaute. Außerdem hatte das Kleid ein musikalisches Muster, so dass es gar nicht so weiß wirkte und daher neben schwarzen und roten Akzenten ein wenig Farbe zeigte. Die Musiknoten, die DJ entdecken konnte, gefielen ihr. Das machte Louna sympathisch, aber nur, wenn diese auch wirklich eine Leidenschaft für Musik besaß. Logisch, oder? In DJs Leben drehte sich alles nur um Musik, ähnlich wie bei Dash.
    »Hi«, sagte DJ, um das Anstarren zu durchbrechen. Sie grinste, weil Louna sich ertappt fühlte.
    »H-hallo, ich bin Louna«, stellte sie sich vor.
    »DJ kommt aus Einall und … «, begann Dash zu erzählen, als könnte das DJ nicht alleine machen. Doch Louna mischte sich sowieso ein, da sie erstaunt war.
    »Aus Einall?« Das war doch auch ganz schön weit weg! Vor allem war es für Louna interessant, weil sie dadurch wieder jemanden kennen lernte, der nicht aus Kalos kam. Xelif war aus Hoenn, Dash kam aus Kanto und nun traf sie DJ, die aus Einall stammte.
    »Right«, bestätigte DJ selbst. »And you … ? Du bist Louna, richtig? Dash hat erzählt von dir.« Louna konnte sehr viel deutlicher den Akzent aus DJs Stimme heraus hören. Bei Xelif und Dash war das nicht so extrem, aber bei DJ schon. Das war interessant.
    »Er sagte, du kennst dich hier aus?«, wollte DJ von ihr wissen, so dass Louna nickte.
    »Genau«, bestätigte Louna noch einmal und fand das darauffolgende Lächeln von DJ etwas unheimlich. Es sah aus, als hätte sie irgendetwas vor. Tatsächlich war dem auch so!
    »Dann müssen wir die Stadt unsicher machen demnächst, ja? Du kannst mir bestimmt gute Clubs zeigen?«, fragte DJ und sah Louna erwartungsvoll an.
    »Oh, also die Stadt kann ich dir zeigen, aber die Clubs … Da ist doch Dash bestimmt besser darin bewandert, ahaha … « Ein bisschen war Louna nervös. Sie hatte nichts dagegen Zeit mit DJ zu verbringen. Das konnte durchaus interessant sein, aber sie war noch nie ein großer Clubgänger gewesen. Von Dash wusste sie, dass dieser sich in so manchen Etablissement aufhielt. Ob Louna da mithalten konnte, zweifelte sie an.
    »Ich wüsste sogar welchen wir besuchen könnten«, meinte Dash grinsend. Ja, er kannte sich aus. Als tanzbegeisterte Seele war das auch unabdingbar! Er liebte es sich zu den Beats zu bewegen, sich mit anderen Tänzern zu batteln und dabei einfach nur Spaß zu haben. Klar machte er auch seine eigene Musik, aber das Tanzen gehörte genauso zu ihm wie das Spielen auf der Gitarre.
    Glücklicherweise wurde das Thema ein wenig abgelenkt, so dass sich Louna nicht genötigt fühlte sich jetzt zur Musik weiter zu äußern. Sie war nicht wie Dash, die selbstbewusst auf die Tanzfläche sprang. Das Feld überließ sie ihm gerne. Was nicht bedeutete, dass sie was dagegen hätte, wenn sie mit DJ und Dash besagten Club mal aufsuchte. Das würde sicher Spaß machen, doch im Augenblick hatte sie noch ein paar andere Sorgen. Die allerdings auch schnell vergessen wurden, als sie sah, wie DJ sich auf einmal aufregte. In ihrer Muttersprache fuhr sie Dash an, weil sein Blitza sich schon wieder zu sehr ihrem Glaziola genähert hatte. Erst da fielen Louna die beiden Pokémon auf, die ebenfalls im Park frei umher liefen. Glaziola wurde von DJ auf die Arme genommen, damit Raku, Dashs Blitza, nicht heran kam. Dash selbst sah entschuldigend und lächelnd drein und erklärte in DJs Muttersprache, dass er nichts dafür könne. Außerdem konnte er gar nicht verstehen, warum DJ etwas dagegen hatte, wenn sein Blitza und ihr Glaziola sich mochten. Das war nicht DJs Problem, sondern eher die Verantwortung, die sich am Ende dahinter befand. Denn wer kümmerte sich dann um all die kleinen Evolis, sollte Raku einfach über Crystal herfallen? Gut, dass Louna nicht allzu viel von dem Gespräch mitbekam. Sie hätte sicher sehr erstaunt geguckt.
    »Sag mal Xelif«, wandte sich Louna an den anderen Trainer. Xelif sollte nicht vergessen werden, der sich bisher zurück gehalten hatte. Was sollte er auch sonst tun, als daneben stehen und vor sich hin zu grinsen, während er DJ und Dash beobachtete? Die beiden waren schon eine Nummer für sich – ein wunderbares Programm, was man sich reinziehen konnte. Xelif amüsierte sich jedenfalls köstlich, bis Louna ihn ansprach.
    »Ja?«
    »Ich hab im Fernseher gehört, dass du ein Libelldra besitzt!«, platzte Louna heraus. Seitdem sie in den Nachrichten von ihm gehört hatte, war sie beeindruckt von ihm. Sie kannte nicht sein komplettes Team und das er auch noch heldenhaft geholfen hatte, musste man ihm hoch anrechnen. Aber sie war auch neugierig sein Pokémon kennenzulernen. Noch nie hatte sie ein Libelldra in echt gesehen, weswegen sie ihn darum bat, es ihr zu zeigen.
    »Natürlich nur, wenn das für dich in Ordnung ist?!«, sagte Louna und erntete von Xelif ein breites Grinsen.
    »Kein Problem, ich kann dir Manx gerne zeigen«, antwortete er ihr und nahm seinen Pokéball hervor, um Manx frei zu lassen. Louna bemerkte dabei, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Pokéball handelte, sondern um einen weiß-schwarzen mit roten Streifen. Es war ein Timerball, wie Xelif ihr erklärte, der effektiver wurde, je länger es dauerte ein Pokémon zu fangen. Louna verstand die Mechanik dahinter nicht, aber wenn es funktionierte, war ihr die Technik auch relativ egal. Außerdem wurde sie durch Manx‘ Erscheinung abgelenkt, denn ein Libelldra war sehr viel größer, als sie erwartet hatte. Das grüne Monster stemmte sich auf seine Hinterbeine und brüllte einmal in den Himmel auf, ehe es sich nach vorne sacken ließ und den großen Kopf zu Xelif beugte.
    »Na Manx?« Xelif tätschelte über den Kopf, so dass Louna die zahlreichen Schuppen des Drachen-Pokémons bestaunen konnte.
    »Wow, es ist riesig! Und es sieht so stark aus!« Als sie das sagte, musste Xelif gleich wieder grinsen.
    »Toll, oder? Ich musste ewig in der Wüste nach einem Knacklion suchen! Aber der Aufwand hat sich gelohnt, Manx ist super!«
    »Knacklion? Oh, du meinst die Vorentwicklung von Libelldra?« Xelif nickte auf Lounas Nachfrage.
    »Ja, es ist die erste Form und es sieht auch so ganz anders aus als jetzt. Knacklions sind klein und unscheinbar und verstecken sich zu gerne im Wüstensand in Hoenn. Dem immer aufkommenden Sandsturm zu trotzen war eine ganz schöne Herausforderung. Stimmt‘s Manx? Du hast es mir nicht einfach gemacht!« Xelif grinste noch mehr, als sein Libelldra mit seinem Kopf gegen seine Wange stupste. Trotz des gefährlichen Aussehens des Pokémons hatte Louna keine Angst, denn wenn sie sah, wie behutsam Xelif und Manx miteinander umgingen, konnte man gar keine Furcht empfinden. Sie waren ein super Team! Den Eindruck gewann sie daraus.
    »Danke, dass du mir Manx vorgestellt hast«, sagte sie. Viele Pokémon bekam man vor allem in der Stadt gar nicht zu sehen, besonders nicht, wenn sie nur in anderen Regionen zu finden waren. Deswegen war es auch so spannend, dass Louna diese drei besonderen Trainer kennen lernen durfte. Was für Pokémon wohl DJ hatte? Zumindest schon mal eine Evoliform, was die Frage in Louna aufkommen ließ, wie es bei Xelif stand.
    »Hast du eigentlich ein Evoli oder eine Entwicklung davon?« Er hätte bestimmt schon mal ein Wörtchen dazu gesagt gehabt, wenn es so gewesen wäre, aber wer weiß? Doch Xelif verneinte, er besaß kein Evoli. Das wäre auch ein Ding gewesen, wenn er jetzt eins hervor geholt hätte. Dann hätten beinahe alle, die Louna bisher getroffen hatte, eines besessen. Zwar dürfte es sie nicht verwundern, weil diese Art sehr beliebt unter Trainern war, dennoch wäre es ein recht großer Zufall gewesen, nicht?
    Als sich Louna wieder zu den anderen beiden umdrehte, entdeckte sie Dash auf einer nahestehenden Bank sitzen. Er hatte sein rechtes Bein über das linke gelegt und auf seinem Schoß lag seine Gitarre, auf der er ein paar Noten spielte. Sie hatte vorhin nicht mitbekommen, dass er seine Gitarre dabei hatte. Na so was? DJ stand ganz in seiner Nähe und als Louna mit Xelif zu den beiden näher kam, konnten sie Dashs Summen hören. Er stimmte eine Melodie an. Wann hatten die beiden aufgehört zu diskutieren und sich dazu entschlossen Musik zu machen? Noch ehe Louna die zwei erreicht hatte, konnte sie die ersten Worte von Dash singen hören:


    »We don’t need a big audience
    Doesn’t matter if we’re alone«


    Es überraschte sie ein wenig, dass er in DJs Muttersprache sang. Andererseits unterhielt er sich mit ihr auch in ihrer Sprache, also warum nicht auch in dieser singen? Offenbar beherrschte er ihre Sprache fast genauso gut wie seine eigene, was schon beneidenswert war. Doch noch beneidenswerter war eigentlich, wie schön seine Stimme klang. Das hatte Louna auch in Nouvaria feststellen dürfen, als sie ihn dort wieder getroffen hatte. Dashs Stimme war tiefer, aber nicht weniger sanft. Er legte so viel Gefühl in seinen Gesang, dass man automatisch eine Gänsehaut bekommen musste. Sie lauschte weiter seiner Stimme und versuchte den Inhalt der Worte herauszufiltern. Worum ging es in seinem Lied?


    »It’s just one thing we’re prone to
    And that’s the painful silence
    But even if we’re on our own
    Music helps against the nuisance


    When music starts spreading energy
    My body feels like it’s under electricity
    All the drowning thoughts get dashed
    While dreams rise above my doubts


    Are you alone, scared or plain shy?
    Music doesn’t segregate, neither do I
    No need to rage, fight or discuss
    Just come and sing along with us«


    Auch wenn Louna nicht so gut in Fremdsprachen war, sie verstand dennoch einiges und lächelte. Die Liebe zur Musik drückte Dash nur zu gerne aus und dieses Lied zeigte es auch jetzt wieder deutlich, wie sehr er an dieser hing. Doch als wäre das nicht genug, hob er den Kopf und sah DJ an, die bereits im Hintergrund mit gesummt hatte und nun selbst die Lippen öffnete, um ihre Stimme erklingen zu lassen. Louna fiel die Kinnlade nach unten – vor Staunen!


    »Haven’t heard that song in a while
    Good old times, it makes me smile
    Music is like a crystal in my heart
    You can feel it, try to understand
    It’s not one sided, perfect or a brand
    More like a profound type of art


    My soul heats up with every beat
    Even though I’m more of an Ice-Type
    Still, as soon as I begin to sing
    All the scars freeze in an instant«


    Spätestens jetzt, wo DJ mitsang, wurde Louna bewusst, dass die beiden sich sehr viel besser kannten, als sie bisher angenommen hatte. Woher hätte sie das auch wissen sollen? Sie hatte DJ gerade zum ersten Mal getroffen, aber allein die Tatsache, dass die beiden ein Lied sangen, das so aufeinander abgestimmt war und von ihnen beiden sprach und der Musik, die sie liebten … Das war kein Zufall, das war nicht irgendein Lied. Es war ihr Lied. Dash, der in seinem Team Elektro-Pokémon beherbergte und DJ schien eine Vorliebe für den Eistypen zu besitzen. Passte auf jeden Fall zu Glaziola – zu Crystal. Außerdem begannen die beiden den kommenden Refrain gemeinsam zu singen. Lounas Erstaunen wurde immer größer, als ihr bewusst wurde, wie gut ihre beiden Stimmen zusammen passten.


    »Are you alone, scared or plain shy?
    Music doesn’t segregate, neither do I
    No need to rage, fight or discuss
    Just come and sing along with us


    A Blizzard meeting a Thunder
    Nothing which comes along well
    Despite that, we can tell you
    We both share a similar view
    Our friendship is connected by music
    Thrilling atmosphere, it’s just electric
    Let the cold feeling be replaced
    So the music can be embraced
    Playing piano, drum or the guitar
    We want to sing, that’s how we are


    Are you alone, scared or plain shy?
    Music doesn’t segregate, neither do I
    No need to rage, fight or discuss
    Just come and sing along with us«


    Dieses Lied hatte es in sich. Nicht nur, dass es von diesen beiden musikbegeisterten Trainern sprach, auch die Zusammenarbeit, das Abwechseln, das Unterstreichen des anderen Gesangs … Die beiden ergänzten sich so gut, dass Louna sich von ihnen nicht abwenden konnte, nur dastand und ihnen zuhörte. Die Blicke, die sie miteinander austauschten, sprachen von Vertrauen, vielleicht sogar von tieferer Vertrautheit, aber vor allem auch zu dieser einzigartigen Liebe zur Musik. Louna wurde ganz neidisch. Die beiden verband etwas miteinander, was so schön war und sie beide erstrahlen ließen, dass Louna am liebsten auch so etwas hätte. Aber weder war sie eine besonders gute Sängerin, noch konnte sie ein Instrument spielen. Da waren ihr DJ und Dash haushoch überlegen! Doch sie gönnte es den beiden und als der letzte Ton auf der Gitarre verklang, klatschte nicht nur Louna begeistert in die Hände. Sie musste sogar grinsen, als sie DJ und Dash dabei beobachtete, wie diese sich umsahen und scheinbar bis eben noch die Welt um sich herum ausgeblendet hatten. Sich so intensiv etwas hinzugeben, musste berauschend sein.
    »Das war unglaublich!«, lobte Louna die beiden. Es musste sein, sie hatten es sich verdient. Dash grinste sie an.
    »Passt schon«, meinte er lapidar, so dass DJ die Augen verdrehte. Louna lachte und wandte sich an sie.
    »Du kannst echt gut singen. Also habt ihr euch beide dank der Musik kennengelernt?«, wollte sie von ihr wissen. DJ nickte und bestätigte die Vermutung, doch bevor sie etwas dazu sagen konnte, fiel Dash ihr ins Wort.
    »DJ ist sogar in Einall in der Musikszene ganz schön angesagt!« Sein breites Grinsen war kaum mehr wegzudenken. Wieder verdrehte DJ ihre Augen.
    »Yeah, das wärst du auch, würdest du Musik professionell machen!« Es klang wie ein Vorwurf aus ihrer Stimme, weswegen Louna und Xelif fragend drein sahen. DJ fuhr augenblicklich vor.
    »Dieser Fool könnte groß raus kommen. Louna, sag ihm, er soll Musik zum Beruf machen!« Louna lachte, als DJ sie darum bat, doch dann sah sie Dash fragend an, der nur wegen DJs Worte eine Fratze zog.
    »Ja, warum bist du kein professioneller Musiker, Dash? An fehlendem Talent kann es wohl kaum liegen.« Mal ehrlich, er war so gut darin, dass er garantiert schlagartig in den Top Charts sein würde, wenn er es nur wollte.
    »Näääh, ich weiß nicht recht … « Ein drittes Mal begannen DJs Augen zu rollen. Kurz darauf folgte eine Kopfnuss, die sie ihm verpasste, weil er in ihren Augen so dumm war. Sie hatte ihn mehr als einmal schon darauf angesprochen mit ihr Musik zu machen. Dann wäre er ganz schnell ganz groß. Doch bisher hatte er sich immer gesträubt. Verstehen konnte es keiner. Louna am aller wenigstens, die jetzt jedoch noch interessierter daran war, DJ als auch Dash besser kennen zu lernen. An trainieren war nun nicht mehr zu denken. DJ und Dash mussten ihr jetzt Rede und Antwort stehen und so vergingen noch einige Stunden, wo sie gemeinsam über die Musik und die Erlebnisse redeten, die Dash und DJ miteinander verbanden. Xelif verabschiedete sich zwischenzeitlich, da er selbst noch etwas erledigen wollte.


  • Bonuskapitel – Eiseskälte und elektrisierende Nähe (Teil II)


    Die Zeit verging und somit ging die Sonne bald schon unter. Dash genoss die warmen Sonnenstrahlen, aber DJ war es nach wie vor viel zu warm. Sie war kalte Regionen gewöhnt und froh über jeden kleinen Schatten und über jede Brise, die der Wind mit sich brachte. Das war auch der Grund, weswegen DJ ihre Pokémon im Park nicht frei umher laufen ließ. Da sie eine Eis-Pokémon-Trainerin war, behielt sie ihre eisigen Freunde lieber in ihren Pokébällen, da nicht alle von ihnen mit dem warmen Wetter zurecht kommen würden. Besonders die pralle Sonne würde ihnen nicht gut tun.
    »Let‘s go«, sagte DJ zu Dash, da sie aufbruchbereit war. Sie hatten den ganzen Tag im Park verbracht, gepicknickt und sich mit Louna unterhalten und ihr ein bisschen auch beim Training geholfen, aber nun, wo die Sonne unterging, wurde es langsam Zeit nach Hause zurückzukehren. Oder ins Hotel, denn Dash und DJ waren beide nicht aus Kalos und noch weniger aus Illumina City. Sie verabschiedeten Louna, die ihnen noch nach winkte, und begaben sich dann beide auf die Herbstallee, von wo aus sie später in eine Seitengasse abbogen. Wie diese hieß, konnte Dash nicht sagen. Er hatte das dazugehörige Straßenschild nicht gesehen, aber er kannte diesen Weg. Es war eine gute Abkürzung, wenn man nicht über die Hauptstraßen und durch die Menge laufen wollte. Dadurch ,dass Illumina City die Hauptstadt von Kalos war, waren die Straßen, besonders in der Innenstadt, sehr gut besucht und befahren. Es war daher schlauer die Nebenstraßen zu verwenden, wo weniger Menschen unterwegs waren.
    »Hey, Nachricht du immer noch nicht bekommen, right?«, fragte DJ Dash mit ihrem Akzent. Er besaß selbst auch einen Akzent, aber nach wie vor beherrschte DJ die Sprache von Kalos noch nicht so gut, weswegen ihr Ausdruck nicht der Beste war. Dennoch verstand er sie und schüttelte den Kopf.
    »Nope, irgendwie scheint es mir, als würde niemand sein Raichu vermissen.« Dash hatte sofort gewusst, was sie gemeint hatte. Das Raichu, welches er nun seit einer geraumen Zeit bei sich hatte und auch jetzt außerhalb des Pokéballs frei umher lief, war bislang noch nicht von seinem Trainer abgeholt worden. Dash hatte extra eine Meldung im Pokémon-Center getätigt, damit man ihn kontaktierte, falls Raichus Trainer auftauchte, aber bislang war nichts passiert. Dabei waren vor allem die Center die ersten Anlaufstellen, wenn man seine Pokémon vermisste, weil sie entweder verloren gegangen oder einfach nur weggelaufen waren. Bei Diebstahl informierte man auch die Polizei, aber so weit wollte Dash noch nicht gehen. Warum dieses Raichu ausgerechnet im Keller des Geschäfts gewesen war, wusste er zwar noch immer nicht, aber da es relativ zahm war, glaubte er nicht, dass es einfach nur ein wildes Exemplar war. Vor allem weil diese Raichu-Art gar nicht in Kalos auftauchte, sondern nur auf der Inselgruppe von Alola. Es war schon merkwürdig, dass es hier war, aber Dash fand es nicht mal ganz so schlimm. Er beobachtete es, wie es vor ihnen hin und her tippelte, mal hier und dort hin sah, Geräuschen in der Ferne lauschte und dann einen Sprung machte, um auf seinem Schweif Platz zu nehmen. Die psychokinetischen Fähigkeiten dieses Raichus beeindruckten ihn sehr. Normalerweise besaßen Raichus keine Psychokräfte, aber die Exemplare von Alola waren da etwas ganz besonderes. Er konnte sich sogar glücklich schätzen solch eines zu besitzen, wenn auch nur für eine gewisse Dauer, bis Raichus Trainer auftauchte und es zurück haben wollte. Er pfiff durch die Zähne und lockte es zu sich.
    »Hey Kleines«, sprach er mit dem Raichu. Es war weiblich und er wusste, dass sie ihn verstand. Denn Alola-Raichu besaßen eine weitaus höhere Intelligenz als ihre üblichen Vertreter.
    »Ich sollte dir einen Namen geben, solange du bei mir bist«, meinte er. DJ grinste, fand die Idee aber super. Dann musste Dash nicht immer nur »Kleines« oder »Raichu« sagen. Zuerst einmal nahm Dash das Elektro-Pokémon auf die Arme, wo er es kraulte. Mittlerweile war ihm schon aufgegangen, dass es nichts so sehr liebte, als so gestreichelt und verhätschelt zu werden. Kleine Funken brizzelten aus seinen Backentaschen, die ungefährlich waren. Es fiepte auch leise vergnügt vor sich hin und mit seinen telepathischen Fähigkeiten ließ es Dash sogar wissen, wie wohl es ihr ging. Als Raichu diese Fähigkeit das erste Mal im Hotelzimmer eingesetzt hatte, war er ganz schön perplex gewesen. Von seinen Elektro-Pokémon kannte er es nicht und es hatte eine Weile gedauert, bis er kapiert hatte, dass die Gefühle und Bilder, die er spürte und sah, nicht von ihm selbst gewesen waren. Schon in Kanto hatte er von den außergewöhnlichen Fähigkeiten der Psycho-Pokémon gehört, die auf ihre ganz besondere Art und Weise mit Menschen kommunizierten. Dieses Raichu tat es ebenfalls. Gerade in extremen Situationen zeigte es deutlich, wie es sich selbst fühlte. Wenn es ihm richtig gut ging, so wie jetzt, dann konnte Dash dieses warme, sehr angenehme Kribbeln im Bauch spüren und er wusste, mit Raichu war alles in Ordnung. Aber er ahnte auch, wenn es sehr gestresst sein würde, dass es ihm seine Angst oder Aufregung auf ähnliche Weise zeigen würde. Ein bisschen fürchtete er sich schon davor, würde es aber als Trainer hinnehmen und entsprechend darauf reagieren. Er würde dieses süße Geschöpf nicht im Stich lassen! Oh ja, Raichu hatte ihn ganz für sich eingenommen. Er war wie verzaubert von der Kleinen und hatte sie deshalb schon kurz nachdem er sie gefunden hatte, in sein Herz geschlossen. Sie war aber auch so süß!
    »Wie gefällt dir Asuka?« Natürlich wählte Dash einen Namen, der zu seiner Heimat passte. DJ sah ihn interessiert an und wollte die Namensbedeutung wissen, weswegen er gleich auf die Frage antwortete:
    »Der Duft von Morgen – Ich finde, das passt ganz gut«, meinte er und sah wieder das Alola-Raichu an. Dieses erwiderte seinen Blick mit seinen hellblauen Augen, schien zu überlegen, was es davon halten sollte und gab dann wieder kleine Blitze von seinen Backentaschen frei. Dash lachte daraufhin, als er die Zustimmung bekam.
    »Sehr gut, dann heißt du ab sofort Asuka!« Ihm gefiel der Name ausgesprochen gut und auch DJ stimmte ihm zu. Dash wollte all seinen Pokémon Namen geben, die zu seiner Heimat passte, auch wenn er sie nicht dort gefangen oder bekommen hatte. Was schon etwas irritierend für manch einen sein konnte, wenn man bedachte, dass sein eigener Name auch nicht zu seiner Heimat Kanto passte. Das lag aber nur daran, dass seine Eltern damals in Einall Urlaub gemacht hatten, als seine Mutter mit ihm schwanger gewesen war. Sie waren so von Einall verzaubert gewesen, vor allem von dem Zebritz-Wettrennen, dass sie ihn kurzerhand Dash nach seiner Geburt genannt hatten. Dash kam nämlich von to dash und damit von rasen, flitzen, rennen, sausen … Also alles Begrifflichkeiten, die etwas mit Schnelligkeit zu tun hatten. Eine etwas unkonventionelle Art den Namen seines Kindes auszusuchen, aber es passte zu Dash wie der Deckel zum Topf. Dadurch, dass er in Kanto schon damit begonnen hatte ein Team aus lauter Elektro-Pokémon zusammenzustellen, die bekannt für ihre Schnelligkeit waren, könnte es gar nicht besser passen! Aus diesem Grund war er später auch nach Einall gefahren, wo er DJ kennengelernt hatte. Weil seine Eltern bis heute noch von dem Urlaub, der Region und auch von den Zebritzen schwärmten, hatte er sich direkt ein Elezeba besorgt. Mittlerweile war es zu einem stattlichen Zebritz herangereift.
    Asuka schwebte von seinen Armen, denn sie nutzte ihren Schweif wie ein Surfbrett, um in der Luft zu bleiben. Tatsächlich steckten dahinter ihre Psychokräfte, aber bis das die Forscher herausgefunden hatten, war eine ganze Weile vergangen. Es hatte viele Theorien gegeben, unter anderem, dass diese Pokémon ein elektromagnetisches Feld erzeugten, um in der Luft zu bleiben. Ganz weit hergeholt war das nicht gewesen, bedachte man den Typen dieser Pokémon. Doch die Psychokräfte waren der Ursprung dessen und damit auch eine kleine Sensation gewesen. Dass es solche Unterschiede zwischen Alola und anderen Ländern gab, war sehr erstaunlich. Da aber die Inselgruppe so weit weg vom Festland lag, war es wissenschaftlich nur eine Kleinigkeit gewesen die Evolutionslinien zu erklären. Daher besaß auch DJ ein Alola-Vulpix. Ein Vulpix, welches statt dem Feuer-Typ den Eis-Typ besaß. Wie aus einem Feuer-Pokémon ein Eis-Pokémon werden konnte, war zwar Dash ein Rätsel, aber die Wissenschaft besaß ganz sicher auch dafür eine passende und sehr ausführliche Erklärung. Für DJ zählte nur, dass ihr Vulpix ein Eiswesen war und kein Feuer-Pokémon. Denn Letzteres mochte sie gar nicht aus naheliegenden Gründen.
    »Langsam bekomme ich Hunger, lass uns was essen gehen«, sagte Dash zu DJ, die zustimmte. Auch ihr Magen meldete sich und irgendwo essen zu gehen, war besser als sich im Hotel etwas zu organisieren. Das Essen im Hotel war zwar nicht schlecht, aber so konnten sie noch ein bisschen was von der Stadt sehen. Auch wenn DJ jetzt seit wenigen Wochen hier verweilte, so kannte sie noch lange nicht jede Ecke. Ganz anders als Dash, der bereits einige Monate schon in Kalos und damit in Illumina City war. Er konnte ihr bereits die besten Restaurants oder Cafés zeigen. Daher schlug Dash auch direkt den Sushi-Wok vor. Er liebte dieses Restaurant, allein wegen seines Sushiangebots! Dass er gerne Sushi aß, lag natürlich nur daran, dass es an seine Heimat Kanto erinnerte. Sushi schmeckte aber auch so verdammt gut, dass er gerne die Chancen nutzte, wenn sie sich anboten. DJ hatte jedenfalls nichts dagegen, weswegen sie bereits um die nächste Ecke einbogen. Sie mussten weiter in den Norden, um den Sushi-Wok zu erreichen. Praktisch, dass er nicht so weit von ihrem Standort entfernt lag.
    »Asuka!«, rief Dash nach seinem Pokémon, welches stehen geblieben war und interessiert in die entgegengesetzte Richtung lauschte.
    »Hey, was ist denn? Komm schon, Asuka!«, versuchte er es noch einmal, doch sie hörte nicht auf ihn. Das war ungewöhnlich. Auch wenn Asuka noch nicht so lange bei ihm war, hatte er mit ihr keine Verständigungsprobleme gehabt. Sie hatte sogar ausgesprochen gut auf seine Kommandos gehört, weswegen es ihn nun wunderte, dass sie einfach los rannte, ohne auf sein Rufen zu reagieren. Besorgt darüber eilte er ihr nach. Da DJ nichts anderes übrig blieb, wenn sie die beiden nicht aus den Augen verlieren wollte, lief sie Dash hinterher.
    »Asuka!« Dash lief um eine weitere Ecke und blieb stehen. Weiter vorne standen zwei Männer in schicken, schwarzen Anzügen und unterhielten sich gerade. Nicht, dass Dash sich für diejenigen interessieren würde, wenn nicht gerade sein Raichu auf jene einfach zu hoppeln würde. Was tat sie denn nur? Dash beobachtete die Szene, die sich vor ihm abspielte, denn die beiden Männer bemerkten sein Raichu und blickten zu ihm hinab. Normalerweise würde ihn das nicht weiter stören, doch als er bemerkte, wie Asuka auf den einen Mann eilig zulief und sich dann plötzlich an seine Beine schmiegte, wusste er nicht recht, was er davon halten sollte. Kannte sein Raichu ihn etwa?
    »Was? Du?«, hörte Dash den verstörten Ausruf des Mannes. Offenbar kannte er das Raichu tatsächlich! Handelte es sich hierbei vielleicht um Asukas Trainer?
    »Hey, hattest du es nicht erst kürzlich verloren?«, wollte der zweite Mann vom ersten wissen. Dieser hatte kurzes, gestyltes Haar und trug eine Sonnenbrille auf der Nase. Daher war es etwas schwierig den Gesichtsausdruck zu erkennen. Doch allein wie er die Worte ausgesprochen hatte, ließ nicht viel Begeisterung vermuten.
    »Mhm ja«, brummte der Erste, der ebenfalls nicht erfreut aussah. Er hob sogar sein rechtes Bein an und schüttelte es, um Asuka auf Abstand zu bringen.
    »Bäh, lass das, du Laukaps!« Offensichtlich war er nicht gerade angetan davon, dass sein Raichu sich an ihn erinnerte und ihn vermisst hatte. Asuka wich ein paar Schritte zurück, schien sich aber nicht abwimmeln zu lassen und kam wieder näher zu ihm.
    »Siehst du, was ich meinte? Dieses ekelhafte Geschmuse ging mir auf den Keks! Ich war froh, dass es weg war!« Eigentlich war so ein Alola-Raichu wirklich praktisch. Es konnte Psychokräfte als auch Elektrizität einsetzen, um Gegner wunderbar einzuheizen, doch dieses Pokémon war einfach zu verweichlicht. Diese Nähe, die es immer suchte, passte Logan nicht. Ethan schnaubte auf und sah abfällig auf das Raichu am Boden, was versuchte sich Logan erneut zu nähern.
    »Warum hast du es dann nicht einfach verkauft?«, wollte Ethan wissen und verschränkte die Arme vor der Brust. Er sah dabei zu, wie Logan grimmiger wurde und mit dem Fuß ausholte.
    »Wollte ich erst, aber so einfach war das nicht, es los zu … «, meinte er, wollte dabei das Raichu wegtreten und wurde doch von einer fremden Stimme unterbrochen.
    »Nicht!« Dash sah die kleine Katastrophe kommen und wollte den Mann daran hindern, Asuka weh zu tun! Er rannte auf die Gruppe zu.
    »Was willst du?«, motzte Ethan sofort los. Die beiden Herrschaften waren ziemlich gereizt. Kein Wunder, sie hatten leider Soul Blanch aus den Augen verloren. Seit der letzten Auseinandersetzung war er leider verschwunden, aber das bedeutete nicht, dass sie ihn nicht wieder finden würden. Die Stadt mochte groß sein, doch sie hatten bisher Soul immer wieder entdeckt.
    »Bist du der Trainer von diesem Raichu?«, wollte Dash derweil von Logan wissen, der auf schnaubte.
    »Wer will das wissen?« Er würde hier gar nichts zugeben.
    »Ich! Ich hab es vor kurzem gefunden«, berichtete Dash, vermied es aber komplett alles heraus zu plaudern. Er wollte nicht sagen, dass er nach Raichus Trainer gesucht hatte, um es zu ihm zurück zu bringen, denn wie man erkennen konnte, war das kein besonders charmanter Zeitgenosse. Wenn er sein eigenes Pokémon treten wollte, was sagte das über ihn aus?
    Asuka schien völlig blind für diese Art von Abweisung zu sein. Sie versuchte immer noch Logan näher zu kommen und mit ihm zu schmusen, um ihm zu zeigen, wie gern sie ihn hatte. Leider war der Anzugträger sichtlich genervt von ihren Psychokräften, mit denen sie versuchte mit ihm zu kommunizieren.
    »Lass das sein!«, bellte er sein Raichu an, was Dash wütend machte. Seine Hände ballten sich zu Fäusten, aber was konnte er tun? Wenn dieser Typ der Trainer von Asuka war, hatte er nichts in seinen Händen. Er konnte schlecht Asuka einfach wieder mit sich nehmen. Am Ende würde es als Diebstahl deklariert werden und ein Dieb war Dash keineswegs. DJ stand neben ihm und legte ihre eigene Hand auf seine Faust, damit er sie wieder lockerte.
    »Dash«, murmelte sie ihm leise zu. Sie verstand seine Wut, die in seinem Bauch brodelte, doch er sollte es trotzdem ruhig angehen.
    »Wenn du es nicht willst, nehme ich es«, sagte er gerade heraus. Die beiden hatten sich doch gerade darüber unterhalten, dass Logan wenig Interesse an dem Raichu besaß. Wenn er es nicht haben wollte, würde sich Dash um es kümmern. Er mochte Asuka und in seinem Team war definitiv noch ein Platz für sie frei!
    »Pfft, du willst also dieses Raichu haben?«, begann Logan und beäugte Dash kritisch von oben bis unten.
    »Was kannst du mir denn anbieten, hm?«, wollte Logan wissen und neben ihm begann Ethan leise zu lachen. Beide glaubten nicht, dass dieser Bursche irgendetwas hatte, was sie interessieren könnte.
    »Ähm … anbieten?« Dash verstand nicht ganz, worauf die beiden hinaus wollten.
    »Viel Geld besitzt du wahrscheinlich nicht, also fällt das schon mal flach, nicht wahr? Wie sieht‘s denn mit einem anderen Pokémon aus? Man tauscht doch schließlich, nicht wahr?«, plauderte Logan munter los, wedelte ein wenig mit seiner Hand herum und wartete darauf, dass Dash ihm einen Preis anbot, der sich für ihn lohnte. Ethan war immer noch darüber belustigt. Als wenn sie jemals getauscht hätten! Geld regierte die Welt, so wurden nun mal Geschäfte gemacht und Pokémon waren nichts anderes als ein Stück Ware, die man für teures Geld verscherbeln konnte. Kostenlos und gratis gab es bei ihnen nichts! Der Bursche würde bestimmt nichts anzubieten haben, oder?
    »Ich … nein, ich tausche nicht … « Dash klang ein wenig verunsichert, was auch DJ hören konnte. Ein Pokémon für Geld zu kaufen, war ein absolutes Unding. Sofern es nicht von einem seriösen Züchter war. Alles andere war nicht gut. Weder DJ noch Dash unterstützten den Großhandel, die Pokémon für Geld verkauften, da man nie wissen konnte, woher diese kamen, noch würden sie von einem daher gelaufenen Ekelpaket ein Pokémon abkaufen. Das war widerlich! Und tauschen kam natürlich auch nicht in Frage! Welches seiner geliebten Pokémon sollte Dash denn bitte diesem Typen überlassen? Natürlich kein einziges! Er wusste doch allein bei dem Anblick dieses schmierigen Lächelns, dass der Typ sich um keines seiner Pokémon anständig kümmerte. Nein, das war keine Option für Dash.
    »Tja, wie bedauerlich, dann kommen wir leider nicht ins Geschäft«, meinte Logan und wollte sich schon abwenden. »Komm, du kleines Laukaps«, sagte er wenig liebevoll zu Asuka.
    »Moment!«, rief Dash. Er konnte ihn unmöglich so einfach abziehen lassen! Besonders dann nicht, wenn er vorhatte, Asuka einfach mitzunehmen.
    »Langsam gehst du mir auf die Eier!«, blaffte Ethan Dash an. Am Anfang war es noch ganz amüsant gewesen, doch der Bursche wurde ihm zu aufdringlich, vor allem weil er sich ihnen in den Weg stellen wollte. Ethans Laune war gefährlich angespannt und gereizt. DJ war daher auf der Hut und legte ihre Hand auf einen ihrer Pokébälle am Gürtel an ihrer Rückseite. Sie ahnte nichts Gutes.
    »Du hast vorhin deutlich gesagt, du willst Raichu nicht, also warum überlässt du es mir nicht einfach, wenn du es doch sowieso los werden willst?«, wollte Dash unbedingt wissen. Er würde nicht kampflos aufgeben. Asuka war ein so niedliches und vom Wesen her zartes Pokémon, dass er sie nicht so einfach gehen lassen konnte. Vielleicht verstand das intelligente Pokémon, was Dash wollte und würde sich ihm von sich aus freiwillig anschließen und seinen alten Trainer vergessen können? Dash warf einen Blick zu Asuka, die zu ihm rauf sah. Sie war so süß mit ihren hellblauen Augen!
    »Was hast du denn zum Frühstück gegessen? Bin ich vielleicht die Wohlfahrt oder was? Dir das Vieh überlassen, pah!«, antwortete Logan und lachte dreckig. Ethan hingegen knurrte warnend in Dashs Richtung, dass dieser endlich Platz machen sollte.
    »Aber … !«, wollte es Dash noch einmal versuchen, wurde allerdings unterbrochen.
    »Nichts aber! Jetzt reicht's mir!«, brüllte Ethan, dem die Hutschnur platzte und ohne Vorwarnung sein Pokémon rief. Es war sein Trombork, was er auch schon gegen Soul eingesetzt hatte. Dash wusste von dem alle nichts, hatte aber auch gerade ganz andere Sorgen. Mit einem Hechtsprung warf er sich zur Seite, da Trombork an der Stelle erschien, wo er eben noch gestanden hatte. Ethan lachte amüsiert darüber und schickte sein Pokémon sofort in den Kampf und damit auf Dash.
    »Honey!«, rief DJ laut aus und warf ihren eigenen Pokéball genau zwischen Dash und dem gefährlichen Trombork. Das war eine gute Ablenkung, damit Dash nicht noch in größere Schwierigkeiten geriet, als er schon steckte. Aus DJs Ball kam ein kleines Eis-Pokémon mit sehr dichtem Fell zum Vorschein. Normalerweise war weder das Wetter noch die Jahreszeit ideal für Honey, trotzdem hatte sich die junge Trainerin für ihr Schneppke entschieden. Das im Vergleich zu Trombork kleine Pokémon schüttelte sich und schniefte zuerst etwas ungehalten über die Wärme, die es hier draußen empfing.
    »Sorry, Honey«, rief deswegen DJ ihrem kleinen Liebling zu und ging danach sofort in den Angriff über. Eigentlich durfte man besonders in Großstädten keine Pokémon-Kämpfe ausführen, aber da sie angegriffen wurden, durften sie sich doch verteidigen, oder nicht?
    »Let‘s go, darling! Ice Shard!« Ihr Schneppke verstand hauptsächlich ihre Muttersprache, was nur logisch war. DJ zog es schließlich auf und sprach normalerweise auch nur in ihrer Muttersprache mit ihren Pokémon. Demzufolge benutzte sie die Kommandos in dieser Sprache, damit ihre Pokémon sie wirklich verstanden. Honey jedenfalls schüttelte sich noch einmal, spannte sich heftig an und gab dann ein kleines Niesen von sich. Kurz darauf schüttelte sie die Eissplitter aus ihrem dichten Fell und warf sie Trombork entgegen. Der Geisterbaum wusste gar nicht, was los war und wurde direkt getroffen. Die eisige Attacke missfiel ihm natürlich und so ließ Ethan ihn in den Schatten verschwinden, damit er aus dem Hinterhalt angreifen konnte. Je länger der Kampf dauern würde, desto länger würden die Schatten werden. Schließlich war es schon Abend und die Sonne war dabei unterzugehen. Das war ein positiver Effekt für das Geist-Pokémon, aber ganz schlecht für DJ und Dash. Letzterer rief ebenfalls eines seiner Pokémon hervor, um DJ zu unterstützen. Es war Kuro, Dashs andersfarbiges Frizelbliz, welches praktischerweise die Attacke Feuerzahn einsetzen konnte. Diese Attacke würde gegenüber dem Feuer anfälligen Trombork ein Vorteil sein, den Dash unbedingt ausspielen wollte!
    »Na so was! Du hättest doch gleich sagen können, dass du ein andersfarbiges Frizelbliz besitzt. Das hätte ich gerne zum Tausch gehabt«, meinte Logan widerlich grinsend.
    »Vergiss es, das bekommst du nicht!«, brüllte Dash gereizt. Dieser verdammte Lackaffe würde von ihm gar nichts bekommen!
    »Na wartet!«, brüllte Logan zurück, der seinem Kollegen nicht alles allein machen lassen wollte. Auch er rief sein Pokémon, nicht etwa Asuka, sondern sein Pandagro. Dieses stellte eine viel größere Gefahr dar, als das vermeintliche Trombork. Zumindest wenn man von den Typen ausging.
    »What‘s that?«, wollte DJ erschrocken wissen, die so ein Exemplar noch nie gesehen hatte. Mittlerweile stand sie neben Dash, um sich gemeinsam mit ihm einen Überblick über die Gesamtsituation zu verschaffen.
    »Ein Pandagro, ein Unlicht- und Kampf-Pokémon«, erklärte Dash. Da er schon länger in Kalos war, hatte er auch schon mit so einem riesigen Bären-Pokémon Bekanntschaft gemacht. Allerdings auf eine friedfertige Art und Weise, als mal ein Kalos-Trainer ihm sein Pokémon gezeigt hatte. Zu einem Kampf war es damals nicht gekommen.
    »Oh man, it‘s huge!«, meinte DJ wenig angetan von dem Monster, welches drohend brüllte und seine Kraft demonstrierte. Vielleicht sollten sie und Dash ein paar größere Pokémon rufen? Mit ihren kleinen Winzlingen wirkten sie vermutlich lächerlich. Was nicht bedeutete, dass ihre Pokémon nicht stark waren, aber DJ war besorgt um ihr Schneppke. Schließlich waren Kampfattacken sehr effektiv gegen Eistypen und ihr Liebling war von dieser Art. Gefährlich! Wo sie schon mal dabei waren: Honey schniefte und nieste wieder. Das war eine Eigenart von ihr, die DJ von Anfang an kannte. Daran geändert hatte sich bis heute nichts. Viele fanden dieses Verhalten sehr niedlich, aber DJ wusste, dass gerade das Niesen häufiger wurde, wenn die Temperaturen stiegen. Ein Umstand, der nicht besonders gut war.
    »Honey!«, rief sie erneut und befahl ihr einen Eissturm gegen das Pandagro einzusetzen. Eissturm klang im ersten Moment etwas übertrieben, denn ein richtiger Sturm war es nicht. Zwar schüttelte sich Honey ausgiebig, um ihre eisigen Attacken einzusetzen und ja, sie konnte dadurch einen kleinen Eissturm entfachen, aber er war wirklich nur klein und rauschte dem Pandagro entgegen. Das bedeutete nicht, dass er deswegen nicht eiskalt war. Man konnte sofort sehen, dass dem Pandagro diese Attacke gar nicht gefiel und es sich vor Kälte schüttelte. Aber das war nur der Anfang. Ein paar Eiskristalle legten sich auf das weiß-schwarze Fell des Bären-Pokémon, weswegen es sich schüttelte. Gut, dass Pandagro ein dickes Fell besaß und deswegen nicht gleich einfror. Schlecht für DJ und ihre Honey, die deshalb nicht so einfach dieses Monster aufhalten konnten. Dafür kam Dash ihnen zu Hilfe, als er Kuro los schickte. Kuro nahm Anlauf und beschleunigte auf Höchstgeschwindigkeit, so dass es Pandagro gar nicht möglich war auszuweichen, als der Funkensprung des Elektro-Pokémon eingesetzt wurde. Pandagro bekam die volle Ladung Funken ab, wodurch nun kleine Blitze durch sein Fell zischten. Aber auch diese Attacke war noch relativ harmlos und brachten das Bären-Pokémon nur dazu sich noch mehr aufzuregen und zu brüllen. Müssten nicht dadurch Passanten in der Nähe aufmerksam werden? Warum war denn hier sonst niemand zu sehen? Dieses Detail fiel Dash erst jetzt auf, was ihm Sorge bereitete. Er wollte nicht kämpfen und trotzdem mussten er und DJ sich gegen diese beiden Idioten zur Wehr setzen, weil sie nicht gewillt waren die Situation auf friedliche Art zu lösen. Der Kampf hielt an und gegenseitig tauschten sie verschiedene Attacken aus. Während Dash und DJ darauf achteten, dass ihre Umgebung keinen großen Schaden nahm, griffen Logan und Ethan hemmungslos an. Der Hammerarm von Pandagro führte dazu, dass nicht nur Kuro die kleine Honey aus dem Weg zerren musste, damit sie nicht getroffen wurde, sondern ließ auch den Boden aufreißen. Ein Loch klaffte nun an der Stelle, wo eben noch Honey gestanden hatte.
    »Oh wow, thank you, Dash«, sagte DJ erleichtert. Nur durch sein beherztes Eingreifen und den Befehl an Kuro war Honey einem heftigen Schlag entkommen. Dash nickte ihr stumm zu und konzentrierte sich wieder auf den Kampf. Wo stand Kuro? Weiter weg von ihm und DJ. Honey war dicht bei Kuro, aber fehlte nicht noch irgendwer? Pandagro war gerade damit beschäftigt erneut Kräfte zu sammeln, als aus dem Schatten heraus eine weitere Attacke von Trombork erschien. Dem ersten Angriff konnte Honey und Kuro ausweichen. Dadurch wurden die beiden aber von einander getrennt, was vielleicht gar nicht so verkehrt war. So wurden sie nicht beide zur Zielscheibe. Doch das hieß nicht, dass sie sicher waren. Offenbar hatte es Ethan besonders auf Kuro abgesehen, denn Trombork ließ nicht nach. Immer wieder griff es das blaue Frizelbliz an und ließ ihm keine Chance zur Ruhe zu kommen. DJ konnte nicht viel machen. Auch wenn sie Honey als Unterstützung dazu schicken wollte, so kam ihr Pandagro dazwischen, so dass Honey auf sich selbst aufpassen musste nicht getroffen zu werden. So ein Hammerarm war sehr schmerzhaft, wenn man davon direkt getroffen wurde!
    Asuka, das Alola-Raichu, um das es hier eigentlich ging und worum gekämpft wurde, hatte bisher nur am Rand dagestanden und nicht recht verstehen können, was hier vor sich ging. Sie hatte Dash als Trainer kennen und mögen gelernt und diese Frau – DJ – war auch ganz nett zu ihr gewesen. Doch dort drüben stand Asukas Trainer, zu dem sie eigentlich gehörte. Eigentlich … Er kämpfte mit Pandagro auf eine brutale Art und Weise, die dem Raichu nicht unbekannt war und je länger der Kampf anhielt, desto mehr Angst bekam sie. Sie ließ ihre Ohren hängen und gab ein klägliches Fiepen von sich. Das Brüllen Pandagros war beängstigend, die unheimlichen Attacken Tromborks waren auch nicht besser und Honey und Kuro hatten zu tun noch länger durchzuhalten. Ihre Ausdauer ließ nach, was Dash Sorgen bereitete. Wenn sie den Kampf nicht baldmöglichst beendeten, würde es für sie nicht gut enden. Dass bisher noch niemand ernsthaft zu Schaden gekommen war, grenzte an ein Wunder.
    Dash wollte gerade Kuro einen weiteren Befehl zukommen lassen, als er an seinem Bein etwas spürte. Erschrocken sah er hinab und entdeckte Asuka, die sich an ihn klammerte. Kurz ließ er den Kampf aus den Augen und hockte sich zu ihr nieder.
    »Hey meine Kleine, hab keine Angst«, sagte er beruhigend zu ihr. Er spürte ihre Angst ganz deutlich. Ihr Körper hatte sogar zu zittern angefangen.
    »Scht-scht«, versuchte er es weiter und tätschelte ihr den Kopf. Sie sollte keine Angst haben! Das war das Letzte, was Dash wollte.
    »Dash!«, rief DJ nach ihm und er sah wieder auf. Genau in dem Moment wurde Kuro von Tromborks Schattenattacke frontal getroffen und flog zwei Meter über den Asphalt hinweg. Es rollte sich über den Boden, doch es war in der Lage aufzustehen. Wenn auch langsam, da es Schmerzen hatte.
    »Kuro!«, rief Dash nach seinem Pokémon und wollte zu ihm rennen, aber DJ packte ihn an seinem Arm. Das war viel zu gefährlich zwischen den Monstern entlang zu laufen. Das musste er auch einsehen! Dennoch sahen beide Trainer wie Pandagro, welches in der Nähe von Kuro stand, die muskelbepackten Arme nach oben riss, um einen kräftigen Schlag auf Kuro auszuüben.
    »Nein!«, brüllte Dash panisch, der das Schlimmste bereits erwartete. Wenn Pandagro so einen Hieb ausführte, wo Kuro noch am Boden lag und nicht ausweichen konnte, dann …
    Eine Bewegung von hinten lenkte Dash und die anderen ab, denn Asuka kam auf ihrem Schweif heran gesaust und drehte zwei Runden um Pandagros Kopf herum. Dieses ließ sich von ihr ablenken, knurrte Asuka an und versuchte nach ihr zu schlagen, nur erreichte er sie nicht.
    »What the … ?« DJ verstand genauso wenig, was da vor sich ging wie Dash. Asuka war in der Luft schwebend stehen geblieben und öffnete den Mund, um ihre Stimme erklingen zu lassen. Im ersten Moment sah es aus, als wollte sie ein Lied singen, doch als kurz darauf Pandagro schmerzerfüllt den Kopf schüttelte und die Ohren schützen wollte, verstand Dash, was da passierte.
    »Sie singt! Ich meine, sie setzt Säuselstimme ein!« Dash hatte diese Attacke schon einmal bei einem Feen-Pokémon erlebt, nur hatte er keine Ahnung gehabt, dass ein Raichu sie auch erlernen konnte. Asuka war wirklich etwas Besonderes! Sie sang mit ihrer Säuselstimme, um Pandagro zurückzuschlagen und in dem Moment, als das Bären-Pokémon geschwächt ein Stück zurückgewichen war, sprang sie zu Boden, beugte sich nach vorn und setzte ihren kräftigsten Donnerblitz ein, den sie aufbieten konnte. Funken und Blitze schossen aus ihren Backentaschen und trafen Pandagro, welches wieder schmerzerfüllt aufbrüllte. Der Bär versuchte sich gegen den Schock zu wehren, aber die Attacke war so heftig, dass er in die Knie gezwungen wurde und schlussendlich zu Boden ging.
    Dash war begeistert. Das Eingreifen von Asuka hatte Kuro genügend Zeit verschafft, um sich wieder aufzurichten und damit auf die Beine zu kommen.
    »It‘s not over!«, schrie DJ jedoch der aufkommenden Vorfreude entgegen und deutete auf Trombork. Noch war es nicht vorbei, denn Ethan ließ sein Pokémon zu einem letzten Angriff kommen. Trombork preschte nach vorn, direkt auf Kuro zu.
    »Ice Beam!«, befahl DJ ihrer Honey, die tief Luft holte, um dann ihren Atem zu Eis gefrieren zu lassen, den sie auf Trombork spie. Der Eisstrahl traf die Geisterpflanze direkt und da Dash weder Asuka noch DJ und Honey etwas schuldig sein wollte, ließ er auch noch Kuro angreifen. Denn für einen letzten Angriff reichte es locker.
    »Feuerzahn, Kuro!« Kuro musste für diesen Angriff in den Nahkampf, aber seine Schnelligkeit bewährte sich an dieser Stelle wieder und während Trombork noch von dem Eisstrahl getroffen wurde, lösten sich von Kuros Zähnen kleine Feuerfunken, die durch den Biss in den rechten Armzweig des Tromborks an Intensität gewannen. Kleine züngelnde Flammen fraßen sich an der Geisterpflanze empor, die einen unheimlichen Laut von sich gab. Vermutlich vor Angst und Schmerz, denn Trombork wich panisch zurück.
    »Yeah!«, rief DJ begeistert, allerdings pfiff sie ihr Pokémon auch zu sich zurück. Dash tat es genauso und ließ Kuro zu ihm zurückkehren, um ihn in seinen Ball verschwinden zu lassen. Nicht ohne ihn vorher ausdrücklich zu loben, wie gut er gekämpft hatte.
    »Asuka, komm!«, forderte er auch noch das Alola-Raichu auf, als Dash sich umdrehte. Er war nicht sicher, ob sie wirklich hören wollte, aber als sie ihre Ohren spitzte, zu ihm sah und dann wie eine kleine Rakete auf ihn zu gestürmt kam, wusste er, dass er dieses Pokémon für sich gewonnen hatte. Das war das Allerbeste an diesem Sieg!
    Logan und Ethan brüllten ihnen hinterher, als DJ und Dash die Flucht ergriffen. Sie wollten nicht länger als nötig hier in der Gasse bleiben und flohen vor diesen beiden Irren. Diese schimpften eine Weile vor sich hin und riefen ihre eigenen Pokémon zurück, doch die Verfolgung nahmen sie nicht auf. Sollten die beiden Trainer nur rennen. Besonders Logan hatte sich das Gesicht des Trainers eingeprägt und obwohl sie gerade verloren hatten, grinste er süffisant in sich hinein.
    Dieser Dash besaß ein andersfarbige Pokémon. Ein blaues Frizelbliz – das würde er sich sehr gut merken!


    Völlig außer Atem blieben sie auf Nordring stehen, wo der Verkehr der Fahrzeuge als auch der Menschen zugenommen hatte. Sie waren nicht mehr allein und würden nicht Gefahr laufen von diesen beiden Verrückten noch einmal angegriffen zu werden. So dumm konnten sie jedenfalls nicht sein auf offener Straße einen Kampf auszulösen. Dass überhaupt niemand auf den Kampf aufmerksam geworden war, wunderte Dash, doch anzeigen würde er die beiden nicht. Zum einen kannte er nicht die vollen Namen, zum anderen müsste er sich selbst erklären, warum er gekämpft hatte. Zu einem Kampf gehörten immer zwei Parteien.
    »Hui, what a battle!«, hörte Dash neben sich und richtete sich wieder auf, nachdem er zu Atem gekommen war. Er grinste DJ an.
    »Yeah, Honey war echt gut«, sagte er. Honey war klein, aber oho. Sie hatte Kuro vor schlimmeren Attacken bewahrt, aber andersherum war es genauso gewesen. Sie waren ein gutes Team gewesen und hatten sich gegenseitig unterstützt. Das machte einen Doppelkampf erst so richtig aus.
    »Sure«, meinte DJ nur und stemmte die Hände in die Hüften. Sie grinste ihn ebenfalls an und deutete dann auf Asuka.
    »Jetzt du hast ein neues Crewmitglied«, sagte sie in ihrem etwas gebrochenen Ausdruck. Asuka war die letzten Wochen bei Dash geblieben, aber nun würde es offiziell so sein. Er würde ins Center gehen und darauf hinweisen, dass der ursprüngliche Trainer kein Interesse an Raichu besaß, so dass die Anzeige diesbezüglich gelöscht werden konnte. Denn er bezweifelte, dass dieser Logan ins Pokémon-Center gehen würde, um dort nach seinem Raichu zu fragen. So viel traute er ihm nicht zu.
    »And now«, begann DJ wieder. »Ich hab Hunger!« Als sie das sagte und die Arme in die Luft warf, lachte Dash los. Asuka nahm er auf seine Arme, wo sie sich an ihn schmiegen durfte, anders als bei Logan, wo sie nie diese Nähe bekommen hätte.
    »Du bist auch dafür, dass wir was essen gehen, richtig?«, meinte er zu seinem Alola-Raichu und bekam einen größeren Hunger, als er eigentlich besaß. Scheint so, als bräuchte sie auch ganz dringend etwas zu futtern!
    »Let‘s go to the Sushi-Wok!«, sagte er und DJ jubelte. Gedanken über diese komischen Typen konnten sie sich später immer noch machen. Kuro und Honey würden natürlich auch was abbekommen, vor allem da Dash und DJ sowieso noch einmal prüfen wollten, ob mit den beiden alles in Ordnung war oder ob sie vielleicht eine schlimmere Verletzung abbekommen hatten, als sie es bisher ahnten. Doch das alles nach und nach. Dash freute sich über Asuka, die schmusig auf seinem Arm saß und DJ freute sich über die Aussicht auf ein leckeres Essen. So schnell konnte man unangenehme Situationen verdrängen und sich auf die wichtigen Dinge im Leben konzentrieren.
    Bon appétit!


  • Irgendwer hat mich anscheinend gerade geninjat, aber was soll's...
    Hallo. Also, ich weiß nicht, ob ich mit dem Kommentar jetzt so eine große Hilfe bin, weil ... ich halt jetzt erst angefangen habe, mich hier mal genauer deiner FF zu widmen. Totaler Spätzünder. Dabei habe ich halt wegen der Fragen mal nach dem ersten Kapitel innegehalten und nicht weitergelesen und möchte diese nun beantworten. Entsprechend schreibe ich jetzt natürlich nur zu etwas, was schon lange zurückliegt, aber ich hoffe mal, dass du dich trotzdem freust (oder gerade deswegen, weil ich ja zumindest ein neuer Leser bin, ähem).


    Von den Fragen mal abgesehen: Generell sind der Prolog und das erste Kapitel ein netter Einstieg in die Geschichte gewesen, man erfährt ein bisschen was über die Protagonistin und ihre Ansichten - wenn ich dazu was anmerken müsste, dann wäre es wohl, dass manches vielleicht mehr gezeigt als erzählt hätte werden können; das ist aber auch Geschmackssache. Ich bin auch eigentlich schon recht gespannt, wie es weitergeht - ich nehme mal an, dass Louna das Pokémon am Ende mitnehmen wird und dies kann natürlich einen Anlass für einige Veränderung in ihrem Leben geben. Ein Pokémon aufzuziehen ist ja schon eine Aufgabe und wenn ich mir vor Augen führe, dass die Geschichte das Label "Abenteuer" trägt ( :whistling: ), dann kann ich mir vielleicht ein bisschen was dazu denken.
    Soviel also erst einmal zu Prolog und erstem Kapitel. Ich werde wohl weiterlesen, je nachdem, wann ich Zeit dafür finde. Die Fragen werde ich vermutlich weiterhin möglichst beantworten, (ist ein nettes System; ich könnte mir vorstellen, dass es zum Teil zu mehr Kommentaren im Bereich führen könnte, wenn dieses Modell Schule macht), aber wahrscheinlich erst einmal nur für mich selbst, denn wahrscheinlich kommentiere ich in Zukunft eher mehrere Kapitel auf einmal und packe dann halt die Antworten zusammen in den Kommentar (Beantwortung mache ich dann aber halt immer, bevor ich das nächste Kapitel gelesen habe).


    Bis demnächst also! :)